kn«en »ioh« ° l?Tn7 Mt ' ’Nte ' • U4|q ' ‘ 3Oto l6$U) ' 1 87,3o • . '. ']j87i • . 1 5800 . . * 83 50 . . ' * l«8 00 ‘ • 165.25 Detter Himmel ' 2‘*C. ■ 11.5» c. ^beil gesucht. Ü^Tchwalb. EchttgU lim-Aklm '"tri« «esutl. -^tdCidoti^ Ier 5807 bursche ftUttiütj L Wich oljn tiu bauttnb J. WeheL nÄw^n-.-iMst ÄHW ann-u. Delikatesse rlsbald. Eintritt ge i der Erved. 55X ^Dolkenaoff^z «KiMsl r fränfliditn alten läffittMMMMi, tann unb £>aui> it. Offerten abw Pm Gtchdaum, t Tr. k»M WKnts Aanderel -tttag -dtpv- , solvir b1 ffltl fiaben?J auch erteilt eing«M JC- gLm 551) 12, amjreuv’ lÄWfi it, findet •b. gamdte^ ’• ,n in zu verpachtet», i'/r Morgen, an der Mcr Martin kchML rünberaerftraie lf 1,10« t stShauS gesucht 5M 50 an he Hpedilien 'M XaMbrfeftel an ft rrurbe im potri rohhut »ttUttW im W- TM ftttauW Wtlrr- KM« Mm. 19g «rfteS Blatt. 151. Jahrgang Samstag 17. August 1901 Medaktion, Expedition und Meuterei: Schulstrahe 7. Adresse für Tcpescheur Anzeiger Sichen. FernsprechanschlußNr.bl. vezugspreir vierteljährl.1 Mk. 2.20, mnnatl. 75 Pfa. mitSrinqcrlofm; durch die Abholesl.llen vienetjährl. Ml. 1.90, monatl. 65 Psg. et Postbezug vicrteljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. «INe Slnzeiycn-DermuUungV» .cll n drö In» und 2tu6ianbe< cl,mcn Änzrigen für der» Siebener Anzriqcr entgegen.^ Jeilcnprti5. lokal 12 VffM auswärts 20 Psg. Erscheint täglich mit Lusnahme deS Montags. Wie Gießener Zamilien- blätter werden dein Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Bcnbroirt" und „Blätter für Hess. Volkskunde" viermal wöchentlich beigclcgt. Annahme »on Hnxeigen p der nachmittags für den folgenden Tag erlchelnenden llemmtr bi» Bonn, io Nhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger " '**' Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Amtlicher Fell. Bekanntmachung. Betr.: Schießübungen. 68 wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 am 19., 20., 21., 22., 23. und 24. I. Mts. auf den Hohen hart nördlich Wißmar ein Schießen mit scharfer Munition mit der Schießrichtung nach Norden nnd Westen abhalten wird. Der Geländeabschnitt: Wißmar, Ruttershausen, Ldeuhausen, Salzböden, Schmelz Forsthaus Waldhaus, Fellingshausen, Krof- Horf und Wißmar darf daher an den obengenannten Tagen von 6 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags nicht betreten werden, insbesondere nicht die Straßen Wißmar—Ruttershausen, Forst- Haus Waldhaus-Krofdorf. Die Straßen Ruttershausen—Odenhansen—Salzböden— Schmelz—Forsthaus WaldhauS und Fellingshausen—Krofdorf Hub dagegen für den Verkehr frei. An den wichtigsten Straßen, welche in das gefährdete Gelände führen, werden vom Regiment Posten ausgestellt werden. Es wird noch besonders darauf hingewiesen, daß sich keine Wald- und Wegearbeiter, sowie Halzsammler in dem gefährdeten Gelände aufhalten dürfen. Gießen, den 15. August 1901. Großyerzogliches Kreisarnt Gießen. .v Bechtold. Bekanntmachung. In dem Gehöfte des Geflügelhändlers Johannes Wörner II. zu Wetterfeld, Kreis Schotten, ist die Geflügelcholera amtlich festgestellt und Gehöftsperre augeordnet worden. Gießen, den 15. August 1901. Großherzogliches Kreis amt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung, Gelegentlich des Viehmarktes zu Grüuberg am 22. August d. I. wird zum Zweck der Ankörung eine öffentliche Faselschau durch die Körkommission von 11 Uhr ab abgehalten werden. ES werden nur fprungfähige Bullen Vogelsberger und Simmenthaler Raste berücksichtigt; sie müssen sicher gefesselt fein und dürfen vor 10 Uhr nicht auf getrieben werden. Gießen, den 8. August 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. B.: Boeckmann. Bekanntmachung. Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 21. August b. I. in Wetzlar anstehenden DiehmarkteS an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine den Markt in Leun betreffende Bekanntmachung in Nr. 42 deS KreiSblatteS von 1901 veröffentlicht worden sind. Der Auftrieb beginnt um 8 Uhr vormittags. Aus der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen darf Rindvieh nicht aufgetrieben werden. Wetzlar, den 10. August 1901. Der Königliche Landrat. I. V.: Nasse. Die „Weltkanal"-Jllufion. Als der amerikanische Senat im Frühjahr 1899 die Nicaragua-Kanal-Bill genehmigte, nach der die Verbindung zwischen Atlantic und Pacific mit amerikanischem Gelde — Gesamtkosten 800 Millionen Mark — und unter amerikanischer Oberhoheit hergestellt werden soll, hieß es allgemein, eine neue Aera des Welthandels sei eingeleitet. Mittlerweile hat sich die Begeisterung abgekühlt; die Auseinandersetzungen zwischen Washington und London über die Giltigkeit des Clayton-Bulwer-Vertrags — der den Briten die Mitaufficht über den Kanal zuerkennt — tzogen sich in die Länge, sodaß .die Angelegenheit geraume Zeit hindurch nicht vom Fleck lam. Diese politische Seite der Sache soll hier unerörtert bleiben. Tie militärische Beherrschung des Kanals in Kriegszeiten durch Amerika würde sich schließlich nicht hindern lassen, mag die Neutralität, die freie Benutzung der Wasserstraße zu allen Zeiten, auch vertragsmäßig vereinbart sein. Aktueller und bedeutungsvoller ist die w i r t s ch a f t - liche Seite der Sache. Teutschland bereitet die Erneuerung seiner Handelsverträge vor, und da ist der Wunsch nicht unberechtigt, es möge durch diese Verträge verhindert werden, daß Amerika durch eine einseitige Zoll- und Tarifpolitik den deutschen Handel, auch soweit er sich auf den: Wege des transozeanischen Kanals vollziehen wird, schädigt oder gar ausschließt. Andererseits aber herrschen vielfach so übertriebene Vorstellungen von der Bedeutung dieses Kanals für den deutschen Ueberseehandel, daß eine kurze Beleuchtung der thatsächlichen Verhältnisse angezeigt erscheint. Von vornherein sei festgestellt, daß die Annahme, der Nicaraguakanal werde den Wert des Suezkanals für den Welthandel vermindern, unbegründet ist. Der Weg von europäischen, also auch von deutschen Häfen nach dem gesamten asiatisch-australischen Wirtschaftsgebiet wird durch den Suezkanal näher sein als bei Benutzung des amerikanischen Isthmus. Teutschland würde allerdings, da die Errichtung einer deutschen Tampferlinie von Yokohama nach San Franzisko beschlossene Sache ist, in die Lage kommen, einen Teil seines Handels mit Ostasien durch den amerikanischen Kanal zu leiten. Ist auch dadurch zeitlich nichts gewonnen, so erschließt sich" doch der Handelsschiff- sahrt ein neuer Weg. Ihn werden ja in der Hauptsache Frachtdampfer befahren, da der Personenverkehr sich nach wie vor auf den den nordamerikanischen Kontinent durchkreuzenden Eisenbahnen abwickeln dürfte. Verringert wird durch den Nicaraguakanal lediglich die Entfernung zwischen Europa und den Häfen der Westküste Amerikas, da der Umweg nm Kap Horn in Zukunft wegfällt. Im Handel mit den Häfen dieser Käste steht Teutschland allerdings obenan, aber der .Handel ist der geographischen Verhältnisse jener Küstengebiete wegen einer bedeutenden Ausdehnung nicht fähig. Ter Nicaraguakanal wird also alles in allem den unmittelbarsten und weitaus größten Vorteil lediglich den Amerikanern s e l b st bringen. Turch den kurzen und billigen Seeweg erschließt sich dem Südostzen der Union das ganze Staatengebiet an der Pacificküste, wird ihm das australische und ostasiatische Absatzgebiet näher gerückt. Die Folge ist, daß die Nationen Europas nach Fertigstellung des Nicaraguakanals sich her verstärkten Konkurrenz ber bereinigten Staaten auf dem Weltmarkt gegenübersehen werden. So liegen die Tinge in Wirklichkeit. Sich für den Bau pes Nicaraguakanals besonders zu erwärmen, hat Europa mithin keine Veranlassung. Valitische Tagesschau. Die Ausweisung des Herrn Wolf v. Schierbrand hat einem der bösesten Hetzer der „American associated preß" den Mund gestopft. Schierbrand ist ge- borener Deutscher und auf seinen Visitenkarten nennt er fad-1 „Reserveoffizier a. D.", i,c aber amerikanischer Bürger geworden uird glaubte sich selber am besten damit zu dienen, ioemt er die^amerikanische Presse von Berlin aus mit den gröblichsten Schmähungen seines alten Vaterlandes versorgte. Der Fall, daß deutsche Renegaten gegen ihr Vaterland Stellung nehmen, ist leider gerade in den Vereinigten Staaten nickft vereinzelt. Eine Spczialttät der Schierbrandschen Berichtersrattung war die Fruktifizicrung der englisch-amerikanischeit Lügenmeldungen über die angeblichen Zerwürfnisse zwischen dem amerikanischen Kommodore Deweh und dem deutschen Admiral v. Tiedcrick>s in Manila. Solche Zerwürfnisse haben bekanntlich überhaupt nicht bestanden. Es hat nur einen an sich unbedeutenden Zwischenfall oder ein Mißverständnis gegeben, worüber ein Meinungsaustausch zwischen den beiden 'Admiralen stattgefunden hat. Damit war die Angelegenheit beigelegt, und seither haben zwischen den beiden Geschwa- dern die freundschaftlichen Beziehungen bestanden. In den Berliner Telegrammen der „Associated Preß" aber fanden die englisch^amerikanischen Lügenmeldungen regelmäßig ein bestätigendes Echo, und das sogar noch zu einer Zeit, wo die ganze Sache schon zu den „Ollen Kamellen" gehörte. Es ist für uns Deutsche beschämend, daß auch die Entstehung der Tewey-Tiederichs-Lügen in der Haupt- sack)e auf einen deutschen Renegaten zurückzuführen ist. Der „Hann. Eour." ist in der Lage, darüber folgenden authentischen Aufschluß zu geben: Die Tewey-Diederichs-Lügen stammten fast ausnahmslos aus Hongkong; mit Reckst sprach man damals zutreffend von der „Hongkonger Lügenfabrik". Ter Sitz dieser Lügenfabrit aber war das Konsulat der Vereinigten Staaten in Hongkong. Der Konsul aber, der es damals verwaltete, war ein geborener Deutscher, Konsul Williams. Dieser Williams heißt eigentlich Wilhelm, Willemsen oder so ähnlich; er stammt aus der Provinz Westfalen und war ursprünglich ein seminaristisch gebildetes Lehrer. Nach Nordamerika ausgewandert, warf er sich u. a. auch auf das politische Geschäft, und in der Wahlkampagne, aus der Mac Kinley zum ersten Male als Sieger hervorging, gelang es ihm, sich um die republikanische Partei- sack)e „Verdienste" zu erwerben, für die er nach amerikanischen Begriffen eine Belohnung verlangen durfte, die er auch erhielt. Seinen Namen hatte er längst anglisiert. Man gab ihm das Konsulat in Hongkong, das damals (1897) verhältnismäßig unbedeutend war, aber mit dem Ausbruch des spanisch-amerikanischen Krieges, insbesondere durch die Eröffnung der Feindseligkeiten vor Manila, große Bedeutung gewann. Konsul Williams nutzte diese Lage lukrativ aus und entfaltete eine umfassende Berichterstattung für nordamerikanische, vielleicht auch für englische Blätter. In Newhorker Zeitungen veröffentlichte er mit einem Pseudonym gezeichnete Depeschen, in denen der deutschf-amerikanische Konflikt in Manila breitgetreten wurde. Die Spezialität des Konsuls Williams waren fingierte Interviews mit Dewey, irr denen der Faden der Lügen mit Erfolg fortaesponnen wurde. Es ist noch in aller Erinnerung, daß. diese Meldungen in die ganze Welt telegraphiert wurden und besonders in England ein dankbares Echo fanden. Der Ehrenmann ist jetzt nicht mehr Konsul in Hongkong. Er belastete sein Konto noch mit anderen, geradezu einzig dastehenden Vertrauensbrüchen, die der Regierung in Washington nicht verborgen bleiben konnten. Tie Folge war, daß nach Ablauf seiner vierjährigen Amtsperiode seine Bestallung als Konsul in Hongkong einfach nicht erneuert wurde. Er ist aus Hongkong verschwunden und hat als Berichterstatter in China sein Glück versucht, ist auch in Peking aufgetaucht, hat jedoch von dort aus wenig von sich reden gemacht. Feuilleton. Ukaudereicn aus der Kaiserstadt. Berlin in Trauer — Der Wellenschlag um die Spielverbote. Vom Zoologen-Kongretz. Tas sommerliche Berlin ist plötzlich von einem düsteren Schatten überlagert worden; die zu Zeiten gar zu heitere Physiognomie der raschlebigen und leichtlebigen Weltstadt legte sich auf ein paar Wochen in ernstze Falten; die Theater mußten eine reichliche Pause machen; die Konzert- L-irigenten legten den Kommandostäb aus^ etliche Zeit aus den Händen, und die parfümdurchfluteten Tempel der Tanz- lustz in Halensee und anderen fröhlichen Stätten blieben geschlossen. Natürlich erscheinen diese rein äußerlichen Zeichen der Trauer dem einen weniger notwendig wie dem anderen, und die halblaute Debatte, die darüber geführt lvird, gehört nicht gerade zu dem Erquicklichsten, was sich Berliner Zeitungen leisten. Um so erfreulicher wirkt die innerliche Beteiligung des Berliners an dem traurigen Ereignis, das sein Königshaus betroffen. T-enn die Heimgegangene Fürstin war in vielen Schichten des Volkes beliebt durch die feinsinnige Forderung, die sie den verschieden- Trtigstzen Ideen auf dem weiten Gebiet der Frauenbe- ivequng, der Krankenpflege und nicht zuletzt der Kinder- euziehung durch viele Jähre batte angedeihen lassen. Ihr jckhmerzumdüstertes Ende hat dazu beigetragen, diese Sym- vcathien noch zu erhöhen, und neben ihrem vorangegangenen 5>emahl, Kaiser Friedlich, wird ihr im Herzen des deut- icHen Bürgertums ein dankbares Gedenken bleiben. Ter gssteigerte Besuch des Monbijou-Museums, in dem Erinnerungen an Brandenburgs und!Preußens edle Fürstinnen gepflegt werden, gab in diesen Tagen dafür einen kleinen Beweis. Sonst bilden hier die deni alten Kaiser Wilhelm und die der Königin Luise gewidmeten Zimmer die Hauptanziehungspunkte. Jetzt drängt alles ins achte Zimmer, wo die Erinnerungen an die grüne und goldene Hochzeit der Heimgegangenen aufbewahrt liegen. Ta der Abschluß aller nicht zum Hof gehöriger Kreise in Potsdam während der Beisetzungsfeierlichkeiten streng durchgeführt werden mußte, pilgerte manch trauernder Verehrer in dieses ursprünglich für die Gräfin Wartenberg erbaute, später zur Residenz der Königin Friederike, der Gemahlin des Soldatenkönigs, erweiterte Schlößchen im sogenannten Spandauer Viertel. Tie Erörterungen über die Notwendigkeit der Aufführungsverbote werden, nachdem der irdische Teil der großherzigen Toten seine letzte Ruhestätte geflrnden hat, zweifellos wieder ausgenommen werden; hoffentlich mit mehr Leidenschaftslosigkeit wie bisher, da ein Erfolg für künftige Fälle dann um so eher erwartet werden kann. Taß durch die ziemliche lange Pause im Verdienst viele der betroffenen Musikerfamilien, die aus der Hand in den Mund leben müssen, hart betroffen worden sind, wird man arf zuständiger Stelle gern zugeben und in Zukunft durch die Wahl anderer Grenzen gern zu vermeiden suchen. Tenn die Noblesse der Leitung des „Deutschen Theaters", die auf Grund der Spielpause keine Gagenabzüge gemacht hat, kann nicht jeder Tirektor oder Unternehmer nachahmen, selbst wenn ihm der gute Wille dazu in der Seele wohnte! Der angebliche Ersatz, den die Musiker durch Uebernahme von Kellner-Aushilfen am „schwarzen Sonntag" gehabt haben sollen, trifft nur einen winzigen Prozentteil der ganzen Gilde, und fällt praktisch gar nicht ins Gewicht. Die schnell arrangierten Feuerwerke spekulativer Vorortswirte, deren Inszenierungen nicht ausdrücklich verboten waren, kennzeichnen sich bei der allgemeinen Lage der Tinge als eine grobe Geschmacklosigkeit, die manch einem trotz seiner angeborenen Berliner Opposition gegen Polizei-Maßregeln schwer verstimmt hat. In der Selbstzucht haben wirs eben noch immer nicht allzuweit gebracht; freilich fehlt auch zu oft die Gelegenheit zur Bethätigung! In aller Stille ist in diesen trüben Tagen auch ein .Kongreß in der Reichs Hauptstadt zusammengetreten, ^r sonst gewiß im festlichen Rahmen, wie ihn das gastliche Berlin gern bietet, eröffnet worden wäre. Zu diesem Kongreß, der die Zoologen aller Kulturstaaten an die Spree geführt hat, liegen auch Anmeldungen gekrönter Häupter vor; der König'von Portugal sowie Fürst Ferdinand von Bulgarien werden an einzelnen Sitzungen teilnehmen; auch Albert von Monaco, der seltsamerweise nicht über die Schafe und Esel, denen er seine Rieseneinkünste verdankt, sondern über die Bewohner der Meerestiefe, Forschungen veranstaltet hat, will nicht fehlen. Bei afl der Wissenschaftlichkeit und dem echten Ernst des Gelehrten, die diesem Beherrscher des größten Raubstaates der Erde nachgerühmt werden, wird man doch das Gefühl nicht los, daß er vor allen mikroskopischen Großthaten in seinem Ländchen endlich reine t8ahn machen müsse! So lange wird er trotz aller Beweihräucherungen mit oder «ohne Bildnis im Kreise der ernsten Gelehrten, die Heuer im Wallotbau tagen, nicht ganz ebenbürtig sein. A. R- I" dem Beileidstelegramm, das der deutsche Reichskanzler Graf i). Bülow au die Gattin Crispis gerichtet hat, wird mit Fug und Recht hervorgehoben, Deutsclstand schliche sich von Herzen der Trauer Italiens an und werde dem hervorragenden Staatsmanne, dem opferwilligen Patrioten ein treues Andenken bewahren. Tas; auch Italiener unmittelbar nacl) dem Hinscheiden eines ihrer großen Männer, der in der Geschichte nächst Cavour und Garibaldi als hervorragender Förderer der Einheit Italiens unter den Auspizien des Königs Viktor Emanuel II. genannt werden wird, das Andenken einer Persönlichkeit wie Crispi lästern, beweist nur, wie verblendet einzelne Parteien in ihrer Leidenschaft und in ihrem Haise sind. Tie französische Presse haßt in Crispi vor allem den unwandelbar treuen Freund Teutschlauds, den zuverlässigen Anhänger des Bündnisses zwischen Italien und Deutschland. Tie Nekrologe der französischen Blätter für Crispi lauten, wie nicht anders zu erwarten war, sehr ungünstig. Man wirft ihm seinen Gallierhaß vor, durch den er angeblich das Unglück seines Landes herbeigeführt habe. Während aber die republikani scheu Blätter anerkennen, daß seit dem Rücktritte Crispis die italienische Politik Frankreich mehr befriedige, bezeichnet es der monarchistische „Soleil" als eine Illusion, an das Ende des italienischen Misogallismus zu glauben. Sein Chefredakteur Baragnon sagt darüber: „Tie Wahrheit ist eine ganz andere. Mit dem jungen König ViLtor Emanuel ist der eingefleischteste, bitterste Feind Frankreichs auf den Thron gestiegen. Ein deutscher Offizier, der den damaligen Prinzen von Neapel zur Truppenschau von Meß begleitete, hat seine Unterhaltungen ausgeschrieben, wo der Franzosenhaß mindestens so stark zum Ausdruck kam, wie in den Unterhaltungen von Bismarck mit Busch. Tie Seele des alten sizilianischen Briganten ist in den jungen König übergegangen." D-ie unglaublich rohe Sprache zeigt, wie royalistische Organe in Frankreich sogar den jungen König Wiktor Emanuel III. behandeln. x Die Centralstelle für Obstverwertung und das Obstmarktkomitee in Frankfurt a. M. Am 13. Juli fand tm „Palmengarten" zu Frankfurt am Main eine Sitzung des Komitees statt, in der Kouigl. Gartenbaudirektor Siebert für den erkrankten Vorsitzenden Harry Franck einen Rückblick auf die 10jährige Thätigkeit der Zeutralstelle und des Obskmarkt-Komitees gab. Wir heben aus dem Bericht über die Sitzung, der uns kürzlich zuging, folgendes hervor: Tie zunehmende Einfuhr ausländischem Obstes und die damit zusammenhängende schwierige rentable Verwertung der einheimischen Obsterzcugnisse veranlaßte auf Anregung des Landwirtschaftlichen Ministeriums in Berlin den Vorstand des deutschen Pomologeuvereins, der Frage näher zu treten, auf welche Weise dieser unberecheubareu Schädigung des deutschen Obstbaues e u t g e g e n z u t r e t e n sei. ES sollte» Mittel und Wege gefunden werden, die deutschen Obsterzeugnisse nutzbringend zu verwerten, indem man 1) dem Züchter Gelegenheit zu einem vorteilhaften Verkauf seiner Produkte gab, uud 2) dem Abnehmer Garantie für gute Ware sicherte. Zur Beratung über diese Punkte wurde vou dem deutschen Pomologenverein eine Sl o m missio n eingesetzt. Als Hauptpunkte für die Thätig- feit der Kommission wurden festgesetzt, daß bei allen Interessenten uud Korporationen das Verständnis für den Obstbau gehoben werden müsse, und eine Hebung des Obsthandels durch Einführung geregelter Obstmärkte herbeizuführen sei. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten, die sich der Ausführung dieser beiden Punkte entgegenstellten, wurde der Beschluß gefaßt, in Berlin, Frankfurt a. M. und Hamburg eineu solchen Obstmarkt ins Leben zu rufen. Tie mit der Ausführung dieses Beschlusses für Frankfurt be trauten Herren setzten sich mit der Gartenbau-Gesellschaft iii Frankfurt a. M. in Verbindung, die 1891 eine Versa mm lung von Interessenten zu weiteren Verhandlungen ein lud, diese führte zur Bildung eines provisorischen Komitees. Man kam überein, daß an diesen Beratungen vor alleni auch die darau interessierten Behörden, Korporationen uud sonstige Herren teilnehmen sollten, worauf sich die Obst- bauveretuc in Homburg v. d. H., Friedberg bezw. in Oberhessen, Gelnhausen, Odenwald, Rheinhessen und Rheingau zur Mitarbeit bereit erklärten. Es wurde auf Grund der Marktordnung des deutschen Porno- logenvereius eine Marktordnung festgcstellt uud beschlossen, den ersten Obstmarkt in Frankfurt a. 'M. am 14. September 1891 abzuhalten. Die städtischen Behörden stellten dazu die Stadthalle zur Verfügung. Ter Erfolg war ein guter. Leider war die Beschickung mit Wirtsclmftsobst nicht reichhaltig, sodaß ein zweiter -Obstmarkt auf den 30. September 1891 anberaumt wurde. Aber das Komitee blieb nicht bei diesen Obskmürkten stehen, sondern beschloß in einer am 18. März 1893 ab gehalten en Sitzung die Gründung einer „Z e n t r a l st e l l e für -Ob stverwertun g", welche den Ein- und Verkauf vou. Obst für ganz Deutschland ständig und zwar unentgeltlich vermitteln sollte. Zu diesem Zweck wurde ein eigenes Bureau errichtet, das seit Anfang Mai 1893 in Thätigkeit ist. Diese Zentralstelle hat sich als eine außerordentlich segensreich wirkend' Einrichtung erwiesen. Während 1891 die Gesamt-Angebote bei der Zentralstelle 85162 Kg. betrugen, die Nachfrage bei der Zentralstelle fehlte, der Umsatz auf den Obstmärkten nur 14 920 Kg. betrug und bei der Zentralstelle fehlte, betrugen 1900 die Gesamtangebote bei der Zentralstelle 17 007 700 Kg., die Nachfrage bei der Zentralstelle 15 811 625) Kg., der Umsatz auf den Obstmärkteu 937 915 Kg. und bei der Zentralstelle 8 315385 Kg. Ter Gesamtumsatz betrug während des Bestehens der Obstmärkte und der Zentralstelle 45 283 665 Kg. oder 4528 Eisenbahu-Toppelwagen. Die Zeutralstelle für Obstverwertung in Frankfurt a. M. ist nun die einzige von den vielen nach ihr gegründeten, welche Angebote von ganz Deuts ch l a n d unentgeltlich vermittelt. Tas zum Betrieb nötige Geld wird durch Beitrüge seitens der interessierten Kreise, der zu- stäirdtgen Ministerien und lANdwirrstPrfklkchen Mid Obstbau- Vereine zusammengebracht. Tie Zentralstelle und das Obst- marktkomitee nehmen keine Vermittlungsgebühren, weil die beitragenden Kreise die Vermittlung für ihre Mitglieder u ni s v n st haben sollen und weil ferner die zuständigen Behörden im Interesse der Hebung und Förderung des Obstbaues Opfer bringen müssen. Ta die Zentralstelle' nicht direkt umsetzt, sondern nur den Austausch der Adressen vermittelt, so wäre sehr schwer der eigentliche Umsatz festzustellen, und man wäre bei der Berechnung auf die frei willigen Angaben der Verkäufer angewiesen. Tiefe Fest setzungen wirken aber nicht immer genau den Thatsachcn entsprechend, da es ja der Produzent in der Hand hat, seine Angaben nach Gutdünken zu machen, und deshalb wäre diese Einnahniequelle sehr problematischer Natur. Vielmehr verdient eine derartige gemeinnützige Institution wohl, von staatlichen und städtischen Behörden, sowie Korporationen unterstützt zu werden. Tie Einnahmen und Ausgaben der Zentralstelle bilanzieren mit ca. 3000 Mk. Im Interesse der Einrichtung ist zu wünschen, daß sich die Erkenntnis ihres Wertes durch weitere Gewährung der Zuschüsse bekunden würde. Tie Obstmärkte haben sich hier sehr gut eingebürgert und lassen von Jahr zu Jahr eineu Aufschwung erkennen'. Wie bedeutend sich, die Zentralstelle entwickelt hat, geht daraus hervor, daß die Zahl der ein- und ausge- gangeneu Briefe und Zirkulare in 1898 — 18 398, in 1899 — 18673 und in 1900 — 19 250 betrug. Es ist daraus ersichtlich, daß die Zentralstelle eine Lücke aussüllt. Die Verwaltung der Zentralstelle für Obstverwertuug hat 'demgemäß in ihrer Sitzung am 13. Juli beschlossen, das Komitee zu erweitern. An Stelle des Herrn Harry F-ranck, der aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Vorsitzender niederlegte, wurde der seitherige zweite Vorsitzende Herr Kgl. Gartenbaudirektor A. Siebert, Frankfurt a. M. zum ersten Vorsitzenden gewählt, zum zweiten Vorsitzenden Herr Landesökonomierat Müller- Darmstadt, als Kassier wurde Herr I. F r o m m in Vorschlag gebracht. Aus Stadt und Kand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist tm* unter genauer Quellenangabe: „«test, tlna.* gestattet.) • * Fernsprechverkehr. Ab 26. August wird im Fernsprechverkehr zwischen BerlinFrankfurt a. M., Frankfurt- Köln, Frankfurt-Hamburg, Berlin-Hamburg und Hamburg- Köln Nachtdienst eingerichtet. * * Die Eisenbahnen im VolkShumor. Wir brachten gestern in der Rubrik „Vermischte»- eine launige Zusammenstellung unter dieser Spitzmarke. Heute erhalten wir dazu aus unserm Leserkreise einige Nachträge, die sämtlich der Hessischen LudwigSbahn gelten. Dieses H. L. B. oll nach der einen Zuschrift bedeuten „Höchst lumpig befahlt". Eine andere Zuschrift sagt: „Auf der Strecke WieS- Iiaden-Niedernhausen übertrug man auf jene Buchstaben daS !angsame BorwärtSkommen der Eisenbahn zu den Höhen des Taunus und übersetzte H. L. B. klagend mit: „Höllisch lang- äme Beförderung!- Sauste aber der umgewandte Zug bei »er Rückfahrt mit unheimlicher Geschwindigkeit heimwärts, o dachte man sich jene Buchstaben ebenfalls umgestellt und lberfetzte nun triumphierend das B. L. H. mit den Worten: „Bergab läuftS hurtig!- * * Fürsorge für Epileptiker in Hessen. In der erfreulichsten Weise entwickelt sich die cm Oktober v. I. eröffnete hessische Heil- und Pflegeanstalt für epileptische Kinder und Jugendliche zu Rieder-Ramstadt bei Darm tobt. Bis Mitte Juli d. I. konnten nahezu 30 Kinder und Jugendliche, darunter auch ein Pensionär, ausgenommen' werden und die vorgesehenen 40 Plätze sind also bald 6e setzt — ein Zeichen, welches Vertrauen von feiten der Behörden und ebenfo von den Angehörigen der Anstalt entgegengebracht wird. Tie Kranke» fühle» sich äußerst wohl, uud bei de» meisten find entschieden gute Fortschritte in ihrem Zustand zu beobachten. Glicht zum wenigsten ist dies der umsichtigen Austaltsleitung zu verdanken, sowohl dem Anstaltsarzt, Tr. Ganß, als auch den Hauseltern, Herrn und Frau Pfarrer Weimar. Wer einmal die Anstalt besichtigt hat — und Interessenten sind jederzeit willkommen nach, vorheriger Anmeldung — wird die besten Eindrücke mit- nehmen, besonders -auch hinsichtlich des Pflegepersonals; die bis jetzt angestellten Pfleger und Pflegerinnen sorgen wirklich in liebevoller Weise für ihre Schutzbefohlenen. Den regelmäßigen Schulunterricht erteilen der Inspektor und der kürzlich angestellte Anstaltslehrer Gengnagel. Die Ver- handlnngen wegen Erteilung von besonderem Religionsunterricht für schulpflichtige katholische Zöglinge sind soviel wir Horen, noch nicht abgeschlossen; im ganzen sind bis jetzt vier katholische Kinder und Jugendliche crufge- nonimcn worden. — Damit nun bald die noch vorhandenen Bauschulden abgetragen und der notwendige zweite Flügel des Anstaltsgebäudes, der Platz für weitere 40 Kinder schaffen würde, gebaut werden kann, ist es wünschenswert, daß die auch in diesem Herbst zur Erhebung gelangende Landeshauskollekte für die hessischen Epileptischen Berücksichtigung findet. f. Sich, 15. Aug. Gestern wurde z» Hoheufolm« die Prinzessin Reinhard zu SolmS-HohensolmS-Lich geb. Gräfin zu SolmS Sonneuwalde, von einer gesunden Prinzessin glücklich entbunden. Darmstadt, 15. Aug. Der Großherzog begab sich gestern nachmittag zur Jagd im Löscher Wald, übernachtete; im Fürstenlager bei Auerbach und kehrte nach nochmaliger Jagd heute gegen mittag nach Jagdschloß Wolfsgarten zurück. Kermischtrs. • Ueber einen verwegenen Riesendiebstahl wird aus San Francisco gemeldet. 1,360,000 Mark in geläutertem Golde betrug die Beute, die einer Anzahl unbe- kannter Diebe nach dreimonatlicher geschickter Arbeit in die Hände fiel. Die Räuber gruben einen Tunnel vou einem Eisenbahntunuel außerhalb der Selby Schmelzwerke in Ballese, 30 große Meilen von San Francisco, der mit einem Schacht von drei Fuß Tiefe begann. Dann arbeiteten sie fast 200 Fuß durch Sand und Thon. Nachdem sie am Bestimmungsort angekommen waren, schritten sie ohne Unterbrechung an ihre Arbeit, obgleich die Werke in vollem Gange waren und die Betriebsanlage elektrisch erleuchtet war. Der Tunnel endete unter einem mit Stahl auSgekleideten Gewölbe, das in Dunkelheit lag; aufwärts bauend bohrten die Räuber ein Loch in de» Fußboden, des Gewölbes. Während der Nacht berichtete ein Arbeiter seinen Gefährten, daß er in dem Gewölbe Lärm gehört hätte, und erklärte, es wäre ein Geist. Die anderen verspotteten ihn, aber nach der Ursache des Geräuschs wurde nicht geforscht. Der Eingang zum Tunnel war mit einem Gestell bedeckt, über das die Angestellten des Schmelzwerkes jeden Tag häufig gingen, aber keiner bemerkte etwas ungewöhnliches. Nur das angesammelte, geläuterte Gold eines Tages wird in den Werken aufbewahrt. Die vier großen Ziegel im Gesamtbeträge von 6650 Unzen waren nummeriert, und außerdem erbeuteten die Räuber 10 000 Unzen Gold in verschiedenen Formen und etwas Silber und Gold im Werte von 100 Mk. pro Unze. Die gestohlenen Goldbarren allein wogen eine halbe Tonne; es muffen also viele Menschen beim Transport der Beute zu den Booten beschäftigt gewesen sein. *Deutsch-französischeHöflichkeit. Der „Ost- asiatische Lloyd" berichtet: „Es ist im höchsten Grade bezeichnend, wie neuerdings auch im amtlichen Verkehr zwischen Deutschland und Frankreich, der geradezu l)erzlich kameradschaftliche Ton zum Ausdruck kommt, den man täglich bei den deutschen und französischen Soldaten beobachten kann. Wir berichteten letzte Woche erst, daß der französische Kreuzer „Surprise" Tsingtau einen Besuch abgestattet hat, nachdem im November v. I. das französische Kanonenboot „Tecidee", nnb bas Torpeboboot „Tacou" bort angelaufen waren. Ter Empfang, der ben Offiziere» nnb Mannschaften ber „Surprise" in Tsingtau zu teil geworben ist, war ungemein herzlich. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annetymen, baß der Besuch der „Irene" in Saigon als Erwiderung desjenigen der „Surprise" in Kiautschou zu betrachten und das wesentlich für die Förderung der deutsch-französischen Annäherung anzusehen ist. Darmstädter Künstter-Katonie. Originalbericht für den »Gieß. Anz.- XIV. Schlechte Witze und oberflächliche Bemerkungen haben sich genugsam über die Künstlerheime ergoffen — aber daß die Schar der Sieben jetzt selbst noch zur Waffe des Spottes greifen würde, um Feind und Freund zu zeigen, daß sie den Mut der Selbstironie besitzt, — daran hat ursprünglich niemand gedacht, vielleicht die Veranstalter auch nicht. Aufrichtig gestanden — wir halten diese Idee des „lieber dokuments- für keine glückliche. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sie beim großen Publikum ziehen und demgemäß Kaffa machen wird. Aber das ist doch wohl nicht der Hauptzweck einer Ausstellung, der als Ouvertüre vor anderthalb Jahren eine ernst zu nehmende Feier der Grundsteinlegung des Ernst- LudwigshauseS vorauSgegangen ist. Man kann nicht Homer und Jacques Offenbach in einer Person sein! ES liest sich recht unterhaltsamLdie Travestie, die der witzige MoSzkowSki f. Z. über den „Ring des Nibelungen- („Müllerund Schulze in Bayreuth-) abbrannte. Aber über die Schauburg am roten Main würde sich wahrscheinlich schon wie über alte Ruinen wild wuchernder Epheu ziehen, längst verstummt wären Gesang und Sattenspiel in der amphitheatralischen Halle, wenn Wagner sich dazu be> rufen gefühlt hätte, sein eigener Parodist zu werden. Der Nietzsche'sche Gedanke: „Man muß auch auf seine eigenen Schultern steigen können-, darf nicht trivial genommen werden. Und wir fürchten, daß diese Parodie-AuS stellung dem Philister stärker im Gedächtnis und Gefühl bleiben wird als ber positive Kern der Veranstaltungen. Wenn nach dieser Richtung also die Aussteller mehr bieten, als sie schuldig find, so laffen sie nach anderer dafür merkwürdigerweise im Stich. Das Spielhaus ent- behrt jeder selbständigen Physiognomie. Denn daß man heute Herrn v. Wolzogen, morgen die Münchener „Elf Scharfrichter-, übermorgen ein Berliner „SezesfiouSbrettl-, das allerdings wegen der Trauer um die Kaiserin Friedrich nicht zu Wort gelangt ist, herbemühte, gestaltet das Bild zwar recht vielseitig, hat aber mit dem ursprünglichen Plane nicht daS mindeste zu thun, denn was Peter Behrens in seiner „Betrachtung des Theaters als höchsten KultursymbolS- auSspricht, soll doch wohl oder sollte vielmehr in direktem Zusammenhang mit dem stehen, waS wir im Spielhause zu sehen und zu hören bekommen würden. Damit scheint- nun, für die Dauer der Ausstellung wenigstens, nichts mehr werden zu wollen. Nach wie vor strahlt über dieser der prachtvollste Sommerhimmel, sodaß man jedenfalls von „Festen des Lebens und der Kunst- doch reden kann. Und auch das Satyrspiel, welches übelwollende Äritil ihnen anhängt, vermag daran nichts zu ändern. In geradezu feindseligem Tone ereifert sich u. a. auch Prof. A. Seder aus Straßburg bei der „Billa in den Rosen-. Die Koloffalrosen in Himbeersauce und Bein- schwarz, die schweinfurter- und oxidgrün, ultramarinblau gemalten Wände erregte sein Entsetzen und erinnern ihn an die von ihm unverstanden gebliebenen „Farbenbizzarerien- des holländisch javanischen Malers Jan Toorop, deffen Linien- Narrheiten noch verschiedentlich an anderen Objekten der Ausstellung Verwendung finden. Bon dem großen, durch zwei Stockwerke gehenden Hallenraum, der, wie er zwar zugeben muß, durch ein mächtiges Atelierfenster Licht genug empfängt, redet er al- einer „alten feuchten Totenkapelle, an deren Wänden alte bemoste Grabsteine herumftehen, denn so sehen die klotzigen tief schwarz grün gebeizten Möbel aus, die man erst nach genauer Betrachtung als solche erkennt.- DaS warme Rot des Möbelbezugs, das feine Hellgrau^deS wunder- vollen Flügels, den leuchtenden Metallton der Feuerstätte und all die anderen mannigfachen, diskret auftaucheodea Farbenabstufungen werden gefliffentlich überschaut »nd ignoriert. In ähnlicher Weise werden die übrigen Zimmer i» „Hause Christiansen- mitgenommen. Willkürlich wird ein Moment herauSgeholt und mit absichtlicher Pointierung in den Vordergrund geschoben. DaS Herrenzimmer soll düster und beengend wirken. DaS Speisezimmer sei so grellfarbig, daß man kaum hineiusehen könne, ohne sich die Augen z» verderben. Die weiße, gewölbte Decke, die Helle Holztäfelung au den Wänden, daS solide damastenem Taselgedeck und die fein geschliffenen GlaSfenster, geben zusammen wohl schwerlich einen Akkord, der sich als „grellfarbig- bezeichnen ließe! Doch der erbitterte Kritiker fährt fort: „In dem Salon befindet sich eine Ausstellung moderner Bijouterien, welche zwar samt und sonders im Geiste des genialen Pariser Goldschmiedes Lalique» entworfen sind, denen aber, wie der Herr Kritiker natürlich feststellt, die piquaute Durchbildung uud feine Farbeuzusammenstellung LaliqueS leider abgeht. Der Salon als soscher ist trotz der aufgewendeten Mittel ohne alle Ruhe. Man hat immer daS Gefühl: sich in einem solchen Raum nur nicht aufhalten müssen!- Wir wollen zugeben, daß daS etwas sehr ernst gehaltene Schlafgemach mit dem sich darüber wölbenden Sternenhimmel So roeit wir uns zu entsinnen vermögen, war das letzte deutsche Schiff, das Saigon anlief, S. M. Streuner „Prinzeß, Wielhelm", der auf der Heimreise vor nunmehr zwei Jahren die französische Kolonie ausgesucht hat, und dessen Kommandant, damals Fregattenkapitän Truppel, und Offiziere von einem sehr warmen Empfange 511 berichten wissen". Wiederholt ist in letzter Zeit von freundlichem Verkehr und gutem Einvernehmen zwischen Deutschen und Franzosen im fernen Osten zu erzählen gewesen. Tas ist sehr erfreulich, und mag mit der Zeit dazu beitragen, die Wirkungen der chauvinistziscl>en .Hetzereien abzuschwäcl)en. Aber man wird gut thun, sich in dieser Beziehung keinen allzu optimistischen Erwartungen hinzugeben oder gar auf solche Aeußerlichkeiten hin eine Politik verringerten Mißtrauens gegen Frankreich zu begründen. * Der Krieg gegen die Zigarette hat in den ^Bereinigten Staaten ganz erhebliche Dimensionen angenommen und treibt wunderliche Blüten. In Chicago ist angekündigt worden, daß die Vorschrift einer besonderen Erlaubnis für den Verlauf von Zigaretten mit größter Strenge durchgeführt werden wird. Es ist bei dem Stadtrat außerdem ein neuer Antrag eingebracht worden, demzufolge der Verkauf von Zigaretten, Zigarettenpapier und Zigarettentabak in einem Umkreis von 600 Fuß um jede Schule verboten werden soll. Außerdem wird der Verkauf dieser Artikel an Minderjährige bestraft. Von den westlichen Staaten hat Oklahoma ein Gesetz gegen die Zigarette geschaffen, das sehr strenge Bestimmungen enthält. Jede Person, Firma oder Korporation soll bestraft werden, die überhaupt Zigaretten, Zigarettenpapier oder irgend einen Ersatz für dieses Rauchmittel in das Territorium zum Zweck des Verkaufs oder der sonstigen Weitergabe einführt oder bereits verkauft hat oder zum Verkauf anbietet. Ferner soll außer Eltern oder Vormündern niemand Zigarren, Kautabak oder sonst Tabak in irgend welcher Form an eine Person unter 15 Jahren weitergeben dürfen. Für jede Uebertretung des Verkaufs von Zigaretten oder ihrer Bestandteile wird eine Strafe von nicht unter 200 und nicht über 800 Mark festgesetzt. Diese drakonischen Leistungen der amerikanischen Gesetzgeber haben aber bereits eine Opposition im Lande erregt. Als neulich in Newyork ein Arzt, Tr. Reynolds, vor seinen Schülern in allerdings äußerst scharfen Worten gegen das Rauchen von Zigaretten sprach, wurde er von dem Institut, in dem er angestellt war, entlassen, woraus sich noch ein Prozeß entspinnen wird. Distinguierte Hotelbesitzer in der Schweiz. In der Schweiz macht man die merkwürdige Entdeckung, schreibt ein Korrespondent der „Pall Molk Gazette" aus Luzern, daß vielfach Leute von hohem Stand und Gelehrte Hotels und Buffets innehaben. Ter Besitzer des interessanten Hotels auf Rigi-Kulm ist, Tr. Schreiber, ein Doktor der Rechte und ein Mann von gründlichem Wissen. Dr. Zimmerli-Glaser, Besitzer des Luzerner Hotels Beau Rivage, ist Journalist von internationalem Ruf und ein geschätzter Mitarbeiter ernster Zeitschriften. Er ist Verfasser eines großen Werkes über das Patois des Jura. Ter General- Direktor des elegantesten Hotels in der ganzen Schweiz, des „Grand-Hotel-National" in Luzern, ist Oberst Baron Pfyffer von Altischoppen, ein Aristokrat aus altem Geschlecht: wenn zu Zeiten seines verstorbenen Vaters, der das Hotel baute, Krieg ausgebrochen wäre, so würde jener hochgestellte Offizier Oberbefehlshaber der Schweizer Truppen gewesen sein. Mer das eigenartigste Beispiel für die hohe gesellschaftliche Stellung der Hotelbesitzer in der Schweiz findet mein am Bahnhofsbüffet in Göschenen, der Schweizer Mündungsstation des großen Gotthardtunnels. .Hier kann man einen bekannten Romanschreiber Mittel- Enropas würdevoll mit einem großen Löffel die Suppe schöpfen sehen. Herr Zahn ist in diesen Gegenden als Romanschreiber berühmt, aber er behält das Bahnhofs- restaurant, dessen Pächter er ist, weiter, einfach weil sein Vater es vor ihm hatte, und es eine „Industrie des Landes" iß, eines Landes, in dem der Hotelbesitzer vielleicht den größten Anteil an der Geschäftsthätigkeit, sowie gefunden Menschenverstand und überhaupt einen weilen Gesichtskreis hat. — * Der Stoßseufzer des Redakteurs. Wie schwer es für einen Redakteur ist, seine Zeitung allen seinen Lesern recht zu machen, das schildert ein amerikanisches Blatt halb scherzhaft, halb ernst in folgenden Worten: „Eine Zeitung herauszugeben, ist eine sehr angenehme Arbeit. Enthält sie zu viel Politik, will niemand sie haben; enthält sie zu wenig, will sie auch niemand haben. Sind die Artikel lang, so findet man sie unverdaulich; sind s,e kurz, bedeuten sie nichts. Wenn die Buchstaben zu klein sind, so erklärt man sie für unleserlich; sind sie dagegen zu groß, so sagt man, daß man nichts zu lesen hat. Wenn sie Depeschen veröffentlicht, sagt man, es seien Lügen, veröffentlicht man aber keine, heißt es, sie ist nicht ernsthaft und man unterdrückt sie aus politischen Gründen. Beschäftigt sich die Zeitung mit städtischen Angelegenheiten, so klagen alle Landleute über Vernachlässigung: behandelt sie ländliche Fragen, sagen die Städter, daß man sie „langweilt". Bringt sie irgend ein „Bonmont", sagt man, sie wäre für Köpfe ohne Gehirn gemacht; bringt sie keine, sa sagt man, sie wäre für Duckmäuser. Veröffentlicht sie einige originelle Erzählungen, so tadelt man sie, weil sie nichts ernsthaftes bringt; bringt sie dagegen ernsthaftes, so ftndet man, sie könne nicht zerstreuen und bringe, was man schon in anderen Zeitungen gesehen hat. Legt man unparteiisch Rechenschaft von einer Versammlung ab, hätte man besser gethan zu schweigen; thut man es nicht, so entstellt man den Text. Bringt die Zeitung einen die Frauen interessierenden Artikel,' so sind die Männer unzufrieden, und umgekehrt. Wenn der Leiter der Zeitung in die Kirche geht, hält man ihn ohne weiteres für einen Klerikalen; geht er rkicht in die Kirche, so ist er eiru Mann ohne Glauben und Gewissen. Bleibt er im Bureau, um seine Zeitung zu leiten, so bat er Furcht, sich zu zeigen, geht er oft aus und ins Cafe, so sagt «man, er thäte besser, seine Zeitung zu leiten. * Was Fürsten schenken. Im „(Sri de Paris" lesen wir: Die Sevres-Vase ist bekanntlich das traditionelle Geschenk des Präsidenten der französischen Republik an Personen, denen er etwas zum Andenken geben will. Dieses fortwährende Schenken von Sevres-Vasen bietet ja nur geringe Abwechselung, aber es ist trotzdem ein Zeichen der Generosität unseres Landes, das allein unter allen Nationen Europas eine Porzellan-Manufaktur unterhält, die fast nur den Zweck hat, dem Staat das Schenken zu erleichtern. Solche Freigebigkeit findet man eigentlich nur noch in Rußland, Oesterreich, Spanien und in der Türkei. Der Zar, der Kaiser Franz Joseph, die Königin-Regentin Christine und der Sultan sind noch der alten Gewohnheit der Könige treu geblieben, Juwelen, Brillanten, mit Diamanten besetzte Tabakdosen und ähnliche Kostbarkeiten zu schenken. Ter Fürst von Bulgarien schenkt am liebsten Silbersachen und besonders silbernes Tafelgeschirr. Der Prinzregent von Bichern, der nicht so freigebig und verschwenderisch ist wie fein prunkvoller Vorgänger, schenkt Rauchern und Nichtrauchern schlichte Holzpfeifen von einer nur auf den Alpen vorkommenden Holzart, die sehr selten sein soll. Die Königin von Rumänien spendet reichlich selbst verfaßte Bücher mit eigenhändig geschriebenen Widmungen. Kaiser Wilhelm schenkt am liebsten seine Photographie mit seiner Unterschrift. Die Königin Wilhelmina von Holland, die man merkwürdigerweise noch immer „die Kleine" nennt, ist keine Freundin vom Nehmen, aber vom Geben noch weniger. Sehr freigebig dagegen ist der in jeder Hinsicht so eigenartige König Alexander von Serbien: er schenkt denen, die er lieb hat, ganze Ländereien; die Beschenkten nehmen aber derartige Geschenke mit einem wahren Grauen entgegen, da sie gewöhnlich mehr an Gebühren, Abgaben u. s. w- kosten, als sie wert sind. (Wir können hinzufügen, daß der allenthalben sehr verehrte Herzog von Lgchsen-Altenbura ganze Waggonladungen von Uhren zu Geschenken verwendet. Jeder Kellner, der ihm auf irgend einem Bahnhof einmal ein Glas Bier oder eine Tasse Thee reichte, erhält eine silberne, jeder Bahnhofs- reftaurateur und jeder Bahnhofsinspektor jedweder Station, auf der der Herzog einmal etwas zu sich nimmt, eine goldene Uhr von Seiner Hoheit. T. Red- d. Gieß. Anz) Mteratur. — Im Verlag von Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig erschien als „Illustrierte Elzeoter-Ausgaben" Rückerts .Liebesfrühling" mit reichem Bilderschmuck von Huge Fltntzer. Dieser Band, der in drei verschiedenen zarten und duftigen Farbtöoen gedruckt ist, dürste der Sammlung zahlreiche Freunde erwerben. Die Elzevierausgaben bringen die vorzüglichsten Schütze unserer klassischen Dichter in der edelsten Form und eignen sich darum in hervorragendem Matze zu Weihnachtsgeschenken für unsere Damen und die Heranwachsende Jugend. Die einzelnen Bünde kosten in feinstes rotes Sassianleder geb. mit Goldschnitt 3 Mk. und sind durch alle Buch Handlungen zu beziehen. i — Im Interesse der Allgemeinheit möchten wir unsere Leser auf die Betrachtungen von Arthur Seemann »Der Hnnger «ach Äunfl*, die im Verlage von E. A. Seemann in Leipzig zu dem niedrigen Preise von 1,50 Mk. erschienen find, aufmerksam machen. Jedem, der Sinn für die Künste hat und ihnen naher zu treten strebt, wird darin Förderung finden. Diese klaren, faßlichen Betrachtungen werden ihm über vieles Aufschlutz geben. Das Buch will nicht nur Laien zum Verstehen der Kunst heranbtlden, sondern es bringt auch denen Anregung, die echtes Kunstempfinden besitzen. Für alles von vielen Kunstfreunden nur unbestimmt Empfundene findet es die treffendsten, findet eS leicht verstündliche Worte. Manchem wird eS wohlihun, in diesen einfachen Darlegungen vieles von seinem innerstem Empfinden, von dem ihm vielleicht dieses oder jenes noch gar nicht zum Bewußtsein .gekommen ist, auf daS Prügnaoteste zum Ausdruck gebracht zu sehen. ES gebührt dem Verfasser Dank, daß er durch die knappe Art, mit der er sein Thema behandelte, Vielen das Verständnis für Kunst und Künste erschließen wird. Der polemische Teil ist allcr- dingS weniger erquicklich und auch recht anfechtbar. Man merkt tie Abficht und wird verstimmt! Profeffor Mulher in BreSlau tff ä, übtt den der Verfasser die Schale seines Zornes bi« zur Neige auSlrert- — Immerhin verdient da« Merkchen wegen deS Werte« feine« größeren, objektiv belehrendm Teiles weiteste Verbreitung. M. H. Landwirtschaft. -t- Besichtigung der Viehweide,» vo» Hungen und Wenings. Sm Sonntag den 11 August halten sich 54 Landwirte abn tn Wenings und geleitete unS auf bi« seiner Aussicht unterstehende Weide in Werning«. Von dem Futterstand dort und dem herrlichen Vieh, 70 Stück, auS den Kreisen AlSseld (20), Büdingen (40) und Friedberg (10), waren wir geradezu überrascht. Die oberbadischen Weiden, mit Ausnahme von Mundelfingen, die eben unerreichbar ist, fonnkn keinen befferen Eindruck bieten. Die Tiere in musterhafter Pflege be- weideten munter unter dem Geläute der schön gestimmten Alpenglocken die ausgedehnten üppigen Futter flächen. Sehr Nachahmung«wert ist, daß jüngere und filtere Ziere getrennt gehalten werden. Für Bullen scheint aber der Weidebelrieb nicht sehr geeignet in Rücksicht auf ihre Condition, wenn sie zum Verkauf fertig von der Weide kommen sollen. Da wird mancher wenig Freude erleben. Die Weide ist eben hauptsächlich geschaffen für die jungen Rinder, die Mütter der kommenden Generation, die gute MilchdtSposttion am besten beim freien Weide- detrieb sich «rroerben. Eine Bullenweide tollte auf besonderen Bullenaufzuchtstationen unter ganz spezieller Aufsicht und Pflege vorgenommen werden: imfiübrigen kann nicht genug darauf hingewiesen werden, daß die Gemeinden ebenso wie in Oberbaden noch notwendig haben, gute« Bullenmaterial au« der Schweiz einzuführen. Die Wirkung diese« ia Oberbaden fast durchweg üblichen Verfahren« hat hauptsächlich di« dortige Zucht so schnell hoch gebracht, während bei unS eine Gemeinde sich einmal zu einem wertvollen Zuchttier aufschwingt, dann aber die Courage verliert und daS nächste Mal wieder ein höchst minderwertige« Tier ankauft, daS die erzielten Erfolge wieder vernichtet und die ganz« Zucht in unfichere Bahnen zurückwirft. Auch jetzt wieder ist die Bestellung von OriginalSimmenthaler Bullen beim Provinzialverein nicht den Erwartungen entsprechend. Bi« zum 20. August ist noch Zeit, daher schnell bestellt! Daß unsere Viehzucht in einzelnen Gemeinden vorangeht, da« hat uns die Besichtigung der Viehweiden wieder gezeigt: im Allgemeinen bleibt aber noch viel in Bezug auf die Einficht der Viehzüchter zu wünschen übrig. Um aber auf Wernings zurückzukommen, so muß noch erwähnt werden, daß die ganze Versammlung einstimmig ihrer Freude über das Gesehene Ausdruck verlieh und dem Provinzial- oerein, der dortigen Viehzuchtkommisfion und dem Veranstalter der lehrreichen Exkursion ihren herzlichen Dank darbrachte. Such die vorzügliche und preiSwürdige Verpflegung bei Gastwirt Joh. Hein wurde rühmend anerkannt. Zu ihm möchte mancher wohl selber gerne länger auf Erholung gehen! Manche Wirte der Niederung könnten sich dort ein Beispiel nehmen, wie man größere Gesellschaften auch heute noch gut und billig verpflegen kann. Unioersitäts Nachrichten. — Der Gemeinderat in Jena genehmigte endglltig den Vertrag mit der Universität über die Aushebung der Steuerfreihest der Universitätslehrer und -Beamten. ■■■■AMTLICH GLANZEND BEGUTACHTET: ■■■ SSALUTARISS TOILETTE-FETT-SEIFE Unübertroffen für Baet- * ZtlaMltgtt Rein, mild, sparsam. C. Naumann, Seifen-u. Parfömeriefabrik, Offenbach a.M. nicht gerade dem Sinne heiterer Weltkinder zusagen mag. Über Christiansen ist ein ernster Mensch. Und zunächst hat rr nach seinen Empfindungen und nicht nicht nach dem Ge schmack anderer sein Heim, das eben kein Dutzendheim sein soll, auch kein „Musterzimmer«CykluS" ersonnen und aus- gestattet. Wenn die „ötöa in Rosen" zuerst vielleicht am ungewohntesten berührt und deshalb auf dem exponiertesten Posten sieht, dürfte sie am Ende mit diejenige sein, von welcher die stärksten Anregungen für später auSgeheu, weil in ihr der Reichtum der Phantasie bei weitem größer ist als der Reichtum der ausgewendeten Materiale. Dr. M. Großherzogin Alice. Tr. Hans Hasselkarnp schreibt in einem „Englische Fürstentöchter auf deutschen Thronen" betitelten Aufsatze im „Rh. C.": Schweren Herzens folgte Alice, die zweite Tochter der Königin Viktoria, 1862 ihrem jungen Gemahl, dem Prinzen Ludwig von Hessen, in das stille Darmstadt. In das Gluck der Brautzeit waren tiefe Schatten-gefallen: erst der Tod der Großmutter, dann und vor allem aber der des angebeteten Vlrters, der ihr Ideal gewesen war, seitdem ihre junge Seele erwacht war, des Prinzgemahls Albert. Und nun hieß es, in ein neues Land gehen, eine fremde Sprache, fremde Sitten und Anschauungen sich zu eigen machen. Ta war es der Geist des Vaters, der sie führte. Von ihm hatte Prinzessin Alice das ernste Pflichtgefühl geerbt, von ihm den festen Vorsatz übernommen, in ihrem Kreise Gutes zu wirken und sich nützlich zu machen. „In geringem Grade an der großen Arbeit des lieben Papa zum Wohle anderer mitzuhelfen", das wurde der Leitstern ihres neuen Lebens. Bescheiden genug fing das neue Leben an. In der Wohnung, die das prinzliche Paar zuerst bezog, war nicht einmal so viel Raum vorhanden, daß sie Gäste bei sich sehen konnten, und erst nach Jahren nannten sie ein Haus ihr eigen. Auch waren die Mittet knapp. Wenn es galt, Reisen zu machen, für die schnell wachsende Schar blühender Kinder Erzieherinnen und Dienerinnen anzustellen, dann mußte mancher Wunsch unerfüllt bleiben, obwohl dear Mama nach Kräften aushalf. Diese Schlichtheit der Verhältnisse wurde für das Leben der englischen Fürstentochter bestimmend. Sie fand sich nicht nur in sie hinein, — sie wußte sie in Segen und Schönheit umzugestalten., Gattin und Mutter — selten s,nd diese hohen Stellungen so ganz und tief erfaßt und ausgefüllt worden wie von der hessischen Prinzessin. Auch nach außen hin. Es währte nicht lange, da gingen von der Prinzessin Alice nach allen Seilen hin Anregungen aus, die zu noch heut kraftvoll blühenden Schöpfungen im Hessenlande geführt haben. Tie Pflege der Kranken, der Kinder, der Waisen, der Wöchnerinnen, die Steigerung der Erwerbsthätigkeit der Frau, die Vertiefung ihrer Bildung, die ganze Hebung ihres Geschlechts: das wurde ihre Arbeit. Unermüdlich war sie darin: sie durchbrach den engen Kastengeist, wie er in deutschen Klein- und Mittelstaaten sich so leicht bildet, und zog alle Gesellschaftsklassen zur gemeinsamen Arbeit heran. Und durch diese Arbeit faßte sie Wurzel im neuen Vaterlande. Es ist schön zu beobachten, wie sie sich allmählich mit deutscher Gesinnung erfüllt. Schon während des schleswig-holsteinischen Krieges von 64 beklagte sie sich, daß die Männer der Herzogtümer kein Recht haben sollten, sich von einem Könige zu befreien, der fein Recht auf sie habe, „lediglich weil sie unglückliche Teutsche sind, bie es sich gefallen lassen, daß man sie unterdrückt". Diese Tage von 66 waren natürlich eine schwere Prüfung für sie; aber sie erhielt sich ihren klaren Blick; sie sah, was die Zukunft bringen mußte und sie fühlte warm dafür. Nicht vergessen sei ihr, daß sie 1866 an ihre Mutter schrieb: „Gott gebe, daß dieser Krieg . . . nicht umsonst gewesen ist, und daß endlich Deutschland ein mäch- trges starkes Reich werden möge. Dann wird es das erste in der Welt sein,, aus welchem die großen Ideen und Gedanken kommen, frei Don engherzigem Vorurteil." Und sie erlebte die Erfüllung. Während des Volkskrieges gegen Frankreich war sie stolz, die Gattin eines deutschen Offiziers zu fein unb., wie sie am 5. August 1870 schrieb, stolz, dem deutschen Volke anzugehören. Sie fühlte seine Begeisterung mit, unb wie jede deutsche Frau fühlte sie die Sorgen um ihren vor dem Feinde stehenden Mann. Der fürchterliche Würgengel Tiphtheritis kehrte in ihr Haus ein unb raffte nach ihrem jüngsten Kinbe sie selbst hinweg. Sic ist dahingegangen, aber unverlöscht ist ihr Anbenken im Hessenlanbe, nnverlöscht in Teutschlanb. Und als eine Art Testamentes dürfen wir die Maximen bezeichnen, die sie für die Erziehung ihres „Ernie", des heutigen Oroßherzogs von Hessen,, aufstellte. Er solle werben, so schrieb sie. „ein Edelmann im vollsten Sinne des Wortes, ohne Prinzendünkel, bescheiden, unegoistisch, hilfreich, mit jenen Eigenschaften, welche vor allem die englische Erziehungsmethode zu entwickeln strebt; Pflichtbewußtsein, Ehrgefühl und Wahrheitsliebe und der Achtung vor Gott und dem Gesetze, die allein wahrhaft frei machen." So weit Dr. Hasselkarnp. Wir aber fügen mit freudigem Stolze hinzu, daß sich diese Wünsche und Hoffnungen der leider so früh verstorbenen edlen Fürstin köstlich erfüllt haben. Xltitt-Limkn Xkin-undce 19Ü Für den Gentner ab Verkaufsstelle: 1,20 Mk. 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