Nr. 39 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Freitag 15. Februar 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags Die Gießener Lamilien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" und „Blätter für Hess. Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Annahme von Anieigen au der nachmittag« für den folgenden Tag rricheinenden Nummer bitt norm 10 Uhr Abbestellungen fpäteflenB abends vorher. Redaktion, Expedition und Druckerei Schnlftratze 7. GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis Vierteljahr. Mk. 2.20, monatl. 75 Pfy. init Bringerlohn: durch b* Abholestellcn vierteljährl. Mk. 1.90, monatl. 65 Pfg. Bei Postbezug vierteljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. Alle Anzeigen BcrmttltungS- strllcn des x3n= und AuSlandeO nehmen Slnzrigrn lür de» vUcstrnrr Anzeiger riugrgra. Zeilenpreis lokal 12 vfg., auswärrs 20 Pfg. Adresse für Depeschen: Anzeiger k'iehen. Fernsprechanschlußs)tt.bl. eia Knülicher Feil. Gießen, den 14. Februar 1901. Betr.: Register über Zu« und Wegzüge. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an dte Großh. Bürgermeistereien deS Kreises. Wir sehen der Einsendung der Berzeichnifse über di«' Zu- und Wegzüge, oder Bescheinigungen, daß Einträge in diese Register im Jahre 1900 nicht zu machen waren, bis zum 20. d. M. entgegen. Die Bescheinigungen sind nach dem Muster, welches auf der letzten Seite deS Formulars vorgedruckt ist, aufzunehmen. Das Formular zu den Zu- und Wegzügen ist von der Großh. Centralstelle für die LandeSstatistik in Darmstadt zu beziehen. v. Bechtold. Großh. Landes-Bnugewerkschule Darmstadt. Beginn deS Sommersemesters am 22. April d. I. Dauer desselben 20 Wochen. Die Schule umfaßt 4 Klasseu. DaS Schulgeld beträgt 60 Mark. Programme und Anmeldeformulare sind durch die Direktion der Landes-Baugewerkschule Darmstadt, Neckar- straße 3, zu erhalten. Schluß der Anmeldefrist am 1. März. Die Direktion. Deutscher Reichstag. Berlin, 13. Februar. Nor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Heine (Soz.): Der preußische Justizminister Schönstedt hat im preußischen Abgeordnetenhaus persönliche Angriffe gegen mich gerichtet, in denen er von groben Unwahrheiten und in hypothetischer Form von frechen Lügen spricht. Ich kann heute nur erklären, daß ich die Angriffe des preußischen Justizministers zurückweise. Sie sind, ganz abgesehen von ihrer Form, sachliche ungerechtfertigt. Ich behalte mir vor, bei der dritten Lesung des Reichsjustizetats mit Schönstedt abzurechnen. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die zweite Lesung des Etats wird hierauf beim Extra- ordinarium der Reichseisenbahnen fortgesetzt. Abg. Tr. Paasche (nl.) setzt auseinander, daß die Kommission verschiedene Bauraten vermindert oder ganz gestrichen hat, weil die dafür bewilligten Raten noch nicht aufgebraucht sind. > Minister v. Thielen bestreitet, daß noch bedeutende Rückstände vorhanden seien. Das Haus beschließt aber durchweg nach den Vorschlägen der Budgetkommission. Die Kürzung der Forderung für den Bahnhof in Metz wird einstimmig genehmigt. Damit ist der Etat der Reichseisenbahn erledigt. — Es folgt die zweite Beratung des Nachtragsetats für die Expedition nach China. ' Referent Paasche berichtet über die in der Kommission Vvrgenommene Spezialisierung des Etats und teilt mit, daß bis zum 11. Februar der Gesamtverlust des Korps 139 Mann beträgt, davon 111 durch Krankheiten. Die einzelnen Ausgabetitel werden nach dem Vorschlag der Kommission ohne Debatte genehmigt, ebenso das von der Kommission ausgestaltete Etatgesetz, das auch die Er teilung der Indemnität ausspricht. — Es folgt die von der Kommission beantragte Resolution, die Freiheit der christlichen ReligionsübunginChinaim Staatsvertrag auszubedingen. Abg. Bebel beantragt dazu: Den Missionaren ist die Verpflichtung aufzuerlegen, daß sie sich nicht in die politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Angelegenheiten Chinas einmischen, auch sich nicht den Charakter chinesischer Beamten beilegen. Bebel setzt auseinander, sein Antrag bezwecke, späteren Konflikten vorzubeugen; denn es unterliege keinem Zweifel, daß an den jetzigen Wirren die Missionare erheblichen Teil der Schuld tragen. Die Resolution, die die Kommission Vorschläge, erschwere nur noch weitere Friedensverhandlungen. Welcher Sturm würde bei uns entstehen, wenn fremde Missionare in die Rechts pflege eingreifen und Verbrecher der Strafe entziehen wollten. Bei der ersten Lesung des Etats habe ich bereits auf die Rolle hingewiesen, die der katholische Bischof A n z e r entfaltet hat, und die ebenfalls ein gut Teil zu den Wirren beigetragen hat. Dr. Bachem hat damals meine Ausführungen als falsch nachweisen wollen; wie wenig ihm das gelingen kann, zeigt auch eine inzwischen erschienene Schrift eines Pfarrers, die beweist, daß Anzer sein Amt für politische Agitationen mißbraucht hat (Lachen im Zentrum) daß davon ein großer Teil der Aufregung in Schantung herrührt. Für die Religion mögen die Missionare wirken, dagegen haben wir nichts, sie mögen als Märtyrer sterben, aber nicht die Macht ihrer Heimatstaaten engagieren. Abg. Graf v. Stolberg protestiert gegen die Bebcl- schen Ausführungen. Die Resolution der Kommission verlange nur die Wiederherstellung des früheren Zustandes, damit nicht eine Lücke entstehe, in die eine andere Macht einspringe. Die Resolution habe aber auch eine soziale Bedeutung und gerade deshalb sei es von Bedeutung, daß sie vom Zentrum ausgehe. Man kann zweifelhaft sein, ob die Mächte ein Recht haben, in unzivilisierte Länder einzudringen, und dort Kolonialvolitik zu treiben; thun sie das aber und bringen sie nicht zugleich diesen fremden Völkern unser Christentum, so ist unsere ganze Kolonialpolitik keinen Schuß Pulver werl. (Zustimmung.) Ter Antrag Bebel verlange Unmögliches. Eine Beaufsichtigung der Missionare im Innern Chinas sei nicht durchführbar. Abg. Dr. B a ch e m betont ebenfalls, daß die Resolution nur die Wiederherstellung des früheren Zustandes verlange und das liege int Interesse der in China wohnenden Fremden. Sollen wir warten, bis in China Aehnliches geschieht, wie in der Türkei den Armeniern geschah? Bebel hat damals ein entschiedenes Eintreten für Armenien gefordert; er hat bittere Vorwürfe erhoben, als es nicht geschah. Heute will er den Christen in China keinen Schutz gewähren. Ich glaube, Bebel hat nun einmal das Bedürfnis, immer Opposition zu treiben. (Zustimmung rechts und im Zentr.) Warum schlagt Bebel nicht ähnliche Maßregeln für die in China weilenden Kaufleute, Fabrikanten und Eisenbahngründer vor? Es ist eine Thatsache, daß alle Missionare den Rang von Mandarinen in China bekleiden. Wenn den deutschen Missionaren das Mandarinenkleid ausgezogen würde, so würde darin ein Mißtrauensvotum gegen unsere Missionare liegen und sie würden den ärgsten Gewalt- thätigteiten ausgesetzt sein. Der Antrag Bebel ist also in allen Teilen unannehmbar. (Bravo! im Zentrum.) Cs ist nicht llebermut der Missionare, sondern ihre strikte gesellschaftliche Pflicht, bei bestimmten Gelegenheiten die Mandarinenuniform anzulegen. Bebel hat alles zusammengesucht, was gegen die Missionare angeführt wird, ist aber an den zahllosen glänzenden Zeugnissen, die ihrem selbstlosen sozialen Wirken für die unteren Vvlksklassen ausgestellt sind, vorübergeschritten. (Sehr richtig! im Zentr.) Daran ist nur seine ausgesprochene Antipathie gegen das Christentum schuld. (Sehr richtig ! im Zentrum und rechts.) Die gesamte Position der Europäer in China mürbe sich verschlimmern, wenn die Privilegien der Missionare nicht aufrecht erhalten würden. (Bravo! im Zentrum.) Staatssekretär v. Richthofen erklärt, daß die Negierung in der Resolution der Kommission nichts anderes sehe, als den Wunsch, die früheren Zustände wieder hcr- zustellen. Auf ein bisheriges Vorrecht in China zu verzichten, daran denke die Regierung nicht. Der Zusatz BebelS: sei bedenklich und nicht durchführbar. Abg. Dr. Müller-Sagan (frs. Volksp.): Die Mission habe den gleichen Scl)utz im Auslande, wie andere Deutsche, aber wir wollen keine Verquickung der Politik mit der Religion. Jede Unterstützung der religiösen Agitation von Reichswegen schasst neue Zkonflikte und wir lehnen daher die Resolution ab. Den zweiten Teil der Bebelschen Resolution lehnen wir ab. Abg. Graf Bernsdorfs (freit) tritt für die Reso* lution der Kommission ein. Abg. Schrader (fr. Ver.) hält den ersten Teil dep Resolution für überflüssig, den zweiten Teil dagegen für bedenklich. Abg. Bebel polemisiert gegen die Ausführungen dev Vorredner. Was Graf Stolberg sagte, bedeutet nichts anderes, als die Missionare zu politischen Agitatoren zu machen. (Zustimmung links.) Man will sich unter den chinesischen Christen eine Schutzgarde erziehen, ifrn den Staat von unten zu untergraben, und ihn zu zerstören. Umso begreiflicher ist es, daß der chinesische Staat sich dc> gegen wehrt. Mit der Christianisierung Chinas ist die Eroberung Chinas durch die verschiedenen Mächte ausgesprochen. Präsident Graf Ballestrem: Bei der Unruhe bcB Hauses ist mir eine Aeußerung des Abg. Bebel entgangen; ich bin darauf aus dem Hause aufmerksam gewachst worden. Der Abg. Bebel hat gesagt: Darauf kommt die famose Expedition nach Kiautschon, der Einbruch nach Ki- autschou, der Raub v o u Kiautschon. Die Besitzergreifung eines fremden Landes seitens des Deutschen Reichs als Raub zu bezeichnen, verstößt gegen die Ordnung des! Hauses; ich rufe deshalb den Abg. Bebel zur Ordnung. (Beifall im Zentrum und rechts, Sad)en bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hi ober (nl.) hält es für selbstverständlich, daß das deutsche Reich den Missionaren denselben Schutz angedeihen läßt, wie den andern Bürgern. Seine Partei nehme deshalb die Resolution an. Abg. Gröber (Ztr.) hält das Reich für verpflichtet, die deutschen Missionare zu schützen auf Grund ihre» Staatsangehörigkeit. Die deutschen und die christlichen Interessen gingen in China zusammen. Hierauf wird die Resolution in der Kommissionsfassunangenommen und der Zusatzantrag Bebel abgelehnt. Dann folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Versorgung der Teilnehmer an der O st - asiatischen Expedition und ihrer Hinterbliebenen. Die Kommission beantragt Ablehnung der Vorlage. Derr Antrag der Kommission wird ohne Debatte angenommen. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr. Beratung der Chinavorlage. Etat der Reicysdruckerei. Arankfurter Schauspielstaus. Durchs Hyr. Lustspiel in 3 Akten von Wilhelm Jordan. In dankenswerter Erkenntnis der Bedeutung Wilhelm JsrdavS veranstaltet das Frankfurter Schauspielhaus alljährlich zur Feier des Geburtstages des Nibelungen Dichters eine Aufführung feiner besten dramatischen Gabe, deS lyrischen Lustspiels „Durchs Ohr", und wie in früheren Jahren wohnte auch diesmal, am 9. d. M., der greise Dichter dieser Vorstellung in der Jntendantenloge bei. Seit er im April v. I einen Schlaganfall erlitten, ist seine Hünengestalt von dem Drucke seiner 82 Lebensjahre ein wenig gebeugt, aber seine großen klaren, braunen Dichteraugen funkeln noch mit alter Sehschärfe so hell wie vordem, und man fühlt eS, sie haben den Willen und die Kraft, mit ihrer die Menschen und Dinge durchdringenden Klarheit noch lange zu leuchten. „Durchs Ohr" ist ein Sonntagskind der Lustspielmuse und hat neben allen glänzenden auch manche sonderbare Eigentümlichkeiten der Sonntagskinder an sich; für den Alltag ist es zu kostbar, und um in dem Plan des heutigen Theaters feste und dauernde Wurzel zu schlagen, ist es zu sehr Liane, die nicht vom niedrigen Erdreich lebt, sondern ihre phan tastischen Ranken hoch oben in der Luft von Wipfel zu Wipfel schlingt. WaS für ein köstlicher Ausnahmegenuß aber ist eS, eine Kunst bewundern zu können, die, inzwischen frei lich brotlos geroorbcn, des Brotes jedoch nicht bedarf, da sie die Götterspeise Ambrosia dem nahrhaften Kotelett vorzieht und nicht gleich irdischem Punsch, sondern gleich göttlichem Nektar berauscht. „Durchs Ohr" zeigt, wie originell und annwtenb der Reim auf der Bühne wirkt. Der Pointe reiche, edle, feine Witz ist teilweise von elektrisierender Wirkung. DaS Stücklein ist in seiner finnigen Färbung einem durch Meisterschliff von dem geringsten trübenden Pünktchen freien Diamant, gleich und verdient cingereiht zu werden in die kleine Sammlung der Perlen der Weltlitteratur. Die Handlung ist es nicht, was seinen Wert und Reiz auSmacht, es ist der dichterische Feinsinu, die blitzende Kraft der Gedanken, der erfindungsreiche Geist, gleichsam ein Geist ohne Körper. Ein junger Mann geht maskiert zum Maskenball. Dort trifft er ein Mädchen, deren Maske das Antlitz verhüllt. Er weiß nicht, ob fie jung ober alt, schön oder häßlich ist. Doch „durchs Ohr", den Zauber der Stimme und der zarten Rede findet Heinrich seine Klara. So hat Heinrich noch von keinem Mädchen, nein, noch von keinem Menschen reden gehört. Alles, was Klara im Laufe des Abends zu Heinrich spricht, funkelt in allen Lichtern der Empfindung und deS Humors, und der Süßigkeit der Stimme fehlt es nirgend an einem wohlgemeffenen Gran geistreicher Würze. Und nach der Demaskierung steht Heinrich dem lieblichsten Mädchen gegenüber, das ihm je zu Augen ge kommen. Und er geht hin und läßt seiner Empfindung in wundervollen Versen freien Lauf. DaS ist Heinrichs Liebesgeschichte. — Vielleicht wird das Telephon dereinst noch einmal diesen Gedanken von der Überlegenheit des Ohres über das Auge verwirklichen, d. h. die Herzen werden telephonisch angeschloffen werden. — Doch Scherz bei Seite! Die Psychologie hat, soviel ich weiß, gleichfalls anerkannt, daß das „Gehör" der vollkommenste der Sinne ist, nicht das „Gesicht". Das Ohr ist unser am meisten ausgebildetes, feinfühligstes Organ, nicht das Auge, trotz dessen Schönheit. Der bekannte Ophthalmologe Professor Dr. Schmidt-Rimpler in Göttingen steht auf ähnlichem Standpunkte. Er spricht zum mindesten dem Auge die „Sprache des Herzens" auf das entschiedenste ab. Uebri- geuS scheint diese Wahrheit bereits Calderon vorgeahnt zu haben. Wenigstens erinnere ich mich, in einer seiner Dichtungen den Ausspruch gefunden zu haben: „Mehr macht verliebt das Hören". Die VerSkunst des alten Nibelungen-Jordan (welcher stolze Name!) steht in unserer Litteratur unübertroffen da, und in dem Schmuck des Verses, der feinen Ziselierung von Wort und Gedanken, ist Jordan ein echter Goldschmied der Renaiffance. Und wie weise vom Poeten ist'«, daß er das sinnvolle Spiel endet, bevor man gewahr wird, daß ein Menu von lauter Konfekt keine Mahlzeit giebt; was 5 Akte lang ermüden dürfte, bleibt in kluger Beschränkung eine Unterhaltung von bestrickender Anmut und eine geistvolle Anregung für den Verstand nicht minder wie für die Phantasie. Wie rein und schön Jordan auch in die lyrische Harfe zu greifen weiß, zeigt das wundervolle schlichte kleine Lied „Wann zwei sich lieben". Die Wirkung der Aufführung „Durchs Ohr" war, wie immer, durchschlagend. Und daS will viel sagen bei einem Werke, daS auf Requifitenscherze, auf Verwicklungseffekte und ähnliche scheinbar unvermeidliche Dinge so ganz verzichtet. Politische Tagesschau. Jetzt kommt aus England schon wieder ein Gerücht, das allgemein überraschen muß. Die Londoner Zeitung „Daily Ehronicle" weiß zu berichten, da.ß ein Mitglied des Kabinetts erklärt habe, die Verlobung des deutsches Kronprinzen mit der Prinzessin Emma von Battenberg würde wahrscheinlich in kurzer Zeit veröffentlicht werden. Diese Heiratskandidatur interressiert uns natürlich um so mehr, als das Haus Battenberg mit unserm Großherzoglichen Hause nahe verwandt ist. Die Richtigkeit dieser Meldung aber ist sehr zu bezweifeln. Schon ihr ganzer Ton klingt wenig bestimmt. Tas Beste daran ist aber der Name der dem Kronprinzen zugedachten Braut; eine Prinzessin Emma von Battenberg — giebt es garnicht. In Frage kommen könnte nur die noch nicht ganz 14 Jahre alte Prinzessin Viktoria Eugenie von Battenberg, eine Tochter der Lieblingstochter der verstorbenen Königin Viktoria und Prinzessin Alice von Battenberg, die in diesem Monat 16 Jahre alt wird, eine Tochter des Prinzen Ludwig von Battenberg. Die Königin Viktoria hatte eine ausgesprochene Schwäche für das Ehestiften, die sie z. B. im Jahre 1888 an den Tag legte, als die Prinzessin Viktoria von Preußen, eine Schwester unseres jetzigen Kaisers, mit Alexander von Battenberg, dem Exfürsten von Bulgarien, verheiratet werden sollte. Es wäre nicht undenkbar, wenn die alte Dame in ihren letzten Lebenstagen den Wunsch ausgesprochen hätte, daß ihr Urenkel, der schmucke deutsche Kronprinz, eine der ihr besonders ans Herz gewachsenen jungen Battenbergerinnen heimführen möchte. Sollte unseres jungen ritterlichen Kronprinzen Herz eine von seinen englischen Basen wählen, so würde kein Mensch ihm anders als mit den herzlichsten Glückwünschen nahen. Vorläufig aber glauben wir, daß die Meldung des „Daily Chronicle" ebenso falsch ist, wie der in der Meldung angegebene Name. BurewBortrag. -P- G i e ß e n, 14. Februar. Im Anschluß an unsere gestrige kurze Mitteilung über den Vortrag im Alldeutschen Verband geben wir eine kurze Schilderung der Erlebnisse des Herrn Rich. A l t e n d o r f. Herr Altendorf betrachtet es nicht als seine Aufgabe, zu erörtern, welcher Fehler sich die Heeresleitung der südafrikanischen Republiken schuldig machte, Fehler, die einesteils im Charakter dieses Volkes, andernteils in der Unfähigkeit einzelner Heerführer mögen gelegen haben. Aber nicht das Waffenglück im Kriege, sondern die bittere N o t und der d r o h e n d e U n t e r g a n g ist es, der das Nationalbewußtsein eines innerlich starken Volkes erwachen läßt. Als der erste Ansturm geglückt war, unterschätzte man den. Feind, unterschätzte man, daß für England mehr aus dem Spiele stand, als der Verlust verhältnismäßig kleiner Gebietsteile, die von den beiden Republiken annektiert worden waren. Statt alle Kräfte anzuspornen, das ganze Kapland zu überfluten und, — wer ist rascher zu Pferd als der Bur? — alle Stammesgenossen zu den Waffen zu rufen, baute man Schanzen am Tugela, zog Stacheldraht bei Magerfontein und ließ dem Feinde hinreichend Zeit, seine geübtesten Truppen, seine besten Feldherren ins Land zu rufen. So kam denn Lord Roberts. Bald kam Unglück und Mißerfolg über die Buren, ihr tapferer Kommandant Cronje wurde gefangen und sitzt nun mit einigen tausend Buren auf Helena. Mit Erstaunen hat Altendorf später von den „Siegesdepeschen" Roberts gehört, vernommen, wie er stets die Buren in die Flucht geschlagen haben will. So ein Burenrückzug soll eine wirre Masse sein? Er, der Redner, war sehr erstaunt, als er zum ersten Male einen solchen „Rückzug" mitmachte. Sie ritten, wenn ihnen das Feuer der englischen Kanonen folgen konnte, in einer breiten, aufgelösten Ordnung oder in einer langen Linie, je nach Beschaffenheit des Bodens, was von Ferne allerdings einer regellosen Flucht nicht unähnlich gewesen sein muß. Aber ein Unterschied zwischen einem Buren-Zuge und einer Flucht war doch vorhanden. Bei den Buren war alles im inneren Zusammenhänge und höhnend sehen sie, das Gewehr über die Schulter hängend, nach rückwärts, wo der Feind die unmöglichsten Anstrengungen machte, die Geschütze nicht hoch genug stellen konnte, um wenigstens den Ort, wo sie gerade ritten, zu erreichen. Sie verschwanden alle Augenblicke hinter einer neuen Kopje und sprangen, falls es für nötig galt, von den Pferden, um eine sie verfolgende Reitermasse mit sicherer Büchse zu vertreiben, damit die Wagen hinter ihnen iolgen konnten. Sie wurden bei ihrem Rückzug wenig von Reiterei belästigt. Gewöhnlich waren es größere Geschütze, die ihre Kugeln 10 000 Meter weit oft ziemlich unerwartet herübersandten. Wie oft haben sie, hundert entschlossene <3 Das neue deutsche Infanterie-Gewehr M.98. In den ersten Stadien des südafrikanischen Krieges erzielten die Buren mit ihrem neuen Mausergewehr große Erfolge, und nunmehr hat man nach eingehender Prüfung für die deutsche Armee die Einführung des Modells 98 beschlossen, das eine Verbesserung der von den Buren benutzten Gewehre bedeutet. Der Uebergang vom Model 88 auf Modell 98 ist nicht so erheblich, wie s. Z. von M. 71/84 auf M. 88, aber immerhin sind die Verbesserungen schwerwiegender Natur. Oer stählerne Laufmantel des M. 88 ist fortgefallen, und der Lauf ist in der üblichen Weise mit zwei Ringen, an der Mündung und in der Mitte des Längstens, an einem hölzernen Schaft befestigt. Vom zweiten Ring bis zum Visir ist der Lauf mit einer Hülse, dem sogen. Handschutze, umgeben, weil der Lauf beim schnellen Schießen stark erwärmt wird. Aeußer- lich fällt noch auf, daß das Kastenmagazin, welches bei M. 88 nach unten aus dem Schaft heraustrat, fortgefallen ist. Die Mehrladevorrichtung ist völlig geändert; während bei M. 88 der 5 Patronen enthaltende Patronenrahmen mitgeladen wurde, Männer, unbeweglich stundenlang hinter einem Höhenzug gelegen, wenn zufällig noch einige Wagen oder Kanonen zurück waren, und das Geschützfeuer der Engländer schon begonnen hatte, und wie oft hat, er, der Redner, später gelächelt, wenn er in den englischen Berichten von einer Niederlage und vollständiger Versprengung der Buren lesen mußte. Die Buren gaben wohl rasch eine Position auf, wenn sie ihnen nicht vorteilhaft genug erschien und warfen sich auf ihre Pferde, die keine 50 Schritt hinter ihnen gesattelt, ungeduldig den Boden stampften. Die Buren sind darauf bedacht, sich möglichst zu schonen und dem Feinde den größten Schaden zuzufügen. Altendorf war Zeuge eines Auftrittes zwischen einem alten Bur und einem englischen Gefangenen, der den Alten fragte, ob denn der Krieg noch lange dauern solle. „Ob", sagte der Bur, „wenn ihr so fortfahrt, und immer neue Soldaten herüberschickt, dann wird der Krieg noch lange dauern, da müssen wir ja immer wieder neue totschießen". Daß der Krieg sich immer mehr verschlimmert, liegt hauptsächlich an der Unfähigkeit der Engländer, den Buren zu folgen. Die Schandthaten, die Engländer bei ihren Verfolgungen begingen, nannte der Redner unbeschreiblich, und nickt alles, bei weitem auch nicht die schlimmsten sind, nach seiner Meinung, veröffentlicht worden. Als die Mittel, die einem modernen Kriege zu Gebote stehen, nicht helfen konnten, als es dem Lord Roberts zuerst nicht gelingen wollte, die Burenstellung bei Pretoria zu nehmen und er mit schwerem Verluste zurückweichen mußte, da schickte er unter dem Vorwande, Frauen und Kinder der Buren nicht ernähren zu können, diese in das Lager der Buren, und zwar nur solche Frauen und Kinder, von denen er wußte, daß der Mann oder Vater bei den Truppen der Buren stand. Er wußte nur zu wohl, daß jeder Bur, in Sorge um Weib und Kind, versuchen würde, diese zuerst in Sicherheit zu bringen. Darum rückte Lord Roberts, als kaum die Frauen und Kinder das Lager der ihrigen erreicht hatten, mit Reiterei und Kanonen hinterher, die, — so sagt Altendorf — genau derjenigen wilder Völker ähnelt, die den Körper ihrer Gefangenen als Deckung benutzten. Und dieser Lord, der mit dem höchsten deutschen Orden ausgezeichnet wurde, habe behauptet, er bringe Menschlichkeit und Zivilisation nach Südafrika. Altendorf erinnert sich noch mit Freude eines Tages, es war Mitte August v. I., als der erste Zug in Belfast einlief. Sie waren zahlreich vertreten und zur Feier des Tages, so weit es ging, herausgeputzt, und sahen mit Erfind bei dem neuen Gewehr die fünf Patronen auf einem leichten Ladestreifen angeordnet, von dem sie bequem von oben in das Magazin abgestreift werden. Die Patronen in demselben lagern nunmehr zu 2 und 3 im Zickzack übereinander. Eine weitere Aenderung hat das Visier erfahren, das nun unmittelbar auf dem Lauf fitzt und nur eine einzige Kimme hat im Gegensatz zu den vier Kimmen des M. 88. Die niedrigste Stellung ist zum Schießen auf 200 Mtr. bestimmt, dann folgen Entfernungen von 300 Mtr., 350 Mir. u. s. f. bis 2000 Mtr. Das Seitengewehr ist 11 Ctm. länger und von anderer Form. Die Klinge- hat Steckenrücken und ist auf beiden Seiten mit einer Hohlkehle versehen. Beim Aufpflanzen liegt es unter dem Lauf, nicht mehr rechts an demselben, dadurch werden die Abweichungen des Geschosses nach links vermieden. Trotz der größeren Länge wiegt e- ohne Scheide 295 Grm., mit Scheide 340 Grm. weniger als das alte. In unserer beifolgenden Abbildung sehen unsere Leser 1) das ganze Gewehr, 2) die Ladeoorrichtung, 3) das Visier, 4) das aufgepflanzte Seitengewehr. staunen wie der Zug über und über mit Transvaalflaggen geschmückt war. Es wurden ihnen wieder Frauen un8 Kinder zugeführt. Anfangs wurde denen nicht gestattet, dis Flaggen zu zeigen. Erst als sie die wenige Bewachung drohten, sie vom Zuge zu werfen, durften sie ruhig die Wagen schmücken. Die Dankbarkeit der Buren ist groß. Einst hatten sie (ein Bur und Altendorf) während einer» fürchterlichen Gewitternacht ihr Kommando verloren, als! sie müde ein einsames Haus erreichten. Ein alter Bur, der sie in sein leeres Zimmer unterbrachte, sagte: ,,Ausländer, ihr fechtet für uns, ihr gehört zu uns." Altendorl traf ihn später wieder, als ihm Haus und Hof vernichtel war, mit dem Gewehr auf dem Rücken. Schweigend drückts er ihm die Hand. Solche Männer sollen verzagen, sich ergeben? Nie und nimmer? Die Schandthaten der Engländer, so erzählt Altendorf, nahmen kein Ende; mit nie ermüdender Grausamkeit vernichteten sie Hab und Gut der Wehrlosen. Altendorf sah einmal eine Szene, die ihn tief ergriff, weil sie das Elend der Buren von der schlimmsten Seite zeigte. Vor Pretoria hatten sie eine Farm zurückerobert, die Feinde wurden verdrängt. Aber wie sah de» einst so stattlick)e Bau ans? Das Dach herunteraerisfen, die Fenster, Thüren re. vernichtet. Im Innern alles zerstört. Nur im Anbau hatten die Engländer einen Backofen unberührt gelassen. In ihm backten sie ihr Brot alU ein junger Reiter grüßend sich näherte. Es war der Sohn des Hauses — seine Mutter gestorben, sein Vater von den Engländern erschossen, er ohne Heim und Glück. Er brach in Thränen aus und schluchtzend sagte er, als sie ihn zn trösten suchten, nur die Worte: „Wir haben es schwer, o Gott, wir haben es schwer!" (Schluß folgt.) Vermischtes. * Mannheim, 13. Febr. Ein schreckliches Vorkommnis ereignete sich in Schwetzingen. Der 13 Jahre alte Sohn des Flaschenbierhändlers Jakob Ueltzhoefer zielte mit einem Revolver in der Meinung, dieser sei nicht geladen, auf sein dreijähriges Schwesterchen. Plötzlich entlud sich der Revolver und der Schuß traf das Mädchen in den Hals, sodaß eS bald darauf starb. Von der älteren Schwester auf die Folgen seiner Handlungsweise aufmerksam gemacht, wurde der Knabe von Furcht vor Strafe derart ergriffen, daß er sich durch einen Schuß in das Herz tötete. Die beiden Katastrophen erfolgten während der Abwesenheit der Eltern der Kinder. das nicht mehr als vier Personen auf die Bühne bringt. Es war der alte Sieg der reinen Poesie. Eine Aufführung von „Durchs Ohr" bietet weniger durch die Reimsprache, als durch die Verbindung einer ganz idealistischen Sprachform mit dem modernen Kostüm Schwierig leit, die aber unter verständnisvolle^ Leitung mit Geschick überwunden wurde. Haltung und Spiel der vier Beteiligten blieben auch in dieser Welt, die unentschieden zwischen Sein und Nichtsein schwankt, durchaus natürlich und charakteristisch, ohne die Absicht des Märchenscheins durch gesuchte Realismen zu zerstören, und der Vers glitt meist so glatt und leicht über die Lippen, als ob er der unwillkürliche Ausdruck der darzustellenden Wesen wäre. Daß dabei das Recht des Reim- klanges vielleicht hier und da ein wenig zu kurz kam, mag zugegeben werden, allein in diesem Punkte scheint mir ein Zuwenig besser als ein Zuviel. Mit Glück war das harmo uische Lustspielquartett auf vier paffende Darsteller verteilt, die melodieführenden und scelenvoll duettierenden Oberstimmen auf Herrn Fricke und Frl. Boch, die obligate Begleitung in der verminderten Tonart auf Henn Bauer und Frl. Steimann. In diesem Quartett der einzig Neue war Herr Fricke, sonst war die Besetzung wie bei der glanzvollen Feier des 80. Geburtstages des Dichters, die in dauernder Erinnerung aller Besucher bleiben wird, denn damals war's das letztemal, daß Wilhelm Jordan selbst vor den Rampen erschien und eine fulminante Ansprache an das Publikum hielt, die aller Herzen ergriff als ein brausender Ruf wie Donnerhall. Im Maskenspiel des 1. Aktes wird einmal gesagt, daß man später die Mädchen nur an der Stimme erkennen und von einander würde unterscheiden können. Sind also die Rollen der beiden Schwestern durch zwei Damen von ver- chiedener Figur besetzt, dann fällt ein Teil der Jntrigue in ich zusammen. Da will es ein hübscher Zufall, daß die Damen Boch und Steimann ziemlich gleich an Größe und Figur find und obendrein auch noch beide über ein nicht gewöhnliches schauspielerisches Können verfügen. Nun liegt a wohl im Grunde dem munteren und resoluten Frl. Boch )ie Art der fröhlichen Mathilde näher als die sanfte Klara, und das weiche, zarte Wesen des Frl. Steimann scheint geradezu prädestiniert zu sein für die Rolle der glücklichen Erbin Klara. Die Besetzung aber war gerade die umgekehrte, Frl. Boch war die sanfte Taube und Frl. Steimann die frisch zugreifende Mathilde. Und das ist vielleicht auch das Richtige, denn die beiden Schwestern haben ja im Laufe der Handlung ihre Rollen zu vertauschen. Becke Damen sprachen ihren Part mit Natürlichkeit, und warmer Tongebung, beide Zeigten charakteristischen Humor, beide schattierten bei allem neckischen Uebermut und karnevalistischer Tanzlustigkeit ihre Rollen mit wünschenswerter Feinheit, und man mußte dem lustigen, frohgestimmten Schwesternpaar von Herzen gut sein. Den lachenden Erben mit der Zweiflermiene, auf die ein erwachendes Herzensgeheimnis seine süßen Schatten wirft, pielte Herr Fricke mit dem leichten und gefälligen Ton, den Handlung und Stimmung des Stückes erfordern. Aller dings hätte ich seinem Heinrich ein weniges mehr an Wärme und Innigkeit gewünscht, namentlich in der schönen Schlußszene des ersten Aktes, und die Verstellungskomödie war seinerseits doch allzu übertrieben. Herr Bauer zeigte an Humor, Geschmack und künstlerischem Schliff so viel, als ihm eigen ist, und das ist bekanntlich recht respektabel. Einige kleine Unsicherheiten aber machten sich nicht gerade zu gunsten der reizenden Dichtung bemerkbar. Das Publikum war so beifallsfroh wie nur je. Ungezählte Male mußte sich am Schluß der Aufführung der^ Boi hang heben. Der tosende Beifallssturm gatt selbstverständlich nicht nur den Darstellern, sondern in erster Linie dem Dichter, und hörte nicht früher auf, als bis der Dichter von der Jntendanturloge aus seine dankende Verbeugung dem Publikum gemacht hatte. Man hätte natürlich am liebsten den gefeierten Dichter auf der Bühne gesehen und wußte wohl nicht, daß sich heute der greise Barde leider nur noch mühsam, gestützt auf die jugendliche Kraft seines Dieners und einen starken Stock, zu bewegen vermag. Den Schluß der Vorstellung bildete eine mit großer Schnelligkeit sich abspielende, in allen Teilen sehr wohl gelungene Aufführung von Moliöres „Tartüffe". Man wird zugestehen, daß diese Zusammenstellung des verehrungs- würdigen deutschen Dichters mit dem großen französischen Komödiendichter für den Lebenden eine wohl verdiente hohe Ehrung bedeutet. P- W. S> It4 $odomwii M alitW M mH emm jdaben, auf e® sich der Revolver Hals, sodaß cS :er aus die Folgen MdederSnabe s er sich durch en Satastrophkn u der Kilver. etI auf eine® §uern von oben »«w in bem» Meteinanbtr. das nun 2JW 9üwi 88. Mtr. bestimmt. OMtr. u. f. f. [®' listiger und rücken nnd ist in- Beim Auf« «ehr rechts an des Geschoffe- a'nge wiegt el L tvecher alt sehen unsere Itung, 3) bat schönen Schluß" 4-A-7 lau?1,8 9 , W< 11 V&fM w ' fdbP»«’ L-'L («W nut «"* e L Dienert jt feines ä LO" ausvaalflaggen Frauen und )t gestattet, die ige Bewachung sie ruhig die uren ist groß, während einet verloren, als in alter Bur, , sagte-. ,Ms- ns." Mendorl Hof vernichtet weigend drückt» verzagen, sich laten der Eng- Ende; mit nie d und Gut der e, bie il)n lies 1er fdjlimmften Farm zurück- . rvve \<Ü6i runteraniffen, ceru alles zer- )er einen Back- ie ihr Brot atz : war der Sohn Ater von den Wck. Erbrach als sie ihn zu iBen es schwer, 5dM W-) • Petersburg, 12. Febr. In Grodno brannte die Schereschewskische Tabakfabrik nieder, welche 1429 A> beiter beschäftigte unk» einen Jahresumsatz von mehr als zwei Millionen Rubel hatte. — Aus Rostow am Don, Nowatscherkask und Kowno wird gemeldet: Nachdem längere Zeit wärmere Temperatur geherrscht hatte, traten wieder starke Fröste und Scheeverwehungen ein. Kowno 20 Grad SSlte ♦ Die Beschaffenheit des Wassers in Thalsperren. Sehr viele Städte gehen neuerdings dazu über, ihre Versorgung mit Wasser durch Thalsperren zu bewerkstelligen, also durch Stauweiher, in denen das Wasser eine längere ober kürzere Zeit vor dem Gebrauch stagniert. Man schenkte bisher diesem anaesarnrncl- ten Wasser bezüglich seiner Beschafsenheit großes Vertrauen, da man glaubte, daß alle Verunreinigungen in der Zeit der Ruhe zu Boden sänken und so unschädlich würden. Die kürzlich in der Stadt Remscheid, die durch Thalsperrenwasser versorgt wird, aufgetretene Typhusepidemie hat es aber sehr angezeigt erscheinen lassen, das Wasser der Thalsperren einer eingehenden und andauernden chemischen und bakteriologischen Untersuchung zu unterwerfen. So zeigte sich z. B. gerade bei dem Wasser der Remscheider Thalsperre beim Beginn des Betriebes (1892) vom Juni bis Oktober eine starke Trübung des Wassers, die von organischen und unorganischen Stoffen herrührte und dem Wasser auch einen modrigen Geschmack erteilte. Wahrscheinlich war der Boden nicht hinreichend von Wurzeln und Graswuchs gereinigt worden. Nun wird die Gefährlichkeit der Erscheinung ja dadurch gemildert, daß erfahrungsgemäß die organischen Keime, die ja am gefährlichsten sind, von der Oberfläche nach der Sohle zu immer mehr abnehmen, sodaß es von großem Vorteil ist, das Wasser von der Sohle abfließen zu lassen, wie es ja in der That auch geschieht. Dabei hat man noch den Vorzug, daß das Wasser' im Sommer auf der Sohle bedeutend kühler ist, als auf der Oberfläche; der Temperatur Unterschied kann in der heißen Jahreszeit bis zu 10 Grad Celsius betragen. Professor Borchardt giebt die Grundsätze an, die für die Einrichtung solcher Thalsperren maßgebend sein sollten. Die Landschaft, in der sie angelegt werden, soll möglichst frei von menschlichen Niederlassungen sein, die brach liegenden Flächen aber aufgeforstet werden, damit das Niederschlagswasser mehr zurückgehalten und dadurch die Zuführung von Schlammmassen zum Weiher vermindert wird. Auch empfiehlt sich die Anlage eines Reservestauweihers zwischen Schlammfang und Haupt- stauweiher, um den letzteren zu Zeiten geringer Wasser^ entnähme einmal im Jahr gänzlich entleeren und reinigen zu können. Ferner ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Zuflüsse zeitweilig verunreinigt werden (z. B. durch Gewitterregen); es ist dem durch eine Umleitung zu begegnen, welche es gestattet, die verunreinigten Wässer von der Thalsperre fernzuhalten. Trotzdem nun die Thalsperre von Remsck)eid nach diesen Grundsätzen angelegt ist, scheint doch noch nicht die Möglichkeit der Bildung von ansteckenden .Keimen ausgeschlossen zu sein, und es wird wohl schließlich nichts übrig bleiben, als Sandfilter zu verwenden, die Eich ja bei anderen Wasserbecken vorzüglich bewährt haben. UmoerMls Nachrichten. — Professor Dernburg in Berlin ist von seiner Erkrankung wieder genefen. Er nahm seine Vorlesungen wieder auf. — Der Marschendichter Hermann AllmerS wurde aus Anlaß seine- 80. Ge- bu tstageS von der philosophischen Fakultät in Heidelberg zum 1 CD 1 (1) 1 (D 1 2 (2) 1 (1) 1 1 1 CD 1 1 (1) Ehrendoktor ernannt. — AuS dem SektlonSprotokoll des Ober- medtzinalratS Dr. Bullinger in München, der die Leiche Pellen-. koserS saab außer iner offenbar sofort tödtttchen Schußoerletzung deS Schädels und Gehirns als wichtigsten Befund dockgradtge chronische Entzündung e harten Hirnhaut, bedeu'ende Verdickung und Verwachsung der selben, ferner eine sehr starke Verkalkung der mittleren und große»' Schlagadern des GehirnS, die erfahrungsgemäß mit derartigen Ver Änderungen der Hirnhaut und der Blutgefäße deS GehirnS verbunden ist, war offenbar durch eine einige Wochen vor dem Tod ausgetretene, wenn auch bereits abgeläufene septische Entzündung der Mund und R-chenschlrimhaut ungünstig beeinflußt worden. Als deprimierende? Moment mag auch noch eine bei der Sektion konstatierte chronische oetoSmiirenbe Entzündung des rechten Kniegelenks aufgefaßt werden, d e seit etwa 2 Jahren bestand und viel Beschwerden macht. — An der Universttät Jena hat sich Dr. Otto Lemmermann auS Buxie- bude, Aiststent am agrikultur-chemisch.n Laboratorium ber landwirt lchaftlichen Versuchsstation, für daS Fach der Landwirtschaft habilitiert. — Dr. B Seiet, Privatdozent an der Universität Greifswald und O nrarzt an der mrdizstrischen Klinik, wurde nach Witten a. d. Ruhr ats leitender Arzt der inneren Abteilung des Diakonissen Kranken- hauseS berufen. — G-h. Rat Professor Schlömilch in Dresden ist gestorben. Mit Piofifsor Schlömilch ist ein hervorragender Mathe maliker dahingegangen. Der Verstorbene, 1823 in Weimar gebor.n, legte 1842 sein philosophisches Doktorexamen ab, habilitierte sich 1844 als Privatdozent der höheren Mathematik in Jena und bekam 1849 einen Rus als o. Pros.ffor an die Technische Hochschule zu Dresden, woselbst er bis 1874 in rühmlichster Weise sein Amt verwaltcke. Sein Rücktriit erfolgte aus Grund einer Berufung als Grh. Schulrat in bdö Kollegium des Kultus und öffentlichen Unterrichts. 1885 trat Pro». Schlömlich in den Ruhestand. zur Förderung der Lehre vorn Stoffwechsel bei. Noch umfassender war Pettenkosers Thätigkeit auf dem^ Gebiete der Seuchenerforschung, die er bereits 1855 mit Studien über die Cholera und ihre Beziehungen zum Grundwasser bc gann. In einer großen Reihe von Einzelforschungen, die er auch auf den Typhus ansdehnte, stellte er die Grundzüge seiner bekannten Bodentheorie auf, in der er den bedeutsamen Einfluß des Bodens und des Grundwafsers auf die Entstehung und Verbreitung von Seuchen, na ment* ich des Typhus unb der Cholera darlegte. Jahrelang stand er hierbei in einem großen Gegensatz zu der Lehre Robert Kochs, bis es auf mehreren Konferenzen im kaiserlichen Gesundheitsamte gelang, eine Annäherung un8 gegenseitige Anerkennung beider Theorien herbeizusühren. Geheimrat v. Pettenkoser, dem im Jahre 1883 der erbliche Adel verliehen wurde, und der 1889 zum Präsidenten der bayrischen Akademie der Wissenschaften ernannt wurde, trat vor sieben Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Nachdem er seit dieser Zeit ein verdientes otium cum bignitate in Ruhe und Frieden genießen durste, hat nun ein tragisches Schicksal diesem reichen Lebenswerk ein jähes Ende bereitet. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Wien, 12. Febr. (Privattelegramm.) Ueber die Chokoladen- fabrtk von August Pschinkels Söhne in Wien, Lowositz und Schoenfeld wurde hmt? der Konkurs eröffnet. Die Passiva belausm sich auf 2 Millionen Kronen. Märkte. r. Limburg a. d. Lahn, 13. Uruaer Fruchtmorkt. (rurchschntitspreiS pro Malter.) Roter Weizen Mk. 13 30 w -grr Wetzen Mk. 00.00, Korn Mk. 10.62, Gerste Mk. 8.60, Hüer M. 6 32. Arbeiterbewegung. mouc.au U8 min.e, 12 J-dr. D-S H.I r°-. sozialistischen Vereinigungen Uoterfiützungen im Betrage von 70l M Fr. erhalten. Man glaubt deshalb, daß der Ausfimrd noch wochenlang dauern werde. ES starben en: TtphtherittS Herzleiden Zuckerkrankheit Magengeschwür Wochen bettfieber Pleuritis Verunglückung__________________________________________ö-töx— Summa: 8 (5) 5 (2) 1 (1) 2 (2) Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie otd her Todesfälle in der betreffenden Kranlheit aus von auswärts nach Güßen gebrachte Kranke kommen. Max v. Pettenkoser f. Es war nicht Lebensüberdruß, nicht die Furcht vor dem Tode, die dem hochbetagten Forscher den Revolver in die Hand drückten, sondern ein schon längere Zeit andauernder Zustand psychischer Depression, der Schwermut und der Furcht, in Geisteskrankheit zu verfallen, ließ ihn die nach menschlichem Ermessen ihm nur" noch kurz bemessene Spanne seines Lebens gewaltsam abkürzen. Ter sonst so geistesstarke Mann, der bei seinen oft gefährlichen Experimenten nicht zauderte, unter Nichtachtung feiner Gesundheit und seines Lebens der wissenschaftlichen Wahrheit nachzugehen, der im Antagonismus gegen die Bazillentheorie Robert Kochs sich selbst zum Versuchsobjekt machte, um die vermeintliche Ungefährlichkeit der Kochschen Chvlerabazillen zu erweisen, und zu diesem Zweck das vielbesprochene „Cholera-Frühstück" einnahm -- den dunklen Schrecken geistiger Umnachtung, denen er sich verfallen wähnte, hat er den selbstgewählten Tod vorgezogen. Ein großer Naturforscher, der Begründer der modernen Hygieine und Seuchenlehre, nächst Justus v. Liebig wohl der populärste Gelehrte Süddeutschlands, ist mit ihm bahinge- gangen. Am 3. Dezember 1818 in Lichtheim an der Donau geboren, widmete er sich dem Studium der Pharmazie und Medizin, war, wie wir bereits erwähnten, ein Schüler Liebigs in Gießen, wurde 1847 an der Münchener Universität außerordentlicher Professor der medizinischen Chemie, und 1853 ordentlicher Professor. Eine Reihe wertvoller chemisch-technischer Untersuchungen bezeichnet den Anfang feiner wissenschaftlichen Laufbahn. Mit seiner Arbeit über den Unterschied zwischen Ofen- und Luftheizung wandte er sich der eigentlichen Hygieine ni, unb stellte in eingehenden Untersuchungen bie Grundlagen der Ventilation fest, die heute zum Allgemeingut und zu einer der wichtigsten Anforderungen des modernen Häuserbaues geworden ist. Mit Hilfe eines von ihm konstruierten Respirations-Apparates begann Pettenkoser im Verein mit Prof. Voit umfangreiche Untersuchungen über die Atmung und Ernährung des Tieres und des Menschen, und trug dadurch wesentlich Zusammen: Erwachsene: im 1. Leb. icktzhr: 2.-15.ti 2 (2) Kirchliche Nachrichten. Evangelische «emeiutze. Donnerstag den 18. Februar, abends 8 Uhr, ^belsluttd« im Konfirmandensaal (Kirckstraße S). Psalm 24. Pfarrer SckloNer. Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in Gießen 6. Woche. Dom 3. bi« 9. Februar 1901. Einwohnerzahl: angenommen zu 25 560 (incl. 1660 Mann Militär) “ SterbltchkeitSztffer: 16,28, nach Abzug der Ortsfremden 6,10 /«- R t n o e r Holz-Versteigerung in der Aürstlichen Köerförsterei Lich. ES sollen versteigert werden: Am Montag den 85. Februar, von vormittags 91/» Uhr an, im Distrikt Höler: Buchen: 42 rm Scheiter, 93 rm Knüppel, 23 rm Stöcke, 7000 Wellen (ca- 5000 Forstwellen); Eichen: 22 rm Knüppel, 7 rm Stöcke, 800 Wellen; 170 Birken-Wellen; Nadelholz: 10 rm Knüppel, 1200 Wellen. Einiges Buchen- rc. Scheit-, Knüppel-, Stock- und Reishol; von Windfällen rc. an der Steinbacher Grenze und sonst, welches nicht vorgezeigt wird. Weniges Fichten-Stangenholz. Die Zusammenkunft ist im vorderen Höler (Wingerteschlag), auf dem sogen. Wingerteweg, nahe der Hauptschneise. Eine Woche spater wird noch eine Versteigerung im Höler statt- finden, bei welcher Brennholz aller Art von Buchen und Elchen zum Verkauf kommen wird. Am Dienstag den 86. Februar, von vormittags 91/, Uhr an, im Distrikt Hard: Buchen: 75 rm Scheiter, 68 rm Knüppel. 68 rm Stocke, 2400 Wellen; Eicken: 2 rm Sckeiter (gut), 48 rm Knüppel, 61 rm Stöcke (dabei 1,5 rm Scheilbrocken), 1600 Wellen; 3 rm Kirschbaum-Rund- bolz; 2100 Weickbolz-Wellen (dabei 1800 Backwellen; Nadelholz: 6 rm Knüppel, 1300 Wellen. DaS Holz sitzt etwa zur Hälfte nahe bei Kolnhausen, am Arns- burger Fußpfad und nicht weit davon, die Nadelholz-Wellen sitzen zumeist am Muschenheimer Weg, der Rest am Fußpfad Lich-Birklar. Die Zusammenkunft ist auf der Chauffee von Kolnhausen in bie Hard, beim Waldrand. 1327 ____________________Dr. Dieffenbach. Holz-V erkauf. Im Wege dkS schriftlichen Angebots sollen au« dem Ge- meindewald Groß-Altenstädteu verkauft werden: 94 fm Gichen-Stammhok; 1., 2. u. 3. Kl. Distrikte Gehauerseld und Linn. SVa Fichten - Stammholz. Distrikt Sinn. Die auf den Abzah'ungstabellen vorgedruckten Beding- ungen werden zu Grunde gelegt. Nähere Auskunft erteilt der Herr Förster Knoop zu Groß-Altenstädten. Schriftliche Angebots nchme ich bis Montag den 25. d. Mts., nachmittag» 2»/, Uhr, entgegen. Hohensolms, den 8. Februar 1901. 1322 Der Bürgermeister. Couverts mit Firma billigst Sröhl'sche Universitäts-Druckerei. Iagdverpachtung. Dienstag den 19. Februar l. I, nachmittags 1 Uhr, soll die der Gmeinde Lehnheim zustehende Feld- und Waldjagd für weitere 6 Jahre auf unserem Bureau verpachtet werden. Lehnheim, 13. Fe rieSi'ß«"^ tzlälttt werd' Milch' fit bin !ial ivöchenil" Innatmt””. w etr nad)O"1 tolgtntt" 1Q1 Nummer dir «bbeltellun! Atdaltion, Dnidfrei’ Sd Seit.: «us iibfi taul tzmäh die Namen welch legiert Vereine ang, Wallung jur minime. Schwan, Kug Fmdach, Seo Rauling, Sari Jäqrr, 6bua‘ Schlitt, Schmidt, Fe Rosenbaum, Schreiner, ? 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