Bezeichnung der Kirchen Nr. 168 Erstes Blatt Samstag 20. Juli 1901 nicht & Bezeichnung der Kirchen 1. 2. 3. 4. ; Hießen- 151. Jahrgang Beitrag Beitrag den von ent- Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungskommission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogtum Heffeu seinen dauernden Aufenthaltsort hat. Die Zulaffung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen: a) Geburtszeuguis; b) Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Frei- willigea während einer einjährigen aktiven Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähig, keit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen, und muß erwarten, daß auxH die wissenschaftliche Ausbeute nicht gering sein wird. D. Red.) Das lautsprechende Telephon. Das Telephon, wie wir es kennen, hat bei allen seinen Vorzügen einen Mangel, es hat nur eine schwache Stimme. Was wilL das schwachstimmige Telephon im Getöse einer Schlacht, im Brausen des Sturmes, im Lärm der Maschinenräume ausrichten? Seine Laute werden von dem Geräusch ringsum übertönt. Wir sind mit zwingender Notwendigkeit auf das Telephon angewiesen, aber auf ein Telephon, das erheblich lauter spricht, als das gewöhnliche, und diese Erwägungen haben Siemens u. Halske vor einigen Jahren zu der Konstruktion eines solchen Sprechapparates! geführt; nach langwierigen Versuchen ist es ihnen auch gelungen, das verlangte Instrument zu schaffen, das mittlerweile bereits auf vielen Schiffen der deutschen Marine Eingang gefunden hat, und auf der Internat. Ausstellung für Feuerschutz in zahlreichen verschiedenen Exemplaren ausgestellt ist. Im Prinzip unterscheidet sich dieses lautsprechende Telephon nicht von dem gewöhnliche; die gleichen physikalischen Gesetze kommen hier wie dort in Anwendung, nur daß man für das lautsprechende Telephon die Stromstärke des wellenförmigen Stromes vergrößert und den Stahlmagneten mit den Spulen erheblich verstärkt hat. Die größeren Ausschwingungen der Stahlmembran, auf denen die größere Lautwirkung beruht, haben eine 'estere Lagerung der Membran erforderlich gemacht und auch auf andere Kleinigkeiten hat man Bedacht zu nehmen gehabt. So ist erreicht worden, daß das Telephon nicht mehr flüstert, sondern mit lauter Stimme spricht, nicht gerade mit Donnerstimme, aber doch etwa mit der Läut- tärke unserer gewöhnlichen Sprache. Das genügt, denn wer ein solches Telephon ans Ohr legt, der hört seine Laute, und wenn auch nebenan eine Batterie Schnellfeuer abgiebt. Mer auch noch andere Anforderungen werden» BerSrod Burckhardsfelden Dorf-Gill Eberstadt Gießen Großenlinden Grünberg Harbach Hausen Lang-GönS Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchlllstrahe 7. Anträge auf Bewilligung von Alterszulagen sind sofort spätestens bis Ende Juli d. IS. bei dem zuständigen Bezirksfeldwebel vorzubringen. Gießen, den 6. Juli 1901. Großh. Bezirks-Kommando Gießen. Detring. Oberstleutnant und BezirkS-Kommandeur. Kirchenfonds der Pfarrgemrmde abzuliefern haben, Aufstellung und Vorlage des obenerwähnten Nachweises bundeu find. v. Bechtold. MlÄtidtt- Waschkommode. kW Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernstrechanschlnsz-.iir.51. Das Großh. Ministerium des Innern (Abteilung für Zchnlangelegenheitkn) au die Großherzogl. Kreis Schrrlkommisfiouen. Wir benachrichtigen Sie, daß wir daS im Verlage von Theodor Hofmann in Gera erschienene obige Realieubuch nachträglich in das Verzeichnis der in der Volksschule zur Auswahl zugelassenen Lehrbücher ausgenommen haben. I. V.: N o d n a g e l. de Beauclair. Gießen, den 15. Juli 1901. ®ctr.: Den Voranschlag deS evang. ZentralkirchenfondS für 1901/02, hier die auf die Lokalkirchen- und milden StiftuugSfoudS ausgeschlagenen Umlagen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die ev. Kircheuvorstäude des Kreises. Nach einer Mitteilung Großh. OberkonfiftoriumS vom 8. l. MtS. haben die untenverzeichneten Kirchenfonds für die kirchlichen und geistlichen Zwecke den beigesetzten Beitrag pro 1901/02 an den evang. ZentralkirchenfondS zu leisten. Sie wollen dem Kirchenrechner Ausgabedecretur erteilen und ihn beauftragen, den genannten Betrag an den Rechner deS evang. ZentralkirchenfondS alsbald abzuführen. v. Bechtold. Amtlicher geil Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche zu Wieseck. Nachdem in Wieseck die Maul- und Klauenseuche erloschen ist, wird die angeordnete Sperre hiermit aufgehoben. Das Bieheinstellen tu der Gemeinde Wieseck unmittelbar vor Gießener Märkten ist noch bis auf weiteres verboten. Gießen, den 17. Juli 1901. Gro ßherzo glich es Kreis amt Gießen. v. Bechtold. Gießen, den 18. Juli 1901. Betr.: Den Termin für die Einsendung der Kirchen- rechnuugen pro 1900/1901. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die evaugel. Kircheuvorstäude deS Kreises. Der späteste Termin für die Ablieferung der Kirchen- rechuung an Sie ist auf Eude August festgesetzt. Da dieser Termin vielfach seitens der Rechner nicht eingehalten worden ist, beauftragen wir Sie, dieselben entsprechend zu bedeuten, und uns die erfolgte Abgabe bis zum 1. September l. I. anzuzeigen, event. zu berichten, daß der Ablieferungstermin vom Kirchenrechner nicht eingehalten wurde. Die Rechnungen müssen Ihrerseits bis spätestens Eude September an Großh. Oberrechnuugskammer, Justifikatur II. Abteilung, eingereicht werden. Mit der Anzeige an uns ist gleichzeitig der Nachweis über den an den evaugel. ZentralkirchenfondS abzulieseruden lleberschuß des Einkommens der Pfarrstelle einzusendeu. Der aufzustellende Nachweis deS UeberschnffeS muß genau der Vorschrift des Amtsblattes Großh, Ober-KonfistoriumS Nr. 14 vom 17. Juni 1884 entsprechen. Gießen, 17. Juli 1901. DU Großh.Kreisschulkommisfion Gießen au die Schulvorstände deS Kreises. Von nachstehender Verfügung der obersten Schulbehörde geben wir Ihnen Kenntnis. v. Bechtold. Darmstadt, am 3. Juli 1901. Detr.i Illustriertes Realieubuch. Leitfaden für Ge- schichte, Geographie, Naturgeschichte und Naturlehre. Für Volks- und Bürgerschulen bearbeitet von Schulrat Fr. Yolack. Ausgabe für Simultanschulen. Gießen, den 18. Juli 1901. Betr.: Den Termin zur Einsendung der Gemeinde- rechnungen pro 1900/01. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grostherzogs. Bürgermeistereien uud Gemarkuugsvorsteher des Kreises. Nach den Ihnen durch unser Amtsblatt Nr. 7 vom 26. April 1881 bekannt gegebenen Bestimmungen des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz ist der späteste Termin zur Uebergabe der Gemeinderechnunqen für das abgelaufene Etatsjahr seitens der Gemeinde Einnehmer au Sie der 30. September jeden Jahres. Wir schärfen Ihnen dies wiederholt mit der ausdrücklichen Weisung ein, etwaige noch rückständige Belege aus 1900/01 sofort dem Gemeinde-Einnehmer zu überweisen, und diesen wegen der Rechnungsablieferung entsprechend zu bedeuten. Uns haben Sie bis zum 1. Oktober d. I. zu berichten, daß die Rechnung an Sie abgegeben wurde, bezw. aus welchen Gründen dies nicht geschehen ist. Nur in ganz besonderen AuSnahmefällev werden wir den erwähnten Termin verlängern. Die Einsendung der Rechnungen au Großh. Ober- RechnuugSkammer, Justifikatur II. Abteilung, hat im Laufe des Monats Oktober durch Sie zu geschehen, und eS ist unzulässig, diesen Termin namentlich deshalb htuauSzuschieben, um die Rechnungsabhörung durch den Gemeinderat zugleich mit der Beratung deS Voranschlag« vorzunehmev. Sie wollen sich hiernach bemessen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Herbst 1901. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1901 stattfiudendeu rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deSfallsigen Gesuche um Zulaffung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum !. August 1901 bei der unterzeichneten Kommission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speziellen das Folgende bemerkt: den Betrag von 600 Mark erreicht, können bei dem Bezirksfeldwebel unter Angabe ihrer Einkommensverhältniffe die Bewilligung einer Alterszulage beantragen, sobald sie das 55. Lebensjahr v ollendet haben, oder wenn sie vor diesem Zeitpunkte dauernd völlig erwerbsunfähig geworden find. Bekanntmachung. DaS Gesetz, betreffend Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen vom 31. Mai 1901 bezieht sich nur auf diejenigen Invaliden, bei welchen KriegSinvalidität anerkannt ist. Die Empfänger von Unterstützungen auf Grund deS Allerhöchsten Gnadenerlasses vom 22. Juli 1884 und Elw- pfänger von Veteranenbeihilfen auf Gcund des Gesitzes vom 22. Mai 1895 werden von diesem Gesetz nicht betroffen. Die auf Grund deS neuen Gesetzes zu gewährenden PevsionSzuschüffe kommen zur Anweisung, ohne daß eS eines Antrags der Betreffenden bedarf, jedoch haben die Kriegsinvaliden sofort ihre Militärpässe an das Bezirks-Kommando einzufenden. Diejenigen Ganzinvaliden, deren jährliches Gesamteinkommen aus den Jnvalidengebührniffen und sonstigen amtlichen sowie privaten Einnahmen au barem Gelbe und aus anderweiten Einkünften, wie Naturalbezüge, Wohnung u. a. nach dem durchschnittlichen Geldwerte berechnet Erscheint ISglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Zamilien- blätter werden dem An- zcigcr im Wechsel mit „Hess. Landwirt" und „Blätter für Hess. Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Annahme von Anzeigen lu der nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Rümmer bi» vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten» abend» vorher. Wir machen endlich noch besonders darauf aufmerksam, daß die Zsilialgemunden, welche ihre GehaltSteile au ttsttk, der nebenbei : niilverichlet, sucht n einemPrivalbauie» SS*’’ oUe*??. cn 31,r^ 5028 Gießener Anzeiger ** General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Oiant und sonstige Vorräte nach dem Hauptquartier in Franz Josefs-Land zu bringen, und nach Ausführung dieser Aufgabe nach Norwegen zurückkehren wird, und schließlich das von Gerlach>es Südpolexpedition her bekannte Schis „Belgien", das zwei große Depots an der Ostküste Grönlands niederlegen soll. Die beiden erstgenannten Fahrzeuge werden zunächst nach Archangel gehen, um die für die Expedition bestimmten 400 Hunde und 15 Ponies aufzu- nehmen und dann die Reise nach Franz Josefs-Land fortsetzen. Wenn das Hauptquartier so nördlich wie möglich aufgeMagen ist, werden Schlitten abgehen, um Depots an der nördlichsten Spitze von Franz Josefs-Land anzulegen. Der Winter wird dann mit Vorbereitungen für die größte Schlittenexpedition, die jemals in Scene gesetzt worden ist, verbrachst. Im Frühjahr werden dann 30 Mann mit 300 Hunden aufbrechen. Nach und nach sollen größere oder kleinere Abteilungen nach dem Hauptquartier zurückgeschickt und die schwächeren Hunde als Nahrung für die stärkeren geschlachtet werden. Zuletzt wird Baldwin selbst mit wenigen energischen Begleitern den Versuch machen, den Nordpol zu erreichen. Dann geht die Rückreise die Ostküste Grönlands entlang, bis die oben erwähnter: Depots daselbst erreicht werden. Ein Zusammentreffen dieser so reich ausgestatteten Expedition mit der seit vorigem Sommer unterwegs befindlichen kleinen deutschen Expedition Bauendahls ist zwar möglich aber unwahrscheinlich, da die letztere int vorigen Jahre nicht über Spitzbergen hinausgekommen ist und von dort aus den Vorstoß nach dem Nordpol angetreten haben dürfte. Zum Schlüsse mag noch bemerkt werden, daß auch etliche Gelehrte Baldwin auf seiner Reise begleiten, und daß dieser selbst ein tüch tiger Meteorologe ist und aus früheren Reisen auf dem Gebiet der Wetterkunde Hervorragendes geleistet hat. Da die Expedition über eine große Zahl vorzüglicher Instrumente und wissenschaftlicher Apparate verfügt, so darf man Theater, Kunst und Wissenschaft Frankfurt «. M., 18. Juli. Am Samstag tritt das Schauspielhaus mit „Elavigo" seine Sommerferien an, und acht Tage spater beginnen die Opern Vorshellungen schon wieder. In beiden Häusern hat die Saison recht gut abgeschnitten, jedoch ist das Schauspielhaus der Oper in Bezug auf Quantität und Qualität seiner Leistungen weit über. Es ist eine nunmehr feststehende Thatsache, daß die Teilung der Theatergeschäfte für das Schauspiel von großem Vorteil waren. Emil Claar war von jeher bekannt als vorzüglicher Regisseur. Die Inszenierung der Dramen „Heber unsere Kraft", 2. Teil, „Macht der Finsternis", „Rote Robe", „Hannele" hat seine Regietalente aufs neue wieder ms hellste Licht gerückt und die Urteile der kompetenten Kritik stimmen darin überein, daß die künstlerischen, wie die allgemeinen Verhältnisse des Schauspiels in der abgelaufenen Saison einen merklichen Aufschwung nahmen. Auch die finanziellen Erfolge der verflossenen Saison sind durchaus befriedigende. Intendant Jensen hat in der Oper sein Augenmerk auf die Sanierung des Chors gerichtet und großen Wert auf die Ausstattung und Neuinszenierung größerer Opern gelegt. Glanzpunkte der Saison bilden die Premiere von „Benvenuto Cellini", die Neueinstudierungen von „Templer und Jüdin" und „Meistersinger." Tromsoe, 17. Juli. Gestern abend trat die Bal d- win -Expedition ihre Forschungsreise an. Sie geht zunächst nach Honningsvaag, wo der Amerikaner Long sich ihr anschließt. Danach geht sie direkt nach Franz Josephs- Land und dringt nordwestwärts soweit wie möglich! vor und kehrt über Archangelsk nach Vardoe zurück. — Baldwins Expedition besteht aus 42 Mann und hat 3 Schsiffe zur Ver- sügung: das in Dundee gebaute Schiff „Amerika", ferner „Frithjof", das ausschließlich benutzt werden soll, um Pro- m iuih - sS” Sst fr ttaw 10 0. 7° c< Agraphie. Auslände, rverküchr. (rasse 56. 3 Mo» utlb 5029 -Geschäft ntor junge Dame, d. Ronlotfodi nicht M schöne Handschr. 2165 an die Exped. zuverlässiges lohen 1. Suauft in Heine Offerten M-r Psiegerin Tm.e gesucht. »aniagc 88. Küchen gegen hohen Bahnbosstr. 50, II. id>t ver sofort ein ren für nachmittags rktraßr 88, pri. M, Mädchrn zu nackmitlagS fn'ort >, iJleueH’ißäue 3 Erkrankung meines ’ ich ein tüchtiges Süü)t und Haus chigem Eintritt itofeffor Fromm? tieichitraße 20. Bezugspreis Vierteljahr!, Ml. 2.20, monatl. 75 <3fg. mit Bringerlohn: durch dir Abholestcllen vierte! Mk. I.9U, monatl. t>." /g. Bei Postbezug vicrttljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. Alle Anzciqcn-BcimitllnngS. [teilen deö Zn- und Siuolanotfl nehmen Anzeigen für den (Siebener Anzeiger entgegen. Zetlenprelö. lokal 12 Psg_ auSwärt» 20 Pfg. 140 — 11 Londorf 8 5 — 12 Ober-Hürgern 50 12 — 13 Oppenrod 42 — — 14 Rödgen — 7 — 15 Rodheim a. d. Horloff 6 7 — 16 Rüddingshausen 50 10 — 17 Steinbach 150 7 — 18 Wieseck 186 125 — 19 Winnerod 100 15 — __ fionfnii lichen Gemeindeleben einen ihrer Lebensstellung Vormundes beglau > h heilsamen Einfluß innerhalb unseres entsprechenden heilsamen Einfluß innerhalb unseres Volks.- die Unterschrift des Vaters oder lebens auszuüben." ,.L Gegen diese allgemeinen Wendungen i|t an sich nichts wart." c c Es ist freilich nachträglich bekannt geworden, daß vorstehende Sähe von Minister Studt nicht verfaßt, sondern aus einem Erlasse vom Jahre 1892 wortgetreu übernommen sind. Schon zehn Jahre bestehen sie in Preußen zu rechtens, aber kaum jemand, selbst nicht Direktoren, kannten sie. Nun sind sie durch den jetzigen Minister angeeignet und in die Oeffentlichkeit gebrächt worden. Exzellenz Studt hat sie ohne Einschränkung oder Abänderung unterschrieben und trägt darum auch mit dem Verfasser die Verantwortung. Diese einem bischöflichen Hirtenbriefe oder päpstlichen Breve ähnelnden Worte müssen im Vergleich mit dem, was über die evangelische Kirche gesagt oder eigentlich nicht gesagt ist, in evangelischen Kreisen Verstimmung, wenn nicht Empörung Hervorrufen. Herr Studt ist evangelischer Christ und auch zugleich preußischer Kultusminister. In seiner letzteren Eigenschaft teht ihm das Recht und die Pflicht zu, für katholischen Religionsunterricht einzutreten und ihn gegen unberechtigte Angriffe zu schützen. Aber es geht weit über seine Befugnisse hinaus, in das Materielle des Unterrichts einzugreifen, — der Inhalt steht nur den Dienern der betreffenden Religion zu. Und dies hat der evangelische Kultusminister gethan. Als evangelischer Christ weiß Herr Studt ganz genau — wir sind weit davon entfernt, ihm evangelisches Bewußtsein abzusprechen — mit welchen Fehlern und Mängeln die katholische Kirche und mit welchen falschen Sätzen die katholische Lehre behaftet ist. Wie er sich von seinem Standpunkte aus mit dem Inhalt der von ihm gutgeyeißenen und veröffentlichten „Erläuterungen" abfinden wird, ist ganz und gar seine persönliche Angelegenheit, in die wir nicht eindringen wollen. Daß er aber die katholische Kirche mit ihrer von seiner Kenntnis aus vielfach, falschen Lehre auf Kosten der evangelischen Kirche öffentlich herausstreicht, dagegen müssen die Evangelischen hin und her im Lande energischen Widerspruch erheben. Exzellenz Studt weiß ganz genau, daß die katholische Kirche „göttlichen Ursprungs", „die von Gott beglaubigte Hüterin der göttlichen Satzungen" ist. Er sagt, „daß in ihr ein besonderer Schutz gegen die verkehrten, die sittlich>e Ordnung gefährdenden Zeitricht- ungen der Gegenwart liegt." Ob er dabei an die aus Preußen und dem Deutschen Reiche seit nahezu dreißig Jahren ausgewiesenen Jesuiten und Redemptoristen gedacht, wissen wir nicht, wollen es auch nicht untersuchen. Von der evangelischen Kirche lautet kein Wort, das den „Erläuterungen" über den katholischen Religionsunterricht auch, nur entfernt an die Seite gestellt werden konnte. Er chweigt sie überhaupt tot. Die evangelische Kirche scheint demnach nicht „göttlichen Ursprungs", nicht die wahre, wirkliche und inhaltlich, d h. nach der Lehre allein richtige Fortsetzung der ersten Gemeinschaft der Gläubigen, der Apostel, sondern vielleicht nur eine von einem schon längst vergessenen kirchlichen Revolutionär aus Ehrgeiz und Haß gegen den Papst, „den Stellvertreter Christi auf Erden", „den Nachfolger Petri" geschaffenes Gemeinwesen zu sein. Die evangelische Kirche ist nicht fähig, „die göttlichen Satzungen zu hüten und zu erklären". Woher vermag es die katholische Kirche? Vielleicht durch die von Luther mit Recht verworfene Tradition, oder durch den ehelosen katholischen Priesterstand und die religiösen Orden, oder endlich durch den seit 1870 mit der Jnsallibilität ausgestatteten Papst? Hat Herr Studt kein Wort gefunden für den durch die von Gott gewollte Reformation errungenen Segen, der uns „l o s v o n R o m" und hineinindieevangelische Freiheit geführt hat? Ist die e v an gelische Kirche mit ihrer reinen Lehre und den reinen Sakramenten Menschen- oder Gotteswerk? Wirken in ihr nicht die Kräfte des Evangeliums, die göttlichen Satzungen zu hüten und zu erklären? Also hat ein evangelischer preußischer Kultusminister eines e v a n g e l i s che n preußischen Königs und deutschen Kaisers gesprochen, von dem wir bei der Wiederherstellung der Wittenberger Schloßkirche und bei der Einweihung der Erlöserkirche zu Jerusalem ganz andere Worte gehört haben. Wir glauben nicht, daß ein Minister amtlich sich so weit von den Anschauungen und Reden seines königlichen Herrn entfernen kann. Wann wird die Morgen- röte einer wahrhaft „evangelischen Freiheit" anbrechen? G. S. Politische Tagesschau. Einen ganz sonderbaren Verdacht hat, wie man aus Posen berichtet, die dortige Polizeibehörde. Sie ist nämlich der Meinung, daß der Verfasser oder Inspirator der deutsch' feindlichen Artikel der in Posen erscheinenden polnischen Wochen- fchnsl „Pcaca" niemand anders sei als der — österreichische Minister des Auswärtigen Graf Goluchowöky. Deshalb werden auffallend zahlreiche Haussuchungen in der „Praca" abgehalten. Die Polizeibehörde vermutet besonders bei den Artikeln, in denen preußische Minister in der heftigsten Weise angegriffen werden, den Grafen GoluchowSky als Verfaffer. Auffällig ist es allerdings, daß die angeklagten „Praca"- Redakteure, bereu es in letzter Zeit eine recht stattliche Anzahl gab, entgegen den sonstigen Gepflogenheiten den Verfaffer au den Fernsprecher erhoben werden, denen der zierliche Apparat in unserem Zimmer nicht gewachsen ist Wenn in der Hitze der Kampfarbeit die schwielige Seemannsfauft nach unserem Telephon griffe, dann wäre die stromführende Schnur bald abgerissen, und wenn im rollenden Schiffe eine unserer braven Blaujacken mit der derben Schulter gegen das polierte Holzkästchen stieße, dann hätte es bald ausgelebt. Siemens u. Halske haben darum für diese Zwecke Telephon-Apparate geschaffen, welche in einem festen eisernen Kasten wasserdicht eingebaut sind. Tie Telephone, gewichtige Stücke, sind nicht, wie bei unseren Apparaten, durch Zuleitungsschnüre mit dem Kasten verbunden, sondern drehbar an demselben befestigt, je eines an jeder Seite. Für gewöhnlich sind sie nach oben gelegt und liegen mit ihren Schallöffnungen gegen die Seiten des Kastens. Dreht man sie herunter, so stehen sie als wagerechte Arme hervor, und zwischen die beiden einander zugewendeten Schall- öffnungen steckt der Sprechende seinen Kopf, wobei er sich an den Telephonen ftsthalten kann, wenn die Bewegung des Schiffes zu heftig ist In anderen Verwendungen, denen das lautsprechende Telephon dient, ist der Standpunkt des Sprechenden kein so schwankender, wie auf dem chnd die störenden Nebengeräusche sind weniger grost Ein solcher Fall, findet sich in Bergwerken und im Eisenbahnbetriebe. Zum Schluß wollen wir noch den Ar- tilleeie-Fernsprecher anführen, der sowohl als tragbarer, wie als Standapparat ausgeführt wird. Daß in den Festungswerken eine ähnliche Telephon-Verbindung wie auf den Kriegsschiffen notwendig ist kann man sich leicht vor- stellen So hat denn der Lautsprecher auch auf diesem Gebrete Verwendung gefunden. Ader auch ins Feld kann dieser Fernsprecher rücken, da Siemens u Halske einen derartigen tragbaren Apparat konstruiert haben den man durch ein ausgerolltes Kabel mit der anderen Sprechstelle verbindet. falls und Unglaubens bitter notwendig haben, find Charaktere, „christliche Persönlichkeiten", die auf dem remen Worte Gottes der Reformation durch Buße, Glaube und Gnade gegründet sind. Sehr auffallen aber müssen uns diese „Erläuterungen", wenn wir hinzusetzen, was der Minister als Aufgabe des katholischen Religionsunterrichts bezeichnet. Hier Ijeiftt e§: Der katholische Religionsunterricht hat die besondere fachunterrichtliche Aufgabe, die katholische Jugeiid m der Ueberzeugung von der Wahrheit und dem göttlichen Ursprung des Christentums und der Kirche zu befestigen und fte anzuleiten, diese Ueberzeugung durch das Leben in und mit Christus und seiner Kirche treu zu bewahren, sorgfältig zu pflegen und stets unverbrüchlich zu bekennen. Nur von der festen Grundlage sicherer religiöser Bekennt- uisse gläubiger Ueberzeugung und kirchlicher Gesinnung aus kann der Religionsunterricht bestrebt sein und hoffen, auch die andere Seite, nicht den letzten und unwichtigsten Teil seiner Aufgabe, nämlich die religiöse Erziehung und sittliche Veredelung der Schüler, mit vollem und dauerhaftem Erfolge zu verwirklichen. Auf dem Gehorsam gegen die Kirche, als die von Gott beglaubigte Hüterin und Er- klärerin der göttlichen Satzungen, beruht nach katholischer Lehre, das ivahrhaft sittliche Leben, und darin liegt hinwiederum ein besonderer Schutz gegen die verkehrten, die sittliche Ordnung gefährdenden Zeitrichtungen der Gegen- 6) mir" in'u^er 6eutin 3eit be§ « ajorigren ooer utt uuig j y o Mttpr notwendm haben, ftnd Cha zustellen ist; d) ein selbstgeschriebener Lebenslauf. -- 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, M welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sem will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zm: Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheilszeuguis berzulegen. lieber die Anforderungen, welche an dre zu Prüfenden gestellt werden, giebt die Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 Reg.-Blatt Nr. 27 von 1894 -) Ausschluß. . Bezüglich des Prufungstermins sowie des Lokals, in welchem die Prüfung stattfindet,, erfolgt eventuell weitere Bekanntmachung; auf spezielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 20. Juni 1901. Großherzogliche Prüfungs-Kommission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Wick, Regierungsrat.______________ Parität. Man schreibt uns aus Kreisen der evangelischen Geistlichkeit : Wer deii Verhandlungen des preußischen Landtages zu folgen pflegt, wird je und je bd_ dein Kultusetat aus den Reihen der Zentrumspartei große Klagen über Imparität gehört haben, die in der dieser Partei dienstbaren Presse über Gebühr noch weiter fortgesetzt werden. Dre hohen Staatsstellen sind fast ausschließlich mit Angehörigen der evangelischen Kirche besetzt und auch die mittleren und unteren Stellen weisen meistens Inhaber evangelischer Konfession auf. Wenn auch auf dem Reichskanzlerposten den evangelischen Bismarck und Caprivi der katholische Hohenlohe gefolgt ist so gab diese Thalsache den Zentrumsleuten deshalb ebensowenig Trost weil dieser hervorragende Staatsmann nur nach der religiösen, keineswegs aber nach der pdlitischen Seite zu ihnen gehörte, wie man auch darinnen ein besonderes Zeichen der Ergebenheit nicht zu erkennen vermag, daß Graf Bülows Frau Italienerin und katholisch ist Alle Erklärungen von feiten 1 des Regierungstisches, daß in der Auswahl der Beamten nur die Tüchtigkeit, nicht aber die Konfession maßgebend sei, daß man die Rückständigkeit der Katholiken nur dem Umstande zuschreiben könne, daß die Angehörigen der römischen Kirche einen geringeren Prozentsatz in der höheren Bildung ausmachen, halten bei den Zentrumsleuten nicht Stich. Es muß Stimmung im Lande gemacht werden, daß man dann, zur heimatlichen Scholle zurückgekehrt oder auch auf den Katholikentagen, in deren Verhandlungen der „katholische Trumpft ausgespielt wird, von der geübten Thätigkeit berichten, und aufs neue, weil in einer „schweren Leidenszeit" stehend, zum Festhalten an der von Christus selbst eingesetzten Papstkirche ermahnen kann. Wir wissen, daß dies eitel Trug und Täuschung ist. Wir sehen vielmehr, daß man nach der Seite der katholischen Kirche weit mehr Bücklinge, als nötig macht, was die evangelischen Unterthanen viel eher und auch mit innerer Berechtigung zu Klagen über Imparität veranlassen könnte. Doch hört man davon kaum ein Wort. Als neulich der Kaiser seinen ältesten Sohn, den deutschen Kronprinzen aus dem evangelischen Hohenzollern- hause, in die akademischen Kreise in Bonn einflihrte, las man wohl, daß zu dieser Feier der katholische Erzbischof von Köln, nicht aber der evangelische General sup e rin te n d e n t von Koblenz, eingeladen war; oder sollten die Zeitungen bei Aufzählung der Gäste diesen Namen vergessen haben? Was uns heute eine wohl berechtigte Klage über preußische Imparität ausstoßen läßt, das ist ein neuer Erlaß des evangelischen Kultusministers Dr. Studt. Exzellenz Studt hat zu den „neuen Lehrplänen und Lehraufgaben für die höheren Schulen in Preußen" Erläuterungen geschrieben. Mit diesen will er dem Unterricht in den einzelnen Disziplinen eine bestimmte Richtung, einen mehr einheitlichen Inhalt und ein festes Ziel setzen. Uns interessiert zunächst, was der Minister in seinen „Erläuterungen" über den Religionsunterricht schreibt. Das Ziel des evangelischen Religionsunterrichts soll sein: „Die Schüler durch Erziehung in Gottes Wort zu charaktervollen, christlichen Persönlichkeiten heranzubilden, die sich befähigt erweisen, dereinst durch Bekenntnis und Wandel, und namentlich auch durch; Beteiligung am kirch^- der Artikel genannt haben. Sie bezeichneten hierfür stet- den in Lemberg lebenden Schriftsteller Dr. Rakowski, der selbst früher Redakteur der „Praca" war. Dr. Rakowski erhielt nach seiner Ausweisung durch hohe Protektion die Stellung eines Sekretärs des LandeSausschuffeS für Galizien. Seine „hohe Protektion" scheint ihn nunmehr vorzuschieben, wenn es gilt, gegen Deutschland herzuziehen. Das wirft ein eigenartiges Licht auf die Intimität des Dreibundes! Sitzung der Stadtverordneten. Gießen am 18. Juli 1901. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi und Grüne berg die Stadtverordneten Emmeltus, Euler, Faber, Flett, Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Hanau, Heichelheim, Helfrich, Heyligeu- staedt, Huhn, Leib, Löber, Orbig, Dr. Schäfer, Schiele und Schmall. Entschuldigt: Beigeordneter Wolff, die Stadtverord- neten Brück, Grünewald, Dr. Gutfleisch, Haubach, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, LooS, Petri, und Wallenfels. Bürgermeister Mecum nahm vor Eintritt in die Verhandlungen Veranlassung, gegen die vielfach verbreitete Annahme, daß in Hessen, bezw. in Gießen die Steuern höher seien als in Preußen, Stellung zu nehmen. (Heber diese Angelegenheit werden wir in nächster Nummer eingehend berichten. Red.) liche Darlegung des Bürgermeisters finden die Leser an anderer Stelle. Hierauf wurden der Versammlung diejenigen Patagraphen der Satzung der Spar- und Leihkasse Gießen vorgelegt, bezüglich deren die Stadtgemeinde die Haftpflicht übernimmt. Es wurde nach kurzer Debatte dem aus Heber- nähme der Haftung lautenden Anträge stattgegeben. Dem Oekonomen Heinrich Noll VII. soll gestattet werden, am Krofdorfer Weg eine Scheuer zu erbauen, sofern er sich dazu versteht, die Scheuer nach Ablauf von 20 Jahren aus Verlangen der Stadt wieder zu entfernen. Das Gesuch der Eisenbahn-BetriebSinspektion Gießen um Erlaubnis zur Errichtung eines im unteren Stock in Massivbau, im oberen Stock in Holzsachwerk auszusührenden Stellwerksgebäudes wird befürwortet, deSgl. das Gesuch der Spar- und Leihkaffe um DiSpenS von den Vorschriften des § 19 des Ortsbaustatuts, sowie des Bauunternehmers H. Winn, der die Obergeschoffe eines Neubaues in der Hofmannstraße in Holzfachwerk auszuführen beabsichtigt. Dem Wasenmeister Joh. Bender soll gestattet werden, anstelle eines eisernen HofthoreS ein hölzernes vor seiner in der Wolkengasse gelegenen Hofraite anzubringen. Bankier C. Dietz beabsichtigt, vor seinem Hause an der Johannesftraße Zementplattenbelag herzustellen; das Gesuch wird genehmigt. Das Gesuch des Männerturnvereins um Erlaubnis zur Benutzung des Platzes hinter der Turnhalle des Realgymnasiums zu Sprungübungen wird genehmigt. Die Verlegung der unterirdischen Telegraphenleitung vom Postamt I bis zur Unterführungssäule II bei Kleinlinden wird nicht beanstandet. Dem mit Leitung der Kanalisationsarbeiten betrauten Regierungsbaumeister Schmick soll als Bureauraum der für 300 Mk. jährliche Pacht gemietete Laden im Aber- mannschen Hause in der Schulstraße überlaffen werden. Für die Beschaffung des MobilarS werden 450 Mk. bewilligt. — Stadtverordneter Schmall bittet um Erklärung über den Beginn der Kanalisationsarbeiten. — Bürgermeister Mecum teilt mit, daß beim Großh. Kreisamt unterm 9. April Genehmigung der Pläne beantragt, auch Erinnerung an das Ministerium ergangen sei. Vor 14 Tagen seien die Pläne nach Darmstadt gegangen; er habe inzwischen Herrn Finanzminister Gnauth gebeten, für rasche Erledigung mit Sorge zu tragen und glaubte, daß dadurch die Sache in guter Hand sich befinde. Für die Herstellung eines Stichkanals am Unter» mühlwehr zur Spülung des Schlachthaus-EutwäfferungS- kanalS werden 600 Mk. bewilligt. Die hierauf zur Kenntnis der Versammlung gebrachte Beschwerde der Gießener Glasermeister gegen die Art der Vergebung der Glaserarbeiten seitens des Stadtbauamts besagt, daß Verglasungen oft von Schreinern, sogar von Spenglern ausgeführt, die Bleiverglasungen am neuen Fried- Hofe sowie am alten Rathause von auswärtigen Firmen her- gestellt wurden, wodurch den hiesigen Glasern ein guter Teil ihres Verdienstes entzogen würde. Das Stadtbauamt be« richtet hierzu, daß es sich bett, der von Schreinern usw. ausgeführten Verglasungen nur um geringfügige Arbeiten gehandelt habe, die der Dringlichkeit halber gleich mit vergeben wurden. Betr. der Bleiverglasungen am Friedhöfe handle eS sich um Arbeiten, die als Spezialartikel hier nicht geliefert würden, und die Arbeiten am alten Rathause seien von dem bauleitenden Architekten Hoffmann in Herborn vergeben worden. — Stadtverordneter Huhn spricht sich für Berücksichtigung der hiesigen Meister bei künftiger Vergebung von Arbeiten aus, desgleichen Stadtverordneter Löber, der vorschlägt, vor Vergebung besonderer Arbeiten bei hiesigen Meistern anzufragen, ob sie dieselben ausführen können. Nach Erkundigung des Bürgermeisters sind Kunst- und Bleioerglaf- ungen nicht immer in befriedigender Weise geliefert worden. Die Versammlung beschließt aus Antrag der Baudeputation Abweisung der Beschwerde. Auf eine Anfrage des Stadtverordneten Hanau betr. das Fahren der Gießfäffer und Kehrmaschinen, bezw. Vergebung der bezeichneten Arbeiten teilt Bürgermeister Mecum mit, daß diesbezügliche Vorlage in einer der nächsten Sitzungen erfolgen werde. Zur Sache selbst, in der auch die Stadtver« ordneten Löber und Heyligenstaedt das Wort ergriffen, wurde rnitgeteilt, daß das Fahren der Kehrmaschinen der Kürze der Zeit wegen provisorisch aus der Hand vergeben wurde, und zwar mit Zustimmung der Baudeputation. Zur Vermietung der von der Stadt gekauften Güngerich- schen Hofraite aus dem Seltersberg (Gesamtertrag 1430 Mk.), wird Genehmigung erteilt, die Kosten für Wiederher- ftellungSarbeiten in demselben Hause (2130 Mk.) bewilligt. Zur Beschaffung von Caffeler Wandtafeln für die höhere Mädchenschule werden 582 Mk. bewilligt. teil. s um Erlaubnis joHe des Rral- 'gt. elegra^tn» Mll/e II 6d atfmUn be- ls Bureauranw laden im Aderen »erben. Für । Mk. bewilligt. Erklärung über . Bürgermeistu unter» 9. April Erinnerung an agen feien die Wischen Herrn ErMgung Ml ) die Sache in Ä unbesi ' ls am Unter* zMwchMK- mliing geh* ir gegen die An -S StadtbauamtS lern, am neuen Mögen Fimenhkr. n ein guter Teil 'jtabtbauamt vt* Zchreinern nsw. stgige ^buten -ich mit vergebe" i-rmch!g-l'^ |e jeien«»«dm vergebe« t VÄ “unb °„,Krt »«*' , •! SauM»“* sS «f“S1430 <'A-L « Kx be»E 10 W tgt **’ .nbtafd“ "Uhr, Dr C' Schis«, ®Mtoerotk, Ciuba* W( »’»die 8„, ^breitete gnt m?* (Mec bitte kwgchend bt: 6ie L-s-r an w w Haftpflicht em aus Ueber- )eben. W gestattet 'rbauen, sofern von 20 Jahren Aktion Gießen leren Stock in luSzusührenden ^as Gesuch btt Urschriften bt8 luuliternehrners bautß in der eabstchtigt. stattet werden. ie6 vor seiner 'ragen. n Hause an der n; das Gesuch Das Gesuch des W. Weisel um Konzession zum Wirt» schaftSbetrieb im Hause Brandgoffe 7, wird befürwortet. 6. Sitzung Hroßh. Kaudetsllammer Hießen für die Kreise Hießen, Alsfeld und Lauterbach. (Pcotokollauszug.) Gießen, 16. Juli 1901. Anwesend sind die Herren Kommerzienrat Koch^ Grünewald, Jhring, Nowack, Rinn, Röhr, Schmal!, Steinecke und Zurbuch. 1. Geschäftsbericht. Auf eine Anfrage über den Stand des Bahnprojektes Alsfeld-Hersfeld hat das Ministerium der Finanzen der Kammer mitgeterlt, daß keine Aussicht auf Verwirklichung dieser Linie besteht. Ta- hegen sei die Möglichkeit des Zustandekommens einer Klein- bahn von Alsfeld nach Nieder-Aula zum Anschlüsse an die von Preußen geplante Linie Treysa-Hersfeld gegeben. Es hat sich in Alsfeld ein Komitee gebildet, welches mit einer Bau- und Betriebsgesellschaft behufs Uebernahme der Finanzierung des Baues und des Betriebs obengenannter Strecke in Verbindung getreten ist. Die Kammer ist nach wie vor der Ansicht, daß es im Interesse der Preußisch-Hessischen Betriebsgemcinschaft liegen würde, diese Aufgabe zu lösen, zumal es sich um eine Wegkürzung von ca. 40 Km. handelt. Auf eine Miteilung an das hiesige Kaiser!. Postamt, daß die Zulassung des Sprechverkehrs zwischen Gießen einerseits und Hamburg und Leipzig andererseits von weiteren hiesigen Kreisen gewünscht werde, wurde die Kammer von dem genannten Postamt benachrichtigt, daß desselbe die Zulassung des fraglichen Sprechverkehrs bei der Kaiser!. Oberpostdirektion in Darmstadt befürwortet habe. Die hiesige Eisenbahn-Verkehrsinspektion wurde von der Kammer darüber verständigt, daß über die übliche Entladung der Waggons in der Naha der Margarethenhütte wegen der dahin führenden mangelhaften Fahrwege aus Kreisen der Handelswelt Klagen laut würden. Tie genannte Behörde hat der Kammer darauf mitgeteilt, daß nad)1 der bis zum Beginn des Herbstverkehrs erfolgenden Beendigung der zurzeit südlich des Güterschuppens im Gang befindlichen Umbauten die Geleise in der Nahe der Margarethenhütte nicht mehr für den Freiladeverkehr benutzt werden. Tie König!. Eisenbahn-Direktion Frankfurt am Main hat der Kammer auf ein Gesuch um Fortsetzung der vom Personenbahnhof zu den Geleisen geplanten Unterführung bis zum Güterschuppen den Bescheid gegeben, daß die fragliche Fortsetzung der Unterführung nur in dem Falle geschehen könne, daß die in Betracht kommenden Interessenten — die Stadt und die Kleinbahn — zu den Kosten der Verlängerung der Unterführung im Betrage von ca. 50 000 Mk. einen erheblichen Beitrag leisten. Wegen dieser bedeutenden Kosten empfehle sich! die Errichtung eines weit billigeren eisernen Steges, welchie aber ebenfalls von entsprechenden Beiträgen der Interessenten abhänge. Ein Gesuche der Kammer um Errichtung einer Haltestelle im Norden Gießens hat die Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. dahin beantwortet, daß sie zunächst in eine technische Veranschlagung der Anlagekosten für den fraglichen Personenhaltepunkt eintreten werde, damit die Stadtverwaltung Gießen die Tragweite ihrer finanziellen Verpflichtungen übersehen könne. Außer den Kosten der Anlage müsse aber die Stadt auch einen nicht unerheblichen Zuschuß zu den für die Eisenbahn-Verwaltung durch die einzurichtende Haltestelle entstehenden ungedeckten Mehraufwendungen in Aussicht nehmen. Die Königl. Eifenbahndirektion Frankfurt a. M. hat die Kammer um eine Aeußerung über einen Antrag ersucht, Tuffsteine und Traß unter die Güter des Rohstofftarifs aufzunehmen. Die Kammer sprach sich gegen den Antrag aus mit Rücksicht darauf, daß Traß im Falle der Versetzung in den Rohstofftarif dem nicht unter diesen fallenden Cement eine sehr gefährliche Konkurrenz bereiten und so die zurzeit schon ungünstige Lage der auch im Kammer- bezirk vertretenen Cementindustrie noch verschlimmern würde. 2. Auf eine von der Handelskammer Mainz auf Anregung der hiesigen Kammer erneutes an das Ministerium gerichtetes Ersuchen, den Hessischen Handelskammern den Zolltarifentwurf noch vor seiner Abgabe an den Reichstag zur Begutachtung vorzulegen, erteilte das Großh. Ministerium der Bescheid, daß es zurzeit außer stände sei, sich darüber zu äußern, ob und inwieweit dem gestellten Antrag entsprochen werden könne. Da der Zolltarifentwurf für den Handel von der größten Bedeutung ist und bisher Vertreter des Handels nur in ganz unzureichendem Maße über den Entwurf gehört worden sind, so beschließt die Kammer, dagegen Protest einzulegen, daß ihr keine Gelegenheit zu gutachtlicher Aeußerung über den Entwurf gegeben werde. 3. Das Ministerium des Innern hat der Kammer den Entwurf einer Verordnung über den Kleinhandel mit Flasch elnbier zur Begutachtung zugestellt. Der Entwurf schreibt eine den Sollinhalt bei Füllung bis zum Rande des Halses bezeichnende Angabe vor, welche vom 1. April 1905 an nur noch in Vierteln, Achteln oder Zehnteln des Liters ausgedrückt sein darf. Die Angabe mittels eines der Flasche aufgeklebten Zettels soll gestattet sein. Der Raumgehalt darf bei Flaschen mit einem Sollinhalt von mehr als einem halben Liter höchstens um 0,03 Liter, bei allen anderen Flaschen höchstens um 0,02 Liter hinter dem Sollinhalt zurückbleiben. Die Kammer ist der Ansicht, daß dieser Entwurf die Flaschenbierhändler ZU fortgesetzten zeitraubenden Vermessungen des Inhalts der Flaschen nötigen würde, nicht nur dann, wenn sie den Inhalt mit einem sich immer wieder von der Flasche lösenden Zettel angeben, sondern auch wenn der Inhalt dauernd durch Schnitt, Schilift, Brand, Aetzung usw. bezeichnet wird, weil die Flaschenbierhändler großenteils ihre von ihnen selbst markierten Flaschen nicht wieder zurückbekommen, sondern dafür andere, deren richtige Martterung ihnen niemand garantiert, sodaß sie genötigt sind, deren Richtigkeit immer von Neuem wieder zu prüfen. Zugleich werde dem unlauteren Wettbewerb im Flaschenbierhandel durch den vorliegenden Entwurf kaum gesteuert werden. Dieser Zweck werde noch am ehesten erreicht, wenn im ganzen deutschen Reich nur einige wenige Flaschen- größen, die ein besttrnrnkes Maß haben müßten, zum Verkauf für Bier zugelassen würden, zu deren Einführung «allerdings eine Frist von mindestens fünf Jahren gegeben werden müßte. Die Kammer beschließt, in diesem Sinne ein Gutachten gegen den vorliegenden Entwurf zu erstellen. 4. Nach einer Bestimmung des Tarifs fürVerwäg- n n g e n auf der Bahn haben diejenigen, welche alle von ihnen auf einer Station zum Versano gelangenden oder «lle auf einer .Station für sie ankommenden Wagenladungssendungen auf der Geleiswage verwiegen lassen, Für jede Wagenladung nur 50 Pf. zu bezahlen. Diese Bestimmung kann solche Firmen, welche zweierlei Geschäftsarten betreiben, und nun die der einen angehörigen Artikel auf der Bahn vorwiegen lassen können, sehr benachteiligen. Die Kammer will deshalb einen Antrag der Handelskammer Stock p i. P. auf Aenderung dieser Bestimm- ung unterstützen. 5. Die Königl. Eisenbahndirektion Altona hat alle Kammern, welche an der Annahme der Zigarrenkistchenbretter in das Verzeichnis der in gedeckt gebauten Wagen zu befördernden Güter interessiert sind, um eine gutachtliche Aeußerung über die in Rede stehende Aufnahme ersucht. Die Zigarrenkistchenbretter wurden bisher in gedeckt gebauten Wagen befördert, ohne den zehnprozentigen Frachtzuschlag tragen zu müssen, welcher für die nicht im obigen Verzeichnis stehenden Güter vorgeschrieben ist. Neuerdings wurde dieser Frachtzuschlag den Vorschriften gemäß auf mehreren Stationen erhoben. Die Aufnahme der Zigarrenkistchenbretter in das fragliche Verzeichnis hätte den Wert, die Bretter von diesem zehnprozentigen Frachtzuschlag zu befreien. Mit Rücksicht auf die Zigarreninduftrie, welche sich zur Zeit in keiner günstigen Lage befindet und von der durch den zehnprozentigeii Frachtzuschlag erfolgendes Verteuerung der so wie so schon mit hohen Preisen bezahlten Bretter geschädigt würde, beschließt die Kammer, die Aufnahme der Zigarrenkistchenbretter in das Verzeichnis der gedeckt zu befördernden Güter zu befürworten. 6. Der Bezirksverein Hessen und Nassau im deutschen Fleischerverba n de hat die Kammer ersucht, seine Bestrebungen auf Erhebung der Freiheit des Handels auf den Schlachtviehhöfen zu unterstützen. Die Kammer hält dafür, daß der Handel nach Lebendgewicht, welchen der Bund der Landwirte gesetzlich geboten wissen will, zwar für die Landwirte-vorteilhaft sei, aber zum Betrug (Vollfütterung der Tiere unmittelbar vor dem Verkauf) geradezu anreize und deshalb weniger reell sei als der Handel nach Schlachtgewicht. Die Kammer will deshalb dem Fleischerverband ihre Zustimmung zu seinen Bestrebungen ausdrücken. 7. Der Verein der Berliner B u t te r ka u fl eu t e hat die Kammer im Interesse der Versetzung des Artikels Käse in den Spezialtarif für bestimmte Eilgüter um fta= tistische Angaben über den im Kammerbezirk mit der Bahn ankommenden und abgehenden Käse ersucht. Da die Eisenbahnverkehrsstatistik, soweit sie den Kammerbezirk betrifft, den Artikel Käse zurzeit zusammen mit anderen Artikeln aufführt, so ist der Kammer die Lieferung der fragt. Statisttk unmöglich. Die Kammer teilt dies dem Verein mit, und verweist ihn zugleich zur Feststellung der Käsemenge, die im Kammerbezirk produziert wird, an den landwirtschaftlichen Provinzialverein Oberhessen. 8. Die Untersuchung über die Berechtigung der neuerdings über den mangelhaften Anschluß der Bieber- thalbahn an die Linie W e tz l a r — L o l l a r in der Richtung nach Westen geführten Klagen übernimmt mit Zustimmung der Kammer Herr Kommerzienrat Koch. 9. Einläufe. Unter den Einläufen befinden sich Mitteilungen betr. die Absatzverhältnisse für deutsche Jn- dustirieerzeugnisse auf Malta, Absatz von Maschinen nach Japan, Branntweinindustrie in Angola und Maschinenausfuhr dorthin, die Auskunftserteilung über rumänische Handelsfirmen, Stempelsteuer in Rußland, Verfahren bei Zollbeschwerden in Rußland, ferner ein Verzeichnis der Firmen in Kiautschou. Interessenten wird hierüber auf dem Bureau der Kammer Näheres mitgeteilt. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original" Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) ** Reklamationen wegen Fahrgelderstattung für ganz oder teilweise unbenutzt gebliebene Fahrkarten sind seit dem 1. Juli bet derjenigen Verwaltung einzureichen, welche den ganz oder teilweise unbenutzt gebliebenen Fahrtausweis verkauft hat. ** Reiselegitimationen. Alle diejenigen, welche namentlich außer deutsche Staaten besuchen, mögen hierdurch daran erinnert sein, sich auf jeden Fall mit einer Reiselegitimation zu versehen. Mancherlei Zwischenfälle können den Besitz einer Legitimation sehr nützlich machen. Es empfiehlt sich daher, Vorsorge zu treffen. Auch sei darauf aufmerksam gemacht, daß nach der vom Reichskanzler auf Grund des Postgesetzes erlassenen Postordnung Militärpapiere als Ausweise nichst zugelassen sind. **UeberVerzugszinsen. Eine wichtige Neuerung des Bürgerlichen Gesetzbuches gegenüber dem alten Rechte ist die H e r a b s e tz u u g des Zinssatzes auf 4 Prozent, sofern nicht durch Gesetz, z. B. bei Handelsgeschäften (§ 352 des Handelsgesetzbuchs) ein anderer Zinssatz bestimmt ist. Auch die Verzugszinsen sind auf 4 Prozent herabgesetzt (§ 288), während früher durchgängig höhere Zinsen (5 und 6 Proz.) gesetzlich waren. Infolgedessen entstand bald die Frage, ob bei Schuldverhältnissen, die vor dem 1. Januar 1900 begründet waren, auch nach dem 1. Januar 1900 noch der alte Zinssatz oder der neue von 4 Prozent gütig sei. Diese Frage hat das Reichsgericht nunmehr bezüglich der Verzugszinsen dahin entschieden, daß vom 1. Januar 1900 ab stets der neue Zinsfuß von 4 Prozent zur Anwendung zu kommen hat. In den Entscheidungsgründen ist gesagt: „Bezüglich des Anspruchs auf Verzugszinsen kommt in Betracht, daß der Verzug nicht ein einmaliges Ereignis, sondern eine Thatsache von Dauer ist und daß daher die jeweilige Gesetzgebung entscheidend sein muß, soweit Folgen des Verzuges in Frage stehen, welche, wie die Verzugszinsen, von der Fortdauer der Verzugsthatsachen in der Weise beeinflußt werden, daß die Leistungsverpflichtung mit jeder neuen Zeiteinheit von neuem entsteht. Es konnten demnach vom 1. Januar 1900 an nur 4 Prozent Verzugszinsen zugebilligt werden. Mainz, 18. Juli. Morgen sind es 25 Jahre, daß die Simultan schule ins Leben gerufen wurde; seitdem ist, wie die „Frkf. Ztg." schreibt, die Mainzer Volksschule allen fortschrittlichen Errungenschaften offen gewesen. Drei Millionen Mark wurden in den 25 Jahren für Schulneubauten verausgabt, 107 Lehrer und 71 Lehrerinnen unterrichteten 3948 Schüler und 4030 Schülerinnen in 157 Klassen. Fortbildungsschiulen, Hilfs klassen für Schwachbegabte, Ferienkolonien, Heilkurse für Sprachgebrechen sind eingerichtet worden; Kinderhorte, Jugendspiele, Volksbäder und Volksschulbibliothekcn mangeln nicht; Handfertigkeits- unterrichst für die Knaben, Kochunterricht für die Mädchen ist obligatorisch Von den Herren, die vor 25 Jahren in den städtischen Schulvorstand berufen wurden, amtiert nur noch einer: Dr. Rautert. Freimütig ist er immer eingetreten für alle berechtigten Bestrebungen zum Besten der Lernenden und Lehrenden. Unbeirrt von Feindseligkeiten, stets selbstlos, auf Gerechtigkeit und Wahrheit bedacht. Vermischtes. * Kiel, 17. Juli. Die Oberpostdirektion hat die Belohnung für die Ergreifung des nach der Unterschlag un g von 17 600 Mk. geflüchteten Husumer Postdirektors F l e m m i n g von 800 auf 1500 Mark »erhöht. Sie nimmt an, daß der Postdirektor, der Tischlerarbeiten geschickt ausführte, als Schreinergeselle in einer Werkstatt arbeitet. * Zum Eisenbahnunglück des Zirkus Bar- num und Bailay. Bekanntlich ereignete sich vor etwa zwei Woch en bei Kattowitz in Prcußisch-Schlesien ein Eisen - bahnunfall, bei welchem ein Teil des Extrazuges des Zirkus Barnum und Bailay zertrümmert und drei Angestellte getötet oder verletzt wurden. Nunmehr hat die Bahnunternehmung die Entschädigungsfrage gelöst. Für das getötete und beschädigte Pferdematerial hat die Bahnverlvaltung dem Zirkusunternehmen 60 000 Mk. bereits bezahlt. Für die vier zertrümmerten Barnumwagen forderten die Unternehmer Ersatzwagen, die ihnen auch in kürzester Zeit geliefert werden. Der Wert dieser Wagen beläuft sich auf etwa 50000 Mk., sodaß die Gesamtsumme des von der Bahn dem Zirkus ersetzten Schadens sich auf rund 110000 Mk. beziffern dürfte. Nebenher laufen natürlich die Forderungen der durch den Unfall verletzten Angestellten oder der Hinterbliebenen der getöteten Personen. Soweit also das Barnumsche Zirkus-Unternehmen selbst in Frage kommt, ist dieses nunmehr voll entschädigt. * Z a b r z e (i. Oberschlesien), 18. Juli. .Heute Vormittag sind in der Konkordiagrube durch einen zu früh losgehenden Sprengschuß 5 Arbeiter verunglückt. Einer derselben wurde getötet, zwei sind schwer verletzt. Leipzig, 18. Juli. Im „Streitholz" fand man einen älteren Herrn bewußtlos auf. Als der Mann wieder zu sich gekommen war, stellte sich heraus, daß er sich wegen seiner Verluste an der Leipziger Bank hatte ertränken wollen. Vorher aber versuchte er durch Leerung einer Kognakflasche sich Mut anzutrinken zu dem schweren Werke, worauf ihn der Schlaf übermannt hatte. Da nun in den Waldungen sich immer arbeitsscheues Gesinde! umhertreibt, hatte sich ein „Leichenfledderer" au den Schlafenden herangemacht und dessen goldene Uhr im Werte von 600 Mk., sowie das Portemonnaie mit 70 Mk. und eine Ledertasche gestohlen. Auch das noch! * Würzburg, 18. Juli. Der Mediziner August Hauck von Neustadt a. H. hatte am Freitag vor vierzehn Tagen eine Säbelmensur und wurde von seinem Gegner, einem Verkehrsgast einer hiesigen Korporation, Übel zugerichtet. Hauck ist in der Heilanstalt, die er alsbald aufsuchte, an Wundstarrkrampf verschieden. * Augsburg, 18. Juli. In Schongau wurde der Stadtkämmerer und Sparkassenverwalter Wolfer wegen Veruntreuung von etwa 20000 Mk. verhaftet. * Vor rund drei Decennieu heiratete der berühmte amerikanische Tragöde Edwin Booth. Er gab am Tage der Eheschließung seiner Braut ein ungemein originelle- Hochzeitsgeschenk. In einer wundervoll gearbeiteten, mit Perlmutter und Elfenbein ausgelegten Schatulle von Palisanderholz waren nämlich sämtliche Liebesbriefe, die er im Laufe der Jahre von seinen Verehrerinnen erhalten hatte, untergebracht. Und welches war ihre Zahl? Genau gezahlt: 3796. Und seine Frau soll nicht einmal einen Anflug van Eifersucht gezeigt haben! UniorrsiMs Nachrichten. — AuS Marburg wird geschrieben: Sicherem Vernehmen nach wurde Dr. Ernst Elster in Leipzig als Professor für neuere deutsche Sprache und Litteratur an Stelle des Pros. Joseph hierher berufen. — Ernst Haeckel veröffentlicht in der „Jen. Ztg." folgende Erkürung: „Vor Kurzem lief durch mehrere Zeitungm die mich überraschende Mitteilung, daß ich im nächsten Herbst nach London reifen würde, um dort eine Reihe von wissenschaftlichen Vorträgen zu halten. Diese Nachricht ist vollständig erfunden; ich erhielt j-doch infolge der» selben mehrfache Aufforderungen zu Vorträgen auch aus Berlin und auS anderen Städten. Dadurch sebe ich mich zu der Erklärung ge« nötigt, daß ich überhaupt keine öffentlichen Vorträge mehr halten werde, sowohl aus Rücksicht auf meine Gesundheit und mein vorgerücktes Alter, als auf die dringenden, mir noch obliegenden Arbeiten. Auch werde ich deshalb keine wissenschaftlichen Kongreße mehr besuchen. Aus denselben Gründen bin ich zu meinem Bedauern außer Stande, olle die Briefe zu beantworten und alle die Drucksachen zu lesen, welche besonders seit den letzen beiden Jahren in übermäßiger, stetig wachsender Zabl an mich gelanoen." Grrichtsftmi. G. Gießen«, 17. Juli. (Gewsrbegericht). Die Erdarbeiter Johannes Ulm II. aus Mendorf a. d. Lahn, Georg Freund und Georg Schmandt aus Steinberg haben gegen den Schachtmeister Anton Scholz von hier Klage auf Entschädigung wegen unbefugter kündigungsloser Entlastung erhoben. Die Verhandlung ergießt, daß der eigentliche Unternehmer ein Herr Heide in Wiesbaden ist und daß der Schachtmeifier Scholz nur in deffen Auftrag handelte. Die Kläger wollen deshalb neue Klage gegen Heide erheben. — Der Knecht Wilhelm Krätzer zu Gießen verlangt von dem Wirt Otto Luft zu Gießen die Herausgabe der ihm übergebenen Zeugnisse und die Ausstellung eines Zeugnisses über seine Thättgkeit bei Lust. Zur Aufklärung des Sachverhaltes wurde ein neuer Termin anberaumt. Handel und Uerkehr. Volkswirtschaft. — Kasseler Trebergesellschaft. Der Reichskanzler hat nunmehr den Beschluß des Börsenvorstandes zu Berlin, die Aktten der Gesellschaft stanko Zinsen zu berechnen, bestätigt. Diese Ausnahme tritt am zweiten Werktage nach dem Erscheinen der Genehmigung, die vom 16. Juli datiert ist, in Kraft. — Die Konkuröverwaltung der Aktiengesellschaft giebt im Unverständnis mit der Konkurs Verwaltung der Leipziger Bank bekannt, daß die vorläufige Weiterführung der Betriebe der Trebergesell- schast nunmehr beschloffen ist. . . . , Dortmund, 18. Der Fabrikant Otto, Mstglied des Aufsichtsrates der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung, hat heute nachmittag Konkurs angemeldet. Märkte. W. Friedberg, 17. Juli. Der heute hier abgehaltene Ferkel, markt nahm einen sehr animierten Verlauf. Angebot und Nachfrage hielten sich vollständig das Gleichgewicht. Daher kam es, daß die Preise gute waren und der Martt rasch geräumt wurde. Im Anfang des Marktes mochte wohl mancher Verkäufer mit bänglichem Gefühl dastehen, denn der Auftrieb war ungemein stark. Aber bald füllte sich die als Marktplatz benutzte breite Kaiserstraße mit Käufern, und das Geschäft setzte mit Anbeginn sehr lebhaft ein. Das Paar prima Ferkel wurde mit 50 bis 60 Mk. bezahlt; die zweite Qualität mit 40 bis 45 Mk. und die geringste mit 30 Mk. Auch nach Einlegschweinen, hier Sprenger genannt, war gute Nachfrage. Das Stück wurde bei gewünschter Größe und Raffe mit 60 Mk. bezahlt. 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