sm ahm. lsterbttebeueu. 1901. i. April, naimitfQflS itt 01358 unsere liebe Mutter, mtler MW« W stMo»*» Bö® diatomliiBtoEif mhiBiobai EtoliM Hoch- ui Tiiftn Sta.Wcb.Auf.icbU gaPrtp.te^iCT i Bis jum 8k ttprtl Weck N* /ober zu Mn aeM. ne Wohnung befindet g >n hrntr an SM q , Gasthaus Z M SöVtN g (Mmtves). 0 ießrn, ». April Ml. g , Koehler,g Thittarrt. o 0flk.BeiohDODg ,en, d-r * Landes ohve 3^ °n «tfÄf -sSrs >f“Ä e»»1" >°be 1es neuen Komitees, dem der Vorstand des Laalbau- Woöerk Schumanns Iaustszenen. Gießen, 13. April. Wir waren vor einiger Zeit in der Lage, unfern Lesern Mitteilen zu können, daß Universitätsmusikdirektor G. trautmann mit seinem akademischen Gesangverein eine Aufführung von Robert Schumanns Faustszenen vorbereitet. Wir wiesen damals in einigen Worten auf die Größe der tufgabe hin, die außergewöhnliche Anforderungen an alle Mtwirkenden, Dirigent, Chor, Orchester und Solisten stellt. Wir dürfen ja nach den Erfahrungen der letzten Jahre damit rechnen, daß die Ansttengungen ihren Lohn finden »erden, vor allem in der Anerkennung eines zahlreichen inb kunstsinnigen Publikums; und so dürfen wir auch diesmal der bestimmten Erwartung Ausdruck geben, daß die herrlichste Komposition der erhabensten Szenen aus Äoethes Faust einen reichen, überreichen Zuhörerkreis finden »erde. Heute sei es uns erlaubt, soweit unsere schwachen Ääfte dazu hinreichen, dieser Aufgabe gerecht zu werden, hier ein wenig näher auf die textliche Gestaltung des Werkes einzugehen, wie es Schumanns musikalisches Genie aus dem erhabenen Grundtext zusammenstellte. Ta man ein Werk, wie Faust, nicht oft genug lesen kann, wir auch an dieser Stelle nicht den Raum zur Verfügung haben, um den Schumann schen Text vollständig zu bringen, so dürfen ruir eben hiervon wohl absehen. Wer Interesse an unseres •'dptmann unübertrefflichem Werke nimmt, wird ja mit ümerfter Freude seinen Goethe zur vand nehmen, um sich O"»lich in den Geist des Grundtextes zu vertiefen, sich! so völlig selbst hineinzuversetzen, wie es diese Zeilen gewiß nicht vermögen. „Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust, Tie Eine will sich von der andern trennen; Tie Eine hält in derber Liebeslust Sich an die Welt mit flammernben Organen; Die andre hebt gewaltsam sich vom Tust Zu den Gefilden hoher Ahnen." Schumann hat diese Worte nicht in Musik gesetzt, aber fast mehr noch seiner Szenen Auswahl, als dem Grund- text, könnte man sich versucht fühlen, gerade diese Worte als Motto voranzustellen; sie enthalten gewissermaßen den innersten Kem des tragischen Konfliktes in Goethes Faust, und mit den kurz vorhergehenden Worten: O glücklich, wer noch hoffen kann. Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen! ist das ersehnte Ziel, die etftrebte Lösung im allgemeinen angedeutet. Wir haben hier die beiden Elemente des Konflikts und das vorgezeichnete Ziel; Schumann in der ge- gewählten Szenenauslese hat es in der glücklichsten Weise verstanden, beide Elemente und vor allem die schließliche Lösung zu verkörpern, wobei er natürlich die Kenntnis der Dichtung im übrigen voraussetzt und nur überall die Höhepunkte der Handlung bringt. Daß er sich dabei nicht hat verleiten lassen, einseitig nur solche Szenen zu bringen, die für die musikalische Änkleidung hanz hervorragend geeignet erscheinen müssen, verdient besonders hervor- gehoben zu werden. Die Treue, in der er dem Goethe'sck^n Text, im Gegensatz zu Gounod und andern, bis auf eine einzige Stelle — und diese Abweichung ist höchst tnter» essant — folgt, zeigt und beweist uns, in welcher herrliche« Weise Schumanns Genius in dem Goethes aufging, wie es ifm einzig und allein barauf ankam, der Trchtung gerecht zu werden. Und das ist ihm in geradezu wunderbarer Werse gelungen. ... ., , Schumanns Faustszenen beginnen textlich mit der Gartenfzenc zwischen Faust und Gretchen ; daber blerbt all^ fort, was nicht allein dienlich ist, den völligen oieg Fausts, die völlige Hinneigung Gretchens darzuthun. Noch aber folgt sie ihm nicht. Aber der Hörer weiß ja alles, wte eS tarn und wie es kommen wird, und Schumann darf deshalb alsbald weitergehen und alles Zwischenliegende überspringen; er wählt mit unverkennbarem Geschick sofort die Szene im Zwinger, da Gretchen ihren Schmerz bekennt unb hilfeflehend betet: „Ach neige, Du Schmerzensreiche, Dein Antlitz gnädig meiner Not!" Es ist interessant, daß Schumann davon absieht, das gerade für die musikalische Interpretation so dankbare Lied Gretchens am Spinnrad zu übernehmen. Es würde für de« Musiker« zwar sehr verlockend sein, aber es würde die Entwicklung zu sehr verzögern, und Schumann will vor allem die Lösung bringen, und nicht bei allem dem verweilen, was er als bekannt ja doch voraussetzen kann; das ist zweifellos eine große Erleichterung für den Komponisten, der leine Oper geben will. <5b übergeht jetzt die Valentin-Szenen und bringt sofort die Szene im £>om mit dem gewaltigen .Dies irae\ A,r11nh ocnüaenb Mit diesen wenigen Szenen ist bei Gruuv genugemv gelegt- es ist die tragische Schuld Fausts für die folgende Vertonung der zur Erlösung und Verklärung hrndrängenden und des Theatervereins zugezogen wird und das mit aller Energie die Ausführung eines Theaterbaus betreibt. Schneidiges Vorgehen ist unbedingte Notwendigkeit. Nur dann kann die Gießener Theaterfrage zu einem baldigen glücklichen Ende geführt werden. Tie Frage wird um so schwieriger, je länger sie hinausgeschoben wird. Hier fallen die idealen und wirtschaftlichen Interessen der Stadt zu sarnrnen. Ein gutes Theater fördert allenthalben den Zuzug neuer steuerkräftiger Bürger. Der Bau eines großen und würdigen Schauspiel- und Konzerthauses, in dem neben dem Theater gleichzeitig alle größeren Konzerte und Festlichkeiten abgehalten werden würden, könnte von Seiten der Stadt als ein rein kaufmännisches Geschäft betrachtet werden, das sich, bei entsprechenden Fonds, nicht unrentabel erweisen dürfte. Ein scherzhaftes Schauspiel bieten die „Kreuz-Ztg." und das „Kl. Journal", das bekanntlich den Spitznamen „die jüdische .^kreuzztg." führt. Die beiden Blätter streiten sich nicht sowohl um des Kaisers Bart, als um des Kaisers Naturell. Die „Kreuz- Zeitung" schreibt: „. . . Dagegen bedürfen bloße Gefühls- und Meinungsäußerungen des Monarchen, Proklamationen an das Volk, Regierungsprogramme und gar Danksagungen für Huldigungen, Beglückwünschungen usw. keiner ministeriellen Gegenzeichnung..... Selbst wenn wir, was Gott sei Tank nicht der Fall ist, in einem unbedingt und uneingeschränkt der konstitutionellen Schablone huldigenden Staate lebten, so wäre doch unserm Monarchen kein Schloß vor den Mund gelegt, das er nur in Gegenwart und unter Verantwortung eines Ministers öffnen dürfte. Ter König von Preußen ist noch ein sehr wesentlicher Machtfaktor, seine persönliche Ueber- zeugung, sein persönlicher Wille sind Momente, mit denen staatsrechtlich und politisch gerechnet werden muß. Er ist kein roi faineant (König Nichts) der konstitutionellen Theorie, und ist nicht bloß der Name, unter dem die Parlamentsmehrheit die Staatsgeschäfte führt; ihm ist nicht das Recht entzogen, seine individuelle Ansicht zu äußern; zumal wenn es ein Monarch ist, der mit dem Dichterfürsten von sich sagen kann: „M i r gab ein Gott, zu sagen, wie ich leide". Und daß dies so ist, das werden spätere Generationen vielleicht besser einsehen, als die jetzige, die nicht weiß oder doch sich nicht immer so voll bewußt ist, was sie der festgefügten und machtvollen Krone von Preußen verdankt." \ Das „Kl. Journal" erhebt sich entrüstet gegen die Schilderung der „Kreuz-Ztg.", die den Kaiser fälschlich geschildert habe „als einen Traurigen und Verzweifelnden, als den duldenden und kummervollen Tasso, der die Worte spricht: Die Thräne hat uns die Natur verliehen, Den Schrei des Schmerzes, wenn der Mann zuletzt Es nicht mehr trägt. — Und mir noch über alles — Sie ließ im Schmerz mir Melodie und Rede, Die tiefste Fülle meiner Not zu klagen: Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, Gab mir ein Gott, zu sagen, wie ich leide." Das Journal wendet sich weiter gegen die Auffassung der „Kreuz-Ztg." in einer Heftigkeit, die nur zu erklären ist aus der Befürchtung besonderer Wirkungen ihrer Kaisercharakteristik. Es sagt: „Nichts ist falscher und gefälschter als diese Auffassung. Wer den Kaiser bei seinen Ausfahrten in den Ostertagen beobachtet, wer gestern wahrgenommen hat, mit welcher Freundlichkeit und guten Laune der Herrscher seinen Gast, den jungen Großherzog von Sachsen-Weimar empfing, wird vergeblich suchen, „die ganze Kunst des höfischen Charakters" der „Kreuz-Ztg." zu ergründen, um nun einmal bei den Zitaten aus Tasso zu bleiben. Aber selbst abgesehen von diesen Aeußerlichkeiten liegt dem Charakter unsers Königs nichts ferner als stille Resignation. Der Kaiser ist energisch, impulsiv - und seine Worte können manchmal verletzen, wie es jüngst bei der Rede an die Alexandriner der Fall war. Tasso wüßte auch dagegen ein Mittel: Tie Dichter sagen uns von einem Speer, Ter eine Wunde, die er selbst geschlagen, Durch freundliche Berührung heilen konnte. Es hat des Menschen Zunge diese Kraft. Anläßlich jener Aeußerungen sind in der Presse Angriffe gegen das Staatsoberhaupt erfolgt, welche nicht immer maßvoll ivaren; andere Organe haben den Monarchen — nicht immer taktvoll — verteidigt. — Das ist Sache des Gefühls, der Ueberzeugung und des Parteistandpunkts. Freund und Feind werden aber nicht leugnen können, daß Wilhelm II. — und selbst das Ausland erkennt dies unbedingt an — die m a r k a n t e st e Persönlichkeit unserer Zeit auf dem Herrscherthrone ist, vielleicht gerade deshalb, weil er seine Meinung zu jeder Zeit frei und unumwunden äußert. Tas Bild einer solchen Individualität in den charakteristischen Konturen zu verwischen, ist ein strafbarer Versuch, und man wird für denselben an der maßgebenden Stelle wenig Tank wissen. In ein schiefes Licht gerückt, nehmen sich die Dinge anders aus; das Unterschieben einer t hat sächlich nicht vorhandenen Gernütsver- st i m m n n g führt zu einer falschen Beurteilung — und um dies zu verhüten, gedenke man der Worte Tassos: Es ist nicht klug, es ist nicht nwhlgethan. Vorsätzlich einen Menschen zu verkennen, Er sei auch wer er sei. . . ." Tie „Kreuz-Ztg." verherrlicht des Kaisers Dulder- Individualität, deren Größe in der freien Aussprache der Leiden und Uebel der Zeit liege. Nur Kirche und frommes Wesen möchte diese verkommene Zeit kurieren können. Dem „Kl. Journal" gilt dieser „Kreuz-Zeitungs-Erguß" als „strafbar" und die Größe des Kaisers ist nicht die des Dulders, sondern die des impulsiv Empfindenden und energisch Handelnden, der kräftig und froh in das Leben blickt, der Flotten baut und den Handel fördert. Wer von den beiden recht hat? Vielleicht beide. Wie sagt doch Grillparzer: „Wir sind nicht immer Herr der Stimmungen, die kommen, wandeln, gehen, von nichts geboren und von nichts gefolgt."_________________________ 15. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie, i. Berlin, den 10. April 1901. Zum dreißigsten Male seit ihrer Gründung trat die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie am Mittwoch, wie alljährlich in der zweiten Hülste der Osterwoche, in ihrem eigenen Heim, dem Langenbeckhause in Berlin, zusammen. Der diesjährige Vorsitzende, Czernys Heidelberg, gedachte in seiner Eröffnungsrede der im verflossenen Jahr verstorbenen Mitglieder, und widmete vor allem dem verstorbenen Ehrenmitglied Ollier Lyon, sowie dem langjährigen Vorstandsmitglied Wagner-Königshütte warmempfundene Worte. In kurzen Zügen entwarf alsdann der Vorsitzende ein anschau- liches Blld des gegenwärtigen Standes der modernen Chirurgie, und beleuchtete die zahlreichen Probleme, deren Lösung noch der Zukunft Vorbehalten bleibt. Er legte auch bei dieser Gelegenheit unter lebhaftem Beifall der Versammlung Verwahrung ein gegen die beabsichtigte Zulassung der Realgymnasial-Abiturienten zum Studium der Medizin. Sämtliche gelehrten Berufe bedürften einer gleichmäßigen Vorbildung und es ist unzulässig, gerade das medizinische Studium herauszugreifen und an ihm herumzuexperimentieren. Der erste Gegenstand der Tagesordnung betraf die Nierenchirurgie. Die Verhandlungen wurden durch einen Vortrag von Küster- Marburg über die Nierenchirurgie im 19. Jahrhundert eingeleitet. Die Methoden, durch die vor operativen Eingriffen an den Nieren deren Funktionsfühigkeit bestimmt wird, wurden in den folgenden Vorträgen von Casper-Berlin und Kummell-Hamburg ausführlich erörtert. — Die folgenden Vorträge von Goldmann-Freiburg und Loewenhardt. Breslau betrafen die Chirurgie der Blase. Ersterer empfahl für einzelne Formen der Vergrößerung der Prostata eine operative Behandlung und zwar die Befestigung der erschlafften Blase an der vorderen Bauchwand durch Naht. — Prof. Dr. v. Bruns-Tübingen berichtet ge- meinschafllich mit Honsell über die von ihm neuerdings geübte Methode der Desinfektion stark verunreinigter (septischer) Wunden mit unverdünnter Carbolsäure. Auch die Vorträge von Fränkel-Wien, Haegler- Basel, Reinbach-Breslau und Blumberg-Berlin bezogen sich ausschließlich auf die Methoden der Wundbehandlung. Auf der Tagesordnung der Nachmittagssitzung standen die zwei wichtigen Kapitel der Kropfoperationen und der Gehirnchirurgie. Als Erster berichtete Kocher-Bern über das zweite Tausend der von ihm selbst ausgeführten Kropfoperationen, deren günstige Erfolge ohne Zweifel der von Kocher glänzend entwickelten Technik der Verwendung stark antiseptischer Mittel und der thunlichsten Vermeidung der allgemeinen Narkose zu verdanken sind. Auch Kraske-Freiburg führte fast alle Kropf. Operationen ohne allgemeine Narkose, lediglich unter Anwendung lokaler Anaesthesie aus und ist überzeugt, daß damit die Hauptgefahr der Operation beseitigt ist. Die in der Diskussion vorgebrachten Mitteilungen von Riedel- Jena, König-Berlin, Rehn-Frankfurt, Goldmann-Freiburg bestätigten im wesentlichen die Erfahrungen von Kocher. Die Verhandlungen über die Hirnchirurgie wurden durch einen Bericht von Krause-Berlin über 27 von ihm aus geführte Reftktionen der Wurzel des fünften Hirnnerven in der Schädelhöhle eingeleitet. Diese Methode der operativen Behandlung des unter dem Namen „Trigeminusneuralgie" bekannten überaus qualvollen Leidens bietet ohne Zweifel beträchtliche Gefahren. — Im Anschluß hieran berichtete Hetdenhain-Worms über 4 von ihm ausgeführte Entfernungen von Hirngeschwülsten (mit Vorstellung von 2 geheilten Kranken), und zum Schluffe sprach Barth.Danzig über die operative Behandlung der eitrigen Hirnhautentzündung (Vorstellung eines gehellten Falles). Durch breite Eröffnung des Rückenwarkkanals gelang es, dem Eiter Abfluß zu ver- chaffen. Der Abend des ersten Sitzungstages brachte eine äußerst intereffante Demonstration von Diapositiven an dem großen Projektionsapparat der Berliner Medizinischen Gesellschaft. Die von Wilms-Leipzig, Sudeck hamburg, v. Mangoldt Dresden vorgeführren Bilderserien ließen deutlich erkennen, in welch hohem Grade Roentgens unsterbliche Entdeckung bereits zum unentbehrlichen diagnostischen HilfsmUtel der modernen Chirurgie geworden ist. Am Morgen des zweiten Sitzungstages wurde zunächst die Debatte über das Kapitel der Hirnchirurgte zu Ende geführt. Krönlein- Zürich hat vor sechs Jahren einen Hirntuberkel mit glücklichem Erfolg entfernt und der Kranke erfreut sich heute des besten Wohlbefindens. Merkens Berlin berichtete über die verschiedenenHirnkompl'katwnen, die im Anschluß an eitrige Mittelohrentzündungen sich entwickeln. — Den Hauptgegenfiand der heutigen Tagesordnung bllden die Schußverletzungen der modernen Feuerwaffen. In großer Anzahl sind zu diesen Verhandlungen die Mllitärärzte erschienen, auch der Generalstabsarzt der Armee, v. Coler, wohnt der Sitzung bei. Den einleitenden Dor trag hält Scherning-Berlin, der auf Grund der Erfahrungen aus dem spanisch- amerikanischen und dem südafrikanischen Krieg den Nachweis zu erbringen sucht, daß das jetzt fast allgemein eingeführte moderne Mantelgeschoß durchaus nicht den ihm beigelegten Namen eines „humanen Geschosses' verdient. An der Hand zahlreicher Röntgenbllder illustrierte der Vortragende die verheerende Geschoßwirkung der Mantelgeschoffe, sowie der modernen Granaten und Shrapnells und kommt zu dem Schluß, daß das Schicksal der Verletzten auch in künftigen Kriegen nicht sowohl von der Art der Ge. schoßwirkung, als vielmehr von der Kunst des FeldarzteS und der Organisation des Sanitätsdienstes im wesentlichen abhängen dürfte. Rein fach- wiffenschaftlicheS Jntereffe hatten die folgenden Vorträge von Reger- Danzig und Kroenlein-Zürich. Umsomehr waren die Mitteilungen von Ringel-Hamburg, der alS Mitglied der Expedllion des Roten Kreuzes m Transvaalkrieg thätig war, von allgemeinem Jntereffe. Die folgenden Vorträge von v. Bruns und Baumgarten- Tübingen, v Büngner - Hanau, Payr- Graz, Simon- Heidelberg, König- Altona, Bessel-Hagen - Charlottenburg und Güssen- bauer- Wien über die Operationen bei Tuberkulose der männlichen Geschlechtsorgane eignen sich nicht zur detaillierten Wiedergabe an dieser Stelle. Bier- Greifswald rühmt die Erfolge einer zielbewußt durch lange Jahre hindurch fortgesetzten Bäderbehandlung besonders durch Oft- seebäder und hat auf diese Werse Fälle mit dieser Form von Tuberkulose zur Heilung gebracht, die von anderer Seite für unheilbar erklärt waren. Auch Schlange- Hannover bestätigt auf Grund seiner Erfahrungen die Möglichkeit einer — wenn auch erst nach jahrelangem Bestand eintretenden spontanen Heilung dieses schweren Leidens. Die folgenden Vorträge und Demonstrationen von Heidenhain Worms, Glück und S a r f e r t-Berlin beziehen sich auf daS Gebiet der Lungenchirurgie. Mit großem Jntereffe folgte die Versammlung den Ausführungen von v. Mikulicz -Breslau und Bier- Greifswald über die verschiedenen Methoden der Schmerzbetäubung und ihre Indikationen. Braun- Leipzig empfihlt eine Misch-Narkose mit Aether und Chloroform und demonstriert einen zu diesem Zwecke konstruierten Apparat. Wohlgemuth empfiehlt eine kombinierte Chloroform- Sauerstoff-Jnhalationsmethode. Aus Stadt und Kund. Gießen, 13. April 1901. *• Neue Postagentureu. Im Oberpostdirektionsbezirk Darmstadt sind am 10. April Postagenturen in Wirksamkeit getreten: 1. Angenrod (Kreis Alsfeld), Postageut: Gemeinderechner Stiebig; 2. D o r t e l w e i l (Main-Weserbahu), Postagent: Schneidermeister Fahrenbruch; 3. Hochelheim (Bezirk Darmstadt), Postagent: Schneidermeister Schaum; 4. Niederklingen (Odenwald), Postageut: Kaufmann Willems; 5. Niedermodau (Odenwald), Postagent: Schreinermeister Adam, 6. Wahlheim (Kreis Alzey), Post- agent: Bürgermeister Wick; Weinheim (Kreis Alzey), Postagentin: Wltwe RichtSheim; 8. Wohnbach (Wetterau), Postagent: Kirchenrechner und Untererheber Klein. ** Das Programm des morgigen Promenade«.Konzert» ist folgendes: Ouvertüre z. Op. „Norma- von Bellini, Arie, Terzett und Chor aus „EliaS" von Mendelssohn, FrühliugSkmder! Walzer von Waldteufel, Selektion a. d. Optte. „The Geisha“ von JoneS. •* Gemälde Ausstellung. Wie im Inseratenteil ersichüich, ist die Gemälde Ausstellung im Turmhaus am Brand von heute an wieder geöffnet. Unter den nahezu 100 ausgestellten Gemälden befindet sich, wie schon erwähnt, eine Kollektion sehr intereffanter Gemälde von H. Rüdtsühli- München. Ferner sind u. a. neu ausgestellt von R. KoeSlitz- München: „Angler", „Sommerabend", „Hammerschmied bei der Arbeit-, „Hammerschmied am Feierabend-, „Rotkäppchen-, „Dornröschen-, „Schneewittchen"; von E. Maffau Düffel- )orf: „Heimliche Liebe"; von F. v. Kleutgen Bordighera: „Schlechtes Wetter im Mittelmeer-, „Reuffenfischerei au der Riviera"; von O. Schmidt-München: „Alchymift"; vo» L. Sekell-München: „Partie am Ammersee"; von P. Bücken- Aachen: „Der Schluß des BiehmarkteS in der Eifel"; von I. Rolletscheck - Weimar : „Der verlorene Sohn"; von C. Büttger-Holzmiuden: „Fahrendes Volk im Weserthal"; vou C. Orp Kiel: „Faraglioni auf Capri", „FrühliugSta- in Taormina"; vou B. Fuhrmanns-Düsseldorf: „In süße« Träumen". Auch sind noch eine Anzahl kunstgewerbliche Elemente vollständig und speziell für den Musiker, der sich auf das Notwendigste beschränken muß, vollauf genügend zur Imagination gebracht. Jedes Mehr würde für den Konzertsaal ein „Zuviel" bedeuten. Aber was er brachte, das war auch gerade notwendig, und es war in der trefflichsten Weife zur Komposition'geeignet. Ter zweite Teil von Sch's Faustszenen bringt zunächst die erste Szene aus Goethes Faust Teil 2 fast vollständig: Faust auf blumigem Rasen gebettet, ermüdet, unruhig, schlafsuchend. Dämmerung. Arie^ befiehlt den edlen Elfen, ihn zu besänftigen, ihm kühlenden Schlaf zu schenken, Per gessenl)eit dessen, was gesck>ah, und ihn mit Vorwürfen peinigt, sodaß er dann gestärkt dem heiligen Licht zurück- gegeben werde. Es folgt das unbeschreiblich schöne Lied xum Preise der Nacht und des erwachenden Tags, und die Begrüßung der erwachenden Sonne, Fausts Ermunterung und Erwachen. Tes Lebens Pulse schlagen frisch lebendig, Aetherische Tümmrung milde zu begrüßen. ?n ^er menschlichen Unzulänglich- erwacht die reine Freude an dem,'was ftlr Menschen erreichbar ist. Ihm sinne nach, und du begreifst genauer • Am farbigen Abglanz haben wir das Leben Jetzt macht der Komponist einen großen Sprung es bleibt weg, was bei Goethe jetzt in überreichem Maße an Szenen aus Jahrtausenden folgt; in direktem Gegensatz zum vorhergehenden tritt bei Schumann die Szene aus dem 5. Akt: Mitternacht. Bier graue Weiber treten auf, Mangel, Schuld, Sorge, Not. Mangel, Schuld und Not weiß der Starke zu überwinden, und es vermag der Reiche sie abzuwenden. Sie dringen nicht zu Faustens Gemach herein, wohl aber die Sorge; auch der Stärkste hat mit ihr einen schweren Kampf zu kämpfen. Und nur innerliche Uebcrwindung führt hier zum Siege; und Faust erringt diesen Sieg! Die Sorge gedenkt ihre Macht zu beweisen, indem sie ihn mit Blindheit schlägt, Faust aber erblindend spricht: Tie Nacht scheint tiefer tief hereinzudringen, Allein im Innern leuchtet Helles Licht. Und auch die folgende Szene bringt der Komponist: Fau st's Tod. Mephistopheles als Anführer der Lemuren, die seinen Befehlen folgend Fausts Grab graben, während Faust selbst in innerster Erleuchtung zuhört, wie sie arbeiten und seinen großen Plänen freien Lauf läßt. Hierin ist die innere Ueberwindung enthalten, hier gelingt es Faust, „aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen". Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben, Das ist der Weisheit letzter ScUuß: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Ter täglich sie erobern muß. Und so verbringt, umrungen von Gefahr, Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr. Solch ein Gewimmel möcht ich sehn. Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn. Zum Augenblicke dürft ich sagen: Verweile doch, du bift so schön! Es kann die Spur von meinen Erdentagen Nicht in Aecknen untergehn? — Fw Vorgefühl von solchem hohem Glück Genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick. Hier folgt nun die Stelle, an der Schumann mit einem interessantem Worte von dem Goethe'schen Text abweichjt^ Während bei Goethe auf Mephistopheles Worte: „Er fällt, es ist vollbracht" der Chor erwidert: „Es ist vorbei", und nun Mephistopheles fortfährt: „Vorbei! ein dummes Wort" 2C., läßt Schumann den Chor fingen: „Es ist voll bracht", womit er die Möglichkeit hat, alles weitere bei Goethe anschließende zu übergehen und sofort zur Schlußszene zu schreiten. Offenbar drängt es hier tvieder den Komponisten, zu übergehen, was nur hemmend wirken würde. So bringt der dritte Teil der Faustszenen die letzte Szene aus Goethes Dichtung und zwar vollständig und wörtlich. Diese letzte Szene, ein Stimmungsbild ohne Gleichen, ein Wunder in der Kunst, Unaussprechliches auszusprechen, Unbeschreibliches doch der Empfindung nahe zu bringen, diese Szene war wie keine andere geeignet, in Musik gesetzt zu werden. Wir würden mehr wie mit allem Zuvorgesagten Gefahr laufen, uns an dem Geiste des Tichters zu versündigen, wollten wir hier mit schwack?en Worten wiederzugeben suchen, was Goethe allein vermochte! Gehe ein jeder hin und lese es! Gewiß aber wird Schumanns unsterbliche Musik jeden, der überhaupt musikalisch ist, ahnen lassen, was hier ein Großer ohne Gleichen zu gestalten vermochte. Das gilt überhaupt von der ganzen wahrhaft kongenialen Schöpfung des Komponisten; seine Musik erschöpft den Stimmungs- und Empfindungsgehalt der Dichtung in einem Maße, daß sie uns das Verständnis der Dichtung vortrefflich näher bringt, näher als es der trefflichste Kommentar wohl vermag. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Aufführung dieses Werkes jeden in hohem Grade befriedigen wird. S. «1( »rl»' «“ ““ rann, l°UEl‘ Zrichendungen J '^flrunMeine aWW* ein Abholer Mel" ***" (14 im. M 11 18 M bei größeren ZorauS zu entrichten auf die Dauer eines einige §tanden aust lich sein. Diejenige! nehmen wollen, wü' 1 mitzuterl' '»Die Zahl ! gebotenen, btltug iWüinpO, Darmsta Hießen 9, zusam Todesfälle pro Jahr 18,3, Darmstadt l1 ■anf n 18. starben an Diarrhöe 4 in WormS), an Wc schwindsncht 11 (5 it bach, je 1 in Worms HkachlitendttAtm ftabt, je 2 in Osienb avoplrfir 1 in D Hießen), an aller 15 in Darmstadt, Hießen); gewaltst 1 in Darmstadt, 4 § Snßbach, 12 merkte die Nachtwa »ar, obwohl es in Recherchieren ergab, brunnen herkomme, während der Nacht I sind. W Thäter r sich noch in der St- 0 Schotten, 12 HMchen SÖHfifi i d. Wetleran abgeh wahrscheinlich im qu Wwt MW + Vw h'chrm Wo seit längerer & den fiskalischen Wal gegeben. @ine bieg hessischen Landeslehi uumbie gleiche 3n diesem Jahre rr ,Ml .eine 1°®" 3" Mieren j gfflilnßi9iin9 I« Mit » Mern ÄU kurchl- T Kto,niÄÄ?“ daß bA??hlt l 4sich wehr Di ousgerollt 9e! milie Dio den Ur den, Ä „Es U ^ebt ^erlich ch- m°ch er des bthfirlt r Illg fv, ^e MH i ehendc $ >ei". L bi'% >hl « bie 71 lei. len 9*9ei ML LZK *« ‘4 ä* - finp 6ött- $ btt WttÄi? M« NlNgen QU? Wt den ÄQch^ lpamsch, -^tnantn lUufhttrb Kt: Ä> Schluk u6” ^ttna Ml UV,'Ä unbtatt; *5,‘6'fk «*5 2™* °°» Se(£ *Ä“ R. Simon^tibdteg Sfr®. unb ®“fletu 2 M^^enbeten Wiedergabe an biejit •9« Mn zielbewußt buiA ,bfunfl besonders durch DB, "'"T°nn von tubetlulok ^unheilbar erklärt warn, Md semer ßrfchmgm die mgem Bestand eintretend« men von heidenhain chen sich auf das gebiet dn V lolgte die Bersammlm« au und Bier-tzreisswal» rzketäubung und chre >.e MschNattose mit »ether «fftn Zwecke konstruierten kombinierte Chloroform- M. Itn, 13. April 1901. OberPostdirektiorMM genturen inöir/fündäi Alsfeld), PostaM: eilsMin-Westtbahv), 3. Hochelhri» neibtrmtijur Sdjaaw; ^ojfagtnt: Saujuo ibenwalb), Postaginl: im (Kreis Alzep), W im (Kreis Alzey), W ofynbad) Metten»), fjtber Klein. ^romtnabte-Ronjtrtl loima“ von Bellini, z- von Mmbü^vhn, ä,SMma.d.OM Jnstratevieil ersichtlich, crnhauS am Braud w den nahezu 100 ank )te schon erlvahnt, ei« ; von fr «üdtsllhli- sgefleüt von R^KsM .Hammerschmied bei A i0R S. Maffa-.DW' Klentgen-Bordlghtt^ JechuMe^ « ?&. »ts SkEB -Z7S >r W''wt;w««'\ I ÜSS& *vs*,-s ,aM #*< s-fS»; 2-.K; 'JSsI *J*5äjg MH «K" » Universiläls Nachrichten. Dr. med. Adolf Geßner, bisher Privatdozent an der Universität Erlangen, der zum ordentlichen Profesior ernannt worden ist, übernimmt zugleich die Leitung der Erlanger Universitäts-Frauenklinik Er wird in seinem Doppelamt der Nachfolger Frommels, der sich von der Professur zurückgezogen hat. Zu Friedberg in Hessen geboren,promovierte Geßner 1SS0 in Erlangen mit „Mikroskopische Untersuchungen über den Bakteriengehalt der normalen menschlichen Haut" zum Doktor. — Der bekannte Kirchenhistoriker August Sabatier, Dekan der Pariser Fakultät für protestantische Theologie, ist, 62 Jahre alt, gestorben. Kunst und Wissenschaft. Arankfurt a. M., 11. April. Die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft ernannte den Geh. Hof- und Baurat Professor Dr. Paul Wallot in Dresden zum außerordentlichen Ehrenmitglied. Ernst d. Wildenbruch hat sich voraussichtlich für längere Zeit in Weimar niedergelassen. Wie der Dichter erzählt, hat chn der verstorbene Großherzog mehr als einmal eingeladen, seinen Wohnsitz ganz nach Weimar zu verlegen, ihm auch den nach LoZns Tode vakant gewordenen Jnten- dantenposten am Hoftheater angetragen. Damals war Wildenbruch verhindert, dem Ruf zu folgen. Man bringt seine jetzt erfolgte Heber» siedelung nach Weimar in Verbindung mit den seit kurzem aufgetauchten Gerüchten von einem bevorstehenden Rücktritt des bisherigen Intendanten; ob mit Recht oder Unrecht, bleibt abzuwarten. Straßburg i Els., 12. April. Ja der heutigen 2. Sitzung der internationalen seismologischen Konferenz wurde die Gründung einer internationalen seismologischen Vereinigung beschlossen. Ferner wurde dem Dr. Lersch in Aachen die Anerkennung der Konferenz für die Ausarbeitung des Erdbebenkataloges ausgesprochen und der Wunsch geäußert, daß in Aachen mit dem meteorologischen Observatorium eine seismologische Station errichtet werde. Endlich wurde seitens der Konferenz der Wunsch ausgesprochen, daß bei Zeitangaben in den 8er. öffentlichungen der Erdbeben die Zeit von Greenwich eingeführt werde. Die Sitzungen wurden heute geschlossen. Arbeiterbewegung. LrnS, 12. April. Der Bergarbeiterkongreß nahm Beschluß- anträge an, worin die Altersrente von mindestens 2 Francs täglich, ferner der Achtstundmtag und gesetzlicher Mindestlohn verlangt wird. Sevilla, 12. April. 3000 Arbeiter der Korkpfropfevfabrike« find in den AuSstand getreten. Auch in allen anderen hiesigen Industriezweigen drohen die Arbeiter mit der Arbeitseinstellung. Die schnellste, leichteste und dauerhafteste Bereifung für Fahrräder und Motorfahrzeuge ist und bleibt der Continental Pneumatic. Für jeden einzelnen Reifen wird von der Fabrik Garantie geleistet. Entwürfe, sowie Studien, Blumen und Porträts von einer einheimischen Künstlerin Ottilie Kowarzick Mentzel, sowie von Otto Fritz ein Gemälde „Feldblumen- und ein „Tamburin- neu ausgestellt. •• Verschließbare Abholuugsfächer, auS denen der Abholer die eingegangenen Postsachen mittelst eines ihm gelieferten Schlüssels selbst, ohne Mitwirkung eine« Beamten, mitnehmen kann, sollen auch bei den hiesigen Postämtern eingerichtet werden, wenn sich eine angemessene Zahl von Teilnehmern findet. Die hauptsächlichsten Bedingungen für die Benutzung eines Schließfaches sind folgende: Es können gewöhnliche Bricfsendungen jeder Art, Zeitungen, Postpacketadressen, Ab- ltefirungsscheine zu Wert- und Einschreibbriefen, sowie Postanweisungen abgeholt werden. ES ist jedoch zulässig, daß ein Abholer für einen Teil seiner Postsachen von dem gewöhnlichen Abholungsverfahren und für einen anderen Teil dou einem Schließfache Gebrauch macht. Für die Ueberlassung eines Schließfachs nebst zwei Schlüsseln wird eine jährliche Gebühr von 12 Mk. bei gewöhnlicher Größe des Fachs (14 Ctm. Höhe, 11 Ctm. Breite, 36 Ctm. Tiefe) und von 18 Mk. bei größerem Umfang erhoben, die vierteljährlich im Voraus zu entrichten ist. Die Ueberlassung geschieht zunächst auf die Dauer eines Jahres. Die Fächer werden auch für einige Stunden außerhalb der Schalterdienststunden zugänglich sein. Diejenigen Firmen rc., die an dem Verfahren teilnehmen wollen, würden dies bis spätestens 20. April dem behren, und nur für die Schlüsse, die das Gericht zu ziehen hat, von Belang sind. Zunächst wurden die Vermögensverhältnisse und der Charakter des Angeklagten Rentners Baumann erörtert. Bürgermeister Gläßner aus Höhscheid, dem Heimatsorte und ersten Wohnsitz Baumanns bekundet: Ter Vater des Angeklagten Baumann, der Schreiner Baumann in Höhscheid, der 1884 starb, stand chon im Verdacht, Militärbefreiungen gewerbsmäßig zu betreiben. Ter jetzt angeklagte Baumann, der Bäcker und Müller war, hatte in dem Nachbarhause, das nicht ihm gehörte, eine Stube gemietet, die von den Leuten als sein „geheimes Kontor" bezeichnet wurde. Dies sollte bezwecken, im Falle einer Haussuchung bei Paumann diesen zu decken. Baumann stand in der ganzen dortigen Gegend im 9hife eines gewerbsmäßigen Freimachers. Eine bestimmte That fache hat sich nicht feststetlen lassen, einzelne Fälle wurden erzählt. In Oberpilghausen hat Baumann Agenturen b e trieben Ein Briefwechsel hat bei Baumann nicht stattgefunden, eine Haussuchung ist ergebnislos verlaufen. Es wird angenommen, daß Baumann mit den betreffenden Leuten Zusammenkünfte in andern Städten hatte Erst nachdem Baumann in Elberfeld wohnte, soll er Vermögen erworben haben. Baumann bestreitet, daß er in Höh- cheid Agenturen betrieben habe. — Polizeikommissar Düs e l - Elberfeld hatte 1889 den Auftrag erhalten, Baumann zu überwachen Viehhändler Simson aus Mettmann, der jetzt in Amerika ist, war bereit, sich mit der Aufklärung des Treibens Baumanns zu befassen, wenn er sich' nicht strafbar mache. Simson wurde flüchtig, als Postamt 1 mitzuteilen haben. *• Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Todt- geborenen, betrug in der Woche vom 24. bis 30. März in Mainz 30, Darmstadt 24, Offenbach 13, Worms 18 und in Gießen 9, zusammen 94, davon 21 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen auf Mainz 18,3, Darmstadt 17,1, Offenbach 13,1, Worms 22,5 und auf Gießen 18. — Die Todesursache anbelangend, ver starben an Diarrhöe und Brechdurchfall 5 (1 in Darmstadt, 4 in WormS), an Wochenbettkrankheit 1 (Worms), an Lungenschwindsucht 11 (5 in Mainz, je 2 in Darmstadt und Offenbach, je 1 in Worms und Gießen), an akuten entzündlichen Krankheiten der Atmungsorgane 17 (8 in Mainz, 3 in Darmstadt, je 2 in Offenbach, Worms und Gießen) an Gehirnapoplexie 7 (1 in Mainz, je 2 in Darmstadt, Offenbach und Gießen), an allen übrigen Krankheiten 55 (13 in Mainz, 15 in Darmstadt, 3 in Offenbach, 10 in Worms, 4 in Gießen); gewaltsamen Tod erlitten 8 Personen (3 in Mainz, 1 in Darmstadt, 4 in Offenbach). § Butzbach, 12. April. Heute früh gegen 5 Uhr be« merkte die Nachtwache, daß der Marktplatz überschwemmt war, obwohl es in der Nacht nicht regnete. Ein sofortiges Recherchieren ergab, daß der Waffererguß von dem Marktbrunnen herkomme, was nur dadurch möglich wurde, daß während der Nacht die Krahnen gewaltsam beschädigt worden find. Als Thäter wurden einige Bürschchen, die heute früh sich noch in der Stadt Herumtrieben, verhaftet. O Schotten, 12. April. DaS Musikfest deS Ober- hessischen MnsikbundeS, das voriges Jahr in Berstadt i. d. Wetteran abgehalten wurde, findet in diesem Jahre, wahrscbeinlich im Juli, hier statt. Als Festplatz ist der fo genannte »Bockzahl-, unweit der Stadt, ausgewählt. -s- Vom höhere» Vogelsberg, 12. April. Bekanntlich wird schon fett längerer Zeit Brennholz zum Tarifpreise auS den fiskalischen Waldungen an die Staatsbeamten ab- gegebea. Eine diesbezügliche Vorstellung des Vorstandes des hessischen Landeslehrervereins erwirkte beim Großh. Ministe rtum die gleiche Begünstigung für die Voltsschullehrer. In diesem Jahre nun wurde einer Anzahl Lehrer von einer Großh. Oberförsterei dieExtraholzabgabe verweigert, da, wie es heißt, „eine derartige Abgabe nicht mehr ftattfinden soll". In anderen Oberförstereien genießen die Lehrer diese Begünstigung ruhig weiter. Der neue Elberfelder Mitarbefreimigs-Prsreß. ui. Elberfeld, 12. April. Gestern wurde nut der Beweisaufnahme begonnen. Vor dem Zeugenaufruf rufytete der Vorsitzen de an Baumann folgende Worte: Ehe wir in die Verhandlungen eintrete«, möchte ich Ihnen Gelegenheit geben, sich zu äußern, ob die Stunden der ruhigen Ueberlegung Sie nicht andern Sinnes gemacht haben, ob Sie die schwere Belastung durch die Aussagen der Angeklagten, die bei Ihnen sitzen, nicht gefühlt haben. Man kann, doch nicht glauben, daß diese Leute sich selbst belasten durch Aussagen, die nicht wahr sind. Diese Leute sind auf die Anklagebank mehr durch Sie gekommen. Ihr ganzes Vorleben soll aufgerollt werden und Ihre ganzen Beziehungen zur Familie Dieckhoff. Es müssen sämÜiche Fälle erörtert wer den, in denen offenbar Freimachungen stattgefunden Ijaben. Da giebt es doch eine große Anzahl Personen, bei denen sicherlich die Verbindung ihres Namens mit diesem Treiben eine halbe Vernichtung ihrer Existenz bedeutet. Außer den Angeklagten, die gestern gestanden haben, werden noch viel mehr als Zeugen kommen, die dasselbe aussagen Gehen Sie in sich, geben Sie der Wahrheit die Ehre und vergrößern Sie nicht noch das Unheil, das Sie schon angerichtet haben. Der Hinweis des Vorsitzenden auf eine drohende Vernichtung von Existenzen, wenn Baumann sich nicht zu einem Geständnis herbeilasse, bezieht sich zweifellos au die bevorstehende Vernehmung einer Reihe von Zeugen die meist geständig sind, selbst mit Baumann ober Diecchof zum Zweck der Freimachung in Verbindung getreten zu sein, oder die die Vermutung aussprechen, daß ihre Freimachung ohne ihr Wissen durch Angehörige, die sich an Dieckhoff und Baumann gewandt haben sollen, erwirtt worden sei. Cs handelt sich dabei fast durchweg um Fälle, die in die letzten Jahrzehnte zurückliegen und verjährt sind. Auch die Namen von Personen, die schon das Grab deckt, würden dabei mit Namen und dem Treiben der gewerbsmäßigen Freimacher in Verbindung gebracht werden. Alle diese Umstände gehören mit zu den betrübendften Begleiterscheinuugen dieses Prozesses. Der heutige Teil der Beweisaufnahme läßt sich wie an vielen der folgenden Tage ziemlich kurz fassen. Es werden da lange Erörterungen gepflogen, die des allgemeinen Interesses entgegen ihn und andere Viehhändler Verfahren wegen Fälsch ung von Viehtransportscheinen eingeleitet wurde. Simson teilte sich Baumann gegenüber, als wolle er ihm bei Befreiungen behilflich sein. Baumann erzählte Simson, eine Freimachung koste 2000 Mark, wovon er und der Arzt je die Hälfte erhielten. Simson erzählte mir von jungen Leuten, die Baumann genannt, von den Krankheiten, mit denen es gemacht wurde, auch von Aerzten, bei diesen nannte er aber keinen Namen. Orte, wo es zum Freimachen gut sei, seien Osnabrück, Bochum und Münster. Baumann habe erzählt, daß er mit den Aerzten Verabredungen treffe. Um allen Verdacht abzulenken, lasse er, Baumann, seinen Sohn bei der Garde in Berlin dienen, >er Arzt bei dem dortigen Regiment sei sein „Bester". Auch um seinetwillen lasse er seinen Sohn dort dienen, da er gern den Dummen spiele und nicht gern mit hiesigen, andern nur mit auswärtigen Leuten in Verbindung trete. Tas Geschäft sei sicher, denn die Freigemachten und ihre Eltern müßten den Mund halten. Das alles waren Mitteilungen des Simson. Es wurden ihm von Baumann auch eine Reihe Personen genannt, die frei gemacht worden seien. (Diese werden als Zeugen erscheinen, um die Glaubwürdigkeit Simsons darzuthun.) Den Baumann habe ich mit niemand im Verkehr gesehen. Von seinem Einkommen wußte niemand etwas, er arbeitete nichts. Baumann: Den Simson habe ich gekannt, er hat mich nie nach Militärangelegenheiten gefragt. Er hat mich wohl gefragt, wenn er Geldgeschäfte machen wollte. Was meinen Sohn betrifft, so ist bei den Garde-Füsilieren nichts zu machen. Vors.: Sie werden aber sehen, daß eine Reihe Leute noch kommen werden, die durch Sie freigemacht wurden. Baumann: Mein Sohn hat seine volle Zeit gedient, und was das schönste ist, er hat sich in seiner ganzen Dienstzeit nicht einmal krank gemeldet. Vors.: Das ist es ja, was man sagt, daß dieses ganze Verhalten Ihnen als Deckmantel gedient habe. Die Hauptsache wird sein, ob die Aussagen Simsons sich bestätigen. Wollen Sie sich einmal über Ihre Vermögensverhältnisse äußern. Es wird nun fest- gestellr, daß Baumann in Elberfeld 1891 ein Haus für 21 000 Mk. kaufte, 15 000 Mk. Hypotheken wurden im nächsten Jahre gelöscht Kommissar Lamberts hat bei einer Haussuchung keinerlei Vermögensaufzeichnungen gefunden. Zeuge Fabrikant K ö l l m a n n aus Barmen bekundet, daß der Angeklagte Stöcker Vater ihn zur Befreiung seines Sohnes veranlaßt habe. Stöcker stellt das in Abrede. Auch Anarchist soll Baumann einem Gerücht zufolge gewesen sein. In Elberfeld, dem alten Anarchisteusitz, kann man leicht in diesen Verdacht kommen. Es wurde heute viel über Baumann als Anarchisten geredet, ihn ließ das sehr kalt. Kommissar Düssel erklärte kurz und bündig: „Zu den als Anarchisten verdächtigen Personen gehört Baumann nicht. Ob er Anarchist xst, weiß ich nicht. Persönlich glaube ich es nicht." Eine Reihe Zeugen werden über das Leben der Witwe Dieckhoff vernommen. Ten Schluß der heutigen Zeugen machte Bezirkskommissar Ko cy - Düsseldorf. Er war beauftragt worden, festzustellen, ob sogenannte Freimacher mit einzelnen Militärärzten in Verbindung treten. Zeuge Koch bekundet: Ich stand vor einem Stück weißen Papieres. Ich nahm mir vor, mit der Frau Dieckhoff Fühlung zu nehmen und wählte eine Form, in der sie wohl ihrer Rede freien Lauf lassen würde. Ich entnahm aus den Akten, daß ihr Mann verdätig war, mit einem Dr. Hoppe in Minden in Verbindung zu stehen. Ich stellte mich ihr als Dr. Hoppc vor und sagte, ich solle gerichtlich vernommen werden Sie war sehr erstaunr. Ich fing an zu erzählen, wie dae gekommen. Sie wollte nicht zugeben, daß sie Dr. Schimmel kenne. Als Kriminalist habe ich immer die Erfahrung ge macht, daß die Thäter ihr Thun zu defchönigen suchen. — Witwe Dieckhoff: Ich gebe zu, daß ich das größtenteils so gesagt habe, ich habe aber immer gesagt, daß ich davon meinem Manne erfahren habe. Ich hatte nicht geglaubt, einen Spion vor mir zu haben, ich hatte gemeint daß es Oberstabsarzt Dr. Hoppe sei. Erst aus der Anklagt habe ich gesehen, wie es war. Zeuge Koch: Ich hab« diesen Weg benutzt, weil ich absolut keine Spur zwischer Freimachern und Aerzten hatte. — Zeuge Koch berichtet noch über weitere Nachforschungen in Münster und Jülich In Jülich sei ihm im Hotel Dißmann auf Grund einer Photographie Baumanns erklärt worden, daß Baumanr dort verkehrt habe. Baumann entgegnet, er sei nie ir Jülich gewesen. Zum Schluß der heutigen Sitzung wurder die Akten des Bochumer Prozesses gegen Dieckhoff vou Jahre 1872 und protokollarische Aussagen verlesen. Dit Dauer des Prozesses läßt sich aus dem Umftani ermessen, daß heute Zeugen auf den 3. Mai ge laden wurden. Ein Telegramm meldet: Im Militärbefreiungsprozef wurde vom Untersuchungsrichter Spieß bekundet, daß bii meisten Freimachungen Oberstabsarzt Schimmel Magdeburg und Halberstadt herbeiführte. Es seien durch weg Söhne reicher Eltern und Einjährig-Freiwillige ge wesen. Es folgte dann die Verlesung der über das Treiber der Familien Tieckhoff, Strucksberg und Baumann oorliegen den Akten. Ta aus viele Zeugen verzichtet wurde, ist die Verhandlung auf Tienstag vertagt worden. Dr. Schulze, Sohn des früheren Stabsarztes Sckmlze Köln, wurde dort unter dem Verdacht der M i l i t ä r b e f r e i u n g verhärtet. Ein neuer MilitärbefreiunLS-Prözeß ist in Aussicht. .....- - s--------J_____ . ■■ Vermischtes. * Cottbus, 12. April. Der Obersekretär der hiesigen Staatsanwaltschaft Johannes Krüdecke hat sich in Halle nach ausgedehnten Unterschlagungen erschossen. * Leipzig, 12. April. Der 25jährige Hausdiener Keil aus Berlm, der vorgestern mit der 17jährigen Tochter seines LogiSwirteS, Elfe Linke, heimlich Berlin verlaffen hat, wurde heute von dem hierhergeeilten Baker des Mädchen-, Kellner Linke, in der hiesigen Wohnung der Mutter dcS Keil erhängt und Else Linke auf dem Bett liegend als Leiche, anscheinend vergiftet, aufgefundeu. * Metz, 12. April. Bei dem 2. Bataillon des hier garnifonierenden bayer. 8. Jnf.-RegimenlS traten seit Ende vorigen Monats gleichartige fieberhafte Erkrankungen in großer Zahl auf, die nach ihrem Verlauf als Unterleibstyphus bezeichnet werden müssen. Die Epidemie hat in den letzten Tagen großen Umfang angenommen, so daß die als Typhus fest- gestellten Zugänge am 12. d. M. die Zahl 250 ececichten. DaS Bataillon ist auf Fort „Manteuffel- untergebracht, in dessen Umgebung unter der Zivilbevölkerung der Typhus nicht selten vorkommt. Eine im benachbarten Schlosse Grimout untergebrachte Abteilung des gleichen Bataillons, welches anderes Trinkwasser bezieht, ist bisher von dieser Krankheit verschont geblieben. Für die Pflege der Erkrankten wie gegen die Weiterverbreitung der Seuche wurden die umfassendsten Maßnahmen getroffen. * Zürich, 12. April. Bei Hendschikon auf der Strecke Aarau-Wohlen entgleiste ein Personenzug. Der Postkondukteur Kießling wurde getötet, mehrere Passagiere verletzt. * Ein geistlicher Mörder. Einem Blatte wird aus Neapel gemeldet: Ein Priester, namens Pietro Potenza m Neapel, wohnte bei einer Witwe mit zwei Kindern. Er versuchte, durch die Reize der schönen Neapolitanerin bestrickt, mit dieser ein Liebesverhältnis anzufangen. Immer wieder von der tugendsamen Frau in feine Schranken zurückgewiesen, drohte er endlich sie zu ermorden, wenn sie seinen Wünschen nicht nachgebe. Da sich die Aermste der Brutalitäten nicht mehr erwehren konnte, entschloß sie sich, mit ihren Kindern nach Amerika auszuwandern. Sofort besorgte sich auch der Priester einen Auswandererpaß. Nun endlich wandte sich die Frau an die Polizei. Auf dem Wege zur Quästur aber ereilte sie der Priester und schoß sie nieder. Als sich der die Mutter begleitende Knabe jammernd über den Leichnam warf, tötete er auch diesen durch einen Revolverschuß. — Die That trug sich nachmittags auf offener Straße zu. Der Mörder konnte nur mit Gewalt vor der Lynchjustiz der furchtbar erregten Menge geschützt werden, die das Gefängnis erstürmen wollte. Nur das Erscheinen mehrerer Kompagnien Soldaten verhinderte Gewaltthätigkeiten. • Bereczt Komitat HaromSzek, 12. April. Vergangene nacht wurden durch eine Feuersbrunst bei heftigem Sturme 60 Gebäude zerstört. ♦ Veszprem (Ungarn), 12. April. Bei der hiesigen Genoffenfchaft zu gegenseitiger Hilfe wurden seit fünfzehn Jahren betriebene Unterschleife entdeckt. Die Erbitterung der zumeist den ärmeren Klaffen angehörenden Einleger, die ihre gesamten Guthaben verlieren, ist groß. Mehrere Verhaftungen steben bevor. ^VeaU» 2806, 2781] Ein gut ei eiswert zu verkaufen. Näheres im Ztzrankf«» ter Verheyen Fahrräder eic. franzVerheyen.MKlemhaftsfdTru v. Europa Frankfurt a/M, Neue Mainzerstr. N27Z ansgyführt von der ganzen 2846 2819 Anfang 5 Uhr Eintritt 35 Pfg. 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