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Nr. 164 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Zamilien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" und „Blätter für Hess. Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Annahme von Anzeigen »u der nachmittags lür den foleenben Tag rrlcheinenden Nummer bis vorm 10 Uhr. Abbestellungen spätesten« abends vorher. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Dienstag 16. Juli 1901 General-Anzeiger Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2.20, monatl. 75 Pfa. mit Bringerlolm: durch du Abholesicllen viertel.ulivl Ml. 1.90, monatl. 65 Psg. Bei Postbezug vierteljührl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. Alle Anzciqcn DermiltlnngS- stellen dco In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Wicstenrr Anzeiger entgegen. ZcilcnprciS. lokal 12 Psg., außwärt8 20 Pfg. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen ss Politische Wochenschau. Kaiser Wilhelm II. hat am 8. ds. seine gewohnte Nordlandsfahrt angetreten, die sich von den vorhergegangenen insofern unterscheidet, als das Gefolge von SckMen vergrößert worden ist, hauptsächlich um eine noch schleunigere Herbeibringung der Postsachen zu sichern; auch ist die kaiserliche JaM mit Vorrichtungen versehen, die an Xianb sofortigen Anschluß an den Telegraphen ermögliche. So bleibt der Kaiser mehr als je in Verbindung mit den Vorgängen der bewegten Zeit. — Ter preußische Verkehrs- Minister v. Thielen hat bei dem Festmahl der Rheinstrombauverwaltung eine Toastrede gehalten, worin er sagte, daß er Gelegenheit haben würde, seinen Standpunkt zur Wasserstraßensrage in der nächsten Landtagssession wie bisher zu vertreten. Tie „Verl. Reuest. Nachr." meinen, der Trinkspruch des Ministers werde nach verschiedenen Seiten hin die Bedeutung eines klärenden Ereignisses haben. — Tie Stadtverordneten zu Berlin hatten den Stadtrat Kauffmann zum zweiten Bürgermeister gewählt. Als ordnungsmäßig die Bestätigung durch den König Wilhelm II. nachgesucht wurde, erfolgte ein Rein. Darob große Aufregung zunächst in der politisch dem Nichtbestätigten am nächsten stehenden freisinnigen Presse. Warum die Ablehnung? wurde gefragt, und man entdeckte, daß vor zwanzig Jahren Herrn Kaufmann vom König Wilhelm I. als Sekondeleutnant der Landwehr der Abschied erteilt worden sei wegen seiner politischen Thätigkeit im fortschrittlichen Sinne. Tiefe Verabschiedung, so heißt es, sei der Grund für die jetzige Nichtbestätigung. Wenn Herr Kaufsmann ein tüchtiger Beamter ist und sich nichts Ehrenrühriges hat zu schulden kommen lassen, dann würde, nachdem ihn die Stadtverordnetenversammlung gewählt hat, die Nichtbestätigung aus dem angegebenen Grunde deutlich zeigen, wie sehr militärische Tinge in ganz unmilitärischen Angelegenheiten sich( geltend machen. In Berlin waltet allerdings das besondere Verhältnis ob, daß der Landesherr weit eher als anderswo in die Lage kommen kann, den zweiten Bürgermeister als Vertreter des ersten, etwa wenn er verhindert, aus offiziellem Anlaß sich persönlich gegenüber zu sehen. Da nun unter den Aufgaben des Landesherrn die militärischen in Preußen als die vornehmsten gelten, kommen bei dem Verhältnis einer Amtsperson zum König deren militärische Verhält- nisse in Vergangenheit oder Gegenwart mehr in Betracht, als das mancher vom Standpunkte freier bürgerlicher Auffassung wünschen mag. In Berlin erschien dieser Tage die marokkanische Gesandtschaft, die nach London gezogen war, um dem Könige zu seiner Thronbesteigung Glück zu wünschen, und fand dort eine sehr freundliche Ausnahme. An Stelle des abwesenden Reichskanzlers nahm ,sich der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Frhr. v.' Richthosen, ihrer an und stellte sie dem Kaiser vor. Tie ausgetauschten Reden bewiesen, daß es zwischen dem Deutschen Reiche und Marokko aufs beste stehl; soweit das Deutsche Reich] in Betracht kommt, werden die Bemühungen von anderer Seite, das Sultanat Marokko zu beseitigen, keine Förderung erfahren. Ein schlimmer Gast hat wieder in Europa Einzug gehalten, die Pest. Sowohl in Konstantinopel als bei Marseille sind mehrere Pestfälle vorgekommen, worauf alle nötigen Gesundheitsmaßregeln getroffen wurden; die Fälle in Marseille betrafen Dienstpersonal eines von Port Said gekommenen Schiffes. Auch, in Kairo ist die Pest aufgetreten, was an sich wegen der Beziehungen Nordägyptens zu Europa schon bedenklich genug ish Endlich werden fortwährend aus Kapstadt Pestfälle gemeldet. Tie heiße Jahreszeit ist erfahrungsgemäß der Ausbreitung der Pest ungünstig. Tie Kammern in Frankreich haben ihre Ferien angetreten, und nun können die Freunde der Regierung das „lange Ministerium" feiern, weil es wohl nicht denb bar ist, daß das Kabinett Waldeck-Rousseau während der Ferien abtreten muß und es im Oktober beim Wieder- zusammentritt des Parlaments länger gelebt haben wird als irgend ein anderes Ministerium der dritten Republik. Tas längste Leben hat das Ministerium Thiers, das vom 19. Februar 1871 bis zum 23. Mai 1873, also über zwei Jahre und drei Monate sich behauptete. Am 22. September wird das Ministerium Waldeck-Rousseau zwei Jahre und drei Monate alt sein, beim Wiederzusammentritt des Parlaments also etwas älter denn das Kabinett Thiers im Augenblick seines Sturzes. Toch prophezeien ihm Radikale und Sozialisten, es werde in der außerordentlichen Herbstsession böse Tage erleben. Tie Einkommensteuer ist von der Kammer in letzter Stunde nach einer eingehenden Tebatte mit großer Stimmenmehrheit für einen gelegeneren Augenblick aufgespart, das heißt gesenkt worden. Nach dem Beschlüsse, der gefaßt wuroe, soll sie in der Herbsttagung von neuem erörtert werden, wenn die Alters- und Jnvaliditätsversicherung und das Budget für 1892 erledigt sein werden. Aber auch diese Materie ist der Erledigung nicht sicher. Seit dem Jahre 1886 hat die liberale Partei in England keine schwerere Krisis durchgemacht, als in dem letzten Jahre. Damals sprang ein großer Teil Liberaler ab, wegen der politischen Behandlung Irlands, und that sich mit Konservativen zu der großen Unionspartei zusammen; diesmal war und ist es Chamberlains skrupellose, imperialistische Politik, die in den liberalen Reihen verschieden beurteilt wird. Der echte überzeugte Liberale hat die vollständige Unterdrückung der Burenstaaten, die Chamberlain verfolgt und längst geplant hat, von vornherein verworfen, andere möchten auch] für echt liberal gelten, glauben anderseits aber eine patriotische Pflicht zu erfüllen, wenn sie den Bur in höherem oder geringerem Grade hassen. Auf dem am Dienstag zu London gehal- tinen liberalen Parteitage klang das, was das Parteihaupt Campbell Bannerman zu sagen hatte, recht resigniert und elegisch. „Wir sind", sagte er, „im stände, erfolgreich zu handeln, wenn wir einmütig handeln." Die drohenden rückschrittlichen Maßregeln der Regierung in Bezug auf Unterrichts- und Finanzpolitik böten der Opposition ein großes Feld für ihre Thätigkeit. Statt einander zu befehden, müsse der Gegner bekämpft werden. Er glaube nicht, daß über die südafrikanische Frage hoffnungslose Meinungsverschiedenheiten herrschten, vielmehr daß die folgenden Punkte die Ansicht von vier Fünftel der Partei, der Mittelpartei, wiedergäben: Der Krieg muß zu einem baldigen und erfolgreichen Ende gebracht werden, aber mit dem Schwert in der einen und dem Palmzweig in der anderen Hand; es würde unmöglich sein, Bedingungen zu gewähren, welche die Buren besser als vor dem Kriege stellen würden; in der militärischen Politik seien solche Akte zu vermeiden, welche die Empfindung unnatürlicher .Härte zurücklassen würden; allgemeine Amnestie für britische Unterthanen; nach] einem kurzen Zwischenraum außergewöhnlicher Regierung ein freies Kolonialshstem, das zu einer Bundesverfassung führen würde. Der südafrikanische Krieg bildete somit auch auf dem Parteitage den Mittelpunkt der Erörterungen, wozu sich dann hauptsächlich Klagen über persönliche Reibereien, Unterdrückung von Meinungen und über Kabalen gesellten. Diese Klagen deckten das ganze Elend der Partei auf. — Beklemmung hat bei einer Anzahl Engländer das Bewußtsein erregt, daß die englische Mittelmeerflotte den französischjen und russischen Schiffen aus dem Mittelmeer und Schwarzen Meer nicht gewachsen fei. Sehr angenehm war diesen Leuten daher die Erklärung des Parlamentssekretärs deck Admiralität, Forster, wonach neue Schilachtschiffe, neue Panzerkreuzer und neue Torpedoboote gebaut werden sollen, die sämtlich jedem Schiffe einer anderen Macht an Kriegstüchtigkeit und Schnelligkeit überlegen sein würden. Tie Franzosen fühlen, daß diese Wendung hauptsächlich] gegen sie gerichtet ist, trösten sich: aber mit dem Gedanken, daß sie in ihren Unterseebooten eine durch neue überraschende Versuche bewährte Verteidigungs- und Angriffswaffe haben. Im Burenkrieg beschäftigt England noch immer 250 000 Mann ; wie viele hiervon felddienstuntauglich sind, wird in der amtlichen Uebersichft aber nicht angegeben. Tie letzten Operationen der Engländer fanden im Oranjefreistaat statt, wo mehrere Abteilungen konzentrisch einen größeren Landstrich erschlossen, ein Kesseltreiben veranstalteten und gleichzeitig alles verwüsteten und niederbrannten. Tas gehört zu den „außerordentlichen Maßregeln" des Lord Roberts. Es ist eine nur zu natürliche Folge davon, daß die Buren auf englischem Gebiete zu den gleichen „außerordentlichen Maßregeln" greisen. Tas hat unter andern Kommandant Scheepers in Murrraysburg gethan, wo er die öffentlichen und einige private Gebäude niederbrannte. Tas dies geschehen konnte, zeigt die Lage der Engländer im Kaplande als nicht günstig. Lord Kitchener sagt, daß die in die Kapkolonie einmarschierten Buren Zulauf von Kapholländern erhielten; auch würden sie mit Lebensmitteln und Nachrichten über die Bewegungen der Engländer unterstützt. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist HUr unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) •• Parlamentarisches. Eine Vorstellung der hessischen Bahnmeister der Main Neckar-Bahn an die Zweite Kammer geht dahin, daß der in der Besoldungsordnung für die hessischen Bahnmeister festgesetzte Wohnungsanschlag, bez. die eventuelle bare Wohnuugsvergütung von 200 auf 300 Mk. erhöht wird. — Eine Regierungsvorlage, betreffend die Schaffung einer Weinbaudomänenverwaltung zu Mainz. Danach soll 1. da« Amt des Vorstandes der Weinbaudomänen- Verwaltung unter die Aemter mit Höchstgehalt (Höchstgehalt 6000 Mk.) mit der Bemerkung ausgenommen werden, daß dem Inhaber der Stelle eine Mietentschädigung von jährlich 400 Mk. zu gewähren ist, wenn ihm nicht eine zu bezahlende Dienstwohnung zur Verfügung gestellt werden kann; 2. die infolge der Besetzung dieser Stelle seit dem 1. Juli 1901 aufgewendeten Kosten aus Einnahmeüberschüffen und AuS- gabeersparnisfeu des BerwaltungsbudgetS, bezw. insoweit solche nicht vorhanden, durch Entnahme aus dem unter Kap. 136 Titel 2 des genehmigten Hauptvoranschlags 1901/02 reservierten BermögenSbetrag iu der Art bestritten werden, daß die unter Kapitel 1 des erwähnten Hauptvoranschlags in Einnahme gestellte Summe um den Bedarfsbetrag aus jener Reserve erhöht wird. — Die Abgg. Dr. David und HaaS (Mainz) beantragen, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, mit aller Energie bei der Preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung darauf hinzuwirken, daß bet Anlage der llmführuvgSbahn Mainz — Mombach — Wiesbaden — Kastel 1. die Überschreitung des Floßhafens und der Ingelheimer Aue nicht, wie projektiert, durch einen Damm, sondern durch eine Viaduktführung bewerkstelligt wird; ?) die Neber- brückuug des Rheines auch für den Fußgängerverkehr eingerichtet wird. ** Ernennungen. Zum Vorstand der Hufbeschlagschule zu Gießen wurde anstatt des in den Ruhestand getretenen Kreisveterinärarztes Professors Dr. Winkler zu Gießen, der Großh. Kreisveterinärarzt Schmidt zu Gießen und zum Vorstand der Hufbeschlagschule zu Mainz anstatt des in den Ruhestand getretenen KreiSveterinärarzteS Dr. Wolpert, der Großh. Kreisveterinärarzt May zu Mainz ernannt. Ernannt wurde ferner der Gefangenwärter am Provinzial- arresthauS in Darmstadt Peter Häuser zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt mit Wirkung vom 27. Juni d. I. b- Oberhesfischer Geschichtsvereiu. Der Vorstand hat bekanntlich, von Freunden und Gönnern unterstützt, vor einiger Zeit einen Preis von 500 Mk. für ein Werk über die Geschichte deS Schisfenbergs als Kloster und Deutsch- ordenSniederlaffung ausgesetzt. Die Bewerbungsfrist ist neuerdings bis zum 1. Januar 1902 verlängert worden. Näheres über das Preisausschreiben findet man am Schluß des neunten Bandes der „Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins" von 1900. k. Verschüttet. Zu der unter vorstehender Spitzmarke gestern von uns veröffentlichten Mitteilung erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der Verunglückte Johannes Heyer aus Leidenhofen arbeitete auf dem Fernieschen Braunstein- bergwerk und zwar in dem Betrieb des Unternehmers Neuhof aus Wetzlar. Das Unglück trug sich am Donnerstag unmittelbar nach der Frühstückspause zu. Heyer und ein anderer Arbeiter waren im Begriff, Erde in einen Rollwagen zu schaufeln, als plötzlich oben am Stollen sich Erde loslöste und herunterfiel. Während der andere Arbeiter sich noch rechtzeitig retten konnte, wurde Heyer erfaßt, zu Boden geworfen und vollständig verschüttet. Seine Kameraden begannen sofort ihn herauszuschaufeln. Doch war er, als sie den Körper von der Erdmaffe befreit hatten, bereits eine Leiche. Er hatte mehrere Wunden am Kopfe. Der Brustkorb war eingedrückt, außerdem hatte der Verunglückte ein Bein gebrochen. Auch der Halswirbel dürfte gebrochen fein. Wie man hört, war heute ein Herr aus Darmstadt vom Bergbauamt hier, um die Unglücksstelle zu besichtigen. Die Höhe des Stollens, in dem sich der Unfall zutrug, soll zwischen 6 und 7 Meter betragen. ♦♦ Briefaufschriften. Der Briefverkehr in Berlin ist in den letzten Jahren derartig gestiegen, daß es zur Sicherung der schnellen und unverzögerten Bestellung der Sendungen nötig ist, in den Aufschriften der nach Berlin bestimmten Briefe neben dem Postbezirk (N., NO., W. u. s. w.) auch die Nummer deS Postamts anzugeben, von dem die Sendung bestellt oder abgeholt wird (z. B. Berlin W. 9, Berlin NW. 6). Selbstverständlich darf auch die Angabe der Straße, der Hausnummer, des Gebäudeteils und des Stockwerks nicht fehlen. Man muß also beispielsweise schreiben: „An Herrn Kaufmann Karl Müller in Berlin NW. 6, Albrechtftraße Nr. 7, Hinterhaus 3 Tr. links.- Das von der Postverwaltung herausgegebene Verzeichnis der Straßen und Plätze Berlins, das an allen Postschaltern eiu- gesehen werden kann, ergiebt des näheren, zu welchem Bestellpostamt jede Straße und jeder Platz der Stadt Berlin gehört. •* Gegen die kleinen Stechmücken hilft oft Einreiben des Gesichts unv der Hände mit Nelkenöl oder eine Einreibung mit Salmiakgeist. Für das Zimmer bewährt sich das fleißige Bestreuen der Fensterränder mit unverfälschtem persischen Insektenpulver. Das beste ist freilich ein in die Fensteröffnung eingepaßter Gazerahmen. Gegen Abend werden Thür und Fenster geschlossen, in der Dämmerung ziehen sich die Mücken an die Gazefenster und man tötet sie leicht mit einem Tuch und kann so ruhig schlafen. Auch empfiehlt es sich noch, ein Nachtlicht auf einem Teller mit Wasser in die Mitte der Stube auf den Boden zu stellen, das Licht lockt die Mücken an und sie fallen ins Waffer. d- Mendorf a. d. Lda., 14. Juli. Bor einigen Wochen starb hier der Lehrer i. P. Sellin, ohne Leibeserben zu hinterlassen. Da seine Frau ihm acht Tage früher im Tode vorangeganden war, wurde ein Verwandter Erbe der nicht geringen Hinterlaffenschaft des Verstorbenen, die in Wertpapieren, einem Hause und Mobiliar bestand. DaS letztere wurde nun vor einigen Tagen zur öffentlichen Versteigerung cruSgeboten. Hierbei erstand eine Witwe aus dem benachbarten Climbach den Schreibtisch des Verstorbenen für etwa 4 Mk. Sie ließ ihn noch an demselben Tage nach ihrer Wohnung schaffen. Als sie ihn nun von den darin befindlichen wertlosen Papieren entleeren und auswa^eu wollte, fand fie unter den Papieren versteckt zwei Rollen Gold im Betrage von 820 Mk. Ob die Erben, wenn auch alle Möbelstücke, so auch der Schreibtisch, mit Inhalt verkauft worden find, die Frau unangefochten im Besitz der gefundenen Summe lasten werden, ist fraglich. Offenback. 13. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung hat für den Neubau eines Leihhauses 95 000 Mk. bewilligt. Ferner lag chr ein Expos«, betr. die Errichtung eines Anbaues an die Kunstgewerbe- und gewerbliche Fachschule vor, dem sie im allgemeinen zustimmte. — Wegen des Raummangels in den Landesirrenanstalten müssen Geisteskranke in auswärtigen Privatirrenanstalten, wie z. B. in Göppingen, untergebracht werden. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß aus diesem Anlaß, an das Ministerium des Innern das Ersuchen zu richten, auf beschleunigte Schaffung weiterer Räumlichkeiten zu diesem Zweck bedacht sein zu wollen.— Ein bedauerlicher Unglücks fall hat sich gestern nachmittag hier ereignet. Am Mainhafen spielten die zwei Knaben des in der Nähe wohnenden Schlossers Besser, 5 bezw. 7 Jahre alt, und fielen dabei ins Waffer. Der ungefähr 10 Jahre alte Sohn des gleichfalls in der Nähe wohnenden Schreinermeisters Prediger sah den Vorgang und sprang in wahrhaft mutiger Weise den beiden nach, um fte zu retten. Aber alle drei Knaben ertranken. Obwohl sie sofort von herbeigeeilten Leuten herausgeholt wurden uno ärztliche Hilfe zur Stelle war, hatten alle Bemühungen leider keinen Erfolg. — Die 15jährige Helene Nürnberger, bie fdi vor einigen Wochen schwer verbrannte, als sie Petroleum ins Feuer goß, ist gestern nachmittag von ihren schweren Leiden durch den Tod erlöst worden. Bensheim, 14. Juli. Vor einigen Tagen verschwand dahier die Gattin des Fabrikanten A. ohne Angabe ihres Reisezieles. Einem hier umgehenden, von der „K Vo.ksztg. als glaubwürdig bezeichneten Gerüchte zufolge fand nun am 12. dS. in der Frühe ein Pistolenzwerka mpf statt zwischen dem genannten Fabrikanten und dem Gcoßh. Kreis amrmann S. aus Heppenheim, und zwar unter sehr schweren Bedingungen. Der erstere, also der aufs schwerste^Belei- diate 'soll nun auch noch dazu lebeusgefährlich verletzt sem. Mrn bringt allgemein jenes Verschwinden und den Zweikampf m ursächlichen Zusammenhang. Worms, 13. Juli. Auf der Mainzer Landstraße unterhalb hiesiger Gemarkung wurden zwei auf dem Heimwege begriffene hiesige Radfahrer von zwei Zigeunerinnen ange- halten, die sich als Wahrsagerinnen empfahlen. DaS Anerbieten wurde angenommen, und die Zigeunerinnen erhielten für ihre Bemühung entsprechenden Lohn. Während der Ausübung der schwarzen Kunst wurde dem einen Radfahrer Uhr nebst Kette, sowie die Barschaft abgenommen. Später aus dem Heimweg nahm er auch wahr, daß er eine Stichwunde in der Brust hatte. Nach seinen Aussagen wäre ihm die Wunde von einer der Zigeunerinnen, die mit fünf Wagen längs der Chaussee gelagert hatten, beigebracht worden. Auf später erstattete Anzeige wurden die beiden Zigeunerinnen in verflossener Nacht durch die Gendarmerie und Schutzmannschaft verhaftet und ins Haftlokal abgeliefert. Die Zigeunerbande selbst wurde später über die Grenze bei wiesen. Die Verletzung des jungen Mannes, der noch gestern abend in das städtische Krankenhause verbracht wurde, soll nicht ungefährlich fein. Frankfurt a. M., 13. Juli. Heute Nachmittag brach in einer Stallung des Grunostückes der Pferdehandlung von Miyer u. Kaufmann, Bergerstraße 119, Feuer aus, das infolge der dort lagernden großen Heu- und Strohvorräte schnell um sich griff. Die im unteren Stallraum stehenden wertvollen Pferde konnten im letzten Augenblick noch gerettet werden. Der Brand dehnte sich mit großer Schnelligkeit auf ein benachbartes Wohngebäude aus, deffen Dachstuhl zum Teil vernichtet wurde. Zu Schaden gekommen ist niemand. Die Feuerwehr war in voller Stärke am Platze, es gelang ihr bald, des Feuers Herr zu werden. ** Kleine Mitteilungen mtl Hesse« nud den «achdarklaaten. Bei einer Mannheimer Zeitung lief am 12. d. M. eine Postkarte aus Butzbach ein, worin gefragt wurde, ob nicht vor 14 Tagen ein junges Mädchen Namens B. L. versucht habe, sich im Neckar zu ertränken und ob es gerettet worden sei. Am 13. d. M. früh wurde nun am Depot der städtischen Straßenbahnen zu Mannheim die Leiche eines Mädchens von etwa 20 Jahren gekündet, die etwa 14 Tage im Wasser gelegen haben mag. Tie Leiche wurde als die des Dienstmädchens Barbara Lutz aus Ani- lishagen (O.-A. Gerabronn) agnosziert. In welchen Beziehungen das Mädchen zu dem Absender der Postkarte (Müller, Offizier-Kasino, Butzbach) stand, ist noch nicht bekannt. — Auf der Strecke Gieß en-Fulda an der Ueber- fahrt bei Eichenau kam der Rotten-Vorarbeiter Lang von Landenhausen, 33 Jahre all, und Vater von drei Kindern, mns Leben. Ter Unglückliche wurde von einem Kohlenwagen überfahren und konnte nur als Leiche vom Geleise getragen werden. — Die diesjährige Landeskonferenz der Sozialdemokratelr Hessens ist von dem Landeskomitee auf den 1. September nach Offenbach einberufen worden. — In Mainz wurde durch die Explosion einer Petroleumlampe am 11. Juli im Hause Ecke Frauenlobstraße und Rheinallee eine dortige Bewohnerin stark verbrannt. T'a ärztliche Hilfe rasch zur Stelle war, ist Hoffnung vorhanden, die Frau am Leben zu erhalten. Turch Schutz leute und die übrigen Hausbewohner wurde der entstandene Brand in dem betr. Zimmer gelöscht. — Nach Unterschlagung in amtlicher Eigenschaft vereinnahmter Gelder ist von Station Gelnhausen der Stationsgehilfe Möller flüchtig geworden. Ter Staatsanwalt zu Hanau hat einen Steckbrief erlassen. — Ter ledige ca. 30 Jahre alte Wagnermeister Wilhelm Met))er aus Erzenhausen ist von einem mit Stämmen beladenen Wagen überfahren worden; er war sofort tot. — In der Stadtverordnetensitzung zu Mar- b u r g wurde festgestellt, daß dort im verflossenen Jahre für 210.50 Mark Straßenlaternen zerschlagen wurden. — Verhaftet wurden in N i e d er l a h n st e i n die Thäter eines ruchlosen Anschlages, der in der Nacht zum 1. Juli-verübt tourbc. Es sind vier am Hochheimer Tunnelbau beschäftigte Italiener. Sie hatten eiserne Schwellen auf das Eisenbahngeleise der Strecke Ehrenbreitstein-Niederlahnstein gelegt. Ter Lokomotivführer eines Nachts 2 Uhr verkehrenden Güterzuges bemerkte noch so frühzeitig das Hindernis, daß er den Zug vor einer Beschädigung bewahren konnte. — In R h e i n h e s s e n entwickeln sich die Weinberge ganz prächtig, die Trauben sind schon nahezu aus- gewach)eu und Krankheitserscheinungen treten kaum auf. Mit der Kornernte wurde allerwärts begonnen, sie ver- lprrcht im ganzen einen guten Ausfall. — Auf der Chaussee vor Steinau ist der Handelsmann Joseph Goldschmidt uus Schlüchtern infolge Hitzschlags verschieden. Am 11. ist ui Kruspis ein zweijähriges Kind in eimc' ^auaiecjrube geraten und elendiglich ertrunken. — In ai Oiingcu ist ber 10jährige Sohn Eduard des Brief- iragerv Volkmar, der trotz elterlicheii Verbots mit mehreren Kameraden zum Baden in die Werra gegangen v a1' A°n tl,etc ®tct{c geraten und ertrunken. — In V 1 b 0 ld wurde das zwei Jahre alte Mädchen nhnr°n CTMüller am 12. Juli aus dem M 4 gelandet. Das Kind verließ kurz nach 1 Uhr die elterliche Wohnung und ist in ben durch i>en Hausgarten des elterlichen Hauses führenden Bach ge L" .und -rtrunken^ Die Ertrunken/ -L r b e r 2W iljiti J Jahre alten Schwester überlassen. — Schrecklich verbrannt hat sich am 13. Juli in Ludwigsh afen das Drenstmadmen Magd. Fischer, indem es sieh be^m Feueranmachen der Petroleumkanne bediente, bie alsbald erst l o di er t e. ras brennende Petroleum sprinte auf hie beider des Mädchens, sodaß dasselbe sofort in Flammen stand^ In der Aufregung sprang das Mädchen auf die Straße, woraus ihm Arbeiter Säcke überwarfen und so die Flammen erstickten. Tie Verletzungen derselben sind leider so schwer, daß an einem Aufkommen gezwerfelt werden muß. Vermischtes. * Aus Berlin wird uns vom 14. d.M. geschrieben: Eine Tagesneuigkeit lokaler Statur wird hier besprochen. Tie Stadt wollte die „Linden" an den zwei Hauptüber- gangsvunkten' überbrücken. Tarauf erfolgte die Antwort: „Nicht drüber, sondern unten durch." Und darüber freut man sich eigentlich allgemein. Tie neue Hochbahn hat Die schönsten Straßenbilder Berlins verschimpfiert, zwei Hochbrücken über die Linden: Tas würde der Geschmacklosigkeit den Gipfel aufgesetzt haben; man brauchte bie eine nicht einmal über den Kopf des alten Fritz hinwegzuführen. freilich, Hochbrücken sind billiger, wie Tunnels und die tonangebenden Herren in der städtischen Verwaltung hier mit ihren Vettern und Basen auch die maßgebenden Persönlichkeiten im Direktorium der „großen Berliner" u. s. f. Dennoch wird die Zeit nicht mehr ferne sein, wenn auch mir das nicht erleben, daß ber gesamte Schienenverkehr in ben Straßen der Hauptstadt unter die Erde verlegt iuirb. Die Verhältnisse in der Leipzigerstraße z. B. weisen heute schon gebieterisch darauf hin. * Frem dwon im Volksmunde. Unter Bezugnahme auf eine kuriose kleine Mitteilung, die wir in unserer Nr. 160 unter dieser Spitzmarke veröffentlichten, wird uns heute aus der in jener Notiz erwähnten Stadt geschrieben: Die spaß Hafteste Bemerkung jenes vortrefflichen Stadtrates war wohl folgende: „Wenn mein Sohu das Insurgenten- Examen gemacht hat, bann kann er alle Barrieren einschlagen!" * Berlin, 13. Juli. Heute nachmittag 3 Uhr ging unter strömendem Regen ein heftiges Gewitter nieder. Der Blitz schlug in der Charlottenstraße in einen Pfosten der elektrischen Straßenbahn vor „Wolffs Telegraphischem Bureau". Ter Pfosten wurde in Brand gesetzt und explodierte. Ter Blitz ging durch die Blitzableiter der benachbarten Häuser in bie Erde nieder. Im „Wolffschen Bureau" sind einzelne elektrische Leitungen durchgebrannt. Im ganzen Bureau wurde eine heftige Erschütterung ver- pürt. * Berlin, 13. Juli. Die am Donnerstag mit einem 8400 Kubikmeter fassenden Ballon des Meteorologischen Instituts ausgeführte Fahrt bezweckte in erster Linie Unter- uchungen über den Einfluß der Höhe auf den menschlichen Organismus. Bei 7200 Meter Höhe konnten die geplanten Beobachtungen vollständig durchgeführt werden. Die Landung erfolgte nach 9 einhalb Stunden in der Rhein- Pfalz zwischen Pirmasens und Zweibrücken. * Ue6 er eine Duellaffaire, die bereits im Februar üdenjReichstag beschäftigt hat, schreibt jetzt die „Straßburger Bürgerztg.": Bei dem sächsischen Artillerie-Regiment Nr. 12 stand bis zum vorigen Herbst der Oberleutnant H. Der Offizier hatte eine vollkommen tadellose Kondukte; er war für China in Aussicht genommen, und stand bei allen Ehren und Vergünstigungen, die das Regiment zu vergeben hat, ' obenan. In etwa zwei Jahren hatte er die Beförderung zum Hauptmann zu erwarten. Im vorigen Sommer war beim Regiment ein junger Leutnant eingestellt, der die fatale Eigenschaft hatte, in ber Betrunkenheit alle Selbstbeherrschung und gänzlich den Verstand zu verlieren. Bei einem Liebesmahl betrank sich der junge Mann wieder sinnlos unb wurde, wie das üblich ist, in einer Kiste in die „Leichenkammer" getragen, wie man ras für solche Fälle reservierte Zimmer scherzend benennt. Gerade als die Kiste niedergesetzt wurde, fuhr der Betrunkene aus seinem Taumel ein wenig auf, und traf den Oberleutnant H. mit einem Schlage am Kopfe. Weil es bisher allgemein üblich gewesen ist, in Fällen sinnloser Trunkenheit derartige Geschichten mit einer Entschuldigung am andern Tage zu erledigen, legte niemand Gewicht auf den Vorgang. Es wurde ruhig weiter getafelt. Am andern Morgen schickte der Oberleutnant H. einen Kameraden, der dem Ehrenrat des Regiments angehörte, zu dein Manne mit dem Auftrage, sich zunächst zu vergewissern, ob jener sich des Vorganges noch erinnere, und weiter ihm zu sagen, daß die Sache dem Ehrenrat unterbreitet werden solle. Der junge Mensch wußte nichts von der ganzen Geschichte, stürzte aber sofort zum Oberleutnant H., und bat diesen um Entschuldigung. Der Ehrenrat des Regiments, der trotzdem um sein Votum angegangen wurde, entschied einstimmig, daß sich Oberleutnant " H. korrekt benommen habe, daß die Geschichte mit der Ent- chulbigung erledigt, und dem jungen Leutnant X. eine Rüge zu erteilen sei. Die Entscheidung wurde vom Regiments-Kommandeur dem kommandierenden General von Treitschke in Leipzig unterbreitet. Der General erwirkte eine Ordre des Königs von Sachsen, durch welchen der Spruch des Ehrenrats kassiert- und die Sache zur Entscheidung an ein in Leipzig unter den Augen des Korpskomman- beurs garnisonierendes Regiment gegeben wurde. Der Ehrenrat dieses Regiments entschied nun, daß sich der Oberleutnant H. nicht korrekt benommen habe, weil er in der Form des Auftrags an den Kartellträger zu erkennen gegeben habe, daß ihm eine friedliche Erledigung willkommen sei. Der Oberleutnant sei deshalb mit schlichtem Abschied zu entlassen. Der Oberst des Regiments Nr. 12 teilte diese Entscheidung den Offizieren des Regiments unter Zeichen tiefer Erregung mit und fügte hinzu, daß nach diesem Spruch es schwer sei, in Ehrensachen das Richtige zu treffen; „ich kann Ihnen nur raten, meine Herren, fordern Sie in allen Fällen mindestens auf Säbel." * Köln, 13. Juli. Wiederum ist ein nichtsnutziger Anschlag auf einen Eisenbahnzug, und zwar diesmal auf ben Berlin Kölner Nachtschnellzug, verübt worden, indem bei Dortmund eine Hauptweiche derart mit Steinen und andercn Gegenständen verrammelt wurde, daß sie sich nicht mehr umlegen ließ. Der Streckenwärter entdeckte in der verflossenen Nacht das Bubenstück und verhütete dadurch grenzenloses Unglück, da wenige Minuten später der stark besetzte Berliner Schnellzug die Weiche passierte. * Barmen, 13. Juli. Zwei Rentner, die beiden 59 und 61 Jahre alten Brüder Wilhelm und Gustav H ö d i g haben sich in ihrer gemeinsamen Wohnung erhängt. Der eine der beiden-Brüder, die einander sehr zngethan waren, und im Volksmund „die Unzertrennlichen" hießen, war in der letzten Zeit erkrankt. Man vermutet, daß die beiden in einem Anfall von Melancholie den Tod gesucht haben. Bremen, 13. Juli. Laut Bekanntmachung des Onarantäneamts in Bremerhaven wird infolge des Auftretens ber Pest in Konstantinopel fier bie aus den türki- schen Häfen im Bosporus, Marmarameer, Schwarzen und Aegäischen Meer kommenden Schliffe eine. gesundheitspolizeiliche Kontrolle angeordnet. * L e i p z i g, 13. Juli. Von der „Leipziger Bierbrauerei zu Reudnitz, Rieb eck & Ko. Aktiengesellschaft" wird mit- geteilt Ter gestrige Brand ist auf Selbstentzündung von Mehlstaub in der Schrotmüllerei zurückzuführen. Tas Feuer ergriff die dort lagernden Malzvorrate und verbreitete sich nach den anderen in drei Gebäuden befindlichen Malzböden. Tiese waren ganz aus Holz gebaut, chdaß^ sie bis auf die gewölbten Tennen ansbrannten. Tas Subhausgewölbe werde durch ben einstürzenben Giebel burch- schlageu. In einigen Tagen kann aber im Sudhaus der Betrieb wieder aufgenommen werden. Die verbrannten Malzvorräte werden durch Kaufmatz ersetzt. Alle übrigen Betriebs- und die Eismaschinen skud unbeschädigt und arbeiten, ebenso sind die sonstigen Räume unb maschinellen Einrichtungen in vollem Betriebe. Die Schäden find durch Versicherung gedeckt. Voraussichtlich werben auch dieses Mal wieder 10 Prozent Dividende gezahlt, da der Absatz der Brauerei sich auch in diesem Jahre wieder gehoben hat. * Lauda (Baden), 12. Juli. Bahnassistent Häfner von Unterbalbach fuhr gleich nach dem Mittagessen (!) nach Lauda, um in der Tauber zu baden. Mit ihm badete Bn- reaugehilfe Apfel von hier. Plötzlich sank Häfner, vielleicht von einem Krampfe befallen, unter. Häfner schlang aber in seiner Rot die Arme um Apfel, unb zog biesen so mit sich in die Tiefe. Ein dritter Mitbadender, ebenfalls ein Bahnbeamter, ben einer ber Ertrinkenben am Fuße gepackt hatte, konnte sich noch retten; seine weiteren Hilfeleistungen waren erfolglos. * Der w u r 11 e m b e r g i f ch e Durst Man schreibt aus Stuttgart: Finanzrat Tr. Losch, Privatbozent ber Nationalökonomie und Statistin an ber hiesigen Technischen Hochschule, bespricht. in einer Broschüre „Württembergifche Gegenwartsfragen unb Zukunftssorgen". Losch hebt darin u. a. hervor, daß der Verbrauch an geistigen Getränken in Württemberg in den letzten 25 Jahren zusammen auf 4000 Millionen Mark zu veranschlagen ist Er knüpft an diese Feststellung folgende Betrachtungen: „Setzen wir'einmal den Fall, es hätte von den 4000 Millionen Mark, die wir als „Getränkebudget" ber württembergischen Bevölkerung in ben letzten 25 Jahren gefunben haben, 3000 Mill. Mark das normale, b. h. bav berechtigte unb naturgemäße „Trintbildget" gebilbet, 1000 Millionen aber bas, was man als „Saufbudget" bezeichnen könnte, so wirb kein Verstänbiger in Abrede ziehen: 1. daß mau jene Milliarde auch anders hätte verwenden können, 2. daß sie unbedingt verloren ist 3. daß sie noch eine Reihe von ganz erheblichen Nachteilen im Gefolge gehabt hat, welche finanziell nicht genau zu beziffern sind, aber in Krankenhaus-, Zuchthaus-, Irrenhaus-, Unfall-, Arzt-, Gerichts- und anderen Kosten aller Art in die Erscheinung teils getreten sind, teils noch treten. Man hätte durch diesen Betrag die sämtlichen Schulden des Staates und ber Gemeinben Württembergs bis auf ben letzten Pfennig tilgen können, und märe so der lästigen Zinsen ledig, die Jahr zu Jahr aufgebracht werden müssen." * Tettelbach (Mittelfranken), 13. Juli. Hier tötete ein irrsinniger Büttnergehilfe seine Mutter mit einem Beilhiebe unb verletzte seinen Vater schwer. * S t r a ß b n r g, 12. Juli, lieber einen Anschlag auf einen Posten in Mutzig wird Folgendes gemeldet: Gegen halb 2 Uhr morgens sah ber vor dem Hause des Majors stehende Fahnenvosten — in Mutzig liegt nur ein Bataillon vom Jnf.-Regt. Nr. 143 — einen Mann auf die Kaserne zugehen. Der Posten ahnte nichts Schlimmes, bis er auf einmal jemand hinter sich laufen hörte. In demselben Augenblick wurde sein Gewehr von hinten gefaßt und heruntergedrückt, unb zugleich mit einem Revolver ein Schuß abgegeben, der ihn auf der rechten Seite traf. Der Verwundete schrie sofort um Hilfe, worauf der Angreifer in der Richtung zum Oberthor davoulief. Er wurde aber von Leuten, bie auf den Hilferuf des Solbaten wach wurden, gesehen und konnte bei dem hellen Mondschein gut beobachtet werden, so daß eine ziemlich sichere Beschreibung von ihm festgestellt werden könnte. Den Revolver hatte er nach der That auf bie Straße geworfen, wo er später gefunden wurde. Major Roeder ließ sofort das Bataillon alarmieren, unb ben Ort unb die Umgebung absuchen. Die telegraphisch benachrichtigte Polizei verhaftete den Thäter in Schlettstadt, wo er gerade den Zug nach Basel benutzen wollte. Der Mann ist Italiener. Heber feine Beweggründe zu ber That ist noch nichts bekannt. In dem kleinen Städtchen ruft ber Vorfall große Aufregung hervor. * Paris, 13. Juli. Der Luftballon des Herrn Santos-Dumont wurde auf ber Rückfahrt vom Eiffelturm nach Sk. Cloud von einer starken Windströmung' erfaßt, so daß der Motor über dem Rothschild'schen Park bei Boulogne a. d. Seine den Dien ft versagte. Santos- Dumont mußte ben Ballon mit dem Messer aufschneiden, um die Landung zu ermöglichen, und der Llpparat ging in den Bäumen des Parkes nieder ohne weiteren Schöben ür den Insassen. Trotz des überraschenden anfänglichen Erfolges ber Fahrt ist es infolgedessen beim Versuch gehlieben, und bie Kommission des Aeroklubs hatte noch keinen Anlast ihr Urteil zu fällen. Zürich, 13. Juli. Notar Kägi in Niederglatt hat ich mit Hinterlassung eines Defizits von über 100 000 Frs. geflüchtet. * Newyork, 13. Juli. Im Süden unb Westen ist es noch äußerst heiß. Depeschen aus Missouri und Kansas, wo die Trockenheit seit 40 Jahren die schlimmste ist, be- agen, daß der Stand des Mais sehr schlecht ist. Berichte aus Nebraska enthalten auch nur wenig bessere Mitteilungen. ,Jn Illinois, Iowa und Süd-Dakota macht die Ernte im Turchschnitt gute Fortschritte. * Ein kaukasisches Sittenbild enthüllte ber Prozeß des Fürsten Konstantin Zulukidse, der dieser Tage in der Kassationsabteilung des Senats zu Petersburg zur Verhavd- lnng kam. Der Fürst ist des Brautraubes bezichtigt. Vor mehreren Jahren warb er um die Hand der Tochter des Fürsten G. Zulukidse, der auf seiner Besitzung im Gouvernement Kutais lebte. Die vielumworbene, in der ganzen Gegend als hervorragende Schönheit bekannte Marie Zulu« kidse erhielt jedoch nicht die Einwilligung ihrer Eltern zu der Heirat mit dem Fürsten Konstantin, und dieser brach den offenen Verkehr mit der Familie der Geliebten ab; es wurde aber ein geheimer Briefwechscl zwischen ihm und Marie Zulukidse fortgesetzt. Eines Tages veranstaltete Fürst Konstantin ein großes Fest, zu dem er auch die Eltern seiner Geliebten nebst der schönen Tochter einlud. Als das Fest zu Ende ging, trug Fürst Konstantin plötzlich vor den Augen der Gäste die Geliebte zum Hause hinaus, setzte sie in einen bereitstehenden Wagen und fuhr mit ihr davon. Man setzte Schlesische abgelehnt. Tabak 4266 12. Ebba. Dresden, D. R. P. 76 912 von Literarische Neuerscheinungen. Engel, Dr. Th , Die wtchtigstm Grstetr-Sarten der Erde nebst voraus geschickter Etnsührunp in die Geologie. Zweite verm. u. v rb. Auflag'- 1. Lieferung. (S. 1 bis 48.) Ravensburg, Otto Mair. Wagener fit Schilling Oberkaufangen tragen Diese Einlagen sind nach aßen Setten biegsam, unzerbrechlich und rostfrei. Man verlange ausdrücklich nur Corseis oder Mieder mit Stempel: Wagener & SchiUing’sche Hercules-Spiral-Einlagen, oder Hercules-Spiralen D. K. P.769IÄ w Ueberall zu haben. "W 1 Mark. Die Gesellschaft. 17. Jahrg. 1. Jultheft. E. PterfonS Verlag. 75 Pfg. Nord und Süd. Bd. 98, Heft 292. Breslau, Wir sind nicht in der Lage, über eine Besierung des Geschäfts während der abgelaufenen Woche berichten zu können; das Geschäft liegt sehr ruhig. Es wurden verkauft einige hundert Zentner alter 1898er Rheinbayrische Schneidtabake zum Preise von Mk. 28, tranfit, und einige Kleinigkeiten 1900er Einlagetabake zu Mk 35 transit. In gutbrennender loser alter Einlage macht sich Mangel an guter Ware immer mehr geltend, und es besteht bedeutend mehr Nachfrage als Vorräte vorhanden sind. In losen Pfälzer Rippen ruhig, lose feine Mk. 9,00 bis 9,50, gebündelte Mk. 11,00 bis 11,50. Viehmarkt. Die süddeutschen Viehmärkte waren während der Berichtswoche fast sämtlich sehr stark frequentiert, aber auch der Handel gestaltete sich sehr lebhaft. Im Vordergründe des Geschäftes stand natürlich prima Großvieh, das schlanken Absatz fand, während bei der großen Nachfrage und deS verhältnismäßig geringen Zutriebes in ersterem auch mittlere Qualitäten bester beachtet wurden. Das Geschäft in letzteren ist als sehr gutes „Ei! Ei! Fräulein Pellenat! Nehmen Sie sich nur in Verlagsanstalt. 2 Mk. Blümlein. Karl, Die Saalburg. S-parat-Abdruck aus dem Jahrg. 1901 des „Humanist. Gymnasiums". zu bezeichnen, Kälber waren etm/s für Dezember, 87 für März, 37*/, für Mat am 4. Juli. UmversiMs Nachrichten. In der Universität zu Berlin fand die'zahlreich besuchte General-Versammlung der Berliner Freien Studentenschaft statt. Aus dem Semesterbericht ist mitteilenswert: Das Gesuch des Präsidiums um 500 Mk. Beihilfe aus dem Studentenfonds zur Gründung eines Arbeitsnachweises für Studierende wurde vom Rektor- abschlägig beschieden. In das Komitee für Volks hochschul- kurse wurde ein Vertreter entsandt. Für die Hallenser Fin- lenschaft nahm man einstimmig folgende Resolution an: „Die ordentliche Generalversammlung der Berliner Freien Studentenschaft spricht ihren bedrängten nichtinkorporierten Komilitonen in .Halle ihre herzliche Sympathie in ihrem Kampfe um die Existenzmöglichkeit aus." Diakonus Thomas in Gera hat vor einigen Tagen vor der theologischen Fakultät dec Universität Gießen das sogenannte examen rigorosum bestanden und die Würde eines Licentiaten der Theologie erworben. Die von ihm eingereichte wissenschaftliche Arbeit betrifft die Anschauung der Reformatoren vom Wesen der christlichen Kirche. Theater, Kunst und Wissenschaft. Zürich, 12. Juli. Heute fand die konstituierende Versammlung der internationalen Gesellschaft zur Förderung des kaufmännischen U n t e r r i ch t s we s e n s statt. Gegen 80 Delegierte waren anwesend aus Deutschland, England, Frankreich, Rußland, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Holland, Schweden-Norwegen, Serbien, Schweiz. Den Vorsitz führt Regierungsrat Stegemanu (Braunschweig). Die vorgeschlagenen Statuten wurden in ihren Grund- zügeu angenommen. Jedes Land bildet eine besonders Gruppe. Als Organe der Gesellschaft fungieren die General- Versammlung, der Zentral-Ausschuß und der Zentralvorstand. Lfa. 50 Pfg. ELo aus dem Gebirge. Jllustr. Fachblatt für Z ther- fpt l. 19. Jahrgang Nr. 4 bis 6, 2. Qu. 1901. Stuttgart, Karl Grüntuger. 1,20 bezw. 1,70 Mk. Neue Muftkzettung. 22. Jahrg. M. 7 bis ihnen vergeblich nach. Erst nach mehreren Tagen spürte man den Aufenthaltsort der schönen Marie auf und überredete sie, zu den Elter» zurückzukehren. Sie that das aber erst, nachdem man ihr die feierliche Versicherung gegeben hatte, daß den Entführer keine Strafe treffen sollte. Doch es kam anders. Der Vater des Mädchens verklagte den Fürsten Konstantin und Marie änderte vor Gericht ihre erste Aussage und sagte, daß sie gegen ihren Willen und mit Gewalt entführt worden sei. Die Aussagen von Zeugen und da« Verhalten der schonen Fürsten.ochter vor ihrer Rückkehr zu den Eltern ließen jedoch darauf schließen daß Maile mit bet Entsührung einverstanden war. Die erste Instanz »“• urteilte den Fürsten daher nur wegen einfacher Entsührung einer Minderjährigen ju sech« Monaten Gesängn,«. Gegen dieses Urteil legte der Vater der Entführten in Tilsit Be- rufunfl ein, und Marie, die inzwischen einen reichen Mann geheiratet hat, belastete den ehemaligen Geliebten derart, daß er zu Zwangsarbeit und zum Verlust aller besonderen Rechte verurteilt wurde. Fürst Konstantin appellierte jedoch an den Senat und wies nach, daß Marie auf Anstiftung ihrer Eltern ihre ersten Aussagen geändert hätte. Der Senat hob das in Tilsit gesprochene Urteil aus, und der Prozeß wird noch einmal verhandelt werden. Acht!" , ! Am nächsten Morgen soll Schiller dann aurij; mit seiner Zimmerwirtin, der Frau Pellenat, über diesen Gegen- ; stand ein Gespräch angeknüpft haben. Er gab der Mutter ; Öen Xat, ihre Tochter zu veranlassen, zum Landrichter Zimmermann, dem Untersuchuiigsrichter, zu gehen und ihre Aussage zurückzunehmen. Noch fei es Zeit, noch könne sie agen, sie habe sich geirrt. Die Familie würde sich damit große tlnannehmlichkeiten ersparen, denn bei der Verhandlung könnte leicht eine für tnc Tochter unangenehme Angelegenheit mit zur Sprache kommen. „Lassen Sie sich raten, Frau Pellenar, es ist Vesser für Sie, Sie entgehen großen Unannehmlichkeiten". Frau Pellenat mußte ihm chließlich noch-die Hand darauf geben, daß sie ihrem Manne nichts sagen werde. Schiller reifte dann flach Berlin, als er nach acht Tagen zurückkam, sagte er nvch>- mals zu Frau Pellenat: „Ei! Ci! eie haben nicht recht gethan, daß Sie meinen Rat nicht befolgt haben." Zu den HauptbelasMngszeugen für Moritz Lewy g. hörte auch der Klempnergeselle Gustav Schlichter aus Könitz, der ebenfalls Winter und Lewy zusammen gesehen haben wollte. In Könitz hatte Schlichter zusammen mit dem Klempnergesellen Friedrich Nickeleit gearbeitet, der dann aber nach Neustettin gegangen war. Am 28. Dezember wurde ihm auf seiner Arbeitsstätte ein Brief von Schiller überbracht, in dem er gebeten wurde, in das Restaurations- loial des Preußischen Hofes in Neustettin hinüber zu kommen. Schiller habe ihm Grüße von seinen Eltern aus Gumbinnen zu überbringen und ichm manches zu sagen. Für die Zeitversäumnis solle er entschädigt werden. Ms Nickeleit in der Gaststube eintrat, begrüßte ihn gleich Schiller, der sieh als Kriminalpolizeiagent vorgestellt und oesagt haben soll: „Ich bin bei Ihren Eltern in Gum binnen gewesen und habe mit Ihnen in einer gewissen Angelegenheit zu sprechen." Er forderte Nickeleit auf, leise zu sprechen und fragte ihn, ob er den Klempnergesellen Gustav Schlichter kenne. Als Nickeleit das bejahte, sagte er : „Es ist doch wahr, daß Schlichter zu Ihnen gesagt hat, er wolle Bloß den Moritz Lewy einkriegen." Nickeleit fragte erstaunt, wer ihm das gesagt habe. Darauf entgegnete Schiller: „Der alte Lewy, dem haben Sie es ja selbst gesagt." Als Nickeleit erklärte, daß er den alten Lewy gar nicht kenne, soll Schiller geantwortet haben: „Sie wollen mir nichts sagen, Lewy hat Geld, er verlangt es nicht umsonst. Wenn Sie es beschwören, daß Schlichter so zu Ihnen gesagt hat, sollen Sie andy ein schönes Geld erhalten." Nickeleit will dann erwidert haben: „Ich kann doch nicht beschwören, was ich nicht weiß", worauf Schiller noch geantwortet haben soll: „Ich habe meinen Vorteil, und Sie auch, besinnen Sie sich nur." Freiburg i. B., 14. Juli. Die Strafkammer hatte den Zahnarzt Max Jsele von der Anklage freigesprochen, durch Führung des amerikanischen Doktortitels gegen §360 Ziffer 8 R. St. G. B. verstoßen zu haben. Die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision ist vom Oberlandesgericht Karlsruhe verworfen und somit die Freisprechung Aufruf wegen Errichtung eines Scheffel-Denkmals zu Reichelsheim im Odenwalds. Es ist beabsichtigt, einem LieblingSdichier des deutschen Volke-: Joseph Viktor 0 Scheffel, ein Denkmal zu Reichelsheim im Odenwalde mit Rücksicht auf die Beziehungen des Dichters zu diesem Orte und dessen Umgebung zu setzen. Joseph Viktor v. Scheffel hat sich für alle Zeiten nicht nur die Bewunderung, sondern auch die begeisterte Verehrung der Deutschen erworben, denn ihm, dem liebenswürdigen Humoristen, ist eS vor allen gelungen, die Eigenart in Sitten und Gebräuchen, im Denken und Fühlen feiner StammeSgenoffen mit lebensvoller Frische poetisch dar- zustellcn. Seinem stark ausgeprägten Natursinn, seiner gemütlich«, Versenkung in die Schönheit seines Heimatlandes, seiner Neigung, von der Landschaft die Anregung zu dichterischem Schaffen zu empfangen, seiner Vorliebe für die poetische Wiedergabe lokaler Sagen und Ueber- lieserungen verdanken wir seine besten Werke, verdanken wir seine herrlichen Lieder, die ihre Bedeutung nicht verlieren werden, so lange in unserem Daterlande und insbesondere in der deutschen Jugend ein gesunder Sinn für heitere und poesievolle LebevSauffaffung eine Stätte hat. Wenn auch Scheffel seine hauptsächlichsten Anregungen von ,,bm wildbachdurchrauschten Thälern des Schwarzwatdes, dem träumerischen Verweilen in zerfallenen Bergvesten und verlassenen Klosterhöfen" »einer engeren Heimat empfing, so ist doch auch der Odenwald und vorzugsweise die Gegend von Reichelsheim auf seine dichterische Schöpfung in hervorragendem Maße von Einfluß gewesen. Sie hat ihm den Anlaß uib Stoff zu einer Reihe von Liedern gegeben, in denen ein unübertrefflicher Humor Herz und Gemüt erfreut, in bmen aber auch ein gutes Stück Lebensweisheit verborgen liegt. Es werden die Lieder vom Rodenstein, diese in sich vollendeten Meisterwerke der humoristischm Kunst — wie Johannes Pcoelß, der ausgezeichnet« Biograph de» Dichters, hervorhebt — ihren Wert und ihre Wirkung nie einbüßen. Nachdem Scheffels erstes Lied „Das wilde Heer" in Heidelberg mächtigen Anklang und ungeahnten Beifall gefunden, hat dieser Erfolg auf den Dichter fo ermunternd gewirkt, daß er nach einer Wanderung durch den Odenwald im Sommer 1857 dieselben humorvollen Töne erklingen ließ und die Lieder von den drei Dörfern schuf, die zu dm Perlen der humoristischen Weltlitteratur gezählt werden. Durch diese und die daran anknüpfenden Dichtungen hat Scheffel die Gegend von Reichelsheim und insbesondere „Reichelsheim das treue" weit über die Grmzen Heffens hinaus bekannt gemacht. An der Stätte, an welcher der Dichter in seinem echtm Sinn für volkstümliches Wesen, mit seinem urwüchsigen kerndeutschm Humor besonderes Interesse genommen, die er in schöpferischer Kraft für alle Zeiten mit feinem Ruhm verknüpft hat, ihm ein ehrendes Zeichen der Erinnerung zu widmen, ist gewiß ein Akt dankbarer Huldigung. Das unterzeichnete Komitee für die Errichtung eines Scheffel- Denkmals zu Reichelsheim glaubt daher, die so zahlreichen Freund« des Dichters in Nah und Fern zu Beiträgen für das Denkmal auffordern zu dürfen. Reichelsheim, im Juli 1899. Das Komitee. KreiSratFey,Erbachi.O. RealfchuldirektorDr.Gerhard,Michelstadt. (Vorsitzender.) (Schriftführer.) Kreisschulinspektor Kleinschmidt, Erbach t. O. (Rechner.) Arthur, Graf zu Erbach. Museumsinspekior Dr. Back, Darmstadt. Kaufmann Bauer, Reichelsheim. Provinzialdirektor v. Bechtold, Gießen. Hofkammerrat Bickel Haupt, Erbach. Oberlehrer B ormuth, Reichelsheim. EisenbahndirektionSpräsidmt Breitenbach, Mainz. Ministerialrat Braun, Vorsitzender des Odenwald-Klubs, Darmstadt. KretS-Bauinfprktor Die hm, Erbach. Bürgermeister D i n g e l d e i n, Reichelsheim. Lehrer Fritz, Vorsitzender der Odeowald-Klubsektion Reichelsheim. Oberstleutnant z. D. Gab, Vorsitzender des Journalisten- und SchriftsüllervereinS Datm- stadt. Generalmajor Freiherr v. Gemmingen, Fränkisch- Crumbach. Provinzialdirektor Freiherr v. Gagern, Mainz. Rechtsanwalt HallwachS, Darmstadt. Reichstagsabgeordneter Geheimer Regierungsrat Haas, Offenbach. Landtagsabgeorbneter Häusel, Michelstadt. Freiherr M. 0. Heyl, Darmstadt. Oekonom Jost, Reichelsheim. Geh. Hofrat Professor Dr. K i t t l e r, Darmstadt. Geh. Hof rat Professor Dr. Lepstuö, Darmstadt. Dr. med. Lipp, Reichelsheim. Geh. Medtzinalrat Professor Dr. L ö h- lein, Rektor der Universität Gießen. Oberpostdtrektor Maier, Darmstadt. Rentner Marburg, Michelstadt. Geheimrat v. M a r- quardt, Großh. Provinzialdirektor, Darmstadt. Postverwalter Mer gell, Reichelsheim. Dr. W. Merck, Darmstadt. K-rk Müller, Ehrenvorsitzender des Odenwald Klubs. Darmstadt. Re- fierungsrat N 0 a cf, Vorsitzender der Zmtralftelle für Gewerbe, Darm- •tabt. Landtagsabgeordneter Nipper, Pfaffen-Beerfurth. Bürgermeister Ripp er, Gersprenz. Kabinetsrat Römheld, Darmstadt. Karl Schäfer, Schriftsteller, Darmstadt. Lanbtagsaogcordnetrr Rechtsanwalt Schmeel I., Darmstadt. Pfarrer Schnerder, Reichelsheim. Beigeordneter W er ner, Reichelsheim. RegterungSrat Wick, Erbach. Karl Wittich, Darmstadt. Hauptmann ä la suite 3ernin, Schriftsteller, Darmstadt. Gerichtssaal. Söltt, 11. Juli. Nicht weniger als vier Personen hatten sich heute wegen Vergehens gegen § 176 Absatz 3 des Strafgesetzbuchs vor der Strafkammer zu verantworten. Der 41jährige verheiratete Kaufmann Jos. Hub. Zeitig wurde wegen Vergehens in drei Fällen — er hatte die That mit den in die sog. Sternbergaffaire verwickelten Mädchen unter deren Weihnachtsbaum begangen — zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt- Der 32jährige, bereits wegen des gleichen Vergehens vorbestrafte verkrüppelte Taglöhner Heinr. Kneife! wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Zuchthaus beantragt. Der Kohlenhändler August Kleffenstein, welcher von der Strafkammer zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war, hatte an das Reichsgericht appelliert, das die Angelegenheit an die Strafkammer zurückverwies; diese bestätigte heute das frühere Urteil. Der vierte Angeklagte, ein ver. heirateter Schuhmacher, wurde freigesprochen. Könitz, 13. Juli. Wegen Verleitung zum Meineid wurde heute der Privatdetektiv Schiller zu 2 ein halb Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Beantragt waren 3 Jahre Zuchthaus. Nach dem Anklagebeschluß war Sch. beschuldigt, in der Straffache gegen den inzwischen wegen Meineids zu vier Jahren Zuchthaus von dem Konitzer Schwurgericht verurteilten Fleischergesellen Moritz Lewy durch zwei selbstständige Handlungen: 1. die Zeugin Fräulein Käthe Pellenat zur Abgabe eines falschen' Zeugnisses zu verleiten versucht zu haben, 2. versucht zu haben, den Klempner- gesellen Friedrich Nickeleit zu Neuftettin zu verleiten, daß er wissentlich ein falsches Zeugnis mit einem Eid bekräftige oder den vor seiner Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein falsches Zeugnis bekräftige. Schiller war kurz nach der Auffindung der Leichenteile des aus bisher unaufgeklärte Art am 11. März 1900 um das Leben gekommenen Gymnasiasten Ernst Winter nach Könitz gekommen, um nach dem Mörder zu suchen, und sich die 'ausgesetzten hohen Belohnungen (32000 Mk.) zu verdienen. Schiller wohnte bei^ dem Steueraufseher Pellenat in Könitz. Die Tochter dieser Familie, Käthe Pellenat, war am 6. Dezember v. Js. in dem Beleidigungsprozeß gegen die Stäats- bürger-Zeitung uwtz am 8. Dezember v. Js. in der Unter- suchungssache gegen Moritz Lewy als Zeugin vernommen worden. Fräulein Pellenat gehörte auch zu jenen Personen, die einen Verkehr zwischen Ernst Winter und Moriz Lewy gesehen hatten. Kurz nach ihrer Vernehmung tra- Fräulein Pellenat Schiller, der zu ihr sagte: „Nun, Fräulein Pellenat, Sie sind a)so auch schon vernommen worden?" Als Fräulein Pellenat ihm ihr Erstaunen ausdrückte, daß er das schon wisse, erwiderte er: „Ich weiß es." Er hob dann wie warnend einen Finger aus, und sagte: Jeder Familienvater sollte darauf sehen, daß seine Frau und Töchter im Jntereffe ihrer Gesundheit nur Mieder oder Corsets mit Hercnles-Spiral-Federn bestätigt worden. Wegen Erschießung seiner Braut verurteilte das Kriegsgericht in Leopolds hall den Musketier Pfeffer vom 93. Regiment zu zwölf Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafen. handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Attierrgesellschast für Treberirocknuua in «affel. Eine Versammlung der Kvnkursverwattung und der Aufsichtsratsmitglieder dieser Gesellschaft hatte zum Resultat, daß man sich mit einem außer: gerichtlichen Arrangement der Aussichtsräte E. S. Otto-Dortmund und Schulze-Dellwig-Sölde einverstanden erklärte. Im Prinzip beschloß man, den Betrieb der Trebertrvcknungs-Anlagen weiterzusühren, nachdem der Konkursverwalter die Anlagen bereist hat und zu der Ueberzeugung ge kommen sein soll, daß bei dem nunmehr sanierten Beamtenkörper, bei dem die gewiffenlosen Mitglieder und Parasiten ausgeschieden sind, eine gesunde Entwickelung der Institute zu erhoffen ist. Kassel, 12. Juli. Es ist nunmehr zweifellos festgestellt, daß der Direktor Schmidt der iTrebergesellschaft Donnerstag Nacht im benachbarten Grebenstein eingestiegen ist mit einem Billet nach Düsseldorf. Sicherlich ist er nach Holland geflüchtet. Darauf basiert wohl das in der Stadt verbreitete, aber unbestätigte Gerücht, Schmidt sei in einem Grenzdorf Lollands gesehen und in Gewahrsam genommen worden. Leipzig, 14. Juli. Die bisher durch Oberamtsrichter Justizrat Meißner gegen die verhafteten Direktoren und den Vorsitzenden des Aufsichtsrats geführten Erörterungen in Sachen Leipziger Bank haben zur Einleitung der Voruntersuchung geführt, welche durch Landrichter Mittel- fiädt geführt wird. «SlektrizitütA-Akt.-Ges. vorm. Schuckert, Nürnberg. In der dieser Tage abgehaltenen Generalversammlung verlas der Vorsitzende eine von Aufsichtsrat und der Direktion einstimmig beschlossene Erklärung, in der es u. a. heißt: „Als der Aussichtsrat iu seiner Sitzung vom 15. v. M. beschloß, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent vorzuschlagen, war noch zu hoffen, daß die Krise, in der Handel und Industrie sich befinden, nicht zu lange dauern und von nicht zu schlimmem Einfluß aus die finanzielle Lage unserer Aktiengesellschaft sein werde. Mitllerweile erfolgte jedoch der Zusammenbruch der Leipziger Bank. Unser Institut ist bei dem Falliment der Leipziger Bank nur insofern beteiligt, als wir von der genannten Bank Aktien der Elektrizitäts-Gesellschaft Jaice im Betrage von Mk. 4 200 000 angekauft haben. Um diese Aktien in unseren Besitz zu bekommen, waren wir genötigt, diesen Kaufschilling sofort zu bezahlen- In dieser vorzeitigen Zahlung liegt der Schaden, den wir bei dem Falliment erlitten. Der Aufsichtsrat hält seine Bilanz, wie sie seinem Bericht angefügt ist, in allen ihren Teilen zwar auftecht und erklärt, daß dieselbe durch keinen Verlust in j)et Zwischenzeit alteriert wurde, erachtet ab.r die Verteilung einer Dividende aus den angeführten Gründen nicht für rätlich, hält vielmehr die Rückstellung des ganzen Erträgnffses im Jntereffe der Gesellschaft geboten, der hierdurch die Mittel zur Verfügung gestellt werden, um an sie heran- tretenden Forderungen gegenüber gerüstet zu sein. Aussichtsrat und Vorstand haben deshalb einstimmig beschlossen, der Generalversammlung vorzuschlagen, über den Gewinnsaldo folgendermaßen zu verfügen: Der vertragsmäßigen Tantieme des Vorstandes und der Beamten Mk. 749 250, für Gratifikation an Beamte und Arbeiter Mk 300 000, für die Pensionskasse Mk. 100 000, dem Unterstützungsfond zuzuwenden Mk. 41 800 und den Rest mit Mk. 5 052 662 auf neue Rechnung vorzutragen.- Nach mehrstündiger Debatte wurde die Bilanz nach Maßgabe dieses Beschlusses genehmigt rnnd die Entlastung erteilt. Ein Antrag, die Mk. 5. Millionen zu Abschreibungen zu verwenden, wurde mit allen gegen 32 Stimmen Steins Garten Dienstag den 16. Juli: a Dienstag den io. Juli: jiiwiraf* 6. iiai toi itanntert DW^ w V® ® v Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg au vermieten. 4913 Atitferlßnl 4877] Mansardenwovnrrag, später zu vermieten. 4318 bei 4502 Atckön möbl. Zimmer per 1. Aug. 'w' zu verm. Ludwigstr. 18, vart. 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