Nr. 271 Erscheint tägNch mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Familien- dlätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bet- gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Frrnsprechanschluß Nr.51. Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 17. November 1901 GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger & Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige» zu der sür den folgenden- Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pft auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unioersitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich sür den allgemeinen Teil: P. WUtko: sür den Anzeigenteil: Hans Beck. Kraf Kanitz als „Abtrünniger". Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt: In ben kommenden Reichstagsdebatten über den Zolltarifentwurf wird auf Seiten der Rechten die Führung dem Abg. Graf Kanitz zufallen. Gras Kanitz genießt nicht nur in den Kreisen der konservativen Partei, der er angehört, das Ansehen eines gründlichen und vielseitig ge- oildeten Kenners in wirtschaftlichen Dingen, sondern es wird auch von anderen Parteien, selbst von politischen Gegnern, dies Sachverständnis anerkannt. Der Graf zählt im Reichstag zu der nicht gerade großen Gruppe gerne gehörter Redner. Er spricht meistens frei, ohne Zuhilfenahme Von Notizen; das kräftige Organ unterstützt den Vortrag, der in knapper Form die praktischen Gesichtspunkte zur Geltung bringt und durch das Fehlen doktrinärer Erörterungen auch.für das Publikum auf den Tribünen anziehend ist. Wenn also Graf Kanitz schon jetzt ösfenllich zur künftigen Handelspolitik Stellung nimmt, wie er es soeben in einer konservativen Versammlung in Mohrungen ausführlich gethan hat, so sind die Aeußerungen einer besonderen Beachtung wert. Der Redner bekannte sich zunächst als unveränderten Gegner von Handelsverträgen; es sei ein Fehler, die Zölle für lange Jahre zu binden. „Der jetzige wirtschaftliche Niedergang" — wir folgen dem Bericht der „Kreuzztg." — „hat mir den klaren Beweis geliefert, daß Handelsverträge keineswegs eine gesunde Basis für die sichere Entwickelung unserer Industrie bllden." Danach wären also die Handelsverträge gewissermaßen mitschuldig an der Verschlechterung der Konjunktur. Aber gesetzt den Fall, es bestünden keine Handelsverträge, — wie wäre es möglich, was jetzt doch ein Glück im Unglück ist, den Jnlands- markt zu entlasten durch Verkauf eines Teiles der ungeheuren Waren-Vorräte an das Ausland? Die Handelsverträge sind geradezu der Rettungsanker für die Jndusttie, die ohne diese Begünstigung und Erleichterung umkommen würde in der Ueberproduktion. Denn darüber herrscht wohl kein Zweifel, daß eine Neubelebung der Industrie und des Handels erst dann eintreten kann, wenn die vollgepftopften Pager geräumt sind. Aber interessanter als die Behauptung des Grafen Kanitz von der „unseligen Handelsverttagsperiode", wie er die verflossenen Jahre nannte, ist die Thatsache, daß der soeben veranstaltete Parteitag der Konservativen Brandenburgs unter der Voraussetzung eines genügenden Schutzes der nationalen Arbeit ausdrücklich erklärte: er, der Parteitag, sei kein grundsätzlicher Gegner von Handelsverträgen. Mithin genau das Gegentell dessen, was der konservative Führer sagt! Aber noch mehr: Graf Kanitz sprach in der Versammlung wiederum das Wort gelassen aus: Die Landwirtschaft hat an doppelten Zollsätzen ein verhältnismäßig geringes Interesse, denn wenn auch im Zolltarif ein Mindestsatz (für Getreide) fixiert wird, so übernimmt doch niemand die Garantie, daß nicht doch später durch ein Gesetz dieser Minimalzoll herabgesetzt wird. — Die erneute Erklärung ist ein harter Schlag sür die konservative Partei und für den Bund der Landwirte! Während des ganzen Verlaufs der zollpolitischen Diskussion ist von dieser Seite mit der größten Entschiedenheit die Forderung des Getteide-Doppel- tariss, der Bindung auf einen Mindestzoll, vertteten und der Doppeltarif denn auch, trotz aller Proteste aus den Kreisen von Jndusttie und Handel, von der Regierung bewilligt worden, diun kommt Graf Kanitz und mißt dem Zugeständnis, um das so hitzige Kämpfe tobten, das alle Welt in Bewegung brachte, „verhältnismäßig geringes Interesse" für dre Landwirtschaft bei. . . . Steht es so, dann .ist ja der Reichstag noch immer in der Lage, den Doppeltarif, der eine Gefahr für das Zustandekommen von Handelsverträgen bildet, zu beseitigen. Denn man wird nicht ein Opfer bringen wollen, das eine Autorität der Rechten wie Graf Kanitz nicht einmal für wertvoll hält. Dann ist es doch das einfachste, auf den Doppeltarif zu verzichten und dadurch ein wesentliches Hindernis der Verständigung aus dem Wege zu räumen. „Einigkeit zwischen Landwirtschaft und Industrie ist durchaus notwendig", sagte Graf Kanitz. Hier ist gleich ein Mittel zur Herbeiführung einer einigen Stimmung. Freilich, wir trauen dem Frieden nicht recht: dem Grafen Kanitz erscheinen die vorgeschlagenen Ge- tteidezölle „durchaus ungenügend". Das ist dann wieder ein Punkt, wo der Streit von neuem einsetzen wird. Das eigenartigste Schauspiel aber dürfte fein, den Grafen Kanitz mit den doppeltarif-begeisterten Führern des Bundes der Landwirte im Reichstag aneinandergeraten zu sehen. Politische Tagesschau. lieber Univerfitätsunterricht und Koufesfiou schreibt Professor Theodor Mommsen den „Münch. N. N.": Es geht durch die deutschen Universitätskreise das Dregadierung. Unser Lebensnerv ist dilH^WW^etzungslose Forschung, diejenige Forschung, die^WDWM^indet, was sie nach Zweckerwägungen und Rücksich7^^W^inden soll und finden möchte, was anderen aufi^W^W^: Wissenschaft liegenden prakttschen Zielen dient,was logisch und historisch dem gewissenhaften sWWD» als das Richttge erscheint, in ein Wort zusarnnuH' Zt: die Wahrhaftigkeit.— Auf der Wahrhafte .c beruht unsere Selbstachtung, unsere Sttmdesehre, unser Einfluß auf die Jugend. Aus ihr ruht die deutsche Wissenschaft, die das ihrige beigetragen hat, zu der Größe und der Macht des deutschen Volkes. Wer daran rührt, der führt die Axt gegen den mächtigen Baum, in dessen Schatten und Schutz wir leben, dessen Früchte die Welt erfreuen. Ein solcher Axtschlag ist jede Anstellung eines Universitätslehrers, dessen For- schungssreiheit Schranken gezogen werden. Abgesehen von den theologischen Fakultäten ist der Konfessionaliis- rnus der Todfeind des Universitätswesens. Tie Berufung eines Historikers oder eines Philosophen, der katholisch sein maß, oder protestantisch sein muß, und der dieser seiner Konfession dienstbar sein soll, heißt doch nichts anderes, als den also Berufenen verpflichten, seiner Arbeit da Grenzen zu setzen, wo die Ergebnisse einem konfessionellen Dogma unbequem werden könnten, dem protestantischen Historiker verbieten, das gewaltige Geisteslverk des Papsttums in volles Licht zu setzen, dem katholischen, die tiefen Gedanken und ungeheureBedeutung desKetzer- tums und des Protestantismus zu würdigen. In dem kläglichen Armutszeugnis, das die Konfessionen damit sich selbst ausstellen, wenn sie ihren Anhängern verbieten, Geschichte oder Philosophie bei einem Lehrer anderer Konfession zu hören, und gegen etwaige Irrlehren das Mittel der Ohrenverstopfung verordnen, liegt zugleich evne der Allgemeinhett drohende Gefahr. In feinen Anfängen ist der Krebsschaden heilbar; späterhin ist er es nicht mehr. Möchte jeder junge Mann, den der Universitätsberuf aus diese schwierigen Gebiete lockt, immer und vor allem dessen eingedenk bleiben, daß für den echten Erfolg die erste Bedingung der Mut der Wahrhaftig kett ist, daß der Fanatiker, der die Wahrheit nicht zu begreifen vermag, nicht an die Universität gehört, noch weniger aber derjenige, der insoweit konfessionell ist, als er dabei zugleich ministeriell bleibt. Gewiß kann auch er als Gelehrter tüchtige Arbeit leisten; aber auf die Selbstachtung und Die Achtung feiner Standesuenossen und der für den Seelenadel feinfühliger Jugend muß er verzichten. Möglichem Mißverständnis zu begegnen, mag noch hinzugefügt werden, daß hier die Rede ist lediglich von den prinzipiellen Fragen, ob es gerechtfertigt ist, Universitätsprofessuren, außerhalb der theologischen Fakultäten, nach konfessionellen Rücksichten unb mit konfessionellem Rechtszwang zu vergeben. Wie in dem einzelnen Fall der Ernannte sich persönlich zu seiner Konfession stellt, lvas er als Protestant oder als Katholik sein will oder sein soll- oder sein kann, kommt dabei in keiner Weise in Betracht. Der Schlag gegen die UniversitätsfreiheA bleibt der gleiche, mag er in der besonderen Anwendung die eine oder die andere Konfession, diese oder jene Richtung treffen. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man annimmt, den Anlaß zu diesen prinzipiellen Erörterungen habe Herrn Mommsen der Fall Spahn gegeben. Tie Buren stehen vor Kapstadt. Eine Drahtnachricht von diesem Vordringen veröffentlichten wir schon gestern. Heute liegt uns folgende ausführliche Meldung aus Middelburg vor: Während der letzten Tage find die Buren noch näher an Kapstadt herangekommen. 60 Mann drangen von Hope- field bis südlich von Darling vor. — Im nordöstlichen Distrikt machte Fouche, indem er fein Haupt-Korps 14 Meilen nordöstlich von Burgersdorp ließ, mit 60 Mann einen Zug nach der Seitenftation Myburg und sprengte' die Schienen in die Luft. Seitdem ist er in die Gegend von Jamestown zurückgekehrt. Eine Patrouille berittener englischer T ruppen aus Jansonville wurde Dtontag von einer kleinen feindlichen Abteilung geschlagen. Äne Depesche Kitcheners vom 25. d. M. meldet: Oberst Hickie, der feststellte, daß die Buren sich im Westen von Schoenspruit konzentrieren, sandte am 13. aus Brake- spruit eine starke Patrouille zur Aufklärung. Die Patrouille, wurde von 300 Buren umzingelt und verlor 6 T o t e u n d 16 Verwundete. Mehrere wurden gefangen genommen, welch letztere später freigelassen wurden. Hickie ging alsdann vor und trieb die Buren zurück. Ferner meldet Kitchener, die Nachhut der Truppen des Obersten Byuf wurde in der Nähe von Heilbronn von 400 Buren, bereit Kommandant Dewet gewesen fein soll, angegriffen. Nach zweistündigem Kampfe wurde der Angriff abgeschlagen. Die Buren zogen sich darauf unter Zurücklassung von 8 Toten zurück. Die Verluste der Engländer betragen ein Offizier und ein Mann tot, drei Offiziere und 9 Mann verwundet. Eine Abteilung der südafrikanischen Pvlizeitruppe griff Tutoits Lager am 11. ds- bei Dvornhoek an und machte 13 Gefangene und erbeutete 7 Gewehre und 39 Pferde. — Oberst Dawkins nahm am 10. November im Bezirke von Waterberg 24 Buren gefangen und erbeutete eine Anzahl Gewehre. Kleinere Burenabteilungen mit Pferden und Gewehren fielen im Südosten von Transvaal dem Obersten' Plümer in die Hände. Wie die „Tägl. Rundschau" meldet, ist ein Bund zur. Unterstützung der unglücklichen Frauen und Kinder der Buren in der Bildung begriffen, und in Berlin ist ebenfalls ein Komitee zufammengetreten. An den Beratungen desselben nimmt der z. Zt- in Berlin anwesende Transvaalgesandte Dr. Leyds teil- Daraus erklärt sich auch die gleichzeitige Anwesenheit des Mitgliedes der Buren- abordnung Fischer. Die Beratungen des Komitees haben dieser Tage begonnen. Dr. Leyds hat sofort nach feiner Ankunft feine Karte bei den leitenden politischen Perfön-« lichkeiten abgeben lassen; ob aber eine persönliche Berührung mit ihnen stattfinden wird, ist nicht bekannt. Das internationale sozialistische Bureau in Brüssel ver» sandte einen Protest gegen das Vorgehen der Engländer in den Flüchtlingslagern. Das Manifest fordert die sozialisttschen parlamentarischen Fraktionen aller Länder auf, an ihre Regierungen, wenn möglich, an einem Tage, nämlich am 26. November Interpellationen zu richten, um eine wirksame Intervention zu erlangen. In dem Lande, wo es keine sozialisttschen Deputierten gebe, sollen große Volksversammlungen abgehalten werden. Das Manifest trägt die Unterschriften sämtlicher auswärttgen Mttglieder einschließlich der englischen. Unter unseren gestrigen Depeschen befand sich eine kurze Meldung von einer Rede Lord Rosebery's. Auf ihn richten diejenigen Engländer — und es sind ihrer nicht wenige —, die im Rücktritt des Kabinetts Salisbury-Chamberlain die besteLö- fung der verworrenen politischen Lage erblicken, ihr Augenmerk. Rosebery, der einstige Gladstoneaner, hat sich mittlerweile zum waschechten Imperialisten durchgemausert. Er scheint auch nicht übel Lust zu haben, die Rolle eines Retters des Vaterlandes zu übernehmen. In seiner Ministerkandidatenrede beklagt er naturgemäß die Ohnmacht der gegenroärtig leitens den Staatsmänner, befürwortet aber seltsamerweise die Bildung eines Kabinetts „mehr aus Geschäftsleuten, als aus Politikern". Ja, ist denn Herr Chamberlain kein Geschäftsmann? Lord Rosebery wird doch nicht so naiv sein, den ministeriellen Waffenhändler und Minenspekulanten für einen Richts-als-Politiker zu halten. Oder ist Joö Chamberlain dem schottischen Peer noch nicht Geschäftsmann genug? Eine sonderbare Programmrede. Deutsches Deich. Berlin, 15. Nov. Der Kaiser wirb während seines Aufenthaltes in Kiel an Bord des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II." Wohnung nehmen, und die Kaisergemächer Gießener Stadttheater. Der Raub der Sabiuerinneu. Don Franz v. Schönthan. In der geftrigen Vorstellung des Schönthan'schon Schwanks: „Der Raub der Sabinerinnen" setzte Herr Büller sein Gastspiel fort und bot in der Ralle des Theaterdirektors Sttiese eine Kabinettsleistung ersten Ranges. Das harmlose Stückchen selber beruht in einer Fülle aller möglichen und unmöglichen Situationen, eine ur- komische Sage jagt die andere, und alle Handlung krh-slalli- fiert sich um die Figur des Theaterdirektors Sttiese. Meser fand ui Büller die denkbar drolligste Wiedergabe. Die urwüchsige Komik des Gastes, sein zwerchfellerschütterndes Mienenspiel, verbunden mit einem unerschütterlichen Ernst der Wiedergabe, gab der Gestalt Sttieses eine köstliche Originalität. Schönthan hat freilich dem guten Sttiese an echter Poesie ein winzig Körnlein mitgegeben, das durch die Darstellung des Herrn Büller, der den rührend armseligen Letter einer Meerschweinchenbühne mit einer Unmenge possierlicher eigener Einfälle, mit guten und schlechten Kalauern ausstaffiert, zertteten wird. Den Sttiese Schön- thans bemitleidet man, man Hebt ihn in seiner Hilflosigkeit, den ©triefe Büllers verlacht man allzusehr. Man kommt nicht eine Sekunde zum Mitgefühl mit dem Elend der wandernden Schmiere, man lacht und lacht und lacht. Am drasttschsten wirkte die Schlußszene des 3. Aktes, wie sich der in der Klemme befindliche ©triefe als „König Dicius Dacius" des verunglückten Römerdramas „enthülll". Die durch die unbeschreibliche Tragikomik dieser Situation in dem ziemlich zahlreich erschienenen Publikum erzeugte Wirkung auf die Lachnerven mag die rege Künstler schar wohl auf die erschöpfendste Art von der Aufnahme ihres Spieles überzeugt haben. Doch das Goethe'sche Mort: „Wer ein Verdienst fo hoch zu schätzen weiß, der wird das andre nicht verkennen", soll auch hier seine Geltung behalten. Der schöne Erfolg unseres Gastes war nicht zum wenigsten bedingt durch das sichere und durchdachte Zusammenspiel der einheimischen .Künstler. Die Herren Hertzog und Ger lach boten in jeder Hinsicht, dieser als Dr. Neumeister und jener als Professor Gollwitz, gereifte und vollendete Leistungen. 'Der Vertreter des Groß (Vater), Herr L e ß m a n n, brachte den Wandel seiner väterlichen Gesinnung in genügender Weife zum Ausdruck. Zuweilen jedoch that er im Gebrauche seines Organes des Guten ein wenig zu viel, was man von seinem Sohne Sterneck (Herr Zoder) nicht gerade sagen kann. Die Rollen der Frau des Professors und ihrer Töchter, Paula und Marianne, wurden von den Damen Jenny, vonAs- pernbura und Feige toiebergegeben. Sie alle setzten ihr bestes Können an bie Durchführung ihrer Aufgaben, unb vertraten ihre Partien, die ja nicht allzu große Anforderungen stellen, mit Sicherheit und teilweise feiner Eharakterisierungskunst. Eine auf Herz und Sinn gleich erheiternd und erfrischend wirkende Erscheinung bot Frl. Ungar als Dienstmädchen Rosa bei Gollwitz. Die freie unb ungezwungene Natürlichkeit biefer Künstlerin übte ihre hauptsächlichsten Wirkungen durch eine gewisse Derbheiit des ©pieles, die eine gesunde Frische und Fröhlichkeit aussttahlte. In Heinen Rollen wirkten noch Frau Feist-Schaub und Herr Julius Feist. Alles in allem darf also bie Aufführung, die unter der Regie des Herrn Gerlach stand, als wohlgelungen bezeichnet werden. R.' Reiche stehen. der Südanlage fällt morgen aus. *» Lamborg Abend. Der für Mittwoch angesetzte „Humoristische Abend" muß unvorhergesehener Zufälle wegen um 8 Tage verschoben werden und findet am Mittwoch, dem 27. November, statt. ** Vier Jahreszeiten. Am morgigen Sonntag smden ttt beziehen. Die Anwesenheit des Kaisers ist vorläufig auf] zwei Tage festgesetzt. Der Kaiser wird die auf der Rnchs- werft im Umbau begriffene „Hohenzollern" besichtigen, bie im Innern große Aenderungen erfährt. Die Kaiser- Llacht dürfte im Dezember wieder seebereit sein. — Wie der „Köln. Volksztg." aus Jiom telegraphiert wird, will ein in Palermo erscheinendes Blatt wissens daß die derttsche Botschaft in Rom beauftragt sei, eine Villa bei Palermo oder Taormina für den Winteraufenthalt der deutschen Kaiserin zu mieten.^ ^^^serin erteilte heute im Neuen Palais die nachgesuchten Audienzen: Dem neuernannten General- Superintendenten für die Provinz Schlesien Nehmiz und den Rettoren der Königlichen Friedrich Wilhelms-Univeisi- tat und der Technischen Hochschule Professor Dr. Kekule von Stradonitz und Professor Bubendey. — Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge hatte der preußische Gesandte in Darmstadt, Prinz Hohenlohe- O eh rin gen, vor der Rückkehr nach Darmstadt eine längere Besprechung mit dem Reichskanzler Grafen Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 16. November 1901. ** Pensionierung. Der Groß Herzog hat den Schloß- verwalter Georg ^'ckel zu Kranichstein auf sein Nachsuchcn Pensionsstand versetzt. „ , .. LU. Dr. Leutert, der neuernannte aord. Professor der Ohrenheilkunde, hat telegraphisch mitgeteilt, daß er seine Vorlesungen am 23. d. M. beginnen wird. . *’ Best'ätiguu-. Der Großherzog hat den vom Grasen zu Erbach-Schönberg auf die evangelische Pfarrstelle zu König, Dekanat Reinheim, präsentierten Pfarrer Hermann 23c ringer zu Michelstadt für diese Stelle bestätigt. ** Militärisches. Dem Kommandeur des Landw.-Bezitts Gießen, Major z. Dt v. Mosch, wurde der Charakter als schlage starb. „,. , . r, * Sturz aus dem Fenster. Heute Nacht stürzte eine alte Dame aus ihrer Wohnung in der Goethestraße aus dem Fenster. Schwer verletzt wurde sie in die Klinik gebracht, wo sie bald nach ihrer Ankunft starb. ** Aus dem Theaterbureau. Am Sonntag beschließt Herr Büller sein diesjähriges Gastspiel als „Herr Senator" m dem gleichnamigen Lustspiel von Schönthan und Kadelburg. „Der Herr Senator" muß den besten deutschen Komödien beigezählt werden. Ein sinniger, humordurchtränkter Kern- gedanke, ans wirkliche Leben sich anlehnende Eharakterzeich- nung, heiter gemütvolles Empfinden und die Poesie echt deutscher Innigkeit, in Verbindung mit Originalität der Empfindung und vollendeter Bühnentechnik, verleihen diesem Werke der beliebten Dichterstrma bleibenden literarischen Wert Ueber Herrn Büller als „Senator" schrieb das „Kass. Tagebl." ge- legentlich eines Gastspiels am dortigen Hoftheater: . „Im Mittelpunkte des Jnteresies stand natürlich der Gau Herr William Büller. Er spielte den Herrn Senator weniger als scharfen Eharakteristiker, denn als liebenswürdigen Komiker. Innerhalb dieser Begrenzung trug seine Darbietung den Stempel der Vollendung. Herr Büller gehört zu ;enen seltenen, gottbegnadeten , Künstlern, ivelche noch mit natürlichen Mitteln die yoreychast m > die heiterste Laune zu versetzen und ohne Efsekthascherei wame Lachsalven hervorzurufen vermögen. Die Sicherheit, Leichtigkeit und Bonhomie in der schauspielerischen Gestaltung und die eigenartige Kunst des feinkomischen Vortrags wurden allseitig bewundert. Musikauffuhrullg. Die morgen stattfindende Geistliche Musikaufführung des Evang. Kirchengesangvereins hat wieder mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. I Abgesehen davon, daß wieder allerlei ähnliche Veranstaltungen I zusammentreffen, ist auch in letzter Stunde der Vertreter der I Baritonpartie, August Le im er aus Frankfurt a. M., erkrankt. Zum Glück ist es gelungen, zum Ersatz für ihn, den von der Aufführung des „Faust" her hier bekannten und roegen ferner feinen geistigen Ausführung von vielen sehr geschätzten Rudolf Hellmrich zu gewinnen. Natürlich ist die Ueberroinbung I üller dieser Schwierigkeiten nicht ohne namhafte stnanziellc Opfer seitens des Vereins möglich geworden. Wenn der Verein sich dadurch nicht abhalten ließ, ein solch großartiges Werk, wie die Bach'sche Kantate „Ein feste Burg" dem großen Kreis der Genieinde unentgeltlich zugängig zu machen, so darf er doch viel darauf rechnen, daß ihm durch recht reichliche freiwillige Beträge seitens der Besucher die Deckung der großen Kosten ernröglicht werde. . ** Konzert. Das Konzert unserer Regimentskapelle m doch und will es durch Strafe wiedergewiMien. Der Ge-«, danke der vergebenden Liebe Gottes ist das ALtsel, um das fich alles Denken Hoseas bewegt. Mehr Erfolg nach außen als Amos und Hosea hatte Jesaja. Die über alle Welt erhabene Größe Gottes führt ihn schon. zum Gedanken der Weltreligion: auch Aegypten und Afsur soll dem Gott Israels opfern. Unter den vielen Freveln Israels steht feiner großen Gottesanschauung entsprechend namentlich die Verehrung Gottes im Bild; das Gericht Ewttes trifft ganz Israel bis auf einen geringen Rest, zu dem nach des Propheten Hoffnung auch sein Sohn gehören wird, über dem! Uebermut der Assyrer wird Gott Halt gebieten an seinem | Opferherd in Jerusalem. Und Jesaja hofft auf einen von Gottesgeist erfüllten König aus dem Hanse ^scn, unter dem Sünde und Not ein Eiide hat, den Messias. Erlebt hat Jesaja den Wzug der Assyrer von Jerusalem und die Zertrümmerung der ehernen Schlange des Vlose durch König Hiskia. Aber die Uebermacht der Assyrer brachte einen I Rückschlag: die Verehrung der assyrischen Götter und das Kindesopfer im Thal Hinnom. Man wollte die mächtigsten ! Götter verehren; man wollte noch bessere Opfer bringen I I als bisher. Das dauert über die Reform des ^os ia hrn- I weg bis zur Zerstörung des Reichs 586 v. Ehr. fort Da schließen Jeremia, Hesekiel und der Prophet, dessen Reden im Anhang des Buchs Jesaja stehen, die Zeit der Propheten ab. Jeremia betont die engere Beziehung des einzelnen zu Gott; ihm steht der Untergang ^udas trotz der Durch- lührung des Gesetzes wegen der Ueberhandnahme des I Frevels aller Art fist. Aber Gott bricht den Mit David geschlossenen Bund nicht. Er wird mit seinem Volk einen neuen Bund schließen, indem er frühere Sunde zudeckt und vor neuer bewahrt. In der Verbannung sammelt Hesekiel eine neue Gemeinde. Er weiß sich als ihren Seelsorger, er schärft jedem einzeliien das Gefühl eigener Verantwortlichkeit. Gerade darum weiß er, daß da- Volk im Ganzen untergehen mußte. Aber weil Gottes Name darunter leidet, wenn Gottes Volk um seiner Sünde willen unterfing, wird Gott es als Hirte aus der Zerstreuung sammeln, reinigen, neu beleben. Wie der Perser Cyrus Babylon erobert, erkennt der unbekannte Prophet Jes. 40 ff. die Nichtigkeit der babylonischen Götter, die allmächtige Große seines Gottes, der dieses Schicksal herbeigefuhrt hat. Er macht den weltgeschichtlich großartigen Versuch, Cyrus vom j persischen Dualismus zum israelitischen Monotheismus zu bekehren. Zum ersten Mal will Israel sein Licht anderen I Völkern leuchten lassen. Erreicht wird, daß Cyrus die Juden zum Bau eines Tempels ihres ihm hilfreichen Gottes nach Palästtna zurückkehren läßt. Derselbe Prophet schildert das Schicksal seiner für den neuen Gottesgedanken kämpfenden und deshalb leidenden Vorgänger unter dem Bilde I des noch im Tode verklärten Gottesknechtes, durch dessen Wunden das neue Israeli geheilt ist. Damit hat er vorahnend das Bild eines Größeren gezeichnet. I ** Zusammenstoß. Die Pferde des Fuhrwerks eines hie- I figen Kaufmanns scheuten gestern vor einem Zuge der Bieber- Ithalbahn. Es kam zu einem Zusammenstoß, wobei der I Wagen ziemlich stark beschädigt wurde. Der Führer und die I Pferde kamen glücklicherweise ohne Verletzungen davon. •* Verhaftungen. Ein junger, ^reits mehrfach bestrafter in Erfahrung bringen. . ** Privatdozent Dr. Collin beabsichtigt, wie roir bereit» mitteilten, in diesem Winter eine Anzahl von Vorträgen voc Damen über den deutschen Roman im 19. Jahrhundert zu halten. Nach unserer gestrigen Notiz konnte allerdings, obwohl die Themata der einzelnen Vortrage erneu Zweifel ausschließen mußten, doch vielleicht in so weit em Mißverständnis heroorgerufen werden, als der Setzer aus dem 19 das 1.7. Jahrhundert gemacht hat. Daß obendrein der schone Namen Meyer des Dichters des „Jürg Jenatsch" zu einem „Mayer" verun'taltct wurde, ist nicht weiter verwunderlich, da ja nnsere Leser an eine solche „Duplizität der Ereignisse leider längst gewöhnt sind. m. Beuern, 15. Nov. Ein schwerer Unglucksfall hat stoy heute Vormittag hier zugetragen. Der Steinbrecher P- Strack stürzte in eincrnSteinbruch von dem Abraum und gab nach wenigen Augenblicken den Geist auf. Der sofort herbeigerufene Arzt Dr. Wagner-Londorf konnte nur feststellen, daß der Verunglückte das Genick gebrochen hat. Der Verstorbene hmtev- Iläßt eine Frau und fünf Kinder. Singen, 15. Nov. Zu der gestern von uns gebracht« Meldung, daß der Weinkommissionär Bernhard Groß, einer der geachtelten und beliebtesten Männer in Bingen, und feme Frau erstickt im Bett liegend, aufgefunden worden seien, rotes Näheres bekannt: Tatsächlich war nur der Mann tot, wahrend die Frau bewußtlos und in Krämpfen liegend gcTunöen wurde. Trotzdem sofort drei Acrzte Wiederbelebungsversuche ausflug sein soll. ** Die Kuh im Casö. Gestern nachmittag, so erzählt man uns, wurde eine Viehherde durch die Stadt getrieben. In einer Straße stand die Thür zu einem Cafi einladend offen, und eine Kuh empfand das Bedürfnis, emen kleinen Abstecher in das Lokal zu machen. Sie spazierte wohlgemut in den Saal. Die Gäste und das Personal sprangen im ersten Augenblick vor Entsetzen über den ungebetenen Elw bringting auf Stühlen und Tischen umher und erlangten ihr Gleichgewicht erst wieder, als der Viehtrelber selber fein wissensdurstiges Tier hinauskomplimentierte. Ob m dem Cafe die Milch ausgegangen war und das gute Rind diesem Mangel hilfsbereit abzuhelfen beabsichtigte, konnten wir nicht Oberstleutnant verliehen. ** Religionsgeschichtliche Vorträg e. Gestern ; abend hielt im Konfirmandenfaale der Johanneskirche Prost \ Dr. Holtzmann den ersten der angekündigten religions- geschichtlichien Vorträge über „Israel und die Propheten . Leider hatten sich nur spärliche Zuhörer eingesunden, was um so mehr zu bedauern ist, als der Reinertrag dieser I Vorträge, wie wir bereits mitteilten, zum Besten der deutschen Lungenheilstätte für Minderbemittelte^ in Davos bestimmt ist. Religion, so führte der Redner aus, ist ein allgemeines Bedürfen des Menschen; es gehört! zu dem, was den Menschen edelt, sofern er durch die Religion zur innerlicheii Herrfchaft über die Welt kommt; I j wie jeder geistige Besitz, ist auch die Religion immer Gemeinschaftssache: hat sie in einem Gestalt gewonnen, wird sie sofort Gemeingut Vieler. So ist lange Zett cm Volk der Träger der religiösen Entwickelung, die m Judentum, Islam und Christentum weiterwirkt, das Volk Israel. Die Israeliten hatten am Sinai eine Gottesoffen- barung unter Mose erlebt; ihr Gott ist noch lange der Gott vom Sinai, ihre Priester nahmen sie immer am liebsten aus dem Stamme des Mose. Aber m Kanaan I verehren sie anfangs auch die kanaanittschen Gottheiten I deren Dienst sie vorfanden, bis durch Dsövra und das l Haus des Gideon Kanaan für den Gott vom Sinai erobert wird. Nur gilt zur Zeit Davids der Glaube, der Gott Israels herrscht in Israel, wie im Philisterland tue Gotter der Philister. Bon Salami bis Ahab bürgert sich aber wieder allerlei fremder Gottesdienst ein. Gegen ihn tritt der Pro- ! phet Elia auf, der allen fremden Gottesdienst aus Israel verbannt wissen will, zugleich auch den Gott Israels als den Hüter des Rechtes und der stttlichen Ordnung beurteilt. Durch die Erhebung Jehus zum König wird die Mein-! Herrschaft des Gottes vom Sinai in Israel sichergestellt; damals versucht Jreadab, der Sohn des Rechab, die No- madensitte wieder in Israel einzubürgern. Aber unter Hero- beam II. ist mit glücklichen Kriegen nach außen LSohlfahrt und Ueppigkeit erngekehrt. Da tritt an dem Heiligtum zu Bethel der Prophet Amos auf. Er verkündet das Kommen des ersehnten Gerichts über die Nachbarvölker, aber auch über Israel. Amos erkennt, daß die Assyrer «Palästtna überschwemmen, sobald sie Damaskus erobert unter Bceuaung der Zufriedenheit für langjährige, treu! Taugenichts von hier wurde beim unerlaubten Fischen ab. geleitete Dienste^ mtt Wirkung vom 1/ Dezember an in den gefaßt. Es stellte sich heraus, daß er die Gerate hierzu R^nsiwnd versetzt sämtlich hiesigen Fischereipachtern gestohlen hatte. Er wurde Reniwnsstand verwm. 1 ^rhastet. — Ebenso wurde ein hiestger Einwohner unter dem Verdacht des Meineides verhaftet. t ** Plötzlicher Todesfall. Eine hiesige ^abntarbeücnn begab sich gestern Nachmittag infolge Unwohlseins aus dem Arbeitsraum in den an das Fabrikgebäude stoßenden Garten. Hier fand man sie später bewußtlos. Sie wurde in den Speiseraum getragen, wo sie bald darauf an einem Herz- von Bülow. — In den Kolonialrat, der am 21. zusammenttitt, soll, wie verlautet, auch Professor Hans Me y er-Leipzig, berufen werden. — Im neuen Pvstetat soll der Zugang an neuen Ässistentenstellen weit erheblicher fein, als in den Vorjahren. Die lange erstrebte Abstufung der Afsistenten- qehälter in acht Stufen von 1500 bis 3000 Mark ist gesichert. — Die „9öordd. Allg. Ztg." veröffentlicht ein Schreiben Les Handelsministers Möller vom 14. ds. an die Aeltesten der Kaufmannschaft zu Berlin, worin der Minister erklärt, daß er das vorgelegte Statut der 5)andelskammer in Berlin nicht genlehmigen könne. — Die „Deutsche Tagesztg." erklärt heute abend, daf; der Zolltarifentwurf, wie er nunmehr aus dem Bundesrat hervorgegangen ist, für die Vertreter der Landwirtschaft schlechthin unannehmbar ist, ebenso bedürfe das Zolltarifgefitz einschneidender und wesentlicher Aender- Aenderungen, wenn es angenommen werden solle. Die Landwirtschaft habe ein unbedingtes Recht zu verlangMi, daß ihre wohlbegründeten Forderungen im Jnteresje der Gesanithett erfüllt werden. Der Bundesrat habe das nicht! für nötig erachtet, man werde also im Reichstage darauf dringen müssen, daß es gründlich und umfassend gefchehe. — Die SNorgenblätter veröffentlichen eine Erklärung des Vorstandes des Deutschen Kriegerbundes und des preußischen Landeskriegerverbandes, nach welcher gegenüber zahlreichen Anftagen, weshalb sie noch keine Protesterklärung gegen Chamberlain erlassen hatten, sie bemerken, daß sie gegen eine Protestkund gebung sind Die Mwehr solcher Angriffe gegen die deutsche Kriegführung müsse allein der berufenen Verttetung der deuttchen Wehrkraft überlassen werden. Beide Vorstande nehmen für sich in Anspruch, daß sic-an Gefühlen natw- , naler Begeisterung und Vaterlandsliebe niemandem nach- h^p^n Er bricht geradezu mit dem Gedanken, da^ Israel stehen. Sie hätten aber die ernstesten «Gründe zu der dringen- üor anderen Völkern etwas voraus habe. Gott den Bitte an die Kriegervereine und Verbände, sich jeter bat atIen Völkern chr Heimatland gegeben; er giebt nicht Kundgebung in dieser Angelegenheit zu enthalten. f - - — Die „Natt-Ztg." erfährt, der deutsche Berg-1. arbeiter^Verband bestimmte zwei Delegierte, um auf einer in Frankreich abzuhaltenden internationalen Bergarbeiter-Konferenz die französischen Bergarbeiter vor! unüberlegten Schritten zu warnen, und zu erkürren, daß pekuniäre Unterstützung aus Deutschland ausgeschlossen sei. y Unter dem Protektorat des Prinzen Albrecht ist ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für ben Krieasminister von Roon in Berlin zusammengetteten. — Die Iat.-Ztg." hört zum Gumbinner Mordprozeß, daß die Men bereits seit mehreren Wochen dem Reichsmllitärgericht vorliegen, welches lediglich^ die Zusammensetzung des Gerichts der zweiten Instanz, dessen! Protokoll und Urtell prüft. m , z/ .... Dresden, 15. Nov. Wie die „Dr. Nachr." mrttellen, mußte der erste Vizepräsident des Reichstages, Dr. von Fr ege, sich hier einer ärtztltchen Konsultation unterwerfen, die für ihn die Notwendigkeit absoluter! Fernhaltung von allen Geschäften ergeben hat.I Frege beabsichtigt den Süden auszu,uchen. Drgair des konservativen Landesvereins für das Königreich Sachen erklärt dagegen, daß die Meldung von dem beabsiästigten I Rücttritt des Dr. v. Frege aus der Luft gegriffen sei München, 15. Nov. Kammer, ^zn der heutigen! Sitzung wurde die Beratung über die allgemeine Finanzlage fortgesetzt. W a g n e r, (liberal) betont, die Finanzlage sei nicht so schlecht, daß man knausern müsse. Was den Fehlbetrag beim Reichs etttt betreffe, so >ei die Zeitungsmeldung, in der von einem Fehlbeträge von 140 M illio n en die Rede sei, unbedingt ir rig. Der! Fehlbetrag werde die vom Staatssekretär des Reichs,chatz- amts angegebene Höhe nicht überschretten. Die bayerische Regierung rechne besttmmt auf das Zustandekommen der Reichsfinttnzreform, da die jetzigen Verhältnisse Zwischen dem Reich und den Einzelstaaten auf die Dauer nickt haltbar seien. Ministerpräsident'Graf von Crails^ heim erklärt, daß die angebliche Aeußerung des Prrnz- regenten: „Ich lasse wir nichts abpressen ,4 nicht gefallen sei, und zwar schon deshalb Nicht, well niemand Bayern etwas abpressen wolle Vorwurf, daß die bayerische Regierung un Bundesrat eine schwächliche Haltung einnehme, sei ganz unbegründet. Speziell in der Frage der Militär-Sttafprozeßordnung könne von einer schwächlichjen Haltung keine Rede sem. Sckfritte zu Gunsten der Bfür en habe die Reichsregierung nicht thun können, so sehr dies, auch ^w Interesse der tapferen Buren zu bedauern sei. Die Zugehörigkeit B a y e r n s z u m R e i ch sei für Bayern selbst ein großer 53 p r t e i UI Isoliert hätte Bayern größere Opfer tragen wuisen bei geringerer Sicherheit. Weltmachtpolitik könne des deutsch Reich heutzutage nicht mehr umgehen, wie kern Großslaat. Der Minister betont daun, daß im Bundesrat nie- mals Streitigkeiten vorkämen, sondern nur Mein-] ungsverschiedenheiten, über die man nicht in parlamentarischem, sondern iei diplomatischem Tone verhandele, und die man nicht an die große Glocke hänge Was die An^ griffe auf den Zäsarismus betreffe, so sollte man sich freuen, daß der deutsche Kaiser ferne Ausgabe so energisch erfasse und fein Pflichtbewußtsein so treulich erfülle. Bayern werde allezeit treu zum bloß den Israeliten den Grtrag ihres Feldes: er schafft die Berge und die Sterne; er ist allmächtig. Aber Israels Opfer und Feste gefallen Gott nicht wegen der Ueppigkeit bei Bedrückung und Uebervorteilung der Armen. Ein heiliger Witte Gottes gilt für alle Völker. Doch hoftt Amos eme lchte Wiederherstellung der zerfallenen Hütte Davids, des judäischen Königreichs. Hosea knüpft an Amos an, ist weicker als er, hält aber stärker als Amos an der Er- ^,,v» - - „ „ wählung Israels fest. Im Dienst der kanaanitöschen Landes- ben Vier Jahreszeiten 2 große Konzerte des Kroat. Damen- aötter bricht Israel Gott die Treue; aber Gott Hebt e£ encenib(e§ Lika" statt. Wie wir hören, konzerttett das ' ' < — — —^'Ensemble nur noch kurze Zeit hier. ** Gemälde Ausstellung. Die Gemälde-Ausstellung un Turmhause am Brand hat in dieser Woche wieder eme durchgreifende Aenderung erfahren, indem zu den feit etwa 14 Tagen neu ausgestellten Gemälden wiederum 52 Gemälde hinzugekommen sind. Unter den ausgestellten Bildern, etwa 120, beftnden sich auch diesesmal wieder zahlreiche Kunstwette von hervorragender Schönheit, die ihre Anziehungskraft aus unsere Kunstfreunde sicher nicht verfehlen werden, sodaß der Besuch der Ausstellung angelegentlich empfohlen werden kann. ** Männerturnverein. Um irrigen Ansichten zu begegnen, sei hier mitgeteilt, daß der morgen (Sonntag) Mündende Ausflug nach Textors Hardt em sogen. Familien- anstellten, gelang es bis heute abend nicht, die Frau zum Bewußtsein zu bringen. Eine Gasleitung ist in dem Hause nicht vorhanden, ein Ösen hat auch nicht in dem Schlafzimmer gebrannt, sodaß von Erstickung durch Gase wohl kaum die Rede sein kann. Allerdings brannte in dem Zimmer unter dem Schlafzimmer ein Dauerbrandofen, dessen Rohr durch das Schlafzimmer ging, auch soll die Petroleumlampe ausgebrannt und der Zylinder vollständig schwarz gewesen sein, doch konnte genaueres noch nicht festgeslellt werden. Der ganze Vorfall erscheint rätselhaft. Kassel, 15. November. Der Wahlverein der nationalliberalen Partei hielt am Dienstag Abend eine ordentliche Generalversammlung ab, um in der Zolltarif-Frage Stellung zu nehmen. Dies geschah, nachdem der Syndikus der Kasseler Handelskammer, Tr. Metterhausen, einen Vortrag über die deutsche Zollpolitik und die Handelsverträge gehalten hatte. An den Vortrag knüpfte sich eine Debatte, in welcher im Gegensatz zu Dr. Metterhausen, der jede Erhöhung der Lebensmittelzölle verwarf, die Auffassung überwog, daß eine mäßige Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle zuzulassen sei. Schließlich wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Handel, Kleingewerbe, Industrie und Landwirtschaft bilden in unserem Staat ein unzertrennliches Ganze. Jeder Teil erfordert vom Staat gleichmäßige Berücksichtigung. Der vorliegende Zolltarif in seiner hochschutzzöllnerischen Tendenz ist für uns unannehmbar. Insbesondere müssen wir uns gegen die vor- geschlagenen Minimaltarife wenden. Vermischtes. * Berlin, 15.Nov. Ein Berliner Handelsmann wurde heute abend auf der Landstraße bei Grausee von drei Wegelagerern überfallen, beraubt und durch Messerstiche schwer verletzt. * Staßfurt, 15. Nov. Von den 13 Verschütteten ist noch keiner geborgen. Man hält alle für tot, da sich nirgends ein abgesperrter Hohlraum besindet. * Breslau, 15. Nov. Auf der konsolidierten Melchiorgrube bei Dittersbach wurden gestern 4 Bergleute durch den Zusammenbruch eines Pfeilers schwer verletzt. • Thorn, 15. Nov. Ein russischer Auswanderer wurde beim Ueberschreiten der Grenze bei Piotckor, als er auf den Anruf des russischen Postens nicht sofort stand, erschossen. * Myslowitz, 15. Nov. In Poagora wurden nach oen Morgenblättern infolge einer Kessele^plosion ein Arbeiter getötet und zwei schwer verletzt. • Bremen, 15. Nov. Die Rettungsstation Ording 6er deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: 14. November von hier gestrandeten deutschen Ewer „Balduin", Schiffer Clausen, von Hamburg nach Meldorf bestimmt, zwei Personen durch Rettungsboot „Amalie Borchardt" gerettet. * Saarbrücken, 15. Nov. Bei einer heute abgehallenen Treibjagd schoß der Geschäftsführer der südwestdeutschen Eisen-Berufsgenoffenschaft, Wurmstich, aus Unvorsichtigkeit dem Oberförster Schneider aus einer Entfernung von 1 Mtr. ins rechte Auge. Das Auge ist vollständig verloren, ebenso ist die rechte Wange stark verletzt. • Heidelberg, 15. Nov. Heute vormittag 11 Uhr brach im „Gaschaus zum Adler" in Doffenheim Feuer aus. Bis jetzt sind 8 Häuser abgebrannt. Die Heidelberger Feierwehr ist nach der Unglücksstätte abgerückt. • Erdbeben. Aus Erzerum wird ein starkes Erdbeben gemeldet. Von 50 Erdstößen waren 10 besonders heftig. Viele Gebäude sind eingestürzt. Nach amtlicher Meldung sind 2 2 Personen getötet worden. Eine Panik bemächtigte sich der Bevölkerung, welche auf Feldern, in Gärten und unter Zelten wohnt. Militär bivouakirt auf dem Martt. Die Bureaus der Behörden sind geschlossen. Auch in den Städten Chnosykkaleh und Haffankaleh fanden starke Erdbeben statt. und gespeist haben, als er flüchtig war. Er sei auch nicht rach- süchtig. Tie erste Zeugin, Bäuerin Scheuerer ans Cberbtmbad), schildert ihre Beraubung durch Kneißl und Holzleitner nach der bereits bekannten, von Kneißl zugesrandcncn Thatsache. Sic bestätigt, daß Kneißl den Genossen HolzleiMer von der Beraubung des Hirtcnbuben Scheuerer abhielt. Es folgt darauf die Vernehmung oes wegen dieses Raubes uui) anderer Verbrechen bereits ver- urteilten Genossen Kneißls, des 28jä()rigcit Tapeziers Holzleitner, der, aus dem Zuchlhause vorgcsührt, angiebt, wie er Kneißl zur Teilnahme an den Einbrüchen überredete. Kneißl wollte anfangs nicht anbeißen und fürchtcie eine zu hohe Strafe. Ten Raub m Cberbimbacf) giebt Zeuge ähnlich att wie Kneißl. Er sucht ihn im Uebrigen möglichst zu entlasten. Ter Bauernsohn Seitz aus Paar giebt an, daß Kneißl, als er auf der Flucht von Ortsbewohnern verfolgt nnirbc, drohte, er schieße Jeden nieder, der an ihn hcran- komine. Der Zeuge selbst erhielt 26 Schrote in den Körper. Tie weiteren Zeugenaussagen schilderten den Vorgang iit ähnlicher Weise, lieber den Mord an den beiden Gcndmmen m Irchenbrunn sagt der Zeuge Dien'lknecht Rösele aus, er sei vom Ticnslknecht des Flecllbauern au jenem Tage aufgefordert worden, mit ihm in Altomünster Gendarmen zu holen, da Kneißl sich bei dcnt