Sonntag 17 brnar 1^01 t9 ich itii. abge- MW und Redaktion, Expedition und Druckerei- Zchulftratze 7. ?ldrefse für Depeschen: Anzeiger Siehr». Fernsprechanschluß Nr. bl. Die Evtwickelungsgeschichte des landw. lSenoffenschaftswesens hi Deutschland ist ein Stück Wirtschaftsgeschichte des 151. Jahrg mg Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag? Die Gießener Zamilien blätter werden dem Än- ‘ zeiger im Wechsel mit „Hess. [ito injitei«, 8N in Sich«, hi in UtyinV Landwirt" und „Blätter für Hess Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Annahme vonAnzetgen (u der nachmittag« für den olgenden Tag «rlcheinrnden Hummer bte vorm. 10 Uhr. Abbestellungen späte st en« abend« vorher. Ruhegehalt für Landwirte und Handwerker. Pfarrer Römer in Schotten veröffentlicht im Sch. Krsbl." einen Artikel, dem wir folgendes entnehmen: Nr. 41 Drittes Blatt fite «-Ulk »ßer H-Nk«n. « * ‘«ta lttg et ««tftanb.4'8 tfltn delchnuii- ob. Vestansggx u Ml ÜSkmlJßink des ehemaligen Prinzen von Wales einigermaßen unterrichtet ist. Natürlich sind die loyalen Engländer sehr erstaunt darüber, oder thun wenigstens so. Wenn sie sich erinnern wollten, wie ganz anders unser K a i s e r F r i e d- rich, der doch auch bis in das sechste Jahrzehnt seines Lebens die Kronprinzen-Würde getragen hat, damals sein Dasein ausgefüllt hat, wie er neben seiner Thätigkeit als Heerführer ein rastloser Förderer der Künste, ein unermüdlicher Mitarbeiter ein allen Bestrebungen zur Wohlfahrt des Reiches und Volkes gewesen, so würden sie unsere Ansichten vielleicht besser verstehen. Neben Antipathien in der Volksseele liegen dementsprechende, ja durch die ersteren oft übermäßig wachsende Neigungen. NvetteGuilbert, die vor wenigen Monden in Berlin Steilung von einem langwierigen Leiden suchte und auch gefunden hat, profitiert bei ihrem Auftreten im stilvollen Metropol-Theater zweifellos von dieser Erscheinung. Tenn der Beifall, mit dem das stets ausverkaufte Haus die französischen Chansons und Couplets der nichts iveniger als schönen, aber ungeheuer temperamentvollen und mimisch vollendeten Vortrags-Meisterin entgegennimmt, hat auch eine 9hiance politischer Färbung. Französisch ist Trumpf trotz aller England-Freundlichkeit unserer auswärtigen Politik, die sich freilich an diese Stimmungen nur kehrt, wenn sie ihr gelegen kommen. Diese Lieochen von der Seine sind vielfach nicht nach deutschem Geschmack und die Zigeuner-Poeten, deren Vermittlerin auf dem „Brettl" die Guilbert zum Teil ist, haben Ideale und Anschauungen, vor denen unferm Spree- Philister die Haare zu Berge stehen, wenn er noch welche hat. Aber glücklicherweise versteht er nicht die Hälfte von dem, was die Guilbert singt; böse Zungen behaupten sogar, nicht einmal ein Viertel — und so kann er, ohne Schaden an seiner Seele zu nehmen, seinen gepfeffert GietzeimAnMer General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen thätigkeitsanstalten gedacht waren. Die Vermischung von Kredit und Almosen beseitigt und für diese Institute die rein wirtschaftliche Grundlage durchgeführt zu haben, die allein auf die Tauer Gedeihen verspricht, war das hauptsächlichste Verdienst von Schulze-Delitzsch. Anfänglich dienten diese Genossenschaften neben der gewerbetreibenden auch der bäuerlichen Bevölkerung. Je mehr unter dem Uebergang der Landwirtschaft von der Natural- zur Geldwirtschaft und von dieser zur Kreditwirtschaft der Bedarf der Landwirtschaft 11 ad) einem für ihre Verhältnisse eingerichteten Perjonal- kredit hervortrat, umsomehr rang fick) die Ueberzeugung durch, daß die speziell auf die Bedürfnisse der Industrie zugeschnit- tenen Schulze'schen Genossenschaften für die Landwirtschaft mit iherr Forderung langer Anleihefristen und niederen Zinsfußes nicht die geeignete Form waren, sodaß die ländliche Personalkreditfrage immer mehr auf den Weg der Selbsthilfe, der Selbstverwaltung und Selbstverantwortung gewiesen wurde. Der Schöpfer der ländlichen Tarlehnskassen erstand der Landwirtschaft denn auch bald in der Person des edlen Westerwaldschen Bürgermeisters Raiffeisen. Dieser war Btjugsprtis Vierteljahrl. ®if 2.20, mimatl. 75 ‘Bfg. mUBringerlohn; durch die Abholeftellen virrteljährl. Mk. 1.90, monatl. 65 Psg. Bei Postbezug vierleljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. Hit Anzeiaen Pcrmititung«' sielten dtö und AuvlandrO nehmen Anzeigen für btn ©tefjener Anzeiger cingraen. ZrUrnprei». total i» vfg., auewätt« 20 Pfg. worden, die Schulstellen offen zu halten, um dadurch jährlich etwa 100 bis 200 Mk. zu ersparen. Nach der Neuregulierung der Lehrergehalte haben jedoch die Gemeinden für eineu Schulverwalter nach dem bestandenen Examen denselben Gehalt, wie für einen definitiv angestellten Lehrer, aufzubringen. Vom Großh. Ministerium ergingen deshalb an die Ortsschulvorstände beider Gemeinden Verfügungen, in denen sowohl auf letzteren Umstand, als auch insbesondere darauf hingewiesen wurde, daß es im Interesse der Schule liege, diese mit definitiven Lehrern zu versehen. § Bermuthshain, 14. Febr. Eine 'Naturseltenheit entdeckte der hiesige Großh. Forstwart Dillemuth dieser Tage in der hiesigen Gemarkung. 'Er fand in einer vor wenigen Jahren angelegten, dem Landwirt Ernst Oechler gehörigen Fichtenpflanzung ein Fichtenbäumck)en, das bei einer Höhe von ungefähr 75 Ctm. fünf vollständig ausgeluachsene Samenzapfen (Fichtenäpfel) trug. Wetzlar, 14. Febr. In den östlichen Provinzen ist das Bedürfnis hervorgetreten, für die Hölzer des Eisenbahn-Spezialtarifs II, insbesondere für Schnittware ans Nadelhölzern, ein erweitertes Absatzgebiet zu, gewinnen, und zu diesem Zwecke die in den östlichen Landesteilen geltenden ermäßigten Staffeltarife für Hölze« dieser Tarifklasse auf das Gebiet westlich von Berlin auszudehnen. Tie in Betracht kommenden Tarife sind der Staffeltarif der ehemaligen Ostbahn, derjenige des früheren Eisenbahndirektionsbezirk Breslau und derjenige, den die Handelskammer zu Bamberg vorgeschlagen hat. Begründet wird der Antrag damit, daß zurzeit in den Provinzen Ostpreußen und Pommern, sowie im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen ein in den heimatlichen Erzeugungsprovinzen nicht absetzbarer Ueberschuß der Produktion vorhanden ist, der bei ermäßigten Tarifen in den Gebieten westlich Berlins Aufnahme finden könnte. ES handelt sich lediglich um das nach Spezialtarif II zu tarifierende Holz, sodaß ausländisches Holz ebenso außer Betracht bleibt, wie das Holz nach Spezialtarif III (Grubenholz, Eisenbahnschwellen rc.) — Die Handelskammer Wetzlar hat sich befürwortend zu dem Anträge ausgesprochen, der ihrer Ansicht nach insbesondere geeignet sei, die ostdeutsche Kiefer gegenüber dem amerikanischen Pitchpineholz unüber schwedischen Fichte konkurrenzfähiger zu machen. Mainz, 14. Febr. Ter Feldschütze Adam Brüh- mann von Mombach hatte am Abend des 11. August in der dortigen Gemarkung drei 15 jährige Jungen beim Obstfrevel erwischt. Zwei davon gaben ihre Perosnalien an, während der dritte, der Schlosserlehrling Häffner, davonlaufen wollte. Der Feldschütze rief ihm zu, er solle stehen bleiben, und als der Junge sich nach ihm umwandte, zog Brühmann seinen Revolver und gab einen Schuß auf ihn ab. Dem unglücklichen Jungen drang die Kugel in die Brust. Mehrere Wochen schwebte er in Todesgefahr, kam schließlick) aber mit dem Leben davon. Tie Kugel befindet sich noch heute in dessen Körper. De« Feldschütze hatte sich vor der Strafkammer wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten^ Nach seiner Erklärung wollte er nur einen Schreckfchuß abgeben, der unglücklicherweise getroffen habe. Er wurde zu sech» Wochen. Gefängnis verurteilt. Die Staatsbehörde hatte acht Monate beantragt. teuren Platz absitzen; er lacht mit, wenn die anderen lache», er applaudiert mit, wenn's so weit ist — und redet am anderen Tage klug, wenn's Gespräch darauf kommt. Und es kommt darauf; dafür sorgt er schon. Ter Gaskrieg, den die Konsumenten in Berlin gegen die städtische Gasverwaltung Jahre hindurch geführt haben, nähert sich feinem vorläufigen Ende durch die beabsichtigte Einführung des Einheitspreises von 13 Pf. mit 5 Prozent Rabatt. Indessen wird der Friede nicht lange dauern. Es giebt eine Menge Leute, die da behaupten, daß die Stadt mit 10 Pf. auch noch ganz gut auszukommen vermöge. Sie werden das Kriegsbeil nicht all- zutief vergraben." Nicht übel sind Charlottenburg, sowie die Englische Gasgesellschaft in Schöneberg rc. mit der Einführung der Gasautomaten gefahren, die Berlin seinerzeit unklug erweise abgelehnt hat. Der Automat, der dem Antragsteller, nebst Kochplatte, einer Gaslyra mit Brenner und Glocke gratis geliefert wird, vermittelt gegen Ein- wurf eines 10 Pf.-Stückes allemal die Zuführ von 600 Litern Gas. Der geringe Mehrpreis wird von den kleinen Geschäftsleuten rc. gern getragen, da keine Miete für einen Gasmesser-, für die Kochplatte usw. zu zahlen ist, und vor allen Dingen die bösen Monats- oder Vierteljahres-Rechnungen fortfallen, die int Winter oft zu ungeahnter Höhe emporsteigen. Die paar Nickel, die tagtäglich geopfert werden, spürt man lange nicht so. Von diesen Automaten, die seit Jahren in England eingebürgert sind, dürften in Charlottenburg und Schöneberg jetzt wohl etlidje Tausend in Gebrauch fein. Sie haben zweifellos das große Verdienst, das bessere Gasglühlicht auch für den kleinen Mann zugänglich "gemocht zu haben, der bis dahin bet setner dürftigen Petroleum-Lampe faß, und das Helle Licht „reichen Leute" für unerschwinglich hielt [m Stricken ckeumLtrünW i mit aMieqrnM rmDkAaliW itb ftetS Dorräng „ist billigst. M ine NöMi | es besonders, der dem Genossenschaftswesen den Charakter bergerßratze /7. einer Institution des praktischen Christentums und gesunder __Sozialpolitik gab, der den Raiffeisenschen Gebilden besonders jibtt flute W I in den westlichen Gebieten des Reiches viel Boden eroberte, l ! auf der anderen Seite aber auch zu vielen Kämpfen mit der Schulze'schen Organisation und schließlich auch mit zur Gründung des neuen Verbandes, den wir unter dem Namen des Allgemeinen Verbands unter der Leitung des Geh. Reg.-Rats Haas in Offenbach kennen. Es gewährt einen seltenen Genuß, sich vom Verfasser des i Q J ■ erwähnten Buches durch die verschiedenen Entwickelungs- ■ ^„adTlinkauft Phasen der einzelnen Organisationen in ruhiger, sachlicher, — historisch abgeklärter Betrachtung hindurchführen zu lassen. Er wird, obwohl er mehr auf Seite Raiffeisens zu stehen scheint, doch den verschiedenen Systemen völlig geredet und vermeidet jede einseitige Kritik. Von besonderem Interesse ist es dabei, das Vordringen des Genossenschaftsgedankens über das von ihm anfänglich allein bebaute Gebiet des Personalkredits hinaus zu verfolgen auf die Gebiete der Rohstoff-, Konsum-, Bezugs-, Absatz-, Molkerei-, Winzer-, sonstigen Genossenschaften und deren Organisationen, in denen wie bei den Kreditgenossenschaften die Prinzipien der Zentralisation und Dezentralisation mit einander stritten und nach beiden Richtungen zu Durchbrechungen führten. In Hessen-Nassau hatten 1880 bereits 12 Berufsgenossenschaften 647 Mitglieder und einen Warenumschlag von 97 662 Mark. Im Jahre 1884 hatten die Win^ervereine im Ahrthal durch ihre vorbildliche Organisation oer gemeinsamen Kelterung und des gemeinsamen Verkaufs vorbildliche Bedeutung. In M a i n z entstand schon früh eine Schlächtereigenossenschaft, die freilich bald wieder einging. Serliuer Kries. (Plaudereien auS der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.) berliner Stimmungen über England. — ^oette Guilbert in Metropol Theater. — Der Berliner Gaskrieg. — Die Gas-Automaten. laufenen Jahrhunderts und gehört unstreitig zu den interessantesten Partien der Genossenschafts- und Wirtschaftsgeschichte überhaupt. Trotz einer Unmasse Einzeldarstellungen, die in der reichen Litteratnr des Genossenschaftswesens namentlich in den verschiedenen Zeitschriften zerstreut vorliegen, hat es aber bisher an einer einheitlichen historischen Darstellung gefehlt. Um so dankbarer zu begrüßen ist darum ein vor Kurzem erschienenes Werk von Tr. Friedrick) Müller „Die geschichtliche Entwickelung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Deutschland von 1848/49 bis zur Gegenwart". Der Verfasser berührt in der Einleitung die in der Landwirtschaft wegen des in ihr geforderten Zwangs zu gemein» ivirtschaftlicher Thätigkeit seit jeher innewohnenden Elemente, die durch den Zusammenbruch der mittelalterlichen Agrarverfassung im abgelaufenen Jahrhundert und mit Oem Beginn neuen ökonomischen Lebens eine Mahnung gesunden haben, da sich zu den technischen Motiven genossenschaftlicher Arbeit solche volkswirtschaftlicher und bald auch sozialer Natur gesellt haben. Allerdings hat sich gerade das letztere, das der modernen Genossenschaftsbewegung den besonderen Stempel aufgedrückt hat, zunächst nicht auf landwirtschaftlichen, sondern auf dem gewerblichen Gebiet geäußert, auf dem die gegenseitigen Parteien im Kampf um Kapital und Arbeit bald am sichtbarsten gegenüberftanben. Die ersten Formen, die sich im Leben hindurchrangen, waren die Vorschußvereine und Sparkassen, die aber anfangs nicht als rein wirtschaftliche, sondern zugleich als Wohl- Politische Tagesschau. Eine bereits erwähnte Meldung des „Bert. Tagbl." lautet wörtlich: „Ganz kürzlich ist in einem Kontingent ter deutschen Armee durch dien Kontingentsherrn der Spruch eines Regiments-Ehrenrates kassiert worden, durch den eine gütliche Beilegung einer in sinnloser Trunkenheit verübten Kinderei als korrekte Erledigung anerkannt war. Der betreffende ganz unschuldige Oberleutnant ist darauf mit schlichtem Abschied entlassen! Nähere Mitteilungen sind einstweilen überflüssig; die Thatsache, so wie sie hier mitgeteilt wird, spricht ihre Sprack)e selbst". Das kann doch wohl nur heißen: Der Entlassene war nicht der Betrunkene, der eine Kinderei verübt, sondern der von dem Betrunkenen Beleidigte, und entlassen worden ist er, weil er unter Zustimmung des Ehrenrates die „.Kinderei" „gütlich beilegte". Die Ansicht des' Berliner Blattes, daß „nähere Mitteilungen einstweilen überflüssig sind", teilen wir nicht. In solchen Dingen heißt es: Ort, Namen und Umstände nennen. Feststellungen sind hier unentbehrlich. Anscheinend werden solche jetzt auch für den Fall des Bürgermeisters Salomon in Schlüchtern gemacht werden müssen, der wegen Duell-Verweigerung entlassen worden sein sollte. Der Abg. Richter hat den Fall im preutz. Mgeordnelenhause genau so vorgetragen, wie er vor Monaten öffentlich erzählt wurde; jetzt kommt der Minister v. Reinbaben — sehr spät — mit einer anderen Version, nach welcher ter Bürgermeister die Forderung durch schwere Beleidigung provoziert haben soll. Selbstverständlich verlangt die Öffentlichkeit jetzt genauen Bescheid auf die Frage: Was ist nun eigentlich passiert? Aus Stadt und Land. Gießen, den 16. Februar 1901. —n. Herchenhain, 14. Febr. Die hiesige Schulst e l l e und die zu H a r t m a n n s h a i n, die beide schon nahezu 20 Jahre vikariert werden, sollen nach Beschluß der Orts- und Schulvorstände von Beginn des neuen Schuljahres ab definitiv besetzt werden. Beiden Gemeinden war früher, mit Rücksicht auf ihre finanziellen Schwierigkeiten, gestattet tn W taw Mtz NM m M uoe 0511 Keller, U er-eiadl 82. ’ HwB Irrig a.£bl * II*’11 Der Thronwechsel an der Themse hat nichts dazu bei- ti 1 ^tragen, die geringe Sympathie wieder zum Steigen zu 4r Gingen, die man bei uns für die Vettern jenseits des ylllv1 * Kanals seit der Inszenierung des bösen Transvaal- .^.Ml^krieges hegt. König Eduard muß andauernd die „ Zeche bezahlen, in den Witzblättern sowohl, als auch auf den Varietebühnen, wo man die lange lustige, auch, mcmch- t mal gar zu lustige Kronprinzen-Vergangenheit des neuen " Monarchen in humoristischer und satyrischer Weise be- t 11 Iv* leuchtet. Der letzte „Kladderadatsch" ist sogar dem Schicksal der Konfiskation verfallen, eine Auszeich- * nung, die ihm lange nicht widerfahren ist. Johannes • Trojan, der das Sommerquartier in Weichselmünte ja MNl-v^lchon kennt, zu dem böse Zeitungsschreiber ab und zu ver- 5v11 . urteilt werden, hat in einem seiner schwungvollen Leit* gedichte seinem Herzen einmal Luft gemacht und _ die brs letzt nicht erfolgte Weiterverleihung des Prince of Wales- litels an den neuen Thronfolger in flammenden Worten glossiert. Wenn der Staatsanwalt dafür wieder „Weich)el- münte" beantragt, und die Richter nicht umhin können, für ein allzu bitteres Wort diesem Antrag Gehör zu schenken, o kann ter alte mutige Poet sicher sein, daß ihm diesmal ch mehr warmherzige Teilnahme in seine unfretrouiige Nüße hinter Feftungsmauern folgt. Denn fern Gedicht überall ein Echo gefunden, wo man über die Passionen Es wäre gut, wenn jeder Landwirt und Handwerker gleich den Beamten, Geistlichen und Lehrern/ sobald sie nicht mehr arbeiten können, einen Ruhegehalt und später ihre Witwen ein Witwengehalt bekämen. Diese Sache ist wenigstens für die Zukunft nahezu allen Landwirten und Handwerkern sowie ihren Frauen möglich gemacht. Nahezu sämtliche Landwirte und Handwerker in unseren Gemeinden, soweit sie das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, haben die Berechtigung zum Eintritt in die freiwillige Versicherung. Der Vorstand der Jnvalidenversicherungsanstalt Großh. Hessen zu Darmstadt hat die Richtigkeit meiner Auffassung, die ich ihm zur Prüfung vorlegte, mit folgenden Worten bestätigt. Die Söhne und Töchter von Handwerksmeistern und Landwirten, die über 16 und noch nicht 40 Jahre alt sind, und von den Eltern im eigenen Handwerk oder in der eigenen Landwirtschaft ohne bare Vergütung (abgesehen von Taschengeld) unter Mitgenuß des allgemeinen Familienunterhalts beschäftigt iverden, gehören, sofern sie nicht invalid im Sinne des Gesetzes sind, zu ben Personen, die nach §14 Absatz 1 Ziffer 3 des Jnväliden-Versicherungs- gesetzes befugt sind, freiwillig in die Versicherung einzutreten. Diese Berechtigung ist insbesondere hinsichtlich der Töchter von außerordentlicher Bedeutung. Alle diejenigen Ehefrauen, die nur im eigenen Haushalt und in der eigenen Landwirtschaft thätig sind (und diese bilden weitaus die Mehrzahl) haben keinerlei Recht, in die freiwillige Versicherung einzutreten. Sind diese Frauen dagegen schon vor ihrer Verheiratung für die Zeit von mindestens 100 Beitragswochen versichert gewesen, dann bleibt ihnen das Recht, freiwillig weiter zu versichern, auch im Ehestand. Durch die oben genannte Berechtigung, die unverheirateten Tochter versichern zu können, ist also Möglichkeit ae- ge6cn, nicht etwa einigen, fsn^rn nahezu sämtlichen künftigen EhefraMü-po^ Handwerkern und Landwirten in ™e£ieinöen eine Rente für die Tage ihrer Arbeits- unrg^gkeit oder ihres Alters zu sichern! Mit einem Beitrag schon von 2,80 Mark an kann einer -er Versicherung beitreten. Wer mehr bezahlt, bekommt natürlich auch eine höhere Rente. Wer z. B. in der 3. Lohn- Ilasse wöchentlich 24 Pf., also im ganzen Jahr 12 Mk. 48 Pf. ^ahlt, der hat nach 10 Jahren den Anspruch auf eine Invalidenrente von 171 Mk. 60 Pf., nach 20 Jahren von 223 Mk. 20 Pf., nach 30 Jahren von 255 Mk. 20 Pf., nach 403af)ren von 296 Mk. 40 Pf., und nach 50 Jahren von 338 Mk. 40 Pf. Wer aber die höchsten Beiträge, die zulässig sind, in der 5. Lohnklasse mit wöchentlich 36 Pf., mithin im ganzen Jahre 18 Mk. 72 Pf. bezahlt, erwirbt nach 10 Jahren den Anspruch auf eine Invalidenrente von 212 Mk. 40 Pf., nach 20 Jahren von 274 Mk. 80 Pf., nach 30 Jahren von 337 Mk. 20 Pf., nach 40 Jahren von 399 Mk. 60 Pf. und nach 50 Jahren von 462 Mk. Gegenüber solchen Renten müssen die jährlichen Bei- trage, die wie eben als Beispiel angegeben wurde, in ^ohnklasse 12 Mk. 48 Pf. und in der höchsten 5. Lohn- klasie 18 Mk. Pf. für alle Wochen des ganzen Jahres betragen, sehr niedrig genannt werden. Gerichtssaal. _ Darmstadt, 14. Febr. (Strafkammer.) Ein Standesbeamter hatte die Eheschließung eines Witwers, der minderjährige Kinder besaß, vollzogen, ohne daß die nach § 1314 des Bürgerlichen Gesetzbuches in solchen Fällen erforderliche Bescheinigung des Vormundschaftsgerichts vorlag. Diese Bescheinigung besteht in einer Beurkundung des Amtsgerichts, daß die Güterverhältnisse zwischen dem betreffenden Vater und seinen erstehelichen Kindern geregelt sind oder eine solche Regelung vorläufig unterbleiben kann. Ter Standesbeamte wurde loegen Vergehens gegen Art. 69 des Personenstandsgesetzes zu 3Mk. Geldstrafe verurteilt. Mainz, 14. Febr. Das Komitee des Mainzer Karnevalvereins hat für die drei Fastnachtstage folgende Veranstaltungen vorgesehen: Fastnachtsonntag.- Großes karnevalistisches Monstrekonzert in zwei Abteilungen, von nachmittags 4 Uhr bis abends 11 Uhr in der Stadthalle. Erne Auswahl vortrefflicher Chorlieder, die Mitwirkung beliebter Solisten wird das Konzert, das in seinem Programm Abteilungen a la Sousa und a la Jeschko enthält, sicher zu einer fidelen Einleitung der Fastnacht gestalten. Tie Prinzengarde, die bekanntlich erfreulicherweise auch in diesem Jahre ausrückt, wird mit der Generalität an der Spitze dem Konzerte beiwohnen. Am Fastnachtmontag findet der traditionelle Halleball statt, der in diesem Jahre besonders glanzvoll zu werden verspricht. Fastnachtdienstag ist dann endlich der große Schlußball in der Halle. sc-, Kassel, 14. Febr. Der- wegen verleumderischer Bel e i d i g u n g unseres jetzigen Oberbürgermeisters M ü-l l c t zu drei Monaten Gefängnis verurteilte Stadt- baumeister May in Eisenach wurde nach erfolgreicher Revision vom Landgericht Weimar wegen einfacher Beleidigung zu 100 M k. Geldstrafe verurteilt. Kassel, 13. Febr. Die Klage des früheren Bürgermeisters der Stadt Homberg a. d. Efze, Sohlke, gegen «Mitglieder der dortigen Stadtverordneten-Versamm- lung wegen Beleidigung wurde heute vom hiesigen Oberlandesgericht (Strafsenat) z u r ü ck g e w i e s e n. Von Magistratsmitgliedern in Homberg war an den Bürgermeister ein Schreiben gerichtet worden, in dem verlangt wird, daß er bei mehrtägigen Reisen die Genehmigung eines Urlaubs beim Magistrat nachsuche, damit für eine Vertretung gesorgt werden könne. Sohlke antwortete hierauf mit seiner Amtsniederlegung. Das Schreiben war derart gehalten, daß die Stadtverordneten-Versammlung einen Beschluß faßte, dahin gehend, daß man das Vorgehen der betr. Magistratsmitglieder als durchaus berechtigt erachte, sachgemäß nach Form und Inhalt, die Beschuldigungen Sohlkes aber zurückweise. Die von dem Bürgermeister gebrauchten Ausdrücke wurden als „höchst ungehörig, wenn nicht unverschämt" erklärt, ja als auf das bürgermeisterliche Schreiben und diesen selbst anwendbar. Keine von dessen Amtshandlungen sei so sehr im Interesse der Stadt gewesen, wie seine letzte, nämlich seine Amtsniederlegung. Diese Resolution, mit Unterschriften versehen, wurde dem Bürgermeister übersandt, der nun seinerseits eine Privatklage gegen die Unterzeichner wegen Beleidigung anstrengte. Sowohl das Schöffengericht in Homberg, wie die Strafkammer in Marburg wiesen den Klüger kostenpflichtig ab, indem den Privatbeklagten der Schutz des § 193 zugute komme. Das Oberlandesgericht kam zu gleichem Urteil. Zürich, 14. Febr. Dor dem Geschworenengerichte in Biel ist ein Sufs hen crrtfltnber P'ozeß beendigt worden. Ein bulgarischer Zögling deS Technikums in Biel, namenS Kostow, batte seine« UNtzögling Demianow bei einer Kahnfahrt auf dem Bteleifee inS Wasser geworfen und geschlagen, als eS dtef-m trotzdem gelang, anS Land zu kommen, dort burdi Mrsierst'che schwer verirtzt. bann ^uSge aubt unb noch seiner Meinung tobt liegen gelassen. Damianoro erholte sich, Kostow würbe auf der Flucht erwilcht und ervieit wegen Raubmordversuches 6 Jahre Zuchthaus und 20Jahre Lande«-V rwe'iuna zue'könnt Kriefkasten der Redaktion. Dr. S. Der Familienname Hacke mag aus mittelhochdeutsch hae (Hages)-Torngesträuch, Gebüsch, Einfriedigung, umfriedeter Wald, Park abzuleiten sein. Aus Hae mag- un/.e Hecke" entstanden sein, das Niederländisch Haag.' heißt.. Angelsächsisch bedeutet Haga Gärtchen, ebenso int Englischen Gehege, Gärtchen. Altnordisch ist Hage ein Weide-- platz. Nach Heinzes Sprachhort bedeutet Hag entweder Hecke, Zaun, oder Gebüsche, Gehege, Hain und bedeutet im Gegensatz zu Wald mehr die waldige Strecke, wo Unterholz vorherrscht. Tie Namen Hacke, Hagen, Haan, Hahn, Hain, Hein dürften sämtlich ähnlichen Ursprungs sein. Sanatogen Hrüstiguugs-u.Auffrischungsmittel besonders für -ieDeror^, AlS Nährmittel bei allen Erschöpfungszuständen von Professoren und Aerzken glänzend begutachtet. Erhältlich in Apotheken unb Drogerien. 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