Xr. 66 Erstes Blatt 151. Jahrgang Dienstag 19. März 1901 1. 2. 3. malbruchform ausgedrückt. c) unerlaubte ■efeafriM, Expedition und Druckerei - rchulftraße 7. die Buren eine solche zur Bedingung ihrer Kapitulation machen müssen. Wenn man Dew et im Kaplande auch los geworden ist, so macht sich dort ein viel unange- nehmerer Gast neuerdings mehr bemerklich, nämlich die Pest in Kapstadt, die jetzt auch fcfyon unter den Weihen ihre Todesopfer sucht, und in dem kühler werdenden Wetter — der Herbst bricht dort an — günstigere Bedingungen für ihre Verbreitung findet. • Zahl der Schulkinder jeder Klasse Ihrer Volksschulen in den rubr. Schuljahren (jedes Schuljahr besonders anzugeben). Geldbetrag der Schulstrafen und deren Verwendung in den drei Jahren. Durchschnittszahl der Versäumnisse in den drei verflossenen Schuljahren, für jedes Jahr und jede Schulklasse getrennt, und zwar: täglich mit ■wtaefrw M Montag«. Mt WffctHtr Familien* wett« nxrbtn drm Mn« Adrrflr für Depesche»; Anzeiger Liehen. Fernsprcchantchliiß Nr. M. a) erlaubte ) „ ... ._ . _ , , . b) wcg-n Krankheit d-rsiiumnlfl- in Prozent unb Dezi- Amtlicher Feil. Bekanntmachung. Betr.: Abhaltung landwirtschaftlicher Vorträge. Herr Landwirtschaftslehrer Reichelt von Alsfeld wird Gvtrutag, 24. b. MtS., nachmittags 3yt Uhr, im Lokale von Heinrich Fink I. zu Hauser» einen Vortrag über „Wiesenbau, Entwässerung, Drainage und Düngung der Wiesen" halten. Am selben Tage, nachmittags t/,4 uhr, wird Großh. Direktor Dr. v. Peter von Friedberg in Muscheuheiw tm K. Roth'schen Lokale einen Vortrag über „Ber» Wendung künstlicher Düngemittel" halten. Ich lade jedermann, der sich dafür interessiert, freundlichst ein, und ersuche die Herren Bürgermeister der Vor tragflotte und der Nachbarorte um ortsübliche Bekannt machuug. Gießen, den 15. März 1901. Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, v. Bechtold. Politische Tagesschau. Gegenüber dem — auch von uns auszugsweise wiedergegebenen — Artikel der „Südd. Reichskorresp." über die hessische Wahlrechtövorlage hebt die nat.-Iib. „Bad. LandeSztg." mit Nachdruck hervor, „daß das indirekte Wahlverfahren als solches in den weitesten Kreisen des badische» Volkes zum Gegenstand der Abneigung, um nicht zu sagen, des AergernisseS geworden ist, nicht nur aus dem Grunde, weil es in sich keinerlei Bürgschaft für Hintanhaltung radi- kaler Elemente enthält, sondern insbesondere im Hinblick auf die nachgerade allgemein bezeugte Erfahrung, daß alle Bevormundung der Gesamtheit der Wählerschaft durch dafl Institut der „Wahlmänner- namentlich in den ländlichen kleineren Gemeinden Mißstimmungen hervorruft, die in der Regel entweder durch Wahlenthaltung ober in schlechthin oppositioneller Stimmabgabe, nicht am wenigsten bei den intelligenten und unabhängigen Wählern, zum Ausdruck kommen." Außerdem bezweifelt das Karlsruher Blatt, daß die badischen Nationalliberalen für die im hessischen Entwurf vorgesehenen Bedingungen des Wahlrechts zu haben wären. ES denkt dabei wohl an den EensuS und die dreijährige Karenzzeit, weniger an die darin vorgeschlagene Reform der Ersten Kammer. Der ziemlich scharf gehaltene Artikel deS nationalliberalen Organs hat augenscheinlich den Zweck, den ernsten Willen der badischen Nationalliberalen zu bekunden, für daS direkte Wahlrecht mit aller Entschiedenheit einzutreten. Wir dürfen daraus schließen, daß auch die hessischen Nationalliberalen dem direkten Wahlrecht sympathisch gegenüberstehen und daß sie bei der Beratung in der Kammer nicht verfehlen, ihre eventuellen speziellen Korrekturvorschläge zur Sprache zu bringen. Am heutigen Tage (18. März) sind 30 Jahre seit dem SchreckenStage der Commune und 53 seit dem unheilvollen Barrikaden-Kampf in Berlin vergangen. Sozialdemokraten und Anarchisten Pflegen diesen Tag zu begehen, und die Polizei in Berlin hat alle Hände voll zu thun, um eventuell Tumulte im Keime zu ersticken. Seit Jahren ist der 18. März ruhig in Berlin verlaufen, und es wird wohl auch in diesem Jahre wenig geräuschvoll und tumultuarisch zugehen. In einer Zeit, in der eS an Arbeit fehlt, pflegt man bekanntlich einen „blauen Montag" nicht zu machen. Die Anarchisten haben zwei Versammlungen anberaumt, davon eine nach dem Saale des sozialdemokratischen Gewerkschaftshauses. DaS anarchistische Organ „Neues Leben" ist zur Feier deS Tages auf rotem Papier gedruckt, enthält aber nichts Charakteristisches. DaS sozialdemokratische Erinnerungsblatt „Die Commune" ist massenhaft verbreitet worden, die „Genossen" haben daS inhaltlose Machwerk gekauft; einen tiefgehenden Eindruck wird eS wohl kaum machen, aber es bringt Geld in die Kaffe. Etwa eine Mandel sozialdemokratischer Versammlungen wird man heute abend in Berlin haben; Waldeck Manaffe, Rosenow, Ledebur und Dr. Karl Liebknecht sind die Redner im 6. Wahlkreise. Die Polizei wird Demonstrationen auf der Straße nicht dulden, ebenso wird sie nicht leiden, daß im geordneten Zuge die Massen von dem Landsberger Thor nach dem entlegenen Kirchhof abmarschieren. Die Anarchisten werden ihre Kränze mit schwarzen Schleifen versehen, die Sozialdemokraten mit den üblichen roten. Viel Geld wird wieder für die Kranzspenden geopfert werden, Tausende gehen darauf. Politische Wochenschau. Das Plauderstündchen unseres Großherzogs mit dem sozialistischen Abg. Ulrich hat in der vergangenen Woche bei denen, die behaupten, allein die erblichen Pächter der Reichsfreundschaft zu sein, erstaunlichen Schrecken eingejagt. Wieviele Gänsehäute über die verehr lichen Rücken preußischer Zähneklapperer gelaufen sind, läßt sich nicht absehen. Aber die Erde ging nicht aus ihren Fugen und Krupp erhielt vor der .Hand noch nicht den Auftrag, neue Kanonen zu gießen zum Kriege der „besseren" Welt gegen das „unartige" Großherzogtum .Hessen. Tie Berliner Tintenfabrikanten machten dabei das beste Geschäft. Seine Brunnen aber weiß Hessen selber zu reinigen, wenn's not thut, dazu braucht es nicht anderer Hilfe. > Bezugspreis Dierteft** Mk. 2.20, nioRotL 75 Pß» Mk Vrmgcrlohn; durch M Abholesttüen virrlklftchtt. Mk. 1.90, msnall. 65 W» Bei Postbezug Dirrtelji^tL Mk. 2.00 ohne BrstellgeG. title ttnitlgen-Bermittlune*» Ihllcn des In- und VluSlenw nehmen Anzeigen |ür b« Gtegener Anzitaer entgeee*. LkUenpreto lokal i* VH- auvwürt» eo Ma Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 17. März. Die Sitzung wird um einviertel 10 Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Finanzminister Gnauth, Ministerialräte Wil- branbt, Teußler, Ewald und v. Biegeleben. — Die Beratungen des Budgets werden mit Kapitel 98—113, Ministerium der Finanzen, fortgesetzt. Vorher beschließt daZ Haus, den Antrag Haas-Darmstadt, Köhler-Langsdorf, Dr. Frenay und 37 Genossen die Schutzzölle betreffend, sofort im Plenum zu beraten. — Zu Kapitel 98, Ministerium, wer- )en die angeforderten 454 220 Mark ohne Debatte genehmigt. Ebenso werden Kap. 99, Hausverwaltung, mit 19 290 Mark, Kap. 100, Hauptstaatskasse und Kap. 10.3, Bauwesen ohne Debatte genehmigt. — Bei Kap. 104, Brücken und Ueberfahrten, regt ... Abg. Molthan nochmals die Aufhebung des Brückengeldes an, und bespricht die Art der Verpachtung des Trajektverkehrs zwischen Mainz und Kafiel an die Firma Disch. Er hätte gewünscht, daß eine Submission für diese Ueberfahrten stattgefunden hätte. Firma Tisch sei schon seit 30 Jahren im Besitz des Ueberfahrtmonopols und habe Versäumniffe, welche wegen ansteckender Krankheit im Hause oder der Familie eines Kindes vorgekommen find, find unter b zu verrechnen. Bei der Berechnung der Prozente ist nach unserem Amtsblatt Nr. 2 vom 7. Mai 1879 zu verfahren, je« doch mit der Erleichterung, daß für jedes Schuljahr rund 400 halbe Schultage angenommen werden, sodaß fich die Rechnung so vereinfacht, daß die Prozente der versäumniffe gefunden werden, indem man die Zahl der vorgekommenen Versäumniffe durch die vierfache Kinderzahl teilt. 4. Veränderungen in den drei Jahren durch Abgang, bezw. Versetzung und Neuanstellung von Lehrern, Schul Verwaltern oder-Gehilfen, ebenso durch Errichtung neuer Schulklaffen. 5. Kosten, welche in den drei Jahren für Schulhaus bauten (Neu- oder Umbauten) aufgewendet wurden. Kosten für kleinere Reparaturen find nicht anzuführen. 6. Kosten, welche in den drei Jahren für neue Sub> feilten und Anschaffung von Lehrmitteln aufgewendet wurden. Sie wollen sich in Ihren Berichten genau an vorstehendes Schema mit Anführung der Ordnungs nummern halten. v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche. Wegen Seuche in Windhausen (Kreis Alsfeld) ist Gehöft« sperre angeordnet worden. Gießen, den 16. März 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___v. B echt old. Gießen, den 15. März 1901. Betr.: Darstellung über den Zustand der Volksschulen im Kreise Gießen in den Schuljahren 1898/99, 1899/1900 und 1900/1901. Die Großh. Kreiss chulkommisfion Gießen a« die Schulvorstände des Kreises. Wir beauftragen Sie, uns bis zum 15. April ds. IS folgendes zu berichten: Die Zweite hessische Kammer hat in der verflossenen Woche ein reiches Arbeitspensum erledigt. Der Beschluß, die Kosten für die Fortbildungsschulen ganz auf die Staatskasse zu übernehmen, ist gegen den Willen der Regierung gefaßt worden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Erste Kammer dazu stellen wird. Ter freiheitliche Hauch, der bei uns oben weht, kam u. a. zu erfreulichem Aus druck vom Regierungstische dadurch, daß die J-rage der Trennung der Volksschule von der Kirche zusagend' beantwortet wurde. Bei dem Kapitel „Landwirtschaft" kam es leider zu sehr erregten Debatten, die schließlich doch ohne nennenswerten Erfolg waren. Die Beratung des Justizetats hat am Samstag begonnen. Der Deutsche Reichstag ging am vorigen Montag zur Beratung des Kolonialetats über. Sehr bemerkt wurde, daß ein konservativer Redner scharf gegen die vielfach in Kamerun geübte alhu harte Behandlung der eingeborenen Arbeiter eintrat und insbesondere die „Putt- kamerwirtschstft" verurteilte. Beim Etat des Reichseisenbahnamtes gab die Regierung entgegenkommende Erklärungen bezüglich der Wünsche, die im Gefolge des Offenbacher Eisenbahnunglückes allgemein laut geworden waren; so wegen Verbesserung im Sitznalwesen und im Bau der Durchgangswagen, bei denen im Notfälle mehr Gelegenheit zum Verlassen des Wagens gegeben werden soll. Auch vernahm das Haus die Kunde, daß von einem preußisch-sächsischen Eisenbahn st reit nicht oder nicht mehr die Rede sei. Immerhin wurde das Wohlwollen der preußischen Verwaltung gegenüber der sächsischen beleuchtet durch den Hinweis darauf, daß Preußen seine Berlin-Wiener Schnellzüge den großen Umweg über Oderberg machen läßt, statt die gerade Richtung durch Sachfen zu wählen; auf diese Weise kommt von dem Preise der Fahrkarte allerdings ein viel größerer Anteil an Preußen. Eine mit Spannung erwartete Wahl war die Reichstagsersatzwahl in Posen. Da standen Polentnm und Deutschtum einander gegenüber, letzteres insoweit geschlossen, als sich die Deutschen der konservativem und der verschiedenen liberalen Nuancen auf den Bürgermeister Witting geeinigt hatten. Der letztere Umstand hinderte aber nicht, daß der polnische Kandidat von rund 25 000 Stimmen drei Fünftel erhielt. — Nach dem Tode des „Königs Stumm" wird eine Ersatzwahl im Streife Ottweiler — St. Wendel nötig. Hier kommt neben der Reichspartei, der v. Stumm angehörte, nur das Zentrum in Betracht. Prinzregent Luitpold von Bayern beging am 12. März das Fest seines 80. Geburtstages. Die öffentliche Teilnahme an dem seltenen Fest, das der Regent überdies in voller Frische erlebte, beschränkte sich dabei keineswegs auf die Grenzen Bayerns, es zeigte sich vielmehr, daß auch ein speziell bayerisches Fest sonstwo nicht ohne Widerhall bleibt. Der Kaiser von Oesterreich war auch zur Beglückwünschung erschienen, doch hat man von dieser gewiß großen Aufmerksamkeit weit weniger Aufhebens gemacht als davon, daß der Kronprinz von Preußen im Auftrage seines Vaters zum Besuche erschien. Es lag nahe, der Unterschrift, die der Prinzregent seinen den Ministern verliehenen Bildnissen gab: Salus publica summa lex, eine geschichtliche Beziehung zu geben, nämlich der 'Eintragung, die seinerzeit Kaiser Wilhelm II. in das goldene Buch von München machte: Suprema lex regia voluntas. Aus China wurden neue militärische Vorkommnisse gemeldet, unter anderem ein „Gefecht" an der Grenze des Bereiches des Oberbefehls des Grafen Waldersee, nämlich an dem aus Petschili nach Schansi führenden Antsulingpasse. Dieses Gefecht sott verursacht worden sein dadurch, daß reguläre chinesische Truppen die Grenze von Petschili überschritten. Wenn man nun von einem Gefecht spricht, dann denkt man doch an einen Kampf; wenn anderseits aber mit Bezug auf den Zusammenstoß am genannten Passe gemeldet wird, die Chinesen seien ausgerissen und^ hätten 250 Tote zurückgelassen, während auf deutscher Seite eine leichte Verwundung vorliege, dann kann doch wohl nicht sehr ernstlich gekämpft worden sein, und es kann kaum angenommen werden, daß die Chi nesen^ „aggressives Vorgehen beabsichtigten." Im südafrikanischen Kriege scheinen die Engländer nun doch zu Verhandlungen geneigt zu sein. Nachdem schon einige Zeit bie Nachricht in der Welt war, Lord Kitchener unterhandele mit dem Oberstkommandierenden der Burenstreitkräfte im östlichen Transvaal, Louis Botha, wurde diese wiederholt amtlich bestätigt, jedoch ohne daß man durch Angabe von Einzelheiten eine genauere Andeutung erhalten hätte. Anscheinend ist die Anregung zu Verhandlungen von den Engländern ausgegangen; Botha erhielt einen einwöchigen Waffenstillstand, um sich mit den anderen Kommandanten in Transvaal zu beraten. Nach der englischen Presse ist Botha die „Amnestierung" (!) aller Burenkämpser versprochen worden, die GietzeimAiiMger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen jetzt die Waffen niederlegen, ein Angebot, das seiner Form nach schon eine solche Beleidigung der Kämpfer für die Freiheit ihres Vaterlandes ist, daß man seine Annahme von vornherein für unwahrscheinlich halten muß. Zudem aber soll Botha auch die Kapholländer, die sich dem Freiheitskampfe der Buren angeschlossen haben, der Rache der Engländer preisgeben, und schließlich auch noch seine Sache ganz von derjenigen Tewets trennen — zwei weitere Umstände, welche eine Kapitulation Bothas unwahrscheinlich machen — vorausgesetzt, daß die Zeitungsmeldung zutrifft/ Von „Amnestierung" kann nur gegenüber den Kapholläu- ’bem die Rede fein, unb es liegt auf der Hand, daß M 8oH«funbe" ökr« »»chenNich beigekßt. ■ e t>»n enitlgen » brr Schularbeiten M . bürgert 0870 fl. b, er Tüchtigkeit und Disziplin unserer Truppen, die große Zahl der getöteten Chinesen für die gute Feuerdisziplin. Die Gefechtslage war meist eine komplizierte; es handelte ich um stark befestigte Positionen, die von einem über- egenen Feinde besetzt waren, welcher mit Feuerwaffen reich- ich 'ausgerüstet war. Trotzdem gelang es in den meisten Fällen des Feindes Herr zu werden. Für die sanitärem Manßahmen war gut gesorgt; der Gesundheitszustand war im allgemeinen günstig, nur die beiden Seebataillone litten unter dem Typhus infolge der ungesunden Wasserverhältnisse. Bis 31. Dezembe rhatten wir 1179 Kranke und 154 Tote. Auch die Verpflegungseinrichtungen haben niemals versagt. Redner verliest hierauf eine Depesche des Grasen Wal'dersee, worin dieser mitteilt, die Hunnenbriefe enthielten größtenteils phantasievolle Uebertreibungen. Die anfangs stattgehabten umfangreichen Hinrichtungen, größtenteils von Boxern, hätten sich später nicht wiederholt. Die chinesischen Truppen, welche sich ergaben, wurden nach ihrer Entwaffnung entlassen, gefangene Boxer standrechtlich abgeurteilt, ebenso die Räuberbanden. Einzelne vorgekommene Ausschreitungen wurden strenge bestraft. Der Feldmarschall berichtet weiter, die friedfertige Bevölkerung ei milde behandelt. Die Behauptung, 60 mit der Boxerbekämpfung beauftragte chinesische Soldaten seien hingerichtet worden, beruhen aus lügenhafter Darstellung eines Mandarinen, der sich von einer ihm auferlegten Kontribution befreien wollte. Der Kriegsminister erklärt weiter, auf Grund dieses Materials werde er gegen die Zeitungen Strafantrag stellen, die Hunnenbriefe veröffentlicht haben. Er besitze eine Sammlung von Briefen in China weilender Deutscher, die viel eher die milde Behandlung der Chinesen beklagten. Derartige Aussprüche haben größeren Wert als die in den Zeitungen veröffentlichten Briefe. Ich will nicht aussprechen, was die Briefsteller wohl mit der Ab- ässung der Hunnenbriefe beabsichtigten. Sollten meine Vermutungen sich bewahrheiten, dann würde es mir eine besondere Freude sein, die Betreffenden zur Verantwortung zu ziehen. Abg. Richter (frs. Vp.) erbittet Aufklärung bezüglich der Entlassung der Mnjährig-Freiwilligen. Sonderbar sei es, daß England mit seinen Truppen erst in dritter Reihe tehe, während es das größte Interesse habe. Es mache? >en Eindruck, daß zu den Streifzügen nur deutsche Truppen jerangezogen werden. Redner erkennt die Tüchtigkeit der Truppen an, bellagt aber, daß 10 Prozent derselben krank eien. Das bestärke den Wunsch nach einer baldigen Be-i endigung der Chinawirren. Generalmajor v. E i n e m : Die Einjährig-Freiwilligen verpflichteten sich bei der Bildung des Expeditionskorps, ein weiteres Jahr zu dienen. Bezüglich der Stärke der englischen Truppen bemerke er, die Engländer hätten Re- erven in Hongkong und seien in der Lage, auf Indien zurückzugreifen. Zu den Streifzügen seien auch italienische, österreichische, französische und amerikanische Truppen herangezogen worden. Ter Prozentsatz der Erkrankungen sei niedriger, da in der Ziffer die Krankheitsfälle der Marine mit inbegriffen seien. Abg. Bebel (Soz.) fragt an, weshalb bei den Meldungen über die Verluste der Chinesen niemals „verwundet^" gemeldet würden. Aufklärung sei nötig, ob heute noch Waldersee über die Truppen der gesamten Verbündeten den Oberbefehl habe. Hierauf wird Titel I „Forderung von 101 Millionen Mark für Verwaltung des Reichsheeres" gegen dieSozial- demkrateon angenommen. Bei Titel II „Verwaltung der Marine" erwidert auf eine Anfrage des Abg. Eickhoff (frs. Vp.) Staatssekretär Tirpitz, die Seebataillone seien mobil gemacht. Die Einjährig-Freiwilligen hätten daher kein Recht, abgelöst zu werden. Selbstverständlich sei aber die Ablösung sämtlicher Mannschaften im Herbste vorgesehen. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Richter und des Staatssekretärs Tirpitz werden die übrigen Teile des Etats erledigt und somit die gesamte Summe bewllligt. Abg. Richter (frs. Vp.) beantragt, die im Hauptetat für die Verminderung der Reichsschulden eingesetzten 3 342 235 Mark nicht durch eine Anleihe, sondern durch Erhöhung der Matrikularbeiträge aufzubringen. Nach Bemerkungen des Staatssekretärs v. Thielmann und des bayerischen Staatsrats Stengel, sowie des Abg. Müller-Fulda wird der Antrag Richter abgelehnt und der Rest der Etats-Ergänzungen erledigt. Es folgt die zweite Beratung des Beitrags zum Ausbau der Hochkönigsburg. Abg. v. d. Scheer (Els.) befürwortet die Bewilligung. Ter Ausbau solle im allgemeinen Interesse erfolgen. Er weise es namens der Elsässer von der Hand, daß von irgend einer Seite eine do ut dss-Politik im Spiele sei, denn dann wäre die Burg ein Wahrzeichen der Schändung des elsässischen Volkes. Abg. Arendt (Rp.) stimmt für, Müller- Sagan (frs. Vp.) gegen die Bewilligung. Letzterer meint, wenn man moralische Eroberungen in Elsaß machen wolle, müsse man zunächst die Zwingburg des Diktaturparagraphen beseitigen. Dafür würde er zu haben sein. Abg. v. Voltmar (Soz.) erklärt: Wir stimmen für Parlamentarisches aus Hesse«. Der Zweiten Kammer ist jetzt die bereits mehrfach von uns erwähnte sehr bedeutsame „Regierungsvorlage, betreffend den Gesetzentwurf, die Landstände betreffend- zur verfasiungSmäßigen Beratung und Beschlußfaffung zu» gegangen. Wir werden davon noch ausführlich zu reden jabeu. Der gleichfalls bereits erwähnte Antrag der Abg. Haas» Darmstadt, Köhler-Langsdorf, Dr. Frenay und 37'Genoffen, betreffend die Schutzzölle lautet: die Großh. Regierung zu ersuchen, ihre BundeKratSbevollmächtigten dahin zu in» truieren, daß sie im Bundesrate eintreten: 1. für eine, die Notlage der Landwirtschaft voll berücksichtigende, ausreichende Erhöhung der bestehenden Getreide» und Bieh- zölle, in Verbindung damit: 2. für eine ausreichende Er» Höhung derZölle auf andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, einschl. derjenigen des Obst», Gemüse-, Wein- und Gartenbaues, endlich: 3. für einen auS» reichenden Zollschutz derjenigen industriellen Zweige, welche desselben bedürfen; 4. für den Abschluß neuer Handelsverträge, in welchen die vorstehenden Wünsche nach Möglichkeit erfüllt werden. Die Abgg. HaaS-Darmstadt, Dr. Schmitt, Reinhart und Schmalbach beantragen, die Kammer wolle 1. zum Zweck der Ausstattung derRäume der Zweiten K ammer nach demnächstiger vollständiger baulicher Herstellung derselben, sowie für andere unabweisliche Zwecke und zwar: für die Einrichtung und Ausstattung der Kammerbibliothek einschließlich der Reale und Schränke 4000 Mark, für die Anschaffung eines eisernen Schranks zur besseren Aufbewahrung der im Besitz der Kammer befindlichen wichtigen Staats» dokumente 1000 Mark, für Mobiliaranschaffungen in den Kanzleiräumen, in dem älteren Ausschußsitzungssaal und seinen Nebenräumen in dem Wandelgange, in der Bibliothek und in den Räumen, der stenographischen BüreauS 4500 Mark, endlich für Teppichbelag und Vorhänge in dem großen Sitzungssaale und denjenigen Räumen wo solche noch nicht vorhanden find, 3500 Mark al« einmaligen, den Kanzleikofien Zweiter Kammer zuzusetzenden Betrag mit zusammen ingen, kleinere i wird unver- jen Ausgabe- : Reichsschuld n werden be- : Beittag von räußerung von ierschüsse aus in Höhe von ?dnng§mitteL erledigt. Ter im Etatsgesetz jt, zur Teckung die Mittel im 'ag Richter vor trag nicht aus eigenen Haus- Rach längerer lbg. Müllermann, Abg- i, Äg. Satt* tat, wird bet; einer Minder- n werden hie Mdgadm, yit Kenntnis t wissen wollen, der Kommission thunlichst bald .t ohne Debatte m Verwendung Rechnungsjahre t ohne Debatte chev- t« ««hchlhm b-'K , betreff««’ ichi-if-ßu°« Wltch i« «d«« ,ber»b8.$* L 37-@enoffen, t066. Mi« , fjr tM » *rs *$;S ‘L’ ei««« * ‘ -ir e n ZL'S u M.jnharl 00 wr"”69. ereu "u ZtaatS' t»*, i« *« rf’8„ Ml «’ t,>« *4500 W* ^ I] von Kietzen. Settersweg 39. zum 1. April qefucut. 1981 Eine trächtige 2077 5 pr. Mon. u. mehr. 1645 Verantwortlich für den allgemeinen Test: P. Wiltko, für den «nzrigemeil: Hand «eck. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Univerfitttr-Buch« und 6tdnbruderd (Pietsch Lrben) in Gießen. llcrmictinuien Zu verkaufen Prrfdlirtifii^ an jed. Orte f. d- Verk. mein, beliebt. 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