Nr. 2568 Drittes Matt. Donnerstag 14. November 1901 151. Jahrgang Erscheint täglich mrt Ausnahme deS Montags. Die Gießener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt* und den »Blättern sür hessische Volkskunde* viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. FkrnsprrchanschlußNr.51. GietzenerAnzeiger m General-Anzeiger v sssä v *7 Unwersitats - Drilckerei Amts- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen MM ■ - - v zeigenteil: Hans Beck« England im derrtsch-sranzöstschen Kriege. Es ist darauf hingewiesen worden, daß der Deutsch- l r -r/ *^e e Vergleich zwischen der englischen und deutschen Kriegführung schon früher in der englischen Presse austauchte, ehe Herr Chamberlain sich gemüßigt sah, in öffentlicher Rede di - Anspielung vorzudringen. Es macht aber einen Unterschied, ob die Presse, oder ob ein tonangebender Staatsmann eine schmähende Behauptung ^egen eine Ration aufstellt. Wir vertreten die Ansicht, daß dte Veranstaltung großer Protestkundgebungen, aller Orten, zu viel Ehre für Chamberlain und geeignet ist, sein Selbstgefühl zu steigern. Dagegen liegt kein Grund vor, mit Kundgebungen deshalb zurückzuhalten, weil diese Verstimmung erregen, ein „Zerwürfnis mit England herbeiführen könnten. Wir teilen diese vorsichtige Auffassurrg die gegenwärtig in dem einen und anderen Blatt zum Haben die Engländer im deutsch-französischen Kriege irgendwie Zurückhaltung an den Tag gelegt? Sind nicht dre Sympathien für Frankreich mit aller Deutlichkeit zu erkennen gegeben worden? Ueber die Haltung der deutschen Regierung vom Beginn des südafrikanischen Krieges an bis heute wiiü) kein britischer Staatsmann ein Wort des Tadels sagen können. Mit welchen Mitteln dagegen haben im deutsch-französischen Kriege die amtlichen Kreise trt London versucht, den deutschen Triumphzug au^uhalten, Deutschland, wie Fürst Bismarck sich ausdrückt, den „Siegespreis zu beschneiden". In dem Jmmediatbericht über das Tagebuch des Kronprinzen, des nachmaligen Kaisers Friedrich, erwähnt Bismarck des „von französischen Sympathien erfüllten englischen Hofes." Die Königin Viktoria ermahnte, nach dem Zeugnis dieses Tagebuchs, telegraphisch Wilhelm I. „angesichts der Favre^schen Frnedensversuche zur Seelengröße". Fürst Bismarck hat in seinen Denkwürdigkeiten dargelegt, daß der Hauptwiderstand gegen das Bombardement txon Paris von England aus inszeniert wurde. Tie nachfolgenden Sätze aus den „Gedanken und Erinnerungen" sind außerordentlich charakteristisch auriy sür das England von heute: „Tie Vorstellung, daH Paris, obwohl es befestigt und das stärkste Bollwerk der Gegner war, nicht wie jede andere Festung angegriffen werden dürfe, war aus England aus dem Umwege über Berlin in unser Lager gekommen, mit der Redensart von dem „Mekka der Zivilisation" und airderen in dem cant der öffentlichen Meinung in England üblichen und wirksamen Wendungen der Humanitätsgefühle, deren Bethätigung England von allen anderen Mächten erwartet, aber seinen eigenen Gegnern nicht immer zu Gute kommen läßt. Von London wurde bei unseren maßgebenden Kreisen der Gedanke vertreten, daß die Uebergäbe von Paris nicht durch Geschütze, sondern nur durch Hunger herbeigefuhrt werden dürfe. Ob der letztere Weg der menschlichere war, darüber kann man streiten" . . . Wir niöchten einmal sehen, welcher Sturm sich in England erheben würde, wenn unsere amllichen oder Hofkreise auch nur annähernd in dieser Weise dem krieg führ end en England Belehrung erteilten, oder wenn sich die deutsche Regierung, wie die englische beim deutsch-französischen Kriege, auf den Standpunkt stellte, die Lieferung von Waffen und Kohlen an den Feind verletze nicht die Pflichten der Neutralität! Es war unklug von Chamberlain, die Erinnerung von 1870/71 heraufzubeschwören und damit zugleich die Erinnerung an die zahlreichen Machenschaften, die von englischer Seite ausgingen. Die Parteinahme der deutsche:: Bevölkerung für die Buren fügt den Engländern allenfalls moralische Einbußen zu: Deutschland hat viel empfindlichere Hemmungen und Schädigungen zu ertragen gehabt. Und doch ist kein „Zerwürfnis" die Folge gewesen. Sympathieen und Antipathieen sind nun einmal durch „Vernunftgründe" nicht zu beeinflussen. Die Volksstimmung gegen England entspricht dem Gefühl; zu dieser Stimmung grebt aber nicht nur die Entrüstung über den ungerechten Krieg, über die Grausamkeit der von England anaewendeten Kdittel, Anlaß, sondern die Abneigung wurzelt tiefer: in der durch lange Jahre gemachten Beobachtung, daß Deutschland stets gegen England hat auf der Hut sein müssen, und gerade dann am meiste::, wenn Gefahren drohten. Die Polenfrage. Wenn die Gerichtsverhandlung, in der vor einiger Zeit gegen eine Anzahl von Mitgliedern: polnischer Schüler-Verbindungen der staatliche Apparat in Bewegung gesetzt wurde, nicht dazu angethan war, besondere Besorgnisse über eine Gefährdung der Interessen des Reiches durch polnische Verschwörungen zu erwecken, so kann man die Vorgänge, die der dieser Tage in Posen geführte Prozeß gegen die der Geheimbündelei angellagten polnischen Akademiker nicht in gleich harmlosen Sinne auffassen und beurteilen. Es sind auch noch verhältnismäßig junge Männer, die dort unter Anllage standen, und als straf- schuldig erachtet wurden, aber in dem Alter, wo man mit Hochverrat und Tyrannenmvrd in aller Unschuld spiell, stehen sie nicht mehr, und einem angehenden Arzt oder Rechtsanwalt können die mildernden Umstände des Nichtwissens was man thut, schwerlich zugebilligt werden. Gewiß wird man die Bestrebungen und Pläne, zu deren Förderern und Mittrügern die Angellagten sich machten, für den Augenblick nicht als eine unmittelbare Gefahr zu betrachten haben. Es wird noch viel Wasser die Weichsel hinunterfließen, ehe versucht werden dürfte, aus den Träumen, von denen in der Stille so viele polnische Herzen befangen sind, in die rauhe und blutige Wirklichkeit der bewaffneten Erhebung zur Wiederherstellung des Jagellonenreiches zu schreiten. Aber es muß doch festgehalten werden, daß, wie die Beweisaufnahme in dem Prozesse ergab, zwischen den Hauptpunkten der polnischen Propaganda, — Zürich, Posen, Warschau, Lemberg, Krakau — eine ständige Verbindung obwaltet, deren nächste Zwecke darauf gerichtet sind, das Gefühl der Einheit unter den polnischen Elementen, die eine Zukunft in jenem Sinne herbeisehnen, wach zu halten, und durch Wort und Schrift immer weitere Kreise in diesen geheimen Bund hinÄn- zuziehen. Daß die Dinge so liegen, ist auch von den Ange- ttagten, so harmlose Deutung sie chrer Thätigkeit zu geben suchten, wie von den Verteidigern zugestanden worden. Im letzten Grunde hat niemals ein Pole dieser Richtung, wie er auch stehen mochte, offen und rückhaltlos sich zu der Anschauung bekannt, daß auf eine Wiedererstehung des polnischen Nationalstaates nicht mehr zu rcdjncn sei, vielmehr klingt immer und überall auch unter allen Beteuerungen der Loyalität und Friedfertigkeit durch, was man in der Zeiten Ferne kommen zu sehen wünscht. Das ist für den, der selbst mit festem Glauben und dauerhafter Treue in seinem Volkstum wurzelt, begreiflich, und unter diesem Gesichtspunkt nicht ein Vorwurf für die Polen. Aber haben sie das Recht, sich innerlich außerhalb des Staates und der Volksgemeinschaft zu stellen, denen sie durch ein hartes, doch aus einer langen geschichtlichen Entwickelung folgerichtig entsprungenes Geschick zugewiesen sind, so hat eben dieser Staat das Recht und die Pflicht, jede äußerliche Bekundung und Bethätigung jener feindselig abgewandten Gesinnung hintanzuhalten und zu strafen und das Möglichste zu thun, um eine ernstere Gefährdung seiner Lebensinteressen durch eine gegen ihn gerichtete Wühlarbeit zu verhindern. Insofern wird man es durchaus billigen und gutheißen müssen, wenn die Behörden nach Kräften bemüht sind, derartigen Treibereien und Versuchen, wie sie in dem Posener Prozeß zu tage getreten sind, auf die Spur zu kommen und sie, wo sie entdeckt werden, unnachsichtlich zu verfolgen und zu unterdrücken. Andererseits kann man nur warnen vor jeder grundlosen lleinlichen Behandlung und erbitternden Maßregeln, die mit den Gesetzen nicht im Einklänge stehen. Das Wesentliche und schließlich allein Wirksame wird auf die Dauer nur die Stärkung und Festigung des deutschen Kultureinslusses in den Ostmarken sein. Dazu sind ja mancherlei Ansätze gemacht, aber es wird eine lange und stetige Arbeit in dieser Hinsicht bedürfen, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Die wirtschaftliche Hebung oes Ostens, seine Ausschließung und engere Verbindung mit den anderen Teilen des Staates durch Straßen, Eisenbahnen, Kanäle, die Schaffung geistiger Mittelpunkte des deutschen Lebens in diesen Landesteilen, die Verbesserung des Schulwesens und der Lage des Lehrerftandes daselbst, das find Aufgaben, die noch bei Weitem nicht gelöst sind, und doch gelöst werden müssen. Behörden und Bevölkerung müssen dabei Hand in Hand gehen. In diesen: Sinne darf man es begrüßen, daß mit dem 1. Oktober d. I. die „Deutsche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft"" in Posen ihre Thätigkeit begonnen hat. Sie setzt sich aus fünf Abteilungen zusammen: Geschichte, Naturwissenschaften, Kunst und Kunstgewerbe, Musik und Technik. Als eine ihrer vornehmsten Ausgaben betrachtet es die Gesellschaft, den Bau von Vereinshäusern in der Hauptstadt und den größeren Städten der Provinz zu verwirklichen. Ferner beabsichtigt sie, Vorträge anerkannter Gelehrten zu einer ständigen Einrichtung in Posen zu machen. Die „Pos. Ztg." teilt darüber mit: Tüchtige Gelehrte sollen in Posen ihren Wohnsitz erhalten und wirkend und schaffend fördern und btt- den, wo es nötig ist, und wo der Wunsch nach Belehrung ausgesprochen wird. Aber damit nicht genug. Die Deutsche Gesellschaft will ihre Wirksamkeit nicht auf die Stadt Posen beschränken; alle deutschen Vereine in der Provinz sollen sich ihr angliedern, Zweiggesellschaften sollen in den größeren Städten, Abteilungen unter der Leitung eines Geschäftsführers in den Reineren Irrgarten der Liede. Wenn ich von Liebesgedichten höre, muß ich immer an ein Bild des „Simplicissimus" denken. Es ist von Thomas Theodor Heine und ganz in dessen frech-amüsanten Manier. Ein Liebespaar ruht im Grase. Der Himmel ist blau, das Wetter wunderschön; der junge Mann hält zärtlich die Hand der Dame und flüstert ihr allerlei sehr Galantes ins Ohr. Serenissimus kommt, auf dem Krückstock gestützt, vorüber. Wie er die beiden so artig beisammen sieht, wundert er sich nicht wenig, schüttelt bedächtig das angegraute Haupt, und sagt mit schnarrender Stimme zu seinem Begleiter, der des Gebieters weise Bemerkung mit Andacht vernimmt, die lapidaren Worte: „Ja, hört denn das gar nicht auf?"" Mancher, der kein Serenissimus ist, und das Haar . och nicht zu färben braucht, kopfschüttelt ähnlich, wenn ihck Liebeslyrik vor die erstaunten Augen gebracht wird. „Hört denn das gar nicht auf?"" Die Kämpfe der Existenz, der materiellen und der geistigen, werden tagtäglich schwieriger, ernsthafte F.agen der Volkswirtschaft und Politik beschäftigen uns ernsthafte Männer, dabei werden die jungen Leute noch immer nicht müde, wenn sie eine gewisse blaue Schleife, eine Blume oder ein rotseidenes Band erhalten, und sehr beschwingter Stimmung sind, „Luft auf „Brust"" zu reimen. Entbehren sie aber diese kostbaren Dinge, paaren sie „See"" mit „Weh", als ob es auf der Welt nichts Wichtigeres gäbe! Seltsame Welt! . . . Nein, das hört noch immer nicht auf, den allzu Lebensernsten zum Trotz! Jetzt noch weniger als vorher. Nicht umsonst ist das Recht auf fröhliche Daseinsbejahung unserer jungen Generation verkündet worden. Sie sorgt Zar nicht — so kecksubjektiv ist diese Jugend — ob ihre höchst persönlichen Angelegenheiten, ihr „Himmel hoch jauchzend"" oder „zu Tode betrübtsein" irgend jemanden interessiert. Das volle Ausströmen des Gefühls, der Liebes- Empfindung läßt sie sich von keinem Pedanten verkümmern? Noch immer, trotz der Schwierigkeit der äußeren und inneren Lage und der Berufe ist der Himmel sehr oft "blau, das Wetter wunderschön, und das Wunderschönste ist, lei solchem Wetter und so beschaffenem Himmel mit -einem Dämchen spazieren zu gehen. Merkwürdigerweise giebt es auch noch immer Leute, deren „Beruf"" sich darin ganz zu erschöpfen scheint, von der Schönheit dieser Dinge gereimter und ungereimter Weise zu fabulieren. Und wenn diese Leute Grazie und Talent besitzen — Gott giebt es ja gerade den Leichtferttgen und Leichtfüßigen im Schlafe — so mag es einem oder dem andern dieser angenehmen Reimer passieren, daß er über Nacht berühmt wird, ein heller Neigen schwärmender Mädchen umgiebt den glücklichen Dichter, seine Weisen, die er zu höchst eigenem Plaisier vor sich hingesummt, da er, die Liebste im Arm, durch die Wälder zog, werden Volkes Eigentum, und eines Tages ereignet sich das Wunderbarste: der Postbote betritt das Poetenstübchen und bringt dem verwundert und eben nicht weise dreinblickenden deutschen Dichter ein kleines Barvermögen von einem der fünfundzwanzig „Ueberbrettl", die in der letzten Woche entstanden find' i. Und immer neue Bestellungen auf „Ringel-ringel-Rosenkranz""-Lieder bringt jeder Tag. Immer behaglich-runder lvird unser Poet; er kann gar nicht mehr genug spazieren gehen und von seinem Ehemannsjubel tirilieren. Jetzt bekommen auch die älteren, weisen und bedächttgen Familienhäupter Respekt. Tie Lyrik, die Liebeslyrik sogar, ist gar kein schlechter Erwerb. Würde Ovids Vater heute leben, es fiele ihm gewiß nicht bei, dem Sohn das Dichten ausprügeln zu wollen. Er müßte, zumal bei so ausgesprochen erotischer Veranlagung, dem Jungen nur raten, dieses Talent fleißig zu üben und nicht zu rasten, bis ihm ein „Verlassener Lehmann" gelungen ist. . > . Tie geneigten Leser haben ohne Zweifel erraten, wen ich unter den unbekümmerten, ht Maien- und Ueberbrettl- Extasen schwelgenden Liebeslyriker vermeine. Ich kann da nur an unseren lieben Otto Julius Bierbaum denken. Ihm ist in jungen Jahren das Glück, ein beleibter und beliebter Lyrikus zu heißen, zu teil geworden. Und er hat von seinem zwanzigsten Jahre, da er, verkannt, schmächtig und sehr gering, in seinem Kämmerlein Verse verübte, bis zu seinem sechsunddreißigsten, da er zu solcher Fülle gedieh, fast nur von Liebe gesungen, von Liebe! Ein ganzes, zärtliches Gärtlein hat er mit nimmermüder Hand bebaut, „eine grüne Wiese, darauf es singt und klingt und blüht wie im Paradiese." Diesen Garten hat er uns weit aufgethan, er wünscht, wie jeder Künstler, der sich nicht ganz im Esoterisch^Snobhasten verliert, daß sich möglichst viele an den Hecken und den zierlich gehegten Blüten und an der dazwischen wild wachsenden Schönheit seines Gartens freuen, er wünscht, daß der „Irrgarten der Liebe" ein rechter Volkspark werde, in dem sich Jung und Alt, wem die Sinne für Klang und Farbe noch nicht verstorben sind, ergehe. Das Enttee ist ein ganz geringes. Um eine Mark wird dieser Irrgarten dar- geboten — ein Buch von fast einem hatten tausend Setten, klar gedruckt, mit Leisten und Schlußstücken des Meisters Heinrich Vogeler und zwei Bildern, den dünnen Studenten von dazumal und den volleren 'Dichter von heute darstellertt», geschmückt. Mit dieser unwahrscheinlich billigen Ausgabe eines Lyrikers unserer Zeit ward ein erster Versuch von weittragender Bedeutung unternommen, unserer neuen Lyrik, der herrlich reichen, den Weg in die breitesten.Schichten zu öffnen. Dieser Versuch, durch die Munisizenz des Herausgebers der „Insel", Alfred Walter Heymel ermöglicht, ist glänzend geglückt. In wenigen Wochen waren die ersten zehntausend verkauft, da diese Zeilen in den Druck gehen, dürfte bereits das 36ste Tausend erreicht fein. Man hätte allerdings keine volkstümlichere Wahl treffen können. Unter allen Mitstrebenden ist Otto Julius Bierbaum wohl der einzige, der sich, allerdings vor allem durch Wolzogens Gnaden, wirklicher Popularität erfreut und dabei doch kaum an künstlerischem Prestige verloren! hat. Der „Irrgarten der Liebe"" umfaßt so ziemlich alles, was Bierbaum an lyrischen Dingen bis jetzt schrieb und in früheren Sammlungen, „Erlebte Gedichte"", „Nemt, froutoe, disen kranz""" und in den altväterlich-schalkhaften Kalenderbüchern, seinen „Bunten Vögeln" einzeln auftischte. Nun hat man das alles auf das zierlichste beisammen. Man freut sich dieses lyrischen Reichtums, aber man denkt sich doch: ein bißchen weniger, Herr, wäre uns doch sehr lieb! Dieses Büchlein ist zwar nicht so umfänglich, daß man es nicht in die Tasche stecken könnte, ajber. es ist doch von so stattlicher Dicke, daß man darin eine Taschenausgabe des neuen deutschen bürgerlichen Gesetzbuches vermuten könnte, eine Verwechslung, die sich wohl beide Werke verbitten werden. Ein Gesetzbuch ist das Bierbaumsche Jrrgärtlein allerdings, aber eines von ganz besonderer Art. Es predigt, nein, es singt und jauchzt einem zu: Du sollst nur eines als Pflicht erkennen, dich demes Lebens, so Rein und scheinbar-alltäglich dieses verlaufe, dich an Licht, Liebe, Sonne und Farbe recht von Städten gegründet, die Verbindung mit der Hauptstelle gepflegt werden. Ein großer, allumfassender, der deutsch- nationalen Sache durch stilles Wirken helfender Verein, das will die Deutsche Gesellschaft sein. Junge Gelehrte aus Posen werden in die einzelnen Städte geschickt werden, um Vorträge zu halten. Diese selbst sollen den Herren, die Sinn für künstlerisches und wissenschaftliches Streben haben, ein Vorbild sein, auch ihrerseits helfend mitzuwirken an dem großen Werke. Vereinshäuser sollen in den großen Städten gebaut werden, um ein Sammelpunkt deutscher Geselligkeit zu sein, aber auch um die Räume für Vorträge zu schaffen. Es ist nur zu wünschen, daß derartige Unternehmungen von allen Seiten gefördert werden. Jede Stärkung -des kulturellen Selbstgefühls der deutschen Bevölkerung in Len polnischen Gebieten wird ihr dazu helfen, ihren Platz -dort zu behaupten, und die Polenfrage einer friedlichen 'Lösung im Laufe der Zeit zuzuführen. Politische Tagesschau. Ueber die schwere Niederlage der Engländer bei Brakenslaagte 'die unseren Lesern bekannte Vernichtung des Nachtrabs der Kolonne des Obersten Benson durch die Buren unter Louis Botha, berichtet ein Korrespondent des „Daily Telegraph" aus Pretoria noch interessante Einzelheiten. Er ist so ehrlich, die heroische Tapferkeit der Buren in seinem Berichte anzuerkennen. Der Kampf begann um 3 Uhr mit dem Angriffe der Buren auf das die Nachhut bildende 3. berittene Infanterie-Regiment. Da das Regiment hart bedrängt wurde, kam Oberst Benson ihm mit einer Schwadron des schottischen Reiterregiments, dem Porkshire-Regiment und zwei Geschützen unter Bedeckung einer Kompagnie Infanterie zu Hilfe und besetzte mit ihnen einen Hügel. Auf Liese Stellung machten 700 berittene Buren einen kühnen Angriff. In vollem Galopp, fortwährend schießend, kamen ssie heran, überritten die Infanterie und machten erst in :einer Schlucht kaum 40 Schritt vor den Geschlichen Halt, von wo aus sie ein tötliches Feuer auf die Engländer eröffneten. In kurzer Zeit waren die meisten Engländer imtf dem Hügel gefallen oder verwundet, aber die Buren ^konnten die Geschütze erst nach Eintritt der Dämmerung 'fortschaffen, da die englischen Geschütze vom Lager aus die Stellung bestrichen. Bon den 160 Mann, die den Hügel iverteidigten, sielen 123. Die schottischen Reiter verloren taou 80 Mann 73, das Yorsihire-Re giment litt in gleichem 'Verhältnis. Alle Offiziere bis auf einen fielen. Zu gleicher »Zeit machten die Buren einen Angriff auf das englische ^Lager, konnten es aber nicht nehmen, da es durch Schützen- lgräben zu gut geschützt war. Auf der Seite der Buren jsielen gegen 40 Mann und gegen 100 wurden verwundet, «unter ersteren Kommandant Oppermann, unter letzteren iEhristian Botha, ein Vetter des Generals. Diese Angaben sstammen von den englischen Aerzten, die nach dem Kampfe chas von den Buren besetzte Schlachtfeld besuchten. Aus Stadt uud Sand. Nachrichten von allgenuinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 13. November 1901. ** Eine Verjährung alter Forderungen tritt mit Ablauf ,1901 in bedeutendem Umfange ein und zwar gerade der- -jenigen Forderungen, die sich aus dem täglichen Geschäftsverkehr ergeben und deshalb am häufigsten vorkommen. Alte 'Ansprüche, die jetzt einer zweijährigen Verjährungsftist unterliegen, werden also mit dem Ablauf des Jahres 1901 verjähren. Zu solchen schnell verjährenden Forderungen gehören besonders die Ansprüche der Handwerker für Lieferung von Waren und Ausführung von Arbeiten. Es einpfiehlt sich deshalb, eine Durchsicht der Bücher schleunigst vorzunehmen und bei den älteren Posten die geeignete Schritte zu thun, um der Verjährung vorzubeugen. ** Aus dem oberen Vogelsberg, 11. Nov. Gegenwärtig fist jetzt in unserer Gegend der Handel resp. Einkauf von Christ bäum en im Schwung. Es kommen Händler aus Frankfurt a. M., der Gegend von Gelnhausen usw. hierher, um zu kaufen, das Stück zu 22 bis 23 Pfg., je nach Qualität. Im vorigen Jahre wurden Christbäume noch mit 17 bis 22 Pfennig verkauft. Infolge der vielen Aufforstungen in den letzten Jahren hat mancher Landwirt alljährlich eine schöne Einnahme, mitunter 300 bis 500 Mk., ohne daß seine Anpflanzung ruiniert wird, denn die Landwirte hoben früher die Fichtenpflanzen sehr dicht gesetzt. Vermischtes. • Ein Ueberbrettl-Scherz. Der „B B.-C." meldet aus Berlin: Eine lustige Episode gab cs Sonntagabend im „Bunten Brettl" am Alexander-Platz. Brennert's Kanzlei-Tragödie „Die Hasenpfote" wird dort abwechselnd von Dr. Arthur Pserhofer und Herrn Jaffe, der in dem Stück den ersten Schreiber spielt, vor dem Vorhang an- gekündigt. Sonntag annoncierte nun Pserhofer: „Wir führen jetzt die Hasenpfote auf." Dann nannte er die Mitwirkenden und fügte hinzu: „Eigentlich sollte Herr Jaffe heute die Ankündigung machen, er befindet sich aber noch in der Garderobe und hat keine Ahnung davon, daß ich ihn vertreten habe. Liebes Publikum, wenn jetzt Herr Jaffe kommt, lachen Sie, bitte, recht herzlich!" Kurze Zeit darauf tritt Jaffe mit feierlicher Miene vor den Vorhang — großes Gelächter. Er beginnt ahnungslos: „Wir führen jetzt „Die Hasenpfote" auf" — noch größeres Gelächter. Er nennt die mitwirkenden Personen — stürmisches, langanhaltendes Gelächter. Und Jaffü zieht sich, höchlichst verwundert über diesen durchschlagenden Heiterkeitserfolg, hinter den Vorhang zurück. (Ob dieser Herr Jaffe der Verfasser des hier neulich ausgeführten Dramas „Das Bild des Signorelli" ist, wissen wir nicht. Eine diesen Namen tragende Schauspielerfamilie ist bekannt, zu der aber der dramatische Dichter nicht zu gehören scheint. D. Ned.) * Nachklänge vom Gu mb inner Militärprozeß. Die im Gumbinncr Militärprozeß als Zeugen aufgetretenen Wachtmeister Buckpetsch und Vizewachtmeister Schneider sind als Invaliden anerkannt und aus dem Militärdienst geschieden, nachdem sie den Zivilversorgungsschein nebst kleiner Pension erhalten hatten. Die Prämie von 1000 Mk. haben sie zwar dadurch verloren, doch ist ihre Schadloshaltung aus der Sammlung des Rechtsanwalts Horn zweifellos, da diese sich aus fast 8000 Mk. beläuft. Auch der Sergeant Hickel, der nicht zur Entlassung gelangt ist und über den bekanntlich noch das Reichsmilitärgerrcht Necht sprechen wird, ist auf seine Dienstbrauchbarkeit untersucht worden. Auch er ist als Ganzinvalide anerkannt und wird, sobald er endgiltig freigesprochen fein wird, ebenfalls eine Jnvalidenpension und den Zivilversorgungsschein erhalten. Ohne jede Ansprüche ist der Unteroffizier Domnick entlassen worden, der bekanntlich bereits in erster Instanz freigesprochen wurde. Er findet vorderhand keine Beschäftigung und hält sich zurzeit bei seinen Eltern im Kreise Angerburg aus. Im Strafprozeß wider Marten und Hickel ist die von dem Vertreter der Staatsanwaltschaft einzureichende Jlevisionsschrift dem letzteren noch nicht zugestellt worden. * Ein nachträgliches Hochzeitsgeschenk für Königin Wilhelmina. Das Hochzeitsgescheick, welches seiner Zeit von den Bewohnern der Westküste von Sumatra der Königin Wilhelmina und dem Prinzen Heinrich angeboten wurde, ist jetzt auf dem Wege nach den Niederlanden. Aus Pa dang, dem Hauptplatz auf Sumatras Westküste, berichtet, daß das oder vielmehr die Geschenke aus Entwürfen der malaischen Gold- und Silberschmiedekunst bestehen, die, von den malaiischen Goldschmieden Baginda Bandhara, Sidi Soetan, Mantri Soetan und Radja Moeda aus Kota-Gedang gefertigt, ihrem künstlerischen Handwerk alle Ehre gemacht haben; ferner Entwürfe für ein mesdjid (muhamedanisches Bethaus), ein balcrong (Rathaus), ein Haus einer begüterten malaiischen Familie, sowie zwei Slendangs, malaiische Hüftentücher für Frauen, als Probe malaiischer Goldwebekunst. • Ein Fall Krosigk auf der Insel Java. Auf dem mllitärischen Schießplatz der kleinen Garnison Malang auf Java ereignete sich ein Vorfall, der in gewißem Sinne an den Fall Krosigk erinnert, der bei uns so viel Auffehen erregte. Eine inländische Truppenabteilung führte als Hebung eine Attake aus, bei welcher der Führer der 'Abteilung, ein inländischer Sergeant, vor der Mannschaft herlief. Er wurde hierbei durch einen Soldaten erschossen. Der Sergeant wurde von drei Kugeln durchbohrt und war auf der Stelle tot Der Mörder, denn die That scheint mit vollem Vorbedacht ausgeführt zu sein, hat wahrscheinlich die ihm für das Scheibenschießen gelieferten scharfen Patronen unterschlagen und die Attake dazu benutzt, um seinen Vorgesetzten nieder- zuschießen. Ueber die Motive zu der That sind verschiedene Gerüchte im Umlauf. Jedenfalls dürste Eifersucht im Spiele gewesen sein, da in den Kasernen der holländisch-ostindischen Armee auch Frauen weilen dürfen. Der Thäter wurde unter starker Bedeckung in das militärische Arrestgebäude übergeführt. Er äußerte keine Spur von Bewegung nach der That. ............ !■■■ II— I ■■ Ktteratur. — „Die Theater der Welt", diese un Pacific-Le (Berlin, Hallesches Ufer 11) erscheinende neue Zeitschrift, deren Herausgeber Tr. I. ©umbauter und Hans Forsten sind, ist soeben mit ihrer 3. Nummer herausgekommen. Man ist überrascht durch die Ausstattung des Heftes. Es bringt auf seinen 20 Textseiten eine Fülle vortrefflicher Autotypien. Tie vereinigten Frankfurter Stadttheater (Opernhaus und Schauspielhaus) werden uns mit ihrer Architektur, mit ihren Intendanten und mit ihren Elite- fünftlern (Greef-Andriessen, Schako, A. v. Bandrowski, Mandler, Dr. Pröll, Pichler, Boch, Jansen, Bolz, Barllich, Poller, Baur 2c. 2C.) illustrativ vorgeführt, ferner aus Anlaß der Internationalen Tournee des „Ibsen-Theaters" die bedeutendere,i Kräfte dieses Ensembles, sodatin in einem Kapital, das dem olländischen Theater gewidmet ist, die in Wilhelminens Königreich wirkenden Künstler, und endlich ist auch Japans Schausplelkunft vertreten durch Sada-Paeco und deren Gatten Kawakami. Das Hest kostet im Einzelverkauf 60 Pfg., ein sehr niedriger Preis bei der Reichhaltigkeit des textlichen Inhalts und der Schönheit der zahlreichen Illustrationen. Tie Käufer bezw. Abonnenten (Viereteljahres- nbonnement 3 Mk.) werden gut thun, die Hefte zu sammeln, da ein halber oder ganzer Jahrgang derselben, in einer geschmackvollen Einbanddecke vereinigt, eine Zierde jeder Bibliothek oder des Salontisches werden dürfte. Schiffsnachrichten. Der Postdampser „Vaderland" der „Red Star Linie" in Arttwerpen ist laut Telegramm am 11. November wohlbehalten in New-Pork angenommen. GEBET ACHT dass die heranwachsenden Kinder eine leichtverdauliche aber kräftige Nahrung bekommen. Ein Frühstücks-Brei aus Quäker Oats (das Rscept „Für den Frühstückstisch“ steht auf Jedem Packet) erfüllt diese Forderungen vollkommen. Der Versuch während einiger Zeit wird diese Behauptung bestätigen. Jedes Packet trägt den geschützten Namen „Quäker Oats“ sowie die Quäker Figur. 6711 Quaker Oats nur in Packeten. Herzen freuen, wie ich, der glückliche Dichter dieser glücklichen Verse, solches allstünblich geübt. Werde heiter! Senke die Stirn nicht nieder! Blicke um dich! Schließ dich von der Welt ab, bau'dich selbst, behüte deinen Frieden, das köstlichste, ineide Ehrgeiz und Neid, genieße, genieße mit Anmnt die Stunde, die Liebesstunde! Hinter alten Dingen winkt der Mann mit der Sense, Hoffnungswimpel im Lenze werden bald Banner des Todes, als Maestro steht er im Phosphorlicht am Dirigentenpult mitten im Daseins- festen, selbst dem kleinen Gott zwischen Rosenranken naht die Todesgöttin, grünlich-weiß, überschleiert, lackeingehüllt. Dies ist unseres reim-, farbeu- und tanzfrohen Poeten Lehre, auf jeder Seite verkündet. Es ist ein berauschend-weltkind- lick)es Buch, ein liebevolles, ein liebetolles! „Mai", Sonne, Reigen, Glück, Heiterkeit, das sind die Bierbaum bezeichnenden Worte, die immer wiederkehren. Eilt Dust von Rosen, von vielen Rosen, von Krokus und blauem Flieder, den er sehr liebt, strömt einem entgegen. „Das Herz schaukelt leise eine Wiener Walzerweise". „Mein Acker wogt, mein Weizen blüht, die Sonne scheint mir ins Gemüt." Davon träumt er am liebsten: von einer Wiese voll Margueritten, tief darinnen ein weißes Haus in grünen Büschen, aus dem Laube leuchten Götterbilder, zu chren Füßen ruht er mit einer, die er lieb Ijat Freilich, Kunst darf nicht fehlen, will man seines Lebens recht froh werden, von Künstlerlust und -Leid l-andeln die andern Gedichte, die nicht von Liebe sprechen. Hans Thonra, dem alten Mann mit dem „guten Blick", dem dieser Dichter so verwandt, sind Verse fast so zärtlich wie Liebesstrophen gewidmet, Motive Böcklins und Stucks kehren in den ost wunder- volten Landschaftsftimmungsgcdichten Bierbaums wieder, bei seinen visionären Gestaltungen, den Paradieses- und Gol- gatha-Dickftungen spürt man Albrecht Dürers großes Verspiel. Auch unsere große lyrische Vergangenheit beherscht er, vielmehr er wird von ihr nicht immer zum Vorteil! seiner Eigenart beherrscht. Goethes, des „Unendlichen", ist er der treueste Schüler. Den Goethe der Leipziger gezierten Schäserzeit, der Straßburger reichen Entfaltung, den Goethe der „Sprüche" und des „Westöstlichen Divans" hört man sehr vernehinbar aus Bierbaums Lyrik. Gedichte wie „Lichtglaube" wären ohne den Osterchor im „Faust", die „Allegorie" ohne den „Besuch" Goethes kaum so geworden. Ich spreche gewiß nicht von Nachahmung, ich meine nur: eine gewisse Klangfarbe des Gedichtes ist hier und in arideren Stücken utiverkennbar goetheisch. Die schönsten Gedichte des Buches, die kleinen Lieder von besonderem Htrmmung^ntber sind ohne „Ueber allen- Wipfeln" nicht zu denken. Auch bei den Minnesängern ist Bierbaum öfters zu > Gaste gewesen. Von Walther hat er ras Schwebende des Verses, eine gewisse silberne Leicht- üßigkeit der Rhythmik. Tanzweisen der Walther-Schule kehren öfters wieder. 'Nem deutschen Volkslied und dem Studentenlied dankt er vieles; diesem das lustige „Schloß Mirabell". Das entzückende „Lied des Schiffertnädels" könnte in des „Knaben Wunderhorn" stehen: „Auf der fernen See ein Segel steht, Mein Schatz ist aus der Sce; Der Wind mir an die Beine weht, Der Wind, der Wind von der See. Blas ibn her zu mir, blas ihn schnell zu mir her, Du Wmd, Du Wind auf der See; Mein Herz ist so tief, jo tief wie das Meer Und so stark wie der Wind auf der See." Auch au Heinc-Erinnerungen fehlt es nicht; in Bierbaums freien Rhythmen („Gotesbienst" rc.) Hingen zuweilen die „Nordsee"-Töne nach; Meister Liliencron schwebte einem „Manöverlied" vor, Beranger ist bei den frischesten und berühmtesten Gedichten Bierbaums, „Josephine", „Gigcrlette" rc. Pate gewesen. Trotz solcher Anlehnungen — wer hätte sic nicht?,— ist die große lyrische Gabe Bierbaums über allem Zweifel. Er hat eine Gewalt des spielenden Wortes wie kaum ein Zweiter. Blütengleich quellen ihm Reime und Bilder hervor. Er ist ein „Sänger" im edelsten Sinne. Wie aber steht es mit dem Gehalt des Buches, mit der „Liebe", mit der besonderen erotischer Art, die wir von dem „Modernen" Bierbaunt erwarten? Da hat er mich nun recht sehr enttäuscht. Jch> verlange ja nicht Ola Hanssons „Amorosa sensitiva" in Versen abgehandelt; aber ich erwarte von einem Liebesbuche Bierbaums zuweilen ein fackelartig-plötzliches Erleuchten der „Sphinx", „Liebe" genannt. Wie hat das Richard Dehmel in seinem „Aber die Liebe" getroffen! Bierbaum singt vom Eros vergnügt und traurig, aber er singt, wie man davon zu Hagedorns Zeiten bieoermännisch sang. Eigentlich handelt das Buch wohl nur von einer Studentenliebe, immer von den nämlichen, ob die Kleine „Josephine" oder „Gigerlette" heißt. Sie ist ein reizender „Racker", eine zierliche kleine Polichinello, ein blondes, wohl auch ein „süßes" Mädchen mit blauen oder braunen Augen, einem Grübchen kinn. Moosgrün au5 Samt ein Band im blonden Haar, Ein Färblein Rosarot dazwischen war, Das ganze Kind war ganze sechzehn Jahr, Und es war Mai. So kam's, daß uns mit Strahlen flitterfem Umfädelte der sanfte Sonnenschein; Die Knospe sprang, ach Gott, es war im Mai'n Die Knospe sprang. Ich hätte gern in Treuen sie gehegt, Ich hätte gern sie mir ans Herz gelegt, Da hat ein Wind sie wirbelnd weggefegt. Wem blüht sie nun ? Das ist gewiß unendlich reizend. Ist es aber in bei Empfindung neu? Immer verschlungener werden bei den Sensitiven von heute die Liebesfäden. Bierbaum läßt davon wenig spüren. Aus diesem Buch jauchzt und leidet eine geradlinig-einfache Natur. Daß es in Deutschland mindestens 36000 solcher „geradlinig-einfacher Naturen" gicbtz beweist der Erfolg des Werkes. Unkomplizierten Kunst, freunden ist es auf das herzlichste zu empfehlen. Aber auch die „Komplizierten" werden es kaufen: zunächst, weil es so billig ist, und weil es so viel artistischen Reiz birgt. Davon noch ein entzückendes Beispiel aus der „Sentiment taten Reise": Was wär' ich, hätt' ich nicht die hohe.Kunst Des schön gesetzten Wortes uud die Kraft, Mit einem Strom von Strophen mir den Schmerz Und alles Dumpfe and der Brust zu schwemmen. Wie viel versäumt ich! Wie viel Früchte ließ Ich aus der Lebenstasel unberichrt l Wieviel versah ich! Wieviel Böses sann Mein Herz, und wieviel sündigte die Handl Doch einen schönen Reim zu runden war . Ich nie zu träge, und ich frevelte Nie bösen Sinnes gegen dich, oh Gut Der Güter, das mir in der Wiege lag, Als ich der Mutter Wort zum erstenmal Vernahm: Oh deutsche Sprache, allerherrlichstel Kein Kind wird einst von mir im Leben steh'n, Wenn ich ins Nichts zurückgegangen bin Und all mein Leben, all mein Schmerz und Lust Vorüber und verschwunden wie die Wolke ist, Die eben noch, durchglüht von Sonnengold, Wie eine ganze Welt voll Licht und Saft Am hohen Himmel stand. — Dann wird vrellercht Ein kleiner Vers von mir lebendig noch In eines deutschen Mädchensherzen blüh'n, Und meine Worte werden voll und warm Von ihren Lippen wehen wie der Duft, Der aus dem Innersten der Rose kommt. Alle 6415 Lorten Lee- 1111D LnhnMe: Schellfische,Kabeljau, Seczung. Zauder, Hechte, Weißfische, Barben, Karpfen usw. in stets frischer, sowie in lebender Ware. Bestellungen zu Gesellschaftsessen usw. werden prompt ausgeführt. Martin Simon. Asterweg 1. 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Bei der Aufstellung dieser Kandidaten waren beide Vereine nur geleitet vo dem Wunsche, der gesamten Bürgerschaft zu dienen, und mancher andere Vorschlag mußte auf beiden Seiten zurückgestellt werden. Wir richten daher nun an alle Kreise unserer Mitbürger, welche ein Zulammengehen der liberalen bürgerlichen Parteien für nützlich und ersprießlich halten, das dringende Ersuchen, auch ihrerseits etwaige Einzelwünsche zurücktreten zu laßen und mit Entschiedenheit einzutreten für die Wahl genannter Herren. e L Fische u. Geflügel g § täglich stch'che Zufuhren. in allen Farben und Qualitäten zu billigsten Preisen, ^ockwoill® von 90 Pfg. per Pfund an und höher. J. H. Fuhr, Sonnenstraße 25. NB. Stricken von Strümpfen, Röcken rc. wird billigst besorgt. Auch stehenMusterröcke zum Abstricken gratis zur Verfügung. zu 350 - 3000 Mk. v. 80 Mk. an. Ueber "200 Instrumente aus den besten Fabriken stets vorrätig. lOjähr. Garantie. Freie Lieferung. 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