*tea Amcht ^,»ch«q>W ebstduirau.Slai- SM™ flaniobet lpnl 1901 anber, 'Di-s-lbm-L "«nflroSflffdröfL nMt 36,pn. i dtt ReMiatur- nommm werden düngen bit zum ) dahin einzu- 1561 • ^tbruax Ml. äM Amtrachcht. Mkl gesucht. 1453 krankeukasie. steter Neivgrohhandlg. rovlfio». Duetten 106 an ^aafenM« .H., Alrrvave«. ichtiger tztuhmatn- lote Aibeil aejudl [ II., Wn'Lwden. Hfl wi M Am na gesllAl XfeiS USw.* Lv ’ tfr ond ck, ft-*1 -'"B rex** üft*** 6$®*® Sitte «ßkitt iw - MM yM WM \)i\ M \0l0Tti9en ms & »areut^ [ayiiiliiilii wn b->hen Lohn gt> Wttterhah», iBnrbaniflne _ Nr. 44 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Donnerstag 21. Februar 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Di« Girßkner Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechlel mit „Hess. Landwirt" und „Blätter für Hess Volkskunde" vier» mal wöchentlich beigelcgt. Annahme von «Nietgen Au der nadunüioflfl für den folgenden Tag rrickeinenden Nummer bi8 vorm. 10 tthr. Abbestellungen lpälrstcn« •bcnbe vorher. aTtion, Expedition und uckerei: Zchulstrahe 7. GieKenerAnreiger General-Anzeiger v xv Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Mtzen vezugspreis viertcljSßrt. Ml 2.20, HWHdtl. 75 W. mit Bringcrlohn; durch die Abholestcllen »ierleljähri. Mk. 1.00, monatl. 65 Pfg. Bei Postbezug viertrljShit. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. «lte Unzrlarn BermililungK» stellen des In- und «uolandeA Mthmcn Anjeiarn für b« (Licüencr «nzeiger entgrate. ArUenpreis total 12 th$U euowäns SO Pig. Adresse für Depesche»: Anzeiger Siehe«. FernfprechanschlußNr.bl» Amtlicher Eeil. Beknnntmn^nng. Bon dem zur Deckung der Geländeerwerbskosten für den Bahnbau Grünberg—Londorf durch den Kreis Gießen in 1895 aufgenommenen Anlehen von 80 000 Mark sind die Obligationen Lit. A Nr. 33 zu 1000 Mk. und Lit D Nr. 14 und 99 zu je 200 Mk. durch das LoS zur Rück Zahlung per 1. März d. I. bestimmt worden. Gießen, den 15. Februar 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Borträge über Obstbau. Herr Oberlehrer Reichelt zu Friedberg wird nächsten Samstag, den 23. d. M., abends 8 Uhr, im Lass Ebel dahier einen Vortrag über Beerenobstkultur halten, wozu die Mitglieder deS Oberhessischen Obstbauvereins und sonstige Interessenten hiermit eingeladen werden. Gießen, den 20. Februar 1901. Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins. Dr. Heinrichs. Bekanntmachung, Behufs Vornahme von Arbeiten zur Einbauung einer weiteren Notbrücke im Zuge der Klrnikstraßenüberführurg wird letztere für den 21. und 22. l. M. für den Fußgänger und Fuhrwerksverkehr gesperrt. Gießen, 19. Februar 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bckauntmachung. ES wird hiermit das Folgende zur Kenntnis der Mannschaften des BeurlaubtenstandeS gebracht: 1. In diesem Jahre erfolgt die Aushändigung der Kriegs beorderungen und Paßnotizen in der Zeit vom IO. bis LS März, und zwar für die Stadt Gießen durch Ordonnanzen, für die übrigen Ortschaften durch Vermittelung der OrtSbehörden. 2. Die bis jetzt noch nicht zur dienstlichen Kenntnis ge brachten Wohuuugsveräuderuuge« — auch diejenigen innethalb der Stadt Gießen — find sofort dem Bezirksfeldwebel zu melden. Aus der Custodia Philipps des Großmütigen. Aach einem Vortrag des Gymnasialdirektors Profeffor Dr. Schädel im Oberhessischen Geschichtsverein. Schluß. Der Landgraf und die Leute des Landgrafen hatten ihre Vorbereitungen zur Flucht mit heilloser Unvorsichtigkeit getroffen. Am deutlichsten zeigt das ein bei den Akten befindlicher Bericht des Küchenmeisters Jung. T-er Landgraf hatte seinen Köchen streng befohlen, erst zu fliehen, wenn seine Flucht gelungen sei, trotzdem machten sie sich, von ihm reichlich mit Geld versehen, schon vorher davon. Durch seine Menschenfreundlichkeit hat er sich schwer geschadet. Man kann sich nur schwer der Vermutung enthalten, daß die Spanier einen Fluchtversuch nicht ungern gesehen hätten, da in dem Versuch eine neue Schraube für den Gefangenen jag. Schließlich scheint per Landgraf jedoch die Falle gemerkt zü haben. Das einzige Surrogat für die so heiß ersehnte Freiheit, das den Landgrafen mit der Heimat in Verbindung erhielt, war seine Korrespondenz. Jedoch durfte er, geschlossene Briefe nicht empfangen, sie wurden alle ge- «öffnet. Es ging zwar daneben eine unkontrollierte Korrespondenz, von der die Spanier nichts wissen sollten, jedoch von den meisten Briefen sicherlich unterrichtet waren. Selbst öie verdeckten (sog. palabras cobierdas) Worte sind häufig von ihnen am Rand übersetzt worden. Solche sind: Der xroße Mann — Kaiser Karl, der Mann — Philipp, Krumb- masen — Herzog Mrecht von Preußen, Morman — Moritz, der gute Gesell in Spangenberg — Marg. v. der Sahl. Ja in einem Brief wird zu einer völlig allegorischen Einkleidung gegriffen. Tie Fürbitte der bei Karl auffallend beliebten Lungen Gräfin Waldeck für Philipp wird unter dem Bilde einer Hirschjagd verbildlicht. Neber eine besondere Art der Verschleierung erzählt Buchs handschriftliche Chronik, die ün Darmstädter Archiv liegt, daß die Livreen, die dem Gesinde des Landgrafen von Kassel geliefert wurden, als Wergeort für heimliche Briefchen, zwischen Stoff und Futter benutzt wurden, und Philipp giebt selbst die Maße für diese Miniaturbriefchen an. Kaiser Karl nennt in seiner Korrespondenz bei Lanz die Stiefel als expediens. Im Jahre L548 läßt Philipp 116 Briefe ausgehen und empfängt deren 3. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes der Reserve, Ersatzreserve, Landwehr I und Landwehr II, welche in Gießen ihren Wohnsitz haben, beauftragen — falls fft selbst nicht zu Hause sein können — einen erwachsenen Anverwandten, den Hauswirt oder einen zuverlässigen Mitbewohner mit der Empfangnahme der Kriegs beorderungen, bezw. der Paßnotizen. 4. Jeder Mann — ausgenommen die als unabkömmlich Bezeichneten, die im Bahndienst befindlichen und vom Waffendienst zurückgestellten und die ungeübten Ersatz reservisten — der bis zum 28. März abends feine Kriegsbeorderuug oder Paßuotiz erhalten hat, meldet dies sofort schriftlich oder mündlich dem Bezirksfeldwebel. 5. Die vom 1. April ab nicht mehr giftigen alten roten KriegSbeorderungeu und die weißen Paßnotizen find am 1. April durch die Mannschaften selbst zu ver> Nichten, die neuen gelben Kriegsbeorderungen, bezw die neuen weißen Paßnotizen sind einzukleben, und zwar nach dem Muster, welches für Gießen jede der austragenden Ordonnanzen in Händen hat, für die übrigen Ortschaften dem betreffenden Bürgermeister vom Hauptmeldeamt Gießen übersandt wird. Gießen, den 15. Februar 1901. Großherzogliches BezirkSkommaudo Gießen. Detring. Deutscher Reichstag. Berlin, 19. Februar 1901. Die Beratung des Bunbesratsbesch'uffes über Ausdehnung der Kvnzessionspflicht der Kalk, Z egelei- und Gypsöfen auf Anlagen zur Herstellung der Materialien überhaupt, sowie von Zement und gebranntem Thon führt in erster Beratung zu Auseinandersetzungen über die Begrenzung dieser Genehmigungspflicht. Die zweite Beiatung wird vorläufig noch ausgesetzt. Dann fährt der Reichstag in der Beratung des Postelats fort. Abg. Eickhoff (Freis. Vp.) empfiehlt die Berücksichtigung der Wünsche der Postkassierer und Postinspektoren, warauf sich Staatssekretär v. Podbielski entgegenkommend äußert, aber in Bezug auf die Reform zur höheren Laufbahn zur Geduld mahnt. Erne auesührlichere Besprechung findet dann die von der Kommission vorgeschlagene Resolution auf Ein sührung höherer Zwilchen gehaltsftusen für Post- und Telegraphenasfistenten und B-ffer- stellung der Diätare. Referent Abg. Dr. Paasche (nl.) empfiehlt die Resolution und be« merkt, die Einstellung eines Nachtrages von 1700000 Mk. in den Etat sei nötig, um der Resolution Nachdruck zu v> riechen. Abg. Singer (Svz.>: Der Staatssekretär rühmte, daß seine Ver Wartung nicht politischen Zwecken dienstbar gemacht werde. Nun richtete der deutsche Flottenveretn an viele Postdirektionen ein Zirkular, worin gebeten wird, den Flotteuverein zu unterstützen und aus die Zeitschrift ,U beiaU* zu abonnieren. Das Z rkular enthalte eine direkte Bee>n fiufiung. Bezüglich der Resolution habe der Bundesrat bis jetzt drei Jahre 32. 1550 dagegen sind die Zahlen nur noch 58 und 15, und zuletzt kommt die Korrespondenz völlig ins Stocken. Zeitweise erschließt uns die Custvdien-Korrespondenz insofern eine mehrfache Quelle, als nebeneinander herlaufen die Korrespondenz des Landgrafen nach Hessen, die mit Moritz und Kurfürst Joachim und diejenige aus Kassel an die beiden Kurfürsten: so für Ende 1548, wo ohnehin die wichtigste Entscheidung, die Exilierung in die Niederlande, fiel, und ihre Gegenmaßregeln verlangte. Aus den niederländischen Gefängnissen durfte Philipp offenbar nur mit der Kasseler Regierung selbst verkehren, sonst direkt mit niemanden. Selbst seine Grüße an den „guten Gesellen in SpangenbeirH" , Margarete v. d. Sahl, ja was er an seine Frau zu bestellen hatte, geht durch sie. Kaiser Karl hat hierin eine besondere Strafe gesucht, über die Philipp natürlich niemals klagen durfte. Außer Grüßen darf er nichts schreiben. „Wünscht ihr viel selige gute Nacht", schreibt etr für seine Schwester wohl, für Margarete hat er nur immer den einfachen Gruß. Tie Korrespondenz enthält nur noch den Befehl, falls Hessen kriegerisch überzogen würde beim nahen Konflikt mit Kaiser Karl, solle man 3000 ft. und einen treuen Mann bereit halten, daß Margarete in eine Reichsstadt sicher geleitet werde. Viel inhaltreicher waren die Bestellungen an sein Weib. Sie trug ihm nichts nach. Sie beteuerte, außer Gottes Gnade nitchs so hoch zu begehren, als sich noch einmal auf Erden mit Philipp zu unterreden. Ist der Hauptgegenstaud seiner Korrespondenz auch der Kampf um die Befreiung, so läßt es Philipp doch nicht fehlen an treuer Regentensorge für sein Land. Die Allendorfer Salzsohle, den Salzbau an der Werra empfiehlt er mehrfach zu achtsamer Pflege. Mit Wärme gedenkt er der Prediger und ihrer Waisen, seiner Prinzen, „daß man sie zu Gottesfurcht und Ehre ziehe", und der Gefängnisse — er fühlt ja die Qual der Haft an sich selbst — „daß die Gefangenen trocken fitzen und wohl versorgt sein sollen". Oftmals schreibt er, der Armen zu gedenken. Dies alles ist bei dem starken humanen Zug in seinem ganzen Wesen gar nicht anders zu erwarten. Auch seiner Dienerschaft nahm er sich ganz besonders an, versorgte sie reichlich mit Speise und Trank. Gerade an diesem liebenswürdigen Gefühl der Menschlichkeit verwundete ihn Kaiser Karl. Die gefangenen Hessen ließ er gegenüber seinem Gefängnisses am Galgen hängen. Ter Kaiser war nicht zu die Beschlüße des Reichstages nicht beachtet. Der Wid-rstand liege weniger bei dem Reichsschatzsekretär als bei dem preußischen Finanzminister. Die diätarische Anst. ll»ng dürfe fünf Jahre nicht überschreiten. Der Wohnnng«- geldzufchuß für die kleineren und mittleren Beamten in Berlin reiche nicht aus. Mit bloßen Teuerungszulagen fei die Frage nicht erledigt Die Sozialdemokraten würden für beide Resolutionen eintreten, aber der Reichstag sei in dieser Frage zu langmütig. Er solle einfach eine Summe ht den Etat einfetzen. Abg. Dr Müller-Sagan (Freis. Vp.): Ich kann mich den Ausführungen des Vorredners nur anfchlüßen Die „Deutsche Verkehrszlg." hat sich wiederholt für die in der Resolution niedergelegten Forderungen ausgesprochen. Gegenüber dieser Haltung des postofsiz'ösen Organs ist ei unverstSnt>lich, daß die Regierung der Forderung des Reichtsags noch immer nicht nachgekommen ist. Wo bleibt da die vom Reichskanzler in Aussicht gestellte Einheitlichkeit innerhalb der Regierung? (Sehr richtig! links.) Der Redner findet es ausfallend, daß unter den Oberassifbnten und Assistenten, von benni viele das Abiturientenexamen gemacht haben, nur äußerst wenige als Reserveoffiziere geführt werden. Man hört, daß viele von chnen qualifiziert erachtet worden sind wegen ihrer dienstliche» Stellung. Darüber sollte der Staatssekretär Auskunft geben. In der T'telsucht steckten wir alle noch bis über die Ohren darin; Profeffor, Doktor, Geheimrat, ohne das gehts nicht! (Heiterkeit.) Da sollte matt nicht über die Titelsucht anderer reden; und wenn auch der Mann darüber erhaben ist, die Frau ist es nicht! (Heiterkeit) Es ginge vielleicht sogar nvt einem „Dr. post.“ (Heiterkeit.) Redner tadelt bie Verwendung der Beamten für die Agitation-zwecke des Flottenvereins und die damit verbundene unzulässige Beeinfiuffung der Beamten und Unterbeamten durch ihre Vorgesetzten Das ist der Postverwaltung unwürdig. (Bravo! links.) A g. Möller (nl.): Wir kamen in der Kommt sion zu der Annahme der beiden Resolutionen, weil wir keinen offenen Konflikt herbeiführen wollten, denn sonst hätten wir den Etat in der Dudgetkommission erhöht. Abg. v. Kardorsf (Rp.) meint, die Sozialdemokraten seien immer eifrig bemüht, die R ichsausgaben zu erhöhen durch Verb-fferung der Beamtengehälter, was ja an sich gut und nützlich sei. Die verbündeten Regierungen müßten aber das Gesamtintereffe im Auge haben. Abg Werner (Antis.) erkennt an, daß unter dem neuen Staatssekretär viele Mängel abgestellt worden seien. Auch die Behandlung der Beamten sei beffer geworden. Die Reffortchefs müßten aber energischer vorgehen, wenn sie beim Reichsschatzamt etwas durchsetzen wollten. Staatssekretär v. Podbielski tritt biekr Ansicht entgegen, daß er mit feinen Wünschen beim Reichsschatzsekretär auf Widerstand stoße, und bestreitet bann, baß eine Mißachtung ber Beschlüsse bes Reichstag- vorliege. Der Reichstag habe selbst bie Anomalie in ber Skala Altersstufen geschaffen. Eme Aenberung sei ja zu wünschen, aber es bedürfe sorgsamer Erwägung wegen ber Rückwi kung auf bie gleichalterigen Beamten in anberen Verwaltungen, auch in benen ber Einzelstaaten. In Bezug auf ben Flottenverein liegen keine allgemeinen Verfügungen vor, sondern der Verein habe sich direkt an die Einzelpostämter gewendet. Singer verlangt noch mehr Beamtenstellen, aber ich habe eigentlich schon zu viel. Es wachsen mir nicht blos die Diätare, sondern auch die s, Militäranwärter zu; ich bekomme einen immer stärker verdorbene« Magen, ich bekomme mehr, als ich ordnungsmäßig verdauen kann, lHeiterkeit.) Ich muß mich also von diesem Ueberstand befreien. (Stürmische Heiterkeit) Bezüglich ber Aufsorberung zum Abonnement bet Zeitschrift bes Flottenvereins bemerkt ber Staatssekretär, baß weder von ihm noch von einer Ober-Pofidirektion ein Abonnement auf eine Zeitschrift empfohlen sei. Geh Rat Neumann bittet, die Resolutionen abzulehnen. Abg. Dr. Müller-Sagan: Die Anomalie ber Gehaltsskala ist nicht vom Reichstag verschuldet; er hat es erreicht, daß wenigstens am Ende ber Skala die Verschiebung eintrat; wenn bie Regierung bie Verschiebung am Anfang zugestanben hätte, so wäre bie Anomalie vermieben der leisesten Verheißung zu bewegen, wenn man von des Landgrafen Befreiung sprach. Und Philipp hatte Fürsprache genug; der Bischof von Trient bat für ihn u. a. Aber- alles vergebens. So war denn der Landgraf auf seine eigene Kraft angewiesen, und nur dieser verdankt er schließlich seine Befreiung allein. Als alle Fürbitten versagten, da beschritt er den Weg der Gewalt und verlangte kategorisch, daß die beiden Kurfürsten, die sich für feine persönliche Freiheit vor der Haller Zusammenkunft verbürgt hatten, eingemahnt, und wenn fte dieser Mahnung nicht nachkämen, nach altdeutschem Recht abgemalt und ihre Bilder mit der Unterschrift „Verräter^ in alle Städte des Reiches verbreitet würden. Die Kurfürsten leugneten ja nie, daß die Kinder des Landgrase» Philipps das Recht hätten, sie zu mahnen, aber der ttaijer Karl leugnete es und drohte sogar, wenn tue Kurfürsten Folge leisteten. Moritz hatte es fertig gebracht, nntterwerle eine Verständigung mit Frankreich zur Befreiung Philipps! 5U eüml ab er dem steten Drängen Philipps auf Einreiten der Kurfürsten in Kassel zu entgehen, hatte Moritz es schfteß- licb dienlich gefunden, seinen Schwiegervater von dem Plane gewaltsamer Befreiung zu verständigen. Dieser aber glaubte nicht daran und erklärte das Ganze für eine List, um dem Einreiten zu entgehen. Er ging sogar so weit, daß er dem Kaiser Aufklärung geben wollte, wenn man so seine Pläne kreilze. Tatsächlich hat der Landgraf es soweit kommen lassen. Im Brüsseler Archiv befinoet sich ber urkundliche Beweis. Gottlob, dieses Anerbieten kam zu spät. Sonst hätte die Welt das traurige Schauspiel erlebt, daß Philipp in seiner Verzweiflung den aussichtsvollsten Versuch seiner Befreiung selbst vereitelt hätte. Kaiser Karl traute dem Landgrafen nicht, er wies die Offenbarung zurück. Kurfürst Moritz griff rasch zu, durch Philipps Drohen mit Gewalt wurde er scharf gemacht. So hat der Landgraf Philipp seine Beftemng gewissermaßen selbst herbeigeführt, als alle seine Festungen gebrochen waren und auch unser Gießen, wie er einmal Nagt, „für ewige Zeiten ruiniert" war. Daß dem nicht so ist, daß Gießen nicht für ewige Zeiten ruiniert ward, und wir heute in der Lage sind, de^ pai - haften Landgrafen ehrend zu gedenken, das verdanke apres tont doch nur ihm selber. worden. Also man kann dem Reichstag höchsten« vorwerfen, daß er nicht von Anfang an energychrr aufgetreten »st. (Sehr richtig! links.) Abg. Kirsch (Zentr.) bittet um Annahme der Resolution, für die in der Kommission eine große Mehrheit gewesen sei. Abg. Singer (Soz.) kommt nochmals auf das Zirkular des Flottenvereins zurück. Es ist sehr bequem, einerseits zu erklären, ich gebe meine Verwaltung nicht dazu her, politische Agitationen zu treiben, und andererseits zu sagen, wenn diese Leute sich direkt an die Oberpostdirektion wenden, so kann ich nichts thun. Ich möchte mit einer Gegenfrage antworten: Was würde der Staatssekretär thun, wenn der Vorstand der sozialdemo kratischen Partei an die Oberpostdirektion das Ersuchen richtete, unter den Nachgeordneten Beamten Petitionen zirkulieren zu laffen, gegen die Erhöhung der Getretdezölle, oder wenn der Verlag des „Vorwärts" die Oberpostdirektion bäte, bei ihren Beamten ein Zirkular umgehen zu lassen, das auf das Abonnement auf den „Vorwärts" verweist. (Sehr gut! bei den Soz.) Ich glaube, der Staatssekretär würde mit einem Male die Macht haben, seinerseits zu verhindern, daß die Oberpostdirektton einem derartigen Ansuchen nachkommt. (Sehr richtig! bei den Soz.) Staatssekretär v. Podbielski: Herr Singer kann versichert sein, daß ich, wenn solche Wünsche, wie er sie geäußert hat, an dir Beamten herantreten, dem ganz unbedingt cntgegentreten würde und zwar umsomehr, wenn Tendenzen verfolgt werden, die ich vom Grund meine« Herzens au- nicht billige. Ich habe daS Bestreben, mit meinen Beamten nach einer Richtung hin zu fühlen und zu denken, unser Gut und Blut einzusitzen für die Erhaltung des deutschen Reiches wie es heute besteht. (Bravo! rechts.) Ich habe mich nicht um das Detail deS FlotlenveretnS gekümmert, aber den Eindruck gehabt, daß bis wett hinaus in die H-rren der Fortschrittspartei hinein, e« Mitglieder des Flottenoereins gibt, daß das gar keine politische Demonstration, sondern nur eine Vereinigung aller der Männer ist, die für eine E Weiterung der Flotte sind. (Lacher bei den Soz.) Das ist ein wesentlicher Unterschied, oo ich als Chef einer Verwaltung sage: ich empfehle dies Ding zur Subskriptton, da ist es ein Druck, oder ob ich sage: Ihr könnt es zur Einsicht schicken. (Widerspruch bet den Soztaldemokralen.) Abg. Singer: Ein Verein, wie der Flottenoerein, der von Anfang an die Marinepoltttk der Regierung unterstützt hat, der keine andere Daseinsberechtigung besitzt, soll kein politischer Verein sein? DaS wird wohl in Deuischland auß r Herrn v. Podbteltzkt Niemand glauben. (Auf der rechten Seite deS Hauses wird laut gegähnt.) Wenn die Herren Ttersttmmen nachabm-n, dann zeigen sie dadurch, wo ihr gewöhnlicher Aufenthalt ist! (Heiterkeit und sehr gut! bet den Soz.) Der ganzen Sache nach können wtr als Ergebnis siststellen: Der Staatssekretär verhindert, wenn es seiner Tendenz nicht paßt, die Zirkulation von Drucksachen unter seinen Beamten, und fördert sie, sobald sie von Vereinen auSgeht, die einer ihm genehmen Tendenz huldigen. Unter dieser Feststellung muß tch sagen: Die Verwaltung deS StaatssekretäiS ist eine Parteioerwaltung und feine parteilose Verwaltung. (Bravo! bet den So,.) Abg. Dr. Müller-Sagan (Frs. Vp): Der Staatssekretär kann sich freuen, daß er seiner Ansicht von der unpolitischen Natur M FlottenoeretnS nicht denselben Ausdruck gegeben hat wie der Ober- postdirtktor Becker in Gevelsberg. Dieser Herr berief eine Versammlung der „Jünger PodbtelSkt'S" ein und setzte ihnen den Nutzen des Flotten Vereins auseinander. Er unterließ es, diese Versammlung anzumelden «nd wurde nun zu einer Geldstrafe von Mk. 15 vom Gericht wegen B ranstaltung einer nicht angemeldeten Versammlung verurteilt. (Hört, hört! links.) Damit schließ' die Diskussion. An daS Schlußwort des Referenten Abg. Dr. Paasche knüpsen die Abgg. Müller-Sagan und Singer die Beschwerde, daß der Referent auch die Gründe der Minderheit der Kommission vorgetragen und dem Sinne nach für Ablehmma der Risolution plädiert habe. — Von den Abgg. Gras Roon» v. Staudy und Kirsch wird das Referat gebilligt. Der Tiie> wird bewilligt, die R solntion angenomm-n. Politische Tagesschau. Aus Berlin, 19. Febr., ivirb uns geschrieben: In der Budgetkom Mission des Reichstags würben heute an den einmaligen Ausgaben des M i - kitäretats mehrere erhebliche Streichungen vorgenommen. Der Zentrumsabgeordnete Müller-Fulda stellte in Aussicht, daß bei dem ganzen Militäretat 6 bis 10 Millionen abgesetzt werden sollen, da es an flüssigen Mitteln in diesem Jahre fehle, ebenso müßten an anderen Etats Abstriche erfolgen. Die Finanzverhältnisse des Reiches sind in der That sehr unbefriedigend, im Gegensatz zu Preußen, das noch immer „heidenmäßig viel Geld hat". Daß in naher Zeit die Reichsfinanzen sich wieder kräftigen werden, scheint bei der Ungunst der wirtschaftlichen Konjunktur ausgeschlossen. Es ist daher kein Wunder, wenn von „Erschließung neuer Steuerquellen" gemunkelt wird. „Die Bierschlange erhebt ihr Haupt!" signalisierte neulich das Organ des Abg. Richter, die „Freis. Ztg." Andere wollen das Dräuen der „Tab a ksch l an g e" - um in dem schönen Bilde zu bleiben — bemerkt haben. Aber ehwas Sicheres weiß niemand. Tie Regierung hüllt sich in Schweigen; sie bestätigt und sie bestreitet nichts. Mit unangenehmen Mitteilungen kommt sie immer noch früh genug, und das ist nach Erfahrungen klug, von Steuerprojekten nicht eher zu sprechen, um nämlich die Gegenagitation nicht vorzeitig mobil zu machen, als bis der Plan fix und fertig vorliegt. Ganz „rein" ist die Luft nicht mehr. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 19. Februar: Der Reichstag hat heute für die Postassistenten etwas gethan; er Hut mit großer Mehrheit dem Beschluß der Budgetkommission zugeftimmt, wonach die Gehälter der Assistenten durch eine andere Abgrenzung der Gehaltsstufen, besonders im Anfang, aufgebessert werden sollen., Es wurde gefordert, daß in diesem Jahre noch die Re- gierung dem wiederholt geäußerten Ersuchen des Parla-, wents mittels Nachtragsetats entsprechen möchte. Auch ein Titel ist in Sicht: der Titel „Post-Assessor" für die Postkassiercr. Die beiden Postspezialisten des Reichstags, Singer (Soz.) und Dr. Müller-Sagan (Frs. Volksp.) nahmen sich der politischen Meinungsfreiheit der llnter- veamten an. Beschwerden über die Agitation für den „Flottenverein" bei der Post beantwortete Staatssekretär Herr v Podbielski damit, daß er den Flottenverein nicht als eine politische Vereinigung betrachte. Der Debatte rn dein ausnahmsweise ziemlich gut besetzten Hause wohnte « •rr«11 -Hbunen wieder ein außerordentlich zahlreiches Publikum von Interessenten bei. Mit hochgezogencn Augenbrauen, mit gespanntester Teilnahme horchten diese Sachverständigen natürlich am meisten dann auf wenn der „Ches" sprach. Wer beim Anblick des unvenvüstlich guter Laune scheinenden, jovial lächelnden Herrn v. Podbielski nicht ebenfalls auf eine Weile seiner Sorgen vergißt, muß schon ein unverbesserlicher Hypochonder sein. 'Den entschiedenen Kontrast zu Herrn v. Podbielski bildet der streng und unnahbar wie die verkörperte Justiz aussehcndc Staatssekretär des Reichsjustizamts Herr Dr. Nieberding. Aits dem preußischen Abgeordneten hause Wirb uns unterm 19. Februar geschrieben Im Abgeordnetenhause bot heute die Verhandlung über den Etat der Berg- und Hüttenverwaltung dem Handels- nnnister B r e f e l d Gelegenheit, sein Verhältnis zum Zentralverband deutscher Industrieller („Bueck-Brief") und seine Charakterisierung des Handels als „notwendiges Uebel" klarzustellen. Bueck müsse sich geirrt haben; denn unmöglich könne er, der Minister, in der Unterredung, der er übrigens keine besondere Bedeutung beimaß, gesagt haben, daß er die staatliche Fürsorge für die Arbeiter als abgeschlossen betrackste. Gerade der Arbeiterschutz gehöre zu den vornehmsten Pflichten seines Amtes. Sein Urteil über die Stellung des Handels beim Kohlenverschleiß will der Minister lediglich in dem Sinne gefällt haben, als er unvermeidliche Uebelstände beim Zwischenhandel habe charakterisieren wollen. . . . Die weitere Erklärung des Ministers, er beabsichtige den Preis für die fiskalische Kohle vom 1. April ab um 50 Pf. pro Tonne zu erhöhen, paßt zu dem auf Linderung der Kohlennot gerichteten Regierungsprogramm wie die Faust aufs Auge. Und erst recht ver- wunderlich ist es, wenn Brefeld seine Maßregel mit dem Ausdruck der Hoffnung begründet, die Privatgruben würden dann eine Herabsetzung der Preise vornehmen. Die Herren vom Syndikat müßten ja — um mit Herrn von Miquet zu sprechen — „Esel" sein, wenn sie das thäten, und nickst einfach dem Beispiel folgten! — Engländer und Bnren. Welche Bedeutung Kitchener dem so vorzüglich gelungenen Einbruch De Wets in die Kapkolonie beimißt, ergiebt sich daraus, daß er sein Hauptquartier am 16. ds. selbst nach De Ar verlegt hat. Er kam zu spät, als De Wet die Eisenbahn überschritt, denn schon am Morgen des 15. war dieses Manöver geglückt. Freilich leider nicht ohne empfindliche Verluste. De Wet hatte den Bahnkörper nördlich und südlich von der Stelle, an der er den Uebergang bewerkstelligen wollte, zerstören lassen und dadurch verhindert, daß die Engländer ihm den Weg verlegten. Aber gleichwohl gelang es, je einen Panzerzug von Süden und Norden so nahe heranzubringen, daß zwei Fünfzehnpfünder im Süden und zwei Marine-Zwölfvfünder im Norden in Thätigkeit treten konnten, als erst der dritte Teil von De Wets Train die Bahn überschritten hatte. Die übrigen beiden Drittel wurden dadurch abgekniffen und gingen verloren. Besonders schmerzlich ist es, daß De Wet ein Maximgeschütz und Munitionswagen mit 600Granatenund500000Patronen,sowie100 Pferde im Stiche lassen mußte. Bis auf dieses Mißgeschick ist sein kühnes Unternehmen aber vollkommen geglückt. Nach den letzten Meldungen marschiertDewet noch nordwärts und soll jetzt westlich von Hope- t o w n stehen. Er wird, so meldet Kitchener vom 18., wahrscheinlich einen Rücksprung in südwestlicher Richtung unternehmen. Kitchener fügt hinzu: Unsere Truppen sind hierauf vorbereitet. Es scheint kaum zweifelhaft, daß es De Wet glücken wird, die Verbindung mit den Kommandos unter Hertzog, Brand und Pretorius berzustellen. Diese letzter» sind scheinbar, nach Kenhardt oder dem nördlichen Teile des Bezirks Carnarvon ausgewichen, denn nach einer Meldung aus Carnarvon ist De Lisle, der den westlichen Flügel ber englischen Säuberungsstreitkräfte führt, am 16. in diese Stadt eingerückt. Knox und Bruce-Hamilton, die zur Verfolgung De Wets detachiert waren, kamen wesentlich zu spät. Knox überschritt den Oranje erst am 16. und Bruce-Hamilton ist am gleichen Tage, wie aus De Aar gemeldet wird, nach einer Reihe von Gewaltmärschen dort eingetroffen. Kitchener meldet weiter vom 18.: Heute früh entgleiste ein Zug zwischen Vereeniging und Johannesburg. Ehe die Buren viel aus dem Zuge entnehmen konnten, wurden sie vertrieben. Auf unserer Seite ist ein Mann gefallen, einer leicht verwundet. Es heißt, daß die Buren Vosburg besetzt haben, da die Verbindung mit Vosburg abgeschnitten ist. In Strydenburg stehen 1000 Buren, ebenso stehen zahlreiche Buren in dem 21 Meilen von Britstown gelegenen Hou- water. Ein Brief des Kriegsberichterstatters des „Daily Telegraph bringt unter dem 30. Januar einige interessante Mitteilungen über die Absichten und Pläne der Buren. Meine Nachrichten — schreibt dieser Gewährsmann — stammen aus einer Quelle, mit der auch die Militärbehörden geheimen Verkehr haben, und werden ergänzt durch Leute, die an Ort und Stelle den Verlauf der Dinge beobachten konnten. Vor dem Einfall der Burenabteilungen unter Hertzog und Kruitzinger am 17. Januar waren unsere Behörden über die bevorstehenden Ereignisse in Kenntnis gesetzt worden, und bisher haben sich diese Warnungen noch, in allen Punkten bestätigt. Der weitere Verlauf bleibt allerdings abzuwarten. Unserseits wurden die sieben oder acht Uebergangspunkte des angeschwollenen Oranjeflusses beobachtet, um den Einfall wenn irgend möglich zu hindern. Die Buren schlüpften aber doch hinüber, indem sie mutig und geschickt den Uebergang mit Seilen bewert- stelligten. Menschen, Gepäck und Pferde lvurden auf diese Weise hinübergeschafft, und man sieht dabei wiederum, was kühneund entschlosseneMänner, d i e n i ch t in den Banden alter Schablone und einseitiger beschränkter Ausbildung liegen, unter schwierigen Verhältnissen zu leisten vermögen. Seitdem hat man sich btijtn auf unserer Seite darüber gewundert, daß die Buren in der Kolonie sich nicht mit bewaffneter Hand erhoben haben. Es war indessen vorher abgemacht, daß keine Massenerhebung stattfinden sollte. Hertzog und Kruitzinger hatten, wie es heißt, Weisung von Christian De Wet und Piet Botha, einfach den Kapholländern anzukündigen, daß sie sich bereit halten sollten. Dabei sollte denn ein vollständiges Inventar über alle Gehöfte, Waffenbestände und Gegenstände ausgenommen werden, die allenfalls nützlich sein könnten. Wer dann aufstehen wolle, solle als Kfamerad behandelt, die übrigen aber sollten ausgeplündert und wie tolle Hunde niedergeschossen worden. Nach diesem Plane schlug dann Hertzog die eine, und Kruitzinger die andere Mchtung ein. In Gruppen von zwei und drei haben die Buren seitdem in weitem Umkreise alle Gehöfte abgestreift, und festaestellt, was an Rekruten, Waffen, Munition, Fourage und Transportticren aufzutreiben wäre. Der fernere Teil des Planes ist entschieden wichtiger: Am 7. oder 9. Februar sollten die obigen Vorbereitungen beendet sein, und dann sollte die allgemeine Erhebung erfolgen. Christian De Wet, Delarey und Piet Botha sollten alsdann ebenfalls in die Kolonie einfallen, und soweit als möglich alles vor sick) herfegen^ ehe sie wieder umkehren, und den Oranjefluß überschreiten würden. _ Sicher ist, daß neuerdings Piet Botha in Smithfield aufgetaucht ist und mit 2000 Mann und 7 Geschütze» im Anzuge auf die Kapkolonie war. Was das weitere anbelangt, so sollen nach der envähnten Quelle Delarey und De Wet im Zentt-um angreifen. Abteilungen sollen indessen nach verschiedenen Richtungen ausgesandt werden. Die Hauptpunkte, gegen die sich, sobald das Zeichen gegeben wird, dxr Angriff richtet, sind zunächst die Bahnstrecke Queenstown-Stormberg, wo die Verbindung unterbrochen werden soll. Sodann soll der Tunnel am Hexflusse zerstört werden, und ein Angriff auf De Aar, bekanntlich eine sehr bedeutende vorgeschobene Basis, erfolgen, und die Zerstörung der Bahn nach Port Elisabeth an mehreren Punkten unternommen werden. Als der südlichste Punkt, wohin der Vorstoß und wahrscheinlich eine Zusammenziehung in Aussicht genommen ist, wird das Hexgebirge, in nicht großer Entfernung von Kapstadt, bezeichnet. Der ganze Bezirk zwischen Knapdaar, Bethulie und Burghersdorp soll bereits (Ende Januar) in fieberhafter Aufregung diese» Ereignissen entgegensetzen. Sobald De Wet und die übrigen Burenführer, soweit sie es überhaupt wagen, die Kolonie ausgefegt haben, soll alles, Menschen, Vieh und bewegliche Habe, vor ihnen her in den weiland Oranjestaat getrieben werden. Von den Bahnlinien soll besonders die Strecke nach Bloemfontein nach Möglichkeit zerstört und Bloemfontein selbst in großer Stärke angegriffen werden. Piet Botha beabsichtigt, westlich von Oudendael in die Kapkolonie einzubrechen. Wie man sieht, ist der Plan der Buren kühn und umfangreich genug, und auch nicht übel aus- gedacht, vorausgesetzt, daß sie zur Ausführung Leute genug besitzen und auf erheblichen Zuzug aus der Kolonie wirklich rechnen können. In amerikanischen und englischen Organen wird ein Brief veröffentlicht, der schildert, wie die Engländer sengen und brennen und schuldlose Frauen und Kinder ins Elend jagen. Ter Schreiber nennt sich Leutnant Morrison von der kanadischen Artillerie. Er schreibt über einen Marsch im Norden von Belfast: „Unser Vormarsch glich den Plünderungszügen in den schottischen Hochlanden vor zwei Jahrhunderten. Wir marschierten vou Thal zu Thal, nahmen Vieh und Schafe, steckten in Brand und plünderten, und wiesen die Frauen und Kinder aus den Häusern. Diese setzten sich dann nieder und weinten vor Verzweiflung neben den Ruinen ihrer einst so schönen Farmhäuser. Es war die erste That von Kitchieners „eiserner Hand" und schrecklich mit anzusehen! Wir setzten die Brandstiftungen in einem Umfange von sechs Meilen in diesen lieblichen Thälern fort. Unsere Kolonne ließ einen Streifen von Feuer und Rauch hinter sich" Er beschreibt die Plünderung der blühenden Stadt Devilstrom mit folgenden Worten: „Niemand, der dabei gewesen, wird jemals jenes Tagewerk vergessen können. Die Buren waren auf die benachbarten Hügel gegangen, und so waren nur Frauen und Kinder zurückgeblieben. . . . Die Ausplünderung begann." Er beschreibt, wie sich der Rauch der in Brand gesteckten Häuser in eine riesige Flammenglut verwandelte, groß genug, um auf viele Meilen hinaus gesehe» zu iverden. Tie Frauen und Kinder hatten sich auf den Treppen einer Kirche zusammengekauert. Ms ihm eine Frau zurief: „O, wie könnt ihr so grausam sein?" habe, er mitleidig geantwortet, daß ein Befehl dazu erging, und befolgt werden mußte. Sobald ein Haus durchsucht war, sei es jedesmal in Brand gesteckt worden. „Es war ein unendlich trauriger Anblick, diese kleinen Heimstätte» verbrennen zu sehen. Auch die Rosenbüsche in den reizenden Gärtchen verwandelten fidjt in Asche. Und obdachlos gewordene Frauen und kleine Kinder weinten im tiefen Jammer!" • Telegramme deS Gießener Anzeigers. London, 20. Febr. „Daily Telegraph" meldet auS De Aar: Eine Abteilung von 50 Buren brachte nachts einen Kohlenzug nahe bei Taaibuch zwischen De Aar und Nouwport zur Entgleisung, beschoß denselben und stürzte die Wagen um, welche voll Kaffem waren. Zwei Koffern und ein Yeomen wurden getötet. Panzerzüge trafen schleunig auf dem Schauplatz ein und eröffneten ein Feuer mit einem Geschütz. Ein Bur ist tot, zehn wurden gefangen. London, 20. Febr. Die Morgenblätter melden aus Kapstadt: Es verlaute dort gerüchtweise, daß Präsiden t Steijjn gefangen genommen sei. (Steijn ist bekanntlich dreimal tot gesagt worden und lebt heute noch! D. Red.) Kapstadt, 20. Febr. (Reuter Meldung). Theron, der Präsident des Afrikanderbundes, beschloß, den FriedenSge- sandten zu entwerten, er könne auf Grund der Bundkonstitution die Stellung der Kommissare nicht anerkennen und sei nicht in der Lage, in Verhandlungen mit einer Körperschaft zu treten, besten Grundsätze von denen der Afrikanderpartei abweichen. Nichtsdestoweniger biete er seine Dienste den eingesetzten Behörden au, um den Feinden unter ehrenvollen Bedingungen für beide Seiten und in Uebereinftimmung mit der erklärten Politik der Afrikanderpartei wiederherzu- stellen. Deutsches Reich. Berlin, 19. Febr. Der Kaiser und die Kaiserin machten heute vormittag den gewohnten Spaziergang im Kurpark zu Homburg. Zur gestrigen Abendtafel war der Chef deS Zivilkabinetts, Wirkt. Geh. Rat Dr. v. LucannS geladen. Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute nachmittag im Schloß FriedrichShof ein und kehrten um 5 Uhr nach Homburg zurück. Die Kaiserin begab sich 9.58 Uhr nach Frankfurt. Sie reiste von da mit dem V-Zug nach Berlin: — Wie der „Berl. Börsenztg." gemeldet wird, ist der Staatssekretär des Innern Graf PosadowSky zum Domherrn von Brandenburg ernannt worden. — Ein morgen im Reichstag zur Beratung stehender Centrumsantrag besagt: Artikel 32 der ReichSverfasiung wird durch folgende Bestimmung« ersetzt: Die Mitglieder des Reichstages erhalten aus Reichsmitteln freit Fahrt auf den Eisenbahnen. Für die Dauer der Anwesenheit bei dm Sitzungen des Reichstage- AnwesenhettSgelder in Höh« von 20 Mark f ü r den Tag. Bon den Amoesenheitsgeldern werde» die Tagegelder abgerechnet, welche ein Mitglied des Reichstags eil Mit» FS?, BnS" l Elchen ge- KZ ” Z-smL fWnet K ^MAnsdorp diese, "d die übrigen »- bie Kolonie M beglich * getrieben « ine Streit i Md S8i«emi werden. Piet ? die ^apkolDnit ■an der Buren rucht übel aus» U Leute genug Kolonie tvirllich innen wird ein Engländer '.grauen unb iber nennt sich Mene. <ä Belsch- „Unser den schottischen narschierten von ceckten in Brand mb Kinder aus iet und weinten einst so schönen von Kitcheners )en! Wir setzten on sechs Weilen e Kolonne lieh ;r sich." Er be- tadt Devilstrom ei gewesen, wird >ie Buren waren d so waren nur Tie Ausplündw r Rauch der in lammenglut ver» 1 Daus gesehen n fitff auf den W ihm eint n fein?" W- , urdru. „Es war ,ueu Heimstätten )e in den reuen* Und obdachlos einten im tiesn iz-ig-r-, ch" mtlbtt ati idjte nachts einte De »ar bi» Üben und stllrzte «teil 8cheru mü em« S-» £5'3 5. «*) hn I Th-r°«.« den Sli-dE «d der 8“nb,tl’; ,t ««*”'! i mit einer W ien berüfry » «f* ®L ? S- S£‘- olvSky a id»* 3(ub eint» brutschen Landtages für dieselbe Zeit bezieht. Die Be- dmgungen und Festsetzung zur Zahlung der Anwesenheitsgelder »nter- tiegcn den Bestimmungen deS Reichstagepräsidenten. — Bor einigen Tagen Hal hier eine Versammlung von je drei Vertretern folgender zehn Bauernvereine statt' gefunden: Rheinischer, Nassauischer, Elsaß Lothringischer, Hessischer, Badischer, Trierer, Bayerischer, Schlesischer, Ost-Westpreußischer und Westfälischer Bauernverein. Es wurde der Beschluß gefaßt, eine eingehend begründete Petition an den Reichstag zu richten in Sachen des Zolltarifs. Weiler wurde beschlossen, in Zukunft in allen wichtigen Fragen geschloffen zusammenzugehen und gemeinsame Ver sammlungen abzuhalten. Zum DorortSverein für das nächste Jahr wurde der Rheinische Bauernverein unter dem Vorsitze des Grafen v. Spee bestimmt. — In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank wurde der Verwaltungsbericht für das abgelaufene Jahr verlesen. Der Ausschuß äußerte sich dann gutachtlich über die Höhe des den Bankanteilseignern zu gewährenden und der Festsetzung des Reichskanzlers unter liegenden Dividende. Im Anschluß an die dann vorgetragene Wochenübersicht bemerkte der Präsident Dr. Koch, daß die Lage der Bank, wie gewöhnlich um diese Jahreszeit, sich ge bessert habe, wenngleich nicht völlig im Umfange der Vor jahre. Noch immer sei die Inanspruchnahme der Bankmittel sehr groß. Die Anlage mit 867 Millionen sei 95 Millionen größer als 1900. 233 Millionen größer als 1899 und 270 Millionen größer als 1898. Der Bedarf des Reiches, welches in großem Umfange Schatzanweisungen bei der Bank diskontierte, sei noch im Wachsen. Die steuerfreie Noten- reserve sei zwar anscheinend hoch, aber bei der bis zum Schluß des letzten Jahres geltenden Berechnungen noch um fast 20 Millionen kleiner als im Vorjahre. Der Zinssatz am offenen Markte entferne sich auffallend von dem offi ziellen Diskont, fei aber feit dem 12. d. Mts. in stetigem Steigen. Dazu kommt die Höhe der fremden Wechselkurse; der für London sei gestiegen und nicht mehr weit vom Goldpunkt. Es seien auch thatsächlich seit Beginn des Jahres und noch in letzter Zeit kleine Mengen Goldes ins Ausland abgefloffen, wenngleich sich der Goldbestand der Reichsbank seit dem 31. Dezember um fast 142 Millionen aus dem inneren Verkehr vermehrte. Derselbe betrug am Schluffe des Jahres an Gold, geprägt und in Barren, 500 610 000 Mk. und beträgt jetzt 642 277 000 Mk. Es entspreche der Vorsicht, mit einer Ermäßigung des Diskonts für jetzt noch nicht vorzugehen. Die Versammlung war hiermit widerspruchslos einverstanden. Schließlich wurden noch einige Stadtanleihen zur Beleihung im Lombardverkehr zugelaffen. — In Posen wurde der verantwortliche Redakteur der ..Praca", Alfons KaniewSki, verhaftet. Gegen ihn ist wegen eines Schandartikels zum 200jährigen Krönung- jubiläum in Nr. 4 der „Praca" vom 27. Januar Anklage erhoben worden auf Grund § 131 des Str.-G. B. Kaniewskr ist der zehnte Redakteur der „Praca", gegen den eingeschritten wird; er ist, wie sein Vorgänger, ein Opfer des polnischen Radikalismus feines Verlegers, der den schönen deutschen Namen Biedermann führt. Insgesamt ist gegen die Redakteure der „Praca" bisher auf 38 Monate Gefängnis und 6238 Mk. Geldstrafe erkannt worden. Der Vorgänger des Verhafteten verbüßt mehrere Strafen (insgesamt 1 Jahr Gefängnis); ein Verfahren schwebt uoch. Verfaffer des jetzt beanstandeten Artikels ist der zurzeit in Lemberg lebende Schriftsteller Dr. Pakowski, der aus Preußen auSgewiefen worden ist. Ausland. London, 19. Febr. Der König wird Samstagabend von hier nach Deutschland abreisen. — (Unterhaus.) Dillon fragt an, ob es wahr fei, daß die Generale der Verbündeten beschlossen hätten, im Herzen Pek ingS eine ausgedehnte Festung zum Schutze der fremden Gesandtschaften zu errichten, und ob die britische Regierung dies billige. UnterstaatSsekretär Eranborne erwidert: Die Frage von Maßnahmen zum Schutze der Gesandtschaften werde gegenwärtig von den Vertretern der Mächte in Peking erwogen. Die britische Regierung sei noch zu keiner Entschließung gekommen, sei sich aber wohl bewußt, daß er geraten ist, derartige Einrichtungen in vernünftigen Grenzen zu halten. — HickS Beack: Ich erwäge, ob man die Zollerhöhungen nicht rückwirkend mache, um jenem Verfahren Einhalt zu thun. Der beste Weg wäre es vielleicht, daß diejenigen, die zollpflichtige Waren aus dem Zollverschluß genommen, sich die Mühe umsonst gemacht haben. And es ist keineswegs ausgeschlossen, daß dies eintreten kann. WaS die Vorlegung des Budgets betrifft, kann ich den Termin «och nicht angeben. Hicks Beack schließt: Ueber die Höhe der Kriegs steuer, die den Diamant- und Goldminen in Südafrika auferlegt werden soll, kann ich noch keine be- siimmten Angaben machen. Die Fortdauer des Krieges wird auch vielleicht den Zeitpunkt, wo ich in der Lage sein könnte. Ihnen ausführlichere Auskunft zu erteilen, noch hinauS- fchieben. — MSquith: Die Annektierung auf lange Zeit hinaus sei das einzig wirksame Hilfsmittel gegen die Wiederkehr solcher Gefahren, wie die letzte gewesen sei und sichere das Recht und die Freiheit für ganz Südafrika. — Krieg-Minister Bro drick entgegnet, alle Mitglieder des Parlaments sollten sich bemühen, die Beendigung deS Krieges za beschleunigen. Redner bestreitet, daß die Regierung in «ine Periode der Nnthätigkeit geraten sei. Den Wünschen KitchenerS find wir zuvorgekommen. Als Kitchener am 31. Dezember noch mehr Soldaten verlangte, versprach ich $m 2500 Mann Kavallerie und 1000 Mann berittene In fanteric. Wenige Tage später sind diese in See gegangen »nd nehmen schon jetzt an der Verfolgung De W e t s Teil. Binnen drei Wochen werden im Kaplande 110,000 Mann ausgehoben, von uns ausgerüstet «nb beritten gemacht. Dreißigtausend Pferde haben wii bll drei Monaten üder eine Strecke von 600 Meilen trans portiert. Kitchener hat Ende März alle Pferde, die verlangt »urden, zur Verfügung. Seine berittenen Mannschaften werden um etwa 20000 Mann vermehrt werden. Es ist auch wünschenswert, daß Generale, welche nunmehr 15 Monate m Feld gestanden, nach Hau^e zurückkehren, um sich zu erholen. Wir werden dasür alle Generals hmschicken, die Kitchener wünscht. Rew-Pork, 19. Febr. In Manila wurde der belgische Vizekonsul Haeltmann verhaftet wegen angeblicher Hilfe leistung, die er den Insurgenten gewährt hat. Aus Stadt und Kaud. Gießen, den 20 Februar 1901. §* Zum Kloppenheim er Raubmord wird uns aus Frankfurt a. M. folgendes berichtet: Vor einigen Tagen wurde hier ein Arbeiter Eichhammer verhaftet, da er verdächtig schien, mit dem im Untersuchungsgefängnis zu Gießen befindlichen Taglöhner Georg Errner aus Schirrnitz in Bayern den am 14. August v. I. bei dem Kloppenheirner Walde verübten Raubmord an dem Christian Möller vollführt zu haben. Das UntersuchuugSgericht stellte die beiden Verdächtigen gegenüber. Obgleich Eichhammer schon längere Zeit mit Ermer gewandert war, konnte er doch sein Alibi nachweisen. Ermer wollte mit Eich Hammer beweisen, daß er die bei dem Fuhrmann Zeitz in Seckbach bei seinem Eintritt in dessen Dienst zur Legitimation vorgezeigten Papiere des Ermordeten von einem Handwerksburschen erkauft habe. Diesen Beweis konnte er m i t E i ch h a m m e r »i ch i erbringe n. Ermer trat auch bei Zeitz als Knecht ein, verließ aber schon nach zwei Tagen, nachdem der Mord entdeckt war, seinen Dienst und hin ter - l i e ß unter anderem ein mit Blut durchtränktes blaugestreiftes Hemd, das, wie sich später herausgestellt hat, dem Ermordeten gehört haben soll. Das Auffinden dieses Hemdes und das spätere Bekanntwerden des Namens des Ermordeten, auf den die von Ermer vorgezeigten Papiere paßten, veranlaßte Zeitz, von den ihm verdächtigen Wahrnehmungen Anzeige zu erstatten. Es gelang nun Ermer, bis nach Würzburg zu kommen. Dort verübte er etwa vier Tage nach dem entdeckten Raubmord, an einer vom Würzburger Jahrmarkt kommenden Frau einen Straßenraub. Ermer lauerte dieser im Walde auf, und als sie an ihm vorübergegangen war, schlich er sich von hinten an diese heran und versetzte ihr mit einem in ein Taschentuch gewickelten Stein einen Schlag auf den Kopf, daß sie zusammenstürzte. Sodann raubte er ihre Geldtasche und verschwand im Walde. Einige Tage später wurde Ermer bei Fürth verhaftet und von dem Schwurgericht Würzburg zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Da dieser Raub dem Raubmord bei Kloppenheim sehr ähnlich ist, so glaubt man den Raubmörder in der Person des Ermer ermittelt zu haben. —0— S e l b ft m o r b. Am Montagabend kam der Dachdecker Martin Wagner von hier in die Wirtschaft „Wiener Hof", um dort zu übernachten. Gegen 1 Uhr hörte der Wirt m dem Zimmer, in dem Wagner sich befand, zwei Schüsse fallen. Er eilte an dessen Thür, fand diese aber verschlossen, und trotz heftigen Pochens wurde nicht geöffnet. Man ließ nun die Thür polizeilich öffnen und fand W. auf einem Stuhle sitzend und in seiner rechten Hand einen Revolver haltend, t o t vor. Er hatte sich beide Schüsse in die rechten Schläfe gefeuert. Wagner lebte mit seiner Familie nicht glücklich; dies soll die Ursache seines Selbstmordes, wie er auf einem hinterlassenen Zettel niedergeschrieben hat, gewesen sein. ** Verhaftung. Gestern wurde der Arbeiter Heinrich Hansel von Wallenrod wegen eines Uhrendieb- st a h l s verhaftet. , ** Personalnachricht. Der Großherzog hat am 9. d. Mts. dem Großh. Hess, vortragenden Rat im Königl. Preuß. Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Geh. Oberbaurat W e tz zu Berlin, die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Kaiser verliehenen Roten Adlerordens 3. Klasse erteilt **Die Meldungen zu der im Sommersemester 1901 stattfindenden juristischen Fakultätsprüfung sind mit den vorgeschriebenen Belegen bis spätestens zum 17. April bei dem Dekan der Juristenfakultät in Gießen, Dr. Leist, einzureichen. Die schriftliche Prüfung beginnt am 23. April, morgens 8 einhalb Uhr; eine besondere Ladung hierzu ergeht nichjü. *• Fastnachtsttubel. So viel Menschen giebts nur am Fastnachts-Dienstag. Ist dieser Tag vorüber, dann verschwinden rasch alle die Menschen, als seien sie nur für Fastnacht auf die Welt gekommen. Auf dem Seltersweg und auf der MäuSburg herrschte gestern nachmittag zwischen 2 und 6 Uhr ein Leben und Treiben, daß eS Mühe kostete, vorwärts zu kommen. Die Studentenaufzüge in Schlitten, Leiterwagen und alle übrigen möglichen und unmöglichen Vehikel erregten große Heterkeit. Da sah man u. a. ein ländliches Gesährt, in dem ein Bauernpärchen auf dem Schoße ein Lämmlein hütete. In einem Schlitten sah man auf dem Bock einen sommerlich gekleideten Dandy und im Fonds zwei als elegante Dämchen mit langen blonden Locken verkleidete Herren. Usw. usw. Ein als Gendarm verkleideter Herr führte als Arrestanten ein lockeres Pärchen, das ihm fortwährend entwischte, aber bald wieder eingefangen wurde. Kühne Jünglinge und schämige Jungfrauen, würdige Familien oäter, züchtige Hausfrauen, liebliche Kinder wimmelten in stattlicher Zahl in den bunten Gewändern deS Harlekins oder sonstwie karnevalistisch geschmückt, mit falschen Nasen, falschen Brillen, falschen Bärten oder falschen Haaren herum, johlend, pfeifend, flötend ober anderes mehr ober minber angenehmes Geräusch machenb, meist harmlose Scherze treibenb. Manch°r rosige Mäbchenmunb würbe in stürmischem Ueberfall schallenb geküßt unb nur geringer Wiberstanb geleistet. Hier warben mit vollen Händen Apfelsinen in die Menge geworfen, dort sausten Papierschlangen durch die Luft, von Fenster zu Fenster vis-ä-vis, hinauf unb hinunter, hastig unb munter. Einzelne junge Damen hatten ihr besondere- Vergnügen, ganze Waggonladungen von Confetti vorüberwandelnden Herren in die schönen Augen zu werfen. Als gegen Abend die Kälte zunahm, legte sich der Verkehr unb verteilte sich mehr auf die Restaurationen, in denen bis zum frühen Morgen die Gäste karnevalistisch sich unterhielten. Im Allgemeinen scheint dabei harmlose Fröhlichkeit geherrscht zu haben, so weit uns bekannt geworben ist. Ein längerer Brief aus stubentischen Kreise« belehrt uns, baß es iu einem Lokal zu unerquicklichen Auftritten kam, die ein junger Munn in Schlafrock, der cheblich über btn Durst getrunken haben soll, veranlaßte. Er mußte schließlich, nachdem er die Gäste in aufdringlichner Weise belästigt hatte, von Wirt unb Kellner zur Thür hin» aaS in die bittere kalte Winterluft besörbert werben. — Der heutige Aschermittwoch bürste über manchen ein graues Elend ahne Gleichen gebracht haben. wird voraussichtlich nicht vor Mitte März zusammentreten. DaS Ober Konsistorium hat alle erforderlichen Vorlagen gemacht: Voranschlag des Zenttalkirchcnfonds für 1901/05, Inkrafttreten der Gesetze, bett die Gehalte der Geistlick)en usw. am 1. ApriF 1901. Die Drucklegung, die Fertigstellung des Ausschußberichts usw. wird einige Zeit in Anspruch nehmen. War aber mehr ist, die erwähnten Vorlagen hängen mehr oder weniger ab von vorausgehender staatlicher Gesetzgebung, bezw. Mittvirkung der Landstände, insbesondere bezüglich des neuen Kirchensteuergesetzes (die allgemeine Kirchensteuer soll in Zukunft ein prozentualer Zuschlag zur Staatsstener sein) und des Staatszuschusses. Wann diese Voraussetz- ungen aber geschlossen vorliegen werden, läßt sich z. Z. noch nicht mit Bestimmtheit voraussehen ** Zur Steuerung des Unwesens der Gesinde v e r m i e t e r und Stellen ver mittler hat da- Ministerium eine Verordnung erlassen, durch die das Vermittelungswesen geregelt wird. Für die Folge dürfen Gesindevermieter oder Stellenvermittler bei Minderjährigen keine Vermittlerdienste leisten, wenn sie nicht die Ermächtigung des gesetzlichen Vertreters der Minderjährigen oder des Vormundschaftsgerichts erhalten haben. Die Ausbeutung des stellesuchenden Personals, über die schon so viele Klagen erhoben worden sind, soll dadurch gemildert werden, daß für die Folge die Höhe der Vermittlungsgebühr nach 75 a der Gewerbeordnung aufgestellt wird. Die Gebührentaxe muß alljährlich durch die Behörde in den Lokalblättern veröffentlicht werden und ständig in dem Geschäftslokal des Vermittlers, an augenfälliger Stelle, aufgehängt werden. Die Polizeiorgane haben jederzeit das Recht, die (Geschäfte der Stellenvermittler zu kontrollieren, und diese find verpflichtet, die von der Behörde vorgefchriebenen Geschäftsbücher zu führen. ** Gambach, 20. Febr. Herr Heinrich Karl HaaS aus Steinbach hat das hiesige Gasthaus zur „schönen Aussicht" gekauft, das'er'am 1. April zu übernehmen gedenkt. fc. Grebenhain, 18. Febr. Der Schnee liegt infolge der letzten starken Schneefälle durchschnittlich einen halben Meter hoch. Die gestern morgen hier um 4 Uhr abgegangene Schlittenpost nach Gedern fiel untenvegs zweimal um und kam mit 2 Stunden Verspätung an ihrem Bestimmungsorte an. fc. Bad Salzhausen, 19. Febr. Die Bohrarbeiten Aur Erbohrung einer neuen Quelle hier sind unter Leitung des Prof. Lepsins-Darmstadt jetzt bis 250 Meter gediehen. Man hofft, daß bei 300 Meter die Quelle erbohrt ist. fc. Erbach, 19. Febr. Kreisrat FeY in Erbach, der für den verstorbenen Abg. Brunner als Landtagskandidat genannt wurde, kann nach Artikel 15 Abs. 2 des Wahlgesetze- nicht aufgestellt werden, weil der Wahlbezirk ganz zu seinem Dienstbezirke gehört. An seiner Stelle wird Fabrikant Seior als Kandidat vorgeschlagen. Mainz, 19. Febr. Der Historische Verein für Hessen, das Römisch-germanische Zentralmuseum und der Mainzer Altertumsverein haben an den Reichsmilitärfiskus und an den Reichstag die Bitte gerichtet, den Eisernen Turm mit den Anbauten dem Mainzer Altertumsverein unent- gcitTidj in volles, unbeschränktes Eigentum zu überweisen. Tie preußische Militärverwalttmg will das alte Bauwerk auf den Abbruch verkaufen, falls der Altertumsverei« das angeblich baufällig gewordene Gebäude nicht wieder in Stand setzen läßt. Nun hat der Turm hohen archäologischen, seine romanische Thorfahrt auch großen ftunftroert Er erinnert an die Hohenstaufenzeit uno den Rheinischen Städtebund. Die elf Schill'schen Offiziere waren 1809 darin gefangen, bevor sie in Wesel erschossen wurden. Der Verein ist darum gern erbötig, weiteren Aufwand für die Erhaltung des Baues %u treffen, aber nur wenn das Anwesen freies Eigentum des Vereins wird. Für den Militärfiskus ist der Turm wertlos, und niedergelegt kann er auch nicht werden, weil dazu die Erlaubnis des Großherzogs nötig ist, die voraussichtlich in Anbetracht des historischen und architektonischen Wertes nicht zu erlangen wäre. Daher wendet sich der Verein nun an den Reichstag unb an den Fiskus, um die Frage zu einer guten Lösung zu bringen. Mainz, 19. Febr. Der Rosenmontag verlief, trotzdem offiziell feine besondere Veranstaltung arrangiert war, in althergebrachter Weise. Ter Verkehr auf den Straßen war besonders in den Nachmittagsstunden sehr lebhaft und in den Restaurants und Hotels nnitete die Konfettischlacht so ausgiebig, daß der Fußboden hoch bedeckt war. Der „Holländische Hof" war, wie gewöhnlich, das Hauptquartier der Wiesbadener Gäste, die sich zahlreich, jedoch lange nicht so zahlreich wie in früheren Jahren, eingefunden hatten. Jedenfalls sollten wir Mainzer dafür sorgen, daß unsere» (Säften das „Heimkommen" nicht so sehr erschwert Wirch, die Züge fahren in den Stunden, in welchen die Mehrzahl der Wiesbadener Gäste nach Haus wollen, mit zu wenig Wagen, besonders der letzte Zug ist immer total überfüllt. Warum läßt man nicht während der Karnevalzeit einige Sonderzüge verkehren? fc. Alzey, 19. Febr. In der hiesigen Gegend ist durch den Krach derGernsheimerZuckerfabrik eine ganze Menge Existenzen ruiniert worden. Viele Leute, die nur Rübenbau für die Gernsheimer Fabrik getrieben haben, sind geradezu an den Bettelstab gekommen. In Framersheim, das neben den Gemeinden Hangenweisheim unb Bechtolsheim am meisten in Mitleidenschaft gezogen ist, verliert ein einziger Mann 15 000 Mark. fc. Frankfurt a. M., 20. Febr. In der gesttigen Sitzung der Stadtverordneten teilte Oberbürgermeister Adickes mit, daß der hiesige Bankier Georg Speyer eine Million Mark zur Förderung wissenschaftlicher Unternehmungen, speziell zur Begründung von Lehrstühlen, wissenschaftlichen Arbeitsstätten und Laboratorien im Anschluß an die hiesigen wissenschaftlichen Institute gestiftet habe. fc. Homburg v. d. H., 19. Febr. Die Ankunft des Königs Eduard VII. auf Schloß Friedrichs Hof iL auf Montag den 25. Febr. festgesetzt. Der König nimmt tue Reiseroute über Flushing. ** Kleine Mitteilungen a«8 Hessen und den Nachbarstaaten Der Großherzog hat dem Maurerpolier Johann Joseph Blumöhr zu Klein-Auheim, im Dienste der Firma I. Louis Wörner Bauunternehmer in Hanau, das Allgemeine Ehren- ze'chen mit der Inschrift .Für treue Arbeit," um 18. Februar 1901 verliehen. — Frankfurt starb im 80. Lebens jahr Rentner Franz Jüqel, der frühere Inhaber der be- k.nuten Buchhandlung Karl Jüqel'S Nachf. am Roßwarkt. Der Verstorbene w>r ein Sohn des Begründers dieser Buch' Handlung, seine Mutter war die Nichte von Goethe's Lili. N ch dem Ableben seines Vaters übernahm der Verstorbene das Geschäft. 1875 gab er die Sortim.n'sbuchhandluna und 1883 d,S Verlagsgeschäst ob, um sich in das Privat' leben zurückzuziehen. — £>err Johannes Dittmaun, Maurermelster in Ober-Ramstadt teilt unS unter Bezug naome auf einen Artikel vom 17. Februar aus Darmstadt mit, daß er der einzige Maurermeister mit dem Anfangsbuchstaben D. in Ober Ramstadt ist und mit der dortigen Scbmindeliff >ire nichts tu ihun b rb". Uermifchtes. * Straßburg, 19. Febr. In feiner Wohnung in der Schwarzwaldftraße erschoß sich der Leutnant Inna vom ^ion'e' hnfg Pnn Nr. 19. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. △ Büdingen, 19. F br D r heut'ge Petrimarkt war im Ganz n wegen U.iguast bei Witterung mit R ntvtch und Schweinen schwach b-fahren. Die Preise fü, Sckweme Hutten sich «uf bei Höhe; fic bas Paar Spring r warm 50 Mk. ein gängiger Preis. — Du Krämermai kt war veifchwtnbenb klein. fc. Frankfurt a. M., 19 Sehr. (Heu- und Strohmarkt.) Angeiobren: 12 Wagen nut Hm, 2 mit St>oh. Heu Mk. 4.30 bis Mk. 4 70, Stroh (Roggenstroh) Mk. 3 00 bi* Mk. 3.50. Alle« p;t 50 Kilo. Arbeiterbewegung. -k- Mainz, 19. Febr Unter den hi st gen Maurern ist wieder eine Lohnbiw gung im Anzug. In einer sehr zahl'etch besuchten Versammlung von Gefell,n b'b n diese bereits die Ford-rungen sormu- t.rt, die sie demnächst b n MeiUern unteibrüten wollen. Wenn die So'beiunprn ben Meist rn oorgelegt werben sollen, darüber >st die ü.schtutz'assilng einer späteren Versammlung do,bebalten worben. Neueste Meldungen. Berlin, 20. Febr. Laut „Mtlilärwochenblatt" ist Major v. Hugo vom Generalstab des 7. Armeekorps unter Versetzung in den Großen Generalstab als Militärattache 09 0511 erteilt Mliell-Gesiiche sKWiedMU 1484] Ordentliches Laus- wädchin ober junge Frau ge Aeltere, kinderlose Witwe, auS guter Familie, sucht bie Führung eineS einfachen Haushaltes bei einem alten, alleinstehenden Herrn, auch auk dem Lande, zu übernehmen Gehalt Nebensacke. Offerten unter A 1473 an die Exvedition d Bl Glötidl. Untrnhtit! im Maßnehmen, Musterzeichnen und Zuschneiden für Damen- und Kinder - Garderobe zu Mk. 15 00 Fran Keller, Filh, Ober Ltadl 32. Ouverlüff., ältere» Mädchen, 'M in der guten bürgerlichen Küche erfahren und willig zu jeder Hausarbeit, gesucht als Mädchen allein. Sehr hoher Lohn bei entsprechen- Zu erfragen in der Expedition 0568] Besseres Mädchen sucht Sellung für Hausarbeit. Lckrillerstratze 34, II. Opernsängerin ausgebildet am Grossherzogl. Konservatorium der Musik zu Weimar und von Frau Rosa von Milde dort». Zu erfragen Grünbergerstrasse 17. 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