1901 151» Jahrgang Amts- und 2lnzergeblntt für den Ureis Giefzen Han Me Anzeigen-Vermittlungsstelle« des In- unb AllS kmdes nehmen Anzeigen für den Siebener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pf, Sonntag den 20. Januar Bezugspreis vierleljährl. Mk. 2.20 monatlich 75 Ptg. mik Bringerlohn; durch die Adhoiestelle« merteljahrl. Mk. 1.90 monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2.— vierlcljährt. ohne Bestellgeld. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulßrahe Nr. 7. Gratisdeilageu: Gießener FamilieMütter, Der hessische gmibwirt, Klätter für hessische UolKsKunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gietze». Fernsprecher Nr. 5L desrats und des diplomatischen Korps, der Minister, der Generäle und fremdländischen Offiziere, die duftigen Cour- roben der Damen mit langen Tüllschleiern gaben em farbensprühendes Bild. Kurz nach 12 Uhr nahte der tzof unter den Klängen des Kavallerie-Präsentiermarsches mit dem Wirbeln der Kesselpauken. Hinter den Hofpagen folgten die Herren des großen Vortritts, dann die Reichs- Jnsignien, die von dem Kronprinzen und den andern Prinzen und von Generälen getragen wurden. Der Kronprinz trug die Krone. Hinter dem Prinzen schritt das Kaiserpaar. Der Kaiser in Generalsuniform mit der Kette des Ordens vom Schwarzen Adler und dem blauen, weißgeränderten Bande des neuen Ordens, die Kaiserin in einer gelbseidenen Courrobe mit purpurroter pelzverbrämter Courschleppe, die von den Leibpagen getragen wurde, neben der Kaiserin Prinzeß Viktoria Luise, hinter dem Kaiserpaar General v. Bock und Polach mit dem Reichs- panier, dann folgte der Zug der Fürstlichkeiten. Die Majestäten setzten sich dem Altar gegenüber; die Fürsten gruppierten sich dahinter. Vor dem Thron waren die Reichsinsignien auf Taburetts niedergelegt; die Reichsfahne neben dem Altar; auf der anderen Seite hielt der Kriegsminister das Reichsschwert. Die Festrede hielt der Oberhofprediger Dr. Dryander. Während des Segens feuerte auf ein Zeichen vom Schlosse her die im Lustgarten aufgestellte Leibbatterie 101 Salutschüsse ab. Den Schluß des Gottesdienstes bildete das von der Gemeinde gesungene niederländische Dankgebet: Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten. Bald nach der Rückfahrt der Geladenen vom Schloß begann dort im Weißen Saale um 1 einhalb Uhr die Festtafel der neu Dekorierten, bei der drei Musikkapellen die Tafelmusik stellten. Im Verlaufe der Tafel erhob sich der Kaiser und trank auf das Wohl der neuernannten und vorhergehenden Ritter, worauf die Nationalhymne stehend angchört wurde. Nach-3 Uhr fand Cercle statt. An der F e st t a s e l i m S ch l o tz nahmen über 1200 Personen teil. Bunt gemischt war die Gesellschaft, Die heute im Schlosse speiste. Webe» dem Kaiserpaar und seinen hohen Gästen waren schlichte Bürgersleute zu Gaste im Schloß. Hunderte von Soldaten waren mit dem Zutragen der Schüsseln beschäftigt. Als Andenken an die Hoftafel nahmen die Teilnehmer je eine Bonboniere mit dem Bildnis des Kaiserpaäres mit. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamitienb kälter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter sür Hess. Volkskunde" wöchll. 4 mal beigelegt. Rr 17 Zweites Blatt Die Auszeichnungen. Graf Henckel von Donnersmarck in Neudeck erhielt den Fürsten titel alsiGrafHenckelFürstvonDonners- niarck. Der Kammerherr Rittergutsbesitzer von Alten zu Linden bei Hannover ist als Gras Alten-Lin sin g en, ferner der Kammerherr Schloßhauptmann von Quedlinburg von Alvensleben auf Neugattersleben als Graf von Alvensleben-Neugattersleben in den Grafenstand erhoben. Der erbliche Adel wurde verliehen u. a. dem Professor Behring in Marburg, dem Präsidenten des Berliner Kammergerichts Drenkmann, den Bankiers Karl und Albert Metzler zu Frankfurt a. M., dem Admiral a. D. Reinhold W e r n e r zu Wiesbaden. Das erbliche Recht auf Sitz und Stimme im Herrenhause wurde u. a. verliehen: dem Obermarschall im Königreich Preußen Grasen zu Eulenburg auf Prassen, dem Kammerherrn Grafen Finck von Fincken st ein auf Schönberg und dem Grafen von Thiele-Winckler auf Moschen. Ferner wurden zu Mitgliedern des Herrenhauses auf Lebenszeit aus besonderem allerhöchsten Vertrauen berufen u. a. der Generalsuperintendent Dr. Dryander in Berlin, die Geh. Kommerzienräte von Guait«-Frankfurt a. M.,.Meyer in Hannover, Michels in Köln, der General-Oberst Freiherr von Loe, der Professor an der Charlottenburger technischen Hochschule Riedler, Freiherr von Schorlemer in Lieser an der Mosel und der Bischof von Hildesheim. — Dem bekannten Reichstags - Abgeordneten Grafen Dönhoff- Friedrichstein wurde das Großhofamt des Oberburggrafen im Königreich Preußen verliehen. Außerdem wurde die Kammerherrnwürde, der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz sowie das Prädikat Exzellenz mehrfach verliehen. — Dem Oberbürgermeister Adickes in Frankfurt a. M. wurde das Recht verliehen, bei geeigneten Gelegenheiten die goldene Amtskette zu tragen. Ferner hat der Kaiser verschiedene Gnadengeschenke bewilligt, u. a. 10000 Mark für einen Saalburg-Fonds zu Homburg v. d. H. Unter den zahlreichen Ordensverleihungen sind hervorzuheben: der Schivarze Adlerorden an den Oberpräsidenten von Schlesien Fürsten v. Hatzfeld, Herzog von Drachenberg,- der Rote Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub an den Botschafter in Wien, Fürsten zu Eulenburg, den kommandierenden General des 7. Armeekorps Freiherrn v. Bülow, den Minister des Innern Freiherrn v. Rheinbaben, den Roten Adlerorden 1. Klasse an den Fürstbischof Dr. Kopp in Breslau, den Oberst-Kämmerer Grafen zu Solms. Offizieren, die sich zurzeit in China befinden, wurden ebenfalls Orden verliehen. Außerdem wurde eine Reihe von Offizieren g e - Amtlicher Teil. Bekanntmachung. In der Zeit vom 12. dis 19. Jauuar l. IS. wurde in hiesiger Stadt und deren Gemarkung gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Pelzkragen und 1 Paar Filzschuhe; verloren: 1 golvene Damenuhr, 1 Portemonnaie mit Inhalt und 1 Zwicker. Die Empfangsberechtigteu der gefundenen Gegenstände belieben ihie Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 19. Januar 1901. , Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. hvatten ii •Nm GießenerAnzeiger General-Anzeiger Giessen ahvhvfsttaßerr. >mcw- v. Auabt«. isfkthmtSftW wiiimii Ä't, «NN Frühjahrs- Stt aiySSjs MM kehrliH stnn auf daS Kontor tiM SÄ« rtvbilioTi d'kle» Diotie?-—, kreuz der Groß-Komthure des kgl. Hausordens von Hohen zollern verliehen. Unter den Vertretern von Kunst und Wissenschaft finden wir den berühmten Tenoristen Albert Niemann, der soeben seinen 70. Geburtstag feierte, den Maler Professor Skarbina im nunmehrigen Besitz des- Roten Adler-Ordens 4. Klasse, Meister Anton v. Werner und Professor Slaby mit dem Stern zum Kronenordeu 2. Klasse geschmückt. Berlins Oberbürgermeister Kirschner, der nach langem Harren Bestätigte, empfängt den Roten Adlerorden 3. Klasse. Von den zahlreichen Beförderungen in der Armee, welche aus Anlaß des heutigen Jubiläums ergangen sind, sind folgende hervorzuheben, der Chef des Militär-Kabinetts v. H a h n k e und der kom mandierende General des 16. Armeekorps, Gras v. Hase- ler sind zu General-Obersten befördert. Der General der Infanterie v. Werder wurde zum Chef des reitenden Feldjägerkorps ernannt, der Herzog von Aosta wurde zum Chef des 4. Kürassier-Regiments ernannt, Prinz Christian von Dänemark a la suite des 20. In fanterie-Regiments gestellt. Der bekannte Militärschrrft- steller, Oberst a. D. K e i m hat den Charakter als General major erhalten. L ,, . . Die Auszeichnungen, die nach Gießen gefallen find, finden unsere Leser in der Rubrik „Aus Stadt und Land' Weitere Feierlichkeiten. Die militärische Feier wurde durch Regiments appell und Festgottesdienst eingeleitet. Mittags wurden die Mannschaften festlich bewirtet. — Die Universität feierte das Jubiläum mit einem Festakt in der Aula. Professor Dr. Kaftan hielt die Festrede. — In sämtlichen Kirchen Berlins fanden Festgottesdienste statt, und in den Schulen wurde das Jubiläum gleichfalls festlich begangen. Die Illumination, die heute Berlin inszeniert hat, ist imposant und übtt- wältigend. In den Hauptstraßen, und deren sind es nicht wenige, ist nicht e i n Haus ohne Lichterglanz. Haben vie Privatgebäude vorwiegend mit Kerzen illuminiert, die in den geraden Linien immer einen vornehmen Eindruck machen, so haben die großen Geschäftshäuser, Banken, Hotels, Cafes und Restaurants mit Glühlampen in den prächtigste.» Farben und kunstvollen Windungen in verschwenderischer Fülle beleuchtet. Die Straße „Unter den Linden" prangt in Tageshelle. Die allgemeine Aufmerksamkeit zieht das Cafe Bauer, ferner die alte Konditorei Kranzler auf sich. Auch das Viktoriacafe prangt im bunten Licht zahhloser Glühlampen. In der Friedrichstraße fällt die Illumination des Kaisercafes auf. Von diesem aus sind über die Straße Schnüre mit Hunderten kleiner Fahnen gezogen, die bet der geringsten Luftbewegung lustig hin- und herflattern. Kein Haus in der Friedrichstraße ist unbeleuchtet. Auf dem Schloßplatze erregt die Beleuchtung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. durch mächtige Scheinwerfer lebhafte Bewunderung, desgleichen die der Museen und des Domes. Das prächtige Wetter, trocken und kalt, bringt natürlich ganz Berlin auf die Beine. Es ist kaum zu schildern, welch eine große Menschenmenge durch die Straßen wogt, um Berlin im Lichterglanze zu sehen. Die Polizei hat erneu schweren Stand, Ordnung in die wogenden Massen zu bringen. Die Wagen mit ihren Insassen kommen nur u» Schneckengang vorwärts. Oft tritt eine Stockung em, Die den Verkehr auf längere Zeit ganz hemmt. Festvorstelluvg tm Opernhause. Am abend fand im festlich beleuchteten und glanzend ausgeschmückten Opernhause eine Festvoistellung statt. In der großen Hofloge erschien die Kaiserin am Arm des Erzherzogs Franz Ferdinand, der Kaiser führt- die Großherzogin von Baden. Di- Vorstellung begann mit Lauff S Adlers lug". Hieraus folgte nach einer kurzen EisrifchungS- pause das Putlitz'sch- Schauspiel „Das Testament de« Großen Kurfürsten". Ein neuer Orden. Wie Friedrich I. vor 200 Jahren den Schwarzen Adler- Orden als Erinnerung an die Kiönung stiftete, hat die heutige Jubiläumsfcier der Reihe der preußischen Olden einen neuen üinzugesügt. Der „Reichs- und StaatS-Anzeiger" veröffentlicht folgende Urkunde darüber: Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen rc. haben beschlossen, aus Anlaß des zweihundertjährigen JubUäums befl Königreichs Preußen einen Orden zu stiften. Derselbe soll den Namen .Verdienst-Orden der Preußischen Krone" führen, aus einer' Klasse bestehen und zwischen dem Schwarzen Adler-Orden und dem Großkreuz des Roten Adler-Ordens rangieren. Die Abzeichen des Ordens sollen eitlem einem blauen gewässerten, an jeder Sette mit einem goldenen Streifen versehenen Bande von der linken Schulter zur rechten Hüfte zu tragendes Kreuz und ein achtspihiger, auf der linke» Brust zu tragender Stern nach den von Uns genehmigten Mustern bilde». Urkundlich unter Unserer Höchfieigenhändigen Unterschrift und betgedrucktem Königlichen Jnstegel. Gegeben Berlin, Schloß, 18. Januar 1901. (L. 8.) Wjlhelm K. Graf von Bülow. von Miquel. von Thtelen. . Freiherr von Hammerftein. Schönstedt. Brefeld. von Goßler. Graf von Posadowsky. von T t?t$. Studt. Freiherr von Rheinhaben. Be'QÜtunfl steluckl, »i«» «!«•'¥"* Ynd, LraucM ___ in Mm« Michi Die Zwetjahrhundei^feierUchkezten in Berlin n. Bdrl in, 18. Jan. Anläßlich der Zweijahrhundertseier haben sämtliche Botschaftsgebäude geflaggt; auch viele Privatgebäude und -alle großen Geschäftshäuser prangen in Fahnen- und Guir- landenschmuck. In den Schaufenstern sind vorwiegend die Büsten des Königs Friedrich I. und Kaiser Wilhelms II. mit den Jahreszahlen 1701/1901 ausgestellt. Auch die Straßenbahn hat Festschmuck angelegt. Kleine Fahnen in den deutschen Farben sind an den LeitungHstangen angebracht, ferner an den Seitenwänden der Wagen Bandschleifen in den deutschen Farben. In gleicher Weise sind die Omnibusse dekoriert, eine ganz neue Erscheinung in dem festlichen Straßenleben Berlins. Unter den Linden war das Leben heute viel stärker als gestern. War das Wetter heute morgen auch empfindlich kalt, so brach in den späteren Stunden doch die Sonne durch und sandte wärmende Strahlen herab, die es ermöglichten, daß die Unter den Linden befindlichen Zuschauer stundenlang auf- und abgehen konnten. . Nach der gestrigen Familientafel hatte der Kaiser durch Hauptmann Ahlers vom Garde-Füsilier-Regiment seinen fürstlichen Gästen die für die ostasiatischen Truppen bestimmte neue Infanterie-Ausrüstung, mit der zur Zeit Versuche angestellt werden, vorführen lassen. Beim Kapitel des hohen Ordens vom Schwarzen Adler, bei dem sich die Ordensritter in ungewöhnlich großer Zahl eingesunden hatten, hat der Kaiser gestern eine sehr warme und ergreifende Anredeanden Kron - Prinzen gerichtdt, in der er seinen Sohn auf die großen Pflichten hinwies, die seiner harrten. Das Krönuugs- und Ordensfest. Während die Vorbereitungen zum Krönungs- und Ordensfest vollzogen wurden, begab sich der Kaiser in aeschlossenem Wagen nach der Sieges-Allee, um dort am Denkmal König Friedrichs I. einen Kranz nieder- rulegen. Alsdann fuhr der Kaiser zum Mausoleum in Chärlottenburg, wo er am Sarge seines Großvaters kurze Zeit verweilte und dann ins Schloß zurückkehrte. Hier nahm der Kaiser die Glückwünsche hoher und höchster Persönlichkeiten zur 200-Jahrfeier entgegen. Zunächst wurden die'Botschafter, Gesandte», Abordnungen fremder Fürsten und Städte empfangen. Um 11 Uhr erfolgte der Einpfang der in Vertretung ihrer Souveräne erschienenen deutschen Prinzen. Um dreiviertel 12 Uhr empfing der Kaiser im Rittersaale die Deputationen aus Ostpreußen. Die Vertreter der Stadt Königsberg überreichten eine Adresse, in der es u. a. heißt: Laute Freude herrscht heute in ganz Ostpreußen. In Stadt und Land wird Euer Majestät Name tausendfach gesegnet sein. Wir wissen und vertrauen, daß Euer Majestät die überkommene Krone nach Adlerart halten und verteidigen werden, zum Segen für uns und das gesamte ks SifiN rin Bote gesucht M hen Äesöldemg bii M Anz^gett nach dort, hm« in b r fon-bWoi hmdOt'Ak. gteinfe Gartta. iulbOk M- bt> ßertmatm, ] Mr Men für OM Mmz ß. Mr & ^Der^aiser erwiderte vom Throne aus, nachdem er die Adresse des Provinzial-Ausschusses und die silberne Gedenktafel Königsbergs entgegengenommen hatte. Hierauf defilierten die Abordnung aus Königsberg und die Vertreter der ostpreußischen Geschlechter. Etwa um 9 Uhr begann die Auffahrt zum Kr onun gs- u « d O r d e n s f e st. In Prunkwagen fuhren die Fürstlichkeiten, Botschafter und Gesandte zum Schlosse, endlosen Reihen rollten Droschken 1. und 2. Klasse nut den zum Ordensfest geladenen Personen vorüber. Um 11 uyr lbegaben sich die Majestäten, der Kronprinz, die Prinzen und die Prinzessinnen in feierlichem Zuge zur ifcour nach dem Rittersaale, wo die Vorstellung der neu ernannten Ritter des Roten Adler-Ordens, des Kronen- jOrdens, des Haus-Ordens und der Ordensdamen erfolgte. Die übrigen heute Dekorierten versammelten sich indessen TR der Schloßkapelle, die im Kerzenglanze und dem Widerschein der Sonnenstrahlen auf den dunkel schimmern- ÄÄ" Iibeit-v Lu-onus wurde dos Groß- Verordnungen au die Armee. DaS „Armee Lerortznungsblatt" enihält in einer gold umränderten Extra Ausgabe vier kaiserliche Verordnungen. Die erste lautet: An Meine Armeei Ich gedenke heute, bet der Feier des zweihunderttten Jahrestages bet Annahme der Preußischen Königswürde, vor Allem Memer Armee. Der König und die Armee gehören in Prcußen unzertrennlich zusammen. Dieser enqe persönliche Zusammenhang zwischen Mir und jedem Einzelnen Meiner Offiziere und Soldaten beruht auf 200 Jahre alter Tradition. Der Geist, welcher von Friedrich I an von allen Königen in der Arrn^e gepfleot wurde, der Geist der Ehre, der Pflichttreue, des Gehorsams, der Tapferkeit, der Ritterlichkeit, — er hat die Armee zu dem gemacht, was sie sein soll und was sie ist: die scharfe, zuverlässige Waffe in der Hand ihrer Könige, zum Schutz und zum Segen für die Größe des Vaterlandes. An der Spitze der Armee dem Katerlande zu dienen, das ist Mein Wille und das war der vornehmste Wunsch aller Meiner in Gott ruhenden Vorfahren Ihrer Fürsorge v-rdankt die Armee chre Kraft und ihr An sehen. Sie hat durch zwei Jahrhunderte des großen Königs Ausspruch wahr gemacht: „Die Welt ruht nicht sicherer auf den Schultern des Atlas, als der Preußische Staat auf den Schultern der Armeei" Mit ihrem Blute hat sie die Liebe und Dankbarkeit für ihre Könige besiegelt! Hier für danke Ich der Armee auS bewegtem Herzen. Ich danke ihr für ihre Hingabe, welche sie für Mich und Mein Haus im Dienste des Vaterlandes ohne Ruhe und Rast, Jahr aus, Jahr ein, selbstlos bethätigt. So lange dieser Geist die Armee mit ihren Königen verbindet, so lange brauchen wir keine Stürme zu scheuen und Preußens Adler wird stolz seinen hohen Flug unentwegt fortsetzen, zum Wohle Preußens, zum Wohle Deutschlands! Das walte Gott! Berlin, den 18. Januar 1901. Wilhelm. Die übrigen drei Verordnungen betreffen einen besonderen Schießpreis für diejenigen Infanterie Regimenter, deren Chef der Kaiser ist, die Führung des Gar de st er ns auf den Sattelüberdecken von berittenen Truppenteilen des Gardekorps, die Verleihung des Parademarsches des früheren hannoverschen Königin-Garde-Regiments an das Leib Garde Regiment. Verordnungen an dle Marine. In Erinnerung daran, daß die deutsche Flotte aus der preußischen hervorgegangen ist, und daß schon der Große Kurfürst an der Schaffung einer Seemacht gearbeitet hat, ist von Seiten des Kaisers auch der Marine besonders ge dacht worden, wie nachstehender Erlaß zeigt: Der heutige Gedenktag lenkt meinen Blick rückwärts in die Zeit des Kurfürstentums Brandenburg. Die stolze Flotte, welche der Große Kur- fürst entstehen ließ, hat unter dem Roten Adler ihre vielseitigen Aufgaben zum Ruhme des engen Vaterlandes mit Erfolg und Geschick gelöst. Unter Preußens Königen ist sie neu erstanden, und der 200jährige Gedenktag, vor desftn Feier wir stehen, findet sie in lebenskräftiger Gestaltung im neuen Deutschen Reiche wieder. Bet den immer wachsenden Aufgaben, vor denen meine noch in der Entwickelung begriffene Flotte steht, bedarf sie einer nie rastenden, zielbewußten Arbeit, um zu einem so starken Werkzeuge für das Deutsche Reich zu werden, wie es meine Vorfahren auf dem preußischen Königsthron in der Armee besaßen. Die wichtigste Bedingung hierfür ist schon erfüllt. Der Geist des Schöpfers jener alten Flotte, der Geist des Großen Kurfürsten hat sich vererbt auf die neue Schöpfung und ist in ihr lebendig. So fühle ich mich am heutigen Gedenktage des Königreichs Preußen auch mit meiner Marine aufs neue verbunden, und gereicht es mir zur Freude, ihr als sichtbaren Ausdruck dessen eine besondere Auszeichnung zu teil werden zu lassen, indem ich bestimme, daß auf dem Koppel- und Schärpenschloß in meiner Marine mein Namenszug getragen wird. Ich beauftrage Sie, Vorstehendes zur Kenntnis der Marine zu bringen. Berlin, Schloß, den 18. Januar 1901. Wilhelm, I. R. Zwei weitere Erlasse an das Reichsmarineamt lauten: Der heutige Gedenktag giebt mir willkommen Anlaß, meiner Marine als ein erneutes Zeichen meines Wohlwollens das bronzene Standbild meines Urahns, des Großen Kurfürsten, zum Geschenk zu machen. Dasselbe soll in Kiel an der Gartenseite der Marine-Akademie demnächst Aufstellung finden. Ich setze Sie hiervon mit dem Auftrage in Kenntnis, diesen Erlaß meiner Marine bekannt zu geben. Berlin, Schloß, den 18. Januar 1901. Wilhelm, I. R. Ich will meiner Marine den Holländischen Ehrenmarsch für Trommler und Pfeifer mit der Maßgabe verleihen, daß die Marineteile allein berechtigt fein sollen, diesen Marsch an Bord und am Lande stets zu spielen. Sie haben diesen meinen Erlaß bekannt zu machen und das weiter Erforderliche zu veranlassen. Berlin, Schloß, den 18. Januar 1901. Wilhelm, I. R. Wilhelm und Wilhelmina. Zwischen dem Kaiser und der Königin der Niederlande hat anläßlich der Jubelfeier folgender Depeschenwechsel stattgesunden: Berlin, 17. Ihrer Majestät Königin der Niederlande. Haag. DaS Fest, welches durch GotteS Gnade meinem Haufe und mir zu feiern vergönnt ist, lenkt nächst zum Schöpfer meinen Blick nach den Niederlanden. Dem großen Orantergefchlecht verdanken wir die Tugenden, welche den Großen Kurfürsten schmückten, verdanken wir die herrliche Fürstin, welche Preußen seinen ersten König schenkie. Zum Gedächtnis dessen und daß Niederländer unsere ersten Matrosen, eia Niederländer unser erster Adkntral gewesen, habe ich als Piä- senfermarsch meiner Marine den alten „Ecrenmarsch" der niederländischen Flotte verliehen. Möge Gott unseren beiden Häusern stets gnädig sein, wie er eS einst in guten und bösen Tagen unseren Vorfahren war. Meine Marine aber wird sich den Ausspruch Admiral de NuyterS zu eigen machen: „Es ist mir lieber, daß ich nicht gelobt werde, von niemanden, und daß ich nach meinem Gewissen frei handele, und meine Befehle so auSführen kann wie ich soll." Wilhelm. S'Gravenhag, 17. Januar. Seiner Majestät dem Deutschen Ka-ser Berlin, Schloß. Ich danke Dir von ganzem Herzen für Dein mich so beglückendes Telegramm und für die Getühle, die Dich an dem morgigm denkwürdig n Tag auch meines Landes, meiner Vorfahrm und unseres großen de Nuyter» gedenken lassen. Deine Wertschätzung und Deine Anerkennung sür die längst Dahingegangenen rühit mich lief, und hochersrem bin ich über die Verleihung unseres alten Ehrenmarsches als Pläfentiermarfch an Deine Marine. Du weißt, welch innigen Anteil tch an diesem-sreudigen, bedeutungsvollen Feste nehme! Ich wiederhole Dir meine allerherzlichsten, freundschaftlichsten G-ückwünsche. Wilhelmina. Kaiser Wilhelm hat den deutschen Gesandten im Haag beauftragt, auf dem Grabe des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranten, des Vetters der ersten Gemahlin des Großen Kurfürsten, einen Kranz niederzulegen. Der Kranz ist mit einem Bande in den preußischen Farben geziert und trägt die Inschrift: Zum Andenken an den Großvater des ersten preußischen Königs 1701/1901. In anderen Städten. In Königsberg i. Pc. fanden Festgottesdienste und Parade statt. Die Stadt Königsberg brachte dem Kaiser als Geschenk eine kunstvoll gearbeitete Votivtafel dar. Sic besteht ans mattgrauem Silber und liegt in schwerem, prost liertem Silberrahmen. In Reliefschrift ist die Widmung angebracht. Die juristische Fakultät der Universität Königsberg er nannte bei der heutigen Feier des Krönungsfestes zu Ehren Dotieren: den Reichskanzler Grafen Bülow, den Kultus Minister Studt, den Oberp'äsiDenten Grafen Bismarck, den Geh. Ober Justizrat V i e r h a u s Berlin, Prof. W i l ck e n s Würzburg. Nach einer Meldung auS Kiel haben dort sämtliche Kriegsschiffe geflaggt und Mittags Salutschüffe abgefeuert In Köln gestaltete sich die Krönungsfeier zu einem nationalen Fest, wie ein solches dort seit Jahren nicht ge feiert worden ist. In den Kirchen fanden Fest^otieSdienste statt. Gegen 11 Uhr begab sich eine Abordnung der Krieger Lerei'-e zum Königs-Denkmal, um dort Kränze niederzulegen. Im Gürzenich fand ein Festakt statt, bei dem Festreden gehalten und ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht wurde. Keine Amnestie. In einem Artikel mit der Uederschrift „Keine Amnestie" führt das „Berl. Tagebl." aus, das Volk werde am heutigen Tage eine peinliche Enttäuschung erfahren. Wohl fehle es nicht an kaiserlichen und königlichen Gunstbeweisen, aber das, was der Nation am Herzen gelegen, was das Gemüt des Volkes womöglich noch fester mit der Nation verknüpft hätte, die allgemeine Amnestie, auf die so viele Seelen gehofft und geharrt — dies Zeichen der kaiserlichen Gnade fei auSgeblieben. DaS Blatt glaubt, den Ernpfind- ungen der großen Mehrheit der Nation Ausdruck zu geben, wenn eS das Bedauern nicht unterdrückt, das in weiten Kreisen darüber empfunden wird, daß das herrlichste Juwel der Krone, das Gnadenrecht, an diesem stolzen Jubeltage der Preußischen Monarchie dem Volke nicht geleuchtet hat. ♦ * • Telegramm des Gießener Anzeiger-. Berlin, den 19. Jan. Ueber den Inhalt der Ansprache, die der Kaiser gestern im Lichthofe des Zeughauses an die dort versammelten Offiziere hielt, wird berichtet: Der Kaiser betonte, daß wahrend der 20U Jahre seines Bestehens das Königreich Preußen ost gezwungen getoesen ist, zum Schwerte zu greifen, um das zu werden, was es heute sei. Das preußische Ossizierkorps habe an diesem Ringen um Preußens Größe und Macht einen hervorragenden Anteil gehabt. Jetzt aber, wo Deutschlands und Preußens Hauptaufgabe in der Erhaltung des Friedens liege, sei für das preußische Ossizierkorps die Ausbildung der Armee die vornehmste Pflicht, die zugleich die beste Schule für das Volk zur Königstreue und Pflichterfüllung sei. — Der Hauptverband der Krieger- ve reine beging seine Feier zur Erinnerung an die Erhebung Preußens zum Königreich in der Brauerei Friedrichshain. — Von der t e ch n i s ch e n H o ch s ch u l e in Char- lottenburg wurde das 200 jährige Jubiläum gleichzeitig mit der Feier von Kaisers Geburtstag in festlicher Weise begangen. — Der Verein der Ostpreußen feierte das Jubiläum im City-Hotel. Engländer und Buren. Der britische Höchstkommandierende in Südafrika, Lord Kitchener, hat einen Armeebefehl erlassen, worin allen englischen Soldaten verboten wird, ohne be andere Erlaubnis nach Hause zu schreiben, untr aud) Dann sollen die Soldatenbriefe von eigens ernannten Osfi zieren vorher gelesen werden. Was dieses Verbot bezweckt, tegt auf der Hand. Lord Kitchener will verhindern, daß ne Mehrheit Über die elenden Verhältnisse, unter denen die britischen Soldaten in Südafrika zu leben und zu kämpfen genötigt fink nach der Heimat berichtet wird, weil dadurch die Freiwilligen von der Meldung zu den Fahnen ab- geschreckt werden würden. Daß diese Taktik viel helfen ivird, ist zu bezweifeln. Die in Betracht kommenden besseren Elemente der Bevölkerung Alt-Englands sind Über die that ächliche Lage der Dinge wohl größtenteils orientiert. Bei den moralisch minderwertigen Leuten, die sich voraussichtlich jetzt allein für den Freiwilligendienft noch melden, macht es am Ende wenig aus, ob sie wissen, was ihrer wartet. Sie haben wohl zumeist nichts zu verlieren. Immerhin ist der Armeebefehl KitchenerS kennzeichnend für die von Tag zu Tag chwieriger werdende Lage der Engländer. Von verschiedenen Seiten wird auS Pretoria gemeldet, tarke britische Streitkräfte würden zusammeu- gezogen, namentlich auch Reitertruppen. Es wird dabei angedeutet, Kitchener bereite scharfe Schläge vor, die sich an- cheinend gegen die neuerdings bei Carolina und an der Linie Pretoria-Machadodorp angefammeltcn Burenabteilungen richten werden. Kitchener meldet aus Pretoria: Neuseeländische und australische Truppen griffen 13 Km. westlich von VenkerS- bürg 800 Buren an und schlugen sie gänzlich. 5 Tote und 2 Verwundete wurden gefunden, viele reiterlose Pferde und eine Anzahl von Sätteln und Lederzeug erbeutet. Auf britischer Seite ist ein Mann verwundet. — Die Buren haben zweimal versucht, Barckley-East zu nehmen, sind aber zurückgeschlagen worden. Einige Buren seien durch das Feuer dec die Stadt verteidigenden Freiwilligen gefallen. Aus Kapstadt wird telegraphiert: Die im Westen der Kapkolonie eingedrungenen Buren machen keine Fortschritte Zerstreute Abteilungen ziehen sich zurück und schließen sich dem Hauptkommando in Calvinia an. Die Buren in den mittleren Bezirken sind thäliger, wo sie auf Willowmore vor rücken. Ein heftiges Gefecht fand bei Murraysburg am 11. ds. statt. Die Engländer verloren 20 Mann. Einige Holländer, etwa im ganzen 100, schlossen sich den eingedrungenen Buren an. — Die Kolonne Coleville wurde von 1000 Buren angegriffen. Die Nachhut der britischen Kavallerie warf sich auf 400 der Buren und zwang sie, sich zurückzu ziehen. Die übrigen Buren wachten dann einen heftigen An griff auf den Train der Engländer, wurden aber mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Die Engländer verloren einen Toten und 15 Verwundete. Die Truppen des Lords Methuen habe« Vryburg verlassen, um im Südwesten von Transvaal zu operieren. Man meldet, daß sie südwestlich bis vor Butschuanaland vor gingen. Die Zugänge von Vryburg find durch Festungswerke stark vert iötgt. 900 Buren und Afrikander, die fich augenblicklich in Lorenzo Marquez aufhalten, werden in den nächsten Tagen an Bord eines Portugiesischen Dampfers nach Lissabon überführt werden. Man meldet aus Brüssel: Der Enkel Ohm KrügerS, Major El off, der sich kurze Zeit hier aufhielt, erklärte einem Interviewer, Piäsitent Krüger beabsichtige gegenwärtig nicht, sich nach Amerika zu begeben, obwohl er von feinen Freunden in den Vereinigten Staaten dringend ;u einem Besuche aufgefordert worden fei. Wahrscheinlich jedoch fei es, daß er später, wenn es die Interessen TranS- oaals erfordern, die Reise unternehmen werde Bezüglich der Schiedsgerichtsfrage äußerte der Enkel des Präsidenten sich dahin, daß, wie sicher anmnehmen sei, eine der Mächte auf die Einberufung eines Schiedsgerichts bringen werde. * Telegramme deS Gießener Anzeiger-. Loudon, 19. Jan. Aus Pretoria wird gemeldet: De« Farmern, die bisher die Erlaubnis hatten, ihre Waren an Privatpersonen zu verkaufen, wird feit einigen Tagen verboten, in der Stadt zu handeln. London, 19. Jan. Die amtliche Meldung aus Kapstadt, daß den Buren sich bisher nur hundert Afrikander angeschloffen haben, findet hier wenig Glauben. Es bestätigt sich, daß De Wet den Vaalfluß überschritten hat. Er soll sich angeblich in der Nähe von Ermelo befinden. Man' versichert, daß er einen Einfall in Natal beabsichtige. — Die Verlustliste, die vom Kriegsamt Veröffentlicht wird, umfaßt für gestern 31 an Krankheit Verstorbene, darunter einen Offizier sowie drei Vermißte. — Oberst Tucker ist zum Befehlshaber von Bloemfontein in Ersetzung des Generals Hunter, der wegen Krankheit nach England zurück- gekehrt, ernannt worden. General Clemens ist zum Kommandanten von Pretoria ernannt. — Ein Telegramm auS Melbourne berichtet, daß das englische Kriegsamt das Angebot der Kolonie Viktoria, 500 Mann nach Südafrika zu schicken, angenommen hat. China. Wie aus Paris depeschiert wird, hat nach dort eingetroffenen Telegrammen der Kaiser von China am 17. d. Mts. den Vertretern der Mächte in Peking ein Dekret zustellen lassen, worin er die Friedensbedingungen annimmt. Das Dekret trägt das kaiserliche Siegel. Nach einem Bericht der „Morning Post"' aus Peking überreichten die ch i n e s i s ch e n Bevollmächtigten am Mittwoch nachmittag gleichzeitig mit der unterzeichneten und untersiegelten Friedensnote eine Depesche des Kaisers mit Weisungen ziur Eröffnung der Verhandlungen und dem Ansuchen, statt der Schleifung der Takusorts deren Besetzung durch ausländische Truppen eintreten zu lassen, das Verbot der Waffeneinfuhr auf einen bestimmten Zeitpunkt zu beschränken und die Straf- expeditionen einzustellen. Ter Kaiser weist ferner die Kommissare an, anzufragen, wie viel Bodenfläche die Gesandtschaften nach dem Abzug der Truppen einnehmen, wie stark die Gesandtschaftswachen, wie hoch voraussichtlich die Operationskoften sein würden, und wann die Mächte beabsichtigten, die Staatsgebäude und die Archive den chinesischen Behörden wieder zu übergeben. Als Erklärungsgrund für den Verzug der Ueberreichung der gezeichneten Noten wurde angegeben, es sei schwierig gewesen, die kaiserlichen Siegel aufzufinden. Ter Berichterstatter bemerkt außerdem, es seien Anzeichen erkennbar, daß die Chinesen ihr möglichstes thun würden, um die Wichtigkeit der jüngsten Ereignisse herabzumindern, da sie überzeugt seien, die Mächte würden schwächer. Neuerdings verlaute unter den deutschen Beamten, die deutschen Truppen würden in sechs Wochen abziehen, alle ausländischen Truppen seien des Aufenthalts in China überdrüssig. Dazu bemerkt die „Köln. Ztg.": Der Abzug der deutschen Truppen kann selbstverständlich nicht eher erfolgen, als bis Deutschland vollkommen Sühne erlangt hat. Ist das in sechs Wochen geschehen, so wird er ohne Frage dann sofort erfolgen. Nach amerikanischen Telegrammen steht der Rückzug der amerikanischen Truppen aus Peking bevor. Eine fernere Teilnahme der Amerikaner an Streifzügen wird für unwahrscheinlich erklärt. — In Tientsin erfolgte, wie dem „Standard" aus Shanghai telegraphiert wird, am 15. Januar abends in dem von den Russen besetzten Ost- arsenal eine Explosion. * * * In Antwerpen traf am 17. d. M. der Lloyddampfer König Albert ein. An Bord desselben befand sich der Befehlshaber der Iltis, Korvetten-Kapitän L a n s. Ter deutsche Gesandte begab sich mit dem Legationsrat an Bord des Dampfers, um dem Kapitän Lans das Kreuz des Ordens P o u r l e m e r i t e im Auftrage des Kaisers zu überreichen. Lans, dessen Gesundheitszustand zu wünschen übrig läßt, setzte alsbald seine Reise nach Berlin auf dem Landwege fort. In Wesel wurde er auf dem Bahnhof von den Spitzen der Zivil- und Militärbehörden und dem Oberbürgermeister nebst Stadtverordneten begrüßt. In einer A»- sprache feierte der Oberbürgermeister Tr. Fluthgraf Lans als den Helden von Taku, wie die Geschichte ihn einst benennen werde. Beim Einzug in die Stadt wurden Lans stürmische Ovationen dargebracht; die Stadtverordneten haben ihm zu Ehren einen Trinkbecher gestiftet. » » • Telegramm des Gießener Anzeigers. London, 19. Jan. Einer N.w Iorker M idung zufolge beschloß die Unions-Regierung, in einer Note an die Mächte zu befürworten, daß die Mächte sich über die Zurückziehung der Truppen von Peking nach Tientsin verständigen und hinreichende Truppen nur zum Schutze der Gesandtschaften in Peking Zurückbleiben. Ferner wünscht Amerika, daß der chinesischen Negierung Bürgschaften dafür gegeben werden sollen, daß, sobald Der internationale Friedensvertrag unterzeichnet fei, die Räumung Chinas einschließlich der Mandschurei ei folgen werde. Gleichviel, ob die Mächte diesen Vorschlag billigen ober nicht, würden die Amerika»« ihre Truppen im Frühjahr, sobald die Witterung dies gestattet, aus Pccking zurückziehe». DeÄ uni> a.tzidechtw" ri#‘ bet an«1 A-bmtM . „ttte Wf^Sfie fei »£ d einer « d-r » b£l- Polizei m ■ lllchung u y <( jen gerbftmonöBern jiifi auf bem 1< MÄfi-ht in AM» liebt «le Snmd drr leiten anläßlich der - ilfonä den WW _ Rach einer halb •itq." erfolgt M 80. 1 Renten eine Am ne st i Perionen finden, bie r verurteilt sind. Für Pe urteilt worden sind, jo werten Fällen gleichsall Men. - Tie „Augsb. Me: gierung habe bei der pr Verhandlungen M M über die Mainlai Kopenhagen. 18. I ■fanifdje Gesandte hl tillen für 15 Million Aus K fionbon, 18. Jan. andheit der Könic Mf. AuS Cowes wird Äesinden der Monarch! die für Beginn deS Cimiez wahrscheinlich c rfle Reid und Laking im Schlosse Osborne. — Der ffomfpon, ‘.Mi feinem Matte mi öit Mobilmachung der M werten Matrosen bi , M, 18. < MMch eineüntnsu ^Handlungen, d Dragoner-Regiments zu de» find. Die schuldia Eschweigen der mißt m ®itn- 18- Jan. ' vMtthtf beabfityiwi' i MiS Wi Mi @n ' 'M Ml £bpr^ÖnbCUt dtt < '«■4m? @i bäto Aspi. kander Qnflee ben* Es bestäiigt sich, ct^ritten bat. & Man ^dtal beabfichtjge - ve'Gntlch wird, 1 ^erftoibene, barunter 7 ^etft Tucker ist ln Ersetzung btS Ge- M England zurück- lernens ist zum Km- ■ Ein Telegramm aufi he KriegSamr das «u- nn nad) Südafrika hat nach dort ein- ser von China am Mächte in Peking ein e^iiebensbebing; t trägt das kaiserliche irnmg Post" aus Peking vollmächtigten am til der unterzeichn Friedensnote eine1 chungen zur Eröffnung )en, statt der Schleifung ch ausländische Truppen der Waffeneinfuhr auf nänfen unb bie Straf ■ weift ferner bie Jhrni densläche bie ßlefanbt n einnehmen, wie ftarf b voraussichtlich die om die Mächte dead’ die Archive den chm- n. Als Crilärungsgruni der gezeichneten Roten aetvesen, die kaiserlichen rstatter bemerkt außer ' daß die Chinesen ch Wichtigkeit der junM -erzeugt seien, dre Machst laute unter den deut- ruppen wurden in ausländischen Truppen bnÄu9 d» w ich » * «« ;übne erlangt hat- )ird er ohne Frage dm Deutsches Reich- Ser < i n, 18. Jan. Die schon wiederholt angekündigte Branntwein st euer Novelle wird, der „Nordd. AUg. Ztg." zufolge, dem Reichstage in nächster Zeit zugehen. — An die Anarchistengruppen des Rheinlandes und Westfalens ist ein Aufruf zur Bildung einer anarchistischen Förderption für die genannten Provinzen ge richtet worden. In dem Aufruf tvird gesagt, daß für die Ausbreitung der anarchistischen Idee in den dortigen Industriestädten ein guter Boden vorhanden sei. Die anarchistische Presse sei wohl dort stark verbreitet, doch fehle es an einer planmäßigen Agitation. — Bei Teilnehmern en der in Berlin verbotenen Anarchistenkonferenz wurde von der Polizei in Magdeburg eine eingehende Haus- s u ch u n g abgehalteu. Es wurden Exemplare der von Johann Most herausgegebenen „Freiheit", des Anarchistenblattes „Neues Leben", sowie Preßfondslisten beschlagnahmt. Ten von den .Haussuchungen Betroffenen wurde mitgeteilt, daß alle beschlagnahmten Sachen an die Staatsanwaltschaft eingeliefert worden seien. München, 18. Jan. Prinz Alfons von Bayern ist ganz plötzlich von seinem Kommando als Kommandeur der 1. Kavalleriebrigade zurückgetreten. Nach der „Augsb. Abendztg." soll der Rücktritt des Prinzen mit den Herbstmanövern zusammenhängen. Tas Nichterscheinen des Prinzen auf dem letzten Hofball wird mit seiner Rücktrittsabsicht in Verbindung gebracht. Ter „Bayer. Kurier" giebt als Grund der Kommandoniederlegung Mißhellig- ieiteu anläßlich der Weimarer Totenfeier an, wo Prinz Alfons den Prinzregenten vertrat. — Nach einer halbamtlichen Mitteilung der „Allgem. Ztg." erfolgt zuni 80. Geburtstag des Prinz-Regenten eine A m n e st i e. Besondere Berücksichtigung sollen Personen finden, die wegen nichtehrenrühriger Vergehen verurteilt sind. Für Personen, die wegen Verbrechen verurteilt worden sind, soll in besonders berücksichtigungswerten Fällen gleichfalls Aussicht auf .Begnadigung bestehen. - Die „Augsb. Abendztg." berichtet, die bayerische Regierung habe bei der preußischen Regierung beantragt, die Verhandlungen zum Abschluß eines Staats Vertrags über die Mainkanalisation zu eröffnen. Ausland. Kopenhagen, 18. Jan. Es verlautet, der hiesige amerikanische Gesandte habe die Regierung bewogen, die Antillen für 15 Millionen Kronen zu verkaufen. London, 18. Jan. Meldungen über die mißliche Ge- undheit der Königin treten mit größerer Bestimmtheit auf. Aus Cowes wird der „EveningS News" gemeldet, bad Befinden der Monarchin habe sich derartig verschlechtert, daß die für Beginn des März geplante Erholungsreise nach Eimiez wahrscheinlich aufgegeben werden dürste. Die Leib rste Reid und Lakmg weilen seit einigen Tagen beständig im Schlosse Osborne. — Der Korrespondent der Central-News in Portsmouth glaubt seinem Blatte mitteilen zu können, daß die Admiralität die Mobilmachung der Marine-Reserve und derpensio inerten Matrosen beabsichtigt. Paris, 18. Jan. Der Kriegsminister Andre ordnete telegraphisch eine Untersuchung an über eine Anzahl schwerer Mißhandlungen, die von Unteroffizieren des 6. Dragoner-Regiments zu Evreux an Rekruten verübt wor den sind. Die schuldigen Unteroffiziere versuchten auch das Stillschweigen der mißhandelten Soldaten zu erkaufen. Wien, 18. Jan. Die Vertrauensmänner der deutschen Partei-n beabsichtigen, in der nächsten Woche eine Beratung abzuhalten über die Organisation der deutschen Parteien und die Wiederherstellung der deutschen Gemeinbürgschaft im neuen Reichsrat. Die Regierung wird die Sprachengesetz.Entwürfe dem Parlament vorläufig nicht vorlegen. Washington, 18. Jan. Die Panzerschiffe Clarsage und Pmsacola haben Befehl erhalten, sich zur Abfahrt nach Venezuela bereit'zu halten. Das Kanonenboot Scorpion wurde nach Guanace, wo sich Besitzungen der Asphaltgesellschaften befinden und wo schon vor einigen Tagen Unruhen aasbrachen, gesandt. — Der Gesandte der Vereinigten Staaten in Carracas hat dem Staatssekretär Hay mitgeteilt, daß bie in der Stadt kasernierten Truppen sich empört haben. Der Aufstand wurde indesien unterdrückt. Aus Stadt und Land. « fübris I* zu wuiWn Sanbt6ey •rliu auf - mH bf" färben...unL di« S» . w ft» Ibeu befand « des je wurden & Sm** is-SZ ippen na <»eriter ®. * H;SSS ft t ®'llt Gießen, den 19. Januar 1901. ** Militärisches. Hauptmann a. D. v. Stoe| fei, zuletzt Komp. Ches im Ins. Regt. Kaiser Wilhelm (2. Groß- herzogl. Hess.) Vir. 116, erhielt den Charakter als Major, hauptm. Heue.r und Oberstabsarzt 1. Kl. Dr. SPieker erhielten den Roten Adlerorden 4. Kl. Oberstleutnant Pa - vel, Kommandeur des 2. ostasiatischen Jnsantereie-Regts. zum Obersten, Unterarzt der Res. Dr. Hildebrand, zum Assistenzarzt, Unteroffizier v. Nathusius zum Fähnrich, Vizefeldwebel Koch zum Leutnant der Res. des Ins. Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 11b befördert. Dem Stabsarzt der Landwehr 1. Aufgebots Dr. Schliephake ist der Abschied bewilligt worden. Das allgemeine Ehrenzeichen erhielten Sergeant G o n t e r und Heldw. und Zahlm. Aspir. Spies im Ins. Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Vir. 11b. ** I n Steins Garten findet am Sonntag abend $ Uhr karnevalistisches Konzert statt. (Bgl. Ins.) Mainz, 18. Jan. Bei der Leiche des durch Selbstmord geendeten flüchtigen Aussichtsratsvorsitzenden des landwirtsch. Kreditvereins in Ansbach befanden sich noch 200 Mk., außerdem eine geleerte Kognakslasche. Die Angehörigen trafen gestern hier ein, um der Beerdigung ber- z-uwohnen. — Gestern gewahrten Passanten an der Ingelheimer Au unter dem Eise des Häsens eine treibende Leiche, die nicht geborgen werden tonnte. -k- Mainz, 18. Jan. Anläßlich der Preußischen Jubiläumsfeier begab sich der Provinzialdirektor Geheimrar v. Gagern heute morgen zum Gouverneur der Festung, itnt Namens der Großh. Regierung die Glückwünsche dar- iiibringen. Namens der Stadt Mainz hatten Oberbürger 'meister Dr. Gaßner und Beigeordneter Rein ach die Begrüßung übernommen. Abgesehen von der militärischen Feier, ist hier die Jubiläumsfeier ziemlich unbemerkt vor- lbergegangen. Mainz, 18. Jan. Heute passierten 18 Matrosen und onstiges Schifsspersonal der „G n e i s e n a u" unsere Stadt, um sich nach Wilhelmshaven zu begeben. Die Leute hielten hier Ruhetag, lieber den Unglückssall der „Gneisenau" viel ach befragt, erklärten sie über die Ursache des Unglückssalles nichts aussagen zu dürfen. (?) Frankfurt, f8. Jan. Ein Frankfurter Kaufmanii erhielt dieser Tage von der Güterabfertigungsstelle .des StaatSgüterbahnhofes die Aufforderung, 1 Kiste lebende Rollmöpse abzuholen. Lebende Rollmöpse — das war ein Artikel, den er bislang noch nicht geführt hatte. Vergeblich zerbrach er sich den Kops, was das wohl sein konnte; in schallendes Gelächter löste sich aber sein Erstaunen aus, als er die Kiste mit den geheimnisvollen Viechern m Empfang nahm. Die Rollmöpse hatten sich inzwischen in drei junge — Bulldoggen verwandelt, die der Adressat in einem Zwinger bestellt hatte. Wie die „lebenden Rollmöpse" in die Güterverzeichuisse geraten, ist rätselhaft. fc. Kirchhain, 18. Jan. Die von dem Geh. Rat Prof. Dr. v. Behring gegenwärtig unter dem Rindvieh vorge nommenen Jmpfversuche mit Tuberkulin beschäftigten gestern eine hier abgehaltene Landwirtschaftsversamm lung. Anläßlich eines Falles in einem Nachbardorfe, wo ein kerngesunder Bulle für krank erklärt worden sein soll, sind die Viehhalter stutzig geworden und wollen von der Jmpferei nicht mehr viel nnffen. Kreistierarzt Stamm hielt cimn Vortrag über die Angelegenheit und erklärte die Tuber kulinimpfung als wisienschafllich begründet und notwendig Der Fall mit dem „gesunden" Bullen ist übrigens längst als ein „Irrtum" aufgeklärt. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten Die Stadt Mainz beabsichtigt, vom nächsten Schuljahr an ein Lehrerinnenseminar zu errichten. Zu diesem Zwecke wird die seit einigen Jahren bestehende höhere Mädchenschule die entforeebenbe Erweiterung erfahren. Vermischtes. * Könitz, 18. Jan. Heute Mittag fand ein Anftalts aufseher Unterkleiderund Strümpfe, die man für die des ermordeten Gymnasisten Winter hielt, auf dem alten jüdischen Kirchhofe. Genaue Feststellungen ergaben jedoch, daß die Unterkleider dem Winter nicht gehören. * Fiume, 18. Jan. Unbekannte Thäter stahlen aus der Kasse des Jesuit en kl öfters Portore wichtige Dokumente und 14 000 Frks. Gold. * Konstantinopel, 18. Jan. Da weitere Pestfälle nicht eingetreten sind, wird der internationale SanitätS- rat von heute an für alles, waS von hier abgeht, einen Ge fundheitsschein erteilen» Man erwartet bestimmt, daß die Nachbarstaaten die Quarantäne aufheben werden. * Großherzog Karl Alexander und Haeckel. Großherzog Karl Mexander von Weimar widmete auch der Universität Jena, deren Kürator lange Jahrzehnte hindurch Goethe gewesen, fortgesetzt seine besondere Fürsorge und namentlich hielt er darauf, daß dort an dem Prinzip unbedingter Lehrfreiheit in keiner Weise gerüttelt werde. Bekanntlick) lehrt in Jena seit Beginn der 60er Jahre der in den greifen der Orthodoxie am meisten angefeindete Professor Ernst Haeckel, ibier Verfasser der „Natürlichen Schöpfungsgeschichte". Selbstverständlich verfehlte die Orthodoxie nicht, sich auch an den Großherzog mit den Versuchen heranhndrängen, Haeckel in der Freiheit seiner Lehren zu beeinträchtigen. Als eines Tages eine große kirchliche Leuchte bei dem Großherzog persönlich Vorstellungen wegen der Lehren erhob, die Ernst Haeckel in Jena der studierenden Jugend vortrage, horte sich Karl Alexander den frommen Eiferer mit großer Geduld eine ganze Weile an, dann aber richtete er plötzlich die Frage an den Beschwerdeführer: „Sagen Sie mal, mein Allerbester, sind Sie der Meinung, daß Haeckel das Zeug, das er lehrt, wirklich selbst glaubt?" — „Davon bin ich fest überzeugt", erwiderte jener. — „Nun", bemerkte darauf der Großherzog lächelnd, „etwas anderes thun Sie schließlich doch auch nicht." Und die Unterredung war beendet. — Karl Alexander ließ sich übrigens bis in seine letzten Lebensjahre hinein sehr gern von Haeckel die neuesten Ergebnisse seiner Forschungen darlegen und an Präparaten demonstrieren. Er äußerte dann wohl gelegentlich, daß ihn das alles zwar sehr interessiere, daß er für seine Person indes doch bei seinen' ölten Ueberzeug- ungen verharren wolle. Universitäts-Uachrichten. — An der Universität Bonn habilitierte sich der Assessor Dr. F. Stier-Somlo für Staats- und Verwalrungsrecht. — Der Professor der Geburtshilfe Dr. Bumm in Basel, der einen Ruf an die Universität Halle erhalten hat, wird demselben zum Sommersemester Folge leisten. — Der o. Professor an der Universität Erlangen Dr. Max Rees ist in den Ruhestand getreten. — Der neue Semesterkatalog der Dominikanerlehranstalt Freiburg in der Schweiz verzeichnet 32k immatrikulierte Stndierende, darunter 147 Schweizer und 179 Ausländer, von welch letzteren 83 Reichsdeutsche. Die Zahl der Professoren beträgt 57 Ihrer Nationalität nach sind von diesen 19 Schweizer, 14 Reichsdeutsche, 9 Franzosen, 8 Oesterreicher, 2 Holländer, 1 Russe, 1 Spanier, 1 Italiener und 1 Luxemburger. In deutscher Sprache werden 91, in französischer 41 und in lateinischer 21 Kallegien gelesen Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gießen, 19. Januar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.80—1.00, Hühnereier per St. 8—9 L, 2 St. 00-00 , Enteneier 2 St. 00—16 L, Gänse« eier per St. 00—00 <£, Käse 1 St. 5—8 L, Käsematte 2 St. 5—8 , Erbsen per L'ter 22 , Linsen per Liter 34 , Tauben per Paar JC 0.60-0.90, Hühner per St. M 0.90—1 30, Hahnen per Stück JH, 0.65—1.00, Enten per St. jfC 2.00—2.20, Gänse per Pfd. JC 0.54 bis 0.65, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 , Kuh« und Rindfleisch per Pfund 60—64 d> Schweinefleisch per Pfd. 60—70 d>, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 74 <3, Kalbfleisch per Pfd, 60—64 4, Hamm-lfleisch per Pfd. 50—60 L, Kartoffeln per 100 Kilo 5.00—5.50 Jtt, Weißkraut per St. 00—00 d>, Zwiebeln per Str. JC 5.50—0.00, Milch per Liter 18 «). Humoristisches. — Unter Kohleuvaronep. „Was wollen die Leute eigentlich nur mit ihrem ewigen Klagegeheul über Wohnungselend und Kohlennot?! Wenn die guten Leute keine Wohnungen haben, was brauchen sie da über baupt noch Kohlen? Und so furchtbar viel zu kochen haben sie meines Wissens doch auch nicht!" Neueste Meldungen. Darmstadt, 19. Ja« (Tel. Meldg beS „Gieß. Anz.") Der Großherzog hat ben eoangcl. Dekan im Dekanat Büdingen, Pfarrer Hermann Bern deck zu Staden, auf sei» Nachsuchen von diesem Amte entbunden und den durch bie Dekanatssynode des Dekanats Büdingen für den Rest der tm Jahre 1903 abgelaufenen Wahlperiode vollzogenen Wahl des cd. Pfarrers Eduard Gl len berget zu Ortenberg zum Stellvertreter des D kanats Büdingen bestätigt. — Heute abend findet hier eine g'vße Burenversammlung statt, m welcher der junge De Wet sprechen wird. Stuttgart, 19. Januar. Gestern Abend 8 Uhr ist der Nürnberger Schnellzug infolge falscher Freigabe deS Geleises auf bet Station Otten weilet bei Backnang in einen Güterzug hineingefahren. 6 Wagen des letzteren wurden zertrümmert. Bon den Passagieren des Schnellzuges wurden einige leicht verletzt, die bti ihrer Ankunft in Stuttgart verbunden wurden. Dem Bremset des Güterzuges wurden beide Beine abgefahren. Der Materialschaden ist bedeutend. London, 19. Jan. In politischen Kreisen meint man, daß der Zustand der Königin recht ernst sei. Es herrscht große Besorgnis. Sollen doch die Konferenzen der letzten Tage in Osborne ben Zweck gehabt haben, eine Regentschaft vorzubereiten. Loudon, 19. Jan. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen einen Brief des Herzog von Norfolk, in dem dieser erklärt, daß sämtliche Katholiken eine Wiederherstellung bet weltlichen Macht des Papstes erhofften. Paris, 19. Januar. Die französische Regierung ist entschlossen, die Auslieferung des wegen Unterschlagung verhafteten angeblichen russischen Fürsten Nakaschine an Rußland zu verweigern, weil er dort zum Tode verteilt ist und eine lebenslängliche Haft abzubüßen hat. Paris, 19. Jan. Der greife Herzog von Btoglie liegt im Sterben. Der bekannte Stautsmann wsrd ben Folgen eines Zungenkrebses erliegen. Gestern wurde eine letzte Operation auSgesührt, doch ist die Hoffnung aufgegeben. Madrid, 19. Jan. Die Behörden der nördlichen Pro> vinzen haben die Aufmerksamkeit der Regierung auf die karlistischeAgitation jenseits der Grenze auf französischem Gebiet gelenkt. Eine Anzahl KarlisteNfÜhret sollen sich dort befinden mit der Absicht, in Spanien einzufallen. Die spanische Regierung ersuchte infolgedessen die französische Regierung, diese karlistischen Aaenten von der Grenze zu entfernen. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt, den 19. Januar. 8‘/i % Reiche anleihe do 8% Tendenz: still. 97 30 87 10 97 25 86.80 93.20 95.30 41.40 24.15 25.60 81.50 Kreditaktien . . Diflkonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . . Harpener . . . . 31/« % Konsole . . . 8 °/o do ... SVa % Hessen . . . 5 % Italien. Rente . . 40/0 Grieoh. Monop.-Anl, 3 0/0 Portugiesen . . 3 0/ö Mexikaner . . . 4i/| o/q Chinesen . . . . 207 90 . 177.70 . 131.70 . 149 80 . 148.50 . 142 40 . 157.70 . 194.75 . 175 80 . 172.00 © © ® TAFELKARTEN ® ® ® BALL- UND TISCHKARTEN ö HOCHZEITSTAFELKARTEN REIZENDE NEUE MUSTER IN EINFACHER UND GLÄNZENDER 00000 AUSFÜHRUNG 00000 BRÜHL’SCHE UNIV.-BUCH- UND STEINDRUCKEREI, GIESSEN, SCHULSTRASSE 7. Kunst-Ausstellung. ausstellung im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 LThr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg. an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. Brodpreise vom 20. Januar bis 3. Februar 1901. Der hiesigen Bäcker. I Kg. (2 Pfd.) T-felbrod 28 Psg 1 Kg. l2Pfd.)Scbwarzbrod 24 Pf-. z Kg. (4 Pfd.) Takelbrod b6 , 2 Kg. (4Pfd.)Schw«rrzbrod 48 , Kg. (2 Pfd.) Weißbrod 26 , 3 Kg. (6Pfd.)Schw»r-brod 72 r 2 Kg. (4 Psd.) Weißbrod 62 , Der auswärtigen Bäcker. 1 Kilogramm (2 Mund) Weitzbrod bei: II. Fabel von Wtefeck. . 24 SB. Stetnmüller, Lang-GönS 24 d. Schmidt, Gr.-Ltnden . 24 „ 2B. Weitzel von Lang-GönS 24 , E. Post von Wteseck . . 26 r 2 Kilogramm (4 Pfund) Weißbrod bei: )oh. Kd.Veite v. Ktrch-GönS 44 SEB. Stetnmüller, Lang-GönS 48 Wilh. Fabel von Wiefrck 48 , W. Weitzel von Lang-GönS 48 „ i. Schmidt, Großen-Ltnden 48 , C. Post von Wtefeck . . 52 , L. Steinmüller, Gr - Linden 48 „ 1 Kilogramm (2 Pümd) Sckwarzbrod bei: 6. Schmidt, Großen-Ltnden 22 H W. Weitzel von Lang-Gvn» 22 4 W. Stetnmüller, Lang-Göns 22 „ 2 Kilogramm (4 Pfund) Schwarzbrot» bei: Zoh. Kd. Seite v. Ktrchgöns 40 H W. Weitzel v. Lang GSnS 44 ß. Schmidt, Gr.-Ltnden . 44 „ G. Jacoby v. Alten-Bufrck 44 „ d. Stetnmüller, Gr -Linden 44 „ Karl Post von Wtefeck . 44 , a Ktloaramm (6 Ptund) Schwarzbrot» bet: Ällh. Fabel von Wtefeck . 66 C. Post von Wtefeck . . 66 G. Jacoby v. Alten-Bufeck 66 „ Ernst Christ von Wtefeck . 69 , Der BrodverkLrrfer. Bei den hiesigen Brodvertäufern bestehen dieselben Preise em bei den hiesigen Bäckern. Gießen, den 19. Januar 1901. Großherzogliches Polizeimnt Gießerr- Hechler. heil. Man bedenke, daß bis j tz' Stück von buten. ©irr, H-rborn. 400 50 lich versteigert. 739 14 58 Irrenanstalt abgeben". 753 Kilo Fo«-ßlff. 0214 47 Rompf. 730 Lohn. Mäudburg 1. M. zufübren Gutenbergstraße 3 II. 737 statt. 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Weder ist diese Summe von den Landstär-den beroiDhgt, noch haben dieselben beschlossen, in welcher Provinz die Anstalt erbaut werden soll, gmz gleichgültig ist dies für Gießen, es verfügt über die Köpfe d r maßgebenden Persönlichkeiten hinweg über die Mk. 150000, bezeichnet den Bauplatz, ve sorgt im Geiste die neue Anstalt mit elektrischer Energie, Wasserleitung rc. als wenn es in dem ganzen Großherzogtum Hessen keinen Menschen gäbe, welcher in dieser Angelegenheit etwas zu sagen hätte, mit Ausnahme von G eßen. Was würde Gießen sagen, wenn man in den Stadt- oder Gemeinderat«sitzungen von Schotten, Nidda, Friedb rg oder Grünberg in der Weise über staatliche Mittel zu disponieren wagte, wie es hier geschehen, wahrscheinlich: „Tie Stadtväter orn S., N., F. oder G-. werden die ersten Insassen der dritten «chönrtz Zimmer«Wohnung, möglichst mit Garten, von ruhiger Familie gesucht. Offerten mit Preisangabe unter B 0208 an die Exveditwn fr. Bl. Lassen Sie doch den Embryo erst zum Kind auswachsen und wenn es dann glücklich zur Welt gekommen ist, dann ist es gleichgült g, ob dies in Gießen oder einem anderen Platze geschah; die Hauptsache ist, daß einem längstgesühlten Bedürfnis abg halfen und eine dritte Irrenanstalt in H sien erbaut wird; überall finden sich 50 H ktar Land für Mk. 150000 und die „wohlihätige Ruhe für die Ge steskcanken" außerhalb Gießen— Kleinlinden noch leich er als dort. Daß die Irre ansta'len nicht in der Nähe von Klinik n errichtet werden müssen, ist ja hinlänglich bekannt, die bestehenden beweisen dies. Hoffentlich gelingt es dm Landesv-rtcetern in der 1. und 2 Kammer, Gießen, welches seiner reichen Phantasie etwas allzugroßen Spielraum in der Jcrenanstalts-Ang legenheit ge lassen, ordnungsmäßig auf dm Boden der Wirklichkeit zurück Montagabend beiKamerad D.fcuft. Besprechung wegen Familien- Abend am 26. d. Mts. IHM nt in raten Vosen m. b. 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Georg Schubrcker. 657 Eingesandt Eine so umfangreiche Antwort, wie solche die Nr. 13 (1. Blatt) unter der Spitzmaike: „Die Errichtung einer Irrenanstalt in Gieße» und die Nc. 14 (2. Blatt) unter ** Laudesirreuaustalt bringen, habe ich auf mein ^Eingesandt" in Nc. 11 (2. Blatt) nicht erwartet. Beide Auslassungen bestätigen meine Vermutung, daß man in Gießen wieder einmal für selbstverständlich grHilten hat, daß Obtrh ssen nur aus der Provinzial-Hauptstadt und einigen größeren und k eineren Dörfern besteht. Obgleich man außerhalb Gießens bereits daran gewöhnt ist, daß dass lbe bei allen Anstalten, welche von dem Staat, der Provinz und dem Kreis erbaut werden und aus deren Betrieb Kapital zu schlagen ist, für sich in Anspruch N mrnt, leistet sich Gießen in der Jcrenhausangelegenheit doch ein starke Danksagung. Für die vielen Beweise herz'icher Teilnahme bei dem uns so schwer betrl ffemn Verluste unseres innigst geliebten K ndes, für die trostreichen Worte des H rrn Pfarrer Weber und Herrn Lehcer Trinkaus, sow e für die überaus zahlreichen Blumenspenden sagen wir unseren wärmsten Dank. Familie Schäfer. Familie Otter. Lindorf, Gießen, den 19. Januar 1901. 75? Mer 15. März 2 3immer, ge- H eignet zu Werkstatt für ruhiges Geschäft, wenn rnögl. im Hofe, zu mieten oef. Off u. L 8 0204 an Exv Fkchtvklblliiii Gikßkn-Fiihl. _Zu dem große« Maskeuball am 20. Jauuar im CasS Leib habe« die Mitglieder des Fecht- verbaudes Oieheu-Lahr freien Zutritt. Wohnung, (Mansarde nicht ausgeschloffen), für jetzt ev. später zu mieten gesucht. Offerten mit Preisangabe unter H. EL 0205 an d>e Exvedition d Bl. Versammlung _ betreffend r 8-Nhr-Ladenschlutz _ . biner Besprechung und Stellungnahme gegen den 8-Uhr- Laoenschmh m den Sommermonaten werden alle diejenigen Geschäftsleute, welche kein fremdes Personal beschäftigeu, auf Montag den 21. Januar, abends 8‘/2 Khr, in das obere Lokal des Herrn Restaurateur Feidel (Bavaria) eingeladen. 747 Das Comit4 gegen den 8 Uhr-Ladeuschluh. «S<< ’m*« etfttur |n Ls« Bi? sy $iuibt8[t««le5, tu dm Don öünbelgel» I «her in Seffen bet re 6])arW\M(6 Nt lfntwur! eine Lucke ai einem solchen geWunc aeietzes zum B. G. P. übet diese Materie b< Mr die WW aierung bereits zwei den Vorarbeiten zun Sparkassen solche, „t nismus angegli licher Aufsicht s titel 125 des hessisch« vor: „Eine öfsentlick ihren Sitz hat, ist zu: wenn sie staatlich ge ein anderer ftommuiv bindlichkeiten haftet/ gegeben, an die der1 Dreierlei Forme, möglich. $unäd)ft U fein, derartige anstallen sind, sind sch Städten. Die Feststell steht der Gemeinde zu ständige rechtliche Per Vermögen, sondern m ste gehört, und zur § ist das Sparkassevern Gemeinde getrennt z es dürfen aus demsell vlgung der &läi Wen, als fiezur L ßUubiget nidjt e v"Wt des Greife- H genau dieselben i wfl an die Stelle der <_n y sännen nuh ^^eznlssparto Wollen Buchen-Reisig, „ Eichen Reisig, „ Nadel Reisig, rm Buchen-Stockholz, „ E'chen Stockholz, „ Nadel-Stockholz, Philosophenwald. Montagabend: 746 Metzelsuppe. (Plaudere dllevauus 70. 8 te r " 6kdei lft feine alte f Wien de Wenn ih™ eiibtrM e/» *e in b Ä * . ®?6urtstao u ’e *»»Wufer"9 ”n beti fort «’m &.Orn*' Ä MintK'1- Sei "Och I J° hnaen!!' Ruinen SW Nur noch bis zum 1. Februar er. dauert unser ä I jPzu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. Ausverkauf Meyerhoff & Goslar, Kirchenplatz 9. 749 Kirchenplatz 9. 02161 2. Stock » siirnmer zu verm. auf 1. April. Grünbergerstr. 43. 0209] Kleines Familienlogis zu vermieten Wetzsteingaffe 10. 750] Der 3. 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Dohversteigerung im Mikstlkcr 6rmciubtninlh. ftteitaa den 25. Januar 1901, vormittags 10 Uhr beginnend, sollen im Wiesecker Gemeindewatd, Distr. Badenbucgerwälbchen, versteigert werden: