Nr. «46 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Samstag 19. Oktober 1901 Erscheint täglich Mil Ausnahme deS Montags. Die Siebener Familien- vlätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dein »Hess. Landwirt" und den »Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze ?. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Gictzcn. Fernsprechanschluß Nr. 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige« aii der für den solgcnoen Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witt ko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Die Verschuldung der Landwirtschaft. Folgender Artikel ans dem freisinnigen „Bert. Börs.- Cour." dürfte zahlreiche unserer Üefer interessieren. Das genannte Blatt schreibt: Als im Jahre 1894 die preußische Agrarkonferenz tagte, äußerte Graf Kanitz im Hinblick auf die sogenannte Schuldnot der Landwirtschaft: „Ich gestehe ganz offen, daß ich auf eine Statistik keinen so großen Wert legen würde. Wie hoch der Grundbesitz bei uns zu Lande verschuldet >ist, wissen wir alle. Ob das in einzelnen Fällen noch speziell nachgewiesen wird, ist für unsere Beratungen und ftu: den Zweck, den wir verfolgen, nicht von so großem .Einfluß." Graf Kauitz weiß es; was bedarf es da weiterer Forschung? Indes, eine Sache ist? noch nicht erledigt, wenn ein agrarischer Zeitgenosse gesprochen hat. Es giebt Vorsicht tigere Leute als den Grafen Kanitz, und diese hielten sowohl eine Durchforschung der älteren statistischen Erhebungen wie die Vornahme neuer für erforderlich. Die Nachprüfung ergab denn auch ein Resultat, welches von der These des Grafen Kanitz weit abwich Eine Schuldnot in dem angenommenen Umfange besteht danach überhaupt nicht; die Verhältnisse weisen vielmehr selbst bo, wo sie schwierig waren, eine Tendenz zur Besserung auf. In Preußen haben über den Stand der Verschuldung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes in den Jahren 1883 und 1895 probeweise Ermittelungen stattgefunden. Im Anschluß an die Erhebung von 1883 bemerkt Meitzen, ba/ß „die wirö- lich beunruhigenden Erscheinungen in dem Stande der Realverschuldung des bäuerlichen Besitzes innerhalb der untersuchten Amtsbezirke in der Thal nur als Einzelheiten und Ausnahmen beurteilt werden können, denen nachgu- forschen und womöglich Abhilfe zu bringen gewiß sehr geraten ist, die aber Befürchtungen eines allgemelli verbreiteten Notstandes nicht zu begründen vermögen." Das Ergebnis der 1895er Erhebung faßt G. Evert solgender- rnaßen zusammen: „Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ergeben, soweit hier überhaupt Zahlen beweisen, jene Bilder, daß Die Verschuldung des ländlichen Grundbesitzes in Preußen keine auch nur annähernd gleichartige ist, sondern daß bei ihr gesunde, erträgliche und ungesunde Zustände in der mannigfaltigsten Weise mit einander abwechseln." Eine eigentlich hohe Verschuldung weist nur der Grundbesitz aus, von welchem 42.9 Prozent nrit einer Schulden- not von über 60 Prozent behaftet sind. Zu ähnlichen Schlußfolgerungen gelangt man, wenn man die Ziffern der Zwangsversteigerungen in Preußen betrachtet. Es tritt darin während des Zeitraumes von 1886 bis 1898 ein ziemlich allgemeiner Rückgang der Zahl wie der Fläche der versteigerten Grundstücke hervor, der nur im Jahre 1892 eine erhebliche Unterbrechung erleidet. Auch hier zeigt sich, daß die Gefährdung des Grundbesitzes mit seiner Größe zunimmt. Auch! die badischen Erhebungen haben die Pessimisten enttäuscht. Mit dem von Buchenberger auf 1.7 Milliarden veranschlagten Verkaufswert des landwirtschaftlichen Bodens in Baden verglichen, würde die durchschnittliche jährliche Zunahme der Hypothekar schulden eine Mehrbelastung von nur 0.8 Prozent ausmachen. Ueberdies wird, insbesondere von O. Bielefeld, behauptet und nachgewiesen, daß auch diese geringe Mehrbelastung nur auf dem Paniere steht. In Hessen, von dem man vielfach annahm, daß es ganz besonders ungünstige Verschuldungsziffern aufweise, ist bei den landwirtschaftlichen Erhebungen von 1884 bis 1886 unter 26 Gemeinden eine Verschuldung von 5 bis 46 Prozent ermittelt worden, während 67.49 Prozent aller Grundbesitzer unverschuldet waren. Wilhelm Rubow, welcher diese Ziffern in' der Schrift über „die Schuldnot des ländlichen Grundbesitzes und die Verschuldungsgrenze als Mittel zu ihrer Abhilfe" zusammen- gestellt und von neuem untersuch! hat, kommt zu dein Ergebnis, daß sich eine allgemeine Verschuldung und noch Weniger eine allgemeine Ueberschuldung in keinem irgendwie ausgedehnteren Bezirke gezeigt habe, daß im Gegenteil auf Grund der Statistik der Zwangsversteigerungen Mer" Staaten von einem Gesundungsprozeß innerhalb der Landwirtschaft gesprochen werden dürfe. Insoweit die Verschuldung zunimmt, ist auf der anderen Seite auf die Steigerung des Grundwertes hinzuweisen, welcher eine -mimer breitere Grundlage für die Belastung bietet. Daß der Grundwert sich gehoben hat, geht einerseits aus der Zunahme der Anbaufläche in Deutschland hervor, ferner aus der Vermehrung des Viehstandes, aus oer rasch fortschreitenden Industrialisierung des platten Landes sowie endlich aus dem Umstande, daß an nicht wenigen ländlichen Orten infolge des wachsenden nationalen Reichtums und der verbesserten Kommunikationsmittel eine Fremden-Jn- dustrie aufblüht, welche die betreffenden Bezirke in kurzer Zeit wohlhabend macht. Der Diagnose Rubows, übrigens eines Sohnes des um die Leitung des Bauernvereins „Nordost" verdienten Bauerngutsbesitzers Rubow-Schwessin, entspricht die Therapie. Er rät von scharfen Eingriffen, wie sie Vogelsang, Ludwig von Stein, Schaeffle, Seringu. a. empfohlen haben, ab. Der österreichische Freiherr v. Vogelsang ging so weit, den Erlaß eines Moratoriums unter gleichzeitiger definitiver Schließung der Hypothekenbücher zu fordern. Schaeffle vertrat den Gedanken einer Inkorporation des Hypothekarkredits in der Art, daß die Kreditgewährung ein Monopol öffentlicher Korporationen werden solle, die demzufolge auch! allein das Pfandrecht an Grund und Boden erwerben dürften, und daß die ganze Kreditgebahrung des einzelnen Landwirts unter die Kontrolle der Genossenschaft gestellt, jede Kreditaufnahme also von ihrer Genehmigung abhängig gemacht würde. Andere, wie Sering und Gierke, haben die Einführung einer Verschuldungsgrenze empfohlen, und auch Adolf Wagner schloß sich ihnen an — nur daß dieser letztere einmal seufzte: „Man kommt von Konsequenz zu Konsequenz, und das ist das Schwere dabei." Ja, wenn die Konsequenzen nicht wären! Gerade darin besteht die Kunst des Politikers, die Folgen einer Maßf- regel vorauszusehen und, wenn sie üble sind, dieselbe zu unterlassen. Eine Verschuldungsgrenze bedeutet nicht nur die Unfreiheit des Wirtschafters, sondern auch dessen Kredit- verininderung und einen allgemeinen Druck aus die Güterpreise. Wäre der Realkredit bei der Hälfte ober bei drei Vierteln des Taxwertes erschöpft, so bliebe nur der Personalkredit, und der Wechsel träte an die Stelle der Hypothek. Damit käme der Schuldner vorn Regen in die Traufe. Viel erwägenswerter ist die von Dr. Hecht vertretene Idee der Hypothekentilgungs-Versicherung. Sie ist die Kombination eines Amortisationsdarlehens mit der Lebensversicherung in der Weise, daß die jeweiligen Schult) kapital- reste versichert werden. Der normale Fall wäre, daß der Landwirt mit der Auftiahme eines Darlehens zugleich eine Lebensversicherung auf seinen Namen eingeht. Wenn sich aber die Prämie infolge zu hohen Alters des Darlehnsnehmers zu hoch, shellen würde, so wäre für die Uebergangs- zeit, bis das Prinzip sich eingebürgert hat, die Lebensversicherung auf den Namen eines jüngeren Familienmitgliedes empfehlenswert ,am besten aus die des designierten Nachfolgers im Gutsbesitz. Sorgfältig berechnete Prämientarife gestatten die Anpassung an die verschiedenartigen finanziellen Zwecke und Kräfte der einzelnen Versicherer. Eine Schwierigkeit ergiebt sich daraus, daß die Einzelversicherung eilte ärztliche Untersuchung voraussetzt, sich also nur für gesunde Leute eignet. Um diese Schwierigkeit zu heben, denkt Hecht an eine Kollektivversicherung der Hypotbekar- schulbner in ganzen Gemeinden oder Bezirken. Auch Dieses Projekt bedarf der aenauesten Nachprüfung; es würde sich indes dem bestehenden Rechte sehr viel leichter einfügen als andere Vorschläge. Dem Ginwand, daß die Landwirtschaft heutzutage nicht mehr so viel eintrage, um neben der Verzinsung der Schuld auch noch die Zahlung von Versicherungsprämien zu ermöglichen, ist entgegenzuhalten, daß, wenn diese Prämien nicht getragen werden können, dann die Lasten, die sich aus Erbgängen und besonders bei An- erbeiolge ergeben, erst recht unerträglich waren. Betriebe, die Dauernd außer stände sind, selbst auf diesem bequemsten Wege das Anlagekapital, wenn auch mit lleinsten Quoten, zu amortisieren, haben, so sagt Rubow mit Recht, keine wirtschaftliche t^iftenzberechtigung. Zu Gewaltkuren giebt der Stand der Verschuldung jedenfalls keinen Anlaß. Der Weg der geschichtlichen Entwickelung führt von der Gebundenheit zur Selbständigkeit, nicht umgekehrt. Man darf dem Landwirt hinsichtlich der Benutzung des Kredits als einer der besten Waffen im Wirtschaftskampf nicht Fesseln auferlegen, die der Städter erregt von sich weisen würde. Wo eine Verschuldungsgrenze noch besteht, wie bei den ritterschaftlichen und klösterlichen Erbpächtern in Mecklenburg, wird sie als eine drückende Last empfunden, von der man sich zu befreien sucht. Sie da einzufuhren, wo sie nicht mehr besteht, oder wo sie nie bestand, wäre geradezu kulturwidrig. Das scheint in der Öffentlichkeit auch allmählich begriffen zu werden, und deshalb sind die Stimmen, welche jene Freiheitsschranken einst so laut gefordert, jetzt verhallt. Der frlbjug des Abg. Euler für den Kefähigimgsnachweis. Aus den Kreisen einer westdeutschen Handwerkskammer wird geschrieben: Der 2. deutsche Handwerks- und Gewerbekamm ertag, «welcher vom 26. bis 28. September in Darmstadt tagte, hat unter anderem auch Äellung zu dem Befähigungsnachweis im Handwerk genommen und im Gegensatz zu den Forderungen des Reichstags- und Landtagsabg. Euler (Bensberg), der die sofortige Einführung des Befähigungsnachweises verlangte, eine mit 31 gegen 29 Stimmen gefaßte Resolution angenommen, die zwar im Prinzip an der Forderung des Besähigungsnach weises festhält, die jedoch ausdrücklich betont, daß die Einführung des Befähigungsnachweises zur Zeit nicht möglich sei, weil sich das Handwerk auf Grund der durch Gesetz vom 27. Juli 1897 umgestalteten Gewerbeordnung durch engeren Zusammenschluß und bessere Ausbildung erst darauf vorbereiten müsse. Daß nach diesem Mißerfolge der Abg. Euler nach einer Gelegenheit suchen würde, seinem Herzen Luft zu machen, war vorauszusehen. Diese Gelegenheit nahm er in der That schon bald nachher auf dem am 1. Oktober zu Borken i. W. abgehaltenen 22. Handwerkertage der Provinz Wesb- salen wahr, wo er auf die vorerwähnte Darmstädter Resolution in einer Weife zurückgriff, die geeignet ify in weite Kreise des Handwerks Erregung und Erbitterung hinein- zutragen und den bestehenden Gegensatz zwischen Hcmd- wevk und gesetzgebenden Körperschaften noch mehr zu verschärfen . Damit nicht genug, benutzt er die Spalten des „Neuen deutschen HanDwerkerblattes" (Wiesbaden) Nr. 41 vom 12. Oktober 1901, um in einem mit „E." gezeichneten Artikel die Sekretäre einzelner Kammern in geradezu unerhörter Weise zu verdächtigen, und an dem Vorsitzenden der Handwerkskammer Hildesheim eine schiefe Kritik zu üben, nur weil dieser seiner Ueberzeugung gemäß für den Antrag Hannover und nicht für den f einigen gestimmt hat. Es dürfte nun wohl endlich an der Zeit fein, den Herrn Abg. Euler und seine Thätigkeit in der Handwerkerbewegung einmal etwas in der Oesfentlichkeit klar zu stellen. Bei der Beurteilung dieses Mannes kann es sich für den Kenner der Verhältnisse nur um zwei Möglichkeiten handeln: entweder ist der in der Person des Tischlermeisters (Hller dem Handwerk erstandene „Vorkämpfer" ein phantastischer Träumer oder — er ist ein ganz unbesonnener Agitator. Tonn das muß man oem Herrn Abgeordneten lassen, er versteht es ganz meisterhaft, die große Masse der Handwerker zu hynotisieren, indem er ihnen immer und immer wieder vormalt, wie früher das Handwerk so viel tausend- masl besser daran war, als es den Befähigungsnachweis und den Zunftzwang hatte. (Was ganz fatsch ist, wie die wissenschaftliche Forschung nachgewiesen hat.) Mer wohlweislich verschweigt er dabei, wie das Hanb- werk anerkanntermaßen Befähigungsnachweis und Zunftzwang mißbraucht hat, um unliebsame Konkurrenz fern-, zuhalten und wie das Handwerk burüji starres Festhalten an diesem total veralteten Zopf ins Hintertreffen geraten ist. Oder sollte dem Herrn Euler alles ganz unbekannt sein? Durch Einführung des Befähigungsnachweises würde wie Euler stets hervorzuheben beliebt, das Pfuschertum aus dem Handwerk entfernt und der „Konkurrenz der- Großbetriebe die Spitze genommen". Glaubt dies wohl Euler selbst, hat er kein Verständnis dafür, daß es jedem, der nur einmal im Handwerk sein Heil versnchien will, ehr Leichtes sein würde, Handwerker zu finden, die den Befähigungsnachweis erbracht haben, und diesen mit der Leit-, ung des Unternehmens, wenn auch nur formell, zu beauftragen. Die Charakteristik des Großbetriebes liegt ja gerade darin, daß ein kaufmännischer Kopf, der ja einem Techniker gehören kann, es versteht, technische Kräfte im größten Stil zu verwenden, zu organisieren, und ihre Produkte zu verwerten. Aber ganz abgesehen davon, daß der Befähigungsna-ch- weis dem Handwerk die erhoffte Hilfe nicht bringen wirb, dürften sich aus seiner Wiedereinführung für den Hand- werkerftaud unliebsame Konsequenzen ergeben, über die aber der Mg. Euler wohlweislich sich in tiefes Stillschweigen hüllt. Oder will er nicht zugeben, daß durch den Befähigungsnachweis der Handwerker auf ganz bestimmte Zweige des Handwerks sestgelegt würde, indem ja sonst überhaupt der Befähigungsnachweis keinen Zweck haben dürfte. Das hat man alles den Mg. Euler noch nie aus- sprech-en hören, und ebenfalls nicht, baß, wenn einmal der Befähigungsnachweis eingeführt ist, der Handwerker ge- zwungen wäre, den Verkauf aller der Gegenstände, die er nicht fetb'ftt fin seinem Betriebe erzeugt, aufgeben müsse, und zwar einfach deshalb, weil er doch als Kaufmann nicht den Befähigungsnachweis erbracht hat, wodurch selbstverständlich viele Zweige des Handwerks, namentlich Schneider, Schuhmacher, Friseure, Uhrmacher u. s. w. schwer geschädigt würden. Alles dies aber existiert für den Herrn Mgeordneten absolut nicht. Daß der Mg. Euler seine Agitation ganz systematisch betreibt, acht zur Evidenz daraus, hervor, daß, nachdem in Darmstadt die offiziellen Ver-, tretet des Handwerks über seine Resolution den Stab ge- brochjen hatten, daß er eben dieselbe Resolution genau zwei Tage später in Borken wiederum einbringt. Hier war Euler in seiner Domäne, hier herrschte er unumschränkt; er wußte genau, daß es ihm leicht sei, den westfälischen Handwerkern vorzureden, alles Heil nur vom Staate zu erwarten. Interessant ist es schließlicki auch, wenn der M^. Euler auf allen Handwerkerversammlungen Liebe zum Handwerk bethätigt. Jedem, der die Handwerkerbewegung in bew letzten Jahrzehnten verfolgt und mitgemacht hat, weiß, wie der Mg. Euler stets mit denselben Ergüssen und Redens-, arten der Handwerker goldene Bllder aus der Vergangeu-i heit vorgaukelt, wie er ihnen erzählt, wie so schön allesl gewesen in jener „guten alten Zeill' und wie er hier uns, immer und immer wieder die u. E. ganz falsche Schlußfolgerung zieht, das Handwerk, wenn es überhaupt wieder zur Blüte gelangen soll, müsse auf die Verhältnisse jener „guten alten Zeit" zurückgeschraubt werden. Daß bei dem Mg. Euler die Gewerbefteiheit, die an allem liebel schuld! sei, und die Regierung, die nicht für die dringendsten Fon derungen der Handwerker zu haben sei, Mecht weg-, gekommen, versteht sich von selbst und bedarf keiner besonderen Begründung. Natürlich sind alle diese Euler- schen Träume Schäume; der Handwerker ist nicht zurück- aegangen, aber er ist vom Großbetriebe teilweise überflügelt, zum Teil selbst Fabrikant geworden. Aber dass ist das Bemerkenswerteste an allem, nie hat der Herr Abgeordnete ein Wort für die Veränderung alter wirtschaftlichen Verhältnisse, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte vollzogen hat. Nie will er eingestehen, daß die natürliche Umlvandlung von Produktion und Verkehr die neuen Verhältnisse heraufbeschworen hat, weil es in Un=i einigkeit und kleinlicher Eifersucht seine Kräfte zersplittere, weil es statt auf die Zeichen der Zeit zu achten, und sich den neuen Verhältnissen anzupassen, diesen mißmutig den Rücken kehrte, davon spricht Herr Euler niemals. Statt dessen verlangt er, daß man dem Handwerk von außen auf Kosten anderer Stände soll zu Hilfe kommen. Mit solchen und ähnlichen Palliativmittelchen weiß der Abgeordnete Euler in den Handwerkerversammlungen stets einen äußeren Beifallserfolg zu erzielen. Der wahre Erfolg seines Wirkens ist unleugbar der, daß er den Handwerker immer mehr abbringt von der Bahn thatkräftiger Selbsthilfe und ernster positiver Arbeit. Ändererftits werden alle ohne Unterschied von ihm abgekanzelt, die bei der wärmsten Sympathie für die Bestrebungen des Handwerkerstandesi das rote Tuch, auf das man in wilder Verzückung l-osrennt, nicht als Fahne des Sieges anerkennen können. Ein Bei-^ piel hierfür bietet der schon erwähnte Aufsatz im „Neuen deutschen Handwerkerblatt", wo er die Sekretäre derjenigen Kammern, die nicht für seine Resolution stimmten, verdächtigt, es nicht ehrlich mit dem Handwerk zu meinen, vielmehr nur sich und die Seinen für die allein seligmachenden Freunde des Handwerks angesehen wissen loill. Aus dem Artikel könnte man schließen, daß es für ihn nur dann einen Zweck hat, in Handwerkerverfammlungen zu reden und Vorträge zu halten, wenn man ohne jeden Vorbehalt für obligatorischen Befähigungsnachweis eintritt, denn ohne diesen ist ihm alles nichts. Daß den Handwerkern über solche Agitatoren und falschen Freunde endlich einmal die Augen geöffnet werden, ist wahrlich an der Zeit. Sie haben dem Handwerk nie Nutzen gebracht und werden es auch nimmer thun; das Einzige, was sie mit ihren Mitteln erreichen, ist eine auf unerfüllbare Forderungen verbissene Menge, die kein Verständnis hat für die Aufgaben der Gegenwart und sich von ernfter pofi= tiver Arbeit nur zu leicht entfernt. Hdj Politische Tagesschau. Botschafterwechsel in London. tSin Berliner Mitarbeiter schreibt uns: Als vor einigen Monaten von einem Wiener Blatte Angriffe gegen den dortigen deutschen Botschafter, Fürsten Eulenburg, gerichtet wurden, weil er sich geraume Zeit hindurch in der Führung der Amtsgeschäfte hatte vertreten lassen, erfuhr die Oeffentlichkeit zum ersten Mal, daß auch der Vertreter Deutschlands in London, Graf Hatzfeldt, wiederholt an der persönlichen Wahrnehmung der Dienst-, geschäste verhindert gewesen ist. In beiden Fällen lag Erkrankung vor, und zufällig laborieren die beiden Diplomaten an denselben Leiden, der Gicht. ^Während der Gebrauch von Badekuren dem Fürsten Eulenburg Linderung gebracht zu haben scheint, hat sich das Befinden des Grafen Hatzfeldt so verschlimmert, daß sein Rücktritt nahe bevorsteht. Mit der Frage, wer an seine Stelle treten wird, soll man sich amtlich noch nicht beschäftigt haben. Vielleicht int offiziellen Jnstanzen- gange nicht, aber daß der Kaiser seine Wahl längst getroffen hat, zumal er über das Befinden des Grafen Hatzfeldt natürlich auf dem Laufenden erhalten wurde, steht fest. Der Londoner Botschafterposten zählt zu den hervorragenden und bevorzugten deutschen Auslandsvertretungen. Es ist auch ein offenes Geheimnis, daß Fürst Herbert Bismarck nicht ungern diesen Posten übernehme, da er die diplomatische Tätigkeit der parlamentarischen vorzieht und überdies zahlreichen englischen Notablen befreundet ist. Eingeweihte wollen heimlich wissen, daß eine Berufung des Fürsten Herbert Bismarck ausgeschlossen ist. Zum Zolltarisentnmrf. Unter dem Titel „Zolltarifentwurf und Wissenschaft" veröffentlicht Dr. Geiorg v. Mayr, der frühere UnterstMtssekretär von Elsaß-Lothringen eine Schrift. Dr. v. Mayr giebt zunächst einen Ueberblick über die Stellung, die hervorragende Gelehrte dem Zvlltarif- entwurfe gegenüber eingenommen haben. Er spricht sich weiter für einen Doppeltarif aus, ben er unter Umständen als eine angemessene Rüstung für Handelsvertragsverhandlungen bezeichnet. Auf Grund dieser Anschauung befürwortet er über die Getreidezölle hinaus einen weiteren Ausbau des Doppeltarifsystems. Der einfachen Weiterführung des Meistbegünstigungsgrundsatzes widerspricht er im Interesse der deutschen Volkswirtschaft. Er ist für eine Beschränkung der Meistbegünstigung und für möglichste Individualisierung nicht bloß, nach Waren, sondern auch nach Ländern. Der dritte Teil des Buches ist der Widerlegung Brentanos gewidmet. Mit großer Entschiedenheit tritt er der Brentano- fchien Meinung entgegen, daß eine Gesundung der deutschen Landwirtschaft von einer durchgreifenden Bodenentwertung zu erwarten sei. Mayrs Ausführungen gipfeln darin, daß nur ein Syshem^rgsam erwogenen urch gegliederten ^Solidar- fchutzes der gesamten schutzbedürftigen deutschen Produktion und insbesondere auch aller wichtigen Zweige der deutschen Landwirtschaft gerechtfertigt sei. Der neue Zolltarif scheint ichm geeignet zu sein, im großen und ganzen dieses'Ziel zu erreichen. Die Zucker Konfereoz. Man schreibt uns aus Berlin, 16. Oktober: Im nächsten Monat soll in Brüssel wieder einmal eine internati onale Zucker-K onferenz abgehalten werden, die so und sovielte im letzten Jahrzent. Ob die Verhandlungen, die bekanntlich eine allgemeine Aufhebung der Ausfuhrprämien auf Zucker zmn Gegenstand haben, diesmal Erfolg haben werden, läßt sich zurzeit nicht absehen. Schon im Winter 1897 glaubte Reichsschatzsekretär Frhr. v. Thielmann erklären zu können, daß der tote Punkt in den Verhandlungen mit den anderen Zuckererzeugenden Ländern überwunden sei. Eine belebende Wirkung versprach sich Frhr. v. Thielmann besonders von dem amerikanischen Zu- fchlagszoll auf Prämienzucker, „der die Rolle des Hechts im Karpfenteiche spielen, und die Karpfen lebendiger machen werde." Vielleicht hat sich dieser Aufmunterungsprozeß im Geheimen vollzogen; die Oeffentlichkeit wurde nichts davon gewahr. Immerhin mag unter den Regierungen der in Betracht kommenden Länder die Ueberzeugung jetzt allgemein sein, daß eine nochmalige Erhöhung der Ausfuhrprämien nicht statthaben darf. Und wo ein Wille ist, da wird sich auch wohl noch ein Weg finden lasten zur allseitigen Abschaffung, oder zunächst Herabsetzung dieser Prämien, von denen erfahrungsgemäß nur die Zucker -Einfuhrländer Vorteil haben, vor allen England und Amerika. Der französische Finanzminister erklärte dieser Tage, daß ein beträchtlicher Teil der Mindereinnahmen aus den indirekten Steuern durch die Zuckerprämien hervorgerufen sei, die einen ziemlich hohen Prozentsatz der Zuckersteuererträge aufzehren. Von dem auf 50 Millionen Francs veranschlagten Defizit im französischen Budget für 1902 entfallen volle 20 Millionen auf die Einnahmen aus dem Zucker. Von der bervorstehenden internationalen Konferenz nun verspricht sich Frankreichs Finanzminister eine Abänderung der unhaltbaren Prämienverhältnisse. Es ist also zu erwarten, daß der Vertreter Frankreichs auf der Beibehaltung der „versteckten" Ausfuhrprämien, wie sie in diesem Lande bestehen, nicht mehr beharren wird. Dadurch würden die Verhandlungen von vornherein wesentlich erleichtert. Die letzte Erhöhung der deutschen Ausfichrpramien erfolgte durch das Zuckersteuer- gesetz von 1896, an dessen Zustandekommen der Reichstagsabgeordnete Dr Paasche (n.-l.) hervorragend beteiligt war. Abg. Richter prägte für Prof.Paasche damals die Bezeichnung „Auckeragrarier". Ter FriedenSschluß mit China. Das Schlußpvotoboll der Friebensverhandkungen btr Bevollmächtigten der Mächte mit der chinesischen Regierung ist, toie wir bereits meldeten- amtlich verötzerrtlicht; - trägt das Datum la und Ib handeln über die Deutschiland besonders zu erteilende Genngthuung und widerlegen alle jene Mutmaßungen, die sich an die Vorgeschichte des Empfanges des Prinzen Tschun hinsichtlich des Wortlautes seiner amtlichen Mission knüpfen. Die beiden Artikel lauten: Artikel la. Durch ein kaiserliches Edikt vom 9. Juni b. I. ist Tschun Tsai-fong, Prinz erster Klasse, zum Botschafter Seiner Majestät bes Kaisers von China ernannt worben, Seiner Majestät bem deutschen Kaiser den Ausdruck des Bedauerns Seiner Majestät des Kaisers von China und der chinesischen Regierung über die Ermordung des deutschen Gesandten Freiherrn v. Ketteler zu überbringen. Prinz Tschun ist am 12. Juli d. I. von Peking abgereift, um die ihm gegebenen Befehle auszuführen. Artikel Ib. Die chinesische Regierung hat erklärt, sie werde an der Stelle, wo der Gesandte Freiherr v. Ketteler ermordet worden ist, ein dem Range des Verstorbenen würdiges Denkmal errichten mit einer in deutscher und chinesischer Sprache abgefaßten Inschrift, die dem Bedauern Seiner Majestät des Kaisers von China über den begangenen Mord Ausdruck geben soll. Ihre Exzellenzen die chinesischen Bevollmächtigten haben durch ein Schreiben Seine Exzellenz den Bevollmächtigten des Deutschen Reiches benachrichtigt, daß an der besagten Stelle, in der ganzen Breite der Straße, ein Ehrenbogen errichtet wird, und daß die Arbeiten am 25. Juni b. I. begonnen haben. Bekanntlich ist ber Kaiser von China in seinem Schreiben an Kaiser Wilhelm noch weit über den Rahmen jener im Artikel la ausbebungenen und vollzogenen Genugthuung hinausgegangen und hat ben Worten bes Bedauerns ben Ausdruck „tiefer Reue und Beschämung" hinzugefügt. Der lange Artikel VI handelt von der Entschädigungssumme in ber Höhe von 450000 000 Taels gleich 1 374 750 000 Mark, welche im Laufe von 39 Jahren zu vier Prozent verzinst zur Abzahlung gelangt. Ueber biefe Schuld hat China bereits vor einigen Tagen bem Doyen des biplo- matischen Korps, bem spanischen Gesandten, einen Pauschal- Vvn> auFgehäubigt. Sitzung der Stadtverordneten. 17. Oktober 1901. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelins, Euler, Faber, Flett, Dr. Fuhr, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Huhn, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Orbig, Dr. Schäfer, Schiele- Schmall und Wallenfels. Entschuldigt: die Stadtverordneten Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Grünewald, Heyligcnstaedt, und Loos. Bürgermeister Mecum teilt unter Bezug auf Notizen im „Gieß. Anz." über die ungünstige Gestaltung des Fahrplans der Bieberthalbahn mit, daß er im Verein mit ber Handelskammer vorstellig geworden sei; es sei (wie wir bereits mitteilten. D. Red.) seitens der Bahn auch entsprechende Aenderung zugesagt worden; die Fahrzeiten des neuen Plans lägen aber noch viel ungünstiger, als die des alten. Er habe deshalb unterm 26. September bei dem Kreisamte Protest gegen den Fahrplan erhoben. — Eine weitere Mitteilung betrifft die Wählerliste für die Stadtverordnetenwahl ; die Wahl werde voraussichtlich in vier Wochen stattfinden. Zum Baugesuch von Karl Haas für die Frankfurter Straße beschließt die Versammlung, auf dem früheren ablehnenden Standpunkte zu beharren. Das Gesuch von Grg. Schubecker um Erlaubnis zur Erbauung eines Pferdestallcs am Erdkauterweg wird befürwortet. Zu dem Baugesuch von Louis Troß für die Rod- heimerstraße wird der nach §§ 5 und 18 des Ortsbaustatuts erforderliche Dispens befürwortet, desgl. das in voriger Sitzung infolge einer irrtümlich angezogenen Bestimmung des Ortsbaustatuts abgelehnte Gesuch von Karl Hahn für die Goethestraße mit dem weiteren Dispens von § 15 der Lokalpolizeiverordnung (Anlage einer Durchfahrt). Für den Bau von Schulbaracken am Hamm ist Dispens von den Bestimmungen des § 5 des Ortsbaustatuts (Bauen außerhalb des Bebauungsplans), § 18 (Ausführung des Baues in Holzfachwerk) und § 45 der Allg. Bauordnung (Weglaffen der Brandmauer nach dem Nachbargrundstück hin) erforderlich, der befürwortet wird, nachdem Stadto. Krumm sich gegen die Wahl dieses Platzes ausgesprochen. Der nach § 5 des Ortsbaustatuts erforderliche Dispens zu dem Gesuch der Cisenbahndirektion Frankfurt a. M. zur Errichtung eines weiteren Wohnhauses für Unterbeamte wird befürwortet, desgl. das Gesuch von H. W. Rinn um Erlaubnis zur Errichtung einer Arbeitshütte neben dem Bauplatz des Johannes Schäfer IV. an der Moltkestraße, ferner das Gesuch von Eduard Klinkel um Erlaubnis zur Errichtung einer prov. Halle auf seinem Acker am Bahnhof. Für Herstellung der elektrischen Beleuchtung in den in das Thaer'sche Haus am Neuenweg verlegten Bur eaux des Stadtbauamts Gießen werden 388 Mk. bewilligt. Dem Gesuche von Johs. Nickel um unentgeltliche Ueberlassung der städtischen Pferdewalze zur Herstellung des Weges nach dem Steinbruch im Stadtwald wird stattgegeben. Mehrere Rechnungen über Aussch mückungsarbeiten au§ Anlaß der Kriegerdenkmals-Einweihung im Betrage von 140 Mk. werden genehmigt. Der Weg nach dem Elektrizitätswerk soll elektrisch beleuchtet werden, und zwar mit Nernstlampen, um deren Verwendbarkeit für die später in Frage kommende elektrische Straßenbeleuchtung beurteilen zu können. — Stadtv. Wallen- f e 13 hält die Verbesserung des gen. Weges für nötig, und weist weiter auf den sehr zerfahrenen Weg hinter der Kaserne hin. — Bürgermeister Mecum bemerkt dazu, daß er Erhebungen darüber anstellen werde, ob der fragliche Weg event. gesperrt werden könne. Die Erhebung von städtischem Oktroi, foroett dieselbe bisher durch das Hauptsteueramt erfolgte, soll im Einverständnis mit dem Ministerium der Finanzen vom 1. Januar 1902 ab an die Stadt übergehen. Zwischen der Stadt und dem Verlage des Adreßbuches ist ein neuer Vertrag abgeschlossen worden, laufend vom 1. Januar 1901 bis auf weiteres. Danach ist das Adreßbuch in einer Auflage von mindestens 800 Exemplaren herzustellen (das eben im Druck befindliche Adreßbuch wird in einer Auflage von 1000 Exemplaren erscheinen). Das Material liefert die Bürgermeisterei, bezw. die Polizei, wofür vom Verlag 500 Mk. zur Besoldung der mit dem Ein- sammeln der Listen u. s. w. betrauten Schutzmänner zu entrichten find. Der Subskriptionspreis ist auf Mk. 2.60 festgesetzt, nach Erscheinen des Buches kostet dasselbe 3 Mk. Der Vertrag wird genehmigt. — Stadtv. Krumm bemerkt, daß ihm gegenüber Klagen geäußert worden seien über die ungleichmäßige Verteilung der städtischen Arbeiten an die hiesigen Dxuckereien. — Bürgermeister Mecum erklärt, daß lt. Vertrag mit dem Verlag des Gießener Anzeigers übet die Veröffentlichung der bürgermeisteramtlichen Bekanntmachungen im Gießener Anzeiger der Brühl'schen Druckerei der Druck des Verwaltungsberichtes und des Voranschlags übertragen wurden; die übrigen Arbeiten würden an die anderen Druckereien möglichst gleichmäßig verteilt. — Beigeordneter Georgi fuhrt eine Reihe von Mängeln im Adreßbuch an, die beseitigt werden müßten; das Verzeichnis der Handelsfirmen, die Angabe der Reichsbankgirokontos, die Telephonanschlüsse 2C. seien fehlerhaft. Beig. Wolf bemerkt, es sei vorgesorgt, daß das Adreßbuch in Zukunft möglichst fehlerfrei hergestellt werde; es sei die Zettelausfüllung seitens der Einwohner selbst nicht mit der nötigen Sorgfalt vorgenommen worden; in Zukunft würde die Handelskammer das Firmenverzeichnis durchsehen. — Stadtv. Haubach halt es für unumgänglich nötig, daß die Frageformulare vollständig ausgefüllt werden. Das Gesuch von Karl Diem um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Ludwigstraße 6 (Tivoli) wird befürwortet._____________________________________________________ Aus Stadt und Sand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 18. Oktober 1901. * * Fischkalender. Am 15. Oktober hat die Winterschonzeit für Fische ihren Anfang genommen. Sie dauert bis zum 14. Dezember einschließlich. * * Mondfinsternis. Eine teilweise Mondfinsternis fällt auf den 27. Oktober nachmittags. Sie beginnt um 3 Uhr 25 Min. und erreicht ihr Ende um 5 Uhr 6 Min. Da der Mond bei uns um 4 Uhr 45 Min. aufgeht, wird wenig von der Verfinsterung zu sehen sein. * * Der Hessische Athlettn-Verband hält am Sonntag, den 20. d. M., in Hersfeld seinen 6. Delegiertentag ab. Der 1. Gießener Stemm- und Ringklub entsendet zwei Vertreter, die an den Beratungen teilnehmen werden. * * Haushaltungsbuch. In der Buchhandlung von Jos. Singer in Straßburg i. E. ist ein Haushaltungsbuch erschienen, das sich durch seine praktische Einrichtung empfiehlt. Der billige Preis von 50 Psa. setzt jede Hausfrau in die Lage, sich ein solches Buch an- zuschafien. 0 Lindenstrnth, 15. Okt. Bei der heute hier erfolgten Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister L. Scheid mit 45 Stimmen einstimmig wiedergewählt. § Nieder-Gemünden, 17. Oktober. Gestern tagte hier im Saale des Herrn Södler unter dem Vorsitz des Kreisrats Dr. Melior und des Kreisschulinspektors Mathes die diesjährige Kreislehrerkonferenz. Der statistischen Uebersicht des Kreisschulinspektors über die Schulen des Kreises entnehmen wir, daß zur Zeit 75 Schulen im Kreise bestehen. Davon sind 56 ein-, 14 zwei-, 4 drei- und eine achtklassig, zusammen 104 Klassen. Die Schülerzahl beträgt 6065 gegen 5992 im Vorjahre. Davon sind 2961 Knaben und 3104 Mädchen. 5581 Kinder gehören der evangelischen, 355 der katholischen und 129 der israelitischen Konfession an. Die Zahl der Fortbildungsschulen betrug im letzten Winter 874 gegen 937 im Vorjahre; 3 Gemeinden waren von der Errichtung einer Fortbildungsschule befreit. An den Volksschulen des Kreises wirken 104 Lehrkräfte, davon sind 96 evangelisch, 6 katholisch, 2 israelitisch. Definitiv angestellt sind 80. — Auf der weiteren Tagesordnung standen zwei Vorträge: Die Verbindung von Lesebuchs und Aufsatz, Referent Lehrer Reul aus Raiurod, und Wie soll repetiert werden? Referent Lehrer Hildebrand aus Üben* hausen. Da beide Themen den Forderungen unserer modernen Volksschule Rechnung trugen, so hatten sie das aktuelle Interesse der Lehrer für sich, die aufmerksam den Ausführungen beider Referenten folgten. Zeigte der erste Referent, wie das Lesebuch eine treffliche Stoffquelle für den Aufsatzunterricht darbietet, so führte der zweite in trefflicher Weise aus, wie die Repetition zu gestalten ist, um den Unterricht dauernd wirksam zu machen. Die auf beide Vorträge folgende lebhafte 'Diskussion legte klar, mit welch lebhaftem Interesse die Versammlung sie ausgenommen hat. Der erste Vorsitzende dankte den beiden Vortragenden. Nach Aufstellung des Lehrplans für die diesjährigen Fortbildungsschulen und Mitteilungen trefflicher methodischer Winke durch Kreisschulinspektor Mathes stellte Kreisrat Dr. Melior Erhebungen an über die Gefahren der Tanzmusiken und Spinnstuben für die schulpflichtige Jugend und schloß sodann den amtlichen Teil der Konferenz. Ein gemeinsames, gutes Mittagsmahl, gewürzt von begeistert aufgenommenen Toasten, beschloß die Kreislehrerkonferenz. Darmstadt, 15. Okt. Wie das „Darmst- Tgbl." hört, besteht die Absicht, die Anstalt Aumühle bei Wixhausen, die von dem Verband der Rettungsanstalten für das Groß- Herzogtum Hessen und die preußische Provinz Hessen-Nassau seit einigen Jahren gegründet ist, um schulentlassene Knaben in der Landwirtschaft auszubilden, durch weiteren Grunderwerb und Erweiterungsbauten dem eingetretenen Bedürfnis entsprechend zu vergrößern. Marburg, 16. Oktbr. Vorgestern wurde bei der Herrichtung der reformierten Kirche ein weiteres farbiges Wandgemälde durch Beseitigung der Tünche freigelegt. Das Bild stellt die Tragung des Kreuzes durch Christus dar. Die Gestalt Christi, das Kreuz, Krieger mit ihren Lanzen, Gesträuch, etwas Landschaft sind unschwer zu erkennen, doch ist das Ganze sehr verhackt. Das Bild ist 4 Meter breit und drei Meter hoch. Die Farben, vorherrschend grünlich, sind noch leidlich erhalten. Die ersichtlichen Spruchbänder wurden noch nicht enträtselt. Das Ganze zeigt gute Arbeit, bessere als an den zwei anderen jetzt freigelegten Bildern. Die Annahme, daß die Südwand der Kirche früherhin durchaus mit Gemälden versehen war, scheint berechtigt. Ueber den Maler weiß man nichts. Frankfurt a. TL, 17. Oktbr. Heute mittag wurde der 40 Jahre alte Dr. phil. Gerhart Lorenzen, der in einem Pensionat in der Lindenstraße wohnte, in seinem Bette be- wußtloS aufgefunden. Die freiwillige Rettungsgefellfchast brachte chn ins Bürgerhospital, wo er gegen 3 Uhr nachm. starb. Verschiedene Symptome lasten auf Vergiftung schließen; man fand im Zimmer eine leere Flasche. Schriftliche Aufzeichnungen wurden nicht entdeckt. Die gerichtliche Sektion soll morgen erfolgen. Homburg v. d. H., 17. Okt. Kapitänleutnant Jacoby der plötzlich vor den Kapverdischen Inseln verstorbene Navigationsoffizier des Schulschiffes „Moltke", hatte vor einiger Zeit das Unglück, daß er bei dem Dienst an Bord kopfüber eine von einem Deck ins andere führende Treppe hinabstürzte. Die Folgen dieses Sturzes scheinen schwerer gewesen zu sein als man annahm; denn diese haben den jungen, tüchtigen und überaus liebenswürdigen Seeoffizier veranlaßt, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Jacobi gehörte dem Jahrgang 1887 des Seeoffizierkorps an und war erst am 9. 2lpril v. I. in. seinen jetzigen Dienstgrad aufgerückt. Er war der älteste Sohn des hiesigen Stadtältesten und Baurats Jacobi. Unter den vielen bei der trauernden Familie eingegangenen Beilcidskundgebungen befand sich auch ein Telegramm des Kaisers. — Auf die elektrische Bahn wurde Dienstagabend ein Attentat verübt. Der letzte Wagen von Dornholzhausen entgleiste. Die Entgleisung wurde durch zwei große Gerüststangen -verursacht, die quer über die Schienen gelegt und zwischen dem Gartenzaun einerseits und dem zweiten Geleise, an dessen >Auspflasterung zur Zeit gearbeitet wird, andererseits ein- igeklemmt und mit Steinen ordentlich befestigt waren. Die von den Rädern durchschnittenen Stangen hatten den Wagen, -nachdem er entgleist war, gleichsam auf Rollen weiter befördert und ihm auch über den Graben geholfen, in welchen -er sonst gestürzt, wodurch natürlich ein größeres, unberechen- lbares Unglück entstanden wäre. Die Insassen kamen ohne größere Verletzungen davon. •* Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten. In Ober-Roden standen sich bei der Wahl von vier lneuen Gemcinderatsmitgliedern Zentrum und Sozialdemo- ikratie gegenüber. Es gelang, die Liste der Zentrumspartei glatt durchzubringen mit 170, 169, 166 und 158 Stimmen. Die Kandidaten der Sozialdemokratie erhielten 157, 138, 132 und 130 Stimmen. Die Sozialdemokraten verloren damit einen ihrer seitherigen Sitze im Gemeinderat. — In Klein- Steinheim ereignete sich am Dienstag in dem Roussell- fchen Basaltwerk ein schrecklicher Unglücksfall. Der Erdarbeiter Franz Acker aus Seligenstadt wurde von einer plötzlich inS -Rutschen gekommenen Grundschicht so unglücklich auf die Schienen für Rollwagen geworfen, daß ihm mehrere Rippen brachen und die Brust eingedrückt wurde. Acker blieb au: der Stelle tot. Der Verunglückte ist 29 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe mit 3 kleinen Kindern. — Gerichts-Assessor Halbey, bisher in Wetzlar, ist als Hilfsrichter an das Amtsgericht zu Katzenellenbogen komsttiert» Vermischtes. * Grimma, 17. Okt. Heute mittag 12 Uhr gelang es, >en verschütteten Brunnenbauer Thiele durch eine Röhre, die etwa 35 Zentimeter Höhe hatte, zu retten. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er augenblicklich ruht. Doch fühlt er sich ganz wohl und konnte ohne Hilfe die Treppen emporsteigen und sich selbst entkleiden. Er nahm anscheinend mit gutem Appetit Nahrung zu sich. Hier herrscht allgemein freudige Bewegung. ♦ Gelsenkirchen, 17. Okt. Gestern sind im Staüt- und Landkreise fünfzig neue Typhuserkrankungen vorgekommen. Ter gestrigen Beratung der Medizinalbehörden wohnten Professor Koch und der Oberpräsident von Westfalen bei. * Galatz, 17. Okt. Der Lloyddampfer „Eprdaure" ist im schwarzen Meere gestrandet. Einzelheiten fehlen. * Paris, 17. Okt. In St- Maurin wurde ein teilweise gelähmtes Greisenpaar in seiner Wohnung tot ausgefunden. * Feuersbrunst. In dem russischen Grenzorte Sckleusana wütet eine furchtbare Feuersbrunst. 346 Besitzungen sind vollständig niedergebrannt. Turch Glutfeuer von diesem Riesenbrande ist das drei Kilometer von der Brandstelle entfernte Dorf Storomyschy in Brand geraten. Auch dort sind 22 Besitzungen völlig abgebrannt. Das Elend ist unbeschreiblich. Ueber 1500 Personen sind obdachlos. Verbrannt sind eine Dienstmagd und drei Kinder. Bei den Rettungsarbeiten haben viele Personen Verletzungen davongetragen. * Rom, 17. Okt. Nachdem nunmehr seit der Isolierung des Lazaretts in Nisida und seit dem Auftreten des letzten Pestfals in Neapel zehn Tage vergangen sind, ohne daß in Neapel oder anderswo ein neuer Fall vorgekommen ist, hob das Seeaesundheitsamt die Verfügung vom 25. September auf, wodurch Anordnungen für die Herkünfte von Neapel getroffen wurden. * R o m, 17. Okt- Der gestern gefangene Mndit Musolino hat Ängestanden, 20 Personen ermordet zu haben, und zwar aus Rache. Er drückte darüber sein Bedauern aus, daß er Kalabrien verlassen habe, denn sonst wäre er der Polizei wohl nicht in die Hände gefallen. Die Carabinieri, die ihn gefangen haben, erhalten zusammen 50 000 Lire Belohnung und außerdem jeder eine Medaille. • Gerechter Vorwurf: Professor (beffen Frau sich auf einer Gebirgstour aus Versehen auf sein Früstück gesetzt hat, vorwurfsvoll): „Hier sind nun ca. drcimalhunbert- tausend Quadratmeter ohne Butterbrot, und natürlich, Du setzt Dich auf ben einen Fuabratmeter, wo bas meine liegt!" — Hchisssnachrichten. Norddeut scher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl LooS, Kirchenplatz. Bremen, 16. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschraubenpostdampfer „Königin Luise, Kapt. O. Vogler, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr nachts wohlbehalten in New-Pock angekommen. e3teD e'tar Linie- Tinrroerpen. Der Postdampser „KensingLon" der Red Star Sxnte, in 5ha- roerpen, ist laut Telegramm am 15. Oktober wohlbehalten m New- Pork angekommen. ____________ "Locher’s Aiitineon.“ Macke gesetzlich geschützt. Unschädliches innerliches Mittel gegen (Gonorrhoe-Ausfluß, Harnbrennen, Harndrang, Harnverhaltung, Blasenkatarrh u. s. w.) Zus.: 40 Sarsapartl. 20 Burzelkraut, 10 Ehrenpreis, 100 Weingeist, 100 Loguac Aerztlich wärmstens empfohlen! Schmerzlos! Rasch und unschädlich wirkend! Ohne jede Bcrufsstörung! Dr, Lewi* schreibt in feinem Birch: „Gonorrhoe kann nur durch innere Medizin einfach, sicher und ohne Folgen geheilt werden. Als das weitaus beste und zweckmäßigste Mittel zur Seilung gcuanutcr Krankheiten hat sich „Antineon" erwiesen! ie Anwendung des Präparats ist eine beqncme und für reden Patienten ohne viele Umstände inöglich, da die Flüssigkeit in etwas Wasser leicht eingenommen werden kann. — Die Heilung von Gonorrhoe und Blasenleiden nahm bei Anwendung von „Locher’* Aiitineon“ einen ungewöhnlich raschen Verlauf und konnten Patienten mü acuter (frischer) Gonorrhoe schov nach einigen Tagen alS gesund entlassen werden." I>r. JK. Sommer in Thayngen berichtet: „Antfc neon“. Bei verschiedenen Krankheiten der männlichen und werblichen Blase kam es zur Verwendung und der Erfolg hat mich stets vollauf befriedigt. Es scheint dieses neue Medikament auch auf gewisse krankhafte Prozesse des Magens heilkräftigen Einfluß auSzuübcn rc. re. ®147 l>r. .— o WAS- rr . vo~~> G> **=05 UQ. >§'c B -2 ä . 2 s ‘2 Ö—.2t .2 -S § g Jo 5 3 o •5 ~ So S c = ö s e io e'0 2 'S B 'SLR . ^rs „ e- ClS c K VD &> — S >O Cigarren. Carl Schneider Cigarren. Giessen, Marktplatz 5. 6551 Spezialität: Vorstenlanden, sog. Nadal-Cigarre Detailpreis pro Stück 6 Pfg. Bei erS^S^"^prkät,fer XXX Zahlreiche sonstige empfehlenswerte Sorten in jeder Preislage. XXX Bekanntmachung, Offenlegung der Listen der Stimmberechtigten zur Stadt- verordueteuwahl betreffend. Während der Zeit vom 18. Oktober bis 25. Oktober 1901 einschließlich (auch Sonntao), vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 5 Uhr, liegt bte Liste der in der Stadt Gießen zur Stadtverordnetenwahl Stimmberechtigten, sowie das S)nis der zu dem höchstbesteuerten Drittelt der Wählbaren en Personen in dem Büraermeistereigebaude — Zimmer — zu Jedermanns Einsicht offen. Innerhalb dieser Frist lomt in dem bezeichneten Lokale jedes Mitglied der Stadtgememde Einsicht von diesen Listen nehmen imb Einwendungen gegen dieselben vorbringen. Gießen, den 17. Oktober 1901. 6908 Großherzogllche Bürgermeisterei Gießen. _______________Mecum._______________ SS ti t tit d utt 0p cketr.: Das Einhalten der Tauben während der Saatzeit. Die Besitzer von Tauben werden unter Hinweis auf Art. 79 '.des Feldstrafgesetzes ausgefordert, ihre Tauben von heute bis Ende dieses Monats in den Schlägen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift müssen nach Maßgabe des Feldstrafgesetzes zur Anzeige und Bestrafung gebracht werden. Diese Bekanntmachung findet auf die Militär-Brieftauben cketue Anwendung. Gießen, den 16. Oktober 1901. 6907 Grohherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Verwaltungsrat beschlossen hat, künftig für neue Einlagen bis zu 8000 Mk. 4%, für solche im höheren Betrage aber nur 3^/^ °/0 Zinsen zu vergüten. Gießen, am 14. Oktober 1901. Der Direktor der Spar- und Leihkaffe Gießen. ___________________Wiener._______________6896 Gascokes, Infolge Stadtverordneten - Beschlusses vom 20. Juni d. I. 'tritt eme PmsermPMg rajtrer (Makes ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres festgesetzt wie folgt: Für den Eentner ab Verkaufsstelle: Stück-Cokes . . . ........... 1,20 Mk. Ruß-Cokes in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofens chäch te passend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, g an g- barste Sorte .........1,30 Mk. Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit . . . . . z 1,35 Mk. Zu Wagenladungen von mindestens 36 Centueru: Stückcokes ..44.*. 1,16 Mk. NußcokeS «ti 1 * ; ; j . 1,25 , NutzcokeS Nr. 2 .... . 1,30 „ Bei gleichzeitiger Entnahme von mindestens 200 Centneru: StückeokeS 1,10 Mk. Nutzcokes Nr. 1 . . IM) „ Nutzcokes Nr. 2 . * . . . 1,25 „ Mr Eokesabnehmer, welche zwei itnb mehr Doppelwaggons 'beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Eenmer. Für Aufuhr au das HauS werden 6 Pfennig für deu Gentner berechnet. HB. Sofern das Verbringen der EokeS — bis zu 6 Eentnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall re.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centuer Cokes statt; dagegen bleibt bet folgenden hiesigen Firmen der Klemcrkimf unserer Gnsrokes von 1 bis 5 Centuer bestehen, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Lowengasfe 11 und Bahnhofftraße 33, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Cd. Klirrtet, Bahnhofftraße 10, Emil Lotz, Kircherwlatz 9, Cmil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Lrcherstraße 2, Georg Unverzagt, Kaplansgaffe 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer GaSeokes samt Anfuhr wie daS Gaswerk unb verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Centnern. Gießen, den 21. Juni 1901. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gieße«. I. V.: Edm» Wetter. ___________ 4388 Unterröcke in Tuch, Moire u. Seide von den einfachsten bis zu den elegantesten, Anstandsröcken in Flanell u. PiquA in allen Preislagen empfiehlt fiebert Haas Macht., Seltersweg 18. 6627 Seltersweg 18. (irlrihüitiiindjiiniuii Mittwoch de« 30. Okt. 1901, nachmittags 21/, Uhr, sollen auf hiesigem Ortsgericht die dem Wich. Schmall ID. und Kinder vor Namen stehendett Grundstücke: Flur 36/206716 — 503 qm Hof- raite aus die Eichgärten und die Wiesen, Flur 36 2067,0 — 159 qm Grabgarten daselbst, Flur 86-2067,. — 129 qm Grab- garten daselbst, Flur 36/206716 — 306 qm Grasgarten daselbst, Flur 36/2O677/ioo — 45 qm Wiese daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Die Versteigerung wird auch dann genehmigt, wenn bei derselben der Schatzungspreis nicht erzielt wird. Gießen, den 11. Oktober 1901. Großh. Drtsgericht Gießen. Gros. 6855 Samstag de« 19. Oktbr. 1901, nachmittags 2*/t Uhr, sollen auf hiesigem Ortsgericht die Liegenschaften der Heinrich Schmalsischen Eheleute, nämlich: Flur 1/162 — 88 qm Hofraite tn der Wolkengasse, Flur 1/163 — 88 qm Grabgarten daselbst auf Antrag des Konkursverwalters öffentlich meistbietend versteigert werden. Der Zuschlag wird bei annehmbarem Gebot sof. erteilt. Gießen, den 7. Oktober 1901. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. 6670 Submission. Für unsere Klinik soll die Lieferung von Weißzeug und Kleidungsstücken auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die Bedingungen liegen nachmittags von 3 bis 5 Uhr auf dem Vcrwaltungsbureau offen. Offerten, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum 16. November d. Js., vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage. Gießen, den 16. Okt. 1901. Großh. Direktion der chirurgischen Univ.-Klinik. P opp ert. 6919 Submission Für unserere Klinik soll die Lieferung von Weißzeug und Kleidungsstücken auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die Bedingungen liegen nachmittags von 3 bis 5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen. Offerten, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum 10. November d. Js., vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage. Gießen, den 16. Okt. 1901. Großh. Direktion der Universitäts-Augenklinik. _______VossiuS. 6920 Versteigerung. SamStag de« 19. d. Btts., «achmittagS 8 Uhr, sollen in der Wohnung der Phil. Nicolaus Witwe: Oekouomiegeräte und Schmiedewerkzeuge, darunter eine noch neue Bohrmaschine rc., öffentlich meistbietend versteigert werden. 04179 Steinbach, den 16. Okt. 1901. Phil. Nicolaus Witwe. Geselligkeits - Verein Gießen. SamStaa den 19. d. NUS.: 6883 Oenerai<>Ve?*sammBung. Tagesordnung: 1. Rechnungsablage. 2. Vorstandswahl. 3. Aenderung der Statuten. 4. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Der Vorstand. Gd$taV jlypert, Lennep Streng reell christliche Airma, gegründet 1877. i Wer wirklich gute, gediegene Anzug- und Aatetotstoffe tragen will, versuche meine Lennep er Fabrikate. Wer diese Stoffe eiimaC gekauft hat, kommt stets darauf zurück. Herr Rentner H. M. in Berlin schreibt: Ich ziehe Lcnuevcr Ware vor, well dieselbe notorisch länger hält, als andere Fabrikate usw. 2996 Aehnliche Anerkennungen laufen fortwährend ein. Muster franko ohne Kaufzwang. Strickwolle (Marke M. Ä K.) 6761 in allen Farben und Qualitäten zu billigsten Preisen. Rock wolle von 90 Pfg. per Pfund an und höher. J= H. Fuhr, Sonnenstraße 25. NB. Stricken von Strümpfen, Röcken rc. wird billigst besorgt. Auch stehenMnstcrröckc zum Abstricken gratis zur Verfügung. 'S- Ist die Krone aller Ka-Heeverbesserungsmittel als der feinste Kaffeezu-atz. Weber’s Carlsbader Kaifeegewürz ist die Krone aller Kaffee- verbesserungsmittel. 804 Weltberühmt Reiner Bienenhonig per Pfd. 1 Mt., zu verkaufen. Philipp Bauer ll., Bienenzüchter, Bahnhofstraße 57, II. Scbell^r* preisgekrönter Cognac ärztlich empfohlen in 7i» 7i, 7« Flaschen. Mosel-Cognac pro Fl. Mk. 1.80, 2.40, 8.—, 4—, 5.—. 1299 Französ.Cognac pro Fl. Mk. 3.—, 4.—, d.—,6.—. Niederlagen in Giessen bei: H. 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Dieselbe umfaßt ca. 4000 Nummern (fünf altertümlich eingerichtete Stuben und eine Küche, deren Bewohner in entsprechender Vollstracht), welche einen Einblick in Herborns und der Umgegend Vergangenheit bis zur Jetztzeit gewähren, besonders betreffs seiner Industrie, der Zünfte und feiner Bedeutung als einzige Universität in Nassau. Die Ausstellung ist täglich von morgens 10—12 Uhr und nachmittags von 2 Uhr bis zum Eintritt derDunkelheit, an Sonntagen bis 10 Uhr abends geöffnet. Eintrittspreise: Karten zum einmaligen Eintritt 30 Pfennig, Schüler zahlen bei klassenweisem Besuch 10 Psg. Vom 30. September ab werden außerdem Dauerkarten zu 1,50 Mk. ausaegeben, welche nur für die Person der Lösenden Giltigkeit haben. Denkmünzen in Silber zu 5,60 Mk. und in Goldlegierung zu 1,60 Mk., beides in Etui, sind in der Ausstellung zu haben. Herborn, im Septbr. 1901. 6467 Dsr Vorstand.