tttlolttr, 'vertrug. Hnbebttft ^agLir. MtroStbaütr. Aeikuhr. Mffbict. Srilftaschk. !f«debürsts. Vaschleine. Wbmafdjint ■Mtnubr. Jlb bon Sitjm. 'aschlam. oldKnmtfier. •fcrbcbtcfe. olb. Brvschr. $°Qr ^ungflobtlti. Dltrfrug. ö»uShallung«kvrb. Irandjirbtfttd. Rribmaschine. Dhd. Xoifettefeifr. NltnfMtr. leb. Skallhalfta Pan Ctbtrgamaf^n. $lerbtbtcft Ilippftfld. jolb. Broj-r. Vierkrug. Wibtdt. Irandjtrbtfkrf. Pserdebrde. Bettfolter. Hauthallungtkoib. leb. Skallhalsta. frinßtrlbmnonttta. nfl: unb ytugabtl lipptMlIh. 16. XMtnubr. yaycrfioif utierfub. lo^t«ttna\bum. ßobM^äjneibma^ir- IWrlagt. WlefleL i Dhb- NbtWr. Dtzb. Xo'letldeife. Jjcd)e l ) bet Zlehu"g soroic gegen M Nr. 44 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Donnerstag 21. Februar IttOl Lrschrlol täglich mit LuSnahmr deS Montag». Die Gießener Kamillen- Blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Sandwirt" und „Blätiec ffir hefl Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Annahme ben önietgen fu der nachauuog» für den olgenben Ta, erichetnenden Stummer bi» vorm 10 Uhr Abbestellungen Ipätefttn» abend» vorher. RtbatHon, Expedition und Druckerei Schulstrahe 7. GicheimAnzeiger General-Anzeiger v Bezugspreis vierteljihrl Mk. 2.20, raonatl. 75 PH. mit Bringerlohn; durch b« Abholestellen viertcljähtt. Mk. 1.90, rnonatl. 6ü PH. Bei Postbezug virrteljLhtt. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. ANr Llnzelaen Bermiiilungl» stellen bti In- und AuStauda» nehmen Anjeiaen für de» Giestener Anzeiger entgeaoL Zritenprelv lokal U vtst.. auvwärtv SO Mg. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen sss: fl Amtlicher Heil. Zur Verhütung der Verschleppung der „Maul- und Klauenseuche" wird die Abhaltung des auf den 21. Februar bS. Js. in Leun anstehenden Viehmarktes an folgende Bedingungen geknüpft: 1. Für den Auf- und Abtrieb der Tiere ist je eine bestiinmte Stelle zu schaffen. Die Benutzung anderer Stellen für den Auf- und Abtrieb, ebenso das Handeln mit Vieh außerhalb der Marktplätze ist verboten. Der Auftrieb darf nicht vor 9 Uhr vormittags stattfinden. 2. Auf die Märkte dürfen nur Tiere aus seuchenfreien Orten, deren Führer mit giltigen behördlichen Ursprungszeugnissen versehen sind, aufgetrieben werden, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn in jenen Ursprungszeugnissen weiter bescheinigt ist, daß die Tiere sich die letzten sieben Tage in unverseuchtem Zustand in seuch,enfreien Orten befunden haben. 3. Bei dem Auftrieb der Tiere hat der Eigentümer oder Führer dem anwesenden Polizeibeamten das unter Oh'. 2 erwähnte Ursprungszeugnis vorzuzeigen. Außer von der Kontrolle der Ursprungszeugnisse ist der Auftrieb von der vorherigen Besichtigung und Nicht- beanstandung der Tiere durch den Kreistierarzt abhängig. 4. Seuchenkrank und seuchenverdächtig befundenes Vieh unterliegt den vorläufigen Anordnungen des Kreistier- larztes. 5, Für die Einführung von Händlervieh in den Kreis Wetzlar gilt außerdem die nachstehende polizeiliche Anordnung des Herrn Regierungs-Präsidenten zu Koblenz vom 27. März 1900. 6. Aus der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden. Wetzlar, den 15. Februar 1901. Der Landratsamtsverwalter. Landespollzeiliche Anordnung, betreffend: Gesundheitsscheine für Händlervieh. Zur Bekämpfung der „Maul- und Klauenseuche" wird unter Aufhebung der Anordnung vom 15. Juni 1899 (Amtsblatt Seite 178) auf Grund der §§ 18 bis 20 des Reichsgesetzes, betreffend Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880 / 1. Mai 1894 für den Umfang des Regierungsbezirks bis auf weiteres angeordnet was, folgt: § 1. Händler, welche in die Kreise Adenau, Ahrweiler, Altenkirchen, Koblenz Stadt, Koblenz Land, Cochem, St. Goar, Kreuznach, Mayen, Meisenheim, Neuwied, Simmern, Wetzlar vder Zell Wiederkäuer oder Schweine zum Zwecke des Verkaufs einführen, müssen im Besitze eines tierärztlichen Zeugnisses sein, welches die Seuchenfreiheit der Tiere bescheinigt. Tas Zeugnis muß von einem beamteten Tierarzt oder von einem solchen Privattierarzte ausgestellt sein, welcher hierzu von dem Unterzeichneten ermächtigt worden ist. Das Zeugnis hat bei Rindvieh eine genaue Beschreibung der einzelnen Tiere nach Geschlecht, Farbe, Abzeichen und hornstellung, bei anderen Wiederkäuern und bei Schweinen eine Angabe der Stückzahl und Farbe zu enthalten und verliert mit dem Ablauf des vierten, auf den Tag ber Ausstellung folgenden Tages seine Giltigkeit. Dasselbe bedarf nach Ablauf seiner Giltigkeitsdauer, und zwar auch nach Einführung des Viehes, der Erneuerung, bis letzteres in den Besitz eines Nichthändlers übergegangen ist. § 2. Die Bestimmungen des Z 1 finden keine Anwendung auf die in den städtischen Viehhof zu Koblenz zum Verkauf eingeführten höchstens 6 Wochen alten Kälber und auf die dorthin zum Verkaufe eingeführten Schweine. § 3. Zuwiderhandlungen werden nach dem § 328 des Reichsstrafgesetzbuches und den §§ 66 und 67 des Reichsgesetzes, betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880 / 1. Mai 1894 bestraft. § 4. Diese Anordnung tritt mit dem Zeitpunkte ihrer Veröffentlichung in Kraft.' Zur Ausstellung von Zeugnissen über die Seuchenfreiheit von Händlervieh im Sinne des § 1 der vorstehenden Anordnung habe ich folgende Privattierärzte ermächtigt: I. Aus dem Regierungsbezirk Coblenz: M i h r, Tierarzt in Coblenz, M ü t h e r, Tierarzt in Andernach, Pilger, Tierarzt in Kirn, Riechers, Tierarzt in Dierdorf, Ries, Tierarzt in Urmitz, Di er h es, Tierarzt in Boppard, U t h o f f, Schlachthausdirektor in Coblenz. II. Aus anderen Bezirken: Dexheimer, Tierarzt in Gladenbach, Sei derer, Tierarzt in Gießen, Wenzel, Tierarzt in Herborn, Frank, Distriktstierarzt in Rockenhausen, Mörler, Tierarzt in Butzbach, S p o r i n g, Tierarzt in Sien, Hofmann, Tierarzt in Butzbach, Weiler, Distriktstierarzt in Alsenhausen. Coblenz, den 27. März 1900. Der Regierungspräsident. Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Berstadt. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß 97 Grundeigentümer, die mit 543,86 Hektar Land in der Gemarkung Berstadt begütert sind, unterschriftlich die Feldbereinigung in der Gemarkung Berstadt und die Anlage von Wegen in den Obstbaumstücken beantragt haben. Da an diesem Unternehmen im ganzen 403 Grundeigentümer mit 993 Hektar Land beteiligt sind, so ist für das Zustandekommen des beantragten Unternehmens die gesetzlich vorgeschriebene Mehrheit (mehr wie ein Fünfteil der beteiligten Grundeigentümer, welche mehr als die Hälfte der beteiligten Fläche besitzen) vorhanden. Das Unternehmen ist von der Landeskommission für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Kommissär nach Art. 11 des Gesetzes vom 28. September 1887 bestellt worden. Die obenerwähnten Anträge nebst einer Zusammenstellung ihres Ergebnisses liegen bei Großh. Bürgermeisterei Berstadt vom 20. l. Mts. bis 27. l. Mts. zur Einsicht offen. Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Recbtsbeständigkeit des Ergebnisses sind binnen 14 Tagen von der ersten Veröffentlichung dieser Bekanntmachung im Kreisblatt an gerechnet, mittels schriftlicher Beschwerde bei Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe in Darmstadt geltend zu machen. Zugleich fordere ich die außerhalb der Gemarkung Berstadt wohnenden Ausmärker auf, zur Wahrung ihrer Interessen einen in der Gemarkung Berstadt wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, da eine weitere besondere Zuschrift im Laufe des Bereinigungsverfahrens an sie nicht mehr erfolgt. Friedberg, den 11. Februar 1901. Der Großh. Feldbereinigungskommissär: Sa n d m a n n. Zur Rentabilität des heimischen Tabakbaues. Die „Dtsch. Tabakvereinsztg." gab in ihrer Nr. 13 eine Zuschrift aus tabakbauenden Kreisen wieder, in der eS hieß: „*Jch baue in einer Nachba gemeinde des Frhrn. von Heyl'sch n Gutes und bin mit dem Tabakbau feit 5 Jahren ununterbrochen zufrieden. Für meine Kreszenz erhielt ich in diesen 5 Jahren zwilchen 28 und 32 Mk. für den Zentner. Der hesf. Morgen Tabakacker brachte mir in diesem Zeitraum durchschnittlich 7*/< Ztr. Tabak unb die Produktfonskosten kommen für den Morgen auf 100 Mk. zu stehen, also 14 Mk. für btn Zentner. Wenn Frhr. von Heyl bis 30 Mk. Erlös für den Zentner Tabak anstatt 100 Prozent zu verdienen, einige hundert Prozent zusetzt, dann ist das nur ein Beweis — gegen ihn. Ich bin bereit, Ihnen mehrere Beispiele vor. zusühren, daß eS den anderen Tabakbauern in unserer Ge markung ganz so wie mir geht, ja vielen noch besser. Und dabei ift zu bedenken, daß der Lederfabrikant Heyl das Scipio'sche Gut für ein Butterbrod gekauft hat; der Morgen Land kostet ihn weniger als uns allesamt. Er soll doch mitteilen, waS er seinem FraktionSgenossen Scipio im Jahre 1895 pro Hess. Morgen bezahlte. ES ist das weniger als der Boden zurzeit der EnquLte von 1878 gekostet hatte. Einige Beispiele führe ich hier noch an : Im benachbarten Lampertheim hat ein Bauer auf seinem Acker von Vs Morgen, • ür den er 150 Mk. zahlte, — in der Heyl'schen Gegend kostet der Hess. Morgen durchschnittlich 400 Mk — in diesem einen Jahre allein für seine geernteten 4ya Ztr. Tabak 135 Mk. bekommen, also fast so viel in einem Jahre, wie ihn der ganze Acker kostet. Den benachbarten Rennhof hat, nachdem der Pariser Rothschild gestorben ist, von dessen Erben der Fürst Loewen- stein gleichfalls recht billig gekauft. Der Rennhof ist an einen guten Oekonomen verpachtet. Dieser Herr hat im Jahre 1900 einen kleinen Bruchteil des gepachteten BodenS mit Tabak bepflanzt unb vom hessischen Morgen (25 Ar) burchschnittlich 8 Ztr. geerntet, insgesamt 150 Ztr., bie er an eine Mannheimer Zigarrenfabrik für 30 Mk. pro Zentner verkauft hat. Er nahm also von diesem kleinen Teil seiner Pachtung 4500 Mk. ein, fast den gesamten Pachtbetrag. Und Frhr. von Heyl setzt beim Tabakbau so viel Geld zu, daß er in der ofterwähnten Frankfurter Versammlung, selbst für den Preis „einer Revolution in Westfalen", den Reichstag auf die Schanzen rief, den Tabakzoll zu erhöhen, sonst geht Alles zu Grunde." Infolge dieses Heyl'schen Zollsturms ist der Artikel der „Correspondenz der deutschen Tabakbaukommisfion", heraus- gegeben vom Geh.-Regierungsrat Haas in Offenbach, den wir in unserer Nr. 3 Wiedergaben. In diesem Artikel hieß es u. a.: „Es betrugen die Produktionskosten pro Morgen « Straßburg 250 Mk., Mannheim 227 „ Lahr 201 „ Darmstadt (Frhr. v. Heyl) 176 Mk. rc. oder im Durchschnitt 196 Mk." Dazu schreibt nun die „Südd. Tabakztg.": So hätten die Herren von der „Tabakbaukommisfion'' es glücklich fertig gebracht, 20 Mk. für den Morgen bei Darmstadt, wohin Frhrn. v. HeylS Besitzungen zu zählen find, zuzurechnen, und nun kann es in raschem Tempo vorwärts gehen, wenn man in einem Satz die 176Mk. wegdisputiert. und zu 196 Mk. gelangt. Es kostet nur einen Sprung und aus diesen 196 Mk. sind 229 Mk. geworden, denn die Herren zitieren ja nur die Enquete von 1878. Aber was schadet daS? Es sind nicht mehr 176, sondern 227 Mk. Produktionskosten." Deutscher Reichstag. Hach dem Drahtbericht der „Münch. N. Nachr." Berlin, 19. Februar. Abg. Bebel (Soz.): Sie wissen, meine Herren, daß !tch mich nur schwer unb bann nur nach grünblichen Erhebungen entschließe, eine Anklage gegen die Regierung, »der gar gegen bie beutfche Armee auszusprechen. (Sehr richtig! bei ben Sozialdemokraten.) Aber die neuesten Vorfälle in einer rheinischen Garnison, bie Herr O. Erich Bpartteben in seiner Broschüre „Rosenmonta g" auf- igebeckt hat, entrollen Zustänbe, baß Einem bie Haut fchaubert. (Vizepräsibent v. Fr ege erregt: Hautschaubern ift nicht parlamentarisch!) Lassen Sie mich Ihnen ben Hergang erzählen, eine Geschichte, welche allerbings bereits fcie Spatzen von ben Dächern aller beutschen Theater Pfeifen, bie Hoftheater natürlich ausgenommen. Ich bin wicht prübe! Aber mau möchte beinahe nach ber Lex Heinze ßchreien (2Cbg. Roeren: Bravo!), wenn man hört, wie «s in bent betreffenben Offizierskasino unb ber Kaserne überhaupt zugeht. Ein gewisser Leutnant Ruborff, ver- lobt mit ber Tochter eines Kommerzienrats (Zuruf Lieber- «n a n n 3 v. Sonnenberg: „Wirb wohl Cohn ober Levi Heißen, ber Biebere!"), hatte ein Zimmer in bieser Kaserne inne, und hier feierte er mit seinen Kameraben unb Keinem Schwiegervater wahre Orgien in Bier unb Sekt! Syört! Hört! Links.) Außerbem hatte er ein Verhältnis §v. Frege: „Ich bitte den Rebner zu bebenfen, baß Damen auf der Tribüne finb, deren Schamgefühl geschont werben muß!" Roer en: „Meines auch!"), ein Verhältnis mit einer gewissen Traute. Diese, ein hübsches Mäbchen, verkehrte zu jeber Tages- unb Nachtstunbe int Zimmer bes Leutnants. (Zwischenruf bes Abg. v. Reiff-Reifflingen: „Darf man bie Adresse ber Dame wissen?") trotz strengen Verbots bes Regimentskommandeurs. Mehr noch: Leutnant Ruborff hatte fein Ehrenwort gegeben, nicht mehr mit bem Frauenzimmer zu verkehren, (v. Fr ege: „Ich rufe ben Rebner wegen deA Ausbrucks Frauenzimmer zur Orbnung!"). Nichtsbestoweniger that er es doch unb zwar, nach eigenen Zugestänbnissen, sogar sehr in „seligen" Tagen unb Nächten. (Zwischenruf: Pfui!) Jawohl, pfui. Ich halte mich nur an ben Wortlaut ber Broschüre. Aber Leutnant Ruborff ging noch weiter! (Mg. Roer en: „Noch weiter?") Ja! Er brachte bie Person im fünften Akt ins Offizierskasino mit, es war schon gegen Morgen; er war in Zivil und in großer Aufregung, sie in Domino unb Verzweiflung — sie zogen sich in ein Nebenzimmer zurück. (Mg. R o e r e n bitterlich roeinenb: „O! O! In einem k. preußischen Offizierskasino!") Unb hier haben sie sich nach gemeinsamem Vortrag eines lyrischen Gebichtes geselbstmorbet! Außerbem wäre es wegen ber Sache beinahe zu einigen Duellen gekommen, wenn nicht dieses Regiment seine ganz speziellen Ansichten über das Duell gehabt hätte. Ich frage nun ben Herrn Kriegsminister: Was ist bas überhaupt für eine rheinische Garnison? Wie können Leutnants in ihrer Kasemenwohn- ung Sekt trinken? Wie können Leutnants überhaupt Sekt trinken? Wie kommen Volksausbeuter, wie bieser Kommerzienrat, überhaupt in die Kaserne? Wie kommen Frauen- zi. . . . (v. Frege klingelt wütend), wie kommen weibliche Wesen überhaupt in die Kaserne? Wie kommen sie gar ins Kasino? Wie kam ber Leutnant ins Zivil unb bazu. sich als Verlobter berartig aufzuführen? Wie kamen die Herren Offiziere bazu, solche unanftänbige Lieber za fingen, wie bies im vierten Akt geschieht? Wie will sich der Kriegsminister bafür verantworten, baß ber Leutnant sein Wort gebrochen hat? Was gebenkt ber Kriegsminister künftig gegen bie massenhaften Selbstmorbe ber Offiziere mit ihren Geliebten am Rosenmontag in ben Kasernenzimmern überhaupt zu thun? Meine Partei kann bas Gehalt bes Kriegsministers angesichts solcher chronischer Hebet in seinem Ressort nicht bewilligen! Vielleicht wird er bann ber Schwefelbanbe von Leutnants in ber rheinischen Garnison gehörig aufs Collet steigen. (Vizepräsibent v. Frege hört bas Wort „Schwefelbanbe" nidjt!) Kriegsminister v. Goßler: Auf bie Fragen bes Herrn Vorrebners will ich ber Reihe nach antworten, so gut ich kann. Hm welche Garnison es sich hanbelt, weiß ich nicht. werbe aber recherchieren. Ich bestreite, baß solche Zustände typisch sinb in ber Armee, es ist jebenfalls nur eine beschränkte Anzahl von Leutnants, bie sich in bem Kasino mit ihren Geliebten totschießen. Wie bie Leutnants bei bieser Gage Sekt trinken können, weiß ich auch nicht! Daß bie Herren sich beinahe geschlagen hätten, mißbillige ich. Sie hätten sich in biesem Falle wirklich schlagen müssen. (Zwischenruf Dr. Sch ä b l e r s: „Psui! Man beschimpft unser religiöses Gefühl in gerabezu unverschämter SBeife Y Präsident v. Frege hört toieber nichts.) Was oen Gtntri von Damen in bie Kaserne betrifft, so ist verbot . Mehr kann doch ich nicht thnn! Soll rch al^ Damen -m deutschen Reiche, die etwa in Betracht kommen könnt , der Sicherheit halber in meine Bude emspcrren. Der Artikel des genannten Blattes schließt: Man wird begreiflich finven, weshalb die Denkschrift des SchatzsekretLrt v. Maltzan-Gültz vom Jahre 1891 eine Erweiterung der Differenz zwischen Tabaksteuer und Tabakzoll als undenkbar hinstellle. Da seit 1891 durch weitere Verdrängung der Pfeif, durch die Zigarre und neuerdings durch die Zigarrette das Bild im Maltzan'schen Sinne noch verschärft worden ist, se müssen eben die billigen Schneidgutorte in Deutschland ihr. Tabakproduktion einstellen, denn für billige Pfeifentabake hört der Bedarf mit der Zeit gänzlich auf. Die Rippe der Zigarren tabake ersetzt sie. Der Zentner Jnlandsrippen kostet an gesichts des großen Bedarfs inländischer Zigarrentabake nm V/a Mk., der Zentner Stengel von überseeischen Zigarren tabaken 9*/» Mk. Mit diesen Preisen kann es der Tabak bau in den billigsten Schneidgutorten, die nur ordinäre Tabake erzeugen, nicht aufnehmen. VolittscheTagesschau. In Bezug auf die Verzögerung der Ausführung des auf die Schulreform bezüglichen königlichen Erlasses bemerkt die „Kreuzztg.", daß die Vorbereitungen erst umfassende Arbeiten erforderten. Wenn es in Preußen einer ganzen Reihe von Jahren bedurft habe, bis die Unter- richtsverwaltung zu der grundsätzlichen Anerkennung der Gleichberechtigung aller drei Schulgattungen gelangt sei, so habe man doch! wirklich keinen Grund, sich aufzuregen, wenn die außerpreußischen Staaten diesen Gegenstand nicht in drei Monaten erledigt hätten. Auch für die übrigen Berufsarten lasse sich die Sache nicht im Handumdrehen erledigen. Denn mit einer Verordnung, in der einfach hinsichtlich der Zulassung zu den Universitäten und zu den Prüfungen für den gelehrten Staats- und Kirchendienst mit den Reifezeugnissen der Realanstalten die gleichen Berechtigungen verbunden würden wie mit denen der Gymnasien, sei die Sache nicht abgethan. Es bedürfe vielmehr, um nur einen Punkt herauszuheben, gleichzeitig noch einer Aenderung der einschlägigen Prüfungsordnungen, zum Beispiel der für das höhere Lehramt und für die Zulassung zum höheren Justizdienste, in dem Sinne, daß der Nachweis ausreichender Kenntnisse in den klassischen Sprachen, soweit er für d en Studienzweig notwendig sei, bei der großen Staatsprüfung oder in einer Zwischenprüfung nachgeholt würde. Dieser Nachweis könne nicht entbehrt werden. Daß er gefordert werde, widerspreche nicht etwa dem Gedanken der Gleichberechtigung der drei Schulgattungen. Denn der Kernpunkt dieses Gedankens beziehe sich nicht auf den Inhalt der an die fachliche Ausbildung zu stellenden Forderungen, sondern er liege im wesentlichen nur darin, daß der Staat zur Erlangung einer allgemeinen Bildung die Kenntnis der klassischen Sprachen nicht mehr für notwendig halte, und daß es ihm, soweit sie für die Berufsbildung notwendig wäre, gleichgiltig sei, auf welchem Wege sie erworben ist. Unter solchen Umständen sei vor einer Ueber- stürzung bei aller Anerkennung der Berechtigung des Wunsches auf endliche Klarheit nur dringend zu warnen. Es komme darauf an, endlich einmal Endgiltiges zu schaffen, damit nicht nach wenigen Jahren aufs neue der Ruf nach Reformen Beunruhigung errege. Aus Stadt und Kund. Gießen, 20. Februar 1901. Gedenket der hungernden Vögel! *♦ Dr. F. Römer aus Frankfurt a. M., Kustos am Senckenbcrgischen Institut, sprach am 15. Februar in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde über seine Reise um Spitzbergen und König Karls-Land. Au einem kleinen Fischdampfer von nur 34 Meter Länge schiffte sich im Jahre 1898 eine Expedition von 24 Köpfen in Tromson ein, um unter der Führung des Korvettenkapitäns Rüdiger Spitzbergen zu besuchen und Sportübungen und der Jagd obzuliegen. Forschungsarbeiten auf dem Gebiete der Tiefsee* und Planktonfauna treten aber bald in den Vordergrund; zurzeit arbeiten 50 Zoologen an der Ausbeute jener Fahrt um Spitzbergen, die, ein seltener Fall, in einem Sommer vollendet werden konnte. Der kleine Dampfer nahm zuerst seinen Kurs nach der Bäreninsel, die im Jahre 1596 entdeckt, wegen des sie beherrschenden Nebels von Schiffen selten gesichtet wird. Bis zu einer Höhe von 200 Meter ragt das Eiland schroff ansteigend aus dem Meer, ei»e Heimstätte für Millionen von Vögeln. Sie be- Völkern besonders die wildzeriffene Südostküste: Alken, Summen, possierliche Papageitaucher und die Aristokraten unter ihnen, ote Möoen. Am Dogelberg finden sich in den Tümpeln auch einige Süßwassertiere, auch Spuren der Urtierfauna, die eine große Ähnlichkeit mit der europäischen aufweist. Im Innern herrscht im übrigen ein völlig „steinerner Tod". Mitte Juni 'etzte die Expedition die Fahrt nach Spitzbergen fort, der Ich bald andrängende Eisschollen entgegensetzen. 40 Eisbären zählte die reiche Jagdbeute. In gefährlichem Eisgang erreichte sie den zoologisch wenig untersuchten Store Fjord, den sie bis zur Gineora-Bai verfolgte. Das Innere des hier tn Zacken und Wipfeln abfallenden Hochlandes ist vereist, Gänse und Enten, von denen die Eiderdaunen gewonnen werden, beleben die Küste. In Süd- und Südwest-Spitz bergen vermindert sich der Schnee, das Schwennland ist mit spärlicher Grasdecke bewachsen, auf dem Remitiere ihre Nahrung finden. Wetter und Parkeis gestatteten nicht die Fahrt nach König Karls-Land fortzusetzen, man suchte daher Westspitzbergen auf und drang bis zum 80° hinauf. Auch auf dem Wege durch die Hinlopenstraße war König Karls-Land noch unerreichbar; der Dampfer fuhr wieder westlich und nach der Adventsbai, wo die stolze „Augusta Viktoria", die Touristen an Bord hatte und Kohlen brachte, fröhlich begrüßt wurde. Jetzt setzte die Zeit der Nebel und der Kälte ein, in heftigem Sturm ging eS umS Südkap herum endlich dem angestrebten Ziele zu. Die Inselgruppe besteht nicht, wie die Entdecker derselben 1870 glaubten, au« 5, sondern aus 3 Inseln. Prof. Kückenthal, der sie 1889 besuchte, hatte sie in der Form richtig, aber V8mal zu groß gezeichnet. Die Expedition Römers umfuhr sie, vermochte sie zu betreten und zu durchforschen. Der Redner schilderte den Charakter des Landes, seine Formation und seine Fauna mit außerordentlicher Anschaulichkeit und Gediegenheit An den Besuch des König Karls-Land knüpfte sich eine Fahrt um den Norden Spitzbergens herum, ein noch nicht bearbeitetes Gebiet. An Abenteuern, Eisbärkampfen 2c. fehlte es den Reifenden nicht in dieser Welt der Gletscher, Donnern und Dröhnen abstürzender Eisberge umtönte sie, Nebel hüllte sie ein. So landete sie auf der Grytinsel, die alle 20 Jahre einmal zugängig wird. Eine wichtige Aufgabe harrte in den Ber> suchen, die Tiefen zu suchen, die Nansen wegen des Eises nicht hatte feststellen können; man drang bis zu 31 • östl. Länge vor, bis das ewige Packeis Halt gebot. 1150 Meter Tiefe wurde erreicht. Es ergab sich reiche Beute der Planktion-Netze, seltene Tiere der Arktis, besonders auch Becherschwämme ermöglichten Vergleiche zu der Fauna Spitz bergens. Das Resultat ist, daß Nansens Theorie von einem abgeschlossenen Polarbeckeu mit großen Tiefen sich nicht aufrecht erhalten läßt. Ein hochwichtiges geographisches Ergebnis. Durch die Hinlopstraße wurde Mitte August der Rückweg angetreten, da der arktische Sommer sein Ende fand. Ein Versuch, nach Nowoja-Semlja zu gelangen, erwies sich als undurchführbar; unter heftigen Stürmen kehrte die Ex pedition zurück. — Dem Redner gelang es, die Zuhörer au das Lebhafteste zu feffeln, eine vorzügliche Rednergabe unterstützte ihn dabei. Zahlreiche photographische Aufnahmen von der Reise fanden nach Schluß des Vortrages große Beachtung. ** Die Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandes bittet uns um Aufnahme folgender Erklärung: „In der Berichterstattung über die Politische Versammlung des Deutschen Vereins wurde unter den vertretenen Vereinen auch der „Alldeutsche Verband" aufgeführt. ES sei festgestellt, daß diejenigen Mitglieder des Verbandes, welche der Versammlung beiwohnten, lediglich für ihre Person dort erschienen find. Der Alldeutsche Verband ist keine politische Vereinigung. Ec zählt konservative, nationalliberale, nationalsoziale rc. ic. Parteivertreter zu seinen Mitgliedern, da er alle diejenigen Deutschen zusammenschließen will, die für Wahrung und Förderung des Deutschtums in jeder Beziehung und auf allen Gebieten eintreten. Was die hiesige Ortsgruppe betrifft, so hat sie erst kürzlich durch ihren Vor stand jede Beteiligung an inn apolitischen Veranstalt ungen abgelehnt, unter Betonung des Grundsatzes, daß der Verband lediglich eine deutschvölkische, nicht aber eine politische Vereinigung sei. Damit dürfte es sich von selbst erklären, daß der Verband als solcher ebensowenig bei jener Versammlung vertreten war, wie er überhaupt nicht ein politischer und damit auch kein antifernt» rischer Verein ist." g- Oueckboru, 18. gebt. Gestern nachmittag hielt Oefo- nomierat Leithiger von Alsfeld im Saale des Gastwirts Joh. SameS einen Vortrag über Feldbcreinigung. Leanders für unsere Gemarkung würde die Feldbereiniguu- und Prämierung von großem vorteile sein, da der Bode» stellenweise sehr wafferreich ist. t Ettingshausen, 19. Febr. Bei der am letzten Montag abgehaltenen Brennholz-Versteigerung im Gräflich Laubach'schen Wald, Distrikt Eselskopf, wurden feht hohe Preise geboten. ES kostete der Raummeter Buchenscheitholz 1. Klaffe 8,00—8,50 Mk., Prügelholz 6 Mk. und darüber, Stockholz der Raummeter 5—6 Mk. Mainz, 19. Febr. Dem kürzlich verstorbenen Geh. Justizrat Dr. Reinach, Vorsitzenden der hessischen Anwalt«, kämmet, widmet die „Nat.-lib. Storr." folgenden Nachruf: „Die hessische nationalliberale Partei hat durch den Tod des Geh. Justizrats Dr. Karl Reinach einen schmerzlichen Bet. ust erlitten. In der Epoche der Werdezeit des Dentscheu Reiches war er einer der Bannerträger der hessischen gort. chrittSpartei und späteren nationalliberalen Partei, als deren Führer ihm die Parteigevoffen für seine aufopfernde Tätigkeit und seinen unzerstörbaren JvealiSmuS ti-fftcn Dank wissen. Dr. Reinach starb im Alter von 69 Jahren infolge eines Schlaganfalles nach zweitägiger Krankheit in Mainz. Nicht nur die engeren Parteifreunde, sondern auch seine AmtSgenoffen und die Bürger der Stadt Mainz, deren Stolz er war, trauern an der Bahre des hochverdienten Mannes." Frankfurt a. M., 19. Febr. Der neue italienische Finanz- Minister Leone Wollemborg ist jüdischer Abkunft, seine Familie ist deutsch und stammt auS Frankfurt a. M., von wo sie, durch Geschäftsverbindungen veranlaßt, am Anfang des 19. Jahrhunderts nach dem damals österreichischen Padua übersiedelte. Dort ist der jetzige Minister 1859 geboren worden. Er ist Nationalökonom und hat sich bekannt gemacht als Verfechter der Raiffeifenljchen DarlehnSkaffen in Italien, wo er bis jetzt, vorwiegend im Norden, fast 100 errichtete. Vermischtes. * Wie Pettenkofer Cholerabazillen aß. Der jüngst verstorbene Geheimrat von Pettenkofer nahm bekannt, lich am 7. Oktober 1892 Cholerabazillen zu sich, ohne daß dies seiner Gesundheit ernstlichen Schaden zufügte. Der- anlaßt war das Experiment durch die Cholera-Epidemie in Hamburg und die sich daran knüpfenden wiffewchaflliche» Erörterungen über den Cholerabazillus. Pettenkofer behauptete, daß die Jnfektionsverfuchc bei Menschen an einem Orte, der zurzeit für die Cholera nicht disponiert sei, ohne jede Gefahr seien. Um dies zu erhärten, nahm er eine große Menge Kommabaeillen, die er aus Hamburg in einer frischen Kultur von Professor Gaffky bezogen hatte, ein. Dieser Jnfee. tionSversuch ging, wie Pettenkofer in einer Sitzung befl ärztlichen Vereins selbst berichtete, ohne Gefahr vorüber. E« stellten sich nur während einiger Tage leichte Durchfalle ein. DaS Experiment wurde bann von Professor Emmrich mA demselben Erfolge wiederholt. Als ein Berichterstatter damals Pettenkofer aufsuchte, meinte dieser mit dem ihm eigene» Humor: „Sie kommen wohl, um zu sehen, ob ich schon tot bin. Wie Sie sehen, geht e« mir ganz ausgezeichnet. A» der ganzen Sache ist überhaupt nicht viel daran; ich wollte nur einmal dieser Bacillenfurcht durch ein praktisches Beispiel ein Ende machen." * Aschersleben, 19. Febr. Amtlich wird gemeldet: Heute vormittag 8 Uhr 45 Min. fuhr der Personenzug Nr. 674 von Ilberstedt bei dichtem Nebel auf den in den Bahnhof Guesten einfahrenden Güterzug auf. Bier Reisende sind leicht verletzt, der Schlußbremser des Güterzuges ist etwa« schwerer verletzt. Der Materialschaden ist unerheblich. » Stuttgart, 19. Febr. Die heutige Aktionär-Ber- »ammlung der Gesellschaft zur Förderung der Luftschiffahrt hat die Liquidation gutgeheißen und das Angebot be« Grafen Zeppelin von 120,000 Mk. für ben Ballon und sämtliches Inventar angenommen. Leutnant Zivil getragen hat, soll bestraft werden. (Abg. Bebel: „Er ist ja schon seit einem Jahre tot!") Tann kann ich ihn nicht mehr bestrafen! (Abg. Bebel: „Faule Ausrede!") Die Lieder der Herren Leutnants -kann ich nicht kontrollieren, übrigens hat niemand den Text verstanden! Das inkorrekte Verhalten des Leutnants war geradezu notwendig! (Rufe: Hört! Hört!) Jawohl! Sonst wäre die Sache ja schon nach dem zweiten Akt gar geworden! Der Borfall ist peinlich, gewiß, aber wen können Sie dafür verantwortlich machen, außer den Herrn Otto Erich? Abg. Bebel: Wen? Das herrschende Regime in der Armee. Mir ist da ein Soldatenbrief aus China auf den Tisch geflogen, den ich Ihnen doch vorlesen muß. Er lautet: „Jeliebte Rieke! Schicke man doch nur blos 'n halben Meter Wurst. Ick kann die ewigen Chinesenkinder am Spieß nicht mehr vertragen. Sonst ist ganz jut hier. Für Massenmord habe ich bereits schonst eine Auszeichnung und für Fertigkeit in Häuseranbrennen bin ick Jefreiter geworden. Ick habe schon den janzen Tournister voll jroße chinesische Götzenbilder aus Jold, Silber und Messink. Lebe woll. Ick schließe, denn morgen heißt früh aufstehen, denn wir müssen ein paar Städtchens niederbrennen und Frauen, .Ander, Jreise ins Feuer schmeisen. Das ist zu lustig. Die Andern laufen davon. Soll ick Dir 'n Chinefenzopf mitbringen. Ick reise ihn dem Lihungtschang mit die Wurzel aus? Es grüßt Dich Dein geliebter Hunne Hans!" (Siufe der Empörung.) Meine Herren, wissen Sie, wo dieser blutdürstige Wütherich früher gedient hat? In der Kompagnie eben jenes Leutnants Rudorff, dessen Garnison man uns nicht nennen will! Kein Wunder, daß die Leute verrohen, wo tie Vorgesetzten mit solchem Beispiel vorangehen! Abg. Dr. Schädler (Zentrum): Wenn man in die katholische Rheingegend protestantische Truppen legt, muß wohl die Moral leiden! Mehr Jesuiten und weniger Leutnants, das wäre dort nötig. Ein sittlicher Mensch bringt ich nicht um, auch wenn er den Gegenstand seiner Zärtlichkeit nicht heiraten kann. Wie mancher brave Mann muß darauf verzichten, in ein legitimes Verhältnis zu seiner Köchin oder Haushälterin zu treten! Und sie kommen doch auch so zusammen aus. Jüngst hat uns der Herr Kriegsminister erklärt, daß der Duellunfug im Schwinden sei. Jetzt fangen sie am Rheine an, sich beinahe wieder zu duellieren, bis aus dem „beinahe" blutiger Ernst wird! Das Zentrum wünscht am Rheine, dessen Gebiet es als sein spezielles Eigentum betrachtet, bessere Zustände. Noch einmal! lassen Sie die widerrechtlich ausgesperrten Jesuiten ins Land und alles wird besser. Abg. Liebermann von Sonnenberg: Meine Herren! Vermutlich hängt die skandalöse Affarre wieder einmal stark mit der Judenfrage zusammen. Jener saubere Herr Kommerzienrat, vermutlich ein Geschäftsfreund Sternbergs hat für sich einen christlichen Leutnant kaufen wollen, um sich in die bessere Gesellschaft einzufchmuggeln. Der Leutnant, vermutlich durch Wechjelangelegenheiten in die Falle gelockt, konnte nicht mehr aus, verlobte sich und entzog sich der Schmach dieser Ehe durch einen Doppelselbstmord. Hier liegt eine Analogie zu der Mordthat in Könitz vor, die sich der Strafrichter doch näher ansehen sollte. Nieder mit den Juden! (Abg. Singer: Bravo!") Abg. Schlegel (Soz.): Mir scheint besonders die Sekttrinkerei in den Kasinos beachtenswert. D-er Sekt, meine Herren, ist ein Volksgetränk im wahrsten Sinne des Wortes. Durch den Massenkonsum schlemmerischer Leutnants wird der Preis in die Höhe getrieben. Der Sekt ist sozusagen der Schweiß der arbeitenden Klassen, den sie selber trinken wollen! _ , Abg. Dr. S ch ö n l a n k (Soz.): Das größte Unglück wird durch die falschen Ehrbegriffe der privilegierten Klasse veranlaßt. Hätten sich die Leutnants Rudorff, Ramberg, Gro- litzsch und wie sie alle heißen, ordentlich geohrfeigt, wie ich und mein lieber Genosse Katzen st ein, dann wäre alles leicht wieder beigelegt worden. An ein paar Maulschellen liegt gar nichts? (Abg. Roeren: „Tas sage ich auch! Nicht wahr, Kollege Dasbach!) Uebrigens ist meine» Informationen nach jener famose Kommerzienrat Mitglied des berüchtigten „Zentralverbandes", was mich an die 12 000 Mark-Affaire erinnert. Ich frage den Herrn Kriegsminister: geht Herr v. Posadowsky noch immer nicht? Kriegsminister v. G o ß 1 e r : Ich glaube, daß dies doch nicht ganz zur Sache gehört. Abg. Singer (Soz.): Ruhig! M—und halten! Wenn ich mit dem kleinen Finger winke, ist Deutschland morgen eine Republik und man hängt Kerls, wie den Leutnant Rudorff, an die Laterne! Ja, lachen Sie nur, Kollege Meier, Sie hundsgemeiner, ekelhafter, niederträchtiger, infamer Bursch! (Herr v. Fr ege hört nichts.) Passen Sie nur mal auf, meine Herren Bourgeois, wie wir Sie au» Ihrer muffigen Ruhe auftrommeln, Sie Jdiotengesellschaft! Da werden Sie bleich werden! (v. Fr ege, aufspringend: „Ich nicht?") Ich pfeife auf die Verfassung, die Regierung, das Militär, die Kommerzienräte! Den Reichstag — meine Genossen ausgenommen — hol' Sie alle miteinander Teufel! (Herr v. Fr ege bleibt stumm!) Im übrigen mache ich mir aus der Rosenmontagaffaire einen Pfifferling? Vizepräsident v. Fr ege: „Pfifferling" ist kein pari»' mentarischer Ausdruck! Ich schließe die Sitzung. 8 toOtti. 81. ‘hb“e"'*1 ° d-r B-dil »te« * ?> h°hi ™b b«iblr. 94 19« Sntoalt«. n6« Slatyxf- > d« lob bte ,etllid)tn Bn. d'« $w|4t, 'Ach'» $ott, let als der» itmbe Mg. MM Dank Wti \M^ int in M^inz. :rn auch |eine Mainz, deren hochverdienten Mische Finanz. ' Abkunft, seine >lt o. SR., von it, am Snfanfl ichischen Padua 1859 Qtboui bekannt gewacht fitn in Italien, saft 100 ein- Ilen aß. Der r nahm bekannt- sich, ohne baj zusügtr. Der. leu^pibtmu hi tvissen'chaftlichen nkoser behauptete, einem Orte, der ohne jede Gefahr ne große Mengt - frifden Ruit ar Dieser tyung bei är/t» MÄN. . D^chsäHe. ein. t Lmmnch mit «MM« bt t dem ihm eigen» , ob ich schon tot ^gezeichnet. » )aran; «h * rakGeS Seisp>e> I wird gemeldü: MnzngM-^ In den Vahnhos t Rrisenbe W OTltl)W- Hat WtiMlr*'' her Nl*f ba« ä«e*l ‘ r ttn 8“11” *" ft- ftldn I gierte rff- »Ä M ■» I l" el"$0§ fugt. L°nsL§ ^>ifW -MdLdM^, Äd-n/S/ niÄ&) ir Sie®S. ä3s&* Gerichtssaal. Darmstadt, 19. F br. Der <5tanb'6te6mte Br. hatte im Jahre 1899 die Ehesch icfeung zweier eist 23j ädriger Person n vor- genommen, oh:e daß btt e>sorde>liche Einwilligung ber brnffenben Extern DOiUfl. Er war d'shald der Berg hcnS gegen d e SS 29 und 69 d-S Personenstandsges tzeS belchuidigt Die feagltcbe Vorschrtst diese» Gffktz^S ist nach Inkrafitriten deL Bürgerlichen Gelctzhuchrs, welche? die Edemündigkeit mit 21 Jahren eintreien läßt und nur bt8 dahtr. väterliche Zustimmung eifoibcrt, wegaeiallen. Nach S 2, Abs. 2 bet Str.-G.-B. «st bei Ve schiedenhett der Ges-tz: von der Zeit der Thai bi? zur Aburteilung ba? mstbeste Gesetz anzuwrnben. Die Siras kämm r hielt btese Bestimmung im Fr-gesalle für zutreffend, weil jene Übertretung nach heutigem Recht nicht vorliegen würde, und sprach deshalb den Angeklag'en frei. Handel und Verkehr. Uolkswirtschast. r- Friedberg, 19. Febr. Der heutige Pferdemarkt war sehr gut betrieben, hauptsächlich mit Belgiern, Franzosen, Holländern und Holsteinern. Auch Reit und Luxuspserde waren gut vertreten. Der Handel ging jedoch nicht besonder? flott, die Nachfrage entsprach nicht dem Gebot. DaS Wetter war kalt und unfreundlich, sodaß die Käufer nur spärlich emgetroffen waren. Die Preise waren demzufolge bedeutend niedriger als auf dem Herbstpferdemarkt Gingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Allenthalben klagt man heutzutage über zu große Ausgaben, denkt aber meist nicht daran, daß gar viele Ausgaben unnütz geschehen; selbst die Höhe der oft beklagten Steuern wird übertroffen durch die freiwilligen selbst aufgelegten Steuern. Es sei nur erinnert an die That- sache, daß unser deutsches Volk mit seinen Ausgaben für geistige Getränke die Aufwendungen für den Unterhalt bei ganzen Heeres erreicht. Aus Anlaß eines befonberen Falles sehen wir uns neuerdings zu einer besonderen öffentlichen Warnung genötigt. Seit einiger Zeit durchziehen Reisende einer hessischen Derlagvsirma Städte und Dörfer zur Beitreibung von zwei Preßerzeugnissen in je lOU Lieferungen, von denen das Heft 1 in jedem Haus abgegeben wird. Die vielversprechenden Titel lauten: »Wer ist das?* Ein menschliches Rätsel. Eine wahre Geschichte aus zwei Weltteilen, und »Elvira die Chmesenbraut oder durch Himmel und Hölle in China*. Der Inhalt dieser »Werke*, die je 10 Mk kosten, ist das Produkt einer Phantasie, die nur auf den Geldbeutel derjenigen spekuliert, die nicht alle werden. Leider finden erfahrungsgemäß grade solche Schauergeschichten, in denen abenteuerliche Liebesgeschichten, Mord und Ehebruch einander die Hand reichen, auch auf dem Lande reißenden Absatz. Abgesehen von der Schädigung jedes gesunden sittlichen Urteils ist auch der materielle Schaden sehr beträchtlich, den das Volkswohl erleidet durch die großen Summen, die man aus der Tasche zu locken weiß und zwar für ganz wertlose, oft gradezu un sinnige Romane; daß es sich hier nicht um Kleinigkeiten handelt, geht daraus hervor, daß in einem kleinen Dorf in Oberheffen von einem ähn liehen Werke, das 15 Mk. kostete, 120 Exemplare abgesetzt wurden, d. h. zirka 1800 Mk wurden aus einem Dorf hinausgetrogen für solche Lektüre An anderen Orten wird es ähnlich gewesen fein. Mit einer solchen Summe hätte man für alle Zeiten eme kostbare Volksbibliothek anschaffen können, an der sich Kinder und Kindeskinder erfreuen konnten. Solche Ausgaben werden dann kaum gerechnet und wie schwer fällt eS bei der Landbevölkerung, die hier so freigebig scheint, einen auch nur ganz geringen jährlichen Beitrag zu einer Bibliothek zu bekommen. Besonders bedauerlich ist es, daß die Verbreiter solcher Romane meist straflos bleiben, da sie genau die Lücken der Gesetzgebung im Auge behalten. Hier sollten alle Behörden und wirkliche Freunde unseres Volkes zusammenwirken, um solcher Vergiftung des Volkslebens zu begegnen. Solange freilich am Schaufenster unserer Städte dieselben Bücher zum öffentlichen Verkauf ausliegen, solange werden auch unsere eifrigen Bemühungen, die Landbevölkerung vor solchem Schund zu bewahren, nur ein Schlag ins Wasser fein. E—a. Nachdruck erwünscht! ünilbertroflen iut Haut- und Schöuheitapliuyu ^MyrrholinSeife sowie ah beste Kinderseife Irxtlich empfohlen. Kvtk |ronkrnfeo8. Während der Krankheit ist eine leicht verdauliche, nahrhafte Diät, welche den erkrankten Körper untcrftiißt, ohne die Temperamr zu erhöhen, die geeignetste. Eine von Aerzten empfohlene Speise ist dann Mondamin, mit .Milch gekocht, als Brei oder warmer Pudding. Der zarte Geschmack des Mondamin wirkt appetitanregend bei Kranken und Rcconvalescenten. Es ist zu Haden m Paketen ä 60, 30, 15 Pfg. 314 XU Arown & Aolsons Gesetzlich geschützt seit 1884, Bei Bleichsucht, Blutarmut werd als,Nähr- und Kräftigungsmittel von befonbcrerrüßirruitg Sanntogen empfohlen. Von Prof. u.Aerzten glänzend begutacht. Erhält!, in APoth.u.Drog. Atteste franco. Lauer & Cie., Berlin b.0.16. Caiflan»,of,9'Samm,e'Vel»et»Ä. O DIU C11 Blusen, Besah liefern wir direkt an «ripatt. Man verl. Muster unserer großen Auswahl, von Elten & Kennen, TTandlung Krefeld. Städtischer Arbeitsnachmeis Gießen Garterrftratze 2. Angetzot der Arbeitnehmer: 2 Anstreicher, 1 Bauschloffer, 1 Schneider, 1 Möbelschreiner, 1 Kellner, l Lauffrau, 1 Putzfrau, 1 Kochfrau, 1 Waschfrau, 2 Mechanikerlehrlinge. Stachfrage der Arbeitgederr i Küfer, 1 Schuhmacher, 1 Haus- bursche, mehrere Dienstmädchen, 1 Kindermädchen, 1 Flickerin. Lehrlinge» 2 Buchbinder, 1 Glaser, 1 Kellner, 1 Schneider, 1 Schlosser, 1 Sckreiner. Oeffentliche Zustellung. Der Schreiner Georg Zimmer IV. in Villingen, gerichtlich bestellter Vormund des Keirrrich Sauerwein, unehelichen Sohne« der Maria Sauerwein zu Villingen, klagt gegen Lovis Stein, Sohn des Bäckers Heinrich Jakob Stein zu Hungen, zurzeit abwesend mit unbekanntem Aufenthalt, wegen Unterhalt auf Grund des § 1708 B. G. B. mit dem Anträge, dm Beklagten durch für vorläufig vollstreckbar zu erklärendes Urteil schuldig zu erkennen, an Kläger a's gertcht l^ch bestellten Vormund des minderjährigen Heinrich Sauerwetn in 93.Hingen als Unterhalt den monatlichen Betrag von zwanzig Mark seit Geburt desselben, 1. September 1900, bis zum zurück jel^gten 16. Lebensjahre, und zwar für die abgelaufene Zeit alsbald und für die Folge in monatlichen Vorauszahlungen zu entrichten und ihm die Kosten des Rechtsstreits aufzuerlegen vud ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor das Grobherzogliche Amtsgericht zu Hungen auf d-u 19. April 1901, vormittags 9Uhr. Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Aus zug der Klage bekannt gemacht Hungen, den 18. Februar 1901. Koch, 1479 Gerichtsschreiber des Großberioalichen Amtsgerichts. Vergebung von Sauarbeiten. Die zur Errichtung von Dienstwohnungen in dem früheren Amtsgerichtsgebäude zu Grünberg nötigen Weitz- diuderarbeiteu werden hierdurch unter Hinweis auf den Mnistertalerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Submisfionsweg ausgeschrieben. Die Ausführungsbedingungen nndArbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen, und können letztere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots-Vermerk versehen, daselbst zum Selst kostenpreis in kmpfang genommen werden Angebote sind bis zum Mittwoch bett 27. Februar 1901, vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen,- den 18. Febr. 1901. Großherzogliches Hochbauamt. _______Neuling. 1474 Bekanntmachung. Die Bau- und Werkholzoersteigerung im Albacher Gemeindewald vom 15. ds. Mts. ist nicht genehmigt, die Brennholzverfteigerung dagegen ist genehmigt. Albach, am 18. Febr. 1901. Großh. Bürgermeisterei Albach. Balser 1476 Hohversteigerung im Gießener Stadtwald. Montag den 25. Febr. 1901, vormittags 9i/,Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, in dem Distrikt Stolzeumorgen, versteigert werden: 70 Fichtenstämme mit 18,30 fm, 2391 Fichtenstangen mit 81,82 fm, 3 rm Nadel-Scheitholz, 4 „ Aspen-Scheitholz, 17 ff Eichen-Knüppelholz, 84 „ Nadel-Stockholz, 3400 Wellen E chen-Reisig, (Durchforstung), 7600 H Nadel Reisig. Die Zusammenkunft ist auf der Straße nach Rödgen, an der Ochsenwiese. Gießen, 18. Februar 1901. Großh. Bürgermeisterei Gießen. _______Mecum. 1464 Die Holwersteigerung vom 12. d. Mts. in der Oberförsterei Schiffenberg ist ge- nehmigt. Die Abfuhrscheine können bei den betreffenden Untererhebstellen vom 23. an in Empfang genommen werden. Die Ueberweisung de» Holze» erfolgt Montag den 25. Febr., morgens 8 Uhr. Gießen, den 18. Febr. 1901. Gr. Oberförsterei Schiffenbera. Heyer. 1475 DoonkrstasLku7.ASrj1M nachmittags 3 Uhr, oll auf hiesigem Ortsgericht die zur Konkursmasse der Raben Salomon Eheleute in Wetzlar gehörige ideelle Hälfte von 19/92, 98 und 94 der Gemarkung Gießen, zusammen gemeffen 8150 qm Acker vor dem GänSwinkel am Mittelweg, öffentlich meistbietend freiwillig versteigert werden. Lageplan liegt für Interessenten auf Großh. Orlsgericht Gießen offen, auch giebt Kommissionär Abraham Jacob in Gießen auf Wunsch nähere Auskunft. Gießen, den 19. Februar 1901. Großh. Ortsgericht Gießen. «roS. 1471 (hip fr h hi urteil G.Röhr&Co. empfehlen vollständige Betten in gediegener Ausführung zu folgenden, sehr billigen Preisen: Vollst. Bett f.Mk. 36.50 Bestehend aus: Eiserner Bettstelle mit Spiralboden, Seegrasmatratze, Deckbett und 1 K'ffen. Vollst. Bett f. Mk. 56.- Bestehend aus: Lackierter Holzbettstelle, Strohmatratze, See- graSmatratze, Keil, Deckbett und einem Kiffen. Vollst. Bett t. 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