Nr. 2S4 Erstes Blatt 151. Jahrgang Samstag 14. Dezember 1901 Erscheint täglich tnü Ausnahme des Montags. Die Giehener Familien, blätter werden demAn- leigex im Wechsel mit dem .Hess. Landwirt* und den .Blattern sür hessische Volkskunde* viermal wöchentlich bei» gelegt. (Rebafnon, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprkchanschlußNr.51. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger * Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeiae» äu der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. dis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen"Vermitt- lungsslellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal I2P1*, auswärls 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen UnioersitätS - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witt ko. für den Anzeigenteil : Hans Beck. Bekanntmachung. Betr.: Die Ausführung des'Reichsgesetzes über die Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900. 2ßir bringen hiermit zur Kenntnisnahme der Interessenten, daß im Jahre 1902 an den nachbenannten Tagen die Vorschriften über die Mindestruhezeit und Mittagspause der Gehilfen, Lehrlingen und Arbeiter (§ 139 e rubr. Ges.) keine Anwendung zu sinden haben, und die Läden, sowie die offenen Verkaufsstellen an diesen Tagen bis 10 Uhr abends offen gehalten werden dürfen: 5 Wochentage vor Ostern (24.-27. und 29. März); 1 Wochentag vor Himmelfahrt (7. Mai); 4 Wochentage vor Pfingsten (14.-17. Mai); 14 Wochentage vor Weihnachten (9.—13., 15.—20., 22.—24. Dezember); 1 Wochentag vor Neujahr (31. Dezember). Eine Anzahl weiterer Tage, an denen Ausnahmen von «den gesetzlichen Vorschriften gewährt werden können, bleibt für unvorhergesehene Fälle vorbehalten. Gießen, 11. Dezember 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung, Betreffend den Rechner der Provmziallaffe Oberheffen. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der Rendant Grüneberg zu Gießen das Amt eines Rechners der Provinzialkasse Oberhessen niedergelegt hat, und daß ar: seiner Stelle der Krerskasserechner Kauß auch zum Rechner der Provinzialkasse Oberhessen ernannt und m den Dienst eingewiesen worden ist. Gießen, den 11. Dezember 1901. Großh. Provinzial-Direktion Oberhessen. v. Bechtold. Der Amokläufer in Tientsin. Ueber den Amokläufer schreibt titan aus London unter dem 11. Dezember: „Als gestern morgen die ersten Meldungen über einen blutigen Zusammenstoß zwischen deutschen und britischen Soldaten in Tientsin hier in London bekannt wurden, da war es, wie üblich, die Reutersche Nachricht, die dem betreffenden Bilde eine antideutsche Färbung gab und die Aftaire so hinstellte, als ob die deutschen Truppen die Schuld daran getragen hätten, daß, nachdem ein plötzlich wahnsinnig gewordener indischer Soldat zwcc seiner Kameraden erschossen hatte und dann auf der Flucht von anderen Angehörigen seines Regimentes verfolgt wurde, ein allgemeines Feuergefecht zwischen den Deutschen und den Indern stattfand. Reuter meldete ausdrücÜich, daß der wahnsinnige Mörder von deutschen Soldaten niedergeschossen worden sei, welche „sodann auch aus die übrigen Punjab-Infanteristen Feuer eröffneten". — Es sei sodann ein allgemeiner Kampf erfolgt, in welchem drei deutsche Mannschaften getötet und ein deutscher Offizier tätlich verwundet worden sei, während drei Inder getötet und verschiedene verwundet wurden. Als eine Folge dieses Vorfalles seien die deutschen Truppen in Tientsin bis auf weiteres mit Kasernenarrest' beleg! worden. Diese ungezogene und der Wahrheit durchaus widersprechende Darstellung des ganzen beklagenswerten Falles sand nun gestern abend sehr spät noch ihre drastische und direkte Widerlegung durch eine Veröffentlichung des hiesigen Ministeriums für Indien, in welcher der Staatssekretär ein Telegramm des Kommandeurs der britisch-indischen Truppen in Tientsin, des General Creagh, bekannt gievt. Hiernach verhält sich die ganze Angelegenheit wesentlich anders, indem nämlich der genannte General ui seinem „tiefsten Bedauern" rapportieren muß, daß am Montag nachmittag ein Sepoy des 4. Punjab-Infanterieregimentes, der Wache gestanden hatte, bei seiner Ablösung plötzlich wahnsinnig wurde, zwei seiner Kameraden totschoß und einen andern schwer verwundete, so daß er bald nachher starb. In der bereits eingetretenen Dunkelheit gelang es dem wahnsinnigen Mörder, sich seinen Verfolgern durch schnelle Flucht zu entziehen und, sein geladenes Gewehr immer noch in der Hand, bis an die deutschen Linien zu gelangen, wo natürlich die Wachen den Versuch machten, ihn anzuhalten und sich seiner Person zu versichern. Bevor jedoch dies geschehen konnte, feuerte der Inder noch drei Schüsse auf die deutschen Soldaten ab, wodurch zwei derselben getötet und einer schwer verwundet wurde. Die Folge hiervon war natürlich, daß der wachhabende Offizier eben- falls den Befehl zum Feuern gab, sodaß der Mörder und ein gerade herbeistürzender Kamerad desselben sofort geltet wurden. Als dann die übrigen Verfolger des wahnsinnigen indischen Soldaten mit lautem Geschrei heran- geftürmt kamen, glaubten sich die deutschen Wachmannschaften in der Dunkelheit berechtigt, auch diese vermeintlichen Angreifer mit einer Salve zu begrüßen, wodurch w ieder einige Sepoys verwundet zu Boden gestreckt wurden. 2 W tragen will, versuche meine Lenneper Fabrikate. Wer diese Stoffe eiumak gekauft hat, kommt stets darauf zurück. Herr Rentner H. M. in Berlin schreibt: Ich ziehe Lenneper Ware vor, weil dieselbe notorisch länger hält, als andere Fabrikate usw. 2996 Aehnliche Anerkennungen laufen fortwährend ein. Muster franko ohne Kaufzwang. GastaV jliiMri, Lennep. 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