Sonntag SO. Oktober 1901 Nr. 347 Drittes Blatt. 151. Jahrgang ■ Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Zamilien- iblätier werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" xnermoi wöchentlich bei- gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprcchanschlußNr.51. sprechen und so schnell von der Tagesordnung noch nicht verschwinden wird. Besonderer Erwähnung bedarf der Beschluß der jüngsten sächsischen Synode, der deshalb schon von erhöhterer Bedeutung ist, weil er die Stimmung eines konfessionell lutherischen Landes wiedergiebt und dahin geht, es soll eine freitvillige, förderativc Vereinigung der Landeskirchen herbeigeführt werden, die aus Deputierten der Kirchenregimenter und aus Mitgliedern der Synodalvertretungen zu bilden sei. Ihr seien zunächst folgende Aufgaben zuzuweisen: 1) Die Wahrung und Vertretung der Rechte und Interessen der evangelischen Kirche gegenüber Rom; 2) die Wahrung der unveräußerlichen Rechte der Kirche gegenüber dem Staat; 3) die gemeinsame Stellung gegenüber dem Sektenwesen; 4) die kirchliche Pflege der Evangelischen in der Diaspora.G. S- Aus Stadt und Kand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur rmter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 19. Oktober 1901. ** Verknus tuberkulösen Fleisches. Nach dem bioit den Sachverständigen in der Strafsache des Metzger- meisters Decker aus Kastel erstatteten Gutachten darf in Hessen tuberkulöses Fleisch als „nicht ladenrein" verkauft werden. Diese Mitteilung ist sehr geeignet, Mißtrauen im Publikum wachzurufen. Glücklicher Weise trifft das vorn! KreiSveterinärarzt von Gvoß-Geran Gesagte wenigstens irt der Praxis nicht unbedingt zu. Daß jedes tuberkulöse Fleisch als nicht ladenrein verkauft werden darf, wie der Sachverständige deponierte, ist unzutreffend. Nur schwach- tuberkulöses Fleisch kann auf der Freibank verkauft werden, stärker infiziertes Fleisch bezw. das Tier selbst kommt zum Wasenmeister. ♦* Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 22, aus- gegeben am 16. Oktober 1901, enthält u. a. eine Bekanntmachung, die Bestätigung von Schenkungen betreffend. Im Laufe des 2. und 3. Quartals 1901 sind von Sr. Königl. Hoheit dem Gvoßherzog nachstehende Schenk^ ungen bestätigt und hiernach die Ermächtigung zu deren Annahme erteilt worden: 1) Schenkung des evangel. Kirchenbauvereins zu Mainz an die evangelische Kirche ^selbst, im Betrage von 5200 Mk. 2) Schenkung des evangel. Kirchenbauvereins zu Fürth an die evangel. Kirche daselbst, im Betrage von 25180 Mark 26 Pf. 3) Schenkung des Stadtverordneten Otto Wolfskehl zu Darmstadt, (im Jahre 1899) an die Haupt- und Residenzstadt Darmstadt, im Betrage von 5000 Mk. 4) Schenkung des Stadtverordneten Geh. Kommerzienrat Wilhelm Merck zu Darmstadt (im Jahre 1896) an die Haupt- und Residenzstadt Darmstadt, im Betrage von 10 000 Mark. 5) Schenkung der Frau Andreas Bennighof Witwe zu Mölsheim, sowie des Dr. David Bennighof und Frau zu Darmstadt an die evangel. Kirche zu Mölsheim, im Betrage von 16800 Mk. 6) Letztwillige Zuwendung der Helene Schermann zu Westhofen an die katholische Kirche daselbst, im Betrage "von ungefähr 12 700 Mk. 7) Letzt- willige Zuwendung der Franz Christoph Mahlerwein Witwe zu Eich Kr. Worms, an die Gemeinde Mch, im Betrag« von ungefähr 14000 Mk. Ferner folgend Konkurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Würzberg, Kr. Erbach. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Herrn Grafen zu Erback-Erbach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem ka- corpus evangelieorum zu stände, ein ständiges Kollegium der evangelischen Stände im Reichstage zur Vertretung ihrer geistlichen und rechtlichen Interessen, das vom Kaiser anerkannt war. Es bestand, wenn auch in der letzten Zeit fast nicht hervortretend, bis zum Jahre 1815. Die Bundesverfassung von diesem Jahre hatte ^ur Festlegung einer kirchlichen Reichsidee keinen Platz. Auch der nordoeutsche Bund und das deutsche Reich konnten sich über diesen Standpunkt nicht erheben. Trotzdem, ja vielleicht gerade deshalb, weil man für eine Konföderatton der deutschen evangelischen Landeskirchen offiziell kein Verständnis zeigte, erhoben sich im vergangenen Jahrhundert private Stimmen, die zu einem engeren Zusammenschluß aufforderten. Besonders war dieser Gedanke auf dem Wittenberger Kirchentage im Jahre 1848 lebendig, der in gleicher Weise von Konfessionellen und Liberalen gepflegt wurde. Die anfänglich große Begeisterung ließ aber schon während der Tagung nach und man einigte sich zu einem auf freier Verständigung beruhenden föderativen Verbände, aus dem die jetzt noch bestehende sog. „Eisenacher Konferenz" hervorging. Diese freie Verbindung der ev. Landeskirche::, die alle zwei Jahre ihre Vertreter zu gemeinsamer Beratung in die schön gelegene Thüringerstadt am Fuße der Wartburg entsandten, hat trotz ihrer vielen Jahrzehnte für die Gesamthett, besonders in ihrer letzten Zeit, wenig mehr gethan, als eine Revision des lutherischen Bibeltextes und die Aufstellung einer Perikopenreihe besorgt. Das kirchenpolitische Gebiet aber wurde von ihr nie betreten, und nach dieser Richtung hin wird auch nichts zu erwarten sein schon vermöge der Eigenart der Zusammensetzung. — Kühner und begeisterter waren die Männer, die nach dem Abschluß der neuen Reichsverfassung im Jahre 1871 in Berlin zusammenkamen und einen von Propst Brückner verfaßten Entwurf einer deutsch-evangelischen „Kirchen- konvokation" annehmen wollten, twas aber von konfessionellen Unionsfeinden mit Erfolg verhindert wurde. Doch wurde in die Generalsynodalordnung für die alten preußischen Provinzen ein vielverheißender § 19 ausgenommen, der lautet: „Die Generalsynode nimmt Kenntnis von den Beziehungen der Landeskirche zu den übrigen Teilen der deutschen evangelischen Kirche, beschließt über die der weiteren Entwickelung ihres Gemeinschaftsbandes dienenden Einrichtungen und beteiligt sich durch von ihr gewähtte Abgeordnete an etwaigen Vertretungskörpern der deutschen evangelischen Kirche." Auf Grund dieses Paragraphen brachte im Jahre 1891 der Professor des Kirchenrechts Geh. Rat Dr. Kahl einen Antrag auf Herbeiführung einer deutsch-evangelischen Reichssynvde ein, und obgleich dieser Antrag die Unterstützung aller Kreise der Generalsynode fand, ist man in den folgenden zehn Jahren bis heute noch keinen Schritt weiter gekommen. Der Gedanke eines Zusammenschlusses ist freinch noch nicht erstorben, er wird immer noch von hervorragenden Gelehrten auf dem Gebiete des Kirchenrechts und von namhaften Kirchenpolittkern wach gehalten, von denen wir aus unserem Lande den Namen des Direktors am evangelischen Predigerseminar zu Friedberg Prof. Dr. Weiffenbach nennen, der auf der letzten hessischen Landessynode die Angelegenheit eifrig vertrat und einen Beschluß herbeiführte, der lautete: „Die Synode spricht der Eingabe des Ev. Bundes, die Einigung der deutschen evangelischen Landeskirchen betr., ihre Sympathie aus und empfiehlt dem Oberkonsistorium deren warme Förderung." Vorher und nachher haben sich andere Synoden in ähnlicher Weise geäußert. Es ist somit klar, daß der Zusammenschluß der Landeskirchen zur Zeit ein Thema ist, das fleißig beAikKonfödttiltio« der deutsche« evaigelischeuFaudesIiirchkn Aus Kreisen der evangelischen Geistlichkeit wird uns geschrieben: Eine Konföderation, d. h. ein rechtlicher Zusammenschluß der deutschen evangelischen Landeskirchen ist je und je die Sehnsucht aller derer gewesen, die, die Lebenskräfte des Evangeliums erkennend, wußten, daß zu einer gedeihlichen Auswirkung auch eine entsprechende äußere Rechtsform gehört. Ganz besonders stark ist in den letzten Jahren das Verlangen nach einem Rechtsleben neben dem vorhandenen gemeinsamen Glauben sieben hervrr- aetreteu. So schrieb der hervorragende Kirchenrechtslehrer Aemilius Richter: „Als ein unabweisbares Ziel der weiteren Entwickelung evangelischer Kirchenverfassung in Deutschland muß die Zusammenfassung der evangelischen Kirchenkörper in eine Konföderation bezeichnet werden". Im Jahre 1890 urteilte Prälat vonLechler: „Wir sagen nicht mehr, als wir verantworten fönnen, wenn wir feststellen, daß eine deutsch-evangelische Nationalkirche und nichts anderes der tiefste Grund aller reformatorischen Bewegungen nach ihrer kirchenpolitischeu Seite von Anfang an gewesen ist. Die kirchliche Einheit des evangelischen Deutschlands ist die umnittelbarste Konsequenz der po- littschen; sie ist bereits eine Wirklichkeit, eine Macht, die sich in den Gemütern festgelegt hat, und nur des Augenblicks wartet, wo sie hervortreten kann." Als Luther mit seinen reformatorischen Gedanken her- vortrat, glaubte er nicht, daß er auf einen solch starken fortgesetzten Widerstand stoßen würde. Er war ein großer Optimist, er hatte sich getäuscht. Sein Plan, die ganze Kirche reformieren zu können, ist ihm nicht gelungen. So beschränkte er sich auf einzelne Teile. Wohl hatte er dem Papsttum und der katholischen Kirche weite Gebiete entrissen, aber deren Macht und politischen Ein- iluß nicht gebrochen. Die einzelnen deutschen Länder wur- oen reformiert, wie sich deren Fürsten der neuen Lehre anschlossen, zuerst Kursachsen, dann Hessen. Hierdurch war schon in der Geburt der evangelischen Kirche ein Fehler beigebracht, der sich aber nicht vermeiden ließ, und der nur hätte beseitigt werden können, wenn die ganze christliche Kirche hätte reformiert werden können. Es entstand keine Gesamtkirche evangelischen Glaubens, wie die Katholiken eine einheitlich organisierte Papstkirche haben, sondern nach einander einzelne Deilkirchen, die ihre natürlichen Gebiete ürnerhalb der politischen Grenzen fanden. An Stelle einer einheitlichen rechtlichen G e s am t.kirche entwickelten sich die einzelnen Landeskirchen, deren oberster Träger der jedesmalige Landesfürst wurde. Auch dies war nur allzu natürlich. Die Landesfürsten hatten die Anregung zur Reformierung ihres Landes gegeben. Dem Einflüsse des Papstes wurde gewehrt, das Evangelium nach Luthers Weise verkündigt, das Abendmahl in beiderlei Gestalt gegeben, kurz es entstand in dem Lande, das geistlich allein von Rom aus versorgt wurde, eine Erhebung in der Art, daß man aus einem Telle der Gesamtkirche ein selbständiges Ganze schuf, mit eigener geistlicher Versorgung und eigener rechtlicher Verwaltung. Das war eine notwendige Folge der Reformation im eigentlichsten Sinns, der Mrchenverbesseruna, der Abstellung der römischen Fehler. Der rechtliche Vertreter des selbständig gewordenen Teils der Kirche, der nunmehrigen evangelischen Landeskirche, wurde der betreffende Landesfürst. Die Kraft nach außen wurde dadurch zersplittert. Dem mächtigen Papsttum war auf evangelischer Seite ein Gegengewicht nicht geboten. Dies fühlte man im Laufe der Zeit bald heraus. So kam denn am 22. Juli 1653 zu Regensburg das sog. @ Q Annahme von Anzeige« zu der für den folgenden GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger ö ** BBS Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZDM Feuilleton. Litteratur, Kunst und Wissenschaft. Die Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, über deren Gründung auf der Naturforscherversammlung in Hamburg wir vor einiger Zett berichteten, hat, wie man uns mtttellt, ihren Jahresbeitrag auf 10 Mark festgesetzt und als einmalige Einkaufssumme (statt des jährlichen Beitrags) den Bettag von 150 Mark bestimmt. Bei der Gründung der Gesellschaft sind chr sofort 60 Herren aus Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz beigetreten. Als unentbehrliches Erfordernis der historischen Forschung hat die Gesellschaft zunächst ein fortlaufendes Referat über alle Veröffentlichungen zur Geschichte der reinen und angewandten Naturwissenschaften und der Medizin in Angriff genommen. Das erste Heft dieses periodischen Organs soll zu Beginn des Jahres 1902 erscheinen. — Als Schatzmeister der Gesellschaft fungiert Dr. Emil Wohlwill in Hamburg, doch sind auch die anderen Herren des Vorstandes: Prof. Dr. Georg Kahlbaum in Basel, Dozent Dr. Max Neuburger in Wien, Dr. H. A. Peypers in Amsterdam, sowie der Vorsitzende San.-R. Dr. Karl Sudhoff in Hochdahl bei Düsseldorf zur Annahme der Beitritts-Erklärungen und der Mitgliedsbeittäge, sowie zu jeder weiteren Auskunft bereit. ans H u b er's Böcklin-Symphonie in E-moll wurde, wie man uns schreibt, anläßlich des ersten Schweizerischen Tonkünstlerfestes in Zürich und dann während der letzten Konzert-Saison in Basel, Zürich und Köln mit bedeutendem Erfolge aufgeführt. . Muret Sanders, das bekannte englisch-deutsche, beziehungsweise deutsch-englische Wörterbuch ist. in einer kleinen Ausgabe erschienen. Es ist ein vortreffliches lexiko- graphisches Werk, ein kleines Denkmal deutschen Fleißes. Dadurch, daß die Langenscheidtlche Verlagsbuchhandlung (Prof. G. Langenscheidt), Berlin, neben der großen vierbändigen, eine kleine Ausgabe veranstaltete, erwarb sie sich ein bedeutendes Verdienst. Es ist eine kleine Ency- klopädie der englischen Sprache, für den Gelehrten gleich wertvoll wie für den Schüler, für den Kaufmann wie den Techniker. Es bringt ein in den lebendigen Entwicklungsgang der englischen Sprache und giebt Auskunft über das Englische, nicht nur wie es im Buche steht, sondern auch wie es das Volk spricht. Fleiß, Umsicht und Gewissen- hafttgkeit sind die Wahrzeichen des empfehlenswerten Werkes. Muret-Sanders ist das einzige Lexikon, das bei jedem Worte angiebt: Aussprache, Groß- und Kleinschreibung, Konjugation und Deklination, Bildung der Adverbien, Etymologie re. Was die Kunst, die Wissenschaft und Litteratur, die Industrie und der Handel an Vollständigkeit, Genauigkett, Verständlichkeit und lieber sich tlichkeit von einem Wörterbuche verlangen können, das erfüllt das SBerf. Haacke-Kuhnert, Das Xi ex leb en der Erde (40 Lieferungen a 1 Mark oder 3 Bände, in Leinen geb. Mk. 50,—, in Halbleder geb. Mk. 57,—, Verlag von Martin Oldenbourg in Berlin). Dieses groß angelegt« Werk ist mit den uns soeben zugehenden Lieferungen 37—40 nunmehr zum Abschluß gebracht worden und damit die deutsche populär-wissenschaftliche Litteratur um ein prächtiges Buch bereichert worden, das in jeder Beziehung neu und eigenartig, die wetteste Verbreitung verdient. Haacke-Kuhnerts Tierleben, das einen Zoologen von Welttuf zum Verfasser und einen der ersten deutschen Tiermaler als Illustrator hat, unterscheidet sich von den bisher erschienenen Tierbüchern vor allen durch die natürliche, aus dem Rahmen der heimatlichen Zusammengehörigkeit hervorgehende Anordnung des Stoffes. Der Verfasser Dr. Wilhelm Haacke besitzt neben seiner Qualifikation in den schwierigsten, entwicklungsgeschichtlichen Problemen eine intime Kenntnis des Tierlebens. Dabei ist er ein glänzender Stilist. Seinem Mitarbeiter Wilhelm Kuhnert lag der künstlerische Teil des Werkes ob. Die von ihm für das „Tierleben der Erde" eigens geschaffenen Oelgemälde und schwarz weißen Zeichnungen zeichnen sich durchs unübertreffliche Natur- treue in Zeichnung, Haltung und Kolorit der dargestellten Tiere, wie auch durch die künstlerisch vollendet zusammen- gefHmmte Umgebung aus. Allerdings ist auch die Wieder^ gäbe, die für die farbigen Gemälde im chromotypographischen Druck nach dem Dreifarbensystem und für die schwarzen Zeichnungen in Autotypie erfolgte, eine meisterhafte. lieber Land und Meer, die altbeliebte illustrierte Zeitschrift, hat den 44. Jahrgang begonnen und gleich das erste Heft giebt wieder recht Erfreuliches. Im erzählenden Teile hat die führende Rolle der Roman „Die Wacht am Rhein" von C» Vie big, eine rheinische Familien- geschichte von hoher Spannung und kernigem Humor. Dazu gesellen sich eine schalkhafte Novelle: „Experimente" von Anton von Perfall. Ungemein reichhaltig ist das von zahlreichen Textillusttationen begleitete Feuilleton. Es geleitet uns auf die hohen Gipfel des Alpenlandes wie auf das weite Meer, wir erhalten Einblicke in die Wunder der Technik, und die Frauenwelt sieht ihre besonderen Interessen durch mehrere Arttkel gewahrt, wobei natürlich das Reich der Mode nicht vergessen ist. Endlich seien noch die mannigfaltigen, zum Teil ebenfalls durch Bildchen erläuterten Nottzblätter erwähnt, die einen Ueberblick über die bemerkenswerten Ereignisse und Erscheinungen der Gegenwart gewähren. Die gleiche Vielseitigkeit entwickelt der lllusttierte Teil, der zahlreiche, sorgfältig vorbereitete Kunstblätter bietet, so L. Schmutzlers heitere Ballszene „En avant" und H. V. Pedersens „Junge Siamesin", die den Beschauer mit neckischer Schelmerei anlächelt. Von den übrigen großen Kunstblättern nennen wir in erster Linie die packende Wiedergabe von Professor Ernst Henselers wirkungsvollem Gemälde, das die Reichstagssitzung vom 6. Februar 1888 vorführt, in welcher der große Kanzler das zum Wahlspruch unseres Volkes gewordene Wort sprach: „Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt", ferner erwähnen wir I. Schmitzbergers „Hochwild", Fritz Reusings Gerichtssaal sozusagen ein Minister gehalt sei. Indessen erschien der ragliche Zuschueiber gegenüber einem Kollegen in Berlin, vom 2.—15. Jaf Uöchevtlichc ArdkkW brr TobrsMe in Cirßrn. 41. Woche. Vom 6. Oktober bis 12. Oktober 1901. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 24,09, nach Abzug von 4 Ortsfremden 16,06'Ao. Kinder Belagerung der Burg Staufenberg durch Kaiser Adolf von Nassau (1296). (Nachdruck verboten.) Heinrich I. „das Kind", der erste Landgraf von Hessen, ein Enkel der „heiligen Elisabeth", hatte während seiner 43 jährigen Regierung gar oft gegen die Anriffe seiner Feinde die Waffen zu führen. Viel Betrübnis bereitete ihm der Unfriede im eigenen Hause. Mit Klugheit und Festigkeit wußte er sein Besitztum zu mehren, wie er sich auch die Stadt und das Amt Gießen 1265 durch Kauf erwarb. Landgraf Heinrich beabsichtigte, sein Land zu teilen. Die geplante Teilung mißfiel seinem Sohne Ott), der ohnedies schon mit seinem Vater wegen seiner Verbindung mit einem nicht standesmäßigen Edelfräulein nicht gerade aus bestem Fuße stand. Zunächst suchte Otto seinen Unwillen zu bezwingen, wartete aber auf eine günstige Gelegenheit, sich zu rächen. Diese sollte sich ihm bald bieten. Landgraf Heinrich lag schwer krank zu Marburg. Sobald dies Otto erfuhr, wußte er sich ein Häuflein bewaffneter Reiter zu verschaffen und ritt mit chnen, zu denen noch unterwegs eine Abteilung berittener Mannen seines Schwagers Gottfried von Ziegenhain stteß, nach Kassel. Hier verbreitete er das Gerücht, das Gottfried bestättgte, Landgraf Heinrich sei in ES starben §n: Zusammen: Erwachsene: tm 1. Lebensjahr: ,er 12000 Mark Jahresgehalt bezieht, und einem solchen in Frankfurt am Main, der im ersten dortigen Kon- fekttonsgeschäst in Stellung ist und ein Jahreseinkommen von 15000 Mark hat, als armer Flickschneider. Ta der Kläger auf fünf Jahre fest engagiert war, jedoch nach kurzer Zeit wieder entlassen wurde, verlangt er jetzt 40 000 Mark röt Wege der Klage. thvlischen Lehrer zu besetzend« Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rembrücken, Kr. Offenbach. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden, die mit einem katholischen Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiskirchen, Kr. Offenbach. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Kreisrat zu Offenbach, sowie dem katholischen Pfarrer und dem Gemein berat zu Weiskirchen steht das Präsentatlonsrecht zu derselben zu — sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt. ♦* Das Amtsblatt des Ministeriums der Justiz Nr. 17 vom 27. September enthält ein Ausschreiben an die Amtsgerichte, betreffend die Aufstellung der Haupt- Übersichten der Geschäfte bei den Amtsgerichten. ♦* Staatliche Fürsorge für den Unteroffizier st and. Diejenigen Personen des Soldatenftandes, die sich nachj Ablauf ihrer gesetzlichen Dienstpflicht zum Weiter- biencn verpflichten und Unteroffiziere werden (auch event. zuerst nur Kapitulant bleiben), genossen bisher äur Auffrischung, hauptsächlich aber zur Besserung ihrer Schulkenntnisse, in ihren freien Stunden Unterricht durch Militär- uno Zivillehrer.Diese für den Untevoffizierstand sehr nützliche, staatlich^ Fürsorge hatte weiterhin den Zweck, den später in den Zivildienst übertretenden Unteroffizieren den Uebergang in das bürgerliche Verhältnis zu erleichtern — sie zu befähigen — sich in dem einzuschlagenden Zivilberuf schneller und besser einzuarbeiten, somit ihre Existenzfrage zu fördern. Jetzt sind seitens der maßgebenden Aufsichtsbehörden Schlritte eingeleitet worden, die bisher gepflogene Unterrichtsmethode nach anderen, weitergeh enden Gesichtspunkten auszubauen. Es sind folgende Vorschläge zur Erwägung gezogen bezw. den Truppenteilen zur Begutachtung unterbreitet worden. Der bisherige Unterrichst soll fortfallen. Dagegen sollen sich sämtliche Unteroffiziere, »ohne Ausnahme, nach dem zurückgelegten achten Dienstjahre obligatorisch an einem dreiklassigen Unterrichtskursus beteiligen, der die Untevoffiziere besser wie bisher, für die Beamtenklasse befähigen soll. Ter Unterricht soll von besonders ausgewählten Militär- und Zivillehrern erteilt werden. Nach Schluß eines der drei Jahreskursen soll eine Prüfung mit jedem Unteroffizier abgehalten und dem Examinanden ein Zeugnis über seine erlernten Kenntnisse ausgestellt werden. Diese Zeugnisse sollen den Zivil- vesp. Anstellungsbehörden als Beweis der erlangten Bildung und der dadurch gegebenen Befähigung zur Versehung der von dem Anwärter begehrten Stelle dienen. Ferner sollen durch diese dLeuerung die seither von den meisten Mstellungs- behörden geforoerten, informatorischen und probeweisen Beschäftigungen ersetzt werden, so daß also fürderhin der Anwärter entsprechend seiner Zeugnisse ohne weiteres je zur mittleren, niederen und unteren Beamtenklasse, nach seinem Ausscheiden aus dem Heere Aufnahme in der von ihm gewünschten Stelle finden wird. Es braucht demnach und nach Einführung des oben geschilderten 3 jährigen Unterrichts und nach, Absolvierung der drei Klassen kein Unteroffizier noch irgend ein Befähigungsexamen abzulegen und wirb überdies Die geistige Ausbildung der Militäranwärter eine weit bessere sein, als bisher bei dem fakultativen Unterricht, der übrigens schon im zweiten, spätestens dritten Dienstjahre des Unteroffiziers als solcher aufhörie. Die geplante Maßnahme ist «also als eine dem gesamten Unteroffizierstand großen Nutzen bringende Einrichtung zu begrüßen und bleibt nur zu wünschen, daß diesem Unternehmen der militärischen Aufsichtsbehörde Die lveitgehendshe Unterstützung zu teil wird . Vermischtes. * Westerland (Sylt), 15. Okt. Der Malergehilfe Philipp aus Berlin traf vor etnxi acht Tagen in Begleitung einer Frauensperson in Westerland ein und mietete dort ein Zimmer. Er gab seine Begleiterin, die sich in anderen Umständen befand, für seine Frau aus, während sie eine unverehelichte Dienstzmagd aus Oldenburg ist. Das Paar begab sich am Abend nach Munkmarschi, ging auf die dortige Dampfschiffsbrücke und bestieg ein Boot. Seit dieser Zeit blieb die Frauensperson verschwunden, während der Mäler-- gehilfe noch am selben Abend von Leuten verschiedentlich gesehen wurde. Am anderen Morgen, als man im Hotel Union in Westerland nach dem Verbleib der Frau fragte, erklärte der Maler, seine Frau sei ins Wasser gefallen. Am Nachmittag wurde die Leiche der Frauensperson am Strande bei Munkmarsch gesunden. Der Maler hat seine Geliebte zweifelsohne ins Wasser gestürzt. Als man ihn verhaftete, trug er ein sehr auffälliges Beinehmen zur Schau. Er gab zu, daß er mit der Toten in wilder Ehe gelebt habe, schweigt sich aber vollständig darüber aus, wie sie ums Leben gekommen ist ♦ Der deutsche Kronprinz als Radfahrer. Gin Bonner Student schreibt: „Der Kronprinz fährt, wenn es das Wetter irgendwie erlaubt, stets per Rad, das Kollegheft unterm Arm, zur Universität; auch dem neu aufge- genommenen Radpolospiel bringt er großes Interesse entgegen, und zwar soll der kaiserliche Student in diesem Spiele, welches durch ihn erst in die Bonner Sportskreise singesührk wurde, eine außerordentliche Gewandtheit und Sicherheit auf dem Rade bekunden, welche die Bewunderung der zahlreichen Zuschauer stets von neuem erregt. — Die Umgebung Bonns mit den gut gepflegten Chausseen veranlaßt jen Prinzen zu vielen Rad-Ausflügen in die Umgebung. Auf einer dieser Touren sollte der künfttge Herrscher auch >ie Ungemütlichkeit der Polizei kennen lernen. Als der Kronprinz eines Abends mit einem Kommilitonen von einer Tour zurückkehrte, ohne daß weder er noch sein Begleiter rie vorgeschriebene brennende Laterne am Rade hatten, nur den die beiden Herren von einem Polizeibeamten angehalten und mußten abfteigen. Es hätte nicht viel gefehlt, v hätte unser zukünftiger Herrscher ein Protokoll bekommen, wenn nicht sein Gefährte den Jünger der heiligen Her- mandad aufgeklärt hätte, wen er zu notieren im Begriffe sLnd. 'Dean Prinzen bereitete dieses komische Intermezzo viel Vergnügen." * Besteht eine besondere Kleidervorschrift für das Standesamt? Das Aachener „Volksblatt" berichitet: „Dieser Tage erschien ein Brautpaar auf dem Standesamt zur Trauung. Der Bräuttgam, obwohl ganz anständig gekleidet, trug anstatt der üblichen weißen Hals- und Brustwäsche ein Sporthemd. Der betreffende Standesbeamte verweigerte aus diesem Grunde die Trauung. Der Bräutigam wandte ein, daß er überhaupt keine weiße Wäsche trage. Der Standesbeamte ließ sich aber nicht bewegen, die Trauung vorzunehmen, das Brautpaar mutzte uuvervicht- teter Sache abziehen. Mit welchem Rechte stellt« der Standesbeamte das eigentümliche Verlangen? Tas Gesetz gab ihm dazu kein Recht." * Richard Wagner und der Doktortitest Ueber Richard Wagners Meinung vom Toktorttiel macht Professor Hermann Ritter, Würzburg, der die von ihm erfundene Viola alta dem Komponisten im Jahre 1876 vorführte, belustigende Mitteilungen. „Sie wollen also den Doktor machen? Sagten Sie das nicht vorhin?" — „Gewiß, Meister, ich habe es bor", antwortete ich — „Was soll das? Was wollen Sie damit?" — Mir kam diese Frage alS eifriger Universitätshörer merkwürdig, ja geradezu fürchten ttaii vor, wie Wagner überhaupt begann, mir gegenüber eine Laune zu entwickeln, die an die Rolle des Mephisto in der Schülerszene im „Faust" erinnerte. Als ich dem Meister bemerkte, es wäre ein gewohnter Brauch und gehöre doch einmal zum Universitätsleben, als Abschluß der Studien den „Doktor "gemacht zu haben, brach er in ein spöttisches Gelächiter aus, das durch die Worte „Kaffeedoktor", „Thee- doktor", „Bisitendoktor" unterbrochen wurde., Tann ging ent furchtbares Donnerwetter über Universität und Konservatorium los, das mit den Worten schloß: „Merkwürdig WaS man nicht alles lernen kann!" Eben war diese Kopfwäsche vorüber, als ich auf ein Bild, das auf einer Staffelei sstmd, mit folgenden Worten deutete: „Ist der Ihr Vater, Meister?" Wagner konnte sich nun vor Lachen nicht halten und sch«rie förmlich: „Ja, ja, ja, ja, ja — Kandidat der Philosophie, und weiß nid# einmal, wer der b* ist" ES war ein Oelfarbenbrustbild von Schopenhauer. Ich hatte . allerd Lgs bis dahin «och kein Bildnis diese? Philosophen, der darnals an der Heidelberger Universität ikniw geduldet Marburg gestorben und verlangte die Huldigung der Stadt und der hessischen Stände, die er auch erlangte. Nur Melsungen, Rotenburg, Reichenbach und Schartenberg verweigerten den Eid. Noch nicht ganz von seiner Krankheit genesen, vernahm der Landgraf mit Betrübnis, was der aufwieglerische Sohn gethan. Er sandte Boten an andere Fürsten und richtete einen Klagebrief an Kaiser Adolf, der Hilfe versprach. Mit einem stattlichen Heere, das ihm die Erzbischöfe von Mainz und Köln, Herzog Rudolf von Baiern und der Abt von Fulda zuführten, erschien der Kaiser vor der Burg Staufenberg, wohin sich Otto mit seinem Anhänge auf die Nachricht von einer gegen ihn herab- ziehenden Streitmacht zurückgezogen hatte. Hier auf der esten, dem Angriffe der Feinde Trotz bietenden Burg, hatte seinem Schwager Otto Gottfried von Ziegenhain, der Burgherr von Staufenberg, eine sichere Zufluchtsstätte gewährt. Aufs beste hatte man sich hier zum Gegenkampfe gerüstet. Eine stattliche Schar Bewaffneter hatte Otto und Gottfried aus Niederhessen herangeführt. Monate vergingen, und mit tapferer Gegenwehr trotzten die Belagerten den Angriffen des kaiserlichen Heeres. Die Ausfälle au? der Burg erforderten zahlreiche blutige Opfer auf beiden Seiten. Doch was half es den Niederhesseu und Ziegenhainern, daß ie löwenmutig sich wehreten; sie mußten der Uebermacht ich ergeben. Otto mußte zufrieden fein, daß er für fein Leben noch Gnade beim Kaiser fand. Durch kaiserlichen Spruch vom 1. Juli 1296 zu Frankfurt am Main wurde die Teilungsangelegenheit der Landgrafschaft Hessen im Sinne ;es Landgrafen für die Zukunft geordnet. Otto versöhnte ich mit seinem Vater, der ihm Biedenkopf überließ, woselbst er 1307 sich eine Burg baute. Eine zweite und chlimmere Belagerung hatte Burg Staufenberg während >es 30 jährigen Krieges im Jahre 1646 zu erdulden, bis ie am 27. Mai 1647 durch den schwedischen General Königsmark durch Pulver in die Luft gesprengt und völlig zerstört wurde. Don der einsttgen Veste, der oberen Burg, sind heute nur noch wenige Reste vorhanden, immerhin noch Zeugen genug von dem stolzen Bau, der einst majestätisch von seiner waldigen Höhe ins Lahnthal hinabschaute. Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, rote viel der Todesfälle in der betreffendett Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. war, gesehen. MS ich beim Wleister meine Unkenntnis eittd chuldigte, tröstete er mich und sagte: „Studieren Sie min regit fleißig Schopenhauer; es wird Ihnen besser bekommen! als Ihre ganze Doktorei!" * Eine nyO)i unbekannte Anekdote aus demi Kriegsjahre 1870 erzählt ein französisches Blatt: MD der General de Gallifet sich als Kriegsgefangener in Deutschland befand, kam eines Tages der Kurier des Prinzen von Wales zu ihm und bot ihm im Namen und int Auftrage seines Herrn alles an, was sein Exil weniger traurig und hart gestalten könnte. Ter General dankte, indem er erklärte, daß er nichts brauche. Dann besann exf ich aber plötzlich und sagte: „Etwas wünsche ich doch Preußens Waffen sind glücklich- und ich kann sehr lange Gefangener sein; wenn ich nickst gegen einen preußischen General auSgetauscht werden kann, bitte ich den Prinzen, ür mich! von dem König von Preußen die Erlaubnis zu erwirken, daß ich nach Frankreich zurückkehren und bort ÄS einfacher Soldat kämpfen darf." Der alte König Wilhelm war von dieser Bitte tief gerührt und wollte ie gewähren. Mvltke aber war dagegen: „Nein! nein!'< agte er, „das geht nicht. Eine solche Handlung würde in einem ritterlichen Lande wie Frankreich ein zu gefährliches! Beispiel sein." Das französische Blatt, dem wir Die Anekdote entnehmen, bemerkt dazu: „Tiefe Ablehnung war die chönste Huldigung für uns!" Tas ist sehr hübsch gesagt, es fragt sich! nur, ob diese Anekdote überhaupt auf Wahrheit ieruht. * Was liest das Publikum am liebsten? ‘Siefe Frage beantwortet, wenigstens für das amerikanisch« Publi- üm, folgende Stattsfik: Am beliebtesten sind in amerika- rische Zeitungen, im Gegensatz zu dem, was man vielleicht erwartet, politische Nachrichten. Am Morgen nachs ider Grant-, Greeley-Abstimmung (1872) hatte eine New-Yorker Zeitung eine Vermehrung von 64 000 in ihrem Absatz, am Tage nach dem Dilden-Hayes-Streit (1876) 94000 extra, und am Morgen, der auf die Garfield-Hanoock-Wahl folgte (1880) $7 000. Wahlen in den sogenannten „Oktöberstaaten" in! Präsidentenjahren erregen so viel Neugierde, daß durchs schnittlich eine Extra-Ausgabe von 21000 erforderlich ist; aber eine besonders hitzige, örtlidje Wahl in der Haupte [tobt verlangt bei einer Zeitung mit einer Verbreitung von 100 000 Nummern 50 000 Extra-Exemplare. Verbrechen gehören nicht zu den besonders wünschenswerten Nachrichten. Der Prozentsatz der Zunahme ordnet sich in folgender Weise bei den verschiedenartigen Nachrichten: 1) Präsidentenwahl 73 v. H. 2) Staatliche und städtische Wahlen 35 v H. 3) Sporte ereignisse von besonderem Interesse 20 v. H. 4) Wahlen! in den Okffoberstä'aten in Präsidentenjahren 18 v. H. 5) Groß- feuer 9 b. H. 6) Große Unglücks fälle fast 9 v. H. 7) Große Verbrechen (ausgenommen Präsidentenmord) 7 v. H. 8) Erhängen in oder bei New-Pork 6 v. H. * Reinlich. Mann (im EisenbahnkoupS, zu feiner Frau): „Schau' 'mal, Käthi, in dem Eisenbahnwagen sind viel saubere Vorhäng' als bei uns 1 Da kann man sich doch ohne Grausen die Händ' abputzen, wenn man 'was Fett'ges gegessen hat!" Leipzig, 17. Okt. Da? Landgericht hat die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Mitglieder des Vorstandes imb Aufstchts- ratS der Leipziger Wollkämmerei beschlossen, ein- schlietzlich des Direktors. In Betracht kommen fünf Angeklagte. Die Anklage lautet auf Vergehen gegen § 314 des Handelsgesetzbuches (neue Fassung) in Verbindung mit Paragraph 47 deS Strafgesetzbuches. . _ v , Der Zuschneider mit dem Mini ster g eh alt. Aus München vorn 10. Okt. berichtet die „Allg. Ztg.": In einem Zivilpvozeß am hiesigen Landgericht, den ein Zuschneider und Geschäftsführer gegen eine hiesige Herren- konfekttonsfirma anstrengte, wurde bekannt, daß der Zuschneider ein jährliches Honorar von 8000 Mark nebst fünf Anzügen pw Jahr bezog. Sowohl der Vertreter der Firma wie auch der Gerichtsvorsitzende selbst meinten, daß dies „Guß eines Schiffspanzerblocks", Earl Vetters „Theatiner- straße in München", die vorzüglich die Reaensttmmung wiedergiebt, und G. Schuster-Woldans effektvollen „Rattenfänger von Hameln" — nicht zu vergessen Fritz Schapers anmutige Skulptur, welche die Königin Luise mit dem kleinen Prinzen Wilhelm, dem späteren deutschen Kaiser, auf dem Arme zeigt. Wtt empfehlen unseren Lesern, sich von der nächsten Buchhandlung das erste Heft zur Ansicht kommen zu lassen, damit sie sich überzeugen können, was hier für 60 Pfennig pro Heft geboten wird. Reformvorschläge für den höheren Unterricht betitelt sich eine Serie Artikel, die soeben in der illustrierten Zeitschrift „Für Alle Welt" (Deutsches Ver- lagshaus Bong & Eo., Berlin W. 57) ihren Anfang nimmt. Bei hervorragenden Pädagogen und Gelehrten, bei bedeutenden Kaufleuten und aus der Praxis hervor gegangenen Industriellen ersten Ranges hat die Redaktion eine Umfrage veranstaltet, um aus diesen Kreisen heraus Wünsche und Erfahrungen zur Verbesserung des höheren Unterrichts immer im Hinblick auf Verwertung im praktischen Leben zu erlangen. Aus dem überaus reichhaltigen Material, das aus jenem Anlaß der Redaktton zuging, sind diese Arttkel entstanden. Der erste derselben in Heft 4 behandelt die Umgestaltung des Mathematikunterrichts aus dem Gymnasium und enthalt außerordenttich dankenswerte Anregungen, die in Eltern- und Lehrer kreisen das größte Interesse erwecken dürsten. In demselben Hefte findet sich ferner ein Aufsatz aus der Feder des Geh. HostatS Professor Dr. Kirchner-Leipzig über die Erzeugung von Brotgetreide im deutschen Reiche und die Mittel zur Vermehrung dieser Produktion. Sehr reichhaltig ist auch diesmal wieder die Rubrik der neuesten Ersindungen und Entdeckungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft und Technik. In erster Linie sind hier 'die Ausführungen des Geh. Rats Pros. Dr. Slaby über Funkentelegraphie zu nennen. a. öl», Gebinde refin . - « WerBaieÄ Ispbelt-IiollrpUtten. Muster u. frospektmlt tihlrelehen Ancrkcnnune»schrolbon I • ybsVrel und tnasensL A. W. Art1 r-SCh la Beuel em Rhein. Zu haben in Gießen auf der Fabrik - Riedtriage bei Herrn Wilh. Textort Walltbcnffmßs ______________________8897 Wir empfehlen nn5 als vorteichafteste Bezugsquelle in Kolonialwaren, Konserven, Delikatessen. Verlangen Sie gesl. Pre^kiste GebrÄder Berdax Bahnhofstraße 27. Lindenplatz 12. Telefon 231. üomoopathißehe Anstalt £3 FRANKFURT A. IW., Wrrgesgasse 33 36 W WjEXS spre. für •fWctfjlS1, H«nrvhr., Dlastnl.. Syvhilir, Lur-Mber- u-Ocfliftanr» »ßelg. ju^nbLBtrinung, flturafltnte. 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