Nr. S42 151. Jahrgang Erstes Blatt Dienstag 15» Oktober 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Glehener FamMen- Llätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit wem „Hess. Landwirt" -nnd den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchulstraße 7. Äldresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Aernsprechanschluß Nr. 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 3EBIC Annahme von Anzeigen su der für den folgenden ^Lag erfcheinenden Nr. bis vormütags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt-, lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf,, auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'fchen Universitats - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen xeil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Votitische Wochenschau. Tiie vergangene Woche hat an .innerpolitischen Begeben- Keiteu nicht viel Besonderes gebracht. Der Reichskanzler Gras Bülow hat, nach Monatsfrist, am Freitag und Samstag dem Kaiser Vortrag gehalten, und man nimmt fxa, daß diese Audienzen keine eigentlich zwingende Veranlassung gehabt, sondern nur der Erörterung geschäftsord- fwrngsmäßkiger Fragen in Erledigung des langsam an- itvachsenden Materials gegolten haben. Die Zolltarif-Vorlage befindet sich in der Behandlung des Bundesrats, und die auswärtigen Angelegenheiten nahmen seither einen Verlauf, der besondere Entschließungen der Reichsregierung nicht notwendig machte. Auch dem Zwischenfall in Puerto Cabello wird keine erheblichere Bedeutung veizumessen sein. Der Vorfall ist bei der venezolanischen Regierung anhängig gemacht. Man wird daher zunächst den Ausgang der Untersuchung abwarten müssen, durchs die zunächst der wirkliche Sachverhalt in einer von beiden Teilen gerecht befundenen Art und Weise zweifelsfrei fest- gestellt werden soll. Nach den Meldungen, die der Vertreter des Deutschen Reiches in Venezuela erstattet hat, Meldungen, die Jid) naturgemäß auf den Bericht des Kommandeurs der „Vineta" stützen, trifft die beiden von venezolanischen Polizisten und einer aufgeregten Menge mißhandelten Unteroffiziere keinerlei Schuld für die bedauerlich,en Vorgänge. Es steht außer Zweifel, daß Venezuela, sobald die Angelegenheit aufgeklärt ist, bereit sein wird, uns Genugthuung zu geben, sofern allerdings es gelingen wird, nod), nach Wochen oder Tagen eine Regierung in Caracas aufzufinden, die man verantwortlich machen kann, denn der Kriegsgott ist offenbar dem Präsidenten de Castro feindlich Die „Insurgenten" besiegen seine „Generäle" und die „columbische Kriegsmacht" wagt es, den Kampf in das Gebiet von Venezuela, dessen Offensive jämmerlich gescheitert ist, zu tragen. Die fragwürtnge „venezolanische Regierung" ist von gar zu vielen Seiten bedroht. Ob de Castro in seiner hohen Stellung noch die Ehre haben kann, die 'Differenz mit Deutschland zu ordnen, bleibt vorerst unentschieden. Es wurde übrigens dieser Tage in den Betrachtungen verschiedener Preßorgane davon geredet, daß eine Kanzlerkrisis im Anzuge sei. Die „Voss. Ztg." führt in dieser Beziehung u. a. aus: „Mrd der Mindesttarif gar Gesetz, so ist es mindestens in hohem Maße wahrscheinlich, daß neue Handelsverträge mit den wichtigsten Staaten nicht zu stände kommen. Die Politik des Grafen Bülow würde daher zu einer vollkommenen Niederlage führen .— wenn die Handelsverträge, die vorerst bis Ende 1903 gelten, gekündigt werden. Daß Graf Bülow eine solche Niederlage nicht überdauern würde, ist die Meinung Weiler Kreise. Einstweilen jedoch ist noch nicht abzusehen, welchen Gang die Verhandlungen über den Zolltarif im Bundesrat und im Reichstag nehmen werden, Noch ist der Widerstand der Gegner der Zollerhöhungen nicht überwunden. Es ist daher verfrüht, als Folge der Verhandlungen schon jetzt die Unvermeiolichikeit des Rücktritts des Kanzlers zu kolportieren." Der baHerrssche Landtag hat eine Zolltarifdebatte gehabt. Die Regierung hat für ihre ablehnende Haltung in der Gerstenzollfrage dadurch entschädigt, daß sie eine Erhöhung des Tabakzolles und eine mäßige Erhöhung des Hopfenzolles befürwortete. Das Problem, das die bayerische Regierung schon lange beschäftigt, geht dahin, wie sich eine weitere Erhöhung der Reichseinnahmen ohne den befürchteten Rückgriff auf die Brausteuer, die in Berlin einflußreiche Befürworter zählt, erreichen läßt. Da liegt es nahe, an den Tabak zu denken, zumal hier für Bayern mit Rücksicht auf die Pfalz auch schutzzöllnerische Gesichtspunkte mit im Spiele sind. Innerhalb der Reichsregierung besteht aber aus leicht erklärlichen Gründen eine Abneigung gegen die Erhöhung des Tabakzolles. Dieser hat eine große finanzielle Bedeutung. Gegenwärtig hat sich zwischen Tabakzoll und Tabaksteuer ein gewisser Ausgleich vollzogen, wird nun aber der Zoll einseitig erhöht, so leidet darunter ebenso die große Tabakindustrie, wie die Reichsfinanzen, die aus einem höheren Zoll jedenfalls geringere Einnahmen zögen. Sollte alsdann zum Ausgleich auch die Tabaksteuer emporgeschraubt werden, so würde sich dagegen eine sehr heftige Agitation richten, und es wäre keineswegs sicher, ob der Reichstag eine solche Steuererhöhung genehmigen würde. Der bayerische Antrag ist also im Interesse der ohnehin arg bedrängten Reichsfinanzen abgelehnt worden, und wenn er jetzt im Bundesrat wiederkehrt, wird chm jedenfalls dasselbe Schicksal widerfahren. Die Landtagswahlen in Ba den haben für die Nationalliberalen einen Mehrgewinn von zweihundert ergeben, auch, haben sie Karlsruhe wieder erobert, was die Sozialdemokraten für ganz unmöglich, gehalten hatten, mit der vom Zentrum erhofften Zweidrittel-Mehrheit für dasselbe ist es nichts geworden. Ueber die Stellung Rußlands zu dem französische türkischen Streit, wie zur Balkanpolitik überhaupt ließen sich, dieser Tage die „Berl. Reuest Nachr." in einer bemerkenswerten Meldung aus Petersburg wie folgt aus: französische Preßstimmen versichern, die russische Re- alerung habe zugesagt, mit ihrer ganzen Kraft bei der hohen Pforte auf Durchführung der französischen Forderungen hinzuwirken, eveut. bei Ausbruch eines französischtürkischen ernsteren Konfliktes Frankreich thatkräftig zu unterstützen. Von einer solchen Verpflichtung der russischen Regierung — es konnte sich hierbei dock) nur um den Zaren und den Minister Grasen Lambsdorff Handels — ist im Ministerium des Auswärtigen jedoch nichts bekannt. Mau ist auf die bezüglichen französischen Wünsche nicht weiter eingegaugen, als daß man fick) bereit erklärt hat, ihnen gegenüber eine wohlwollende Stellung einzunehmen; man hoffe jedoch, daß auch ohne eine solche baldigst eine Verständigung zwischen Paris und Konstantinopel erzielt werde, für mehr dürfte Rußland nicht zu haben fein. Der Zar sei fest entschlossen, es nicht zu Komplikationen auf dem Balkan kommen zu lassen." Der Tod des Emirs von Afghanistan wird von der gesamten Presse Londons als ein Hochernstes Ereignis für England behandelt, das zu keiner ungelegeneren Zeit hätte erfolgen können, als eben fetzt. Die Gründe liegen auf der Hand. Afghanistan ist ein „Puffer"-Staat zwischen Rußland und Indien. Bricht hier ein Bürgerkrieg und ein Kampf um die Nachfolge aus, so wird früher oder später Intervention von außen nötig, und die Gefahr ist groß, daß sie das Signal zu dem entscheidenden Kampf um Indien geben mag. Allerdings wird englischen Blättern von Kabul aus versichert, daß dort alles in Frieden lebe und völlige Ruhe herrsche. Die afghanischen Häuptlinge brächten dem neuen Emir ihre Huldigungen entgegen. Aber den Wert derartiger für die Welt bestimmter Beschwichtigungsnachrichten aus englischer Quelle kennt man zur Genüge. Auch in Afghanistan weiß man, daß das Gros der englischen Armee in Südafrika festgelegt ist, und die englische Armee in Indien, die selbst nie mehr als eine Vorhut ist, ist heute unter ihrer normalen Stärke, während jede Möglichkeit fehlt, ihr die Verstärkungen, die für den Ernstfall vorgesehen waren, zu schicken. Die resignierten Auslassungen des Kriegsministers Brodrick über die Aussichten dort bei Beginn des dritten Jahres müssen darin bestärken. Und es ist jedenfalls verständlich genug, daß das ganze britische Reich mit peinlichster Spannung auf weitere Nachrichten wartet. Ier 80. Geburtstag Airchows. Berlin, 12. Oktober. Anläßlich! des mörgigen 80. Geburtstages des Professors Dr. Rudolf Virchow weilen zur Zeit in Berlin die hervorragendsten Vertreter der Wissenschaft des In- und Auslandes, um dem Gefeierten die Huldigungen der medizinischen Welt darzubringen. Heute vormittag lud Professor Virchow die zur Zeit hier weilenden Gelehrten zu einer Besichtigung seiner weltberühmten Sammlung im pathv- l o g i s ch e n M u s e u m ein. In der Halle des Erdgeschosses, wo noch verhüllt die Büste Virchows, die Ehrengabe des Kultusministeriums, steht, empfing der Jubilar seine Gäste, unter denen sich der Kultusminister Dr. Studt, der Staatssekretär des Auswärtigen Freiherr v. Richthofen, der Staatssekretär des Innern Graf v. Posadowsky, die Minister v. Thielen und Möller, sowie der Oberbürgermeister Kirschner befanden. Minister Dr. Studt hielt folgende Ansprache: „Hochzuverehrender Herr Geh'eimer Medizinalrat! Ich begrüße es als einen sinnigen und besonders glücklichen Gedanken, daß der erste Akt der aus Anlaß der Vollendung Ihres achtzigsten Lebensjahres veranstalteten Festlichkeiten uns mit Ihnen gerade nach diesem Hause beruft. Ist es mir doch auf diese Weise vergönnt, als Vertreter der preußischen Unterrichtsverwaltung, Sie in erster Reihe an der hervorragendsten Stätte Ihres Wirkens zu beglückwünschen. Sie werden nunmehr aufs ueue bestätigt sehen und hören, wie Sie in einem Alter, das der Psalmist sonst als die Grenze des Menschenlebens bezeichnet, in voller Kraft und Freudig- des Schlaffens mitten im Kampfe der wissenschaftlichen Arbeit stehen und dem großartigen Bau, den Ihr Wissen und Können errichtet hat, als einer der berufensten Meister der Wissenschaft immer neue Pfeiler und Werkstücke hinzufügen. Und wenn dieser Tag zugleich zum Rückblick in die Vergangenheit auffordert, so erscheinen die Sammlungen dieses Museums, ob sie gleich mtr einen Zweig Ihrer ausgezeich!- neten Thätigkeit darstellen, geeignet, auch dem Laien vor Augen zu führen, was Sie in einem thatenreichssn Leben durch nahezu zwei Menschenalter als Forscher und Lehrer für die Wissenschaft und unsere Hochschule erzielt haben. Aus bescheideneu Anfängen und aus dem Zustande der Zerrüttung haben Sie die uns hier umgebenden Sammlungen zu einer Reichhaltigkeit und Vollkommenheit ausgestattet, die im In- und Auslande neidlos als unerreicht anerkannt wird. Darum ist dieses Museum auf alle Zeiten mit Ihrem Namen verknüpft. Die kommenden Generationen sollen aber auch die äußere Persönlichkeit des Mannes sich gegenwärtig halten, welche in diesem bedeutungsvollen Gebäude sich gewissermaßen verkörpert. Deshalb darf nach der Absicht der staatlichen Unterrichtsverwaltung Ihr Bild in diesem Hause nicht fehlen. Sie hat von bewährter Künstlerhand eine Büste von Ihnen fertigen lassen, welche ich Ihnen, als dem Leiter des Museums, zugleich als ein Zeichen unserer Dankbarkeit mit dem herzlichen Wunsche übergebe, daß auch der Geist Ihres unvergeßlichen Sck)affens dieser Stätte für immer erhalten bleibe und daß Sie selbst noch lange Jahre in der bisherigen bewundernswerten Frische unter uns wirken mögen, zu Ehren und zum Stolze der deutschen Wissenschaft." Bei diesen Worten übergab der Redner die von Hans Arnoldt geschaffene Büste des Jubilars. Professor Dr. Virchow dankte mit bewegten Worten. Hierauf begaben sich die Versammelten in den großen Hörsaal, wo fick), inzwischen eine illustre Gesellschaft eingefunden hatte. Dem Festakte wohnte auch die Gattin und ihre drei Töchter und Söhne bei. Kurz nach 12 Uhr erschien Virchow. Die Versammlung erhob sich und begrüßte ihn mit minutenlangem Händeklatschen. Tief ergriffen bestieg Vir ow das Katheder und hielt einen zweistündigen Dort .i g über die Geschichte der patho ogischen Wissenschaft, ben er mit folgenden Worten begann: Angesichts dieser erlauchten Versammlung würde ich kaum ein Gefühl von Stolz und Ehrgeiz zurückhalten können, die Wissenschaft ist indessen nicht geeignet, den Menschen tolz zu machen. Wenn etwas in der Wissenschaft dem Menschen vor Stolz und Ueberhebung bewahrt, so ist es die Erfahrung, daß jeder Tag neues bringt, und eine alte1 Wahrheit zur Unwahrheit macht. Wenn wir zurückblickew auf die Fortschritte der Wissenschaft, so können wir stolz: darauf sein, daß das deutsche Vaterland einen größeren, Anteil daran hat, als gewöhnlich angenommen roirb.: Virchow gedachte besonders der wissenschaftlichen Arbeit^ die in Bologna geleistet wird, und der Thätigkeit Bac-i cellis. Er zollte besonderen Dank dem verstorbenen Finanzminister v. Miquel, der sich seinen Wünschen stets gängig gezeigt habe. Im weiteren Verlaufe seines Dor- träges präzisierte Virchow den Begriff „Pathologie" iw folgender Weise: Pathologie ist die Lehre von der Kranke heit als solcher. Die ganze Entwickelung der belebten!! Natur, auch, des Menschen, wäre ohne die Pathologie nickst das geworden, was sie heute ist Bevor die zur Erläuterung des Vortrages dienenden, Projektionsbilder in dem verdunkelten Raum vorgeführt! wurden, fprady Generalarzt Prof. Schaper dem communis! mundi praeceptor die Glückwünsche und den tiefgefühltestzenl Tank aller aus, nicht nur für den durch Virchow erreichten Fortschritt in der ärztlichen Kunst und der Wissenschaft, sondern auch für die vielfachen Segnungen, welche biei Allgemeinheit dem Gefeierten zu danken habe, dessen Grundsatz stets gewesen sei: Suprema lex salus publica. Es folgten sodann Vorführungen von Projektions-^ bildern, und später begaben sich die Erschienenen in dem mikroskopischen Demonstrationssaal, wo hochinteressante Ex-, perimente stattfanden. Professor O. Israel hatte Zellen- Präparate von verschiedenen Krankheiten und Tierarten; und die Doktoren Koch und Cönen mikroskopische Malaria-; Präparate ausgestellt. Hier erläuterte Dr. Koch an aus-- gehängten Tafeln die Entwickelungscyklen des Malarta-j Parasiten an Menschen und Mücken. Neben den TafelNi waren in einem Kasten die verschiedenen Arten der Stech-; mücken, die unschädlichen und die Malariaüberträger auä= gestellt. Die Gäste besichtigten sodann unter der Führung, Virchows und seiner Assistenten in mehrstündigem Rund-! gang die in den großen Ausstellungssälen ausgestellten- Objekte. Am Nachmittag fand in der Wandelhalle des Abgeord- netenhauses ein Festessen statt, an dem über 200 Personen teilnahmen, darunter Staatssekretär Posadowsky, Kul^ tusminister Studt, Generalstabsarzt Leuthold uud Vertreter der fremden Säliber, darunter Baccelli, Lister und C'ornil., Ten ersten Trtnkspruch brachte Graf Posadowsky auf den; Kaiser aus, den er als Förderer der Kunst und Wissenschaft feierte. Geheimrat Körte sprach als ältester Freund des! Jubilars auf Virchow. Stadtverordnetenvorsteher Langer-! Hans feierte Frau Virchow. Sodann sprachen noch Minister! Baccelli und Ministerialdirektor Althoff. Darauf dankte! Professor Virchow. Auf das Festessen folgte ein großer F e sta k t im reich-, geschmückten uno dichtbesetzten Saale des Abgeordneten-! Hauses um halb neun Uhr. Fanfaren klänge und Jubelrufe; begrüßten Professor Virchow. Das Ehrenpräsidium bildeten! Staatssekretär Posadowski, Kultusminister Studt, General-! arzt der Armee Leuthold, Minister Baccelli aus Rom, Lister! aus London, Cornil aus Paris, Doldt aus Wien, Raptschewskii aus Petersburg, Stokvis aus Amsterdam und andere aus-, ländische und deutsche Vertreter. Zuerst feierte der ständige! Sekretär der Akademie der Wissenschaften, Professor Wal-! deyer, Virchows bahnbrechendes Wirken uud seinen Weltruf, gedachte des Dreigestirns Virchow, Mommsen unbl Helmholtz und überreichte die Ehrengabe derAerzte, Deutschlands im Betrage von 50 000 Mark für; die Verstärkung der Virchowstiftung. Kultusminister Studt; teilte alsdann mit, daß der Kaiser dem Jubilar bie, große goldene Medaille für Wissenschaft ver-- lieh und verlas ein allerhöchstes Handschreiben. Tas Handschreiben des Kaisers lautet: „Ick) spreche Ihnen zu dem heutigen Tage, an welchem, es Ihnen durch Gottes Gnade vergönnt ist, Ihr acht-! zigstes Lebensjahr in Rüstigkeit und Geistesfrische zu vollenden, meine wärmsten Glück- und Segenswünsche aus. 2er unermüdlichen Arbeit Ihres langen Lebens verdankt: die medizinische Wissenschaft grundlegende und bahn-' brechende Forschungen, durch, welche Jl)r Manie nut; markigen Zügen in die Tafeln der Geschichte der Medizin: für alle Zeiten eingegraben und weit über die Grenzen bes deutschen Vaterlandes hinaus geehrt ist Aber auch mit nie rastender Fürsorge haben Sie in Kriegs- und Frtedenszeiten Ihre ärztliche Kunst und Erfahrung in den Dienst der leidenden Menschheit gestellt und sind ihr. stets ein treuer Arzt und Helfer gewesen. Als ein Zeichen meines Tankes und meiner Anerkennung für Ihr ausgezeichnetes Wirken habe ich Ihnen die große goldene! Medaille für Wissenschaft verliehen und freue mich:. Ihnen dieselbe an Ihrem heutigen Ehrentage hiernebew. zugehen zu lassen." Kultusminister Studt führte aus: Tie in so außer-, ordentlich anerkennenden Worten gehaltene Kundgebung des Kaisers ehrt nicht allein den Jubilar, sondern die gesamte deutsche Wissenschaft. Der Minister spricht seinen Dank für die treue Mitwirkung an den Aufgaben der Medizinalverwaltung bei stets gutem, auf gegenseitigem Vertrauen beruhendem Einvernehmen aus. Daß es auch künftig so bleibe, sei sein aufrichtigster und innigster Wunsch (Stürmischer Beifall.) Namens der wissenschaftlichen Teputidrten für das Medizinalwesen spricht Ministerialdirektor Althoff. Generalarzt Leuthvld gratuliert für das preußische Kriegsministerium. Für die medizinische Fakultät Berlins sprech König, für die deutschen medizinischen Fakul- taten Züemsfen-München, welcher ausführte, daß Virchow ein leuchtendes Vorbild methodischer Arbeit, ein racher de !bvonce der Wissenschaft sei. Der italienische Professor Bae- ,celli überbringt in lateinischer Ansprache die Glückwünsche 'des' italienischen Königs und der Regierung und überreichst Die goldene Porträtsmedaille des Königs, sowie ein Ge- imälde , die medizinischen Koryphäen Morgagni und Virchow, ivou einem Genius überschwebt, darstellend. Baccelli wurde jioft vom Beifall unterbrochen und am Schluffe stürmisch be- -glückwünscht. Für das Abgeordnetenhaus sprach der zweite ^Vizepräsident Dr. Krause und erinnerte, daß Virchow ifaft 40 Jahre der Volksvertretung angehöre. Namens der 'Akademie der Wissenschaften sprach V a h l e n und Namens !der Berliner Universität Harnack. Dann wurden die telegraphischen Glückwünsche der Prinzessin Therese von Bayern, !des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg und des ^deutschen Reichskanzlers verlesen. Das Telegramm des letzteren lautet: „Hubertus stock, 12. Oktober. Zu Ihrem Ehrentage bitte ich Sie, unter so vielen wohlverdienten Huldigungen auch meine von Herzen kommenden Glückwünsche freundlich entgegen zu nehmen. Oft habe ich mich! im Auslande mit Stolz am Ruhme eines unserer größten Forscher erfreuen dürfen und mit den Gebildeten aller Länder blicke ich heute bewundernd auf die gewaltige Arbeit zurück, die Sie zur Ehre des deutschen Namens zum Wohle der leiderchen Menschheit vollbracht haben. Mögen Sie in frischer Rüstigkeit noch viele Jahre der Wissenschaft und unserer dankbaren Verehrung erhalten bleiben." .Hierauf kamen die wissenschaftlichen Anstalten zu Wort und weiterhin erschienen die städtischen Behörden auf dem Man, als erste Magistrat und Stadtverordnete von Berlin. Oberbürgermeister Kirschner gab Kenntnis davon, daß das (neue Krankenhaus im Norden Berlins den Namen seines großen Ehrenbürgers tragen werde. Ferner hat der Magistrat 100 000 Mark für die Rudolf -Virchow-Stiftung beigesteuert. Ihren „größten Sohn" ^beglückwünschte die pommersche Stadt Schivelbein. In langer Reihe nahten nunmehr, die gelehrten Gesellschaften an ihrer ^Spitze die Berliner medizinische Gesellschaft, deren Vor- fitzender Virchow seit Jahren ist. Namens der Berliner medizinischen Gesellschaft gratulierte Professor von Bergmann, Namens anderer Berliner ärztlicher Vereinigungen Professor von Leyden, für die deutsche ärztliche Gesellschaft Heubncr. Es folgten die Vertreter fremder wissenschaftlicher Körperschaften. Es sprachen für Dänemark Salomonfen, für Belgien Heymans, für Frankreich Cornil, welcher Virchows Schöpfung der Zellularpathologie und seine Verdienste um die Hygiene pries. Sodann sprach, stürmisch begrüßt, Lord Sister, der eine Adresse der London Royal Society überreichte, Virchows gigantische Geisteskraft, Verdienste um die Menschheit, sowie seinen bewundernswerten Charakter hervorhob und eine frohe Feier des 90. Geburtstages wünschte. Ferner sprach Sir Felix Semon-London, sowie Senator Marogliano-Genua. Hoftat Foldt-Wien überreichte ebenfalls eine kunstvolle Adresse. Weiter sprachen Pertik für Ungarn, Raptschewski für Rußland, Honda für Japan und Recklingshausen-Straßburg im Namen der früheren und jetzigen Assistenten und Schüler Virchows. Nach Mitternacht dankte Professor Fränkel den Erschienenen und brachte ein Hoch auf Virchow aus. Mit Fanfarenklängen schloß um 1 Uhr die Feier.^ Fr-auksurt a M., 13. Okt. Eine Virchow-Feier verunstaltete gestern abend der Verein der Fortschritts-Partei. Der erste Festredner, Professor Dr. Flesch, feierte Virchow als Mediziner, während Justizrat Dr. Meyer den Jubilar als Politiker schilderte. Auf Anregung des Vorsitzenden, Landtagsabgeiordneten Funck, wurde ein Glückwunsch-Telegramm an Virchow ab gesandt. Amsterdam, 12. Okt. Unter dem Vorsitz! des Rektor maguifteus, Professors Pel, fand heute zu Ehren Virchows in der Aula der Universität eine zahlreich besuchte Festsitzung statt, bei der Professor Rosenstein-Leyden die Fest- rebe hielt. Moskau, 12. Okt. Stadthauptmann Fürst Galitzin beglückwünschte im Namen der städtischen Verwaltung den Professor Virchow. Auch die Aerzte sandten ihm ihre Glückwünsche. — „Birschewija Wjedomosti" nennen in ihrem Leit- ;artitel den morgigen Tag ein internationales Jübiläums- isest der gesamten Kulturwelt, ein Symbol der Einigung der Völker im Kampfe für die Wahrheit und für das Wohl der Menschheit. * Folgende Angaben über die Familie Virchows dürften von Interesse sein: Am 24. August 1899 feierte Virchow seine goldene Hoch* zeit. Die Gattin des greisen Gelehrten entstammt einer Ulten Berliner Aerztefamilie. Ihr Großvater war Stadt- wundarzt in Berlin, ihr Vater ein bekannter Frauenarzt. kDr .Karl dRayer, der das Verdienst für sich in Anspruch! inehmen durfte, einer der Begründer der modernen Frauenheilkunde gewesen zu sein. Zuerst Hilssarzt an der Berliner Frauenklinik, richtete er eine Poliklinik eigens für kranke 'Frauen ein, die erste ihrer Art in Berlin. Unter seiner Leitung stund lange Zeit die Berliner Gesellschaft für Frauenheilkunde, in welcher der junge Virchow einzelne seiner 'grundlegenden Studien, wie diejenige über die Bleichsucht, vortrug . Es dauerte einige Zeit, ehe der junge Gelehrte die geliebte Braut heimsühren durfte; erst seine Anstellung 'als ordentlicher Professor an der Würzburger Universität 'ermöglichte die Verwirklichuna seines Herzenswunsches. Der Ehe entsprossen sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter. Von den drei Söhnen haben zwei, gleich ihrem großen Vater, ihren Wirkungskreis in Berlin gefunden. Der eine, Dr. Hans Virck)ow, ist außerordentlicher Professor -der Anatomie an der Berliner Universität und Lehrer für plastische Anatomie an derKunstakademie. Der andere, Dr. Karl Virchow, ist Chemiker; er hat sich erfolgreich mit Studien zur Nahrungsmittelchemie beschäftigt. Der jüngste Söhn endlich ist Hofgärtner auf Schloß Wilhelmshöhe. Von den drei Töchtern Virchows sind zwei Professorenfrauen. Die eine hat den Prager Anatomen Rabl, die andere den Straßburger Germanisten Henning zum Gemahl. Die dritte Tochter ist unverheiratet geblieben; sie lebt im Hause der Eltern, ist die treue Stütze ihres betagten Vaters und begleitet ihn fast stets auf seinen Reisen. Virchows Humor hat einen gewissen sarkastischen Zug. Ms einst ein junger Mediziner träumerisch in das Grün des 'Charite-Gartens blickte, bemerkte Virchow: „Wir treiben hier Pathologie und nicht BotanikI" Einmal sprach er vom Bau der Leber und meinte dabei, daß ihm regelmäßig eine Gewebsart genannt werde, die in der Leber vorhanden sein solle. „Ich gebe Ihnen aber drei Mark", rief Virchow mit erhobener Stimme, „wenn Sie mir dies Gewebe nachweisen chollen". Als sich bei diesem Anerbieten schallendes Gelächter erhob, setzte er trocken hinzu: „Lachen Sie nicht, drei Mark sind für mich eine große Summe! Gelegentlich verpflanzt der Professor auch parlamentarische Wendungen in den Hörsaal. Wenn et sein lolleg ausfallen läßt, so spricht er von „vertagen" und nach den Ferien will er seine Zuhörer „wieder einberufen". Als ihn bei einer seiner chronischen Verspätungen das übliche Scharren empfing, ersuchte er die „Herren von der rechten Seite", jene Begrüßung doch lieber einzustellen. Ein ander Mal glättete er die Sturrneswogen mit den kurzen, hastig hervorgestoßenen Worten: „Meine Herren, ich bitte zu berück- ichtigen, daß das Gebäude aus Holz ist und nicht vet- ichert!" Rudolf.Virchows erste Liebe. Unter diesem Titel steuert Sigmar Mehring folgendes Gedicht zur Virchowfeier bei: Mit heit'rer oder feierlicher Miene Betritt heut' mancher ^Deines Heims Kabine Der Spree-Athener naht, der Gallier, Der Bürger Schivelbeins, der Beduine, Ter Geiftesadel Nordamerikas, Das Volk aus Oberschlesiens Kohlenmine. Es fliegen Grüße auf dem Draht Dir zu Und Ehrengaben auf der Eisenschiene. Die Würdenträger aller Stände nah'n, Der Wissenschaft erles'ne Paladine, Die Finder und die Führer hohen Ziel's Und auch die Meister praktischer Routine, — Die sternbelad'nen Edelherrn des Staats. Die Sklaven und Gebieter der Maschine. Dir glänzt die goldgestickte Uniform, Dir jubelt zu der Träger der Pantine. Hier grüßt Dich ein Gebilde uns'rer Zeit, Ein Fund dort vorgeschichtlicher Ruine, — Ein prähistorischer Schädelknochen da, Hier die arzneistudierende Blondine. Und weise lächelnd nimmst Tu alle auf. Was aber thätest Tu, wenn — ich erschiene'? Ich, die einst Deinen Ruhm befestigt hat. Das Forscherrenommee, das Dir verlieh'ne! Ich, die Du suchtest mit begier’gem Blick, Wie ’n Leckermäulchen schmatzt nach der Rosine — Der Du mit allen Mitteln nachgestellt. Wie je ein Schwärmer seiner Kolombine! Erbleiche nicht! Ich will Dir heut' nicht nah'n. Ich, die als falsche Schlange arg Verschrie'ne, Ich bleibe fern und kaps'le still mich ein, Ich, Deine kleine niedliche Trichine. Politische Tagesschau. Ein Irrtum des Kaisers? Don wissenschaftlicher Seite wird folgendes mitgeteilt: Nach Mitteilung des Magistrats-Berichterstatters soll der Kaiser den Oberbürgermeister von Berlin zur Verbindung der beiden Siemensschen Linien Unter den Linden „Lift s" (Hebewerke) empfohlen haben, wie der Monarch ölche schon an anderen Orten gesehen habe und welche sehr wohl zum „Herablassen- und Wiederherauf (?) Befördern" eines oder mehrerer Straßenbahnwagen zu benutzen seien. Tie Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt, befindet sich' )er Kaiser im Irrtum: es giebt nirgends „Lifts", welche besetzte Personenwagen auf- und abbewegen, schon aus dem Grunde, weil nirgends ein Bedürfnis vorliegt, zu solch kostspieligen Kunststücken zu greisen. Tie Hebewerke, welche hei uns und an vielen anderen Orten im Gebrauch sind, dienen lediglich dem Gütertransport, Schiffszwecken rc. So ist hier in Berlin seit etwa 20 Jahren am Anhalter Bahnhof ein Hebewerk im Gebrauch, mittels dessen Lokomotiven und Güterwagen auf die Ladegeleise, die den Hafenplatz kreuzen, herabgelassen bezw. von diesen zu dem Bahnplanum emporgebracht werden, ferner wären die Schiffshebewerke zu erwähnen, wie ein solches z. B. in Henrichenburg bei Dortmund zur Ersparung von Schleusen im Kanal angelegt worden ist: dasselbe befördert gleichzeitig zwei ganze Schiffe vom Oberwasser zum Unterwasser und umgekehrt. Vermutlich haben dem Kaiser die Lifts der Londoner Untergrundbahn vorgeschwebt, das sind aber Personen-Aufzüge von größeren Dimensionen (50 Personen); diese dienen lediglich dazu, die Passagiere der Untergrundbahn nach und von den durchschnittlich etwa 15 Meter unter der Straßenoberfläche liegenden Tunnelbahnfteigen zu befördern; die Betriebsmittel, Lokomotiven und Wagen, gelangen vom Betriebsbahnhöfe Stockwell auf einer 1:3 einyalb geneigten Ebene in den Tunnel hinab. Tie „Lifts" haben also lediglich den Zweck, den Fahrgästen das Treppensteigen zu ersparen. Eine solche Anlage wäre für den vorgedachten Zweck nur möglich', wenn die Passagiere in der Mittel- und Behrenstiraße ausstiegen, mittels Lifts in den Tunnel hinabgelassen und mittels eines im „Linden"-Tunnel beständig hin- und herfahrenden Wagens weiterbefördert würden. Ein so umständlicher und zeitraubender Betrieb ist hier natürlich völlig ausgeschlossen. Es könnte sich nur fragen, ob man „Lifts" von noch größeren Dimensionen! baut, bei denen ein oder zwei besetzte Wagen durch Senkung der Plattform aus die Geleise der Tunnelstrecke hinabgelassen bezw. in derselben Weise emporgehoben werden können. 'Tie technische Ausführbarkeit einer solchen Anlage steht außer Frage;'allein, abgesehen davon, daß derartige Hebewerke sehr ko/lspielig sind, verbieten sich dieselben im Straßenbetrieb schon durch den großen Zeitverlust. 'Tie Senkung der Wagen auf die Tunnelsohle, etwa vier einen halben Meter unter Pflasteroberkante, würde sehr langsam und vorsichtig ausgeführt werden müssen, ebenso die Hebung der Wagen auf das oberirdische Geleis; eine dichte Wagenfolge wäre also nicht zu erzielen. Dazu kommt, daß eine solche Anlage, wie oben bemerkt, im regelmäßigen Bahnbetriebe noch nirgends erprobt ist. Schulden machen! In unserer Nr. 239 gaben wir die offiziöse Nachrich wieder, daß in diesem Jahre das Reich nicht mehr mit neuen Anleihen hervortreten würde. Es ist unbedingt richtig, daß Länder wie Portugal, Spanien, Türkei, Griechenland und finanziell ähnlich situierte Staaten, sich vor der Aufnahme neuer Anleihen zu hüten haben. Alle diese Staaten müssen ihr Hauptaugenmerk darauf richten, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Man hört denn auch immer wieder von allerlei Finanzprojekten solcher Länder. Aber am letzten Ende sind das immer Finanzkunststücke, die über die augenblicklich besonders schwierige Lage hinweghelfen sollen. Die dauernde Kalamität bleibt. Durch Experimente lassen sich chronische Finanzverlegenheiten eines Landes nicht beseitigen. Hier kann wirkliche Besserung nur dadurch geschaffen werden, daß das Volk und der Staat größte Sparsamkeit üben und unter schärfster Anspannung aller Kräfte die natürlichen Hilfsmittel des Landes entwickeln. Das beste Beispiel für eine selche Finanz- und Wirtschaftspolitik bieten Mexiko und Italien. Anders liegen die Tinge bei Ländern mit geordneten! Verhältnissen. Natürlich wird auch hier mit der Aufnahme von Anleihen vorsichtig verfahren werden müssen. Marr unterscheidet zwischen Anleihen zu „produktiven" und solchen zu „unproduktiven" Zwecken. Unproduktive Anleihen lassen ich auch in den geordnetsten Staatswesen nicht vermeiden, hierzu rechnet man Anleihen für Heer und Flotte. Vor olchen Anleihen hat man allgemein eine Abneigung, und es ist gut, wenn die Volksvertretung bei unproduktiven Anleihen den Daumen auf den Beutel hält. Ein Uebermah ist natürliche auch bei produktiven Anleihen vom Uebel. Wenn zur Ausführung öffentlicher Arbeiten kolossale Beträge von Anleihen ausgenommen werden, bann gerät das Wirtschaftsleben in eine ungesunde Ueberspannung, die sich schwer rächt. Auch darf nicht außer Acht gelassen werden, daß Anleihen verzinst werden müssen, und daß die Zinsen durch Steuern aufzubringen sind. Im ganzen aber hat eine besonnene Anleihepolitik eines inanziell geordneten Staates nicht nur feine Bedenken, andern sogar Vorzüge. Es giebt zahllose kleine und mittlere Sparer, die bei bescheidenen Zinsen eine absolut sichere Anlage haben wollen. Es müssen gewaltige Summen von Stiftungen, Kirchen, Körperschaften, Versicherungsanstalten usw. in durchaus sicheren Werten angelegt werden. Für dieses Anlagebedürfnis muß der Staat sorgen. Als nach Einheimsung der französischen Kriegskontribution der preu- zische Finanzminister große Summen von Staatsanleihen kündigte, wußten die Leute nicht, was sie anfangen sollten mit ihrem Gelde. Um doch einen Zinsgenuß zu bekommen, legten sie es in Jndustriewerten an. So stossen der Industrie enorme Summen zu. Diese unverhältnismäßige Alimentierung führte zur Uebcrtreibung der Konjunktur, die in dem bekannten Krack) auslief. Als im vorigen Jahve die Krisis ausbrach, war das Kapital ftoh, in Staatsund Kommunalfonds Unterkunft finden zu können. Ohne diese Fonds hätte das Kapital tot dagelegen. Und wenn es an der hinreichenden Anlagemöglichkeit in einheimi-» chen Fonds fehlt, greift das Publikum zu ausländischen. Nun giebt es auch! unter diesen gediegene und sichere Pa- jiere, aber es ist doch! immer besser, daß wir unser Ka- ;itat zur Entwicklung der inländischen Produktivkräfte verwenden, obwohl es ja auch seine Vorzüge hat, sich durch das Kapital fremde Länder tributpflichtig zu machen. Gegen die Zunahme der Verschuldung der Gemeinden wurde namentlich im vorigen Jahre viel geeifert. Es versteht sich von selbst, daß in unseren Gemeinden nichts Finanzzustände einreißen dürfen, wie z. B. in Italien. Aber olche Gefahren werden durch das strenge Aufsichtsrecht ber Regierung verhütet. Unter biefen Um stäuben barf man )ie Befriedigung bes Anleihebeoarfs ber Gemeinben mit Wohlwollen betrachten. Tie von ber Stabt Gießen aufgenommenen Anleihen bienen fast burchweg produktiven Zwecken. Es werben von bem Erlöse die öffentlichen Bauten ausgeführt, so unsere leider immer noch auf sich warten lassende Kanalisation, das Elektrizitätswerk, über das z. Z., mannigfache Klagen laut werden, die aber wohl mit der Zeit, durch, Abstellung erster, schwer vermeidlicher liebet» stände, verstummen werden, der Schulhausbau rc. Ferner dienen sie zur unvermeidlichen Tilgung älterer Schulden. Die beste Garantie, daß die mit den Anleihen über*' nommenen Verpflichtungen erfüllt werden, liegt in ber Rechtlichkeit unb Tüchtigkeit der stäbtischen Verwaltung. Zu bem erfreulichen Aufschwünge unserer Stadt hat die vorsichtige Anleihepolitik der Gemeinde nicht wenig beige*. tragen. Aus Stadt und Sand. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemeffeu honoriert. Gießen, den 14. Oktober. •* Von der zweiteu Kammer. Der Bericht des Ersten Llusschusses über die Regierungsvorlage betr.: 1. Nachweisungen über die Einnahmen und Ausgaben an Domanial- und Staatsvcrmögen und über die Verwendung ber bewilligten Staatsgelder für die Finanzperiode 1894/97 nebst 67 Anlagen und den von den Großh. Ministerien bezw. der Oberrechnungkammer gegebenen Erläuterungen; 2. eine Bemerkung der Großh. Oberrechnungskammer zu den vorerwähnten Nachweisungen; 3. die aus den Rechnungen des Fonds zur Ergänzung des Familieneigentums des Großh. Hauses für 1894/97 gefertigten Nachweisungen und die hierzu gegebenen Erläuterungen —, ist soeben erschienen. Wir werden erschienen. Wir werden darüber noch ausführlich berichten. — Der unermüdliche Abg. Köhler-Langsdorf hat einen Antrag auf Vergütung der Ortsgerichtsdiener für Mühewaltung bei Einlage des Grundbuchs eingebracht, und schreibt dazu folgendes: „Bei Anlegung des Grundbuchs beziehen Grundbuchrichter und Sekretäre die ihnen zustehenden sehr beträchtlichen Diäten, die sehr namhafte Zuschüsse zu deren Gehalte abgeben. Nicht so diejenigen Ortsgerichtsdiener, die in anderen Gemeiüden die Bestellungen an die dort wohnhaften Forensen ber in Anlage des Grundbuchs begriffenen Gemeinden zu vollziehen haben. Manche Ortsgerichtsdiener haben in solcher Weise oft Hunderte von Ladungen zuzustellen unb die richtige Erledigung zu bezeugen. Sie sind für den richtigen Vollzug auf ihren Diensteid verpflichtet, werden bei der geringsten Verfehlung in Strafe genommen, und erhalten dennoch für alles dies — nicht die mindeste Vergüümg. Eine Aenderung ist hier sehr am Platz und eilt sehr! Ich frage hierdurch: Ist die Großh. Regierung bereit, hierin alsbald Wandel zu schaffen?" — Die Petitions-Kommission der landwirtsch. Bezirksversammlung zu Langwadcn bittet, die Kammer wolle bei der Regierung dahin wirken, daß diese der Einführung einer staatlichen Hagelversicherung für das Großherzogtum Hessen näher trete oder doch wenigstens, wie es in Baden und Württemberg geschehen ist, den Abschluß eines bezüglichen Vertrags mit einer Versicherungsgesellschaft ins Auge fasse, damit so den Landleuten die Versicherung gegen Hagelschaden nahe gelegt und erleichtert werde. — Eine Vorstellung der Großh. Wagenwärter bei der Main- Neckar-Bahn, betrifft die Verbesserung ihrer Emkommensvcr- hältniffe. — Der Verband deutscher Musikwerke- und Auto- maten-Händler und --Fabrikanten in Leipzig rc. bittet, die Ständekammer wolle eine Revision des Gesetzes vom 12. Aug. 1899 vornehmen und die Bestenerung der mechanischen Musikwerke auf heben, auch Vorkehrungen treffen, daß die Spielzeit für dieselben einheitlich geregelt und nur inso- Gerichlssaal. + 13,5° 0. 4- 2,8» c. Niedrigste Höchste Niedrigste 12. 13. 13. die Grenze der Pflichtversicherung bilder. ________ — Vermischtes. »Kassel, 12. Oktober. Der Förster Brosius aus dem benachbarten Harleshausen wurde in derWaldung bet Wllhelms- höhe von Wilderern überfallen, entwaffnet und schwer mißhandelt. Brosius wurde lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht. -Merseburg, 12. Oktober. In der Stadt- und Sparasse zu Lauchstädt wurden große Unterschlagungen entdeckt. Sie sollen bis 1891 zurückgreifen und über 100.000 Mark betragen. Der Sparkassenrendant Meter hat sich erhängt. Zur Revision der Kasse sind Vertreter der Regierung em- weit beschränkt wird, als es mit den Vorschriften über Schonung der Sonntagsruhe iu Einklang zu bringen sttz — Wir hoffen, daß diese Bitte keine Erfüllung sindet. tfüt musikalisch empfindsame Menschen giebt es nichts Greulichere^ »als die mechanischen Musikwerke, die den Aufenthalt m jmanchen sonst recht angenehmen Lokalen unleidlich machen können. Sie machen den schönen Spruch des großen deutschen Dichters Wilhelm Busch wahr: Musik wird oftmals schwer empfunden, Weil meistens mit Geräusch verbunden. ** Werning'sche Kriegsfestspiele. Unsere Nachricht im Sonntagsblatte ergänzen wi» dahin, daß die für die hiesigen Kriegervereine festgesetzten ermäßigten Preise auch für die auswärtigen Kriegervereine gelten. Diese ermäßigten Preise werden für alle Kriegervereine nur im Vorverkauf bewilligt. -Es ist deshalb anzuraten, daß die auswärtigen Vereine die erforderliche Anzahl von Eintrittskarten vorausbestellen. Dadurch wird dem Festausschüsse die Arbeit wesentlich er- ' leichtert. Darmstadt, 12. Oft. Gestern früh erlegte der Größte rzog im Viernheimer Revier einen kapitalen Hirsch von 18 Enden, am Abend zuvor einen solchen von 12 Enden. gewährte Rente vom 1. Juni er. ab entzogen worden. Das Gericht erkannte dem Kläger nach Vernehmung des ^achverstandigew Fabrikant B i n d e w a l d ° Friedberg und des artlichen sachverständigen eine Rente von 10pCt. zu. — Dre ^nte des Otto Theiß zu Weickhartsham hatte die cudwestdeutsche polzberuv- geiwssenschast wegen eingetretener völliger Grmerbsfablgkett em- gestellt. Tie hiergegen verfolgte Berufung wurde vomGertch.verworfen. — Ter Anspruch des Maurermeisters Adolf- B o s zu Schotten war von der Sektion 6 der Hefilfch-Nassaupchen Bau- gewerksaerufsgenossenschaft abgelehnt worden, weil Bos weder elbstversichert sei, noch der Selbswerftcherungs p s l t ch t unterliege. Bös legte durch seinen Rechtsanwalt Berufung hiergegen em,der jedoch von dem Gericht ferne Folge gegeben wurde, da dre frühere Selbstversicherung in 1898 auf Antrag des Bos gelöscht worden war, uiid der Betrieb desselben über den Umsang hmausgeht, der einem reichen Turiner Katlfmann an. Bevor sie in die Wohnung zog, die ihr der Kaufmann gemietet hcstte, gewährte ie ihrem bisherigen Geliebten noch eine Liebesnacht. Aber als sie sich gestern früh für immer von ihrem Carlo trennen wollte, wurde sie von dem Unglücklichen erschossmr." * Die Pest. Gerüchte über Pestfälle in CuxHafen haben sich als durchaus wahrh eitswidrig herausgestellt. Mit einem in Cuxhaven cingetvonenen Schisse wurde ein Banker eingebracht, der der Pest verdächtig erschien. Tie Beobachtung und die bakteriologische Untersuchungj haben aber ergeben, daß von einem Pestsalle absolut teure) Rede sein kann. Tas betreffende Schiff ist sofort wredeft in freien Verkehr gesetzt worden. — Ein Telegramm aus-. Glasgow besagt, an Bord des dort Donnerstag abenÄ eingetroffenen Dampfers „Bavaria" sei ein KrankheilsscUr vorüäkommen, von dem man vermute, da ßcs sich um Pest handle. Ter Erkrankte ist ein Laskar (indischer Nitrose), er wurde alsbald ins Hospital geschafft. * Kapstadt, 12. Okt. Das Geschäftshaus des ColoniaL Mutual Life Assurance Asiociation wurde durch Feuer zerstört. Der Schaden wird auf 200 000 Pfund Sterling ge- schätzt. — Meteorologische Beobachtungen der Station (ließen. _______ AnstM mH Klugheit gebieten: Ifleget die Kaut! Aber pfleget sie rationell. Verwendet Doerings H , ______. , Ealen-Seifie zu Eurer Tollette. Drese feme' angenehme Toiletteseife ist selbst in den höchstes. Müm Gesellschaftskreisen zur Pflege und Verschönert der Haut cingefnhrl und erfreut sich der Gunst der feinen Damenwelt. Sie schützt Hande und, ' csicht vor 2lufspringen und Rauhwer>>en und erhält die Haut weich, weiß und jugendfrisch^ in lange dies nur möglich ist. Sw kann selbst ' Denen, die eine sehr empsindsame Haut habens unter Garantie des günstigsten Effektes, bett völligen Reizlosigkeit angelegentlichst empfohlew werden. Toring's JEnien-Seiie kostet,mn? 40 Psg. pr. St, 6495 ech. Gießen, 1LOkt. (Schiedsgericht für Arbetter- iveersicherung.) In der heutigen Sitzung führte Reg.-Rat Porschmann den Vorsitz. Die Sektion 6 der Suddeutfchen Eisen- und Stahlberussgenoffeirschast hatte bte Rente des ^rtebricf) Welz zu Lich auf 10 pEt. herabgesetzt. Hiergegest wurde Berufung eingelegt und behauptet, das Thränen des Augev und btc Verstopfung des Najenrohres stehe im Zufammluthang nut dem Unfall (Verletzung der Stirne). Der arstliche Sachverständige, Privatdozenl Tr. B ö t t i ch e r, der den Kläger 6 Wochen m Behandlung hatte, verneinte die streitige Hrage. Ebenso konnte sich die Augenklinik nicht mit Bestimmtheit dafür ausfprecheu. Tas -Gericht wies die Berufung zurück. — Die bem Karl R erd t zu iGießen bewilligte 7bprozentrge Rente hatte die ^uhriverksberufs- aenosfenschaft auf 60 pEt. herabgesetzt. Tas Gericht verwarf dw eingAegte Berusung, da Kläger wohl in,seinem Beruf als Kutscher kaum nrehr brauchbar sei, Nicht aber auf dem allgemeinen Arbests- markt, der maßgebend fei. Der ärztliche Sachverständige erachtet den Reidt ebenfalls wie Großh. Kreisgesundheitsamt nur um 60pEt. «erwerbsbeschräukt. — Gegen den dem Klaus Gimbel zu Bernsburg wegen Benwerletzung eine bOprozentige Rente bewilligenden Bescheid der Müllereiberufsaenoffenschaft war Berufung erfolgt und Gewährung der Vollrente beantragt. Das Gericht gab dem Antrag nach Anhörung des Sachverständigen, Kreisarzt Dr. Kon in e r, teilweise statt und verurteilte die Beklagte zur Zahlung einer Rente von 80pCt. — Die gegen beit die Rente des Taglöhners tzch. Phil. ,P a u l zu Altenstadt ails 10 pEt. herabsetzenden Bescheid der L-eltioit G der Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft verfolgte Berusiing verwarf das Gericht nach Anhörung des Sachverständigen Tr.Botst i ch e r, well die durch Fingerverletzung nahezu voll eingebupte Fähigkeit zum Rasieren nicht berücksichtigt werden könne und auch hier die Möglichkeit, auf dem allgemeinen Arbeit Verdtenft zu er» langen, maßgebend fei. — Von der Brauerei- und Älälzereiberufs- genosjenjchaft war die dem Wilhelm,E r e ß m a n rr zu Friedberg * Paris, 13. Oktober. Eine furchtbarer Erdrutsch fand gestern in der Steingrube von Lolle-et-bas in der Nähe des Militär-Lagers von Avon statt. Mehrere Artilleristen waren damit beschäftigt, Steine aus der Grube zu holen, als plötzlich in einer Ausdehnung von 10 Meter cm Erdrutsch erfolgte, der Wagen, Pferde und einen Artilleristen begrub Glücklicherweise konnte der Artillerist, allerdings schwer verletzt, von Kameraden herausgeholt werden. • Turin, 13. Oktober. Die Tänzerin Elvira Bar- bero wurde von ihrem Geliebten Carlo Capra durch drei Revolverschüsse getödtet. Der Mörder jagte sich^dann selber eine Kugel durch den Kopf. Carlo Capra war Student der Rechte in Bologna, als er die Tänzerm kennen lernte. Er faßte zu dem Mädchen eine, so tiefe Neigung, daß er seineStudien aufgab, sich mit seiner Familie überwarf und mit der Geliebten nach Amerika ging, um dort sein Glück zu suchen. Aber der Aufenthalt verschlang nur sein kleines Vermögen, ohne daß es ihm und der Signorina Elvira Borbero gelungen wäre, jenseits des Oceans eine gesicherte Existenz zu sinden. Im vergangenen Herbst kehrte das Paar nach Italien zurück. Während des Winters tanzte die Signora Elvira in Turm und Genua, aber im Sominer blieb sie ohne Stellung und ohne Geld. Ihr Geliebter fand einigen Verdienst als Kellner in einem Turiner Cafe. Schließlich wurde die schöne, Elvira dieses Elends , satt und .lnlipsie ein, Verhältnis mij Oktober Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 12 22b 750,1 + 11,6 7,1 70 N. 1 Bed. Himme^ 12. 925 750,2 + 8,6 7,9 95 N. 1 II u 13. 725 750,8 + 3,7 6,0 100 NE. 2 Nebel 13. 225 749,8 + 11,2 5,2 52 N. 1 Sonnenschein 13. 9" 750,1 + 6,8 7,0 94 8E. 1 bed. Himmel 14. 1726 748,6 + 5,5 6,3 94 SSE. 1 Nebel Hb chste 5 Temperatur am 12 Okt. + 11, 7° C. w o Ä Q -*• ** Q o i-O rr HD. w o P "p- s Z .o JX o 3 5 ■° P <2 o K p^ "5 CD C cj ä-® 5 S p Z 70 E 5 Ü - yS .5 "J5 ~ § < x- 'S P 2 ~ "£ Z g E^’5-2© p p g S- p VD 44 G> C E SJ S 5 * P u 55 5 :Q — O> C L - S e 6 *» £-£7^ Sg-L LL Ek§ 55 o p o ..Ei Q$i .5 Q ,P "tO O • TH* §2° 05 v £ -B ~ 5 - CD — _ N •» - ZL r- Sä •5 ® o ort S C5 clEÄSJt- <—► !_, c P s ■2-ääM VD E ' 3 E Q 'S <3 3 Ö S O E E E o isa CJ s E E OZ) E >O CD —1 Q rO E jQ . O « ® s » P c -L . G 3 >9" P V E « E S-E Ä O ’S CD rvH « § d 5* CD>X7' L o ÖÄ #2 fs CE- P =3 P . P P KI rs Z.j C ä «n Q cj M E « Qßi - - 'und Weißbindcrarbeiten sollen im Wege des schriftlichen -Angebotes vergeben werden. Jede der Arbeiten ist in drei Lose geteilt, sodaß es jderr Anbietern frei steht, Angebote auf einzelne oder alle Lose iMzulegen. Im Baubureau Licherstraße 59 (Gasthaus zur Stadt Ärch) sind in den Nachmittagsstunden von 2 bis 4 Uhr die Zeichnungen einzusehen und die Bedingungen wie die Ver- Lingungsanschläge gegen Zahlung oder portofreie Einsendung &er folgenden Beträge zu erhalten: MMM empfiehlt in guter Qualität zu billigen Preisen 6671 August KiSbinger, Seltersweg. 60 Pfg. für die Bedingungen der Spenglerarbeiten, 60 Pfg. für jedes der drei Lose derselben, 75 Pfg. für die Bedingungen der Weißbinderarbeiten, 90 Pfg. für jedes der drei Lose derselben. Die Angebote sind bis Freitag den 18. Oktober d. I., ^vormittags 10% Uhr auf dem Baubureau einzureichen, woselbst mn diese Zeit die Eröffnung derselben erfolgen wird. Zuschlagfrist 10 Tage. Gießen, den 12. Oktober 1901. Namens des Provinzial-Ausschusses der Provinz Oberheffen. i________________v. Bechtold.______________ Bekanntmachung. Bei" der Stadt Gießen ist die Stelle eines Mureaugehilfen der Bürgermeisterei Nlsbald anderweit ru besetzen. ( Mit der Stelle ist ein penstonsfähiger AnfangSgehcllt von 4800 -DIL, steigend mn jährlich 60 Wik. bis zum Höchstgehalt von 3000 Mt, auch Wittwerv- und Waisenoerforgung nach Maßgabe tder Satzungen über die Dienstverhältnisie der Gemeindebeamten Per Stadt Gießen verbunden. f- Militäranrvärter, welche eine der Prüfungen für Bureau- Vorsteher bei den Kreisämtern, 1. Kategorie im Finanzfach oder Für Gerichtsschreiber bestanden haben, auch im Stenographieren «gewandt sind, werden bevorzugt. , Bewerbungen mit Lebens lauf und Zeugnissen sind bis zum 25. November 1901 bei der unterzeichneten Behörde einzureichen. Gießen, den 11. Oktober 190L Grohherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ______________Mecum. ________________6834 AMMMlHkiichchkjW Ich bitte hiermit alle hiesigen Bürger, bei der bevorstehenden Bürgermeisterwahl von meiner Person absehen zu wollen, da ich eine Wiederwahl ablehne. Für das mir während meiner Thätigkeit seit 18 Jahren bewiesene Vertrauen und Wohlwollen sage allen innigsten Dank. 6838 _______Kreiling, Bürgermeister. Zur Teilnahme an dem Medaille^ Mruchteidenden ^1896.§ empfehle meine solid und dauerhaft gearbeiteten. Tag und Nacht tragbaren Giirtelbruchbänder ohue Federn, Leib-und Vorfallbinden. Für jeden Bruchschaden Grtraanserttgnng, deshalb jeder Versuch befriedigend. Außerordentlich zahlreiche Anerkennungs-- schreiben. Kein Druck wie bei Federoändern. Mein Vertreter ist wieder mit Mustern anwesend in Gießen Donnerstag den 17. Oktober, von 2 bis 7 Uhr, Restauration Riegelmann; in Wetzlar Freitag den 18. Oktober, von 8 bis 12 Uhr, Hotel Kaltwasser. Bandagenfabrik L. Bogisch, Stuttgart, Ludwigstr. 75. Das Dörflinger Bein ist das beste Kunst bein der Welt. mputierte verlangt Brochüre und Preisliste gratis! Kein Wundwerden des Stumpfes mehr! Eleganter leichter Gang! Persönliche Vorstellung zur Massnahme nicht erforderlich! Hierzu eigenes System! 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I Eafö Ebel b) Ansanaskursus für Herren: I Beginn: 18. Oktober. Freitag, abends 9 Uhr. ’ Die Anmeldungen zu beiden Kursen werden beim Beginn ent- , gegengenommeu, L) Für Mitglieder a) Forwildungskursus für Damen: Montag, abends 8 Uhr. EafS Ebel b) Fortbildungskursus für Herren: Beginn: 14. Oktober. Montag, abends 9 Uhr. Debattenkursus. Die Teilnehmer werden gebeten, zur Verabredung am 14. Oktober, abends 91/, Uhr, in das Vereins- lokal zu kommen. Zu weiterer Auskunft ist der Vorstand gerne bereit. fc756 _________Der Vorstand: Prof. Dr. Pitz. Uehermorgen Ziehung Darmstädter Pserde-Lotterie. 1 eleganter Wagen, Zrnrispävver mit 2 Pferden Mb kompl. Grschin i. M. von ca. Mk. 6000. 1 Reitpferd mit Sattel und Zaum i. M. von ca. Mk. 2000. 1 Stuhl wagen mit 1 Pferd und Geschirr i. M. von ca. Mk. 1700. 17 Pferde oder Fohlen im GrsMiotttc von Mk. 10300. 533 andere Gewinne im Gesamtwerte von Mk. 5000. Lose a l Mark, 11 Lose 1O Mark. 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