151. Jahrgang 1901 Erkies Blatt Nr 13 Meßmer Anzeiger Hmeral-Anzeiger Mittwoch den 16. Januar Me Anzeigen-Dermittlungsstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pi» Uezugspreis vierleljährl. Mt. 2JQ monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn' durch die Abholestell« »ierteljährl. Mk. 1L0 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2.— vierteljährt. ahne Bestellgeld. Erscheint tägNch mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener Namittenvtätter werden dem Anzeiger hn Wechsel mit „Heff. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde- wöchtl. 4 mal beigelegt. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dornt 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische UolKsbnnde. Adresse für Depeschen: Anzeiger -letz«. Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Teil. Gießen, 10. Januar 1901. Betr.: Die Revision der allgemeinen Bauordnung. Das Grohhcrzogliche Krcisamt Gießen au die Gr. Bürgermeistereieu der Laudgemeiudeu des Kreises. _ Anlässig der in Angriff genommenen Revifion der A. B. O wollen wir Ihnen hiermit Gelegenheit gegeben haben, sich auf Grund der von Ihnen gemachten Eifahrungen darüber zu äußern, nach welchen Richtungen hin Ihrer An sicht nach das genannte Gesetz oder die dazu erlassene Aus sührangSverordnung der Verbesserung bedürftig erscheinen. Entsprechender Bericht wäre binnen 4 Wochen zu erstatten. v. Bechtolds______ Gießeu, den 12. Januar 1901. Betr.: Vergütung der Naturalverpflegung. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen au die Gr. Bürgermeistereieu deS KreifeS. Die nachstehend abgedruckie Bekanntmachung des Reichskanzlers teilen wir Ihnen zur Kenntnisnahme und Nach achtuug mit. v. Bechtold. Bekanntmachung. Auf Grund der Vorschriften in § 4, § 9 Ziffer 2 deS Gesetzes über die Naturolleistunqen für die bewaffnete Macht im Frieden (Reichs Gesctzbl. 1898, S. 361) ist der Betrag drr für die Naturalverpflegung marschierender rc. Truppen zu gewährenden Vergütung für daS Jahr 1901 dahin festgestellt worden, daß an Vergütung für Mann und Tag zu gewähren ist«: mit Brot obne Brot a. für die volle Tageskost 80 Pfg., 65 Pfg., b. für die Mittagskost 40 „ 35 „ o. für die Abendkost 25 „ 20 „ d für die Morgenkost 15 „ 10 „ Berlin, den 21. Dezember 1900. *• Der Reichskanzler. I V.: gez. Graf von Posadowsky. Deutscher Reichstag. Berlin, 14. Januar. Bei der fortgesetzten Beratung des Etats des Reichsamts des Innern erklärt Abg. Hitze (Zentr.), daß seine Freunde gegen die sozialdemokratische Resolution zur 12 000 Mark-Affaire stimmen werden, wendet sich aber dagegen, daß die Regierung sich mit Jnteressenverbänden einläßt. Er erkennt die sozialpolitische Thätigkeit des Grafen Posadowsky an und wünscht weitere sozialpolitische Fortschritte, wobei er sich den Anregungen der früheren Redner anschließt. Abg. Hoch (Soz.) bemängelt wie die früheren Redner seiner Partei den fehlenden persönlichen Verkehr zwischen den Gewerbeaufsichtsbeamten und den Arbeiterverbänden in Preußen und Sachsen, somit das langsame Tempo in der Sozialpolitik und klagt dann über die Zurücksetzung der in Kassen organisierten Arbeiter. In der geheimen Enquete, die die Regierung übtr die Reform der Krankenversicherung veranstaltet hat, findet sich folgende Frage: „Sodann sind in einer Nachweisung diejenigen Ortskrankenkassen aus- zuführeu, bei denen Vorstandsmitglieder sich als Angehörige der sozialdemokratischen Partei bekennen und ob in diesen Kassen die Verwaltung zu sozialdemokratischen Parteizwecken mißbraucht worden ist, besonders bei Streitigkeiten mit Aerzten, Apothekern rc." In dieser Frage liegt eine unerhörte Beschimpfung für die Arbeiter (sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist eine Verletzung von Recht und Verfassung (sehr richtig! bei den Soz.). Wenn die Sozialdemokraten ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen, so geht es die Behörde gar nichts an, ob sie Sozialdemokraten sind. Die verfassungsmäßige Gleichberechtigung wird dadurch erschüttert. Es ist Unerhört, daß Recht und Gesetz so verletzt werden können; auf Anweisung von oben werden so die sozialdemokratischen Arbeiter zu Bürgern zweiter Klasse herabgedrückt. Vizepräsident Büsing: Ich kann es nicht für zulässig erachten, daß der Redner sagt, die sozialdemokratischen Arbeiter werden auf Anweisung von oben zu Burgern zweiter Klasse herabgedrückt; ich rufe den Redner deshalb ttir Ordnung. , _ Abg. Hoch (fortfahrend): Wir haben nie verlangt, daß die Regierung sozialdemokratische Politik treiben sollte, wir verlangen aber, daß die Negierung das durchführt, was unter den gegenwärtigen Verhältnissen möglich ist; daß sie vor allen Dingen überhaupt weiß, was sie will und einen bestimmten sozialpolitischen Plan verfolgt. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Organisation des Reichsamts des Innern ist von Grund aus verfehlt, sodaß alle Vorbedingungen fehlen, damit sich die sozialpolitische Gesetzgebung ergiebig entfalten kann. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) , „ , Staatssekretär Graf Posadowsky: Es wäre wünschenswert, daß Sie in Ihrem Urteil etwas ruhiger, etwas milder und damit etwas gerechter würden. Wenn wir hier von Tag zu Tag nur immer Vorwürfe hören und alles als böswillig, schlecht, ungeschickt gemacht hingestellt wird, dann stumpfe ich nicht nur dagegen ab, sondern auch meine Beamten. (Sehr richtig! rechts.) Sie wollen das Interesse der Arbeiter schützen und wir auch! Das geht besser bei der ruhigen Erörterung, wie wir sie in den Kommissionen mit den Sozialdemokraten pflegen. Was tue Streikklausel betrifft, so besteht keineswegs ine Absicht, einen Streik stets als eine vis major anzusehen, tue Dom Vertrage entbinde, sondern es soll in jedem einzelnen Fall geprüft werden, aus welchen Ursachen der Streik hervorgegangen ist, und danach werden die Ressortchefs entscheiden, ob die. Frist zur Ausführung hinauszuschieben oder der Unternehmer zur Erfüllung seiner Pflicht anzuhalten ist. Was die Bäckereiverordnung anbelangt, so ist zu- zuqeben, daß auf dem Gebiete der Bäckerei s ch w e r e U e b e 1- stände durch gerichtliche Erkenntnisse festgestellt sind (Hort! bei den Sozialdemokraten) und es liegt im dringendsten bvgienischen Interesse, diesem Uebelstande entgegenzutreten. Ich bestreite, daß den Fabrikinspektoren der Verkehr, mit den Arbeiterverbänden untersagt sei. Sie sollen ihnen nur nicht über dje Beschwerden offiziellen Bescheid geben, damit sie nicht als amtliche Auskunftei ausgenützt werden. Tas Tempo der Sozialpoliti khänge nicht von ihm allein ab, sondern er müsse immer erst die verbündeten Regierungen hinter sich haben. ___ Sächsischer Ministerialdirektor Fischer sucht die gegen die sächsischen Fabrikinspektoren erhobenen Vorwürfe zuruckzuweisen. • r ... Geheimrat Werner verteidigt die Zusammenfassung der Fabrikinspektorberichte. Abg. v. Czarlinski bringt einige polnische Beschwerden zur Sprache. Abg Tr. Müller- Meiningen (freis. Volksp.) befürwortet den Beitritt Deutschlands zur internationalen Markenschutzunion und tritt neben einer Reihe von Einzel- forderungen für ein Verbot der Phosphorzünd- hölzerFabrikation aus gesundheitlichen Rücksichten ein. Die Phosphornekrose ist viel weiter verbreitet, als die Interessenten glauben machen wollen, und die Wirkungen dieser Krankheit sind furchtbar. Die strengsten Unfallverhütungsvorschriften haben ihr gegenüber nichts genützt. Ich bin daher lediglich im Interesse der betreffenden Arbeiter 'für ein vollständiges Verbot der Verwendung von Phosphor bei Herstellung von Zündhölzern. Ein bloßes Verbot bedeutete aber die Vernichtung der Existenz von Hunderden von Familien. Eine Entschädigung der Arbeitgeber und Arbeiter durch das Reich beziehungsweise die Schaffung einer anderen Versorgung für sie mußte damit Hand in Hand gehen. (Bravo! links.) Abg. Horn (Soz.) spricht über Kinderarbeit in Sachsen. Abg. Tr. R o e s i ck e - Kaiserslautern (B. d. L.): Ganz falsch ist es, wenn die Herren der Linken behaupten, wir verteidigten den Grafen Posadowsky nur, weid er ein agrarischer Minister sei. Ein agrarischer Minister hätte ganz anders für die Turchführung des Fleischbeschau- gesetzes gesorgt. Tie Einfuhr der in diesem Gesetz aufgeführten Artikel, die aus sanitären Gründen verboten war, ist bis zum 1. Oktober 1900 erlaubt worden. Bis dahin hat sich dann die Einfuhr dieser Artikel gegen das vorhergehende Jahr um das Doppelte vermehrt. Ich kann mir nur denken, daß bei dieser Hinausschiebung des Verbotes der Einfuhr amerikanischen Büchsenfleisches und ähnlicher gesundheitsschädlicher Waren wieder einmal unverantwortliche Einflüsse maßgebend «gewesen sind. Wohin sollen wir aber kommen, wenn fortgesetzt derartige Einflüsse von Seiten wirksam sind, die nicht zur Verantwortung gezogen werden können. (Sehr richtig! rechts.) Die Vorbereitung der Handelsverträge geht viel zu langsam vor sich. Wenn die Arbeiten des wirtschaftlichen Ausschusses nicht erheblich gefördert werden, ist es ausgeschlossen, daß die Handelsverträge rechtzeitig gekündigt werden können. Ich richte daher die Anfrage an den Staatssekretär und erwarte eine klare bestimmte Antwort darauf, ob der neue Zolltarif uns noch in dieser Tagung vorgelegt werden wird und ob die Regierung an der Absicht festhält, die bestehenden Verträge rechtzeitig zu kündigen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr. (Duellinterpellation Trimborn, Fortsetzung der zweiten Etatsberatung.) Aus Stadt und Zand. Sieben, 15. Januar 1901. ♦* Das Großherzoglich Hessische Regierungsblatt Nr. 28 enthält folgende Bekanntmachung. Inhalt: 1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. — 2. Desgleichen. — 3. Bekanntmachung, die Freiherrlich von Weyherische Eleonore«. Stiftung betreffend. — 4. Bekanntmachung, die Schiedsgerichte für Arbeiterversicherung betreffend. — 5. Bekanntmachung, ,ummarische Uebei sicht der Rechnung der Regierungerat Manschen Schulunterstützungs-Stistung für 1899 betreffend. — 6 Bekanntmachung, den Erlaß einer Arzneitaxe für die Apotheken deS Großherzogtums betreffend. — 7. Bekanntmachung, die Ergänzung des Familienfideikommisses des Fürstlicheu Hauses Ysenburg und Büdingen in Büdingen betreffend. — 8. Ordensverleihungen. — 9. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. — 10. Dienstnachrichteu. — 11. Dienstentlassung. — 12. Verleihung von Diplomen an der Großherzoglichen Technischen Hochschule zu Darmstadt. — 13. Charaktererte,lungen. — 14. Ruheslandsversetzungen. 15. Konkurrenzeröffnungen. — 16. Sterbefälle. ** Personalveränderungen im Ober Postdirektionsbezirk Darm- stadt. Versetzt sind: der Pojtkassierer schott von Tner nach Alsfeld als kom. Postdirektor, der Postpraktikant Koch oon Gießen nach Eisenach und die Postassistenten Keutzer von Düsseldorf nach Alsfeld, Heckmann von Mainz nach Düsseldorf, Wörtge von Bingen (Rhein), Kalt und Reuth von Mainz, Henrich von Offenbach (Main) und Rauschkolb von WormS nach Frankfurt (Main), Oger von Mainz nach Haigerloch sowie Bildat von Darmstadt nach Wolgast. Ernannt ist zum Postkassierer: der Ober-Postdirektionssekretär Olb richt in Gießen. An gestellt sind als Telegraphen- assiftenten: die Telegraphenwärter Heil in Darmstadt und Günther in Mainz, sonne als Postassistent: die Postassistenten Kumpf in Bingen (Rhein) und Fischer in Darmstadt. Angenommen sind zum Postgehülfen: der Realgymnafiast Zinser in Nidda und der Ober Realschüler Belloff in Offenbach (Main); zum Telegraphengehülfen: der Realschüler Schneidler in Darmstadt; zum Postagenten: der Spezerei- war ndändler Pflug in Hechtsheim, der Kaufmann Nolte in Kaichen, der Wagner und Landwirt Preusch in Ranstadt und der Lehrer Dern in Ulfa. Bestanden haben die Post- ekretärprüfunq: der Postverwalter Bock in Langen; die A sistentenprüfung: die Postgehülfen Bardong in Schotten, Dietz in Babenhausen, Meiski in Langen, Jos. Müller in Sprendlingen (Rheinhessen), Roos in Groß Umstadt, Schwer! in Groß Steinheim, Sulzmann in Mühlheim und Volk in Neu-Isenburg. In den Ruhestand getreten ist: der Postmeister Neeb in Alsfeld. Freiwillig ausgeschieden sind: der P'stassistent Raiß in Alsfeld, die Telegraphen- gehülfinnen Baurhenn in Mainz und Wittlinger in Offen- dach (Main) sowie die Postagenien Mayer in Hechtsheim, Lrpps in Kaichen, Birkenstock in Ranstadt und Doll in Ulfa. Gestorben ,st: der Postsekretär Deichert a. D. in Gießeu. c-. Konzert des Kroubaur'fcheu Quartett - Vereins am 20. Januar. Wir sind heute m der angenehmen Lage, mitzuteilen, daß die Beteiligung am nächsten Sonntag recht i ege werden wird. Ist doch der Zweck des Konzertes, den Kindern unserer nicht mit Glücksgütern gesegneten Mitbürger oie notwendigste Morgennahrung zu gewähren. Vorläufig ist noch reichlich Platz vorhanden. -t- Zu der Riederbreideubacher Mordverfuchsaffaire geh« uns über den Verbrecher intereffarne Personalien zu. Danach ist G. Schwabe der Sohn des Seidenfärbers Hermann Schwabe zu Köpenik bei Berlin, eines „zielbewußten Genossen", und weder getauft noch konfirmiert. Die Fabrikarbeit gefiel ihm nicht und er vermietete sich als Knecht in hiesiger Gegend. Als der südafrikanische Krieg ausbrach, ging er zu den Buren, auf deren Seite er aber mit wenig Erfolg kämpfte, denn bald wurde er von den Engländern gefangen. Diese versuchten ihn durch Zwang zur Unter» schrcibung eines Reverses, wonach er auf ihrer Seite gegen die Buren kämpfen sollte. Dazu war er aber nicht zu bewegen. ES gelang ihm vielmehr zu entkommen. Nach längerer Irrfahrt schlich er sich in ein russisches Schiff ein, auf dem er sich erst zeigte, als es auf hoher See war. Hier wurde er zu schwerer Arbeit herangezogeu und in Danzig an Land gebracht. Von da aus kam er jim zweiten Male hierher^ Ein Glück für ihn und das Mädchen, daß er bei den Buren nicht bester schießen lernte und nir die Hausthür die traurige That verkündet. -r- Rodhei« a. d. D., 14. Jan. In diesen Tagen wird Herr Heinrich Bender von hier in dem Neubau gegenüber der Gail'schen Zigarrenfabrik eine Brot- und Feiu- bäckerei eröffnen. Für unser im Aufblühen begriffenes Dorf ist die Errichtung einer weiteren Bäckerei schon längst ein Bedürfnis gewesen. Bei den vorhandenen großen Zigarren- fabriken werden täglich Backwaren von Gießen, ja selbst von Wetzlar zugefahrerg L. Friedberg, 13. Jan. Der Bürgermeister und der Rechner tun Fauerbach erhalten nach der Eingemeindung Fauerbachs bis zum Ablauf ihrer Wahlzeit eine jährliche Lergütung von 600 Mk. bezw. 300 Mk. Außerdem wird dec Bürgermeister von Fauerbach nach Vollzug der Eingemeindung hier die Funktionen eines Beigeordneten ansüben. ko. Friedberg, 13. Jan. Der Neubau unseres Gymnasiums ist seit einiger Zeit im Rohbau vollendet, auch die roheren Weißbinderarbeiten im Innern sind soweit fertig gestellt. Gegenwärtig stehen die Arbeiten still, doch sollen sie, sobald es das Wetter gestattet, wieder eifrig fortgesetzt werden, um das Gebäude mit Beginn des neuen Schuljahres, also nach Ostern einweihen und beziehen zu können. Grünberg, 14. Jan. Auf Veranlassung des hiesigen Gewerbevereins hielt gestern nachmittag Oberlehrer Ko ob von Gießen im Gasthaus „zum Rappen" hier, einen Vortrag über die „Sonne". In anregender und fesselnder Weise verbreitete sich der Redner über Entfernung, Größe, Temperatur und Kraft der Sonne, über die Bedeutung des Sonnenlrchtes für die organischen Wesen, sowie über die Sonnenflecken und deren Einfluß auf das Wetter der Erde. Die interessanten Ausführungen wurden durch wohlgelungene Lichtbilder veranschaulicht. Namens der 'sehr zahlreichen Versammlung sprach der Vorsitzende des Ortsgewerbevereins Grünberg, Spenglermeister Kaiser, dem Vortragenden den Tank aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Oberlehrer Koob im nächsten Jahre über ein ähnliches Thema sprechen möge. — Unter sehr zahlreicher Beteiligung fand am Samstag die Beerdigung des infolge eines Hirnschlages so unerwartet dahingeschiedenen Kaufmannes Ph. Kropp statt. Dem Leichen- zuge voraus schritt der Turnverein Grünberg, um den sich der Verblichene als langjähriger Kassewart großes Verdienst erworben hat. Ter Sprecher des Vereins, K. H. Jöckel, widmete denn auch nach der zu Herzen gehenden Trauerrede des Pfarrers Koch dem dahingeschiedenen Freunde und Kameraden tiefempfundene Abschiedsworte und legte einen prachtvollen Kranz am Grabe nieder. -h- Sichenhausen (Kreis Schotten), 14. Jan. Etwa eine Viertelstunde vom hiesigen Dorfe entfernt hat das Tiefbauamt der Stadt Frankfurt a. M. von mehreren Privaten Wiesen, die ziemlich eben liegen, auf mehrere Jahre gepachtet. Nun wird auf diesem Platze ein Bassin erbaut, dos etwa 6 Meter breit, 17 Meter lang und 1,50 Meter tief ist. Mit starken tannenen Bohlen wird eß ausgeschachtet und erhält einen Zu- und Abflußgraben. Durch eine unmittelbar an dem Bassin eingerichtete Zugschleuse soll das Wasser auö einem Hauptarm der Nidder eingeleitet und zeitlich gemessen werden. ** Mainz, 14. Jan. Am Afften Januar gab der Karneval-Verein sein erstes, von Tausenden besuchtes karnevalistisches Konzert in der prächtig geschmückten Stadthalle, und durch feurige Chorlieder wurde die Eröffnung der Saison gefeiert. Das gleiche Bild hat sich seitdem, allerdings stets mit neuem Programm, schon öfters wiederholt, ohne seine.Anziehungskraft einzubüßen; im Gegen- lei l, sie ist mit jeder neuen Veranstaltung intensiver geworden. Und doch war das alles bisher nur Geplänkel, die Hcnlptschlacht beginnt jetzt erst. Am nächsten Samstag, der im Kalender als 19. verzeichnet ist, vereinigen sich alle Karnevalbegeisterten in einem großen Maskenballe bei der Wirtin vom „Weißen Röß'l", die zu diesem Zwecke die gute Stube der Stadthalle gemietet hat, und mit ihren sämtlichen Gästen und Bedienungspersonal selbst am Platze fein wird. Die erste große Herrensitzung, zu der die bewährtesten Kauze auf dem Felde der Narrethei ihre Mitwirkung zugesagt haben, findet Freitag den 25. Januar statt. Außerdem sorgen internationale Maskenbälle am 2. Februar und an den beiden Fastnachtstagen,. sowie eine mächtig vorbereitete .Dumen- und Fremdensitzung am 10. Februar dafür, daß der karnevalistische Geist in Mainz feine rege Bethätigung findet. Veranstaltungen der Ranzen- «nd Prinzengarde an verschiedenen Sonntagen sollen in das Programm verwoben werden. Mainz, 14. Jan. Dec Norddeutsche Lloyd in Bremen hat hier eine Geschäftsstelle eingerichtet. So erfreulich das ist, so unerfreulich ist die Art, wie diese nach außen gekennzeichnet wird. Man traut seinen Augen kaum, wenn man ein von weitem wahrnehmbares Wappenzeichen der Bereinigten Staaten von Nordamerika sieht — etwa in vierfacher Größe wie das vom hiesigen Konsulat verwandte — und dann die Unterschrift liest: The North German Lloyd, Ticket Office! Der Norddeutsche Lloyd ist ein rein deutsches Unternehmen, das durch seine Größe, seine Tüchtigkeit, feine Zuverlässigkeit ein glänzendes Ansehen in aller Welt genießt. Um so bedauerlicher ist es, wenn seine Leitung es für richtig hält, in einer deutschen Stadt in englischer Sprache und amerikanischem Wappen Zeichen ihre Geschäftsstelle kenntlich zu machen. Merkt sie nicht, wie sie dadurch dem Ansehen ihres Volkes schadet und was sie dem eigenen Ansehen allen Fremden gegenüber damit vergiebt? Wir meinen, der Ruf des Norddeutschen Lloyd, gegründet auf die Trefflichkeit feiner deutschen Offiziere und Mannschaften und die Zuverlässigkeit feiner deutschen Verwaltung ist so weit verbreitet, daß selbst der eingebildetste Engländer und Amerikaner versteht, was „Norddeutscher Lloyd- heißt, und daß nicht die Uebersetzung in .North German Lloyd“ dazu nötig ist. Das Beschämendste aber erscheint uns, daß der Norddeutsche Lloyd, dessen Wahrzeichen bekanntlich ein anderes ist, auf deutschem Boden das ameri kanische Staatswappen zu seiner Empfehlung benützt. -k- Mainz, 13. Jan Die Bevölkerungszahl der Provinz Rheiuhffsen beträgt nach der letzten Volkszählung 348525 Personen, wovon auf den Kreis Mainz 138429, auf den Kreis Worms 83424, auf den Kreis Oppenheim 46401. auf den Kreis Bingen 40486 und auf den Kreis Alzei 39785 entfallen. — Zur Erinnerung des 200jährigen Bestehens des Königreichs Preußen wird auch die hiesige Garnison den 18. Januar mit einer großen militärischen Feier begehen. Am Vormittag findet Festgottesdienst statt, dem sich eine große Parade anreiht, nach der Festessen der Offiziere und Bewirtung der Mannschaften in den verschiedenen Kasernen folgen wird. Mainz, 14. Jan. Der Mittelrheinische Fabri- 'jantenVerein hält am nächsten Donnerstag hier seine Generalversammlung ab. Außer einigen Geschäftsangelegenheiten steht ein Vortrag des Professors Dr. Biermer auß Gjießen über „die Getreidezölle- auf der Tagesordnung. Im Anschluß an die Versammlung findet ein gemeinschaftliches Mittagessen statt. ** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. Der Vorsitzende der Handelskammer in Hanau, F. Canthal, feierte das Jubiläum feiner 25jährigen Wirksamkeit in dieser Korporation. — In Fulda wurde der Schaffner Litzinger überfahren und getötet. — Bei einer Kaffenrevifiou verschiedener Bahnstaiionen wurde in Bodenheim ein Defizit in der Höhe von 1400 Mk. entdeckt. Der erst feit einiger Zeit aus Preußen nach Bodenheim versetzte Beamte gestand sofort die Unterschlagung ein, die er aus Not verübt hat. Die Errichtung einer Irrenanstalt in Gießen. In das Staatsbudget für 1901 find an Geländeerwerbs kosten für eine dritte Irrenanstalt im Großherzogtum Hessen 150000 Mk. eingestellt. Es ist hierzu folgende Erläuterung gegeben: Die vornehmste Aufgabe jeder geordneten Jrrenfürsorge, die Förderung der alsbaldigen Ausnahme der akuten Fälle von Geistesstörung, mußte seit Jahren im Großherzogtun unerfüllt bleiben, da in den beiden Irrenanstalten meist nur alte, jeder Besserung unfähige Fälle zur Ausnahme gelangten und in der Bevölkerung sowohl wie bei den Lokalbehörden allmählich die Ansicht zur Herrschaft gelangte, daß nur die allerdringlichsten Fälle auf eine sofortige Berücksichtigung zu rechnen hätten. Dieser bedauerliche Zustand war die Folge einer unausgesetzten UeberfüDung der beiden Irrenanstalten Die heute noch nicht vollendete bauliche Erweiterung des Großh. Landeshospitals hat zunächst für die männlichen Kranken Raum geschafft, aber sämtliche Plätze der Abteilung find heute bereits besetzt, ja sogar überbesetzt, indem der von vornherein für jeden Kranken festgesetzte Luftkubus bereits etwas überschritten wurde. Die Abteilung für weibliche Kranke ist in geradezu extremem Grade überfüllt, aber auch die Fertigstellung der projektierten Neubauten wird nur eine geringe Vermehrung der Krankenzahl gestatten, da der größte Teil der zu schaffenden Räume durch die Evakuation innerhalb der Abteilung von den in den überfüllten Räumlichkeiten untergebrachten Kranken und von den in provi syrischen Bauten verpflegten Irren sofort wieder in Beschlag genommen werden wird. Der erste Ausschuß der Zweiten Kammer des 30. Landtags hat nach seinen an Ort und Stelle eingeholten Informationen und feine, an das Plenum der Kammer erstatteten Bericht (Beilage Nr. 414) die Uebel- stäude der in Hofheim herrschenden UeberfüHung betont und bereits eingesehen, „daß nach Vollendung und Bezug der zur Zeit in Ausführung begriffenen Neubauten nur wenig mehr als dem augenblicklichen Bedürfnisse genügt fein werde." Die Großh. LandeS-Jrrenanftalt ist mit 420 Kranken gleichfalls als überfüllt anzusehen und zur Lösung ihrer Hauptaufgabe, heilbaren und besserungsfähigen Kranken zu bienen, nachweisbar unfähig, eine Thatfache, welche in der Minderung der Zahl derjenigen Aufnahmegefuche, welche akut Erkrankte überhaupt und inländische Kranke der gebildeten und vermögenden Klaffen insbesondere betreffen, ihren Aus druck findet. Nach den seinerzeit seitens des Großherzogi. Ministeriums des Innern für die Verpflegung der Irren in Staatsanstalten vorgeschriebenen Raumeinheiten würde die Zahl der in Heppenheim untergebrachten Pfleglinge von 420 auf 270 herabgesetzt werden müssen. Die Normalzahl der gleichzeitig zu verpflegenden Kranken beträgt demnach 270 für Heppenheim und 958 für Hofheim nach Fertigstellung der Neubauten für die Frauen. Von sachverständiger Seite werden neuerdings überall für je 1000 Köpfe der Bevölkerung 2 Plätze in den Anstalten für Geisteskranke gefordert. Nimmt man die Be völkerung des Großherzogtums zu rund einer Million an, so wäre für 2000 Kranke Anstaltsbehandlung zu fordern. In den beiden Landesanstalten können 270 -j- 958 — 1228 Kranke verpflegt werden; rechnet man hierzu noch die mit 70 Kranken belegte psychiatrische Klinik in Gießen, dann wären immer noch zirka 700 anstaltsbedürftige Kranke vorhanden, welche der Anstaltsverpflegung entbehren müssen. Erscheint hierdurch schon die Notwendigkeit, weitere Für torge zu treffen, begründet, so ist weiterhin auch daß Be dürfnis der psychiatrischen Klinik in Gießen in Rechnung zu ziehen. Die Fortdauer der UeberfüHung der Landesirrenanstalten wird für die Entwicklung der genannten Anstalt ernste Gefahren im Gefolge haben. Die bekannte Thatfache, daß man es in weiten Kreisen der Bevölkerung vorzieht, einen akuten Geisteskranken oder einen in plötzlichen Erregungszustand verfallenen chronischen Irren in die psychiatrische Klinik aufnehmen zu laffen, hat sich auch für die Anstalt in Gießen bestätigt Dieselbe erscheint sür das ganze Land als beliebte Aufnahmestätte für frische Fälle und als wichtiger Faktor bei der Be kämpfung der Ueberfüöung der Landesanstalten, einesteils da durch, daß sie einen größeren Teil dieser frischen Fälle ge heilt ober gebessert entläßt, andernteils durch die bessere Vorbildung der Studierenden und damit der zukünftigen praktischen Aerzte in der Erkennung und Behandlung der Geisteskrank heilen. Die psychiatrische Klinik muß aber, um ihre Funktionen vollständig erfüllen zu können, jederzeit im vollsten Maße auf nahmesähig bleiben, d. h. sie muß jederzeit diejenigen Pfleglinge zu entlaßen in der Lage fein, welche dem Lehrzwcck der Klinik nicht mehr dienen können, gleichwohl aber noch brr fortgesetzten Pflege in einer Anstalt bedürfen. In reiflicher Ueberlegung bet erörterten Verhältnisse er qiebt sich, ba ber Gedanke an die Erweiterung einer bei bestehenden Irrenanstalten aus sachlichen Gründen von ber £anb gewiesen werben muß, das bringende Bedürfnis Der Errichtung einer dritten Irrenanstalt. Wird dieses Bedürfnis anerkannt, bann fleht zunächst die Wahl beß Platzes zur Erwägung. Die bestehenbeu Anstalten befinben sich beibe in ber Provinz Starkenburg. Da sie beide im westl'chen Teile ber Provinz belegen ftnb und gute Bahnverbinbungen habe«, so stößt auch bie Verbringung ber Anstaltsbedürftigen aus ber Provinz Rheinhessen in jede ber beiden Anstalten auf keine allzugroßen Schwierigkeiten. Dies trifft insbesondere für den nördlichen Teil ber Provinz Oberhessen weniger zu. Wenn schon dieser Umstand auf letztere Provinz hinw;ist, so muß für die Wahl eines Platzes in ber Nähe von Gießen bie baburch herbeigeführte Erleichterung ber durch bie topographischen Verhältnisse beß Landes zurzeit sehr erschwert n Evakuation der psychiatrischen Klinik ebenfalls in die Wagschale fallen. Zu den Aufgaben beß klinischen Instituts gehört aber nicht nur bie Vorführung frischer Fälle von Geistesstörung, fonbern auch an möglichst zahlreichen chronisch Kranken ben weiteren Verlauf und den Ausgang der Krankheit ebenso zu demonstrieren, wie etwaige Beziehungen zum Bürgerlichen Gesetzbuch, zum Strafgesetz und zur Strafvollstreckung, sodaß auch dieser Umstand heran- zuziehen ist, um für die neue Anstalt einschließlich einer Ab teilung für kriminelle Irre einen Platz in ber Nähe ber Klinik als ben passendsten zu erachten. Mit der Verwirklichung dieses Projekts würde in Hinsicht der staatlichen Fürsorge für Irre im Großherzogtum eine Situation geschaffen fein, welche sich in gleicher Vollkommen, heit kaum in einem anderen Staate Deutschlands wieder finden dürfte. Ein im Hinblick auf die Verbindung mit der psychiatrischen Klinik günstig gelegener Platz ist in der Nähe von Gießen gefunden. Bei der Bemessung der Terrainforderuvg ist einmal auf die Notwendigkeit der Beschäftigung gewisser Kategorien chronisch Geisterkranker im Garten und im landwirtschaftlichen Betriebe, im weiteren auch auf die Schaffung einer neutralen Zone um die Anstalt, deren Ruhe durch das Naherücken von zu anderen Zwecken dienenden Gebäuden und Anlagen nicht gestört werben darf, gebührende Rücksicht genommen worden. Die Forderung von 50 Hektaren dürfte demnach und nach dem Vorgänge bei Errichtung anderer derartiger Anstalten in anderen deutschen Staaten nicht zu hoch erscheinen. Vermischtes. *EineDiamantengejchichte. Aus Fulda wird dem „Han. Anz." geschrieben: Gestatten Sie einen hübschen Beitrag zu der Geschichte Derer, die nicht alle werden. Zu Weihnachten wollten sich Schlosser in der hiesigen Kgl. Eisenbahn-Hauptwerkstätte zur Ausschmückung des Kripp- chens schillernde Schlacken gießen und warfen daher allerlei farbige Glasscherben und Kiesel in die Feuerung, was sich mit den Kohlen verschmolz und in Gebilde verwandelte, die in allen Farben glänzten. Der Schlosser R., ein vor Jahren aus dem fernen Osten angewalzter, jetzt verheirateter Geselle, wollte seinen Kollegen nicht glauben, oaß sie die Schlacken auf die beschriebene Weise gewonnen Hütten, sondern versteifte sich auf die fixe Idee: es seien Diamanten, die in den Kohlen gefunden wurden. Der unbeteiligte Schlosser W. von Bachrain merkte, was da los ist, bestärkte Den R. in seinem Glauben und kaufte vor dessen Augen einen solchen „Edelstein" von den Findern für 30 Mk., die er sofort bar bezahlte. W. gilt als ein erfahrener, vielgereister schlauer Mann, der nichts über seinen Wert erwerbe, daher glaubte R. nun erst recht, daß hier um echte Sachen gehandelt tverde, kaufte auch einen „Stein" für 25 Mark und zahlte die Hälfte, von W. geborgt, gleich bar an. Als R. außer Sichtweite war, erhielt W. natürlich seine 30 Mart zurück, denn sie hatten die Wirkung nicht verfehlt. R. hielt sich bereits im Stillen ür einen „steinreichen" Mann, der seinen Kollegen ein Schnippchen geschlagen hat, und hütete seinen Schatz so ängstlich, daß' er ihn niemand mehr sehen ließ. Soweit an einem Vormittag; nach dem Essen trat der Schlosser F., der gleich andern in den Vorgang eingeweiht war, zu ber Schatzgräbergruppe und berichtete: er wäre mit einigen dieser Fundstücke bei zwei Juwelieren gewesen, und diese hätten übereinstimmend erklärt, daß es zwar keine Diamanten, wohl aber andere „echte Steine" wären. R. hielt dies Urteil für stümperhaft und reiste, um ganz schlau zu fein, heimlich am nächsten Morgen nach Hanau, wo es eine Menge unfehlbarer Tiamantenkenner giebt. Was ihm dort gesagt worden ist, oder ob man über seinen „Edelstein" nur gelacht, hat R. nicht verraten; nur forderte er am nächsten Morgen die von ihm angezahlten 10 Mark wieder zurück mit dem schmerzlichen Bemerken, daß er ganz eklich angeführt worden sei. Der „Spaß" wurde ruchbar und kam auch dem Werkmeister H. zu Ohren, der darauf eine olch donnernde Philippika hielt, daß sie dem Mann mit dem falschen Diamant weher that, als alle spitzen Stichelreden seiner 400 Kollegen .'n der Königl. Eisenoahn-Haupt- werkstätte zu Fulda. * Ein fürstliches Pelzkostünz. Für die Schwester unseres Großherzogs, Prinzessin Elisabeth von Hessen, jetzt Großfürstin Jelissaweta von Rußland, ist soeben von einer Pariser Kürschnerfirma, deren Kundschaft sich nur auö den Vertretern der eleganten Welt rekrutiert, ein wahrhaft königlicher Zobelmantel nebst Muff tinb Toque angefertigt unb nach St. Petersburg gesandt worben. Der die Form eines Sackpaletots aufweifende Mantel reicht eigentlich nur bis zu ben Knieen, doch ist eie tiefer, faltiger Volant von demselben kostbaren Pelz angefetzt und dieser bedeckt daß Kleid biß zum Saum. Die einzelnen Felle sind bei dem oberen Teil diagonal zusammengenäht, während man sie unten horizontal aneinanbergefügt hat. Nach vorne zu wirb der Volant allmählich schmaler und alß drei Zoll breiter Besatz steigt er biß zur Brusthöhe empor, wo er einen breiten Revers bildet unb sich dann z» einem hochstehenden Stuartkragen erweitert. Daß KleidungS- siück wird mit einer einzigen großen Goldagraffe in der Taillenlinie seitwärts geschloffen. Die Heimel sind ebenso hübsch wie für einen Pelz originell. Ein kurzer Aermel von Zobel fällt nur bis zur Mitte beß Oberarmes, wo ein großer Puff von schwarzen Chantillyspitzen über Goldbrocat zu« Vorschein kommt. Am Hmdgelenk hält eine Pelzmanschettc den Pludcrärmel zusammen. Der zu dem prächtigen Mantel S'L-S ÄS nUt gerni* *M ' $ t Schiffsjungen die letz" fjoje zu und vorher ha in Gefahr bei Ertrinken Rach bem Sinken bei einem in ber Takellag M unb längere Zeil ! überspült, versagten JW Mandant würbe durch fortgerissen. Ma°M in Heck befindlichen Gig bedeckt von der Kriegs! iber ihn geworfen hatte, • Bromberg, 13. schwarzen Pocken aut * Tie gottlosest dito stand bisher in ein wahres Paradies schlimmsten Sorte zu sei aus dem Süden von von der Goldstadt im den Schatten. Tarnack auf ben „Ruhm", da heißen. Diese Stadt Spielhölle. Nacht für überfüllt mit Spielern entflohenen Verbrecher ihren Dirnen, Raufbolt dieses Gesindels zusa jungen Leute, denen auf der Straße aufla Vorwande in eine bei bann erbarmungtfoä ai haten unb Wanfangefte sonders raffinierte Wei sie das erste Mal einig« animiert sie zum Wiede späterhin nicht mehr, i glücklichen so weit, daß luste wieder einzubrina Summen entnehmen, i wierten greifen in Evlver, und dieselbe neuem ab. Seit der ore zur Rekonvaleszent wundeten ein Bild, bei fine Zeitung, die eifrin Mlsamleit'anfdk LWW« Stabt9 rWte eines Krieaer- Wde siel M Kapstadt, um S Z-Z- •*« »Sec ? mit dem b man di t0rl “»feen gilh,6tt Santi all n ft"" Sette < 6on Sen>re hatte fein T”, Eriegsei •mb in suchen. & $ an, cefhft 'ec don OJn be" ö"°"> « .ÜSÜ bti °9enQnJ einen ltn I SÄ AM te. Aus Fulda wird ton Sie einen hübschen nicht alle werden. Zu in der hiesigen Kgl chnlückung des Krippe ib warfen daher oller- in die Feuerung, hrai ,n Gebilde verwandelte, ■ Schlosser 3t, ein vor semhter, je&t verhei- ’n mdji glauben, bo& -ne Weise gewonnen e fixe Idee -, es ^ien unben würben. Dei m merkte, was da loe toben und lauste vor in" von den Finden chlte. W. gilt als m Rann, der nichts ubn )te 3i. nun erst recht dt werde, lauste aut ,lte die halste, voni A- Sichtweite war, erhieu tarn iie W »« ch bereits m Stillen feSy «SÄ*g Sttine" <>»!’■£ reiste, » M „„ ,j f” $ Sa§ ih» i über |«nw» w Ä eX rfen, daß eVLr uni r 7^^uf ei^ «**«$ £f «’**** »-«'M!« {ÄS 8obeIaianULra gesavdl 0t I«™*# s--kp^'°, dich ist * htn $ntttIVh avg^ u kvstb^ )jagonal iu'a ewgt W a°°>ihE«A»Sh- r bi- rul d ch 6aj„ J * «««*' EJ - W.u ei« ü»!«1*1 l h^ nrSch^k" ®tQttXben h D*ni belege finh auch bit tinb M ;i »theinhess^^^ oben fiSn ,n ei Errichtung anderer chen Staaten nicht zu getragene Muff harmoniert mit den unteren Aermel«. Die Spitze ist auf dem goldschimmernden Unterftoff so arrangiert daß zwei lauge zugespitzte Enden herabhängen. Em Tuff orangefarbener Orchideen liegt wie hingehaucht auf dem ziemlich umfangreichen Muff. Merkwürdigerweise find zu dem turbanartigen Hut wieder zwei andere Stoffe verwende' worden, und zwar ist die sehr apart wirkende Toque aus dunkelbraunem Chiffon und schwarzem Sammet hergestellt und nur mit einer brrllantenbesetzten Goldschnalle verziert. » Ucbcr das Ende des Kommandanten der „Gueisenau" veröffentlicht die „Allg. Mar. Korr." folgenden authentischen Bericht: „Das Schiff lag, so lange es schwamm, nur 15 Meter von der Mole entfernt und konnten sich die Mannschaften an Enden und Troffen, die vom Schiff aus nach Land gegeben waren, retten. Der Kommandant, Kapitän zur See Kretschmann und der erste Offizier, Kapitänleutnant Berninghaus, leiteten von der Kommandobrücke aus die Rettungsarbeiten. Je tiefer das Schiff sank, desto-weiter kam eS von der Mole weg. Schließlich brachen die Seen über die Reeling weg und rissen Kartenhaus und Kommando brücke mitsamt den darauf befindlichen Personen fort. Kurz vor dem Sinken des Schiffes warf der Kommandant persönlich einem zwischen Mole und Sch-ff mit den Wellen ringenden Schiffsjungen die letzte auf der Brücke befindliche RettungS boje zu und vorher hatte er dafür gesorgt, daß ein anderer, in Gefahr des Ertrinkens befindlicher Offizier gerettet wurde. Nach dem Sinken des Schiffes wurde der Kommandant von einem in der Takellage des Kreuzmastes hängenden Offizier gefaßt und längere Zeit gehalten. Fortwährend von Brechern überspült, versagten jedoch Beiden die Kräfte und der Kom Mandant wurde durch eine rücklaufende See vom Schiffe fortgerissen. Man sah ihn noch, sich an die Trümmer der an Heck befindlichen Gig festklammern, dann aber versank er bedeckt von der Kriegsflagge seines Schiffes, die eine See über ihn geworfen hatte, in die Tiefe." • Bromberg, 13. Jan. In Jnowrazlaw sind die schwarzen Pocken ausgebrochen. * Die gottlose sie Stadt der Erd e. San Fran- cisco stand bisher in dem wenig beneidenswerten Ruse, ein wahres Paradies für Spieler und Gauner der schlimmsten Sorte zu sein. Jedoch Berichte, die seit -kurzem aus dem Süden von Afrika kommen, stellen alles, was man von der Goldstadt im wilden Westen Amerikas hörte, in den Schatten. Darnach hat K a p st a d t weit eher Anspruch auf den „Ruhm", das gottloseste Fleckchen der Erde zu heißen. Diese Stadt ist thatsächlich eine einzige, große Spielhölle. Nacht für Nacht sind die sogenannten „dens" überfüllt mit Spielern englischer Nationalität, die sich aus entflohenen Verbrechern, Bauernfängern, Zuhältern mit ihren Dirnen, Raufbolden, Schwindlern und — den Opfern dieses Gesindels zusammensetzen. Die bedauernswerten jungen Leute, denen diese Raubtiere in Menschengestalt auf der Straße auflauern, um sie unter irgend einem Vorwande in eine der Mördergruben hineinzulocken, und dann erbarmungslos auszuplündern, sind größtenteils Soldaten und Bankangestellte. Die letzteren werden auf besonders raffinierte Weise zu Grunde gerichtet. Man läßt sie das erste Mal einige kleine Gewinne einstreichen und animiert sie zum Wiederkommen. Natürlich gewinnen sie späterhin nicht mehr, und nur zu bald hat man die Unglücklichen so weit, daß sie — in der Hoffnung, die Verluste wieder einzubringen, — den Kassen ihrer Prinzipale Summen entnehmen, die sie nie ersetzen können. Die Ruinierten greifen in der Verzweiflung zum Strick oder Revolver, und dieselbe Tragödie spielt sich immer von neuem ab. Seit der Dauer des Transvaalkrieges sind die zur Rekonvaleszens nach Cape-Town geschickten Ver- wunoeten ein Wild, dem ebenfalls eifrig nachgestellt wird. — In der neuesten dtummer der „South African News", eine Zeitung, die eifrig bestrebt ist, die allgemeine Aufmerksamkeit auf die geradezu grauenhaften Zustände in der wichtigsten Stadt der Kapkolonie zu lenken, ist die Geschichte eines Kriegers erzählt, der einer Spielerbande in die Hände fiel. Als Invalide entlassen, kam er nach Kapstadt, um sich zu erholen, und dann nach England zurückzukehren. In seinem Besitze befanden sich 60 Lstrl., von welchem Gelde er die Ueberfahrt bezahlen wollte. Mit dem Ueberschuß gedachte er Geschenke für seine Angehörigen zu kaufen. Eines Abends besuchte er einen Billardsalon, wo es sehr ruhig zuging. Er hatte kaum eine Viertelstunde bei seinem Glase Bier gesessen, als sich ein junger Mann von sympathischem Aeußern zu ihm gesellte und eine Unterhaltung begann. Bald plauderten die beiden äußerst freundschaftlich miteinander und traktierten sich gegenseitig. Gemeinsam verließ man das Lokal, und Tommy willigte ein, mit dem neuen Bekannten in einen Spiclsalon zu gehen. Dort wurde der Mann in Khaki dem Bankhalter und mehreren anderen Herren vorgestellt; man offerierte ihm von allen Seiten Liköre und Zigarren, und forderte ihn auf, von seinen Kriegserlebnissen zu erzählen. Inzwischen hatte sein Begleiter zu spielen begonnen, und gewann beständig. Interessiert sah der Soldat zu und schließlich brannten ihm seine Sovereigns in der Tasche, er mußte Hein Glück versuchen. Er setzte ein Goldstück nach dein andern und in weniger als einer halben Stunde war er sie alle kos. Trotz seiner Trunkenheit erkannte der Geplünderte, daß er das Opfer von Gaunern geworden war, und schickte sich an, Selbstmord zu begehen. Es gelang jedoch, den Verzweifelten an seinem Vorhaben zu hindern, und nachdem ihm der Manager großmütig ein Goldstück zurück- gegeben hatte, wankte der Aermste in die Nacht hinaus. Die Geistlichen, sowie einflußreiche Persönlichkeiten der Stadt thun alles, was in ihren Kräften liegt, um die Behörden zu veranlassen, energisch gegen die Besitzer der Spielhöllen einzuschreiten. Bisher haben ihre Bemühungen aber nur wenig Erfolg gehabt. Meratur, Wissenschaft und Kunst. Der a. o. Professor der Anglistik in Gießen, Wilh. Wetz, veröffentlicht im letzten Heft der „Englischen Studien" einen längeren Aufsatz „zur Beurteilung der sogenannten Schlegel - Tieck'schen Shakespeare-Ueber- fetzung", worin er es unternimmt, August Wilhelm Schlegels llebersetzer-Verdienste so herabzusetzen, daß eigentlich an dem Klassischen Shakespeare-Dolmetsch der Deutschen kein gutes Öaar mehr bleibt. Wetz verlangt, man solle endlich die un- 1 redliche Bezeichnung „übersetzt von Schlegel und Tieck" ans der Welt schassen; denn thatsächlich hat Ludwig Tieck keine Hand bei der Arbeit gerührt, und Dorotheas Leistungen sind die minderwertigsten. Wetz giebt wohl zu, daß Schlegels Uebersetzisng den Dichter erst wirklich bei uns eingebürgert habe. Aber „man sollte nicht vergessen, daß Schlegels Übersetzungen sehr ungleich sind, und daß er zum Sck)luß eine gewisse Manier angenommen habe, eine Art Uebersetzer- jargon schrieb". So soll Beethoven, als ihm die ersten Bünde der Schlegel'schen Uebersetzung gesandt wurden, sie nach Durchlesung weniger Seiten als eine verrenkte, schwer verständliche Arbeit beiseite geworfen haben. „Jeder, der zuerst Shakespeare in Schlegels Uebersetzung las und später zu dem Original überging, wird gern bestätigen, wie ihn die Anmut und Schönheit der Diktion Shakespeares im Vergleich zu der seines Uebersetzers überraschte." Im einzelnen wird nun der Nachweis versucht, daß andere Uebersetzer, wie z. B. Gildemeister und Dingelstedt, „bei gleicher oder größerer Treue den Charakter von Steifheit und Uebersetzungsdeutsch, der Schlegels Uebertragung anhaftet, oft glücklich beseitigt" haben. Auch die eingestreuten Lieder sind Schlegel nach Wetzens Ansicht mißlungen: „buchmäßig steife und harte Ausdrücke statt sinnlich naiver und einfacher verscheuchen jede Stimmung." (Nach unserer Ueberzeugung ist die aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende Dingel- stedt'sche Ausgabe der Werke Shakespeares, an der sich mit Dingelstedt Genee, Wilh. Jordan, Seeger, Karl Simrock und Viehhoff beteiligten, immer noch eine der besten deutschen Shakespeare-Uebertragungen. D. Red.) — Dem Zensur verböte in Preußen unterliegen jetzt nicht nur Theaterstücke, Couplets oder öffentliche Vorträge, sondern auch Künstler. Mit Befremden werden die Leser von unserer kürzlichen Mitteilung Kenntnis genommen haben, daß Otto Reutter das fernere Auftreten im „W i n t c r g a r t e n" zu Berlin untersagt sei. Reutters hübsch pointierte Couplet-Dichtungen erfreuen sich in ganz Deutschland großer Beliebtheit. Wir hörten hier erst neulich ein von ihm verfaßtes sehr lustiges Chinakämpfer-Couplet auf dem Wintersport- f e st e der Gießener Radfahrer-Gesellschaft „Die Wanderer". Dieser Coupletdichter war in Berlin kürzlich zweimal hintereinander wegen Uebertretung der Zensurvorschriften zu kleinen Geldstrafen von je 30 Mk., verurteilt worden. In dem einen Falle war ihm aus einem Quodlibet ein Teil des Textes gestrichen worden. Da der Musik wegen eine gewisse Pause ausgefüllt werden mußte, improvisierte Reutter einige an sich ganz harmlose Sätze. Diese Einschiebungen nun, die der Zensur nicht wieder unterlagen, waren Anlaß eines solchen Strafmandats. Zu dem Verbote jedes ferneren Auftretens Reutters führte dessen öffentlicher Vortrag einer Parodie der „Versunkenen Glocke". Diese Parodie hat Reutter früher im Berliner „Apollo-Theater" durch zwei Jahre, jedenfalls weit über hundertmal, selbstverständlich nach vorhergegangener Genehmigung der Zensur vorgetragen. Auch bei Gelegenheit einzelner Wohlthätigkeits-Matineen trug sie Reutter vor. Nun gilt freilich die Vorschrift, daß eine Zensurgenehmigung für jedes neue Haus besonders ein- zuholen ist. Reutter hat denn auch seine Parodie der versunkenen Glocke der Zensur eingereicht, trug dieses Stück aber vor dem Eintreffen der Genehmigung öffentlich vor, in dem Glauben, die frühe Erlaubnis würde ihn decken. Formal war dies sicherlich unstatthaft. Immerhin war es neu und überraschend, daß statt einer Geld- oder sonstigen Ordnungsstrafe die Anordnung erfolgte, Reutter dürfe nicht wieder auftreten. Für den Fall eines Zuwiderhandelns wurde der Direktion des „Wintergartens" die Sck)ließung angedroht. Reutter hat gegen diese Verfügung sofort Beschwerde eingelegt. Außerdem hat er durch einen Rechtsanwalt an das Berliner Polizei-Präsidium die Aufforderung gerichtet, das Verbot innerhalb 24 Stunden zurückzunehmen, widrigenfalls er die Behörde für jeden aus dem Verbot ihm erwachsenden Schaden zivilrechtlich verantwortlich machen würde. Man darf gespannt daran : sein, ob thatsächlich das- bisherige „objektive Verfahren" einem persönlichen Platz macht, und ob jetzt nicht nur Dramen, Couplets oder sonstige Vorträge, sondern auch .Künstler in Preußen ein für alte Mal verboten werden können. Ter Rechtsstreit hat zweifellos ein großes Interesse. Schweninger erörtert in Hardens „Zukunft" die Beziehungen zwischen Arzt und Patient: Der Arzt kann nichts anderes thun, als das mehr oder minder defekte Individuum nach bestem Wissen und Gewissen behandeln. Immerhin kann er auch ein paar allgemeine Ratschläge erteilen. Mich hat die Erfahrung die folgenden Leitsätze schätzen gelehrt: 1. Schafft euch einen gesunden, gcnuß- und arbeitsfähigen Körper, übt ihn, aber überanstrengt ihn weder im Genuß noch in der Arbeit. 2. Fürchtet nicht den Exzeß, aber seine zur Gewohnheit werdende Wiederholung. 3. Macht euch frei und hütet euch vor der Schablone. 4. Liebt den Mut und haßt die Aengstlichkeit. 5. Fürchtet nicht die sogenannten Feinde von außen (Bazillen, Witternngseinflüsse usw), sondern wappnet euren Körper gegen ihren Einfluß und ihren Einbruch. 6. Hütet euch am meisten vor den eigenen Fehlern. 7. Glaubt nicht, daß euch Gesundheit oder Genesung geschenkt wird, sondern wißt, daß sie erarbeitet werden wollen. 8. Helft dem Arzt also bei seiner Arbeit, wie ihr hofft, daß er euch helfe. 9. Vergeßt nie, daß es hauptsächlich auf euch an- tommt, daß euer Körper das Instrument ist, auf dem der Arzt in Tagen, wo es euch schlecht geht, spielt, daß er sein wichtigstes Heilmittel ist. 10. Meidet die Gewohnheit 11. Strebt nach körperlicher und seelischer Harmonie. 12. Lernt euch selbst erkennen, kritisieren, disziplinieren ' Auch diese Sätze werden den Tod nicht bannen, das Leben nicht über die natürliche Grenze hinaus verlängern. Wer sie befolgt, darf aber hoffen, nicht eher vom Licht scheiden zu müssen, als bis in weiser sparsamer und doch nicht knauseriger Lebensökonomie der letzte Rest seiner Kraft verbraucht ist. verloren. Das Mißtraue« roaxbte sich nicht nur allein gegen bie berüchtigten Spielhagenbanken, sondern andere, angesehene und als äußerst solrd bekannte Hypothekenbanken wurden tn Mitleidenschaft gezogen. Utber das Wirken und Wesen von Hypothek«n- und Pfandbrresbanken herrschte bei vielen noch Unklarheit, die sich wohl gerade jetzt durch Belehrungen aller Art, die in der Presse veröffentlicht wurden, in beffereS Verständnis verwandelt hat. Die Geschäfte der Hypothekenbanken haben sich in den letzten Jahren bedeutend ausgedehnt. Durch die stete Zunahme der Bevölkerung, die ja unsere letzte Volkszählung erwiesen hat, ist der Bedarf an Wohnungen groß, das ganze Jahr hindurch wurde gebaut und die Nachfrage nach Beleihungen mehrten sich. Die Hypothekenbank in Hamburg, benn Jahresbericht über das 30. Geschäftsjahr eben verteilt wird, tft tn der Lage^ 8 pCt. Dividende zu zahlen. Aus dem Geschäftsbericht entnehmen wir: Die Zunahme des Pfandbriefumlaufs im verfloffenen Jahre ist durch die Kr.sis nicht unerh« blich beeinträchtigt worden, sie bt trägt ca 6 Millionen. Während die Nachfrage nach den äprocentigen Pfand- 6tiefen fortlaufend befriedigend war, und deren Umlaufssumme sich um 20586600 Mk. erhöhte, hielt der Rückfluß der 3'/>procentigen Stücke auch ferner an und verminderte deren V.mlauf um 14502400 Mk. Am 1. Dezember waren von der Hypothekenbank Hamburg allein für 346537500 Mk. Pfandbriefe im Umlauf, denen 5531 Hypotheken im Betrag von 360541278 Mk. gegenüberstanden. Der Reingewinn beträgt 2230765 Mk. Stuttgart, 12. Jan. (Allgemeiner Deutscher Versicherungs- Verein.) Im Monal November 1900 wurden 1280 Schadenfälle regu- (tect. Davon enifielen auf die Haftpflichtversicherung 666 Fälle, und zwar 358 wegen Kö.p-roerUtzung und 308 wegen Sachbeschädigung; auf die Unsallverstcherungg 556 Fälle, von denen 2 eine teilweise Invalidität der Verletzten zur Folge hatten. Don den Mitgliedern der Kapitalver sicher ung für den Todesfall sind 59 in dtes-m Monat pcftoiben. Neu abgeschlossen wurden im Monat gtüDember 6788V-rsicherungen. Von den vor dem l.S'plember 1900 anpemeldeten Schäden der U lall VeZicherung (incl. der TodeS- und I validttätSfälle) sind nur 186 noch tn Beha- dlung. Gisenöahn-Zeitung. Main-Neckarbahn. Wir lesen in der „Fckf. Zta.": Unter dm Gründen, die P eutzen für die Notwendigkeit einer Reorganisation der Main Neckar-Bahn-Verwaltung noch seinem Sinne ins Tieffen führt, spielt dte Notwendigkeit einer Verbilligung der VrrwaltungS- und Betriebskosten, die nicht mehr im richtigen Verhältnis zu den Ergebniffen stünden, bekanntlich keine kleine Rolle. Nun ist es ja richtig, daß diese Elgebmsse, die aber doch z. B. für H ff en immer noch einen Reingewinn von 8,798 Prozent des Baukapttals, d. h. 910,042 Mk. bringest, günstiger sein könnten. Aber wer ist beim schuld bat an? Dte Antwort gibt der h-sfische Staatsooranschlag -ür 1901: Niemand anders als Preußen s-lbst, Preußen, das durch Güterumleitungen eine Mindereinnahme aus dem Güterverkehr der Main'Neckarbahn um ru. d 681000 Mk. zu Wege bringt. Es kann daraus mit aller Deutlichkeit ersehen werden, daß Preußen die oon ihm so heroorgehobene Mtnderrentad>l«tät künstlich erst heroorrusl; sie würde noch west größer werden, wmn Preußen auch eine Umleitung deS Personenverkeh s zu bewirken vermöchte, was allerdings nicht angeht. Preußen hat demnach ein viel einfacheres Mittel als die „Reorganisation", Vie an sich schon recht beträchtliche Rentabilität der Main-Neckar Bahn zu heben: es braucht nur die Umleitungen, die natürlich beileibe keinen Ser- kehrSkrieg bedeuten, zu unterlafsinl Gerichtssaal. Die Marburger Strafkammer verhandelte gegen die St - denten Fritz Casta, Walther Müller und Arnold Gießler wegen Hausfriedensbruchs. Am 1. Juli vor. Js. kamen die B-treffenden nebst einigen anderen Studenten mit dem Zuge von Wetter.^ Unterwegs kam eine Beschmutzung des Wagens vor, die den Zugsühr^ veranlaßte, nach Marburg zu telegraphieren. Auf dem dortigen Bahnhof»' stand denn auch schon der Vorsteher und veranlaßte den Verunreintger oes Wagens, 1 Mk. Strafe zu entrichten. Bei dieser Gelegenheit kamer» die Studenten in« Slationsbureau und behi.lten die Hüte auf. Die? veranlaßte die Stationsbeawten, zu verlangen, sich anständig zu benehmen. ES entstand nun ein Spektakel, der damit endigte, daß die Studenten notiert unb bann aufgeforbert würben, bas Lokal zu verlassen. Sie leisteten jeboch nicht Folge unb verlangten datz Beschwerdebuch. Dasselbe wurde ihnen mit Rücksicht auf ihr lautes Benehmen verweigert. Nachdem einige Eisenbahn beamte und Studenten als Zeugen vernommen waren und beide Pasteten den Sachverhalt verschieden bargestellt hatten, hielt bas Gericht gemeinschaftlichen Haus ictedi-nsbruch für erwiesen. Das Urteil lautete auf je eine Woche Gefängnis. _____________ Krieskasten der Redaktion. E. S 105c bestimmt, baß im Handelsgewerbe Gc hülfen, Lehr- .inge und Arbeiter am ersten Weihnachrs-, Oster- und Pfin».sttaz überhaupt nicht, im übrigen aber an Sonn- und Festlagen nicht länger als 5 Stunden beschäftigt werten lürfen. Nach 8 41a darf außer diesen 5 Stunden ein Gerrerbebckrieb nicht stattfinden Nach 8 189« der R. G. O. gilt der 9 Ubr Ladenschluß für dte Gehütsen, Lehrlinge rc. in offenen Verkaufsstellen unb die dazu gehörigen Schreibstuben. Nach ftübeien Gerichtsentscheidungen werden die Bankgeschäfte zu den offenen Verkaufsstellen gerechnet. Familien-Uachrichten. Gestorhenr Ludwig Henkel in Offenbach. — Heinrich jtnöppel in Marburg. — Friederike Philipps in Frankfurt. — Margaretha Mayer, geb. Fieser, in Lörzweiler. — G-oßh. Sllchs. Hofdierbrauer S. Backhauß in Eisenach. — PH. Sachs Wwe., geb. Stier, in Darmr adt. — Hermann Weißmantel in Darmstadt. — Helene Pusch Wwe., geb. Henß in Offmbach. Geborene Eine Tochter dem Avotbeker Habn in Hol,hausen. Für alle Lebensalter HailSdlS gleich nahrhaft und bekömmlich. 416 Kasseler Hafer-Kakao. HK ® @ ® TAFELKARTEN ® ® © BALL- UND TISCHKARTEN ö HOCHZEITSTAFELKARTEN REIZENDE NEUE MUSTER IN EINFACHER UND GLÄNZENDER o o o o o AUSFÜHRUNG o o o o o BRÜHL’SCHE UNIV.-BUCH- UND STEINDRUCKEREI, GIESSEN, SCHULSTRASSE 7. Handel und Verkehr. Uolksmirtschasl. — Hypot rekeubank Hamburg. Die Namen „Hypothekenbank" unb „Pfandbriefe" setzten in jüngster Zeit viele in Schrecken, sind doch viele durch den Krach der „Spielhagenbanken" in Milleidenschast gezogen und haben zum Teil ihre, nach ihrer Meinung sicher angelegten Ersvarniffe Kunst-Ausstellung. im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 8 b*s 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von U his 3 Uhe ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an W< rktagen 5) rig« an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. Bekanntmachung, bett Antrag auf vorzeitige Schließung der Ver- kaufsstellen für den gefchäftlicheu Verkehr betr. Nach $ 139 der Reichsgesetzes vom 30. Juni 1900, die Abänderung dec Gewerbeordnung betreffend, kann aus Antrag von mind stens zwei Dritteln der beteiligten Geschäftsinhaber für eine Gemeinde durch A ordnung dec höheren VerwaltungS- behö de nach Anhörung der Gemeindebehörde für alle od.r einzelne Geschäftszweige anieordnet werden, daß die offenen Verkaufsst llen wävrend bestimm er Zeiträume ober während deL ganzen Jahres auch in der Zeit zwischen 8 und 9 Uhr ab nds und zwrfch u 5 und 7 Ihr morgens für den geschäftlichen V r k hr geschloffen sein müffen. Auf Grund dieser Bestimmung ist von einer Anzahl von Geschäftsinhabern der Antrag gestellt worden, für die Stadt Gieße» onzuordnen, daß die Offe^Kaltung aller Verkaufe stellen mit Ausnahme bei fertigen der Bäcker und Mehrer 1. in der Zeit vom 1. April bis Ende September auf die Zeit von morgens 7 Ihr bis abends 8 Uhr 2. in der Z it vom 1. Oktober bis Ende. März auf die Zeit von morgens 8 Uhr bis abends 9 Uhr zu beschränken sei. Von einer Anzahl von Geschäftsinhabern der Uhren-, Go'd- und Silberwarenbranche ist der weitergehende Antrag gestellt worden, amuorbnen, daß die Offenhaltung der Ber- kaufsstellen für diese Branche auch in der Zett vom 1. Oktober bifi Ende März auf die Zeit von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr zu beschränken fei. Um beurteilen zu können, ob für die vorliegenden Anträge bte gesetzlich vorgeschriebene M-hrhett vorliegt, oder ob solche M einer etwaigen demnächstizen Absttmmüng sich ergiedt, war bie Aufstellung von Listen all.r beteiligten Geschäftsinhaber erfo derlich Diese Listen, und zwar: 1. der Geschäftsinhaber der Uhren-, Gold- und Silberwaren branche, 2. der Geschäftsinhaber aller übrigen Branchen mit Ausnahme der Bäcker und Metzger. lügen in der Zeit vom 15. bis 29. Januar 1901 auf dem Sekretariate der unterzeichi eten Behörde zur Einsicht der Beteiligten offen unb stnb etwaige Enwenbungen gegen bte Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Listen in der genannten Zett bet Meidung des Ausschluff s bei uns vorzubringen. Gießen, den 12. Janurr 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. __________________I V.: Wolff._______________610 „Wuringia", Versicherungs-Gesellschaft in Erfurt. Wir bringen hierdurch zur Kenntnis, daß wir (an Stelle des verstorbenen Herrn firr. Müller jr. in Gietzeu) dem Herrn Otto Fickert, Zpeditenr, daselbst, eine General Ageutux unserer Gesellschaft übertragen haben und bitten, sich in allen dieselbe betieffenben Versicheru"gsongelegenheiten der Vermittelung des genannten Herrn gefälligst bedienen zu wollen. Frankfurt a. M., im Januar 1901. Die Subdirektiou der Thuringia. Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung empfiehlt sich zur Vermittelung von Aeuer-, Leöevs-, Aussteuer-, Anfall-, Kaftpfftchl-, Krausport- und Hiubruchs- dieöstaht-Werstcherungeu zu günstigen Bedingungen und billigen Prämien bei keinerlei Nachschußverbindlichkeit sür die Versicherten. Gießen, im Januar 1901. Otto Fickert, General Agent der Thuriugia, 5*1 Bahnhofstraße 22, II. Schützenhaus. Mittwoch, den 16. Januar: Metzelsuppe. Morgens: Wellfleisch m-t Kraut. 6’2 Louis Schultheis. w Hausfrauen LJrtheilen Sie selbst und versuchen Sie Schrauth’s gemahlene Salmiak-Terpentin-Seife das beste WaSCtiptlBver der Welt Blendend, weisse Wäsche, garantirt rein Höchster Fettgehalt Nur echt mit Schutzmarke in rother Farbe. < Ueberall käuflich a Packet 15 Pfennig. In 15 Minuten besohlt die Erste Fchuell- bestihlMstal Herrensohlen zu 1.60 Damensohlen „ , 1.10 Kmdersohlen v. 50 an Nur 631 MMkuMe 20. Johannes Hecker. WstMMlMlN Hohversteigerung im Eikßrvkr Ktadtioald. Montag den 21. Jan. 901, vormittags 9 l/z Uhr beginnend, sollen im Gieß nei Ltadtwald, in deu Diftrikteu Philofopheuwald, Savd- berg, Neuheege u. Hochwarte versteigert werden: 8 Eichenstämme mit 5,26 fm (darunterSchnittholz). 26 Fichtenstämmemtt8,34tm 62 Fichtenstangen m t5 bOftu^ 4 rm Buchen-Scheitholz, 18 „ ® chrn-Scheitdolz, 1 * Nadel-Scheitholz, 23 „ Buchen Knüppelholz, 15 n Elchen-Kimpp lholz, 2 M EschewKnüppelholz, 10 „ Nabel K'iltpp ihotz, 4 „ Buchen-Stockholz, 12 „ Eichen-Stockholz, 12 „ Nadel-Siockholz, 1150 Wellen Buchm N^isig, 600 „ E chm-R isig, 8922 „ Nadel Reffig.teil. weise Durchsrstg., 2800 „ Weiden-Re»sig. Die Zusammenkunft ist auf )em alten Anneröderweg an der 8. Schneise. Gießen, 14. Januar 1901. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. 616 Kmu- md Uuhhgh Versteigerung im Ficher Ltadtrnald. Montag deu 21. Ja uuar, vormittags 10 Uhr beginnend, sollen im L cher Stobt wald, Distrikten Dickestall und Eisekaute, versteigert werben: 358 rm Buchen-Scheiter, 12 „ E chm-Scheiter, erste Qualität, 88,2 „ Buchen Knüppel, 37,6 „ Eichen Knüppel, 4300 Stück Buchen-Wellen, 1060 H Eichen-Wellen, 500 „ Nadel-Wellen, 400 „ Weichholz-Wellen, 171 rm Buchen-Stöcke, 64 „ Erchen Stöcke, 11 „ Nadel-Slöcke. Zusammenkunft aus dem Kreuz der Gänsweid« und Mtttelschne fe. Ferner Fichlkll-Hau- u. Uiitzhoh Dienstag deu 22. Januar, vormittags 10 Uhr beginnend, in den Distrikten Langenbuchen und Kreppel- Wäldchen: 30 F chtenstämme von 11 bis 17 cm Durchmesse mit 6,47 fm, 1884 Fichten Derbftangm 8 bis 11 cm Durchn mit 94 fm, 2000 Fichten-ReiSstangen mit 20 fm. Zusammenkunft auf der Niederbesstnger Schneise in den Langenbuch?n. Lich, den 11. Januar 1901. Großh. Bürgermeisterei Lick. Heller. 599 Hohversteigerung im RriskirchellerGrmeiudrMd. Freitag deu 18. Ja- nuar l. I. soll im hiesigen Gemeindewald, Distrikt Wal- bersberg, nachverzeichnetes Holz versteigert werden: 477 Nadelstämme von 9 bis 21 m Länge und von 13 bis 30 cm Durch, meffer — 165 fm, 217 Nabel * Derbstangen von 14 bis 21 m Länge und von 9 bis 12 cm Durchmesser — 33 fm. Der Anfang ist morgens 9 Uhr am Bersröderweg. Rerskirchen, 12. Jan. 1901. Gr. Bürgermeisterei Reiskirchen. Waaner. 606 AiümchLmZV ImnISOl, uachmtttagK 2 Uhr, sollen aut dem h> sig n Onsgerickt ie dem Wilhelm Steinbach in Güßen gehörige Immobilien: tHur 27 Str. I81“/ie) — 412 qm Hofraite am kleine» Stein5 weg links. Flur 27 Nr. >81«/, 0 — 170 qm Wohnbaus daselbst, Flur 27 Nr. 181«/1W — 821 qm Grabgarien daselbst. Flur 27 Nr 162a8/l0 — 5i7 qm Hofraite am Brennofen, stoßt auf die Wiesen, Flur 27 Nr. 166f«/n — 463 qm Hofraite daselbst, Flur 27 Nr. U6f8/10 — 77 qm Grabgarien a. Brennofen Flur 27 Nr 166fi/io — 861 qm Bauplatz daselbst, Flur 33 Nr. 16 — 6u6 qm Acker am Altenfeld bei den Gatten, Flur 83 Nr. 17 — 844 qm Acker daselbst. Flur 83 Nr. 35 — 475 qm Acker am Altenfeld auf ein Gäßcken öffentlich meistbietend versteigert werden Gießen, 18. Dezember 1900. Großh. Ortsg'rickt Gießen. I A: Bogt. 230 MpfelilnWi Kreppeln täglich frisch bei Friedr. Noll Hofbäcker. 881 «rsktzlich geschuht! S-S.pL. 4/ 628 Dieses Sckneckcnesckild verbannen Sie durch Annendung dts bewährten Streupulvers Kanpt-Mederkaße bei S. Ganes, Hrff Del» u d Fett-Manufaklur, Zrtcich- straße 31. Wett r erbfiltlicb bei: H. Badnin und Konrad Jäger. 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