Dienstag 19, März 1901 151, Jahrgang »Mn* Nr. 66 Zweites Blatt 1 OktehtM, Expedition und Bendrtd: tchulftratze 7. Adrefle für Dkprsch««! Anzeiger Gtrhe». FernsprkchanschlußNr.IR. erhöhung oder Erschwerung der Einfuhr, das von Deutschland in die Wagschale des Handelsaustausches mit Rußland gelegt wird, wird auch Rußland veranlass en, ein ebensolches Gewicht in seine Wagschale zu legen. Rußland wird hierzu gezwungen, keineswegs aus seinen Kampfneigungen, nicht durch den Wunsch der Gegner zu verwunden, sondern einzig und allein nur deswegen, um die Wage im Gleichgewicht zu erhalten. Schulbildung. $ cr Vergütung. Mrrr Eon W SBlaim Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: Schießübungen. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das 1„ 2. und 3. Bataillon des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm in der Zeit vom 20. bis 23. und 25. bis 28. März, morgens von 8 bis nachmittags 4 Uhr Schießübungen mit scharfen Patronen in dem Gelände zwischen Ruttershausen und Oden- hausen abhalten, und dasselbe zu diesem Zwecke mit Posten ab- sperren wird. Die Schießrtchtuug läuft von Odenhausen in westlicher Richtung (Krumbach) Die Straßen Odenhauseu—Salzböden—Schmelz—Forsthaus —Waldhaus—Wismar find ungefährdet. Bor Betreten des obenbemerkten Geländes zwischen Oden- Hausen und Ruttershausen an den bemerkten Tagen wird daher gewarnt. Auch dürfen sich an den betreffenden Tagen keine Holzarbeiter und Holzsammler in den gefährdeten Waldungen und Steiubrücheu aufhalten. Gießen, den 18. März 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. 'arbeite: in Deutschland aufgeregt hätte, den Charakter einer Regierungskundgebung besitze, wird darauf hingewiesen, daß die „Handels- und Industrie-Zeitung" und der „Westnik Fi- nanssow" als wirtschaftliche Organe in allen Rußland interessierenden volkswirtschaftlichen Fragen, als deren eine auch die hochwichtige Frage der Handelsbeziehungen zwischen yvei Nachbarstaaten anzusehen sei, dieselben unabhängig von allen politischen Stimmungen frei und ungezwungen behandeln, indem sie Erscheinungen kritisieren ohne Rücksicht darauf, von wo und von wem sie herrühren. Die Verantwortlichkeit für die Tarstellungsweise liege dabei voll und ganz auf den Redaktionen, nicht aber auf dem einen oder anderen Regierungs-Beamten. Als offiziöse Organe des Finanz-Ministeriums richteten sich diese Organe aber in den (Lrundzügen nach den Ansichten dieses Ressorts. Die ganze Bedeutung dieses Artikels habe auf den Gedanken an die Folgen beruht, welche die neue Richtung der deutsck)en Handelspolitik haben müsse und diese Gedanken gehörten voll und g an z dem rus s i s ch e n Fi n an z - m i n i [t c t i u tn ctti Onwr Sph 9irfifpfs fvitit Lrtr Expedition, ij. I es: „Jeder Staat vezngsprejr üiertdjätKl Mk. 2.20, monall. 75 Pfa. nntBringcrlohn; durch M< Abholestellen vierteljährl. SRI. 1.90, monall. 65 PH. Bel Postbezug vicrteljLH«l. Mk. 2.00 ohne Bestell,«» Alle vnzktarn-DerrnlkllunHl- Ptllen be« In. und «uOlanN« nehmen Anzctoen für »tedeorr Anzeiger entgeßM. ZetlenprelS lokal 11 aueeärt» to Pfg. achchtiü a n d e l s -V e r - trägen vor?" aufgetaucht sind, und der Umstand, daß im Anschluß an die wirtschaftlichen Gesichtspunkte diesem Artikel der Charakter einer politischen Kundgebung bei- jgelegt worden ist, haben in dem „Westnik Finanssow" und in der „Handels- und Jndustriezeitung" einen neuen Artikel veranlaßt. Die offiziösen Organe des Finanzministeriums behandeln zuerst den Anlaß zum Erscheinen jenes Artikels, der die deutsche Presse so lebhaft beschäftigte. Der Anlaß für das Erscheinen desselben wäre die systematische Verbreitung von Gerüchten durch die deutsche Presse gewesen darüber, daß in der Frage der Er h öhun g der Getreidezölle schon ein Einvernehmen mit Rußland erreicht wäre. Da diese Gerüchte in Deutschland von keiner Seite dementiert worden wären, wäre es Pflicht der gut unterrichteten russischen wirtschaftlichen Organe dies zu thun. In Bezug auf die nicht weniger lebhaft in der deutschen Presse erörterten Frage, ob und in welchem Maße der Artikel, der die Presse und die öffentliche Meinung »in Rodevarwtz, en vir w • Lehrling Woben Schulbildung aus k tilie. ifere Sostümanftrtt< n wir not ItnotlititoiHi .Mbktt i Lohn. Nur allM nen berückfichtigi utihr ibrmädebeo. Mms Ml Hern ÄX in CMmnMl tu ™ WN Mn das «iM . Dienst bcht und c« iabe har. !üchn M‘i'- stchert. Schrift!- in die Exved. d. ihrling «in Manufaktu^ jit ick einen keh"^ ik nach Ostern. Äop tO im Saufe. h, Mätz 190L lis Wiessler. rwvwti MvUnmlrülstp- -Uno, derObeiM.^ b(olDierle) ötyrlingt aus f GM Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. •i« Gießener Zamllien- Hätter werden dem An- ^cr im Wechsel mit „Hesi. dwirt" und „Blätter Mr hesi. Volkskunde" vier» ■wl wöchentlich beigelegt. Man atz»« von Hnielgen M» bet nachmittag» für den Mfcnben Tag erscheinenden Mmmmer bi» oorm 10 Uhr Whdrftellungen spätesten« efctnM vorher. GietzenerAnzeiger M General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Zum Schluß des Artikels heißt hat das volle und unbestreitbare Recht, in seinen inneren wirtschaftspolitischen Angelegenheiten zu verfahren, wie er cs für notwendig und nützlich für das Wohl seines Volkes findet. Tas russische Finanzministerium ist ebensoweit entfernt von dem Gedanken, daß es Rußland möglich sei, sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einzumischen, wie Deutschland entfernt ist, an die Möglichkeit zu denken, sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands einzumischen. Aber man kann nicht außer Acht lassen, daß die Rückkehr zur ökonomischen Autonomie den Entschluß zur Erneuerung der Verständigung über Zolltarife ganz wesentlich erschwert, dessen Wesen darin besteht, daß die vertragschließenden Parteien von ihrer Autonomie teilweise etwas aufgeben und sich im Interesse des gegenseitigen Nutzens mit wechselseitigen Zugeständnissen in wirtschaftlicher Hinsicht begnügen. Auf diesem Prinzip ist namentlich der russisch-deutsche Handelsvertrag vom Jahre 1894 gegründet. Er stellte ein ge- ivisses Gleichgewicht in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten her. Tie Belegung des Grundproduktes der russischen Arbeit mit erhöhten Tarifen verändert radikal die Vertragsbedingungen von 1894. Jeder Autonome ökonomische Schritt von deutscher Seite in der Richtung, das bestehende Gleichgewichtzuverändern, wird einen entsprechenden Schritt von russischer Seite erfordern. 'Jedes überflüssige Gewichtin Art einer Zoll- Bälkemeister. 2y W-iLSttifateflei M 201) ehrlintze Engländer und Buren. General Kitchener*meldet aus Pretoria vorn 15. ds. MtS.: Eine von Lydenburg gekommene Truppenabteilung unter Oberst Parker überraschte ein Burenlager bei KrügerS- post und nahm dasselbe. Ein Bur wurde getötet, 5 wurden verwundet, 32 gefangen genommen, auch wurde Vieh und Getreide erbeutet. Auf englischer Seite fiel ein Mann, vier wurden verwundet. In der Depesche heißt es weiter, die Kolonne deS Oberst Parker habe Abel Erasmus mit Familie auS Lydenburg mitgebracht. Londoner Blätter melden aus Pretoria: Der Deutsche Schlomer, Besitzer eines großen Hotels, der vor Kurzem unter der Anklage, daß er an Botha habe Mitteil, ungen gelangen lassen, verhaftet worden war, ist nunmehr gegen Bürgschaft entlassen worden. Die Beschuldigung hat sich als unbegründet erwiesen. Damit ist der Zwischenfall erledigt. Schlomer hat sich über die Behandlung seitens der Militärbehörden anerkennend ausgesprochen. Dem „New Aork Herald- wird aus Washington gemeldet, die Vereinigten Staaten hätten offiziell, wenn auch indirekt, die Annexion der beiden südafrikanischen Republiken durch England anerkannt. Diese Anerkennung sei in der vom Staatsdepartement herauSge gebenen „Jahresübersicht des Handels zwischen den Vereinigten Staaten und dem Auslande" zugegeben. In der italienischen Deputiertenkammer erklärte der Unterstaatssekretär im Ministerium des Aeußern de Martino, das Gerücht, England habe in Italien Soldaten angeworben, um sie nach Transvaal zu senden, sei durchaus unrichtig. Die italienischen Arbeiter, die nach Antwerpen eingeschifft wurden, seien nicht für Transvaal bestimmt, sondern für Halifax in Kanada. • * Telegramm des Gtetzeuer Anzeiger-. Kapstadt, 17. März. Reuter-Meldung. In den letzten 48 Stunden kamen neun neue Pestfälle vor. Unter den Erkrankten befinden sich drei Europäer. China. Das Oberkommando meldet am 15. aus Peking: Die Stärke des Feindes am 8. westlich des AntsulingpasseS betrug 3000 Mann. Diesseits zwei Verwundete, ein Verunglückter. Das bayerische Bataillon und die Artillerie haben im Gefecht ganz außergewöhnliche Geländeschwierigkeiten überwunden. Die chinesischen Truppen flohen in Richtung Wutai bis Kwanglingtschoenn, 25 Kilometer westlich der Mauer. Kolonne Fritsche hat in Militärlagern bei Matschang (am Kaiserkanal halbwegs zwischen Tientsin und Thsang) große Futtervorräte vorgefunden. Kolonne Arnstedt marschiert von Patchou in breiter Front zwischen Pautingho und Aung- tingho nach Tientsin. Räuberbanden find nicht mehr ange- iroffen worden. Das Deutsche Hilfskomitee für Ostasien hat dem Kaiser durch den Kaisers. Kommissar und Militär- Inspekteur der freiwilligen Krankenpflege, Grafen von Solms- Barulh, Exz, zur Unterstützung der Angehörigen, sowie der Hinterbliebenen der bei der Expedition nach Östasien befindlichen Personen 200 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Darauf ist dem Komitee ein Schreiben des Grafen von Solms zu gegangen, demzufolge der Kaiser diese Summe angenommen und bestimmt hat, daß hiervon 150000 Mk. dem Kriegsministerium und 50000 Mk. dem Reichsmarineamt überwiesen werden sollen. Deutsches Keich- Berlin, 17. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Dem Kaiser sind nach dem betrübenden Vorfall in Bremen zahlreiche Beweise der Teilnahme aus allen Ländern zugegangen. Wir verzeichnen hier nur die Glückwunsch telegramme der Kaiser von Rußland, von Oesterreich Ungarn und von Japan, des Sultans der Türkei, der Könige von England, Italien, Belgien, Griechenland, Portugal, Rn- mänten, Serbien, der Königin der Niederlande, des Präfi. deuten der französischen Republik, des Schahs von Persien, denen sich noch viele andere Fürstlichkeiten, Regierungen und Würdenträger anschließen. — Im Zustande des Kaisers schreitet der Besie- rungSprozeß so rasch vorwäatS, daß keine Bulletins mehr ausgegeben werden. Von der GefichtSwunde, die eigentlich mehr eine blutende Beule war, sind nur noch geringe »SD rogr»^ Iti 6*1™ rd intimsten Freunde die Wahrheit. Jüngst verließ der Präfi-. dent die Hauptstadt, angeblich, um einen Jagdausflug zu machen, aber er war von einigen vertrauten Freunden begleitet, die ihn überwachten. Der wirkliche Grund seiner Abreise war, daß sein Zustand so beklagenswert ist, daß ein Luft- oder Ortswechsel eine gebieterische Notwendigkeit war. Der Gewährsmann der „World" fügt hinzu, eine Revolution könnte die Folge der Erkrankung Diaz' sein. Mehrere an mexikanischen Werten interessierte New-Iorker Kapitalisten erkundigten sich beim mexikanischen Gesandten, ob die Ge rüchte über den Zustand des Präsidenten Diaz begründet seien. Der Gesandte erwiderte, das Befinden des Präsidenten habe sich wesentlich gebessert, er kehre in wenigen Tagen in die Hauptstadt zurück. Aus Stadt und Land. Gießen, 18. März 1901. **DasProgramm deshiesigenGroßh. G.y m- n a s i u m s liegt uns vor. Es enthält außer Schulnachrichten und einer Chronik des Gymnasiums einen Aufsatz des Direktors Professor Dr. Schädel über „Immanente Parallelbehandlung des Goethe- und Schillerstoffes in Oberprima", der sicherlich allgemeine Beachtung finden wird. ** Bezirks-Lehrerturnverein. Man schreibt uns: Am letzten Samstag fand die erste Turnstunde unter Leitung von Lehrer B a ch - Großen-Linden statt. Der in den Vereinsorganen veröffentlichte Stoff und die klar entwickelte Methode befriedigten alle Teilnehmer, und man fand sich in dem Gedanken zusammen, daß solche Turn- stunderi d och vielseitige Anregung, besonders für das Turnen in der Schule, bieten. Der beste Erfolg der ersten Turnstunde aber ist sicher der, daß man einhellig beschloß, im nächsten Monat alsbald wieder eine Turnstunde abzuhalten. ♦* Ueber die Genossenschaftsbewegung, im Besonderen über die Konsumvereine sprach am Samstagabend der Leiter der Hamburger Groß-Einkaufs- genossenschaft, Kaufmann, vor gut besuchter Versammlung im Orbig'schen Lokale. Der Redner führt zunächst aus, daß die Genossenschaftsbewegung mit der Organisation der Arbeiter, der Gewerkschaftsbewegung eng verbunden sei. Richt nur mit dem Steigen der Löhne, sondern auch mit der Zersplitterung des Kleinhandels seien die Preise der Lebensmittel in die Höhe gegangen. Daß die großen Warenhäuser im stände seien, billiger zu verkaufen, als die mittleren und kleinen Händler, liege in der Macht des ihnen zur Verfügung stehenden Kapitals, vermöge dessen sie vorteilhafter einkaufen könnten. Der Großeinkauf ermögliche sonach auch den Konsumvereinen, ihren Mitgliedern billigere und bessere Waren zu bieten. Was die Konsumvereine in dieser Hinsicht zu leisten vermögen, zeigt der Redner an einigen mit Zahlen belegten Mitteilungen, besonders wies auf den vielfachen Millionenumsatz des gleichzeitig als ' Groß Produzent arbeitenden Konsumvereins Leipzig-Plagwitz hin, und stellte in Aussicht, daß die Konsumvereine in Zukunft erfolgreich mit den Großwarenhäusern konkurrieren würden. Der Redner schildert hierauf den Einfluß des Genossenschaftswesens auf die Produktion und damit auf die Lage der Arbeiter, die auf dem Umwege des Konsumvereinswesens selbst Produzenten würden, wodurch sie sich die wirtschaftliche Macht und in deren Folge auch die politische sicherten. T4e Frage, ob man in Gießen einen Konsumverein errichten könne, beantwortete der Redner nicht unbedingt mit: Ja! Die Thatsache aber, daß alle bereits bestehenden Vereine aus kleinen Anfängen heraus sich zu ihrer heutigen Größe entwickelt, und seiner Ansicht nach keine Stadt in Deutschland sei, in der die Gründung eines Konsumvereins unmöglich, berechtige zu der Annahme, daß auch in Gießen der Sache näher getreten werden könne, Mut und fester Wille würde auch hier zum Ziele führen. In der folgenden Diskussion äußerten mehrere der Anwesenden ihre Bedenken gegen eine derartige Gründung im Hinblick sowohl auf die politische Unsickferheit, die noch unvollkommene gewerkschaftliche und politische Organisation der Arbeiter und die besonderen lokalen Verhältnisse. Andererseits wurde empfohlen, den Versuch im Sinne der Darlegungen des Redners zu machen. Ein in einer früheren Versammlung eingesetztes Komite wird sich mit den Vorarbeiten befassen. I. Pferdemarkt-Omnibus-Verbindung. Zu dem am Mittwoch den 20. d. M. auf dem Viehmarktplatze stattfindenden Pferdemarkt wird der Vorstand der Omnibus- gcsellschaft eine regelmäßige Omnibusverbindung von und nach dem Bahnhofe zu allen ankommenden bezw. abgehenden Personenzügen einrichten. Fahrpreis 20 Pfg. * * 2b jähriges Jubiläum. Am Samstag abend feierte der Oberküfer Gg. Friedrich in der Jughardt- schen Wirtschaft im Kveise des gesamten Personals der Firma „Gießener Brauhaus Ad. Tenninghofs", seine fünfundzwanzigjährige Thätigkeit in der Brauerei. Der Jubilar wurde durch Ucberreichung einer größeren Geldspende, sowie prachtvoller Geschenke erfreut, und die Feier verlief in würdigster Weise und schönster Harmonie. Sie hat wieder gezeigt, daß das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein recht gutes zu nennen ist. **Ausdem Theaterbüreau wird uns geschrieben: Auf vielfachen Wunsch wird am Dienstag noch einmal „F l a ch s m a n n als Erzieher" aufgeführt, und zwar als letzte vo l ks tüin l ich e Vorstellung der Saison. Da auf die beiden folgenden Spieltage, Mittwoch und Freitag Theatervereinsvorstellungen fallen, so findet die nächste Abonnementsvorstellung erst Sonntag, den 24. ds. Mts. statt. * * Irene Triesch Gastspiel. Um irrigen Gerüchten ent gegenzutreten, sei bemerkt, daß die Billets durchaus nicht vergriffen sind, sondern noch in allen Preislagen zur Verfügung stehen. ES sei ferner darauf aufmerksam gemacht, daß mit heute (Montag) abend das Recht der Theatervereins-Abonnenten, ihre Plätze zu belegen und für dieselben ein Billet zu ermäßigtem Preise zu lösen, aufhört. Don Dienstagmorgen an geschieht der Verkauf nur noch zu den vollen Preisen. Die nicht belegten Plätze werden dann an jedermann ab- gegeben. * * Evangelischer Arbeiterverein. Am Soun tagabend sprach Rechtsanwalt Raab im Vereinslokal des Evangelischen Arbeitervereins über „Wohnungsmiete". Der Redner führte der.Versammlung in ctnxi einslündigem Porttag das Wesentliche aus den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs über diese Materie vor (z. B. Fehler und gesundheitswidrige Beschaffenheit der Wohnung, Abnutzung, Untermiete, vertragswidriger Gebrauch, Kündigung, -Eigentumswechsel, Pfandrecht an den eingebrachten Sachen). Der Redner stteifte auch den Prozeß, soweit es die Streitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter angeht, und brachte einen interessanten Fall einer Exmission zur Sprache, wobei er darauf hinwies, daß das Armenamt nicht helfen konnte, und daß auf diesem Gebiet überhaupt noch vieles zu thun sei. Ter Redner kam zum Schluß noch auf eine Anzahl Fragen aus dem Strafgesetzbuch, Polizeistrafgesetzbuch und aus lokalen Polizeiverordnungen zu sprechen. Er hatte es als sein Ziel bezeichnet, den Zuhörern den spröden Gesetzestext durch praktische Fälle und in der Form der Erzählung näher zu führen. Wir glauben, daß ihm dieses gelungen ist. Tas bewies das lebhafte Interesse, mit dem man seinen Ausführungen olgte, der Beifall und die Diskussion, bei der aus der Mitte der Versammlung eine wahre Fülle von einzelnen Fragen zur Erörterung gebracht wurde. Rach dem Vortrag kamen noch interne Angelegenheiten des Vereins zur Sprache. Allseitige Zustimmung fand dabei das Projekt des Vorstandes, den Vereinsmitgliedern nächstens zwei Volkskonzerte mit klassischer Musik zu einem Eintrittspreis von etwa 20'Pf. zu ermöglichen. -o- Lang-Göns, 18. März. Am 23. Juni gedenkt der Gesangverein „Germania" sein zehnjähriges Stift- u n g s f e st, verbunden mit großem Sängerfest au feiern. Der Verein hat 125 Mitglieder. Dirigent ist Herr C. S o m - merlad aus Gießen. — Ter Gesangverein „Froh- i n n" besteht hier schon 46 Jahre. Dirigent ist Herr G. Lames-Holzheim.— Alle Mittwoch abend während der Passionszeit hält Pfarrer Weber einen Gottesdienst ab, der stets stark besucht ist. — In kurzer Zeit kamen hier 13 Verlobun gen zustande. § Rockenberg, 17. März. Ein ebenso frecher als rätselhafter Einbruchsdiebstahl soll gestern nacht hier verübt worden sein. Der Anstaltsgeistliche Fischer im Landeszuchthause hier, fand zu seinem Schnecken am Morgen den Kassenvorrat geraubt, auch waren diverse Eßvorräte re. gestohlen. Das Gaunerstückchen ist um so auffallender, als bei dem Gebäude, in dem die Wohnung des Bestohlenen liegt, ein militärischer Wachtposten steht, und der oder die Diebe gar nicht bemerkt worden sind. Von ben Thätern ehlt bislang jede Spur. B. Lauterbach, 16. März. Wie schon mitgeteilt, wurde gestern, nachdem zwischen 11 und 2 Uhr die Prämiierungskommission ihres schwierigen Amtes mit großer Genauigkeit gewaltet hatte, die erste Vogel - und Geflügelausstellung zu Lauterbach durch Kreisrat Dr. Wallau-Lauterbach eröffnet. Pfarrer Licht-Angersbach wies daraus in kurzer, kerniger Rede auf die Bedeutung dieser ersten Ausstellung hier hin, die den Zweck habe, einmal au zeigen, was in unserer Gegend auf dem Gebiet der Geflügelzucht geleistet werde und sodann weitere Kreise ür diesen Zweig der Landwirtschaft zu interessieren. Seine Worte gipfelten in einem Hoch auf unseren Landesfürsten, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Darauf and unter Führung des Vorstandes des Lauterbacher Ge- lügel- und Vogelzuchtvereins, der Herren May und Diehm, eine Besichtigung der ausgestellten Tiere und Gerätschaften statt. Besonders reichlich vertreten ist das Jtalienerhuhn, von dem allein 40 Stämme mit über 100 Tieren vorhanden sind. Rach ihm dürften die schwarzen Minorka, Hamburger Silbersprenkel, Langshan, zu nennen sein, von denen wunderschöne Exemplare borhanden sind. Merkwürdigerweise fehlen jegliche Vertreter unseres hiesigen Landhuhnes. Auch die gewöhnliche Haustaube ist nicht in der Ausstellung zu finden, während andere Tauben, Brieftauben, Mohrenköpfe, Bagdetten, Indianer, Kröpfer, Mövchen, Trommler rc. in mehreren Stämmen vertreten sind. Eine Anzahl Truthühner, schöne Tiere, fesseln gleich beim Eingang in den Ausstellungssaal unseren Blick, während Enten und Gänse in einem anderen zur Ausstellung gehörigen Raume untergebracht sind. Von den ausgestellten Hühnereiern erregen die von Pfarrer Licht-Angersbach ausgestellten Jtaliener- und Minorka-Eier mit ihrem respektablen Gewicht von 75 bis 80-Gramm allgemeine Bewunderung. Ein kleiner Glassalon mit japanesischen Tanzmäusen ist wohl nur der Seltenheit und der Possierlichkeit seiner Bewohner wegen ausgestellt, weniger, weil er hierher gehört. Daneben befinden ich Pappschachteln zum Versand von Bruteiern, Nistkästen für Vögel aller Arten, Proben verschiedener Vogelfutterarten u. a. m. Eine sehr schöne Kollektion ausgestopfter Vögel, darunter ein kürzlich im Kreise Lauterbach geschossener Adler, gereichen der Ausstellung zur Zierde. Die ganze Anlage und Ausschmückung der Ausstellung ist sehr geschmackvoll und zeugt von großer Sachkenntnis, aber auch von emsigem Fleiß und vieler Mühe der Ausstellungsleiter. Darmstadt, 16. März. Wie verlautet, wird das Zarenpaar schon in nächster Zeit hierher kommen und auch der K a i s e r i n F r i e d r i ch auf Schloß Friedrichshof einen Besuch abstatten. fc. Mainz, 17. März. Der bei der dritten Eskadron 13. Husaren-Regiments im zweiten Jahre dienende Husar Gärtner aus Lauter bei St. Goarshausen, st a r b gestern morgen vor Beginn des Stalldienstes, nachdem er sich bereits angekleidet und noch einmal aufs Bett gelegt hatte, plötzlich an einem Herzschläge. Mainz, 16. März. Der hiesige Taglöhner Georg Frey, der am 23. Dezember v. I. seinen Vater durch Fußtritte in der gemeinschaftlichen Wohnung in der Kurfürstenstraße tötete, wurde wegen Geistesstörung außer Verfolgung gesetzt, und kommt in die Siechenanstalt nach Heidesheim. — In Sachen der Militärdienstpflicht der Volksschullehrer hat der Vorstand des katholischen Lehrervereins folgende Eingabe an das Großh. Ministerium, Abteilung für Schulangelegenheiten, gerichtet „Hohes Ministerium wolle bestimmen, daß das Militär, dienstjahr der Volksschullehrer sowohl bezüglich der Ab legung der Definitorialprüfuna als auch bei Bemessung der Dienstalterszulagen und der Pensionsbezüge so angerechnet werde, als ob es im Schuldienst selbst zugebracht worden sei. fc. Frankfurt a. M., 17. März. Für das hier zu errichtende Frau Rath (Go e t he)-Den k m a l sind bis jetzt 15 369,90 Mark freiwillige Spenden bei dem Komite eingegangen. — Los von Berlin war das Kampf- gcschrei einer hier abgehaltenen, zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung, die von dem literarischen Verein Jung - Deutschland einberufen war, um der Oberhoheit Berlins über Süddeutschland in geistigen und insbesondere Theaterfragen den Garaus zu machen. Tas positive Ergebnis der Versammlung war die Feststellung der That- ache, daß der Wunsch nach Errichtung eines Volks - tHeaters hier ein allgemeiner ist. * • Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ein Zuchthausgefangener des Butzbacher Zellengefängnisses, der in seinem Zelle als Schuhmacher beschäftigt war, machte jüngst seinem Leben dadurch ein Ende, daß er ich mit oem „Schuflerkneip" den Hals durchschnitt. Die Leiche wurde nach Gießen verbracht. Vermischtes. * Coblenz, 17. März. Ein am frühen Morgen auS- gebrochenes Großfeuer zerstörte in Ehrenbreitstein vier große Wohnhäuser, dabei den Gasthof „Weimarer Hof". * Kriminalschutzmann Stierstädter — bestraft — belohnt. Der Prozeß wider den Bankier Sternberg )atte bekanntlich auch dazu geführt, daß gegen den Kriminal- chutzmann Stierstädter wegen einiger „Dienstunregelmäßig, eiten" ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde. Nach der vorläufigen Beendigung des Sternberg-Prozesses und Ver- urteilung des Kriminalkommissars Thiel ist auch dieses Berühren nunmehr zum Abschluß gelangt. Das Resultat be- tand in einem einfachen Verweise für Stierstädter, weil sich in seiner Eigenschaft als Polizeibeamter in einer mit >em Dienst nicht gut zu vereinbarenden Weise nicht richtig »enommen hat. Diese Bestrafung hat indeffen ein interessantes Pendant erhalten. Für seine Umsichtigkeit und unerschrockene Amtsbethätigung ohne Ansehen der Person ist dem Schutz, mann Stierstädter vom Berliner Polizei-Präsidium eine Gratifikation in Höhe von 75 Mark zuerkannt und gezahlt worden. St. wird im Polizeidienste bleiben. * Zur Entschuldigung des Duells schreibt jemand in der „Konserv. Monatsschrift": „ES ist das Duell ein Symbol des allein und ewig vollgiltigen Opfers Jesu Christi." -)as „Ev.-Prot. Kirchenblatt" bemerkt dazu: Und solche an Blasphemie streifende Weisheit will „konservatives, recht- j läubiges und alleinberechtigtes Christentum" sein. * Wien, 17. März. Der Bankier Albert Bogel, der ehemalige Chef des Bankhauses Meyer & Bogel, wurde heute unter dem Verdachte des Giftmordes und der Erb- chleicherei verhaftet. * Ueber einen Frauenmord in Bukarest wird gemeldet : Das Opfer nächtlicher Blutthat wurde eine 48jährige, vermögende Frau, Julia Jarca, die ungeachtet ihrer angesehenen Familie und trotz ihres Alters auf dem Pfade des Lasters wandelte. An dem Abend, als die That geschah, begegnete sie dem 19jährigen Schüler des Lyceums Brandza, Alexander Candiano, einem Sohn des früheren Hofmarschalls Candiano-Popescu. Sie lud ihn ein, sie zu begleiten — be- reitwillig nahm der Bursche, in dessen Gesellschaft sich noch ein Ibjähriger Mitschüler, Stefan Vladoianu, befand, die Ein- adung an. Beide hatten das Opfer, das sie seit Langem üchten, gefunden. Die beiden unreifen Burschen hatten in der Thot sich nur dazu zusammen gefunden, um einen Raab, mord zu begehen. Während Stefan vor dem Hause der Jarca zurückblieb, folgte ihr der andere in die Wohnung. Die ahnungslose Frau hatte sich vor das Pianino gefetzt, um eine Polka zu spielen, als der junge Uebelthäter einen Dolch fervorzug und ihn mit voller Kraft in den Rücken der Jarca ließ. Blutüberströmt fiel die Frau vom Sessel, worauf üanbiano ihr noch weiter eine Anzahl Dolchstiche versetzte. DaS Geräusch lockte das Dienstmädchen der Frau Jarca jerbei, die, als sie den jugendlichen Mörder, mit Blut be- pritzt, auf sich zutreten sah, erschreckt um Hilfe rief. Jetzt öffnete der Mörder das Fenster und sprang auf den zwei Meter tiefer liegenden Hof hinab, wo es gelang, den Verbrecher zu ergreifen. Mit ihm wurde ebenfalls der aus sehr angesehener Familie stammende Spießgeselle verhaftet, der sich durch sein Wachestehen verdächtig gemacht hatte. Cynisch erzählte jetzt der junge Candiano den Hergang, gestand auch offen, daß er gemeinsam mit dem jungen Vladoianu noch eine Reihe anderer Mordthaten geplant habe, um sich in drn Besitz von Geldsummen zu setzen, womit beide in da« Aus- land flüchten wollten. Er wies hierbei sein Notizbuch vor, wo die Adressen mehrerer alleinstehender Damen verzeichnet standen, denen die jugendlichen Mörder ihre Besuche zugedacht hatten. * Ueber einen blutigen Straßenkampf in Ipek erfährt die „Polit. Correspondenz" folgendes: Der in Ipek wohnhafte Albanese Mehemed Rezzo ließ auS Blutrache den Sohn des Notablen Mustapha Bey durch gedungene Arnauteu ermorden. Der Mörder flüchtete in das Haus des Anstifters. Militär umzingelte dieses und ließ dem Mehemed Rezzo sagen, daß daS Haus, falls der Mörder nicht binnen vier Stunden ausgeliefert sei, zerstört würde. Der Mutessariff ließ die Zugänge der Stadt absperren und gegen das Haus Artillerie« feuer eröffnen. Zunächst wurden drei blinde Schüsse abgegeben. Die Eingeschlossenen eröffneten das Feuer und töteten vier Soldaten. Zur selben Zeit entwickelte sich außerhalb Ipeks ein Scharmützel, da Stammesgenossen Rezzos auS Rogora in die Stadt eindringen wollten. Sie wurden von den Truppen zurückgeschlagen. Das Haus wurde hierauf bombardiert und schließlich von Soldaten in Brand gesteckt. Die Jnsaffen, der Mörder mit inbegriffen, wurden durch die zusammenstürzenden Mauern getötet. Mehemed Rezzo verließ das Haus, um sich zu ergeben, wurde aber von den Soldaten niedergemacht. • Brandunglück. Wie aus New Jork gemeldet roirb, zünbeten brei Neger in Balbwin County, Alabama, aus Rache ein Terpentinlager an, bas 200 Barrels Terp.ntin enthielt. Bei bem Branbe kamen 60 Personen umS Leben. . r . ♦ New-Jork, 16. März. Andrew Carnegie hat sich erboten, der Verwaltung von Groß-New Jork 5200000 Doll, zur Errichtung öffentlicher Bibliotheken zu schenken, wenn die Stadt 65 Baustellen für solche beschafft und sich verpflichtet, für die Unterhaltung der Bibliotheken jährlich 500000 Dollars zu verwenden. Ebenso hat Carnegie der Stadt Saint-Louis (Miffouri) eine Million 'S1*«. Mitt. ÄJen aui- tn6ttWtiÄ vier Aker et**" otjttah «Sterübei " de« Kriminal. Mvregrlmäßiq, -rde. Nach der iksses und Str« uch dieses Ler- a6 Resultat bt. 'UnMtrr, weil ttt in einer mit W nicht richtig em interessantes unerschrockene isi dem Schuh. 'Präfidiuni eine k zuertannt und i bleiben. s Wtjtmonb da- Duell em SJesuLhchi." Unb solche an mttotfl, recht, sein. lertöogtl, der fiel, wurde heute und der Erb. karrst wird ge- :bt eine 48jährige, rächtet ihrer au- uf de» Psade dcS Thal geschah, de. yceums Brandza, :tn hosmrschallS begleiten - be« rllschaft sich noch , befand, die Ein« sie seit Langem eschen hatten in um einen Raub- dem Hause der ö die Wogung. mino Mt, wj M emu Dolch c Men brr Jam n Sessel, woraus Dolchstiche versetzte der Frau Im er, mit Vlut bi- Hilfe rief. Ich N den M' gelang, den S- fallS dec auS sehr le verhaftet, der it hatte. Syn-lch ang. *nb *U MviM noch Kid- »w; fein N°M° ' >« Ä cjgfe das ab- «Li» Es; )ervou°^ »>sE s'5-a? SÄ?“ zur Gründung einer Bibliothek angeboten, wenn die Stadt 150000 Dollars jährlich für deren Unterhaltung an wenden will. * Mord auf hoher See. Ter vor einigen Tagen von Sidney auf der Weser eingetroffene Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd „Großer Kurfürst" hat von Fremantle, Westaustralien, zwei Verbrecher mit zurückgebracht, die ans hoher See den Schiffskoch Jessen von der Elsflether Bark „Henny" ermordeten. Die Bark war vor? Kapland nach Fremantle unterwegs und nur noch 450 Seemeilen vom Bestimmungsorte entfernt, als sich das blutige Drama absvielte. Ter Mordthat war ein Streit zwischen Jessen und den beiden Matrosen C. Tavid, 54 Jahre alt, aus Antwerpen, und John Alfons, 39 Jahre alt, von den Azoren stammend, voraufgegangen. Tavid soll dem Mod) den ersten Stoß mit einem langen Messer ver- sctzt haben, während Alfons dem bedauernswerten Opfer den Todesstoß gab. Im Gefänguis zu Oldenburg sehen die Verbrecher jetzt ihrer Aburteilung entgegen. Ob Anklage wegen Mordes oder Totschlags gegen sie erhoben wird, muß erst die Untersuchung ergeben. Gerichtssaal. P. Gießen, 16. März. (Kriegsgericht.) Angeklagt sind die Reservisten Hermann Sch u l d aus Hungen, Karl Jacobi aus Utphe und Karl Hofmann aus Rodheim wegen gemeinschaftlicher vorsätzlicher Körperverletzung, Widersetzung gegen Vorgesetzte und. Gehorsamsverweigerung. Tas Kriegsgericht setzt sich wie folgt zusammen: 1) Kriegsgerichtsrat Heß, 2) Kriegsgerichtsrat Obenauer, 3) Major § er lein, 4) Hauptmann Loerbrocks und 5) Oberleutnant Schröder. Vertreter der Anklage-Behörde ist Kriegsgerichtsrat Link. Verteidiger der Angeklagten ist Rechtsanwalt Römheld. Am 9. November 1900 fand zu Hungen eine Kontrollversammlung statt, an der die Angeklagten und einige Zeugen (es sind 14 Zeugen geladen) teilnahmen. In der Wirtschaft des Zeugen Schmitt V kam es später zu Streitigkeiten, die in Raufereien ausarteten. Unter anderem kam es zwischen dem Reserve- unterofsizier Momberger und Schuld zum Wortwechsel. Als Momberger an den Tisch des Schuld trat, wurde er von diesem zurückgestoßen. Momberger fiel zu Boden und nun entstand eine Rauferei, bei der sick) einerseits der Zeuge Adolf Hofmann und andererseits die Angeklagten Schuld und Jacobi beteiligten. Schuld soll bei' Der Rauferei ein Messer, womit er gerade gegessen hatte, benutzt haben. Daß er damit verletzt hat, ist nicht erwiesen. Adolf Hof- mann, der sick) als der Rädelsführer der Schlägerei erwies, wurde von Schuld, Jacobi und einigen Zeugen gepackt, über den Tisch, hinter dem er saß, gezogen und dann vor die Thür gesetzt. Zwei Gendarmen, Kupke und Kauker aus Hungen, arretierten ihn und brachten ihn in das gegenüberliegende Hastlotal. Tann kehrten die Gendarmen wieder in die Wirtschaft zurück, wo ein neuer Streit ausgebrochen war. Schuld, der am meisten Beteiligte, tpnrDe festgenommen. Als sie ihn ebenfalls in die Arrestzelle abführen wollten, hielt Schuld sich an den Thür-« Pfosten fest, und schlug um sich, wobei er dem Gendarmen Kauker gegen das Knie trat, sodaß diesem der Helm vom Kopfe fiel. Er wurde schließlich überwältigt. Am anderen Morgen wurde er wieder entlassen. Mittlerweile hatte Karl Hofmann das Wirtshaus verlassen, und sick) einen Revolver gekauft. Er kehrte dann in die Wirtschaft zurück und versuchte, in der Küche des Hauses die Waffe zu laden. Er kam aber nicht dazu. Als er in die Wirtschaft zurückkam, sah Gendarm Kupke die Waffe aus der Tasche des Angeklagten hervorstehen und befahl ihm, den Revolver abzuliefern, was Hofmann angeblich verweigerte. Als jedock) der Gendarm sur Visitation der Taschen schritt, hielt Hofmann still und ließ sich die Waffe abnehmen. Ter Angeklagte bestreitet entschieden, sich geweigert zu haben, will vielmehr den Revolver sich ruhig vom Gendarmen haben abnehmen lassen. Nach der Beweisaufnahme läßt .Kriegsgerichtsrat Link die Anklage gegen Schuld und Jacobi wegen Körperverletzung fallen, da nicht erwiesen sei, in welchem Maße die Angeklagten beteiligt gewesen seien. Dagegen hält er die Anklage gegen Schuld wegen Widersetzung und gegen Hofmann wegen Gehorsamsverweigerung aufrecht. Nach eingehender Begründung beantragt Kriegsgerichtsrat Link für Jacobi Freisprechung, gegen Schuld eine Gefängnisstrafe von 7 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft und gegen Hofmann 15 Tage strengen Arrest. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Römheld, schließt sich dem Antrag auf Freisprechung und Fallenlassen der Anklage wegen Körperverletzung an, ist jedoch betreffs der Schuld des Angeklagten Schuld anderer Ansicht. Er beantragt, entweder den Angeklagten freizusprechen oder, wenn das Gericht von der Schuld des Angeklagten überzeugt fei, ihn nicht nach § 96 des M.-Str.-B. zu verurteilen, andern nach § 94 des M.-Str.-G.-B. und bittet höckistens auf eine Gefängnisstrafe von 2—3 Monaten zu erkennen und die erlittene Untersuchungshaft voll anzurechnen. Tas Urteil lautete: Schuld wird wegen Widersetzung nach §96 des M.-Str.G.-B. zu 6 Monaten und 14 Tagen Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten 14 Tagen Untersuchungshaft verurteilt, Jacobi wird f r e i g e s p r o che n und Hofmann zu 3 Wock;en strengen Arrests verurteilt. Tie Angeklagten, mit Ausnahme des Jacobi, erkannten die Rechtskraft des Urteils nicht an, sie wollen Berufung einlegen. Heidelberg, 16. März. Das Urteil im Prozesse gegen Den Stationsasfistenten Weipert (Heidelberger Eisen- bahn-Unglück im September v. I. T. Red.) wurde gestern nacht um 12 Uhr gefällt. Weipert erhielt 8 Monate Gefängnis abzüglich 4 Monate Untersuchungshaft und wurde ofort auf freien Fuß gesetzt.________________________________ Kunst und Wissenschaft. — Aus Frankfurt a. M. schreibt man uns: Zur gefl. Notiz Der Kunstsalon Hermes wird seine neuen Geschäftsräume Ende März mit einer großen Ausstellung eröffnen, in der die ersten Namen unserer Künstler mit neuen bedeutenden Werken vertreten sein werden. Sonder- Ausstellungen veranstalten Rudolf Gudden, Frankfurt a. M, und Paul Mathieu, Brüssel. — Als besonderes Ereignis wird zu be trachten sein die Ausstellung eines 3 Mir großen Original-Gemäldes von Arnold Böcklin, das bisher überhaupt nirgends öffentlich zu besichtigen war und zuerst in Frankfurt ausgestellt wird. — Staubregen. Der „Retchsanz«-iger" schreibt: DaS Königl. Meteorologische Institut in Berlin beabsichtigt, eine eingehend- Untersuchung über die Verbreitung des Staubregens vom 11. ds. Mts. auszuführen. Es ist daher in hohem Grade erwünscht, daß von möglichst vielen Orten genaue Angaben über die Erscheinung an das Institut, Berlin W. 56, Schinkelplatz 6. eingesandt werden. Die Mitteilungen sollen Angaben über die Zcit des Beginns des Staubregens, seine Dauer, über die Farbe der Rückstände des Niederschlags und über andere dabei beobachteten ungewöhnliche Erscheinungen enthalten. Auch würde von Wert sein, wenn noch Staubproben zur mikroskopischen Untersuchung zur Ber- fügung gestellt werden könnten. Die Tageszeitungen werden gebeten, dieser Aufforderung weitere Verbreitung zu geben. Spidplra der vereinigten Zrnvkfvrter LtMtzeater. Opernhaus. Dienstag, 19. März. Benevenuto Cellini. Mittwoch, 20. März. Martha oder Der Markt von Richmond. Lady Harriet Durham: Fräulein Elisabeth Wagner vom Großh. Hoftheater in Karlsruhe, als Gast. Donnerstag, 21. März. Rigoletto; hierauf zum erstenmale Tanzbilder. Freitag, 22. März. Geschlossen. Samstag, 23. März. Jolanthe. Hierauf Die Hand. Zum Schluß Mandanika. Sonntag, 24. März. 3Vi Uhr. Das Nachtlager von Granada; abends Der Troubadour; hierauf Der Kurmärker und die Picarde. Montag, 25. März. Geschlossen. Schauspielhaus. Dienstag, 19. März. Nora. Mittwoch, 20. März. Gastspiel der Frau Helene Odilon aus Wien. Madame Sans Göne. Madame Sans Göne: Frau Helene Odilon. Donnerstag, 21. März.