Nr 245 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Freitag 18. Oktober 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Lietzener Familien- jblltttr werden dem An- Keiger im Wechsel mit sem »Heff. Landwirt" und den ^Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Dedaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen Annahme von Anzeige» Ul der für den folgenden! ^ag erscheinenden 9beJ bis vormittags 10 UfjrJ Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen An-^ zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'scherr Universitäts - Druckerei! (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Bekanntmachung. Detr.: Gründung eines Kreistierzuchtoereins (Simmen- thaler Vieh). Nächsten Sonntag, den 20. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr, findet zu Bellersheim in der Wirtschaft von Georg Hahn eine General-Versammlung des Kreiszuchtvereins ^-Simmenthaler Vieh) mit folgender Tagesordnung statt: L Vortrag des Herrn Oekonomierats Leithiger zu Alsfeld über „die Reorganisation des Simmenthaler ZuchtvereinS für den Kreis Gießen; 2. Neuwahl des Vorstandes; 3. Gründung eines Ortszuchtvereins für Bellersheim. Zu dieser Versammlung werden die Mitglieder des Vereins, sowie die sich für die Sache interessierenden Einwohner von Bellersheim hiermit fteundlichst eingeladen. Die Herren Bürgermeister der umliegenden Gemeinden wollen dies in ortsüblicher Weise zur Kenntnis ihrer Gemeindeangehörigen bringen. Großen, den 16. Oktober 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Betreffend: Vorträge über Obstbau. Der Obstbautechniker des Oberhess. Obstbauvereins, Herr H. Wiesner aus Friedberg beabsichtigt am Sonntag dem 20. Oktober, nachmittags Punkt 4 Uhr, ür Großen-Linden einen Vortrag über Obstbau zu halten und anschließend einige Obstbaume an erschienene Mitglieder gratis zu verlosen. Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Gießen, 16. Oktober 1901. Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Dr. Heinrichs. Ilmland. Kein Kampf ist ergreifender, als der hoffnungslose, und körn Schicksal tragisichier, als das eines Volkes, das tapfer und ehrlich für sein Recht eintritt und dennoch das Grab feinet Rechtes geöffnet vor sich sieht. Mit den Waffen in Der Hand, Faust gegen Faust gehoben, ist ein seliges Los, aber furchtbar ist es, wehrlos den brutalen Schlag dulden zu müssen. Tiefes Wend ist über das kleine Volk der Buren gekommen, aber sie dürfen ibr Rotz satteln und die Flinte über die Schulter werfen und hinausreiten auf die grüne Haide; tiefes Wend ist auch über die Finländer gekommen, aber sie müssen leiden, ohne zu klagen, und wenn dennoch einmal ein Wort des Protestes aus ihrem Munde dringt, so verdoppeln sich die Qualen der Opfer. Tas Grundgesetz, auf dem das sinische Staatsrecht beruht, ist geschaffen worden durch das Manifest Alexanders I. vom 15. März 1809, in dem die Aufrechterhaltung der Konstitution und der bestehenden Rechte feierlich! gelobt wird. Als „ein freies Volk" sollte Finland regiert, als ein verbündeter, nicht als ein unterjochter Staat betrachtet werden. Im Laufe von 90 Jahren hat das Land nicht ein einziges Mal den geringsten Grund zu politischen Verwickelungen gegeben. Finland blühte friedlich unter dem Schutze seiner Verfassung, und in ganz Rußland konnte Fruilleton. Virchow. Ueber den Lebensgang und die wissenschaftlichen Arbeiten Virchows spricht sich der berühmte Berliner Chirurg Pvof. Ernst v. Bergmann in einer Berliner Wochenschrift aus. Wir geben aus dem interessanten Artikel das Folgende hier wieder: „In eine weihevolle Geburtstagsstimmung versetzt uns jedesmal der Blick aus eine durchwanderte Lebensstrecke und der Gedanke an das „bis hierher". So überschaut auch die große Gelehrtenfamilie, die sich eben anschickt, ihrem Haupt und Vater den Geburtstagstisch zu schmücken, die Bahn, die Rudolf Virchow rastlos in riesiger Arbeit gegangen ist, und weilt bei deren Anfängen am längsten und liebsten. Bor ihre Augen tritt der Schüler der Pepiniere, den 1844 Robert Froriep als Assistent ins Leichenbaus der Charite nimmt und zu einer Untersuchung über die Geschichte der Venenentzündung ausfordert. In weniger als Jahresfrist führt die Vertiefung der gestellten Aufgabe den Anfänger sogleich zu einer weittragenden Entdeckung: der vom weißen Blut. Unter des eifrigen Professors Händen weitet sich das in Angriff genommene Gebiet, das schnell über die Schicksale der alten Phlebitis hin aus gewachsen ist. Immer neue Fragen tauchen auf, die zu immer wichtigeren Sonder- arb eiten führen. Den Versuchen über die Gerinnung des Blutes überhaupt und die in den Gefäßröhren im Besonderen folgen die Abhandlungen über die Natur des Fasernstoffes, über die Verstopfung der Lungenarterie, die Pigmente, die septische Infektion, die Entzündung der gefäßlosen Innenwand der Venen und Arterien, alle in einem inneren Zusammenhänge Teile einer eng und festgefügten Kette, als deren Endglied die durchweg neue Lehre von der Thrombose und Embolie erscheint, eine Lehre, die sich über das Gesamtgebiet der Medizin erstreckt und wie in ihrem Anfang, so noch heute vollendet dasteht. Derschöpfe- rische Geist des Forschers und Lehrers, der an Frorieps man neidvoll auf das Völkchen blicken, das, seiner Freiheit froh, doch stets dem Kaiser gab, was, des Kaisers war. Ta begann plötzlich unter Alexander III. ein wildes Treiben, feile und kriecherische Broschürenschreiber, wie Ordin und Wenew, vertraten die Behauptung, datz Finland sich gar nicht als freier Staat mit Rußland vereinigt habe, sondern einfach als eroberte Provinz annektiert worden sei. Es folgte eine Kette von Rechtsverletzungen und Gewaltthaten; sie sanden ihre Krönung in dem Manifest vom 3. Februar 1899, das den finischen Ständen jede Exekutive nahm und sie zu einer einflußlosen, lediglich beratenden Körperschaft herab- drückte, das also an Stelle der konstitutionellen Monarchie den Absolutismus setzte. Man protestierte und machte Ein- gaben, man veranstaltete Versammlungen und entsandte Deputationen, aber die Deputationen wurden nicht vorgelassen, die Beschlüsse nicht gelesen, jede Kritik im Landtage mit schroffen Verweisen bestraft, die Presse unterdrückt. Tas System, das der Gouverneur, General Bobrikow, verfolgt, lautet kurz und llar: „Tod den Schwächeren". Bobrikow und Kitchener sind Holz von dem gleichen Stamme. Aber man ist in Finland noch weiter gegangen. Durch eine neue Wehrpllichtordnung, die alles Bestehende vernichtet, wurden dre Grundgesetze und die Gerechtsame des Volkes gerade an der' Stelle angegriffen, in der es am Empfindlichsten ist, und so gewaltig war die Bewegung, die das Land ergriff, daß eine Adresse an den Zaren, in der gegen diese Maßregel mit Entschiedenheit Protest erhoben wurde, 471300 Unterschriften fand, eine Zahl, die unter den zweieinhalb Millionen Wnwohnern des Landes wohl die Summe aller Erwachsenen männlichen Geschlechts bedeutet. In eindrucksvoller Weise wird hier erklärt, daß Bestimmungen über die militärischen Verpflichtungen der Bewohner nur U'Nter Zustimmung der Stände, nicht aber durch einen Machispruch getroffen und verändert werden können: „©ine der wichtigsten Gerechtsame", so heißt es in dem Protests, „die dem finländischen Bürger zukommen, besteht darin, unter dem Schutze der finländischen Gesetze zu leben und zu wirken. Jetzt sollen Tausende und Abertausende von ihnen dieser Gerechtsame dadurch beraubt werden, daß fte verpflichtet werden, bei russischen Truppen zu dienen. Und die Erfüllung der Wehrpflicht wird für diejenigen Söhne des Landes, die zum Eintritt in Truppen- teile gezwungen werden, deren Sprache, Religion, Sitten und Lebensgewohnheiten ihnen ftemd sind, zu einem Leiden verwandelt." Durch die neuen Verordnungen wird jede gesetzliche Begrenzung des Umfanges des jährlichen Aufgebots aufgehoben und den Ständen jedes Recht genommen, an der Aufstellung des Budgets teilzunehmen; sogar die Landwehr wird direkt vom russischen Kriegsminister abhängig. Damit aber der letzte Zweck, die vollständige Russi- fiziernng des Landes, um so schneller und nm so sicherer erreicht werde, sollen die bisherigen ftnländischen Truppenkörper zum größten Teil aufgelöst werden, bet den wenigen, die noch bestehen bleiben, sollen russische Offiziere angestellt werden, die Unteroffiziere müssen die russische Sprache beherrschen, die oberen Verwaltungsbehörden außerhalb des Landes verlegt werden und durchweg aus Russen bestehen. Tie Unterzeichner des Protestes haben nicht Unrecht, wenn sie erllären : „Schwerer Kummer hat sich, auf das ganze Land gesenkt .Tie neuen Wehrpflichtvevordnungen und anderen Maßregeln, die gegen das Recht des finländischen Volkes auf ein eigenes politisches und nationales Dasein gerichtet sind, müssen das Vertrauen zwischen Monarch und Volk erschüttern, sie zeitigen zugleich eine wachsende Unzufriedenheit, ein allgemeines Gefühl des Druckes und Stelle getreten ist, hat sich im ersten Quinquenium seiner akademischen Thätigkeit glänzend und bahnbrechend bewahrt. Nicht blos neuen Inhalt giebt er der pathologischen Anatomie und mit ihr der ganzen Medizin, sondern schreibt auch die Form der Forschung, die Erkenntnismethode ihr vor und stellt sie für alle Zeiten in ihren unveräußerlichen Besitz. Mit der Kritik der Rokitanskyschen Krasenlehre begrub am Jahresschluß von 1844 Virchow die letzten Reste des naturphilosophischen Zeitalters in der Medizin. Von da an gilt in ihr fein System und keine dogmatische Schulung, sondern einzig und allein eine naturwissenschaftliche Forsche ung durch! Beobachtung und Experiment. Die Medizin ist eine Naturwissenschaft und der Arzt ein Naturforscher geworden, feit Virchow der experimentellen Forschung Raum und Recht erworben hat. Schon zwei Jahre nach Virchows Anfängen war das Material, das seine, seiner Freunde und Schüler Arbeiten angehäuft hatten, so groß geworden, daß zu den bestehenden Magazinen der medizinischen Litte- ratur das Archiv für Pathologie und klinische Medizin treten mußte, das die wichtigste Sammelstelle aller bedeutenden medizinischen Arbeiten des In- und Auslandes in seinen mehr als 200 Bänden bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Nach kaum fünfjähriger Thätigkeit steht der Meister inmitten einer stürmisch wachsenden Schar eifriger Arbeiter, und mehr als eine Universität wünscht, ihre Lehrstühle durch ihn zu schmücken. Würzburg gelingt der Wurf. Tort im Gartenpavillon des alten Juliusspitals wird ihm die Arbeitsstätte an der Seite Albert Köllikers bereitet. Ein überaus glückliches und fleißiges Zusammensein! An der Lehre von den tierischen Geweben arbeiten gleichzeitig Deutschlands größter physiologischer und pathologischer Anatom. Aus Berlin hatte Virchow eine Fülle neuer Ideen mitgenommen. Damals hatte Schwann gerade den Nachweis geliefert, daß die tierischen Gewebe aus Zellen zusammengesetzt sind, Zellen, die er aus einem \ ildungr- off, dem Bladtem oder Exsudat, hervorgehen lieft. Schon dem der Unsicherheit und ungeheure Schwierigkeiten für die Gesellschaft und den einzelnen in der Arbeit für das Wohl des Landes. Tas ftnländifche Volk kann nicht aufhören, ein Volk für sich zu sein. Durch gemeinsame Schicksale, Rechtsanschauung und Kulturarbeit zufammenge- halten, wird unser Volk in der Liebe zu seinem finländii scheu Vaterlande und seiner durch« Gesetze bestimmten Freiheit treu verharren und wird nicht in seinem Streben schwankend werden, den anspruchslosen Platz in der Reihe der Nationen, den die Vorsehung diesem Volke angewiesen, in würdiger Weise auszufüllen. Und ebenso fe& wie wir an unser Recht glauben, und die Gesetze, die unser Staatsleben stützen, achten, ebenso gewiß sind wir davon' überzeugt, daß die mächtige Einheit Rußlands keinen Abbruch dadurch erleiden wird, daß Finland nach bau Grundsätzen regiert wird, die im Jahre 1809 festgesteU tourbeit, so daß dieses Land sich glücklich und ruhig in seiner Vereinigung mit Rußland fühlen kann." Auch dieser neue Protest, dieser Verzweiflungsschrei aus der Seele eines gequälten Volkes wird ungehört verhallen. Und so wird denn die nächste Folge des Protestes die Maßregelung aller jener fein, die in Finland einen geistigen Vorrang behaupten, in denen man die Führer jenes zähen, wenn auch passiven Widerstandes erblickt, den das kleine Volk noch leistet. Schon jetzt wird berichtet, ba$ General Bobrikow die Vollmacht erhalten hat, Verdächtige und Unbequeme auch ohne Richterspruch auf dem admini- strativen Wege zu verschicken und selbst nach Sibirien zu verbannen. „Verdächtig "und „unbequem" sind natürlich vor allem Viänner, die einen Einfluß auf ihre Landsleute besitzen und ihn im Sinne des Widerstandes ausüben. Man weiß, daß der junge Zar ein Fürst von höchster Humanität, von tiefem Gefühl und vielem Gemüt iftt Nur scheint es, daß feine Berater einen allzu großen Einfluß, auf ihm ausüben und daß man ihn im Unklaren läßt über die thatsächlichen Verhältnisse und über die Volksempfindunaem Hoffentlich aber finden sich Mr rechten Zeit noch einflußreiche warnende Stimmen, die dem gewaltsamen Treiben einer unverantwortlichen Regierung ein Ziel setzen. Wer trägt den Zoll? Aus Gäestener Hand-ekskre isen tvird rrns geschrieben: Tie grundlegende Kardinalfrage der HandelsPolitÄ „Wer trägt den Zoll?" ist kürzlich auf der Landesver^ fammlung der hessischen Landwirte in Darmi st a d t von dem Haupt-Referenten Herrn Gutsbesitzer Schade in einer Weise behandelt worden, die nicht unbe^ leuchtet bleiben darf. Herr Sch. führte noch, dem nunmehr als Beilage der „Hessischen landwirtschaftlichen Zeitschrift" vom 12. ds. veröffentlichten Bericht über die erwähnte Versammlung bezüglich obiger Frage wörtlich aus: „Diese Frage ist eine viel umstrittene und doch für den objektiven Beurteiler durchaus nicht so schwer zu beantworten. Ich bin der Ansicht und Ueberzeugung, daß die Höhe des Zolls in ihrem ganzen Umfange nur in ganz schlechten Jahren von den inländischen Konsumenten getragen wird, und daß sie dann noch nicht einmal vollständig getragen wird, sondern ein Teil dieses Zolls, oieser Belastung durch die Zölle wird zweifellos durch den Handel getragen werden. Aber wie geht es in guten inländischen Erntejahren? Da ist es ebenso meine unumstößliche Ueberzeugung, daß der ganze Zoll von dem Ausland getragen wird. In mittleren Erntejahren glaube ich sagen zu dürfen, wird der Zoll sich' teilweise auf Studenten Virchow war es gelegentlich seiner Schulung in der Augenklinik der Charite aufgefallen, daß das Narben- getoebe nach einer Verwundung der durchsichtigen Hornhaut des Auges, und in ihm eine Fülle von Zellen, sich bildet, ohne daß je vorher eine plastische Flüssigkeit sich in der Wunde als Ursprungsstätte dieser Zellen gezeigt hatte. Schritt für Schritt ging der Forscher weiter und pruste dre Lehren von der Urzeugung, die aktiven wie passiven Vorgänge, Kernteilung und Bau und Zusammensetzung aller Neubildungen und Gewächse, sowie ihrer Ansänge, tbrer Genesis, fettige Entartung der Zellen, Entstehung und W- stammung der Gewebe, bis er endlich! fertig toar mit Der für unsere Wissenschaft wichtigsten Feststellung, ba& äße neuen Zellen Nachkömmlinge alter Zellen sind, daß durch das ganze Gebiet Der plastischen Prozesse fein anderes Bildungsgesetz herrscht, als das der Erblichkeit. Damit war in der Zelle das eigentliche Element des Lebens gezeigt und nachgewiesen worden. Aus dem Einzel- unb Eigenleben Der Zelle setzt sich das Gemeinleben des Orgamd- mus zusammen. Wie Das gesunde Leben aus die Zelle bezogen und nur in ihr und ihrem Protaplasmaleib tn Erfahrung gebracht werden kann, so auch alles krankhafte Geschehn. „Die Trägerin des Lebens iß auch! die Trägerinder Krankheit." In diesem Sinne hat Virchow die Zellular- vathologie begründet und verfolgt. In den von den Zellen beherrschten Territorien sitzt Der Krankheitsherd, an ihnen ist daher die Krankheit zu studieren. Das ist das Feld und das Fundament, auf das Virchow die pothologische Anatomie gestellt hat, und wie fruchtbar ist dieses Feld auf- gebaut worden. Doch so viel auch von diesen Detailarbeiten Virchows heute in unserer dankbaren Erinnerung auftaucht, die Geburtstagsgäste halten doch vorzugsweise an den großen Stationen seines Werdens und Könnens stille. Wie die Mediziner, so auch die Anthropologen, die Jünger einer Wissenschaft, die mehr noch, als ^lumenbach und Karl Ernst v. Baer Virchow zu thatkräftig^.i Dasein erweckt hat. Die erste wichtige am, alogische Untersuchung stammt aus verzollt unverzollt verzollt mehr Roggen 1898 111.0 142.3 31.3 . 1899 107.3 139.5 32.2 „ 1900 101.6 133.1 32,5 Der Preis des verzollten Getreides hat sich hiernach annähernd um den Betrag des Zolls für 1000 Kilogramm gleich 35 Mark über ben Preis des unverzollten gestellt. Tie Ziffern sind so sprechend, daß, man mit bl-oßen gegenteiligen „Ansichten" und „Ucberzcugungen" dagegen unmöglich« aufkommen kann. Es kann vielmehr „gar keinem Zweifel unterliegen, daß im großen Durchschnitte der Z'oll im Inlands getragen wird, d. ,h. daß der inländische Getreidepreis annähernd um den Zoll in die Höhe getrieben ist, wenn auch natürlich die Wirkung nicht in jedem Jahre die gleiche ist und nicht in allen Teilen Deutschlands in derselben Weise zu Tage tritt." (Conrad.) Politische Tagesschau. Zum 18. Oktober. Kaiser Friedrich, dem Edlen, Unvergeßlichen, gilt alljährlich am 18. Oktober das Gedenken, dem Monarchen, den die deutsche Nation vor 13 Jahren so jäh, so früh verlor. Welche stolzen Hoffnungen, welche hochgespannten Erwartungen knlipften sich an die Stunde, da der Sieger von Wörth den deutschen Kaiserthron bestieg! Doch nur zu bald wurde dieser Thron verwaist, und der Schatten der Trauer senkte sich über die Nation. Tief tragisch rst das Geschick dieses Fürsten, der lange Jahre hindurch auf seinen hohen Beruf sich vorbereitet hatte und der, als er nach langen Jahren schmerzender Resignation daran gehen wollte, die Wünsche zu erfüllen, die sein Volk hatte, durch ein widriges Geschick behindert wurde, seine Pläne zu verwirklichen. Das Bestreben des Mannes, der in sein Tagebuch geschrieben hatte, daß sein Hauptgedanke sei, wie man nach erkämpftem Frieden den freien Ausbau Deutschlands weiter führe, sollte zu seinem Schmerz nicht Verwirklichung finden. Den Mann, der so milden, mitleidsvollen Sinn besessen; der wenige Tage nach der Schlacht bei Sedan den denkwürdigen Aufruf zur Begründung ei^er Jnvalidcnstiftung erlassen; der so heldenhaft sein Leid getragen, der zu leiden gelernt hat, ohne zu klagen; der da gesagt hat in edler Toleranz der verschiedensten Formen des religiösen und politischen Glaubens: Ein jeglicher unter ihnen steht meinem Herzen gleich nahe; dessen Hairpt geschmückt ist mit dem Lorbeer des Helden und der Dornenkrone des Märtyrers, einen solchen Kaiser kann und wird das Volk nie vergessen. Freisinnige Aussprüche über Agrariertum und Zollfrage. Die „Freis. Ztg." veröffentlicht unter dem Pseudonym Arthur Arcturius aphoristische Aussprüche über die Zoll- tarisfrage u. o. folgende: Die Logik der agrarischen Schutzzöllner auf die kürzeste Formel gebracht, lautet so: Wir sind die Grundlage des Staates, wir ernähren alle anderen, folglich — müssen wir von allen anderen ernährt werden. „Die Landwirtschaft ist krank!" Wie lange schon schreit man uns dies Wort in die Ohren, — aber die Agrarier, wenn gerade sie sich krank fühlen, um Rat fragen, wie ihnen zu helfen sei, heißt ebensoviel, wie in einem Lazarett darüber abftimmen lassen, welche Medizin die Kranken einnehmen sollen. < ♦ ♦ Vor dem Hafen von New-Aork steht die riesengroße Statue der Frecheit mit der Fackel in der Hand, — vor dem Hasen von Hamburg könnte man eine riesengroße Statue der Agrarier aufftellen — mit der Sichel in der Hand, zum Zeichen, daß die Agrarier von jenem Import ihren Sch-nitt machen wollen. Der Bund der Landwirte ist nur der Hänge-Gendarm des Junkertums und der Patriotismus des Junkertums — nichlt der des einzelnen Junkers — bethätigt sich heute im wesentlichen durch das eifrige Wahren seines Eingusses und durch den Haß gegen das konkurrierende, Bürgertum. Tie agrarische „Tische. Tagesztg." schreibt dazu: „Wir haben die „Freis. Ztg." bisher zu den klügeren Blättern gerechnet. Angesichjts solcher tiefgründigen Gemeinplätze wird es verzweifelt schwer, an diesem Urteile festzuhalten. Herr Arcturius muß der „Freis. Ztg." persönlich! außer- vrdentli'chl nahe stehen, daß sie sich entschlossen chat, das« Opfer des Intellekts zu bringen, das mit einer derartigen Veröffentlichung zweifellos verbunden gewesen sein must" unverzollt verzollt Weizen 1898 w n 1899 1900 178.7 151.1 142.9 148.7 117.2 ? verzollt mehr 30 33.9 ? den vollen Zollsatz niedriger zu verkaufen plls im Jnlande. Die Ausfuhr ist also lohnend, so lange der Jnlandpreis nich-t annähernd um den Zollsatz höher ist, als der Weltmarktpreis. Thatsächiich ist denn auch die Ausfuhr seit Aufhebung des Identitätsnachweises ganz gewaltig gestiegen. Während nämlich! im Durchschnitt der Jahre 1891—93 durchschnittli nur 291 Donnen Weizen und 432 Tonnen Roggen aus T«eutsch'land ausgeführt worden sind, ist die Ausfuhr sofort im Jahre 1894 auf 79191 Donnen Weizen und 49 712 Tonnen Roggen gestiegen und beläuft sich, pro 1900 aus 295 080 Tonnen Weizen und 76092 Tonnen Roggen! Hiervon sind bei Weizen 293826 Donnen und bei Roggen 75 938 Tonnen auf Einfuhr scheine exportiert worden! Die Ausfuhrprämie hat hiernach gut gewirkt. Sie hat aber gleichzeitig zusammen mit dem Einfuhrzoll bewirkt, daß heute die Jnlandpreise sich annähernd um den Zoll- betrag höher stellen als die Weltmarktpreise. Es genügt, in dieser Hinsicht die Preise irgend eines Ginfuhrplatzes für verzollte und nicht verzollte Ware zu vergleichen. In Danzig z. B. betrug der Preis für Weizen bezw. Roggen derselben Art nach amtlicher Notierung in den letzten drei Jahren für 1000 Kilogramm in Mark: das Inland übertragen, teilweise dem Ausland zur Last fallen. . Es folgen Ausführungen darüber, daß es gar nichts „Entsetzliches" oder „Unmoralisches" sein würde, wenn auch der ganze Zoll von den inländischen Konsumenten getragen werden müßte. Was an diesen Ausführungen zunächst auffällt, ist, daß an die Stellen von Gründen und Beweisen die „Ansicht", „Ueberzeugung", ja „unumstößliche Ueberzeugung" u. s. f. des Herrn Referenten treten. Von irgend welcher Motivierung keine Spur! Man mag nun die Ueberzeugung des Herrn Referenten noch, so hoch einschätzen; bei so wrchtigen, grundlegenden und „vielumstrittenen" Fragen ists indessen mit bloßen Ueberzeugungen wirklich, nicht gethan; man will vielmehr Gründe hören, um diese würdigen und sich« mit ihnen auseinandersetzen zu können. Im übrigen enthält gerade die Ansicht des Herrn Sch über die Verteilung der Zollbelastung zwischen Inland und Ausland die denkbar schärfste Verurteilung des Zolls. Man muß sich)! in dieser Hinsicht immer vor Augen Halten, daß die Landwirtschaft nur dann und nur insoweit Nutzen von den Zöllen hat, als diese eine Preissteigerung im Jnlande bewirken, d. h. als das Inland die Zölle trägt- Wenn also wirklich — wie Herr Sch. als „unumstößlich" gewiß behauptet — in guten inländischen Erntejahren der ganze Zoll von dem Auslande getragen wird, d. h. im Jnlande keinerlei Preissteigerung bewirkt, so werden die Zölle gerade bei niedrigen Preisen, wie sie gute Ernten, zur Folge haben, der einheimischen Landwirtschaft keinerlei Schutz gewähren. Und wenn andererseits wirklich — wie Herr Sch ebenfalls behauptet — in ganz schlechten Jahren die Zölle ganz vom Inland getragen werden, so werden sie das Inland gerade bei hohen Preisen, wie sie ganz schlechte Erntejahre mit sich bringen, doppelt schwer belasten. Also der Landwirtschaft würde durch die Zölle gerade dann kein Schutz gewährt, wenn sie solchen am nötigsten brauchte, und die Konsumenten würben durch! dieselben gerade dann am meisten belastet, wenn sie ohnehin schon empfindlich getroffen wären! Daß Zölle mit solcher Wirkung ein Unding sind, dürfte bei näherer Betrachtung selbst Herrn Sch. einleuchten. In Wirklichkeit ist freilich, seit der durch Gesetz vom 14. April 1894 verfügten vollständigen Aufhebung des sog. Identitätsnachweises für Getreide u. s. w- die Wirkung des Zolls eine ganz anoere. Nach, diesem Gesetz werden dem Importeur von inländischem Getreide bei der Ausfuhr von solchem Einfuhrscheine überwiesen, welche ihn zur zollfreien Einfuhr einer Warenmenge berechtigen, für die der gleiche Zollbetrag, wie für das ausgeführte Getreide, zu entrichten wäre. Da diese Einfuhrscheine außer für Getreide, Mehl u. s. w- noch! für eine Reihe anderer Waren wie Kaffee, Thee, Reis u. s. f. auf die Zollzahlung in Anrechnung gebracht werden, so sind sie für die Getreideexportierenden Landwirte so gut wie bares Geld: sie können dieselben jederzeit an Importeure von Getreide und anderen Waren, für welche die Scheine als Zvllzahlung gelten, zu einem Kurse veräußern, welcher dem Nennwert des Schiems stets sehr nahe kommt. Mit anderen Worten: Die Einfuhrscheine sind eine direkte Export- prämiefürGetredeinHöhe des Getreidezolls, vermöge welcher die Landwirte — wenn man von Frachtkosten und Spesen absieht — in der Lage sind, ihr Getreide im Auslano mit demselben Gewinn fast um Würzburg, wo Virchow Gelegenheit geaeben wurde, den Kretinismus in Franken zu studieren uno die vielbesprochenen Schädel von Iphofen zu untersuchen, eine Untersuchung, die zur Kenntnis der frühzeitigen Verknöcherung der ^Mdelnähte und ihres Einflusses auf den Bau der Schädel führte. Sie wurde der Ausgangspunkt für die wichtige Arbeit über die Entwickelung des Schädelgrundes im gesunden und krankhaften Zustand und deren Einfluß auf .Schädelform, Gesichtsbildung und Gehirnbau. Virchow hat, "was den großen Anthropologen vor ihm nur vorschwebte, in den Dienst der 1869 gegründeten Deutschen Anthropologischen Gesellschaft gestellt: die Vereinigung von prähistorischer und historischer, von geologischer, geographischer und philologischer Forschung, die allein Licht in die Ur- und Bildungsgeschichte der Menschheit bringen konnte. That- sachen und Materialien haben er und seine Schüler, wie nie zuvor, gesammelt. Nicht nur die Schädel, sondern die Werkzeuge, Waften, Trachten, Schmuck und Arbeiten der Urvölker speicherte; Virchow! im Museum für Völkerkunde auf, das seinem energischen Drängen vorzugsweise die ^rtstehung verdankt. Diesem Zweck hat Virchow die Erträge der Stiftung, die ihm sein 70. Geburtstag brachte, gewidmet." Es sei hier etwas Persönliches über Virchow angeschlossen, das man etwa überschreiben könnte: „Rudolf Virchow über die Freundschaft". Anläßlich der Virchow- Feier bringt nämlich Max Kalbeck im „N. W. Tagbl." folgende stimmungsvolle Erinnerung: Ich hatte das Glück, im Herbst 1894 aus Laders bei Meran an der Seite meines Freundes Paul Hehse mehrere unvergeßlich schöne Tage mit Virchow zu verbringen, und war teilnehmender Zeuge der interessanten Gespräche, die er mit dem Dichter unb anderen illustren Besuchern des gastfreundlichen Schlosses führte. Schlrcht, geräuschlos und bescheiden in ihrem Auftreten, lenkte seine Erscheinung doch sogleich die Auf- merKäMteit bet GesellsäMft cnq sich, und nran brauchte nicht zu wissen, wen man vor sich hatte, um den bedeutenden Mann in ihm zu erkennen. Während der Unterhaltung erwärmten Seelengüte und rein menschliches Wohlwollen ihm die grauen, flugen Augen. Nur wenn der Mann der Wissenschaft zuhörte oder das Wort ergriff, blitzte es Heller, zugleich aber kühler hinter den Gläsern seiner goldenen Brille auf, und man hatte dann das Gefühl,, daß diese ruhigen Augen im stände wären, den Dingen bis auf den Grund zu sehen, ohne mit einer Wimper zu zucken. Aehnlich verhielt es sich mit der Stimme des Gelehrten. Sie llang sanft und freundlich, sobald er von täglichen Angelegenheiten sprach. Wurden dagegen ernstere Fragen gestellt, so nahm sein Organ einen zwar höheren, aber fast gleichzeitig objektiven Don an, als ob die Stimme daran gewöhnt worden wäre, ohne Bedenken und vollkommen gelassen immer das Richtige wie etwas Unumstößliches und Selbstverständliches zu sagen. Virchow hat mich in der Ueberzeugung bestärkt, daß, wie die Schönheit nicht blendet, die Güte nicht besticht, so auch die Wabrbeit nicht lärmt. Sein edles Beispiel empfiehlt, alles, was auf „Sensation" ausgehet, den Marktschreiern und Schwindlern zu überlassen. Zum Abschied schrieb er mir die ernste, aus dem tiefen Brunnen der Erkenntnis mit Schmerzen geschöpfte Mahnung: „Wahre Freundschaft ist der einzige dauerhafte Besitz des Menschen, der ganz und gar auf die freie Entschließung gestellt ist. Sie ist das, was als die Lösung des sozialen Problems gesucht wird. Aber sie läßt sich weder durch den Staat, noch durch die Kirche, noch du 4') |bie Gesellschaft vorschreiben. Nicht Gesetz noch Herkommen können sie einführen. Sie trägt ihren Lohn in sich selbst, und darum verlangt fift nicht die Anerkennung anderer Menschen. Wohl dem, bf.m sie zu Teil wird, und der sie zu bewahren versteht Schloß Laders bei Meran, in der Stunde, oa mein Freund Helmholtz zur Erde bestattet wird, am 12. September 1894. Rudolf Virchow." Aus Stadl und Kund. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gietz. Anz." gestattet.) Gießen, den 17. Oktober 1901. *• Von der Zweiten Kammer. Die ordentlichen Einnahmen für die Finanzperiode 1894/97 waren nach dem Bericht des ersten Ausschusses veranschlagt für ein Jahr mit 27 352 964,16 Mk., also für 3 Jahre mit 82 058 892,48 Mk. Die Staatseinnahmen weisen an wirklich erzielten ordentlichen Einnahmen auf 84 495 289,34 Mk., somit gegen das Staatsbüdget mehr 2436396,86 Mk. Die ordentlichen Einnahmen beliefen sich in der Finanzperiode 1891/94 auf 79 026 856,92 Mark, mithin ist gegen diese Periode ein Mehrbetrag von 5 468 432,42 Mk. zu verzeichnen. Die Einnahmen verteilen ich auf A. Domänen. Diese erbrachten gegenüber der veranschlagten Summe von 18 322 878,90 Mk. eine Mehreinnahme von 950019,50 Mk. Das Familieneigentum des Großherzoglichen Hauses hatte eine Mindereinnahme von 266191,50 Mk., wahrend die Staatsdomänen eine Mehreinnahme von 1216 211 Mk. gegenüber dem Voranschlag aufzuweisen haben. Von den Einnahmen aus den letzteren heben wir hervor: Das Braunkohlenbergwerk Ludwigs- Hoffnung schließt mit einem Einnahmeplus von 16939,98 Mk. Der Veranschlag schätzte die Einnahme auf 17 746,90 Mk.) Zur Begleichung der Ausgaben der Badeanstalt Salzhausen war aus dem Kurfonds für 1894/95 ein Zu- chuß von 1397,25 Mk., für 1895/96 von 1765,04 Mark und für 1896/97 von nur 16,65 Mk. erforderlich. Bei der Saline Bad-Nauheim ergab sich gegenüber der veranschlagten Summe ein Ueberschuß von 37 273,88 Mk. Die Badeanstalt Bad-Nauheim lieferte einen Ueberschuß von 281 478,30 Mk., welcher nach Abgabe von 3000 Mk. an den Kurfonds von Salzhausen dem eigenen Kurfonds zuge- wiesen worden ist. Die Mehreinnahme ist hauptsächlich in- otge der gestiegenen Frequenz des Bades erzielt worden. Das Vermögen des Kurfonds Bad-Nauheim bestand zu Ende des Rechnungsjahres 1896/97 aus Wertpapieren im Nominalbeträge von 224 000 Mk. und einem Kassevorrat von 376 936,07 Mk., der baare Vorrat ist zur Bestreitung der Ausgaben für Neubau des Badehauses VI erforderlich, bezw. bereits verwendet worden. Hauptsächlich sind an dem Mehrerträgnis der Staatsdomäne die Staatseisenbahnen be- eiligt. Nach dem Hauptvoranschlag stand ein Betriebsüber- chuß a) der Main-Neckar-Bahn (Hess. Anteil) von 2 842 035 Mark, b) der Nebenbahn Eberstadt—Pfungstadt von 13 050 Mk. c) der Oberhessischen Eisenbahnen von 606 900 Mk. in Summa 3 461 985 Mk. in Aussicht. In Wirklichkeit wurden ölgende Einnahmen erzielt: Zu a) (mehr 785 436,29 Mk.) (insges. 3 627 472,29 M.) „!>)(„ 5 051,20 „ ( , 18 101,20 , „ c) ( „ 276 745,79 „ ( , 883 645,70 , in Sa. ( , 1067 234,28 Mk.) Nach Berücksichtigung einiger unwesentlicher Einnahmen und Ausgaben schließt der Ertrag mit einem Mehr von 1 045 285,97 gegen das Staatsbudget ab. L. Regalien. Diese haben eine Mehreinnahme von 2498,74 Mk. erbracht. C. Indirekte Auflagen. Kapitel 4. Die inneren indirekten Auflagen lieferten einen Mehrertrag von 655 401,96 Mk. — Die Mehreinnahmen aus Reichssteuern beziffert sich auf 1 120 552,58 Mk. und wird durch die Mehreinnahme aus Zöllen und der Tabaksteuer 1 315 110,07 Mk. aufgebracht, die Reichsstempelabgaben ergaben weniger 92 422,53 Mk. und der Branntweinverbrauchsabgabe weniger 102 134,96.Mk. Die Gesamt-Einnahmen aus den „Reichssteuern" beliefen sich auf 23 981422 Mk. 58 Pfg. D. Einnahmen aus ver- schiedenen Quellen. Im ganzen sind hierunter gegen den Voranschlag 414 156 Mk. 29 Pf. weniger vereinnahmt worden. Hier sind 192 124 Mk. 32 Pf. außeretatmäßige Einnahmen zu erwähnen, die zu 192 123 Mk. 49 Pf. auS dem bei Veräußerung von Wertpapieren gemachten Coursgewinn und zu 0,83 Mk. aus dem Anteil an der französischen Kriegskostenentschädigung bestehen. E. Direkte Steuern. Diese haben gegen den Voranschlag, der eine jährliche Einnahme von 9 700 000 Mk., für 3 Jahre also 29 100 000 Mk. erwartete, 122 080 Mk. 37 Pf. mehr erbracht. Das Ein- nahmeplus ist zurückzuführen auf die Wirkung des Einkommensteuergesetzes vom 25. Juni 1895. Die zur Erhebung über- wiesenen direkten Steuern verteilen sich: a) nach den Steuerarten auf: Einkommensteuer 1894/95 Mk. 4 933 827, 1895/96 Mk. 5 062 230, 1896/97 Mk. 5.491.266, — Mk .15 487 323 ; auf Gewerbesteuer 1894/95 Mk. 996 374, 1895/96 Mk. 1 018 250, 1896/97 Mk. 1 048 930, = Mk. 3 063 554; auf Grundsteuer 1894/95 Mk. 3 101 957, 1895/96 Mk. 3 129 961, 1896/97 Mk. 3158 450, — Mk. 9 390 368; auf Kapitalrentensteuer 1894/95 Mk. 408 325, 1895/96 Mk. 421 020, 1896/97 Mk. 451 490, = Mk. 1 190 835; Summa Mk. 29 222 080; b) nach den Provinzen: auf Starkenburg 1894/95 Mk. 3 552 221, 1895/96 M. 3 645 734, 1896/97 M. 3 875, — M. 11 073 186, anf Oberhessen 1894/95 Mk. 2 014 564, 1895/96 Mk. 2 036 740, 1896/97 Mk. 2 036 740, 1896/97 Mk. 2 064 776, — Mk. 6 116 080, auf Rheinhessen 1894/95 Mk. 3 873 698, 1895/96 Mark 3 948 987, 1896/97 Mark 4 210129, = Mk. 12 032 814. ** Zur Stadtverordneteuwahl. Im November findet bekanntlich die Ersatzwahl für die nach Ablauf ihres Mandats ausscheidenden (selbstverständlich wieder wählbaren) und dis während der Mandatsdauer verstorbenen oder freiwillig aus- geschiedenen Stadtverordneten statt. Die soeben fertiggestellte Wählerliste wird vom Samstag dem 18. Oktober an auf der Bürgermeisterei zur Einsicht der Wahlberechtigten aufgelegt. Wie in früheren Jahren, so hat auch diesmal die Bürgermeisterei die Liste drucken lassen, um den Wählern, denen bte Einsichtnahme der Originalliste auf dem Bürgermeisterewurean zu umständlich, bequemere Gelegenheit zur Einsichtnahme zu geben. Die rd. 3400 Namen enthaltende Liste wird morgen (Freitag) mittag der Stadtauflage des „Gießener An- zeigers" beigelegt. •• Krankenkassenwesen. Außer in den Kreisen der Kaufleute und in denen der Bäcker und Müller erörtert man letzt auch in den Kreisen der Gastwirte die Begründung einer eigenen Krankenkasse für das von ihnen beschäftigte Personal. " Der Deamienverein hält am nächsten Samstag, den 19. Oktober, sem erste* Wüüer-Vergnügen ab. Da seitens des Vorstandes, bezw. der Vergnügungs-Kommission für diese Festlichkeit ein recht schönes, reichhaltiges Programm — bestehend in Konzert der hiesigen Regimentskapelle, Theater, Violin-, Klavier-, Gesangs-Solo-Vorträgen und Ball — aufgestellt worden ist, so steht sowohl den Mitgliedern als auch den geladenen Gästen eine ebenso gemütliche als auch genußreiche Abendunterhaltung in Aussicht/ ** Aus dem Theaterbureau. Am Freitag wird Leo Tolstojs fünfaktiges Drama „Die Macht der Finsternis" in der deutschen Bearbeitung von Heinrich Stümcke, die auch bei den Aufführungen in Frankfurt a. M., Wien usw. benützt wurde, im hiesigen Stadttheater zum ersten Male gegeben. Die Vorstellimg sindet im Abonnement bei gewöhnlichen Eintrittspreisen statt. ** Wer ist stimmberechtigt bei den. Stadt- veriordnetenwahlen? Tas Recht der Stimmabgabe hat vor allem jeder in der Stadt wohnende Ortsbürger, bann jeder männliche Einwohner- welcher deutscher Reichsangehöriger ist und seit zwei Jahren' den Unterstützungswohnsitz erworben hat unter der Voraussetzung freilich, daß er zur Zeit der Wahl 25 Jahre alt und vom 1. April des dem Rechnungsjahre, in welchem die Wahl stattfindet, vor- ausgehenden Jahres — also seit dem 1. April 1900 — in hiesiger Stadt bommunalsteuerpflichtig ist. Wer, weil sein Jahreseinkommen den Betrag von 500 Mk. nicht erreicht, von der staatlichen Einkommensteuer zwar befreit, aber iu eine der drei Gerne inde-Einbommensteuerklassen für Ein- vommen unter 500 Mk. eingereiht ist, oder von Grundbesitz oder Gewerbebetrieb eine Gemeindesteuer zu entrichten hat, ist ebenfalls stimmberechtigt, doch mutz er Sorge getragen haben, datz sein Name in der vom Bürgerrneister aufgestellten Wählerliste steht. Ta man den Unterstützungswohnsitz aber erst nach, zweijährigem ununterbrochenen Wohnsitz in der Stadt erwirbt, so ergiebt sich hieraus, daß neu Zu- gezogene zur Zeit der Wahl mindestens 4 Jahre lang hier gewohnt haben müssen, um bei der Wahl mitstimmen zu dürfen. Sollte die Stadtverordnetenwahl z. V am 30. Oktober stattfinden, so müßte der Zug hierher spätestens am 29. Oktober 1897 stattgefunden haben. Bayern und Elsaß- Lothringer sind hier nicht wahlberechtigt. Eine dahingelstnoe Entscheidung ist durch die höchste Instanz, den Gvoßh. Hess. Verwaltungsgerichtshof, am 13. Februar 1886 ergangen. — Ausgeschlossen von der Stimmberechtigung ist: Wer zur Zeit der Wahl unter Vormundschaft oder! Kuratel steht, oder über wessen Vermögen der Konkurs erkannt oder der Fallitzustano gerichtlich eröffnet ist, wer infolge strafrechtlicher, gegen ihn ergangener rechtskräftiger Verurteilung im Verluste der öffentlichen Ehrenrechte sich befindet, wer zur Zeit der Wahl eine nicht nur vorübergehende Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln bezieht oder in den vorhergehenden zwölf Monaten bezogen hat, wer mit Zahlung seiner Kommunalsteuer am Tag der Wahl länger als zwei Monate im Rückstand sich befindet. Als Stadtverordneter wählbar ist jeder Stimmberechtigte, der nicht infolge Verurteilung unfähig zur Bekleidung öffentlicher Aemter istz. — Von der Wählbarkeit sind indessen Militärpersonen während des Dienstes, Geistliche, Volksschullehrer, Polizeibeamte, sowie die Mitglieder der dem Gemeindevorstand Vorgesetzten Verwaltungsbehörden (Kreis- umt und Ministerium des Innern) ausgenommen. — Antiduellbewegung. Die für den 19. d. Mts. ausgeschriebene Besprechung in Leipzig wird im Saal des Buchhändlerhauses Vormittags 10 Uhr beginnen. Zweck dieser Besprechung ist, in vorzüglichster Weise Mittel und Wege zu sinden, um durch erfolgreichen gesetzlichen Schutz der Ehre den Anlaß zu Duellen zu beseitigen. Seit der letzten Publizierung von Namen der Unterzeichner der bekannten „Erklärung" gegen Duelle haben sich derselben weiter angeschlossen 13 Adelige, 31 Juristen und 20 Aerzte. 87 Professoren, Gymnasiallehrer und Oberlehrer haben die Erklärung unterzeichnet, darunter folgende: Dr. Kübel, Instituts-Vorsteher, Gießen; Friedrich Müller, Gymnasial - Oberlehrer, Büdingen; Dr. jur. Hauptmann, Universitäts-Professor, Berlin; Dr. I. Berten, Universitäts-Professor, München; Adam Klassert, Großherzogl. Oberlehrer, Michelstadt; Professor Dr. Schell, Gymnasial - Oberlehrer, Mainz; August Uebel, Professor, Mainz; Dr. Baeumker, Universitäts-Professor, Bonn; Remigius Stölzle, Universitäts-Professor, Würzburg. ** Der Lachsfang iw Rhein ist in diesem Jahre überaus günstig. In den verschiedenen Fischereien, des Oberrheins wird jetzt täglich eine große Anzahl gefangen. Ursache ist wahrscheinlich der anhaltende hohe Wasserstand des Stromes. Infolge des reichlichen Fanges wird der Lachs jetzt zu dem Ausnahmespreis von 1,50 Mk. das Pfund im Kleinverkehr verkauft. m Heuchelheim, 16. Okt. Im kommenden Jahre wird in unserer Gemeindeschule die sechste Klasse eröffnet werden. Es besteht die Absicht, im Schulhause eine der Lehrerwohnungen frei zu machen und diese Räume für Schulzwecke einzurichten. -ch- Herbstem, 15. Okt. Infolge der Inbetriebsetzung der Nebenbahn Lauterbach—Grebenhain—Crainfeld erleiden auch die Fahrpostverbindungen einige Veränderungen. Die either täglich zweimal verkehrende Fahrpost von hier nach Lauterbach sowie nach Grebenhain hört auf. Dagegen ist ein Postfuhrwcrk vom hiesigen Postamt nach dem Bahnhof ausgeschrieben worden. Den Zuschlag erhielt der hiesige Gastwirt Gustav Ganß. Die Post fährt täglich viermal vom Postamt nach dem Bahnhof und zurück. Ganß erhält dafür eine jährliche Vergütung von ungefähr 900 Mk. x Reinhardßhain, 15. Okt. Die hiesige Schulstelle wurde dem Schulverwalter Euler zu Lang-Göns definitiv übertragen, während Schulverwalter Runkel hier auf dessen bisherige Stelle versetzt wurde. § Ober-Morlen, 16. Oktbr. Der von hier gebürtige Dr. theol. Schmidt, der kürzlich an der Akademie zu Münster die Doktorprüfung mit Auszeichnung bestand, ist bis auf weiteres als Sekretär der bischöflichen Kanzlei in Mainz bestellt worden. • k- Mainz, 16. Okt. Von München kommend traf heute Morgen mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug 9.16 Uhr der deutsche Kronprinz hier ein. Er frühstückte im Fürsten- Salon des Bahnhofs und setzte sodann nach einem einstündigen Aufenthalt die Reise nach Bonn fort. — Gleichzeitig traf zur Besichtigung der neuen militärischen Bauten heute Vormittag der kommandierende General des 18. Armeekorps v. Lin de- quist hier ein. * * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Burkhardsfelden wurde am Sonntag das neue Schulhaus eingeweiht. — In Bo den heim hat der prakt. Arzt S. durch Oeffnen der Pulsadern feinem Leben ein Ende gemacht. Das Motiv zur schrecklichen That ist un- bekannt._____________________________ Vermischtes. «Berlin, 16. Okt. Ein sch w e r e s B ran dun glück, bei dem ein Arbeiter getötet und drei zum Teil lebensgefährliche verletzt wurden, trug sich (wie uns bereits gestern nachmittag aus Berlin gedrahtet wurde, leider zu spät für unsere gestrige Auflage. D. Red. des Gieß. Anz.) heute auf dem Neubau des Hauptpostamtes in S sowie aus den Revieren Tiergarten (80 fm), Freienseen (70 fm) und Gonterskirchen (120 fm). Nähere Auskunft erteilen die betr. Gräfl. Forstwarte, von denen die Schläge aus Verlangen vorgezeigt werden. Die S«S- mtsstonrgevote sind, verschlossen. und mit der Auffchrift „Holzverkauf — Gießen" versehen, laugficns vis zum 2. Aovemöer f. A., abends, an das Sürstlich Stolverg'sche Aentamt zu Hrtenberg (Hessen) einzureicken. ßröffaungstermin Worttag den 4. AovemVer d. A., mittags 1V. Uhr, im Lenz'schen Felsenfester zu Gießen. Laubach, 9. Oktober 1901. 6898 __________________ Gräfliche Oberförsterei. Bekanntmachung. Es wirb hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Verwalttmgsrat beschloffen hat, künftig für neue Einlagen bis zu 3000 Mk. 4%# für solche im höheren Betrage aber nur S^/o Zinsen zu vergüten. Gießen, am 14. Oktober 1901. Der Direktor der Spar- und Leihkaffe Gießen. Wiener. 6896 Bekanntmachung, betr?. Das Einhalten der Tauben während der Saatzeit. Die Besitzer von Tauben werden unter Hinweis auf Art. 79 des Jeldstrasgesetzes aufgefordert, ihre Tauben von heute bis Ende dieses Monats in den Schlagen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift müssen nach Maßgabe des Feldstrafgesetzes zur Anzeige und Bestrafung gebracht werden. Diese Bekanntmachung findet auf die Militär-Brieftauben keine Anwendung. Gießen, den 16. Oktober 1901. 6907 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _________Meeum.__________________ Feierabend für WiM. 'Whrhimnr Sonntag, 20. Lkt., M. 8 Uhr, VvJJlUH* in der Gewerbeschule (Asterweg). Alle Lehrlinge sind fteundlichst emgeladen. 6894 Dr. Grein. Hl—i rill lirmwii <—MM»—Ti M I jLouis Froiinhäuser I — 9 Schulstrasse 9 — empfiehlt seine direkt bezogenen 118V c | M Spanischen w eine £ ® ferner: französischen und deutschen Kognak. | Rhein- und Moselweine. Champagner ffis“ T Cigarren. Carl Schneider Cigarren. Giessen, Marktplatz 5. 6551 Spezialität: Vorstenlanden, sog. 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Wer die Ausführung der Holzfäüungen im Lützellindener Markwald in diesem Wald- wirtschastsjahrübernehmenwill, hat seine Forderungen schrift- lich und verschlossen mir bis zum 26. d. Mts., vormittags 10 Uhr, einzureichen, zu welcher Zeit Eröffnung erfolgt. Bedingungen können ' hier und beim Gemeindevorsteher zu Lützellinden eingesehen werden. 6897 Groß-Rechtenbach, den 16. Oktober 1901. Der Bürgermeister. rr rr Schmelz Süssrahm Edamer Roqrrefort- Carnembert- Parwefan- Gervais- Neuchateler Rahm- Limburger Prima Weinstube Schott, Arische Sendung 6286 Süßer Traubenmost. Konditorei-W’ga rme. Pa. gar. reines deutsches Schweineschmalz per Pfd. 65 Pfg. bei 5 Pfd. ä 63 Pfg. Prima Braunschweiger Mettwurst per Pfd. 1,20 Mk. la. Emmenthaler Käse Süßrahm-Tafelbutter. Bei hohen Butterpreisen empfehlen zum Braten. Backen und Kochen in allen Preislagen: ßebr. Berta Dahuhsfstr. 27. Lindenplah 12. Telephon 281. 6854 Prima hochfeine Cervelatwurst wesrf» chüring. und braunschrveig. per Pfd. 1,45 Ml. 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