Nr. 240 Zweites Blatt. 151« Jahrgang. Samstag 12. Oktober 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Familien- blätler iverden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den ,Blättern für hessische Volkskunde" vrermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FkrnsprechanschlußNr.51. 9.6*.......9 TKmahme von Anzeige« GichknerAnzeiger General-Anzeiger Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen " f kF zeigenteil: Hans Beck. Politische Tagesschall. Vom Fürsten Heinrich dem „Unartigen". Eine schwer glaubliche Meldung fomnit aus dem südöstlichsten Zipfel Thüringens. Dort regiert Fürst Heinrich XX.Il, über einen Teil wackerer, deutsch fühlender Reußen auf seine bekannt wunderliche Art. Der alte Herr, der viel Unglück in seiner Familie gehabt hat und infolge dieser mannigfachen Schicksalsschäge — sein einziger Sohn und Thronerbe z. B., ein körperlich aufs beste entwickelter junger Mann von heute 23 Jahren, ist vollkommener Idiot, kann weder lesen noch schreiben — mit aller Welt hadert, scheint nachgerade in einen Zustand gelangt zu sein, der ernstliche Besorgnis erregt. Nachdem die Angelegenheit allenthalben in der bürgerlichen Presse erörtert wird, können auch wir an chr nicht mehr vorübergeheu. Es handelt sich um folgendes: Im Fürstentum Reutz ä. L. war seit einiger Zeit das Gerücht verbreitet, der Fürst Heinrich XXIL habe Bindern, die irgend eine Strafe abzubüßen hatten, die Strafe unter der Bedingung erlassen, daß sich die tetr. Schulkinder in seinem Zimmer, im Beisein oes Fürsten, von ihm selbst oder vom Vater des Kindes prügeln ließen! Bei einigen Kindern, darunter einem Mädchen, befahl der Fürst Heinrich XXII. sogar, daß dieselben sich! nackend auszuziehen hätten! Vor kurzem kam die Sache durch einen Photographen in Mohlsdorf ans Licht. Tie Einwohner des Fürstenlandes erhielten Flugblätter in verschlossenem Couvert, worin die Sache in aller Ausführlichkeit geschildert wurde. Ein amtliches Dementi blieb aus. Neuerdings lassen sich nun die „Leipziger Neuesten Nachrichten", Rin alldeutsch-konservatives Blatt, aus Greiz schreiben: „Tie von hier aus verbreitete Thatsache, daß der Fürst von Reuß ä. L. eine Züchtigung der Kinder, die mit geringen Gefängnisstrafen belegt waren, angeordnet und ausführen lassen hat in Gegenwart der Eltern, bestätigt sich. Für die Züchtigung wurde den Kindern die Strafe erlassen. Es wurden sowohl Knaben wie Mädchen gezüchtigt." Wir möchten dieser Meldung gern widersprechen und hoffen immer noch, daß aus der Hauptstadt des Fürstentums recht bald ein allen Zweifel ausschließender Widerruf verbreitet wird. Im anderen Falle wäre es an der Zeit, daß auf diese oder jene Weise den seltsamen Zuständen in Reuß älterer Linie durch bundeßrätliches Eingreifen ein Ende gemacht werde. Der gesetzliche Schutz der Ehre. Am 19. Oktober soll, wie wir mitteilten> in Leipzig eine Zusammenkunft der Duell-Gegner, der Unterzeichner ' der bekannten „Erklärung" des Fürsten Löwenstein, statt- finden. Wie die „Kreuzztg." mitteilt, — die, als konservatives Organ, tapfer von den Fortschritten der Bewegung Kenntnis giebt — ist der Zweck dieser Konferenz, „in vorzüglichster Weise Mittel und Wege zu finden, um durch erfolgreichen gesetzlichen Schutz der Ehre den Anlaß zu Duellen zu beseitigen." Diese Bestrebungen haben auf allseitige Unterstützung Anspruch, und man muß sich wundern, daß unsere Gesetzgebung nicht längst der wiederholt auch von Mitgliedern der Regierung anerkannten Forderung nach einer schärferen Ahndung von Ehrverunglimpfungen Rechnung getragen hat. Zureichenden Schutz genießen in dieser Hinsicht nur die Beamten. Gewiß ist dabei zu berücksichtigen, daß nicht die Person des Beamten, sondern die Autorität der Behörde, die er vertritt, in Betracht kommt. Dennoch dräugt sich manchmal der drastische Unterschied auf, wenn etwa an dem einen Orte eine mehr hitzige als böswillige Acußer- ung gegenüber einem Beamten Verurteilung zu Freiheitsstrafe herbeiführt, an anderer Stelle aber die berechnet schamlose Beleidigung eines Privatmannes mit Geldstrafe gesühnt wird. Es ist ein feines und treffendes Wort Mau- passants, daß die Folgen über die Bedeutung der That entscheiden. Im ersteren Falle hat die Kränkung dem Beamten keinen persönlich^ Nachteil zugefügt: der Staatsanwalt verschafft ihm eine rasche und für den Angreifer empfindliche Genugthuung. Im letzteren Falle aber kann die Beleidigung zur Kenntnis weiter Kreise gelangt sein, den davon Betroffenen aus längere Zeit vielleicht in der Achtung der Gesellschaft herabgesetzt, seine geschäftlichen Beziehungen, seinen Kredit ungünstig beeinflußt haben. Ta wird denn die nach, vielen Umständlichkeiten endlich erreichte Verurteilung des Beleidigers zu einer Strafe, die diesen oft nicht im mindesten schmerzt, von dem Schwergekränkten ganz und gar nicht als ein „Ausgleich" empfunden. Groß mag die Zahl derjenigen sein, die mit bitteren Empfindungen die Sftitte der Rechtsprechung verließen und sich besorgt fragten, ob nicht die Geringfügigkeit der Strafe einem skrupellosen Gegner geradezu den Anreiz bieten könnte, neue Kränkungen ins Werk zu setzen? Natürlich sind nicht die Richter verantwortlich zu machen, wohl aber die in der That unzureichenden gesetzlichen Bestimmungen zum Schluß der Ehre des Privatmannes.' Die Bewegung wider den Zweikampf — neuerdings- haben fidj: der erwähnten Erklärung, wie schon mitgetcilt, weiter angeschlossen 13 Adelige, 31 Juristen und 20 Aerzte — würde um vieles kräftiger sein, wenn die Aussicht vorhanden wäre, daß das Gesetz den Angriff auf die Ehre exemplarischer bedroht. Hoffentlich gelingt es der Leipziger Konferenz der Dueltgegner, hierfür die geeigneten Mittel und Wege, in Form präziser Anträge an Reichstag und Bundesrat, in Vorschlag zu bringen. Beachtenswerte Einsprüche. An der ablehnenden Haltuug der rumänischen Regierung gegenüber dem deutschen Zolltarifentwurf ist nicht zu zweifeln, wenngleich die Meldung, der Berliner rumänische Gesandte habe dies dem Reichskanzler ofsiziell mitgeteilt, jetzt für unbegründet erklär: wird. Die Ablehnung gilt hauptsächlich den für Brotgetreide in Vorschlag gebrachten Tarifsätzen. Der jetzt zwi fiten Deutschland und Rumänien bestehende, 1893 geschlossene Handelsvertrag hat auf die Getreideeinfuhr dieses Balkanstaates — zumeist kommt Weizen in Betracht — vorrr-ilhaft eingewirkt. Das Land bringt jetzt schpn bei weitem mehr Getreide hervor, als es für den eigenen Bedarf braucht, und der Anbau ist einer Vervielfältigung wohl fähig. Daß die lanbwirtschaft- liche Produktion bisher nicht entsprechend vorgeschritten ist, hat seinen Grund in der Geldnot der rumänischen Bauern. Die Verschuldung des Grundbesitzes steigerte sich in dem letzten Jahrzehnt außerordentlich!. Zahlreiche Landwirte sind in die Hände von Wucherern geraten. Di-e Staats- sinanzen wurden durchs gelegentliche Mißernten in Mit- leidensch,aft gezogen. Die Regierung hat allerdings auf der anderen Seite die Landwirtschaft nach Kräften unterstützt. Teilweise für diesen Zweck wurde z. B. die letzte rumänische Anleihe ausgenommen, bekannüich in Deutsche land, das auch in früheren Jahren sowohl dem rumänischen Staat wie der Hauptstadt Bukarest Geld darlieh. Dir im Verhältnis zum Kurse ziemlich hohe Verzinsung machte die rumänischen Fonds bei den deutschen Kapitalistrn beliebt und führte zu einer starken Ueberzeichnung auch der letzten Anleihe. Weite Kreise des deutschen Volkes würden also die finanziellen Wirkungen einer ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung des Balkanstaates unmittelbar verspüren, und diese Entwicklung furchtet die rumänische Regierung von der ihrer Meinung nach die Getreide-Produktion und -Ausfuhr einengenden Erhöhung der deutsche Zölle, wie sie im Tarif-Entwurf vorgeschlagen ist Es läßt sichj daraus erkennen, daß die Frage der Getreidezoll- Erhöhung nicht lediglich vom landwirtschaftlichen Standpunkt aus beurteilt werden darf, ebensowenig wie bei den Jndustriezöllen allein Erwägungen industrieller Art entscheidend sein können. Ein Interesse greift hier in das andere über, und das Beispiel Rumäniens zeigt im Besonderen, daß eine Politik, die den Faktor „Ausland" unberücksichtigt lassen wollte, unter Umständen gewichtige Interessen deutscher Bürger gefährden würde. Der Kougostaat als Konkurrent Deutschlands. Der Kongo staat wird, wie uns gestern aus Brüssel gedrahtet wurde, in kurzer Zeit mit dem Bau vvn Eisen- bahnen nach den zentralafrikanischen Seen beginnen. Diese Schienenwege vom oberen Kongo nach dem Albertsee, dem Viktoria-Nyanga und Tanganyika sind auf 1400 Kilometer Länge veranschlagt und für die Entwickelung des Handels natürlich von außerordentlicher Bedeutung. Schon jetzt hat sich ein Teil des Verkehrs im Seengebiet zum Kongostaat hingezogen. Namentlich gilt das von Tanganyika, an dem das unmittelbar angrenzende deutsch-ostafrikanische Schutzgebiet ein sehr lebhaftes Interesse hat. Seitdem der Dampfer „Hedwig von Wißmanu" diesen See befährt, ist die Handelskonkurrenz des Kongostaates allerdings nicht mehr so drückend, wie vordem. Doch ein Schäenenstrang von: belgischen Ävlonial- gebiet zum See würde das Uebergewicht des Köngosraates außer Zweifel stellen und die deutschen Interessen empftndlich beeinträchtigen. Den Belgiern kommt außerdem zu statten, daß die Entfernung vom Kongo nach dem Tanganyika geringer ist, als von der deutsch-ostafrikanischen Küste nach dem See. Bei den ReickMagsverhandlungen. über den Garantievertrag tetr, die ost afrikanische Eisenbahn wird der Hinweis auf das Konkurrenzunternehmen des Kongostaates jedenfalls eine Rolle spielen. „Heiteres" aus China. Tie „Times" meldet aus Peking: Die derzeitige Lage in Peking und Nordchina ist befriedigend. Tie allgemeine übereinstimmende Meinung geht dahin, daß die Chinesen hinsichtlich der Wiederherstellung der Ordnung in Peking und der Provinz ihre Pflicht erfüllen. Was die Frage der Eisenbahnen betrifft, sind die Aussichten ebenfalls günstig, da jetzt kein Grund vorliegt, daran zu zweifeln, daß Rußland bereit ist, die gegebene Zusicherung zu erfüllen, die Eisenbahn Schanhaikwan—Niutschwang den Chinesen zurückzugeben gegen Erstattung der Unkosten und die Zusicherung der Chinesen, keine ftemden Soldaten zum Polizeidienft an der Eisenbahn außerhalb der großen Mauer zuzulassen. Tie Russen erklären sogar noch, daß sie sich auch aus Niutschwang zurückziehen und diesen Hafen den Chinesen zurückgeben wollen. Es besteht auch aller Grund, zu der Annahme, daß der Streit, der sich um das Eisenbahngelände bei Tientsin erhoben hat, durch fteundschaft- liches Uebereinkommen des russischen und des englischen Gesandten beigelegt werden kann. Tie Tongschan-Kohlen- ßruben, die einer britischen Gesellschaft gehören, sind jetzt in vollem Betriebe, die Ausbeute betrügt für den Tag 1200 Tonnen. —. In Schanhaikwan sind die Russen 1700 Mann stark. Sie haben längs der Bahnlinie bis Niutschwang Posten aufgestellt und halten die Eisenbahnbrücke und die Werkstätten noch besetzt, werden diese aber den Chinesen zurückgeben, wenn die Bahnlinie jenseits der großen Mauer wiederhergestellt ist. — Tie Arbeiten an den Hafenanlagen von Tschingwantao, die ebenfalls der Dongschan-Gesell- schaft gehören, nehmen guten Fortgang. Das klingt zu rosig, als daß es in allen Teilen voll glaubhaft wäre. Und gestern schon kam eine Nachricht, die den Schatten dieses allzu strahlenden Lichtes voraus warf. Prinz Tsching (nicht Tschung, von dem gestern in einem Telegramm der Druckfehlerkobold sprach der bisher als ein edler „Freund der Fremden" galt, hat nach Reuter an alle Gesandten das Ansuchen gerichtet, alle fremden Geschäftsuiederlassungen aus Peking zu entfernen, weil Peking kein Vertragshafen sei. Eine echt chinesische Dreiftig- leit, der die gebührcirdc Antwort zu wünschen ist. Praktisch hat ja Das Ersuchen nicht viel auf sich, denn die Handels- Niederlassungen sind zum größten Teile in Tientsin; aber es befinden sich immerhin in Peking zurzeit Vertretungen deutscher Firmen, sowie deutsche Kaufläden. Es versteht sich, abgesehen von allgemeinen wirtschaftlichen Gründen, wohl von selbst, daß die Fremden in Peking nicht dem Mvnopolismus chinesischer Händler ausgeliefert sein wollen. __ Deutsches Reich. Berlin, 10. Okt. Der Kaiser nahm im Jagdschloß Hubertusstock heute die Vorträge des Marinesekretärs des Reichsmarine-Amts v. Tirpitz, des Chefs des Admiralstabes der Marine v. Diederichs und des Stellvertreters des Chefs des Marinekabinets, Kapitäns z. S. v. Müller, entgegen. Wie aus Neckarsulm gemeldet wird, nimmt die Krank» heit des Feldmarschalls Waldersee einen befriedigenden Verlauf, doch ist absolute Ruhe und Wärme noch erforderlich. Das Bett konnte Graf Waldersee noch nicht verlassen. Die Abreise nach Hannover wird in der nächsten Woche erfolgen. — Der Kaiser ernannte den Direktor des Reichspostamts Sydow zum Unterstaatssekretär und den Geh. Ober- Postrat und vortragenden Rat des Reichspostamtes Pressel zum Direktor im Reichspostamt. — In der heutigen Stadtverordnetenversamm» lung wurde die Besprechung der Märchenbrunnenaffäre vertagt, weil die diesbezüglichen Akten noch nicht eingegangen sind. Die Kauffmann-Angelegenheit wurde noch langen Auseinandersetzungen an einen Ausschuß überwiesen. — Gegenüber einer Blättermeldung, daß das Eisenbahnnetz der Provinzen Ost- und Westpreußen bei der Heimbeförderung der Truppen vom Kaisermanöver sich als unzureichend erwiesen habe uno deshalb fast alle Truppen aus dem Manövergclände nach ihren Garnisonen hätten marschieren müssen, stellt die „Nordd. Allg. Ztg." fest, daß in Wirklichkeit nach dem Schluß des Kaisermanövers am 19. und 20. September etwa 60000 Mann und mehr als 5000 Pferde aus dem Manövergclände mit der Eisenbahn heim- bcfördert wurden. Berücksichtigt man dabei, daß der Abtransport in letzter Stunde noch eine Verschiebung erfuhr und überdies mit der Beförderung großer Manöoertransporte in West- und Süddeutschland zusammenfiel, wodurch das Heranziehen der Betriebsmittel sehr erschwert wurde, und daß entgegen dem sonst üblichen Verfahren, diesmal auch ein großer Teil der berittenen Truppen mit der Eisenbahn nach ihren Garnisonen zurückkehrte, so kann die Heimbeförderung der Truppen von den westpreußischen Manövern nur als wohlgelungen und als eine besonders gute Leistung der Eisenbahn bezeichnet werden. Dieser Auffassung hat auch die oberste Militärbehörde in anerkennendster Weise der Staats- eisenbahnvcrwaltung gegenüber Ausdruck gegeben. — Zum Zweck der endgültigen Feststellung des Entwurfes eines -Versicherungsrcchts werden nach der „Nationallib. Korresp." demnächst Einladungen an Sachverständige des Versicherungswesens ergehen. — Nach einer Verfügung des Reichspostamtes sind Bücherzettel, d. h. buchhändlerische Bestellkarten mit vorgedrucktem Text, in den der Titel 2C. des Buches handschriftlich eingetragen werden darf, fortan in der Form von Doppel- f ort en, auch wenn die anhängende Karte nicht das unaus- gefi'illte Formular eines Bücherzettels ist, zur offenen Versendung gegen die Drucksachentaxe zulässig, sofern die einzelnen Karten die Größe einer Postpacketadresse nicht wesentlich überschreiten und in der Stärke des Papiers im allgemeinen den Bestimmungen für Posckarten entsprechen. Bücherzettel in der Form von dreiteiligen, doppelt gefalzten Karten sind dagegen zur offenen Versendung ungeeignet. Breslau, 10. Okt. Generalversammlung des Evangelischen Bundes. Nach einem vom Generalsuperintendenten Nehmitz gesprochenen Gebete eröffnete der Vorsitzende Graf Wintzingerode die in der Bernhardi-Kirche stattfindende öffentliche Versammlung mit einer Ansprache, in welcher er die Notwendigkeit der Bestrebungen des Evangelischen Bundes begründete. Im Namen des Oberkirchenrats und des Konsistoriums von Schlesien begrüßte die Versammlung Konsistorialpräsident Stolzmann, im Namen der theologischen Fakultät der Universität Breslau Prof. Arnold. Ausland. London, 10. Okt. Nach dem heute veröffentlichten amtlichen Ausweise betrugen die Staatsschulden am 31. März 1901 705 723878 Pfund Sterling. Tas bedeutet eine Zunahme von 6ß 558 613 Pfund gegen den Ausweis vom 31. März K 00. Hiervon sind 59Milli.vnenKriegs- a n l e 1 h e n. Mailand, 10. Okt. Bei dem gestrigen Empfange der Teputationen wurde der König von einem leichten Unwohlsein befallen. — Es bestätigt sich, daß die K ö n i g i n einem freudigen Ereignis entgegensieht. Bukarest, 10 .Okt. Tas wieder erscheinende russische Agitationsblatt setzt seine Hetze gegen den Dreibund! fort und veröffentlicht eine ihm angeblich! aus bester Peters- ist ein neuer Pestfall vorgekommen. Tor Vom Burenkriege. 'Nach ien ft einzustellen." unter unb unter Elter gelab daran für bi -Elten iflelabt '1 Gerich < Leuürc rat t 1 Äutzba Bibel c Bern gern. bou Di ung c zweien woch Js., öffent Plc Bedin der Z &mn oßen. der t Zum uns । Zu Sie wieder mit Glanz herausgezogen und macht den Engländern eine lange Nase, die inzwischen in ihren drakonischen Maßregeln fortfahren und ein Schreckensregiment ohne gleichen führen. Als Beleg dafür wird neuerdings aus Cradock vom >9. ds. gemeldet: 50 Aufständische aus der Kapkolonie, die mit Lotters Kommando gefangen genommen waren, wurden heute in Gegenwart der Truppen auf dem Marktplatz auf- In Hilversum feierte man am 10. Oktober Krügers 76. Geburtstag im engsten Familienkreise mit Eloff, dessen drei Töchtern, dem südafrikanischen Dreimännerkolleg und dem Unterstaatssekretär Grobler. Hunderte von Telegrammen und Briefen trafen ein. Kolonialpost. U etzew eine neue Blutthat auf den Admirali- tats-Inseln wird aus Herbertshähe (Deutsch-Neuguinea) Folgendes berichtet: Ein dort befindlicher Händler Caolban, ein Engländer, befand sich auf einem kleinen Segelkutter und trieb mit den Eingeborenen Tauschhandel. Er war im Begriff, abzusegeln; als er sich auf die Kette bückte, hoben ihn ein paar noch an Bord befindliche Eingeborene hoch und warfen ihn ins Wasier. Die in den Kanoes um den Kutter sich herumtreibenden Bestien in Menschengestalt machten dem Aermsten den Garaus und plünderten dann den Kutter aus. ,-gestellt, um den Urteilsspruch, der sie zum Tode durch Er- chängen verurteilte, anzuhören. Die Strafe wurde jedoch ;von Kitchener in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. — Auch recht hübscht A S ludernd Älmi 1 Mdrv «MM flemei Offenbach, 10. Okt. Der flüchtige Sparkassenrechner Maier hatte bekanntlich von dem mitgenomnrenen Mer ii [outet Dorstanl Mm ^Otl t( bi, Nenb 4s A em S cl gemein wirb b wirb il die Kr Knaber 'flJlan r ©tobte bet en Kmbei jfie in Sein Hoch! galt dem Kreis Erbach. Der Nachfolger deS Scheidenden, Kreisrat Schliephake, führte sich hiernach mit kernigen Worten ein und toastete auf das deutsche Vaterland. " Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Die Eisenbahndirektion zu Frankfurt hatte beabsichtigt, die Beleuchtung des Bahnhofsplatzes dort, die ihr jährlich 10,000 Mk. kostet, einzustellen. Der Polizeipräsident Frhr. v. Müffling machte ihr jedoch die Auflage, die Beleuchtung auf ihre Kosten wie bisher weiter zu besorgen. Die gegen diese Berfügunö erhobene Klage des Eisenbahnsiskus wurde vom Bezirksausschuß kostenfällig abgewiesen. farm am —ö - , ~ „ nichts gemeldet wird. Das Nähere wwd wohl nur bte na englische Verlustliste mitteilen. Lord Kitchener meldet aus Prätoria vom zweierlei: 1) Die Südafrikapolizei hat ein Srebenpfünder- L> «i 6* Mtenl liberta'f iu e'n Mäkle von 21 ivege" wurde' Das S rung de Aus Stadt und Zand. (Der Älbdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 11. Oktober 1901. ** Kunstverständige unserer Stadt wird es interessieren, daß an dem Mettenheimerschen Hause am Kreuzplatz sich beim Abnehmen des Verputzes schöne Holzarchitek- ur an dem Eichenfachwerk gezeigt hat, die eine bemerkenswerte Kunst älterer Zeit aufweist, und zwar sowohl Holzbildhauerarbeiten an den Pfosten, als eine interessante Verwendung von Holzkonstruktion am Fachwerkbau. Es ist zu hoffen, daß diese herrliche Architektur nicht wieder durch Verputz verhüllt wird, sondern freigelegt bleibt. Es wird damit ein weiterer Schritt auf dem "seit einiger Zeit in verheißungsvoller Weise hier beschrittenen Wege zur Wiederherstellung künstlerischer Baudenkmäler, insbesondere aus dem Gebiete des Fachwerkbaues, gethan werden. ** Vorboten des Winters. Gestern abend zog eine Schar Schneegänse über unsere Stadt. ** Todesfall. In der hiesigen Klinik starb dieser Tage der Schutzmann G. P. Klinkerfuß aus Bad Nauheim im Alter von 30 Jahren. 4- Crainfeld, 10. Okt. Der seitherige Bürgermeister und Landtags-Abg. Schmalbach wurde mit 98 Stimmen einstimmig wiedergewählt. Stimmberechtigt waren 116. Die Wahl verlief sehr ruhig. Dem Wiedergewählten wurde ein sogen. Maien gesetzt. Am Abend fand ein Festmahl im Gast- Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Kassel, 10. Okt. Wie der „Hann. Cour." aus ourch- aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, haben die Vergleich sverhandlungen zwischen der Leipziger Bank und der Kasseler Trebergesellschaft einerseits und dem Rechtsbeistand des Herrn Schulze-Dellwig andererseits wegen Abwendung des Konkurses über das Vermögen des letzteren Erfolg gehabt. Ter Antrag aus Eröffnung des Kon-, kursverfahrens, welcher bereits bei dem zuständigen Gerichte, dem Amtsgericht in Hörde, gestellt war, ist seitens der Gläubiger wieder zurückgenommen worden. "Me Verwandten des Herrn Schulze-Dellwig sind zu größeren Opfern bereit, sie haben sich auf siebeneinhalb Prozent festlegen lassen. Im Hinblick aus dieses immerhin günstige Angebot sind die Vergleichsverhandlungen zu einem erfolgreichen Abschlüsse gekommen, denn bei einem Konkursverfahren würden aus der Schulze-Dellwigschen Masse höchstens zwei bis drei Prozent herausbommen. Zur Bestreitung der Verbindlichkeiten, die sich aus dem Arrangement von siebeneinhalb Prozent ergeben, ist, da die Forderungen etwa 78 Millionen Mark betragen, die Summe von 58 Millionen Mark notwendig. Die letzte Schwierigkeit, welche sich dem völligen Abschluß der Arrangementsverhandlungen ent- geqenstellt, liegt in einer Forderung des Aussichtsratsmit- aliedes Otto in Höhe von 150 000 Mk., doch ist kaum anzunehmen, daß wegen dieser Forderung, die vom Rechtsbei- stande Schulze-Dellwigs bestritten wird, das Arrangement in Frage gestellt wird. In der Angelegenheit der Mecklenburg« Strelitzschen Hypothek en bank wird ein Bericht verössentlicht, den die seitens des neuen Aussichtsrats und der staatlichen Aufsichtsbehörde erwählte Vertrauensperson Regierungsrat a. D. Guttmann erstattete- Der Bericht deckt Schiebungen und Transaktionen auf, welche bie ^-irettoren Romeick und Schultz mit der Mecklenburg-Streich,chen Hypothekenbank und der Pommerschen Hypothekenbank mit der Immobilien-Verkehrs und der Firma Schuhmacher u. Co. vorgenommen haben. Der Bericht crgrebt eme unter* bilanz von rund zehn Millionen bei zwölf Millionen Aktienkapital und einen Ei n n ah m e au s f a l l an Hypo- tbekenzinsen von 794000 Mk. Der Bericht empfiehlt L>mnd- . ung der Hypothekenzinsen in Höhe von zwei Dritteln und bespricht die Reorganisation in dem Sinne, daß die Pfand- briefgläubiger einen Teil ihrer Forderungen «(zehn Prozent oder mehr) in Borzugsaktien^umwandeln. burger Quelle zugegcmgene Information, wonach der Zar mit Lousiet vereinbart haben soll, daß der Zweibund aus seiner Reserve heraustreten und wegen der Zoll- pvlit.ik Deutschlands, sowie wegen der Balkan- und südafrikanischen Frage intervenieren Al-üsse. Petersburg, 10. Okt. Rußland ish, wie verlautet, entschlossen, auf dem Balkan es nicht zu Unruhen und ernsten Verwickelungen kommen zu lassen. Wenn von französischer Seite erklärt wird, Rußland sei bereit, mit feinen Truppen Frankreichs Forderung auch' in einem französisch-türkischen Konflikt zu unterstützen, so ist hiervon an hiesiger maßgebender Stelle nur so viel bekannt, daß Frank- reick) wohl ein derartiges Ansinnen an die befreundete und verbündete Macht gestellt hat, daß russischerseits aber nur eine wohlwollende Stellungnahme in dieser Frage zugesagt wurde. Darüber hinaus aber denkt man auch an der Newa nicht daran, in diesen Konflikt einzugreifen. Man nimmt vielmehr an, daß durch; beiderseitiges Entgegenkommen eine befriedigende Lösung gefunden werden wird. Manila, 10. Okt. Eine Abteilung amerikanischer Infanterie stieß mit einer 300 Mann starken Schar von Aufständischen zusammen, die in der Nähe von Lipa stark verschanzt war. Auf amerikanischer Seite fiel ein Leutnant; ein Mami wurde verwundet. Nach einem zweistündigen Gefecht zogen sich die Amerikaner zurück, um Verstärkungen zu erwarten. — Eine Pvlizei- truppe von Catanag in der Provinz Tayabas, 11 Mann stark, wurde von Insurgenten aufgehoben. New-York, 10. Okt. Die New-York Tribüne" meldet Mts La Guayra: Venezuela plant einen neuen Einfall in Columbien. Truppen werden bei Maracaibo zusammengezogen, offenbar in der Absicht, 3000 Mann auf der Insel Pajaro (in der Nähe von Riohacha) zu landen, die Präsident Castro nehmen will, damit sie ihm als Operationsbasis an der bolumbischen Küste biene. Aus ver- schiebenen Orten werden Auf stände gegen Castro gemeldet. Man glaubt, daß Castro genötigt fein wird, feine aggressive Politik aufzugeben. — Der hier angelangte britische Dampfer „Eden" bringt aus Port os Spain die Nachricht, daß ftinfzig Seeleute des Kreuzers „Vineta" in Porto Cabello (Hafenstadt Venezuelas) einen schlimmen Kampf mit der Bevölkerung zu bestehen hatten . Es wurden Schüsse gewechselt und verschiedene Teilnehmer des Kampfes trugen Verletzungen davon. Melbourne, 10. Okt. Der Ausschuß der Freihandelspartei beschloßt daß der Führer der Opposition, Reid, dem Bundesparlament einen Antrag gegen den neuen Zolltarif unterbreiten soll. Vermischtes. * Eisfeld, 10. Okt. Bei den Erdarbeiten für die Wasserleitung fand eine Dy na mit explosiv n statt, wodurch zwei Arbeiter getötet, zwei schwer und zwei, leicht verletzt wurden. Die Arbeiter hatten, um die Zund- chnüre der in einer Blechbüchse aufbewahrten Dynamit-» mtronen, die infolge der Kälte steif geworden, wieder geschmeidig zu machen, die Büchse an der Bauhütte an ein offenes Feuer gestellt; hierbei erfolgte die Explosion. Die Bauhütte ist vom Erdboden verschwunden. Einer der Schwerverletzten hat das Gehör verloren. Oldenburg, 10. Okt. Der Dampfer der „Olden- burgischs-Portugiesischen Dampfschiffs-Rhederei", ,Huelva", von Setubal nach Rotterdam unterwegs, ist feit dem 25. September überfällig. 'Das Schiff gilt nach Auslage der Rhederei mit der gesamten, aus 11 Mann bestehenden Besatzung für verloren. Die „Huelva" war ein neues, erst Januar d. I. in Dienst gestelltes Schliff. , * Belgrad, 10. Okt. In Kruschevatz explodierte durch die Unvorsichtigkeit eines Kaufmanns des,en Pulver und Dynamit-Vorrat. 12 Häuser wurden infolge des hierdurch^ ausgebrochenen Brandes ein gäas cher t. TLei Personen sind ums Leben gekommen, 14, darunter zwei Gendarmen, gefährlich verletzt. * Neapel, 9. Okt. Die letzthin erkrankten Personen, ein Arbeiter und ein junges Mädchen, sind im Lazaret von Nisida an der Pest gestorben. Die Leichen sind unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln bestattet worden. Dw übrigen Kranken, sowie die übrigen Isolierten befinden sich, wohl. 80 Isolierte sind nach sorgfältiger Desinfektion, nachdem ihnen eine neue Kleidung angelegt worden war, entlassen worden. Weder in der Stadt noch in der Provinz Neapel Eisenbahn-Zeitung. Karlsruhe, 10. Okt. Tie „Bad. Landesztg." meldet: Die Meldung, daß nach einem Beschluß der m Baden-Baden tagenden Konferenz preußischer, hessischer und badpcher Mnnfterraldelearerter vorbehaltlich der Zustimnmng der betr. Landtage der Eintritt der Main -Neckarbahn in die preußisch-hessische Eisenbahngemem- schast am 1. April n. I. erfolgen soll ist in dieser ^orni nicht richtca. In der Konferenz wurde lediglich darüber verhandelt, ob und wie die komplizierte Verwaltung der kleinen Strecke zu vereinfachen sei. Von der Einbeziehung des badischen T e i l s i n d i e p r e il ß i s ch-h e s s i s ch e Eis e n b ah n g m eilisch aft war nicht die Rede, eme solche wurde ia , mrck un Landtag dem heftigen Widerspruch begegnen.— Die osflzrose „Neue Reichskorrespondenz" hingegen will wißen, daß laut emer Ver ständiaung der beteiligten Regierungen em v o lli a er U e b er- gang der Verwaltung der Bahn auf die preußi,ch-hessische El,en- bahnäemeinschaft thatsachlich erfolgen solle, und daß auch die Bedingungen bereits festgestellt seien. Man rechne dabei bestimmt auf die volle ZuftimmiNig der betr. Landesvertretungen. Die Erklärung des Kriegsrechts m der ganzen Kap- Kolonie macht in London, nach Meldungen von dort, tiefen und beunruhigenden Eindruck, trotz der Bemühungen der Jingopresse, den Schrill als eine heilsame und vorübergehende Maßregel hinzustellen. In besonnenen politischen Kreisen hebt man hervor, daß hierdurch am Ende des zweiten Kriegsjahres ganz Südafrka seiner konstitutionellen Freiheit beraubt ist, anstatt, wie es beim Ausbruch des Krieges hieß, binnen kurzer Zeit von dem sogenannten „Burenjoch" befreit zu werden. Selbst die imperialistische „Daily Mail" bezeichnet den Schritt als ominös. Viel schärfer spricht die „Daily Mail" über die Lage. Die Regierung ist jetzt, so sagt das Blatt, damit in eine neue Phase des südafrikanischen 2lben- teuer s eingetreten. Dieser Schrill bedeutet ein totales Fiasco der englischen Herrschaft in Südafrika. Das ist wenigstens aufrichtig. In der Thai bedeutet die Erklärung des Kriegsrechtes nichts weniger als das Eingeständnis, daß die ganze Kapkolonie von England ab gefallen ist, und daß die englische Herrschaft selbst in den Küstenstädten nur noch mit Gewalt aufrecht zu erhalten ist. Natürlich haben ja nicht alle Kapholländer gegen England die Waffen ergriffen, das hat vielmehr auch jetzt noch nur ein kleiner Teil von ihnen gethan. ^Aber der ganze Rest sympathisiert mit den Buren und läßt chnen jede mögliche Unterstützung zukommen. Daß infolgedessen die ganze englische Kriegführung jetzt, bei Beginn des dritten Kriegsjahres, gelähmt fein muß, kann keinem Zweifel unterliegen. Trotzdem haben die Briten die Stirn, durch das „Reutersche Bu- reau" die Meldung zu verbreiten, daß Sch eep ers Kommando schluß, „die Kammer wolle die ^gierung eriucyen, oie infolge wiederholter Angriffe zweier britischer Kolonnen ent- dem Baumann verlustig gegangenen 3 0^0 Mark als xen- mullgt sei und sich in T ' ~ in den Schluchten und Verschanzungen bet Wüteberge verbergen. Sie würden, so heißt es weiter, noch fortwährend von den Briten verfolgt. Am 8-d.M. tz-t «Mefttae8 und an emen H-rrn hi« di- Betrag- Berg Rwer^stattgesimden, f f 9 9 1200 unb 600 Mk. gesandt, um damit früher gemachte Darlehen zu begleichen. Wre die „Offb. Ztg." hört, haben 9. ds. Mts. beide Firmen das Geld der Stadt zur Verfügung gestellt. ' In. Erbach i.O., 9. Okt. Zu Ehren des von hier nach »Wih- bei H°utkop wegg—en worden war im "m°sich"L gemeinschaftlichen Vorgehen mit Oberst Hicks bei Venterskroon Beamte, Bürgermeister und Bürger des Kreises beteiligten, wiedererobert; 2) General Botha hat die Brücke über oen Mrchdem Bezirks-Kommandeur Major von Alvensleben den Fluß Bevaan auf dem Wege nach Norden überschritten. Trinkspruch auf Kaiser und Großherzog ausgebracht hatte, — So hat sich denn Botha aus der geplanten Umzingelung ergriff Kreisamtmann Tr. Bernbeck das Wort und schilderte < hie trefflichen Eigenschaften des Scheidenden und seine segensreiche Wirksamkeit während seiner vierjährigen Thällgkeit als erster Verwaltungsbeamter des Kreises Erbach Wenn auch das Scheiden des Herrn Kreisrats zu bedauern sei, so müsse man sich doch freuen, daß er nun an die Spitze des wirtschaftlich so hoch entwickelten Kreises Friedberg gestellt worden sei. Das stürmisch aufgenommene Hoch! des Redners galt den: scheidenden Kreis- rat. Bürgermeister Stegmüller von hier dankte d^m Kreisrat Feh namens der Bürgermeister des Kreisel für die denselben bewiesene Fürsorge und Nachsicht. Kreisrat Fey erwiderte mit DcmkeSworteu für das ihm gespendete Lob, haus „zur Krone" stall. (:) Grebenhain, 10. Okt. Bei dem Bau des Wohnhauses des Gendarmen Brück von hier erlitt der Maurer Sebastian Da hm er II. von Bermuthshain einen Unfall. Es wurde ihm durch einen unglücklichen Zufall ein Stein gegen das Gesicht geschleudert, ivodurch er mehrere Verletzungen erlitt. Er mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Man befürchtet, daß er das eine Auge verlieren wird. I. B a d S a l z h a u s e n, 10. Okt. Der gestrige Sturm hat leider auch an unserer schönen Kastanienallee Schaden angerichtet. Einer dieser prächtigen Bäume wurde unmittelbar unter der Krone abgebrochen. Eine schöne Akazie wurde umgeworfen. In den angrenzenden Obststücken wurden verschiedene Obstbäume abgebrochen oder umgeworfen. Darmstadt, 10. Okt. Von dem am Dienstag nach^ mittag von Reinheim abgelaffenen Zuge Nr. 6 der Reinheim—Reichelsheimer Eisenbahn entgleiste, wie amtlich berichtet föirb, vor Brensbach die Lokomotive und je die vordere Achse des Packwagens und des kombinierten Personen- und Postwagens. Die Ursache der Entgleisung hat noch nicht festgestellt werden können. Personen sind bei dem Unfall nicht verletzt und auch der entstandene Materialschaden ist nur unbedeutend. Die Strecke ist seit Mittwoch mittag wieder fahrbar. — Der Petitionsausschu der Zweiten Ständekammer ist heute zusammengetreten um über die Petition des Oberlehrers a. D. Baumann zu beraten. Der Petent war lange Jahre Oberlehrer in Lampertheim und kam dort mit zwei ihm unterteilten Lehrern, die außerdem mit ihm verschwägert waren, in sehr ernste Familienkonflikte. Die Abteilung für Schul-Angelegenheiten hatte es für gut befunden, um Frieden zu stiften, alte drei Lehrer zu versetzen, unter der ausdrücklichen Betonung, daß diese Versetzung keine Strafe fein solle. Die beiden Lehrer wurden an Stellen mit gleichen Gehaltsstufen versetzt, während Baumann unter Vertu t seines Gehaltszuschusses als Oberlehrer von 300 Mark nach Hirschhorn i. O. versetzt werden sollte. Er weigerte sich trotz wiederholter Aufforderung feiner vorgesetzten Behörde, die Stelle anzutreten, da er diese Versetzung als eine Strafe ansah. Aus diesem Anlaß entwickelte sich ein unliebsamer Konflikt mit der Kreisschulkommission zu Bensheim. In zwei Flugschriften, die Baumann erscheinen ließ, hatte er sich Beleidigungen der Kreisschulkommission und des Kreisschulinspektors Karg zu Schulden kommen lassen. Ein Disziplinarverfahren mit dem Ausgang einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes und einer strafrechtlichen Verfolgung und Verurteilung vor der Strafkammer mit drei Monat Gefängnis war sodann die Folge des Vorgehens von Baumann. Der Petitionsausschuß erkannte die Verurteilung sowohl wie die Bestrafung des Baumann einstimmig als vollkommen zu Recht bestehend an, verkannte jedoch , nicht die Thatsache, daß Baumanns Versetzung und den . damit verbundenen Verlust von 300 Mark jährlicher Zu- ' tage und der Oberlehrerstelle eine Bestrafung im vollsten : Sinne des Wortes bedeute. Es blieb dem Petillonsaus- : schuß fernerhin nicht verschlossen, daß Baumann durch die geschilderten Vorgänge in Erbitterung geriet, die ihn schließlich zu dem ungesetzlichen Vorgehen verleiteten. Nichtsdestoweniger kam der Ausschuß zu dem einstimmigen Be- ' ' „die Kammer wolle die Regierung ersuchen, die ...... ° A n «n ~ als Den- S SSSibläS »leb« “« Gerichtssaal. Limbnra, 10. Okt. Vor der hiesigen Strafkammer hatten sich wegen Verbrechens geoen § 218 Abs. 1 des Sll°G.-B. (Verbrechen gegen das keimende Leven) zu verantworten. Aae unverehelichte 20 Jahre alte Veckäuferin Anna Marra Kr Iran aus Koblenz, die Gattin des Oberleutnants a. D. Frhr. von Reitze n- st c i n aus München und der 28jährige Kaupnann Nathan Woy- lhaler aus 5ioblenz wegen Anstiftung z".dem Verbrechen, -rre Verhandlung, die unter "Ausschluß der Oeffentlichkeü geführt wurde, endete mit Verrrrteilimg der K. zu 1 Jahr und der Frelfrail v. R. zu 10 Monaten Gefängnis. Woythaler wurde! wegen mangelnden Peweises freiaesprochen. — Gegen die Hauptbeschuldigte Ehefrau des Steuereinnehmers Leschek, eine friihere Heboimne Zldterzu .Ems, wird dem Vernehmeri nach vor dem nächsten Schwurgerichte hier verhandüi werben. Leipzig, 10. Okt. Das Reichsge-richt verwarf die Revis i o n oes Rechtsanwalts unb Notars H enn i g in Greiz, welcher vom Landgericht Greiz wegen falscher Beurkundung im Amte zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Es handelt sich um Aufnahme von Wechselprotesten in 45 Fällen, welche Angeklagter mittelst Fernsprecher besorgt hat, während er beurkundete, er habe sich in das Geschästsbureau der betrefferrden Personen Gegeben. Paris, 10. Okt. Das Zuchtpol i z e i g e r i ch t hat heute Laurent Tallhade, der in dem a n a r ch i st i s ch e n Blatt „Le Libertaire“ anläßlich der letzten Reise des Kaisers von Rußland nach Frankreich einen Artikel veröffentlicht hatte, in dem er zur Ermordung der Staatsoberhäupter aufforderte, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der verantwortliche Redakteur des Blattes wurde zu 6 Monaten Gefängms verurteilt. New-York, 10.Okt. Der Kapitän Tilley, Gouverneur von Tutuila (amerikanisch Samoa) wurde vor Gericht gestellt wegen Trunkenheit und nicht standesgemäßen Betragens. Er wurde vom Amte suspendiert und es ist Untersuchung emgeleitet. Das Marineamt ist von dem Skandal sehr überrascht, da die Führung des Gouverneurs bisher tadellos war. Universitäts-Nachrichten. — Der bisherige erste Assistent des Geheimrats Professor Dr. Rittler in Darmstadt Dipl.-Jngenieur Sigwart R u p p e l ist zum kgl. Professor der Elektrotechnik an der Industrieschule Kaisers- I au t e r n ernannt worden. — Prof. Hartig, Mitglied der Akademie für Wisienschaften, Vorstand des botanischen Instituts und der forstlichen Versuchsan- fftalt in München, ist g e st o r b e n. Krieskasten der Redaktion. (vnonynre »«fragen dleiben unberücksichtigt.) MS. Unter einem Bezirksschulhaus versteht man ein Schulgebäude, das von Knaben und Mädchen eines Bezirks gemeinsam besticht wird. Das erste Bezirksschulhaus in Gießen wird die alte Stadtmädchenschule in der Westanlage. Das Gebäude wird in der Weise ein- resp. ausgebaut, daß in dem einen Flügel die Knaben, in dem andern die Mädchen unterrichtet werden. ^Knaben und Mädchen kommen dabei in keiner Weise in Berührung. Man muß in der Neueinrichtung ein Zeichen der Fürsorge unserer Stadtverwaltung erblicken. Während z. B. bisher Kinder, die auf der entgegengesetzten Seite wohnten, den weiten Weg nach dem Knabenschulhause hinter dem Oswaldsgarten machen mußten, haben ifie in Znkunit nur bis zur Westmrlage zu stehen^—, Familicn-Uachrichten. Verlobte: Auguste Gerhardt mit Otto Hamburger, Großh. Gerichtsassessor, Butzbach. Gestorbene: Max Ley, Friedberg. Johmmes Schnellbacher,. Leusiranl a. D^ Nieder-Rosbach. Friedrich Winter, Rechnungs- :rat i. P., Darmstadt. Frau Elijabethe Diehl Wwe., geb. Pfarrer, -Butzbach. Frau Margarethe Funk, geb. Schrauth, Darmstadt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 13. Oktober. 19. nach Trnritatis, Erntedankfest. Gottesdienst. In der Stadtkirche* Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Grein, daran anschließend feierliche Eröffnung des Konftrmandenunterrichts für die Kinder aus der Marcus- und Militärgemeinde. Die -Eltern und Angehörigen der Kinder werden hierzu freundlich ein- -Leladen. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Marcusgemeinde. Pfarrer Dr. Grein. Abends 5 Uhr: Pfarrer Schlosser. Daran anschließend feierliche Eröffnung des Konsirnranden- unterrichts für die Kinder aus der Matthäusgemeinde. Die Eltern und Angehörigen der Kinder werden hierzu freundlich ein- ,geloben. Abenbs 8 Uhr im Konfirmandensaal (Kirchstraße 9) Ver- «inigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäus- Zemeinde, zunächst für die seicherigen Mitglieder. In der Johauneskirche. Vormittags 9% Ubr: Pfarrer Euler. Daran anschließend feierliche Eröffnung des Konsirmanden- unterrichts für die Kinder aus der Lukasgemeinde. Die Eltern und Arrgehörigen der Kinder werden hierzu freundlich eingeladen. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler. Abends 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Daran anschließend feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Kinder aus der Jobannesgemeinde. Die Eltern und Angehörigen der Kinder werden hierzu freundlich ein- geladen. Nach sämtlichen Gottesdiensten Kollekte für die Armen. Im Gemeindehaus (Kirchstratze 9). Donnerstag, den 17. Oktober, im unteren Saal, abends 8 Uhr: Mbelstunde. Brief des Jakobus Kap. 1. Pfarrer Dr. Grein. Donnerstag, den 17 Oktober, im oberen Saal, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der MaUhäus- gemeinde, zunächst für die seitherigen Mitglieder. Katholische Gemeinde. Samstag den 12. Oktober. Machmittags um 4*/2 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 13. Oktober. 20. Sonntag nacb Pfingsten. Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste beil. Meße; vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. , um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. „ um 97, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 6 Uhr: Christenlehre; darauf Rosenkranz-Andacht mit Segen. Au den Wochentagen ist täglich des Abends um 67, Uhrr Rosenkranz-Andacht mit Segen. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst iu der Synagoge (Südaulage). Samstag, den 12. Oktober 1901. Vorabend: 530 Uhr. ' Morgens 9 Uhr. Nachmittags: 3 Uhr. Sabbathausgang: 680 Uhr. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, H. Okt. Der Reichskanzler begab sich heute zum Vortrag bei dem Kaiser uach Hubertusstock. Berlin, 11. Okt. Ter Kreuzer „Falke" tritt bereits am 15. Oktober die Ausreise nach Venezuela an. Breslau, 11. Okt. Die „Schief. Ztg." meldet aus Kattowitz: Gestern find auf der Grube „Saturn" sechs Bergleute verschüttet worden. Drei davon sind tot, die übrigen schwer verletzt. Stuttgart, 11. Okt. Der Orient-Expreßzug hat heute früh 6 Uhr bei der Durchfahrt in Kornwestheim eine still- stehende Lokomotive gestreift, wodurch die Wagen des Zuges beschädigt wurden. Zwei Angestellte der Schlafwagengcsellfchaft wurden leicht verletzt. Reisende sind nicht zu Schaden gekommen. Die Reisenden wurden mit Verspätung weiterbefördert. London, 10. Okt. Kriegsminister Brodrick richtete am 7. Oktober an das Parlamentsmitglied Sir Hotvard Vinyen ein Schreiben, in dem er sagt: Wir haben etwa 200 000 Mann und 450 Geschütze in Südafrika, und 100 000 Mann werden in England ausgebildet. Wir haben daher keine Schwierigkeiten, die Feldarmee auf der erforderlichen Höhe zu hatten. Sollten neue Verstä rk> ungen verlangt werden, so könnten wir mit größter Beschleunigung dem Ansuchen Nachkommen. Zur Zeit sind 69 verschiedene Truppenkörper im Felde, die vollständig ausgerüstet find. Wir senden monatlich etwa 10 000 Pferde nach Südafrika Von einer Unthätigkeit der Regierung oder einem Mangel an Teilnahme derselben kann also keine Rede sein. In die Dispositionen Kitcheners, zu dessen thatkräftiger Kriegführung die Regierung volles Vertrauen habe, mische sich die Regierung niemals ein. Kitcheners Aufgabe bestehe darin, kleine Trupps des Feindes über eine Fläche zu treiben, die so gvoß ist wie Frankreich und Spanien zusammen und zugleich Tausende von Meiler: von Bahnlinien zu schützen. Die Regierung wird nicht davor zurückschrecken, von dem Lande die Opfer zu verlangen, die nötig sind, um den Krieg schnell zu beendigen. Nour, 11. Okt. Drei Sch Western ermordeten ihren Vater, der mit seiner Geliebten das Familienvermögen durch- gebracht hatte. Wie«, 11. Okt. 34 neue Jnfauterieregimenter sollen durch Herabsetzung der jetzigen Regimenter auf drei Bataillone gebildet werden. Die Einführung zweijähriger Dienstzeit und die Reu- Uniformierung soll in Erwägung gezogen werden. Wien, 11. Okt. Wie die „Wiener Arbeiter-Ztg." meldet, wird sich der Redatteur Kralik, der für den 12. Oktober vor das Berliner Landgericht geladen war, nicht dorthin begeben, weil er von den Wiener Gerichten bereits genug in Anspruch! genommen sei. Newyork, 11. Okt. Der amerikanische Botschafter in Berlin, White, erklärt die Gerüchte, daß er von seinem Posten zurückzutreten beabsichtige, für unrichtig. Er gedenkt demnächst nach Berlin zurückzukehren. Berlin, 11. Okt. Zur Teilnahme an der Virchow- feier sind u. a eingetroffen: der Rektor der Universität Odessa, Schwedow, der Präsident des Sanitätskollegiums der Petersburger Stadtverwaltung Geheimrat Oppenheim. Aus England wurden Lord Lister und Professor Semon au- gemeldet. — Ihren 90. Geburtstag feierte gestern die Herzogin-Witwe von Anhalt-Bernburg. Der erste offizielle Gratulant war Kammerherr Graf Keller, der im Auftrage des Kaiserpaares die Glückwünsche, ein Blumenarrangement und ein Gruppenbild der kaiserlichen Kinder überbrachte. — Die „Berl. Pol. Nackr" führen aus, daß die weiteren Wstnsche betreffend die Ermäßigung des Eisen- bahnpersonentarifs nicht auf Erfüllung rechnen dürfen. Berlin, 11* Ott. Am 1. April 1902 soll eine Auskunftsstelle der deutschen Kolonialgesellschaft für Auswanderer ins Leben treten, fofern der Reichstag yteHdr die erforderlichen Mittel bewilligt. Lon don, 11. Okt. Hicks-Beach hielt gestern in Oldham eine Rede, worin er bad Vorgehen der Regierung bezüglich, der Kriegführung verteidigte, und betonte, die Re-, gierung sei durchaus in Uebereinstimmung mit der Kap- regierung vorgegangen. Bezüglich der Ausdehnung des Kriegsrechts in der Kapkolonie erklärt Hicks-Beach, man habe Grund zu der Vermutung, daß von den Kaprebellen Mundvorräte und Munition für die Buren durch die Hafenplätze der Kolonie einge^ schmuggelt werden. Eine Aenderung der Geschäftsordnung im Unterhause erklärte Hicks-Beach >urchaus für notwendig, um die Obstruktion der Iren brechen und gab der Zuversicht Ausdruck, daß em Teil der liberalen Partei bei dieser Aenderung der Regierung ihre Unterstützung leihe, das vom Parlament bewilligte Geld sei durchaus noch nicht erschöpft, und er glaube nicht,, daß die Herbstsession notwendig sei. London, 11. Okt. Der Krieasrninister hat den auf >en Bartados-Jnseln garnisonierenoen beiden Regimentern den Befehl erteilt, sich nach Südafrika eiuzuschiffen Lon don, 11. Okt. DK meisten heuttgen Morgenblätter kommentieren den Beginn des neuen Kriegsjahres., Optimistisch! drückt sich mit Ausnahme von „Morning Leader" lein Blatt aus. „Daily News" erklären, Ätgland werde den Krieg bis ans Ende fortsetzen und könne in keiner Weise die Friedensbedingungen abändern. Paris, 11. Okt. „Eclair" veröffentlicht eine Unterredung, die einer seiner Redakteure mit dem Präsidenten Krüger gehabt hat. Krüger erklärte darnach, die That- sache, daß der Krieg schon zwei Jahre dauere, sei ein genügender Beweis dafür, daß er noch nre.it bänger dauern könne. Paris, 11. Ott. Der Ew^bischo f von Aix wird, wie verlautet, wegen einer regierungsfeindlichen politischen Predigt, die er vor einigen Tagen hielt, gerichtlich verfolgt und von der Regierung gemaßregelt werden. Paris, 11. Oktober. Die Verurteilung des Redakteurs Tailhade zu einem Jahre Gefängnis, weil er anläßlich des Zarenbesuches in einem Artikel zur Ermordung von Staatsoberhäuptern aufgesordert hatte, rief anar- chckstische Kundgebungen hervor. Rufe wie: „Es- kcke die Anarchie, hoch die Frecheit, hoch die Revolution, nieder die Tyrannei", wechselten miteinander ab, ohne daß der Präsident einzuschreiten vermochte. Vor den: Justizpalast wurden beim Erscheinen Zvlas, der in dem Prozeß älA Zeuge vernommen wurde, Hochrufe laut. Wien, 11. Oktober. Mitte November findet hier eine Bischofs-Konferenz, verbunden mit einem Katholikentage statt, um gegen die ,Zos-v>on -Rom"-Bewegung Stellung zu nehmen. Gleichzeitig plant der katholische Schulverein die Veranstaltung von zwei großen- Versammlungen. Rom, 11* Okt* Die drei Schwestern, die ihren Vater ermordet haben, verbargen den Leichnam in einem Schrank,, wo er von der Geliebten des Verstorbenen mit zerschmettertem Schädel aufgefunden wurde. Die Polizei verhaftete die Mädchen bei einer Verwandten, wo sie Unterschlupf gefunden hatten. Lüttich, 11. Ott. Die Lage im Streikgebiet hat sich in den letzten Tagen wesentlich gebessett. Zahlreiche Arbeiter haben die Arbeit wieder ausgenommen. Trotzdem sind neue Angriffe gegen die Arbeitsfreiheit zu verzeichnen, welche hauptsächlich auf die Aufreizungen zurückzuftihren sind, die in den täglich stattfindenden Versammlungen gemacht werden. Toreuto, 11. Okt. Das Herzogspaar von Cornwall ist hier eingetroffen. Unter den ihnen überreichten. Adressen befindet sich eine solche von der deutschen Gesellschaft. Der Herzog dankte für dieselbe und sagte, er nehme mit Vergnügen die Adresse entgegen. Auf der langen Reise! habe er mit Interesse wahrgenommen, in wie hoher Achtung! die deutschen Einwanderer in ihrem Adoptivvaterlande als? nützliche und betriebsame Mitglieder des Gemeinwesens ständen. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M., 11. Oktober. 37ao/o Reicheanleihe . . 100.55 8 o/o do. . . . 90.00 37,% Konsole .... 100.40 3°/o do......90.00 372% Hessen .... 98.50 5% Italien. Rente . . . 99.70 4 /o Griech. Monopol-Anl. 42.40 37o Portugiesen .... 25.55 8% Mexikaner .... 25.60 472% Chinesen .... 82.80 Kreditaktien ..... 196.20 Diskonto-Kommandit . . 171.60 Darmstädter Bank . . . 116.70 Dresdener Bank .... 119.00 Berliner Handelsges. . . 129.30 Oesterr. Staatabahn . . . 135.50 Gotthardbahn ..... 154.80 Laurahiitte ...... 176.28 Bochum.......159.00 Harpener ...... 152.40 lenz: fest. PogklMtt- MischuWN der AudotfZSüchner'schen Samenhandlung, Erfurt, für Zeifigc, Stieglitze, Hänflinge, Dompfaffen, Arenzschnäöel, Anch- finken, Aanarien, Papageien, Sittiche, F»rachtsinüen, Kardinale, Lerchen, Aachtigallen u. Aroffeln sind mbertlchll, d- st- -II- die Feld- und Waldsämereien eMhallen, die der bett. Vogel In der Freiheit sucht. 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Sandmann, Landgerichtsrat, Mitglied des Präsid. der Kriegerkammeradschaft „Hassia". Profesior Dr. Schädel, Gymnasialdirektor. Schäfer, Postdirektor. Geh. Justizrat Dr. Schmidt, Professor der Rechte. Schobert, Eisenbahndirektor. Dr. Störiko, Direktor der höh.Mädchenschule. ^Geheimrat v. Bechtold, Provinzialdirektor. p. Dewitz, Oberst u. Regiments-Kommandeur. KommerzienratEmmelius, Stadverordneter. Pr. Güngerich, Oberstaatsanwalt. Kommerzienrat Koch, Vorsitzender der Handelskammer. Kullmann, Landgerichtspräsident. Professor Dr. Lucius, Kreisschulmspektor. Mecum, Bürgermeister. Mey er, Ehrenvorsitzender des Kriegervereins- bezirks Gießen. SN-hei' „ui Aus $ie jlätttr we Md den hessische Mvnau Aedaktio und Scho Adresse Wu- sscn'pre-i Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unser iunigst geliebtes Töchterchen 03993] Schön, best.möbl. Zimm, sof. z. verm. Stephanstr. 41. Karl Busch Ofensetzer wohnt fetzt 04057 Bahnhofstr. 18, Nassauer Hof. 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Allen denen, Iwelche diese große Zeit durchlebt haben, rufen die Darstellungen in ergreifender Weise die ^Ereignisse und Empfindungen jener Tage in Erinnerung, bald zu Heller Begeisterung, bald szu tiefer Rührung hinreißend. Dem jüngeren Geschlecht aber, das diese Zeit nicht mit- ierlebt hat, stellen die Bilder die glorreichen Thaten der Väter, wie die stillen Opfer der sMütter, Frauen und Jungfrauen in lebendigster und anschaulichster Weise dar, so daß da- sdurch die Liebe zu Kaffer und Reich, zu Fürst und Vaterland entflammt wird. In diesem Sinne gehen wir ans Werk und bitten die verehrlichen Einwohner von (Gießen und Umgegend um Mitarbeit, damit unsere Kriegsfestspiele von Erfolg gekrönt werden ■und alle, die aus nah und fern kommen, gestärkt in der Liebe zum Vaterland zurückkehren. Die künsüerische Durchführung der Fesffpiele ist in die bewährten Hände des Herrn iDirektor Paul Werning aus Berlin gelegt, der die Darstellung und Einstudierung der iFesffpiele übernommen hat. Zur Aufführung der Festspiele sind etwa 150 Damen, Kinder srmd Herren in verschiedenem Lebensaller nötig. Weitere Anmeldungen von Kameraden werden noch gerne entgegen genommen. Hingebungsvolle Mitwirkung der Teilnehmer, regelmäßiges Erscheinen zu 2—3 Proben und den Aufführungen fft so unerläßlich, daß bei dringendem Verhinderungsgrund rechtzeitig Ersatz beschafft werden muß. Näheres werden toie demnächst erscheinenden Inserate und Plakate berichten. Möge unser Unternehmen, deffen Reinertrag ausschließlich zu Wohtthättgkeitszwecken — Unterstützung armer Veteranen, deren Witwen und Waisen — bestimmt ist, von der be- jgeifterten, ungeteilten Hingabe aller Mitwirkenden gefördert, von allseitiger lebendiger Teilnahme der Bevölkerung getragen und reichem Segen begleitet sein. Gießen, im Ollober 1901. Der Ehreuausschuß: mit 21/» Pfund gefüllt, 6321 -Stück zu 4.75, 5.50, 6.70, 8.- Mark und besser, hallen stets in großer Auswahl vorrätig C. Böhr Lr ©o. MW WM- und Weldmnm- MM Mick kiW. 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