Rr. 163 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 14. Juli 1901 M«M -Otzlich wit Mm|m M Mvata-r W» Mchmir f*»tlkn- 1Bri< k* An. *M „BäMr W ^*5 »ter. bcig•*■< ii e Ä *; f I g < r. w rö< uen ^JlsMtOee t«g «rütirtnenben « «*r* 10 Uhr WM4«44m«'■ Ipilekrn» iM« --kr. Gietzener Anzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen B-ep^rtit Mr. 2.20, mo*4tl. 75 mitBrtnqcdobn; durchs MbtjoURrfkn Mk. 1.90, m.narl. 65 vci Psstbezug vierteljil^L Mk »tzne Bestes tiät anfieigcn Btrmttnv.Bew iMen bee ^n- ur.o n rinnen »Inzclgen für kx »t'fccur Anzeiger tntfCMX ZkilenpreiS total 11 Wtz». eue»ärt8 SO Pfg. Ldrefie für Depefchsssz Anzeiger Siehrn. Fernfprecharychluß Nr. 6*. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. In der Zeit vom 29. Juni bis 13. Juli l. I. wurden iuhiefiger Stadt gefunden: 1 Sonnenschirm und 1 Peitsche. verloren: 1 Hundertmarkschein, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Taschentuch und 1 silberne Taschenuhr. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 13. Juli 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Engländer und Buren. Ter Ueberfall der Buren von Blakfontein soll sich nach der „Daily Mail" folgendermaßen abgespielt haben: General Tixon, Führer eines Detachements der unter Lord Methuen im südwestlichen Transvaal operierenden englischen Truppen, hatte den Auftrag, die Gegend zwischen Volmaranstad und dem oft genannten Hartebeestsontein, wo Delarey den Briten schon einmal einen empfindlichM Schlag versetzt hat, abzustreifen. Das mit Gras bestandene, scheinbar flache Gelände enthält dem Auge verborgene Schiluchten und Einschnitte, in denen ein ganzes Kommando parallel der Kolonne, die zu seiner Verfolgung ausgeschickt ist, reiten kann, ohne gesehen zu werden. Tie Buren benutzten ein solches Versteck, um sich« den Briten bis auf die allergeringste Entfernung zu nähern, und bereiteten durch Jn- brandstecken des zunderartig trockenen Grases einen undurchdringlichen Schleier vor sich aus. General Tixon hatte 4 Schwadronen, 6 Geschütze (darunter eine Haubitze) und 800 Mann Infanterie bei sich. Tie Kolonne hatte am Morgen Farmen niedergebrannt und wollte am Nach-- mittag zurückkehren, und zwar in zwei von einander getrennt marschierenden Abteilungen. Als die Seiten-Pa- trouillen einer dieser Abteilungen das Feuer entdeckten, riefen sie einige ttt dem Rauch sichtbare Gestalten an. Diese gaben Pen Namen eines bei der Kolonne vertretenen Truppenteils "an und riefen „All righi", und da sie scheinbar britisch^ Uniformen trugen, achtete man ihrer weiter nicht, bis ein Windstoß den Rauch hinwegfegte und die Täuschung aufdeckte. Mit lautem Kampfruf jagten die Buren nun heran, durch den auf dem Boden liegenden Rauch hindurch Sie feuerten vom Sattel aus, die Briten flohen verwirrt, und der Artilleriekommandeur erschoß die Geschützgespanne, als er sah, daß die Geschütze verloren waren. Die Verwirrung dauerte indessen nur einen Augenblick, denn die Offiziere sammelten die in Südafrika erst kürzlich angekommenen Aeomen und hielten in einer Deck- ung die Buren in Schacht während die kriegserfahrenen Infanteristen sich zu einem Versuch die Geschütze zurückzuerobern, bereit machten. Inzwischen forderten die jubelnden Buren, bei den Geschützen angekommen, einen Offizier, den sie gefangen nahmen, auf, ihnen die Handhabung der Geschütze zu zeigen. Dieser weigerte sich dessen, und die Buren schossen ihn daher nieder, ebenso einen Feldwebel. Einige mit Martini-Gewehren bewaffnete Buren gingen dann um die Toten und Sterbenden herum. Einige wendeten sie, um zu sehen, ob sie tot seien. Waren sie es nicht, so erschoß irgend ein Bur sie. Ein junger Soldat sagte: „Ums Himmels willen, thut das nicht!" aber die Antwort war ein Schuß. Schließlich nahm die britische Infanterie die Geschütze, nachdem die Buren aus ihnen sechs Schüsse abgegeben halten, durch einen Bajonettangriff wieder. Man wird gut thun, auch nach der bereits gestern milgeteilten offiziellen Bnstälgung der Thatsache, daß ein Offizier und sieben Soldaten zeugeneidlich behaupten, die Buren hätten kampfunfähige Verwundete niedergeschossen, weitere Einzelheiten abzuwarten. Ta die Zeugen doch kaum in unmittelbarer Nähe des behaupteten Vorganges gewesen sind, so nehmen wir vorläufig an, daß sie sich in eineür subjektiven Irrtum befinden. Es ist z. B. wohl möglich, daß einzelne Soldaten sich, um den Gegner zu täuschen, verwundet oder tot gestellt haben, und daß die Buren in solchen Fällen die beabsichtigte Täuschung mit Erschießen bestraft haben. Vielleicht auch haben die Verwundeten, auch wenn sie am Boden lagen, noch Widerstand versucht. Jedenfalls steht das ganze bisherige Verhalten der Buren und besonders Telareys im scharfen Gegensatz zu solchen Vorgängen, und deshalb sträubt matt sich, sie zu glauben, ohne den andern Teil gchört zu haben oder doch die Einzelheiten der Aussagen zu kennen. „Taily News" melden aus Bloemfontein: De Wet soll mit seinem Kommando bei Brandfort stehen. Eine britische Abteilung operiert südlich von Kroonstad. Lord Kitchener meldet vom 12. Juli aus Pretoria: Der Posten der südafrikanischen Polizeitruppe bei Hout- kop, nordwestlich von Dreenmgen, wurde gestern angegriffen. Tie Buren eroberten einen alten gezogenen Siebenpfünder, wurden aber dann zurückgetrieben. Wir hatten drei Tote und sieben Verwundete. Ein Pferdehändler in Hermannstadt (Siebenbürgen) erhielt von englischen Agenten den Auftrag, in kürzester Zeit 2000 Pferde für Südafrika zu liefern. Laut amtlichem Ausweis des ungarischen Ackerbauministers betrug der Pferdeexport aus Ungarn 1899 39 000 Stück, darunter etwa 15 000 Stück nach Südafrika. Deutsches Mch. Berlin, 12. Juli. Der Kaiser hat die Segelyacht „Samoa II.", welche sich unter Führung des Leutnants Freiherrn v. Meerscheidt-Hüllessem vom 1. Garde-Regiment z. F. an der Kieler Woche beteiligt hatte, dem Offizierkorps des 1. Garde-Regiments z. F. zum Geschenk gemacht- — Der Kaiser verlieh dem bisherigen zweiten Dolmetscher bei der Gesandtschaft zu Peking, Eordes, bei seinem Ausscheiden aus dem Amtsdiensh, den Charakter als Konsul. — Die „Voss. Ztg." erfährt, die vom Oberbürgermeister Kirschner bei dem Kaiser erbetene Audienz sei nur vorläufig verweigert worden, da der Kaiser sich über die Angelegenheit, betreffend die Uebersührung der Straßenbahn über die Linden noch nicht schlüssig gemacht habe; dies solle erst nach der Nordlandsreise geschehen. (Harmonisch sind die Beziehungen zwischen dem Zivilkabinett und der Reichshauptstadt immerhin nicht zu nennen. Der Friedhof .der Märzgefallenen, die Pläne zu seiner Wiederinstandsetzung, das Portal mit und ohne Inschrift — alle diese angeblichen Ehrungen für Revolutionäre haben, obschon schließlich von den Plänen soviel wie nichts übrig blieb, in hohen Kreisen Verstimmung hinterlassen. D. Red.) — Das „Militärwochenblatt" veröffentlicht eine Kabinettsordre vom 2. Juli, welche die Beamtenstellenbesetzung für die ostasiatische Besatzungsbrigade betrifft. — Wie aus gut unterrichteten Kreisen mitgeteilt wird, geht der Plan, dem Kriegsministzer Kaiser Wilhelms I., Grafen Roon, in Berlin ein Denkmal zu setzen, seiner Verwirklichung entgegen. Nachdem der Kaiser durch eine Kabinettsordre sein Einverständnis mit der Errichtung eines Standbildes gegeben hatte, hat der Regent von Braunschweig, Prinz Albrecht, das Protektorat über das Denkmal-Komitee übernommen, dessen Vorsitz der Reichskanzler Gras.Bülow führt, während der Kriegsminister v. Goßler das. Amt eines Schriftführers übernommen hat. Die Vorarbeiten der Komiteebildung und die sonstigen geschäftlichen Arbeiten sind im vollsten Gange, und werden vom Zentralbureau des Kriegs Ministers aus geführt. Für das Komitee sind eine große Anzahl von Militärs in hervorragenden Stellungen, Präsidenten und Mitglieder der Parlamente sowie Angehbrige der haute finauoe und der ersten Gesellschaft gewonnen worden. — Nachdem sämtliche deutsche Eisenbahnverwaltungen die Geltungsdauer der Rückfahrkarten auf 45 Tage erhöht haben, verlautet, daß diese Verlängerung auch im Verkehr mit außerdeutschen Bahnen ernstlich in Angriff genommen ist. Gegen die von vielen Seiten befürwortete Abschaffung der Rückfahrkarten und Ausgabe von einfachen Karten zur Hälfte des Rückfahrpreises macht man außer praktischen auch dos Bedenken geltend, daß das rechnerische Risiko für Preußen auf mindestens 18 Mill. Mark zu schätzen wäre. Ein gewisser Ausfall werde allerdings auch durch die verlängerte Geltungsdauer der Rückfahrkarten entstehen, dies Risiko erscheine jedoch so wenig erheblich, daß auch ein vorsichtiger Finanzminister sich unbedenklich entschließen konnte, eine so nützliche Verbesserung durch ein so geringes Opfer zu erkaufen. — Der Einnahmeausfall der preußischen Msenbahnen infolge der Einführung oer 45 tägigen Rückfahrkarten soll, wie die „Dtsch. Tgztg." aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, jährlich 40 Mill. Mark betragen. Es dürfte überhaupt jetzt noch nicht möglich, sein, den eventuellen Einnahmeausfall annähernd zu schätzen. — Von den zur Einziehung gelangenden, insgesamt im Betrage von 68,7 Millionen Mark ausgeprägten M ü n z - fort en waren Ende Juni noch für rund 13,1 Mill. Mk. im Verkehr. Davon entfielen auf die goldenen Füns- markstücke 4,1 Mill. Mark. Von ihnen waren für rund 28 Mill. Mk. Stücke ausgeprägt, für 23,9 Mill. Mk. sind zur Einziehung gelangt. Tie Ausprägung dieser Münzsorte ist bekanntlich schon seit dem Jahre 1879 eingestellt worden. Es ist recht unwahrscheinlich!, daß von den 4,1 Mill. Mk. der im Verkehr befindlichen goldenen Fünfmarkstücke noch ein beträchtlicher Teil zur Einziehung gelangen wird, weil diese Stücke sich größtenteils in Münzsammlungen be- sinden, zu Schmuckgegenständen verarbeitet sind usw. Man wird also damit rechnen müssen, daß etwa ein Siebentel der ausgeprägten goldenen Fünfmarkstücke nicht wird zur Einziehung gelangen können. Die Einziehung der silbernen Zwanzigpfennigstücke war Ende Juni so weit vorgeschritten, daß nur noch für 6,3 Mill. Mark davon im Verkehr waren. Man darf annehmen, daß von den noch im Verkehr besindlichen 6,3^Mill. Mark ein beträchtlicher Teil sich in den Einziehungskassen demnächst einfinden wird. Von den Nickelzwanzigpfennigstücken, die überhaupt nur im Betrage von 5 Mill. Mk. zur Ausprägung gelangt waren, waren Ende Juni für 2,7 Millionen wieder eingezogen. Auch hier dürfte die im Verkehr schließlich verbleibende Summe nicht sehr groß sein. Ausland. London, 12. Juli. Oberhaus. Brasfty lenkt die Aufmerksamkeit deö Hauses auf die Frage der Floitenreserven und weist auf Vie Gefahren hin, die auS der Zulassung der Abnahme der Floitenreserven und ferner auS der Anstellung allzu zahlreicher fremder Seeleute in der britischen Handels marine erwachsen. Der erste Lord der Admiralität, Selborne, erklärte, es müsse für die Vermehrung der Reserve auf jede Weise Vorsorge getroffen werdeu. Die Admiralität berate auch über den Vorschlag bezüglich der Errichtung einer Schule für Marinestrategie. — Die „Times" meldet aus Simla: Die Regierung habe der russischen wiffeuschaftlichen (? D. Red.) Mission nach dem Pamirgebiet unter der Führung Fedscherckos gestattet, entweder über den Ktlikpaß und durch das Gilgitthal oder auf dem Wege längs des YarkandfluffeS über Leh nach Indien zu kommen. Brüssel, 12. Juli. Wie bestimmt verlautet, hat die Regierung in der Militär frage vor der Rechten kapituliert. Sie verzichtet auf die persönliche Dienstpflicht und die Vermehrung des KontingenlS. Die Dienstzeit wird auf achtzehn Monate herabgesetzt und die Stellvertretung bleibt bestehen. Der Rücktritt des für die persönliche Dienstpflicht eiuge- tretenen KriegSmiuisterS soll bevorstehen. Madrid, 12 Juli. Gestern wurde in einer Unterredung Weylers mit dem Finanzminister beschloffen, einen außerordentlichen Kredit von 13 Millionen für Schnellfeuer-Kanonen, auf die zwei nächsten Budgetjahre verteilt, von den KorteS zu verlangen. Wien, 12. Juli. Der Bürgermeister Dr. Lueger hat die Ausweisung der deutsch-nationalen Turnvereine aus den Wiener städtischen Schulen durchführen laffen. Die Vereine wurden angewiesen, die Turnplätze am 15. Juli zu räumen. Der feindselige Akt der Christlich- Sozialen gegen das Turnwesen wird in den weitesten Kreisen verurteilt. Prag, 12. Juli. Acht Zeitungen find mit Beschlag belegt worden wegen der Veröffentlichung einer Rede, die der Abg. Eisenkolb in Eger gegen die katholische Kirche gehalten hat. Politische Tagesschau. ES ist aufgefallen, daß die Banken iu ihrer Gesamtheit bisher immer noch nicht mahnend und beruhigend aufgetreten find gegenüber dem planlosen und blinden Hinauswerfen von Vermögenswerten an der Börse. In dankenswerter Weife macht soeben der „Bund der Industriellen" auf diese Thatsache aufmerksam und fordert ein baldiges Eingreifen der Banken, eine öffentliche Feststellung der Situation im Jntereffe des schwer bedrohten deutschen Kapitals. In den Kreisen der Industrie herrsche teilweise die Ansicht, daß die Verhältnisse schlimmer liegen als im Falle eines Krieges, wo erfahrungsgemäß eine gewiße Stabilität bald nach den ersten Ereigniffen Platz zu greifen pflegt. Wir sehen allerdings nicht ein, warum seitens der Großbanken die Ratschläge zur Mäßigung und Besonnenheit, welche die beunruhigten Kunden in den Bureaus empfangen, nicht mit viel größerer Wirkung zur allgemeinen Kenntnis gebracht werden! Die „Boff. Ztg." richtet an die Groß, und Mittelbanken die „dringende Mahnung", möglichst bald Halbjahrsbilanzen der Otffentlichkett zu übergeben. Da fortgesetzt die führenden Bankaktien im Kurse fallen — gestern z. B. Diskont- und Dresdener Bank um 1,20 und 1,50 Prozent — so dürfte diese Maßregel im Interesse der Bank selbst liegen. Ein Erbschleicherprozetz. Ter Bankier Albert Vogl in Wien, der der Erbschleicherei an dem reichen russischen Privatier Täubin angeklagt war, wurde nach viertägiger Verhandlung am Freitag von Wiener Geschworenen einstimmig freige- s p r o ch e n. Vogl ist der Sohn hochachtbarer Eltern. Sein Vater, der ein Alter von 101 Jahren erreichte, verlor sein Vermögen und mußte in den letzten Jahren von den Unterstützungen seiner Verwandten leben. Mit dreizehn Jahren wanderte er nach Amerika aus, wo er sich in einigen Jahren durch Fleiß, Arbeit und Sparsamkeit ein schönes Vermögen erwarb. Nach Europa zurückgekehrt, errichtete er in Wien sein Geschäft. Durch die Katastrophe an der Wiener Börse 1896 verlor er 600 000 fl. Seine Effekten wurden von der Bodenkredit-Anstalt, Kreditanstalt und dem Hause Rothschild übernommen. Wenn er auch seinen sämt-z lichen Verpflichtungen an der Börse nicht nachgekommen sei, so habe er doch sämtliche Forderungen aus seinem Geschäfte und die seiner Bediensteten erfüllt und 460 000. Gulden ausbezahlt. Später sei ihm die Vertretung einer großen amerikanischen Maschinenfabrik zugesagt worden, weshalb er im letzten Dezember nach Amerika gefahren sei. Kurze Zeit nach seiner Rückkehr ereignete sich der Fall, der ihn auf die Anklagebank brachte. Aus Fragen des Präsidenten erklärte er folgendes: Täubin war Privatier und hatte alles rn russischen Pfands briefen angelegt. Es ist erwiesen, daß Täubin häufig bei mir war, während er geschäftlich nur viermal im Jahre bei mir zu thun hatte. Er hat ebenso wie ich in seiner Jugend die schwersten Kämpfe um seine Existenz zu bestehen gehabt. Aber er war in noch einer unglücklicheren Situation als ich, da er seine Familie haßte. Dennoch hat er seine Verwandten, als er zu Vermögen kam, unterstützt. Ich wußte auch!, daß er seinen Bruder, der sein einziger berufener Erbe war, enterbt hat. ' Er war ein eign» tümlicher Mensch und wollte bei Lebzeiten sein Vermögen verschenken, aber an solche Leute, bei denen ihm die Zinsen sicher waren. Einmal sagte er mir, er wolle dem Baron Günsberg 20 000 fl. für wohlthätige Zwecke geben. Tann wollte er einmal sein ganzes Vermögen Rothschild übergeben; aber das Projekt kam nicht zu stände. Dan« wollte er 20000 Kr. einem Asyl schenken, wenn er freie Wohnung erhalte. Als der Großvater meiner Stiefkinder starb, riet ich Täubin, dessen Wirtschafterin, die ihn 20 hatte, zu sich zu nehmen. Er willigte ein Injektionen vorgenommen, nach kurzer Zeit zeigte sich eine merkliche Besserung. Dr. Schnürer sagte: „Meine Herren, ich glaube, jetzt kann er sprechen." Ich ersuchte nun den Dr. Schnurer, selbst zu fragen, aber dabei keinen Namen zu nennen, sondern im allgemeinen zu fragen, was mit dem Vermögen zu geschehen habe. Hierauf hörten wir alle deutlich — es war mäuschenstille im Zimmer — die Worte: „Lassen Sie mir fünf Minuten Bedenkzeit." Wir traten vom Bette weg. Dr. Schnürer wiederholte die Injektionen und rief uns nach einigen Minuten wieder herbei. Jetzt wiederholte Dr. Schnürer die Frage: „Was soll mit Ihrem Vermögen geschehen?" Täubin hob den Kopf ein wenig, wir alle hielten den Atem an, Täubin sagte vollkommen präzise und deutlich, so daß wir es alle hören konnten: „Alles soll dem Vogl gehören!" Ich erkläre nach meiner tiefinnersten Ueberzeugu'ng als redlicher und rechtskundiger Mann, daß ich auch heute unerschüttert auf dem Standpunkt verharre, daß Vogl der einzig rechtmäßige und berechtigte Erbe nach Täubin durch diese Erbeseinsetzung geworden ist. Und Dr. Samuel Theimer erzählte, daß er von dem ihm feit Langem befreundeten Vogl zu Täubin gerufen wurde, denselben schwer leidend fand, daß ,er aber von Vogl davon verständigt wurde, daß ein Testament errichtet werden soll. Die Wertpapiere Taubins wurden erst nach langem Suchen von dem gegenwärtigen Inhaber des Vogl'schen Geichastes, Schmidt, gesunden und auf das Bett Taubins gelegt, der sich dadurch sichtlich erleichtert zeigte. Dann erzählte Dr. Theimer weiter: Am Bette standen nun drn Personen, Herr Vogl, Schmidt und ich, ich! glaubte, daß auch Herr Vogl als Zeuge fungieren könne, da es sich, wie mir gesagt wurde, um wohlthätige Institutionen handle. Täubin wurde nun von uns deutlich gefragt, und zwar zuerst Vogl, ob er sein Vermögen nicht den verkrüppelten Bindern widmen wolle. Täubin sagte deutlich- „Nein, nein." Wiederum fragte Vogl: „Mer, Täubin, alter Freund, Sie sollten doch den jüdischen Krüppeln etwas geben/ Täubin antwortete: „Von den Wiener Philanthropen will ich nichts wissen." Darauf fragten wir- Ja was soll dann also geschehen? Nun erfolgte die Antwort zu Vogl: „Machen Sie, was Sie wollen." Mittlerweile war Dr. Schnürer gekommen, ich erzählte ihm in Kürze hat erst im Januar stattgesunden. Nach weiteren Fragen wurde zur Zeugenvernehmung geschritten, die sich vorwiegend mit der Charakterisierung Taubins beschäftigte. Tie große Vorliebe dieses Herrn für die stärksten geistigen Getränke, seine Sonderbarkeiten, sein extravagantes Wesen, das sich mit einer vorsichtigen Wahrung seines Interesses zu vereinen wußte, seine Urbanität, welche immer hervortrat, wenn er seiner Liebe zur Flasche für eine kurze Zeit entsagte, wurden von der großen Mehrzahl der Zeugen mit verschiedenen Variationen bestätigt. Tagegen wußte er den Inhalt seines verfaßten oder nur beabsichtigten Testaments in Geheimnis zu hüllen, indem er die widersprechendsten Mitteilungen darüber verbreitete, und insbesondere jedem, den er kannte, durch die Versicherung Freude machte, daß er ihn bedacht habe. Auch drückte er seine Sympathie bald für diese, bald für jene Wohlthätigköitsanstalt, hier freilich zuweilen auch mit der Bereitwilligkeit zur That, aus. Selbst von seinen Verwandten sprach er bald in grimmigem Haß als von Personen, denen niemals ein Kreuzer seines Vermögens zufallen dürfe, und bald wieder in milder Humanität, die ihn hieße, auch auf sie in seinem letzten Willen Rücksicht zu nehmen, ja, ihnen die Hälfte seines Vermögens zu vermachen. Dieser Herr Täubin war ein Schalk in seinen Aeußerungen, ein geheimer Humorist, der die Menschen, die auf sein Geld hofften, zum Besten hatte. Am liebsten hätte er sein Vermögen doch, wie sein Sekretär sagte, mit sich genommen. Nur weiß niemand, was in im vorging, als der Tvd Ernst machte und an seiner Seite stand, und als er zum letztenmale sagte, an wen er seinen Besitz verschenkte. Hätte er schadenfroh aus dem Leben scheiden wollen, so vermochte er es bester nicht anzustellen. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf die Aussagen des Arztes Dr. Joseph Schnürer und des Mvokaten Dr. Samuel Theimer. Dr. Schnürer erzählte, daß er am 24. April von der Danek zu Täubin berufen worden sei, den er von da an, obwohl Täubin nichts von Arzt und Medizin wissen wollte, ärztlich behändeste. Zu diesem Ende erschien der Zeuge auch am 27. April nachmittags in der Wohnung Taubins. Er fand Täubin recht schlecht. Die anwesenden Herren sagten dem Zeugen, daß man daran jei, ein Testament zu errichten, und Dr. Schnürer der dritte Zeuge sein könne. Die Herren fragten Dr. Schnürer, ob Täubin im stände sei, eine bindende letztwillige Erklärung abzugeben.' Dr. Schnürer fand Täubin sehr schwach«; er reflektierte aber auf die Außendinjge, und da Vogl zu dem Zeugen gesagt hatte, Täubin dürste die Hälfte seines Vermögens kranken Kindern, die andere Hälfte ihm vermachen, so hielt der Zeuge es für geboten, die matt scheinenden Lebensgeister des Kranken so weit als erforderlich aufzufrischen. Dazu applizierte er dem Kranken zwei oder drei Kampher-Jnjektionen, die ihren Zweck erfüllten. Vogl trat auf Täubin zu und sagte: „Täubin, Ihr alter Freund Vogl ist da, was soll mit Ihrem Gelde geschehen? Darauf erbat sich Täubin einige Minuten Ruhe. Äese wurden ihm gewährt, und neuerdings Kampher-Jnjektionen gegeben. Er erhob sich dann, sichtlich klarer, und nun forderte Dr. Theimer den Dr. Schnürer auf, die Frage an Täubin zu richten. Dr. Schnürer fragte Täubin, was mit seinem Vermögen geschehen solle, und Täubin sagte mit einer Hcmdbewegung ziemlich vernehmlich: „Alles soll dem Vogl gehören." Dr. Theimer sagte zu den Anwesenden, diese Worte seien sehr wichtig, sie mögen dieselben sich merken oder aufschreiben. Pr.: Und welchen Eindruck hatten Sie von dem Zustande desjenigen, der diese Worte ausgesprochen hatte? — Zeuge: Ich hatte von ihm den Eindruck, daß er sich der Tragweite dieser Erklärung bewußt war. — das Vorgefallene, und ersuchte ihn, als Zeuge zu sun- Wir fragten nach der Untersuchung durch Dr. Aus Stadl und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist mit unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Änz." gestattet.) * * Der Verräter des Diebes. Aus einem Garten der Alicestraße wurde vor einiger Zeit deS Nachts ein zum Trocknen aufgehängtes Kleid gestohlen. Der Dieb ließ an dem Thatort ein Stück Papier liegen, das für ihn zum Verräter wurde. TS war ein Lohnzettel, auf dem der Name tand. Das Kleid wurde wieder zur Stelle gebracht und der Thäter steht seiner Bestrafung entgegen. * * Einbruch. In der vergangenen Nacht wurde zum zweiten Male in einem unbewohnten Baubureau der Grün- lergerstraße eingebrochen. Dem Dieb fiel ein Revolver mit Patronen in die Hände. * • Die Promenadeumufik fällt am morgenden Sonntag aus. * * Ein Konzert findet im Garten des Restaurants Royal am Montag abend 8 Uhr statt. • * Der hessische Waiseuschuh hält am Sonntag seine LandeLversammlung in Steins Garten ab. Die Verhandlungen beginnen um 11 Uhr vormittags. Am Abend giebt es Konzert und Tanz, lebende Bilder und Theater. Es wird auf regen Besuch gerechnet. • • Fleischer-Verbandstag. Für den am 17. und 18, d. M. in Rostock stattfindenden VerbandStag des deutschen Fleischer- verbandes hat der Bezirksverein beider Hesten und Nastau, dem auch die Gießener Innung angehört, folgende Anträge gestellt: Stellungnahme gegen das beantragte BiehverficherungS gesetz; Stellungnahme zpm Antrag der Landwirte, betreffend staatliche Schlachtviehversicherung; Abschaffung der Verbrauchsabgabe auf Fleisch (Fleischstcuer); Die Bestrebungen zur obligatorischen Einführung des Handels nach Lebend- ich lasse Mich in dieser Ueberzeugung, die ich auf Grund von Thatsachen geschöpft habe, in keiner Weise irre machen." Auf eine Frage des Staatsanwalts, woher er, Theimer, die Berechtigung geschöpft habe, das Geld noch bei Lebzeiten Taubins zu sich zu nehmen, antwortete Theimer erregt: Herr Staatsanwalt, ich bin ein beeideter Advokat, ich bin doch wohl zur Aufbewahrung von Geldern legitimiert Unter diesen Umständen, da keine Kassa da war, hielt ich mich sogar für verpflichtet. Wenn Täubin am Leben geblieben wäre, hätte ich ihm das Geld schon zurückgegeben. Dieser Prozeß hat ein öffentliches Interesse, weil er lehrreich ist. Die Bekundung des letzten Willens wird nur allzuhänfig, teils aus thörichtem Merglauben, teils aus Nachlässigkeit oder Unentschlossenheit, hinausgeschoben, bis eine schwere Erkrankung ernstlich an die Erfüllung dieser Pflicht mahnt. Der kranke Mensch sieht die Dinge nicht normal an; er ist der Energie beraubt; nicht widerstandsfähig gegen Einflüsse, die etwa von fremden, nicht zur Familie gehörigen Personen auf ihn ausgeübt werden. So kommen denn Erbeinsetzungen zu stände, die juristisch ganz unanfechtbar sind, Verfügungen, die „bei vollem Bewußtsein" getroffen sind, die aber aller Wahrscheinlichkeit nach von einem gesunden, bedachtsam erwägenden, selbstständigen Menschen nicht getroffen worden wären. Erbschleicherei kommt nicht eben selten vor. Die Fälle, in denen fremde, in dauernder Umgebung des Kranken befindliche Personen für sich Sympathien zu erwecken, Unmut, Groll gegen Familienmitglieder hervorzurufen wissen, mit dem Effekt, daß der Kranke seinem Pfleger oder seiner Pflegerin schließlich einen verfügungsberechtigten Teil seines Vermögens vermacht. — Diese Fälle sind ziemlich zahlreich! und doppelt empörend, wenn der Nachlaß ohnehin nicht groß ist, und das kleine Erbteil unbemittelter naher Angehörigen noch. geschmälert wird. Die Empörung richtet ich natürlich gegen die Erbschleicher, nicht gegen den Testator, der aber ein Opfer seiner Schwäche geworden ist. Also: bei voller Gesundheit testieren! — Durch das Bürgerliche Gesetzbuch wird das von Anfang bis zu Ende eigenhändig geschriebene Testament' als rechtsgiltig anerkannt. Diese Form des Testaments mag große Vorzüge haben, u. a., daß sie keine Kost,en verursacht; aber es wird die Erbschleicherei insofern erleichtert, als in aller Stille und unbemerkt Verfügungen getroffen und aufgehoben werden fönnetK Auch die Gefahr der Anfertigung gefälschter Nachträge zum Testament, die sich plötzlich vorfinden, ist nicht zu unterschätzen. Wer weiß zudem, welche gerichtliche Ent- cheidungen noch erfolgen, die ein eigenhändiges Testament aus diesem oder jenem formalen Grunde für nichtig erklären? Daß kürzlich ein solches Testament von der Behörde nicht anerkannt wurde, weil der Ort. der Der- ügung in dem Testament gedruckt, statt geschrieben war, ist doch bedenklich. Um solchen Möglichkeiten vorzubeugen, )ie unter UmMnden die Hinterbliebenen in schwere Bedrängnis bringen, empfiehlt sich die weit mehr gesicherte Form der Errichtung des Testaments vor einem Notar oder vor einem Richter, schon deshalb, weil diese Rechtskundigen in der Lage sind, den Testiator aufmerksam zu machen, wenn eine Bestimmung zu Zweifeln Anlaß giebt. „Was hat der Erblasser gewollt? Wie verstand er diese Anordnung?" Derartige Fragen entstehen häufig, zumal durch zu weitgehende Heimlichkeit, mit der letztwillige Verfügungen getroffen werden, sodaß für manche Familie das Testament ihres Ernährers eine „vollständige" Überraschung bildet, und dem Schmerz die Ratlosigkeit und die Sorge hinzufügt. ^aro, riet icy -^auoin, Denen a;eren Jahre gepflegt, sich 30 000 s^erspcirt und em ei^n »aus « Taubin>'neuerdings, was mit seinem Vermögen hatte, zu ,ich zu nehmen. Er willigte em und wir s y geschehen solle erhielten jedoch keine Antwort. Mittler- mit der Bahn nach Gietziug^ Ich bm amerrkangch r^F 1 f Schnürer Herzmassagen und Injektionen maurer. Des weiteren wird er über die letzte -g -narfi kurzer Zeit zeigte sich eine Sterbezimmer Taubins befragt und Tagte auf Die per schiedenen Fragen aus, Täubin hätte Don emem nis au wohlthätige Anstalten nichts wissen wollen, werm er ein Testament gemacht hätte, wurde er da» siche g sagt haben. Auf meine Frage, ob er feine letzten Verfügungen schon getroffen, antwortete er nein, erfei aüer bereit. Ich gab deshalb den Auftrag, xr. zu rufen. Als Dr. Theimer kam, teilte ich lhm mch um was es sich handle. Täubin sagte aus eine Frage.„Machen Sie mit meinem Vermögen, was Sie wollem aufmerksam gemacht, daß das nicht ginge, habe sich Täubin fünf Minuten Bedenkzeit erbeten Dann habe er aus eine Frage Dr. Theimers gesagt, alles solle ihm (dem Angeklagten) gehören, ^r Angeklagte ermnert sich, ;edoch nur, daß Tr Theimer laut wiederholt hat: „Also gut, alles soll Herrn Vogl gehören." Dr. Theimer ist darauf mit den Wertpaketen fortgegangen. Vogl will nach dem Tode Taubins in der Erbschaftssache selbst nichts weiter unternommen haben, er habe nur die Vollmacht für Dr. Theimer unterschrieben. Dr. Schnürer, der Arzt, erhielt als Testamentszeuge 300 fl. Tr. Theimer erhielt 6000 fl. 106 000 fl. habe er, der Angeklagte, für wohlthätige Zwecke gegeben, nämlich für Verwandte Taubins. — Staatsanwalt: Ich muß den Standpunkt vertreten, daß dieser Ausgleich mit den Erben durchaus kein Wohlthätigkeitsakt, sondern geradezu ein Verzweiflungsakt war. — Des weiteren wird der Angeklagte über den Zweck befragt, weshalb er die 92 000 ff. in fein Geschäft gesteckt habe, das von seinen Nachfolgern übernommen wurde. Geschworener Schug: Wann haben Sie dem Geschäfte die 92 000 fl. zugeführt? — Angekl.: Am 13. Juli. — Geschworener Schug: Und wann hat die Firma das Geschäft übernommen? — Angekl.: Am 30. Juni; aber die eigentliche Firmen-Uebertragung gewicht; mißbräuchliche Benutzung der Freibänke; Beratung des Statuts zu einer Sterbekaffe des Verbands; Ersuchen au die deutschen Handwerkskammern, das Bestreben des deutschen Fleischerverbandes für Errichtung eines Reichs- Gewerbeamts, eines preußischen Gewerbeministeriums und ebensolcher «erntet in den einzelnen Bundesstaaten zu unterstützen; Organisation des Handwerks und die Bedeutung deS GenoffenschaftSwesenS für daS Fleischergewerbe. ** Tas Regierungsblatt veröffentlicht in Nr. 48 1. eine Bekanntmachung, die Veranlagung der direkten Staatssteuern betreffend, 2. eine Bekanntmachung, die Verlegung der Bergwerksdirektion Grube Ludwigshofsnung von Bad-Nauheim nach Friedberg betreffend, 3. eine Bekanntmachung, den Bau einer schmalspurigen Eisenbahn von Gießen nach Bieber betreffend. Die letztere lautet: . Mittelst Allerhöchster Ermächtigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 23. März 1901 ist, unter Aufhebung der Bestimmung in § 9 Ziffer 2 der veröffentlichten Konzessionsurkunde vom 19. März 1897, der Unternehmerin gestattet worden, der Aufstellung der Betriebsrechnung den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember jeden Jahres als Rechnungsjahr zu Grunde zu legen, mit der Maßgabe, daß das am 1. April 1901 beginnende Rechnungsjahr bereits am 31. Dezember 1901 abläuft und mit dem 1. Januar 1902 eine neues Rechnungsjahr beginnt. (?) Watzenborn, 14. Juli. Dieser Tage ereignete sich hier ein seltener Vorfall: Ein auswärtiger Maurergeselle war hier bei einem wohlhabenden Bauer mit Erweiterung eines Schweinestalles beschäftigt. Nachdem beide dem Frühstück kräftig zugesprochen hatten, und als die Arbeit weiter- geheu sollte, stürzte auf den Maurer die 2 Meter hohe Mauer. Zum Glück kam er unverletzt herausgekrochen und die Arbeit konnte ihren Fortgang nehmen. e. BadNauheim, 12. Juli. Wie man erfährt, soll daS neue Postgebäude auf einem Terrain hinter dem Karls- brunnen, ganz nahe der Karlstraße, erbaut werden. Zu diesem Zwecke muß ein altes Salinen-Siedehaus niedergelegt werden. ES besteht überhaupt die Absicht, die gesamte Saline abzubrechen und in einem einzigen modern ausgestatteten Fabrikgebäude, das in der Nähe der Bahn zu errichten wäre, die Salzgewinnung weiter zu betreiben. So erfreut man in Bad-Nauheim darüber ist, daß in der Postangelegenheit die Platzsrage nun geregelt ist, so verwundert ist man aber auch über die Nachricht, daß der Neubau des Postgebäudes bereits an einen — Hanauer Bauunternehmer vergeben sei. Die hiesigen Banhandwerker sehen mit einiger Besorgnis der Zukunft entgegen; früher wurden in jedem Jahre 50—80Neu- und Umbauten in Nauheim vorgenommen, jetzt dürfte das aushören, denn eS besteht hier ein Ueberschuß an Häusern. Wie in fast allen Kur- und Badeorten, machten sich auch in Nauheim das Darniederliegen der deutschen Industrie, sowie die verschiedenen Bankkatastrophen durch einen mäßigeren Fremdenzustrom bemerkbar. Neue Bauten für Logirzwecke werden jedenfalls hier sobald nicht ausgeführt, da kein Be- dürsnis dafür vorliegt. Von vielen Seiten wird deshalb angeregt, die hessische Regierung möge im kommenden Winter alle notwendigen Bauten, wie z. B. Inhalatorium, Neubau deS Kurtheaters, Schwimmbad, Niederlegung der Saline,. Errichtung eines Fabrikgebäudes für dieselbe usw. baldigst in Angriff nehmen lassen, damit keine Arbeitslosigkeit ein- treten kann. Die Baumaterialien sind bereits im Preise gesunken, so kosteten früher 1000 Russenfteine 24 Mk., jetzt werden sie mit 15 Mk. angeboten. — Unter den neu angekommenen Kurgästen befindet sich Mr. Johnstone, der englische Gesandte aus Darmstadt, mit Familie. -tt- Rüddiugshausen, 12. Juli. Die DiphtheritiS hat in unserem Orte noch nicht ihr Ende erreicht. Gegenwärtig liegen noch etwa 10 Kinder krank. Der Impftermin mußte daher bis auf weiteres verschoben werden. fc. Budenheim, 12. Juli. Die Unsitte, Detroleum m glimmendes Herdfeuer zu gießen, hat hier em blühendes Menschenleben vernichtet. Die in Sidney geborene 17jährige Tochter des vor acht Wochen aus Australien zurückgekehrte« von hier gebürtigen Metzgers Schell wollte das Herdfeuer mit Petroleum anfachen. Dabei explodierte die Kanne, und im Nu stand das Mädchen vollständig in Flammen. Es lief brennend in eine nebenan gelegene Wirtschaft, wo man die Flammen erstickte. Die Brandwunden waren jedoch so schwer, daß das Mädchen noch in der Nacht, trotz rasch herbeigeholter ärztlicher Hilfe, starb. Ruppertsburg, 12. Juli. Al- heute früh das Dienstmädchen des Bäckers und Landwirts Karl Schlörb den Viehstall öffnete, gewahrte es, daß zwei Kühe die Nacht über verendet waren. Die Kühe sind anscheinend erstickt, die eine Kuh lag mit dem Kopfe unter dem Körper der andern, wodurch ihr die Luft abgeschnitten war, die andere hatke sich, infolge der krampfhaften Bewegung unter ihr, liegend mit dem Kopfe rückwärts gezogen, wobei ihr die Kette den HalS zuzog. So ähnlich wenigstens muß der Unfall geschehen sein, denn die Kette war so fest angezogen, daß sie abgehauen werden mußte. Die Leute, welche sofort herbeieilten, haben alle einen solchen Vorfall noch nicht erlebt. Für den Betreffenden, der nicht versichert ist, bedeutet dies ein empfindlicher Schaden. k- Vom Rhein, 12. Juli. Nachdem die Köln-Düffel- dorfer Dampfschiffahrts - Gesellschaft ihren Rückfahrtskarten eine 45tägige Giltigkeitsdauer verliehen hat, macht die Niederländische DampfschiffahrtS-Gesellschaft jetzt bekannt, daß ihre Rückfahrtscheine eine GiltigkeitS- dauer von einem Jahre haben. Mainz, 12. Juli. Wie das „Köln. Tagebl." bestimmt erfährt, wird um die Mitte des August in Mainz eine Monarchenbegegnung stattfinden, die in ihrer Art fo interessant ist, daß man ihr wohl eine höhere politische Bedeutung wünschen möchte, als ihr nach Lage der Dinge bei- gemeffen werden kann. Der König von England, der das Bad Homburg auch in diesem Sommer besuchen wird, Kaiser Nikolaus von Rußland, der im August mehrere Wochen am nahe verwandten hessischen Hof ver- weilen wird, und der Deutsche Kaiser werden in der ehemaligen Bundesfestung Mainz zusammeutreffen. Den äußeren Anlaß bildet die dort stattfindende große Parade; bei den verwandtschaftlichen Beziehungen der drei Monarchen liegt eö nahe, daß sie eine solche Gelegenheit zum gemeinschaftlichen Wiedersehen nicht ungenützt vorübergehen ließen. — Vorgestern ist hier das Radfahrer-Detachement Arbeitrihemegung wurde kürzlich zu fünf Jahren Kerker verurteilt. Er wäre von einem GehMen möget tlf, daß btr bctr. (uns von sonst zuvrr- billiger weggekommen, hätte er sich mit seinem Buren- lässiger Seite zugestellte) A titel nicht ganz den Thatfachm entspreche ifhnvinhr't rim'r 4ii eien ab reffe iiii SVrüaier uiib einem ütdücii u d geeignet sei, ^einerfetls Itn Publikum falsche Begriffe von bet -LLnTÄta bÄ- er E W Berechtigung der von den Gehilfen gestellten Forderungen zu erweck-n, ?urenfest rn den hatte umH J bfiS -ines Teil« der Mitglieder d-S Bücket- Dalma . 196 40 Gewicht. Wetter 2 I>ie heutige Hlummer umfaßt 16 Seite«. Heller Himmel Sonnenschein Sonnenschein 8C/0 Portugiesen 8 o/o Mexikaner . 4*/b °/o Chinesen . 4- 31.60 C. 4- 12.1» C. . 100 80 . 90 30 . 100.80 . 90.50 . 98.00 . 97.00 43.00 . 25.70 . 26.20 . 80.30 Tendenz s ec- l . 17; 80 . 123 90 . 124 40 . 131 40 . 133 50 . 172.00 . 178 20 . 161 50 . 148 00 Kreditaktien . . Dißkonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges* Oeaterr. Staatshalt Gotthardbahn . - Laufahütte . • • Bochum . . . « Harpener ... schwach. und verbreitete sich mit größter Schnelligkeit auf die gesamten Mälzereianlagen, welche völlig ausgebrannt sind. Dagegen ist die Brauerei gerettet und die Maschinen- und Kesselhäuser sind erhallen wordeu, ebenso der Lagerkeller mit etwa 10 000 Zentner Malzvorräten. Rach Mitteilungen von zuständiger Stelle erleidet der Betrieb der Brauerei und der Versand keine Unterbrechung. Das Feuer war um Mitternacht noch nicht völlig gelöscht, doch ist bei der herrschenden Windstille die Gefahr der Weiterverbreitung ausgeschlosien. Horuberg, 13. Juli. In dem Orte Tennenbronu wurden gestern abend durch eine Feuersbrunst 24 Häuser, darunter die evangelische Kirche und die Schule, eiugeäschert. Zahlreiche Familien sind obdachlos. Die EntstehungSurs.che des Brandes ist noch nicht bekannt. Chicago, 12. Juli. In der heutigen Versammlung der Vertreter der Hauptbahnen des Westens wurde die völlige, unbedingte Wiederherstellung derFrachtsätze offiziell beschlossen. Auch der von der Kommission entworfene Plan der Teilung des Geschäfts unter den Bahnen wurde von allen, mit Ausnahme der Chicago-Great-Wertern-Bahn, angenommen, welche einwilligte, die Frachtsätze beizubehalten, jcdoch erklärte, sie wolle unabhängig ihr Geschäft machen. Still NNW. ESE. reHamen soll Strohmayer teilweise schuldig geblieben sein. Ein anderer kühner Unternehmer, der ein Jahr lang mit seiner Maitresse von Burenbegeisterung lebte, Kapuschka, VLckerstreik. Za unstet Notiz in Nr. 162 ds. Bl. wird uns von einem Gehttten möget tlf, daß btt bctr. (uns von sonst zuver- S •e *s -2 i Aechf nur in versiegelten \ß grünen Packefen ä 30u.50Pfg. Tötet sicher alle Jnsecten sammt Brut. seit 30 Jahren. * Die Opfer der Leipziger Bank. Vom Regen in die Traufe gekommen ist die Witwe Grünewald in Leipzig, die sich in 50jähriger Thätigkeit als Viktualien- händlerin ein großes Vermögen erworben hatte. In der Nacht zum 21. Mai 1900 wurde ihr das gesamte Vermögen durch Einbruch geraubt, indessen nach der Ergreifung der Diebe wieder herbeigeschafft. Glücklich! hierüber, beschloß die alte Frau, den Mammon nicht wieder in einem alten Spind ihrer Wohnung aufzubewahren, trug ihn zur — Leipziger Bank und hat nun abermals einen großen Teil des Geldes — leider endgiltig — verloren. — Ebenfalls ein Opfer ist in Bezug auf seine pekuniären Verhältnisse ein Leutnant in München geworden. Dieser hatte erst kürzlich« geheiratet und die Mitgift seiner Braut im Betrage von 70 000 Mark von seinem Schwiegervater in Aktien der genannten Bank empfangen. Nun sind diese so gut wie wertlos. — Ein in Lohme auf Rügen zur Kur weilender Gast, der bei der Leipziger Bank mit seinem Vermögen stark engagiert ist, machte bei dem Eintreffen der Nachs- richt von dem Bankkrach einen Selbstmordversuch; er schoß sich eine Kugel in den Kopf und liegt hoffnunghlos darnieder. * P a r i s, 12. Juli. Der Luftschiffer Santos Dumont unternahm heute vormittag bei fast windstillem Wetter mit dem von ihm erfundenen Luftschiffe mehrere Fahrten, die, wie Augenzeugen versichern, vollständig gelangen. Santos Dumont stieg in St. Cloud auf, machte fünf Rundfahrten oberhalb des Rennplatzes von Longchamps im Boulogner Wäldchen und kehrte sodann nach, dem Ausgangspunkte zurück. Auf Wunsch seiner Leute, die von dem Ergebnis der Fahrt überaus befriedigt waren, unternahm Santos eine Fahrt nach dem Eiselturm. In der Nähe des Turmes riß ein Steuerseil. Santos landete vor dem Trocadero, besserte den Schaden aus und erhob sich neuerdings zur Spitze des Eiffelturms, fuhr um denselben herum und kehrte zur Abfahrtstelle nach St. Cloud zurück. Morgen unternimmt Santos abermals eine Fahrt, um sich um den 100 000 Francs-Preis des Aero-Klubs zu bewerben, den der Großindustrielle Henri Deutsch für das erste lenkbare Luftschiff gestiftet hat, das innerhalb einer Stunde eine bestimmte Zahl von Kilometern zurücklegen und an den Ausgangspunkt zurückkehren sollte. * Wien, 12. Juli. Jetzt ist der Gründer der Wiener Volksoper, die mit gewaltigen Zeitungsreklamen und vielen berühmeten Namen als Schützern und Stützern ins Leben trat, der kaufmännische Direktor des „Wiener Musik-Ver- lagshaus" und Vize-Generalsekretär des großen „kaufmännischen Vereins", Strohmayer, plötzlich mit Hinterlassung von Fehlbeträgen in verschiedenen von ihm verwalteten Kassen unsichtbar geworden. Wie weit das „Musikverlagshaus", das in Wien sechs Zweigstellen errichtet hat, betroffen ift, wurde noch nicht festgestellt. Die Zeitungs- Meteorologische Beobachtungen der Gtatiov Gieße«. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt, den 13. Juli Dichte.preiswürdige.schöne.dauerhafte MG HO ffl stelle man her aus den ■V™ fU/flAF ächten Andernachs fahrt jityte JWw Mld A sphalt Steinpappen aus der Fabrik von A.W. Ander nach in Beuel am Rhein •»Muster. Anleitung, .ßemeise über .ßeurährung postfrei und umsonst Zu haben in Gießen auf der Fabrik - Niederlage bei Herrn Willi. Textor. Walliborstraße 6. 8 Höchste Temperatur am 11.—12. Juli Niedrigste ________, , - Lande! und Verkehr. Volkswirtschaft. Gieße«, 13. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JC 0.90—1.10, Hühnereier per St. 0—0 L, 2 St. 13—14 «j, Enteneier 1 St. 7—8 «J, Gänse« eiet per St. 11—12 Käse 1 St.5—8 a,, Käsematte 2 St. 5—8 Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 34 , Tauben per Paar JK 0.80—1.00, Hühner per St. M 1.00—1.50, Hahnen per Stück jft 0.80—1.50, Enten per St. M 2.00—2.20, Gänse per Pfd. jt 0.00 Bifi 0.00,'Ochsenfleisch per Pfd. 66—76 , Kuh« und Rindfleisch per Pfund 60—64 Schweinefleisch per Pfd. 64—74 L, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 78 L, Kalbfleisch per Pfd, 60—66 &, Hammelfleisch per Pfd. 50—70 d, Kartoffeln per 100 Kilo 7.00-11.00 ^Weißkraut per St. 00—00 Zwiebeln per Ctr. JK, 8.00—8.50, Milch per Ltter 18 jj. Kirschen per Pfd. 15-20 Pfg. Dauer der Marktzeit von 7 Uhr vornnttags brs 1 Uhr mittags. Grünberg, 13. Juli. Fruchtmorkt. Durchschnittspreis pro 100 KUo. Weizen 17,50 Mk., Korn 15—15,25 Mk., Gerste 15,10 M., Hafer 15—16 Mk., Erbsen 20 Mk.,' Linsen 00,00 Mk., Samen 00,00 Mk., Wicken 00,00 Mk., Kartoffeln 5,00—6,00 Mk. __ Temperatur der Lahn und der Luft. 13. Juli. Nach Reauwur gemeßen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. «.Wasser 21», Lust 24°. des 18. Armeekorps zusammengetreten. Es find dies üb.r ; 100 Mann aller Truppenteile des Armeekorps Bezirks, Unter Offiziere und Mannschaf!en, sowie auch Offiziere. Das l Detachement, daS von Oberleutnant Ewald vom 3. Großh. } Hess. Infanterie Regiment Nr. 117 befehligt wird, ist in der , Bauhoskaserue untergebracht worden. — Am 11. Juli nahm Direktor Lindenfchmidt von Mainz in Anwesenhett des , Pfarrers Dr. Probst eine Untersuchung des in Bretzen heim gefundenen Steinsarges vor. Dieser enthielt daS Skelett eines Menschen, der von außergewöhnlich starker ■ Körperkonstitution gewesen sein muß, und drei gut erhaltene Glasaefäge. In einem der letzteren befand sich noch em Rest aromatisch n OeleS. DaS Alter des Steinsarges wurde von Direktor Lindenschmitt auf 1600 Jahre geschätzt. Der Fand ist in allen seinen Teilen dem Museum in Mainz zu, gewiesen worden. »» Kleine Mitteilungen aul Hessen und den Rachbarstaate». Durch Stiche mit einer Mistgabel wurde ein Oekonom in Grün berg von seinem bei ihm lebenden Schwager, mit dem er in Streit geraten war, schwer verletzt; besonders steht der Verlust des einen Auges zu befürchten. — Am 5. August d. I. begeht Oberlehrer Weifenbach in Alsfeld sein 50jähriges Berufsjubiläum. Seine erste Lehr- thätigkeit übte er am damaligen Institut des Pfarrers Schick zu Laubach aus. — Erhängt hat sich in der Mittagsstunde in dem Aborte eines Branntweinausschankes der Altstadt zu Offenbach der 50 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter Th. Schwarz, der früher in der Sterngasie ein kleines Tabak- geschäst betrieb, in letzterer Zeit aber dem Alkoholgenuß sehr stark ergeben war. — Am Dienstag nachmittag wurde in Hanau, Büdingen, Offenbach, Säckingen und anderen Orten ein riesiger Ballon bemerkt. Das interessante Schauspiel hatte zahlreiche Neugierige zur Beobachtung ins Freie gelockt. Nach dem Abzeichen zu urteilen, ist der Ballon von der Luftschifferabteilung Berlin losgelaffen. — In dem Keller des Hauses Zanggasse 28 in Mainz wurde die Leiche eines neugeborenen Kindes, daS bei der Geburt gelebt, aber getötet wurde, aufgefunden. Als der That dringend verdächtig wurde in Wiesbaden die Luise Schneider aus Erbach im Odenw. gebürtig verhaftet. — Ein Segelschiff aus Xanten geriet am Mäuseturm bei Bingen durch den starken Nebel und andere Windrichtung aus seinem Fahrwasser und trieb gegen die Kippenmauer des neuen Fahrwaffers. Es erhielt verschiedene Leckagen und sank. DaS neue Fahrwaffer ist für einzelne Schiffe offen, aber für den Schleppschifffahrts- verkehr gesverrt. Vermischter. * ueber die m aßlose Verschwendungssucht des Direktors der Kasseler Treber-Trocknungs - Gesellschaft, Schmidt, wird aus Gr.-Tabarz folgendes gemeldet. Schmidt kam im vergangenen Sommer mit einer eigenen Konzertkapelle dort an, und nahm mit derselben in einem ersten Hotel Wohnung. Er gab nie unter 20 Mk. Trinkgeld; sein täglicher Aufwand wurde auf über 1000 Mk. geschätzt. Nach einigen Tagen reiste der Direktor mit seiner Kapelle von Gr.-Tabarz nach dem Jnselsberg und von dort weiter^ überall mit einem fürstlichen Aufwand auftretend. * Essen, 12. Juli. Die Eingemeindung von A l t e n do r f in die Kommune Essen wurde durch Kabinettsordre zum 1. August genehmigt. Essen hat dann 180 000 Einwoh n er. * Leipzig, 12. Juli. Die BrauereiRiebecku. Co. ist durch eine Feuersbrunst vernichtet. Die gesamte Feuerwehr Leipzigs und der vielen Vororte sind energisch thätig, um den Brand zu lokalisieren. Das Sudhaus ist teilweise erhalten geblieben, so daß der Betrieb nicht gestört wird. Ein Feuerwehrmann ist schwer verletzt. Ein Zuschauer erlitt durch den Zusammenbruch! einer Bretterbude einen Beinbruch. Der Brand ist hier der größte auch Hunderte von SteÜensuchenden mit erheblichen Kan- SV RÄl der gerAtm Sache wavkm tionen" angestellt, und sie um ihre letzte Habe gebracht, machen." W iter entsoreche es nicht den Thatsacken, daß kteBäckn- was strenge Bestrafung erheischte. — Die Zeitungen bringen g(f flen Jur Ejnsidtt gekommen und an ih-e Backuöge zurückgekehrt ans Graz die Verlobungsanzeige: „Ella v. Grasenberg feien (l tzle^es tft doch der F-ll gewesen). Die Lohr kornmission habe und Balays-Joska, Verlobte". Der Zigeunerprimas Balays- d r I.nung bebtut.nb reduzierte Forderungen dngaeiat, um eine "wska soll sich durch seine bezaubernden ungarischen Weisen fcirdttcherSiUigung der Bewegung zu ermöglichen. Auch entspreche der steirischen Braut, die 200000 Kronen besitze, ins Herz es 'icht denToatsachkn, „daß innerhalb der Gesellen-Veretntgung keine r horamAfirfii' tSröfckm ftS 6efcbichte ®Waung zu Ltandr gekommen zu sein scheine, es sei vielmehr in der gefiedelt haben — ^Z,Eine herzogliche M-chckaft.ge; >i )te. GehUfen-Vers.mmlung eine E nmütigkeit zu Ta°e get den, bte zu den Die halbamtliche ,,Wwne^^ndpoch ^richtet, daß $offnunßen berechtige." Tie Zusch ist schli.ßt damit, daß Erbansprüche an den Nachlaß de» am,4 April Der-1 mcnJ1 öon €etten btr $trr,n Meister daS An erbieten der Gehilfen storbenen Erzherzogs Ernst, die durch Geschwister Walburg Kur fikbltchm Beilegung der Bewegung ebcclebnt weid'« sollte, die- erboben wurden, vom zuständigen Obersthofmarschallamt selben dann für die Folgen auch dnzustehen hätten." (Wie wir er- unbedinat abaewiesen worden seien. Auch hätten die Ge- fahren, haben die Meister auch die neuerlich gestellten Forderungen ickmn'ster Walbura keinen Anspruch auf ein Adelsprädikat, abgttehnt, weniger wegen der Höhe des Lohne«, als deshalb, weil die to/ hPT Neuen dreien Presse" stützen sie jedoch ihre 'N Gießen obwaltenden Verbällnisse im Bäckergewerbe das Wohnen Nach der ,,Reuen. Freren i ^simile der Gesellen außer dem Hause der Meister nicht gestatten. Die Lohn- Ansprüche hauptsächlich! auf das photographische m e anfptü4c bflt,en bf| @e?eUen auf 24, 22 und 19 Mk. reduziert) einer Eintragung imTrauungvbuch der A?^Vsa^re von _ Wetzlar, 12. Juli. Auch die hiesigen Bäckerei- Laibach, wo verzeichnet sieht, daß am 2 . ~ p . arberter haben ihren Meistern einen neuen Lohntarif vor- Gornisonkaplan ^oseph Sameyzz Erzherz g Itzbkegt, in dem zunächst die Forderung erhoben wird, daß ungarischen Gutsbesitzerstochter ^ura v. ^kublitz unt ker bisher fast durchgängig geübte Brauch, wonach die Ge- Namen Laura Freifrau von Walburg uiorganatisck) g - , Kost und Logis im Hause des Meisters erhalten, in traut worden sei. Freifrau v. ^albu^g, st^-b , aufhören soll. Die hiesigen Bäckermeister haben Hinterlassung von vier Kindern. C* Wmt f zu diesen Forderungen bereits Stellung genommen und vorzulicgcn, daß eine erzhcrzoglrche Ehe, °bw°hl^katho. t n ^Msen. lisch geschlossen, rechtsungiltig ist, weil ihr die erforder- , .. b™wurde Graf P°t«cki Uemstk Melüungen. ersten^aaliris^chm"FÜmlliei^ÄrwaiM^Der^ZI^jährige I B-rliu, 13. Jule Der .Lok..«-,.» meldet aus ftöln: bat ch^wenigen Jahren ein Vermögen von zwei Millionen Die Attentäter, welche chngst auf den Schnellzug Koblenz- Gulden verpraßt ^unb lebte in der letzten Zeit ausschließlich Köln einen Anschlag verübten, indem ste schwere Schwellen von Schwindeleien._________________________ siuer über das Geleise legten, find ermittelt worden. Vier i ' «davon sind bereits verhaftet. Es find Italiener. — Dafl« Gerlchtssaai. selbe Blatt meldet ferner aus Kassel: ES ist nunmehr D. Gießen, 13. Juli. (Kriegsgericht.) Nach!zweifellos festgestellt, daß der Direktor der Trebergesellschaft, längerer Pause fand heute wieder eine Kriegsgerichts-1Schmjidt, Donnerstag Nacht im benachbarten Grebenfiem itzung statt. Kriegsgerichtsrat Heß leitete die Verhaud-1xingestiegen ist mit einem Billet nach Düffeldorf. Er ist lung. Als Vertreter der Staatsanwaltschaft fungierte nch^rlich nach Holland geflüchtet. Kriegsgerichtsrat Obenauer; die Verteidigung lag tn ßeiitaig, 13. Juli. Das Feuer in der Riebeckschen den Händen des Justizrats Metz. Den einzigen Punkt der . Treppenhause der Mälzerei Nr. 1 aus Tagesordnung bildete die Verhandlung gegen den Krcmken- maueret oracp tm ^reppenyaufe -----» r ... -------- Wärter Adolf Merx am hiesigen Garnisonlazarett. Er ist beschuldigt, am 8. Juli das Schränkchen des Militärkranken-! Wärters Heinrich En g e l mit einem nicht zum ordnungsmäßigen Gebrauch bestimmten Schlüssel geöffnet und 43 Zigarren daraus gestohlen zu haben. Die Verhandlung ergiebt folgendes: Militärkrankenwärter Engel war mit dem Angeklagten nachmittags gegen 3 Uhr auf derselben Stube. Er hate in seinem Spind ein Kistchen nut 100 Zigarren. Der Angeklagte schnd in der Nähe des geöffneten Schränkchens, sodaß er die Zigarren sehen konnte. Engel verließ kurze Zeit darauf, nachdem er das Lchrant- chen verschlossen hatte, die Stube, während Merx darin zurückblieb. Als Engel gegen Halb 8 Uhr zurückkam, fand er das Spind geöffnet und entdeckte, daß ihm 43 Zigarren fehlten. Der Verdacht, sie gestohlen zu haben, fiel natürlich auf den im Zimmer zurückgebliebenen Merx. Von Engel aufgefordert, sein Schränkchen zu öffnen, erklärtes er, den Schlüssel dazu nichl bei sich zu haben. Wahrend^ nun Engel den Tiebstahl zur Anzeige brachte, begab fich Merx nach der Badestube, angeblich um dort seinen Schluffel zu holen. Er öffnete auf die Aufforderung des Poüzei- offiziers sein Spind. Es ergab sich, daß keine Zigarren ; mehr darin waren. Die vernommenen Zeugen bekundeten, aber, nachmittags im Schränkchen Merxs 20 30 Zigarren 1 gesehen zu haben. Tie Zigarren hätten ungefähr dasselbe ; Aussehen gehabt wie die des Engel. Befragt, wo dikfe ; hingekommen seien, erklärte Merx, er habe sie verbrannt, weil sie zerdrückt gewesen wären. Merx benutzte also die kurze Zeit, in der Engel die Polizeiwache benachrichtigte, dazu, die Zigarren aus seinem Schränkchen zu nehmen und im Badezimmer zu verbrennen. Trotz der Aufforderung, angesichts des erdrückenden Indizienbeweises lieber ferne Schuld zu gestehen, wodurch er die ihn treffende Strafe mildern könne, blieb Merx hartnäckig bei seinem Leugnen , ä _ ~ (besonders auch in stall- Aus dem Zeugenverhor ergab irch übrigens day Merx iwX ll©g©Xl, ungen), Flöhe, Schnacken, Verdacht steht, auch noch andere Liebftahle ausgesuyrt u. s. w. ist die Wirkung des Dalma geradezu überraschend zu haben. Der Vertreter der Staatsanwaltfchaft )praa)il d von keinem anderen Mittel erreicht. In 10 Minuten lebt dem Angeklagten zwar mildernde Umstände zu, toegen ber kein stück mehr. Garantiert giftfrei. Fabrikant: Apotheker E. Lahr Geringfügigkeit des Wertobjektes und seiner bisherigen Würzburg. In Giessen zu haben in d. Hirsch-Apotheke Unbescholtenheit, beantragte aber wegen schweren Dieb- und bei Aug. Noll, Drogerie i#.m roten Kreuz. __________4548 stahls eine Gefängnisstrafe von neun Monaten und Ver-' — setzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes. Ter Verteidiger stellte den Antrag, den Angeklagten freizusprechen ober doch nur wegen Genußmittelbiebstahls auf eine Haftstrafe gegen ihn zu erkennen. Er hob in seiner Verteidigungsrebe hervor, daß die von den Zeugen gemachten Zeitangaben differierten und baß sie auch nicht tm stanbe seien, anzugeben, baß die von ihnen bei Merx gesehenen Zigarren von derselben Sorte wie die des Engel gewesen seien. Ter Gerichtshof erachtete den Indizienbeweis als ausreichend und verurteilte den Angeklagten wegen schweren Tiebstahls, unter Annahme mildernder Umstände, . Betohianleihe zu sechs Monaten Gefängnis und Verätzung in i>teLLe zweite Klasse des Soldatenstandes. Bei der Bemessung ber 8t/| r/0 Koneols . . . Höhe ber Strafe fiel das hartnäckige Leugnen des Ange- ho/e do ... klagten und die durch seine Handlungsweise einem Käme- BV«c/a Heesee . . . raden gegenüber gezeigte niedrige Gesinnung mit Men. Juli Barometer auf Oo 1 reduziert Temperatur der Luft Absolute | Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit 12. 9« 748,8 4-121,1 13,1 71 13. 7“ 748,9 4- 17,2 10,7 73 13. 2« | 747,6. 4-30,0 9,3 29 gilüti) der GmnbcdMk W> I °K > fr dos Mite GksGstgjchr!Mrtschast rur Stadt Tid) vom 1. April 1900 bis 31. Marz 1-01. Publikum, freunden und Bekannt- Jt Jt I Wirtscha/L zur Stadt Lich 24 000 an der neuen Kaserne 02719 25 150415 H 500 Antritt 20 ^fg. H. 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