W «r. 193 Zweites Blatt 161» Jahrgang Samstag !?♦ August 1901 ’!Q|% SÜÄÄm. SgaaMtUn nutz ttck 6818 erkleWuns Hbrefff für DeprfchEl Lazeiger Sieh«». Fernsprechunick luß Nr. M. wbtn «U WütHeal kwaze passend f w* „Blätter sdner £"*** & b«l, 5PUck. Kein Verfilzen.' keit. sie ult. n in. ier inen, eie. äsche. ;he. (Ötaf Bülow. SRan schreibt uns von besonderer (Seite: Wer der Meinung ist, daß die Regierung durch die "Ausnahme, die der Zolltarifentwurf gefunden hat, rn einer „gedrückten" Stimmung sich befinde und mit einiger Besorgnis der kommenden Parlamentssaison entgegensehe, der hat eine durchaus irrige Meinung. Ueberrascht mag man allenfalls an denjenigen amtlichen Stellen sein, die von einer möglichst großen Berücksichtigung der reichlich geltend gemachten Schutzzollwünsche aus den verschiedensten Interessentenkreisen das „Heil" erwarteten, d. h. Zufriedenheit und Dank, und nun wahrnehmen müssen, daß den Fordernden das Erreichte nickt genug, den Anderen aber zu vrel ist. Diese von der Aufnahme gutgemeinter Bestrebungen enttäuschlten Personen in der Regierung sind nur gering an Zahl. Im Reicheschatzamt, im Auswärtigen Amt und — wir bemerken dies, gestützt auf gute Informationen — im Reichskanzler-Palais hat man sich keiner Illusion darüber hingegeben, das; ein besonders starker Beifall den Zolltarif-Entwurf begrüßen werde. Bereits auf der Berliner Ministerkonferenz soll diese kühle Auffassung klar zu Tage getreten und ähnlich auch von den Vertretern größerer Negierungen geltend gemacht worden sein. Offenbar hat die Erwägung den Ausschlag gegeben, daß es sich um vorläufige Zollsätze handelt, und daß es schließlich Sache des Reichstags ist, das entscheidende Wort zu sprechen, hier den Zoll Zu mildern, dort zu verstärken. Vom Grafen Bülow wird vielfach angenommen, er habe eine Neigung zum Optimismus. Nichts ist verkehrter, als dies anzunehmen. Die Auffassung mag dadurch entstanden sein. Laß Graf Bülow wiederholt Gelegenheit hatte, im Parlament z. B. nach der Dampferbeschlagnahme durch England, beruhigende Erklärungen abzugeben, und bei solcher Gelegenheit manches allerdings nicht tragisch nahm, was dem großen Publikum als Symptom einer besorgniserregenden oder gar kritischen Situation erschienen war. Aber wenn ein Staatsmann in aufgeregter Zeit eine internationale Streitfrage zuversichtlich behandelt, sie in eine möglichst gute und Hoffnungen erweckende Beleuchtung rückt, so beweist das noch nicht, daß dieser Staatsmann im Innersten seines Herzens die Dinge für ganz und gar ungefährlich hält, und nicht vielmehr sehr ernstlich auch mit ungünstigen Möglichkeiten rechnet. Nur, daß eben gerade der Diplomat das Beste, was er weiß, i>en Leuten nicht sagen darf, daß er vor der Oeffentlich-keit schon deshalb gelassen und zuversichtlich erscheinen muß, um dem Auslände gegenüber die Stärke der Position darzuthun und Erörterungen abzuschneiden, die etwa als Ausdruck des Zweifels oder der Befürchtung gedeutet werden könnten. Graf Bülow ist, so wird uns von verträuenswerter Seite versichert, in seiner amtlichen Thätigkeit keineswegs Optimist. Er habe in seiner diplomatischen Laufbahn zu oft^beob- «chtet, wie auch die geschickteste, nahezu sichere Berechnung durchkreuzt wurde, und sich daran gewöhnt, auch das Un- tvahrscheinliche, das Mißlingen in Betracht zu ziehen. Die Politik ist die Kunst des Möglichen. Wenn Graf Bülow höhere landwirtschaftliche Zölle zugesagt hat, so folgt daraus noch nicht, daß er mit den Zollsätzen, wie sie im Tarifentwurf stehen, „siegen" oder „untergehen" will. Das sind einfach Vorschläge; finden sie nicht die Zustimmung der Reichstagsmehrheit, setzt etwa das Zentrum eine Ermäßigung der einen und anderen agrarischen Zollposition durch, so wird sich Graf Bülow auch damit ab- finden. In jedem Falle wäre es verfehlt, in der Aufnahme des Zolltarifentwurfs eine „Niederlage" des Grafen Bülow zu erblicken und von einer „Enttäuschung" des Reichskanzlers zu sprechen. Graf Bülow, der inzwischen wieder nach Bad Norderney zurückgereist ist, soll bei seiner Anwesenheit in Berlin keineswegs den Eindruck gemacht haben, der zu solchen Schlüssen berechtigen würde. trank zwei Schluck, und war etwas animiert. Präs.: Wann verließen Sie die Kammer? Marten: Nach 4 einhalb Uhr. Sodann begab ich mich in die Wohnung meiner Eltern in Begleitung meines Schwagers Hickel. Tie Wohnung befindet sich im ersten Stock der Kaserne der dritten Schwadron. Präs.: Wie lange hielten Sie sich bei Ihrer Mutter auf? Marten: 3—5 Minuten. Präs.: Welche Uhr war es, als Sie die Wohnung Ihrer Eltern verließen ? Marten: Es war halb fünf. Ich ging auf meine Stube. Mleüv Schwager wollte in den Stall gehen, um die Lampen zu revidieren. In der Stube traf ich Stumbries und Griegat. Sie sprachen vom Reiten. Ich sagte: Wenn ich den Gaul heute nochmals reiten sollte, muß er Farbe bekennen. Präs.: Sie sollen dabei gelächelt haben. Marten: Dessen kann ich mich nicht erinnern. Staatsanwalt, Oberkriegsgerichtsrat Meyer: Tie andere Aeußerung, der Hund soll Blut sehen, ist gefallen, aber nicht am 19., sondern nach dem Vorgang am 21. Januar. Präs.: Jawohl. Darauf werden wir noch zurück! kommen. Wohin gingen Sie dann nachher? Marten: Ich ging zu meinen Eltern zurück, um mir ein Telegraphenbuch zu holen. Dann ging ich wieder zurück, und dabei kam es mir vor, als ob ich auf dem dritten Korridor Schritte hörte. Ich sah nach, weil ich glaubte, daß sich Leute vom Dienst gedrückt hätten. Ich bemerkte aber niemanden. Auf Befragen bestreitet der Angeklagte nun, bei dieser Gelegenheit in die Nähe des Karabiners gekommen zu sein, der auf dem Korridor stand. Als ich vom Korridor zurück"kam, begegnete mir der Dragoner Bartuleit. Ich fragte ihn, ob meine Abteilung schon ritte. Präs.: Begegneten Sie nicht auch dem Dragoner Weber? Marten: Nein. Ich stand eine Weile am Korridorfenster, dann ging ich hinab. Präs.: Was für Kleidung trugen Sie? Marten: Ich hatte Mantel an, Schirmmütze und Reitstiefel. Präs.: Wann hatten Sie den Mantel angezogen? Marten: Auf der Stube. Es war naßkaltes Wetter. Marten giebt an, daß er zunächst in die Stube, dann in den Stall gegangen ist, um seinen Säbel zu holen. Er fand seinen Beritt vor, die Stände waren leer und er sah die Abteilung in der Reitbahn. Präs.: Welche Zeit war es? Marten: Nach meiner Schätzung war es gegen 4 dreiviertel Uhr. Aus Wunsch des Staatsanwalts tritt nunmehr eine Inaugenscheinnahme der in Betracht kommenden Oerilich- feiten ein. Der Angeklagte ist dabei zugegen. Das Publikum ist von dieser Besichtigung ausgeschlossen. Präs.: War Ihnen nicht vorher auf dem Korridor! Stumbries begegnet? Marten: Ja, auf dem Wege, meinen Säbel zu holen, traf ich ihn. Stumbries sagte zu mir: Wissen Sie schon das Neueste? Der Rittmeister hat sich geschossen oder erschossen. Ich erwiderte ihm: Mensch, Du bist wohl verrückt, das ist ja unmöglich. Ich ging dann weiter, zunächst auf meine Stube. Präs.: Ist es nicht wunderbar, daß Sie die Sache so kalt Hinnahmen, obschon es doch Ihr Rittmeister war, der Sie so früh zum Unteroffizier gemacht hatte? Marten: Ich habe die Geschickte nicht geglaubt. Ich ging dann in den Stall, nahm meinen Säbel und schloß den Stall, da die Pferde nicht da waren. Dann ging ich nach der Reitbahn, um zu sehen, ob die Abteilung noch reite. Unterwegs traf ich den Vizewachtmeister Schulz, der mich fragte, wo ich gewesen sei. Ich antwortete, ich hätte meinen guten Nachmittag gehabt, und auf der Packkammer Schnaps getrunken. Staatsanwalt Meyer: Es ist sehr unwahrscheinlich, daß im Stall uln 4 dreiviertel Uhr alles ruhig gewesen sein sollte. Die That war um diese 3eit schon in den Ställen bekannt. Präs.: Sagte Vize Wachtmeister Schulz Ihnen, was passiert war? Marten: Ja, als ich hineinttat, sagte Schulz, der Rittmeister sei verunglückt, er habe sich erschossen oder! geschossen. Ich fragte, ob das wahr sei. Staatsanwalt: Merkwürdig ist die Antwort, die Marten auf die Frage Ma. bau™> zweithüri» BBingbeachlägen 'her. einthürir ^CryrtaUglaa, te Fagon, k' 42 und höher, t Muschel-Aufsatz, 8 und höher. Preislagen. Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk vor dem Oberkriegsgericht. In Gumbinnen trat Donnerstag früh das Oberkriegsgericht zusammen, um in erneuter Verhandlung in der Anklage wegen Mordes über das Schicksal der beiden Angeklagten, den früheren Unteroffizier Franz Marten und den Sergeanten Gustav Hickel zu entscheiden. Die Freisprechung des im vorigen Prozeß wegen Begünsttgung Mitangeklagten Unteroffiziers Julius Domning ist rechtskräftig geworden. Dagegen erscheint Domning diesmal als Zeuge. Die Zahl der Zeugen beträgt 111 gegen 96 in der vorigen Verhandlung. Tie Sympathien der Bevölkerung sind jetzt noch lebhafter auf Seiten der Angeklagten als beim ersten Prozeß. Gegen 8 Uhr werden die Angeklagten in einem geschlossenen, dicht verhängten Wagen unter Bewachung von zwei Unteroffizieren einzeln aus dem Arresthaus nach der Kaserne übergeführt und dort bis zum Beginn der Verhandlung in zwei Jsolirzellen interniert. Den Vorsitz führt Oberstleutnant Freiherr v. Schimmelmann vom Gumbinner Füsilier-Regiment Nr. 33 (Graf Roon), demselben Regiment, das auch den Vorsitzenden des ersten Kriegsgerichts (Major v. Groeben) abgab. Als die Angeklagten im Gerichtssaal erscheinen, zeigt Hickel, öbschoi^ er blaß aussieht, ein äußerst zuversichtliches, geradezu vergnügtes Auftteten. Dagegen ist Marten, der infolge seiner Degradation Dragoneruniform trägt, finster und verschlossen. Sein Gesicht ist bleich und glattrasiert, während er bei der ersten Verhandlung einen kräftigen schwarzen Schnurrbart trug. Jeder der Angeklagten ist von zwei- Sergeanten mit geladenem Gewehr in die Mitte genommen. Marten ist diesmal ungefesselt hereingeführt. Tie Angeklagten bekennen sich beide n i ch t sch u ld i g. Der Präsident befragt hierauf die Angeklagten über die Vorgänge beim Reiten am 19. Januar. Marten: Mein Pferd wurde durch einen Schuß unruhig. Ich J&m aber nicht aus dem Gliede heraus. Ich bestreite, daß ich infolge des Tadels durch den Rittmeister erregt wurde. Ich ärgerte mich nur darüber, daß mein Pferd nicht auf den Befehl reagierte. Präs.: Was sagte der Rittmeister zu Ihnen? Marten: Scheren Sie sich herunter? Präs.: Nannte er Sie einen Clown-Reiter? Marten: Nein! Erließ mich nur absteigen und einen jungen Dragoner das Pferd reiten. Präs.: Beim Absteigen sollen Sie sehr erregt gewesen sein, und mit den Zähnen geknirscht haben. Marten: Nein, das bestreite ich. Prä s.: Nachher sollen Sie Aeußerungen ge- than haben, wie: Der soll heute noch Farbe bekennen und soll rot sehen. Marten: Diese Aeußerungen bezogen sich nicht auf den Rittmeister. Anscheinend beabsichtigt das Gericht, alles öffentlich zu verhandeln. Es kommen jetzt die Reitvorgänge zur Verhandlung, die in dem ersten Prozeß unter Ausschluß der Oesfentlichkeit besprochen wurden. Marten giebt an, daß das Pferd auch beim Reiten am 21. Januar ungehorsam war, und zwar in Gegenwart des Oberstleutnants von Winterstein, der sagte, daß ich das Pferd schlecht reite. Darauf sagte der Rittmeister von Krosigk: Schön! Das freut mich! Ich bin auch der Ansicht, daß Marten ein schlechter Reiter ist. Marten läßt sich sodann über die Vorgänge am Mordtage aus und giebt an: Ich war zum Dienst bis 4 Uhr auf die Regimentskammer abkommandiert, nachher habe ich mich dienstfrei gehalten. Präs.: Von 4 (Uhr ritt Ihre Abteilung, also begann Ihr Dienst. Marien: Ich habe das anders aufgefaßt. Präs.: Wie lange waren Sie auf der Kammer? Marien: Vor 4 Uhr kam mein1 Schwager Hickel auf die Kammer, um Mützenschirme zu holen. Vier Unteroffiziere, die auf der Kammer beschäftigt waren, tranken zusammen einen halben Liter Korn mit Kirsch. Präs.: Haben Sie viel getrunken? Marten: Ich mitBru.grrlobn; durch k Adbolcßkllrn vrrrlrljjchU. SRI. 1.90, menatl. 65 Wz Bei Pollbezug vierteljtßia. Mk. 2.00 ohne Bestell**. ■Ot »mttflen CcrwitilnR* Ikücn de« ;c» •lefeenet Anzeiger cnt^yM. Äeilenpretfl total 11 «ueeärt» SO 0f, GiehenerAnzeiger General-Anreigcr w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ;ssen: * eltersweg 71. Rosse, ,d . WM infiro» W6’*1 richt ober d. J- »»Äf- 41 Betrag ?' > l-n CJOW Keuilketon. Das Kutschkelied. Herr Stationsassistent P. Margolf von hier hat die Güte, das gestern von uns erwähnte Gedichtbändchen Hoffmann-Kutschkes uns zuzusenden. Das 213 Seiten zählende Buch trägt den Titel „Kutschkes aus- gewählte Gedichte. Ein patriotisches Liederbuch für alte und junge Krieger" und ist 1895 in Breslau erschienen. In der Einleitung erzählt der Verfasser: „Es war am 3. August 1870, Nachts zwischen 11 und 1 Uhr, als ich hinter Queichsheim bei Landau vor Weißenburg mit Kamerad Breiter, meinem vertrautsten Freunde, auf Vorposten stand. Da deutete dieser auf ein Geräusch vor uns und rief mir zu: „Was mag dort wohl ’rum> kriechen?" Und „Was kriecht dort rum? „Napoleurn", reimte ich. Ab- gilbst dichtete ich in einer Scheune daS Lied fertig in der Frühe des 4. August. Ich las es Breiter vor, viele kamen und hörten zu, schrieben es ab, und so ging es wie viele andere in die weite Welt hinaus ohne mein Zuthun. Die erste Erwähnung des Liede« in der Presse geschah durch die „Kreuzzeitung" am 14. August 1870, welche den Heldensang des Füsilier Kutschke" als das beste der vielen Lieder des Krieges 6e; zeichnete und die beiden ersten Zeilen desselben zitierte. Erst diese Noti, iimb die mitgeteilten Anfangsverse waren eS, die den Feldprediger, späteren P-räpositius (Superintendent) in Basedow bei Malchin in Mecklenburg, Hermann Alexander Pistorius, zu seinem am 16. August 1870 entstan. benen „Kutschke-Licde" angeregt - wie der Verleger der »Lieder zu Schutz und Trutz" Lipperheide im 12. Heft der Sammlung bemerkt. Daß Pistorius den Krieg nicht mitgemacht hat daß er seine Krregslieder in irnedlicher Muß-, fern vom Feuer des Feindes, hinter m Ofen gedichtet tot, daß er den Namen „Kutschke" - unter dem ich schon vor Entstehung des LiedeS bei meinen Kameraden bekannt war, — sich eigenmächtig bet, ze-legt, ist aus seinem eigenen 1871 erschienenen Büchlein: ^veSwahr- hlvftwen Kutschke Lieder und Unterhaltungen aus dem Re.chskriege" leimig, Druck von Alex. Edelmann) klar zu ersehen. Der litterarische Silreit, der durch die unbegründeten Ansprüche P'storrus' heniorgerufen wi'Mbe und heftige, ungerechte Anfeindungen gegen mich im Gefolge gehabt hat, ist eigentlich schon durch den Nachweis, daß das Piflorius'sche Lied später entstanden und Pistorius mit Kutschke nicht identisch ist, zu meinen Gunsten entschieden worden." Auf Seite 20 des BüchelchenS finden wir das Kutschke lied in folgendem Wortlaut: Was kraucht dort in dem Busch herum? (Auf Dorpostm vor Weißenburg am 3. August 1870). Was kraucht dort in dem Busch herum? Ich glaub' eS ist Napolium! Was will der alte Louis dort? Drauf Kameraden, jagt ihn fort! Er hat ja nichts dort 'rum zustehn; Er hat nichts auf uns herzusehn; Was kriecht er hier und allerort. Drauf Kameraden, jagt ihn fort; Er will mit seinen dummen Pfoten Noch orgeln und mit Chassepoten Uns niedermähen auf dem Fleck. O Louis, Louis, scheer Dich weg! — Du mit den ganzen Herren FrankenI Wir kennen Dich, Deine Gedanken; Jetzt aber machen wir Dir klar. Wie wacklich doch Dein Standpunkt war! Das Schwert in ur.fetn motFgen Händen, Woll'n wir die Sache nun mal enden, Hurrah, und drauf! und gebt den Lohn Der übermütigen grande Nation! Es finden sich in dem Buche noch mehrere Kutschkelieder, so „Kutschkes Abschied vor dem Ausmarsch (Am 28. und 29. Juli beim Abmarsch auf der Bahn gesungen)", „Kutschke als französischer Dragoner im Standquartier (Unterwegs im August 1870)", „Kutschkes Trost in Leiden (Zu St. Menges bei Sedan)", „Was Kutschke zu Paris sagt" rc. In dem gestern von uns wiedergegebenen Gleiberg- Gedichte ist übrigens ein thörichter Ulk von dem Druckfehlerteufel verübt worden. Die erste Zeile des zweiten Verses lautet selbstverständlich: „Nicht Grafen- und Edelfräulein." Noch ein Urteil über den Frack. Wir erhalten aus unserm Leserkreise folgende Zuschrift: In Ihrer gestrigen Nummer befindet sich ein Stückelchen über den Frack rc. Ich erlaube mir nun Ihnen ergebenst mein poetisches Urteil, resp. Verurteilung, des alten zudringlichen Burschen zugehen zu laffen. Der hochverehrteste Dichter des „Deutschland, Deutschland über alles m der Welt" rc., Hoffmann von Fallersleben, gab in den 40er Jahren ein prächtiges Büchlein: „Unpolitische Lieder" heraus, von denen eines dem „Unvermeidlichen" gewidmet ist. Darüber fleht: „Partus monstrosus vulgaris, diu“ und dann wird ein Artikel des „preußischen Landrechts" zitiert, also lautend: „Geburten ohne menschliche Form und Bildung haben auf Familien- und bürgerliche Rechte keine» Anspruch." — die beiden Verse lauten: ES gibt im menschlichen Geschlechte Für Mißgeburten keine Rechte, Und dennoch hat der Frack ein Recht: Wer wäre nicht des Frackes Knecht?! Wie könnt ibr je von Freiheit träumen. Wollt ihr dem Frack ein Recht einräumen? Ersahri's, wenn ihr's noch nicht erfuh't: Der Frack ist eine — Mißgeburt! (Der alte Hoffmann aus Fallersleben traf auch hier wieder, wie so oft, den Nagel auf den Kopf. D. Red.) Kes Bizewachtmeisters Schulz erteilte, wo er gewesen sei. Aus die Mitteilung, baß der Rittmeister erschossen sei, sagte er, daß, er einen guten Nachmittag gehabt habe. Verteidiger Horn: Ich weise daraus hin, daß immer nur die Rede war, Don sich geschossen oder erschossen. Marten : Vizewachtmeister Schulz lief dann fort und trug mir auf, die Abteilung in den Stall zu führen. Hierher kam nun der Unteroffizier Bunkus und sagte dasselbe zu mir. Präs.: Und trotzdem gingen Sie nicht in die Reitbahn? 'Uiarten: Ja, nachher, als dort die Schwabron antrat. Präs.: Jawohl, aber freiwillig sind Sie nicht zu der Leiche hingegangen. Marten: Es war eben immer nur die Rede davon, daß der Rittmeister sich geschossen oder erschossen habe. Präs.: Sie mußten doch aber trotzdem ein gewisses Interesse an der Sache nehmen. Staatsanwalt: Jawohl. Zudem meldete ein anderer -Dragoner Marten den Vorfall auf dem Kasernenhof. Marten: Ja, das ist richtig. Ich mochte aber die Sache absolut nicht glauben. Ich sagte nur: Du Dammelskopf! (Heiterkeit.) Präs.: Was geschah nun mit der Abteilung nach der Ermordung des Rittmeisters von Krosigk? Marten: Oberleutnant Hoffmann ließ dieselbe vor dem Stall in zwei Abteilungen antreten. Die dienstfreien Leute waren gesondert aufgestellt. Er ermahnte alle, mitzuwirken an der Ermittelung des Thäters. Nachher trat die ganze Schwadron an der Leiche des Rittmeisters an. Ich sah, daß die Leiche blutete. Präs.: Vorher hatten Sie kein Interesse daran, bis Sie wie die anderen zu der Leiche hingerufen wurden? Marten: Ich glaubte ja eben nicht, daß der Rittmeister erschossen worden sei. . Ich dachte anfänglich, es läge ein Unfall vor. Präs.: Weshalb stellten Sie sich dann aber bei der Mitteilung des Vizewachtmeisters Schulz, daß der Rittmeister sich geschossen oder erschossen habe, als ob Sie von nichts wüßten? Marten: Ich wollte mich nicht verdächtig machen und dann glaubte ich eben auch nicht an die Geschichte. Präs.: Waren Sie nicht im Besitz von Patronen? Marten: Nein, seit dem Jahre 1898 war ich überhaupt nicht aus dem Scheibenschnd. Ich war seit Oktober in Berlin, nachher aus der Telegraphenschule. Ein Beisitzer: Ich beantrage, die Vorlegung des Schießbuches des Angeklagten. Präs.: Wie war nun Ihr Verhältnis zu Ihrem Rittmeister? Marten: Ich habe mich mit meinem Rittmeister stets sehr gut gestanden. Ich bin rasch befördert, und wurde im Frühjahr nach meiner Kapitulation Gefreiter, in demselben Jahr noch Unteroffizier. Präs.: Als Sie in Berlin auf Kommando waren, sollen Sie sich auch lobend über den Rittmeister von Krosigk ausgesprochen haben. Marten: Jawohl. Ich hatte ja auch allen Grund dazu. Präs.: Der Rittmeister soll auch mehrfach seine Zufriedenheit mit Ihnen ausgesprochen haben. Marten: Ja, das ist auch der Fall gewesen. Präs.: Wenn Sie nun wirklich mit Ihrem Rittmeister so gut gestanden Haden, dann ist es mir unerklärlich, weshalb Sre nicht wie die anderen hinliefen, um sich davon zu überzeugen, was eigentlich vorgefallen war. Marten: Ich muß wiederholen, daß ich an einen Unfall keineswegs glaubte, da ich wußte, daß der Rittmeister sehr vorsichtig war. Präs.: Wie war Ihre Rekrutenvorstellung ausgefallen? Marten: Sehr gut Der Rittmeister schien äußerst zufrieden, und reichte mir die Hand. Präs.: Tas war um Weihnachten? Marten: Ja- ivohl. Präs.: Wurden Sie belohnt? Marten: Es kam häufig vor, daß der Rittmeister erst lobte, und gleich darauf tadelte. Präs.: Tas ist nun wohl auch am 19. Januar der Fall gewesen? Marten: Jawohl. Ich ritt nach dem angezogenen Vorfall das Pferd „Kadet". Der Rittmeister sagte: Marten, Sie reiten das Pferd gut. Präs.: Hat das irgend jemand gehört? Marten: Vielleicht weiß es der Wachtmeister Bnppersch Präs.: Sie haben sich ein- mal über den Rittmeister beschwert? Marten: Ja, im Jahre 1898 im Manöver. Ich diente im zweiten Jahre. Die Beschwerde betraf eine mir auferlegte Strafübung. Präs.: Wissen Sie, daß jemand nach dem Morde ausgerufen haben soll: Da liegt das Aas und fault sich ab? Marten: Das habe ich aus' der vorigen Verhandlung gehört. Präs.: .Hickel soll auch dabei gestanden und gelacht haben. Marten: Davon ist mir nichts bekannt. Hickel (einfallend): Ich muß das entschieden in Abrede stellen. Präs.: Also, Marten, Sie b estr e i t e n , de n M o r d b e- gangen zu haben, ebenso von dem Karabiner, mit dem der Mord ausgeführt wurde, irgend etwas zu wissen? Marten: Jawohl. Präs.: Weshalb entwichen Sie aus dem Arrestlokal? Marten: Ich war verzweifelt, daß ich in einen derartigen Verdacht geraten war. Präs.: Halten Sie Ihre Aussage von früher aufrecht, daß Sie willig zurückgekehrt find? Marten: Jawohl? Staatsanwalt Meyer: Ich beantrage, da ein Bild über die Fahnenflucht sehr wesentlich für die Beurteilung der Anklage erscheint, diejenigen Zeugen zu laden, die über die Begleitumstände bei der Fahnenflucht aussagen können. Es beginnt die Vernehmung des Hickel. Präs.: Hickel, bekennen Sie sich der Beihilfe an dem Morde des Rittmeisters v. Krosigk schuldig? Hickel (fest): Nein. Präs.: Sie haben auch keine Vermutung, wer die That etwa aus- geführt haben tonnte? Hickel: Nein. Wenn' ich davon wüßte, würde ich sicher nicht darüber schweigen. Präs.: Früher sollen Sie einen solchen Verdacht geäußert haben. Hickel: Jawohl, auf Grund der Angaben eines Dragoners fiel einen Augenblick mein Verdacht auf den Unteroffizier Griegat. Präs.: Was haben Sie zu der fraglichen Zeit ge- mad}t ? Hickel: Ich arbeitete in der Packkammer. Einer der Unteroffiziere, die mit mir und meinem Schwager dort zu thun hatten, sagte: Herrschaft, jetzt wolln wir mal Schnaps trinken. Es wurde darauf etwa ein halbes Liter Sch-naps heraufgeholt. Wir tranken denselben — Marten war dabei — zu Vieren aus. Etwa um halb 5 Uhr verließen wir dann die Packkammer. Ich ging darauf mit meinem Schwager zu meinen Schwiegereltern. Etwa nach einer Viertelstunde gingen wir von dort wieder fort. Draußen trennte ich mich von meinem Schwager und ging in den Stall, um die Lampen zu revidieren. Staatsanwalt Meyer: Welcher Zeitpunkt war es etwa, als Sie sich von Marten trennten? Hickel: Etwa 4 Uhr 23 Min. Im Rekrutenstall brannten schon die Lampen. Im Stall b war es aber noch stockfinster. Ich rief den Dragoner Madzik, der die Pflicht hatte, die Lampen anzuzünden. Im Stall stand, als ich kam, Domning. Präs.: .Haben Sie sich öfter um die Lampen gekümmert? Hickel: Gewiß, der Herr Rittmeister hatte mir das ja befohlen. Staatsanwalt Meyer: Der springende Punkt ist, ob der Angeklagte um 4 Uhr 30 oder um 4 Uhr 40 Min. in den b-Stall getreten ist. Es wird dies den Gegenstand eingehendster Erörterung bilden müssen. Präs.: Was geschah nun weiter? Hickel: Ich ging durch den c-d-Stall und befahl daselbst das Anzünden der Lampen. Weiter ging ich in den Rekrutenstall. Dort standen die beiden Unteroffiziere Schielat und Bunkusa in Unterhaltung mit einander. Präs.: Wann kamen Sie etwa in den Rekrutenstall? Hickel: Etwa 4 Uhr 40 Min. Wir drei plauderten. Ich schlug Schielat vor, wir wollten auf die Reitbahn gehen, um den Hebungen zuzusehen. Gleich darauf gingen wir fort. Bnnttis ging gleichfalls weg und sagte, es sei schon dreiviertel fünf Uhr. Kaurn waren wir auf dem Wege zu dem a-b-Stall, als Domning herbeigelaufen kam und uns zurief: Herrschaften, wißt Ihr denn schon das Neueste? Der Rittmeister hat sich mit feinem Revolver geschossen oder erschossen. Wir liefen sofort zur Reitbahn hin, bjf Rwrneister lag lang auf dem Erdboden. Präs.: Machte nicht jemand dabei eine häßliche Bemerkung? Hickel: Ja. Jemand rief aus: Ta liegt das Aas. Präs.: Sie sollen nun dabei gelächelt haben. Hickel: Keineswegs. Ich drehte mich um und rief: Wer war das? An der Stimme erkannte ich den Dragoner Krause. Präs.: Wie war Ihr Verhältnis zum Rittmeister v. Krosigk? Hickel: Gut! Als ich mich verheiratete, schenkte er mir ein Oelbild. Präs.: In der letzten Zeit mar das Verhältnis ein anderes? Hickel: Der Herr Rittmeister hatte mich einmal getadelt, weil ich ihn beim Reiten nicht angesehen hatte. Präs.: Nannte er Sie nicht auch dickfellig? Hickel: Dessen vermag ich mich nicht zu erinnern. Präs.: Wann schätzen Sie etwa, daß Ihnen Nachricht von dem Vorfall durch Domning zuging? Hickel: Etwa 4 Uhr 47 Min. Aus der Reitbahn befahl Oberstleutnant v. Winterfeld den dienstfreien Unteroffizieren, gesondert Aufstellung zu nehmen. Ich stellte mich zu den dienstfreien Unteroffizieren. Präs.: Wie verhielt sich Marten? Hickel: Ich sah, daß er sich zu der Gruppe der Tiensthabenden stellte. Marten: Das ist richtig. Ich war derart schmerzerfüllt beim Anblick der Leiche, daß ich den Befehl überhörte und zufällig mit den anderen zu den diensthabenden Unteroffizieren hinübertrat. Staatsanwalt Meyer: Ist es richtig, daß Sie den Unteroffizier nach der ersten Vernehmung desselben fragten, welche Angaben er über die Zeit seines Aufenthaltes im Stall gemacht habe? Hickel: Nein, die Sache verhielt sich durchaus anders. Volltische Tagesschau. Zum 2. Bürgermeister von Berlin wiederum den bei der ersten Wahl vom Kaiser nicht bestätigten Stadtrat und Reichstagsabgeordneten Kauffmann (Freis. VolkSp.) zu wählen, ist, wie der „Lokalanz." hört, die Absicht der Mehrheit der Berliner Stadtverordneten. Das war zu erwarten, doch nicht minder wahrscheinlich ist, daß Herrn Kauffmann auch bei der zweiten Wahl die Bestätigung versagt wird. Ueber die Gründe, ^weshalb die erste Wahl nicht bestätigt wurde, weiß man nur soviel, daß sie anderer als persönlicher Natur find. Ferner ist die Oeffentlichkeit offiziös belehrt worden, daß der Reichskanzler eine Bestätigung der Wahl nicht empfohlen, sondern sich in dieser Sache passiv verhalten hat. (Eine andere Version will wissen, der Kaiser habe Kauffmanns Wahl deshalb nicht bestätigt, weil letzterer mit Unterstützung der Sozialdemokraten über seinen Gegenkandidaten, den sich zur freisinnigen Vereinigung zählenden Syndikus Dr. Dove, gesiegt habe. Auch bei der Neuwahl wird nun Kauffmann ohne Zweifel wieder die sozialistischen Stimmen erhalten, selbst wenn kein Gegenkandidat aufgestellt werden sollte. Die Bürgermeisterfrage wird dem Anschein nach sobald nicht zur Ruhe kommen und vielleicht noch manche Konsequenz herbeiführen, die nicht geeignet ist, das ohnehin gespannte Verhältnis zwischen der Reichshauptstadt und hohen Stellen zu verbessern.___________________________________________ China. Aus London kommt folgende Meldung vom 15. August: Heute wurde ein Notenwechsel betreffend China veröffentlicht, der sich auf die Periode vom 1. Januar bis zum 6. April erstreckt. Diese Noten enthalten Mitteilungen über bereits bekannte Vorgänge. Die letzten Depeschen beziehen sich auf die Mandschurei. Am 5. April erschien der russische Botschaftsrat Lessar im Auswärtigen Amt und machte diesem die Mitteilung, daß Rußland die Unterhandlungen bezüglich der Mandschurei nicht weiter fortzusetzen beabsichtige. Er fügte hinzu, daß unter den derzeitigen Umstünden ein Abkommen, das die Bedingungen für die Räumung der Mand- schurei festsetze, anstatt als Beweis freundlicher Gesinnung Rußlands gegenüber China zu dienen, für China der Anlaß zu ernsten Schwierigkeiten werden könnte. Rußland habe sich daher geweigert, sich in weitere Unterhandlungen einzu- lassen und werde ruhig die weitere Entwickelung der Ereignisse abwarten. Der „Times" wird aus Schanghai telegraphiert, die Reduktion der britischen Garnison unter die Stärke der deutschen, wodurch der deutfche Kommandeur der höchste Offizier wird, erregt unter der britischen Bevölkerung die größte Erbitterung. • • Telegramme deS Gießener Anzeigers. London, 16. Aug. Der „Standard" meldet aus Tientsin vom 15. d. M.: Mitteilungen aus Niutschwang zufolge, sind die Nachrichten über Niederlagen der Russen in der Mandschurei unbegründet. Das Land ist ruhig. Die militärischen Operationen sind infolge der Ueberschwemmungen eingestellt. Die Russen errichteten an verschiedenen Punkten feste Kasernenbauten. Peking, 15. Aug. Der bisher von den französischen Truppen besetzte Ahnentempel ist gestern den Chinesen übergeben worden. Engländer und Buren. Aus Middelburg meldet das Reuterfche Bureau: Oberst Gvrringe hatte am 13. mit den unter Kruitzingers Oberbefehl stehenden Kommandanten Erasmus, Pyper und Cachet in der Nähe von Steynsburg ein Gefecht. Erasmus und E ach et wurden tätlich verwundet, viele Gefangene wurden gemacht. — Bestätigt sich diese Nachricht, dann bedeutet sie allerdings für die Buren einen sehr schweren Verlust. Aus Kapstadt wird gemeldet, bovt herrsche eine wahre Epidemie von Verbrechen. Angesehene Leute werden auf offener Straße am hellen Tage ermordet, ohne daß die Mörder gefangen würden, Einbruch und Ju- welendiebstahl sind an der Tagesordnung. Am meisten werden ausgelöhnte Soldaten beraubt, die Polizei ist machtlos; man denkt an die Einführung einer Lynchjustiz. Man ist um die Sicherheit des Herzogs und der Herzogin von Eornwall, die in Pietermaritzburg ankamen, besorgt und traf außerordentliche Schutzmaßregeln. In der letzten Sitzung der Entschädigungskommission brachte der österreichische Delegierte die Beschwerdn von 54 Oesterreichern vor, die wegen des Komplotts gegen Lord Roberts unrechtmäßig verhaftet und deportiert worden seien. Im ganzen seien bei dieser Gelegenheit 374 Personen verhaftet worden, aber es sei niemals ein Beweis dafür erbracht worden, daß das Komplott überhaupt bestanden habe. Ardaghh erwidert, den fremden Konsuln sei sofort von den Verhaftungen Mitteilung gemacht worden; sie seien benachrichtigt worden, daß diejenigen auf einen Verdacht hin Verhafteten, für deren Verhalten die Konsuln Bürgschaft übernähmen, frei- gelassen werden würden. Es sei den Konsuln jede Gelegenheit gegeben, zu Gunsten der überhaupt hierbei in Frage kommenden Personen zu intervenieren. Das schweizerische Komitee zur Hil feier st- u n g für die Witwen und Waisen der Buren, das eine aus" einem Arzt und sechs Krankenschwestern bestehende Abordnung nach den Flüchtlingslagern in Südafrika ausgerüstet hat, teilt mit, daß die Abordnung, die am 17. August sich in Southampton nach Südafrika einschiffen sollte, nicht abgehe, da das britische Kriegsministerium dis von Lord Roberts am 10. März 1901 schriftlich erteilte Erlaubnis zurückziehe unter der Begründung, daß die Lage sich seither vollständig geändert habe und daß von England selbst für die Frauen und Kinder der Buren in den Flüchtlingslagern bestenÄ g e so r g t werde. Tas schweizerische Hilfskomitee fei durch Vermittelung des Bundesrats benachrichtigt worden, daß das englische Auswärtige Amt die gewünschte Intervention chbgiltig ablehne. — Die Nachricht beleuchtet wieder den Edelmut der Engländer aufs grellste. Zuerst wird den Schweizern die Erlaubnis erteilt zur Entsendung einer Hilfsabordnung, und wenige Monate daraus, nachdem alle Vorbereitungen getroffensind und die Abordnung sich bereits in einem englischen Hafen befindet, entzogen, und zwar mit der unverschämten Behauptung, daß die Fürsorge, die von feiten der Engländer den Burenfrauen und Kindern zu teil werde, die beste sei, obwohl vor aller Welt gerade durch eine Engländerin das Gegenteil unwiderleglich nachgewiesen worden ist. Reuters Berichterstatter von Klerksdorp aber giebt, offenbar durch die Regierung veranlaßt, eine glänzende Beschreibung über die idealen Zustände des dortigen 'Surenlagert Doch eine Freundin der Miß Hobhouse, die, obwohl im Oranje-Freistaat geboren, sich als Engländerin betrachtet, sandte einen Brief, den Miß Hobhouse in den „Taily News" veröffentlicht. Ter Brief bestätigt alles, was bisher über die Behandlung der Frauen und Kinder bekannt geworden ist. Neues erfahren wir jedoch auch insofern, als die Schreiberin darüber berichtet, daß der Kommandant Major Guin- neß des öfteren die Frauen vor sein Tribunal bringt, um ihnen bestimmte Nachrichten zu entlocken, d. h. also sie zu Verräterinnen nicht allein an ihrem Lande, sondern an ihren Gatten, Vätern oder Söhnen zu machen. So wurde eine Frau Badenhorst ausgefragt, wo auf ihrer Farm ihr Mann Munition vergraben hätte. Sie antwortete^ sie wüßte nichts davon. Darauf erhielt sie 2 4 Stunden Einzelhaft, die sie im Zelte der Wache abzusitzen hatte. Gegen Abend verlangte sie nach ihren Kindern, die ihr auch gebracht wurden. Ta aber das Zelt nicht ordentlich befestigt war, so mußte sie mit ihrem Körper die Kinder vor der nächtlichen Kälte schützen. Am nächsten Morgen ging das Examen wieder vor sich und hatte fern besseres Resultat. Wiederum wurde das arme Weib zu 36 Stunden Einzelhaft verurteilt. Das ganze Verbrechen, das die Arme begangen hatte, schien das gewesen äu fein: Fran Baden- Horst hatte ihre Wäsche auf den Stacheldraht eines Zaunes zum Trocknen aufgehängt. Eine Schildwache befahl ihr, die Wäsche herunterzuuehmen, worauf sie sagte, wenn man die Wäsche dort nicht aufhängen dürfte, sollte man gefälligst für Vorrichtung im Lager sorgen. Auf dem schmutzigen Boden könnte man doch die Wäsche nicht trocknen. Der Major fühlte sich beleidigt und daher die Behandlung der Frau. Spater wurde Frau Badenhorst in ein anderes Lager gebracht, doch weiß niemand wohin. Ihr Mann war damals Gefangener in Kapstadt. Ein gewisses Pretorias wurde ebenfalls bestraft, weil er keine Information darüber geben wollte, wo Munition oergraben* war. Seine Frau, die im selben Lager war, verweigerte ebenfalls die Auskunft und wurde bestraft. Als Pretorias frei kam, war feine Frau deportiert, and er konnte nicht erfahren, wohin man sie gebracht hatte. Die Frauen im Lager wurden von Kommandant Major Gainneß aufgefordert, ihre Männer wissen zu lassen, daß man sie erschießen würde, wenn sie die Eisenbahnlinien weiter zerstören würden. Eine Frau hatte die Kühnheit, za sagen, sie würde es nicht thun, denn die Linie sei von Burengeld gebaut und konnte von ihnen auch zerstört werden, wann und wie oft sie wollten; 36 Stunden Einzelhaft brachen ihren Tro tz nicht. Als sie unter Begleitung einer Wache wieder im Lager erschien, rief sie ihren Kameradinnen lachend zu, sie leide gern für die Sache ihres Voltes. Sie hätte nichts Boses gethan. Wenn sie ein Mann wäre, so würde sie sich zu Tode schämen, Frauen und Kinder so za behandeln, wie es die Engländer thäten. Major Gainneß ließ sie ebenfalls deportieren, weil er fürchtete, daß sie die übrigen Frauen mit ihrer Kühnheit „anfteden" würde. Major Guinneß, so schließt der Brief, ist alles aiidere,nurnichthuniangegendieFrauenund Kinder. Bei feinen Verurteilungen ist die Schuld der Frauen stets erwiesen, er läßt keinen Beweis antreten oder verhört keine Zeugen. Jede ist eben schuldig, so lange fein Beweis fürs Gegenteil erbracht ist. Eine scharfe Verurteilung ließ im englischen Unterbau se Harcourt der neuesten Kitchenerschen Proklamation zu teil werden. Er führte aus: Tie in der Proklamation »um Ausdruck gebrachte Politik fei weder ehrenvoll, noch wirksam. Die Regierung habe kein Recht, dem Feinde mit Verbannung zu drohen. Tie Proklamation würde den Feind nur erbittern, aber nicht zur Unterwerfung zwingen. Mit bekanntem Stolze warf sich Chamberlain voller sittlicher Entrüstung über diese herbe Kritik in die Brust und erwiderte: Er könne seinen bereits früher abgegebenen Erklärungen hinsichtlich der Zurückziehung der Truppen nichts hinzufügen. Tie Nachricht, Kitchener kehre am 15. September zurück, entbehre jeder Begründung. 35 ouo Buren wären gefangen genommen ober hätten sich ergeben. Chamberlain bestreitet, daß die Proklamation „die Buren des Rechtes der Kriegführenden beraube. Er erklärt, die Regierung habe beim Schlüsse des Krieges das ReM, von ihrem eigenen Gebiete zu verbannen, wen fte mol*. Es gäbe eine Grenze zwischen Kriegführenden und Banditen. Wenn der Feind nicht in Trupps, sondern zu zwei oder drei durch die englischen Posten schleiche, um zu plündern und zu morden, dann sei es schwer, zu sagen, oatz diese Grenze nicht erreicht sei Tie "Politik Amerikcw auf den Philippinen, wie sie in der Proklamatton des G^ nerals McArthur zum Ausdruck gebracht sei, werde auch sicherlich die Politik der englischen Regierung fein, menn der Krieg in einen a n b 11 e n f r i e g entarte (Beifall , Die Führer ber Buren hielt die Leute im Felbe in der * Wilhekm II. und die Arpaden. Ein ungarischer „Geschichtsforscher- Stefan MichailovitS, hat herausgefunden, :>aß die Abstammung der Hohenzollern auf den ungarischen König Andreas II. zurückgeführt werden könne, und veröffentlicht nun diese genealogische Tabelle mit folgenden Begleitzeilen: Kaiser Wilhelm II hat schon wiederholt Beweise seiner Sympathien für Ungarn gegeben. Seine Besuche in Ungarn, besonders aber seine in Ofenpeft gehal- tcne Tischrede sind noch lebhaft in unser aller Erinnerung. Auch jetzt wieder war sein Beileidstelegramm anläßlich des Todes Desider Szilagyis eine kennzeichnende Bekundung da- ür, mit welcher Aufmerksamkeit der Herrscher der Deutschen die ungarländischen Ereignisse verfolgt. Die Mitglieder dcS HohenzollernhauseS hatten immer Sympathien für die Ungarn, sie waren treue Bundesgenossen unserer Könige, kämpften mit ihnen gegen den gemeinsamen Feind und nahmen einst an der Wiedereroberung Ofens teil. Die Herrscher Brandenburgs wurden durch Bande des Blutes an die Könige und Magnaten Ungarns geknüpft. Die Ahnen der Hohenzollern standen in naher Verwandtschaft zu unseren ersten Königen, sodaß die Abstammung Kaiser Wilhelms II. mehrfach bis zu Den Arpaden zurückgeführt werden kann. Namentlich aber kann seine Abstammung zurückgeführt werden bis auf die Könige Bäla III., Andreas II. und Böla IV., aus dem Hause der Arpaden. (Eine Urenkelin der heiligen Elisabeth, einer Tochter Andreas II., Elisabeth Henneberg, war nämlich die Gattin des Nürnberger Burggrafen Johann Hohenzollern, von dem Kaiser Wilhelm II. in direkter männlicher Lime abstammt; dieser ist so in 14. Linie der direkte Nachkomme Andreas II. UeberdieS kann auch noch seine Abstammung auf die Tochter Bola III., Konstantia, sowie auf die Töchter Bola IV., Ilona und Elisabeth, zurückgefühlt werden. — Im Anschluß an diesen genealogischen Rückblick kann man auch daran erinnern, daß eine Tochter des Kurfürsten Georg Wilhelm, Katharina von Brandenburg, mit dem sieben- bürgischen Fürsten Gabriel Bettlan vermählt war, und daß in unseren Museen auch zahlreiche Reliquien dieser Fürstin bewahrt werden. Deutsches Keich. Berlin, 15. Aug.' Aus Wilhelmshöhe wird gemeldet: Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute nachmittag 4 Uhr hier ein und wurden von den jüngeren kaiserlichen Kindern empfangen. Zur Begrüßung war General v. Wittich anwesend. — Im „Berl. Tagebl." lesen wir: „2Ble wir hören, sind die umfassenden AbsperrungSmatz- regeln auf dem Wege, den heute der Letchenkondukt von der Station Wildpark aus passteren wird, zum Teil auf die Anwesenheit deS König« von England zurückzuführen, in besten Begleitung mehrere englische Kriminalbeamte tn Potsdam eingetroffm sind. Auch der seit Jahren der Person König Edwards attachterte S-Hetmpolizeiches Melvay befindet sich hier in der Umgebung deS englischen Königs". — Auf die vom Fürsten zu Wied Namens des Preu- ßischen Herrenhauses anläßlich des Ablebens der Kaiserin Friedrich an den Kaiser gerichtete Beileidskundgebung ist folgende telegraphische Erwiderung eingegangen: „Euerer Durchlaucht danke ich herzlich für den warmen Ausdruck d« Teilnahme, welche Sie mir im Namen deS Herrenhauses anläßlich meine« unersetzlichen Verlustes kundgegeben haben. Ich bitte Sie, auch den Mitgliedern deS Herrenhauses meinen Dank zu übermitteln. Wilhelm R." Xelegraen# deS (Siebener Anzeigers. Paris, 16. Aug. Aus Durban wird gemeldet, daß Louis Botha sich mit 4000 Mann an der Grenze deS Zulu Landes konzentriert habe, und daß ihm der Burengeneral Cmmet täglich Verstärkungen zusühre. Die Eng- länder marschieren gegenwärtig nach der Grenze de» Zulu- landeS und man erwartet Nachrichten von einem größeren Zusammenstoß. Der Burengeneral Sruitziuger wurde bei SteynSburg von den Truppen des englischen Obersten Goringer angegriffen; die Buren mußten sich zurückziehen. Westru türmten sich schwarze Wolkenwände. Auch der nahe Altenberg bot von seinem Steinturm ein schönes Bild. Nun war auch die Gegend der unteren Lahu frei geworden, Braunfels und Dianaburg grüßten aus der Ferne, und die mächtige Rauchwolken ausstoßenden Schlote der Eisenwerke bei Wetzlar zeigten das Ziel des Marsches, zu dem wechselvolle Höhenwege durch Wald und Feld die Wanderer sührten. t Bermuthshain, 15. Aug. Von dem hiesigen Ortfl- Vorstand wurde im vorigen Jahre eine Hutweiden-Ordnung in der Gemarkung ^vor unserem Ort an der KreiS- traße nach Licheuroth zu zur Melioration beim landwirt- chaftlichen Verein vorgeschlagen, da ja bekanntlich der Staat ne Häifte dazu giebt. Die Melioration, die eine Größe on 7,7 Hektar hat, wurde denn auch unter Leitung defl Sreiflkulturtechnikerfl Kunz aus Lautetbach ausgeführt und dieses Frühjahr fertiggestellt. Die Fläche ist zu einer Jung- viehweide bestimmt worden. Gestern wurde das GraS der Fläche versteigert und dafür ein Betrag von 412 Mk. erzielt. Die Melioration hat einen Kostenaufwand von nur 2100 Mk. erfordert. Unsere Landwirte erkennen jetzt erst den Vorteil an, den sie durch die Aufbefferuvg der Hutweiden im Vogelsberg haben und zollen nun der Regierung dafür vollsten Dank. Eine weitere Fläche ist für das nächste Jahr vorgesehen. Die meliorierte Fläche ist eine Zierde für unseren Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 18. August. 11. nach TrinltattS. Gottesdienst- In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäusgeweinde DormittaaS 9*/i Uhr: Professor v. Drew«. Die Mitglieder der Vereinigung der fonfirmtetlen männ.ich n Jugend der MatthäuSgemeinde werden eingeladen, Sonnig de.. 18. August, abends 8 Uhr, zu einer Besprechung im Konfirmandensaal zuiammenzukommen. c_. - In der JohanneSttrche. Vormitt-gS 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johannesgemeind.. Vormittags 9V, Ubr: Pfarrer Euler. Nächsten Sonntag den 25. August findet im H-uptgotteSoir, st Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und JohanneSgemewde gemeinsam statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Katholische Gemeinde. SamStag den 17. August. Nachmittag» um 4V, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 18 August. 12. Sonntag na» Pfingsten. Vormittags von 6«/» Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste hell. Messe; vor und in derselben Austeilung der heil. Äommunior» „ um 8 Ubr: Die zweite heil. Mksie. „ um 9Vi Ubr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags nm 21 /» Uhr: Sakramentalische Bruderschafts-Ar dach'. Kervrifchter. • Berlin, 15. Aug. Eine Aufsehen erregende Ent deckung ist im Verlauf der Nachforschungen wegen der Massendiebstähle in der königl. Pulverfabrik zu Spandau gestern spätabends gemacht worden. Man fand nämlich am Hafelufer außerhalb der Stadt ein unterirdisches Lager von Diebeflbeute, die aufl der Fabrik herrührt. Das Versteck, das IV2 Meter unter der Erdoberfläche hergestellt war, barg große Mengen vollkommen neuen Handwerkszeuges, wie Bohrer, Feilen, Hämmer, ferner viele Rohmaterialien der verschiedensten Art, unter anderem auch zwei große Fäffer Spiritus. Die Ausräumung des Diebeslagers seitens der Polizei dauerte bis in die Nacht hinein. Die Behörde war durch anonyme Zuschriften auf dieses Versteck der Spitzbuben aufmerksam gemacht worden. Sie ist ferner auch davon in Kenntnis gesetzt, daß, als die Entdeckung der Diebstähle bekannt wurde, aus den Behausungen verschiedener Personen, auf denen ein gewiffer Verdacht der Mitthäterschaft ruhte, bedeutende Masten von Gegenständen während der Nacht fortgeschafft wurden. Man weiß noch nicht, wohin sie gebracht worden find. Bei der später erfolgten Durchsuchung der betreffenden Wohnungen ist auch nichts mehr an Diebefl- beute vorgefunden worden. Die Zahl der an den Diebstählen mittelbar oder unmittelbar beteiligten Personen steigert fich von Tag zu Tag. Bisher sind zehn Verhaftungen vorge- nommen. Die Festgenommenen sind ein Portier, drei Wächter und sechs Maschinisten, sämtlich eine Reihe von Jahren im Dienste der Pulverfabrik. • Königsberg i. Pr., 15. Aug. Beim Anstrich der Bahnsteighalle der Königlichen Ostbahn stürzten heute vor- mittag mehrere Maler aus einer Höhe von 12 Metern m t samt dem Gerüst herab. Drei Maler fielen auf die Loko- motivschiebebühne und trugen durch den Fall und daS nach- stürzende Gerüst mehr oder weniger schwere Verletzungen davon. Ein vierter Maler konnte fich im Fallen an einem Balken festhalten und wurde dadurch gerettet. Hoffnung auf eine fremde Intervention oder auf eine Aenderung in der öffentlichen Meinung Englands. Man visse, wie aussichtslos beide Erwartungen seien. Entweder würde die Proklamation den Krieg zum Ende bringen, oder wenigstens die Kolonien von Leuten befreien, die sich unversöhnlich gezeigt hätten, und die, wenn sie in den Kolonien blieben, eine dauernde Gefahr bilden würden. Chamberlain hält seine früheren Erklärungen lfinsichtlich der möglichen Verwendung der eingeborenen Truppen aufrecht und sagt: England hatte in China indische Truppen Seite an Seite mit den Truppen zivilisierter Völker. Tie indischen Truppen hätten sich nicht cüs die schlechtesten der zivilisierten gezeigt. (Beifall?) — Tas Wort Banditen krieg ist wirklich nicht so falsch, und die Weltgeschichte wird darüber au urteilen haben, welcher Seite dieser Ausdruck mit Recht zukommt. ganzen Ort. Limburg, 15. Aug. Die letzte Handelflkammersitzung beschäftigte fich fast ausschließlich mit der Zolltarif- Vorlage. Es wurde beschlossen, den offiziellen Tarif an ämtliche Kammermitglieder zu verteilen, danach eine Spezial- jeratung vorzunehmen und etwaige Wünsche dem zuständigen Ausschuß des HandelStages mitzuteilcn. Folgende Resolut on wurde angenommen: „Die Kammer erachtet ein Festhalten an der bisherigen Bertragflpolitik im Interesse defl Handels und der Industrie für notwendig. Eine Erhöhung der Zölle auf die notwendigsten Lebensrnittel würde nach Ansicht der kammer nicht nur die Interessen dieser beiden Erwerbs- tände, sondern auch den Volkswohlstand im allgemeinen zu chädigen geeignet fein, ohne der übergroßen Mehrzahl der Landwirte des hiesigen Bezirks irgendwie zu nützen.- Kaffel, 14. Aug. Wie wichtig Legitimationspapiere elbst bei einer Vergnügungsreise find, mag folgender Vor- all, der fich dieser Tage in Großalmerode zutrug, illu- trieren. AuS Frankfurt a. M. befand fich ein Bankbeamter namens Schmidt im genannten Ort, der einige Ähnlichkeit mit dem verschwundenen Generaldirektor Adolf Schmi.dt haben soll. Der letztere Umstand war es nun, welcher dem fich seines Erholungsurlaubs erfreuenden Bankbeamten Der hängnisvoll werden sollte. Die Hüter des Gesetzes hatten schon längst ein Auge auf ihn geworfen, der Verdacht ver- stärkte fich, man hielt ihn schließlich identisch mit dem Generaldirektor, und da er fich, eben infolge mangels jeglicher LegltimatiouSpapiere, auch nicht genügend ausweisen konnte, wurde er kurzerhand nach Kaffel transportiert, wo man allerdings sofort den Fehlgriff erkannte. Der harmlose Schmidt aus Frankfurt a. M., der fich in begreiflicher Entrüstung seiner Verhaftung und Transportierung widersetzte, entging mit Mühe und Not dem Schicksal, geschloffen in Kaffel seinen unfreiwilligen Einzug zu halten. Wir raten also jedermann, zumal wenn er den sonst so schönen Namen „Schmidt- haben und Bankbeamter fein sollte, sich schleunigst in den Besitz der für ihn nötigen Legitimationen zu setzen. Gensingen, 14. Aug. Nachdem in einer General Versammlung des Kreditvereins beschlossen war, daß die von Scherte! unterschlagenen 64,000 Mk. zu einem Viertel durch die Vorstands- und AuffichtflratSmitglieder im Voraus bezahlt werden sollten und jedes Vorstands- und Auffichtfl- ratsmitglied außerdem nochmals 500 Mk. aufbringen sollte, hat fich jetzt herausgestellt, daß der Vorstand (und als solcher wirtschaftete ja Schertet vielfach allein) Mitglieder aufnahm, die nicht einmal für 500 Mk. gut find. An der Frage, wie die Summe von Über 10,000 Mk., welche auf zahlungfl- unfähige Mitglieder entfalle, herbeigeschafft werden könne, scheint leider nun die angebahnte Einigung der unerquicklichen Angelegenheit zu scheitern. Dies wäre umsomehr zu beklagen, als die Mitglieder des SreditvereinS im Falle der Verhängung des Konkurses und der Anrufung richterlicher Entscheidung dann zu den 64,000 Mk. auch noch Gerichtskosten und An- waltflgebühren tragen müßten. '«6 bas1"?1* «Ä Steten T Wien ’ Ji? tk' h $5 Ä "SS erteilt» "«düng, U 1 b M 0 Einher -n bestens !ei durch " Mib ' nachdem alle dnung sich hÄen' N die 5ür= Miauen unb "ohl vor aller ^enteil un- euters Bcrichi- l durch die Rc- bung über die 's Toch eine m Oranje-Frei- sandte einen ews" veröffent- -r über die ft» t geworden ist. als die Schrei- | nt Major Guin- l nal bringt, um i d. h. alfo jie ande, sondern machen. Lo ! mo auf ihrer eie antwortete, 24stunden j rdMtzen hatte. ■ indem, die ihr • nicht or&entli* rper die Kickc lädflten MoiM tte kein besserer ! । zu 36 Stunden ! , öas bie Arme i ; (Frau M»en- 1 eines ßaunes \ ie besaht itsr, zte, wenn man sottte man ge- zen. Aus dem äsche nicht trotf« D daher die Pe- 1 Badenhorsl m niemand wohin, apstadt. Eins«'. weil er' nition vrigrakn, ,ar, veriveigrnc Als Pretorias > er konnte nttbi Sie firauen ün Aninneß ansgc- j man sie er- nwn Leiter w nheit, . iet dop. W: zerstört roexv.1 anden EinW Begleitung c ihren KmM Ms . cin Mannm^ auen und M r träten. wA -r fii* hnfteit ■Brief, tfi« 11 e^raucnuj jt die Schuld dc äZ du, s*15 l e ui" z" e Aus Stadt und Land. von allgemeinem Jntereffe sind uns stets willkommen und werden augemeffen honoriert. *• Rundschreiben an die Ortsgerichte. Die Großh. Hess. Amtsgerichte haben in Ausführung einer kürzlich vom Miuistc. rium etlaffenen Verfügung ein Rundschreiben an die OrtS- gerichte gerichtet, in dem darauf hingewiefen wird, daß diese, den neuen rechtlichen Vorschriften entsprechend, nur Grundstücke ihres Bezirkes verpachten dürfen, aber keine Vieh- handelflprotokolle, sowie andere Miet- unb Pachtverträge oder Äaufurtunben über bewegliche Sachen mehr aufnehmen können. , he. Steinbach, 15. Aug. Wir haben bereits in unserer Sonntagsnummer von bem Schabenfeuer kurze Mitteilung gemacht. Nunmehr werben uns folgenbe Einzelheiten mitgeteilt: DaS Feuer brach in ber Nacht von SamStag auf Sonntag gegen 1 Uhr in ben Scheunen beS Paulus Schäfer unb Louis Mack zu gleicher Zeit aus. Die verschiebenen Stallungen unb bie Scheune beS Ludwig Schäfer H. fingen exft später an zu brennen. Das Feuer wurde bald, hauptsächlich durch die gute Wirkung unserer beiden Gemeinde- Feuerspritzen, auf seinen Herd beschränkt. Die Pflichtseuer- wehr der Nachbar-Gemeinden Annerod, Hausen, Garbenteich und Albach kamen wohl auch noch zur Hilfe, aber erst, als ber größte Teil der Arbeit von uns bereits gethan, d. h. keine Gefahr mehr vorhanden war, daß das Feuer noch weiter um sich greife. Man glaubt, daß Brandstiftung vor liegt, doch hat man bis jetzt nicht den geringsten Anhaltspunkt entdeckt, bet zur Ermittelung bes ober ber Thäter führen könnte. Staatsanwaltschaft unb Amtsgericht haben Untersuchung eingeleitet, bis jetzt aber ohne Erfolg. e. Bad Ranheim, 15. Aug. Heute fanb im hiesigen Kur- tbeater ein einmaliges Gastspiel ber Mabame 9t 6 j an e unb der ersten Künstler beS Baubeville-TheaterS in Paris statt. Der Theaterfaal war von bem vornehmsten Badepublikum ganz besetzt, obwohl die Preise sehr hoch waren. Zuerst wurde die ziemlich langweilige Komödie „La Parisienne", die eine unbedeutende Handlung hat, gespielt unb banach ber Einakter „Solotte*. In beiben Stücken hatte Mabame R^jane bie Hauptrolle. Ihr wunbervolleS Spiel, sowie bie Leistungen beS gesamten Ensembles, fanben starken Beifall; efl würbe ein ganzer Wagen voll ber herrlichsten Blumen qefoenbet. Erst um 11 Uhr war die Vorstellung zu Ende. § Bad Nauheim, 16. Aug. Arn 31. August geht die Frist zur Bewerbung um die hiesige Kaminfeger- pelle zu Ende. Mit der Besetzung dieses Postens tritt die vom Kreisamt Friedberg befchloffene Neueinteilung de Kehrbezirke, nämlich Bad-Nauheim, Butzbach, Friedberg un Vilbel in Kraft. Friedberg, 14. Aug. Der Ausflug des „Taunusklub SBetteran“ am vorigen Sonntag war leider nicht von gutem Wetter begünstigt. Bereits in Friedberg fing es an zu regnen und beim AnSsteigen in Bieber zwang starker Platzregen zum nicht vorgesehenen Frühstück im Wirtshaus statt auf bem DünSberg. Erstiegen würbe ber Berg aber boch. Die Fernsicht war selbst vom neuen AnSfichtSturm gering; ®ut ber Blick auf bie Nebelschlachten in ben umgebenden Waldthälern bot einigen Lohn für den beschwerlichen Au - flieg. Dann ging eS auf prächtigen Waldwegen hinab und Wieder im Regen hinauf nach Hohensolms. Hier war d c Aussicht etwas besser. Die Berge deS Hinterlandes, Frauen- fterg, Amöneburg und Vogelsberg im Hintergrund vom Slei- »erg und Betzberg, lagen im Sonnenschein, nur drüben nach Mteratur, Wissenschaft und Kunst. Auf bem Zoolog en-Kon greß bildete am Donnerstag ben Gegen stund des Hauptinteresses ein B 0 r t r a g des P r 0 f. Schenk-Wien. Er führte aus: Tie Grundlage seiner Lehre sei durch Thatsachen gelegt. Schon in den 1860 ec Jahren habe er als junger Student dre ersten Versuche an niederen Tieren gemacht, von diesen sei er bann zum Menschen gelangt. Tiefe Thatsachen seren alle in seiner „Lehre der Ge s ch l e ch t s b e stli m m u n g' niedergelegt. Er sei durch seine Versuche zu dem Ergebnis gekommen, daßj die Nahrung einen großen Einfluß auf das Geschlecht habe, unb daß ein Einfluß nur ber Werbchen möglich sei. Ter Stoffwechsel, EiweißKerfall, müsse zwer bis drei Monate vor oer Konzeption und bis zum zweiten Monat der Schwangerschaft fortgesetzt herbeigeführt werden, um einen männlichen Nachkommen zu erzielen. Seine M e- thode sei eine Abmagerungskur, nicht aber unbedingt eine Entfettungskur. Bei 60 Kilogramm Körpergewicht sei ein täglicher Eiweißzerfall von 120 Gramm nötig. Dieser tömie durch jede Methode herbeigeführt werden, er (Redner) gebe gern Oaorial- oder Schilddrüsenpräparate. Unbedingt notwendig sei eine tabellarische Aufstellung des Körpergewichts. Ter Redner berief sich wiederholt auf andere Wissenschaftler, so auf den Russen Aschansky, nach dessen Theorie zum Starkwerden neigende Frauen weibliche, magere dagegen männliche Kinder hätten, ferner auch auf jüngste Experimente an Kaninchen und Meerschweinchen, bei denen durch entsprechende Behandlung männliche Nachkommen erzeugt worden wären. Mit erhobener Stimme verwahrte er sich gegen die Gerüchte, daß sein Rat von einem hohen Fürstenhause, in dem weibliche Nachkommen die Regel seien, gewünscht worden wäre; er habe niemals mit _ diesem Hause in Verbindung gestanden. Auch die Unterstellung, daß er mit einer Wiener Choko laden-Firma, die sein Bild ihren Fabrikaten beilege, Geschäfte mache, wies er energisch zurück. Er würde kein Opfer scheuen, seine Theorie zur festen, unantaftbaren Thutsache zu machen, und wenn er auch an der Straßenecke dermaleinst sein Brot erbetteln müsse, er hätte dann wenigstens für seine Ueberzeugung gelebt und gelitten. — Applaus lohnte die Ausführungen, an die sich eine Debatte) von 1 einhalb Stunden schloß«. Die 30 Fälle, in denen die Methode Schenk mit einer Ausnahme ! erfolgreich angewandt wurde, erkannte man allseitig als T hat fache an, verlangte jedoch von Prof. Schenk, der sachlich und ruhig auf alle Einwände antwortete, die Aufstellung einer Theorie seiner Methode, schenk selbst erkannte au, daß dies der vorläufige Mangel ferner durchaus noch nicht abgeschlossenen Versuche sei, die die Erfahrungen langer Jahre und zahlreicher anderer Forscher zusammengefaßt hätten. Er dankte für das ihm bewiesene rege Interesse, und bat um Mitteilung jeder etwa wichtig erscheinenden Kenntnis. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Rrligionsgemeinde. SRmstag den 17. August 1901. Vorabend 7" Uhr, morgen« 8« Uhr, nachmittag« 4 Uhr. Sabbath- auSgang 835 Uhr. GEesdinlst ter i-raelUischen Keligionsgefellschast. «amslag de« 17. August 1901. Freitag abend« 71» Uhr, SamStag vormittag« 8 Uhr, nach- v'.'tiag« 4 Uhr, S bbatbauSgang S»6 Ubr. Wochengottesdienst: morgens 6* Uhr, abends 7 Uhr. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. 8 Butzbach, 16. Aug. Der gestrige Schweinemakt zeigte eine ziemliche Auffahrt junger Tiere und flotten Handel bei guten Preisen. Es kosteten da« Paar Ferkel durchschnittlich 40 Mk. und L2ufer je nach QualttLt 90 bis 120 Mk. das Stück. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen -leiben unberücksichtigt.) A. H in W. Dieffevbachs „Kinderlieber" find in 1. Auflage 1852, in 2. Auflage 1868 tn Mainz erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen- E. M. 1« E. Magen-und Nervenkrankheiten behandeln von den der medizinischen Fakultät unserer Universität angehörenden Prosefforen @ef". Mcd.'Rat Dr. Riegel, Dr. Sommer und Dr. Sticker. Oerichtssaal. Lemberg, 15. Aug. Das Militärgericht verurteilte den Hauptmann Finke vom 58. Inf.-Regt., der seinerzeit den Soziattftenführer Dr. Liebermann aus der Straße thätlich insultierte, zur Degradation und 14täcitaem Arrest. Neueste Meldungen. Berlin, 16. Aug. Gestern abend fand im Zoologischen Garten ein Festdiner anläßlich des internationalen Zoologen- f ongresses statt. Unterrichtsminister Studt brachte das Hoch aus den Kaiser, die fremden Souveräne und Regierungen aus, die Vertreter entsandt hatten. Namens der fremdländischen Delegierten dankte Professor Perrier-Paris. — Den Morgenblättern zufolge bedachte die Kaiserin Friedrich das Leibhusaren Regiment in Posen, dessen Chef sie war, im Testament mit Zuwendungen. London, 16. Aug. Die gestern von Chamberlain im Unterhause erwähnte Proklamation des Generals Mac Arthur gab den PhilivinoS bekannt, daß, da es eine Regierung de facto ntchtMehr gebe, jeder^Philipino, der nach einem be stimmten Zeitpunkte einen amerikanischen Soldaten töten sollte, als Mör. er angesehen würde. MWarten m jcoer beliebigen Schriftart und Karton« sorte, sowie mit Zirkeln aller studentischen Vereinigungen, liefert zu mäßigen Preisen Srühl'sche Universitäts-Druckerei, Schulftratze 71 Telephomscher Kursbericht. ••/» % Reichecilethe . 8 o/a do 81/| •/□ Koneela . . , 8 o/3 do ... 8»/- Heesea . . . 5 % Italien, Rente . . 4»/o Chriech. Morop.-AnL Frankfurt. den 16. . 100.25 . 91.00 3100 80 . 91.05 . 98.10 . 97.60 43.50 Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handolsgee. Oesterr. Stae.fsbahn G-otthardbahn . . August . . 203.0» . . 17510 . . 120.60 . . 13140 . . 138.80 . . 137.10 . . 153.00 8 0/0 Portugiesen . . . 25.80 8 3/o Mexikaner «... 26.10 4Vb*/o Chinesen . . . . 83 20 Laurahütte .....184 50 Bochum ...... 16920 Harpener...... 156 00 Tendenz fest. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießer». Höchste Temperatur am 14.—15. August 4- 24.2° C. Niedrigste „ „ , „ + 9.9° C. August Barometer auf 00 reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit E 3 •e *£ l Windstärke Wetter 15. 9« 744,1 + 15,4 11,5 88 w. 1 Ded. Himmel 16. 7« 746 9 -4- 15,0 11,4 90 w. i 16. 2U 748,9 + 19,9 11,3 65 NW. 1 w Giessen, den 16. August 1901. 5622 Die Beerdigung findet Samstag den 17. August, vormittags 9 Uhr, vom Sterbehause, Dammstrasse 41, aus statt. Todes-Anzeige. Gestern abend 7 Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Urgrossmutter und Tante Frau Margarethe Lony geb. Dörr was wir teilnehmenden Freunden und Bekannten tiefbetrübt mitteilen. Im Namen der Hinterbliebenen: Betty Vaeth, geb. Lony. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Anteilnahme an unserem schweren Verluste sagen wir auf diesem Wege innigen Dank. Familie Kraft. Giessen (Neuenweg 46), den 16 August 1901. 5619 Der Vorstand. 5621 Die Beerdigung de« ver- storbenen Kameraden T Peter König findet Samstag den 17. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von den Neuen Kliniken aus statt. Zusammenkunft bei Wirt Otto, Klinikstraße. Aauer'scher Gesangverein. Wir-erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Hinschetden unseres langjährigen SangeSbruderS Herrn Peter König geziemend in Kenntnis zu setzen. 5618 Die Beerdigung findet SamStag den 17. August, nachmittags 5 Uhr, von den Neuen Kliniken auS statt. Zusammenkunft der aktiven Mitglieder 3«/, Uhr im Postkeller. Der Vorstand. U Nene Kartoffeln, prima Ware, vorzügk. Hcfchmacft, versandet 50 Kiko huf. 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