Nr.?L13^ Erstes Blatt. Mittwoch 15. Mai 1901 im Orchester auch hier und da „Holländer"-Reminiscenzen I niemals gelegener kommen konnte als eben iefet. em [feilen. Ganz ohne Reminrseenzen geht es ab in bem | (£ r a n e, mit dessen Entwürfen, Skizzen, Bilderi Walter 8» ühflf: Schlossgasse. radhaulllllg. IWihiis, Exprdwon un» INedwt: rchulßrah« 7. 151^ Jahrgang. e«, ge», eile, tuen, re. dessen Entwürfen, Skizzen, Bildern, Modellen usw. die Säle, das Treppenhaus und das Vestibül angefüllL sind, wird jetzt bei uns in Darmstadt schon größeres Verständnis finden, als das noch vor zehn Jahren möglich gewesen wäre, wo man einfach alles, was auf ein Erschließen neuer Inhalte und Formen ausging, als verrüEk bezeichnete. Es läßt sich nicht leugnen, daß der modernen Kunst starke Impulse von England gekommen sind, und thatsächlich ist man froh, wenn man sich von der engliscl>ew Politik zur englischen Malerei wenden kann und durch einen Walter Crane ein übersichtliches Bild empfängt van den hundert Möglichkeiten, sie unmittelbar in den Dienst? Neckreigen „Der Hagestolz", den Arnold Mendelssohn nach einem Gedicht aus Herders „Stimmen der Völker" in ein Tonleben gekleidet hat, das nicht mehr des Lokalpatriotismus zur Stütze bedarf. Alle guten Geister schelmischen, seligen Humors geben sich in diesem Neckreigen ein Stelldichein. gäbe der Bestimmungen über die Beitragspflicht zu Gemeindeumlagen aufzubringen sind. Die Vertretung der Gemarkung Schiffenberg als Ortsarmenverband geschieht durch die Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. Die Kosten der Armenpflege werden von der Großherzoglick^n Bezirkskasse Gießen I vorgelegt und von den Verpflichteten eingezogen. Die Beitreibung der Kosten erfolgt auf Grund der für die Umlagen geltenden Bestimmungen durch die Großherzogliche Bezirkskasse Gießen I. Tas Statut tritt am 1. Juli 1901 in Kraft, mit welchem Tage das Statut vom 9. 9tt)vember 1895 aufgehoben ist. Gießen, 10. Mai 1901. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Abrisse für Deplle, er glaube aber, unter dem Truck des Willens der Kammer werde für die Leute, wenn keine 15 Prozent, vielleicht 10 Prozent Erhöhung ihrer Pensionen herauskommen. Bei der Abstimmung wird der Antrag der Ausschußmehrheit, die Vorstellung für erledigt zu erklären, mit 18 gegen 17 Stimmen angenommen. Zur Annahme gelangen ferner noch, der Gesetz-Entwurf über das Verfahren auf Grund der Vorschriften in den Paragraphen 20 und 22 der Gewerbeordnung betr., und die Regierungsvorlage, den Gesetz-Entwurf die Abänderung des Art. 22 des Gesetzes vom 12. August 1896 über den Bau und die Unterhaltung der Kunststraßen im Großherzogtum betreffend. Ferner genehmigt die Kammer die Regierungs-Vorlage, die Einreihung des technischen Lehrers Dr. Ang. Scheuermann zu Worms und des Zeichenlehrers Heinrich Getrost unter B. b. 10 der Besoldungsordnung ohne Debatte. Abg. Wolf hat die Abänderung oer Landgemeinde- Ordnung dahin gehend beantragt, daß den Bürgermeistern nidjt gestattet sein soll, bei ihrem Amte eine Wirtschaft zu treiben. Der Ausschuß beantragt, den Antrag bis auf weiteres für erledigt zu erklären und die Kammer beschließt nach einer im Sinne des Antrags Wolf zustimmenden Erklärung des Staatsministers Rothe demgemäß Zu dem Antrag Molthan- Köhler -Tarmstadt, Errichtung einer Handelshochschule in Hessen betr., hat die A u s s ch u ß m e h r h e i t beantragt, den Gegenstand für erledigt zu erklären, während Aog. Molthan und Gen. GietzeimAnzeiger v General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. G. Darmstadt, 13. Mai. Nach einer längeren Pause trat heute mittag um halb vier Uhr die Zweite Kammer der Stände zu einer neuen Tagung zusammen. Zur Ordnung steht zunächst die Rückäußerung der Ersten Kammer über oen Initiativantrag der Äbgg. Reinhardt und Genoffen, die Abänderung der land- ständischen Geschäftsordnung vom 17. Juni 1874, insbesondere die Wahl eines zweiten Vizepräsidenten betr. Abg. Schönfeld als Berichterstatter empfiehlt dem Antrag der Ersten Kammer beizutreten, was auch geschieht. Zu dem Antrag des Abg. Kö hier-Langsdorf, die Erbfolge in der Regierung des Großherzogtums Hessen betreffend, wird auf Antrag des Abg. Reinhardt mit 21 gegen 18 Stimmen zur Tagesordnung übergegangen, nachdem auch Staatsminister Rothe sich in gleichem Sinne ausgesprochen hatte. Für den Antrag traten die Abgg. Köhler- Langsdorf, Dr. David und Weidner ohne Erfolg ein. Eine Anzahl Anträge und Vorstellungen werden sodann zur Berichterstattung an den Ausschuß verwiesen. Die Vorstellung der vor 1897 pensionierten Beamten um Aufbesserung ihrer Pensionsverhältnisse betr. hat die Ausschußmehrheit für erledigt erklärt, während die Minderheit für Gewährung des Gesuches eintritt. Abg. Schlenger tritt in warmer Weise für die Bewilligung der Pensionserhöhung xin, ebenso der Abg. Backes, der noch darauf hinweist, daß eine große Anzahl Lehrerpensionäre eine Besserung ihrer Pensionsverhältnisse ick)er erhoffen. Auck) der Abg. I -o n tz tritt für den Minderheitsantrag ein und wünscht, daß den Pensionären im Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit ihr Gesuchi genehmigt werde. Staatsminister Rothe weist darauf hin, daß die Regierung für diese Pensionäre ein sehr wohlwollendes In- * 8.50 Jas vack (MO S Btyigspreli Ml. 2.20, mrmall. 76 Wst. wm< örmyrietyi; durch Sa Mk. 1.90, mettall. 66 PU. vtt Postbezug virttcktshM» Rk. 2.00 »hur Bkstrgp». Äe 'Be rrartrt umM- M und Uu8HeW Mbaufi Vtn^iqtn für M •kfczwr «njc.qer tnlgtw ZeUeaprero lokal II WA, euoetitU to pjg. unserer Lebensbedürfnisse zu stellen. Man weiß nicht, worüber man billig zuerst )iaunen soll: über den Reichtum der Phantasie, der mit geradezu olympischer Sieges-- freubigteit in den verschiedensten Welten und Stoffkreisew sich ergeht, heute einen plastischen Kaminfries gliedert, morgen an einem tief symbolischen Werke wie „Brücke des Lebens" arbeitet, um etrva übermorgen Kostümfiguren für ein Maskenfest ober illustrativen Schmuck für Kinderbücher zu ersinnen — oder ob man sich gefangen nehmen läßt von der riesigen Arbeitskraft, die kein Erlahmen, feine Erschöpfung zu kennen scheint und die in dem, was sie leistet, zugleich einen interessanten Beleg für eine Thatsacho bringt, die zuweilen dem Gedächtnis der Menschen entschwindet: daß die universellen Künstler auch immer große .Handwerker gewesen sind, daß sie nicht nur die überkommene Technik beherrschen, daß sie sie auch vermehren und sich für ihre Ideen, zeichnerischen Entwürfe uni> Farbenträume auch neue Verfahren und neue Ausdrucksmittel schaffen. Walter Crane ist nie verlegen, wenn es- ich darum handelt, einem andern Einfall die adäguate Form zu sichern; er fühlt es mit unbeirrbarer Sicherheit, für welches Sujet er die Oel-, Aquarell- oder Gouachetechnik anroenben soll. Dieser englische Meister darf in der Thal auef) für die deutsche Kunstwelt, die in Litteratur und Musik die britische so weit überholt hat, eine vorbildliche Rolle ausüben, und wir, die wir einen Beethoven und Wagner zu den Unseren zählen, wollen den Ausspruch )es englischen Malers Leigh ton : „Die tiefen Elemente der deutschen Poesie, welche im Grunde der deutschen Natur liegen,, sind der Welt nicht durch Gestalt und Farbe, sondern auf den Wellen des Tons übermittelt worden", nicht gan& von der Hand weisen. Von der Ausstellungseröffnung auf der Ma- thildenhöhe trennen uns nur noch wenige Stunden Es ist hier ein öffentliches Geheimnis, daß das Unternehmen in all den Kreisen, in denen der engherzige Philisterstandpunkt vorherrscht, zwar auf keine laute Opposition, wohl aber auf einen passiven Widerstand trifft, der vor nichts anderem dahin schwinden wird als vor den That-, fachen des Erfolges. Wenig hat es geholfen, daß auf Anregung des Vorstandes des hiesigen Volksbildungsvereins einer aus der Schar der Sieben, Bildhauer Rudolf Bosselt, in längerem Vortrage einem zahlreick-en Auditorium Aufgaben und Ziele der Mnstlerkolonie aus- einanderfetzte. Ter Erzphilister bleibt bei seinem Sprüchlein, und dieses lautete gewöhnlich so: „Tas ist doch nur eine Kunst für die Reichen! Und es liegen auch keine Bedürfnisse für dieselbe vor." Als wenn man nicht auch Bedürfnisse schaffen und einen harten Boden aufnahmefähig machen könnte! Und was der Vorwurf „Kunst für die Reichen" anlangt, sv genügt zu feiner Entkräftung der Hinweis auf die Unsummen, die jahraus, jahrein ein unerzogener, ungeläuterter Geschmack für kostspieligen, unechten Krimskrams vergeudet, der nicht zur Verschönerung, nur zum protzenhaften Aufputz der Wohnräume bient. Tiefes Kapital könnte edler und ersprießlicher verwendet werden, sobald das Publikum fähig geworden ist, die Fabrikationen zu beeinflussen. Einen Beitrag zur künstlerischen Erziehung der Massen will die „Künstlerkolonie" stellen, und dieser ihrer vornehmsten Aufgabe, zunächst mit der Anstellung näher treten, die jedenfalls dazu geeignet ist, auch >en Gleichgiltigen einen Eindruck zu verschaffen von der Fülle der Arbeit und des Könnens, die aufgeboten wurde, um einer Kunstrichtung zum Dasein zu verhelfen, die sich unmittelbar an das Leben wendet. Daß die Kunst wieder wie einst in den hochgesegneten tagen der Renaissance darnach ftrebt, von der Beschränkung auf Gallerien und Museen loszukommen, lehrt gerade jetzt eine Ausstellung im Kunstverein am Rheinthör, die Briefe aus der Westdeuz. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") Nachdruck verboten. Neuheiten tu Oper und Konzert. — Kunstlerkolouie und Philistertum. — Walter Grane in Darmstadt. Dr. M. Zu den musikalischen Ereignissen gehört das Bühnenspiel „G u g e l i n e", das heute Sonntag seine zweite Aufführung erlebte, nicht, obwohl das Publikum ihm einen herzlichen Empfang bereitet, und die Kritik sich alle Mühe gegeben hat, dem Werk recht Viel Gutes nachzusagen. Komponist wie Textdichter sind ernst zu nehmende Leute, letzterer : Julius Bierbaum, in seinen „Erlebten Gedichten" der Erwecker der Neidhart-Poesie, hat in der schönen Litte- > ratur bereits seine bestimmte Note, und sein Märchen- fpiel „Ohigeline" trifft wenigstens stellenweise den naiven ► Ton naiver Menschen recht glücklich. Im Unterschiede zu den didaktischen Märchen Ludwig Fuldas ist es ein Phan- tafiemärchen, zu dem ein anmutiges und leichtes Spiel • in Tönen am besten passen würde. Die Vorbilder zu einer derartigen Märchenmusik, die auf Elfenfüßen dahergleitet, . liegen aber unseres Eracvtens weit eher in Webers „Oberon", in Mendelssohns „Lorelei" und „SommernachtS- traum"-Musik, in Lortzings „Undine", als im wuchtigen Wagnerorchester, von welchem sich Ludwig Thuille nicht trennen kann. Unsere Ko n ze r t s aiso n hat kürzlich abgeschlossen mit einem von der „Humanita s" veranstalteten Abend, der r durch den Umstand, daß jede Nummer des Programms den Vermerk „zum ersten Male" trug und heimische Wort- und Tondichter in ihm zumeist zur Geltung gelangten, einen ganz aparten Charakter empfing. Den Anfang machte die von Karl Fli lisch komponierte chinesische Ballade „Bel- iazar", die für Männerchor und großes Orchester gesetzt, bas Talent des Verfassers, welches wir in kleinen Opern und Balletstücken schon öfters höflich geprüft haben, auf rotem neuen Felde zeigte. Mit Spannung sah man der Vertonung des Gottfried L ch w a b'schen preisgekrönten „Flottenlieoes" „Michel, horch' der Seewind pfeift" entgegen. Bei bem Komponisten 6. Walter-Choinanus, Der es dein Männerchor und icvßen Orchester übergab, ist es an den rechten Mann ge- • Kimmen. Text und Musik wachsen zusammen. Im guten öEitne des Worts können beide populär werden, wenn sich hort fel-Lager Ki*stiefein a,len Preislagen. ”Un9' ' 3(94 zum Kauf! •Lotterie zu Zwecken der Deutschen Schutzgebiete n AA (Porto und Liste JiOU 30 Pf. extn.) jlgende Tage zu Berlin. rinne, 0Är oooo •* >0000 * >5000' 15000 •* 80000a 30000 10 000 A = 50000 « 15000K $0000 * 340000 « Ä S „ cnkwirln M. ICW, HambM doeiüniäller. Bekanntmachung. «m Moutag, 20. Mai d. 38., vormittags 10 Uhr, wird sine ©eneralüerfammhitifl des laudw. Bezirksver- ems tm Leoz'scheu Saale (Felseukeller) dahier mit folgender Tagesordnung stattfinden: 1) Feststellung des Voranschlags für 1901/02; 2) Wahl von 3 Mitgliedern des Ausschusses des Bezirksvereins ; 3) Mitteilungen; 4) «ottrag des Herrn Schulrat i. P. Dosch von Worms über „Teichwirtschaft, tusbefoudere unter welchen Berhältniffen wird sich der Kleinbetrieb rentabel gestalten?" Ich lade hierzu die Mitglieder des Vereins und jeder- Mauu, der sich für Gegenstände der Tagesordnung interessiert, freundlichst ein; insbesondere mache ich auf den Vortrag über Telchwirtschaft aufmerksam. Die Herren Bürgermeister des Vereinsbezirks wollen in ihren Gemeinden gefälligst ortsübliche Bekanntmachung er» «affen unb sowohl selbst erscheinen, als auf einen zahlreichen Besuch hinwirken. Gießen, den 11. Mai 1901. Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins. v. Bechtold. Statut, betr.: Tie Vertretung ber Gemarkung Schiffenberg als Ortsarmenverband und die Aufbringung der Kosten der öffentlichen Armenpflege. In Gemäßheit des Art. 3 des Gesetzes vom 14. Juli 1871 die Ausführung des Reichsgesetzes über den Unter- shützungswohnsitz betr. und des Art. 48, V, 4 der Kreis- unb Provinzial-Ordnung wird hiermit nad)1 Anhörung ber Beteiligten und mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 7. Mai 1901 zu Nr. M. I. 13183 bestimmt, baß die in der Gemarkung Schiffenbera er wachsenden Kosten ber öffentlichen Armenpflege nach Maß- beantragen, die Angelegenheit der Großh. Regierung zur geneigten Erwägung zu unterbreiten. Abg. Köhler-Tarmstadt begründet seinen Antrag und weist darauf hin, daß den Bedürfnissen des hessischen Dandelsstandes Rechnung getragen werden müsse. Tie Frage, wo diese Schule zu errichten sei, könne leicht entschieden werden, und die Technische Hochschule zu Tarm- stadt werde wohl in erster Linie hierfür in Betracht kommen müssen. Abg. M o l t h a n -Mainz tritt für die Errichtung einer Handelshochschule überhaupt ein. Tie Entwickelung der kommerziellen Verhältnisse des Teutschen Reichs bedinge auch eine bessere Ausbildung der kaufmännischen Jugend. Mit den höheren kaufmännischen Schulen habe man die schönsten Erfolge erzielt, und er hoffe, daß auch in Hessen recht bald eine kaufmännische Alma mater erstehen möge. Tie Regierung möge die Errichtung dieser Anstalt in wohlwollende Erwägung ziehen. Abg. Dr. David tritt für die Errichtung der Schule in Mainz ein, das durch Wegnahme der Universität geschädigt worden sei. Turch seine Lage am Rhein sei Mainz wie geschaffen, eine Handelshochschule in seinen Mauern aufzunehmen. Staatsminister Rothe betont, die Großh. Regierung bringe dieser Frage volles Verständnis entgegen. Eine Entscheidung sei aus finanziellen Gründen noch nicht möglich, doch sei sie der Frage soweit wie möglich näher ge-^ treten. Tie Errichtung einer solchen Schule in Mainz werde mit bedeutenden Kosten verbunden sein. Doch sei noch kein Schritt in dieser Richtung geschehen. In dieser Sache halte sich die Regierung jede Entschließung vor. Tie Abgg. Z i n ß e r und Schönberger warnen vor einer neuen Belastung des Landes durch Errichtung einer dritten Hochschule. Sie würden hierfür keine Verantwortung tragen. Ter Ausschußantrag wird hierauf mit großer Majorität a n g e n o m m e n. Hiernach wird die Sitzung um 7 Uhr geschlossen. —i Morgen früh 9 Uhr Fortsetzung der Beratung. Deutscher Reichst^. Berlin, den 18. Mat 1901. Das Haus erledigte zunächst ohne Debatte in erster und zweiter Lesung die von mehreren Staaten in Paris geschlossene Uebereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums, und nahm sodann den Nachtragetat und den Gesetzentwurf betreffend das Flaggenrecht der Kauffahrteischiffe in dritter Lesung debattelos an. - Es folgt die zweite Beratung der Novelle zum Branntweinsteuer-Gesetz. Laut Art. 1 Abs. 1 der Vorlage wird der Bundesrat ermächtigt, für die Veranlagung von Genossenschaftsbrennereien besondere Bestimmungen zu erlaffen. Die Kommission lehnte diese Bestimmung ab, beantragt dagegen einen Zusatz, wonach für Brennereien, die bis zum 1. Oktober 1902 betriebsfähig hergerichtet sind, die in Rechnung zu stellende Alkoholmenge 50 000 Liter vicht überschreiten darf, und für Werke, die bis zum 1. Oktober 1901 betriebsfähig hergerichtet find, diese Menge bis auf 80 000 Liter bemessen werden darf, sofern die Verträge für den Bau des Brennereigebäudes, sowie den Bau der erforderlichen Maschinen vor dem 16. April 1901 abgeschloffen find. Hierzu liegt ein redaktioneller Antrag vor. Abg. Gamp (Rp.) referiert über die Kommissionsverhandlungen. Abg. v. Kardorff sRp.) bittet unter Heiterkeit des sehr gut besuchten Hauses um Ruhe, da man den Ausführungen des Redners nicht folgen könne. Abg. Fischbeck (ftf. Bp.) hebt hervor, daß die Kommission dem Wunsch des Seniorenkofivents nicht nachgegeben habe, welcher wünschte, daß die Kommission ein Notstandsgesetz vorschlagen sollte, wodurch das bestehende Branntweinsteuergesetz um ein Jahr verlängert werde. Die Kommission habe vielmehr mit ihren Beschlüssen Sonderintereffen Vorschub geleistet. Die freisinnige Volkspartei stimme gegen die Kommisfions' anträge. Abg. v. Wangenheim (B. d. L.) führt aus, die vorgeschlagene Maßregel sollte eine Benachteiligung der alten Brennereien verhindern. Allerdings wünsche man die Produktion einzuschränken, um eine spätere gesunde Erweiterung zu ermöglichen. Abg. Pachnicke (frs. Ver.) bemerkt, eine Verlängerung des bestehenden Gesetzes hätte genügt, damit die Negierung Ungerechtigkeiten vorbeugen könnte. Die Kommission sei bestrebt gewesen, die Konkurrenz der kleineren Brennereien hintanzuhalten. Seine Partei stimme gegen die Kommissionsanträge. Abg. v. Kardorff (Rp.) erhält das Wort, unter der Heiterkeit des Hauses wird aber konstatiert, daß er im Saal gar nicht anwesend ist. —' Landwirtschaftsminister Podbielski ist zugegen und wird vielfach begrüßt. Abg. Wurm (Soz.) führt aus, die vorhandenen Brennereien wollen nicht dulden, daß neue entstehen. Sie wollen das Angebot künstlich verringern. Der Gesetzentwurf sei auf die ostelbtschen Spiritus- brennereten zugeschnitten, und dagegen müßten die süddeutschen Regierungen protestieren. Abg. P a o s ch e (natl.) tritt namens eine« großen Teils der Nationalliberalen für die Kommissionsbeschlüffe ein. Den großen Brennereien werde keineswegs eine besondere Wohlthat erwiesen, sie müßten sogar ein Opfer bringen, während die kleineren Werke bis zu 360 Hektoliter gar nicht der Brennsteuer unterworfen seien. Abg. Komierowski (Pole) befürwortet die Kommissionsbeschlüffe. Abg. Richter (fr. Vp) führt aus: Das schwierige Gesetz hat Monate lang im BundeSrat geschwebt, auch die Kommission hat ihre Beratungen lange hinausgeschoben und ist dann plötzlich in 24 Stunden zu dem gegenwärtigen Entwurf gekommen. Wer will bestreiten, daß die Bestimmung des Artikels 1 dauernden Charakter trägt? Die Kontingentsperiode läuft bis 1903. Nach den Bestimmungen der Kommission ist danach eine Herabsetzung des Kontingents bis 1908 geplant. Es handelt sich einfach um die Erschwerung der Konkurrenz neuer Brennereien. Abg. Holtz (Rp.) bemerkt: Die Zeit dränge; der Seniorenkonvent konnte nicht nochmals beraten. Wir hätten viel lieber die Regierungsvorlage angenommen, aber etwas mußte geschaffen werden, und da trat die Notlage ein. (Heiterkeit links). Der Zweck der Vereinigung der Brennereien, welche Richter einen Ring nennt, war durchaus wohlwollend. Wenn wir jetzt das Höchstkontigent herabsetzen wollen, so liegt das einfach «l dem Verhältnisse des Konsums, welcher relativ zurückgegangen ist. Die Spiritusvereinigung hat große Opfer gebracht, um den Konsum allenthalben so hoch zu halten wie die Produktion. L ude (Bund der Landw.) legt dar: Die Einführung der Fabrikaisteuer führt nicht nur den Kampf aller gegen alle herbei, sondern bedeutet auch den Ruin des Ostens. Wenn wir nicht dafür sorgen, daß Konsum ungefähr gleich bleiben, können wir imsern ®ptrltu6 m bie Ostsee gießen. Süddeutschland wird vom Osten ‘ W™, Baden und Württemberg wird das Kontingent kaum konsumiert. Der redaktionelle Antrag Biesenbach und die Kommissionsbeschlüffe »erden gegen Stimmen der Freisinnigen, Sozialdemokraten und eines großen Teiles der Nationalliberalen angenommen. In Absatz 2 des Artikels 1 wird nach der KommisstonSiessuna bestimmt, daß die bestehenden Branntr-emsteunsätze untlrErhübunq um 50 Proz. bis zum 30. September 1902 sorterhoben werden Abg. Fischbeck (fr. Vp.) bekämpft di« Faffung der Kommsisivn Dieselbe bedeute eine weitere Licbrsgabe. Man wolle bem Spirtius-. ring die Möglichkeit geben, weitere Prcistreiberetcn du.chzuiühren Auch die chemisch« Industrie werde darunter leiden. Abg. v. Wangenheim (B. b. L) entgegnet, der Reichstag möge nur dafür sorgen, daß der Getreidebau w;rd.r rentabel werde, dann gebe der Getreidebau ohnehin zurück. Der SpirituSriug habe nur dafür gesorgt, daß der bmatuitexte Spiritus billiger wurde. Die chemische Industrie st-he so glänzend da, daß sie, wenn dies überhaupt etntnten sollte, einen so minimalen Verlust leicht tragen könnte. Abg. Wurm (Soz.) schließt sich den Ausführungen deS Abg. Fischbeck an. Seine Partei würde sich um die Branntweinsteuer überhaupt nicht kümmern, wenn sie vom Brenner bezahlt würde, so aber werde sie vom Konsumenten getragen. ES liege im Interesse der Landwirtschaft, daß ungezählte kleinere Brennereien entstehen. Die Mehrheit wolle durch bte Erhöhung der Brennsteuer den Versuch machen, die Genosfenfchaftsbrennereien einzufchränken. Dagegen müffe Widerspruch erhoben werden. Abg. v. Kardorff (Rp.) führt aus, die jetzigen GesetzeSzustönde seien zu Stande gekommen, weil der Staat 100 Millionen Mark Geld brauche und der Branntwein das beste Steuerobjekt bedeutete. Dafür ist den landwirtschaftlichen BrennerctrN kein Schutz zu Teil geworden. Die Spiritusoereinigung hat den denaturierten Spiritus verbilligt und dadurch ein Gegengebot geschaffen zur Verteuerung deS Petroleums und der Kohlm. Abg. Pachnicke (fr. Vg.) spricht sich gegen die Kommtssiovs- fassung aus. Die Brennereisteuer erscheine schon prinzipiell anfechtbar. Abg. F i s ch b e ck (fr. Vp ) beantragt, die Brennsteuer auf ein Jehr zu verlängern Der Antrag wird ab gelehnt und die Kommis sionS- f a s s u n g des Artikels 1 angenommen. Artikel 2 der Regierungsvorlage wird gemäß deS Kommissions- Vorschlages gestrichen und der Rest des Gesetzes in der KommissionS- faffung angenommen. Es folgt die dritte Beratung der Gesetzentwürfe Albrecht und Trimborn, betreffend die Gewerbeg^ichte. In der Generaldebatte erklärt Abg. Hegelmeier (Rp.) namens seiner Fraktion, dieselbe sei gegen den Entwurf, weil er die Gewerbegerichte in Städten mit mehr als 20000 Einwohnern obligatorisch machen wolle; 2. weil er ben Begriff Arbeitgeber zu weit fasse; 3. weil der Erscheinungszwang in dem Gesetz ausgesprochen fei. Damit schließt die Generaldebatte. Abg. Trimborn (Ztr.) beantragt bei der Bestimmung: Erscheinen zum Eintgungsamt, hi^zuzusügen, daß auch Vertretung zulässig sein solle. Der Antrag wird angenommen, ebenso der Rest des Gesetzes und auch in der Gesamtabftimmung. Es folgt eine längere Geschäftsordnungsdebatte. Präsident Graf Ballestrem schlägt vor, morgen um 11 Uhr eine Sitzung abzuhalten mit der Tagesordnung: Petitionen, Rechnungssachen, 3. Beratung der Vorlage betr. das Ueberemkommen zum Schutz des gewerblichen Eigentums, 3. Beratung des Handelsprooisorkums mit England, 3. Beratung der Vorlage betr. den Zoll auf Blauholz rc. aus Haiti, 3 Beratung der Novelle zum Branntweinsteuergesetz, Bericht der Kommission über die Wahl deS Abg. Holtz. Abg. Singer (Soz.) protestiert dsgegen, daß dir dritte L-sung der Branvtwev'ftcuernovelle bereits morgen rorgenommen werden soll. Präsident Graf Ballestrem schlägt deshalb die nächst; Sitzung für Mittwochvormittag 9 Uhr vor. (H.iierkeit.) Abg. Bassermann (ntl.) beantragt, die Wahlprüsunz von der Tagesordnung abzusetzen, da der Kommission zu wenig Zeit zur Prüfung bleibe. Abg. Gröber (Ztr.) widerspricht dem, worauf der Antrag Bassermann angenommen wirb. Nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr. Schluß der Sitzung 5V< Uhr. Aus Stadt und Land. Gießen, 14. Mai. ** Persoualuachrichten. Der Großherzog hat dem Kammerdiener Heinrich Pfifferling zu Schlitz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für Verdienste"; den Forftschützen Johannes Link IV. in Pfordt und Justus Pfeiffer in Untecschwarz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Verdienste-, und dem Oekonomieknecht Valentin Dickert in Schlitz, sowie den Waldarbeitern Andreas Becker in Willofs, Kaspar Becker dort, Georg Fehr II. in Schlitz, Konrad Hildebrand Hl. in Willofs und Heinrich Weppler III. in Schlitz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Arbeit" verliehen. — Ernannt wurde der HUfskanzleiwärter Karl Heinrich Schmidt zu Darmstadt mit Wirkung vom 6. d. Mts. zum HauSwärter im neuen Kanzleigebäude zu Darmstadt; der Packmeister in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Johannes Noll I. in Gießen als unkündbar angestellt. — Der G roß- Herzog hat den Bureauvorsteher bei dem Kreisamt Worms Heinrich Merkel zum Bureauvorsteher bei dem KreiSamt Oppenheim den Burean-Vorsteher bei dem KreiSamt Oppenheim Philipp Hübner zum Bureauvorsteher bei dem KreiSamt Worms — mit Wirkung vom 1. Juni an, ernannt. — Ernannt wurden der Hilfsdiener bei dem Amtsgericht Mainz Albert Holland zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Nidda mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts feines Nachfolgers, der Militäranwärter Paul Guckeri in Griesheim zum Hilfsdiener bei dem Amtsgericht Mainz mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts. a. Mendorf a. d. Lda., 13. Mai. Der in weiten Kreisen bekannte Lehrer i. P. Sellin ist hier nach zurückgelegtem 80. Lebensjahre gestorben, nachdem ihm seine Frau um eine Woche in den Tod vorauSgegangen war. Der Verblichene hat in jüngeren Jahren als Wanderlehrer im Dienste der inneren Mission gestanden, ist dann Hauslehrer bei der gräflich Solmsischen Familie in Laubach gewesen und war zuletzt bis zu seiner vor acht Jahren erfolgten Pensionierung an zwei Otten des Kreises Gießen als Volksschullehrer thätig. § Hungen, 13. Mai. Im benachbarten Orte B. schoß der dortige Jagdpächter in seinem Revier einen Hund tot. Der Besitzer des Hundes wurde gegen den Jagdpächter auf Schadenersatz klagbar, doch kam ein Vergleich zu stände, wonach der Hundebesitzer eine Entschädigung von 100 Mark erhält. tz. Ranstadt, 12. Mai. Heute nachmittag fand in hiesiger Gemeinde die Einweihung deö neu errichteten Friedhofes statt. Ts beteiligten sich daran die ganze Gemeinde und noch Hunderte aus sämtlichen umliegenden Orten. Zunächst wurde Abschied von dem allen Friedhof genommen; der Pfarrer des Orts hielf eine ergreifende Abschiedsrede und sührte an, daß ans diesem Friedhof innerhalb 61 Jahren 882 Personen beerdigt wurden. DaS größte Sterbejahr war 1845 mit 33 Personen, baß geringste 1887 mit 5 Personen. Die Ge- meinoe hat während dieser Zeit durchschnittlich 700 Einwohner gehabt. Der Zug zog hierauf auf den neuen Friedhof. Der Posaunenchor von Ober-Mockstadt begleitete die gesungenen Choräle vnd der hiesige Gesangverein trug mehrere paffende Gesänge vor. ho. tzerboru, 13. Mai. In der letzten Versammlung des Altertums-Vereins wurde beschlossen, eine Denkmünze zur Feier des 650jährigen StadtjubiläumL prägen zu lasten in der Größe der Fünfmarkstücke, in einem goldähnlichen Metall (Tombak) und in fein Silber (950). Die Silberdenkmünzen werden nur in beschränkter Anzahl und auf vorherige Bestellung geprägt. Probestücke fanden wegen der wunderschönen Ausführung allgemeinen Beifall und zahlreiche Besteller. Frankfurt a. M., 13. Mai. Für die am 23. Mai fiatt- findende Sitzung des Bezirkseisenbahnrates Frankfurt a. M. ist folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Antrag des Kommerzienrates Fehr-Flach betreffend Ausdehnung des PakettarifeS der ehemaligen Hessischen Ludwigsbahn auf die Direktionsbezirke Mainz, Frankfurt a. M. und Kassel. 2. Antrag des Senators Henkel zu Göttingen betreffend die Einlegung eines Zuges ab Kassel 9 30 mit Gegenzug. 3. Anträge des Herrn Bertelsmann (Handelskammer Bielefeld) betreffend Durchführung des Zuges 458 der Strecke Kaffel- Paderborn bis Hamm und Anhalten des Zuges 35 der Strecke Aachen-Holzminden in Geseke. 4. Antrag des Fabrikbesitzers Ferd. Wüstefeld u. a. betreffend Ermäßigung der Lagerplatzmieten. 5. Antrag des Kommerzienrates F. C. B. Koch in Gießen betreffend Errichtung einer Personen- haltestelle der Main-Weserbahn im Norden der Stadt Gießen. 6. Fahrplanänderungen im Sommer 1901 und im Winter 1901/1902. Universitäts-Nachrichten. — Der Senior der Universität Bonn, Geh. Mebizinalrat Dr. Frarz v. Leydig, ordentlicher Professor der vergleichend»» Zoologie und Zootomtc, feiert am 21. dS. seinen 80. Geburtstag. — Aus Straßburg wird geschrieben: Von der hiesigen Universität ist für die Pleisaufgabe der Lamey-Stiftung (der P et8 beträgt 2400 Mk.): „Die anakreontische Poesie des 18. Jahrhunderte in Deutschland in ihrem Verhältnis zur französischen GesellschaslSpoesie", bte EtotteferungSfttst bte zum 1. Januar 1902 oerißngnt wordcn. Unter den neu gestellten Ausgaben befindet sich die folgende, die auch weitere ft-eife interessieren dürfte: „Die verfassungsmäßige D rant- worttichkeit des RrichSkanzlerS nach ihrem Umfange und ihren Wirkungen". — AuS Würzburg, vorn 11. ds., schreibt man: Die hiesig; Universität beging brüte die Frier ihres 319 StiftungS» festes. Rektor Profissor Dr. Abert hatte sich als Tbema zur Festrede „Das Wesen deS Christentums nach der Auffassung ketz heil. Thomas v. Aquino" gewählt. — Der ordentliche Professor der Psychiatrie und der Direktor der psychiatrischen Klinik Dr. R. Wollenberg hat sich am 9 bö. mit einer Antrittsvorlesung „lieber krankhafte Rkwußtseinsstörungen" an der Universi ät Tübingen «ingesühtt. — Demnächst wird an der Universität Berlin ein Institut für Lichtbehandlung unter der Leitung von Professor Dr. E. Lefser, dirigierendem Arzte an der Charta, eröffn« we.den. DaS neue Institut dient der Behandlung von Hautaffcktionen mit elektrtfchem Bogenlicht nach der Methode FinsenS. — Der Dozent der Baukunde (Eni- roe-.frn von Berg- und Hüttengebäuden) an der kvnigl. Bergakademie zu Freiberg, P. Roch, ist zum ordentlichen Pxofesior «nennt wordcn. — Der außerordentliche Professor Dr. F. Zoll wurde »um ordentlichen Professor detz österreichischen Zivilrechts an der Universität in Krakau ernannt. Theater, Kunst und Mist'enschast. — Bon der Künstler-Koloni« in Darmstadt. Für die Theatervorstellung am Abend des Eröffnungstages sind die Preise der Plätze ftstgesktzt: 1. Rang 5 Mk, Saal (vor den Hortensien) 5 Mk., eöe übrigen Plätze 3 Mk. Vormerkungen werden diS zum 15. Mai, 2 Uhr, an die Leitung der Darmstädter Spiele erbeten. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Aadrikatiorr vonZigarren« Der Jahresbericht der Handelskammer Hanau schreibt: Für die Zigarrenfabrikation war nach übereinstimmenden Berichten mehrerer in Hanau domizilierter Firmen der Geschäftsgang im Jahre 1900 schwieriger alS in früheren Jahren, was in brr Hauptsache auf daS übermäßige Angebot infolge anhaltender Ueberproduktion zurückzuführen war. Die Preise waren insbesondere sür die Masfinkonsum-Fabrikat« auf daS äußerste gedrückt, während die Einkaufspreise des Rohmaterials fortdauernd höher stiegen und auch die Anklagen für alle Neöenarttkel sich hob-n. Bei klcinm Fabxikatprelsen nahmen somit die Spesen in einer solchen W.ise zu, daß der Verdienst stetig geringer wurde und nicht mehr in entsprechendem Verhä!tn-sse zu dem Aufwande an Arbeit und Mühe stand. Ungünstig auf daS Geschäft wirkte auch die stets langsamer werdende ZahlungSwetse der Kundschaft ein; es werden Strebt e KiS zu zwölf Monaten beansprucht und leider auS bewilligt, sodaß der Zigarren- F«bx'.kationsbetrieb einen immer größer werdenden Kapitalaufwand erfordert. Aehniich berichtet eine im Kreise Grlnhausen domizilierte Firma, welche ben bisherigen Gewinn nur durch größeren Umsatz zu erzielen in der Sage wac. Wie von den anderen Fabr-kationSfirmen, so wird auch von dieser der dringende Wunsch zum Ausdrvck gebracht, daß der Industrie Ruhe gegönnt, sie nicht «der durch sortgesetzte Agitationen erregt werben möge, wie in letzter Zeit beispielsweise durch diej nigm des Rtichstagsabgeoidnetm Freiherrn Heyl von HerrnSheim für die Erhöhung deS deutschen Zolles auf ausländischen Rohtabak. .Die Industrie, welche schwächlichen, zu sonstigen Arbeiten nicht oder doch weniger tauglichen Leuten besonders auf dem Lande auskömmlichen Verdienst gewährt ur d dadurch zu beflrrer, die minderbemittelteu Stände beftiedigender Lebenshaltung beiträgt, sollte eine wohlwollender« Beachtung seitens der Volksvertreter ft btn; Bestrebungen, wie die erwähnten, sollten eine einmütige, energische Zurückweisung erfahren." Eine Firma in Fulda berichtet, daß ihr Absatz brfri-dizend war, die Zahlungen indeh schlecht eingingen. ArbrilSkrSfie waren in Fulda sehr gesucht und wurden gut bezahlt. Von der Tabaktndustrie deS Handelskammerbezirks werden, unter Einrechnung der in Klein-Stein- heim betriebenen Filialen, rund 3609 Arbeitskräfte beschäftigt; davon entfielen im Berichtsjahre auf bk 12 Hanauer Betriebe, ohne Einrechnung der Filialen in Klein-Sleinhelm und in O tschaften deS Landkreises Henau und der Kieffc G'lnhausen unb Schlüchtern im Frühjahre 1900 226 Arbeiter und 633 Arbeiterinnen, im Herbst 1900 273 Arbeiter und 657 Arbeiterinnen. Darmstadt, 13. Mat. Der FrühjahrSpserdemarkt nahm heute vormittag, von der Witterxmg sehr begünstigt, seinen Ansang enb ist sehr gut befahren. In den Vereinsstallungen sind 119 Pferde eingestellt, auf dem Pserdemarkiplatz sind etwa 170 Pferde »um Verkauf aufgestellt und zur Prämiierung sind 113 Pferde und Fohlen vorgeführt. Der Markt ist sonach im ganzen mit über 400 Tiere» befahren. Die VerkaufSaeschäft« sind febr lebbast. Arbeiterbewegung. Darmstadt, 13. Mai. DerBäckergesellen-AuSstand ist glücklich beendet. Nach Uberekkunft mit ben Meistern erhalten die Gef'llrn eine Lohnerhöhung von 10 bis 15 Prozent und können die Kost außerhalb nehmen, dagegen bkibl der btSh-.rige Zustand bezüglich der Wohnungen beibehaltm. Die Gesellen haben allenthalben die Arbeit wiedcr aufamommen. Vamwanam zur Notiz, dass meine Kur von^Auerbach nach Nervösen Bem agen am Rhein verlegt ist. Combin. Methode. Topinardbad, Meohano- therapie u. Wachsuggestion Indio, b. Angst, Willenssohw., Zwangeged.,, Herzerreg., Schwäche, Magen übel etc. HersteU. d. Darmkraft bei alter Darmträgheit. Prosp. üb. Art u. Wirkung frei. Br. Borcherdt» Bilanz am 31, Dezember 1900 Gießener Volksbad £ 1. 2. 3. 45.— 204.12 609 18 10 482 08 20.41 183.71 637 666.42 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1899 3570 Mm vkklmze nach 8567 Sportwagen Neu!!! Gasolin-Gasherde 3434 allen Größen und Tceg- in 2 H Eisschränke M 3476 empfiehlt empfiehlt 1 1 W Continental CmwIcHooc 8 ßuHapemba C*np. Hannoief. 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Boeck, Konkursverwalter. ___________________________8575 Gräserei Verpachtung. Samstag den 18. Mai I. I , vormitt. 10 */a Uhr, soll die Grasuutzung an der Lahn in dm Gemarkungen Gießen und Heuchrlheim für das laufende Jahr an Ort und Stelle öffentlich versteigert werben. Zusamme fünft am rechten Lahnufer unterhalb ber Wieseck- münbung. Mainz, den 13. Mai 1901. Großh. Waff.rbauamt Mainz. Schmitt. 3573 Als besonders Vorteilbast offeriere: Großen Posten 130 cm breiten Möbel-Krapp, spottbillig! Großen Posten 80 cm breiten Levantine zu Alnserr und Ltkeideru. Cretonne , „ * Rips und. Brokatstoffe, Marocs Continental PNEUMATIC Tertm TerrO Täglich : 3270 Frische Waffeln. I Dampfbäder, Moss ge I Römisch irische Bäder Kasten-Schwitzbäder Für Wille?(. Kroßer Kosten Messer u. Gabeln unter Einkaufspreis. Großer Posten Gartenmöbel billigst. 01628 jl. (. 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