15t* Jahrgang Erstes Blatt Dienstag 20. Angust 1901 ®U|« Betr.: Das Mtr irrt Ltork ta in* fiebaftion, Expedition und •rudtrci: Schulstrahe 7. eine war dem Adresse für Depeschen: Anzeiger Sichen. FernsprechanschlußStt.51. i«lS.SO hfesl Gießen, den 15. August 1901. Die Voranschläge der Landgemeinden des Kreises Gießen pro 1902/03. Großherzogliche Kreisamt Gießen Solche große Opfer kann nur daS Gefühl, für große Sache zu kämpfen, ermöglichen. Im Jahre 1870 man freudig int Feld gezogen, man wußte, was auf Gravelotte Unserer Jugend sei die Erinnerung an die großen Lage vor 31 Jahren vorgeführt. Sie thut not, denn von Hahr zu Jahr mindert sich die Aufmerksamkeit für die Er- kignisse von 1870/71. Wer hat in diesem Juni noch daran g-dacht, daß am 19. vor 31 Jahren der Krieg erklärt wurde. Der Tag der ersten Schlachten jenes furchtbaren Krieges, Seren AuSgang namentlich die Bevölkerung der ganzen West- jrenze Deutschlands von den schwersten Sorgen befreite — lief er Tage hat man Heuer kaum gedacht. Um so erfreulicher ist die Aufrechterhaltung der schönen Sitte einer Feier des lages von Gravelotte, zumal in Frankreich von den Bona- M listen immer noch der 15. August als Napoleonstag mit Saug und Klang und großen Reden gefeiert wird. Der 18. August war die Ernte blutiger Saat. Bei Colombey-Nouilly, im Osten von Metz, am 14. August, waren 70 Offiziere und 1119 Mann gefallen, ter Gesamtoerlust betrug 222 Offiziere und 4684 Mann. Bei Dionville-Marsla-Tour, südwestlich von Metz, am 16. August, zählte man 236 Offiziere und 4185 Aavn tobt, und der Gesamtverlust waren 711 Offiziere 11b 15079 Mann. r 5510 deutsche Männer waren schon vor dem Feinde Blieben und nun trat hinzu Gravelstte.St. Privat, ra Osten von Metz, geschlagen am 18. August: 328 Offiziere, 4909 Mann tobt; Gesamtverlust 899 Offiziere, 19260 Mann. hdjen Aussichten für die Zukunft be3 Zimnrerhandwerks.' xieje Mttge zeigen wieder aufs neue, wie dringend notwendig der feste Zusammenschluß der Zimmermeister ist. Der Einzelne vermag gegen diese Verhältnisse nicht auzu- kampfen. Er kann weder einen Einfluß ausüben auf die Gestaltung der Holzzölle, noch kann er einen weiteren Rückgang der Baupreise verhindern, von einer Erhöhung derselben gar nicht zu reden. Bei den Verhandlungen der Interessenten über die Zolltarifsätze im Reichsamt des Innern in Berlin wurden die Vertreter der Holzhändler, der Sägewerke und der deutschen Forstwirtschaft gehört, aber daran hat niemand ge- daclst, auch die das Schuitturatcrial verarbeitenden Gewerbe, wie der Zimmerei, Bautischlerei usw. zu besragen. Man braucht sich aber darüber nicht zu verwundern, auch kann man der deutschen Regierung keinen Borwurf daraus machen. Wenn jemand einen Vorwurf verdient, so sind es die betreffenden Gewerbe selbst, die es noch nicht verstanden haben, sich zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzuschließcn. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht ist es jetzt Aufgabe der süddeutschen Zimmermeister-Verbände, zu den Holzzöllen Stellung zu nehmen, und zwar müßte dies im Laufe des Herbstes geschahen, ehe oer neue Tarif im Bundesrat und im Reichstag zur Verhandlung gelangt. Am besten wäre es, wenn man vielleicht im September oder Oktober eine große, allgemeine Zinrmermeisterversamm- lung nach einer im Mittelpunkt Süddeutschlands gelegenen Stadt einberufen würde. Erwägenswert ist auch die Frage der Zuziehung nord- und mitteldeutscher Zimmermeistcr. Eventuell könnte die Versammlung ja in Mitteldeutsch-- land abgehalten werden. Vielleicht wäre dies auch der erste Scl;ritt zur Bildung einer ganz Deutschland umfassenden Zimmermeister-Organisation." Ungeheuer war die Lücke, die von diesen drei großen Schlachten gerifien war. Aber übermächtig war auch der Erfolg, denn ein ganzes französisches Heer wurde dauernd eingeschlossen, es war zu keiner ernsten That mehr fähig und es streckte endlich AuSgang Oktober in der Zahl von 170000 Mann die Waffen. Gleichen Erfolg hatte die Kriegsgeschichte bis dahin nicht gesehen! Und an dieser großen, opfervollen That, der Schlacht von Gravelotte, haben die Hessen unter ihrem Führer, unter dem damaligen Prinzen, unserem nachmaligen Großherzog Ludwig IV. mitgewirkt. Fürwahr ein vollwichtiger Grund, des Tages und der Männer zu gedenken. Die Entscheidung der Schlacht hat vor allen Dingen das preußische GardekorPS mit einem schmerzlichen Verlust von 8230 Menschen, wovon 2440 tötlich getroffen waren, herbei geführt. Dazu trat es verhältnismäßig spät iu Thätigkeit, die Hessen aber gehörten zu dem 9. Korps unter Manstein, das, rm Zentrum stehend, den blutigen Tag einleitete, und von deffeu zäher Ausdauer der endliche Erfolg des Garde- korps abhing. Ein furchtbares Ringen um die Höhen von Amanweiler durch viele Sünden, wobei die 25., die hessische, Division 1675 Mann verlor, eine hohe Zahl, wenn man bedenkt, daß die Division nur 10 Bataillone zählte. „Doch wac daS Ziel beB Tag:8 erreicht, Es liegen die Huden gebettet Aus blutiger Wahlftilt Reih' «n Reih', Die sterbend Me Ehre gerettet." Spiele stand und was man erkämpfen wollte. So standen die Hessen in der Schlachtlinie zur Linken der Garde, die sich aus allen Teilen des preußischen Landes zusammensetzte, weiter nördlich die Sachsen und zur Rechten die Söhne des meerumschlungenen Schleswig Holstein. Aber es war, trotz aller Stammesverschiedenheit, trotz früherer blutiger Gegensätze, eine Linie, und die Thatcn führten „zu früher nicht gekannter Einheit und Stärke-, wie Prinz Ludwig am 20. Juni 1871 in seinem Befehl an die Division sagte. Wie hier im großen Entscheidungskampfe um Metz, haben bann die H ffen Orleans und Le Maos entscheiden helfen. In den vorstehenden Zeilen ist viel von den Opfern des Krieges gesprochen worden. ES kann nicht schaden, wenn unserer Zeit gesagt wird, daß damals Blut und Leben und die letzte Kraft freudig eingesetzt wurde. Monate mußte man fechten und Strapazen erdulden, ohne in voller Klarheit daS Ziel vor sich zu haben, aber der Drang zur That und die Aufopferung wurden dadurch nicht vermindert. Endlich war es erreicht, und nun erblühte die Hoffnung, daß der Glanz der deutschen Kaiserkrone stets unverändert erhalten bleibe, daß er durch Hingabe und Treue auch im Frieden vermehrt werde. Die Zahl der Mitglieder in den Kriegervereinen zeigt, daß das Häuflein derer von 1870/71 schnell zusammenschmilzt. Die Natur fordert ihr Recht. Aber die Natur einer echten deutschen Seele fordert auch, daß die Jugend sich gelobt, der Väter wert zu fein, bereu Gesinnung nach zuleben, unb, um abermals mit den Worten Ludwigs IV. in seinem Befehl von Seeheim zu reden, wenn sie „bei erneuerter gefahrvoller Lage des Vaterlandes zum Kampfe aufgerufen wird, mit derselben Freudigkeit und Zuversicht den Fahnen folgt, wie dies in dem vergangenen Feldzug der Fall war." Bisher aber haben sich die schönen Worte des herrlichen Helden von Wörth erfüllt, dessen edle Gemahlin dieser Tage aller Erdenqual entriffen wurde, jene Worte, die da lauteten: „Ich vertraue mit Ihnen, daß die Vorsehung uns vergönnen möge, unbehelligt von unseren Feinden und stark durch innere Einheit die Früchte zu ernten, welche die Saat dieser großen Zeit verheißt. Mögen die schönsten Güter des Friedens unserem Vaterlande in reicher Fülle be- schieden werden, mögen alle Quellen bürgerüchen und staatlichen Gedeihens der deutschen Nation sich erschließen." An unseren heutigen Fürsten liegt es nun, die Erfüllung dieser schönen Hoffnungen dauernd aufrecht zu erhalten. kte: . Schneider l freilag w GiehenerAnzeiger T'J' General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen ytier Ufr, ttefeier oft 1901; trlmTtlkch tert. ium Bestm bet Untej fcfl äöetiia.Aufluf Politische Wochenschau. Der deutsche Kaiser hat nach Beendigung der Trauer- seierljchketten für die Kaiserin Friedrich auf Wilhelmshöhe Aufenthalt genommen, während der Kronprinz nach England reiste. An diese Reise des Kronprinzen geknüpfte Kombinationen, als hinge sie mit der Verlobung mit einer englischen Prinzessin zusammen, sind offiziös als irrig bezeichnet worden. Die Reden, die Gras Waldersee bei den ihm bei seiner Rückkehr bereiteten offiziellen Empfängen in Hamburg und Hannover gehalten, sind Gegenstand lebhafter Erörterungen in der Presse geworden, namentlich hervorgerufen durch Gerücht.- einer Kanzler-.'-landidatur des General-Feldmarschalls, die wie früher so oft, jetzt wieder auftauchten. Es ist in der That kaum anzunehmen, daß Graf Waldersee den Ehrgeiz hegt, unbedingt eine politische Rolle zu spielen. Vor allem müßte erst der Sturz des Grafen Bülow voraufgehen, ehe Graf Waldersee sich an seine Stelle drängen könnte, und dazu scheint gegenwärtig nicht der geringste Anlaß vorzuliegen. Es wurden wohl Mitteilungen über die Unzufriedenheit des Kaisers mit dem Zolltarif laut. Bei dem persönlichen Verhältnis aber, das zwischen dem Kaiser und seinem Kanzler herrscht, ist es doch zu bezweifeln, daß eine Meinungsverschiedenheit in dieser Beziehung zwischen ihnen besteht. Demnach werden _ sich die Politiker noch bescheiden müssen, die den Grafen Waldersee gern als den kommenden Mann dem Volke ankündigen möchten. Im Zusammenhang mit den durch das Ableben der Kaiserin Friedrich notwendig gewordenen Aender- ungen in den Manöverdispositionen war auch hervorgehoben, daß die Zusammenkunft unseres Kaisers mit dem Zaren, die in der Nähe von Danzig stattfinden sollte, aufgegeben sei. Demgegenüber wurde dieser Tage aus Petersburg versichert, daß in russischen diplomatischen Zkreisen davon nichts bekannt sei. Der russische wie der deutsche Kaiser hielten vielmehr an dem Wunsche einer persönlichen Begegnung und Aussprache fest. Zeit und Ort dürften erst kurz vor der Thatsache öffentlich bekannt gegeben werden. Doch selbst bei Aufgabe der Zusammenkunft mären bei den gegenwärtigen guten Beziehungen zwischen Berlin und Petersburg, mie sie sich eben noch in der Verleihung einer hohen russischen Auszeichnung an den Grafen Waldersee dokumentiert haben, keine weiter-' gehenden politischen Folgerungen zu knüpfen. Auf dem Gebiete der Sozialpolitik ist die Generalversammlung einer Anzahl von Grundbesitzer-Ä^r- einen zu erwähnen, dei in Hannover tagte. Wer bisher es als eine Förderung gesunder Sozialpolitik ansah, den kleinen Leuten Hilfe zu leisten, damit sie sich ansässig machen können, der wurde in Hannover eines ganz anderen belehrt: den freiwilligen Helfern der Sozialdemokratie (Bodenreformern u. a.) hätten sich die unfreiwilligen zugesellt: die Regierungen und Stadtverwaltungen, die den „sozialdemokratischen Schreiern" durch Erfüllung ihrer Wünsche Vorschub leisteten: wir steckten schon zu weit im sozialdemokratischen Zukunftsstaate. Und das, weil dem Arbeiter geholfen wird, ein Häuschen zu erwerben! Tas geht freilich gegen die Erwerbsinstinkte des absolut einseitigen Bourgeois, der in dieser sozialen Hilfsthätigkeit die Ursache sieht, daß die Autorität schwinde, wie der Kaiser kürzlich ausgesprochen habe. Mit den Maßnahmen zur Wohnungsreform und mit dem Baugenossenschaftswesen arbeite man nur an der Vernichtung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung. Dte Bestrebungen, den Staat und die Kommunen zum Bau von Arbeiter- und Beamtenwohnungen zu veranlassen, wurden in Grund und Boden verurteilt, denn damit schädige man den Hausbesitz und leiste dem Sozialismus Vorschub. Und das schönste: Schließlich drohte einer, die Hausbesitzer würden selber Sozialdemokraten, wenn man sie durch die „Humanitätsduselei" arm mache. Erscheint täglich mit LuSnahmr deS Montags. Die Gicßcner Familien Glätter werden dem Sin» föer im Wechsel mit „Hess, bioirt" und „Blätier für hcss. BolkSkunde" Vier- Mal wöchentlich beigelegl. «»nähme von Anzeigen iu bet nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Hummer bi» Bonn. 10 Uhr. «»bestellungen spätesten« abend« vorher. Die neuen Holzzölle. Wir lesen in der „Südd. Zimmermanns-Ztg.": „Die in dem kürzlich veröffentlichten Entwürfe für den neuen Zolltarif vorgesehene Erhöhung der Holzzölle erfährt in den beteiligten ^kreisen verschiedene Beurteilung. Die Sägewerke sind über die vorgeschlagene Erhöhung der Zölle für Schnittmaterial befriedigt, da ihre Wünsche erfüllt wurden. Erhalten die neuen Tarife Gesetzeskraft, dann wird für die deutschen Sägewerke die bisher sehr starke aus> ländische Konkurrenz eingeschränkt werden. Die Folge davon wird sein, daß die Preise für das Schnittmaterial steigen. Die Kosten werden die das Sck)nittmaterial verarbeitenden Gewerbe zu tragen haben, also vor allem die Zimmer- meister und die Baugeschäfte. Einen Ersatz für die Mehrausgaben für die .Holzlieferungen werden die Zimmer- meister wohl schwerlich finden, denn die skrupellose Schleuder-Konkurrenz dürfte dafür sorgen, daß die durch die Zölle entstehenden Mehrkosten nicht auf die Baupreise geschlagen werden können. Dem Zimmermeister wird somit nichts anderes übrig bleiben, als die Mehrausgaben für das Holz aus seinem bisher schon kärglichen Verdienst au decken. Auf der einen Seite also Mehrkosten für die Holzlieferungen, auf der anderen Seite ständige Erhöhung der Löhne für die Arbeiter. EA sind dies keine sehr erfreu« Bezugspreis oierttfiSbrL Mk. 2.20, monatl. 75 Psg. mik Bringcrlohn; durch die Abholcstcllcn Vierteljahrs. Mk. 1.90, monatl. 65 Psg. ei Postbezug Vierteljahr!. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. «Ide Nnzciqcn-DermUUungv. .cd n dcö In. und Ausland«» :hnicn Anzeigen für den Ktctzencr Anzciaer entgegen, öeilenprctö. lokal 12 auöwärtö 20 Pfg I wozu ergebet eiM imerlad. nicht ’SeKS au die Groffh. Bürgermeistereien des Kreises. Mit bet Ausstellung der GemcindeVoranschläge für 1902/03 ist jetzt zu beginnen. Sie wollen besorgt fein, daß die Einsendung derselben zum vorgeschriebenen Termin — 15. November — bestimmt erfolgt. Wir beziehen uns auf unser gedrucktes Ausschreiben vom 21. August 1895 unb empfehlen Ihnen, badfelbe bei Aufstellung der Voranschläge zur Hand zu nehmen. Ins besondere verweisen wir bezüglich der Aufstellung der Beilage 2 auf poe. 5 desselben. Die beiden achttägigen OffenlegungSfristen sind genau einzuhalten. Der Beginn der zweiten Offenlegung darf mit dem Datum des KreiSblatteS, in welchem die betr. Bekanntmachung enthalten ist, nicht zusammenfallen. _ v. Bechtold. Gießen, den 16. August 1901. SJetr.: Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Orotzh. Bürgermeistereien des KreiseS. Wir beauftragen Sie, mit der Ausstellung der Urlisten der znm Amte eines Tchösseu oder Geschworenen bestellbaren Personen zu beginnen und diese Listen nach vorgängiger achttägiger Offenlegung samt den etwa erhoben werdenden Reklamationen mit Begleitbericht spätestens bis znm 15. Oktober l. g. an die zu» ständigen Amtsgerichte einzusenden. Die Spruchlisten der Geschworenen haben, rvie bereits in unserem AuSschreibeu vom 20. April 1885 (Anzeiger Nr. 92) bemerkt wurde, in mehrfachen Fällen die Namen von Personen enthalten, welche das 30. Lebensjahr noch nicht ö»flenbet ober das 65. bereits überschritten hatten, unb sinb hierdurch in den Schwurgerichtssitzungen den Fortgang ber Lerhanblungen hemmende Weiterungen veranlaßt worden. Derartige Borkommniffe können nur durch eine genaue Beobachtung der hinsichtlich der Aufstellung der Urlisten der Schöffen und Geschworenen bestehenden Bestimmungen ötrmieben werden. Wir machen Ihnen daher die sorgfältigste Beobachtung der Vorschriften in § 1 unb 3 der Verordnung vorn 14. Mai 1879 (Reg.-Bl. S. 213) zur Pflicht. Hiernach find die in den §§ 32, 33 und 34 des Gerichtsver- faffungSgefetzeS (f. Reichs G.-Bl. von 1877, S. 47) bezeichneten Personen nicht in die Urlisten aufzunehmen, während bei den in § 35 daselbst Genannten der Grund, warum sie ablehnen können, in der Spalte „Bemerkungen" der Liste anzugeben ist. In allen Fällen, in welchen Zweifel darüber bestehen, ob eine in die Urlifte aufzunehmende Person daS 30. ober 65. Lebensjahr vollendet habe, wollen Sie sich durch eine Anfrage bei derselben, ober in sonst geeignet scheinender Weise genau über deren Alter vergewissern. Sie dürfen aber auch nicht Personen, welche Sie für ungeeignet zum Amte eines Schöffen oder Geschworenen halten, bei denen ober die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, aus der Liste veglassen, z. B. weil sie arm oder zu alt find. Sie wollen vielmehr diese Personen ebenfalls in die Liste aufnehmen, Ihre Ansicht aber unter „Bemerkungen" ober im Begleitberichte angeben. DaS zur Aufstellung der Listen erforderliche Formular wird Ihnen k. H. zugesandt werden. v. Bechtold. ÄnR unhit “VSffit Cnerten: 1) 34 S ,at °°t°' In den Reichslanden ist nun doch der bisherige Oberpräsident von Schleswig-Holstein, v. Köller, der früher einmal Unterstaatssekretär in Straßburg war und das Andenken eines sehr schneidigen Ostelbiers hinterlassen hatte, Staatssekretär geworden an Stelle des allgemein beliebten Herrn v. Puttkamer, zur größten Uebevraschung der Reichslande. Die gut national gesinnte „Straßb. Post" hat darüber ihre ernsten Bedenken ausgesprochen, und so kann man sich ungefähr vorstellen, wie es im Genrüte der Elsässer aussehen wird. Der neue Staatssekretär wird keine kleine Aufgabe haben für den Fall, daß die öffentliche Meinung für sich gewinnen will. Frankreich hat in Stambul das Säbelrasseln eingestellt und unterhält sich in wiederholten Konferenzen ganz friedlich und freundlich mit dem Sultan. Die Franzosen werden ihr Reckst erhalten, das ist selbstverständlich Ausreichende Genugtbuung werden sie bekommen und zwar bald. Soweit bare Zahlungen dabei in Betracht kommen, werden sie allerdings warten müssen, denn das ist Landesbrauch und Sitte. Italien steht unter dem Eindruck des Heimganges des alten Cnspi, in den: es den großen Patrioten und Mit- erkampser seiner Einheit betrauert. In englischen Regierungskreisen und bei der Parla- mentsmehrhelt herrscht wieder einmal gegen die Iren eine erbitterte Stimmung; Chamberlain ist ihnen vor allem des- halb gram, weil sie seine gewaltthätige und völkerrechts- wwrrge Politik rn Südafrika verurteilen; dafür hat er dieser --tage Rache zu nehmen gesucht, indem er auf einer Versammlung der Regierungspartei seinem ganzeii Hasse gegen die Iren freien Laus ließ. ,,Was ist die irische Partei?" fragte er. „Sie besteht aus 80 Personen, die alle den Lehnseid geleistet haben, aber sich offen als Feinde des Landes bekennen. Nette Bundesgenossen für eine englische Partei! Ihr Führer ist ein Herr, der vor einigen Tagen im Hause der Gemeinen Gott bat, daß er den Widerstand der Buren verlängern möge, damit die Republiken sich am britischen Reich rächen und ihre Unabhängigkeit und Freiheit wiedererlangen könnten. Nun, Großbritannien ist stark genug, um solchen hündischen Verrat mit Verachtiing zu strafen; aber wir tonnen nicht gleichgiltig gegen die That- sache sein, daß die Liberalen, die sich mit jenen Männern vereinigen, noch willens sind, Irland Homerule zu geben. Diese Männer versuchen, das Haus der Gemeinen herab- zuwürdigen. Dies sollte die Entrüstung jedes Freundes der freien Einrichtungen dieses Landes erregen, aber statt dessen billigen es die Radikalen und leider auch viele liberalen Imperialisten." Wenn Chamberlain ehrlich sein wollte, dann müßte er dre Aehnlichkert des Verfahrens Englands gegen die Iren und gegen die Buren anerkennen. England hat ein neues Mittel ausgedacht, um den b n k r i e g zu beenden. In der englischen Chauvinistenpresse konnte man schon seit mehr als Jahresfrist das Verlangen ausgesprochen finden, die Buren sollten nicht mehr das Recht von Kriegführenden genießen, vielmehr als Banditen behandelt werden; die englische Regierung, vor allem Chamberlain, würde dieses Verlangen schon erfüllt haben, wenn nicht das Urteil der anderen Mächte wäre Aber letzt ist auf Veranlassung Chamberlains von Kitchener eine Proklamation erlassen worden, die dem Wunsche nach Behandlung der Buren als Banditen und Rebellen möglichst entgegenkommt, indem fi; die Burenstaaten als Gebiet des Königs von England bezeichnet, auf dem zu kämpfen natürlich em Verbrechen gegen Seine Majestät, kein Krieg, sondern nur räuberisches Unwesen ist. Kitchener droht den Burenführern, die sich bis zum 15. September nicht ergeben, dauernde Verbannung aus ganz Südafrika an; die Buren, die noch känipfen, sollen mit ihrer Habe für die Unterhaltung ihrer in den Konzentrationslagern zusammengepferch-- ten Familien haften. Da nun aber den Buren schon alles fortgenommen oder zerstört worden ist, wird diese letzte Drohung in den Wind geredet sein, so gut wie die andere; denn die Burenführer werden, wenn der Krieg den end- giltigen Untergang der beiden Freistaaten besiegeln sollte, ganz gewiß nicht unter englischer Herrschaft leben wollen. Die Verhandlungen in C h i n a dürften nun bald völlig beendet sein, die Gesandten haben die Unterzeichnung des Friedensprotokolles bereits vollzogen. Die Nachrichten über den Kriegszustand zwischen Venezuela und Columbien lauten noch recht verworren, es scheint, daß auch noch ein Eingreifen der Vereinigten Staaten zu gewärtigen ist. Politische Tagesschau. Kurz vor dem Parteitage der sozialdemokratisch e n P a r t e i Deutschlands pflegt der Parteivorstand über d i e L a g e der Partei B e r ich t zu erstatten. Dieser Bericht ist diesmal sehr ausführlich. Er beschäftigt sich u. a. recht breit mit den Vorgängen in der Druckerei der „Leipz. Volksztg.", ferner mit der Ausstandsbewegung in Lübeck, mit den Arbeitsverhältnissen, mit der Agitation, mit den Wahlen, mit den Verhältnissen der Parteikasse, der Parteipresse usw. Wir beschränken uns darauf, ein Reihe interessanter thalsächlicher Angaben dem Berichte zu entnehmen. Von den 24 gesetzgebenden Körperschaften der deutschen Einzelstaaten haben jetzt 17 sozialdemokratische Abgeordnete. Die Zahl dieser Abgeordneten beträgt 75, und zwar kommen auf Bayern 11, Sachsen 4, Württemberg 5, Baden 7, Hessens Weimar 2, -Oldenburg 1, Meiningen 6, Altenburg 3, Koburg 1, Gotha 9, Schwarzburg-Rudolstadt 1, Reuß j. L. 3, Reuß ä- L. 1, Lippe-Detmold 3, Bremen 11 und Hamburg 1. Mit besonderer Befriedigung wird hervorgehoben, daß Bock im Gothaer Landtage zum Vize-Präsi- denten gewählt und damit zugleich Mitglied des Ober- verwaltungsgerichtshofes geworden ist. Auch in die Gemeindevertretungen dringt die Sozialdemokratie mehr und mehr ein. Davon legen unsere hessischen Blätter in der letzten Zeit häufig Zeugnis ab. Der sozialdemokratische Parteibericht legt aber hauptsächlich über Sachsen zusammenfassende Ziffern vor. Danach wurden im vorigen Jahre ml 45 Orten 270 sozialdemokratische Gemeindevertreter ge- wahlt. Insgesamt sind zurzeit 580 Genossen in Sachsen Gemeindevertreter. In Sachsen, Hessen, Schleswig-Hol- stem, Baden und Württemberg Haden die Genossen Kommunal-Programme auf den Landesparteitagen beraten und angenommen. In Bayern ist der Landesvorstand auf dem letzten Parteitag beauftragt worden, ein Programm auszu- arbeiten. — Die Einnahmen der Parteikasse betrugen von 1901 rrund 322 500 Mk., di rund 68 000 Mk. mehr als im Jahre vorher. Doch ist zu berücksichtigen, daß der vorige Jahresbericht nur 11 Monate umfaßte. Unter den Einnahmeposten interessiert am meisten der Reinertrag des „Vorwärts", der sich auf über 80 000 Mark beziffert. Die Zahl der Bezieher des „Vorwärts" stieg im vergangenen Jahre von 52 000 auf 56 000 und ist im dritten Vierteljahre dieses Jahres auf 55 000 zurückgegangen. Die Einnahmen aus Anzeigen beziffern sich auf fast 200 000 Mark. Die Bezugsgelder durch die Expedition betrugen rund 464 000 Mk., durch die Post nur 39 000 Mk. Seinen Redakteuren bezahlt der „Vorwärts" Gehälter in Höhe von über 50 000 Mk. — Die Ausgaben der Partei bezifferten sich auf über 291 000 Mk. Für allgemeine Agitation wurden ausgegeben fast 72 000 Mk., für Wahlagitation gegen 36 000 Mk., für Unterstützungen rund 12 000 Mk., für Gehälter und Verwaltungsausgaben fast 16 000 Mk., an Darlehen 42 000 Mk., an Preßunterstützungen 67 000 Mk., die Reichstagskosten betrugen annähernd 29 000 Mk., sodaß au jeden der Reichstagsabgeordneten fast 500 Mk. entfielen. Danach scheinen die Tagegelder nicht besonders hoch zu sein, man muß aber berücksichtigen, daß die in Berlin lebenden Abgeordneten geringere und die in den Diensten der Partei stehenden überhaupt keine Tagegelder beziehen. Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk vor dem Oberkriegsgericht. (Dritter Verhandlungstag.) Gumbinnen, 17. August. Unter gewaltiger Spannung wird der Schmied S ko - p e ck vernommen. Der Staatsanwalt stellt den Antrag, die Zeugen Melzer und Schneider, während dieser Zeit zu entfernen, da eine Beeinflussung des Skopeck durch deren» Gegenwart zu befürchten sei. Der Gerichtshof lehnt den, Antrag ab. Dagegen wird angeordnet, daß die Angeklagte^ ten entfernt werden. Skopeck: Ich war am Mordtage bis 4 Uhr in der Schmiede, die anderen waren weggegangen. Gegen 4 einhalb Uhr ging ich auch weg. Als ich durch die Vorhalle kam, sah ich an der Bandenthür zwei Leute stehen: Der, eine sah durch das' Guckloch der andere stand hinter ihm. — Präs.: Haben Sie gesehen, wie die Leute aussahen? Skopeck: Nein, ich konnte nur die Kopfbedeckung sehen. Präs.: Wie sah diese aus? Skopeck: Wie runde Militärmützen. Präs.: Und sonst haben Sie nichts erkannt? Skopeck: Nein. Präs.: Auch keine Schnurrbärte? Skopeck: Nein, es war zu dunkel. Ich glaubte, daß der Wachtmeister eintrete, und ging deshalb schnell in den Krümperstall. Präs.: Kennen Sie den Wachtmeister Melzer? Skopeck: Ja, er fragte mich in der Schmiede, was ich gesehen habe. Präs.: Und was sagten Sie darauf? Skopeck: Ich sagte, ich hätte zwei Leute gesehen, aber nicht, ob es Unter- offiziere oder Dragoner seien. Präs.: Sie sollen gesagt haben. Sie hätten nicht gesehen, ob die Leute steife Mützen aufgehabt hätten? Skopeck: Das weiß ich nicht. Präs.: Was haben Sie zu Melzer gesagt? Skopeck: Ich sagte, ich wisse nicht, ob es Unteroffiziere gewesen seien. Präs.: Sagten Sie zu Melzer die Wahrheit? Skopeck: Jawohl. Präs.: Was haben Sie nun wirklich gesehen? Skopeck: Ich sah zwei Leute an der Bandenthür mit runden Mützen stehen. Präs.: Sagten Sie, es könnten wohl Unteroffiziere sein? Skopeck: Ich sagte, es könnte der Wachtmeister sein. Ich kam in den Krümperstall und fragte, wieviel Uhr es sei, erhielt aber keine Antwort. Ich wollte mich umdrehen und zurückgehen, war aber noch nicht aus dem Stall heraus, als der Schuß ertönte. Als ich heraustrat, hörte ich schon die Stimme des Oberleutnants v. Hoffmann. Präs.: Es ist merkwürdig, daß niemand Sie gesehen hat. Skopeck: Als ich in den Krümperstall zurückkam, hörte ich Stephan hereinstürmen mit den Worten, der Rittmeister hat sich geschossen. Präs.: Stephan hat Sie aber auch nicht gesehen. Skopeck: Ich habe ihn aber gesehen, wie er die Hände hochhielt. Stephan hat mich beinahe umgerannt. Präs.: Tann müssen Sie doch auch gehört haben, wie der Gefreite Boinslawsky bemerkte: „Da hat Skopeck wohl die Thür offen gelassen". Skopeck: Ja, das habe ich auch gehört. Präs.: Und trotzdem haben Sie sich nicht gemeldet? Skopeck: Nein. Präs.: Weshalb nicht? Skopeck: Tas weiß ich nicht. Präs.: Es' ist doch wunderbar, daß Sie niemand sah. Sie waren vielleicht in einen Stand getreten. Skopeck: Das weiß ich nicht mehr. Präs.: Erledigten Sie vielleicht irgend welche Bedürfnisse, weil Sie sich nicht meldeten? Skopeck: Darauf kann ich mich nicht besinnen. Verteidiger Horn: Weshalb meldeten Sie sich nicht? Vorsitzender von Schimmelmann: Hat jemand versucht, auf Sie einzuwirken? Skopeck: Nein, niemand. Vorsitzender: Haben nicht Sck;neider und Melzer gesagt: „Skopeck, sage nicht, daß Du gesehen hast, daß die Beiden Schirmmützen trugen?" Skopeck: Nein. Präs.: Oder Unteroffiziere oder die Familie Marten? Sko- ieck: Niemand. Beisitzer Oberkriegsrat Rößler: Weshalb agen Sie denn abweichend aus? Skopeck: Ich weiß es nicht. Tas Kriegsgericht beschließt die vollständige Protokollierung der Aussage Skopecks. Präs.: Weshalb gingen Sie in den Krümperstall? Skopeck: Ich wollte mich nicht vom Wachtmeister abfassen lassen, da ich die Schmiede vor Feierabend, d. h. vor 5 Uhr, verlassen hatte. Vorsitzender von Schimmelmann: Der Krümperstall hat keine zwei Thüren. Wenn der Wachtmeister dort -eintrat, wären Sie doch ab^efaßt worden. Präs.: Ja, in seinen Gedankengängen ist viel Unklarheit, obwohl er der Schlaueste der Dummen ist. . . . Also, Skopeck, weshalb verließen Sie den Krümperstall gleich wieder? Sie mußten doch befürchten, daß Sie vom Wachtmeister abgesaßt würden. Skopeck: Sie „uzten mir im Stall"! (Große Heiterkeit.) Staats- walt: Ich beantrage die Verlesung des Protokolls der ersten Verhandlung. Da ergiebt sich, daß Skopeck zur Probe sechsmal in der Dunkelheit an der Bandenthüv an den Angeklagten vorübergeführt wurde und stets dabei erkannte, ob sie eine Feldmütze oder eine Schirmmütze trugen. Bert. Horn: Oberleutnant v. Hoffmann hatte schon im Korridor die Leute aufgefordert, es möge sich melden, wer etwas gesehen hat; niemand werde doch dem Mörder dienen wollen, sagte er dabei. In der Reitbahn ließ Oberstleutnant von Winterfeld dieselbe Aufforderung ergehen. Skopeck aber trat mit seiner angeblichen, sehr erheblichen Wahrnehmung, daß er zwei Leute mit Schirmmützen an der Bandenthür gesehen habe, erst hervor, als er verhaftet war. Präs.: Skopeck, weshalb haben Sie ich nicht gleich gemeldet? Skopeck: Ich habe die Auf- orderung nicht gehört. In der Bahn fragte mich nur >er Herr Rat Lüdicke, wo ich gewesen sei. Bert. Horn: haben Sie angegeben. Sie hätten geschwiegen, weil Sie erst abends auf der Stube erfahren hätten, daß der Rittmeister erschossen worden, und woher der Schuß gekommen ei. So lange hätten Sie nicht gewußt, um was es sich handelt. Präs.: Skopeck, Sie haben doch gleich, als Sie aus dem Krümperstall kamen, die Leiche gesehen; Sie wußten also, was vorgegangen war. Skopeck: Jawohl. Präs.: Man sieht, Sie sagen bald so, bald so aus. Weshalb sind Sie nicht gleich mit Ihrer Wahrnehmung hervorgetreten? Skopeck: Ich schwieg, weil mich niemand ragte. Dem Fahnenschmied Krieg sagte ich es schon am andern Morgen. Damit ist die Vernehmung des Skopeck beendet. t Nach der Niederschrift von Skopecks Aussagen werden- die Angeklagten hereingeführt, und chnen dessen Erklärungen vorgelesen. Präs.: zum Zeugen Schneider: Haben Sie heute die Wahrheit gesagt? Schneider: Zu Befehl. Präs.: Und Sie Melzer? Melzer: Zu Befehl. Präs.: Versichern Sie also die Wahrheit Ihrer Aussagen? Melzer und Schneider: Jawohl. Präs.: lieber die Vereidigung Skopecks wird sich der Gerichtshof morgen schlüssig machen. Darauf wird hie Sitzung vertagt. Verth. Rechtsanwalt Burchard: Wie ich höre, ist Exzellenz v. Alten in Gumbinnen und als Zeuge geladen worden. Präs.: Ja, Exzellenz soll vernommen werden und zwar in seiner mililärischen Eigenschaft, nicht als Gerichtsherr, ob er hier Nachforschungen nach dem Thäter angestellt hat, und ob er bemüht war, die Spur auf gewisse Personen zu lenken. Ferner soll festgestellt werden, daß Nachforschungen in der Wohnung Martens und Hickels vorgenommen worden sind. Im übrigen bemerke ich, daß der Anlläger die Laduna Sr. Exzellenz beantragt hat. Verb Burchard: Ich muß diesem Anträge w i d e r s p r e ch eli, da die Stellung als Militär und als Gerichtsherr entschieden als untrennbar von einander aufgefaßt werden muß. Nach § 167 ist der Gerichtsherr unbefugt, in die Untersuchung in irgend einer Form einzugreifen. Wenn aber in diesem Falle danach derartige Handlungen stattgefunden haben, so sind sie ungesetzlich gewesen. Es ist u n st a t t h a f t, Se. Exzellenz über derartige ungesetzliche Ermittelungen zu^vernehmen. Staatsanwalt Meyer: Ich muß dieser Auffassung widersprechen. Tie Befugnisse des Gerichtsherrn erster Instanz hören auf, sobald Berufung eingelegt worden ist, und selbst wenn diese, wie hier telegraphisch angemeldet wurde, erscheint es mir dolch unbedenklich, Se. Exzellenz über das Beweisthema zu vernehmen. — Ter Gerichtshof setzt den Be^ schluß hierüber zunächst aus. Es wird darauf in die For t s e tz u n g der Z e u g en- Vernehmung eingetreten. Oberleutnant v. Hoffmann: Ich revidierte das Spind Martens namentlich auf Briefschaften hin, konnte aber nichts Verdächtiges finden. Rittmeister v. Krosigk hatte sich in der letzten Zeit mehrmals tadelnd über das Reiten Hickels ausgesprochen. Zeuge Schutzmann Märcker aus Berlin (diente 1897 in Stallupönen in der Schwadron des Rittm. v. Krosigk): Es. wurde seinerzeit bei der dritten Schwadron erzählt, daß man dem Rittmeister die Wagenpolster zerschnitten! habe, ferner wurde erzählt, es sei auf Herrn v. Krosigk! geschossen worden. Häufig habe man ihm auch die Fenster eingeworfen. Fahnenschmied Krieg: Am Tage nach dem Morde erzählte mir Skopeck, er habe an der Reitbahnthür zwei Leute mit steifen Mützen gesehen, die er für Wachtmeister gehalten habe. Zeuge hat das sofort zur Anzeige gebracht. Verth. Horn: Zeuge hat finiher ausgesagt, Skopeck habe nichts zu ihm gesagt, wie viele Leute er gesehen habe. Krieg: Jawohl! Skopeck sagte mir, es hätten zwei dort gestanden. Präs, (zu Krieg): Weshalb haben Sie damals anders als-jetzt ausgesagt? Zeuge Krieg erklärt, daß er sich unwohl fühle. Der Präsident läßt den Zeugen abtreten. R.-A. Horn: Derselbe Vorgang spielte sich bei der ersten Verhandlung ab. Ter Zeuge fing an zu schwanken, und erklärte, daß er sich unwohl fühle. Er mußte schließlich hinausgeführt werden. Präs.: Ter Mann macht sonst einen guten Eindruck. Bert. Horn: Danials sagte er aus, Skopeck habe ihm den Vorfall bald so, bald so erzählt. Als er ihn dann gefragt habe, wie er das meine, habe Skopeck nicht gewußt, was er antworten solle. Zeuge Stu mb ries: Ich wurde am Vormittag des Mordtages beim Reiten auf Befehl des Rittmeisters von Krosigk dazu bestimmt, mich auf das Pferd Martens zu setzen. Marten sah ärgerlich zu. Nachmittags war ich auf der Stube, als Marten hineinkam und sagte, er werde abends noch „Isidor" reiten, der Hund müsse Farbe bekennen. Präs.: Sagte er auch, er solle heute noch Rot ehen? Zeuge: Nein. Ich erfuhr dann vom Sergeanten Fehler, daß der Rittmeister verunglückt sei. Etwa unt 4 Uhr 50 Min. traf ich Marten auf dem Korridor. Er kam anscheinend von unten herauf. Ich sagte zu ihm: Wissen Sie schon, daß der Rittmeister sich erschossen hat? Marten aßte mich darauf am Arm, und sagte: Mensch, Du bist wohl verrückt? Präs.: Welche Kleidung trug Marten? Zeuge: Mantel und Dienstmütze. Es fiel mir beim Antreten der Schwadron auf, daß Marten zu den diensthabenden Unteroffizieren getreten war. Es fiel mir dann auch dabei ein, daß Marten schon auf dem Korridor ein erregtes Aussehen gezeigt hatte. Präs.: In welcher Form äußerte ich das? Zeuge: Es schien so, als ob er sehr eilig rgend wohin wollte. Präs.: Ja, er sagte wohl, er wollte chnell seinen Säbel aus dem Stall holen? Zeuge: Tas ’ann auch sein. Präs.: Haben Sie zu andern davon ge- prochen, daß Ihnen das Benehmen Martens ausgefallen ist? Zeuge: Jawohl. Ich erzählte abends dem Dragoner Bartuleit, daß mir aufgefallen sei, daß Marien sich zu den diensthabenden Unteroffizieren gestellt habe, obschon er dienstfrei gewesen sei. Er müßte In der Packkammer gewesen sein. Bartuleit sagte: Er habe Marten auch im Korridor am Zimmer 59 a (in der Nähe des Karabiners 0) getroffen. Präs.: Kam es Ihnen vor, als wenn Marten angetrunken sei? Zeuge: Ja, schon beim ersten Gespräch auf der Stube kam es mir so vor. Der Dragoner Sawatzki, ein neuer Zeuge, erfuhr von dem ihm begegnenden Stumbriies den Vorfall um 4 Uhr 50 Min. Gleich darauf begegnete er in dem denklen Korridor einem vom Hof kommenden Unteroffizier. kam dem Zeugen so vor, als ob es Marten sei. Präs.: Sprachen Sie zu ihm? Zeuge: Ja, ich rief ihm zu: Herr Unteroffizier, der Rittweisher hat sich erschossen. Präs.: Und was erwiderte Marten darauf? Zeuge: Er rief mir im Weitergehen zu: Geh, Du Dammelskopf! (Heiterkeit') Ter Präsident läßt Marten vortreten und die Mütze auf» etzen. Präs, (zum Zeugen): Sawatzki, erkennen Sie Martmr als den betreffenden Unteroffizier wieder? Sawatzki: Mirscheintes, al so b Marten es war. Marten: Ich bin gar nicht 10 Minuten vor 5 Uhr auf dem Korridor gewesen. Mir ist der ganze beschriebene Vorfall selbst unbekannt, auch unbewußt, daß ich einen Mann dort getroffen und gesprochen haben soll. Präs.: Sawotzk^ erkennen Sie Marien auch an der Sprachr al« den Betreffenden wieder? Sawatzki: Nein! Praß: Können Sie das auch beschwören? Zeuge: Ja! Präs.r Die Litauer sind sehr vorsichtig Wit dem Eid oder (zu Sae watzki gewendet) ist es nicht so? (Heiterkeit.) Der Zeuge wird vereidigt. (Forffetzung im 2. Blatt.) * Eine amüsante Geschichte über Lord Me- ihnen erzählt ein Offizier der Imperial Yeomanry, der aus Südafrika nach England zurückgekehrt ist. Bei einem Marsche durch den Oranjefreiskaat sieht der edle Lord, der an der Spitze seiner Kolonne reitet, plötzlich ein Aufblitzen auf dem Veldt. „Ein Heliograph, der uns sprechen will", rufk er, läßt halten, die Heliograpl-etiabteilung wird herangehott und ihr befohlen, sich mit dem aus der Ferne signalisierenden Manne in Verbindung zu setzen. Stundenlanges vergebliches Bemühen der Heligraphenab- teilung. Endlich erbarmt sich ein Offizier der armen Leute und reitet mit ein paar Mann nach dem Standorte des fremden Heliographisten. Dort entdeckt er, daß, man sich vergeblich bemüht hat, sich — mit einer alten Biscuit« dose, auf welche die Sonne schien, ^u verständigen. * Wenn man eifersüchtig ist. Zu einem tragikomischen Austritt kam es kürzlich, wie Berliner Blätter berichten, in der Pücklersftaße in Berlin. Der Frau eures ?^^ktgen Hausbesitzers war der Verdacht gekommen, ^datz rhr Gemahl sich hübschen Mieterinnen gegenüber liebenswürdiger erwies, als nötig nötig war. Sie paßte daher, wenn sich ihr Mann auf den Treppen des Hauses zu thun machte, durch das Guckloch der Entreethür scharf auf und hatte schließlich das „©tütf", ihren Mann zu erblicken, als dieser einer die Treppe heraufkommenden Dame um den Hals fiel und sie küßte. Ohne sich lange zu besinnen, nahm die entrüstete Ehegattin den bereitstehenden Wasserkübel, riß die Thür aus und goß den Inhalt des Gefäßes über die sich noch immer Küssenden aus. Jetzt erst, nachdem sich die pudelnaß gewordenen mit lauten Angstschreien aus ihrer Umarmung gelöst hatten, sah die Hauswirtin, daß, sie ihrer eigenen Mutter, welche ihr einen Ueberraschungs- besuch^'avstatten wollte, einen so kühlen Empfang bereitet hatte. Die Heiterkeit der zahlreichen Augenzeugen des Vorfalls, die sich infolge der Angstrufe auf der Treppe ein- gefunden hatten, kann mau sich leicht vorstellen. * Die geprügelten englischen Offiziere. Fuchsjagden gehören zu den Nationalvergnügungen der Engländer, und auch im Auslande suchen sich die Briten damit zu unterhalten. Eines Tages ritt Major Rycvoft mit vier anderen Offizieren, die in Kairo stationiert waren, auf die Jagd. Sie begaben sich auf verbotenes Terrain, da der Fuchs in einem großen Park verschwand, um den ejine Mauer gezogen war. Dhne zu zögern, setzten die Jäger über die Mauer, wurden aber dort pan den arabischen Dienern des Besitzers angefallen, der sie beauftragt hatte, jeden fremden Eindringling aus dem Garten zu peitschen. Da die Offiziere sich von den Dienern nicht aufhalten! ließen, holten diese alle Angestellten zusammen und schlugen auf die Offiziere los. Die meisten entkamen mit kleinen Verletzungen, zwei jedoch, die nicht schnell genug aus dem Park kommen konnten, wurden von den Arabertt festgehalten und empfingen jeder eine Tracht Prügel. Die Offiziere waren in Zivil. Auf Betreiben von Major Ryeroft wurden die Diener mit 3—6 Monaten Gefängnis bestraft. Im übrigen aber mußten die Herren Offiziere es sich gefallen lassen, daß man in Kairo über die Angelegenheit anders denkt, wie das Gericht. Es haben sich nämlich Leute für die Diener verwandt, die behaupten, sie hätten nur ihre Pflicht gethan und den Befehl ihres Herrn genau ausgefuhrt. Die Offiziere erhielten überdies noch einen Verweis, nicht wieder ohne Erlaubnis in fremde Parks einzudringen. Spulplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. DtenStag den 20. August, abends halb 7 Uhr: „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg". Mittwoch den 2l.'August*): „Tell" (Oper). Donnerstag den 22.August: „Mamsell Angot". Freitag den 23. August: „Der fliegende Holländer". Samstag den 24. August: „Mamsell Angot". Sonntag den 25. August, abends halb 7 Uhr: „Die Walküre". Montag dm 26. August: „Der Bettelstudmt". Schauspielhaus. DtmStag dm 20. August*): „Die rote Robe". Mittwoch den 21. August: „Rosenmontag". Donnerstag dm 22. August: „Heimat". Freitag dm 23. August: „Maria Magdalena". SamStag den 24. August: „ZtrkuSleute". Sonntag dm 25. August, abmdS halb 7 Uhr: „Faust", 1. Teil. Montag dm 26. August: „Hannele". Hierauf: „Frttzchm". 4266 D. R. P. 76 912 von Wagener & Schilling O b er k auf an gen tragen. Diese Einlagen sind nach allen Setten biegsam, unzerbrechlich und rostfrei. Man verlange ausdrücklich nur Corsets oder Mieder mit Stempelt Wagener & Schilling’sche Hercules Spiral-Einlagen, oder Hercules-Spiralen D. B. P. 76918 ir lieber all zu haben. a LI in jeder beliebigen Schriftart and Hartem» munanen f°rü, sowie mit Sirlcln aller studentisch«» v ****** ♦vi» Vereinigungen, liefert zu mäßigen preise» vrühl'sche Unwerfitäts-Druckerei, Schulstrahe Z * Die Lebensmüden wider Willen. Ein eigenartiges Abenteuer ist in diesen Tagen nach der „D. T. Ztg." einem Liebespärchen aus Berlin passiert. Die jungen Leute hatten in Wannsee ein Boot gemietet, und waren in der Nähe der Römerschanze ansgestiegen, nack>dem sie die Oberkleider und Wertsachen im Boot zurückgelassen hatten. Sie vergnügten sich im Walde und bemerkten mit dem größten Schrecken, daß das Boot, als sie wieder an den See zurückgekehrt, verschwundett war. Verzweifelt irrten sie stundenlang umher. Abends trafen sie ganz geknickt in dem Lokale wieder ein, wo ihr Erscheinen allgemeine Ueberrasch- ung hervorrief. Man hatte nämlich das treibende Boot aufgefangen, und daraus geschlossen, daß die Insassen aus „unglücklicher Liebe" ins Wasser gegangen seien. Die Lebensmüden kamen gerade zur rechten Zeit, um eine Meldung ihres Selbstmordes zu verhindern. * Eine Vergnügungsreise. Am Samstag, so berichtet das „Luzerner Tagblatt", entstand beim Bahnhof in St. Gallen ein wahrer Volksauflauf. Eine Touristin verlangte von dem dort stationierten Polizeimann Schutz gegen ihren Ehemann. Dieser hatte sich in den Kopf gesetzt, von nun an allein zu reifen und seine bessere Hälfte in St. Gallen sitzen zu lassen. Er verbot ihr, ihm auf £er Straße zu folgen, und als die Frau nicht von ihm lassen wollte, versetzte er ihr sogar Schläge ins Gesicht. Ter Polizist machte der fatalen Szene dadurch ein Ende, daß er das entzweite Pärchen mit auf die Polizeiwache nahm. Hier wurden den beiden Bergnügungsreisenden in wohlgesetzter Rede die Pflichten der Ehegatten warm ans Herz gelegt und zwar mit solchem Erfolg, daß die entzweiten Leutchen friedlich miteinander abzogen und selbander die Heimreise nach dem Elsaß antraten. Aas Stabt und Land. Nachrichten von allgemeinem Jntereffe find uns stets willkommen und «erden angernesten honoriert. ** Parlamentarisches. Die Abgg. von Brentano, Pennrich und Genossen beantragten bei der Kammer, die Regierung möge baldigst den Ständen eine Borlage unterbreiten, in der auf Grund des Nebenbahngesetzes zum Zwecke der Er» bauung einer Bahn von Bingen nach Büdesheim ein den Bestimmungen des genannten Gesetzes entsprechender Staatszuschuß gewährt wird. — Der Abg. Diehl beantragte, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, in den nächsten Voranschlag einen entsprechenden Betrag einzustellen, um denjenigen Gemeinden, welche darum nachsuchen, die Erschließung von Grundwasser auf Kosten des Staates in sachverständiger Weise zu ermöglichen resp. durchführen zu lassen. Ferner wolle die Regierung die Kultur-Jnspektionen anweisen, daß diese durch geeignete Vorträge rc., besonders in den Landgemeinden in Rheinhessen- belehrend wirken mögen. •• Wahl. Der „Vorwärts" teilt mit, daß der Knecht Heinrich Platt, thätig beim Landwirth Troß in Gießen, Heuchelheimerstraße, zum stellvertretenden Mitglied der landwirtschaftlichen Arbeitervertreter im ReichSverficherungsamt gewählt worden ist. •* Rückfahrkarten. Im hiesigen Bahnhofsgebäude i l "eben dem Fahrkartenschalter eine Plakattafel angebracht worden, an der die Zeit des Ablaufs der Gültigkeit der 45tägigen Rückfahrkarten ersichtlich gemacht wird. Die Aufschrift auf den Tafeln lautet: „Die Gültigksit der am . . . . gelösten 45tägigen Rückfahrkarten erlischt am . . . ." Bad-Nauheim, 18. Aug. Unterhaltungen. Früh» konzett der Kurkapelle täglich von 7—8 Uhr vormittags am Kurbrunnen. Dienstag, 20. August, nachmittags von 41/, "iS 6% und abends von 8—10 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Bet gutem Wetter LampionSbeleuchtung. Mittwoch, 21. August, nachmittags von 4«/,—6% und abends von 8—10 auf der Terasie Konzert ber Kapelle des 2. Nasi. Infanterie-RegimentS Nr. 88 aus Mainz. Abends von 8»/,—91/2 Uhr im Saale Konzert der Kurkapelle. Mozart» -sinfonie G-moll, zweite Orchestersuite aus der Musik zu „Peer Gyot" von E. (Stieg. Eintritt wie Sonntag. 8ei gutem Wetter spielt die Kurkapelle nachmittags von 4—6.Uhr Teichhaus. Eintritt frei. Donnerstag, 22. August, nachmittags von 4»/,—6% und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Eine Stunde". Hierauf: „Zum Einsiedler". Zum Schluß: „Eine vollkommene Frau". Frei» tag, 24. August, nachmittags von 4>/,—6*/, und abends ton 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends: Operetten-Kouzert. Abends 8 Uhr Theater-Bor» stellung: Benefiz für Herrn Regisseur Emil Feige: „Ein Blick in die Zukunft". Samstag, 24. August, nachmittags iDN 41/2—6i/8 und abends von 8—10 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends von 8—10 Uhr im Saale Tanz; am Schluß Blumentour. — Vorläufige Anzeige: Sonntag, 25. August (Feier des Namensfestes des Groß Herzogs): Konzert der Kapelle des Infanterie»RegimentS «aiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 aus Gießen. Elbend» Feuerwerk. SamStag, 31. August: E. v. Wolzogens VunteS Theater (Ueberbrett'l). den Alter sich noch zu vergrößern scheint. Mit keine Aerzten steht der Papst natürlich immer in enger Berbir düng, wenn er auch durchaus kein fügsamer Patient is Telephon führt von dem Turm Leo IV. zu der päpstliche Kämmerei, der Dienerschaff und der Küche, sodaß ein schnelle Erfüllung der Wünsche des Papstes jederzeit möc lich ist. • Heber ein Tonristenunglück im Triglavge biete wird berichtet: Der Professor an der Ober-Real schule in Preßburg, Karl Odörfer, unternahm am Sonnta früh in Begleitung von vier Touristen und einem Führe einen Ausflug auf die Cerna-Perst im Triglavgebiete. De Aufstieg erfolgte von Wocheiner-Feistritz aus um 2 Uhr früh um 5 Uhr früh war die Gesellschaft auf der Spitze ang< langt, wo sich eine prächtige Aussicht bot. Nachdem Prl feffor Odörfer einige Zeit lang auSgeruht hatte, begab e sich auf die Suche nach Edelweiß, wobei er unglücklicherwesi auSglitt und über eine etwa 300 Meter hohe FelSwan hinabstürzte. Professor Odörfer blieb mit zerschmetterte Gliedern tot liegen. * Eine Trauung im Londoner Operativns Saal. Schon oft haben Verlobte unter den merkwürdig sten Umständen und an den sonderbarsten Orten ihre Bund fürs Leben einsegnen lassen, besonders wo es si< um „Trauungen in Güte" handelte. Sterbende hatten not vor dem letzten Atemzuge sich über den Tod hinaus einet geliebten Wesen verbunden. Soldaten, die in den Krie zogen, sind noch vor dem Abschied, der vielleicht fü ewig sein konnte, mit ihrer Erwählten vor den Altar gt treten. Aber noch niemals vorher dürften, wie jetzt i Loudon geschehen, Arzt und Patienten im Operationssac selbst, vor der Stunde, die Leben und Tod entscheide sollte, den Ehebund geschlossen haben. Wie ein Londonc Blatt erzählt, wurde dieser Tage eine junge Dame, di Verlobte des Arztes an einem dortigen Hospital von einer schweren Leiden ergriffen, das einen sofortigen operative Eingriff von großer Schwierigkeit und Gefährlichkeit no: wendig machte, sollte das Leben der Kranken gerettet toei den. Das Mädchen entschloß sich nicht nur zu der Op. ration, sondern auch dazu, daß ihr Verlobter selber bi Operation ausführe. Der Arzt, trotz ber Größe ber Vei antwortlichkeit, unb der Schwere ber Aufgabe, bie gerat ihm auf diese Weise gestellt wurde, willigte ein; abe nur unter ber Bedingung, baß seine Braut, ehe sie sic seinem Messer überantworte, und ehe sie in den bk täubenben Schlaf versänke, aus dem es vielleicht kein Ei wachen mehr gäbe, seine Gattin würde. So ward im Opc rationssaale selbst, mitten unter den grausigen Jnstrr menten der Chirurgie, die Trauung vollzogen, unb ArZ unb Patientin waren Mann und Frau. Noch einmal um armten sie einander, als gälte es den ewigen Abschiel Dann schritt ber Arzt zur Operation- .... Tas Schickse war gnädig, die Kunst des Chirurgen siegte, bie Operativ glückte; der Arzt hatte seiner Patientin, der Mann feiner jungen Weibe das Leben gerettet. * Wo kleidet man sich am besten? Ueber dies Frage hat sich in Paris ein Streit erhoben. Die Fran zosen waren so stolz auf ihre Kunst, sich zu kleiden und freuten sich so sehr über bie Anerkennung, bie si darin sahen, daß Le Bargy, der Schauspieler-Dari by von be Comebie-Franeaise, nach Chicago gerufen würbe, ben Amc rifanem über seine Kunst — sich zu kleiden, nicht etw im Schauspiel — Vorträge zu halten. Und nun melde sich im „Figaro" eine „Yankee", ein Weltmann, der i: den besten Londoner unb Pariser Salons verkehrt, zur Wort, ber ihnen die Ueberlegenheit auch auf biefem Ge biete abstreitet! „Wir brauchen in Amerika Le Bargy nicht er wird uns nichts lehren können". Unb bann setzt e ihm auseinander: „Es gießt nur drei Länder in der Well wo die Männer sich zu kleiben verstehen, England, bi Vereinigten Staaten unb Frankreich. Alles übrige ist Nach lchmung ober Uebertreibung. Ich stelle Frankreich abe1. erst an bie dritte Stelle, benn bie Franzosen kopieren bi Englänber seit mehr als einem Jahrhundert, seitdem btt Vornehmheit eines Mannes, nicht mehr in dem Reichtun seiner Kleider, sondern in seiner persönlichen Eleganz bei der Einförmigkeit der Kleidung besteht. Durch welche seltsame Teillung des Geschmacks bei ben Geschlechtern kleiben sich in Frankreich die Frauen am besten und die Männer am schlechtesten? Was ist aus ihrer ftüheren, so „zerlumpten" und in ihrem romantischen Kostüm so originellen Boheme geworden? Sie ist verschwunden. Aber darum kleidet man sich in Ihrem Lande, in dem die Eleganz früher traditionell war, nicht besser. Glauben Sie etwa, daß wir uns noch wie der „Jonatshan" der Karri- katuren mit langem Rock mit schmalen flatternden Schößen, einen langhaarigen Hut mit Schnalle und einem hufeisen- örmigen Bart kleiden? Dieser Typus ist wie Ihre Boheme eit langem verschwunden. Wir haben ebenso gute Schneider wie England, wir schicken sogar welche zu Ihnen. Man verzeihe mir, wenn ich sage, daß man, als die Comedie- Francaise 1898 in London war, das Talent Ihrer Künstler ehr bewunderte, daß die Gentry sich aber über die Art, wie Ihre Künstler bie von ihnen bargestellten Persönlichkeiten kleibeten, lustig machte." Vermischtes. * Frankfurt, 18. Aug. Der Heldentenor Alexander von Bandrowsky, lange Jahre eins der bekanntesten unb vorzüglichsten Mitglieder der Frankfurter Oper, dürfte sich höchstwahrscheinlich durch einen sehr thörichten Streich iL Deutschland unmöglich gemacht haben. Unter Berufung auf seinen leidenden Zustand lehnte er es konsequent ab, neue Partien zu studieren und legte dem Repertoire dadurch Beschränkungen auf, die nur durch Gastspiele fremder Tenoristen zu beheben waren. Während der Ferien creirte der Künstler an einer ersten polnischen Opernbühne, deren Direktor sein Bruder ist, PaderewSkys „Manru" mit außerordentlichem grfolg. Bei Wiederbeginn der Frankfurter Opernvorstellungen fehlte Bandrowsky; nach einer von ihm ringegangenen Depesche lag er krank in einem polnischen Kurort. Intendant Jensen ist jedoch nicht gesonnen, sich diese Vorspiegelung falscher Thatsachen gefallen zu lassen und wird Bandrowsky beim deutschen Bühnenverein zur Anzeige bringen. Bandrowsky bezog in Frankfurt eine Gage 00n 25000 Mk. Der Künstler wurde vor einigen Jahren schon einmal kontraktbrüchig. * Die Billegia tur bes Papstes. Ehe ber ionnner zu Ende geht, werben sich bekanntlich bie Katholiken Deutschlanbs in Osnabrück zu ihrer Generalversamm- üng zusarnrnenfinben. Lebhaften Anteil au bem Katholikentag nimmt natürlich ber Papst Leo XIII. Jetzt im Sommer fuhrt ber heilige Vater bas Dasein eines philosophischen Einsiedlers. Zurückgezogen von ben prunkvollen Räumen des vatikanischen Palastes verbringt er schon seit l Jahren während des heißen Sommers bie Stunben bes Tages in einem Gebäude innerhalb ber vatikanischenGärten, iaS ebenso seltsam wie schmucklos anzusehen ist, in bem SurmlV. Tas eigentümliche Bauwerk, Villeaiatur genannt, der fügt nur über einen einzigen Raum, ber bie runbe t'OTm bes Turmes besitzt. Die Mauern bes Gebäubes haben ober eine Stärke von 4 Metern, sobaß naturgemäß schon durch bie Fensternischen der Raum eine beträchtliche Er- t-eiterung erfährt. In einer dieser Fensternischen ist eine feine Hauskapelle eingerichtet worden, wo der Papst seine i 11 dachten verrichtet, in einer anderen ist ein Ruhebett ^geschlagen. In dieser letzteren pflegt ber heilige Vater «lieb seine Mahlzeiten einzunehmen. Während des Essens muß. aber eine Art spanische Wand vor bie Nische gestellt »erben, weil bie äußerst strenge Etiquette am päpstlichen für ben Papst bie Geselligkeit bei Tische verbietet, häufig ladet der Papst aber trotzdem sich zu Mittag einige Aste ein; es sind dies vorzüglich seine Leibärzte Lapponi und Mazzoni, ober sein Neffe, Oberst Camillo Pecci, ber tornmanbeur ber päpstlichen Schweizergarde, mit benen "der Papst, von ihnen burch den Wandschirm getrennt, feine Unterhaltung pflegt- Die Vorliebe, die ber Papst lür seine Villegiatur hat, findet leicht eine Erklärung ba- dur ch, baß, ber Turm wegen seiner starken Mauern zu ben Misten Räumen des Vatikans gehört. Der mangelhafte Komfort in dem Gebäude geht aber Hanb in Hand "mit ber Anspruchslosigkeit des Papstes, bie mit seinem zunehmenStörende Bautleiden Piflleln, ' Rothe usw. beeinträchttgen oft das schönste Gesicht und werden durch Anwendung von ungeeigneten scharfen Seifen noch verschlimmert. Deshalb sollten diejenigen, welche zu Hautstdrungen neigen, dem Rath erfahrener Aerzte folgen und nur die Pat. Myrrholin-Seife zum täglichen Gebrauch anwenden. Der Gehalt an Myrrholin und seine antiseptischen, hellende« und neubildenden Eigenschaften machen die Pat.^Myrrholin-Seife zu einer einzig in ihrer Art vorhandenen GesundhettSseife. Ueberall, auch in den Apotheken, erhältlich.____________________f „Saccharin". Die künstlichen Süßstoffe sind seit langer Zeit Gegenstand der heftigsten Anfeindungen seitens der Agrarier und Zuckerindufiriellen, dre in diesen Produkten gefährliche Rivalen des Zuckers erblicken und unter Hinweis auf die Nährkraft des vielgepriesenen Zuckers, die den künstliche« Süßstoffen abgeht, die Unschädlichkeit und den Wert der letzteren immer wieder in Frage ziehen. Gegenüber diesen Machenschaften ist e8 notwendig, immer wieder darauf hinzuweisen, daß dre vollkommene Unschädlichkeit deS Original-Süßstoffes „Saccharin" durch eine Fülle von Gutachten allererster ärzllicher Autoritäten bewiesen worden ist. Saccharin ist nicht ein überflüssiges oder gar schädliches Surrogat, andern eine namentlich den unbemittelten Bevölkerungsklaffen geradezu unentbehrlich gewordene, sehr wohlfelle und vollkommen zuträgliche üßende Würze. Saccharin ist der Original-Süßstoff; jeder Süßstoff ist aber nicht Saccharins Zur Sicherung gegen alle Nachahmungen verlange man daher auS» drücklich das Original-Produkt der Saccharinfabrik von Fahlberg, List u. Co. zu Salbke^Westerhüsen o. Elbe. *) Anfang, wenn nickt anders bemerkt, um 7 Ubr. Jeder Familienvater sollte darauf sehen, daß seine Frau und Töchter im Jntereffe ihrer Gesundheit nur Mieder oder Corsets mit Hercnles-Spiral-Federn $4 n 5646 Ausverkauf Iob. 2 schöne Zimmer, möbl. in verm. [5591] LöSerflraße 24. FKtnfach möbl. Zimmer zu verm. Asterweg S, Hof links. Die bisher von <£. Kann Spirituosen - Handlung inne» bis 1 Ubr. 6968 Seltersweg 5460 Demnächst erscheint und ist in allen Buchhandlungen zu haben: für Toilette u. H aushalt AHMTHfiL i/ofiEinil in Giessei) MoselMm nach Orünberqerftrafee. 6639 Weltberühmt Ist 5165 empfiehlt 4970 GESt ■S sofort gesucht. 5680 Konditorei, Neuen baue 5587 Irische 6478 ^udwigstraHe 5544 schöne 4—5-Zim.-Wohnnng aiS- ^bald zu verm. 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