Donnerstag 19. Dezember 1901 Nr. 298 Zweites Blatt 151. Jahrgang Reichsländisches. Aus dem amtlichen Verzeichnis des Personals und der (Studenten der Universität Straßburg wird jetzt der Nachweis geführt, daß in der That kein Alumnus des dßriesterseminars an der Universität als Student oder Hörer büngetragen ist, also auch die Vorlesungen des Prof. Spahn nicht besuchen kann. Im El-aß wird übrigens eine neue Maßregel der Re- Ausland. Paris, 17. Dez. Das Blatt „Rappel" meldet aus London, gerüchtweise verlaute, daß ein Mann auf de n Kaiser von Japan einen Schuß abfeuerte, als dieser sich, nach dem Parlament begab, um dasselbe zu eröffnen. Der/ Deutsches Reich. Berlnn, 17., Dez. Prin-z Heinrich von Preußen ist heute vormittag im Neuen Palais eingetrvffen. Ter Kaiser nahm heute vormittag im Neuen Palais die Erscheint tLgNch mü Ausnahme des Montags. Die Giehener Familien« blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit lern .Hess. Landwirt* fttti öotlälij, n eise billig». *| ne Höpii 'Ngechch 11 nappe^ > n 7,3,t , lammfromm, gen. lotogr. Apparats örsier, Cklterswrpl ne varzcr Kutvia rfautt istau tn| ., Diezstraße 7, U iqerflonarierwcsdi 'ber, rchiiiMslraßt. verkante«. "W i0ige Laöcaemrich üeiiö aui mcbrerti IMe mit Schud rw Topprv^ü len, 3 Stetypuü Uor-TreMhü jetten unb KleiM ' wähl, besondere md eine große her, 1 neues ffleiw >ha und 2 stßel t» Nothcubergtr 8»< > WeuenrotgJ&J^ Meyer’s tlons-lexlkon, 5. M .'sche lluivers.'VB äantoge^-Jl Ulkails xSS Ä!" u;h4 man M-, I i. " i Schuß ging jedoch fehl und eS gelang dem Attentäter, bei der entstandenen allgemeinen Verwirrung zu entkommen. — Der frühere Botschafter in Berlin, Herbette ist beute abend plötzlich gestorben. — Deputiertenkammer. Bei der Beratung des Kultusbudgets erklärteMinisterpräsidentWaldeck-Rouffeau, solange nicht Staat und Kirche getrennt seien, könne das Kultusbudget nicht abgeschafft werden, denn man entbehre im letzteren Falle die Garantien, die diese Trennung begleiten würden; bei dem Konkordat stehe der Staat sich besser als bei der Unabhängigkeit der Kirche. Für die Trennung der Kirche und des Staates sei nie eine Mehrheit vorhanden gewesen. Die Kammer könne nicht das gegenwärtige Verhältnis schlechthin durch ein neues ersetzen, denn es wäre gefährlich, ein so großes Werk ohne Schaffung der nötigen Garantien durchzuführen. Das Kultusbudget müsse daher wieder in den Etat ausgenommen werden. (Beifall auf vielen Bänken. Lebhafte Bewegung.) Der Berichterstatter für das Budget, Merlou, besteht auf die Aufhebung des Budgets des Kultus und verlangt von der Regierung, daß sie Verhandlungen einleite zur Kündigung des Konkordats. Sembat betont, es sei wohl möglich, sofort die Trennung von Kirche und Staat durchzuführen. Endlich beschließt die Kammer, in die Beratung der einzelnen Artikel des Kultusbudgets ein- zutreten. Rom, 17. Dez. Kammer. Der Präsident stellt den von Paulano und Genossen eingebrachten Antrag zur Abstimmung, wonach dieCensur überFerri aufgehoben und dieser zur Erläuterung seiner Worte zugelassen werden solle. Der Antrag Paulano wird durch Sitzenbleiben und Aufstehen abgelehnt. In diesem Augenblick schlägtFerri, der hinter einer Glasthür steht, die Scheiben ein und schreit: Die parlamentarische Camorra dauert fort! (Heiterkeit, minutenlange Unruhe.) Der Antrag Luzzatti, betr. Besserung der Zustände in Neapel und Süditalien wird alsdann angenommen. — Ein neuer Sturm erhob sich, als General Afan Rivera den Antrag begründete auf Einsetzung eines Komitees von fünf Abgeordneten zur Prüfung der Anklagen gegen chn. Die Sitzung wird darauf suspendiert. Defelice forderte Afan Rivera auf, vor den bürgerlichen Gerichten die verleumderischen Blätter zu verklagen, was der General ab lehnt, da die Sozialisten in chm nur. das Heer treffen wollten. Darauf wurde der Antrag angenommen. Wien, 17. Dez. Abgeordnetenhaus. Der Pole Olczewski interpelliert den Ministerpräsidenten wegen des Verbots der Lemberger Statthalterei an die Staatsbeamten, an den Versammlungen und Sammlungen für Wreschen sich zu beteiligen. Der Alldeutsche Bareuther begründet einen Antrag auf Eröffnung der Debatte über die Antwort v. Körbers auf die Anfrage wegen der Vorbereitung des Staatsstreichs. Der Antrag wird abgelehnt. Die Alldeutschen wendeten sich mit entrüstetem Zwischenruf gegen die Linke. (Lärm.) Abg. Berger ruft: Ihr seid feiges Gestndel. Triest, 17. Dez. Die Uebertritts-Bewegung bei der slawischen Bevölkerug nimmt größere Dimensionen an. Nachdem bereits die gesamte Bevölkerung mehrerer größerer Landgemeinden vom römisch-katholischen zum griechisch-katholischen Glauben übergetreten ist, sind nunmehr auch in der hiesigen Vorstadt Rojano 800 Personen diesem Beispiele gefolgt. Budapest, 17. Dez. Der Landesverband der Landwirt- schastsvereine beschloß, die Regierung aufzufordern, die landwirtschaftlichen Maximalzölle des gemeinsamen Zolltarifs wenigstens so hoch, als diejenigen des deutschen Zolltarifs zu bemessen. Konstantinopel, 17. Dez. Drei bulgarische Grenzsoldaten, die im Nebel einige Schritte über die türki- sche Grenze gerieten, wurden am 11. ds. im Bezirk Paschmakla bei Tschiltepe im Vilajet Adrianopel von 10 türkischen Soldaten unter dem Leutnant Mustafa und von mehreren Civil-Personen überfallen und beschossen. Die türkischen Soldaten waren vorn 15. Bataillon in Kirdialj. Zwei bulgarischen Soldaten gelang es zu entfliehen, der dritte aber wurde 4 Kilometer weit ins Innere bis nach dem Dorfe Dolahar geschleppt, wo Leutnant Mustafa ihn enthaupten und seine Leiche vollständig berauben und entkleiden ließ. Der abgeschlagene Kops wurde dem türkischen Kaimakam von Paschmakla gesandt. Bulgarien verlangt zunächst die Auslieferung der Leiche, des Kopfes, der geraubten Kleider und Waffen, kündigt aber gleichzeitig an, daß es sich darüber hinaus Genugthuung verschaffen werde. Vom Burenkriege. Der englische Oberst Price stieß, wie die Engländer aus Kapstadt melden, am 14. d .Mts. bei Twaaihontein auf die Schützen Odendals und Wessels. „Der Feind", der 60 Mann stark war und 85 Pferde hatte, befand sich in einer festen Stellung unterhalb der Patriotsklip-Berge und hielt auch die Höhen besetzt. Eine Abteilung Ko^- nialtruppen erstürmte das Lager, wobei ein Offizien und zwei Mann.verwundet wurden. Die Buren flohen in die Berge, sie ließen 79 Pferde und Maultiere,, ihre Munition, Sättel und andere Ausrüstungsgegenstände zurück. Oberst Price hat die Verfolgung ausgenommen. Lord Kitchener meldet ferner mit alter Schönrederei aus Pretoria: Während der verflossenen Woche wurden 31 Buren getötet, 7 verwundet, 372 gefangen, 48 ergaben sich. Nach eingehender Beschreibung der Einzelheiten der verschiedenen im Gange befindlichen Operationen schließt Kitchener seinen Bericht: Es bestätigt sich, daß Maritz ernstlich verwundet. Die Fortschritte des letzten Teils der Woche seien sehr befriedigend. Die einzelnen Truppenabteilungen arbeiteten sehr eifrig. Alle Truppen sind von einem vorzüglichen Geiste beseelt und leisteten das Aeußerfte, um den hartnäckigenWider st anddes Feindes zu brechen. — General French berichtet: Kommandant Kruitzinge r ist bei dem Versuche, die Blockhäuserlinie in der Nähe von Hanoverrvad zu überschreiten, schwer verwundet und gefangen genommen worden. Dieser Tage kam erst die Meldung von der Gefangennahme Bothas und heute die Kruitzingers. Wie die erstere, wird wohl auch diese Meldung eine Bestätigung nicht finden. Es ist so oft in die Welt hinausposaunt worden, daß Dewet gefangen, Stein tot sei usw., daß man auch dieser neuesten Meldung vorläufig keinen Glauben zu schenken nötig hat. Tie belgische Kammer setzte am 17 .d. M. die De- oatte der Interpellation Vandervelde über die Konzentrationslager fort Ter Minister Beornaert, der cu5 Vertreter Belgiens der Haager Friedenskonferenz beiwohnte, hielt eine längere Rede, worin er die Tragweite der Haager Beschlüsse darlegte. Er bedauerte, daß nicht auch diejenigen Mächte, welche dieselben nicht unterzeichnet haben, Zuflucht zu dem Schiedsgerichte nehmen könnten. Redner bedauert weiter, daß seit der Haager Konferenz Kriege auf Kuba, aus ,en Philippinen, in China und in Südafrika stattgefunden haben. Leider, sagte er, werde die Gew alt immer vor Recht gehen, und was könne das kleine Belgien dagegen thun! Ter Redner schließt, indem er die Hoffnung ausdrückt, daß die Haager Beschlüsse bald von der That in die Praxis übergehen mögen. Belgien könne in dieser Beziehung eine Rolle spielen. Er beabsichtige bei Beratung des Budgets des Aeußern diesbezügliche Vorschläge zu machen. Die Rede wurde von der gesamten Kammer mit Beifall aufgenomen. Staatsminister Woeste schlägt folgende Tagesordnung vor: „Im Bewußtsein der Pflichten, welche die Neutralität ihr auf erlegt, und in der U -eb erzeugung, daß die Krieg- ührenden sich, die Pflichten der Menschlichkeit angelegen sein laifcn (??), geht die Kammer zur Tagesordnung über." Diese Tagesordnung wird von den Sozialisten bekämpft. Der Minister des Auswärtigen de Favereau lehnt auch diese ab, da sie das englische Violk verletze. Ter Minister schließt sich der einfachen Tagesordnung an, die von der Kammer mit sehr knapper Majorität angenommen wird. Die Mitglieder des Rates von Bern haben, bis auf einige wenige Ausnahmen, ihre parlamentarischen D i ä t e n in die Kasse zurUnterftützungderBuren- familien fließen lassen. Aus Stadt und Sand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik desindtichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 18. Dezember 1901. Gedenket der hungernden Vögel! " Ernennungen. Zu Regierungsassessoren wurden ernannt die Jinanzaccessisten Karl Hanack aus Kirch-Göns, Wilhelm Ploch aus Gießen, Anton Ueberl.e aus Mainz und Julius Wörner aus Bad-Nauheim. S. Ernennungen. (Telephon-Meld, des „Gieß. Anz.") Der Gvoßherzog hat dem Pfarrverwalter Rud. Marx zu Lißberg (Dek. Büdingen) die evang. Pfarrstelle daselbst übertragen und den vom Grafen zu Schlitz gen. v. Goertz, auf die erste evang. Pfarrstelle zu Schlitz (Dek. Lauterbach) präsentierten zweiten Pfarrer Fritz Schmidt für diese Stelle bestätigt. ** Eissport Wie man uns mitteilt, wird morgen vormittag 10 Uhr die Eisbahn eröffnet. Heute abend einhalb 6 Uhr wird die Bahn probeweise elektrisch beleuchtet werden. ** Aus dem Theaterbureau. Am Donnerstag beginnen „die Tegernsees ihr auf fünf Vorstellungen berechnetes Gastspiel mit dem oberbayrischen Volksstück „die schöne Millibäuerin vonTegernsee". Tie Tegernseer benutzen für ihre Aufführungen eigene Originaltrachten und Requisiten. In jeder Vorstellung treten Nationalfänger und Schuhplattlertänzer auf; ferner werden die Zwischenpausen durch Zither- und Streich-Melodien- Vorträge des vorzüglichen Tegernseer Virtuosen-Quintetts ausgefüllt Der Vorverkauf der Billets findet in der Musikalienhandlung des Herrn Ern st Challier statt *• Sonder-Personenzüge. Zur Bewältigung"des Weihnachtsverkehrs verkehren auch in diesem Jahre Sonderzüge auf den Eisenbahnstrecken. Einer von der Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. herausgegebenen Zusammenstellung entnehmen wir folgendes: I. Strecke Cöln-Gießen. Am 21., 22. und 24. Dezember ab Cöln 9.50 vorm., Betzdorf an 12.20, Wetzlar an 2.15 nachm., Gießen an 2.30. Am 21., 22., 24. und 27. Dezember ab Kalk (Süd) 12.23 mittags, Betzdorf an 2.37, Wetzlar an 4.30 nachm., Gießen an 4.47. Am 21., 22. und 24. Dezember ab Cöln (Hauptbhf.) 2.57 nachm., Betzdorf an 5.22, Wetzlar an 7.26, Gießen an 7.40. Am 21. Dezember ab Köln (Hauptbhf.) nachm. 7.25, Betzdorf an 9.54 (sämtlich 1—4. Klasse). II. Gießen-Cöln. Am 27. Dezember ab Dillenburg 7.47 vorm., Betzdorf an 9.04, Cöln an 11.14. Am 21. Dezember ab Betzdorf 12.32, Cöln an 2.58 nachm. Am 22., 24., 27. Dezember und 2. Januar ab Dillenburg 11.08 vorm., Betzdorf ab 12.32, Cöln an 2.58 nachm. Am 21. und 27. Dezember ab Betzdorf 2.52, an Cöln 5.12 nachm. Am 2. Januar ab Dillenburg 1.35, Betzdorf an 2.52, Cöln an 5.12 nachm. Am 21., 22., 24. und 27. Dezember ab Gießen 5.35 nachnu, Betzdorf an 8.25, Cöln an 10.37 nachm. (sämtlich 1.—4. Klasse). III. Frankfurt a. M. — Gießen — Marburg — Kassel. Am 21., 22., 23., 24. und 27. Dezember ab Frankfurt 2.40 nachmittags, an Gießen 4.17, an Marburg 5.44, Kassel an 8.44 abends. Am 21. und 24. Dezember ab Frankfurt 5.30 nachmittags, Gießen an 7.38, Marburg an 8.35, Kassel an 11.16 (1.—4. Klaffe). Auf der gleichen Linie verkehren in umgekehrter Richtung folgende Züge: Am 21., 22. und 24. Dezember ab Kassel 8.07 vormittags, Marburg an 10.52, Gießen an 11.41, Frankfurt an 2.03 nachmittags (1.—4. ' Klasse). Am 21. und 27. Dezember ab Frohnhausen 2.48 nachmittags, Gießen an 3.11, Frankfurt an 8.40 (2.-4. Klasse). IV. Gießen — Fulda. Ab Gießen am 21. und 24. Dezember 5.00, an Alsfeld 6.43 nachmittags; Fulda—Gießen am 27. Dezember ab Fulda 2.12, ab Alsfeld 3.09, an Gießen 4.31 nachmittags. V. Gießen — Cöln. Am 21., 22. und 24. Dezember ab Gießen 3.15 nachmittags, Betzdorf an 5.36, Cöln an 7.56 nachmittags. (o) Von der Rabenau, 17. Dez. Man hört gegenwärtig die Landwirte oft über die Unzuverlässigkeit ihrer Arbeiter klagen. Daß die Klagen nicht ungerechtfertigt sind, beweist folgender Vorfall: Am 4. ds. hatten die Knechte eines hiesigen Pachters einen kritischen Tag erster Ordnung. Sie wurden bei der gelinden Witterung mit Ackerfahren beschäftigt und machten Eingespanne. Während der Frühstückszeit ließen sie die Pferde und Ochsen auf dem Felde stehen und gingen in den mindestens 1000 Meter entfernten Gemeindewald zu den Holzhauern. Run wurden von diesen 4 Liter Branntwein geholt (obgleich diesen das Trinken in Gemeinschaft verboten ist), den sie gemeinschaftlich mit den Knechten tranken. Als sich die letzteren genüaenb gelabt hatten und die Stunde kam, wo ausgespannt werden sollte, machten sie sich auf den Weg zu ihren Gespannen. Die Knechte S. und Th. kamen zu Fall, der Knecht K. aber nahm den Th. mit und warf ihn auf den Wagen, S. ließ er liegen. Dann spannte er die vier Pferde an und kettete die Ochsen mit einer Spannkette an den Hinterwagen. So ging es im Trab nach Hause. Die Ochsen, die keine Freunde vom Lausen sind, wurden gewaltsam mitgerissen. Am Dorfe angelangt, begnügte sich der Leiter des Fuhrwerks nicht einmal mit Trab, fahren, jetzt ging es in den Galopp über, sodaß alle Bewohner des Oberdorfes zufammenliefen. Man muß sich wundern, daß kein größeres Unglück vörgekommen ist, als daß der eine Ochse dem Erkehlen nahe ipar. Die Holzhauer fanden, als sie abends nach Hause gingen, den anderen Knecht auf dem Felde liegen und nahmen chn mit. Bevor sie ihn aber heimbrachten, ließen sie ihm in dem am Wege gelegenen Sauplatzteich eine Erfrischung zu Teil werden. -n. Aus dem Vogelsberg, 16. Dez. Wie wir hören, haben die Bewohner des hohen Vogelsberges an den Groß. Herzog während seines Aufenthaltes m Birst ein eine S)epu. tation geschickt, um ihm die Bitten der Anwohner bezüglich der Bahnfrage, die die Gemüter immer mehr aufregt, noch einmal vorzutragen. Ueber den Erfolg der Unterrebuug ist bis jetzt nichts bekannt geworden. Es mag über die Sache noch so viel „für” oder „wider" geschrieben werden, so viel jedenfalls steht fest, daß im Vogelsberg große Erbitterung über den Kammerbeschluß bezügl. des Bahnbaues herrscht. Daß gerade die Abgeordneten des Vogelsberges für die Bahn über den hohen Vogelsberg gestimmt haben, ändert nichts an der Sache. Wir im Vogelsberg, haben Beweise dafür, daß auch Abgeordnete recht unpraktisch sein können. Dafür, daß Ingenieure nicht immer das Richtige treffen, haben wir auch im Vogelsberge Beweise. Denken wir nur an die Straßen Gedern—Ober-Seemen und Herchenhain—Sichenhausen, für die auch die höchsten Stellen ausgesucht wurden und die heute von Fuhrwerken nur unter Lebensgefahr benutzt werden können. A. Darmstadt, 17. Dez. Der Großherzog, der heute Abend wieder wohlbehalten von der Jagd des Fürsten Birstein zurückgekehrt ist, wird kommenden Samstag Abend 8 Uhr 5 Min. nach Kiel abreifen, um die Weihnachtsfeiertage in der Familie des Prinzen Heinrich mit seiner anderen aus Ruß. land daselbst eingetroffenen Schwester und deren Gemahl Großfürst Sergius zu verbringen. Die Rückreise erfolgt voc Neujahr. Die russischen Fürstlichkeiten werden den Großherzog hierher begleiten, um einige Wochen am hiesigen Hofe zu verweilen. Da der Umbau des „neuen Palais" bis dahin fertiggestellt und die Einrichtung der Wohnräume vollendet ist, wird der Großherzog von da ab wieder im neuen Palais residieren. Hanau, 16. Dez- In einer hiesigen Wirtschaft kam es in der Nacht auf Sonntag zwischen dem in Bergen bei Frankfurt ansässigen Major a. D- Wa gner und einigen anderen Gästen zu tz a n d g r e i f l i ch k e i t e n, wobei Major Wagner so unglücklich in ein Fenster fiel, daß er durch die Glassplitter im Gesicht und am Kops schwere Verletzungen erlitt. W- mußte in ein hiesiges Krauten haus gebracht werden. — Hier macht seit einiger Zeit ein Mensch in den Straßen der Stadt Angriffe aus Frauen und, Mädchen. Es ist das Gerücht, er habe eine zur Kirchss gehende Dame in den Arm gestochen. Vermischtes. • Kiel, 17. Dez. Der Messerstecher wurde in der Person eines aus Oesterreich stammenden, von der Universität wegen Diebstahl verwiesenen Studenten der Medizin festgestellt. * Hamburg, 17. Dez. Noch nicht dagewesen dürfte der Fall fein, daß ein deutscher Referendar und Doktor juris unter dem Verdachte, ein Zuhälter xu sein, in Haft genommen wird. Ein hiesiger Referendar, der eben im Assessorexamen steht und schon die schriftliche Arbeit abgeliefert hat, ist auf Anordnung des Untersuchungsrichters! unter dem Verdachte, sich gegen die Lex Heinze vergangen zu haben, verhaftet worden. Er habe, so heißt es, ein Mädchen zur gewerbsmäßigen Unzucht verleitet und den Ertrag mit ihr geteilt. • Freiberg i. S., 17. Dez. Heute Mittag flog die Gelatinebude der Dresdener Dynamitfabrik bei Freiberg in die Luft. Zwei Arbeiter wurden getötet, einerschwer, mehrere andere leicht verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Ursache der Explosion ist noch nicht festgestellt. • 5. Zionisten-Kongreß. Man schreibt uns aus Basel: Das Programm der seit einigen Jahren in den verschiedenen Ländern aller Weltteile existierenden zionistischen Bewegung geht dahin, daß die Schaffung einer öffentlichen, rechtlich gesicherten Heimstätte für die Juden im Lande ihrer Väter anzustreben sei. Auch heuer wird in Basel ein Zionisten- Kongreß stattsinden. Die Verhandlungen beginnen am 26. Dezember und sollen 4 Tage währen. Universitäts-Nachrichten. Berlin, 16. Dez. Für den Neubau der Berliner Universität ist jetzt endgiltig das Baugelände gewählt. Auf Anregung des jetzigen Prorektors Prof. Adolf H a r n a ck und mit Zustimmung des Kaisers hat sich die Unterrichtsoerwaltung für das Gelände entschieden, das sich nördlich von: Universitätsgrundstück jenseits der Dorotheenstraße besindet. Als Mittelpunkt der neuen Anlage wird das schon jetzt der Hochschlnle gehörige Haus Dorotheenstraße o dienen, worin zurzeit das Institut für Altertumskunde, das botanische Universüätsinslitut, das englische, germanische und historische Seminar untergebracht sind. Hinzugenonnnen werden ferner die Nachbarhäuser Torotheenstraße 4 (dein Militär- siskus gehörig) und das neugebaute Eckhaus Dorotheenstraße 6 (an der Unioersitätsstraße), ferner die auf der Rückseite gelegenen Grundstücke in der Georgenstraße und die Häuser an der Ogseite der Universitätsstraße bis einschließlich 3 a. Es ist also das ganze umfangreiche Geviert, das von der Dorotheenstraße, dem Hegelplatz, der Georgen- und Universitätsstraße begrenzt wird, für den Neubau der Universität ins Auge gefaßt. Ferner ist noch eine Erweiterung des Universitätsgebäudes geplant. Zum Mindesten soll der an die Universitätsstraße grenzende Westflügel ausgebaut und die ganze Universitätsstraße entlang bis zur Toroiheenstraße geführt werden. Damit käme die alte Universität mit der neuen in saft unmittelbaren Zusammenhang. Der jetzige botanische Unwersitätsgarten würde verschwinden, da der neue große botanische Garten In Dahlen hinreichenden Ersatz bietet Auch die beiden Baracken im Kastanienwäldchen, von denen eure von der akademischen Lesehalle benutzt wird, die andere erst neuerdings für Vorlesungszwecke erbaut wordm ist, werden mit der Neugestaltung der Verhältnisse zum Abbruch kommen. Verhandlungen mit den Eigentümern der anzutaufenden ■wbU* r>. I 0*i^ In I » *»»su U"">'al mit ' L2,1 Rs P'9e -N I wir U k^4 !'tCUl eine Ler V*t bezü pEhr Qujregt, J- I Netrebim». Q9 über bje2 F werben- in iHe Erbitte PQbnbaues he§ Pir biejg ren- ändert nifc ben beweise F können. ^Üen, haben I n,lc nur fln t' -rchenhain-Lj^, ^gesucht wich r Lebensgefahr Herzog, der hm des Fürsten Bich stag Abend 8 |tz lchlsseiertage in anderen aus fty lnd deren @tm: Rückreise erfolgt den den Grogheq iesigen Hofe zu v. Jalaifi* bis bat; ohnraume vollem er im neuen Palet |en Wirtschaft fcc i dem in Leigen gner und einigen ten, wobei Major fiel, daß er buch V schwere L'effeß- itranlenljauä ge» r Seit ein MM u[ flauen ixn i ML M echer wurde in k i, von der Uniw enten der Mch ht dagewesen dach endarundDK älter zu sein.- irenbar, ber ebeni: Piche Arbeit ntersuchungsrM r Heinze bergauf e, so heißt es, ec ; verleitet und» ite Mittag flog - abrik bei Freilc itötet, einerM Teilschaden 0 roch nicht HW* Hl “”S gen Ah--" « * ierenben ji«* , einet »* »en im , Basel einZMp igen beginnen fr l M jelSnb-^Är. !i£Ä ,'chiule LehZE SkriS* engll|®.L|ion|^ Meile S öäuser a>> grt SM I imnbffütfe sind schon eingeleitet oder beendet, so daß bereits rchlußfcheine abgegeben werden konnten. Petersburg, 17. Tez. Ter .Regierungsbote' teilt mit: $n \ji letzten Tagen ließen sich an der Charta wer Universität rüderholt Studenten Ruhestörungen au schulden kommen, nblge deren 52 Studenten von dem Profeiforen-Kollegiuin von Pti Universität ausgeschlossen wurden. Tas Professoren-Kollegium ^suchte den Unlerrichlsnrinisler um Verhaltnngsmaßregeln, um die Ordnung sicher zu stellen. Ter Minister empfiehlt zur Regelung I Ganges des Unterrichts: 1. Tie Vorlesungen in den Labora- 3 Ti en der Kliniken sind nicht abzubrechen; 2. die Universitäts- Börden haben sogleich zur Ausklärung der Schuld der Studenten r ihritte zu unternehmen, damit die Schuldigen Verweisungen oder ! keftrasungen bis Ausschluß von der Umveriität auf eine gewisse ![ *Jcat erhalten; 3. die Professoren sollen diejenigen Studenten, die "cb an den Ruhestörungen beteiligt haben, um ihre Mitwirkung ersuchen und den im letzten Semefter stehenden Studenten bekannt geben, daß diejenigen, welche den regelmäßigen Gang des Unterrichts hindern, nicht zum Staatsexamen zugelassen werden. Kunst und Wissenschaft. — Frankfurter Oper. Die Spekulation Burgstaller ist verunglückt und die Frankfurter Oper kostet der Luxus eines .Wagnerjängers" Alk. 25 000, zuzüglich der diversen Tausende, die fiic die Heranziehung fremder Tenöre zur Bewältigung des uiuim- cäirglich nötigen Repertoires verausgabt werden mußten. Die ipantiurter Oper ist finanziell so gestellt, daß sie sich sehr wohl timen tüchtigen Wagnersänger leisten könnte, vor allem muß dieser Wiagnerspezialist aber Lohengrin, Tannhäuser und Tristan, sowie 9i enzi singen tonnen. — das kann aber der in Bayreuth durchaus einseitig gebildete Burgstaller nicht. Außerdem müßte dieser Ldagncrfänger auch Repertoiresänger sein und das wird Herr Burgstaller leider Gottes nie. Was speziell den Taiinhäuser anbe- ir sft, so sollte ihn Burgstaller vor geraumer Zeit schon in Tärmste dt fingen, doch wurde die Vorstellung in letzter Minute abgesagt, der letzten Zeit sanden hier zahlreiche Proben statt, aber es ging nicht; die Intendanz ist auch nicht gesonnen, das Experiment ni cymals zu wagen, weil sie zu gewissenhaft ist, das Renoimnö des Künstlers zu gefährden und well sie keine Lust hat, für das Fiasko Hinhalten zu müssen. Herr Burgstaller hat den Sigmund unb cuegfrieb schon prachtvoll gesungen, aber sein Ritter Stoltzing läßt sä on nach, und es ist ein recht peinliches Gefühl, an ben langen Äagner-Abenden ben Kampf des Künstlers gegen das Nachlaßen dar stimmlichen und physischen Kräfte beobachten au müssen. Burgstaller bedarf absoluter Ruhe und Schonung, jein künstlerisches R'iturell ist nicht süc den theatralischen Tagesbetrieb geschaffen, des- i)t Ib war auch der fatale Ausgang des Frankfurter Engagements mnauszusehen. In Bayreuch wird Burgstaller der tonschöne ideale Suegineb bleiben; hoffentlich zwingt ihn die grausame Rot nicht in bau harten Dienst der Tagesarbech denn dieser ist er nicht g! wachsen. ftöln, 16. Dez. Der Goetheforscher Prof. D ü n tz e r ist heute srlh gestorben. Auf der unter dem Protektorate des Königs von Sachsen im Jahre 1903 in Dresden stattfindenden Deutschen Städte-Ausstellung wird sich auch eine Ausstellungsgruppe für Statistik und Litter atur befinden. Im statistischen Teile werden neben der Organi- ftckion der amtlichen Statistik auch statistische Thatsachen aus den letzten 25 bis 30 Jahren zur Ausstellung gelangen. Da in einer Ausstellung auf eine die Vergleichung ermöglichende Darstellungsweise der statistischen Ergebnisse dns größte Gewicht gelegt werden muß, dies aber nur bei einheitlichem Vorgehen der beteiligten Städte erreicht werfen kann, so ist in Aussicht genommen worden, das gesamte in Betracht kommende statistische Thatsachenmaterial tu eine Anzahl von Gruppen zu verteilen, und die Bearbeitung jeder einzelnen derselben einem der statistischen Fachmänner, die sich hierzu bereit erklärt haben, zu übertragen. In der statistischen Gruppe sollen nach den gegenwärtigen Planungen der Stand und die Bewegung der Bevölkerung einschließlich der Todesursachen, die Berufs- umb Gewerbeverhältnisse, die Wohlstands- und Gmndbesrtz- rserhältnisse, die Wohnungsverhältnisse, die Schülerstatistik, biie Jndividualarmenstatistik, die Krankenversicherung, die Wahlen, die klimatischen Verhältnisse, die Lebensmittel- ir nb Warenpreise unb bas Stabtgebiet zur Veranschaulich- irng gelangen, unb außerbem sind statistische Leistungen ber Stabte, bie über ben Rahmen ber geplanten, ver- glleichenben Darstellung hinausgehen, in hohem Grade erwünscht. In der Gruppe für Sitteratur soll bie gedruckte Lütteratur über Gemeindeversassung und -Verwaltung seit d em Beginn des neunzehnten Jahrhunderts gezeigt werden, wobei jedoch beabsichtigt ist, von rein rechnerischen Ver- c ffentlichungen (Haushaltpläne, Rechenschaftsberichte und Lermögensverzeichnisse) sowie von den Sitzungsvrotokollen ber städtischen Körperschaften in ber Regel nur die ältesten mnb neuesten Jahrgänge auszunehmen. An der Spitze des Ausschusses für die Gruppe Statistik und Litteratur steht Dr. Würzburger, Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Dresden. Gerichtssaal. -z- Gieße«, 17. Dea. Schöffengericht. Unter dem Vorsitz Anitsgerichtsrats Gebhardt verhandelte bas hiesige Schöffengericht heule u. a. gegen ein Dienstmädchen aus Wetzlar, zuletzt hier rot Stellung. Sie entwendete hier chrer Dienstherrschaft Geld und «Äenußmittcl, wofür sie in ihrem Liebsten, einem Vaterlandsvertei- iriger, einen bereitwilligen und dankbaren Abnehmer fand. Die 5?lngeHagte erhielt eine Gefängnißstrase von 3 Wochen, bezw. eine Haslstrase von 1 Woche, welch letztere durch die erlittene Untersuchungshaft als veibüßt gilt. — Wegen des gleichen Telllts wird rin Arbeiter aus Lang-Göns in eine Gefängnisstrafe von 5 Tagen verurteilt. — Ein hiesiger, vielfach vorbestrafter Hausierer wurde liegen Ruhestörung, Beamtenbeleidiaung und Widerstandes in eine «jesängnisstrafe von 3 Monaten 4 Wochen genommen und wegen Aebertretung des § 360 Abs. 11 in eine Hallstrafe von 20 Tagen, Joie durch die Untersuchungshaft als verbüßt gilt. — Ein hiesiger Installateur, der sich wegen Unterschlagung zu verantworten hat, rnürd trotz feiner Unschuldsbeteuerung für schuldig befunden, von einem ihm zur Reparatur übergebenen Fahrrad Gummischlauch rund Mantel entfernt und diese Teile anderweitig verwertet zu haben. Der vorbestrafte Angeklagte erhält für diese seine Strafchat eine Gefängnisstrafe von 2 Wochen. Limburg a. d. L., 17. Dez. In der gestrigen Schwurgerichts- fntzung wurde gegen ben Arbeiter H. Nagel von Klein-Altenstädten roegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg ver- biandelt. Nagel kam bekanntlich auf bem Wege nach Klein-Alten- Mdten kurz vor der Heger'schen Wirtschaft m Streit mit dem Mechaniker Schäfer, Kaufmann Luy und Frau, unb Schreiner- rmeister Haupt und Frau aus Wetzlar. Ueder den Thatbestand arg ab bie Berhandlugg folgendes: Im Vorbeigehen stieß Siegel den Mechaniker Schäfer dermaßen mit der Faust gegen die Brust, daß «övchäfer auf die Erde flog und Nagel über ihn. Beide walzten fisch mehrereniale auf der Straße hm und her und waren denn plötzlich wieder auf den Beinen. Kaufmann Luy, der Schäfer zu Gllfe kommen wollte, nahm sodann wahr, daß Nagel das Messer Mezückt hatte und rief dem Schreinernieister W. Haupt zu: „Willy, münm Dich in Acht, der hat ja ein Messer!" In demselben Moment dtrang Nagel mit dem gezückten Messer auf Kaufmann Luy und Nchreinermeister Haupt ein, die sich mit ihren Stöcken, so gut wie möglich, zu wehren suchten. Nagel sprang aber trotz der Stockhiebe, rwelche ihn trafen, auf Haupt los und versetzte ihm mit großer Wucht mehrere Stiche, worauf Schreinermeister Haupt und Kaufmann Luy fchleunigst Kehn mochten und davonftefen. Nach ungefähr 30 Schritten fiel der Schreinermeisier Haupt zu Boden und verschied in wenigen Sekunden. — Er hatte zwei Verletzungen, die beide unbedingt tödtlich waren. Tie Verteidigung des Arbeiters Nagel, daß er in Notwehr gehandelt, erwies sich als vollständig unwahr. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen beantragte die Staatsanwaltschaft eine Zuchthaus st rafe von 12 Jahren und Ehrverlust auf die Tauer von 10 Jahren. Tas Gericht erkannte dem Anträge der Staatsanwaltschaft entsprechend. Arlicitcrdcwtginig. 3t. Etienne, 17. Dez. 3000 Weber sind in den Ausstand getreten. Tie Ausständigen durchziehen truvpweise die Straßen der Stadt. Unruhen sind bis jetzt nicht vorgekommen. Barcelona, 17. Tez. Ter Metallarbeite raus st and nimmt einen ernsten Charakter an. Tie Streckenden übten allerlei Gewaltthätigkeiten aus. Tie öffentlichen Gebäude werden stark bewacht, C-endarmerie patroulliert durch die Straßen. Einige Renkontre haben bereits stattgefunden. Fiume, 17. Tez. Tie Matrosen der Ungarisch-Kroatischen Seeschiffahrtsgesellschaft organisierten im (Geheimen einen Ausstand und die Bemannung eines Schnelldampfers „Pamronia" verweigerte heute kurz vor der Abfahrt des Schiffes den Dienst. Die Direktion wandte sich an die Seebehörde, welche genügend Hafenpiloten auf den Dampfer entsandte, sodaß derselbe nach Tal- matien abgehen konnte. Tie Ausständigen lärmten und protestierten, wurden jedoch von der Polizei zerstreut. Auch die Bemannung der anderen Dampfer der Gesellschaft will zwecks Verbesserung der Löhne in den Ausstand treten. Zandcl und Ncrlrchr. Nolkswirlschast. Wetzlar, 17. Tez. Die chemische Fabrik Wetzlar ging am Samstag in öffentlicher Versteigerung für 175.000 Mk. an den Hauptgläubiger, das Bankhaus Oppenheimer in Köln, über. Dortmund, 17. Dez. Ter Hör der Verein entläßt mit Jahresschluß gegen 100 Arbeiter, hofft aber zu größeren Enllassungen nicht schreiten zu müssen. Petersburg, 17. Dez. Aus Baku wird gemeldet, daß in einer Privatversammlung der Naphtha-Industriellen, die sich mit der Frage des Naphtha-Exports oescyäfttgte, Nobel und Manta- schew sich vom Verbände lossagten. Die übrigen Teilnehmer mit Rothschild an ber Spitze hätten einen „93 e r b a n b f ü r Naphtha a u s s u h r" gegründet, wodurch man eine Besserung der Preise erwarte. Sport. Paris, 16. Dez. Wie es heißt, soll König Leopold dem Vorsitzenden des Automobil-Klubs mitgeteilt haben, daß er beabsichtige, einen Weg von Norden nach Süden durch Belgien zu bauen, ber nur für Automobilwagen und F ahrräder bestimmt sein soll. Litterarische Neuerscheinungen. (Besprechung Vorbehalten.) Draufewetter, Ernst, Knecht Ruprecht. Jllustr. Jahrbuch für Knaben und Mädchen. Bd. 111. (63 ö.) Köln, Schas- ftein u. Co. Geb. 3 Alk. D e h m e l, Paula u. Richard, „Fitzebutze/ Allerhand Schnickschnack für Kinder. Nick Bildern von Ernst Kreidolf. Neue »erb. Ausl. 15. Tausend. (40 S.) Ebenda. Geb. 3 Mk. Kreidolf. Ernst, ..Die schlafenden Bäume". Ein Märchen in Bildern und Versen. Ebenda. Geb. 1 Mk. — „Blumenmärchen." Bilder, Texte und Lckhographie. Ebenda. Geb. 3 Mk. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Dezember 17. 17. 18. 5 'S' 742,5 — 5,8 2,9 83 739,9 — 11,6 1,8 90 NW 735,7 — 10,7 2,0 98 N. Wetter 2 Sonnenschein 2 sternh. Himmel 2 Nebel Höchste Temperatur Nieorigste „ am 16. bis 17. Dez. — 4,9° C. , 16. , 17. , —11,6° C. Neueste Meldungen. Lriginaldrahtnreldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 18. Dez. Der Rektor der Universität hat die vom Verein deutscher Studenten nachgesuchte Studenteuversammluug zur Besprechung der Polen- frage untersagt. Es haben nun in der üblichen Weise drei Alte Herren, die Doktoren Zeidler, Wendland und Hozsch, eine allgemeine akademische Versammlung nach der Ton- halle auf heute Abend einberufen und ein Flugblatt zu diese« Zwecke verbreitet, in dem es zum Schluffe heißt: „Ein Haufe polnischer Studenten hat das Kolleg des Prof. Schiemann über die Polenftage in unerhörtester, allen studentischen Anstandsbegriffen Hohn sprechender Weise zu verhindern gesucht. Kommilitouen, wollt Ihr diese Verletzung Eurer nationalen Ehre, die Euch auf Eurem eigensten Boden zugefügt wurde, ruhig hinnehmen? Eure Würde als Deutsche, Eure Ehre als Studenten gebietet Euch, auf diese polnische Anmaßung eine deutliche deutsche Antwort zu geben." Paris, 18. Dezember. Hauptmann Guyot de Ville- neu ve, der wegen eines Glückwunschschreibens an den Nationalisten Sylveftol mit 60 Tage» Arrest bestraft wurde, hat seine Entlassung eingereicht. Zn einem im „Gaulois" veröffentlichten 9rief an den Kriegsminister erklärt er. er trete aus der Armee aus, weil er über verschiedene Maßnahmen des Kriegsministers Andree und seiues Vorgängers Gallifet empört sei. Paris, 18. Dez, Zwischen dem wegen seiues Romans gemaßregelten Schiffsoffizier de Raisou und dem Schisssleut- aaut Roubiot, der sich durch mehrere Anspielungen in diesem Roman getroffen fühlt, fand gestern Abend ein Degenduell statt, bei dem ersterer leicht am Arm verwundet wurde. Es heißt, daß de Raisou noch von verschiedenen Seeoffizieren wegen dieses Romans Forderungen erhalten wird. Marseille, 18. Dez. Die Lage des 800 Meter von der Rhonemündung gestrandeten Dampfers „Kleber" ist kritisch gewoidev. Der Obermaat wurde über Bord gespült und ertrank. Rettungsboote konnten sich bisher dem Dampfer nicht nähern. Brest, 18. Dez. Hier fand gestern eine Versammlung von 3000 Arbeitern des Kriegshafens statt, in der eine Resolution angenommen wurde, daß nur eiu Gesamt au 8 st au d den Ar- beitem zur Erlangung ihrer Forderungen verhelfen könne» Don den Hafenarbeitern in Cherbourg wurde ein ähnlicher Do schloß gefaßt. Rom, 18.Dez. Eine Anzahl italienischer Studenten richtete au die deutsche und russische Botschaft folgendes Telegramm: „Die Studenten des römischen AthenaeumS rufen; ihren von russischer und deutscher Tyrannei unterdrückten polnischen Kommilitonen Beifall zu unb erklären ihre Solidarität mit der Sache der polnischen Unabhängigkeit." — Gleichzeitig bildete sich ein Komitee zur Wiederaufnahme der polnischen Propaganda in Italien. New-Aork, 18. Dez. Der Vuudessenat genehmigt e mit 72 gegen 6 Stimmen den Kanalvertrag unb beantragte iw JustizauSschuß baldigst ein Gesetz gegen den Anarchismus vorzulegen. — Ter Marineminister hat das Urteil des Ehren- gerichts in der Assaire Schley-Sampsou noch nicht bestätigt. Er wartet erst den Eingang von Schic y s Protest ab. 93 er (in, 18. Tez. Auf Veranlassung der Staatsanwalb- schaft wurde gestern bie von der Buchhandlung „Vorwärts" yerausgegebene Weihnachtszeitung „Arbeitslos" konfisziert. Gesunden wurden in der Buchhandlung ca. 13 OOu, in ber Truckerei 17 000 teilweise noch unfertige Exemplare. Auch die Platten wurden aus der Maschine genommen und mit Beschlag belegt Tie Beschlagnahme erfolgte auf Grund des Aufreizungs-Paragraphen des Strafgesetzbuches. Wie der „Vorwärts" berichtet, hat die Staats^- anwaltschaft diese Aufreizung in dem Gesamtinhalt, befon* ders aber in dem Gedichte auf der Titelseite gefunden. — Marquis Ito hat mit seiner Begleitung gestern Berliw nach zwölftägigem Aufenthalt wieder verlassen, lieber den Eindruck, mit dem die Herren von hier scheiden, sprach sich einer derselben dahin aus, daß die Herren sehr be* friedigt von Berlin obreren. Mit besonderer Dankbarkeit gedachten sie des Kaisers. Er sei überaus gnädig zu ihnen gewesen und wie in der Audienz habe der Kaiser diese seine Stimmung auch gestern bei dem Festmahl zu Ehren des russischen Thronfolgers bezeugt — Wie die „Nat Korr." hört, besteht regierungsseitig bie Absicht, bie Tauer ber kommenben La ndtags-Session möglichst abzukürzen. Alles Interesse wirb sich in ben nachsterr Monaten auf bie Fertigstellung bes Zolltarifs richten, fi> baß es begreiflich erscheint, wenn bavon Abstanb genommen wird, im Landtage neue Ausgaben zur Diskussion zu stellen, welche die Einheit ber Aktion ber Regierung bis zu einem gewissen Grade stören könnten. — Ten Lemberger Polenblättern wirb aus Berlin gemelbet, es sei allen dortigen polnischen Vereinen von der Polizei die Weisung erteilt, daß in Zukunft in allen polnischenVersamm- l u n ge n in Berlin nur deutsch verhandelt werden dürfe. Im Polytechnikum zu Braunschweig wurde der p o l< nische Leseverein vom Senat aufgelöst Tie pol^ nischen Skubenten traten korporativ aus und siedeln nach Lemberg über. Einem Bürger-jKomitee in Samber, das eine Protest-Versammlung einberufen hatte, erklärte ber Bezirks-Hauptmann, bie Besprechung ber Wreschssner Vorgänge unb bes Griesener Urteils werbe nicht geduldet New-York, 18. Dez. Tem Senat wurde heute ein neuer Gesetzen^ .rf betr. Einwanderung unterbreitet Derselbe bestimmt, daß Einwanderer einer Prüfung unterworfen werden sollen, um ihren Bildungsgrad feft* zustellen, daß ferner Inspektoren ernannt werben sollen^ um am Landungshafen die polizeilichen Ausweise ber Einwanberer zu prüfen, und dadurch Anarchisten fern* zuhalten. London, 18. Dez. Auch heute rwch kommentieren die Blätter die R e d e Ro s e b e r r y s. „Daily Mail" macht darauf aufmerksam, daß man jene Organe beklagen müsse, welche aus der Rede Roseberrys etwas anderes herauslesen wollen, als sie wirklich bedeute. Im übrigen wird die Rede nur von solchen Blättern angegriffen, deren Leiter der konservativen Partei angeboren. Das Blatt „Morning Leader" gesteht offen, daß die Erklärungen Roseberrys chm insoweit nicht gefallen, als er den Rat erteile, keine Rücksicht zu nehmen, auf frühere Verpflichtungen bei liberalen Parket Das Blatt sagt, man könne keine Reformen einleiten, wenn man früyere Verpflichtungen nicht einlöse. Aber ber Hauptpunkt der Rebe bestehe noch immer in ben Anstrengungen zu Gunsten bes Friedens und aus diesem Grunde müsse man die Rede mit Wohlwollen aufnehmen. — „Daily Mail" meldet aus Brüssel, die Rede Roseberrys habe einen großen Eindruck auf Krüger gemacht, jedoch jei dieser weit entfernt davon, die Unabhängigkeit aufzugeben. — Mehrere Blätter berichten, Roseberry habe die Absicht, einen politischen Feldzug noch vor Eröffnung des Parlaments zu beginnen. „Daily Expreß" meldet, Roseberry werde in den nächsten Tagen in sechs großen Versammlungen sprechen. — „Zentral News" berichten aus New-York: Der Kaufvertrag über bie dänischen Antillen sei gestern zwischen dem Staatssekretär Hay.und dem dänischen Gesandten unterzeichnet worben. Der Kaufpreis betrage vier Mill i o n en Dollar. Tie Inseln würben bieselbe Verfassung erhalten, wie bie Philippinen. Der Vertrag sei bereits nach Koperv- Hagen zur Ratifikation gesandt worben. Paris, 18. Dez. lieber den Tod des früheren französischen Botschafters in Berlin Herbette werben folgende Einzelheiten gemelbet: Erwürbe auf ber Straße vomSchlage getroffen und war sofort tot. Man brachte ihn nach bem Pvlizeikommissariat. Seine Jbentität konnte zunächst nicht festgestellt werben, da sich in seinen Taschen keinerlei Papiere befanden, die Aufschluß hätten geben können. Erft sein Schneider, dessen Firma im Uederrock eingetragen war^ erkannte die Leiche. Man glaubt, daß er an einer Gehirnbongestion gestorben istz. Malaga, 18. Dez. Am Jahrestag des Untergangs der Fregatte „Gneisenau" sand hier in der Kapelle bes englischen Friedhofs in Gegenwart bes deutschen Konsuls ein feierliches Totenamt statt. Auf die Gräber wurden Kränze niedergelegt. Der deutsche Pastor hielt eine ergreifende Rede. Telephonischer Kursbericht, Frankfurt a. M., 18. Dezember. 3V»e/o Reicheanleihe . . 100.70 30/j do. ... 90.30 3V,% Konsole .... 100.70 8% do. ..... 90.40 3l/s% Hessen .... 98.50 30/d Italien. Rente . . . 100.05 4 /g Griech. Monopol-Anl. 42.40 5% Portugiesen .... 70.10 Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresd ner Bank . , Beniner Handelsges. Oeetorr. Staatebahn , Gotthardbahn ... Laurahütte . . . . 3% Mexikaner „ 4‘/a /a Chinesen . 25.50 Bochum . , . . 86.90 Harpener , • , , Tendenz; ruhig. . 205.7Q . 180.30 . 126.70 . 127.80 . 139.30 . J41.00 . 164.80 . 182.001 . 168d0j .läuo| K 35/92. Donnerstag den 30. Januar 1902, nachmittags 3 Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen der Christian Burkhardt III. Eheleute stehenden Grundstücke: Flur 1 Nr. 944 — 19 qm Hofraum mit Stall und Miststätte a. d. Asterweg, Flur 1 Nr. 945 — 44 qm Hofraite öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 16. Dezbr. 1901. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. 8258 K 93/01. Donnerstag den 30. Januar 1902, nachmittags 2 Ühr, werden auf hiesigen Ortsgericht die vor dem Namen des Albert AU- Vater in Frankfurt a. W. stehenden Grundstücke Flur 23 Nr. 4b — 1600 qm Acker am halben Zehnten, rechts vom SchützgesbrunnerWeg Flur 23 Nr. 46 = 1700 qm Acker daselbst öffentlich meistbietend versteigert werben., Gießen, den 16. Dezember 1901. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. 8257 Versteigerung. Donnerstag den 19. d. M., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier im Luft'schen Saale Neuenweg 28 — 1. 100 Stück Glühkörper und 200 Gylinder, 2. Möbel aller Art. 1 Ladentheke, 17 Bände Brockhaus- Lexikon, 8. einen größeren Posten Schuhwaren zwangsweise gegen bar. Gießen, 18. Dezember 1901. 8252 Seipel, Gerichtsvollzieher. UMMUK BädjeHkfe. Hiesige Brauerei hat noch täglich 100 Liter j. M-Sefc billigst abzugeben. Anfragen unt. Nr. 8245 an die Exped. ü. Bl. I Probieren Tie i | gefl. unseren in Haus- S Haltungen sehr gut eingeführteu M Snnöhlilt-Knßee jg Probat 11| I per Pfd. Mk. 1.20 H und hochfeine | E Lillllitlits-Klijftts I per Pfd. Mk. 1.40 § ■ , , u 1.60 "5 ■ r v , 1.80 »g EeblüberBerdllxZ BahnhofstrL7. 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