Nr. 316 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Samstag 14. September 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Familien- blätler werden dem Anzeiger im Wechsel mit oem „Hess. Landwirt" und den „Blättern sür hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Deduktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. GiehenerAnzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeigen au der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzcigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilcnpreis: lokal 12Pf, auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; sür den Anzeigenteil: Hans Beck. ,u werden, daß der Aus- Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Am Mittwoch, 25. ds. Mts., vormittags 10 Uhr, findet die Generalversammlung des landwirtschaftlichen Bezirtsvereins im Gasthaus „zum Löwen" in Lich mit nachfolgender Tagesordnung statt. Ich lade dazu die Mitglieder des Vereins und Jedermann, der sich dafür interessiert, ergebenst ein. Die Herren Bürgermeister wollen gefl. sowohl selbst erscheinen, als auch in ihren Gemeinden auf zahlreichen Besuch hinwirken. Tagesordnung: 1. Prüfung der Rechnung für 1900/01. 2. Wahl des Vorstandes und des Ausschusses des Bezirksvereins. 3. Referat des Herrn Bürgermeisters Hell er-Lich über die landwirtschaftliche Studienreise nach Obrrbaden. 4. Referat des Sekretärs über den Wert der Lebensversicherung, sowie der freiwilligen Invalidenversicherung für Landwirte. Gießen, 6. September 1901. Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins. _________v. Bechtold. Bekanntmachung. Betreffend: Die Abhaltung von Körterminen zwecks Aufnahme der Zuchttiere in das Provinzialherdbuch im II. Körbezirk. Die Körkommission des II. Körbezirkes (Simmenthaler- Bieh) wird gelegentlich des Hungener Prämienmarktes am 16. September d. Js., vormittags 10 Uhr beginnend, einen Körtennin zu Hungen abhalten. Die Züchter von Simmenthalcr Vieh, welche ihre Tiere ln das Herdbuch eintragen lassen wollen und bez. Anmeldungen schon bei mir gemacht haben, werden ersucht, ihre betreffenden Tiere an einem von betr. Großh. Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Ort auszustellen, damit die Arbeiten der Kommission ohne Aufschub erledigt werden können. Sollten noch weitere Viehzüchter ihre Tiere kören lassen wollen, so werden dieselben ersucht, dieselben gleichfalls an den betreffenden Körterminen vorzuführen, vorher aber dem Vorsitzenden dieser Kommission Herrn Gutspächter Pfannstiel- Angenrod, oder dem Geschäftsftihrer, Herrn Landwirtschaftslehrer Reichelt-Alsfeld direkte Mitteilung zu machen. Hardthof, den 9. September 1901. Der Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen. S ch lenke. nommenen neuen „Bestimmungen über die Ein-» richtung von Bäckereien und solchen Konditoreien, in welchen neben den Konditor- auch Backwaren hergestellt werden", in der Form, wie dieselben zugleich mit den Abänderungsvorschlägen betreffend den Maximalarbeitstag bekannt geworden sind. Die in diesem Entwurf enthaltenen Bestimmungen würden, wenn sie Gesetz werden, zahlreiche Existenzen des Bäckcrgewcrbes vernichten und auch andere Personen, Hausbesitzer usw. enorm schädigen zu Gunsten des Großbetriebes. Deshalb ersucht der allgemeine Deutsche Jnnungstag den hohen Bundesrat bei Erlaß obiger Verordnung bestehende Verhältnisse in weitestem Umfange zu berücksichtigen." Dje Einrichtung von Arbeitgeberschutzver» bänden in Anlehnung an die deutschen Jnnungsver- bändc forderte der Vorsitzende des Provinzialverbandcs Rheinischer Tischlerinnunacn, Rinas-Köln, in folgender Resolution: vor allen Dingen auch, daß der Spielwaren-Fabrikation neue Absatzmärkte erschlossen werden, zu denen sie heute nur bescheidenen Zutritt hat. Sie kann deshalb nur dann mit einer gewissen Beruhigung der Zukunft entgegensetzen, wenn die bestehenden freundschaftlichen Handelsbeziehungen aufrecht erhalten bleiben, und neue angeknüpft werden. Wichtig ist die Vereinbarung eines einheitlichen Zollsatzes sür Spielwaren aller Art in den fremdländischen Tarifen an Stelle der gegenwärtig vielfach üblichen Verzettelungen — je nach dem Material — unter den verschiedensten Tarifpositionen mit verschiedenen Zollsätzen. Rach dieser Richtung hin kann der jüngst veröffentlichte deutsche Zolltarif, welcher sür Spielwaren aller Art eine einzige Position mit einem müßigen Zoll von Mk. 10 per 100 Kilogramm vorsieht, vorbildlich wirken. Es ist zu wünschen, daß dieser Zoll in seiner geplanten einheitlichen Höhe auch in den bevorstehenden Beratungen des Zolltarifentwurfs bestehen bleibt. „In Erwägung, daß der Arbeitsausstand sowohl den Arbeitnehmer wie den Arbeitgeber schädigt und die durch denselben entstandenen Verluste oft in längerer Zeit nicht wieoer eingebracht werden können, in weiterer Erwägung, daß die Löhne nicht willkürlich erhöht werden können, da sonst der ausländische Wettbewerb der nationalen Arbeit oas Brot entzieht, beschließt der allgemeine Deutsche Jn- nuugstag in Gotha, daß mit aller Energie an die Errichtung von Arbeitgeb erschutzverbänden herangegangen wird, deren Träger die Jnnungsver- bände sein sollen, und deren Hauptaufgabe es sein muß, die Ausstände zu verhindern und einen wirksamen Schutz gegen frivole Arbeitseinstellungen zu begründen, weiter bei der Gesetzgebung dahin vorstellig zu stand als „höhere Gewalt", wie W Allgemeiner dentschcr Innnngs- und Kundwerkertag. Gotha, 11. Sept. 1901. Auch die gestrige zweite und letzte Hauptversammlung des Deutschen Jnnungstages war sehr stark besucht. Tie Frage: Gehört der Handwerker in das Ha n - dels-Register? wurde von dem zweiten Vorsitzenden der Oldenburger Handwerkskammer, Rosenbaum- Oldenburg, eingehend erörtert. Die Versammlung stimmte schließlich folgender Resolution zu: „Die Jnnungsverbände werden ersucht, in Gemeinschaft mit den zuständigen Handelskammern in allen Fällen, wo die Heranziehung eines Handwerksbetriebes zu den Beiträgen für Die Handelskammer ungerechtfertigt erscheint, mit allem Nachdruck die Entscheidung der letzten Instanz zur Durchführung bringen zu helfen. Desgleichen werden die Handwerkskammern ersucht, bei den Handelsgerichten dahin vorstellig zu werden, daß ersterer als Gutachter vorder Entscheidung über die Eintragung von Handwerks-Betrieben in das Handelsregister gleicherweise gehört werden wie hie Handelskammern." Betreffs des Maximalarbeitstagsim Backe r- g e w « r b e und der in Aussicht stehenden neuen Verordnung wurde eine längere Resolution, beschlossen, in der eS heißt: „Mit großer Entschiedenheit mendet sich der allgemeine Deutsche Jnnungstag gegen die in Aussicht ge- ' Der Referent führte dazu aus, daß es angesichts der : sich mehrenden Ausstände im Handwerk durchaus not- ' wendig sei, die in der Resolution geforderten Arbeit- : geberschutzverbände zu errichten, wenn die Meister bezw. : Arbeitgeber nicht Gefahr laufen wollten, zu willen- ' lo s e n W e r kz e u g e n in den Händen der G e s e l l e n bezw. ; Arbeitnehmer zu werden. (Beifall.) Niemand wolle : das Koalitionsrecht anfechten oder den Arbeitnehmern die ' Ausübung der Bestrebungen zur Verbesserung ihrer Lage ; verwehren. Allein dann müßten auch die Arbeitgeber sich zusammcnthun und Schutzmittel schaffen, die sie in den Stand setzten, den von einem Streik betroffenen Kollegen ausreichend zu unterstützen. Man sollte sich die Opferfreudigkeit der Gesellen in dieser Beziehung zum Muster nehmen und die Innungen zur Beitragsleishung heran- ziehcn. In demselben Sinne ivrocb Obermeister Birkholz- Berlin. Obermeister Schneider-Berlin (Bund deutscher Glaserinnungen) bekennt sich Unter großer Unruhe als Gegner der Resolution. Die Schutzverbände ,eien ein Kampfmittel (Oho! Zurufe: Schutzmittel!) und daher geeignet, die vielfach noch guten Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu zerstören. (Gelächter.) Es solle den Einzelinnungen unbenommen bleiben, für ihren Bezirk solche Schutzverbände zu schaffen. Dagegen halte er es für unangebracht, daß der Jnnungstag als solcher sich mit der Frage befasse. (Widerspruch.) Bei der folgenden Abstimmung gelangte die Resolution gegen eine geringe Minderheit zur An nähme. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmacherinnungen, Obermeister Wollschläger- Berlin, legte der Versammlung hierauf den Plan der Einrichtung einer gemeinsamen Alters- , Jnvalidi- täts - und Witwenpensionskasse für das korporativ organisierte selbständige deutsche Handwerk in folgender Resolution vor: „In Erwägung, daß die gegenwärtigen Erwerbsver* hältnisse bei einem großen Teile selbständiger Handwerker nicht die Möglichkeit bieten, für Alter und Invalidität etwas zurüülegen zu können, hält der Deutsche Jnnungstag die Schaffung von Kasseneinrichtungen für Sicherung der wirtschaftlichen Existenz im Falle von Alter und Invalidität für notwendig und beauftragt den Zentralaus- chuß vereinigter Jnnungsverbände Deutschlands, die erforderlichen Vorarbeiten in Angriff zu nehmen. Der Allgemeine Deutsche Jnnungstag giebt dabei seinem Vertrauen zu unserer Staatsregierung Ausdruck, daß in diesem für das Handwerk so wichtigen Vorhaben demselben die wohlwollende behördliche Untersttitzung nicht fehlen werde." Auch diese Resolution wurde nach kurzer Debatte angenommen." In der Nachmittagssitzung wurden zunächst Resolutionen beschlossen, welche eine einheitliche Regelung des Submissionswesens und die Bekämpfung der Auswüchse des Hausierhandels und der Konkurrenz der Militärwerkstätten und Zuchthausarbeit verlangen. Ferner gelangte folgender Antrag der Berliner Malerinnung zur Annahme. „In Anbetracht der immer mehr um sich greifenden Regieausführungen von Handwerkerarbeiten bei den staatlichen und kommunalen Behörden, insonderheit beim Militärfiskus, die dem Handwerkerstande eine enorme Schädigung zufügen, wolle der Zentralausschuß der vereinigten Innungs-Verbände Deutschlands bei allen beteiligten Behörden vor- tellig werden, daß derartige, das gesamte Handwerk schädigende Konkurrenz bei allen Behörden unterbleiben und Nie KpiclMttn-Iiidiistrjc unb bk Kanbrlslitttriige. Deutsche Spielwaren sind berühmt und begehrt in ganzen Welt. Durch rastloses Schaffen und enermüdlichen Fleiß ist es diesem Industriezweige gelungen, sich aus dem Weltmärkte einen der ersten Plätze zu erobern, und es ist kaum eine Uebertreibuug, wenn man sagt, daß Kinder aller Völker und Rassen der Erde mit Gegenständen spielen, die in Thälern des Thüringer Waldes und des Erzgebirges, in den Fabriken von Nürnberg und Fürth gefertigt worden sind. In den erstgenannten Gebieten wird hauptsächlich Spielzeug für Mädchen und kleine Kinder hergestellt, vor allem Puppen, aber auch andere Spielwaren aus Holz und Papiermache, Glas und Porzellan, die meist durch Handarbeit int hansindustriellen Betriebe produziert werden. Nürnberg-Fürth ist der Erzeugungsort von Spielwaren für größere Knaben; seine Produkte, unter denen die Zinnsoldaten eine große Nolle spielen, werden meist fabrikmäßig aus Metall hergestellt. Im großen Publikum hat man vielfach gar keinen Begriff davon, um welche enormen Summen es sich bei diesem verhältnis- mäßig kleinen Industriezweige handelt, und wie groß die Zahl derjenigen ist, deren ganze Existenz von dem Gedeihen der Spielwaren-Industrie abhängt. Einer der besten Kenner dieses Industriezweiges Professor Dr. Anschütz schätzt in seiner soeben erschienenen Broschüre „Tie Spielwaren-Industrie" die Zahl der von der deutschen Spielwaren-Jndusftie ernährten Personen auf 60—70 000. Im Kreise Sonneberg in Thüringen, einem der Hauptsitze der deutschen SpielWaren-Jndustxie, dessen Handelskammer- sekretär der Autor ist, ist die volle Hälfte der Bevölkerung wirtschaftlich direkt vor? der Blüte dieser Industrie abhängig. Den Wert der durch inejeii Produktionszweig jährlich erzeugten Waren berechnet derselbe Autor auf 63 bis 65 Mill. Mark. Nicht weniger als fünf Sechstel hiervon gehen ins Ausland, nur 10—12 Millionen bleiben auf dem deutschen Markt. -,.5^ J$01! °us Men Ziffern hervorgeht, ist bas Schick,al der deutschen Spielwaren-Fabrikation aufs engste mit der Gestaltung unserer Handelspolitik verflochten. Einem lohnenden Geschäft mit dem Auslande stehen meist nur die hohen Zölle entgegen. Frankreich, Oester- rAch-Ungarn und Italien z. B. waren ftüher namhafte Abnehmer deutscher Spielwaren; unter dem Einflüsse wiederholter, in der Regel ganz unvorhergesehener Zollerhöhungen in den 80 er Jahren gingen indes die Be- ziehungen mit ihnen mehr und mehr zurück. Erst die Handelsverträge von 1892/94 trugen wieder frischeres Leben in den Geschäftsverkehr, insbesondere schufen sie die lang vermißte Sicherheit und Stetigkeit. Dadurch erwiesen sie sich als heilsam. Ein Vergleich des Jahres 1900 mit dem Jahre 1892 zeigt, daß die deutsche Spiel- waren-Ausfuhr nach den fünf Hauptvertragsstaaten sich Weit mehr als verdoppelt hat. Ueberaus wichtig ist , , assersnot oder Feuersbrunst, erklärt werde. Dem Zentralausschuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands zu Berlin wird aufgegeben, die Entstehenden Schutzverbände unter einer Form zu vereinigen, um so eine völlige Solidarität und möglichst geringe Belastung herbcizusühren; denn in der Einigkeit liegt die Macht des Erfolges." ptr Krach btr jjümmerfdjtu tzWtljckkildallk. Man schreibt uns: Mit Ratschlägen überschüttet sehen sich gegenwärtig die unglücklichen Pfandbriefbesitzer der Pommer- schen Hypothekenbank. Darüber, was zu erstreben ist, um zu retten, was gerettet werden kann aus diesem schmählichen Zusammenbruch, gehen die Meinungen der Sachverständigen weit auseinander. Aber die Vorschläge haben das Gemeinsame, Schrecken zu erregen. Worte, wie „Konkurs" und „Liquidation" hören sich sehr unerfreulich an. Eine „Sanierung" der Pommerschen und der Mecklenburg-Stre- litz'schen Hypothekenbank ist ausgeschlossen. Vor einiger Zeit konnte man noch hoffen, daß eine allmähliche Herbeiführung gesunder Verhältnisse möglich sein werde, damals, als die staatlichen Untersuchungen ein unerwartet günsttges Resultat ergaben, sodaß die Pfandbriefbesitzer vertrauen konnten, Zinsherabsetzung und Kapitalverlust würden nicht eintreten. Jäh herausgerissen aus dieser arglosen Auffassung find die Besitzer jedoch durch die Ergebnisse, zu denen die private Untersuchungskommission gelangte. Eine um so empfindlichere Enttäuschung, als man doch gewohnt ist, auf Gutachten, die unter behördlicher Mitwirkung zu stände kommen, geradezu zu „schwören". Nun, es hilft eben nichts; die Situation der Pommern-Bank ist eine so zerfahrene wie nur möglich. In der Versammlung vom 28. September soll der Bericht über die Lage der Bank erstattet werden. Jeder der leidtragenden Besucher mag sich ans die unangenehmsten Mitteilungen gefaßt machen, oenn schon erscheint am Horizont — Punkt 2 der Tagesordnung — eine Teil st nn düng der Zinse n für die int Januar und April nächsten Jahres fälligen Zinsabschnitte! Was soll geschehen? Die „Voss. Ztg." bezeichnet als das „einzig Richtige" den Weg der langsamen Liquidation. Gegen diesen Vorschlag wendet eine andere Zeitung, die „Berl. Morgenpost", unseres Erachtens mit Recht ein, daß eine Liquidation umfangreiche Kapitalien zur Durchführung erfordert, und es fei nicht anzunehmen, daß irgend eine Bank heute in der Lage ist, diese Kapitalien zu gewähren. Ter Konkurs wiederum kamt sich sehr lange hinziehen; vom Tage des Konkurses, so macht derselbe Beurteiler geltend, hört die Verzinsung der Pfandbriefe auf, und die Pfandbriefbesitzer bekommen in Raten von jährlich vier bis fünf Prozent schließlich womöglich noch nicht einmal das volle Kapital ihrer Pfandbriefe zurückbezahlt. Damit ist natürlich schwerlich jemand gedient. Ein dritter Vorschlag dagegen erscheint in der That wohl erwägenswert, nämlich die Vereinigung der Pommerschen mit der nach Nöten groß und schwer glücklia) reorganisierten Preußischen Hypothekenbank. . > wenn „die Banken darauf verzichteten, große Sonderverdienste zu machen." Ob die Banken hierzu bereit sind, wird man ja bald erfahren. Die Klugheit geböte, daß in diesem Falle sich die hohe Finanz „populär machte"; sie hat in guten Zeiten so Erkleckliches an Gewinnen aus dem Publikum eingeheimst, daß sie nun auch einmal etwas für die Kundschaft thun kann. Außerdem würde die Hilfsaktion wahrscheinlich die Stimmung für die von der Börse ersehnte Abänderung des Börsengesetzes in der Oeffentlichkeit und zugleich im Reichstag wesentlich verbessern. die zu vergebenden Arbeiten an NVKt fa bleute auch nicht übertragen werden mögen." ' Tie Sicherung der Handwerkerfvrderungen b.ei Bauten behandelte ein Antrag des Bundes deutscher Tischler-Innungen, den der Vorsitzende der Dresdener Tischler - Innung, Obermeister Zimmer (Dresden) mit einem Hinweis auf die Thatsache begründete, daß bisher nichts zum Schutze der Bauhandwerker und Lieferanten geschehen sei. In seinem Anträge heißt es u. a.: am beflissentlichsten habe sich der Deutsche Jurist en tag in Posen mit der Frage beschäftigt, und zwar nicht etwa zu Gunsten des Handwerks und der Lieferanten, was wohl erklärlich sei, da dem Juristenstande ein Teil seiner Praxis, die Geschäftsthätigkeit entzogen würde, wenn in solchem tiefeinschneidenden, den Volkswohlstand schädigenden Geschäftsgebafjren Gesetze festgelegt würden, welche solch ungeheueren Schwindel schwer, wenn auch nicht ganz unmöglich machen. In der Debatte nahm der Vertreter des preußischen Handelsmünsters Geh. Ober-Regierungsrat Tr. H o f m a n n (Berlin) das Wort, um die Erklärung abzugeben, daß der Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Bauschwindels, der 'bereits im Jahre 1898 vom Reichsjustizamt herausgegeben ist, demnächst zur Vorlage gelangen werde. Gleichzeitig nehme er aber auch Anlaß, Die in dem Anträge liegende Verdächtigung und Beleidigung des deutschen Juristen- 'schndes zurückzuweisen. Ter Referent Zimm er (Dresden) bemerkt demgegenüber, daß der Antrag keinerlei Ehrenkränkungen enthalte. Im übrigen aber erlaubten sich die Juristen gegen die Handwerker doch auch recht ost Uebergriffe und Ungerechi- tigkeiten. (Beifall. Zum Schutze des Mittelstandes nahm die Versammlung auf Antrag des Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Glaser-Innungen Jessel (Berlin) und des Obermeisters Zimmer (Dresden) folgende Anträge an: I. dem Reichstage Gesetzentwürfe zu unterbreiten, durch welche 1. das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb entsprechend erweitert, 2. das Ausverkaufswesen geregelt, 3. die Vereinigung von Beamten des Reiches, des Heeres, der Marine und des Staates sowie von Offizieren zum Betriebe von Waarenhäusern untersagt wird; II.eine Enquete über die Wirkungen der gewerblichen 'Kartelle, Syndikate und Ringe zu veranstalten, wie dies auch der bekannte Antrag der Reichstagsabgeordneten Gröber, Dr. Lieber, Dr. Pichler und Genossen vom 23. November 1900 in der letzten Session des Deutschen Reichstages bezweckt." Tie Pflege des Genossenschaftswesens im 1 Handwerk behandelte ein Referat des Obermeisters der , Goldschmiedeinnung zu Berlin, Fischer. Er legte folgende Resolution vor: „Ter allgemeine Deutsche Jnnungstag in Gotha erkennt die Bedeutung des Genossenschaftswesens an und wünscht, daß die Handwerkskammern, Jnnungs- ausschüsse und Innungen sich des Genossenschaftswesens "mehr wie bisher annehmen möchten." Ten letzten Punkt der Tagesordnung bildete ein Antrag der Tischlerinnung zu Köln a. Rh., der die Einrichtung von Kammern für Hand wer kersachenbeidenLand- gerichten, wie solche für Handelssachen bei denselben Gerichten schon bestehen, fordert und verlangt, daß der Zinsfuß für Handwerkerforderungen, welche auf dem Prozeßwege gellend gemacht werden, von vier auf sechs Prozent erhöht werde. • Mit der Annahme dieses Antrages war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende, Obermeister Bernard -(Berlin), schloß darauf den Jnnungstag mit einem Hoch! auf den Kaiser und den Regenten._____________________ RoMische Tagesschau. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt uns: Kürzlich meldete ein Posener Blatt, an Stelle des seit Jahren kränkelnden Ob erp r äs identen vonWestpreußen Herrn v. Goßler, sei der Staatssekretär Graf Posa- dowsky zum Leiter jener Provinz in Aussicht genommen: Auf Grund von Erkundigungen an unterrichteter Stelle kann mitgeteilt werden, daß mit einem Wechsel im Danziger Ober- Präsidium allerdings binnen kurzem zu rechnen ist. Doch eine Kandidatur des Grafen Posadowsky kommt hierbei nicht in .Frage. Der Staatssekretär des Innern hat an der Vorbereitung des Zolltarifs so hervorragenden Anteil, daß auf seine 'Mitwirkung bei den parlamentarischen Verhandlungen über 'den Entwurf seitens des Reichskanzlers Gewicht gelegt wird. Der Mitwirkung des Grafen Posadowsky wird die Negierung 'auch bei den Verhandlungen über die Erneuerung der Handels- , vertrüge schwerlich entraten wollen. Zur Beseitigung der vielen Klagen über die Hindernisse, die die Eisenbahnverwaltung bei der Erstattung des Restbetrages für nicht ausgenutzte Rückfahrkarten, u. a. durch die Erhebung einer „Schreibgebühr" von 1 Mk., schafft, macht die „Nat.-Ztg." der Eisenbahn- > Verwaltung den Vorschlag, sich zu der weiteren Reform zu entschließen, welche das Blatt schon bei der Einführung der allgemeinen 4btägigen Rückfahrkarten befürwortete, auf die ganze Rückfahrkarten-Einrichtung zu verzichten und für jede einzelne Fahrt den halben Preis der jetzigen 45tägigen Rückfahrkarte zu erheben. Zu der von einem süddeutschen Blatt verbreiteten Nachricht, daß der Kaiser die zuständigen Kommandostellen benachrichtigt habe, es läge in seiner Absicht, die in China Kriegsgerichtlich verurteilten Soldaten zu begnadigen oder doch chre Strafen wesentlich herabzusetzen, glaubt die „Köln. Ztg." zu wissen, daß ein solcher Erlaß .nicht ergangen ist. Das schließe aber nicht aus, daß in den einzelnen Fällen Prüfungen stattfinden können und daß au Grund derselbeu in besonders geeigneten Fällen Strafminderungen eintreten können. Für das Vetmessungstvesen im Bereiche der preußisch -hessischen Eisenbahn - Gemeinschaft hat der Minister der öffentlichen Arbeiten ein- hettlrche Vorschriften ausarbeiten lassen, die zum 1. November d. I. in Kraft treten sollen. Um eine zweckentsprechende Verteilung der landmesserischen Arbeiten unter dre vorhandenen Kräfte und deren gehörige Ausnutzung zu sichern, i|t bet denjenigen Königlichen Eisenbahn-Direk- tronen, bet denen der Umfang der Geschäfte dies erfordert, rm technischen Bureau eine besondere Landmesserabteilung ^^ilungsvorsteher eiuzurichten. Dem Abteilungsvorsteher ist, unbeschadet der ihm obliegenden allgemeinen Aufsicht, cm bestimmtes Arbeitspensum zuzu- welsen. tie Oberaufsicht über die Landmesserabteilung des Technischen Bureaus fit einem im wescyäftsplan zu bezeichnenden geeigneten Streckendecernenten zu übertragen. Zu den Aufgaben des aufsichtführenden Tecernenten gehört die Aufstellung eines festen Planes für die Herstellung der landmesserischen Arbeiten, namentlich auch der auswärtigen Geschäfte, nebst der Verteilung auf die einzelnen Arbeitskräfte, sowie die obere Aufsicht über die Befolgung dieses Planes, für dessen Ausführung im Einzelnen der Abtcilungsvorsteher zu sorgen hat. Tie übrigen beteiligten Streckendecernenten haben den aufsichtführenden Tecernenten zu unterstützen, indem sie in ihren Streckenbezirken ebenfalls die Ausführung der landmesserischen Arbeiten überwachen. Ter Minister vertraut, daß auf diese Weise nicht blos die rechtzeitige Fertigstellung der Vermessung neuer Bahnstrecken und Anlagen sichergestellt, sondern daß es auch gelingen wird, die im Vermessungsmaterial der älteren Bahnstrecken in früheren. Jahren, vielfach trotz reichlicher Zuteilung von Personal entstandenen Rückstände alsbald auszuarbeiten. Zu den Angaben der „Pfälz. Rdsch." über den Stand der süddeutschen Eisenbahn-Gemeinschaftsfrage teilen die „Münch. Neuest. Nachr." nach „Informationen an maßgebender Stelle" folgendes mit: „Von den aufgestellten Behauptungen über ein bereits abgeschlossenes Uebereinkommen ist nur so viel richtig, daß zwischen bayerischen und württembergischen Kommissaren in der Frage der Personentarife allgemeine Erörterungen in unverbindlicher Form stattgefunden haben. Zu Beschlüssen ist es jedoch nicht gekommen. Insbesondere haben die beiden Regierungen zu den Besprechungen in keiner Weise Stellung genommen. Voraussichtlich werden diese Vorbesprechungen im nächsten oder übernächsten Monat zu weiteren Verhandlungen zwischen den beiden Staaten führen. Welche Richtung diese nehmen werden, in welchem Umfange und für welchen Zeitpunkt eine Tarifreform vorgeschlagen werden wird, läßt sich im jetzigen Stadium nicht bestimmen. Von Stuttgart aus dürfte dann voraussichtlich eine Anregung in Karlsruhe und Berlin, hier wegen der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen, erfolgen." Immerhin muß man auch danach annehmen, daß eine süddeutsche Eisenbahntarifgemeinschaft gegenwärtig angebahnt wird. Die badischenundhessisch en Metzgermeister haben infolge einer Aufforderung ihrer Regierungen, sich über ihre Wünsche bezüglich des neuen Zolltarifs zu äußern, den beiden Regierungen gemeinschaftlich eine Denkschrift eingereicht, die in folgenden Sätzen gipfelt: „Wenn wir unsere Ausführungen zusammenfassen, so müssen wir vor allem gegen die int Zolltarifentwurf vorgesehene ungeheuere Erhöhung des Zolls auf Schlachtvieh gegen die einseitige Berechnung des Zolles nach Lebendgewicht bei Ochsen und Schreinen, gegen das Mißverhältnis zwischen den Zollsätzen für Schlacht- und Magervieh, sowie zwischen dem Zollsatz für Schlachtvieh und dem für Fleiscb, Schmalz rc. auf das Entschiedenste Einspruch erheben uno ersuchen die Regierung um geneigte Berücksichtigung, da unsere Forderungen, auf sachlichen Erwägungen beruhend, den allgemeinen Verhältnissen Rechnung tragen." Sitzung der Stadtverordneten. 12. September 1901. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi und Grüne berg, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Flett, Dr. Gaffky, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Leib, Orbig, Petri, Schiele, Schmal! und Wallenfels. Bürgermeister Mecum nahm nach Eröffnung der Sitzung Veranlassung, die nach Ablauf der Ferien wieder versammelten Stadtverordneten zu begrüßen und dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß auch ferner die Arbeitsfreudigkeit der Versammlung der Stadt zum Wohle gereichen möge. Sodann gedenkt er des Verlustes, den die Stadtverwaltung durch den Tod des Standesamtssekretärs Neumann erlitten. Der Genannte habe 15% Jahre der Stadt mi Treue und Fleiß gedient, sie werde ihm ein ehrendes Angedenken bewahren. Zufolge erteilter Erntächtigung hat der Bürgermeister einen Bauplatz an der Moltkestraße zu 15 Mk. den Quadratmeter, sowie zwei Plätze an dem Wetzlarer Weg zu 10 Mk. den Quadratmeter verkauft. Die am 2. August stattgehabte Revision der Stadtkasse hat zu keinerlei Beanstandung Veranlassung gegeben. Der Vorstand des Vereins mittelrheinischer Gas- und Wasserfachmänner hat in einem Schreiben den Dank der am 8. und 9. d. M. hier stattgehabten Wanderversammlung für die Einladung der Stadt, und die von ihr gebotenen Veranstaltungen und Unterhaltungen ausgedrückt. Bürgermeister Mecum macht hierauf Mitteilung über die am 7. d. M. erfolgte Probebeleuchtung des Bahnhofs durch das städtische Elektrizitätswerk. Die Probe sei zu all- seitiger Zuftiedenheit ausgefallen. Die Stromabgabe nach dem Bahnhof betrug bisher etwas mehr als die Hälfte dessen, was zu liefern ist; die volle Inanspruchnahme wird erst mit Ausdehnung der Anlage auf das Empfangsgebäude eintreten, die indes erst nach Fertigstellung des Umbaus desselben in Aussicht genommen ist. Die Stromstärke beträgt zurzeit etwa 110 Ampöre. Bisher hat nur eine Turbine diese Aufgabe geleistet, so daß die Gasmaschinen nicht in Anspruch zu nehmen waren; man wird bei günstigeren Wasserverhältnissen bis auf weiteres die Gasmaschinen entbehren können. Definitiv sol das Werk am Samstag, 14. September, eröffnet werden; der Eröffnung geht eine Besichtigung durch die Stadtverordneten voraus. Bei der Auslosung von städtischen Schuldverschreibungen aus den Jahren 1893, 1894 und 1895 wurden folgende Nummern gezogen: 1893: Lit. L 6 Stück L 2000 Mk.: Nr. 143, 189, 270, 59, 179, 145. Lit. M 8 Stück ä 1000 Mk.: Nr. 323, 381, 101, 303, 389, 290, 31, 17. Lit. N 16 Stück A 500 Mk.: Nr. 137, 707, 46, 784, 45, 184, 382, 783, 351, 696, 258, 648, 385, 278, 344, 484. Lit. 0 6 Stück ä 200 Mk.: Nr. 65, 77, 37, 224, 277, 131. Lit. P 8 Stück ä 100 Mk.: Nr. 226, 279, 363, 25, 252, 164, 337, 631. — 1894: Lit. L 2 Stück L 2000 Mk.: Nr. 336, 301. Lit. M 2 Stück L 1000 Mk.: Nr. 486, 451. Lit. N 6 Stück ä 500 Mk.: Nr. 1007, 1081, 968, 1079, 942, 87,9. Lit. 0 3 Stück ä 200 Mk.: Nr. 409, 367, 303. Lit. P 4 Stück ä 100 Mk.: Nr. 561, 517, 436, 409. — 189b: 2tl. Li 1 StUcr zu 20UU Mr.: vrr. 42d. Lit. M 1 Stück zu 1000 Mk.: Nr. 535. ßit.N 1 Stück zu 500 Mk.: Nr. 1140. Lit. 0 2 Stück ä 200Mk.: Nr.451, 469. Lit. P 1 Stück zu 100 Mk.: Nr. 606. Im Ganzen gelangen 44 000 Mk. zur Rückzahlung. Tas in der vorigen Sitzung beanstandete Gesuch der Firma Trageser u. Meyer um Erlaubnis zur Errichtung einer Fabrikanlage am Eichgartenweg wird befürwortet, nachdem die Firma durch Revers Verzicht leistet auf Entschädigung, alls die Stadt später die Wege einziehen oder verändern sollte. Befürwortet wird ferner das Gesuch des Brauereibefitzers Bichl er um Erlaubnis zur Errichtung eines Pichofens. Gastwirt Otto Luft beabsichtigt, in seiner Hoftaithe am Neuenweg ein Hintergebäude zu errichten. Der früher in Frage gekommene Straßendurchbruch von der Johannes- traße nach dem Neuenweg, der die Errichtung des Hintergebäudes bedenklich erscheinen ließ, ist gegenstandslos geworden, und soll Bauerlaubnis erteilt werden. Die Firma Birkenstock u. Schneider hat um Erlaubnis nachgesucht, zwei in der Wilhelmstraße zu errichtende Neubauten nur mit einer Einfahrt versehen, außerdem den oberen Stock des einen Baues in Holz ausführen zu dürfen. Das Gesuch wird nach Ausstellung eines Reverses befürwortet, desgl. die Gesuche von Aug. Scheppelmann, der den Giebel eines Neubaues am großen Steinweg in Holz ausführen will, des I. H. Jhring wegen Anlage einer Abortgrube auf städtischem Gelände und der Metzgermeister G. Kreuder, der eine hinter dem geplanten Neubau in der Neustadt stehendes Gebände nach Ablauf von 5 Jahren zu entfernen sich verpflichtet. Das Baugesuch von Wilhelm Schäfer III. und Wilh. Größer III. für die Roonstraße wird befürwortet. Dem Erwerb des zur Anlage von Trottoirs in der Plocksttaße nötigen Geländes von Wilh. Engelhardt und Ernst Blödner zum Preise von 10 Mk. pro Quadratmeter stimmt die Versammlung zu, ebenso der von den Verkäufern gewünschten Ansführung von Trottoiranlagen im nächsten Frühjahr und den Ersatz der schadhaften Bäume durch Neuanpflanzung. Zum Ankauf von Gelände in der verlängerten Alice» straße, nämlich 365 Quadratmeter von Bankier Kurz, 327 Quadratmeter von Dr. Köppe, 392 Quadratmeter von I. Kirch, 295 Quadratmeter von F. Rosenberg und 623 Quadratmeter von Stein u. Meyer wird Genehmigung erteilt, desgl. zum Verkauf von Gelände an Dr. Mettenheimer. Als Kaufpreis ist 1 Mk. 12 Pfg. für den Quadratmeter festgesetzt. Der Kaufvertrag über das am großen Steinweg ge» legene, an Aug. Montanus und Fr. Hewel abgetretene Gelände wird genehmigt; ebenso der Erwerb eines vor dem Hanstein'schen Neubau an der Nordanlage gelegenen Geländestückes. Dem Antrag auf Einleitung des Enteignungsverfahrens über ein dem Kaufmann Louis Hahn gehöriges, 203 Qua- dratmetes großes Grundstück bei der Eisenbahnwerkstätte wird zugestimmt, nachdem der Eigentümer ein Angebot von 750 Mk. abgelehnt und 1624 Mk. gefordert hat. Die Enteignung erfolgt, weil nach Anlage neuer Straßen und Verlegung von Wegen das Grundstück von einem öffentlichen Weg nicht mehr berührt wird. Das bisher an Moses Keßler verpachtet gewesene Mal- komesius'sche Grundstück an der Wißmarer Straße soll an Oekonom Nebe auf 10 Jahre verpachtet werden. Für Auffüllungen an der verlängerten Bismarck ft raße sollen dem Maurermeister I. G. Pfaff 2689 Mk. — Mk. 1.10 pro Kbm. vergütet werden. — Stadtv. Huhn empfiehlt, die Chaussierung dieses Straßenteils zu beschleunigen, da wegen des Bibliothek-Neubaues ein starker Fuhrwerksverkehr zu erwarten sei. Das Gesuch des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde um Erlaubnis zur Pflasterung des Trottoirs vor dem Gemeindehause in der Lonystraße wird genehmigt. DieUebertragung der Kohlenlieferung für die städtischen Gebäude an die Firmen Joh. Fischer und Joh. Struck wird genehmigt, und beschlossen, Kesselkohlen zum Preise von 110 Mk. pro Doppelwaggon ab Zeche und Braunkohlen zum Preise von 40 Mk. pro Waggon zu beziehen. Der von der Oberförsterei vorgelegte Wirtschaftsplan für die städtischen Waldungen für 1902/1903, welcher unter Berücksichtigung einer Ueberschreitung'der Taxe und anfallendem Windbruch einen Erlös aus Holz im Betrage von 95 000 Mk. vorsieht, wird nicht beanstandet. — Stadtv. Haubach bezeichnet die am Fußweg nach dem Schiffenberg, wahrscheinlich zur Verhinderung des Radfahrens, eingeschlagenen Pfähle für mißständig, sogar für gefährlich; er empfiehlt auf deren Entfernung hinzuwirken. — Beigeord. Georgi bemerkt, daß schon früher der Mißstand zur Sprache gekommen sei. Infolge Ueberfüllung zweier Klassen der Volksschule und der Vorschule des Gymnasiums ist die Errichtung weiterer Klassen nötig geworden. Der Schulvorstand hat beantragt, eine Klaffe der Gymnasial-Vorschule in das Turmhaus am Brand und später in das bisher von einer Knabenklasse der Volksschule benutzte Lokal im Realgymnasium zu verlegen. Von den dann weiter unter» zubrmgenden Knabenklaffen (zwei neu, errichtete und die bisher im Realgymnasium untergebrachte) soll die Baracke der Mädchenschule auf dem Hofe der Knabenschule und der obere Stock des ehemaligen Schulhauses in der Neustadt eingerichtet werden. Für die drei infolgedessen unterstandslos gewordenen Mädchenschulen sind Baracken auf dem bei der Unterführung am Geilfus'schen Hause liegenden Straßenstumpf zu errichten. — Bürgermeister Mecum schlägt vor, die Baracken in Holzfachwerk mit Gipsdielen-Verkleidung im Innern herzustellen, sie seien um 5200 Mk. billiger und nach Außergebrauchsetzen leichter zu anderen Zwecken zu verwenden, als die Wellblechbaracken. — Stadtv. Helfrich spricht sich dafür aus, daß die Baracken auf Plätze gestellt werden, auf denen sie langer stehen bleiben können. — Stadtv. Heich elheim ist für Rückverweisung der Sache an die Baudeputation. — Beigeordneter Georgi spricht sich gegen die Zurückverweisung aus, da dadurch Verzögerung eintrete. — Stadtv. Haubach empfiehlt möglichste Beschleunigung des Schulhaus-Neubaues. — Bürgermeister Mecum teilt mit, daß der Schulvorstand wegen des Neubaues schon zusammenberufen worden aber -nicht beschlußfähig gewesen sei. — Stadtv. Dr. Ga^fsky empfiehlt die Errichtung von Holzbaracken wie vorgeschlagen. Der Antrag des Schulvorstandes wird hierauf zum Beschluß erhoben. Die Vermehrung des Verkehrs an der städtischen L a st- wage am Neustädterthor hat die Anstellung eines Wiegers nötig gemacht. Die Stelle soll dem penfiomerten Eisenbahnbediensteten Konrad Krauß gegen eine monatliche Vergütung von 30 Mark übertragen worden. Für bauliche Herstellungen am Wieghaus werden 100 Mark bewilligt, und der Verlegung der Wiegstunden m die Zeit von 7 Uhr morgens bis 12V, Uhr mittags und von 11/ Uhr mittags bis 7^ Uhr abends während der Sommermonate, sowie von 8 bis 12 Va Uhr bezw. I1/, bis 61/2 Uhr . im Winter mit dem Anfügen zugestimmt, daß an Markttagen die Mittagspause wegfällt. — Stadtv. Euler bringt Beschwerden der Anwohner wegen der fast ununterbrochenen geräuschvollen Veranstaltungen auf Oswalds Garten zur Kenntnis der Versammlung. Der Bürgermeister sagt Er- , Hebungen über Abstellung der angeführten Mißstände zu. Die Bedürfnis frage bezügl. der Wirtschaftskonzessionsgesuche von Joh. Appel (Schloßgasse 9), Hermann Hammel (Marburgcrstraße 34), Ludwig Spuck 'Ehefrau (Nordanlage 38), Hans Prottengeier (Neuenweg 5), Wilh. Petry (Bahnhofstraße31), Joh. Gericher (Bahnhofstraße 43) und H. Elges für ein weiteres Zimmer im Hause Seltersweg 68 wird bejaht, da es sich um bestehende Betriebe handelt.—..Das Gesuch von Joh. Marker urp Erlaubnis zum Betrieb einer Cantine bei dem Bauplatz der Universitätsbibliothek wird nicht befürwortet. Aus Stadt und Sand. .(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 13. September 1901. ** Die Hauptversammlung der hessischen Anwaltsk«mmer findet am 5. Oktober hier statt. Es sind u. a. Ersatzwahlen für die durch Dod ausgeschiedenen Mitglieder des Vorstandes, Geh. Justizrat Dr. Rein ach in Mainz und Justizrat Schödler in Darmstadt, vorzunehmen. ♦* Neue Fahrkarten. Auf den Hauptstationen Mainz, Darmstadt und Worms der Preußisch-Hessischen Eisenbahngememschast sind seit 1. September die sogenannten Edmonsonschen Fahrkarten zuv Ausgabe gelangt, und mit den von den Verkehrsinspektionen ihnen gelieferten, abgeänderten Datumpressen abzustempeln. Diese Karten enthalten oben das Datum des Lösungs- und Verfalltages! aufgedruckt, soweit sie 45 tägige Giltigkeitsdauer Haven. ** Warnung. Es wird vor den Manövern der Kunstanstalt Schäfer und Dehmel zu Berlin-Charlottenburg gewarnt, welche Firma durch ihre Kolporteure sog. Kimftgegenstände wie Haussegen usw. unter dem Vorgeben, daß der Erlös einem Krüppelheim in Biekenheim zu Gute komme, verkaufen läßt. In der jüngsten Nummer des „Evang. Sonntagsblattes" schildert Pfarrer Waldeck das geradezu schwindelhafte Gefahren der genannten Firma und ihrer Geschäftsreisenden. Es wird denen, welche aus Mitleid mit den Krüppelkindern einen Haussegen bestellt haben, geraten, die Bestellung sofort durch Postkarte zurückzunehmen, da in Biesenheim kein Krüppelheim sei. Die zu 4 Mk. 50 Pf. abaesetzten „Haussegen^ haben höchstens einen Wert von 50 Pf. ♦* Die Fleischerei - Berufsgenossenschaft fiedelt in den letzten Tagen dieses Monats von Lübeck nach Mainz über und eröffnet Karmelitenplah, 4 am 1. Oktober ihr Zentralverwaltungsbüreau. Da die Thätig- keit genannter Berufsgenossenschaft sich über das ganze Reichsgebiet erstreckt, wird es sich für die mit derselben in Verbindung stehenden Behörden uno Personen empfehlen, vom 1. Oktober an Sendungen, an die Berufsgenossenschaft nach Mainz, Karmelitenplatz 4, zu adressieren, und wäre es sehr zu wünschen, daß diese Notiz durch bie ganze deutsche Tagespresse Verbreitung fände. ** Finanzprüfuug. Bei der diesjährigen Finanzprüfung t. Kategorie bestanden von 36 Kandidaten 2 5. Es sind dies die Herren: 1. Schneider, Mainz; 2. Meyer II., Darmstadt ; 3. Stock, Groß-Gerau; 4. Bernhard, Darmstadt; 5. Kurtz, Darmstadt; 6. Kolb, Gießen; 7. Maus, Groß- Gerau; 8. Treser, Gießen; 9. Litters, Darmstadt; 10. Keck, Lich; 11. Frank, Darmstadt; 12. Jöckel, Darmstadt ; 13. Eckhardt, Ulfa; 14. Zulauf, Darmstadt; 15. Dieser, Worms; 16. Meis, Darmstadt; 17. Becker, Worms; 18. Meyer I., Offenbach; 19. Ostermeyer, 20. Weinberg, 21. Schäfer, 22. Menslar, sämtlich in Darmstadt; 23. T au b^e rt, Lyllar; 24. Schmidt, Dieburg; 25. Opfermann, Darmstadt. Vier Kandidaten traten vor der schriftlichen Prüfung zurück. ** Preise der Lebensmittel- und Verbrauchsgegenstände. Nach den von der Zentralstelle! hür die Landesstatistik veröffentlichten Tabellen über die gewöhnlichen Verbrauchsgegenstände im Großherzogtum Heffen ergaben sich für den Monat Mai 1901 für Gießen folgende Durchschnittspreise: Weizen per Doppelzentner Mk. 18.64 (Mittelpreis für Hessen Mk. 17.76), Roggen 16.50 (15.41), Gerste 16.50 (16.29), Hafer 16.50 (15.77), Heu 8.68 (8.81), Stroh 7.50 (6.06), Kartoffeln 6.75 (5.76), Erbsen 29.00 (26.80), Bohnen 31.50 (27.46), Linsen 39.00 (32.14). — Ochsenfleisch per Kilogramm mit Beilage 1.44, ohne Beilage 1.60 (1.40 bezw. 1.69), Kuh - oder Rindfleisch mit Beilage 1.26, ohne Beilage 1.40 (1.27 bezw. 1.49), Kälbfleisch mit Beilage 1.28, ohne Beilage 1.32 (1.37 bezw. 1.75), Hammelfleisch mit Beilage 1.20, ohne Beilage 1.40 (1.25 bezw. 1.50), Schaaffleisch mit Beilage 1.06, ohne Beilage 1.20 (1,04 bezw. 1.20), Schweinefleisch mit Beilage 1.30, ohne Beilage 1.48 (1.27 bezw. 1.58), Weißmehl 0.38 (0.35), Roggenmehl 0.33 (0.25), Brod gemischt 0.24 (0.27), Roggenbrod 0.21 (0.23) Butter 2.38 (2.26), Milch per Liter 0.18 (0.17), Eier 10 Stück 0,53 (0.59), Gebrannter Kaffe per Kilogramm 3.40 (2.96), Petroleum per Liter 0.20 (0.21), Steinkohlen per Doppelzentner 2.10 (2.64), Braunkohlen 1.50 (1.55). — Die höchsten Weizenpreise verzeichnet Büdingen mit 20 Mk. per Doppelzentner, die niedrigsten Lauterbach und Dieburg mit 16.50 Mk., die höchsten Roggenpreise Butzbach mit 16.75 Mk., die niedrigsten Erbach mit 14,50 Mk., die höchsten Gerstenpreste Büdingen mit 18 MN, die niedrigsten Erbach mit 14 Mk., die höchsten Haferpreise Büdingen mit 18 Mk., die niedrigsten Dieburg mit 14.70 Mk., die höchsten Heupreise Butzbach mit 11 Mk., die niedrigsten Lauterbach mit 6.50 Mk. — Kartoffeln haben die höchsten Preise in Lauterbach mit 7 Mk., die niedrigsten in Dieburg mit 3.87 Mk. — Ochsenfleisch (mit Beilage) ist am teuersten in Darmstadt mit 1,52 Mk., am billigsten in Lauterbach mit 1.28 Mk., Kuh- und Rindfleisch kosten in Darmstadt 1.40, in Dieburg und Offenbach 1.20 Mk., Kalbfleisch in Worms 1.56 Mk., in Lauterbach und Schotten 1.20 Mk., Hammelfleisch in Worms 1.44 Mk., in Mainz 0.93 Mk., Schweinefleisch in Darmstadt, Offenbach, Mainz, Bingen und Worms 1.40 Mk., in Friedberg 1.12 Mk. — Der Preis des Weißmehlcs schwank! zwischen 0.51 Mk. (in Bingen) und 0.26 Mk. (in Erbach), des Roggenmehlcs zwischen 6.33 Mk. (in Gießen) und 0.21 Mk. (in Butzbach); das Brod hat den höchsten Preis in Butzbach, Darmstadt, Offenbach, Friedberg, Mainz, Alzey, Bingen und Worms mit 25 bezw. 26 Pfg., den niedrigsten in Dieburg und Erbach mit 20 Pfg. per Kilogramm; Butter ist am teuersten in Bingen (2.51 Mk.), am billigsten in Mainz (1.88 Mk.); Milch ist am teuersten in Offenbach (21 Pfg.), am billigsten in Schotten und Alsfeld (14 Pfg.); Eier (10 Stück) am teuersten in Butzbach (90 Pfg.), am billigsten in Büdingen und Schotten (50 Pfg.). — Der Steinkohlenpreis bewegt sich zwischen 3.30 Mk. (in Dieburg) und 1.86 (in Worms) für den Doppelzentner. sch. Laubach, 11. Sept. Am 8. und 9. September hielt, wie alljährlich, unser Schützenverein sein Hauptschießen ab. Zu diesem Zwecke waren verschiedene benachbarte Schützenvereine, wie z. B. der Grünberger, Büdingener, Wetzlarer u. s. w., eingeladen worden. Am Sonntag Nachmittag um 3 Uhr begann das Schießen. Es wurde im allgemeinen gut geschaffen. Am Samstag erhielt Aeeessist Kaufmann- Büdingen den vom Verein Laubach gestifteten Ehrenpreis; auch die anderen Büdingener Schützenbrüder leisteten Vorzügliches. Am Montag wurde ein zweiter, von Laubach gestifteter Ehrenpreis ausgeschossen, der ebenfalls nach Büdingen kam. Es erhielt ihn Herr Fr. Lehning. Die Preisverteilung findet noch im Laufe dieser Woche statt. —g— Ortenberg, 12. Sept. Gestern tagte hier die 27. ordentliche Synode des Dekanats Büdingen. In dem einleitenden Gottesdienst predigte Pfarrer Göbel- Büdingen über Mt. 10, 42—45. Danach eröffnete der seitherige Dekan - Stellvertreter, Pfarrer Ellenberger- Ortenberg die Synode, verlas den Bescheid des Oberkonsistoriums zur vorigen Synode und den Bericht des Dekanats-Ausschusses über die kirchlichen und sittlichen Zustände des Dekanats. Erfteulicherweise ist! in dieser Beziehung in einzelnen Mücken eine Besserung zu verzeichnen. So sind z. B. die Gaben für kirchliche und wohlthätige Zwecke im Vergleich mit dem Vorjahr um etwa 3000 Mk. gestiegen. Pfarrer Pabst-Eckartshausen referierte dann über das Thema: „Was haben die kirchlichen Organe zu thun, um das Lesebedürfiris des Volkes angemessen zu befriedigen und schädlichen Einflüssen entgegenzuwirken?" Die gründlichen Ausführungen, in denen besonders Kolportage, Presse, Volksbibliotheken Berücksichtigung fanden, wuroen ohne Diskussion angenommen. Bei den hierauf stattfindenden Wahlen wurden Pfarrer Elle n b e r g er-Ortenberg (wie wir bereits in unserer letzten Nummer mitteilten) zum Dekan, Pfarrer Göbel-Büdingen zum Dekan-Stellvertreter gewählt. Mit einem von Pfarrer Strack-Usenborn gesprochenen Gebete wurde die Synode geschlossen. () Aus dem südlichen Ober Hessen, 12. Sept. Schon ziemlich früh ist in diesem Jahre herbstlich kühle Witterung eingetreten, und auch in der Vogelwelt macht sich das bemerklich. Tie Wandervögel sammeln sich bereits zum bevorstehenden Aufbruch. Eine erfreuliche Erscheinung für den Naturfreund ist die diesmal vielfach beobachtete, unverkennbare Zunahme einzelner Vogelarten, namentlich her Schwalben, sowohl der Mehl- wie der Rauch,- schwalben. In Ortschaften, in denen ihre Anzahl auf nur wenige Stücke zurückgegangen war, sieht man jetzt wieder große Schwärme ihr munteres Spiel treiben. Es wäre interessant, zu erfahren, ob man auch in anderen Gegenden diese Beobachtung gemacht hat und auf welche Umstände sie wohl zurückgeführt werden darf. Möchten recht viele von den bevorzugten Lieblingen des deutschen Volkes und des deutschen Liedes im nächsten Frühjahre eine glückliche Rückkehr finden! M a i n z, 2. Sept. In der gestrigen Sitzung der hiesigen Stadtverordnetenversammlung beschäftigte man sich mit der projektierten Aufhebung der Sonntags sah r- f art en. Man beschloß einstimmig, eine Eingabe an das Ministerium zu richten und zwar nicht allein wegen Beibehaltung der Sonntagsfahrkarten, sondern auch wegen der projektieren Tarifänderung bei den Rundreisekarten. Ter sozialistische Abgeordnete Haas erklärte zwar auch für die Eingabe stimmen zu wollen, obwohl er sich nicht den geringsten Erfolg davon verspreche, denn die Erfahrung habe gelehrt, daß Hessen in der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft nicht den geringsten Einfluß habe und mit gebundenen Händen allen Anschlägen Preußens folgen müsse. Tie beschlossene Eingabe habe insofern ihr Gutes, daß das Ministerium jetzt offen bekennen müsse, daß es in den Eisenbahnsachen keinerlei Gewalt und Macht mehr habe. Die hiesige Handelskammer hat, wie bereits kurz angedeutet, gleichfalls gegen die Aushebung beziehungs- weise Einschränkung der Ausgabe von Sonntagsfahrkarten Stellung genommen und an das'Darmstädter Finanzministerium eine ausführlich mvtivierte Eingabe gerichtet. Darin wird gleichzeitig gegen die Tarifänderung der Rundreise- Hefte Einspruch erhoben und darauf hingewiesen, daß beide Verkehrbeschränkungen und Erschwerungen mit dem Tenor des zwischen Preußen und Hessen abgeschlossenen Gemein- schastsvertrags nicht vereinbar seien. — Auf der Tagesordnung der den kommerrden Sonntag im Anschluß an die allgemeine deutsche Gartenbauausstellung stier stattfindende Schutzzollversammlung des Verbandes der Handelsgärtner Deutschlands steht: Tie veröffentlichten Zollsätze für gärtnerische Artikel. Referenten sind: v. d. Smissen-Steglitz-Berlin und Krause-Neuhaldensleben. Unterzeichnet ist die Einladung zu der Versammlung von den Gruppen Baden, bergische Taunus, Lahn, Mittelrhein, Niederrhein, Westfalen- Großherzogtum Hessen und Hessen- Nassau. Kandwirtschast. ** Landesversammluug des hessischen Bauernstandes. Zur Berichtigung wird uns vom Ausschuß der zur Vorbereitung der am 15. September in Darmstadt stattfindenden Landesversammlung des ge|amten hessischen Bauernstandes mitgeteut, vag oxc Myamnuung nicht eine ^cranftarrung der verMcdcnen hessischen landwirtschäftlicben. Körperschaften isl, sondern vielmehr eine freie Versammlung aller hessischen Landwirte, zu der von beit im Aufruf unterzeichneten £>errett in ihrer persönlichen Eigenschaft als Präsidenten, bezw. Vizepräsidenten des Landwirtschaftsrats, der landwirlschaftlichen'Vereine, des Hessischen Bauernbundes, des Hessischen Bauernvereins und der hesitsckpm Provinzraiabteilungen des Bundes der Landwirte einqeladcn worden Ist. — Eine Riesenrcbc befindet sich in den Obstgärten von Monrepos (Geisenheim), welche, obgleich erst 34 Jahre alt. schon einen Umfarm von mehr als 90 Quadratmeter erlangt und 2200 Trauben im Jahre 1896 getragen hat. „ — Lbstprcisc. Wie die Frankfurter Centrahtelle für Dbfh Verwertung mitteilt, betrugen die Obstdurchschnittspreife am 7 September per Zenmer: Tafeläpfel 10 bis 20 Mk., Kochäpfel 8 Mk., Tafelbirnen 10 bis 25 Mk., xochbirncn 8 Mk., Mirabellen 10 Mk., Reineclauden 9.50 Mk., Zwetschen, gepflückte, 4 bis 5 Mk., Trauben 20 bis 25 Mk., Pfirfische 12 Ibis 25 Mk. — In den Gemeinden Effolderbach und Eckar'tsborn haben die Firmen Heiland und Freyeisen zu Frankfurt a. M. die höchsten Preise des diesjährigen Kelterobstes, pro Malter 12.50 Mk., angelegt. — Lrtcnbcrg, 12. Sept. In den hiesigen und angrenzenden Gemarkungen herrscht dieses Jahr ein großer Segen an Obst. Die Preise bewegen sich für Kelterobst zwischen 12 bis 13 Mk., für Tafelobst entsprechend höher. Ein Frankfurter Obschändler ersteigerte sämtliches Ortenberger Gemeinde-Obst für den Preis von 3680 Mk., zuvor wurden beim Einzelausgebot 2109 Mk. gelöst. Im nahen Lißberg gibt es einzelne Obstzüchter, die 100 bis 200 Malter Aepfel ernten. — Birnen liefern nur geringen Ertrag: sehr reichlich tragen aber die Nußbäume, ebenso auch die Zwctschen- bäume. Brennereien schicken sich zum Masseneinkauf der Zwetschen an; der Preis ist noch unbestimmt, jedoch nicht hoch. § Obcr-Hörgcru, 1 cie M» L-Hm Gascokes. Infolge Stadtverordneten - Beschlusses vom 20. Juni d. I. tritt eme PreisemHiguW unserer WM ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres festgesetzt wie folgt: Mr den Gentner ab Verkaufsstelle: Stück-Cokes.......... . . . 1,20 M. Nutz-Cokes in zwei verschiedenen Koritgrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofenschächte passend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit> g an g- barfteSorte . . » i - ; . . . 1,80 Mk. Größe 9hr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit ...... 1,35 M. Zu Wagenladungen von mindestens 36 Gentnern: Stückcokes . . . . < . . 1,15 Mk. Nntzcokes Nr. 1 .... . 1,25 „ Nutzcokes 9ht. 2 . i . . . 1,30 „ Bei gleichzeitiger Entnahme von mindestens 200 Gentnern: Stückcores . . t . t r 1 1,10 Mk. Nutzcokes 9lr. 1 . i . ; ; 1,20 „ NutzcokcS Nr. 2.....1,25 „ Mr Gokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Gentner. Mr Anfuhr au das HauS werden 5 Pfennig für den Centuer berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Gokes auf die betr. Lagerplätze (Rettet, Statt re.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centner Gokes statt; dagegen bleibt bei folgenden hiesigen Firmen der Sltiwrtaf unfern teoto von 1 bis 5 Centner bestehen, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Löwengasse 11 und Bahnhofstraße 33, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Piftor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, Georg Unverzagt, Kaplänsgaffe 5. Diese' Firmen berechnen obenstehenüe Preise unserer Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Gentnern. Gießen, den 21. Juni 1901. Städtisches Gas- urtd Wasserwerk Gießen. I. D.: Edin. Wetter. . . 4388 AndmrWBcher Mckemn Gießen. Am Sonntag dem 15. d. Mts., mittags 12 Uhr, findet in Darmstadt im städtischen Saalbau die Landesversammlung des gesamten hessischen Bauernstandes statt. Tagesorkiliiii: zunr Zollta?ifentwurf. Die Mttglieder unseres Vereins werden gebeten, möglichst zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. Kemer darf glauben, daß er dort entbehrlich sei. Das Opfer an Zeit und Geld muß jeder bringen. Unter Umständen hat sich der Fehlende später den Vorwurf zu machen, daß er lässig war, als es galt, seine berech- ttgten Interessen für viele Jahre hinaus zu wahren. Abfahrt von Gießen früh 8.16 Uhr. 6138 Der Borstand. Das Darmstädter Pädagogium Darmstadt, Niederramstädterstraße 28, bereitet in Real- und Gymnasialabteilungen zum Einjährigen-, Primaner- und Abiturienten-Examen, sowie zum Eintritt in mittlere und obere Klassen höherer Lehranstalten vor. — Beginn des Wintersemesters: 7. Oktober. 6140 MZ, £gä8Sa Soeben erschien und Ist in allen Buchhandlungen su haben: Führer durch das Lahnthal. Die Lahn von der Quelle bis rar Mündung nebst den Seitenihälera bearbeitet von Rektor H. Luerssen,Wetzlar. 240 8. Text mit ca. 100 Illustrationen, 6 PHtnen,»Kärtchen und einer grossen Uebersichtskarte in Farbendruck und Höhen- schlchten-Daratellung. In elegantem Einband Mk. 2.—. Hervorragend schöne u. gediegene Ausstattung. Dieser illustrierte Führer ist von einem der besten Kenner der Lahn — in Verbindung mit Behörden und massgebenden Persönlichkeiten — aufs sorgfältigste ausgearbeitet. Giessen und Umgebung ist ganz beson- i ders eingehend berücksichtigt, k. 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