Nr. 40 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Samstag 15. Februar 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Lamilien- blätter werden dem Anzeige' im Wechsel mit „Hess. Landwirt" und „Blätter für Hess. Volkskunde" viermal wöchentlich beigclegt. Annahme von Anzeigen zu der nachmnrag« für »en folgenden Tag erfcheinendrn Stummer dis norm 10 Uhr Abbestellungen fpättftene abends vorher. Redaktion, Expedition und Druckerei Schulstratze 7. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeißeblatt für den Kreis Gießen Btjitgsprtis DiertcljäNrC Ml. 2.20, monatl. 75 Pf^. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vierteljährl. Mk. 1.90, monatl. 65 Psg. Le, Postbezug vicrteljLhr^ Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. Alle Anzetorn-Dcrm,k!lua-S* stellen des und AuStanbe» nrhmeii Anzeigen für ben ftitfecntr Anzeiger cnigeaen. Btiltnprele lokal 12 9fg< •u6»ärt8 80 Pfg. Adresse für Depeschen: Anzeiger Siehe«. FcrnsprcchanschlußNr.Kl. Die Eröffnung des englischen Parlaments. London, 14. Februar. Eine prunkvolle Zeremonie war die Eröffnung des englischen Parlaments durch König Eduard VII. Es lebte eine interessante Szene wieder auf, die sich seit fünfzehn Jahren nicht mehr in ihrem vollen Glanze entfaltet hatte. Am 21. Januar 1886 eröffnete die Königin Viktoria zum letzten Male persönlich das Parlament. Seit dieser Zeit ist die Thronrede immer vom Lordkanzler verlesen morden. Trotz der Trauer fand diesmal, da der König selbst nach Westminster kam, um die Thronrede zu verlesen, die Zeremonie mit ihrem ganzen Gepränge statt, was schon seit dem Tode des Prinzgemahls nicht mehr der Fall gewesen ist. Der König benutzte auch den königlichen Eingang im Viktori-Turm, der mit seiner hohen gewölbten Decke, der prächtigen Treppe und den Freskengemälden sich zu einem Prunkauf^uge besonders eignet. In dem Augenblick, wo er den Viktoriaturm betrat, wurde die königliche Fahne aufgezogen und so der draußen stehenden Menge angezeigt, daß der König bei seinem Parlament mar. Außerdem gebrauchte er auch die alte Staatskutsche, die bei seiner Hochzeit im Jahre 1863 zum letzten Mal verwende twurde. Diese würbe von acht Schimmeln gezogen, die von Vorreitern geführt murden. Als der König unter dem großen Thor des Viktoriaturms angelangt mar, ging er mit seinem Gefolge die große Treppe zum Garderobenzimmer hinan. Dort legte er den Mantel aus karmoisinrotem Seidensammet mit Goldfranzen und Hermelinfutter um; darunter trug er die Feldmarschallsuniform. Die Rechtsgelehrten streiten darüber, ob der König die Krone vor der Krönung tragen kann. Die Königin ließ sie im Jahre 1837 vor sich her tragen. Aber der Möttig, der nicht pedantisch ist, trug sie jetzt schon. Er hatte auch entschieden und offiziell ankündigen lassen, daß die Königin aTi der Zeremonie teilnehmen werde, obgleich dieses Erscheinen seiner Gemahlin im Parlament vor der Krönung gegen alles Herkommen ist. Der Könia hat darüber seine eigene Meinung; er hatte auch für die Königin einen neuen Thron bestellt, der ebenso prächtig wie der seinige ist und neben demselben unter dem Thronhimmel stand. Tie Königin trug ein schmarzes Kostüm mit einem Mantel und einer Schleppe aus karmoisinrotem Sammet; eine Diamantentiara schmückte ihr Haupt, und Tiamantengehänge blitzten am Halse. Die anwesenden Pairsdamen trugen schwarze ausgeschnittene Hof- fleiber unb .Adlerfebern im Haar, und blitzende Diamanten um die Schultern, dazu schwarze Handschuhe, schwarze Federn. Der Zug hatte folgende Ordnung: Zuerst kamen Lerolde und Unterherolde, deren seltsame Trachten London schon bei der Proklamation sah. Dann folgten die hohen Staatsbeamten, der Lordkanzler, der „Black Rod" und der Lordpräsident des Rates, der Herzog von Devonshire; dazu gesellten sich die Offiziere des königlichen Haushalts, der Lord Great Chamberlain, der Camptroller, der Schatzmeister und der Earl Marshall. Nunmehr folgten der König und die Königin, begleitet von dem Oberhofmeister, Pagen und Mitgliedern ihrer Familie, dem Herzog von Cornwall und York und den Prinzen von königlichem Geblüt. Lord Belper und die Herren der Leibwache in Scharlachuniform und Helmen mit weißen Febern erhöhten den Glanz des Schauspiels. Als der König und die Königin das Haus der Lords betreten hatten, erhoben sich alle Pairs mit ihren Damen und setzten sich erst wieder, als der König auf den Thron Platz genommen hatte, und der Lordkanzler ihnen mitteilte, es sei der Wille des Königs, daß sie e§ thun. Um den König und die Königin, die zu seiner linken Seite auf dem Throne sitzt, gruppierte sich das Gefolge. Rechts und links standen die Träger der Kron signien. Alsdann berief der „Black Rod", der oberste Dienstbeamte des Oberhauses, den Präsidenten und die Mitglieder des Unterhauses, der König erhob sich und verlas die Thronrede. In der Thronrede wird zunächst auf die nationale Betrübnis und Trauer wegen des unersetzlichen Verlustes durch den Tod der Mutter hingewiesen, welche der ganzen Welt ein Beispiel gab von dem, was ein Monarch sein sollte. Der König wünsche lebhaft, in ihren Fußtapfen zu wandeln. .Sodann heißt es weiter: Inmitten des allgemeinen und persönlichen Sck)merzes ist es mir eine Genugthuung, das Parlament zu versichern, daß die Beziehungen zu den Mächten fortdauernd freundlich sind. — Der Krieg in Südafrika ist noch nicht gänzlich (!) beendigt, aber die Hauptstädte des Feindes und die hauptsächlichsten sind in meinem Besitz. Maßregeln sind getroffen, die, wie ich sicher hoffe, meine Truppen an stand setzen werden, den Streitkräften, die ihnen noch gegenüberstehen, wirksam entgegenzutreten. Ich bedaure sehr den Verlust von Menschenleben und Geldopfern, die der nutzlose Guerillakrieg mit sich bringt, den die Buren fortführen. Eine baldige Unterwerfung ist in ihrem eigenen Interesse (?) sehr zu wünschen, da es, solange sie nicht erfolgt, unmöglich ist, in jenen Kolonien Instruktionen einzusetzen, die allen weißen Bewohnern gleiche Rechte, der eingeborenen Bevölkerung Schutz und Gerechtigkeit sichern werden. — Die Einnahme Pekings durch verbündete Truppen und die glückliche Befreiung der in den Gesandtschaften belagerten Personen find Ergebnisse, wozu meine indischen Truppen und meine Seemacht wesentlich beigetragen haben. Denselben folgte die Unterwerfung der chinesischen Regierung unter die Forderungen, auf denen die Mächte bestanden. Unterhandlungen dauern fort über die Art, wie die Zustimmung zu den Bedingungen der Mächte zu verwirklichen ift Der König erwähnt sodann die Errichtung des australischen Staatenbundes und den bevorstehenden Besuch des Herzogs von Cornwall und York zur Eröffnung des Bundesparlaments, das nach dem Beschlüsse des Königs auf Neuseeland und Kanada auszudehnen ist. — Der König spricht seine Freude über die rasche und loyale Antwort aus, die der neuerliche Appell an den Patriotismus und die Hingabe Kanadas und Australiens fand, den die Fortführung der Feindseligkeiten in Südafrika veranlaßte. - Die Thronrede teilt alsdann die erfolgreiche U n t e r d r ü ck- ung des Aufstandes im Aschanti-Gebiet mit. Weiter wird mitgeteilt, daß die durch die Dürre in Indien hervorgerufene Notlage und die große Sterblichkeit durch rechtzeitig eingetretenen Regen bedeutend gemildert wurde. Gleichzeitig wird das Bedauern ausgebrückt, daß in der Präsidentschaft Bombay noch fortwährend großes Elend herrsche, das man zu lindern bemüht sei Im Budgetvoranschlag für das kommende Jahr sei ernstlich Sorge getragen, die Beträge zu beschränken, aber die Erfordernisse für das Heer und die Flotte, besonders aber die Ausgaben für den südafrikanischen Krieg, machten eine Erhöhung der zu verlangenden Kredite unvermeidlich. Die Thronerledigung mache es notwendig, aufs neue für die Zivil liste Vorsorge zu treffen. Der König stellt dem Unterhause vorbehaltlos jene Erbeinkünfte zur Verfügung, die auch die verewigte Königin demselben eingeräumt hatte. Schließlich werden Vorschläge zur Vermehrung des Heereskontingents des Reiches und andere innerpolitische Vorschläge angekündigt. Das Oberhaus war bis zum äußersten gefüllt. Unter den Anwesenden waren das Prinzenpaar Karl von Dänemark und Prinzessin Viktoria von Wales, Prinzessin Beatrice, Prinzessin Luise, die Herzoge von Connaught, Cambridge, Fife. Der König verlas mit deutlicher, klarer Stimme die Thronrede. Nach der Thronrede stiegen der König und die Königin von der Estrade herab, der Zug bildete sich wieder und verließ das Haus. Auf dem ziemlich kurzen Wege vom Buckingham-Palast bis zum Parlamentsgebäude hatte sich eine außerordentlich große Menschenmenge angesammelt. In den Straßen bildeten Truppen und Polizeibeamte Spalier. Der königliche Zug bestand aus 6 Wagen, in den ersten 5 Wagen saßen die Mitglieder des königlichen Hauses, das Gefolge und die Hofwürdenträger. ^)ann folgte die prächtige Staats-Karosse. In dieser hatte das Königspaar Platz genommen. Auf dem ganzen Wege wurden die Majestäten von der Menge mit großer Begeisterung begrüßt. Politische Tagesschau. Aus Berlin, 14. Febr., wird uns geschrieben: Der konservative Abg. Graf Klinckowström hat seit feiner Königsberger Rede, in der er die Einigung zwischen der Landwirtschaft und der Regierung als vollzogene Thatsache hinstellte, eine Erklärung nach der anderen an die Presse zu versenden. Trotzdem erhält sich hartnäckig die Behauptung von einem „Kompromiß Klinckow- str ö m" über die künftigen Zollsätze für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Der „Fränk. Courier" hatte dieser Tgge „auf Grund bestimmtester Versicherungen eines Abgeordneten, der auf dem Boden des sogenannten Klinckowström'schen Kompromisses steht", die angeblichen Mindestsätze für Getreide usw. mitgeteilt. Heute abend nun veröffentlicht die „Kreuzztg." eine Zuschrift des Grafen, worin die Existenz einer Vereinbarung entschieden bestritten wird. Graf Klinckowström erklärt, selbst noch nicht zu wissen, wie hoch der Zoll für die einzelnen Getreidearten fein muß, wenn die Landwirtschaft ausreichend gestützt werden soll. Nicht die Getreidezölle allein seien für ihn maßgebend, sondern die Sätze für alle landwirtschaftlichen Produkte im Zusammenhang. Dies Bekenntnis ist bemerkenswert und überraschend. Wenn ein Hauptvertreter der landwirtschaftlichen Interessen offen ausspricht, er habe noch kein Urteil über die Höhe, der künftigen landwirtschaftlichen Schutzzölle, so muß man fragen: Wie soll denn das die Regierung wissen ohne bie Vorschläge ber Interessenten? Die In-, dustriellen haben doch ganz genau und eingehend begründete Eingaben gemacht darüber, auf welche Waren und in welcher Höhe sie einen Einfuhrzoll für zweckmäßig halten. Daß diese Interessenten, daß auch die Führer der Landwirtschaft solche Vorschläge nicht vorzeitig an die Öffentlichkeit bringen, das läßt sich verstehen. Aber es ist erstaunlich, daß ein Mann an der Spitze wie Graf Klinckowström noch nicht zu einem Resultat gekommen ist bezüglich der lanowirtschastlichen Schutzzölle, sondern mit Seelenruhe das Erscheinen des Zolltarifschemas abwartet, das diese Zollsätze enthalten wird. Der „Bund der Landwirte" hat vermutlich präziser seine Wünsche angemeldet. Graf Klinckowström wartet ab, was er bekommen soll. Ist das auch der Standpunkt anderer Agrarier „gemäßigter Richtung", so braucht die Regierung ja keinen „Sturm" zu befürchten, wenn sie nicht den anderweit empfohlenen 7 Mark-Getreidezoll als Mindestsatz einstellt. Man schreibt uns aus Berlin, 14. Februar: Seit der ehemalige Staatssekretär des Auswärtigen, v. Marschall, das Deutsche Reich am Goldenen Horn vertritt, sind die Beziehungen zwischen Berlin unb Konstantinopel recht freunbschaftljch. Kein anberer Botschafter wirb vom Sultan so oft in Aubienz empfangen, wie Herr v. Marschall, unb ber wicberholte Austausch von Geschenken zwischen Abbul Hamid und Kaiser Wilhelm — sie werden stets durch Spezialgesandte überbracht —, die glänzende Aufnahme deutscher (Seeoffiziere vom Schulschiff „Moltke" usw. könnten bei den anderen Kabinetten Beunruhigung erregen, wenn die „alte" Orientfrage am politischen Horizont stünde. Das ist nicht der J-all, und überdies liegen die deutsch-türkischen Freundschaftsbeweise auf - wenn man so sagen darf — gesellschaftlichem Gebiete. Der Sultan hat sich wenigstens bisher nicht veranlaßt gesehen, sein Wohlwollen auch politisch zu betätigen, z. B. durch Gewährung der Konzession zum Bau ber Bagdad- bahn an die deutschen Unternehmer. Wenn deshalb Kaiser Wilhelm neuerdings seine Genugthuung kundgegeben hat über die „politischen Eindrücke", die sein Spezialgesandter, General v. Kessel, in Konstantinopel empfangen hat, so könne sich das wohl nur auf die allgemeine Stimmung des türkischen Hofes gegenüber Deutschland beziehen. Unser Berliner Mitarbeiter schreibt unterm 14. Febr.: Der Besuch des Königs von England in Deutschland scheint zur Thatsache werden zu sollen, ob wohl die Londoner Presse selbst zum Teil einsichtig genug ist, gerade momentan nur geringe Sympathien für die Eng tauber im deutschen Volke zu konstatieren. Nach einem Telegramm aus Portsmouth hat die königliche Yacht den Befehl erhalten, das Königspaar nach Deutschland und wahrscheinlich auch nach Dänemark zu bringen. Der Besuch dürfte demnach nicht in Berlin, sondern in Homburg v d. H. stattfinden und einen familiären Charakter haben. Engländer und Buren. Nach einer Meldung des „Reuterschen Bureaus" aus Kapstadt vom 14. Febr. hat ein Buren-Kommando? am 13. den Oranjefluß im Distrikt von Philivpstowu überf d)ritten. Wie verlautet, steht das Kommanoo unter dem Befehle Dewets. Die Blätter in Kapstadt melden: Die hiesige Regierung und die Behörden erhielten Nachricht, datz Christian D e w e t und Präsident S t c i j n in die Kap- kolonie eingedrungen seien und sich Philipptowns bemächtigt hätten, gestern seien dieselben von britischen Truppen angegriffen und mit Verlust wieder aus der Stadt vertrieben. Der englische Oberst Babington nahm bei einem Streifzuge, den er von Ventersdorp aus machte, in Naauwpoort ein kleines Burenkommando gefangen. Die Buren verteidigten sich hartnäckig und ergaben sich er ft, als eine Anzahl von ihnen getötet ober verwunbet war. — Die britische Besatzung von Lijbenburg würbe in ber vergangenen Woche von b e n Buren angegriffen, ohne daß es jedoch zu einem ernsten Kampfe kam. Die Buren feuerten aus einem Geschütz, das sie auf einer Anhöhe bei ber Stabt aufgestellt hatten, einige Schüsse in bie Stadt unb richteten auch Gewehrfeuer dorthin, bas aber bei der weiten Entfernung wirkungslos blieb. Im englischen O b e r h a u s e besprach Lorb Kimberley ben Krieg. Die Opposition fei über bie neuerliche Art unb Weise ber Kriegführung äußerst unzu- frieben. Die erste Aufgabe der Regierung sei es, die Feinde zu überroinben. Zu diesem Zwecke dürfe kein Geld gespart werden. Er vertraue darauf, daß die Regierung entschlossen sei, eine durchgreifende Prüfung des H e e r e s s y st e m S vorzunehmen, und sich bemühen werde, das ganze System auf eine befriedigendere Grundlage zu stellen. Salisbury antwortete: Solange ber Krieg nicht gewonnen ist, kann nicht von der öffentlichen Meinung erwartet werden, daß sie die Kriegführung lobe, doch ist es eine unbillige Annahme, daß etwas Ungewöhnliches in der Länge dieses Feldzuges liege. Es handle sich um einen Guerillakrieg und organisierten Widerstand. Gelingt es, diesen zu brechen, so bestehe eine große Ähnlichkeit zwischen dem südafrikanischen Kriege und dem amerikanischen Segniums- Striege, derselbe dauerte vier Jahre, ehe es ben angestrengten Bemühungen jener hochintelligenten tatkräftigen Gemeinschaft gelang, ihn zu einem erfolgreichen Enbe zu bringen. In biefem Falle hanbele es sich um ein Laub, in bem sehr schwer zu kämpfen sei, unb bas durch seine Größe die Möglichkeit zu einem langandauernden Widerstand bietet. Wie groß auch die angreifende Macht sei, so müsse doch, wenn ber Wiberstanb stanbhaft unb hartnäckig burchgesührt werbe, eine lange Reihe von Monaten vergehen, ehe es möglich sei, roieber vollkommene Ruhe herzustellen. Es wird behauptet, das englische Volk unterstütze den KriegnichtvonHerzen und wünscheallesa nbe r e eher als eine Fortführung des Krieges. Er könne nur sagen, wenn der Feind irgend einen Teil seiner Unabhängig keit beibehalten dürfe, würde dies ein unaufhörliches Krieaführ en nach sich ziehen. Wie die Gefühle in jenen Gebieten geartet sind, ist es klar, daß, wenn wir nicht Herren und Sieger sind, keine Hoffnung für bauern ben Frieden vorhanden ist. Es ist klar, daß der Feind irgend welche Macht, die ihm zugestanden wird, vor allen Dingen dazu benutzen würde, neue Kräfte, neue Waffen zu sammeln in Vorbereitung eHierbei geeigneter Gelegenheit auszuführenden erneuten Angriffs. Wenn England zuließe, daß feinen Anstrengungen schließlich der Triumph fehlt, würden wir der Welt 3^9^ stehen, daß unsere Grenzen in verletzender Weise nbertauen werden könnten und daß wir machtlos wären, wirksam Widerstand zu bieten. Und wenn wir dies der Weit einmal verkündet hätten, wie lange würde unser herrliches Kolonialreich geschützt sein vor dem Angriff jedes mißvergnügten Volkes, das wünschen könnte, von Englands Schwierigkeiten Nutzen zu ziehen? • Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 14. Febr. Lord Kitchener meldet aus Pretoria vom 14. ds.: Unsere Truppen sind zur Zeit nördlich von Philippstown, das von uns gehalten wird, mit D e w e t s Streitmacht in ein G e f e ch t verwickelt. Dewet hat den Oranjefluß bei Zanddrift überschritten und ist anscheinend auf dem Marsche nachdem Westen begriffen. General French meldet 25 Meilen südöstlich von Ermelo, daß eine starke feindliche Truppe nach Pietretrief gedrängt würde. Ihre Bemühungen, durchzubrechen, seien bisher vereitelt worden. Kavallerie griff den Feind an, welcher fünf Tote und sechs Verwundete zurückließ. Zehn Mann wurden gefangen genommen, eine große Menge Wagen, Karren und Vieh erbeutet. Unsere Verluste betragen einen Toten und fünf Verwundete. Kapstadt, 14. Febr. Der von der Regierung mit der Untersuchung der Krankheitsfälle beauftragte Bakteriologe stellte das Vorhandensein des Bu b o ne n b az il l u s fest und erklärte, daß es sich zweifellos um den Ausbruch der Bubonenpest handelt. Zwölf Fälle wurden bisher sicher im Hospital festgestellt. Zwei Personen, beide Koffern, sind gestorben. Im Hospital befindet sich nur ein Weißer. London, 15. Febr. Tas Reutersche Bnreau meldet aus Johannesburg vom 14. ds.: Dienstag Rächt versuchte eine starke Burenabteilung die Wasserleitung zu zerstören, wurde aber nach heftigem Kampfe gezwungen, sich zurückzuziehen. Die Buren hatten 23 Verwundete, drei Tote, die Engländer einen Toten, zwei Verwundete. Kapstadt, 14. Febr. (Reuter-Meldung.) Der P e st - bazillus ist bei den Erkrankungen zweifellos fest- gestellt. Zwölf zweifellose Pestfälle sind konstatiert. China. Eine in New-York eingetroffene Depesche aus Peking vom 13. Februar meldet: Der Kaiser hatte an die Gesandten das Gesuch gerichtet, sich damit einverstanden zu erklären, daß sich die schuldigen chinesischen Würdenträger selbst das Leben nehmen. Nachdem aber schon drei Würdenträger sich geweigert haben, diesen Schritt zu thun, hat der Kaiser sein Gesuch wieder zurückgezogen. Der' Kaiser hat nun Tsching telegraphisch mitgeteilt, daß, als der Hof den Bedingungen der Note z u g e - stimmt habe, in dieser nur eine den von den chinesischen Beamten begangenen Verbrechen angemessene Bestrafung derselben verlangt worden sei, und daß folglich, wenn die Hauptschuldigen auch den Tod verdienten, die anderen doch in anderer Weise zu bestrafen seien. Die Gesandten erwiderten hierauf, daß auch die am wenigsten Schuldigen den Tod verdienen und daß alle mit dem .Tode zu bestrafen seien, da es keine schlimmere Strafe gebe. Dos „K. K. österr. Telegr.-Korresp.-Büreau" meldet aus Peking: Entsprechend dem Vorgehen anderer Mächte sicherte sich die österreichisch-ungarische Regierung die Erwerbung eines Settlements in Tientsin zur Errichtung eines Konsulats und für Niederlassungen von Staatsangehörigen und deren Unternehmungen. Im Auftrage des österreichischi-ungarischen Gesandten in Peking wurde ein etwa 0,6 Quadratkilometer großes, am Kaiserkanal gelegenes Terrain im Namen Oesterreich-Ungarns besetzt, wovon der Kommandant des österreichisch- ungarischen Marinedetachements alle Konsulate sofort schriftlich verständigt hat. lieber den Preis,' die Bedingungen und Ablösungen, respektive die Expropriierung, sind Verhandlungen mit China eingeleitet. Deutsches Reich. Berlin, 14. Febr. Aus Homburg v. d. H. wird ge meldet: Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen heute früh den gewohnten Spaziergang durch den Kurpark in Be gleitung des RctchskanzlerS Grasen v. Bülow und des Gene raladjutanten Generalleutnants v. Kessel. Bei der Rückkehr von dem Spaziergange statteten die Majestäten dem Saal' bürg-Museum im Kurhause einen Besuch ab, zu dem auch Kultusminister Studt, Oberbürgermeister Dr. Tetten born, Kurdirektor Frhr. v. Maltzahn und Baurat Jacobi zugezogen waren. Später hörte der Kaiser den Vortrag oeS Kultusministers. Am Nachmittag unternahm das Kaiserpaar einen anderthalbstüvdigen Spaziergang in der Tannenwaldallee. — Dem „Retchsanz." zufolge hörte der Kaiser heute auch den Boctrag des Chefs des MarinekabiuetS, Vizeadmirals Frhrn. v. Sendeu-Bibran. Kä — Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft haben dem Kaiser eine BeileidSadrefse aus Anlaß des Todes der Königin Viktoria, sowie eine Glückwunschadresse zum Geburtstage übersandt, worauf der Herrscher mit folgenden Worten gedankt hat: Die Aelteften der Kaufmannschaft von Berlin habm mir anläh Ach der tiefen Trauer, von welcher durch den Heimgang Ihrer Majestü der Königin von Großbritannien und J land, meiner innigst verehrte Großmutter, mein Herz erfüllt ist, freundliche Teilnahme und zugleich -u meinem Geburtstage treue Glückwünschte in dm beiden Adressen vom 27. Jenuar zum Ausdruck gebracht. Ich habe diese Kungebungen patriotischer Gesinnung mit Befriedigung mtgegengenommen und spreche den Aeltesten meinen wärmsten Dank und die Hoffnung aus, daß xEndel und Gewerbe im V.-retn mt den übrigen für die stetige Vorteot Wickelung deS wirtschaftlichen LebenS bedeutungsvollen ErwerbS- zwelgm bald wieder eines neuen Aufschwunges sich erfreuen mögen. — Die Krankheit der Kaiserin Friedrich nimmt einen bedrohlichen Charakter an. Nach einer Mitteilung der „Rhcrn. Wests. Ztg.-, die von unterrichieter Seite stammen so«,, handelt es sich um Wassersucht, di- mit einer UN hellbaren Nlecevkrankheit, angeblich Nierenkrebs zu sammenhängt. Es könne sich nur noch darum handeln bei Kaiserin die Schmerzen nach Möglichkeit zu lindern und den Eintritt der als unvermeidlich angesehenen Katastrophe mög lichst hinauSzuschreben. Wie gefährlich das Stadium der Krankheit fei, dafür spreche der Umstand, daß der Kaiser und die Geschwister beständig in der Nähe der Mutter weilen. — Die Nachricht von einer angeblichen Verlobung des Kronprinzen mit Der Prinzessin Eva von Battenberg ist bereits als irrig gekennzeichnet worden. Wie die „D. W.- aus dem Hofe nahestehenden Kreisen ver nimmt, geht dort vielmehr das Gerücht um, daß eine Prin Zessin aus einem regierenden deutschen Fürstenhanse — einige Stimmen deuten bereits auf ein süddeutsches tjin — als zukünftige Gattin deS Thronerben in Aussicht genommen sei. — In der preußischen Armee werden das fünfzigjährige Dienstjubiläum begehen: Generaloberst, Vortragender Generaladjutant und Chef des Militär-Kabinetts des Kaisers und Königs v. Hahnke am 26. April; General der Infanterie und kommandierender General des 17. Armee korps v. Lentze am 1. Oktober. — Der Bundesrat Überwies in seiner heutigen Sitzung u. a. die Vorlagen betreffend a. den Entwurf eines Unfallversicherungsgesetzes für Beamte und Personen des Soldatenstandes, b. den Entwurf eines Gesetzes wegen Ab änderung des Branntweinsteuergesetzes vom 24. Juni 1887 und 16. Juni 1895 und c. den Entwurf eines Ge setzes wegen Aenderung des Gesetzes über das Posttax - wesen im Gebiete des Deutschen Reichs vom 28. Oktober 1871 den zuständigen Ausschüssen. Die Zustimmung wurde erteilt dem Ausschußantrag zu der Vorlage, betreffend die Vergütungssätze für die Gestellung von Vorspann, sowie dem Ausschußberichte über die Vorlagen, betreffend die Verleihung von Korporationsrechten an die mit dem Sitze in Berlin errichtete „Deutsche Agavengesellschaft" und an die mit dem Sitze in Berlin neu gebildete „Otavi-Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft". — In der Begründung der Novelle zum Branntweinsteuergesetz, die am 1. Oktober 1901 in Kraft treten soll, heißt es: Im neuen Entwurf ist davon abgesehen, den Anregungen auf Vereinfachung des Branntweinsteuersystems, insbesondere auf Beseitigung der Maisch bottichsteuer, zu entsprechen. Das Brennereigewerbe, die BranntweinreinigungS-Jndustrie und der Branntweinhandel haben sich mit den gegenwärtigen Formen der Steuererhebung und Kontrolle abgefunden und sind mit den bestehenden Ver hältniffen im allgemeinen zufrieden. Neue Maßnahmen von finanzieller Bedeutung find nicht beabsichtigt. Die Vorschläge des Entwurfes behandeln nur die Bemessung der neu aus- iuteilenben Kontingente; ferner die Beibehaltung der Brennteuer und die Unterbringung der steigenden Branntwein- iroduktion. — Der Gesetzentwurf betreffend die Aenderung »es Gesetzes über das Posttaxwesen sieht die Errichtung von verschließbaren Abholerfächern (letter boxes) vor. Für ein Fach gewöhnlicher Größe soll die Gebühr jährlich 12 und für größere Fächer 18 Mk. betragen. — Eine Abschätzung des Rechnungsjahres 1900, baß am 1. April endigt, hat das Schatzamt der Budgetkommission überreicht. Darnach wird der Ueberschuß an dem eigenen Haushalt des Reiches, also abgesehen von den Ueberweisungen an die Einzelstaaten, in diesem Jahre nur die winzige Summe von 200 000 Mk. betragen, statt 32y3 Millionen Mark im Vorjahre. Das Ordinarium der Marine weift Ueberschreitungen von 6J/2 Millionen Mark auf. Die Zuckersteuer bringt allerdings mehr: 21 Millionen Mark, aber der Minderüberschuß der Postverwaltung beläuft ich auf 19 Millionen Mark. — Anläßlich des Mörchinger Falles wird dem „Berk. Tagebl." von angeblich genau unterrichteter Seite geschrieben: Nicht zutreffend ist die Annahme, daß die Zweikampfsitten im Offizierkorps von oben her gemildert worden feien; vielmehr ist noch ganz kürzlich in einem Kontingente der deutschen Armee durch den Kontingentherrn ein Spruch des Regimentsehrenrates kassiert worden, durch den )ie gütliche Beilegung einer in sinnloser Trunkenheit verübten Kinderei als korrekte Erledigung anerkannt war. Der betr. Oberleutnant wurde darauf mit schlichtem Abschied entlassen. — Eine Geburten steuer ist für das Fürstentum Reuß ä. L. in Aussicht genommen, und zwar in einer dem Landtage unterbreiteten Vorlage, betreffend die Abänderung des Gesetzes über das Hebammenwesen, durch die auch füi die Unterstützungskasse der Hebammen Fürsorge getroffei. wird. §7ach der Vorlage haben bei der standesamtlichen Anmeldung von Geburten die Eltern oder die Mütter eine Abgabe von 50 Pfg. für die bezeichnete Unterftützungskasie u entrichten. Der Justizausschuß des Landtags hat bereits eine Zustimmung erklärt, und so dürfte denn auch wohl die Mehrheit des Landtags diese eigenartige Steuer gutheiß". Ausland. London, 13. Febr. Truth zufolge wird König Eduard im März außer der Kaiserin Friedrich auch die Großherzogin von Hessen besuchen. Ein Kabinettsminister wird ihn begleiten, wahrscheinlich Lord James of Hereford. Ostern werden König Eduard undKönigin Alexandra in Kopenhagen verbringen, wo auch die Kaiserin- Witwe von Rußland und der Herzog und die Herzogin von Cumberland erwartet werden. Prinzessin Christtau von Schleswig-Holstein und Prinzessin Beattice werden demnächst die Kaiserin Friedrich besuchen. Prinzessin Beatrice besucht danach den Grafen und die Gräfin Erbach auf Schloß Schönberg, wahrscheinlich wird sie sodann eine Zeit Jang auf Schloß Heiligenberg bei Jugenheim wohnen, das dem Prinzen Louis von Battenberg gehört. London, 14. Febr. (Unterhaus.) Der Sprecher teilt den Eingang von Beileidskundgebungen.auswärtiger Parlamente mit. Forster begründet den Adreßentwurs und nimmt auf die bedeutungsvollen Kundgebungen der Trauer und Teilnahme Bezug, wozu der Tod der Königin Anlaß gegeben habe. Redner fährt fort, wenn auch Differenzen zwischenDeutschlandundEngland entstehen könnten, werde England doch nicht leicht vergessen, welchen Anteil der Deutsche Kaiser an dem Schmerze der Nation genommen habe. Die Handlungsweise des Kaisers sei zweifellos durch persönliche, nicht durch politische Motive eingegeben. England schätze seine Teilnahmskundgebung darum nicht geringer. Im weiteren Verlaufe seiner Rede bespricht der Redner, wie auch nach ihm Agnar, welcher den Adreßantrag unterstützte, die Weiterführung des Krieges in Sud Afrika. Diese Stellen werden von den irischen Nationalisten mit ironischen Beifallsrufen und' Aeußerungen des Widerspruchs aufgenommen, während sie die Erwähnung von De Wets Namen mit lauten Beifallsrufen begrüßen. London, 14. Febr. König Eduard hat seiner Gemahlin Alexandra den Hosenbandorden verliehen. Paris, 14. Febr. Der Armeeausschuß des Senats beschloß, den Gesetzentwurf, betreffen!) Einführung der zweijährigen Militär dien st zeit wieder aufzunehmen und den Kriegsminister um seine Ansicht über die Angelegenheit zu befragen. — Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat eine Kommission zur Prüfung von Projetten betteffend Bau eines Kanals zwischen Maas und Schelde eingesetzt. Paris, 14. Febr. Präsident Loubet empfing heute nachmittag den hier eingetroffenen König von Griechenland, der von dem griechischen Gesandten Delyannis begleitet war. Dem Könige wurden bei der Ankunft die militärischen Ehren erwiesen. Um 3 Uhr stattete Präsident Loubet, begleitet von dem Chef des Zivilstaates Combarien und dem Chef des Militärstaates General Dubois dem Könige einen Gegenbesuch ab. Madrid, 14. Febr. Tie Trauung der Prinzessin von Asturien mit dem Prinzen Casertcr wurde in der Kapelle des königlichen Schlosses durch den Erzbischof von-Toledo Kardinal Sancha vollzogen. Ter Prinz trug spanische Offiziersuniform. Tie Zeremonie dauerte eine Stunde, alle öffentlichen Gebäude hatten zur Feier des Tages Flaggenschmuck angelegt. Die Hochzeitsgeschenke gelangten im königlichen Schloß zur Ausstellung. Unter den prachtvollen Gaben wurde am meisten das Geschenk der Königin-Regentin, ein Perlenkollier, bewundert. Von der Infantin Isabella kam ein Diamantkreuz und ein Kollier aus Perlen, Rubinen und Diamanten, das auf 200 Pesetas geschätzt wird. Das Geschenk des Bräutigams besteht in einem Brillantdiadem. Eine Brosche in Form einer Lilie, die aus Diamanten und Rubinen besteht, ist eine Gabe der Königin Isabella. Außerdem sind zahlreiche Geschenke von allen Fürsten und Fürsttnnen und vom spanischen Adel eingetroffen. Man schätzt den Wert aller dieser Geschenke auf nicht weniger als vier Millionen. —. Heute morgen wurde der Kriegszustand über Madrid und Valencia verhängt und feierlich auf den Straßen und Plätzen unter Trommel- und Trompetenschall ausgerufen. Tie Truppen besetzten die strategischen Punkte der Stadt. In der vergangenen Nacht wurde die Straßen-Be- leuchtung zerstört, "das Pflaster aufgerissen und durch Schüsse 3 0 Personen verwundet; 60 wurden verhaftet. — In Valencia wurde das Jesuitenttoster erstürmt; die Gendarmen töteten eine Person und verwundeten zwei tötlich. — Der Gesandte Brasiliens, Pedro Araujo, wurde gestern das Opfer der Aufrührer. Diese verwechselten ihn fnit einem spanischen Minister, weil sein Kutscher galo- niert war. Ter Wagen wurde mit Steinwürfen überschüttet und erreichte nur mit Mühe die Wohnung des Diplomaten. Rom, 14. Febr. Das Ministerium ist folgendermaßen gebildet: Zanardelli: Vorsitz, ohne Portefeuille, G i o I i 11 i: Inneres, Prinetti: Aeußeres, di Brogliv (Rechte): Schatz, Wollen berg (Zanardellianer): Finanzen, Giusso (Rechte): Arbeiten, Picardi (Zanardellianer): Ackerbau, Coceoortu (Zanardellianer): Justiz, Nunzio Nasi (Crispiner): Unterricht, G a l i m b e r t i (Giolittianer): Post. Die Minister des Krieges und der Marine P o n z a diSanMartino und Morin bleiben. Zanardelli unterbreitete abends die Liste des neuen Ministeriums dem Könige, der sie genehmigte. Wien, 14. Febr. König Alexander ließ am Sarge Milans einen Kranz mit der Inschrift, „Seinem guten Vater" niederlegen. Aus Stadt und Kand. Gießen, 14. Februar 1901. .Gedenket der hungernden!Vögel! ** Die städtische Anleihe. DaS Großh. Regierungsblatt Nr. 12 hat u. a. zum Inhalt eine Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber be* treffend. « « Der Stadt Gießen wurde in Gemäßheit des $ 795 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und bezw. des Artikels 67 des helsischen Ausführung-« gesetzes zu demselben vom 17. Juli 1899 mittels Entschließung des unterzeichneten Ministeriums vom Heutigen die Genehmigung zur Ausgabe der nachbezeichneten vierprozentigen Schuldverschreibungen auf den Inhaber erteilt:A 8. II. Nr. 1— 350 ä 2000 Mk. ---- 700 006 Mk. „ 351 — 1200 ä 1000 „ — 850 000 „ , 1201 —1900 ä 600 „ — 850 000 „ „ 1901 — 2250 ä 200 „ — 70 000 , „ 2251—2550 ü 100 „ = 30 000 „ Sa. 2 000 000 Mk. Darmstadt, den 6. Februar 1901. Großh. Staatsministerium. Rothe. Müller. P. Oberhesfischer Geschichtsverein. Am Donnerstag abend 8l/z Uhr eröffnete in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Prof. Dr. Höhlbaum der stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Gundermann die Versammlung. Zu Beginn machte er einige geschäftliche Mitteilungen, u. a., daß in das hiesige Museum wieder einige neue interessante Altertumsfunde eingeliefert worden sind. In der Sandgrube am Rödgen-Weg ist zum ersten Mal seit der, seit 2 Jahren unternommenen Ausgrabung eine Schwertspitze gesunden morden, die bezeugt, daß die Toten der Germanen mit Waffen begraben worden sind. Alsdann begrüßte Pros. Gundermann den Gymnafialdirettor Prof. Dr. Schädel, der in bekannter rhetorischer Meisterschaft aus dem Gebiete seiner speziellen Forschung einen hochinteressanten Vortrag über das Thema: „Aus der Custodia Philipps des Großmütigen" hielt. Ueber den Inhalt des Vortrages, deffen Thema der Vortragende mit großer Klarheit und Anschaulichkeit, Eigenschaften, über die im gebotenen Maße nur Der verfügen kann, der direkte Quellen-Studien gemacht hat, besprach, sind wir wegen Raummangels gezwungen, erst in nächster Nummer zu berichten. Dem Vortrag schloß sich eine längere anregende Diskussion an. Oberbibliothekar Prof. Dr. Haupt beabsichtigt mit Unterstützung verschiedener Herren, zu dem für 1907 bevorstehenden Jubiläum der Landes Universität, einen Bericht über das Studenten- ’ "fhnb uten Se“ Lbrc§ Senats Zrung bet *r aufjiu ,'^uber bie dtlichr» $a«8unb Eonig b0“ en, ^sandten “ dn A- “ "hr Hottete :§>'lftMtS General Du. tbtuat 1901. Vögel! KtzinMSbM n $it)M vr- T795 bei MS»- A WW"<* l^unfl des untet» i’Jf dm 3*« 1000C M üOOO , 0000 r 0000 » |Q0Mr_ jOOOOW b" $rin. n Casertcr 5 durch den m bauttte ien zur Wer 'chzeitsge- r Ausstellung. ;i|ten das Ge- 'r, bewundert, ikreuz und ein !ten, das auf s Bräutigams sche in Farm en besteht, ist ind zahlreiche eu und vom n Wert aller Millionen. — ^ber Madrid : den Straßen mschall ausge- ?n Punkte der ie Straßen-Pe- 1 und durch 0 wurden verloster erstürmt; mundeten zwei Araujo, wurde e verwechselten Kutscher galo- en überschüttet es Diplomaten. . ist folgender- ne Portefeuille, , di Broglio iter): Finanzen, inarbefiianer): [tii, Nunzio '&iolittiane 1): ixixve Pvn^o. aardelli unter- isteriums dem ließ am Sarge einemguten Mer. WtxMflbt" -°LÄ * ? öS*« ttW* 5 nit 1JfW'[- ®s bem ®t6idf 8irir«8 refi«”! L« btl al*/Ab »' ' «toie t«1 «di-« 9* «ft i» <”‘4« fl* ß«rl,M«cN' «J»i*i** den idente» leben, die Korporationen und insbesondere über die Burschenschaften herauszugeben. Ec bittet alle diejenigen, die in der Lage find, hierüber etwas mitzuteilen, ihm Nachricht zukommen zu lassen. Prof. Gundermann sprach eine Bitte aus, die dahin ging, ihn mit Ausdrücken und Worien aus der sogenannten Geheimsprache (Handelsmann , Handwerksburschensprache und auch eventl. über die sogenannte Gaunerivrache) versorgen zu wollen, zur Abfafiung eines Werkes darüber. e- Tanz Uaterricht. Der gestern abend in Steins Saalbau abgehaltene Schlußball des Universitäts Tanzlehrers Roese, war äußerst zahlreich besucht. Die durchaus statt und sicher ausgeführten Tänze gaben dem Lehrer sowohl wie den Schülern das beste Zeugnis. Es wurde bis in den frühen Morgen getanzt, und ist anzunehmen, daß dieser „ErstlingSbaü" den Teilnehmern recht lauge in angenehmer Erinnerung bleiben wird. *• Hessischer Bauernbund. Anstelle des verstorbenen Freiherrn Daet v. Köth wurde Freiherr Wilh. v. Dorth zu Neckarsteinach zum Präsidenten des Hessischen Bauernvereins gewählt. . „. c. Nie der-Wöllstadt, 14. Febr. Jüngst fand hrer dre tz>eneralversammlung der Molkerei-Genossenschaft „Wett er au", G. m. b. H., statt, die von ca. 60 Mitgliedern besucht war. Aus dem Geschäftsbericht entnehmen wir, daß die Genossenschaft am 1. Januar 1900 gegründet wurde. Der Ueberschuß betrug 4451.53 Mk.. Es wurden jedem Mitglied 10 Mk. auf Geschäftsanteil, 5 Mk. auf Sicherungseinlage gutgeschrieben und der Rest dem Reservefonds und der Betriebsrücklage überwiesen. Ferner wurde beschlossen, vom 1. Januar 1901 ab den Preis der Milch zu erhöhen, und zwar soll für das Prozent Fett 3 Pfg. ohne Abzug bezahlt werden. Seit Bestehen der Genossenschaft wird auch Milch von Nichtmitgliedern angenommen und erhalten solche, unter Garantie reiner unverfälschter Kuhmilch, ab Stallung 11 Pfg. für das Liter. Den kleineren Landwirten oon Nieder-Wöllstadt und Umgegend ist dieser Erfolg nach ten trüben Erfahrungen, die sie infolge planloser Geschäftsführung der anderen Molkerei-Genossenschaft machen mußten, wohl zu gönnen. Sch. Darmstadt, 14. Febr. Unter außerordentlich -jahlreicher Beteiligung fand heute vormittag die B e e r d i g - u n g des um das hessische Medizinalwesen weit über die 'Grenzen Hessens bekannten, außerordentlich verdienstvollen Geheimrat Dr. Hermann Pfeifer statt. Von nah und fern avaren Freunde und Kollegen herbeigeeilt, um dem allseitig geliebten Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Auch Se. Exz. der Staatsminister Rothe, der Vorsitzende der Medizinalabteilung des Ministeriums des Innern, Ministe- cialrat Emmerling, sowie die Ministerialräte Braun, Breidert, Weber und Vertreter aller Abteilungen, u. a. waren anwesend. Nach einer kurzen, ergreifenden Grabrede des Stadtpfarrers Petersen legte der Vorsitzende des Vereins hessischer Aerzte, Medizinalrat Dr. Draudt ,zwei Kränze am Grabe nieder, indem er in ergreifenden Worten die vielseitigen Verdienste des Verstorbenen um die Wissenschaft und das Medizinalwesen insbesondere schilderte. Medizinalrat Kreisarzt Dr. Lehr widmete ebenso herzliche Worte und legte im Namen der hessischen Medizinalbeamten einen Kranz »lieber. Auch die Medizinalabteilung des Großh. Ministe- »iums ließ einen hübschen Lorbeerkranz niederlegen. Darmstadt, 13. Febr. In einer Anvienz, Oie oer Voi stand des Darmstädter Handelsvereins gestern bein Präsidenten des hessischen Finanzministeriums in Sachen des geplanten DurchgangSzugeS Frankfurt Karlsruhe hatte, drückte Ministerialpräsident Gnauth die Ansicht aus, daß auch nach seiner Meinung, Darmstadt unbedingt Haltepunkt der neuen Zugverbindung, deren Zustande^ kommen indessen in Anbetracht der voraussichtlich geringen Rentabilität noch zweifelhaft sei, werden müsse. Diese An ficht deckt sich mit der von uns schon gemeldeten der Main Neckar Bahn«Direktion. Die Verbindung dürfte daher nur zustande kommen, wenn Darmstadt als Haltepunkt von Baden acceptiert wird. 9oh. Darmstadt, 14. Febr. Nach dem letzten Verwaltungsbericht der Stadt Darmstadt beträgt das ftädt. Ver mögen Mk. 25 963 686, die Schulden Mk. 16 825 58,7 der Vermögensüberschuß sonach Mk. 9 138 099. Zur Fertig ftellung der in der Fasanerie gelegenen. Oberwaldhaus Restauration wurden heute durch die Stadtverordneten nock Mk. 41000 bewilligt, sodaß die Gesamtkosten jetzt über 100 000 Mark betragen. fc. Erbach, 14. Febr. Kreisrat Fey wird als Kandidat für die Landtagsersatzwahl anstelle des ver storbenen Abg. Brunner aus Stockheim i. O. aufgestellt. Mainz, 14. Febr. Der Großherzog und die Hroßherzoain haben das ihnen angetragene Protektorat über die im Herbste dahier stattfindende Blumen - und Pflanzenausftellung übernommen. Provinzialdirektor Freiherr v. Gagern, Oberbürgermeister Dr. Gaßner, Gouverneur Baron v. Collas, Eisenbahndirek- tions-Präsident Breitenbach und Landgerichts-Direktor Lippold bilden das Ehrenpräsidium. — Herr Joseph Koch, ein alter Mainzer, starb Mittwoch nacht in seinem 83. Lebensjahr. Der Dahingeschiedene war länger als 40 Jahre. Vorsteher des dritten israelitischen Krankenpftegevereins. -- Nachdem die noch schwebenden Differenzen mit mehreren Lieferanten in der Hauptsache beglichen sind, konnte jetzt erst der Finanzausschuß für das Gutenbergfest zum Rechnungsabschlüsse kommen. Es betrugen die Einnahmen 1.56 815.55 Mk. und die Ausgaben 156 184.26 Mk., sodaß ein kleiner Ueberschuß von 631.29 Mk. verblieben ist. Im Voranschläge waren die Einnahmen und Ausgaben nur mit 140000 Mk. vorgesehen, es wurde der Voranschlag daher ni m rund 16 000 Mk. sowohl in Einnahme als Ausgabe überschritten. Es ist das Resultat umso erfteulicher, als ovn vornherein vielfach behauptet wurde, das Fest würde voraussichtlich mit erheblichem Defizit abschließen. In den Einnahmen ist allerdings auch der städtische Zuschuß enthalten. — Wegen Kuppelei ist gegen einen hiesigen Wirt Üntersuchung eingeleitet worden. Es soll sich um skandalöse Vorkommnisse handeln. — Gestern nachmittag wurde von Aoldaten der 61 jährige Spezereihändler Heinrich Keibert ros der Schlossergasse tot aufgefunden. — Aus dem Hospital w-ar gestern vormittag der irrsinnige Arbeiter Roth, der ^rnher Schutzmann in Wiesbaden war, ausgebrochen. Am Nachmittag gelang es, ihn wieder ins Hospital zu verbringen. Ruffelsheim t. Rh., 14. Febr. Die Maschine des heute früh 8.25 oon Frankfurt abgegangenen Schnellzuges entgleiste hier. Der Zug hielt alsbald still, und wurde. )a die Wagen unbeschädigt geblieben waren, mit einem an deren Zugpark zusammen einstweilen nach Mainz weitergebracht. Frankfurt a. M., 13. Febr. Am Dienstag abend hielt Prof. Dr. Baldensperger aus Gießen im Freien deutschen Hochstift seinen ersten Vortrag in französischer Sprache über die Enzyklopädisten. Man bezeichnet das 18 Jahrhundert als dasjenige der Enzyklopädisten, im allge meinen kann man die Zeit vom Tode Ludwigs XIV. bis zur Revolution so nennen. Es zeigen sich vor allem littera- rische, politische und soziale Strömungen, und Goethe nannte es mit Recht das Jahrhundert des Geistes. Vielleicht hätte man noch mehr Ursache, dasselbe als Jahrhundert der Ver nunft zu bezeichnen. Voltaire, Rousseau, Diderot und o'Alembert kämpften mit der Vernunft gegen die Irrtümer der Vergangenheit. Das 17. Jahrhundert hatte vornehmlich der Philosophie gehört, aber auch die Enzyklopädisten schätzten sie hoch. Besonders für Diderot paßt die Bezeichnung Phüo soph, er ist überhaupt der typische Mann des Jahrhunderts Mit Politik beschäftigte man sich anfangs nur wenig, all mählich aber wurde dieselbe revolutionär. Man schmeichelte den Königen in den 70er Jahren schon nicht mehr, und die Freiheit des Bürgers wurde auf den Schild gehoben. Wäh .end früher die Politik in Versailles gemacht wurde, hatte sie nunmehr ihren AuSgnng von Paris, wo die großen Geister versammelt waren. Und wie stand es mit der Reli gion dieser Zeit? Die rationalistische Seele des 18. Jahr Hunderts verlangte die Kontrolle der Vernunft. Montesquieu, Voltaire und Diderot gingen aber doch nicht bis zur Ver neinung Gottes. Die natürliche Religion schien ihnen auch die vernünftige zu sein. Sie kämpften gegen die Hierarchie und führten einen neuen Faktor, den modernen Geist ein. Sie verlangten, daß man sei ein ganzer Mann, ein guter Vater, eine gute Mutter und ein guter Freund. Die Ge schichtsschreibung jener Zeit weist schon die Prinzipien und die Regeln historischer Kritik auf. Wir sehen, wie das 18. Jahrhundert dem 19. die geistige Grundlage geliefert hat. ko. Frankfurt a.M., 14.Febr. Vom hiesigen 13. Husaren. Regiment begiebt sich im Frühjahre eine Abordnung zu Pferde nach Rom, um den König Viktor Emanuel als Chef des Regiments zu begrüßen. — Die.Operation des an Blinddarmentzündung erkrankten Burenoffiziers De Wet wurde heute morgen im Rote-Kreuz Hospital in der KönigSwarter - Straße vorgenommen. Sie nahm einen günstigen Verlauf. Der Patient befindet sich Verhältnis mäßig wohl. Frankfurt a. M., 14. Febr. Die Plenar-Verammlung des Bezirkseisenbahnrates Frankfurt a. M. wählte am Mittwoch für die Wahlperiode 1901—1903 zum ersten Vorsitzenden Eisenbahndirektionspräsident Thoms-Frankfurt a. Main, zu stellvertretenden Vorsitzenden die DirektionS Präsidenten Ullrich-Kassel und Breitenbach-Mainz. Zu hessischen Mitgliedern des LandeSeisenbahnrateS zu Berlin und deren Stellvertreter wurden gewählt: Industrie: Geh. Kommerzienrat Michel-Mainz, Geh. Kommerzienrat Weintraub Offenbach; Land- und Forstwirtschaft: Landtagsabgeordneter Oek.-Rat Wernher.Nierstein, Obersorstrat Dr. Walther- Darmstadt. •* Kleine Mitteilungen au» Hessen und den Nachbarstaaten In Braunfels haben die Stadtverordneten den Beschluß gefaßt, auf Kosten der Stadt eine elektrische Centrale zu er richten. — Infolge des starken Eisganges des Maines mußte die Schiffahrt mainaufwärts vollständig eing-stelli werden. — Die Spar- und DarlehnSkasse in Gensingen hat wegen der bedeutenden Verluste, die ihr durch ihren flüchtigen Kassierer Scherte! zugefügt worden find, Konkurs angemeldet. Die Verluste der Kasse sollen bedeutend größer 'ein, als bisher angenommen worden ist._____________________ Vermischtes. Essen a. d. Ruhr, 14. Febr. Bei dem Versuch, das Coupefenster zu öffnen, st ü r z t e auf der Strecke Mülheim- Heißen eine Frau aus dem Eisenbahnzug und blieb sofort tot. * Leipzig, 14. Febr. Hier wurden zwei Falsch, münzer verhaftet, die im Begriff waren, falsche Zehngulden- noten herzustellen. Mitschuldige in Böhmen find gleichfalls festgenommen. * Grabdenkmal für Liebknecht. In der „Rhein. Zeitung" regt ein Bildhauer an, zur Beschaffung eines Lieb knecht-DenkmalS einen Wettbewerb unter den organisierten Bildhauern zu veranstalten._______ UniorrslMs Nachrichten. _ — Die französischen Vorträge des Lektors A. Goetschy aus Gießen m Darmstadt nahmen am Montag in der Aula des Realgymnasiums ihren Anfang. S. Darmstadt, 14. Febr. Im Kaisersaal fand heute abend eine gutbesuchte Versammlung der nichtincorporierten Studentenschaft zur Bildung einer organisierten Fmkenschaft und Anschluß an den kürz >ich in Weimar gebildeten Verband der Deutschen freien Studentenschaft statt. Es wurde eine Kommission gewählt, die daö vorgelegte Statut redigieren und dem Rektorat zur Genehmigung vorlegen soll. Wegen Aufnahme der hier zahlreich vertretenen Ausländer entspann sich eine lebhafte Debatte; ein definitiver Beschluß kam jedoch nicht zu stände. k. Marburg, 14. Febr. An der hiesigen Universität hat sich eine neue katholische Studenten-Verbindung unter dem Namen „Borussia" aufgethan. Sie hat bis jetzt 18 Mitglieder und trägt rote Stürmer. Die Bucschenfarben sind weiß schwarz wriß, Fuchsfarben find schwarz weiß' schwarz. Die Festlichkeit begann mit einem Hochamt. Alsdann folgte ein Couleurbummel mit den erschienenen Cartellbrüvern, worauf ein musikalischer Frühschoppen auf der Rhenanen-Kneipe (die neue Verbindung hat sich von den Rhrnanen, die zu stark waren, losgelöst) folgte. Auch ein Aufzug durch die Stadt wurde veranstaltet. Teil nahmen die Chargierten der „Westfalia" (Vo.) Tübingen, „Bavaria" Bonn, „Markomannia" Würzburg, „Hasso.Rhenania" Gießen (incorpore), „Suevia" Berlin, „Silesia" Halle, „Saxonia" Münster, „Hrnüma" Heidelberg, „Rhenania" Marburg, „Borussia" in weißem Wichs mit Schwarzsilberschnüren. Am Nachmittag fand im herrlich dekorierten Saal des Museums ein Festessen statt, am Abend war Festkommers mit Damen im Museum. Den Ehrensitz führte die „Rhenania" Marburg. Der Senior publizi rte die Verbindung »Borussia" weihte das Banner und übertrug das Präsidium dem Senior der neuen Verbindung. Hierauf wurde das Lied „Ich bin ein Preuße" gesungen. — Der Landeskonservator der preußischen Kunstdenkmäler, Geh. Oberregierungsrat Persius wird demnächst aus seinem Amte scheiden, das er über 15 Jahre bekleidet hat. — Der Lektor und Prwa dozent für romanische Philologie an der Universität München, Dr Julius Pirson, ist zum a.-o. Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Erlangen ernannt worden. — Aus Leipzig wird unS geschrieben: Dr. phil. Bredig wurde von der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität die venia legendi für Chemie und physikalische Chemie nach vorangegangener Probevorlesung über „Die Chemie der extremen Temperatur'»" erteilt. Tie Rossija meldet aus Moskau: Der Rektor der lortigen Universität habe eine Bekanntmachung erlassen, welche daraus hinweist, daß seit Beginn des Semesters unter der Studentenschaft aufreizende Aufrufe verteilt wurden, zum Zwecke der Anstiftung von R u h e ft ö r un gen und Einstellung des Besuches der Vorlesungen. Dies sei ohne Erfolg gewesen, bis Ende Januar sich'M Studenten in der Aula der Universität versammelten, und die Abhaltung von Vorlesungen verhinderten. Angeblich wurden im^Namcn aller Studierenden die Obstruktion au- gekündigt. Tic Universitäts-Obrigkeit giebt bekannt, daß die Untersuchung geaen die 308 Schuldigen eingeleitet sei, und fordert die Studentenschaft auf, Ruhe zu halten und den Besuch der Vorlesungen sortzusetzen. Meralur, Wissenschaft und Kunst. — In Mainz fand dieser Tage auf Veranlassung des Goethe- Kundes für dessen Mitglieder eine Aufführung von „Faust" (1. Teil) statt, die vor dichtbesetztem Hause lebhaftesten Beifall fand. — Man schreibt uns aus Frankfurt a. M.: Die neu arrangierte Februar-Ausstellung in dem Kunstsalon Hermes enthält eine Kollekt'v- Ausfiellung von Gemälden des Prof Robert Haug in Stuttgart und eine Sammlung Tterbilder des Mannheimer Galerie Direktors W. Frey Außerdem findet sich vereinigt eine große Kollektion von ausgewählten Werken unserer ersten Meister wie Lmbach, Thoma, F. A. v. Kaulbach, Max Liebermann, Gabr. Mase, H Bürkel, C. Spitzweg, Ed. Scheich fen., Wilh. Leibl, Ed. Grützner, Jos. Wopsner rc. Als Ausländer sind vertreten: James Paterson, A. K. Brocon, Paul Mathieu, Viktor Gibsone, Isidor Vecheyden, Coriolano, Vighi u. a. m. Als Hauptereignis indessen muß bezeichnet werden die Ausstellung des berühmten Gemäldes deS Altmeisters Arnold Böcktin „Der He lige Hain" (Die Feueranbeter). fc. Frankfurt a. M, 14' Febr. „Ostern", ein Passionssptet in 3 Akten, das neueste Drama von August Strindberg, ist vom hiesigen Schauspielhaus zur Aufführung angenommen worden. DaS Stück, in der Uebersetzung von Emil Schering, erlebt hier seine erste Ausführung in deutscher Sprache. Auch in Schweden ist es noch nicht aufgeführt worden. Eisenbahn Zeitung. fc. Die Preußisch Hessische GtaatSeisenbahnverwalturr- beabsichtigt, den Gehilfen des mittleren Dienstes und den Arbeitern auch in den Fällen den Lohn zu belassen, in denen sie zu militärischen Hebung« (auch achtwöchentlichen) eingezogen sind, und wenn sie in Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten oder dringende persönliche Angelegenheiten am Erscheinen zum Dienst verhindert sind. In letzterem Fall soll Arbeiter», die eine bestimmte Z-it bei der Verwaltung beschäftigt sind, der Lohn 615 zur Dauer von drei Tagen gezahlt werden. — DaS weltberühmte Salvator-Bier aus der Münchener Großbrauerei „Paulanerbräu" kommt auch Heuer wieder anfangs März zum Versandt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeiußr. Sonntag den 17. Februar. Eftomihi. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9ie Sitßklikr Hitler rocr yi3trim®ed frirV' ] cial wSchen! Annahme' iu der na«° stlgend-n D Rimmet W UhbesteUu abend Köchinnen, Mädchen allein, 5V beff. Haus- u. Kindermädchen. Mädchen v. Lande, für HauS- und Kückenarb., siimmermädch., Stuben- mädch. in gr. Anzahl, Erzieherinnen, Stützen, sowie sämtl. Herrschaft-- u. Geschäftspersonal bei hohem Gebalt. LoaiHe Caspar in AranKfnrt a. M., Hrotzer Kirfch- graöen 26. Erstes Central-Stellen- Vermsttelungs - Büreau. Billige- Logis im Hause. 1367 r t«t4 bi ’M dir, prima Slhmmrschmalz per Pfund 50 Pfg., bei 5 Pfund 48 Pfg., empfiehlt 0517 A. Ullrich, Schloßgasse 7. GkargDchkptler,Kafftt°rmMt x H i.®«, IU ■ 2.— per 1 g Kilo. Kausmaua, und Farbenbranche, bisher in größeren Geschäften des Saar- gebietö thätig gewesen, sucht, gestützt auf la. Zeugnisse und Referenzen, Stellung für Kontor, Lager oder Reise per 1. April, evtl, auch früher, gleichv welch. Branche. Off. unter G H 1355 an die Expedition d. Bl. 0510] schöner Garten am Wieseckerweg alsbald zu verpackten. Frank, LöberS Hof 7. III. ßjteine Beamtenfamilie sucht zum «V 1. Mai möglichst in freier Lage einfache 4- oder b-Zimmerwohnung Parterre oder 2 Trepoen Offerten unter 1375 an die Expedition. Awharrng von ca. 6 Zimmern, im Osten oder Süden der Stadt, zu mieten gesucht Off. mit PreiS- ang. nbrugeben ®r Stemweg 21 0ur Stütze der Hausfrau oder -0 Haushälterin wird ein Mädchen aus achtbarer Familie zum sofortigen Eintritt gesuckt. Offerten unter 8. R. 1870 an die Exvedition d Bl Iagdverpachtung. Die Feld- und Waldjagden 1. der Gemarkung Ehringshausen, rechts der Dill. 362 Hektar Wald und 136 Hektar Feld, 2. der Gemarkung Bechlingen, 147 Hektar Wald und 173 Hektar Feld werden am Mittwoch, dem «. März d. IS., nach mittags 8 Uhr, im Wall- bruch'schen Saale hierselbst aus 9 Jahre, vom 1. April d. I. ab, öffentlich an den Meistbietenden verpachtet werden. Die B.-rpachtungsbeding- ungen können bei mir eingesehen, auch gegen E.stattung der Schretbgebühren von 1 Mk. für jeden Bezirk von hier be- zogen werden. Ehringshausen. KreisWetzlar, den 14. Februar 1901. Der Bürgermeister. Hoemann 1369 (C,in Geselle sofort g,sacht. Theodor Wagner, Scklosser- meifter in «rosdo-f. 1377 4 0/0 do. 4 8/g do. 3«, o/e do. 8>/> 0/e do. Verdingung von Straßenöauaröeiten Die nachftehendm Arbeiten zur Chaussierung des M tiel-- wegs längs der Margareten- hütte sollen Dienstag, 26. Aeör., vormittags ll8/i Uhr, öffentlich verdungen werden. E$ ist erreicht mit meinem neuesten „KttWcrsiim“ patcet- Jnstrumental- Piano prachtvoll in Ausstattung, wunderbar in Musik, mäßig im Preise. Selbstthätige Ret.'urrollung der Notenrollen, letztere per Meter 80 Pfennig 1332 Nur allein zu beziehe» »an her Firma (gegründet 1889) Fr. Seip, Frankfurt a.M., ßaiserstraße 77, direkt am Hauptbnhuhaf. Fachmännische,coulante Bedienung. ZahlunaSerleichterung. Seips Universum ohne Konkurrenz für Bierlokale, Säle, feinste Restaurants und CafSs. Solo. Vertreter überall ges. Plüß-Staufer-Kitt in Tuben nnv Gläsern mehrfach mit Gold- und Silber- medarll. prämiiert, unübertroff zum Knien zerbrock. Gegenstände, bei: Htto Kochstätter, GlaShandlung, ^m>c Atschbach, 1359 Aug. Moll, Drog. z. roten Kreuz. Unser Schiirzevlager möchten wir bis zum Eintreffen der FrübjahrS - Neuheiten nach Möglichkeit räumen und haben daher den größten Teil der vorrätigen Schürzen ganz bedeutend im Preise herabgesetzt. Es b finden sich unter len zu- Feb uar ! Z Wien, 14. Febr. Abends fand die Einsegnung der Leiche Milans statt. Der serbische Gesandte Chri- stitsch, der Stellvertreter des Oberhofmeisters,' Graf Eugen Zichy, das Personal der serbischen Gesandtschaft, der Generaladjutant des Königs Alexander, Petrowitsch, und mehrere Hofwürdenträger waren bei der Einsegnung zugegen. Sodann wurde die Leiche, von Kavallerie eskortiert, nach der serbischen Kirche überführt. Auf dem Wege bildeten Truppen (SpaHer. Börsennachrichten« 2 Stuben nebst Zubeh. zu verm. Große Mühlgasse 21. Das. eine kl. Stube an einz. Frau zu verm. 0515t Schön n-öbl. Ktmtner sofort zu vermieten ZSaynhofSratze 15. FranklmIMraße 11 ist die Beletage, 5—6 Zimmer und Zubehör, vom 15. März Berlin, 4 % Deutsche Grundschuld-Bank 1 u. 2 4% do. 8. 5/6 unk. b. 1904 3Va °/ do. 8. 7/8, unk. b. 1906 4 0/q D. Hyp^Bank (Berlin) 8. 10 unk, 1908 8*/,o/o do. unk. 1905