Donnerstag 17. Oktober 1901 Nr. 244 151. Jahrgang Erftes Blatt Denn wenn d-ie ie Politik hier und da, möglichst selten, aber I wirkte, so verstand es die große Meisterin Sorma doch auch :, Völker trenne, so vereinige die Wissenschaft I hier, sich zwar langsam aber sicher zur vollen Anerkennung doch, bisweilen, Völker trenne, so vereinige die Wissenschaft die erleuchteten Geister aller Länder unter demselben, Banner der Wahrheit, auf dem Wege des Fortschrittes. Minister B a c c e l l i toastete nun in italienischer Sprache, unter Hinweis auf die unzerstörbaren Bande, die Italien mit Deutschland verbinden, aus den Reichskanzler, der in Italien nur Freunde zurückgelassen habe, aus seine Gemahlin und deren Dtutter, Donna Laura Minghetti, die das reizvolle Heim des Kanzlers verschönten. Minister Baccelli betonte, daß er stets ein Freund Deutschlands gewesen wäre, daß er ein un- ssartien liegen. — Dasober schlesisch eStädtebundtheater, von dem wir bereits mehrfach Mitteilungen gemacht haben, ist unlängst in Königshütte eröffnet worden. Gar manches ideal gedachte Unternehmen ist in seiner Durchführung am schnöden Mammon gescheitert, diese Gefahr ist hier erfreulicherweise ausgeschlossen. Auf 30000 Mark beziffern sich die vom preußischen Staat, von den Städten Königs- Hütte und Kattowitz, sowie von den oberschlesischen Besitzern zugesagten Subventionen, eine stattliche Summe, die eine Normierung populärer Eintrittspreise wohl ermöglicht, und in der Thal rechnet das Kuratorium des Oberschlesischen Volkstheaters nur mit einer Durchschnittseinnahme von 125 Mark pro Vorstellung. Es soll ein Volkstheater für den Jndustriebezirk werden, d. h. es wird von Ort zu Ort wandern und an zehn verschiedenen Stellen spielen. Tas Milieu dieses heule hier, morgen dort spielenden Volkstheaters wirkt durchaus angenehm, die Direktion, das Personal, der Verkehr, das ganze Drum und Dran macht einen durchaus anständigen und soliden Eindruck. — Richard Hamels Komödie: „Zwei Meister", die bereits vom Hoftheater in Braunschweig, Stadttheater in Bremen und Deutschen Theater in Hannover angenommen war, ist, wie u n s mitgeteilt wird, auch für Hamburg vom Thaliatheater und für das Elberfelder Stadttheater erworben worden. — „Der Märchen brunn en" betitelt sich, eine neue große Ausstattunasposse, die in Berlin von der Direktion des Karl Weißs-Theaters erworben und als nächste Novität in dieser Saison in Szene gehen wird. — Schneller kann wirklich nicht mehr dramatisch „gedichtet" werden. ihres Könnens durchzuringen. Frau Sorma beendete mit Schnitzlers „Liebelei" das Gastspiel. Die Mitglieder des Theaters ehrten ihre große Kollegin durch Ueberreichung! eines Lorbeerkranzes. — Leichter ist dies Fräulein Testinn gelungen. Erst ihre letzten Gastrollen „Nedda" und „San-, tuzze" brachte ihr starken Erfolg. Mit ihr gastierte Theodor Bertram, der seinen dauernden Wohnsitz in Frankfurt auf- geschlagen hat, als „Tonio" und „Alfio"; auch, er sand viel äußeren Beifall. Aber es dürfte trotzdem nicht ganz zu leugnen sein, daß Bertram mehr als vortragender Sänger zu wirken versteht, und seine Hauptvorzüge in den Wagner- Keuitleton. Theater, Kunst und Missenschast Berlin, 15. Okt. Bei dem gestrigen Mahle zu Ehren Virchows brachte der Reichskanzler ein Hoch auf Virchow aus. Es entspreche der Empfindung aller Anwesenden, wenn er sie auffordere, auch in diesem historischen Saale aus das Wohl des Mannes zu trinken, a u f den wir alle stolz wären, weil er zu den großen Deutschen gehöre, die Unvergängliches geleistet haben. Ein Volk sei unsterblich, wenn es Söhne hervor- briuge, die beitrügen zu den Fortschritten, deren Segnungen der ganzen Menschheit zu gute kämen. Es sei ein erhebendes Gefühl, dies von der ganzen Welt anerkannt zu sehen. Auf den Blättern des Lorbeerkranzes, der Virchow dargebracht wurde, seren die Namen aller Nationen eingetragen gewesen. Hierauf dankte Virchow, indem er ein gutes Teil der ihm in diesen Tagen gezollten Anerkennung auf seine Mitarbeiter bezog. Bei der Heranbildung seiner Schüler sei es sein Bestreben gewesen, sie zu selbständigen Denkern zu erziehen. Hierbei erwähnte er Tommasa Erudelli, der ihm vor 40 Jahren von Garibaldi empfohlen worden sei. So sehr aus wissenschaftlichem Wege seine Schüler manchmal auseinandergegangen seien, hätten sie sich doch immer wieder begegnet. Besonders warm gedachte er der Leisb- ungen seiner italienischen Schüler. Die ihm entgegengebrachte freundliche Gesinnung möge auch seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern und der Wissenschaft als solcher erhalten bleiben. Redner schloß mit einem Hoch auf den Reichskanzler. Graf Bülow toastete sodann auf die anwesenden ausländischen Vertreter, indem er namentlich Buccellis gedachte und die innigen Band e hervorhob, die De utschland und Italien verbänden. Als Botschafter in Rom habe er den italienischen Freunden oft versichert und könne heute nur wiederholen, daß es keinen Deutschen gäbe, dem Italien nicht teuer wäre, mit dem uns die Analogie der geschichtlichen Entwickelung sowie mannigfache materielle ideale Beziehungen verknüpften. Französisch fortfahrend, dankte Bülow allen übrigen Vertretern für ihr Erscheinen und für die dem Professor Virchow dargebrachten Huldigungen. Daran habe er nicht nur als Deutscher, sondern auch als Reichskanzler seine Freude gehabt. erschütterlicher Anhänger des deutsch-italienischen Bündnisses geblieben sei und immer für dasselbe eintreten werde, und brachste schließlich ein Hoch auf Graf Bülow und Professor Virchow aus. Nachdem noch der Vertreter Hollands Professor Dr. Stock vis den Wunsch ausgesprochen hatte, daß auch das 20. Jahrhundert in Deutschland Märrner von Virchows Bedeutung hervorbringen möge, wurde die Tafel aufgehoben, und man begab sich in die Bibliothek, um dort den Kaffe« einzunehmen und in einzelnen Gruppen zwanglose Unterhaltung zu pflegen. Bei Bier und Zigarren blieben die Herren noch bis in später Stunde vereint. Tie jetzigen Schüler Virchows beabsichtigen, demselben in der ersten Vorlesung nach den Ferien aus Anlaß seines 80jährigen Geburtstages ihre Glückwünsche darzubringen. Der Hörsaal soll fesllich geschmückt und eine Ansprache an den Jubilar gehalten werden. sc. Darmstadt, 14. Okt- Unsere Hofbühne hat einen empfindlichen Verlust zu beklagen. Viktor Stephany wurde nämlich als Bonvivant und Regisseur für das Kölner Stadttheater verpflichtet. — Franz Adam von hier, ein SckMer von Sistermanns in Frankfurt a. M. wurde von 1902 ab auf 5 Jahre als Bassist für das Hoftheater zu Wiesbaden verpflichtet. Adam hat bekanntlich vor zwei Jahren in den Festfpielen von Bayreuth mitgewirkt. Emmi Destinn und Agnes Sorma, die beiden Berliner Gäste der vereinigten Frankfurter Stadttheater errangen sich mit jeder neuen Gastrolle immer größere Erfolge. Jede Vorstellung war bis jetzt ausver- kaust, und wenn auch Frau Sormas überlegener» Kunst vielfach neben der, noch in aller Erinnerung stehenden impulsiven und dadurch bis ins Innerste packenden Gestaltungskraft Irene Drieschs, anmngs hiV ndev" Politische Tagesschau. Gründung eines deutschen Bismarckbundes. In der alten Kaiserstadt Goslar fand am Sonntag die konstituierende Versammlung des deutschen Bismarckbundes statt. Herr Valentin v. Bismarck-Braunschweig erstattete Bericht über die Arbeiten des bisherigen geschäfts- führenden Ausschusses, des Vorstandes des Bismarckbundes zu Braunschweig und des Bismarckvereins zu Wolfenbüttel. Nach diesem Referat trat die Versammlung in die Besprechung der Grundlagen zur Schaffung eines deutschen BiömarlÄundes ein. In der Aussprache wurde von allen Seiten betont, daß die Organisation vorerst noch locker sein sollte, um die nötige Bewegungsfreiheit zu behalten, und daß man vor allem vermeiden müsse, von den Ortsvereinen große materielle Opfer zu fordern. Man einigte sich dahin, in den Satzungen folgeirde Grundzüge sest- zustellen: 1. Ter deutsche Bismarckbund hat den Zweck, das Andenken an den Fürsten Bismarck im deutschen Volke wach zu erhalten, zu Pflegen und zu feiern. 2. Zu diesem Zwecke erstrebt er den Zusammenschluß aller zur Zeit bestehenden Bismarckvereinigungen (gleichviel, welche Zwecke sie verfolgen), die Gründung weiterer Bismarckvereine, sowie die jährliche Feier eines gemeinsamen Bismarckgedenktages für das deutsche Volk. 3. Tie einzelnen Bismarckvereinigungen behalten in sich die volle Selbständigkeit und ihre Eigenart. 4. Mitglied des Bismarckbundes kann jeder Bismarckverein, sowie jeder großjährige, unbescholtene Deutsche werden. Tie übrigen 10 Paragraphen regeln die Organisation und die Geschäftsführung. Es wird darin u. a. bestimmt, daß einzelne Personen, die keinem Ortsvereine angehören, gegen einen Jahresbeitrag von 3 Mark Mitglied des Bundes werden können. Den Zweigvereinen ist eine bestimmte Beitragspflicht nicht auferlegt. In jedem Jahre findet ein Bundestag statt an einem Orte, der vom vorhergehenden Bundestage zu wählen ish. Bei der Borstandswahl wurden für die nächsten drei Jahre gewählt: als 1. Vorsitzender er den Fürsten bis zur Thür des zweiten Salons. Kaum hatte der Fürst das Elysee verlassen, als er seinem Vertrauten erzählte: „Der Präsident hat mir recht seltsam geschienen. Ich glaube, er ist krank. Er hat unserer Unterhaltung mit einer Schroffheit ein Ende gemacht, die mich von ihm sehr Wunder nimmt. Nachdem er mich hatte merken lassen, daß er seiner nicht recht Herr war, wollte er diesen schlechten Einoruck verwischen und geleitete mich viel weiter, als ich zu fordern ein Recht hatte. Ich glaubte schon, er werde bis an den Wagenschlag mit mir kommen. Es ist höchst merkwürdig." Zwei Stunden nach diesem sonderbaren Auftritte erlitt Faure den Schlaganfall, dem er nach anderthalbstündiger Bewußtlosigkeit gegen 8 Uhr abends erlag. Hatte er sich über die freimütigen Aeuyerungen des Fürsten von Monaco buchstäblich schlagrührig geärgert? War er schon ein Todeskandidat, als er den Besuch empfing? Das ist nicht mehr festzuftellen. Jedenfalls ist Die Drehfusfache ein Nagel zu semem Sarge gewesen. Schuldirektor Tr. Jahn-Braunschweig, 2. Vorsitzender von Schütz-Berlin, Schriftführer Postsekretär Lahmann-Braun- schweig, als Stellvertreter Matcll-Frankfurt a. M., Schatz« meister Obersteuerkontroleur Bock-Braunschweig, Stellver- treter Fabrikant Otto Alberti-Goslar, als Beisitzer: Valentin v. Bismarck-Braunschweig, General z. D v. Brinkmann- Weimar, B. v. Alvensleben-Berlin, Bürgerschullehrei Scheefer-Wolfenbüttel, Obersteuerrendant Merkel-Wolfen« büttel, Fabrikant Weule-Goslar; als Ort für den im nächsten Jahre stattfindenden 1. Bundestag wurde Goslar gewählt) mit diesem Bundestage soll zugleich die Enthüllungsfeier des von der Goslarer Bismarcknische geplanten Bismarckdenkmals verbunden sein. Reuß ä. L. und Reuß j. L. Wir teilten neulich mit, daß der Fürst von Reuß et L. gerichtlich, verhängte Gefängnisstrchen für Kinder in sehr eigentümlicher Art in Prügelstrafen umgewandelt haben soll. Dadurch lenkten wir das Interesse unserer Leserschaft auf die beiden reußischen Dynastien, die immer und immer wieder miteinander verwechselt werden. Fürst Heinrich,XXII. von Reuß ä. L. steht im 56. Lebensjahre und ist seit einem Jahrzehnt Witwer. Seine verstorbene Gemahlin hat ihm erst einen Sohn, dann nacheinander fünf Töchter beschert« Sein einziger Sohn, der 23 jährige Erbprinz Heinrich XXIV., ist unheilbar geisteskrank, mithin nicht regierungsfähig. Der regierende Fürst will sich offenbar nicht wieder vermählen, anderenfalls hätte er das sicherlich, schon gethan; er Hal also keine Aussicht mehr, daß ihm noch, ein regierungsfähiger Thronerbe beschieden sein werde. Die Regierung in den beiden Fürstentümern Reuß ist im Mannesstamm nach dem Recht der Erstgeburt und der agnatischen Linealsolge erblich. Erlischt die eine Linie, so succediert die andere. Wenn also Heinrich XXII. Reuß ä. L. einmal die Augen schließt, so wird zwar der geisteskranke Erbprinz nomineller Fürst werden, die Regentschaft aber auf den Erbprinzen Heinrich XXVII. von Reuß j. L. übergehen. Der regierende Fürst HeinrichXIV.' von Reuß j. L. hat, als er nach dem Tod seiner ersten Ge-, mahlin eine von seinen Unterthanen nicht gern gesehene morganatische Ehe mit einer kleinen Schauspielerin, einem unbäreutenden Mitglieds des fürsftick)en Theaters seiner Hauptstadt Gera, einging, auf die Regierung verzichtet, seinen Sohn dauernd mit der Regentschaft betraut, das Land verlassen und seinen Wohnsitz in Dresden genommen^ Unter der Regentschaft des Erbprinzen Heinrich! XXVII.,; der jetzt 43 Jahrs alt ist und aus seiner Cshe mit einer Tochter des Fürsten Hohenlohe-Langenburg zwei Söhne und zwei Töchter hat, ist das Fürstentum Reuß j. L. vortrefflich aufgehoben. Denn der Erbprinz, ein liebenswürdiger und bescheidener Herr, ist ein in jeder Hinsicht ausgezeichneter Landesvater. Auch Reuß ä. L. wird sich nichch beklagen, wenn es ihn einmal tzum Regenten erhalten sollte. Tie Vereinigung der beiden reußischen Fürstentümer in den Händen der jüngeren Linie ist, wie sich aus Vorstehendem ergiebt, nur eine Frage der Zeit. Was die Beziehungen der beiden Häuser zu einander betrifft, so ist es zeitgemäß, daran zu erinnern, daß der regierende Erbprinz von Reuß j. L. in der „Geraer Ztg." einen geharnischten offenen Brief an den Fürsten Heinrich XXII. ä L veröffentlichte, alss dieser anläßlich der 25 jährigen Gedenkfeier der Wieder-« Aer Aagel zum Sarge des Frästdenten Aaure. „Saint-Simonin", richtig Mermeix, hat, wie wir bereits mitteilten, seine im „Figaro" veröffentlichten „Gespräche mit Felix Faure" als Buch herausgegeben und sie nrit einer lang ausgesponnenen Einleitung versehen, worin er sich die sehr überflüssige Mühe giebt, die von uns vor einigen Tagen schon wiedergegebene Behauptung zu widerlegen, als wäre Felix Faure an einer mit Eyankali vergifteten Zigarre gestorben. Diese thörichte Behauptung ist nie von einem zurechnungsfähigen Menschen ernsllich ausgestellt worden, und wenn sie auch von alten Pariser Pförtnerfrauen verbreitet worben sein mag, so hat doch kein Vernünftiger sie geglaubt. In der Einleitung findet sich aber auch die Darstellung des letzten Besuchs des Fürsten von Monaco im Elysee, und diese verdient wiedergegeben zu werden. Am Sterbetage Felix Faures erschien gegen 4 Uhr nachmittags der Fürst von Monaco bei ihm. Er kam aus Berlin, wo er auf die Bitte der französischen Regierung mit Kaiser Wilhelm über Deutschlands Beteiligung an der Weltausstellung gesprochen hatte, und 1 wollte dem Präsidenten der Republik über das Ergebnis seiner Vermittelung berichten. Nachdem er diesen Gegenstand erledigt hatte, begann er von Dreh fus zu sprechen. Faure schoß das Blut ins Gesicht, er wurde feuerrot und begann halblaut vor sich hin zu murmeln: „Das kann ich nicht hören. Unmöglich General Mercier sagt, daß der Mann schuldig ist. Tie Generale . . ." Der Fürst hörte oder verstand ihn nicht und bestand darauf, die Berliner Ansichten über den Fall Dveyfus zu wiederholen. „Saint-Simonin" erzählt nun weiter: „Der Präsident begann seine Ungeduld zu markieren. Er rückte aus dem Stuhle hin und her, schob die Gegenstände auf seinem Schreibtische von wer Stelle, unterbrach deu Fürsten. Plötzlich stand er aus und begann auf und ab zu gehen. „Es ist unmöglich", sagte er, „wie kann man nur so etwas sagen? Alle französischen Generale denken und sprechen anders. General Mercier . . . Ich kann Ihnen nicht zuhören." Der Fürst von Monaco war zugleich mit dem Präsidenten ausgestanden. Er starrte ihn schweigend und verblüfft au. Wie war es möglich, daß dieser Marrn von so guter Lebensart, der immer so gefällig, so einschmeichelnd war, sich ein so ungewöhnliches Benehmen zu schulden kommen ließ, solcl)e Aufregung, solchen Aerger verriet, der von seiner sonstigen Höflichkeit so grell ab- ftody? Felix Faure hörte nicht auf, mit rotem Gesichte hin und her zu laufen, den Kopf von Zeit zu Zeit jäh emporzuwerfen und immer die nämlichen Worte zu wiederholen: „Ich kann nicht . . . Wie darf man mir so etwas sagen? General Mercier. . Die Generale. ." Er schien eher laut zu denken, als zu seinem Besucher zu sprechen. Plötzlich als er eben:au der Thür war, öffnete er sie mit einer mechanischen Bewegung. Der Fürst von Monaco schritt sofort auf sie zu und sagte: „Jcy, habe die Ehre, mich von Ihnen zu verabschieden, Herr Präsident." Felix Faure wurde mit einem Male ruhig, renn gleichsam wieder zu sich, faßte die beiden Hände des Fürsten und fragte ihn: „Wie, Sie gehen schon? Sie werden aber bald wiederkommen, nicht wahr?" lind als käme ihm zum Bewußtsein, daß er sich ungehörig benommen hatte, begleitete Erscheint täglich jES® ® Ä Annahme von Anzeige» mit Ausnahrne des n&| zu der für den folgenden mietteitfcrzhnßwt sw =»=:nvilvl MilIVluvt W General-Anzeiger v SSESffi ~ ~ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Fernsprechanschluß Nr.51. V -*y V YJ zeigenteil: Hans Beck. -°m Uluv"- chcitraße^ lädcher? - d. Exped. 6794 w Ballerei ges.a. hausl. üto, m. m Nähen etw.bd» nrEehaltsanspr. nd.lbpä>.d.Bb «E & dauernde e 10 a. N r a j tiger "rsche tä» r' u. Senssabril •3® gas lger Kaufmann, chsührung, Korn- ienKonIorarbeitm Aushilsepsfien sie ^eugn. und la. lensten. Cfjerten 4133 an die Exy. wagen ach Zraukfutt er fX txn\\4) austzebild. A\mmt noch Außerdem Haus, auch an. Steinstraße 21. verteilt Nachhilfe- Mathematik. Wand.Exy^Al Strilken ivonLtrüM nidi awkgenil# *** stets vorrätig, w st billigst. ie Hopfner rgtrstttbrl^— iW ton arbeiten er Art blt sich die uch Eri«") , '«’S* i*«- ' »Allen von Laufrichtung deA Deutsche Reiches sich die berüchtigte Flaggengeschichite geleistet hatte. Seither ist der Erbprinz Reuß j. L. auch im Fürstentum Reuß ä- L. sehr populär geworden. Von den Frauen-Kongreffeu. Im Verlauf einer Betrachtung über die in letzter Zeit aVgehaltenen Fraüenkongresse bemerkt „Tie Post": „Während man in Eisenach aus der Schul fra ge mehr eine Damenfrage machte und einzelne Berufszweige, die Lehr- thätigkeit und Gesundheitspflege, ebenfalls für die Damen forderte, trat der Verband so r t s chritt liche r Fr au e n - vereine für eine völlig gleichmäßige und auch räumlich gemeinsame Volksschulerziehung und wissenschaftliche Ausbildung der beiden Geschlechter ein. Eine gleiche Abschwächung des Standpunktes zeigte sich bei der Forderung, den Frauen die Eigenschaft als Staatsbürger zuzuerkennen. Während der allgemeine deutsche Frauenverein mehr auf eine beratende Thätigkeit in der A r m e n - u n d W a i s e n - pflege, in der unter Umständen ein zartes Frauengemüt richtigere Entsch>eidungen trifft, als der Mann, hinarbeitete, verlangten die fortschrittlichen Frauen eine uneingeschränkte GleiKstellung der Frau mit dem Manne in allen staatsbürgerlichen Rechten. Tie Forderung der gemeinsamen ^Schulerziehung der Geschlechter erwächst schon aus dem Gedanken der absoluten Gleichheit der Geschlechter. Demgemäß lassen auch diese Frauen die Einrede einer ,geringeren Befähigung der Frauen zum Kampfe ums Dasein nicht gelten, als ob die Natur, die eine physiologische Verschiedenheit zwischen Mann und Frau geschaffen hat und dieser einen schwächeren Körper gegeben hat, nicht auch eine geringere natürliche Begabung in sie hineingelegt haben könnte. Wenn diese Frauenrechtlerinnen in der geringen Kapazität und Be- thätigung der Frau lediglich ein Erziehungseraebnis erblicken, so vergessen sie das eine dabei, daß die Geschlechter Nachkommen der gleichen Ahnen sind, und daß man sonach von einem Jahrhunderte lang andauernden Erziehungsgang nicht dieselben Produkte erwarten kann, wie wenn etwa zwei Rassen nebeneinander bestehen, von denen die eine durch eine geringwertige geistige Ausbildung in dem gleichen Zeitraum in einer nur schwer überwindlichen geistigen De- presfton gehalten wird. . . . Bei den meisten Frauen ist die Teilnahme an dem Kampfe des Lebens eine Notwendigkeit, und zwar eine herbe Notwendigkeit. Aber gerade diese Thatsache, daß die Erwerbsthätigkeit meist nicht das Ergebnis einer freien Entschließung, sondern durch die Ver- hältrrisse erzwungen ist, rechtfertigt es auch, daß die Frauen ebenso nach einer sozialen Schichtung der Berufsarten streben, wie sie sich unter der Männerwelt herausgebildet hat, daß sie immer mehr Erwerbszweige und Berufsstände sich zugänglich! machen wollen und daß sie nach geeigneten Bildungsmitteln und Borbereitungsmöglichkeiten streben. In diesem Ringen um eine Exishenzmöglichkeit wird sie ganz gewiß die allgemeine Sympathie begleiten, sofern diese Frauenbestrebungen nicht den Charakter einer prinzipiellen Umwertung unserer sozialen Anschauungen haben. Man soll, um ein Beispiel zu erwähnen, gewiß Mädchenghm- nasten schassen, um den Damen, die sich auf eine pädagogisch- oder medizinisch^-wissenschaftliche Thätigkeit vorbereiten wollen, die Gelegenheit zur Erwerbung der wissenschaftlichen Borkenntnisse zu geben, aber man soll nicht Die Mädchenbildung durchweg nach einem gymnasialen Zuschnitt bewirken, blo ß damit das Prinzip der Gleichberechtigung der Geschlechter zum Durchjbruch kommt .Würden die Idole der Frauenbewegung wirklich einmal streng durchgeführt, dann erst würde sich mit Deutlichkeit zeigen, ein wie geringer Prozentsatz der Frauen nach einer Aenderung der sozialen Stellung strebt. Wie überall im Leben, fehlt -auch bei dem sogenannten Männerrecht das Korrelat nicht, nnd das ist oie Männer p f l i ch t. Die nach der sozialen Gleichheit strebenden Frauen aber sehen diese Schattenseite nicht, sondern das Männerrecht erscheint rhnen wie eine bedingungslose Rechtsungleichheit/ während sie die Pflichten des Mannes, der für die Familie, deren Gesetzgeber und Führer er ist, sorgen und den Staat verteidigen muß, -geringschäden. Es giebt eine ganze Reihe von Mannes- pslichten, die der Frau nicht zugemutet werden können, weil fie nicht die physiologische Vorbedingung zu deren Erfüllung besitzt, und doch verlangen die fortschritt- fichen Frauen die völlige Gleichstellung mit dem Manne. Das ist schon vom logischen Standpunkte und für ein gerechtes Empfinden undenkbar. Gleiche Rechte bedingen iauch gleiche Pflichten, darüber müssen sich vor allem die .Frauen klar werden. Das Männerrecht hat sich demgemäß auch nicht als das, Produkt einer Laune und einer Willkür her aus gebildet, sondern als die notwendige Folge gegebener .Verhältnisse. In den Mann hat die Natur die Befähigung ;zum Lebenskämpfe hineingelegt, und der Frau hat sie die holde Gabe verliehen, mit ihrem zarten Empfinden und ihrer milden Persönlichkeit die Beraterin und Führerin .der Jugend zu sein. Eine Frau, die sich in den Kamps 'pes' Lebens hineinstellt, verschwindet wie ein Atom, aber eine Gattin und eine Mutter, die in ihrer Familie den Kreis ihrer Wirksamkeit sieht, herrscht in dem Geiste, den -sie .in ihre Kinder legt, über die ganze Zukunft ihres Ge- ischlechts."___________________________________________________________ Aus Stadt und Sand. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, den 16. Oktober. ** Entlassung. Der Großherzog hat den Hauswärter Heinrich Zimmermann in Darmstadt auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. November lst. Jrs. an aus dem Hofdienst entlasten. ** Penfionirung. In den Ruhestand versetzt wurde der Weichensteller 1. Klasse in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Wilhelm Dietz I. zu Monsheim mit Wirkung vom 1. Dezember an. ** Zur Saalbaufrage. Es dürfte viele unserer Leser interessieren, daß man in Cob lenz, einer nur um ein weniges größeren Stadt als Gießen, vor kurzem einen pompösen größeren Saalbau errichtet hat, und zwar infolge der Muni- fizenz eines Eoblenzer Bürgers, des Geh. Kommerzienrats Wegeler, der 100 000 Mk. für diesen Zweck stiftete. Sollten sich denn in Gießen nicht Männer ftnden, die gewillt sind, ein solches Projekt durch eine sichtbare That zu unterstützen? Auch die hiesigen Vereine müßten sich doch bereit sinden lasten, alles zu thun, um einem solchen Plan zur Verwirklichung zu verhelfen. ♦* Wertsendungen durch Landbriefträger. Die Landbriesträger nehmen bekanntlich auf ihren Bestellgängen PostMweifungen, Wert- und Einschreibsendungen il s. w. an; auch dürfen derartige Sendungen bei den Pofthilfsstellen zur Weitergabe an die Landbriefträger niedergelegt werden. Da von den Landbriefträgern und Posthilfsstellen-Jnhabern über die fraglichen Sendungen keine Mnlieferungsscheine ausgefertigt werden, dies vielmehr erst später bei den Postämtern und Postagenturen geschieht, so ist von der Postverwaltung die bis jetzt noch nicht allgemein bekannte Einrichtung getroffen worden, daß zum sicheren Nachweis jener Sendungen von den Lcnldbrief- trägern und Hilfsstellen-Jnhabern Annahmebücher zü führen sind. Es empfiehlt sich, daß die Absender die den Landbriefträgern initzugebenden oder die bei den Posthilfsstellen niederzulegenden Postanweisungen, Wertsendungen u. s. w- thunlichst eigenhändig in das Annahmebuch eintragen, oder sich wenigstens von der Buchung durch, den Landbriefträger oder Posthilfsstellen-Jnhaber überzeugen. * Grebenhain, 15. Okt. Der Termin für die landes- polizeiliche Abnahme der Nebenbahn Lautcrbach- Grebenhain-Crainfeld, die heute stattsinden sollte, ist auf nächsten Dienstag, 22. Oktober verschoben worden. -dl- Beerfelden, 15. Okt. Bierbrauereibesitzer W. H. Breimer 11. von hier hat die Kandidatur für den hiesigen Landtagswahlbezirk angenommen. Weilburg, 14. Okt. Erzählungen über Frauen, die als Männer gelebt haben, rufen die Erinnerung an eine gegenteilige Thatsache wachj, die hier unvergessen ist. Der Thatbestand ist kurz folgender: Es mietete sich hier vor Jahrzehnten eine mysteriöse Dame ein, deren Herkunft, Heimat, Lebenszweck je länger desto mehr den Stadtbewohnern zum Geheimnis wurde. Außer einer Aufwartefrau, deren Thätigkeit sich aus das Allernotwendigste beschränkte, durfte niemand die von genannter Dame gemieteten Zimmer betreten. Alle Geschäftsleute wurden auf dem Flure abgefertigt. Ter Schuhmacher z. B- beim Maßnehmen für Schuhe derartig, daß „das Fräulein" je nach- Bedarf .den einen oder anderen Fuß hinterrücks hevaus- streckte, während die Zimmerthür fest angezogen blieb. Der Fuß war groß und kräftig entwickelt wie eines Manness Fuß; im übrigen besorgte sich das Fräulein alles selbst: Waschen, Kochen, Nähen, Flicken. Don ihrer Wohnung in der Borstadt aus machte die Unbekannte stets tief verschleiert ihre Spaziergänge auf einsamen Wegen. Wurde sie Von Begegnenden gegrüßt, dann dankte sie mit tiefer Stimme, die wie eine Mannesstimme klang. Dabei besah sie eine erstaunliche Körperkraft. Denn als einmal ein zufällig ihr begegnender Leutnant im jugendlichen Ueber- mut ihr hoch zu Roß das unerwünschte Geleite gab und schließlich, spöttisch sie umkreiste, wurde er plötzlich mit festem Griffe an einem Beine aus dem Sattel gehoben und ihm gedroht, bei Fortsetzung seines ungebührlichen Benehmens zu Boden geworfen zu werden. So vergingen Jahre. Die Bürgerschaft hatte sich inzwischen, sä gut voer o übel es ihr ankam, mit dem Geheimnis des „Fräuleins" abgefunden. Da durchlief plötzlich die Kunde von dem Tode der Unbekannten die Stadt. Früh morgens war zu gewohnter Stunde die Aufwartefrau gekommen, hatte zu ihrer Verwunderung die stets fest verschlossene Zrmmer- thür nur angelehnt gefunden, und war, da auf ihr An- llopfen und Rufen niemand antwortete, ins Vorderzimmer getreten. Tort lag auf dem Tische ein Zettel mit der christlichen Bitte in festen männlichen Zügen, die nebenan Tote wünsche genau so, wie man sie finde, beerdigt zu werden. Auf dem Bette im Schlafzimmer lag denn auch wirklich „das Fräulein/^ entseelt, von der Brust an abwärts fest einge- näht in einen groben Sack. — Man willsahrtete ihrer letzten Bitte. Hochgestellte Persönlichkeiten von auswärts sollen dieselbe bei der zuständigen Behörde unterstützt haben. — Das Volk sprach und spricht wohl noch heute von einem Selbstmorde durch Gift. Im übrigen hat „das Fräulein, das aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mann war, sein Geheimnis mit ins Grab genommen. -i- Wetzlar, 15. Okt. Am Samstag war durch Mit-' glieder der Guttemplerlöge eine öffentliche Versammlung zur Besprechung der Alkoholfrage emberufen worden, in der Dr. Liebe von der Heilanstalt Waldhof Elgershausen, und Redakteur des „Guttempler" A. Eplinius aus Hamburg Vorträge hielten, ersterer über die schädigende Wirkung des Alkohols auf Körper und Geist des Menschen, letzterer über die soziale Bedeutung der Alkoholftage. An der Diskussion beteiligten sich namentlich Vertreter des Arbeiter- tandes. Da aus den Debatten, wenn sie auch zum Teil den Rednern entgegentraten, doch ein lebhaftes Interesse weitester Kreise für die Sache hervorging, so ist es nicht ausgeschlossen, daß es dem Guttemplerorden gelingt,^ hier eine Loge ins Leben zu rufen, die dann auch auswärtige Mitglieder aufnehmen würde. Anmeldungen zum Beitritte nimmt Dr. Liebe Heilanstalt Waldhof Elgershausen, Post Katzenfurt, entgegen. Tabakbau im Großherzogtum Hessen im Erntejahr 1899/1900. I. Uebersicht über die Zahl der Tabakpflanzer und den Flächeninhalt der mit Tabak bepflanzten Grundstücke. Provinzen, Hauptsteueramtsbezirke, Gemeinden. 1. Prov. Starkenburg. Hauptsteueramt Darmstaot. Lampertheim . . ♦ Langwaden...... Lorsch ...... Viernheim ...... Wimpfen . .... 4 Zusammen Hauptsteueramt Offenbach. Groß-Steinheim .... Zusammen 2. Prov. Oberhessen. Hauptsteueramt Gießen. Bönstadt....... Nieder-Mockstadt.... Zusammen 3. Prov. Rheinhessen. G.roßherzogtum Hessen Zahl der mit Tabak bepfl. Grundstücke " *a _. o - Zahl bei Tabakpsicm von wenigerl als 4 Ar ’ Flächeninhalh ion 4 Ar mb mehr ächeninhalh usammen Flächenir bcr mitT bepflanz Grunbstr Ar. • 293 18 684 702 10202,75 1 1 1 0,60 149 3 241 44 3147,29 361 630 630 10808,30 319 58 533 591 9333,42 1123 80 2088 2168 33492.36 1 ____3_ 8 34.49 1 — 3 3 84,49 1 1 .— 1 0,06 1 1 — 1 0,24 2 2 — 2 0,30 — .— — ■— — 1126 82 | 2091 I 2173 33527,15 2. Uebersicht der Ergebnisse der Tabakernte und Betrag der den Tabakpflanzern zurLast gesetzten bezw. angeforderten Tabaksteuer. Provinzen, Hauptsteueramtsbezirke. Menge b. geernt. Tabaks in bachreifem trockenem Zustande Mittl.PreiL (cin4 schl. Tabaksteuer)! von lOOkgÜabnh Wert ber Tabakernte Gewichtssteuer Flächensteuer Schuld Schuld kg Mk. Mk. Mk. Mk. L Prov. Starkenburg. Darmstadt....... Offenbach ....... 502031 517 90,60 90,60 454843 468 180705 158 Prov. Starkenburg 502548 90,60 455311 180705 158 IT. Prov. Oberhessen. Gießen........ 4 90,60 4 1 Prov. Oberhessen 4 90,60 4 • 1 HI. Prov. Rheinhessen. . • ♦ • • Großherzogtum Hessen 502552 90,60 455315 180705 159 Ein Vergleich dieser, Landesstatistik" entnommen Zahlen früherer Jahre ergi sehr erhebliche Einsck im Großherzogtum Hessen sicht zeigt: den „M m Tabe ebt seit >ränku , wie tteil. ber Zei üe mit den e dem Jahre ng be§ T bie nachsteh itralste ntspreä L896/9 abakb ende lle für senden 7 eine aues lieber- Jahr Zahl der Tabakpflanzer Mit Tabak bepflanzte Grundfläche Ertrag in Wert der Tabak- Ernte Ar kg Mk. 1896/97 1897/98 1898 99 1899/1900 2232 2036 1415 1126 75654,67 67928,27 41334,12 33527,15 1314378 1137413 592351 502552 1076863 882061 491782 455315 AüLgaug von 1896/97 bis 1899/00 in % 49,5 55,68 61,77 57,60 Dazu schreibt ein „I. Pf." in der „Hess. landwirtsch. Zeitschrift": Diese Zahlen sprechen deutlich genug dafür, dem einheimischen Tabakbau einen höheren Zollschutz als den bisherigen angedeihen zu lassen. Auch der Steuersiskus hat kein unwesentliches Interesse daran, denn die Gewichtssteuer im Jahre 1895/96 mit 400 650 Mk. ist auf 180 705 Mk. im Jahre 1899/1900 zurückgegangen, also um 219 945 Mk„ oder beinahe 55 pCt. Angesichts solcher Thatsachen gehört, denn doch ein hohes Maß von Unverftorenheit dazu, die Lage des Tabakbaues als eine „glänzende" hinzustellen, wie das seitens der Händlerpresse, namentlich der „Süddeutschen Tabakszeitung" geschieht, die dem Frecherrn von Heyl einen Gewinn von 100 Prozent im Jahre 1900 an der Tabakkultur in Seehof herausrechnete, während auf Grund gewissen-, Hafter Buchführung eine Verzinsung des Bodenkapitals von 1,22 Prozent für das betreffende Jahr sich daselbst ergab. Von 1896 bis 1899 war von einer Verzinsung überhaupt nicht die Rede, sondern ergab sich pro Jahr und Morgen ein effektiver Verlust von 16 Mk. Für andere hessische Tabak- kulturen betragen, wie wir der vom Vorsitzenden der Tabak-- baukommission (Geheimrat Haas) herausgegebenen „Korre- pondenz der deutschen Tabakbaukommission" entnehmen, bie> jährlichen Verluste von 1896 bis 1898 pro Morgen sogar' 27 Mk. ohne Anrechnung der Bodenrente. Diese Thatsachen stehen in vollem Einklang mit der obigen hessischen Statistik und es wird ein intereffarües Stückchen journalistischer Taschenspielerei sein, wie die Händlerpreffe trotzdem die Lage des em*, heimischen Tabakbaues als eine „glänzende" beweisen wird,, falls sie es nicht, wie zu erwarten, vorzieht, solche unbequeme Thatsachen mit Stillschweigen zu übergehen." ■'.'J 111 1 2 3 SS ■■■ !1 ____1." . 1 ■ ■ 1 sssi Vermischtes. * Berlin, 15. Oktober. Zum Konitzer Morde.; Das gestern auszugsweise mitgeteilte Gutachten der oberen,1 Medizinalbehörde ist der Einstellung des Verfahr r e n s gegen den Fleischermeister AdolfLewy und feinem Sohn Moritz wegen Ermordung des Gymnasiasten Emst, Winter zu Grunde gelegt worden. Das Gutachten ist nach der genannten Quelle vom Medizinalkollegium Danzig er-, stattet werden, und soll folgende Gesichtspunkte enthaltene Ernst Winter ist den Erstickungstod gestorben. Der Halsschnitt ist kein Schacht schnitt, sondern nach dem Tode beigebracht in derselben Weise wie die übrigen am Körper befindlichen Schnitte zum Zwecke der Beiseiteschafs- ung der Leiche. Winter hat, als er ermordet wurde, eine unsittliche Handlung begangen. Die auf Rock und Weste vorgefundenen Blutflecke sind nach dem Tode mittelst geronnenen Blutes heran gewischt worden. Soweit der Auszug aus dem Gutachten, wie ihn ein Ko- nitzer Blatt mitteilt. Man wird die Veröffentlichung des Wortlautes des Gutachtens abwarten müssen. — Das Reichsgericht verwarf die Revision des Privatdetektivs Gustav Schiller, der am 13. Juli vom Schwurgericht Könitz wegen Verleitung zum Falscheid und Meineid in der Strafsache gegen den Fleischergesellen Moritz Lewy zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden war. ♦ Berlin, 15 .Okt. Einen Landfriedensbruch begingen gestern nachmittag sechs junge Burschen in der Prenzlauer Allee, die einen Mann angerempelt und miß- handelt hatten. Als sich ein dort wohnender Gastwirt ins Mittel legte, wandte sich die Rotte gegen diesen, dem es gelang, sich in seine Wohnung zurückuziehen. Die Strolch und ihre Frauenzimmer bombardierten jedoch das einzeln stehende Haus des Wirtes mit Steinen und warfen sämtliche Fenster in Trümmer. Als sie die Thür zu erbrechen suchten, griff der Wirt zum Geweh r und fe uer re auf die Angreifer, wobei er zwei von ihnen uicht un^yevUch verletzte. Hierauf ergriffen die übrigen die Fwait. Die beiden Verwundeten wurden von einer Polizei-pairoume verhaftet. * Gelsenkirchen, 15. Okt. Die hier herrschende^ Typhus-Epidemie dehnt sich noch immer werter aus. Gestern waren 40 neue Krankheitsfälle zu verzeichnen. Morgen treffen hier der Oberpräsident von Westfalen sowre Professor Dr. Ko ch aus Berlin em. Letzterer ist vom Kultusminister mit der Nachforschung über die Uriache der Verbreitung der Seuche beauftragt. Für die Rekruten aus Mpel 1 lranku im dauert a d- ipalvstes wurde ü lamlttich darauf rieiem » entstand r Mr ein wodurch verletzt. Hausftor leute sich verletz menge r schäften und die Pfeifen mären! weife v geiomn1 verletz:. Schließ gegen stund mil * ( Otto S Wüchse Kreisen Unglück, Oberkörf weiden endgilti Partien .gelegt t seiner ihnen ( Alle an stellte < 'heirate, ein 6tüi .ganzes! retten. LMütwn w Ihre dann * 1 in Wü allerlei und un seiner. Theate empfar Jen ui Er tvc engagli verließ am W G> für 2 T in den mt Roh ben vom Typbus ergriffenen Bezirken wurden besondere sanitäre Verordnungen erlassen. Dieselben dürfen keinerlei Obstwaren nach den Garnisonen bringen. * Gels enkirchen, 15. Okt. Auf Zeche „Hibernia" gerieten zivei Bergleute unter herabfallendes Gestein, einer wurde getötet, der andere erlitt schwere Verletzungen. * Recklinghausen, 15. Okt. Bei Station Sinsen der Strecke Wanne—Münster wurde ein mit Kühen bespanntes Geführt von einem Zuge überfahren und zertrümmert. Der Lenker des Gefährts wurde getötet. * Ditzingen bei Leonberg, 15. Okt. Gestern abend wurde in der Nähe des hiesigen Bahnhofes ein Fuhrwerk von einem heranbrausenden Zuge erfaßt. Ein Mann wurde getötet, ein zweiter schwer verletzt. * Wien, 15. Okt. Fabrikant Löwenfeld, der bekanntlich Oberleutnant Soyka im Duell erschossen und darauf pi die Schweiz geflüchtet war, ist heute morgen mit freiem Geleit des Justizministeriums dort eingetroffen und hat sich sofort im Landgericht selbst gestellt. Er wurde auf freiem Fuß belassen. * Rom, 15. Okt. In den letzten 24 Stunden ist in Neapel und Umgegend keine pcstverdächtige Erkrankung zur Anzeige gebracht worden. Die Besserung im Befinden der im Lazarett untergebrachten Krairken dauert an. * Brüssel, 15. Okt. Im Hotel „Kontinental", entstand vermutlich infolge Fehlers an dem elektrischen Zlpparat .für ein auf dem Hause befestigtes Rcklameschild Feuer, wodurch das Obergeschoß zerstört wurde. Niemand wurde verletzt. Die beim Brande verwandte Leiter, welche vor der Hausfront aufgerichtet war, stürzte, als mehrere Feuerwehrleute sich auf chr befanden, um. Zwei Feuerwehrleute wurden verletzt, davon einer schwer. Der Andrang der Menschenmenge war so gewaltig, daß die absperrenden Feuermann- schaften den Platz mit Gewalt räumen mußten. Die Polizei und die Guiden mußten blank ziehen; letztere wurden mit Pfeifen und Zischen empfangen. Dem „Petit Bleu" zufolge waren die Soldaten viermal genötigt, vorzugehen. Gerüchtweise verlautet, daß zahlreiche Verwundungen vor- gekormnen sind; verschiedene Personen wurden durch Hufschläge verletzt. Die Menge sang die Marseillaise und die Carmagnole. Schließlich wurde der Menge gedroht, mit der Feuerspritze gegen sie vorzugehen» und der Platz durch Schranken abgesperrt und militärisch besetzt. * Ein Viel de geh vier. Der 25jährige Monteur Otto S. -in Berlin, ein junger Mann txort riesenhaftem Wüchse und sympathischen Gesichtszügen, gilt in seinen Kreisen als erklärter Frauenliebling. Kürzlich hatte er das Unglück, sich in seinem Berufe schwere Brandwunden am Oberkörper zuzufügen. Im Krankenhause, wohin er gebracht werden mußte, erklärten die Aerzte, daß nur dann eine endgiltige Heilung möglich sei, wenn auf die verletzten Partien die abgelöste Haut eines gesunden Menschen aufgelegt würde. Kurz entschlossen, wandte S sich an mehrere seiner Freundinnen mit der Anfrage, ob sich eine von ihnen ein Stück Haut für ihn ausschneiden lassen würde. Alle antworteten zustimmend. Die eine, eine Comptoiristin, »stellte als Bedingung, daß S. sie nach seiner Genesung heirate, eine andere, ein Dienstmädchen, erklärte, nicht nur ein Stück Haut ihrer schöngerundeten Schultern, sondern ihr .ganzes Leben hergeben zu wollen, um das des Geliebten .zu retten. S. entschied sich für das letztere Anerbieten. Die .Operation ist bereits glücklich ausgeführt und der vielgeliebte Monteur, sowie seine opferfreudige Anbeterin harren nur ihrer vollständigen Genesung entgegen, um sich alsdann sofort zu verloben. * Wegen Ksntraktbrnchs wurde dieser Tage in Wien der Operettensänger Master verhaftet. Unter allerlei Ovationen wurde Meister ins GefänMis abgeführt und unter lautem Hallo wurde er wieder abgeholt und nach seiner alsbaldigen Haftentlassung mit fröhlichem Zuruf im Theater, aus dem er kurz vorher abgeführt wurde, wieder empfangen. Meister hat das seltene Kunststück eines doppelten und komplizierten Kontraktbruchs zu stände gebracht. Er war zunächst für das Hoftheater in Darmstadt engagiert. Dort eingetroften, nahm er einen Dorschiuß, verließ aber bald barauf Darmstadt, um ein Engagement am Wiener „Earl-Theater" anzunehmen. Das „Earl- 15. 15. 16. 256 744,1 + 11,6 7,6 74 SE. 1 Sonnenschein 9’5 744,0 + 5,2 6,6 100 3. 1 klarer Himmel 725 742,6 + 3,4 5,8 1Ö0 EES. 1 Nebel £ chste 2 eorigst« lemperc tur un 15 „ IE . Okt. + 12, 4- 1, 2° 0. 3° C. Wir einpfehlen uns als vorteilhafteste Bezugsquelle in So» lonialwarcu, Konserven, Delikatessen. Verlangen Sie geil. Preisliste Gebrüder Berdax Bahnhofstraße 27. Lindenplatz 12. Telefon 231. FÜR DEN ARBEITSMANN ist ein tägliches Gericht von „Quäker Oats“ (gewalzter Haferspeise) geradezu eine Notwendigkeit Es giebt Muskel, Kraft, Energie und kostet doch nur eine Kleinigkeit. Versuchet welches, aber gebet acht, dass die Päckete den geschützten Namen „Quäker Oats“ und die Quäker-Figur tragen. Alles andere ist Nachahmung. em Quäker Oats. Theater" hatte Bedenken, den kontraktbrüchigen Künstler auftreten zu lassen und zahlte den Vorschuß an die Darmstädter Bühne zurück. Mit der Direktion dieser Bühne wurde verhandelt, und sie erklärte sich mit einer Konventionalstrafe von 3000 Mark statt der kontraktlichen 5000 Mark zufrieden. Aber noch ehe dieser Ausgleich erledigt war, folgte Meister den Lockungen eines glänzenden Kontraktes für die russische Opcrettentournee und wurde dem Earl-Theater gegenüber kontraktbrüchig. Meister heißt übrigens und nannte sich auch vordem Lauter. Er mrderte den Namen nur, um den Folgen der Kontraktbruchserklärung und der Eintragung seines Namens in die Liste der Kontrakt- brüchigen zu entgehen. Gerichtssaat. D. Gießen, 15. Okt. Strafkammer. Der Landwirt und Landwehrmann Gottfried Ewald I*. von Ockstadt steht unter der Anklage vor Gericht, am 14. Juli 1901 zu Friedberg den Oberarzt der Landwehr Dr. Rumpf ein Geschenk angeboten zu haben, um ihn zu einer Verletzung seiner Dienstpflicht zu veranlassen. A-cr Angeklagte bestreitet den Thatbestand der Bestechung, will vielmehr den dem letzteren angcbotcnen unverhältnismäßig hohen Geldbetrag nur als entsprechende Gegenleistung sür ärztliche Bemühungen angesehen wissen. Die Staatsanwaltschaft hält den thatbestand des § 383 des Str.°G.-B. sür gegeben und beantragt, gegen den Beklagten auf eine Gefängnisstrafe von einer Woche zu erkennen. Das Gericht verurtetlt den Angeklagten in eine Geldstrafe in Höhe von 60 Mk. und in die Kosten des Verfahrens; von der Verhängung einer Gefängnisstrafe sah baä Gericht m Anbetracht der bisherigen Un bestraf theck des Angeklagten ab. — Die Verhandlung gegen den Heinrich Ruppenthal von Rockenberg wegen Sittlichkeits- verbrechens (§ 176, 3) und Llörperverletzung wird, da die Hauptbelastungszeugin entschuldigt im heutigen Hauptverhandlungstermin fehlt, bis auf weiteres vertagt. — Der Franz Wilhelm Kreillng von Vilbel ist angeklagt, am 1. September 1901 zu Vilbel den Heinrich Bender von da vorsätzlich mittels eines Messers in schwerer Weife verletzt zu haben. Der Angeklagte ist im wesentlichen geständig. Die Staatsanwaltschaft beantragt, auf eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren in Anbetracht der Rohheit der That zu erkennen. Das Gericht erkennt dem Antrag der Staatsanwaltschaft gemäß. Das benutzte Messer wird eingezogen. Dem Verletzten wird eine Buße von 260 Mk. zuerkannt. — Der Johannes Krug von Udenhausen steht unter der Anklage vor den Schranken, am 6. Juni 1901 im Walde bei Udenhausen den Forster Schmidt, einen Beamten, während der Ausübung seines Dienstes beleidigt zu haben. Tas Schöffengericht zu Lauterbach verurteilte den Angeklagten deshalb in eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen durch Er- kennviis vom 19. August d. Js. Gegen das verurteilende Erkenntnis hat der Angeklagte Berufung eingelegt. Es sind eine große Anzahl Zeugen, hauptsächlich Belastungszeugen, geladen. Der Angeklagte bestreitet entschieden jede Schuld. Es entwickelt sich eine umfangreiche Beweisaufnahme, die jedoch nicht das gewünschte, fonbern das entgegengesetzte Resultat für den Angeklagten herbei- führt. Die Staatsanwaltschaft beantragt Erhöhung der durch Erkenntnis des Schöffengerichts erkannten Strafe uno zwar auf eine Gesamt-Gefängnisstrafe von 6 Monaten, beantragt auch, die sofortige Verhaftung des Angeklagten wegen Fluchtverdachts anzuordnen. Die Verteidigung beantragt Freisprechung des Angeklagten von Strafe und Kosten. Die Kammer erkennt auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten und ordnet die sofortige Haftung des Angeklagten an. — Dem Philipp Konrad Elarius von Groß-Kärben legt die Anklageschrift zur Last, am Abend des 8. August gegen halb 10 Uhr den Taglbhner Heinrich Krebs von Bergen vorsätzlich mit einem Meffer körperlich mißhandelt zu haben, und zwar durch Stiche in Kopf, Arm und Brust. Der Angeklagte ist geständig, will aber in Notwehr gehandelt haben. Das Urteils lautet auf eine Gefängnisstrafe von 4 SDtonoten; dem Anträge der Staatsanwaltschaft gemäß. Tie Einziehung des gebrauchten Messers wird beschlossen. Berlin, 16. Okt. Ein neuer Prozeß gegen den Grafen Pückler-Tschirne beschäftigt die Berliner Gerichte. Graf P. lind der Redakteur Böckler sollten sich heute wegen Aüsreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten vor der Straftammer verantworten. Jnkriminiert waren zwei Reden, die Graf Pückler in zwei antisemitischen Veftammlungen gehalten, und die Berichte, die die „Staatsb. Ztg." über diese Versammlungen gebracht hat. Graf P. mar nicht erschienen. Der Vorsitzende stellte fest, daß Graf P. beantragt hatte, ihn vom Erscheinen zu entbinden; darauf sei ihm nritgeteilt worden, daß dies nicht angängig sei. Staatsanwalt Kanzow beantragte die Verhaftung des Grafen P. Der Gerichtshof beschloß Vertagung und Vorführung des Grafen P. zum nächsten Termin. Leipzig, 15. Okt. Das Reichsgericht fällte am 11. ds. Mts. und heute zwei für das Verkehrsleben bemerkenswerte Entscheidungen. Es handelt sich um das sogen. Hpdra-Gclla-System, auch Schneeballs y st em oder Rabattsyslem „Multiplex" genannt. Ebenso wie schon am 14. Februar der erste Strafsenat, sah am 11. ds. Mts. der zwecke und heute der vierte Strafsenat, dieses System als öffentliche Ausspielung