Nr. 64 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Samstag 16. März 1901 Metafti»», Expedition und Druckerei Zchulftrohe 7. «rfchelnt täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Samtlien »Utter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess V«,dwin" und „Blätter Dr Hess Volkskunde" oicr» ■e! wöchentlich beigelegt. »«nähme Den »nietgen R der nachmittag« ffir ben «enden Tag rrtchetnenben ■emmcr bl« vorn, 10 Uhr ■ Ifcetellungen IpOteftrn« abend« vorher GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezugspreir vikrlkljLhrl. Mk. 2.20, monatl. 75 Pfg. mtt Bringrrlohn; durch die Abholtstellen vierteljährl. Mk. 1.90, monatl. 65 Pfg. ve, Postbezug vierteljährl. Mk. 2.00 ohne BestellgeD »6t «nzetarn-vermnilunO»« stellen de« In- und AnSlanba» nehmen Anzeigen für Ua Siebener Anzeiger entgeaa«. getlenpret« lokal it • uneart« tu Pfg. Adresse für Depesche»: Anzeiger Siehe«. Fernsprechanschluß Nr. M. Deutscher Reichstag. Berlin, 14. März. Präsident Graf vallestrem teilt den Dank deS Prinzregenten von Bayern für die Glückwünsche des Hauses mit. Auf der Tagesordnung stehen eine größere Anzahl von der zweiten Beratung noch übriger Teile des Reichshaushaltsetats Zunächst von dem Etat des Innern daS Kapitel „Reichsveisicherungsamt". Die Kommisfion hat den Posten eines mathematisch und versicherungstechnisch geschulten Mitgliedes gestrichen und beantragt eine R solution, wonach die Senatsvorsitzenden beim Reichsv'rsicherungsamt den Rang der Räte 3 Klasse erhalten sollen. Ferner ist eine Resolution des Abg. Albrecht eingegangen, wonach zu ständigen Mitgliedern deS Reichsverficher «ngsamtes Techniker und Rationalökonomen berufen werden sollen. Abg. Roesicke-Deffau (wild) bezeichnet es als gesetzwidrig, daß, wie es im Kreis Zauch Belzig geschehen sei, die Beiträge zu der Landwirtschaft! chen BerufSgenofs'Nschast im Anschluß an die Kreissteuer beige- trieben wurden. R dner empfichlt die Annahme der Resolution Albrecht wrd bespricht die Frage einer selbständigeren Gestaltung des Reichsver» stcherungsamtel. Erfreulich sei das Vertrauen, das das Rrichsversicher- ungsamt in allen Kreisen des Volkes finde. Die Selbständigkeit desselben dürfe aber nicht weiter herabgedrückt werden, welche leider dadurch beeinträchtigt werde, daß der Reichskanzler durch eine kaiserliche Verordnung daS Recht der Ernennung von mchtständtgen, richterlichen Beamten erhalten habe Abg. Stadthagen (So») weist auf das Anwachsen der Unfälle hin. Geldinterefsen veranlaßten die verufsgenoff^nschaften, die Unfall. Vorschriften nicht genau auszusühren. Die Arbeiten mühten bei dem Erlaß der Unfallverfügungen und bei der Kontrolle der Vorschriften herangezogen »erden. Das Unternehmertum verhindere, daß die Arbeiter vollen Schadenersatz bekommen. Viele Unfälle werden durch die Schuld der Unternehmer berbeigeführt. Abg. Hoch (Soz.) befürwortet die Resolution Albrecht. Eine Vermehrung der technischen Kräfte sei dringend notwendig. Die Urteile des Reichsversicherungsamtes und die Bearbeitung des statistischen Materials laste einen erschreckenden Mangel an Verständnis der Wirtschastsverhältnisie erkennen. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt: In meiner Stellung als Chef des Reichsamtes des Innern muß ich vorsichtig reden, um auch nur den Schein zu vermeiden, als ob ich auf die Rechtsprechung beim ReichSverficherungSamt einwirken wollte. Die Frage der Entfchädigung der Vorsitzenden der Berussgenossenschasten wird neuerdkngs geprüft werden. Selbstverständlich sollen die Vorsitzenden der Berufsgenoffen- schasten aus ihrer Stellung keinen Gewinn ziehen, sondern nur ihre that- sächlichen Aufwendungen ersetzt erhalten Die Techniker haben nach dem heutigen Stand ihrer Wiffenschaft die »olle Berechtigung, in allen Ver hältniffen mit den Vertretern anderer Berufe gleichgestellt zu werden. Ich habe dieser meiner Austastung bei der Besetzung von Stellen im Patentamt Rechnung getragen, unp will die Frage eingehend erwägen, ob zur Beurteilung technischer Fragen bei der Feststellung der Unfallrenten u. dgl. es erwünscht erscheint, Techniker in größerer Anzahl zu Mitgliedern des Reichsversicherungsamtes zu mache», doch kann ich eine endgiltige Eiklä rung noch nicht abgeben. Was die Selbständigkeit des ReichsversicherungS amtes angeht, so ist zu bedenken, daß nur derjenige Beamte den Reichs kanzler vertreten kann, der zu seinem Stellvertreter ernannt worden ist. Will man den Chef deS Rnchsv^rsicherungsamtes mit diesen Befugn ffen betrauen, so würde dadurch der Chef einer oberstrichterlichen Behörde ein politischer Beamter und das wäre staatsrechtlich nicht angängig, oder aber man müsse im Reichsversicherungsamt die richterliche Thätigkeit von der Verwaltung trennen. Die Berwaltungsbefugntste sind aber nicht umfang« reich genug, um einen Staatssekretär zu beschäftigen. Bezüglich der Ernennung der Richter hat der Bundesrat auf seine Befugnisse verzichtet; man hielt es für angemessen, daß diese richterlichen Beamten, d,e nicht selten wechseln, vom R ichükanzler ernannt werden. Was die Schiedsgerichte anlangt, so hoffe ich, daß die territorialen Schiedsgerichte sich mit den Landgerichten zusammenlegen lasten. Die Landrichter wären sehr geeignete Vorsitzende für die Schiedsgerichte im Nebenamt, wie auch außer» ordentlich geeignete Beisitzer. Ich hoffe, daß dies die Entwickelung der Schiedsgerichte in allen Bundesstaaten werden wird. Abg. Sachse (Soz.) klagt darüber, daß Verstöße gegen die Unfallverhütungsvorschriften, die auf Anordnung der Vorgesetzten erfolgen, lediglich den Arbeitern zur Last gelegt werden. Abg Pauli (kons.) polemisiert gegen Stadthagen. Abg. H e r z f e l d (Soz.) wünscht anderweite Festsetzung des Durchschnittseinkommens der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt, daß et sich schon im vorigen Jahre an sämtliche verbündete Regierungen behufs erneuter Feststellung des Jahresdurchschnittseinkommens der landwirlschastlichen Arbeiter gewendet habe. Er hoffe, daß seiner Anregung bald Folge gegeben werde. Abg. Rösicke (». lib.) bestreitet Stadthagen gegenüber, daß den Vorsitzenden der Bcrufsgenoffenichaslen allgemein zu hohe Entschädigungen gezahlt würden. Abg. H i l b ck (natl.) bekämpft die Verordnung, die Unfallver- hütuugsvorschriften auf polnisch bekannt zu geben. Abg. Hitze (Ctr.) hält die Resolutton Albrecht nach der Erklärung deS Staatssekretärs für überflüssig. Abg. Dr. Gerte!; Sachsen (kons.): Die Angriffe gegen Herrn Felisch, den Vorsitzenden der Nordöstlichen Baugewerksberufsgenossenschaft find bereits widerlegt worden. Es ist u. a. behauptet worden, daß Felisch die Räume seines Hauses an die Baugcwerksberufsgenoffenschast für 6000 Mk. vermietet habe, sodaß er ein Extradouccur verdiene. Das ist eine ehrenrührige Behauptung. Thatsache ist, daß Felisch als Mitbesitzer eines Hauses von der Genossenschaft eine Miete bekommt, wonach jedes Zimmer nicht mehr als 194 Mk. kostet. (Hört, hört!) Ich wünsche, daß Stadthagen außerhalb des Schutzes der Immunität seine Behauptungen wiederholt. Ich habe mich verpflichtet gehalten, einen selbstlosen uneigennützigen Ehrenmann gegen Denunziationen in Schutz zu nehmen. Sie richtig zu qualifizieren habe ich mir mit Rücksicht auf die Glocke des Präsidenten, die sicherlich eingreifen würde, versagen müssen. (Beifall rechts ) Abg. Stadthagen (schwer verständlich): Derlei behauptet, daß der Baumeister Felisch noch heute sein Geschäft betreibe. Da möchte ich fragen, welche Bauten Feilsch in der letzten Zeit ausgeführt hat. Es gibt keine solchen Bauten. (Zuruf des Abg. v. Kardorss, den Redner als Anmaßung zurückweist. — Präsident Graf Ballestrem erklärt: Sie dürfen einem Mitglied des Reichstag nicht Anmaßungen vorwerfen; das darf selbst ich mir nicht gestatten l Stürmische Heiterkeit ) Glauben Sie doch nicht, daß, wenn man mich auf diese komische Art und Weise auf fordert, einen Wahrheitsbeweis zu führen, wie dies außerhalb des Hauses geschehen ist, ich fofert antworten werde. (Zuruf: Rein!) Ich weiß nicht, von wem dieses geistreiche Nein kam, jedenfalls v»n rechts. (Heiterkeit.) Felisch erklärt eS für ehrenrührig, wenn man von ihm behauptet, er habe 12000 3X1. im Ehrenamt bezogen, und er sitzt doch zusammen mit anderen Herren, bezüglich deren bereits zugegeben ist, daß sie hohes Honorar im Ehrenamt beziehen. Welche wunderbar e Verwirrung der Begriffe! (Sehr richtig! bei den Soz.) Es handelt sich N'cht blos um die Steigerung der angemeldeten, sondern auch der entschädigten Unfälle. Auch bei der Zahl der Getöteten, bei denen jede Simulation ausgeschlossen ist (Heiterkeit), ist der Prozentsatz von Jahr zu Jahr gestiegen. Dav Jahr 1899 weist die höchsten Unfallz-ffern auf. (Zustimmung ) Rach weiteren unwesentlichen Bemerkungen wird die Debatte ge schloffen, der Antrag der Sozialdemokraten abgelehnt. — Durch daS neue UnfallverficherungSgesetz ist die Zahl der vom BundeSrat gewühlten nichtständigen Mitglieder des ReichsverficherungSamtS von vier auf sechs erhöht und daher für zwei neue nichtständige Mitglieder eine Jahresvergütung von zweimal 1500 Mk. in Zugang gebracht worden. Abg. Singer (Soz.) befürwortet die Streichung der zwei neuen Stellen. Staatssekretär Graf Posadowsky betont dem gegenüber, daß die beiden Beamten gewählt worden seien, weil sie die Entwicklung unserer sozialpolitischen Gesetzgebung verfolgt hätten und gut informiert seien, sich also für die Posten sehr gut eigneten. Nachdem sich noch Abg Rösicke im Sinn deS Abg. Singer ausgesprochen, Abg.Trtmborn (Ztr.) aber für die Regierungsforderung eingetreten war, wurde die Debatte geschloffen-und der Titel bewilligt. Nächste Sitzung: Freitag (Nachtragetat für die Chinaexpedition). Politische Tagesschau. Die Berichle über die Kanalverhandlnugen des preußischen Abgeordnetenhauses endigen regelmäßig damit, daß ein Be schluß noch nicht gefaßt worden ist. Die Beratung des Dortmund-Rhein-KaualS erfolgt mit einer Gründlich keil, als ob es sich um ein ganz neues, zum erstenmal zur Diskussion gestelltes Projekt handele. Dabet kommt die Erörterung immer wieder auf die alte Streitfrage zurück, ob Wasserstraßen oder Eisenbahnen mehr zu empfehlen seien. Darüber läßt sich natürlich Wochen lang debattieren. Die Herren von der Milüärverwaltung, die in der jüngsten Sitzung der Kommission daS Wort ergriffen, hoben zwar den Nutzen der Kanäle für die Landesverteidigung, besonders im Falle einer Mobilmachung, hervor, aber sie gaben zu, eine strategische oder militärische Notwendigkeit sei der Kanal nicht, sondern nur ein „annehmbares Ergänzungsmittel". Auf Seiten der Konservativen wird man diesen Ausspruch von der Nicht-Notwendigkeit zweifellos ins Treffen führen und sich auch der früher gefallenen Aeußerung erinnern, daß die Militärverwaltung neuen Eisenbahnlinien den Borzug gab vor Kanälen, weil die letzteren im Winter zufrieren können. Diesmal drückte sich ein Vertreter des preußischen Kriegsministeriums diplomatisch dahin aus, die Frage, ob Kanal oder Eisenbahn, könne nur von Fall zu Fall entschieden werden. Eine Förderung der Kanalprojekte haben die Ausführungen der Militärverwaltung kaum bewirkt; die Hoffnung, daß ein Teil der Konservativen sich mit Rücksicht auf die Jntereffen der Landesverteidigung umstimmen lassen würde, ist sehr gering. Da nun das Zentrum, nach den Erklärungen des schlesischen Zentrumsabgeordneten Graf Strachwitz, nur in dem Falle dem Dortmund Rhein-Kanal zustimmen will, wenn die Lippe-Linie gewählt wird, die Regierung aber an der Emscher-Linie, nach Minister von Thielen daS «eigentliche Fundament" des Mittellandkanals, festhält, so ist es nahezu sicher, daß der Dortmund Rhein- Kanal in der jetzigen Form deS Projektes abgelehnt werden wird. Und damit wäre auch das Schicksal des Mittelland kanalS, des noch weit heftiger befehdeten, besiegelt. Deutsches Keich. Berlin, 14. März. Der Kaiser empfing heute mittag den Reichskanzler Grafen von Bülow. — Die Petitionskommisjiou des Reichstages hat sich mit den Eingaben des Bundes der Landwirte um Einführung der Prügelstrafe beschäftigt und beschlossen, beim Plenum des Reichstages Uebergang zur Tagesordnung zu beantragen. Der Regierungskommissar Wirk!. Geh. Ober- RegierungSrat v. Lenthe gab folgende Erklärung ab: „Soweit die Akten des Reichsjustizamts, aus denen er sich in formiert/habe, ersehen lassen, sei eine Ergänzung des Strafensystems des Reichsstrafgesetzbuches durch Einführung der Prügelstrafe bislang weder vom Reichskanzler ins Auge gefaßt, noch im Schoße des Bundesrats von einer der Bundesregierungen in Anregung gebracht." (Bravo!) — Die Budgetkommission des Reichstags beriet heute nur Petitionen. Heber alle die Petitionen, die Gehaltserhöhungen für Beamte der verschiedenen Reichsverwaltungen verlangten, wurde zur Tagesordnung übergegangen, eine Reihe anderer wurde durch Beschlüsse zum Etat für erledigt erklärt. Zur Berücksichtigung wurden empfohlen die Petitionen betr. a) anderweite Berechnung der Dienstzeit bei der Pensionierung und Gehaltsaufbesserung der Lokomotiv- führer, b) Anrechnung der im Arbeiisverhälmis zugebrachten Dienstzeit bei der Pensionierung des Zugführers, e) Auf besserung der Besoldung der Postbahnsekretäre. Der Peti- tionskommission überwiesen wurde die Petition des Handelsund Gewerbevereins Augsburg, betr. den Bau einer strategischen Bahn Berlin-München Garmisch-Mailand. Breme«, 14. März. Wie jetzt festgestellt ist, ist eil Ges- lle deS hiesigen Geldschrankiadrikanten Burgmann derjenige, der die Lasche, mit der Weiland nach dem Kaiser geworfen hat, als von ihm am abend der Kaiserbesuches verloren rekognoszierte. Cronberg, 14. März. Die Kaiserin Friedrich erfreut sich andauernd eines guten Wohlbefindens. Heute nachmittag unternahm sie in Begleitung der P"nzesfin von Schaumburg-L'ppe und deS Leibarztes Dr. Spielhagen eine fast zweistündige Spazierfahrt im offenen Wagen in der Um- gegend von Cronberg._____________________________________ Ausland. London, 14. März. In einer Versammlung bei Frauen-Auswanderungsvereins hielt Chamberlain eine Rede. Er gab der Erwartung Ausdruck, baß der Krieg in Südafrika bald beendet sein werde, e9 werde sich dann der Handel und Industrie in einer Weise entwickeln, wie man es bisher noch nicht gekannt habe. England werde zehntausende seiner besten Männer dorthin senden, die ständige Bewohner des Landes werden sollten, es sei bann auch notwendig, passenbe Gefährtinnen der Männer dorthin zu senden, dies sei in sozialer Beziehung von Wichtigkeit. Chamberlain beantragte schließlich, einen besonderen Fonds zu Gunsten der Auswanderung geeigneter Frauen nach Südafrika zu gründen. London, 14. März. Die „Times" meldet, daß den Anträgen der Regierung zufolge die Civilliste des Königs auf jährlich 470000 Pfund festgesetzt werde» soll. — Paris, 14. März. Der „Figaro" hatte heute erzählt, daß die Persönlichkeit, die namens des royalistischen Partei Dervulede an dem Tage von seinem beabsichtigten Staatsstreich besuchte, ein Deputierter sei, der sich neuerdings nach Amerika einschssfen sollte und seine Abreise wegen der jetzt schwebenden Angelegenheit aufgeschoben habe. Der Deputierte Graf Castello ne, der diese Mitteilung auf sich bezog, begab, sich darauf heute, von seinem Vater und einem Freund« begleitet, in die Wohnung desChefredakteursdes „Figaro" Rodays; als derselbe einige ihm nicht genügende Erklärungen abgegeben hatte, stürzte Cast ellane sich auf ihn und erging sich in groben Tätlichkeiten. Dem Renkontre folgt morgen et» Duell. Wien, 14. März. Abgeordentenhaus. Bei Beginn der Sitzung erhob der Aba. Berger (Alldeutsch) heftig Anspruch dagegen, daß ein Teil des österreichischen KleruS die Kanzel zu politischen Zwecken mißbrauche. Er wies auf die in den letzten Tagen gehaltenen Predigten hin, in denen einer die Alldeutschen als Stall- b eutsche bezeichnet. ___________________ Aus Stadt und Zand. Sieben, 15. März 1901. *• Personalnachrichteu. Der Großherzog hat am 13. März ben Regterungsassissor Albrecht Offenbächer aus Sellnrod zum Steuerkontrolleur ernannt; den Bezirkskassierer der Bezirkskasse Wald Michelbach Karl Frank auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste tu den Ruhestand versetzt. — In den Ruhestand wurde versetzt der Bureaudiener bei der Güterabfertigung Darmstadt der Main Neckar-Eisenbahn, Ludwig Bolz, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April d. IS. an. * Vorlesungen für Lehrer. Wie wir hören, werden die Profefforen Dr. Behaghel, Biermer und Oncken im Laufe des Sommers für die Mitglieder des Gießener Lehrerver eins auf dessen Wunfch je achtstündige Vorlesungen über Themata ihres Arbeitsgebietes von allgemeiner Bedeutung abhalten. Die Vorlesungen sollen im Mai ihren Anfang nehmen und jeweils an deu Samstagnachmittagen stattfinden. P. Gewerbegericht. In der gestrigen Sitzung unter Vorsitz des Beigeordneten Wolff sollte zum dritten Male die Klage des Werkmeisters Sauer gegen die Firma Plank u. Schneider wegen Lohnforderung zur Verhandlung kommen, mußte jedoch wegen Fehlens eines Beisitzers vertagt werden. Die Bemühungen des Vorsitzenden, einen Ver« gleich zu erzielen, waren bei zwei angemeldeten Klagen von Erfolg. *• Pferbemarkt. Der Landwirtschaftliche Bezirksvereii Gießen stiftete 100 Mk. als Zusatz Prämie zu den bereitveröffentlichten offiziellen Preisen. Davon sollen 50 Mk. für die Frühjahrs- 50 Mk. für die Herbstprämien verwendet werden. — Die VerlosungSKommtssion hat das Gemälde des hiesigen Kunstmalers Fritz „Im Frühling" angekauft. P. Oberhesfischer GeschichtSverein. Im oberen Saale de- Eafö Ebel hielt am Donnerstagabend Realgymnafiallehrer und Prioatdozent Dr. W. Horn einen äußerst intcreffante« Vortrag über: „Die Natur in Sprache und Glauben des Volkes". Da- Thema berührt ein Gebiet, sür dessen Erforschung der Oberhesfische Geschichtsverein vor vier Jahren eine besondere Abteilung, die „Vereinigung für hessische Volts- lande" geschaffen hat. In unserer MonatS Beilage „Blätter für hesssische Volkskunde" wird der Inhalt des Vortrages ausführlich veröffentlicht werden; wir können uns des halb hier auf kurze Bemerkungen beschränken. Dr. Hoin schilderte an Hand von Beispielen den Natur Aberglauben und die Natur-Sagen der Völker. DemMaffer schrieb man Heilkraft zu. Besonders von Oberheffen erzählte der Vor tragende bemerkenswerte Beispiele. Daß Feuer, der Wind, das Gewitter spielen auch heute noch eine bedeutende Rolle im Glauben des Volkes, ebenso die SonuenfinfterniS, die Zu und Abnahme des Mondes, das Irrlicht rc. Sodann schilderte der Redner den Glauben des Volkes an die Heilkraft der Pflanzen, die Verehrung, die Wald und Bäume genoffen, und daß besonders dem Hollunderbaum Wunder zugeschrieben würden. DaS Sausen und Brausen im Walde, die „wilde Jagd", die Vögel, ihr Gezwitscher, alles dies führte Dr. Horn au und schloß feinen Vortrag mit der Bitte, daß jeder dazu beitragen möge, in seinen Kreisen weiteres Material nach Möglichkeit zu sammeln und zur Erforschung auf diesem Gebiete thätig zu sein. Eine recht anregende und lebhafte Die kulfion folgte, in der viele Anwesende eigene Erlebniffe mit teilten. Erst spät löste sich nach und nach die Versammlung, die die letzte in diesem Winter gewesen ist, auf. fc. Mainz, 14. März. Tin Landwirt aus Schwelm in Westfalen, der sich hier einige vergnügte Tage machte, zog «it dem 24jährigen Dienstmädchen Anna Balser aus FriedrichSthal bei Saarbrücken in verschiedenen Wirtschaften herum. In einer derselben merkte der Wirt, daß sich das Mädchen in verdächtiger Weise mit den Taschen des Land manneS zu thun machte, und als man diesen darauf auf- merksam machte, stellte eS sich heran-, daß ihm die diebische Elster den Rest seiner Barschaft im Betrage von 85 Mk. gemaust hatte. Seinen Mammon nun bekam der biedere Landmann wieder, und baß wurde für ihn verhängnisvoll. In seiner Freude kaufte er sich einen Kanonenrausch und begann in diesem Zustande in der Rheinallee an einer ihm begegnenden, ihm unbekannten Frau ein Sittlichkeitsvergehen. AuS Angst vor den Folgen seines verbrecherischen Thuns .suchte er sich hierauf im Zollhafen zu ertränken, und als er hieran gehindert wurde, feuerte er einen Revolverschuß auf sich ab, ohne jedoch zu treffen. Nun fitzt der 50 Jahre alte Mann, der Frau und Kinder zu Hause hat und eine Vergnügungstour hierher gemacht hat, hinter Schloß und Riegel. Wiesbaden, 14. März. Die Nachricht von dem angeb lichcn Selbstmorde de» Prinzen Albrecht zu Solms- Braunfels ist, wie jetzt bekannt wird, völlig unzutreffend. Der Prinz ist vielmehr einem plötzlich eingetretenen Herzschlage erlegen. Der Prinz, der sich mit seinem körperlichen Leiden schon längst abgefunden halle, im übrigen aber ein glückliches Familienleben führte, halte sich an dem fraglichen Nachmittag mittelst seines Rollstuh'es auf die gedeckte Terraffe fahren taffen, um hort den Thce ein- znvehmen. Als bald darauf ter Diener mit dem Getränk auf der Terrasse erschien, fand er seinen Herrn bereits tot vor. Schwurgericht. K. Gießen, 14. März. Fortsetzung in der Verhandlung gegen Elise Hansel. Es waren 24 Zeugen geladen. Die Angeklagte hatte vor dem Untersuchungsrichter zu Burkhards als Zeugin unter ihrem Eid ausgesagt, daß sie in der Wohnung der Eheleute Dinges nicht gesagt habe, sie hätte Angst vor der Untersuchung, während verschiedene Zeugen baß Gegenteil bavon aussagen. Hauptsächlich breht sich bie Beweißauf uahme barum, ob am 16. Juni unter bem Siebekessel bes früheren Bürgermeisters Kunkel von BurkharbS am Morgen Feuer war ober nicht, ob ein Rohr auf« bem Kessel war ober uicht, und ob dasselbe mit einem Rauchfänger versehen war oder nicht. In biefen Punkten widersprechen sich bie meisten Aussagen ber Zeugen, bie hierüber abgegeben werben. Der ganze Vorfall zeigt, wie weit blinbe Parteileibenschast b ei Bürgermei st erwählen führen kann, benn dies war bie Ursache, baß zwischen ber Gegenpartei bes bamaligeu Bürgermeisters und diesem unerquickliche Fälle vorkamen. Nach ber Beweisaufnahme würbe eine Hauptfrage auf wissend liefen Falscheib, auf Antrag beS Verteidigers eine Hilfsfrage auf fahrlässigenFalscheib gestellt. Staatsanwalt Koch suchte den Beweis zu erbringen, baß bie Angeklagte meineidig sei. Er bat bie Geschworenen, bie Parteiverhältniffe in Burkhards bei ber Beurteilung nicht zu berücksichtigen unb bie erste Schuldfrage zu bejahen. — Rechtsanwalt En gisch führte aus, daß nicht erwiesen sei, daß bie Angeklagte wissentlich einen Falscheib geschworen habe, unb wies nach, daß ber Zeuge Schäfer jun. unter feinem Eib bie Wahrheit gesagt habe. Er bittet bie Geschworenen, beibe Schulbfragen ju verneinen eventuell nur die zweite zu bejahen. Nach etwa viertelstündiger Beratung verkündete ber Geschworenen Obmann Frees ben Wahrspruch ber Geschworenen bahin lau tend, daß beide Schuldfragen verneint worben seien. Darauf- yrn beantragt der Staatsanwalt Freisprechung, der Vertei- J fiH dem an, beantragt aber auch Uebemahme «LiAt Staatskasse unb Haftentlassung. Daß entspricht diesem Antrag unb spricht die Angeklagte MC®ufa,unbUhEbh.9DJlen fttl' le9* bie lederen der Staat«. few auf * 6 Cn 8'den ble «"aetiagte ctlaffenen Hast' Zur «-'Handlung st-h, ^bic^kaf’fa^™«™ bie ^ra“ E?!ah-c 99 J 111 Pcb* ®(cter in Rainrod wegen rineß Abtrelbungsversuchß, begangen im Jahre 1900 ru Rainrob, unb wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges, inbem sie um bie Zeit von Pfingsten 1900 der Dieustmagb Minna Stoffel von Rainrob mit einer Mistgabel derart auf ben Kopf geschlagen hat, baß biefe eine blutende Verletzung bavontrug, Verbrechen unb Vergehen gegen die §§ 220, 43, 223, 223 a, 74 beß St.-G.-B. Es finb 24 Zeugen gelabeu. Nach Schluß ber Zeugenvernehmung legt Herr Dr. Dann-mann von ber psychiatrischen Klinik bar, daß bie Hauptbelastungszeugin Stoffel, bie in ber hiesigen Klinik untersucht worden ist, nicht ernst genommen werben dürfte. Sie könne wohl einfache Thatbestänbe behalten, aber derart komplizierte Angaben, wie sie heute gemacht habe, auf Wahrheit zurückzuführen, sei unmöglich. Der Vorsitzende stellt alsdann zwei Schulbfragen fest, bie erste auf Abtreibungsversuch, bie zweite auf Körperverletzung. Der Staatsanwalt führte aus, baß man auf bie Zeugin Stoffel nichts geben könne. Eß stehe zwar fest, baß mit ihr etwas vorgekommen fei; was unb wie baß gewesen sei, könne aber nicht kontrolliert werden. Namentlich hinsichtlich bei Körperverletzung sei nichts erwiesen, weshalb er Verneinung beider Schulbfragen beantragt. Diesem Anträge schließt sich bet Verteidiger an. — Nach ber Rechtsbelehrung durch ben Vorsitzonben ziehen sich die Geschworenen zurück. Nach kurzer Beratung verkündet ihr Obmann ben Wahrspruch bahin, baß beide Schuldfragen verneint worben sind. Der Staatsanwalt beantragte hiernach Freisprechung, ber Verteibiger baßfelbe, auch bie Auf Hebung bes Haftbefehls außzusprechen unb bie Kosten ber Verteidigung unb bie notwendigen Auslagen ber Angeklagten ber Staatskasse aufzuerlegen. Daß Urteil beß Gerichiß geht dahin: bie Angeklagte wirb steigesprochen, bie Kosten ein schließlich derjenigen ber Verteibigung unb ber ber Angeklagten erwachsenen nottoenbigen Auslagen, werben ber Staatskasse auferlegt, ber gegen bie Frau Bischoff erlassene Haftbefehl aufgehoben. Darauf entläßt ber Vorsitzenbe die Geschworenen, nachdem er ihnen namens ber Justizbehörde für ihre Thätigkeit während ber langen Schwurgerichtsperiobe gebankt und an erkannt hat, mit welcher Gewissenhaftigkeit unb Treue alle Geschworenen ihre Pflicht erfüllt hätten. Damit ist biefe Schwurgerichtsperiobe geschlossen. Universttäts Nachrichten. Prof. Dr. Paul Drude in Gießen teilt uns mit, daß er „nicht einen Ruf nach Marburg erhalten und abgelehnt habe, sondern Wß nur bei ihm angefragt sei, ob und unter welchen Bedingungen er einem Rufe nach Marburg folgen würbe*. Darauf scheint er ausweichend geantwortet zu haben, denn cs ist nunmehr der o. Professor F. Richarz in Greifswald nach Marburg berufen worden und wird dem Rufe folgeleisten. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. 8 Butzbach, 14. März. Der heutige FrühjahrSmarkt war infolge des günstigen Wetters sehr zahlreich besucht. Auf dem Biehmarkt wurden etwa 1000 Stück Rindvieh und Schweine zugetrieben, jedoch war der Handel nur mäßig. — Bei der Faselschau wurden ca. 60 Haupt Simmern thaler Race prämtirt, die sodann unter Musik durch die Hauptstraße ge- ührt wurden. Am Nachmittag fand eine Verloosung von Lieh, landwirtschaftlichen und Haus-Gerätschaften statt Auf dem Krammarkt waren ziemlich viele Berkaufsstände, jedoch ging hier das Geschäft flau. Dagegen waren die einheimischen Geschätöleute, namentlich unsere Wirte, Metzger und Bäcker, sehr zufrieden mit ben Marktergebnifsen. Kirchliche Nachrichten. LvSLgrltjHr 6caeiu8t. Sonntag den 17. März. Lätare. Gottesdienst. m In der Etadtkirche. Vormittags 9Va Uhr: Pfarrer Dr Grein. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde m . Pfarrer Dr. Grein. Nachmittags 6 Uhr: Pfarrer Schlosser. Beichte und heil Abendmahl für die Matthäus- und Markus- gemeinde Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten Die aus Sonntag den 17. d Mts. anberaumte Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der MarkuSgemetnde muß bis auf Weiteres verschoben werden. Dr. Grein. In der Johanneskirche. Vormittags 9^/, Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde Pfarrer Euler. Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und die Jo- hanneögemeinde gemeinsam. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Zu dieser Abendmahlsfeier werden besonders auch die Neukonfirmierten aus den letzten Jahren herzlich eingeloben. Montag den 18. März, abends 8 Uhr: Bibelfiunde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Text: Av -Gesch. 28, 28 ff. Pfarrer Euler. Mittwoch den 20. März, abends 6 Ubr: 5. Pasfionsandachi in der Johanneskirche. Pfarrer Dr. Naumann. Kathrlffche Gemeinde. SamStag den 16. März Nachmittags um 4V, Ubr und abend- um 8 Uhr: Gelegenheit zu heil- Beichte. Sonntag ben 17. März. 4, Fastensonntag. Vormittags von 6«/, Uhr an: Gelegenhert zur hl. Beicht. . um 7 Uhr: Die erste heil. Mefie; vor unb in derselben Austeilung ber betf. Kommunion - um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Milttärgottesbienst mit Predigt. „ um 9Vi Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2'/, Ubr: Christenlehre; darauf sakramentalische Bruderschafts-Andacht. Montag nachmittag von 2 bis 6 Uhr werden fremde Priester Beicht hören. Mittwoch abend um 6 Uhr ist Fastenandacht. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. SamStag ben 16. Mürz 1901. Vorabend 6 Uhr, morgenS 9 Uhr, nachmittags 3 Uhr, Cabbath- auSgang 7» Ubr. Neueste Meldungen. G. Darmstadt, 15. März. 1 Uhr 45 Min. Die Zweite Kammer fetzte heute die Beratung des Etats Justiz-Ver- fort, und trat alsdann in die Generaldebatte hierüber ein. Abg. Schmidt bespricht die mangelhafte Heranbildung der jungen Justiz- und Verwalt- r^Lk^amten und wünscht, daß hier das erste und st^»»,.»^bn in ganz Deutschland nach einheitlichen Bestimmungen festgesetzt werden möchten. Abg. Frenay wünscht die Verstaatlichung des Gerichtsvollzieherinstituts. Während die Abgg. Jöüel und v. Brentano sich mit aller Entschiedenheit gegen die Verstaatlichung aussprechen. Justizminister Dittmar sagt, soweit möglich, Berücksichtigung der vorgetragenen Wünsche zu; das Gerichtsvsll- zieherinstitut solle ev. umgestaltet werden, jedoch nicht nach preußischem oder bayerischem Muster, sondern das Institut solle vollständig in den Staatsdienst hineingezogen werden. Der Kammer würde demnächst eine Vorlage hierüber zugehen. Die Beratungen werden bis 3 Uhr nachmittags fortgesetzt. London, 15. März. Ein Telegramm der „Times" aus Shanghai besagt: Nach Meldungen aus Niutschwang setzte Admiral Alexejeff den Tatarengeneral Tsingtschi in die Stelle als Kommandant von Mukden wieder ein. — Derselbe wird von 4000 russischen Soldaten unterstützt London, 15. März. (Unterhaus.) Fortsetzung der Beratung des Kriegsbudgets. Harcourt protestiert gegen die Umwälzung der Landespolitik, gegen den Versuch, England in eine militärische Nation zu verwandeln und fordert Aufklärung über die Ausführungen Brodricks, daß England vorbereitet fein müsse, drei Armeekorps in das Ausland zu entsenden. Erfragt, ob England im Begriff fei, in eine Konkurrenz mit den großen Militärstaaten Europas zu treten. Balfour entgegnet, das Anwachsen des Militäretats sei der Verantwortlichkeit zuzuschreiben, die England auferlegt sei. Redner zieht alsdann Harcourts Idee ins lächerliche, daß England neue oder g e h e im e V e r p f l i ch t un g e n eingegangen sei, und führt dann weiter aus, England habe ein großes Reich und seine Kolonien zu verteidigen und habe auch Verträge, die nicht von der gegenwärtigen Regierung oder deren unmittelbaren Vorgängern abgeschlossen, aber doch noch, bindend seien. Niemand könne sagen, wann die Regierung aufgefordert oder nicht aufgefordert werden könne, Verträge zu erfüllen, die jedoch keine geheimen Verpflichtungen enthielten. Es sei denkbar., daß falls England angegriffen würde, es in jenem Defensivkriege Verbündete haben könnte. Wenn dies der Fall fei, würden jene Verbündeten Hilfe in Operationen erwarten, die, obschon sie schließlich die Defensive beabsichtigten, doch offensiv sein könnten. Die Wirkung des Etatsvoranschlages sei nicht, so sehr die Truppenzahl zu vermehren, als die Truppen für einen bestimmten Zweck bereitzuhalten. Balfour schließt, Brodrick werde als der bezeichnet werden, der das Heer für alle möglichen Zwecke der heimischen Verteidigung und alle voraussichtlichen Zwecke eines fremden Krieges tüchtig gemacht hat, und indem er das gethan hat, hat er mehr vollbracht, als durch eine geschickte Diplomatie gethan werden könnte, nämlich jenen Frieden zu sichern, dessen England nie sicher fein könnte, wenn es nicht bie Achtung der Mächte besitze, die seine Freunde und in mancher Hinsicht Rivalen seien, und die seine Feinde werden könnten. — Dem Parlament sind Schriftstücke, die Angelegenheit Wolseley-Lansdowne betreffend, verteilt worden. In einem an Lord Salisbury im November 1900 gerichteten Memorandum erklärt Wolseley, der Titular- poften des Oberkommandierenden sei mehr als das fünfte Rad am Wagen. Lansdowne bespricht das Memorandum und sagt, Wolseley machte von den that- sächlichen Wirkungen der im Jahre 1895 vorgenommenen Veränderungen ein falsches Bild und leürbigte nicht genügend die Beschränkungen, die der Regierung durch das parlamentarische System auferlegt seien. Brodrick äußert sich bei Besprechung des Wolseleyschcn Memorandums dahin, Wolseley erkannte den wahren Umfang feiner Pflichten nicht voll, und unterließ es, sich um die Mobilmachung und den Nachrichtendienst, für welchen er allein verantwortlich war, zu kümmern. Brodrick spricht seine Meinung dahin aus, das neue System arbeite gut, er wolle jedoch, bevor er ein endgiltiges Urteil ausspreche, abwarten, was Roberts damit erreiche. Kapstadt, 14. März. Die Pest breitet sich in ernster Weise aus. Die Behörden schlugen vor, die Truppen in den Lagern und Kasernen zu konsignieren. Tie Zahl der Pestfälle unter den Europäern nimmt zu. Heute find vier Europäer und acht Eingeborene erkrankt. Bis jetzt sind 37 Personen an der Pest gestorben. Man begann allgemein Impfung. Heute wurden 2000 Eingeborene geimpft. Auch in Malmesburg brach die Pest aus. Perth (Australien), 14. März. Heute sind hier zwei Pest fälle vorgekommen. Schiffsnachrrchten. Der Postbampfer „SBeftemlanb“ ber „Reb Star Linie", in Antwerpen, ist [aut Telegramm am 12. März wohlbehalten in RewiUock angekommen. Kursbericht. Frankfurt, oen 14. Märe B1/» °/0 ReicbaanJeihe . . 97 80 3 6/fi do . . 88 50 8i/t '7c KodboIb . . . . 97 75 B c-/0 do .... 88 55 31/g c/c Hessen ... 94 60 5% Italien. Bonti: . . 96.10 40'n Griech. Monop.-A.ul. 44.00 .3 o/o Portugiesen . . . 25.50 3 0/. Mexikaner . . . . 26.05 4l/# C/6 Chinesen .... 81 6) Tendenz Kreditaktien .... . 2210» Dißkonto-Kommandit . . 187 4U Darmstädter Bank . . . 136 50 Dresdener Bank . . . . 152 50 Berliner Handelsgea. . 154 40 Oosterr. kitaaisdah". . 148 10 Gotthardbahn . . . . 169 5(1 Laurahütte .... . 206 00 Bochum . ... . 193 00 Heute sind wer Bis jetzt i'E MN Mwew VAN •— HOUTEN5 Student sucht baldigst 1 bis 2 möblierte Zimmer. Parterre und separater Eingang erwünscht. Offerten unter W. B. 0941 an die Expedition d. Blattes. ob rm ' leiser. »er«): Reiser; Aktiva. Rasfenbestand W'ltpapierebestand Bank-Guthaben Guthaben in laufender Rechnung bei Ge- nach 5etl werden, ^riiber zu, "ttags fort. Passiva. Reservefonds Zetriebsrückloge Ge chä'tsguthaben der billigst. 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Dio Beerdigung findet Sonntag den 17. März, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause, Löberstrasse 7, aus statt. Todes-Anzeige Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine unvergessliche, innigstgeliebte Gattin, unsere gute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante, nach langem, schwerem Leiden nach gerade vollendetem 38. Lebensjahre gestern abend 53/4 Vhr in ein besseres Jenseits abzurufen. 2078 Giessen, Mainz, Frankfurt a. M., 15. März 1901. Die Beerdigung findet Samstag, 16. März 1901, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Hinter der Westanlage 9, aus statt. Der Borftavd. 2072 Peter Weigand in Neue Regie! Neue Regie! Ergebens! ladet ein Fr. Klage®. emüse-Conserven Kuns Gesuche Vereine Garbenteich sanft entschlafen ist. Garbenteich, den 15. März 1901. Im Namen der Hinterbliebenen: Kcinrich Weigand. Todes-Anzeige Bekannten und Verwandten die schmerzliche Nachricht, daß gestern unser lieber Vater Heute Abend gegen 7 Uhr entschlief sanft nach kurzem Krankenlager unsere gute, treue Mutter, Grossmutter, Schwiegermutter und Tante Für Fahrräder und Motorfahrzeuge die beste Bereifung. Jeder Reisen trägt obige Schutzmarke. Wl Continental Caotrteboac & Guttapercha Comp., flimmer. Um stille Theilnahme bittet Namens der tieftrauernden Hinterbliebenen: Franz Roth, Polizei-Sekretär. KriMkamraWirft Gichn. Samstag de» 23. März, abend- 8*/z Uhr: ordentliche General-vttsanilllluuz bei Kamerad Otto Luft, im Löwen. Fages Hrdrrrrng: 1. Jahresbericht. 2. Rechnungsablage. 3. Vorstandrwahl. 4. Verschiedenes. Gesklllstmtg-Vrrm Gictzen. SamStag 16. März 1901: Henkrasvcrsammeung bei Carle. 0945 verantwortlich für »en allgnnemm Teil: P. ötttto; für b ttgela Die Eni des Hu, Qtlttnb zu mc dießei Gr Sie net 15 iS6 Marz: S'rfS ^is'on ei» 1 L-°° a iüm Q- b r- «brr fr 5 Mächte' M Sc” fei9 tot*" i ÄS’ - ehe