Nr. S6V Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Freitag 15. November 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Sietzener Familien, blätter werden dem Anzeiger tm Wechsel mit dem „Hess. Landwirt' und den „Blättern sür hessische Volkskunde' viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. FrrnsprcchanschlußNr.bl. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige» zu der sür den folgenden Tag erscheinenden Nr. dis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Ps^ auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Universität? - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wrttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Politische Tagesschau. Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren. Ein Petersburger Korrespondent der „Münch. N. N." kündigt eine demnächstige Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren in Skiernewice an. Wir sind selbstverständlich nicht in der Lage, die Richtigkeit dieser Nachricht zu prüfen, sind aber trotzdem geneigt, sie als Nachhall jener Kekamttmachimg. Bett.: Feldbereinigung in der Gemarkung Garbenteich; hier die Arbeiten deS III. Abschnittes. Mittwoch, 27. November L I. findet die Ueberweisung der neuen Grundstücke und die Versteigerung der Massegrundstücke an Ort und Stelle statt. Zusammenkunft vormittags 9 Uhr im Gemeindehause zu Garbenteich, woselbst auch die Versteigerungsbedingungen bekannt gegeben werden. Die Ueberweisung erfolgt unter folgenden Bedingungen: 1. Meliorationsarbeiten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden. 2. EigentumSvcränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen innerhalb der Zeit der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hierdurck) bedingter Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitätswert vergütet bezw. zugeschrieben. Friedberg, 8. November 1901. Der Großh. FeldbereinigungSkommissär. Spam er, Kreisamtmann. Bekanntmachung. Die landw. Haushaltungsschule zu Lindheim beginnt ihren ersten nächstjährigen fünfmonatlichen Lehrkursus am Freitag den 3. Januar 19 0 2. Tie Schule hat die Aufgabe, junge Mädchen zur Führung einer wo h l g eo r d neten, einfachen bürgerlichen Haushaltung vvrzubereiten. Gegenstände des Unterrichts sind: Hauswirtschaft und Milchwirtschaft, Gemüsebau, Obstverwertung, Gesundheits- und Ernährungslehre, Krankens vflege. Rechnen, Abfassung von Aufsätzen und Briefen, Buch? führung, owie weibliche Handarbeiten. Auch ist für gute 'Lektüre ge'orgt und wird der Gesang gepflegt. Die Schule besitzt einen Garten beim Hause, eigene Molkerei und Geflügelhaltung. Tie unmittelbare Leitung der Anstalt untersteht einer Vorsteherin (Hausmutter) und einer Assistentin (Jnduftrie- lehrerin). Sowohl diese als die Mädchen wohnen im Anstaltsgebäude. Für Unterricht und Logis sind 20 Mark pro Kursus und für Kost und Verpflegung 1 Mark pro Tag zu entrichten. Außerdem sind nur noch etwaige Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten. Ausführliche Programme, aus denen das Nähere über die Anmeldungen, die möglichst frühzeitig erbeten werden, zu ersehen ist, sind von dem Unterzeichneten, sowie von Herrn Oberamtmann Westernacher zu Lindheim erhältlich. Büdingen, den 24. Oktober 1901. Der Vorsitzende des landw. Bezirksvereins. Jrle. Erörterungen anzusehen, die vor einiger Zeit unmittelbar nach der Danziger Kaiserzusammenkunst durch die Blätter gingen, und in denen cs hieß, daß der Kaiser nach Skiernewice kommen würde, dann wieder, als diese Nachricht dementiert wurde, Kaiser Franz Josef dort erwartet werde, was sich ebenfalls als unrichtig erwies. Wir möchten deshalb annehmen, daß im Augenblick auch die erwähnte Meldung des Münchener Blattes nicht die geringste Aktuellität besitzt. Am allerwenigsten würde eine solche Begegnung, wenn sie zwischen den beiden Monarchen vereinbart worden wäre, als eine Wirkung der französischen Politik zu bettachten sein, zu der ein Mißtrauen zu haben, die deutschen amtlichen Stellen nach keiner Richtung hin Veranlassung finden. Was an der ganzen Meldung richtig zu sein scheint, ist einzig die erfreuliche That- sache, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland die besten sind, die man nur wünschen kann. Unter diesen Umständen ist es ja immerhin möglich, daß der Kaiser in absehbarer Zeit den Besuch des Zaren in Danzig in irgend einer russischen Residenz erwidern wird. Bestimmte Dis- posittonen in dieser Beziehung liegen aber, wie gesagt, bis zu diesem Augenblick nicht vor. Wenn angenommen wird, daß der französisch-türkische Konflikt, der doch völlig beigelegt zu sein scheint, noch nachttäglich eine baloige Kaiser-Zusammenkunft zur Folge haben könnte, so liegt auch dazu nicht der allergeringste Grund vor. Einiges vom „Nenen Schloß" am Brand, platz zn Gießen. Seit nunmehr zwei Jahren ist man mit der Wiederherstellung des ehrwürdigen Baues beschäftigt, den der Gießener fälschlich das „alte" Schloß nennt. Diese Wiederherstellung hat ibre besondere Geschichte; in folgenden Zeilen sei einiges darüber mitgeteilt. Als im Sommer 1899 mit der Erneuerung des Aeußeren, und der durch Zweckmäßigkeitsgründe bedingten Umgestaltung einiger Räume im Innern begonnen wurde, dachte noch niemand an eine eigentliche Wieder- rerstelln.ng des ganzen Gebäudes, wie sie jetzt durchge- ührt werden soll. Die Schönheiten im Innern hatten ich eben im Lause der Jahrhunderte zwischen Wänden und unter Putz, Tapezierung und einer dicken Schicht alles verdeckender Oelfarbe verborgen, so daß man keine Ahnung mehhr davon hatte. Als nun aber beim Abbrechen einer Wand in ihr versteckt ein mächtiger Eichenpfosten gefunden wurde, ging man daran, weitere Untersuchungen anzustellen. Das Ergebnis war sehr lohnend, denn es fanden sich im Erdgeschoß und im Obergeschoß eine ganze Reihe solcher Pfosten, alle verschieden, aber alle von gleich schönen Verhältnissen im Ausbau und in den Profilen. Ferner wurden durch äußerst zeitraubendes Ablaugen der dicken Oelfarbkruste allmählich nicht weniger als 33 verschiedene reich verzierte Profilanfänger (Säulenfüßchen) an den Fenstergewänden ans Tageslicht gefördert. Sie entzücken jeden Kenner durch die reiche Fülle der Motive. Es folgten nun genauere Aufnahmen, aus denen hervor- giug, daß das untere Geschoß ursprünglich e i n großer Raum war, der obere Stock dagegen durch vier Querwände in Gemächer eingeteilt war. Die Decke des Erdgeschosses lag auf einem gewaltigen Unterzug, der durch fünf Pfosten gestützt wurde. Im Oberstock war es ähnlich, nur traten an die Stelle der Pfosten zum Teil die Querwände. Alle anderen Wände waren späterdazugekommen; sie haben im Verein mit der zu irgend einer Zeit einmal vorgenommenen Auswechselung des Unterzugs im Erdgeschoß eine beträchtliche Senkung des Gebälks verursacht. Der ursprüngliche Unterzug hatte sich! nämlich als zu schwach erwiesen und ist später einmal durch einen stärkeren ersetzt worden; so ging es aus verschiedenen Umständen hervor, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Diese am Bau selbst gefundenen Ergebnisse konnten dann durch einige auf dem Groß!). Haus- und Staats- archiv aufbewahrten Schriftstticke bestätigt und ergänzt werden. Insbesondere ließ sich aus alten Akten der Saal int Erdgeschoß nachweisen, und aus den zum Teil erhaltenen Baurechnungen konnte die Erbauungszeit fest- gestellt werden, auch Namen von Handwerkern und die Kosten einzelner Arbeiten sind bekannt. Was den Namen des Baues selbst angeht, so möge hier doch eine kleine Berichtigung Platz finden. Aus einem Salzverzeichnis des Jahres 1547 geht hervor, daß das Gebäuoe im Gegensatz zum alten Schloß am Kanzleiberg, das gegenwärtig von der Stadt Gießet: wieder-, hergestellt wird, „Neues Schloß" genannt wurde. Es liegt nun auch heute noch durchaus kein Grund vor, es anders zu benennen. Erbaut wurde das neue Schloß in den Jahren 1530 bis 1540 und nicht erst 1570, wie in Rommels Geschichte von Hessen zu lesen ist, und wie es auch in Gießen, soviel dem Verfasser bekannt wurde, seither angenommen worden ist. Gegen letztere Annahme sprechen übrigens ganz abgesehen von dem erst jetzt erbrachten thcrtsächlicher Errichtung einer Technischen Recchsbehörde erhalten, die darin gipfelt, totb die Kammer geneigt ist, diese Bestrebungen grundsätzlich zu unterstützen. Es wird beschlossen, die Anfrage bejahend zu beantworten. Frankfurt a. 3JL, 13. 9ttw. Heute Mittag um 2 Uhr ist der Frankfurter Landtagsabg. Karl Sänger an einem Schlaganfall plötzlich gestorben. Sänger war 1860 in Schnerdemühl geboren, studierte in Leipzig und Berlin, wendete sich vom Studium der Naturwissenschaften der Theologie zu und kam 1884 als Prediger der freireligiösen Gemeinde nach Frankfurt. Er schloß sich der Volkspartei an, gelangte bald in führende Stellung und wurde 1898 in den Landtag gewählt. In diesem Sommer zeigte der kerngesunde Mann Spuren nervöser Ucberanftrengung. Es hatte sich zuviel und zu rastlose Arbeit zugemutet. Er ist bekanntlich Begründer der Zeitschrift „Das freie Wort", die in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits zu stattlicher Verbreitung und Ansehen in freidenkenden Kreisen gelangt ist. Frankfurt, 12. Nov. Fürst und Fürstin Herbert Bismarck sind aus Baden-Baden hier eingetragen. Der Fürst besichtigst^ die von seinem Vater während dessen Aufenthaltes in Frankfurt als Dirndestagsgesandter bewohnten Räume des Hauses Nr. 19 in der Großen Gallus- straße, die jetzt dem Frankfurter Hypotheken-Kveditverein als Geschäftslokalitäten dienen. Hanau, 13. 'Nov- Eine für gestern abend geplante Rezitation von Otto Ernst's neuestem Schauspiel: „Die größte Sünde" wurde vom Landrat in letzter Stunde untersagt. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Klein-Karben wurde bei der Wahl eines Beigeordneten Hch. (Seibel II. einstimmig wiedergewählt. (Seibel versteht das Amt eines Beigeordneten schon seit 1874, also 27 Jahre lang. Vor 2 Jahren erhielt er den Verdienstorden Philipps des Großmütigen. — In Pfeddersheim feierten die Eheleute Wilhelm Heinrich 2. nebst seiner Eheftau Elisabeth geb. Hausmann am Montag im Kreise ihrer Kinder und sonstigen Verwandten das Fest der goldenen Hochzeit. Die Jubilare erfreuen sich der besten Lebensfrische und Rüstigkeit. — In Kassel verstarb Oberstaatsanwalt Geh. Oberjustizrat Dr. Bartels. — In Germersheim wurden zwei Schlosser aus Elberfeld verhaftet, die in Mainz große Kassendiebstähle verübt haben. — Von der Kaiserin vt der Bezirkshebamme Anna Martha Kaiser zu Singlis die goldene Verdienstbroche verliehen worden. Die Auszeichnung wurde der im 80. Lebensjahre stehenden und in noch voller Rüstigkeit ihres Amtes waltenden Hebamme Kaiser durch den Königl. Landrat von Gehren-Homberg im Beisein des Ortsvorstandes überreicht. Vermischtes. * Staßfurt, 13. Nov. Die Arbeiten zur Bergung der in der Grube »Ludwig II.* verschütteten Bergleute werden fortgesetzt. Die Zahl der in der Grube Befindlichen beträgt 15, da inzwischen gemeldet ist, daß noch ein Arbeiter gerettet wurde. 'Stendal, 13. Nov. Wie der „Altmärker" meldet, wurde in dem Dorfe Jagel die verwitwete Gasthof- besitzerin Jaap in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Es l^egt Raubmord vor. Der That verdächtig sind zwei hier durchgekommene Individuen, ein Feilenhauer und ein Mann unbekannten Berufes. • Paris, 13. Nov. Aus Montbrison, wo gestern der Mörder Jour hingerichtet wurde, wird berichtet, daß die beiden gleichfalls zum Tode verurteillen Mörder Teyssier und Tavernier gestern die Nachricht erhalten haben, daß Präsident Loubet das Todesurteil in lebenslängliche Gefängnisstrafe umgewandelt habe. * Paris, 13. Nov. Seit einigen Tagen werden in den hiesigen Kaffeehäusern zahlreiche gefälschte Banknoten der Bank von England ausgegeben. Dieselben sind außerordentlich gut nachgeahmt und wahrscheinlich auch hier angefertigt. Die Polizei, welche sich bereits im Besitze zahlreicher Falsifikate befindet, hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. * Troppau, 13. Nov. Die Polizei verhaftete hier den ehemaligen Schauspieler Schlesinger, welcher im letzten Frühjahr in Wien, BreSlau, Leipzig, Görlitz und Bremen sich bei Antiquitäten-Händlern als Museums-Direktor ausgab und dabei Diebstähle ausgeführt hatte. • Petersburg, 13. Nov. Auf der Newa herrscht voller Eisgang. Odessa, 13. Nov. Die Passage Mendelezics steht in Flammen. Der angerichtete Schaden wird auf über drei Millionen Rubel geschätzt. Viele Menschen sind in den Flammen umgekommen. * Schiffsnachrichten. Der Dampfer „Fidueia" von der Rhederei I. Jost in Flensburg ist bei Wasa gestrandet. Das Schiff ist stark beschädigt worden und allem Anschein nach verloren. — Die Rettungsstation Ebten der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 13. d. M. wurden von dem hier gesttandeten russischen Schooner „Agent", Kapttän Hundblof, mit Holz von Finland nach Kopenhagen bestimmt, vier Personen durch das StationS- rettungSboot gerettet. ES herrschte Sturm aus Südwest. — Einer Lloyddepesche auS Dover zufolge ist die Mannschaft des vom Postdampfer „Nord" überrannten Feuerschiffes gerettet und in Dover gelandet worden. Post und Passagiere deS „Nord" befinden sich noch an Bord dieses Schiffes. — Nach einem Telegramm aus Edinburgh soll der Zollkutter „Aetive" in Firth of Forth bei Granton geschettert sein. Von der Besatzung sollen 23 Mann ertrunken sein. — Ein Telegramm deS „Lloyd" meldet auS Sunderland, daß das vollgetakelte französische Schiff „Quillota" auS Nantes, bei Hendon an den Strand geworfen wurde. 17 Mann seien ertrunken. * Küssen auf der Straße ist verboten, heißt eS in Sydney in Australien. Diese Erfahrung machte ein sin- ländischer Mediziner, Sunel. Besagter Herr ist nämlich vor den Strafrichter zittert und zu 5 Sh. Geldbuße verurteilt worden, weil er sich unterstanden hat, seiner Frau beim Abschiednehmen auf der offenen Straße einen Kuß zu geben. Ein deS Weges kommender Polizeisergeant hat an diesem Kuß Anstoß genommen und demgemäß dem sinländer Herrn sein „gegen die guten Sitten verstoßendes" Betragen grob verwiesen. Das Resultat ist ein von dem obligaten Menschenauflauf begleiteter Wortwechsel gewesen, der schließlich zur Festnahme des Betteffenden führte. In der Folge hatte er sich wegen „aufrührerischen" Verhaltens vor dem Strafrichter zu verantworten. Der als Ankläger aufttetende Poüzeisergeant erklärte, er habe an dem Küssen „Anstoß" genommen. Dann, setzte er auf die Frage des Verteidigers hinzu, dergleichen sei in Sydney nicht Mode. Auf die weitere Frage des Ver- ttidigerS, ob er wisse, daß man sich in anderen Ländern, beispielsweise Frankreich, auf der Sttaße küssen dürfe, gab der Polisergeant zur Antwort, baS wisse er nicht. Möglich könne es schon sein, denn seines Wissens machten namentlich Franzosen „viele Albernheiten". Es dauerte einige Minuten, bevor das Beifallsgelächter, das diese geistteichen Worte beim Publikum und dem vorsitzenden Polizeirichter hervorriefen, sich gelegt hatte. Alsdann schnttt der hohe Gerichtshof, wie die „Frankf. Ztg." berichtet, jede weitere Bemerkung der Verteidigung damit ab, daß Sunel für u.' nihrt erachtet und, wie angegeben, verurteilt wurde. VnioerllMs Nachrichten. Berlin, 13. Nov. Durch Bcjcytuß des Rektors und Richter- der hiesigen Universität ist die Verbindung Franco- Ar rn i n i a verboten worden, roeil sie Angehörige anderer Hochschulen, den Vorschriften zuwrder, als Mitglieder ausgenommen balle. Gcrichlssaal. Berlin, 13. Nov. Für die „Hunnen-Prozesse", die gegen den „Vorwärts" schweben, ist auf den 2. Dezember vor der 7. Strafkammer des Landgerichts 1 Termin angelegt. Generalmajor o. Ketteler, der frühere Kommandeur der 2. Ostasiatischen Jnf.-Brigade, ist als Zeuge geladen. Könitz, 13. Nov. Heute verurteilte das Schwurgericht den Katyner Johann Morzuch in Czerks wegen Sittlichkeits- verbrechens und Ai o r d v e r s u ch s, begangen am 26. Ium 1901 an der Wirtschafterin Minna Rudat im Ritteler Walde und wegen eines im Jahre 1900 versuchten Sittlichkeitsverbrechens zu 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und zur Stellung unter Polizeiaufsicht. — Der Guurbinncr Mordprozcff durfte, wie ein Berichterstatter meldet, in der Revisions-Verhandlung beim Reichs-Militärgericht in diesem Jahre nicht mehr zur Verhandlung kommen. Aschaffenburg, 11. Nov. Wie s. Z. berichtet, geriet am 4. August er. im Gebirgsdörfchen Som merke hl die 29jähttge Ehefrau des Steinbrucharbeiters Hofmann mit ihrem betrunken ^eimgefommenen Mann in Streitigkeiten, bei welchem die junge Frau dem Mann die Schädeldecke zertrümmerte. Der Verletzte war nach vier Tagen eine Leiche. Die Frau wurde wegen Körperverletzung mit tätlichem Erfolg in den Anklagezustand versetzt. Tie besfallfige Schwurgerichtsverhandlung zu Würzburg enttoäte bezüglich des verstorbenen Mannes ein grauenhaftes Bild der ©e- mülsverrohung. Hofmann war ein ungemein brutaler Mcusch, der sich beim Ableben seines eigenen Vaters in unfläthigster Weise benahm, seine Niuller mit Vergiften bedrohte und sie schlachten und vierteilen wollte. Das Schwurgettcht ließ unter diesen Umständen Milde walten und verurteilte die Angeklagte zu nur einem SDlonat Gefängnis. Dieses Erkenntnis wird allenthalben mit Genugthuug ausgenommen. Wien, 13. 91od. Der Advokat Ritter v. Ofenheim wurde wegen Herausforderung des Bürgermeisters Lueger und des Bürgermeistechtellvertreters Neumaner zum Z w eikampf zu 1 Monat einfachen Kerkers verurteilt; v. Ofenheim meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Fabrik feuerfester und säurefester Produkte zu Bal- leudar a. Rh. Der Konkurs über bie Gesellschaft ist, wie bereits gemeldet, am 11. d. M. eröffnet worden. Zum Konkursverwalter ist Justizrat Sayn in Neuwied bestellt worden, dem ein Gläubiger- ausjchuß zur Seite gestellt ist, der aus Gerichtsassessor Dr. Nlosler, Syndikus der Berliner Handels-Gesellschaft, Bankier Eduard Marx in Bonn und dem Direktor der Bank für Rheinland und Westfalen Behrens in Köln besteht. Die Konkursforderungen sind bis zum 15. Januar n. I. bei dem Gerichte anznmelden. Zur Beschtuß- fassimg über die Beibehaltung des ernannten Konkursverwalters resp. die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausfcbusses ist ein Termin auf den 29. d. M. und zur Prüfung der Forderungen ein solcher auf den 18. Februar nächsten Jahres vor dem Amtsgericht in Ehrenbreit st ein anberaumt. Limburg a. d. L., 13. Nov. Fruch tmarkt. Durch- schnillspreise pr. Malter. Roter Weizen 13.80—00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00-00.00 Alk., Korn 10.19—00.00 Mk^ Gerste 9.01 bis 0.00 Mk., Hafer 7.15—0.00 Mk., Erbsen 00.00—00.00 Mk.. Kartoffeln 0.00—0.00 Mk. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben rmberüLfichtigt.) B. in E. Ter Kaiser hat das Reich völlerrechtlich zu net> treten, im Namen des Reichs Krieg zu erklären und Frieden zu schließen. Zur Kriegserklärung im Namen des Reichs ist bie Zustimmung bes Bundesrats erforderlich, es sei denn, daß ein Angriff auf das Bundesgebiet ober besten Küsten erfolgt. Meteorologische Beobachtungen _________der Station Gießen. November Barometer auf 0° reduziert c Q s w der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit -S ’C -2 Z •s 's Z Wetter 13. 2“ 730,5 + 9,3 6,8 78 8. 2 beb. pirnrnel 13. 9’6 728,4 + 8,8 7,9 54 am li 93 8. beb. pimmel 14. Höchste Niedrig 728,4 Tempc te 4- 7,7 ratur 65 '. bis sw. 13. No 13. „ 6 o. 4-r 4- 2 n ,1° c. 4° C. Ziehung 29. Novbr. u. folg. Tage7%^^ Telegr.-Adr.: Glücksmüllor. W W J W Loose bei hiesigen Verkaufsstellen oder General-Debit Lud Miillpr & Cn in Breitest. 5, LUU. muiier UU., Hamburg, gr. JohBnnlsstr.21. 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IIL Das Jahrhundert Ies« Hhciftt. Areitag, 18. IezemSer. IV. Jesus Hhrilius. Areitag, 10. Januar. V. Die Eroberung der Welt durch die Mrche. Areitag, 24. San. VL Aas Evangelium und die Aonfesfionen. Areitag 7. Aebruar. Aenderungen des Dalums der einzelnen Vorträge bleiben vorbehallen Karten für sämtliche sechs Vorträge ü 3 Mark^ Karten für einzelne Vorträge ä 75 Pfg., Studenten- und Schülerkarten ü 50 Pfg. sind zu haben in der I. Ricker'schen UnioeriUäts-Buch- Handlung und abends an der Kasse. 7326 Franzos. Vorträge und Rezitationen Mittwoch den 20., 27. November, 4. Dezember 1901, 15,22 , 29. Januar 1902 nachmittags 6—7 Uhr, in der kleinen Aula der Universität. Thema der Vorträge: a) L’esprlt de Voltaire. b) Voltaire et Frederlc II. c) Qu’est-ce que l’esprlt frai^ais? Thema der ersten Rezitation: Napoleon. 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