Nr. L4Ä 151. Jahrgang Zweites Blatt Dienstag 15. Oktober 1901 EietzenerAnzeiger GeneM-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit bem „Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprechanschlußNr.51. Annahme von 2ln$ctgtv zu der für den folgenoen Tag erscheinenden Nr, bis vormittags 10 Uhr Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen be§3n-unt Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Ps^ auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Dom südafrikanischen Kriege. Schon vor einigen Tagen wurde einem englischen Blatte gerichtet, daß Kommandant Scheepers, der Führer der am weitesten in der Kapkolonie vorgedrungenen Buren- abtellung, schwer erkrankt sei, unü nur zu Wagen seinen Leuten folgen könne. Am Snmstag nachmittag traf dann folgendes Telegramm ein, das wir alsbald durch Anschlag /bekannt gaben: London, 12. Oktober. Eine Depesche Lord Kitcheuers meldet: Die Kolonne des Generals French hat den Kommandanten Schcepers gefangen. Demnach -ist es also den Engländern gelungen, der Person -ihres gefährlichen Gegners habhaft zu werden. Welcher Erfolg diese Gefangennahme begleiten wird, ob vielleicht nun die Offensive der Buren in der Kapkolonie erlahmen wird, kann erst die Zukunft lehren. Es ist aber anzunehmen, daß dieser Kleinkrieg, der nun über ein Jahr dauert, auch die Unterführer bereits so weit herangebildet hat, daß sie jederzeit ein verantwortliches Kommando übernehmen können. Merkwürdig bleibt es aber, daß Kitchener den Umstand in seiner Depesche verschflveigt, daß Schlepers ein kranker Manu ist, der sich kaum noch sortschsleppen kann. Auf eine Entstellung der Wahrheit kommt es den Eng- Cänoern allerdings nicht an. Ein Telegramm des „Reuterscken Bureaus" sagt: Seit 5)em 15. September sind noch 18 Burenführer gefangen genommen und für immer aus Südafrika verbannt worden. Diesen Nachrichten steht aber eine den Engländern sehr unangenehme Meldung gegenüber. Botha hat, nach Reuter, den Baviaanfluß überschritten und marschiert gegen M rden. Es wird vermutet, daß er eine Abteilung entsandt habe, um einen für ihn bestimmten Transport zu eskortieren und daß diese Abteilung ostwärts marschiere. Ein Brüsseler Telegramm der „Morning Post'" aber besagt: Einer Depesche aus Lourenzv Marques zufolge hat Tewets Kommando seine Verbindung mit Bothas Streitmacht vollzo gen. In Barkly West wurde, so meldet Reuter weiter, ein $itm Tode verurteilter Farmer zu 10 Jahren Zwangsarbeit begnadigt, bei einem Farmer in Jaeobsdal wurde die Todesstraif'e s,n Deportation umgewandelt. Ein früherer 'Feldkorüet in Vryburg war zu 10 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden; die Strafe wurde aus 3 Jahre herabgesetzt. Die über einen Farmer in Vryburg verhängte Todesstrafe wurde in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt. Zwei junge Farmer, die zweimal zum Feinde übergegangen waren, wurden früh in Vryburg durch den Strang hingerichtet. In Worcester wurde ein Farmer zu einer Geldstrafe von 100 Pfund Sterling bezw. 9 Atonalen haft verurteilt, weil er aus seiner Farm Lebensmittel für mehr als 7 Tage hatte. Deutsches Keich. Berlin, 12. Okt. Die „Berl. N. N." schreiben: In französischen und englischen Blättern sind dieser Tage verschiedentlich Gerüchte über einen hoch g r ad i an erv ösen Zu st and des Kaisers verbreitet worden. Nach unseren, aus vollkommen zuverlässiger Quelle stammenden Informationen sind diese Ausstreuungen gänzlich ausderLuft gegriffen. Das Befinden des Kaisers, der in Hubertusstock zweimal des Tages auf die Pürsche geht, läßt nichts zu wünschen übrig. — Tie Genesung der Kaiserin macht langsame, aber stetige Fortschritte. Bisher konnte die hohe Frau allerdings das Zimmer nicht verlassen, jedoch wird man bei günstigem Wetter im Laufe der nächsten Woche an die erste Ausfahrt denken können. — Der Kaiser hat 87 Ordens -und Ehrenauszeichnungen an Offiziere und Mannschaften der bisher in China beim ostasiatischen Expeditionskorps kommandierten Marine-Infanterie verliehen. Hervorzuheben ist, daß Major v. Fo e r ste r, aggregiert dem 5. Garde-Regiment z. F., bisher im 2. Ostasiatischen Infanterie-Regiment, der bekanntlich mit seinem Bataillon den Heimweg über Triest und Wien zurückgelegt hat, den Orden pour le merite erhielt. Die Hauptleute Freyhold und Meister desselben Regiments erhielten die Schwerter zum Roten Adlerorden 4. Klasse, Hauptmann Fließbach vom gleichen Regiment den Roten Adlevorden 4. Klasse, der Gesandte in Peking Tr. Mumm v. Schwarzenstein den Kvonenorden 2. Klasse mit dem Stern. - In den Wirtschaftlichen Ausschuß sind folgende Herren als Mitglieder berufen worden: Kommerzienrat S e r v a e s in Ruhrort, Geh. Kommerzienrat «G o l d - 6 er g er in Berlin, Kommerzienrat Sey ff ar dt in Krefeld. Dem Vernehmen nach steht die Berufung eines weiteren Mitgliedes bevor. — Auf ein von über hundert Bäckermeistern unterzeichnetes Gesuch an den Vorstand deutscher Bäckerinnungen „Germania", doch endlich zum Ziolltarifentwurf Stellung zu nehmen, antwortete der Obermeister, der Vorstand bleibe bei seinem früher gefaßten Beschluß, die Zollfrage im Verbände nicht zur Erörterung zu bringen, zumal Sozialdemokraten und Freisinnige die Frage zu einer politischen „aufgebauscht" hätten. Uebrigens werde das Ausland den Zoll tragen. Die Meister wollen nun gegen diese Antwort Protest erheben. — Um Propaganda für die anarchistische Föde ra- tio n zu machen, sind für Berlin und Umgegend mehrere Vertrauensmänner ernannt worden. — Das neue Anar- chiftenblatt „Die Freiheit" ist wieder erschienen. Auch scheinen die Gelder in die Anarchistenkassen wieder reichlicher zu fließen. — Die hier tagenden Anarchistenklubs sollen fortan ständig polizeilich überwacht werden. — Die Neuerungen auf dem Gebiete des Personen- karifwesens im Eisenbahn.verkehr haben teilweise statt der seit Jahren angestrebten Verbilligung eine erhebliche Verkehrsverteuerung gebracht. Im Bezirk der Eisenbahndirektion Magdeburg sind etwa 230 verschiedene Fahrkarten um durchschnittlich etwa 21 Proz. verteuert worden. In den anderen Direktionsbezirken mögen ähnliche Verhältnisse vorliegen. Gegen diese Verteuerung des Verkehrs erhebt besonders die Halberstädter Handelskammer lebhaften Widerspruch — Tie Hauptversammlung der Korporation der Berliner Kaufmannschaft zur Beschlußfassung über die Umwandlung in eine Handelskammer war beschlußunfähig, da das erforderliche Drittel stimmfähiger Mitglieder nicht anwesend war. Daher wurde eine neue Versammlung auf 26. Oktober einberufen, deren Beschlußfähigkeit dann von der Zahl der Teilnehmer unabhängig ist. Wildpark, 12. Okt. Die Prinzen August Wilhelm und Oskar trafen von Plön hier ein und fuhren nach dem Neuen Palais. Gumbinnen, 13. Okt. König Oskar von Schweden und Norwegen hat dem Füsilier-Regiment Graf Roon ein Bild der Schlacht bei Swensksund (1790) als Erinnerung an die Teilnahme des alten schwedischen Regiments von Engekbrechten, des jetzigen Füsilier-Regiments Graf Ro>on, geschenkt. Breslau, 13. Okt. (Hauptversammlung des Evangelischen Bundes.) Die Schluß-Versammlung war wiederum überfüllt. Der Vorsitzende, Graf Wintzingerode verlas das Telegramm des Kaisers, das einen kurzen Tank für die Begrüßung enthält und brachte ein Hoch auf Seine Majestät aus. — Pastor Lic. Hofsmann (Breslau) warf einen Rückblick auf die Verhandlungen. Den Gästen rief er ein Abschiedswort zu. — Konsistorialrat D. Leutschner (Wanzleben) sprach über den protestantischen Charakter des neuen Testaments. — Pfarrvikar Schiefermann zeichnete ein sehr lebendiges Stimmungsbild von der evangelischen Bewegung in Oesterreich und dankte dem Evangelischen Bunde, der dabei gleichsam die Rolle des Proviantmeisters spiele. Ein sehr kräftiges Schlußwort hielt noch Superintendent Meyer (Zwickau). 1813 ging von Breslau aus der Ruf des Königs an sein Volk zur Erhebung aus politischer Knechtschaft. Möge der Ruf des Bundes zum Kampfe gegen den Romanismus gleichen Erfolg haben. Der Redner warnte vor Geschäften mit dem Zentrum. Denn bas Zentrum sei zwar nicht der Kaufmann von Venedig, wohl aber der Kaufmann von Rom, der auch ein Pfund Fleisch herausschneiden möchte, das zunächst dem Herzen des deutschen Volkes. Die Versammlung sang zum Schluß „Nun danket alle Gott!" Ausland. Brüssel, 12. Oktbr. Einem dem „Soir" zugegangenen Privatbriefe zufolge ist die Abteilung des Majors Malfeyt mit den aufständischen Bateteles im Bezirk Katanga nahe dem Kisatesee, zusammengestoßen, hat dieselbe in die Flucht gejagt und verfolgt sie in der Richtung des Lomamiflusses. Lüttich, 13. Oktober. Der sozialistische Abgeordnete Smets, der gestern während der Gemeinderatssitzung von dem liberalen Mitgliede Lamblotte beschimpft wurde, stürzt« sich auf diesen und ohrfeigte ihn. Es kam zwischen den Freunden der beiden zu einem förmlichen Handgemenge und es mußte die Sitzung aufgehoben werden. Paris, 3. Okt. Das „Journal offiziell" meldet, daß die Generale Darras, Mourlan, Mensier und Admiral Puech zu Mitgliedern des Rats der Ehrenlegion ernannt worden find an Stelle der Mitglieder, die ihre Entlastung eingereicht haben. — Nachdem der Budget-Ausschuß verschiedene Ersparnisse durch Streichung von Krediten gemacht hat, ist das Defizit des diesjährigen Budgets auf 50 Millionen herabgedrückt. Wien, 12. Oktober. Höchste Ueberraschung ruft heute Abend hier die offizielle Ankündigung der Verlobung der Erzherzogin Elisabeth Marie mit dem Prinzen Otto Windischgrätz hervor. Die Erzherzogin ist 18, der Prinz 28 Jahre alt. Es ist ein Liebesbund, der hier geschlossen wird. Schon während der verflossenen Faschings wurde bei Hofbällen bemerkt, daß die Erzherzogin dem Prinzen ihre Neigung zuwendet. Es ist das erste Mal, daß eine geborene österreichische Erzherzogin das Mitglied einer nichtsouveränen Familie und einen österreichischen Unterthan in vollgiltiger Ehe heirathet. Prinz Otto stammt nicht aus der Hauptlinie des Hauses Windischgrätz, die in Böhmen reich begütert ist, sondern aus der zweiten Linie, welche die Herrschaft Hansberg in Krain besitzt. Sein Vater ist Prinz Ernst Windischgrätz, Oberst a. D., bekannt als eifriger Numismatiker und durch prähistorische Forschungen. Die verstorbene Mutter des Prinzen Otto war eine geborene Prinzefin Oettingen. Prinz Otto ist Ulanen-Oberleutnant. Aus gut unterrichteter Quelle verlautet hier, daß, als die Erzherzogin vor zwei Jahren in die Gesellschaft eingeführt wurde, sie schon damals dem Prinzen ihre Neigung schenkte. Seit jener Zeit verfiel die Erzherzogin in Schwermuth. Das war der Grund, warum die Mutter, jetzige Gräfin Lonyay, vor einigen Monaten plötzlich zu der Tochter reifte. Auf Anrathen der Mutter suchte vorgestern die Erzherzogin den kaiserlichen Großvater auf und gestand ihm ihre Neigung. Der Kaiser willfahrte dem Wunsche der geliebten Enkelin und gab heute seine Einwilligung. — In einer scharfen Rede tadelte Bürgermeister Dr. Lueger gestern die Bischöfe, die die Religion, um derentwillen sie doch da seien, zu wenig verteidigten. Pflicht des Staates sei, gegen die „Los von Rom"-Bewegung und ihre Förderer, die an dem Bestände des Staates rüttelte* und offenen Hochverrat übten, mtt aller Entschiedenheit aufzutreten. Durch die Abfallbewegung solle darauf hin- gearbeitet werden, daß Oesterreich vom deutscher Reiche lichter verspeist werden könne, da doch das deutsche Parlament es nicht vertragen würde, wenn aus Oesterreich Schwarze und Rote, gemischt mit Slaven, ein< zögen. Belgrad, 13. Okt. Don Paris aus wurden in de» letzten Woche an viele Angehörige der vornehmen Welt in Biarritz und Madrid anonyme Briefe versandt, worir mitgeteilt wurde, die Königin-Witwe Natalie habt sich schon vor Monaten heimlich miteinemspanischer Edelmanne verheiratet und wolle diese Verbindung jetzt öffentlich vollziehen lassen. Der in den Briefen genannte Spanier shammt aus einer altberühmten Familie, genießt jedoch infolge einiger dunkler Spieleraffairen einer recht zweifelhaften Ruf. Mau nimmt deshalb an, daß du Ausstreuungen von den Feinden der Königin-Witwe an* hiesigen Hofe ausgehen und daß sie kaum irgend einer thatsächlichen Untergrund haben. Sofia, 12. Okt. Hier eingelaufenen Berichten zufolgr wird, wie es heißt, die amerikanische Missionarin <5tont in Gyultepe in der Nähe von Jakoruda an der türkisch- bulgarischen Grenze verborgen gehalten. Die Räuberbande wird von türkischen Truppen eingeschlossen, die jedoch aus Rücksicht auf die Sicherheit des Ledens der Missionarin nicht vorrücken. Die Bande verlangte, daß das Lösegeld in Samakof (Bulgarien) erlegt werde. Ein nach Sofie gekommener bulgarischer Pferdetreiber, welcher Augenzeug« des Ueberfalles war, wurde auf Verlangen des amerika- Nischen Konsuls als der Mitschuld verdächtig verhaftet. Saloniki, 13. Okt. Der franzö sische Vize- konsul in Monaftir wurde gestern von türkischen Soldaten angegriffen. Die Schuldigen wurden sofort verhaftet und ms Gefängnis gebracht. Der Militärkommandant begab sich zum Vizekonsul, um demselben seine Entschuldigung auszusprechien. Baltimore, 12. Okt. Ter hiesige Bezirksgerichtsho) hat entschieden, daß der dem aus Rußland importierten Zucker auferlegte Zollzuschlag auf gesetzlicher Grundlage beruhe, da nach seiner Ansicht die Angebote, welche die russische Regierung den Raffinerien mache, gleichbedeutend mit Prämien seien. New-York, 12. Okt. Eine Depesche aus Willemstad meldet, daß die Venezolaner sich an verschiedenen Punkten der Halbinsel Goajira verschanzt hätten. Es herrsche große Unordnung. Die Venezolaner seien ohne Intendantur und lebten von Requisitionen im Lande, sodaß dasselbe verödet sei. Die Indianer, die gegen die Venezolaner wegen ihrer Grausamkeit erbittert seien, hätten die von ihnen gefangenen Venezolaner entsetzlich verstümmelt. — Nach einer anderen Depesche blockieren kolumbische Rebellen Funweo an der parisischen Küste. Schwurgericht. m. Gießen, 14. Oktober. Schluß der Verhandlung gegen Witwe Lisette Sch nei- der und August Schneider wegen Mordes. Nach der Vernehmung der Schneiderschen Kinder erklär» der Staatsanwalt, es sei ihm mitgeteilt, daß auf die Kinder der angeklagten Schneider vorher, ehe sie zu ihrer Vernehmung in den Saal getreten seien, eingewirkt worden sei und daß nach der Vernehmung Franz Schneider dem kleinen Wilhelm gedroht habe, ihn zu schlagen. — Wilhelm Schneider giebt an, seine Tante habe ihm draußen gesagt, er hätte zu viel gesagt, und die Schwester Anna habe sich geäußert, er hätte gelogen. Auf Antrag des Staatsanwalts wird Pfarrer Bern deck von Staden aus dem Zuhörerraum als Zeuge vorgerufen und vernommen. Dieser deponiert, nach seiner besten Ueber- zcuglmg könne er sagen, das, was Anna heute ausgesagt habe, sei gelogen. Des Weiteren macht der Zeuge von seinem Rechte Gebrauch, über das, was er als Seelsorger in der Angelegenheit erfahren, die Aussage zu verweigern. Die Faust Eheleute haben oft gehört, wie die Schnei- der die alte Frau mit rohen Worten geschimpft und geäußert hat, die Alte sei nichts mehr wert. Die Verstorbene habe häufig gesagt, „sie bringen mich noch um", an Selbstmord habe diese nie gedacht. Oberamtsrichter Pullmann von Altenstadt schildert die erste von ihm vorgenommene Leichenschau. Er habe annehmen müssen, es liege Selbstmord vor. — Gerichtsassessor Delp hat in Gegenwart des Arztes die zweite Leichenschau vorgenommen, bei der sich ebenfalls kein Verdacht schöpfen ließ, daß möglicherweise ein Verbrechen verübt sei. Erst als er im Orte selbst Vernehmungen vornahm, ergaben sich Verdachtsmomente. August Schneider wurde als verdächtig, von der That zu wissen, festgenommen. Es sei richtig, daß August Schneider darauf gedrängt habe, aus der Haft entlassen zu werden, und seine Mutter belastet habe, die dann ebenfalls verhaftet wurde, mit auffälliger Ruhe habe diese jede Schuld von der Hand gewiesen. Witwe Reichhold bestätigt die lieblose, rohe Behandlung der alten FraL. Sie hat gehört, wie die Angeklagte Reden gegen die Verstorbene geführt hat wie „Mach' dich fort, du altes Tier, ich bringe dich noch um", oder „ein Messer her, ich schneide dir den Hals ab". Die Zeugin ist der Ansicht, die alte Frau sei viel zu schwach gewesen, um einen solchen Selbstmord ausfübren zu können. Der Verteidiger erklärt, er müsse dagegen protestieren, daß hier von Laien über medizinischen Dinge, von denen sie gar nichts verstünden, Urteile abgegeben würden, durch die bei den Geschworenen eine falsche Vorstellung erweckt werden ^önne. Zw-ei Gendarmen des Bezirks, die beim dritten Augenscheintermin zugegen waren, bekunden im wesentlichen, daß eine an der Holzbekleidung vorgefundene Blutspur den Abdruck der Hand der angeklagten Frau Sch. sei. Die an- geftellten Versuche hätten dies unzweifelhaft dargethan, denn die Sch. habe eine ganz eigentümliche Fingerstellung. Ebenso bezeugen die Gendarmen, daß die aufgefundene blutige Fußspur im Zimmer der Verlebten genau zum Stiefel der Sch. gepaßt habe. Was den Rock betrifft, den die Sch. am Tag der That getragen, erklären die Gendarmen an Hand einer Photographie, daß man das Experiment gemacht habe, der angeklagten Sch. den Rock anzuziehen und sie darin an den Rand des Bettes zu stellen, der von Blut frei war. Es ergab sich, daß die Person der Sch, den blutfteien Raum genau deckte und daß die Flecken am Rock genau die Fortsetzung des Blutstreifens am Bettrand bildeten. Der eine Gendarm erinnerte sich, daß eines der Geschwister des August ihm mitgeteilt hat, dieser habe am Tage der That einen blauen Anzug getragen. Weller geben die Gendarmen an, daß trotz sorgfältigen Forschens weder im Hausgang noch in der Küche des Schneider'schen Hauses eine Blutspur gefunden wurde. Der Gefängniswärter von Altenstadt erklärt, er habe alles gethan, um den Verkehr der beiden Angeklagten während der Inhaftierung zu verhindern, trotzdem hätten diese Gelegenheit gefunden, sich zu verständigen. Es liege dies an den baulichen Verhältnissen. Frau Schneider habe -ihm gesagt, er solle den blauen Anzug des August holen lassen, da würde es sich ja zeigen, daß Blutspuren daran seien, denn er habe diesen Anzug an dem Sonntag getragen. Die Angeklagte Sch. erklärt, sie hätte nicht dem Zeugen, sondern seiner Frau gegenüber geäußert: „Lassen Sie den blauen Anzug holen. Diesen hat August angehabt, und wenn er es ,gethan hat, müssen ja Blutspuren daran zu finden sein." (Diese Angabe findet ihre Bestätigung bei ber späteren eidlichen Vernehmung der Frau des Gefängniswärters.) Hierauf wird Amtsrichter Neuen Hagen vernommen, Her die Sache als Untersuchungsrichter behandelt hat. Er giebt ein klares Blld aller Momente der Voruntersuchung. Besonders eingehend spricht er über das Geständnis der Frau Schneider, welches diese gleich wieder zurückgenommen hat. Medizinalrat Dr. Lorenz erklärt als Sachverständiger, 'daß die Art der Wunde an der Leiche der alten Frau nicht beurtellen lasse, ob Selbstmord oder ob ein Verbrechen begangen sei. Es fei. außer Zweifel, daß die zwar schwache Frau doch im Stande gewesen sei, einen Selbstmord auszu- fführen. Die Verletzung sei mit einem einzigen Schnitt aus- lgeführt. Die Verlebte sei mit der Wunde höchstens noch 1 bis lx/2 Minuten bei Besinnung gewesen. Er hält es für unmöglich daß sie mit der Wunde am Arm noch in der Lage -gewesen sei, in die Küche zu gehen. Der Vorsitzende erklärt die Beweisaufnahme für geschloffen und bemerkt zur Fragestellung, daß der Gerichtshof beschlossen chabe, von Amtswegen für jeden der Angeklagten 3 Haupt- ff ch u l d fr a g e n zu stellen und zwar wegen der Lisette Schneider :auf Mord — im Fall der Verneinung des Vorliegens von Mord aufTodtschlag und falls die Geschworenen auch diese Frage nicht bejahen können, auf Körperverletzung. Betreffs des August ^Schneider sind analog der Schuldftagen gegen seine.Mutter ;bie 3 Hauptfragen auf Gehilfenschaft durch die That gerichtet. In jedem Falle ist die Nebenftage gestellt, ob der noch nicht '16 Jahre alte Angeklagte die zur Erkenntnis der Strafbarkeit ffeiner Handlung erforderliche Einsicht besessen habe. Land- ^gerichtsrat Müller wendet sich an die Geschworenen und erklärt, daß der Gerichtshof durch diese Fragestellung nicht etwa seiner Ansicht habe Ausdruck geben wollen, daß die That sich nicht als Mord oder nicht als Todtschlag qualifiziere, es sei Sache der Geschworenen, nicht des Gerichtshofes darüber urteilen. Auf Antrag des Rechtsanwalts Raab wird da, wo es mach dem Gesetz zulässig ist, für beide Angeklagte die Frage nach mildernden Umständen gestellt. Staatsanwalt Zimmermann ergriff darauf das Wort izur Begründung der Anklage (der große Schwurgerichtssaal ist mit Zuhörern angefüllt, ebenso die Tribüne, die für Frauen reservirt ist): Das schwerste Verbrechen ist begangen worden, ein Mord. Es handelt sich um Leben und Tod. ?Wir wollen uns alle der Verantwortung voll und ganz bewußt sein, die auf uns ruht. Er verlange von den Geschworenen den Mut der Ueberzeugung, auch dem schwersten Verbrechen die entsprechende Sühne zu gewähren. Staats- Anwalt Zimmermann zieht dann Punkt für Punkt der Beweisaufnahme heran. Er zeigt den Geschworenen das blutgetränkte Hemd der Verlebten und kommt in seiner Inständigen wuchtigen Rede zu dem Schluß, daß die angeklagte Schneider ieinen Mord begangen habe, wozu ihr Sohn August Beihilfe geleistet. Der Verteidiger Rechtsanwalt Raab erklärt, er wolle Micht mit der Leidenschaft wie der Staatsanwalt die Sache ^behandeln, er bitte die Geschworenen, ohne Voreingenommen- !hett die einzelnen Momente der Anklage zu prüfen, man werde bann zu bem Schluß kommen, baß kein Verbrechen, sondern nur ein Selbstmord vorliege. Es sei seine Ueberzeugung, beide Angeklagte seien unschuldig. Der Verteidiger geht auf eine Reihe von Indizien ein, die der Ankläger als Beweise für die Schuld vorgebracht hat und sucht sie zu entkräften. 'Die Bilder bewiesen gar nichts. Auf das, was die Schneiders Kinder sagten, könne man nichts geben. Staatsanwalt Zimmermann erklärt, er hätte nicht noch einmal das Wort ergriffen, wenn der Verteidiger es nicht unterlassen hatte, sich über die Schuldfrage des Totschlages und der Körperverletzung mit tötlichem Erfolg zu verbreiten, wie er es erwartet habe. Eingehend würdigt der Ankläger alle Momente, die die einzelnen Verbrechen von einander unterscheiden, und bittet zum Schluß noch einmal, die Frage wegen Mordes, und gegen August Schneider wegen der Bei- "W zu dem Verbrechen zu bejahen. Der Verteidiger erklärt, daß es nach dem Gesetz nicht seine, sondern des Herr»: Vorsitzenden Aufgabe sei, die Rechts- belehrung zu erteilen. Es folgt die Rechtsbelehrung, worauf sich die Geschworenen zur Beratung zurückziehen. Nach etwa 40 Minuten erscheint die Jury wieder im Saal. Kaufmann Zimmermann erklärt als Obmann, die Geschworenen seien zweifelhaft, ob sieben Stimmen mit „ja" bei Abstimmung über eine Hauptfrage schon eine Verurteilung bedeuteten. Der Vorsitzende verneint dies und erklärt, in dem Falle müsse die Frage verneint werden. Nach nochmaliger Zurückziehung verkündet der Obmann den Wahrspruch, der sämtliche Schuldfragen für beide Angekagte verneint, worauf die Freisprechung erfolgen mußte. Aus Stadt und Zand. (Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, den 14. Oktober 1901. ** Zur Virchowfeicr. Auch der hiesige freisinnige Verein hat Virchow seine Glückwünsche dargebracht. Wie wir erfahren, hat er ihm durch den Vorstand ein Glückwunschtelegramm übermitteln lassen. ** Unser Stadttheater, das diesmal seine Spielzeit unter besonders günstigen Auspizien begonnen hat, wurde leider soeben von einem schwerwiegenden Verluste heimgesucht. Wie wir hören, ist Herr de Giorgi, unser hochbegabter Charakterdarsteller, dessen Shylock wir nicht so bald vergessen werden, zur Ableistung seiner milttärischen Dienstpflicht nach Frankfurt einberufen worden. Wir bedauern seinen allzu schnellen Fortgang lebhaft und können unserer Theaterdirektion nur wünschen, daß es ihr recht bald gelingt, einen vollgültigen Ersatz zu finden. Herrn de Giorgi aber hoffen wir, sobald als es ihm möglich ist, wiederzusehen. ** Aus dem Theaterbureau. Als erste volkstümliche Vorstellung zu kleinen Preisen geht am Dienstag Lessings „Minna von Barnhelm" in Szene. Leo Tolstoi's fünfaktiges Drama „Die Macht der Finsternis" wird als nächste Novität dieser Saison hier am kommenden Freitag zur Aufführung gelangen. ** Theatervereiu. Carl William Büller, der allbeliebte Komiker, wird Gießen auch in diesem Winter einen Besuch abstatten. Der Theaterverein hat ihn zu einem einmaligen Gastspiel gewonnen, das zwischen dem 11. und 13. November stattfinden soll. Die Entscheidung zwischen diesen drei Tagen folgt in Kürze. Herr Büller wird in demjenigen Stück auftreten, das erst durch ihn zur Aufnahme in die Nepertoirs aller Bühnen kam, in Gerhard Hauptmanns „Biberpelz" als Amtsvorsteher v. Wehrhahn. Das Büller'sche Gastspiel fällt in die 2. Vorstellung. (Die erste ist am 31 Oktober). ** Das gestrige Konzert der Bockenheimer Hu- saren-Kapelle in Stein's Saalbau war, wie man uns schreibt, sehr gut besuche, galt es doch, das 25 jährige Diensv- jubiläum des Dirigenten E. Hecht zu feiern. Hecht, der seit 16 Jahren öfter hierherttimmt, hat sich hier recht beliebt gemacht, und was die Kapelle leistete, war vorzüglich. Durch, rauschenden Beifall, der seinen Höhepunkt erreichte, als Herrn Hecht ein Lorbeerkranz überreicht wurde, dankte das Mblikum für die Darbietungen. Herr Hecht reoanchierte sich, durch verschiedene Einlagen. Baldiges Wiedersehen war der Wunsch vieler Konzertbesucher. ** Der Kaufmännische Verein Gießen beging am Samstag abend in Stein's Saalbau die Feier ber 28. Wiederkehr seines Stiftungstages. Die Teilnehmer an dem Feste hatten sich so zahlreich, eingefunden, daß der große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Bockenheimer Hu- saren-Kapelle unter der Leitung des kgl. Musikdirektors Hecht, deren Darbietungen so reichen Beifall fanden, daß sie des öfteren Stücke einlegen mußte. Zur weiteren Unterhaltung hatte man Fr. Leonie v. Bodenhausen-Satory und Bodo v. Badenhausen aus Kassel gewonnen. Die erstere trug den ersten Akt des Rosmer'schen Märchiendramas „Königskinder" vor. Sie zeigte, daß sie die Kraft der Rezitation in reichem Maße beherrscht. Noch größeren Eindruck hätte sie allerdings wohl erzielt, wenn sie hier und dajetwas langsamer gesprochen hätte. Einen ebenbürtigen Partner hatte sie in dem Schriftsteller Bodo v. Bodenhausen, der eine Anzahl mundartlicher und Scherz-Dicht- ungen vortrug. Beiden zollte man vielen Beifall. Den Schluß des wohlgelungenen Festes bildete ein Ball, dem die Jugend bis zum beginnenden Morgen auf das eifrigste huldigte. Am Sonntag nachmittag unternahm der Verein einen Ausflug nach dem Windhof. In der fröhlichsten •Stimmung blieb man hier bis zum späten Abend zusammen und ließ sich selbst dadurch nicht stören, daß die Beleuchtungsanlage nicht richtig funktionieren wollte, sodaß man teilweise Kerzenlicht benutzen mußte. ** Stiftungsfest. Im Saale des Cafe Leib feierte der Verband ber Schneider unb Schneiberinnen am Samstag sein 13. Stiftungsfest. Auch aus Wetzlar hatten sich mehrere Mitglieber eingefunben. Die theatralischen Aufführungen verliefen aufs schönste und fanben reichen Beifall. Mit bemselben Beifall würbe bas Kauplet „Die Schusterjungen" ausgenommen. Daran schloß sich ein Tänzchen, bei ber bie Festteilnehmer bis zum frühen Morgen sich vergnügten. Am Sonntag mittag 4 Uhr erfolgte ein Ausflug nach ben Vier Jahreszeiten. Als ein Zeichen für bas Blühen unb Gedeihen der hiesigen Filiale des Verbandes mußte man die zahlreiche Beteiligung sowohl am Samstag wie am Sonntag ansehen. Auch am Sonntag waren sämtliche Räume des genannten Lokals voll besetzt. In ungetrübter Heiterkeit verbrachten die Teilnehmer an dem Ausflug hier einige Stunden, bis bie hereinbrechende Dunkelheit zur Heimkehr mahnte. ** Der Rad-Klub „Germania" feierte gestern bei schönem Wetter und zahlreichem Besuch sein 2. Stiftungsfest im Schützenhaus. Eingeleitet wurde die Feier durch ein Straßenrennen, das morgens 9 Uhr ausgefahren wurde und folgendes Ergebnis hatte: I. Fahren um die Klubmeisterschaft: 1. H. Genies, 2. Bauer, 3. Sauer; II. Fahren um ben Wanderpreis, gest. v. Ad. Denninghoff: 1. Genies, 2. Bauer, 3. Hoß, 4. Thomas; III. Trostfahren: 1. Marx, 2. L. Muhl. Mittags vereinigten sich aitt Mitglieder nebst Freunden und Gönnern des Klubs wiederum im Schützenhaus, wo bei einem fröhlichen Tänzchen die Feier ihren Abschluß fand. — Der Klub beteiligte sich, im verflossenen Jahre an 6 Preiskonkurrenzen. Fünfmal ging er als Sieger mit 3 ersten^ 1 zweiten und 1 dritten Preise hervor. Das Vereinslokal befindet sich von heute ttb nicht mehr im Cafe Am end, sondern im Postkeller. ** Stiftun g s f e st. Am verflossenen Samstag beging die Freiwillige Gail'sche Feuerwehr ihr 46- jähriges Stiftungsfest durch Konzert, Gesang, Theater und Tanz tn der geräumigen, vk§ aus den letzten Platz gefüllten Turnhalle an der Nordanlage. Die Vertreter von Staat und Stadt, die befreundete Freiwlllige städtische Feuerwehr, sowie der Bauer'sche Gesangverein waren der an sie ergangenen Einladung bereitwilligst gefolgt. Das Programm brachte Liedervorträge des Bauer- schen Gesangvereins, unter Leitung des Herrn Polster, Theater, Marmorgruppen und Musikvorträge, unterbrochen von Ansprachen, von denen wir nur die der Herren Regierungsrat Dr. Böckmann, namens der Großh. Regierung, Kommerzienrat Heichelheim, namens des Stadtvorstandes, Branddirektor Traber und Kommerzienrat Gail erwähnen. Die Gäste und Kameraden der beiden Wehren waren bis zur Mitternachtsstunde vereint, von wo ab der Tanz in seine Rechte trat. Daß ber Bauer'sche Gesangverein mit seinen Chören auch hier wieder nicht wenig zum Gelingen des schönen Festes beigetragen hat, sei noch ganz besonders hervorgehoben. **DieWinter-Taschenfahrpläne des Gießener Anzeigers gelangen infolge Aufstellung neuer Maschinen in der Brühl'scheu Druckerei diesmal leider verspätet zur Ausgabe. In der Stadt werden dieselben mit der heutigen, auswärts mit der morgigen Nummer verteilt. ** Der Alice-Frauen-Verein für die Krankenpflege (Rotes Kreuz) im Großherzogtum Hessen hielt gestern nachmittag im Saale der „Vereinigten Gesellschaft" in Darmstadt unter dem Ehrenvorsitz der Prinzessin! L'udwig von Battenberg sowie zahlreicher Ehrengäste und Mitglieder seine diesjährige 15. General v er-, s a m m l u n g ab. Polizeirat Dr. Kratz leitete die Verhandlungen und erstattete den Hauptberrcht, aus dem hervorgeht, daß in Darmstadt, Mainz, Offenbach Gießen, Friedberg, Bad-Nauheim, Langen, Alzey, Oberramstadt und Framersheim zusammen 68 Schwestern und 12 Lehrschwestern sowie eine große Anzahl Pflegerinnen tljätig sind. Der Verein steht auch in engster Fühlung mit allen die gleichen Ziele verfolgenden deutschen Verbänden. Er hat im Frieden gute Erfolge erzielt und auch für einen Kriegsfall alle Vorbereitungen getroffen. — An Stelle des verstorbenen Geh. Med.-Rats Dr. E i g e n b r o d-Darmstadt hat Polizeirat Dr. Kratz die Geschäftsführung übernommen. — Die Gesamtzahl der Mitglieder ist in 14 Vereinen erfreulicherweise gewachsen. Besonders erfteulich ist die Neuerstehung des Zweigvereins Gießen mit 191 Mitgliedern begrüßt worden. Darmstadt zählt gegen 600, Offenbach 562, Alsfeld 301, Bad-Nauheim 200, Büdingen 162, Butzbach 281, Friedberg 237 und Lich 160 Mitglieder. Aus den Geschäftsberichten ist ersichtlich, welche außerordentlichen Leistungen und Erfolge erzielt werden. In den Verhältnissen der Vereine Reinheim, Gr.-Bieberau, Rüsselsheim und Schotten hat sich nichts wesentliches geändert. — Der Schatzmeister Geh. Obersteuerrat 'Dr. Lauer erstattete den Kassenbericht, der ein günstiges Resultat ergiebt, obwohl man ca. 50 000 Mk. für den Bau eines Pflegerinnenheims verwandt habe und auch die Jahresbeiträge zurückgegangen sind. Es sind an Grundbesitz und Barvermögen ca. 200 000 Mk. vorhanden. Dem Rechner wird unter Dankes- worten Entlastung erteilt. Es folgt ein Spezialbericht der Vorsteherin des Alieehospitals; es sind in den letzten zwei Jahren ca. 2000 Kranke gepflegt worden. Allen Aerzten und den Spendern wird Dank ausgesprochen; den Schwestern Engel und Fuchs ist für 20jährige Thätigkeit das goldene, den Schwestern Erbes und Mühler für 15jährige Thätigkeit das silberne Kreuz verliehen worden. 15 Schwestern erhielten für zweijährige Thätigkeit ein Diplom. In ber Kinderkrippe sind 79 Kinder verpflegt worden. Geh. Reg.-Rat v. Zangen berichtet über die Waisenpflege, der Polizeirat Dr. Kratz über die allgemeine Kinderpflege, Reg.- Rat Wick über den freiw. Erziehungsbeirat, in dem ca. 40 ’ Damen und Herren thätig sind. In der Fürsorge für schulentlassene Waisen war der Verein besonders thätig. Zum Schluß giebt der Vorsitzende noch den Bericht des Aliee- Vereins für Ueberwachung von Pflegekindern in Mainz, der unter der Leitung der ‘ Frau Landgerichtsdirektor io cE en Beim e r steht. Der Verein überwacht gegen 160 Pflegekinder. Das Vermögen betrug am 1. April 1901 320 Mark. Zu bemerken ist noch der fortwährende Zugang von Pflegekindern. Hierauf wurde die Versammlung im Namen der hohen Präsidentin geschlossen. ** Der katholische Gesellen verein feierte am Sonntagabend in Steins Garten unter zahlreicher Beteiligung sein 4. Stiftungsfest. Kaplan Dr. Friedrich begrüßte in einer Ansprache die erschienenen Gäste. Er betonte den segensreichen Zweck des Vereins, der in der kurzen Zeit seines Bestehens mächtig emporgeblüht sei, und forderte die Vereinsmitglieder auf, dem Verein treu zu bleiben und für feine weitere Ausbreitung zu wirken. Nach einigen Vorträgen eines Musikkorps wurde eine kleine Posse, „Ein Ehemann in der Wolle", gespielt. Tie beiden Spielenden gaben das junge Ehepaar, das darin auftritt, so naturgetreu wieder, daß sie des öfteren förmliche Lach? salven unter den Zuschauern hervorriefen. Nach dem meisterhaft vorgetragenen Couplet „Mein internationales Warenhaus" und einigen Musikpiecen wurde abermals ein Theaterstückchen aufgeführt und zwar das hübsche Moser'sche Lustspiel „Die Versucherin". Auch hierin gaben sich die Spieler die größte Mühe, ihre Rollen möglichst natürlich zu geben, und man muß anerkennen, daß es ihnen meist gelang. Der heitere Inhalt des Stückchens, die darin vor- tommeuben Verwechselungen wirkten so auf bas Publikum, baß es aus bem Lachen saft nicht herauskam. Das Couplet „Eine Reichstagssitzung" bilbete ben Schluß ber unterhallen- ben Aufführungen. Es folgte ein Ball, bei bem sich die Anwesenden bis spät in die Nacht hinein vergnügten. ** Die Verwaltung der Biberthalbahn beabsichtigt, wie mir hören, den aus unserm Lese-Publikum laut gewordenen Wünschen nach zweckmäßiger Abänderung des Winterfahrplans zu willfahren U. a. sollen die beiden ausgefallenen Züge wieder eingelegt werden. •* Zuviel des Guten. Eine hiesige Frauensperson hatte gestern Abend, was sie des öfteren zu thun pflegt, einmal des Guten zu viel gethan. Durch den zu reichlichen Genuß ihres Lieblingsgetränkes wurde sie in eine überaus fröhliche Stimmung versetzt, der sie auf dem Neuenweg und Kreuzplatz durch lautes Schreien Ausdruck gab. Da alle Vermahnungen des hinzukommenden Schutzmannes fruchtlos waren, mußte sie nach dem Haftlokal gebracht werden. Auf dem Wege dort widersetzte sie sich dem sie transportirenden Schutzmann. Sie konnte nur mit Hilfe hinzugekommener Personen, ins Arresthaus verbracht werden. § Butzbach, 13. Okt. Heute früh gegen 4 Uhr wurde auf der hiesigen Station bie Leiche des aus bem benachft barten Espa gebürtigen Chmakämpfers Philipp Weil/ ber am 9. dem Typhus im Lazarett bei Bremen erlag, abgeholt. Nachmittags fanb in Espa unter großer Beteiligung der Gemeind»» Äie Beerdigung des so jung Dakfin-i gefaßte Ne Uen Ber nach CL'9al Geh. Reg Köhler et dere ihre' stimmte Oroßh. - fischen Lc bie Ro! Handel puf die ! F. J Aückssal Ehefrau abend y leit fcö stnst 61' Neider suchte d Md liej Kn Naci Iber Ann S getan ferau so' Aufionm cs KS rj r° feilte tzMer " Köhl-", Pfarrer ■ Bauern^ W Bun! Grosch' ieiw, >°" w Sllld« HÄdM dl (ung d--' Hanl * auf dem heftig a leicht ve zosen. 'S- Graf be l mit feinem P gelange Mäiw w getroffen, Moje, i *3 Knöpfen Neger is packte; Czolg wie am verlauf sowie ei wohnen werden, kauft i fünfzig verschaä ganze 2 _ Gri tWkks UOO Wj» iji“; W x iis S’H alten Hi b»rt gt| -Lapelen ward- wenüet. dem Me Grab qe dessen^ gewandt umgesta des früh, Mr Ori Achters 'eld gebo war seit w Elben d« tlem, gewann. Morien, heute vormittag Zug stieß so sieben Personen Vermischtes. * Paris, 13. Okt. Ein aus Köln -auf dem hiesigen Nordbahnhof eintreffender Heftig auf den Prellbock auf, daß dadurch Schiffsnachrtchten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 10. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schuellpostdampscr „Lahn", Kapt. R. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, tft heute 5 Uhr morgens wohlbehalten in New-Pock angekommen. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Attenstein, 14. Okt. Ein Großfeuer im Dorfe Landau äscherte 13 Wohnhäuser und 4 Wirtschaftsgebäude ein, 17 Familien haben ihre Habe verloren und sind obdachlos. Zwei Kinder sind vermutlich verbrannt. Stuttgart, 14. Okt. Der bekannte Verlagsbuchhändlcr Kommerzienrat Engel Horn stürzte gestern vom Rade. Er wurde bewußtlos nach Hause gebracht. Sein Befinden ist heute zufriedenstellend. Sein 9lame und seine Wohnung konnten nur durch die Nummer des Rades festgestellt werden. Paris, 14. Okt. Bei dem Referendum der Bergarbeiter in Pas de Calais wurden 9331 Stimmen für und 5832 gegen den Eesamtausstand abgegeben. Paris, 14. Okt. Der Bergarbeiterausstand ist für den November feststehend. Das Militär hat scharfe Instruktionen erhalten. Marseille, 14. Okt. lieber die Fahrt des Luftballons, in dessen Korb sich Graf de la Vaul, Casttllon de St. Victor, Ingenieur Hervier und Schiffsleutnant Tw- rissier befinden, liegt folgenden Meldung vor: Der Dampfer, der ihn 80 Meilen in Nord traf, berichtet, daß der Korb 20—25 Meter über dem Wasserspiegel sich befindet. Der Kreuzer „Du Chayla" folgt ihm unmittelbar. Eine vom Ballon 5 Uhr nachmittags abgelassene Brieftaube brachte die Nachricht, daß der Ballon bei N.N.W- ziemlich schnell in der Richtung auf die Balearen treibe. Rom, 14. Okt. Die Meldungen von einer Reise des Kouigspaares nach Petersburg find unwahrscheinlich, da die Königin im Frühjahr ein freudiges Ereignis erwartet. Duveyrier (Südalgier), 14. Okt. Es wird berichtet, daß eine marokkanische Räuberbande auf französisches Gebiet ein- gedrungen sei. Ein Kameelhirte sei getötet und mehrere Kameele geraubt worden. Dundee, 13. Oktbr. Infolge heftiger Regenfälle ist die Verbindung zwischen deu Truppenabteilungen im Felde zeitweilig unterbrochen. Die Burenfireitmacht hat sich geteilt, um in kleineren Abteilungen zu entkommen. Die Kolonne Alleubys nahm 8 Manu gefangen, unter ihnen den Schwager des Kommandanten Grobelaar. Dundee, 13. Okt. Aus deu Bewegungen des Wagenparks, der sich einige Zeit im Distrikt von Dundee aufhielt, glaubt man Bothas Absicht verstehen zu können, vor dem Verlaßen des Pongolawaldes die Brücke zu ergänzen. — Haus Botha zog 50 Manu bei Standerton zusammen und forderte die Leute auf, zu Louis Botha zu stoßen, der des schlechten Zustandes seiner Pferde wegen nicht imstande sei, fortzukommen. Der Rest von Bothas ursprünglichen Truppe befindet sich zwischen Vryheid und der Zulugrenze uud ist in kleine Trupps zersplittert. Berlin, 13. Okt. Der gestrige Geburtstag des Professors Virchow wurde im engsten Familienkreise begangen. Am Nachmittag fand Familiendiner statt, an dem u. a. Professor Waldeger, Minister Baccelli, Lord Lister und Stadtverordnetenvorsteher Langerhuns teilnahmen. Langerhans überreichte als Angebinde des 3. Reichstagswahlkreises eine silberne Fruchtschple. Am Abend hatten sämtliche Bewohner der Schellingsttaße, wo Virchow wohnt, illuminiert. Von 8 Uhr an liefen herrliche Blumen-Ar- rangements und Telegramme aus aller Herren Länder, von ärztlichen Korporationen, ehemaligen Schülern und Freunden wohl tausend Depeschen ein. Berlin, 14. Okt. Nach einer Mitteilung des Generalmajors Frhrn., v. Geht ist die für den 17. Oktober anberaumt gewesene Feier der Offiziere und höheren Beamten des China-Expeditionskorps mit Genehmigung des Generalfeldmarschall Grafen von Walder- fee bis auf weiteres verschoben worden. — Der Polizeipräsident fordert alle inländischen Behörden dringend auf, auf einen italienischen Anarchisten zu fahnden, der den vermutlich falschen Namen Napoli führt und vor einigen Tagen in Deutschland eingetvoffen ist. Sein Erscheinen soll einen verbrecherischen Zweck haben. Cuxhaven, 14. Okt. Eine öffentliche Bürger-Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an für Fortführung der Handels-Vertragspolitik und gegen jede. Kr- höhungi der LehenHrwittelzbU^ »geschiedenen statt. Er diente früher Lei dem Feld-Artillerie- Regiment Nr. 15 in Straßburg und machte den ganzen Chinafeldzug mit. Auf der Heimfahrt wurde er am 19. September vom Typhus befallen. -r- Darmstadt, 12. Okt. Staatsminister R o th e empfing heute im Beisein des Ministerialrats Braun die Herren Geh. Reg.-Rat Haas-Darmstadt, Präsident des Hessischen Land- rvirtschaftsrats, Oekonomierat Sch lenke-Gießen, Präsident Les landwirtschaftlichen Provinzialvereins für Oberhessen, Gutsbesitzer Walter-Lengfeld i. O., Vizepräsident des landwirtschaftlichen Provinzialvereins für Starkenburg, Bürgermeister Kähler- Langsdorf, Vorsitzender des Hessischen Bauernbundes, fPfarrcr Mauer-Fehlheim, 2. Vorsitzender des Hessischen Bauernvereins, Gutsbesitzer Fritsch-Dilshofen, Vorsitzender des Bundes der Landwirte für Starkenburg, Gutsbesitzer Grosch-Wörrstadt, Provinzialvorsitzender des Bundes der .Landwirte für Rheinhessen. Der Provinzialvorsitzende des Bundes der Landwirte für Oberhessen, Graf Oriola -Büdesheim, war durch einen Niederweiseler Bericht verhindert, an der Audienz teilzunehmen. Der Minister nahm aus den Händen dieser Deputation die von der großen Landesversamm- iung der Hessischen Landwirte am 15. September in Sachen ,des Zolltarifgesetzentwurfes und des Zolltarifentwurfes gefaßte Resolution mit dem inzwischen gedruckten stenographischen Bericht über die Verhandlungen entgegen und sagte nach ergänzenden und erläuternden Ausführungen der Herren iGeh. Reg.-Rat Haas, Präsident Schlenke und Bürgermeister iKöhler eingehende Prüfung der Anträge und insbesondere ihrer Begründung seitens der Regierung zu. Eine be- jstimmte Zusicherung hinsichllich der Stellungnahme der Großh. Regierung zu den Forderungen der vereinigten hes- stschen Landwirte erteilte der Minister nicht und betonte nur !die Notwendigkeit des Abschlusses von neuen Handelsverträgen, durch die auch die Rücksichtnahme puf die Landwirtschaft ihre Bezeugung finden müsse. F. Wißmar, 13. Okt- Von einem bedauerlichen Un- iAücksfall wurde hier eine Familie betroffen. Die junge Ehefrau des Hüttenarbeiters Scheier wollte am Samstag abend den Herd heizen. Ob die Frau nun die Unvorsichtigkeit beging, Petroleum ins Feuer zu gießen, oder ob ,'sonst ein Zufall mitwirkte, ist noch nicht aufgeklärt, die ^Kleider standen plötzlich in Flammen. Die Unglückliche verbuchte das Feuer durch Uebergießen von Wasser zu löschen ,und lief, als ihr dies nicht gelang, in den. Holzstall., iEin Nachbar bemerkte dort das Feuer und allarmierte in sder Annahme, daß der Holzstchll brenne, die Gemeinde., Es gelang ihm zwar, das Feuer zu ersticken, doch hat die 'Frau so schwere Brandwunden davongetragen, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Theater, Kunst und Wissenschaft. — Eine eigenartige Nachbildung eines hervorragenden alten Kunstwerkes im Dom zu Hildesheim ist, wie uns von dort geschrieben wird, ins Weck gesetzt worden. Eine dortige Tapetenfabrik hat das Muster des berühmten Bern-, ward-Gewandes als Vorlage für Zimmertapeten verwendet. Das Muster ist entnommen der Casula Sanoti Bernwardi, dem Meßgewand, mit dem Bischof Bernward von 1022—1194 imj Grab gelegen hat. Das Musterbild zeigt einen Lebensbaum, zu befjen Seiten zwei Vögel stehen, den Früchten des Baumes zu- Sewandt. Die Zeichnung zeigt orientalische Motive in organischer ingestaltung und weist hier auf eine abendländische Kunstweberei des früheren Mittelalters in einem Lande, das in regen Beziehungen zum Orient gestanden hat. — Friedrich Roeber f. Aus Düsseldorf wird der Tod des Dichters Friedrich Roeber gemeldet. Am 19. Juni 1819 in Elberfeld geboren, lernte und wickle der Verstorbene als Kaufmann unb war seit 1872 Teilhaber bes Bankhauses v. b. Heybt, Kersten u. Söhne in Elberfeld. Von Jugend aus der Kunst zugethap, schloß sich Roeber der kleinen Gruppe der Wupperthaler Poeten an, unter der er sich burch seine kräftig charakteristischen „Dramatischen Wecke", ver- schiebene Tragöbien, Schauspiele re. eine hervorragenbe Stellung gewann. Seine beibeit Söhne Ernst und Fritz machten sich als Historienmaler bekannt. . lleicht verletzt wurden. Die Verletzten sind sämtlich Franzosen. • Im Luftschiff über das Mittelländische Meer. Graf de la Vaux ist am Samstag abend kurz nach 11 Uhr mit seinem Luftschiff in Toulon aufgestiegen, um nach Algier zu gelangen. Ein von Algier kommeneer Dampfer hat 50 Meilen von Marseille den Ballon des Grafen de la Vaulx »getroffen, welcher sich in der Richtung auf Algerien zu bewegte. Alles stehe gut. * In Buffalo wird ein schwunghafter Handel mit Knöpfen unb Tuchfetzen des Anzugs getrieben, ben der Neger Parker trug, als er ben Präsrdentenmörder Czolgosz packte; auch die Spähne des Stuhls, auf ioeld^m Czolgosz bei seiner Prozessierun g saß, werden, wie amerikanische Blätter berichten, an ben Meistbietenden verkauft. Parker und einige Händler mit alten Kleidern' sowie ein Gerichtsbeamter und ein in der Nähe des Gerichts wohnender Tischler sind auf dem Wege, reiche Leute zu werden. Bis jetzt sind nämlich schpn so viel Knöpfe verkauft worden, daß ein großes Herrenkleidergeschüft für fünfzig Jahre daran genug hätte, und aus den bisher verschacherten „Spähnen" hätte man mit Leichtigkeit eine ganze Wohnungsausstattung Herstellen können. Nichts ist profitabler, als auf die Dummheit und Leichtgläubigkeit her bieben Mitmenschen zu spekulieren! Grrichtssaal. Leipzig, 12. Okt. Tie Strafkammer verurteilte den 52 Jahre alten früheren Geschäftsführer T h o n ä l e n vom Börse nver- e i n der deutschen Buchhändler, welcher in der Zeit von 1894 bis 1899 ca. 20 000 Mk. zum Nachteil des Börsenvereins unterschlagen hat, sowie wegen schwerer Urkundenfälschung zu 2 Jahren 8 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Ein Monat Untersuchungshaft wurde ihm angerechnet. 8. Darmstadt, 12. Okt. Der vom Schwurgericht am vergangenen Donnerstag zu 6 Monaten Gefängnis wegen Not- zuchtsversuä; verurteilte Metzgermeister K r ö ck e r von Offenbach hat diese verhältnismäßig hacke Strafe nur einer durch seinen Verteidiger in Uebereilung gestellten Frage, die die Geschworenen bejahten, zu verdanken. Diese haben nun in Berücksichtigung der Sachlage ein Gnadengesuch vorbereitet. ko. Frankfurt a. M., 14. Oktober?(Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). AnUliche Slotierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen 419 Ochsen, darunter 141 aus Oesterreich, 58 Bullen, dartmter 6 aus Oesterreich, 967 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 348 Kälber, 532 Schafe und Hämmel, 1294 Schweine, 1 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaslännner. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 71—73 Mk'. 2. Qual. 65—67 Mk., 3. Qual. 58—61 Mk.; Bullen 1. Qual. 54 bis 56 Mk., 2. Qual. 50—53 Mk.; Kühe 1. Qual. 60—62 All., 2. Qual. 57—59 Mk., 3. Qual. 43—45 Mk, 4. Qual. 32—34 Mk., 5. Qual. 30—32 Mk. Kälbet: 1. Qualität77—79 Pfg., Lebendgewicht 46—48 Pf., 2. Qual. 68—70 Pfg., Lebendgewicht 40—42 Pfg., 3. Qual. Lebendgewicht 00—00 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 58—60 Pfg., 2. Qual. 48—50 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 68 Pfg., Lebendgeivicht 54 Pfa., 2. Qual. 67 Pfg., Lebendgewicht 53 Pfg., 3. Qual. 00 bis 00 Pfg., Lebendgewchit 00—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh und Kleiiwieh gut. Markt geräumt, lieber- stand unbedeutend. ' Breslau, 13. Okt. Nach Mitteilung des Aufsichtsrats der „ R h e d e r e i v e r e i n i g t e r S ch i f f e r " hat sich bei der Be- jpreckumg des Aussichtsrats mit einigen Gläubigern herausgestellt, daß die Zustimmung sämtlicher Gläubiger zu den Vorschlägen des Aufsichtsrats nicht zu erlangen ist. Wien, 13. Ort. Nach Meldungen aus P r z e m i s l ist die dortige große Firma Rauch u. Ziffer mit bedeutenden Passiven insolvent. Die beiden Inhaber wurden verhaftet. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. Grüuberg, 12. Oktober. Frachtmarkt. (Durchschnittspreis pro 100 Kilo.) Weizen 16.30 bis 16.60 Mk., Korn 13.64 bis 14.00 Mk., Gerste 12.00 bis 13.00 Mk., Hafer 13.34 bis 14,00 Mk., Erbsen 16.00 bis 00.00 Mk.. Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Mk., Wicken 00.00 Mk., Samen 00.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 14. Oktbr. (Orig.-Telegr. des „Gießen. 'Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarklpreise. Wetzen All. 16.00—16.25, Kurhessischer Mk. 17.00-00.00, La Plata Mk. 16.75—17.00, Kansas Mk. 00.00—00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 13.75—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 16.25—00.00, Kleie Mk. 00.00—00.00, Hafer Mk. 14.00—00.00, Mais Mk. 12.50 bis Mk. 00.00, Weizenmehl 0 Mk. 24.50—00.00, 2. Qualität Mk. 22.50 bis M. 00.00 , 3. Qualität Mk. 20.50—00.00, Roggenmehl 0 Mk. 21.75—22,50,1. Qualität Mk. 20.50—21.00, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Mk. 00.00, Roggenkleie Mk. 10.00—0.00, Maiskeime Mk. 9.50 bis Mk. 10.00, Frankewü^l-er Rieb Mk. 00,00—00,00. Alles per 100 Kg. ab hier. London, 14. Okt. Ein Telegramm aus portugteskstytzr> Quelle berichtet, daß die Buren auf der Eisenbahnlinie von Lourenzv Marques sechs Eisenbahnzüge zerstqrch haben. London, 14. Okt. General Baden-PoweN wurde gestern von König Eduard empfangen. Der König ernannte ihn zuin Kommandeur des Bathordens und verlich ihm die Kricgsmedaille. — London, 13. Okt. ReuterI Bureau meldet miS Dundee vom 11. ds.: Botha machte, da er nach Norden zu auf eine britische Streitmacht Meß, etwa 20 Meilen südwestlich von Pietretief in der Nahe von Lüneberg Halt.. Botha ist nunmehr gezwungen, entweder sich dupch die britischen Truppen nach Norden durchzuschlagen und de», Baviaau-Fluß wieder zu überschreiten, oder in Swazi-i land einzumarschieren. Letzteres ist lvegen der feindseli-^ gen Stimmung der Eingeborenen gefährlich. Tie Australier, erbeuteten gestern 7 Wagen Bothas und verbrannten dieselben. General .Hamilton berichtet: Ein Wagenzug unter, starker Pedcckung bewegt sich ostwärts. Im ganzen Lande fiel Regen. Antwerpen, 14. Okt. Das hiolländische Dock» arbeiter-Koniitee ersuchte sämtliche Dvckarbe.ter rm Auslande vom 1. Januar ab die Ladung und Löschungj englischer S>chiffe einzustellen, und England auf diese Weise zu boykottieren. Diese Maßregel soll solcurge angewandt werden, bis der südafrikanische Krieg beendet ist. Wien, 14. Okt. Wie verlautet, wird die Hochzeit der Erzherzogin Elisabeth Marie mit dem Prinzen■ Otto Windischgrätz am 13. Januar stattftnden.' " Manila, 14. Okt. Die amerikanische Militär-Kommission verurteilte den Philipino-Major Braganza zum Tode durch den Strang, weil er die Hinrichtung von 103 gefangenen Spaniern angeordnet hatte. S i m 1 a, 13. Okt. In Afghanistan ist alles ruhig. Um die Ordnung unter den Schiwans zu sichiern, sandte der Ernir Schutzwachen nach Fellalab ad und Asm ar. Es deutet jedoch .nichts auf Unruhen in den dortigen Gegenden hin. Peking, 13.'Okt. (Reuter.) Die chinesischen Bevollmächtigten übergaben heute dem spanischen Gesandten Co- logan, dem Doyen des Diplomatischen Korps, einen Bon über 450 Mill. Tareks für die Entschädigungsansprüche. Darkastad/ 13. Okt. Heute sind hier die üb>r eine Anzahl Kaprebellen verhängten Strafen bekannt gegeben worden. Unter den Verurteilten befindet sich Leutnant Schoemann, der zum Kommando Lotters gehörte. Das, Urteil gegen S cho e m a n n, das auf E r s chi eßen lautet, wurde von Kitchener bestätigt. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M«, 14. Oktober. 81/2% Reicheanleihe . . 100.40 30Io do. ... 89.95 81/,% Konsole . ... .100.45 3°/o do. ..... 90.10 3x/2°/o Hessen .... 98.20 6°/j Italien. Rente . . . 99.60 4 ’/o Grieoh. Monopol-Anl, 42.80 3-Vo Portugiesen .... 25.70 8% Mexikaner .... 25.55 4%% Chinesen .... 83.25 Kreditaktien . . . . . 195.10 Diskonto-Kommandit >>. . 169.80 Darmstädter Bank . äa v . 116.20 Dresdener Bank . 118.00 Berliner Handelsges. p. 128.80 Oesterr. Staatabahn .< .V, 134.60 Gotthardbahn . 155.50t Laurahütte . . . . J. 176.00 Bochum ... . . ’•. . 159.50 Hatpener......152.20 >nz: fest.. Magen über Oefen. Wie oft hört man davon während der Heizperiode, sei es, daß dieselben genügende Wärme nicht erzielen, sei es, baß bie Regulierung berselben eine ungenügenbe ist, also unnütz Brennmaterial ver-. braucht, ober sei es, daß bie Bebierrung berselben eine zu umständliche ist unb stets viel Schmuck, Staub unb Rauch für bie zu herzenden Räume mit sich bringt. Eine Ofenart, bie burch ihre vorzügliche Konstruktion zu, Klagen nicht Veranlassung giedt unb allen sonstigen Anforderungen! in besonbers hervorragender Weise gerecht wirb, finb die Winter-! scheu Dauerbrandöfen Germanen, von denen seit 7 Jahren über 170 000 Stück verkauft wurden, ein Erfolg, ben kein anderes Ofensystem in Deutschland erreicht hat. Die Oefen, welche zu beüehen sind durch jede bessere Ofen- hanblung oder b»rrch VermiUlung bes Fabrikanten Oskar Winter, Hannover, eignen sich hervorragend für alle Zwecke. 6836 Suümission. Für unsere Klinik soll bie Lieferung von 1800 Centner gebrochenen Hüttencoaks für das Kalenderjahr 1902 auf dem Wege deröffentlichenSubmission vergeben werden. Die Bedingungen liegen nachmittags von 3—5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen. Offerten, versiegelt und mit entsprechender Arrfschrift versehen, sind bis zum 4. November d. I. vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage. 6847 Gießen, 12. Okt. 1901. Großh. Verwaltungs-Direktion der chirurg. und ophthalm. Universitäts-Klinik. Poppert. Vosfius. ^Versteigerung Dienstag, 15. Oktober d. M. nachmittags 2 Uhr versteigere ich ReustavL 55 dahier gegen Barzahlung: 1, 28 silb. Remoutoir-Uhren, 1 goldene Anker-Uhr und 1 Partie Konserven insbes. 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Mts. verschied nach schwerem Leiden unser langjähriger Mitarbeiter U dem mit ^legramm । ^pahn, der tabanft, ftei Virchow auf hat, daß jede sehr geschmc hervorragend gerten, um i digen, intern als einen bet Ufern bet Wr vermag. iW mms mcht thaten die i schäften aller sen, dessen eines Tautn zigjähriges schlichten, b daß er seine verliehen tvc und schönen nichts mehr er selber ti Linie als M Wich. Mai Mund etwa- über war es Seite gerad gehässiger L toirb dafür kitzel, geb. Schulz, unaZ Kingler Antonie, Hedwig und Erna. den Ehrun Md ÄUslw darbrachte, einer gold Medaille fi reich an e Bildhau, ist eine ziei sitzt nur d 2. Nasse, beftzt, Psli maul, v. 1 Arbkitniil uni LehrmäNieil gesucht. 6764 M. Geilfus, Darnenkoufekliou. Am Samstagnachmittag 2 Uhr entschlief sanft nach längerem Leiden unser innigst geliebter Gatte und Vater SU verpachten. 04220 GllMll Marbnrgerftr. 66. Wir betrauern in dem Verstorbenen einen liebenswürdigen Kollegen von lauterem Charakter und werden sein Andenken stets in Ehren halten, KnegeckuMWft diesen jPalFt hierdurch Kenntnis von dem am 12. Oktober erfolgten Hinscheiden unseres ''t' Kameraden Adam ElätseB Ober-Postasfistent dahier. Die Beerdigung findet Dienstag den 15. Oktober, nachmittags l1/, Uhr, von dem Sterbehause, Frankfurter- straße 43, aus statt. — Zusammenkunft der Kameraden 174 Uhr im Rheinischen pof, Frankfurterstraße. 6845 Der Vorstand. DienSiag den 15. Ott. 1901 r 1. nlkstiimliche Vorstellung zu kleinen Preisen: Mim von Barllhelm. Lustspiel in 5 Akten von G. E. Lessing. Ans. 8 Uhr. Ende nach 10V, Uhr. Eintrittspreise: Loge: Mk. 1,20; Saal: 50 Pfg.; Gallerte: 30 Pfg.__________________________ Familie Böhling. 6843 Spirituosen-Handlung — innegehabten 'Kontor- und Lagerräume Kanzteiöerg 9 find zu vermieten. Näheres in der Expedition ds. Bl. vormittags 10 bis 1 Uhr. ____________3959 Hausbursche gesucht. 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