Nr. 136 Erstes Blatt. Donnerstag 13. Juni 1901 ®R>. d. I. uibn c. d. e. f. Betr.: '5 2. 02230] Uhr mit MU vtt' - ... flbfnbminn flDIE ve»uvi “ vr , . lom. Gegen Belohnung a p 111 neben Südanlagt 18, - andHieSjahwn 45 ei Dr. Metzler. SO -es, | uu | V4 V p/ VV4MUIIUUV V UUl/ | . .. , , ' V / M I u»v*mvz vuv QIVU z V L IUI UHU Vll Ul Ull| * 4. il- Donnerstag den 27 8 Uhr, H ;b Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen, und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weggezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist. Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober- Ersatz - Geschäfte bis zum Schluß des gesamten Aushebungs- *”*♦< bt* «n, Adreffk für Dkpksch««, Anzeiger riehen. Fernsprkchanschluß Nr. KL bett *2* *51 tr|4e(ntnben MM« » »er» io Uhr fpLtestrn« Ter Kloppeuheimer Mord vor Gericht IV. Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzog, lichen Ober-Ersatz Kommission im ersten Bezirk der 49. Infanterie-Brigade in sämtliche» Aushebungsorteu zu gestellen: a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflichtigen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht; 151. Jahrgang ÄWiiee, Efpebition unb Schntstratze 7. Honorar für junge Landwirte, die keine Ackerbauschule besucht haben 5 Mk., frühere Ackerbauschüler honorarfrei. Friedberg, den 15. Mai 1901. Großh. Direktion der landw. Schule. Dr. v. P e t e r. Unständiges Mädchen lucht 6tW W taMer. Am liebst. }u Riet. Näheres vru-straie 19,11. » . . 1 "" „ouiner H ••tttfunbt" xtr» boykflt. b. die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; die zur Ersatz - Reserve in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; die von der Ersatz-Kommission als tauglich und einstellung-fähig erkannten Militärpflichtigen, ein- schließlich derjenigen aus ftüheren Jahrgängen; die von den Truppenteilen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Soldaten; die von den Truppenteilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen. 5 Morgen Wiese am SüttiWMi FV ytt'- auf W Kug.§chWM, DBunfagMO Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betr.: Gesuch der Aktienbrauerei Gießen um Genehigmung zur Aufstellung eines Dampfkessels. ™ ^!!5Ä^uerei Gießen beabsichtigt auf dem Grund- rXXVI 73Vio der Gemarkung Gießen einen Dampfkessel zu errichten. „m Z^.und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses in dem Gießener Anzeiger an gerechnet, 2“'. b.em Bureau des Großh. Polizeiamts Gießen zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meldung des Ausschlusies bei Großh. Polizeiamt Gießen vorzubringen. ° Gießen, den 8. Juni 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I V.: Dr. Wagner. Grafen v. S chw e r i n - Löwitz in Betreff der Auswinterung, gegen die sich sofort aus unserem Leserkreise eine Stimme erhob. Bräsicke sagt, es sei der große Segen der heutigen Verkehrsverhältnisse, daß sie bei Notfällen mildernd und« nivellierend auf die Preise wirken. Zum Schluß ruft er den Kollegen aus Westpreußen noch folgenden Trost zu: „Im Jahre 187(1 haben wir in Ostpreußen fäniHidten Weizen und Roggen bis auf Johanni, der damals leider nicht so stark angebaut wurde wie heute, und den alten littauischen Roggen u m p f l ü g e n müssen. Tamals waren die Verkehrsverhältnisse noch lange nidjt die heutigen, und wir sahen der Zukunft trübe entgegen. Der: Sommer nxir aber günstig, wir ernteten so viel Sommergetreide, daß wir den Ausfall der Winterung z u mi großen Teile decken konnten und kauften schließlich im Herbst den Roggen um 5 0 Pfennige billiger, als er im Frühjahr galt. Auch in diesem Sommer läßt sich die Witterung noch gut an. Darum „nur die Hoffnung festgehalten". Was die Witterung genommen, kann sie auch wieder ersetzen!" Dagegen schreibt nun die „Kons. Korresp.": „Ei, ei, Herr Bräsicke! Wie stimmt denn mit diesem Schanzenrufe die Behauptung Ihrer Partei, daß höhere Getreidepreise n u r wenigen Großgrundbesitzern zugute kommen und den kleinen Wirten zum Schaben gereichen? Wenn Herr Bräsicke demnach angemessene Getreidepreise für die Landwirtschaft als unbedingt erforderlich erarf)tet, so ist es gar nicht zu verstehen, daß er gegen die Konservativen, deren Bestreben es ist, eine Erhöhung der Getreidepreise zu erlangen, agitiert und für die Brotwucherschreier eintritt. Macht sich Herr Bräsicke hier nicht selbst des „BrotWuchers" verdächtig ? Es zeigt sich eben auch bei der neuesten Veröffentlichung des freisinnigen Agrar-Sachverständigen wieder, wie mißlich es für Landwirte ist, in der Gefolgschaft der Antiagrarier zu marschieren. Doch nicht allein einen Kriegsruf richstet Herr Bräsicke an seine östlichen Berufs^ genossen, sondern er ruft ihnen auch Trost zu. Wir zweifeln daran, daß diese Mitteilung den Landwirten, zum Tröste gereichen wird. Denn wenn die Ausfälle der Winterung nur zum Teil gedeckt, dessenungeachtet aber die Getreidepreise gegen das Frühjahr fallen würden, so wäre das wahrlich kein Jdealzustand für den geplagten Landwirt, der doch nicht kaufen, sondern verkaufen will." Bekanntmachung. Betr.: Maul« und Klauenseuche im Kreis Lauterbach; hier Ausfallen des Viehmarktes in Lauterbach. Mit Rücksicht auf die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in unserem Kreise haben wir uns veranlaßt gesehen, auf Grund des § 28 des ReichSviehseuchengesetzes den für Donnerstag, den 13. l. Mts. nach Lauterbach bestimmten Vieh. (Prämien) Markt einzustellen. Lauterbach, den 8. Juni 1901. Großherzogliches KreiSamt Lauterbach. Dr. Wallau. 143 II au d. s btt 132 s ibe ito .28 tefl. Sb im ihen A lves itilit 'ge" iven ,81 Bewerberinnen mildesten EnM, Mn Serien LL —4035 an die heb ®21751 AniltmSauveMsiaeL habefl Mädchen M Führung ttneS klemm fyiuSialti zu einem Minen Herrn bis 1. W\ ar- M Näheres in der tzMtm des Gießener AnMnl ««£Äi rM. । Die vorstehende Entscheidung ersuchen wir Sie den""- 't—' H Steuerpflichtigen Ihrer Gemeinden in ortsüblicher Weise alsbald zur Kenntnis zu bringen. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden be- sondere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, Gießen, den 8. Juni 1901. Iwelche den betreffenden unverzüglich zuzuftellen sind/ Der „Der Geschäftsaufsatz und die Buchführung in Ibfr Ladungen ist innerhalb 5 Tagen avzuzeigen. Die der Fortbildungsschule" und „Der Geschäfts Militärpflichtigen find außerdem anzuweisen, ihre Losungsscheine aussatz für kleinere ländliche Fortbildungsschulen Jut Stelle zu bringen. HeffenS". | Die zur Beurteilung von Reklamationen in Bettacht kommenden Personen, wie Eltern, Geschwister, haben ebenfalls 3“, erscheinen, ansonsten auf die betreffenden Reklamationen keine Rücksicht genommen werden kann, was die Großh. Bürgermeister den betreffenden Reklamanten noch besonders mitzuteilen haben. • Vezngrprelr virri •u»»ärt8 90 Vfg. MüiiM Auche für m. Tochter, w.stmetir. ^imtzauSh.erf.ist, Stell in geb, tfam., wo dies, sich im Mm ic. vervollk kann, bei vollst. Familien anschluß ohne gegenseitige Vergüt. 8u elf. in der (frptb. 02227 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen anlagung der direkte n Staatssteuern für dieses Jahr -------—————-— in den Landgemeinden unseres Bezirks bis 6. Juli Repettous-KursuS au der Großh. laudw. I. IS. erstreckt wird. Schule in ^riebber9. Gießen, den 11. Juni 1901. ^Le^^an^' Großh. Sl-u°rk°mmifsariat Gi-ß-„. ®ie S.undm sind g=IeflMäg!id) vormittag- von 9-12 JJ£e?lcr’ lund nachmittag von 3—5 Uhr, sodaß der größere Teil der Besucher die Züge benutzen kann. 3 Stunden täglich Buchführung (Durchführung eines Die Großh. Kreisschulkommisfion Gießen au die Lchulvorstäude deS Kreises. ®crlage von H. W. Schlimpert in Meißen (Som» IMi'jLO.n?t)erIa0 das Großherzogtum Hessen: Ernst Balser m Gleßen) find erschienen: „®er GeschästSaufsotz und die Buchführung in der Fortbildungsschule- und „Det Geschäfts, auffaß für kleinere ländliche Fortbildungsschulen HeffenS-, herausgegeben unter Mitarbeit des Großh. Kreisschulinspektors Profeffor Dr. Albert Lucius in Gießen von Schuldirektor Emil Rasche. , „ - , - .—.....—-------- Auf beide Schriften machen wir Sie unter bem «nfüacn h feL6ft “nto,cfI"b ?u Jci”' um bei der Untersuchung aufmerksam, daß sie für den Unterricht in her ^nrthHhHnn« Don ^lddienstuntauglichen, sowie Invaliden ev. Auskunft geben schule wohl aeeianet sivd 4 S->rtbildungS-i (5nnen, Qlld) habe« sich dt.selbe- darum ,u bemühen d°h 9 9 ö "• n n n 0 r bic Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eine Stunde --Magner.__________________ vor Beginn des Geschäfts zur Stelle find, nüchtern und Aekanntmaäluna sekleider erscheinen, und während des Aushebungs- \ Ein französischer Geistlicher hat vor wenigen m. ar L geschaftes em anständiges und ruhiges Verhalten beobachten. Tagen gelegentlich der nationalen Pilgerfahrt der Männer Betr.: Den AuSschlag der Staats steuer für das Steuer- waA denselben vor Abreise nach den einzelnen Aushebung^- Frankreichs nad)' Lourdes unter „frenetischem Beifalle dort zahr 1901/1902; hier: Verlängerung der Be- Bezirken noch ausdrücklich zu eröffnen ist. eine Predigt" gehalten, der wir folgende Stelle ent- rufungsfrist. Gießen, am 29. Mai 1901. nehmen: Großh. Ministerium der Finanzen hat genehmigt, daß Der Zivil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz Kommission dem Herzen Jesu und dem Herzen Frank- mit Rücksicht auf die verspätetere Zustellung der Steuerzettel des Kreises Gießen. besteht eur heiliger Bund. Christus hat sich dic^ Frist zur Borbriuguug, von B-rusuug-n gegen die 8«.| ®oedmann. | f,f» ^“e J Ä ÄtwÄtS „guter Franzose" in Patay (wo die päpstlich>en Zuavew gegen Deutschland Mochten), als „guter Franzose" in Parray-le-Monial, wo er uns sein Herz zeigte, als „guter Franzose" in Lourdes, wo er uns seine Mutter schickte. Darum ruft Frankreich feit Jahrhunderten: Es lebe Christus, der Frankreich liebt. Wie Christus aber stets guter Franzose war, so war auch Frankreichs stets der „Soldat Gottes"! Und so oft die Franzosen zum Himmel hinaufriefen: „Es lebe Christus, der die Franken liebt", , _ ___________riefen die Engel vom Himmel herunter: Es lebe Frank- für die Teilnehmer). reich, das Christus liebt!" 2 Stunden täglich Besprechung landw. Fragen aus dem ,^iese Predigt endete mit einem Hinweis auf die nächsten Sebtete bet Tierzucht unb FüiterungSlehre, bei Obstbaues, Etwas Geschmackloseres kann mau sich wahrlich bet lanbto. Unkräuter und Schädlinge. P ™ m » . nächsten Predigt wird dieser famose 8eahntroOrtU? b°'°nd°r°- Wer. gdegt»ÄÄÄÄÄ ttnrb, find bis 8 Tage vorher einzusenden, oder können in etwa der des edlen Teroulede? V B ben tm Schulsaale aufgehäugten Briefkasten eingeworfen, ober in freier Diskussion erörtert werden. !!. ^Dal, ’ bop s iiu .»UiHl! lni 2v> uKft Richtung bi, «-leuch, te’*'«»< <1811 Sine 2Ö0 Mark «Uüisü ’Ä , e C. Gießen, 11. Juni. TerzweiteTaq der Verhandlung. Um 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende die Sitzung. Ter Oberstaatsanwalt beantragt, die Beweisaufnahwe nochmals . .Zu eröffnen und den Brief zu verlesen, den Möller am Politische Times schau. J5-«« in seiner Zelle mi t Bleistift geschrieben und. . VJ .. verbucht hat, ihn in einem Gebetbuch durchzuschmuaaeln. ^^ ^^r von der „Kvnigsb. Hart. Ztg." veröffentlichten Tas Schriftstück ist an seine Mutter gerichtet. Tie be* I'^ndet sich- der freisinnige Rerchstagsabgeord- sonders wichtige Stelle daraus lautet: BeklrNNlMlfMNNst. ?e.te Gutsbesitzer Brasicke-Eszeruppen an die Land- Liebe Mutter! Ihr braucht Euch keinen Kummer zu Betreffenb: das Ober Ersatzaeschäft für 1901. • ---n?em e< bie. ^drohende Gefahr der bereiten, daß sie mich aufs Schassot bringen. Lieber Das Ober-Ersatzgeschäst für 1901 wird im Kreise s^,!s^b^luhrung des I dentitatsna chw ei s e s, dessen nehme ich einen Strick und erhänge mich am ™ W T Aufhebung die be,te Errungenschlast des rufiiichen Handels- Fenster. Liebe Mutter. Ich bitte Euch jetzt um Ver- n ett , .r r o., . Vertrages )ei , ausmerk)am macht. Diese Gefahr liege in zeihung, denn ich gehe in den Tod nehme mir Montag den 24. Juni tm Rathause zu Lich, vor- dem Anttage des Grafen Klinckowstroem, der, wenn bas Leben selbst, nicht baß die Schnapshessen sagen Mittags 8 Uhr, . , er durchgange als naturgemäße Folgen Preissturz können, sie hätten einen Bayer aufs Schaffot gebracht. DiettStag den 25. Ium tn der Restauration „Zum un) eres Getreides um mindestens ca. 1 Mark auf Ich nehme mir das Leben selbst Ich gebe in b-m Tod Lonys Bierkeller", Schanzenstraße Nr. 18, zu Gießen, den Zentner, -vahrschernlich nochmnehr, nndVer teuerun g Taraus wird die Beweisautuahme gelchlossen und die vormittags 8 Uhr, der Futtermittel, die wir nur aus Rußland beziehen vier Hauptfragen werden sestgestellt. Tie erste lautet ans Mittwoch be» 26. J»»i daselbst, vormittags 8 Uhr, I U,J , Unfalls ,o viel nach sich ziehen müßte. Vor- Mord und Raub, die zweite, dritte unb vierte auf Dieb- tiben Thatbestandes, das Gutachten der Sachverständigen einbeziehend, und zieht daraus den Schluß, daß ein Raubmord vorliege. Alsdann führt er aus, wie der Leichnam identifiziert worden ist. (Ter Mörder sitzt während der Ausführungen des Oberstaatsanwalts vorübergebeugt, den Kopf in die rechte Hand gestützt, in der er sein Taschentuch hält.) Alsdann geht der Vertreter der Anklage zum subjektiven Thatbestand über, indem er die Art und Weise schildert, wie der Mörder eruiert worden ist. Er beleuchtet dabei die Person des Angeklagten, der das älteste von drei unehelichen Kindern ist. Also sei er schon mit dem Fluch der unehelichen Geburt behaftet. Sein Stiefvater sei ein Müßiggänger, der sich von seiner Frau ernähren lasse. Es sei daher nicht verwunderlich, daß die Erziehung in dieser Atmosphäre nicht sonderlich gute Früchte zeitigen konnte. Uebergehend! auf die Vorstrafen, schildert der Oberstaatsanwalt eingehend die letzte That des Angeklagten in Würzburg und weist alsdann nach, daß er auch die ihm zur Last gelegten Diebstähle begangen hat. Alsdann geht er auf die Miordthat selbst über. Er schildert, wie der Angeklagte volle sieben Monate hindurch hartnäckig geleugnet und erst gestanden habe, nachdem er die Anklageschrift gelesen habe. Von Reue könne keine Rede sein. Er habe nicht gestanden, um sein Gewissen zu erleichtern, sondern um seinen Komplizen zu belasten und vielleicht auch in der Hoffnung, begnadigt zu werden. Alsdann giebt der Oberstaatsanwalt eine Darstellung der That selbst, wie sie sich aus der Verhandlung ergeben hat. Er bittet am Schlüsse seiner fast zweistündigen Rede die Geschworenen , alle vier Hauptfragen mit ja zu beantworten. Nach kurzer Pause ergreift der Verteidiger, Justizrat Metz zur Verteidigung das Wort. Auch er führt aus, daß die Verantwortung, die alle, Gerichtshof, Staatsanwalt, Geschworene und Verteidiger heute hätten, groß sei. Er geht einig mit dem Oberstaatsanwalt, daß die That abscheulich roh sei, die gesühnt werden müsse, auch er verdamme sie, und er wisse wohl, daß der Angeklagte keine Sympathie verdiene. Er hofft, daß es ihm gelingen werde, nachzuweisen, daß der Angeklagte des Mordes nicht schuldig sei. Er sucht an Hand einer Reihe von Thatsachen nachzuweisen, daß Mord nicht vorliege, und erklärt, daß seinem Klienten nicht nur der vernünftige, sondern auch der sittliche Intellekt fehle. Trotzdem sei es dessen Geständnis allein zu verdanken, daß" die !That überhaupt gesühnt wird. Er beleuchtet alsdann die Möglichkeiten, mit denen der Oberstaatsanwalt gerechnet hat. Er zweifelt weiter, daß die Person, die nach der That gegen 4 Uhr vom Kloppenheimer Wäldchen kommend, gesehen wurde, mit dem Angeklagten identisch sei, womit er den Umstand aufklären will, daß zwischen dem Abmarsch vom Chausseehaus und der Ankunft in Groß-Karben drei Stunden liegen sollen. Zur That selbst übergehend, sucht er an der Hand des Geständnisses, das sein Klient abgelegt hat, darzuthun, unter welche rechtlichen Gesichtspunkte die That falle. Alsdann streift er die rechtliche Seite und erklärt, daß seiner Ansicht nach es beim Mord lediglich auf den Vorsatz und die Ueberlegung des Thäters ankomme und nicht darauf, ob ein Raub damit verbunden sei, der auch mit dem Totschlag zusammen Vorkommen könne. Er stellt den Geschworenen anheim, den zweiten Teil der ersten Frage auf Raub zu bejahen, aus dem ersten Teil derselben aber das Moment der Ueberlegung herauszunehmen. Zum Schlüsse seiner dreiviertelstündigen Ausftihrung bittet er die Geschworenen, die Schuldsrage auf Raub zu bejahen, die des Totschlages vor Bejahung genau zu prüfen, unter allen Umständen aber den Mord zu verneinen. Um 12 Uhr erhält der Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich zur Erwiderung das Wort. Zunächst wendet er sich gegen die rechtlichen Ausführungen des Verteidigers über die Thatbestands- merkmale des Mords im Gegensatz zum Totschlag. An der Hand des Strafrechtskommentars von Berner begründet er weiter seine rechtlichen Ausführungen und bittet unter erneutem Hinweis auf die Verantwortung, die die Geschworenen dem Recht und der Gerechtigkeit gegenüber hätten, sämtliche Fragen zu bejahen und den Angeklagten dahin zu bringen, wohin er gehöre, nämlich auf das Schaffot. Darauf sucht Justizrat Metz die rechtlichen Ausführungen des Vertreters der Anklage zu widerlegen, ins- bejoüdere die bezüglich des Mordes und des Totschlags. Alsdann auf die thatsächlicye Seite übergehend, tritt er den Deduktionen des Oberstaatsanwalts entgegen, der Angeklagte habe ein Geständnis abgelegt, das zweifellos bekunde, daß ein Mord vorliege. Zum Schlüsse führt er aus, Gerechtigkeit müsse sein, aber es müsse nicht nur das Recht der Allgemeinheit, sondern auch das des Individuums gewahrt werden; der Angeklagte befragt, ob er noch etwas zu seiner Verteidigung vorzubringen habe, erklärt: „Nein". Darauf giebt der Vorsitzende die Rechtsbelehrung. Um 1 Uhr ziehen sich die Geschworenen zur Beratung zurück, Nach 30 Minuten verkündet der Obmann der Geschworenen, Fabrikant Eichenauer von Gießen, den Wahrspruch dahin, daß alle vier Hauptfragen auf Raub, Mord und Diebstähle bejaht worden sind. Darauf wird der Angeklagte vorgeführt und es wird ihm durch den Gerichtsschreiber, Gerichtsassessor Deibel, der Wahrspruch der Geschworenen vorgelesen. Ohne eine Miene zu verziehen, hört er den Spruch an. Als der Oberstaatsanwalt das Wort zur Antragstellung bezüglich des Strafmaßes ergreift, setzt sich der Angeklagte. Selbst in dem Augenblick, als der Vertreter der Staatsbehörde Todesstrafe beantragt, macht das auf den Angeklagten keinen sichtlichen Eindruck. Der Oberstaatsanwalt beantragt wegen des Raubmords die Todesstrafe, für jeden der drei Diebstähle je 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus, die mit je 1 Jahr, in Summa drei Jahren, zu der in Würzburg ausgesprochenen Zuchthausstrafe von neun Jahr in Zusatz zu kommen hätten; ferner beantragt er Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Tauer des Lebens und Verurteilung in die Kosten des Verfahrens. "Ter Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück, da weder Verteidiger noch Angeklagter irgendwelche Anträge stellen. Nack) 15 Minuten verkündet der Vorsitzende das Urteil. Es lautet, wie bereits gestern in Kürze mitgeteilt: Der Ange- kl a g t e w i r d w e g en Mo r d s i n I d c al k o n ku r r e n z mit qualifiziertem Raube zum Tode und wegen dreier Diebstähle im Rückfall unter Einbeziehung der gegen ihn am 22. Oktober 1900 durch die Stafkammer des Land- Lgerichts zu Würzburg ausgesprochene Strafe von 9 Jahren Zuchthaus zu einer Gesanttzuchthausstrafe von 10 Jahren und 6 Monaten verurteilt, auch werden ihm dauernd die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt und die Kosten des Verfahrens auferlegt. Ter Präsident richtet noch folgende Worte an die Geschworenen, nachdem er erklärt hatte, daß nunmehr die diesmalige Schwurgerichtsperiode geschlossen sei: „Meine Herren Geschworenen! <5ie erlassen es mir wohl heute, unter diesen Umständen, die bekannte Rede an Sie zu halten und Ihnen für Äre Thätigkeit zu danken." - • 6 Stumm vor Entsetzen über den Cynismus, das Phlegma und die erschreckende Frivolität des Mörders hatte eine zahlreiche Zuschauermenge beiderlei Geschlechts die fast zweitägigen Verhandlungen verfolgt. Kaltblütig schaute der Mörder den Vorgängen im Saale zu, wo doch über sein „Sein oder Nichtsein" Gericht gehalten wurde. Wenn er auch schließlich unter der Wucht der Änklage und nach den mit gehobener Stimme gesprochenen Worten des öffentlichen Anklägers: „Bringen Sie den Angeklagten dahin, wohin er gehört — aufs Schaffot" seine trotzige Haltung änderte, so trug er doch während der ganzen Verhandlung ein Benehmen zur Schau, als wäre er nicht der Uebelthäter, sondern Zuschauer — Kriminalstudent. Bald zeigte er ein unheimliches Grinsen, bald machte er vergebliche Anstrengung zur Thränenerzeugung. Grausen "erfaßte die Zuschauer, besonders die weiblichen, als im Laufe der Beweisaufnahme der Angeklagte vom Oberstaatsanwalt ersucht wurde, zu zeigen, wie er mit dem Stein dem Ermordeten den Schädel zertrümmert habe, denn bald stand der Mörder mit hochgehobenem schweren, blutbefleckten Stein ungefesselt vor dem öffentlichen Ankläger. Ein Unglück hätte geschehen können, so sagten später viele. Auch die Vorzeigung des total zerschlagenen Schädels des armen Opfers erregte Schaudern rm Zuschauerraum. Trotz der enormen Hitze war der Saal so besetzt, wie seit Jahren nicht; die meisten erschienen wohl, um den Mörder zu Gesicht zu bekommen, der keine Reue zeigte, obwohl er auf Vorhalten des Präsidenten, oo er Reue empfinde, kalt antwortete: „Jawohl!" und langsam sein rotes Taschentuch an die trockenen Augen führte. Im Laufe der Verhandlung schien er an eine Todesstrafe nicht zu glauben, und jetzt noch scheint er stark aus die Gnade unseres Landesherrn zu rechnen. Aus Stadl und Kand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Arrz.* gestattet.) ** Persoualnachrichten. Der Großherzog hat am 11. Mai der Gemeindehebamme Katharina Schick in Wendels' heim, im Kreise Alzey, die Silberne Medaille des Ludwigs- Ordens verliehen. — Ernannt wurde am 5. Juni der Fuß. gendarm Franz Woithe in Lindenfels zum Amtsgerichts diener bei dem Amtsgericht Mainz. Lt. Jubiläum. Der evangelische Pfarrer Friedrich August Röschen zu Winnerod wird, wie wir bereits kurz meldeten, am Montag, 17. Juni, sein 50jähriges Dienstjubiläu m begehen. Die Feier wird in Grünberg im „§otel zum Hirsch", unter Anwesenheit vieler Freunde und Verehrer des Jubilars, vormittags 10 Uhr, stattfinden. Röschen ist geboren am 17. Dezember 1826 zu Ober-Rosbach bei Friedberg, wurde am 15. Juni 1851 Vikar in Mittel-Seemen und wirkt seit 1854, also nahezu 47 Jahre, als Pfarrer, hochgeschätzt und verehrt von seinen Amtsbrüdern und Ge- meindemitgliedern, in Winnerod bei Grünberg. ♦♦ Gartenfest. Das am letzten Sonntag vom gemischten Chor des Evangelischen Arbeiter-Vereins auf der Liebighöhe veranstaltete Gartenfest war sehr gut besucht und nahm einen schönen Verlauf. Nachdem die Musik die Erschienenen durch Vortrag verschiedener Konzertstücke erfreut hatte, bestiegen die Damen und Herren des gemischten CHVrS die Tribüne, um unter Leitung ihres bewährten Dirigenten Gröuinger das Frühlingslied: „Hörst Du es klingen im tiefen Grund" vorzutragen. Es folgten sodann Jugendspiele, bei denen sich die Kleinen höchlichst erfreuten. Im weiteren Verlauf des Nachmittags erfreute der gemischte Chor die Anwesenden noch durch Vortrag verschiedener Lieder. Der von Damen mit Orchesterbegleitung vorgetragene Walzer verdient hervorgehoben zu werden. DaS Fest war recht wohlgelungen. Erwähnt sei noch, daß der Wirt des Festes es an Nichts hat fehlen lassen, die Festteilnehmer zufrieden zu stellen. ** Das Verbot der offenen Versendung von Ansichtskarten mit Verzierungen rc. aus Mineral staub, Glassplitterchen, Glaskügelchen, Sand, Metallteilchen und bergt tritt erst vom 1. Oktober ab, und zwar außer im inneren deutschen und deutsche-schweizerischen Verkehr auch im Wechselverkehre mit Oesterreich und Ungarn in Kraft. § Butzbach, 11. Juni. Der wegen des gestern von hier berichteten Sittlichkeitsverbrechens in Untersuchungshaft gebrachte Taglöhner hat sich heute morgen in der Gefängniszelle mittelst seines Leibriemens erhängt. Der Selbstmörder ist wahrscheinlich aus Dernbach im Kreise Biedenkopf gebürtig, heißt Adam Mantel und hinterläßt Frau nebst zwei Kindern in Günterrode. B. Merlau, 11. Juni. Gestern gegen 1 Uhr ereignete sich hier beim Aufstellen der Festhalle zu dem am nächsten Sonntag hier stattfindenden Bezirkskriegerfeste, ein bebauet licher Unglücksfall. Der 17 jährige Sohn des Zimmer. mannS Johannes Deubel aus Flensungen wurde durch ein herabfallendeS scharfes ZimmermannSbeil derart am rechten Handgelenk verletzt, daß die beiden Sehnen vollständig durchschnitten wurden. Der Schwerverletzte wurde heute in die Klinik nach Gießen gebracht. (!) Aus dem oberenVogelsberg, 10. Juni. Touristen, die den Vogelsberg durchstreifen und zum Hinoder Rückweg die Strecke Gedern-Herchenhain wählen, kommen an einem Plätzchen vorüber, das wohl zu den schönsten unseres Gebirges gehört Es ist dies der Altenburgskopf, der eine Felspartie zeigt wie nirgends sonst im Vogelsberg. Leider ist diese so mit Gesträuch verwachsen, daß sie dem Auge des Wanderers zum größeren Teil verschlossen bleibt. Es wäre sehr zu wünschen, daß hier das Gestrüpp beseitigt und von dem Vogelsberger Höhenklub eine Ruhebank aufgestellt werde. Biedenkopf, 10. Juni. Die Verkehrsverhältnisse im südlichen Teil des Kreises werden durch ein paar Zahlen treffend illustriert: Um von dem in der Luftlinie 18 Kilometer südlich gelegenen Gladenbach nach Biedenkopf zu gelangen, muß man erst noch 12 Kilometer weiter südlich, dann 14 Kilometer östlich und 35 Kilometer nördlich fahren, macht in Summa 61 Kilometer; gute Fußgänger werden sich wohl anderweitig zu helfen wissen. Aehnlich» verhält es sich natürliche mit der „direkten" Verbindung Biedenkopfs mit der Regierungshauptstadt Wiesbaden. Auf der Fahrt muß man nicht nur recht oft umsteigen, sondern passiert noch die rhein-preußische Enklave Wetzlar, sowie ein Stück des Großherzogtums Hessen. Für Abwechselung ist also hinlänglich gesorgt. Kunst und Wissenschaft. Soburg, 10. Juni. Der Vorabend, mildem im hiesigen Gefell- schift-hause der 25. Verbandstig der deutschen Vortrags- o«-reine eröffnet wurde, galt dem JubUkium deS Verbandes und der Ehrung feines Vorstehers, deS Privatiers Edmund Lotz-Koburg, der ebenfalls nahezu 25 Jahre die Leitung des Verein« in Händen hat UeberauS zahlreich harten sich die Delegierten aus allen Teilen des Reiches zu dieser Frier etngefunden. Im Namen der SkaatSr .gicruvg begrüßte RegierungSrat v. Baffewttz, im Namen der Stadt Bürgermeister Hirschfeld die Versammlung, zu der vom Reichsamt deS Innern Gch. OberregierungSrat Dr. Wtlhelmt aus B:rlin nnd alv Fest rcdner Geh. Hofrat Professor Dr. Oncken auS Gießen erschienen mirrn. Gerichtssaal. d" Gietzerr, 11. Juni. (Gewerbegericht.) Unter dem Vorsitze des Beigeordneten Wolff kämm heute sechs Gewerbestrettsachen zur Verhandlung. AlL Beisitzer fungierten Bäckermeister F. Hennings und Maurer Wilhelm Lauchl, Bäckermeister Hennings an Stelle des erkrankten Beisitzers Emil Heinrich Müller. In der Sache deS Kellners Hetnr. L e m l e r gegen den Restaurateur Bernd war die Klage auf Zahlung von 50 Mk. Entschädigung gerichtet, well, wie s. Z. gemeldet, der Beklagte de« Kläger als Kellner engagiert, nicht aber eingestellt, ihm vielmehr vor dem Eintritt gesagt haben soll, er könne kommen, solle sich aber in eine Ecke setzen und dem anderen Kollegen zusehen, wie dieser arbeite, Esten und Trinken bekomme er. Kläger nahm dieses Anerbieten, da er Salair nicht bekommen, vielmehr nur auf Trinkgelder angewiesen sein sollte, nicht an. Da Zeugen bet dieser Unterredung nicht zugegen gewesen, hat er dem Beklagten den Eid darüber -ugeschoben, daß die Unterredung so wie angegeben, verlausen sei. Das Gericht hat dem Beklagten einen bezüglichen Eid durch bedingtes Endurteil auferlegt, den «bzuleisten dieser sich aber weigerte. Vor Erlaß deS Endurteils einigen sich die Parteien dahin, daß Bernd dem Lemler eine Entschädigung von 30 Mk. zahlt. — In der Sache des Knechts W. Krätzer gegen den Wirt Otto Luft steht heute Termin zur Beweisaufnahme. Eine Zeugin wurde vernommen, da jedoch noch weitere Zeugen abzuhören find, mußte der Termin abermals verlegt werden. Luft will dem Krätzer nur 80 Mk. schulden und bot ihm diese "cm. Krätzer nahm sie auch vorb-hälllich der Durchführung der anhängigen Klage, als Abschlagszahlung an. — Die Schirmmacher Georg Hammel und Paul Breitkopf klagen gegen die Firma Job. Spies & Eo. (Inh. M. Levi) auf Zahlung von je 24 Mk. Entschädigung wegen verfrühter Entlastung. Hammel war nicht erschienen und dec Beklagtenoertreter ließ diese Sache aus sich beruhen. Brettkopf dagegen hält seine Klage aufrecht. Er will das Arbeitsverhältnis Dienstag den 21. Mat mtt der Erklärung gekündigt haben, daß er SamStag in 14 Tagen aufhören werde zu arbeiten. Der Vertreter der beklagten Firma behauptet dagegen, daß am 21. Mai mit 14tägiger Frist gekündigt worden sei und daß er den Kläger deshalb am 4. Juni entlasten habe. Der Kläger verlangt für die vier Tage zu früh erfolgt« Entlastung zusammen 24 Mk. Die Höhe d,s Anspruchs ist nicht bestritten worden. Zur Aufklärung der widersprechenden Behauptungen der Parteien ist Zeugenvernehmung erforderlich. Ein anderer Termin wurde anberaumt. — Die fünfte Klagesache endete mit einem Vergleiche. Es hatte der Arbeiter Heinrich So mmerlad gegen den Pflasterermeister Jobs. Hofmann wegen Zahlung rückständigen Lohnes geklagt. — Der Maurer Rudolf Daum von Reiskirchen verlangt von der Firma BtrkenstockLSchneider 7,47 Mk. Entschädigung, weil er am 6. d. M. ohne Grund und Kündigung entlasten worden sei und erst am 10. d. M. wieder Arbeit ge» fanden habe. Schneider erklärte, daß die Entlassung erfolgte, wett sich der Kläger ungehörig benommen habe. Die Parteien einigten sich schließlich dahin, daß die Beklagte dem Kläger auf seinen Anspruch zur Erledigung der Sache 4,50 Mk. zahlt. Sch>. Darmstadt, 10. Juni. Bei ber hiesigen Staatsanwaltschaft erschienen heute einige Versicherungsbeamte ber- jenigen Gesellschaften, bei denen die Rheinische Malzfabrik Gernsheim versichert wär und gaben Erklärungen, die darauf hinausgehen, den durchgegangenen Direktor Roth der Brandstiftung zu bezichtigen und ihn dieser- halb sowie wegen Betrugs weiter unter Anklage zu stellen. Mainz, 10. Juni. Wegen unlauteren Wettbewerbs hatte sich vor der Strafkammer der Kaufmann Christian Brücke! aufl Singen zu verantworten. Der Angeschuldigte hat tm Juli v. Js. in Schwelm als Reisender der Binger Wetnfirma Hermann Krug einem Kunden der Binger Wringroßhandlung Mayer u. Coblenz die unwahre Angabe gemacht, daß die Firma M. u. C. den Wein für ihre Kunden direkt auS den Kellereien deS Krug besorgen loste. Auch be- z'ehe sie und andere Firmen in Biegen den Wein „waggonweise" von Krug. Die Herren Mayer u. Coblenz, die bedeutendste Weinfirma in Bingen, hatte bisher nach den Aussagen des Zeugen Mayer keine Ahnung von der Existenz deS „WelthauseS Krug", hörten aber auf ihre polizeilichen Nachfragen, daß Krug zwar keine Kellereien in Bingen, aber dafür ein „möblirteS Zimmer" besitze. Der Angeklagte hatte auch behauptet, daß Krug bedeutende Weinberge besitze, die früher Eigentum ber Gräflich Lrtuirgen'schen Familie gewesen feien. ES wurde festgestellt, daß Krug mit seinen Geschwistern in der Gemarkung Sauer-Schwabenhetm einige Wtngerte von seinem Vater geerbt hat, die vor undenklichen Zetten einmal im Besitze der Leiningen'schm Familie gewesen sein können. AuS der Beweisaufnahme ging ferner hervor, daß Krug sehr häufig von anderen Binger Firmen Wein an seine Kunden effektuieren läßt. DaS Gericht verurteilte den Angeklagten xu 150 Mk Geldstrafe. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. DreShen, 11. Juni. Die „Dresd. Nachr." schreiben über die (gestern bereits von uns kurz erwähnten) Krisis der „Kreditanstalt für Industrie und Handel" sowie über die „Elektrizitätswerke vorm. Kummer u. Co." : In den letzten Tagen fanden wiederhott Besprechungen statt, an denen die Ser tretet der Reichsbank, der Sächsischen Bank, der Dresdener Bank, der Deutschen Bank sowie der hiesigen Bankhäuser Gebrüder Arnhold und Günther und Rudolph teilnahmen. Es wurde beschlossen, unter der Bedingung, daß sämtliche Wechselinhaber Stundung g-währen, der Kredttanstalt 6>/r Millionen Mark gegen Unterpfand in schätzungsweise ungefähr gleichem Betrage zur Verfügung zu stellen. Damit würde die Kreditanstalt imstande sein, sämtliche Hypotheken- und Buchgläubiger voll zu befriedigen. Allseitig war man der Meinung, daß bei einer langsamen Liquidation, die nicht zu vermeiden sein wird, auch die Wechselgläubiger der Kreditanstalt volle Bezahlung erhalten würden, während freilich für die Aktionäre nur die Verteilung zurzeit unveräußerlicher Werte übrig bleiben wird. Ungünstiger war das Resultat der Besprechungen für die Akttengesellschaft vorm. Kummer u. Co., deren Verhältnisse mehr verwickelt sind, sodaß deren Lösung außergerichtlich sich nicht ermöglichen läßt. Die Vertreter der Banken und Bankhäuser waren aber darin einig, daß im Interesse der vaterländischen Industrie dieses Unternehmen durch Rekonstruktton erhalten werden müsse. Die bisherigen Direktoren der Kredttanstalt. Generalkonsul Kommerzienrat Horn, Bürgermeister a. D. Vicekonsul Klötzer, reichten chre Demission ein, die der Auffichtsrat der Bank cumahm. ko. Frankfurt M., 11 Juni. (Heu. und StrohmarktJ Angefahren: 12 Wagen mtt Heu, 2 mit Stroh. Heu Mk. 4.50 btt Mk. 4.80, Stroh (Roggenstroh) Mk. 3 60 btt Mk. 3.80. Alle« p« 50 Kilo. StIX $ont f°®Vteü*%S Deutschen »» Molph Sft’fiSrÄC y«f|* »iS "i15-»1* 1 i^frieM*”' hie nichs _$u ««ahlu^ SSÄ'-iS W: kSL •nn -Ä1Ä k-Hen»K>r? *93nÄÄ AL« LS 4ni*td0mm^ Dklmtl»r Mills n W an,Ja>0m bei bkftr J b«t et btm BekWm b« Eid Ä \w« to6*, verloüfm to einen bezüglichen Eid durch 6..- W« dsefer fich ober weigerte. i'Wä d-htu, daß Bernd ? $*?',ab^ “ 3" der Lache b«r Wirt Otto Lust siebt heute ie Zeugin würbe vernommen, da 'm find, muhte dn Termin ebei: i Krützer nut 8V M. schuld« uib sie auch votdrhMch der Durchs lU Ldscht,ztzzahlurig an. - $)it i rdPaul Brettkopfklagmgegen Inh. M. Levi) aus Zahlung ton rslübier Entlassung. Hammel wer nveitretet lieh diese Sache aus sich seine Klage aufrecht. Er will tat . Mai mit der Erklürung MW azen aufhüren werde zu atbdtu>. behauptet dagegen, daß am 2LSJlai dm sei und daß er den Klüger de?-- Der Kläger verlagt sür die vier l zusammm 24 Ml. Die Wrdis iTba. Zur Sustiürung der M" arteten ist Zeugmvernehmng erwürbe anberaumt. - Die fueifte äi. 6§ hatte der Arbeiter Heimich meisterM. Hofmann wesm «t- Der Murer Rudolf Daum lmaB^rdensivL^bchneider mb.d.M. ohneGrrwdund Kur- rst am 10. d. M- wieder Arbeit gst . daß die Entlassung tn habe. Die Partei« einigten si- e dem Klager auf seinen Anspruch ?uftei der hiesigen Staats- ichrrt Mi Md SÄ öeSsjä! Ü$ys« ^Krug «J keSsä 5S£ti"-fe ^ssi Stammholz-Verkauf. Aus den Freih-rrlich Reedesel'schen Waldungen sollen vom letzten Einschläge im Submiffionswege verk ruft werden: 1. Ztevier Stockhausen. Aichteu-Stämme: 30 St. — 28,40 fm HI, 152 St — 77,59 fm IV. und 15 St. — 2,70 fm V. Klasse 2. Ztevier GIsenbach. Eichen-Stämme: 1 St. — 0,68 fm 1., 9 St — 7,82 fm III., 52 St — 22.89 fm IV. und 172 St — 33,55 fm V. Klaffe. Attißtauneu-Sttimme: 2 St. — 1,60 fm IV. Klaffe. Atchten-Slämme: 2 St. — 8,77 fm II, 74 St — 74,15 fm III, 1134 St. — 486,75 fm IV., 563 St. — 9u,89 fm V. Klaffe. Aichle«-Z>ervfia«gen: 196 St. = 17,49 fm ^teferu-Stämme: 14 St. 12,11 fm III., 192 St. — 78,56 fm IV. und 815 St. — 83,90 fm V. Klaffe jdefetw-^töhe: 1 St- — 1,31 fm I. Klaffe. Kteferu-Aeröfiangc«: 277 St. — 12,89 fm. 3. Ztevier Alegenverg. Hlcheu-Slämme: 2 St. — 1,07 fm III, 17 St. — 6,56 fm IV. und 87 St. — 24,00 fm V Klaffe. DaS Holz ist nach der Elsäffer Taxe ausgenommen, jedoch mit Rinde gemessen. DaS Nadelholz ist nachträglich entrindet worden. Gebote können klassenweise und im Ganzen eingelegt werden. Die Oeffnung der eingelaufenen Offerten, welche bis zum Krettaa den 21. Juni d. I. und mit der Aufschrift „StammholzverSauf" an die Unterzeichnete erbeten werden, findet am Samstag dem 22. Juni I., vormittags 9 Uhr, in Gegenwart der etwa erschienenen Submittenten auf dem hiesigen Geschäftszimmer statt Weitere Auskunft erteilt die unterzeichnete Stelle. ^auleröach (Heffen), den 30. Mai 1901. Areiherrlich vrtrdefrl'sche vtcntkammer. Gulefcfb 8987 Samstag de« 15. Mi 1901, nachmittags 2'/s Ubr sollen die zum N chlaß der Jacob Wttzner «hrttute gehörigen Grundstücke Flur 84 Nr. 599,3 — 93 qm Grab- garten zwischen dem Wäldchen und dem Schießhaus, Flur 34 Nr. 599,3 — 289 qm Hof raite daselbst, Flur 34 Nr. 599,4 — 115 qm GraSgarten daselbst, F ur 29 Nr 24 — 1388 qm Acker auf der Weißerde auf dem Bureau Großh OrtS« gerichtS dahier öffentlich freiwillig erbverteilunqShalberversteigertwer- den. ES wird bemerkt, daß dem Meistbietenden der Zuschlag erteilt werden wird. Gießen, den 11. Juni 1901. Großh. OrtSgericht Gießen. ___________Gros._______4132 Versteigerung. Freitag bett 14. Juni l. 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