Ta war es schön. Ta lebte das Leben, so stark und freudig, so groß, da jubelte die Fülle der Farben und eine geheiligte, über sich selbst erhobene SinnenfreuVe opferte der Gottheit im Menschen. Es war alles so frei und ungeheuerlich, aber auch alles so einfach, kindlich rein, innig und von verhaltener Trauer. Er war ein deutscher Heide, der seltsame Meister. Tarum stand er in diesen traurigen Tagen wie ein verlorener Göttersohn aus geträumter Zeit. Er war unter die Menschen verschlagen, die Menschen, die sich immer um ihre kleine, armselige Welt da plagen und streiten. Aber das königliche Szepter hatte ihm der große Vater gelassen und damit schuf er sich eine neue Welt. Antik und romantisch, modern, heidnisch und deutsch. Im Jahre 1848 war er in Paris Zeuge der Februar-Revolution gewesen, und es mag sein, daß die Tragödien, die er dort rings um sich sah, den Rest von Enge der Lebensauffassung, den das väterliche Kaufmannshaus in Basel und die in der Tüsseldorfer Kunstschule verwässerte Romantik in ihm gelassen, hinwegfegten und sein Auge mit den dämonischen Tiefen des Lebens vertraut machten. So kam er 1850 nach Rom und mit Eins entfaltete sich da seine Natur. Ihm war die heitere freie Schönheit des Südens von Anbeginn an in die Seele gepflanzt. Wir Teutsche kennen ja diesen Drang nach dem Süden. Er hat von der Völkerwanderung an Tausende unserer Nation über die Alpen geführt. Er hat in der Entwickelung unseres grüßten Dichters die entscheidende Wendung veranlaßt; er hat den Charakter von Künstlern, wie Anselm Feuerbach- von Gelehrten, wie Viktor Hehn, bedingt. 1856 siedelte Böcklin nach München über, hielt sich ein paar Jahre in Deutschland aus und wirkte ein Iah» lang an der Kunstschule in Weimar. Doch hielt er's nicht lange dort in der idyllischen Enge aus. Ihn zog ed. nach Italien zurück. Und doch war es gut, daß er wieder einige Jahre in deutschen Landen geweilt hatte; er Hatto sich da von neuem an jener eigentümlichen Blüte be# deutschen Geistes berauscht, die wir „Romantik" nennen. Diese Romantik suchte statt der klassischen Größe und Feierlichkeit nach warmem Leben, sie suchte das Lebendige, Trauliche, Menschliche in der Geschichte, und sie suchte es? in der Natur. Durum liebte sie die Elfen und Nixen, die Waldmännlein und die Kobolde — volkstümliche Personifikationen des Naturlebens. In diesem Sinne abev ward Böcklin ganz deutscher Romantiker, ja, der größte aller Romantiker. Natur war ihm alles. Jeder Eindruck war füv ihn zugleich eine konkrete Stimmung, und diese Stimmung verdichtet sich bei ihm zu Gestalten. Er sah die Natur, wie sie unser Volk in seiner Mythologie gespiegelt hatr sprechend, jauchzend, klagend, kämpfend. Indem sich diese kerndeutsche Auffassung mit der schönheitsreichen italischen Seele, die dem Künstler eigen war, unzertrennlich vermählte, entstand das wundersame einzigartige Kunstphänomen, das wir Arnold Böcklin nennen. ‘Otta. Dlphs Nacht) chäft Volks- lieder > op. 40 ßchnman Brahma. dler Art. l de Preiee. ratis und franko. d -Leihanstalt. isgaben. 328 5" *•*. 6beni« 8 d,,'” ■fort’ a, J(" lol,aWl lrautmanö > °P 80 Humana, ' • • Job. Brahn». v' SPerr8itz Mk 4_ ^ einon Ahend; 8p^ > btiidentenkarfea Mk i !'®r’ ^o'phs Nacht,'» Verwalter Herrn Stork, dhof. du 6t3 Ctto Prurfer. de« । n?osang | Fr johnbert. "A*r Ivan Seeth. Mm'im Qühlen taAämpfer ielquetschen 1**1 ME istns echktintkwtM. WiM Md Stritt t 339 thale Lif>blc*tra**e 13. chterbilduns8. Anf«»« AE Nr. 16 Blatt. Samstag den 19 ^muar 151. Jahrgang 1901 M mm Anzeiger Kenerat-An^eiger rind fiw den Uveis Gieren Annahme von Anzeigen zn der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pf. ZZczugsprcis vieneljädrl. Mk. 2.20 monaUlch 75 Pfg. mit Bringerlobn; durch die Abholtstelle« vicrtcljährl. Ptk. 1.90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2.— vicrteljährt. ohne Bestellgeld. Erscheint täglich mit LuSnabmc der MontagS. Die Gießener ^«mlllenbtätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hcfs. Landwirt" u. „Blätter für heff. Volkskunde" wöchU. 4mal beigelcgt. Rtboftion, Expedition und Druckerei: Schulftraße Ur. 7. Gratisbeilagen: Giestencr Familicablätter, Der hessische Kandwirt, Dlätler für begliche Ualkslrunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Siehe». Fernsprecher Nr. 5L 1 _T . Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Gemäß Artikel 39 der Kreis- und Provinzialordnung wird nachstehend das Protokoll Über die am 15. Dezember 1900 stattgehabte ordentliche Sitzung deS Kreistage- dee KceiseS Gießen zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gießen, den 15. Januar 1901. Der Vorsitzende des Kreistages deS Kreise- Gieße». v. Bechtold, Protokoll der Werzigste« Sitzung des Kreistages des Kreises Kietze«. Geschehen Gießen, den 15. Dezember 1900. Gegenwärtig: 1. der Vorsitzende Großh. Pvovinzialdirektor Geheimerat v. Bechtold, 2. Großh. RegierungSrat Dr. Wagner, 3. Großh. KreiSamtmann Boeckmaun, 4. Großh. KreiSamtmann Dr. Heinrichs; 5. die Kreistagsabgeordneten: Bürgermeister Buttron, Hungen, Gemeinderat Demper, GroßenBuseck, Kommerzienrat Em melius, Gießen, Kommerzienrat Georgi, Gießen, Bürgermeister Heller, Ltch, Kommerzienrat Heyligenstaedt, Gieße», Bürgermeister Leun, Großen Linven, Bürgermeister Roth, Mu chenherm, Ingenieur Schiele, Gteßen, Bürgermeister Sommer lad, Wieseck, Beigeordneter Weicker, Allendorf a. d. Lumda, Bürgermeister Zimmer, Grünberg, 6. der Protokollführer Bureauvorsteher Schiffnie. Der Vorsitzende eröffnete den Kreistag unter Begrüßung der erschienenen Abgeordneten und stellte den KreiSamtmann Dr. Heinrichs dem Kreistag vor. Zu Urkundspersonen wurden alsdann die Abgeordneten Bürgermeister Roth von Muschenheim und Ingenieur Schiele ernannt, und die Beschlußfähigkeit des Kreistages konstatiert. Mtt Entschuldigung fehlten die Abgeordneten Kom merzienrat Gail-Gießen, Justizrat Dr. Gutfleisch Gießen, Bürgermeister Horst Nteoer-Bessingen, Gemeindeeinuehmer Maid-Watzenborn, Ökonom v. Oven Hungen, Eouard Rührle-Gießen, Landgerichtsrat Dr. Schäfer-Gießen, Oekonomierat Schlenke zu Hardthof. Der Vorsitzende gemachte nun des verstorbenen Mitgliedes deS Kreistages und des KreiSausschuffeS, Bürger meister Geißler von Lollar, und deS verstorbenen Kreis tagsabgeordneten Scheel aus Gießen, zu deren Ehrung die Versammlung sich von den Sitzen erhebt. Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreteu. Arnold Iöcklin. Gestorben am 16. Januar 1901. Bor mir liegt das letzte Bildnis Böcklin's, nach einer zkunstphotographie des Fratelli Alinari in Florenz. Der Kopf eines müden, verwitterten Greises, den bitteres Lebens- keid herb und starr gemacht hat. Das eine Auge ist erblindet, das andere blitzt dafür umso schärfer unter der hohen, von kurzem weißen Haar umrandeten Stirn hervor, mit unheimlichem Ernst. Ticke Thränensäcke lagern unter beiden Augen. Eng zusammengepreßt sind die von dichtem weißen Barte umgebenen Lippen. Auf dickem Knotenstock ruhen die übereinander gelegten runzeligen Greisenhände, diese Hände, die so unendlich Schönes geschaffen haben. Nun ist er, durch eine unglückliche Ehe und rauhe Schicksalsschläge in seiner Familie geistig und körperlich zermürbt, von dem sonnigen Hügel bei Florenz hinabgestiegen in den stillen Kahn, der zur Toteninsel führt. Er Nl dahingegangen als ein Vollendeter. Seine Größe ist heute noch nicht zu ermessen. Wir waren arm geworden, »a er kam; er hat uns reich gemacht. Er hat uns wieder die Freude zum Schönen in seiner Pracht und Nacktheit geschenkt; die vertrockneten Herzen hat er in klassischen UiicHen von allem Erdenstaube reingewaschen. Auf seltsamen, vertrauten, märchenhaft verschlungenen Pfaden hat fr «ns eingeführt in sein selbstgeschaffenes Königreich. 1. Wahl einer Mitgliedes deS KreiSauSfchusses an Stelle des zum Präsidenten des Finanzministeriums ernannten Oberbürgermeisters Gnauth zu Gießen für die Zeit biS Ende 1904. Großh. Bürge, merfter Leun ich ägt oen Bautechncker Wenzel aus Lang Göns mit der Begründung vor, daß im Verhältnis der Seelenzahl zwei M'kglteder aus der Stadt und 4 Mitglieder aus de« KreiSgememden sich im KreiSauS schuß befinden sollten Kommerzienrat Georgi bemerkte, daß man nicht lediglich die Bevölkerungsziffer, sondern hauptsächlich das Steuerkapital in Betracht ziehen müsse, und daß er es für nicht richtig erachte, wenn man den überwiegenden Teil der Mitglieder deS KreiSausschuffeS den Landgemeinden zuweiseu wolle. Er schlage den Großh. Beigeordneten Wolff Gießen vor. Bürgermeister Heller schließt sich diesem Vorschläge an. Bürgermeister Leun bemerkte, er schätze Herrn Wolff sehr, da dnser aber nach einer Zeitungsnotiz von Giegen weggehen wolle, dürfte von seiner Wahl abzu sehen sein. Justizrat Hirschhorn: Der Kreisausschuß sei eine Behöide mit außerordentlich weittragenden und wichtigen Be- sugnissen und wenn man daS berücksichtige, liege kein Grund 9or, von der Wahl des Herrn Wolff abzusehen. Man solle damit rechnen, daß derselbe noch hier sei und nicht mit dem Zeitungsgerede. Der von Herrn Leun Vorgeschlagene sei dem Kreisausschuß sehr wenig bekannt und es sei wohl beffer einen erprobten Mann, etwa einen Landwirt, anS dem Kreistag zu wählen. Bürgermeister Leun befürwortet nochmals die Wahl eines Mitgliedes aus der Landbevölkerung. Er glaube, weil pp. W nzel das Examen als Bautechniker gemocht habe, diesen vorschlagen zu sollen als Ersatz für Herrn Oberbürgermeister Gnauth, der doch auch Techniker gewesen sei. Justizrat Hirschhorn: Wir brauche» keinen Techniker; wir haben unseren Baurat Stahl, und noch niemand hat demselben Erfahrung abgesprochen. Ma» solle lieber an einem Landwirt festhalten. — Auf Vorschlag des Justizrat Hirschhorn tritt eine Pause zur Besprechung em, nach welcher Kommerzienrat Georgi den Großh. Beigeordneten Wolff vorschlägt, indem er bemerkte, daß er Wert darauf lege, daß die Stadt im Kreis ausschuß vertreten sei und Herr Wolff seinerzeit zugesagt habe, noch einige Zeit im städtischen Dienst zu bleiben. Bürgermeister Leun zieht seinen Antrag hieraus zurück, macht aber auf Bürgermeister Volk zu Allendorf a. d. Lahn aufmerksam. Aus der hierauf mittelst Stimmzettel vorgenommenen Wahl ging der Großh. Beigeordnete Wolff mit 11 Stimmen als gewählt hervor. 2. Wahl eines Kreisausschußmitgliedes an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Geißler für die Zeit bis Ende 1904. Bürgermeister Heller schlägt den Großh Beige ordneten Apotheker Welcker von Allendorf a. d Lumda vor. Bürgermeister Leun möchte auch den südlichen Teil des Kreises berücksichtigt wissen und schlägt den Großh Bürgermeister Volk von Allendorf a. d. Lahn vor. Es wurde mittelst Stimmzettel abgestimmt. Beigeordneter Welcker wurde mit 8 Stimmen gewählt. 3. Wahl eines Mitgliedes für die verstärkte Ersahkommission. Für den verstotbenen Großh. Bürgermeister Faul stich hat eine Ersatzwahl für den Rest dessen Dienstzeit als Mitglied der verstärkten Ersatzkommission stattzufinden. Großh. Bürgermeister Lenn schlägt den seitherigen Stellvertreter Großh. Bürgermeister Roth von Muschenheim vor, während namens des Kreisausschusses der Großh. Bürgermeister Zimmer von Grünberg in Vorschlag kommt. — Wit diesem Vorschlag ist nun auch Bürgermeister Leun einverstanden. Es wurde hierauf Wahl per Acclamation vorgeschlagen und genehmigt und alsdann Großh. Bürgermeister Zimmer von Grünberg als Mitglied der verstärkten Ersatzkommision bis Ende 1901 gewählt. 4. Wahl eines Mitgliedes der verstärkten Ersahkommission an Stelle deS verstorbenen Großh. Bürgermeisters Geißler zn Lollar. Vorgeschlagen wurden der Großh. Bürgermeister Heller zu Ltch, sowie der Großh. Bürgermeister Roth von Muschenheim. Nachdem sich der Kreistag über die Vornahme der Wohl per Acclamation geeinigt hatte, wurde der seitherige Stellvertreter Großh. Bürgermeister Roth von Muschenheim als Mitglied der verstärkten Ersatzkommission für die Zeit bis Ende 1901 und der Großh. Bürgermeister Heller zu Lich als stellvertretendes Mitglied für die gleiche Dauer gewählt. 5. Wahl eines Mitgliedes der Korkommisfion für den Bezirk Grünberg an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Faul stich zn Weitershain. Großh. KreiSamtmann Boeckmann schlägt namens des Kreisausschusses vor, das seitherige Ersatzmitglied Großh. Bürgermeister Stein zu Kesselbach als Mitglied, und an Stelle des letzteren den Großh. Bürgermeister Bast von Beltershain als Ersatzmitglied zu wählen. Der Vorsitzende spricht sich für Wahl per Acclamation aus, womit der Kreistag einverstanden ist. Es wurde hierauf die Wahl im Sinne des Vorschlags des Kreisausschusses vollzogen, und zwar auf die Dauer bis Ende 1902. Nachdem noch der Großh. Bürgermeister Leun die Erbauung einer Verbindungsstraße zwischen den Gemeinden Allendorf a. d. Lahn und Heuchelheim in Anregung gebracht hatte, wurde der Kreistag vom Vorsißenden geschloffen. Der Vorsitzende: Die Urkundspersonen: v. Bechtold. Roth, Bürgermeister, F. Schiele, Ingenieur. Der Protokollführer: Schiffnie. Bekanntmachung. Betr.: Abhaltung der Viehmärkle. Der für den 29. Januar ds. Js. vorgesehene Viehmarkt zu Gießen kann unter den seitherigen Beschränkungen abgehalten werden. rJ^I?,.?’1Inb?rfan,cr Farbendichter war Böcklin von unerschöpflicher Kraft und liefe. Er hatte nicht nur eine wunderbare «chonheit, Tiefe und Leuchtkraft der Farbe sondern darüber hinaus eine ganz eigene AusdrucksfWg- leit. Seine Farben wirken musikalisch, sie singen und Ilingen, und teile,, unmittelbar und unabhängig vom Stoff mit- bit « erstrebt hat. Seine Farben und abMeb^^Orund, daß seine Kunst zuerst erschreckte einkacken ?e,ne ursprüngliche Freude an ungebrochenen nKttrtto°r ,eif Jahrhunderten in der Kunst neben e^nanbe! unrbrot unb und gelb wagte er kühn ± £ 8hn^MrVlnsb bicfe Farben wirkten als dem er en Wick nen^'i.'Äl ba6 ungeübte Auge, sobald MM'M-MZ brandt und Tlzran Böcklin hat in unermüdlichen Bn- suchen es erreicht, seiner Farbe die Durchsichtigkeit und den Schmelz der alten Meister zu geben D .. m^I^^lwesen, die Centauren, Pane, Nixen, Seetiere die Bock m schuf sind zunächst mit stumpfem Blick, fremd und verständnislos angesehen worden. Ter Sinn mußte sich erst bilden und verfeinern, der in diesen Erfindungen einer uberquellenden Phantasie doch Gesetzmäßigkeit, strenge Rücksicht auf eine höhere Wahrheit und Natürlichkeit erkannte. Weil alle diese Gestalten aus der Natur und ihrem Leben selbstg eboren sind, darum sind sic so ganz organischselbst die Griechen haben die menschlich-tierische Zwittergestalt des Centauren kaum so glaubhaft gebildet, wie Böcklin. Diese Gestalten sind wahr nicht in dem Sinne eines platten Realismus, wohl aber in dem höheren des seelischen Lebens. Du liegst am Waldrande. Heißer Mittag ist es und weit vor dir liegt in flimmender Sonne die Ebene. Es webt und gährt, Geheimes bildet sich, wundersam leise Laute durchzittern die stille Luft, und dir ist, als müsse etwas Eigenes geschehen, dies unablässig kreisende Leben sich äußern.' Und siehe — da trottet aus dem Walde ein plumper Centaur hervor. Du hörst ihn nicht, aber du siehst ihn, wie er mißmutig dem Dorfe zuhinkt, beim Meister Schmied hält und ärgerlich, das mißachtete Menschlein in Anspruch nehmen zu müssen, ihm den Huf hinreicht. Böcklins Phantasie ging der Natur auf ihren heimlichsten Wegen nach und sah sie sich mit Gestalten beleben, die seit hellenischen Urzeiten ihre echtesten Kinder waren. Die drollige Ungeschlachtheit der wilden Naturkräfte ward zum unbehilflichen, klumpatschigen Centauren, das traumhafte heilige Schweigen des mittäglichen Waldes zum Traumbilde der schönen Frau, die ganz still auf dem Märchen-Einhorn durch den Wald reitet, die jauchzende Kraft des Meeres zu Najaden, die, moralfremd, nur das volle Leben und die volle Lebensfreude kennen, die ver- chwiegen rieselnde Quelle zur Nymphe. Bon der lieblicher, Unschuld keuscher Mädchenblumen und frühlingsfroher Kinder bis zu den Schauern bes Raubes und Mordes, vom Die Bestimmungen über letztere lasten wir nachstehend nochmals folgen: § 1 Alles zu den Vstbmärkten in Gi-ßen ausgetriebene Klauen. Vieh (Rindvieh und Schw ine) wnd beim M irkteingang krv rd n soll, einen Gesetzentwurf zur Errichtung kaufmännischer Schiedsgerichte ouSzuarbciten. Aehnliche Aufforderungen richtete der Reichstag bereits im Jahre 1897 nach der Vtradschi dnng oeS neuen Handelsgesetzbuches und im Jahre 1899 durch einen Jnitiativ-Antraq Agster-Baffermann an die Reichs« regierung. Bisher ist es jedoch nicht gelungen, die gesetzgebenden Körperschaften zum Voilegen eines derartigen Gesetzentwurfes zu veranlassen. Welche Bedeutung dieser Angelegenheit in den beteiligten Kreisen beigemessen wird und welches Interesse besonders von den organisierten Handlungsgehilfen der Errichtung kaufmännischer Schiedsgerichte entgegen- gebracht wird, geht u. A. daraus hervor, daß jetzt sofort nach Zusammentritt des deutschen Reichstages, sämtlichen Reichstagsabgeordneten von der Ve, waliung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen V'rbanbes eine Denkschrift mit Abänderungsvorschlägen zum Anträge Baffermann überreicht worden ist. In dieser Denkschrift sind hinsichtlich der Gestaltung kaufmännischer Schiedsgerichte folgende Leitsätze aufgestellt: Diese besonderen Gerichte |ftnb als selbständige Abteilungen den Kewerbegerichten anzuglted'rn; de Gerichte besteben eue etmm Vor- sttz nden und mindestens einem Stellvertreter desselben sowie der er- forderl'chrn Za>ü von Beisitzern; die Zahl d-r letzteren soll mindestens vier betragen; der Vorsitzende sowie dessen Stellvertreter dürfen weder Prinzip«! noch G Hufe sein. Die Beisitzer werden mittels Wahl der Prinzipale und HandlungSgebilfen in getrennter Wah b-ndlung be- Uellt. Die Wahl ist unmhMbar und geheim; zum Beisitzer soll nur berufen werden, wer das 25. Lebensjahr vollendet und in dem Bezirke be8 Gerichts seit mindestens einem Jahre wohnt oder beschüftigt ist. Zur Teilnahme an den Wahlen soll berechtigt sein, wer daS 21. LebenS- jchr vollendet und in dem Beiirk des Gerichts Wohnung ober Beschäftigung hat; den Gerichten find alle Streitigkeiten auS dem kaufmännischen Dienstvertrag zu überweisen; bie Berufung gegen Urtele dieser Gerichte ist nur zulässig, wenn der Wert des Streitgegenstandes ben Betrag von fünfhundert Mark übersteigt." Eingaben in demselben Sinne siud außerdem, wie man uns mitteilt, dem Bureau des Reichstages von rund 500 Otsvereinen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen Der- bandeS in diesen Tagen zugeganqen. Aus Stadt und Land. Gieße«, 17. Januar 1901. Gedenket der hungernden Vögel! ** Oberhesfischer Obstbauvereiu. Zum Vorsitzenden deS VereinSbezirks Gießen des Oberhessischen ObfibauvereinS wurde in der Hauptversammlung am 13. d. MtS. KreiSamt- manu Heinrichs ^Gießen gewählt. e. Eisfest. Wie man hört, will man auf der alten Lahn, in der Nähe Kirchbergs, am nächsten Sonntag auch ein Eis- fest feiern. Die Anregung soll von Lollar auSgehen. *• Im Verein. Ein Verein ist dem Menschen, der doch nun einmal cm geselliges Wesen ist, meist unentbehrlich. Wird doch von uns Deutschen scherzhaft gesagt, daß, ws drei von uns zusammen sind, sie gewiß vier Vereine gründen! Unser Deutsches Reich ist ja auch ein Verein von Staate« mit dem Kaiser als Bundesleiter. Jetzt, zur Winterzeit, blüht nun das Dereinsleben am meisten. Im allgemeinen ist die Zahl der Vereine so unendlich wie ihre Zwecke mannigfaltig. ES giebt wissenschaftliche, künstlerische, politische, humanitäre Vereme, Fachvereine aller Art, Sportsgesellschaften und solche Vereinigungen, die nur die Geselligkeit zum Zweck haben. Diese ist schließlich auch bei allen anderen mehr oder weniger )ic Hauptsache. Je ernster nun der Zweck verfolgt wird, dem ein Verein dienen will, desto gediegener wird auch die Geselligkeit sein; wo dagegen das Vergnügen allein die Hauptsache ist, wird ein Verein oft geistlos. Auch im Ber- ohnmächtigen Ringen der prometheischen Seele bis zum zartesten lyrischen Ausempfinden des wundervollen Kleinschmuckes einer gewaltigen Landschaft ist kaum eine Seite und Stimmung menschlichen Lebens und Empfindens von ihm unbehandelt geblieben. Böcklin teilte mit den besten unserer modernen Musiker und Dichter, er teilte mit Werken, wie den „Webern" und! „Hannele" die Eigentümlichkeit, daß er auf die geschwächten und verzärtelten Kunstnerven des Publikums keine Rücksicht nahm. Er gab echte Tragik, die dem Beschauer durch Mark und Bein dringt; er stellte ihn dem Unerhörten, Geheimnisvollen von Angesicht zu Angesicht ebenso gegenüber wie der hell aufjauchzenden Freude. Der einst bestgeschmähte Künstler unserer Zeit ward der geliebteste, nicht nur der vergötterte Bildner nahezu unserer gesamten jüngeren Malergeneration, sondern ein Bildner auch unserer jüngeren Poeten, Musiker und Plastiker. Prof. Muther sagt in seiner „Geschichte der Malerei im 19. Jahrhundert mit vollem Recht: „Er war ein Zeitgenosse der vorigen Generation, er ist unser Zeitgenosse und er wird der des 20. Jahrhunderts sein." Er hat in uns ein Leben geweckt, das nimmermehr schlafen soll. In dem Maße, als wir ihm nach und nahe kommen, bekunden wir unser eigenes künstlerisches Wachstum und unsere künstlerische Reife. —o. , bi! W* %««dk" Du'ch werden, * ° ssfer» ♦♦ Das en* ',' öfe Den braver Und beim Ten Postn Dom Merlin, das "i macht, sondern auch, G Vogel, wurde ebenso frei .reiterei", die u. Mei So mancher An! Er reitet auch sa ' Es reiten die M Und einige Bank 'Der Spielplan enthielt, Siebener „TilkkeiMM Kuvertüre (nicht von M Melapelle" von W. L Ausstellung wegen Ww einet papiernen ausgeze kanten-Kongreh", den st gehaltenen Gverspreö durch Trompetentöne „Eine kuriose, vollstän würdiges Sextett um b macht, eine Geschichte Spürnase gehörig „bef zeugt, daß sich zu den die in unserer Stadt: Freunde des Humors ** Personal-h des Ministeriums der! nehmung der Tienstw dem Amtsgericht Für Lauterbach, bei dem A Lächler in ßtvinger, ließen der Gerichtsasß Amtsgericht Herbstein Tarmstadt, bei dem Ai asstssor U Hansult Wh der Gerichtsassess nehmung der Tienstvei dm Landgericht der assessor Schneider Uenstverrichtungen e lAmtsanwalt II) der (> m Zwingenberg der G adt, in Meld der : "- Lauterbach der Ger M -nz der Gerichtsa Ä;0e0enübtr^ W Nnowtiingen h EM . 16. t* J ‘ ‘"8fr 6t "d y in Sumin Wnn ott i ■h"finh 2 ä* WZ it '1 $ ÄS’?? uhtqt M ] 9 b Ä#it *■ W 1899 durch 11 flrftna«. btt grftl, , ®tb™l""9 du,tr A, »irb unb -V»««irch, mt8wn, 'L.d°ß irtt f* wtaja, ISMchn 'Wallung des Deutsche to’« mit wrmann überreich "d hinfichlich der Ge» folgende Leitlätzr auf- Wänbljt Abteilungen btn 1 beheben tut dtum Bet In bettelten lode der n- >'T 'chnm soll mindeste-! 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Er wird den besten Lohn an der Freude de- (gelingend und an dem lebend'gen G fühl ferner Nützlichkeit haben Diejenigen Mitglieder dag gen, welche gurnich'S leisten, sind gewöhnlich die fchä fst.n Äritifer und Nörgler. Du'ch solche Elemente kann einem das Vereinsleben oft völlig verleidet werden, abgesehen von den Zwistigkeiten und Klatschereien, welch; oft d rch Ehrgeiz, Nein und E'telketr hervorgerufen werden. Nur der Gedanke, einem guten Zwecke zu dienen, hilft uns über den Undank der VereinSgenosirn hinweg. Wer also in einem Verein ist, der füge sich, trage nach Kräften zum Gelingen der Vereinszwecke bei und ärgere nicht andere durch Krittelei und Unverträglichkeit. Dann werden die Vereinsfreuden ungetrübte sein! ** Das erste „Karnevalistische Konzert" der Ncgimentskapelle, das am Donnerstagabend in Steins Saal bau stattfand, war gut besucht. Die auf dem 11 mal 11,11 gleich 122,21 Zentimeter langen Konzertzettel angekündigten sJäimmern wurden flott gespielt und setzten die meist bunt bekappte Zuhörerschaft in die richtige Fastnachtsstimmung, die sich übrigens von selbst dann einzustellen pflegt, wenn das Publikum zur Mitwirkung eingeladen ist. Das hohe Lied vom neuen Heilserum, genannt „Katerlin", das Morgens findet frisch und klar Den braven Forstverwalter, Und beim Termin den Referendar, Den Postmann auch am Schalter, u. s. w. vom Katerlin, das nicht nur unsere Studenten immun macht, sondern auch Ehemänner, Karnickel und Kanarienvögel, wurde ebenso freudig aufgenommen, wie die „Distanzreiterei", die u. a. zeitgemäß parodiert ist: So mancher Bankier reitet auf dem Depot, Er reitet auch schneidig hinein ins Halloh' Es reiten die Kunden in schrecklichem Weh Und einige Bankiers nach Plötzensee! Der Spielplan enthielt weitere prächtige Sachen, u. a. den Gießener „Türkei"-Marsch von C. K. Rausse, eine alt klassische Ouvertüre (nicht von Mozart), die erste Probe der „Ledder Badekapelle" von W. Wolt Er, die auf der Pariser Weltausstellung wegen Mangel an goldenen Medaillen nur mit einer papiernen ausgezeichnete „Kapelle Krach", den „Musi- kanten-Kongreß", den stummen Musiker, der die wegen nicht gehaltenen Eheversprechens hochnotpeinlichen Fragen nur durch Trompetentöne beantworten konnte, und schließlich „Eine kuriose, vollständig kriminelle Geschichte", in der ein würdiges Sextett um die Erlangung einer Erbschaft „Mnsike" macht, eilte Geschichte, die nach Ansicht des Polizeidieners Spürnase gehörig „befummelt" werden muß. Wir find überzeugt, daß' sich zu den noch in Aussicht stehenden Konzerten die in unserer Stadt und Umgegend weilenden zahlreichen Freunde des Humors einfinden werden. ** Personal-Nachrichten. Durch Entschließung des Ministeriums der Justiz wurden beauftragt: mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters: bei dem Amtsgericht Fürth der Gerichtsassessor Schade in Lauterbach, bei dem Amtsgericht Langen der Gerichtsassessor Küchler in Zwingenberg, bei dem Amtsgerichte Alsfeld der Gerichtsassessor Gros daselbst, bei dem Amtsgericht Gießen der Gerichtsassessor Gläser in Mainz, bei dem Amtsgericht Herbstein der Gerichtsassessor Kißner in Darmstadt, bei dem Amtsgericht Ulrichstein der Gerichts- assessor Dr. Hansnlt in Gießen, bei dem Amtsgericht Alzey der Gerichtsassessor Brehm in Mainz; mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen der Gerichtsassessor Schneider in Mainz; mit Wahrnehmung der Dien st Verrichtungen eines Amtsanwalts in Darmstadt (Amtsanwalt II) der Gerichtsassessor Dr. Krug in Mainz, in Zwingenberg der Gerichtsassessor N e ur 0 t h in Darinstadt, in Alsfeld der Gerichtsassesfor D ö l p in Gießen, in Lauterbach der Gerichtsassessor Wahl in Darmstadt, in Mainz der Gerichtsassessor Dr. Brill in Darmstadt. *• Der Kohlenverbrauch bei den Preußisch Hessischen Staats- bahnen hat, gegenüber den Vorjahren, bedeutend zugenommen. Die Bahnverwaltungen haben sich daher entschlossen, wieder zu den Prämiierungsfahrten zu greifen, bei der sich Loko motivführer und Heizer zum sparsamen Kohlenverbrauch an hielten, da ihnen dafür Prämien, sogen. Kohlengelder, zugute kamen. — „Wenn durch dieses Vorgehen nur nicht die Heizung der Koupees zu leiden hat-, fügen die „N. H. V." mit be rechtstem Bedenken hinzu. Butzbach, 16. Jan. Im Laufe dieses Jahres soll hier ein neues, den Anforderungen der Jetztzeit entsprechendes Realschulgebäude erbaut werden. Das bisherige Ge bäude hat eigentlich nie für die Unterbringung der Klaffen und der Lehrmittelsammlung genügt, und von einem Anbau an dasselbe nahm man mit Recht wegen der ungünstigen Lage innerhalb enger Straßen noch in letzter Stunde Ab- stand. Zurzeit ist Die Vergebung der Arbeiten ausgeschrieben unb soll mit Beginn Der besseren Jahreszeit der Bau sofort in Angriff genommen werden. Derselbe kommt auf einen großen freien Platz außerhalb der Stadt zu stehen. Im Ganzen sind vorerst 85,000 Mk. von dem hiesigen Stadtrai für die Errichtung des Gebäudes und die innere Ausstattung desselben vorgesehen. Die freiwerdenden Räumlichkeiten in der alten Realschule werden später Der hiesigen Volks- bezw. Höheren Bürgerschule zugewiesen werden, denn die Schülerzahl gerade ersterer Anstalt ist in Den letzten Jahren ganz besonders gestiegen, sodaß auch deren Räume heute nicht mehr ausreichend finD. Lauterbach, 16. Jan. Im Gewerbeverein hielt Bergrat Professor Dr. Chelius, Direktor des SoolbadeS Nauheim, killen Vortrag über „Salze und Soole, Salinen und Bade orte-. Er führte darin u a. aus, daß auch für Lauterbach bfc Erb0hrung von Mineralquellen wahrscheinlich lei, ba bie geologischen Verhältnisse hier fast dieselben wären n>ie in dem Nachbarorte Salzschlirf. Frankfurt, 16. Jan. Ein allerliebstes Ge- Ichichtchen ist gestern abend auf der Kleinbahn- Y»omburg-Usingen passiert. Ter Zug, der um etwa 8 Uljr Friedrichsdorf in der Richtung nach Usingen verletzt, setzte sich in seine bekannte rasende Bewegung und !choß pfeilgleich auf unserem Planeten dahin. Schon glaubten die Passagiere, bald in Usingen zu sein, als der -'ouf. des Zügle ins sich plötzlich verlangsamte wie der barsch der Fliege auf dem Kleistertopfe, bis der Zug endlich ganz stille stand. Entsetzt streckten die Passagiere die Köpfe aus den Fenstern in die stille Nacht. Was war geschehen? Das Züglein hatte sich verirrt. Er war von Friedrichsdorf aus auf das neue Geleise geraten, das eben nach Friedberg zu gelegt wird, und war munter darauf fürbaß gefahren. Nun machte es wieder Kehrt und fuhr nach Friedrichsdorf zurück, wo es mit Begeisterung empfangen wurde. Abgelassen zum zweitenmale hielt es dann den richtigen Kurs. Singen, 17. Jan. Der Direktor der Aktien-Brauerei Anton Maurer ist seit heute spurlos verschwunden. Er stand in Geldverbindungen mit der verkrachten Weinfirma 5+nnbel unh F auf in Sina^n. Vermischtes. ♦ Eine Luftballonfahrt über die Ostsee. End lich ist es gelungen, die Ostsee im Luftballon zu überfliegen, und zwar gebührt der Ruhm, dies Projekt gelöst zu haben, 2 demschen Lustschiffern, den durch feine früheren Ballon führten bekannten Luftschiffer Dr. Berson und dem Leutnant Hildebrandt von der Luftschifferabteilung. Dieselben sind am 10 Januar, an welchem Tage von verschiedenen Punkten Europas (Berlin, Paris, Wien, Petersburg, Straßburg, Przemysl in Galizien u. a. O.) eine internationale wissen schaftliche Ballonfahrt ausgegangen war, um 8 Uhr 57 Mm. morgens auf Dem Tempelhofer Felde bei Berlin ausgestiegen, und kurz nach 10 Uhr abends unweit bet Eisenbahnstation Markaryd in ber schwedischen Provinz Smaaland inmitten e ner mit hohem Schnee bedeckten Waldlichtung glücklich ge landet. Der zu ber Reise benutzte Ballon wat 1300 Kubikmeter groß und mit einet . Mischung von Leuchtgas und Wasserstoffgas gefüllt. Gleich nach dem Ausstieg schlug der Ballon eine nördliche Richtung ein, und überflog Berlin in e ner Höhe von 175 Meter, bei einer Geschwindigkeit von 40 Kilometer in der Stunde. Bei der Weiterfahrt wurde eine mittlere Höhe von 800—1000 Meter innegehalten. In dieser Höhe wat die Luftströmung fast genau Süd-Nord, mährend in geringerer Höhe westliche und in größeret Höhe östliche Windrichtung vorherrschten. Bei ganz klarer Luft wurden bann bie Städte Zehdenick, Neu-Strelitz, Neu Brandenburg, Demmin und Stralsund passiert. Dann, um 1 Uhr 17 Mm. nachmittags, wurde das Festland verlaffen, und der Ballon schwebte an der Westküste der Insel Rügen entlang direkt auf die schwedische Küste zu. Während ber Fahrt über die Ostsee ließen bie beiden Luflschiffet den Ballon bis 1600 Mtr. und später bis 2000 Mtr. hoch steigen. Bei 1600 Mtr. Höhe kam die Küste von Schweden in Sicht, während gegen 3 Uhr 30 Min. die Küste Deutschlands sich im Dunst verlor. Bei beginnender Dunkelheit befand sich ba Ballon 600 Mir. direkt über Trälleborg. Dann ging die Fahrt weiter an Malmö, Lund und Landskrona vorüber, während der Ballon bis zu 3000 Mtr. Höhe emporstieg. Als dann gegen 9 Uhr Nebel eintrat, wurde der Abstieg be schloffen, und es gelang, kurz nach 10 Uhr bei dem Gehöft Soenshult bei Hoga Syltan, etwa 20 Klm. von der Eisenbahnstation Markaryd entfernt, in tiefem Schnee in einer Waldlichtung ohne fremde Hilfe zu landen. Erst nach längerer Zeit gelang es den kühnen Luftschiffern, mitten in ber Nacht einige Arbeiter zusammenzutrommeln, mit bereu Hilfe der Ballon und bie wertvollen Instrumente geborgen wurden. Am nächsten Tage wurde ber Ballon mittelst Schlitten nach Markaryd transportiert, wo man um 5 Uhr nachmittags ein traf und wo sich die beiden Luftreisenden in einem guten Hotel von den gehabten Strapazen auSruhten. Am 12. wurde Dann bie Rückreise nach Berlin angetreten. Die von dem Ballon durchflogene Strecke ist 475 Klm. lang und in 13 Stunden 50 Min. zurückgelegt worden, was eine Durchschnittsfahrt von 35 Klm. in der Stunde ergibt. Höchst eigentümlich waren die Temperaturverhältnisse an dem betr. Tage in den verschiedenen Luftschichten. Die Wärme stieg, je höher der Ballon kam, und schließlich bis -f-80 C., während es auf dem Erdboden bitterlich kalt war. Ei ft in den oberen Luftschichten sank die Temperatur wieder auf etliche Kältegrade. Zur Atmung in Den höheren Regionen war eine, mit einem ReduktionSventil und zwei Schläuchen mit Glasröhrenmundstück versehene 500-Liter-Sauerstofffiasche mitgeführt worden Die Aus rüftung an Instrumenten bestand aus einem selbstregistrierenden Barophon unb zwei gewöhnlichen Aneroidbarometern zur Be ttimmung des Luftdrucks, einem von Prof. Dr. Aßmann kon ftruierten AspirationSpfychivmeier zur Feststellung ber Tem peratur und des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft unb einem iog. Schwarzkugelthermometer zur Bestimmung der Strahlungswärme ber Sonnenstrahlen, bie bei — 2° G. bis -j- 20° C betragen hat. — Von befonberem Wert für bie Wissenschaft werden die über der Ostsee gemachten Beobachtungen fein, Da über dem Wasser ganz andere Luftverhältnisse sind als über dem Lande, und es bis jetzt ja nur selten gelungen war, meteorologische Beobachtungen über einer größeren Wasser fläche zu erhalten. Diesem ersten HeberfÜegen der Ostsee werben gewiß bald weitere Luftfahrten in gleichem Sinne folgen und zur Bereicherung unserer meteorologischen Kenn.- niffe beitragen. • Das „Bunte Theater" in Berlin (Ernst v. Wo - zogens Ucberbrettl) hat, seiner Herkunft vom BariLtv ein gedenk, fast ausschließlich Künstler um feine Fahne versammelt, Deren Wesen die Vielseitigkeit ist. Frau Olga Wohlbrück Feld, bie bekannte SZioDcQiftin und Verfasserin anmutiger Bühnenwerke, die bereits in drei Sprachen Komödie gespielt und am Theätre national de l'Odäon Jahre hindurch eine angesehene Stellung einnahm, gehött dem „Bumen Theater" als Schauspielerin, Diseuse und Pantornimistin an. Sie war eS, welche zuerst in Deutschland Wormsers reizende Panto mime Fila prodigue bekannt machte. — Bozena Bradsky, eine in Berlin geborene Böhmin, die von der Schauspielerin auf dem Umwege über die Hofopernsängerin zum Brettl ge langte, wird auf dem Ueberbrettl Gelegenheit finden, von der Clownerie bis zur Tragik alle Möglichkeiten ihrer Begabung zu erschöpfen. Eine ähnliche Vielseitigkeit verspricht ein junger Baritonist, Robert Koppel, der als Rezitator, Schau fpieler, Sänger, Tänzer und Pantomimist sich zeigen wird — Luigi Spontelli wirb Den Versuch machen', die Gestalt des Pierrot auch bei uns in Deutschland wieder lebendig werden zu taffen. Im Gegensatz zu der konventionelle« Geberdensprache des oltitalienischen SiilS bringt Spontelli die impressionistische Auffassung der jüngeren französischen Schule zur Geltung. — Ferner sind für das Unternehmen verpflichtet die Konzertsängerin Maitha Gulbranson-Sandal, welche die modernste Richtung durch Vorträge Dehmelscher und Stefan George'schcr Dichtungen in Vertonungen von Rich. Strauß und Konr. Ansorge vertreten wird; ferner al- Tenorist für ernstes wie für heiteres Genre Hermann Nagel. Der Dichter und Schauspieler Franz Reßner wird besonders in grotesken Rezitationen sich zeigen, und zwei jüngere Kräfte, Otto Fritzsche und Arthur Rotenburg (früher am „Deutschen Theater") werden als Schauspieler, Sänger unb Pantornimisten sich zeigen. Als Kapellmeister ist Oskar Strauß engagiert. — Die neuliche Veranstaltung in Darmstadt gelegentlich eines Maskenfestes war, wie unsere Leser wohl gemerkt haben werden, rein privater Natur und stand mit dem Unternehmen Wolzogens in keiner Beziehung. Unwersttüts Nachrichten. München, 16. Jan. Bet der heutigen JahreSnöffnungSt^er ‘•er Technischen Hoch schule (Polytecku ttuw) wurde ein »ll-rhöchfl« Erlaß bekannt gegeben, der der technischen Hochschule, bestehend auS einer technischen unb eiwr landwirtschastlichen Ableitung, l oS R'cht ?ibt, den Tibi „Dr der technischen Wissenschaften" zu verleihen Den Ingenieuren, Archit.kten und sonstigen Techmkern kann auhe-dem >er Titel „Dr.-Jngenieur" verliehen werden. Außerdem kann der „D plom-Jngeni'-ur" erteilt werden. Zum ersten Doktor wurde als Ehrendoktor Prinz Ludwig wegen seiner Verdienste um Du L-rndwülschait und die technischen Angeleaenhrlten ernannt. Kunst und Wissenschaft. — Man schreibt aus Darmstadt unterm 16. Jan.: Otto Ernsts Komödie „Flachsmann als Erzieher" wurde gesternabend zum erste» Male ausgeführt und erzielte einen starken Erfolg, den sie aber zu emem großen Teil den humoristischen Szenen zu verdanken hatte. - Der pi euß sche Minister deS Innern, Frhr Rhtinbabeir bat am Montag irn Abgeordnetenbausr gebilligt, laß der Dbeipialwrnt ■ on Brandenburg »Tolstois Macht der Finsternis" zur Auf- ührung fretgegeben habe. Dmn „di- Grundttndenz ist eine durcha»» fülltet, sie wtderspiicht nicht den OrdnungS- und Sittenge'ehe» - Nichisdestoweniger ist die Aufführung düses selben Stückes, das |ur Berlin fretgegeben ist, in Kiel verboten woideu. — Dem Humoristen Otto Rentier wurde vom Berliner Pou- zeipräsidium das-Wiederaustieten im „Wintergarten" gstand eingetreten ist. Gießen, am 16. Januar 1901. Grof:herzoglich 4 Amtsgericht, 709 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Bellersheim pro 1901/1902 liegt vom 22. d. Mts. ab acht Tage lang auf wif-.iem Büreau zur Eu ficht off n. Bellersheim, den 18. Januar 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Bellersheim. Bopp. 713 Samstsg dtll 16 jkdruar 1901, nachmittags 2 Uhr, sollen aut dem buftgen On^gerickt die dem Wilhelm Steinbach in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 27 Nr. — 412 qm Hofraile am kleinen Stem- weg links, Klur 27 Nr. 18 «/,« — HO qm WohnbauS daselbst, Flur 27 Nr. 181M/1m — 321 qm Grabgarten daselbst, Flur 27 Nr. 162a8>/p — 517 qm Hofraile daselbst, Klur 27 Nc. 166f«/ie — 361 qm Bauplatz am Brennof. n, Klur 27 Nr. 166f6/10 — 463 qm Hofraite daselbst, Flur 27 Nr. 166f8/ie — 77 qm Grabgarten daselbst, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 4. Januar 1901. Großh. Orlsger cht Gießen. I. A.: Vogt. 322 Hohversteigerung Douuerstagden L4.Ja- uoar 1901, von vormittags 9>/a Uhr an, soll in dem Annetöder Gemetnde- wald, in Abt. 6 Krähenholz, nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Bau- und Werkholz. 57 E^chenfiämme, 18 bis 44 em Durchmesser, 6 bis 15 m Länge — 27,86 fm haltend, 142 Fichten- und Kiefernstämme, 14 bis 37 cm DurchMtffer, 7 bis 20 m Länge — 48.92 fm halt. B« Brennholz. 12,6 rm Elchen Scheitholz, 42,4 „ Elchen- und Nadel- Knüppelholz, 1630 Eichen- u. Nadel-Wellen, 47 rm Eichen- und Nadel- Stockholz, Die Zusammenkunft ist am Schnittpunkt Oppenröderweg— Müllerwrg am Anneröderseld. Annerod, 16. Januar 1901. Gr. Bürgermeister ei Annerod. Horn. 703 Hohversteigerung 1. Mittwoch den LL.Ja nuar 1901 kommt in dem Semeindewald, Distrikt Rtd- stein, folgendes Holz zur Ver Steigerung: 400 Stück Fichtenstämme von 12 bis 30 cm Durchmesser und bis 24 m Länge mit 235 fm (darunter find 30 fm Schnittholz). 2. Donnerstag den 24. Januar kommen zur Versteige ung: 1483 Stück Fichten - Derbstan- pen mit 65 fm, 3455 Stück Ficht, n-ReiSstangen mit 34,55 fm. 3. Freitag den 25. Januar kommen zur Versteigerung: 14 rm Nadel-Rundscheit, 148 „ Nadel-Knüppel, 420 „ Nadel« Astreistg, 800 „ Nadel-Stöcke. Der Anfang ist jedesma morgens 91/» Uhr und zwar am ersten Tage im R.dstei» (Stammholz), am zweiten Taee am GabrielsZ mmerplotz(Derb- mid Reisstangen) u. am dritten Tage im Bruch bei Holz Nr. 158 (Brennholz). Ettingshausen, 17.Jan. 1901. Der Beigeordnete. Keil. 714 EmpfelümlgkN Das beste Kllckpuiver G und bleibt das anerkannt vorzügliche Backpulver zu 20 Pfennig aus der 695 Mr-Drigkrie, Zrllkismz39. Otto -Schaaf. Frtfchgeschostene _ Hasen Pariser Kopfsalat und Endivien empfiehlt 0177 Heinrich Klotz, MäuSburg 17. Öen Hagel au j den Kopl treffen alle praktischen Hausfrauen, die das triebfähigste und seit 27 Jahren bewährte I iphin’s Backpulver LIvUBy .mildemBäcker-jungen, (D. R. P. A. No. 7402) verwenden. Ueberall käuflich. Meine & Liebig, Hannover. Aelteste Backpulv.-Fabr. Deutschi. Hamburger 697 Futzpulvsr putzt Gold, Suber, Messing vor- zügtick. 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