60 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Dienstag IS. März 1901 •ebaftion, flFrprbition unb Druckerei Zchulftrahe 7. Erscheint täglich mit LuSnahme beS Montags Die Gießener ZamUien« Hättet werben bem fln« rifltr im Wechsel mit „Heff. eubtoirt" unb „Blätter fir Hess. Volkskunde" vier« mal wöchentlich beigelegt. ANnahmk von Anzeigen *■ »er na<6mttlag» für den folgenden Tag erscheinenden Hemmer bis öonn 10 Uhr »ddeftellungen fpdtcftcnB abends vorher. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis vierteljähr«. Mk. 2.20, nwnatl. 75 Pf«, init Bringorlohn; bnrch bu Abholestellen vierteljährl Mk 1.90, monatl. 65 Psg Bei Postbezug vierteltährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld, ANe Anzeigen Derniiiilung». stellen deS yn» unb Auslandes nehmen Anzeigen für de» ttictttncr Anzeiger eingcace. fictlcnDrrtb lokal 1? audwürt» 80 Psg. Adresse für Depesche«: Anzeiger Gießen. 8tadt Unb Land gesellt. Der 80. Geburtstag des Regenten ist ein Volksfest im Bayernlande geworden, wie man em solches in gleichem Umfange bisher wohl kaum gefeiert hat. Und Such im übrigen Deutschland nimmt man an dem Geburtstag Anteil. Bei uns in Gießen findet auf Anregung aus »akademischen Kreisen am Abend des Festtages ein Kommers im Cafe Ebel statt. , '. Die Wiege des Prinz-Regenten stand m der Main stabt Würzburg. In dem Schloß der ehemaligen Fürstbischöfe, einer meisterlichen Architekturschöpfung des 18. Jahrhunderts, in dem der Genius Tiepolos eine Reche köstlicher Fresken geschaffen hat, kam der Prinz am 12. März 1821 als dritter Sohn des damaligen Kronprinzen, späteren Königs Ludwig I. und dessen Gemahlin Therese, einer geborenen Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, zur Welt. Unter mehreren Dokumenten, die soeben vom historischen Verein für Untersranken und Aschaffenburg bezüglich der Geburt und der Taufe des Prinzen veröffentlicht worden sind, befindet sich auch folgendes: „Den 11. März nachts 11 Uhr wurde der Unterzeichnete von einem durch den König!. Hosinarschall Washington abgeschickten Hoflakai benachrichtigt, daß die Entbindung I. K. H. der Kronprinzessin bevorstehe und daß nach einer halben Stunde ein Hofwagen erscheinen werde, um mich nach Hof abzuholen. Der Unterzeichnete setzte sich in Uniform, jedoch nach, vorgängiger Verabredung nur mit Stiefeln, wogegen, wenn die Entbindung bei Tage ge- fdjaffen wäre, Herr General-Kommissar und ich in Schuhen und Strümpfen erschienen fein würden. Ich fuhr, als der Pagen angelangt war, zu dem Quartier des Herrn General-Kommissars Frhrn. von Asbeck, welcher meiner schon vor seiner Hausthür wartete und sich alsbald zu mir in den Wagen setzte. Wir langten bei Hofe nach halb 12 Uhr an und wurden durch den Kammer fourier in das rot drapierte Vorzimmer, an das Schlafzimmer I. K. H. der Kronprinzessin anstoßend, geführt. Es befanden sich daselbst: Herr Hofmarschall Washington, Herr Oberhofmeister Graf Pocci, dann die Hofdame Fräulein von Grafenreuth. Den 12. März 1821 morgens erfolgte die Entbindung I. K. H. der Kronprinzessin. Das Schlafzimmer der hohen Wöchnerin wurde eröffnet und die anwesenden Zeugen überzeugten sich von der Anwesenheit Ihrer Königlichen Hoheit, und in demselben Augenblicke erschien die Hebamme M. Weichselbum aus München und brachte das soeben geborene 5vind Ihrer Königlichen Hoheit und zeigte es, auf einem Teller liegend, den An wesenden, die an ihm einen wohlgestalteten Prinzen erkannten. Herr General-Kommissar hatte einen Entwurf der Verhandlung mitgebracht. Der Unterfertigte redigierte und änderte, was den vorgefallenen Umständen entsprach. Der also redigierte Akt wurde den Anwesenden vorgelesen, genehmigt und von denselben unterzeichnet. Rach eingenommener Erfrischung fuhren der Herr General- Kommissar und der Unterzeichnete in ihre Wohnungen zurück. Würzburg, den 12. März 1821. I. M. Seuffert, Präsident." Das Geburtszimmer des Prinz-Regenten im Würzburger Schloß wird noch jetzt in seiner ehemaligen Ausstattung gezeigt. Es ist ein hohes, fast quadratisches Gemach von vornehmer Einfachheit mit apfelgrünem, leicht gemustertem Damast an den Wänden und Möbeln in Empirestil, lieber der dunkelpolierten Bettstelle erhebt sich ein grünseidener Baldachin. Auf dem gleichfalls dunkelpolierten Nachttischchen, das zylindrische Form besitzt, steht in goldenen Lettern das «Wort: „Somno", d. h. dem Schlafe, und von der Decke hängt eine Alabaster-Ampel herab, welche des Abends mildes Dämmerlicht verbreitet. Wenn der Prinz- Regent nach Würzburg kommt, Pflegt er in diesem Gemach zu wohnen. Das Kind wuchs zum Jüngling heran. Es war, als ob der Vater des Knaben eine Ahnung gehabt hätte, daß dieser einst im späteren Alter zur Regentschaft berufen werde. Mit außerordentlicher Sorgfalt wurden feine Erziehung und feine Studien geregelt. Es wurde ihm eine Hochschulbildung zu teil, bei der insbesondere auf die Staatswissenschaften der höchste Wert gelegt wurde. Aber den Jüngling trieb es mit besonderer Lust zur Armee und vornehmlich zur Artillerie hin. Sein Gedanke war, daß der Soldatenberuf fein Leben ausfüllen werde. Als er an feinem 14. Geburtstage zum Hauptmann im ersten bayerischen Artillerieregiment ernannt wurde, war er entzückt und hätte am liebsten gleich, mit dem praktischen Dienste begonnen. Aber die theoretischen Studien gingen vor, unb in den aktiven Dienst trat der Prinz erst am 1. April 1839, indem er an diesem Tage, mittags von 12 bis 1 Uhr und abends von 6 bis 8 Uhr, sowie am nächsten Morgen um 6 Uhr in der Hauptmannsuniform unb mit der Muskete im Arm vor dem Hause des Generals Karl v. Zoller in der Dienersgasse zu München Posten stand. Die guten Münchener eilten herbei und hatten an der vornehmen Schildwache ihr Vergnügen. Nur mit Mühe hielt sich der Prinz die enthusiasmierten Bürger vom Leibe, um vor den vorüberfahrenden hohen Anverwandten die Honneurs machen zu können. Auf das Posten- stehen folgte der Dienst als Korporal, dann als Jour Unteroffizier, Feuerwerker, Oberfeuerwerker usw., bis er am 17. Mai 1841 als Oberst an die Spitze seines Artillerie- Regiments trat. So hat der Prinz seinen Beruf als Soldat von der Pike aus gelernt Am 31. März 1848 trat Prinz Luitpold als Generalleutnant unb Artillerie-Korpskommandeur an die Spitze der gesamten bayerischen Artillerie, der er bis zum 4. August 1856, da er zum Kommandanten der ersten Division ernannt wurde, länger als 20 Jahre angehört hat. Am 6. Juni 1861 wurde er zum Feldzeugmeister bei der General- Inspektion der Armee ernannt. In bem Feldzuge von 1866 waren es die blutigen Gefechte bei Helmstatt unb, Hettingen, in benen sich ber Prinz auszeichnete. Sein Sohn, Prinz Ludwig, der ihm als Ordonnanzoffizier atta- chiert war, wurde bei Helmstadt durch einen Schuß in den Oberschenkel schwer verwundet. Am 8. Januar 1869 erfolgte die Ernennung des Prinzen Luitpold zum Generalinspekteur der bat)erifchen Armee, die ein halbes Jahtz päter mit den übrigen deutschen Truppen gegen Frankreich rückte und sich bei Weißenburg, Wörth, Beaumont, Paris, Orleans und in zahlreichen anderen Schlachten und Gefechten unvergängliche Lorbeeren errang. Im Hauptquartier des Königs Wilhelm machte der Prinz den ganzen Feldzug mit, Zeuge der wackeren Thaten, welche seine Bayern vollbrachten. So lag eine reiche militärische Laufbahn hinter dem Prinzen, als er die Regentschaft übernahm. Als Herrscher ist er bestrebt gewesen, in weiser Fürsorge die Tüchtigkeit seiner bayerischen Armee noch zu steigern, um mit ihr die Wehrkraft Deutschlands zu stärken. Aber in der richtigen Erkenntnis, daß die Größe eines Staates nicht nur in der militärischen Machtentfaltung, sondern auch in den Künsten des Friedens beruht, hat er den sozialen Reformen, den modernen Anforder ungen der Zeit, der Pflege der Justiz, der Landwirtschaft, des Handels und der Industrie seine Sorge in gleichem Maße zugewandt. Wie seine Vorgänger, hat er sich bemüht, der Kunst und der Wissenschaft ein wirksamer Protektor zu sein und München zu einer Hauptkunststätte Deutschlands weiter auszugestalten. Wenn die Hauptstadt Bayerns für das geistige Leben Deutschlans immer bedeutungsvoller geworden ist, so hat dabei die Fürsorge des Regenten einen wesentlichen Anteil. Ein Achtzigjähriger zu fein, und die Zügel der Re gierung noch fest in den Händen zu halten, noch den Anstrengungen der Repräsentation, der Reisen, der Jagd genügen zu können, sich noch frisch, urkräftig und heiter zu geben, für jedermann aus dem Volke ein freund liches Wort der Teilnahme zu haben, erregt Bewunderung. Tie feste Stählung, die der Prinzregent in der Jugend erfahren hat, indem er allen Leibesübungen mit freudigem Eifer huldigte, trägt im Alter ihre Früchte. Die Jahre mögen dahinrauschen, aber was in gesunder Kraft wurzelt, bricht nicht so leicht zu Boden. Möge dem Prinzregenten Luitpold diese Kraft noch viele Jahre zum Wohle des wackeren bayerischen Volkes und des gesamten deutschen Vaterlandes erhalten bleiben. Politische Wochenschau. Zum zweiten Male innerhalb weniger Monate ist der deutsche Kaiser in ernste Lebensgefahr geraten, ihr aber durch eine glückliche Fügung ohne schwere Verletzung entronnen. Wiederum war es eine geistig anormale Persönlichkeit, die sich von krankhaften Instinkten ju einem tief bedauerlichen Gewaltakt hinreißen ließ. Von Mitschuldigen hat man keine Spur entdeckt, ja man darf sogar mit Sicherheit annehmen, daß dem Attentäter jedes politische Motiv gänzlich fern lag. Die Teilnahme für den Kaiser gab sich sofort in zahlreichen Kundgebungen aus aller Welt zu erkennen, vor allem gaben die Präsidenten der Parlamente, auch der unserer Zweiten Hessischen Kammer, der Stimmung der Bevölkerung warmen Ausdruck. Im Reichstag kam in dieser Woche unsere heftig befehdete auswärtige Politik zur Sprache. Graf Bülow verstand es, wie immer, die hochgehenden Wogen nationaler Bedenken und Besorgnisse durch kluge Worte zu besänftigen. Er ist conciliant gegen England und conciliant gegen Rußland; aber unsere vollständige Unabhängigkeit nach beiden Seiten hin betonte er trotzdem mit allem Nachdruck. Manche Leute waren von feinen Ausführungen enttäuscht. Sie hatten über die neuesten Differenzen in Ost- afien eingehende Aufklärungen erwartet: der Reichskanzler sprach aber über diesen Punkt kein Wörtchen. Wer wollte daran zweifeln, daß sein Schweigen verständiger war, als die Erwartungen jener Enttäuschten? — Der Konflikt, der sich infolge des Mandschurei-Abkommens zwischen Rußland und fast allen anderen Großmächten entwickelt hat, ist eine ernste Sache. Sie kann um so leichter zum friedlichen Aus- trag gebracht werden, je mehr die beteiligten Staatsmänner darauf bedacht sind, darüber viel zu denken und wenig zu reden. Im englischen Paria mente ging es in der vorigen Woche etwas stürmisch zu. Einige Irländer wollten öfter- reichische Gepflogenheiten an die Westminster Abtei verpflanzen. Sie widersetzten sich der Hausordnung und mußten auf gewaltsame Weise aus den ehrwürdigen Räumen des Unterhauses entfernt werden. Um der Wiederkehr solcher häßlicher Auftritte gründlich vorzubeugen, nahm das Haus schon am nächsten Tage eine Aenderung der Geschäftsordnung an, wonach derartige Radaubrüder unter Umständen für die Tauer der Session von den Sitzungen ausgeschlossen werden. Eine drakonische Maßregel fürwahr! Hoffentlich wird ihr Mißbrauch durch die politische Reise des britischen Parlaments verhindert werden! — Auch im Oberhause ging es heiß her. Wegen der Mißstände im englischen Heerwesen gerieten der ehemalige Höchstkommandierende General Wo!« feiet) und der frühere Kriegsminister Landsbowne heftig aneinander. Letzterer scheint die besseren Gründe auf feiner Seite zu haben: ersterer erfreute sich dagegen der größeren Sympathien. So mußte denn im Parlament wie in der Presse der Civilist den Kürzeren ziehen. Spanien hat wieder ein Ministerium. Weder Sil vela noch Villaverde waren im stände, ein lebensfähige-- konservatives Kabinett auf die Beine zu bringen.. Die Ko- nigin-Regentin mußte sich daher mit schwerem ^rzen die ihr unsympathischen Liberalen wenden. ' ,, Führer, hatte dann rasch seine Regierung beisammen. Um seine Amtstätigkeit würdig zu beginnen, hob er sofort den Belagerungszustand auf. Jedenfalls wird er demnächst die Cortes auflösen, um sich durch Neuwahlen eine gefügige Mehrheit in der Volksvertretung zu schaffen. Daß Sagasta den Klerikalen die Zähne zeigen wird, ist jedoch nach seiner ganzen Vergangenheit nicht anzunehmen. Große Bedeutung hat also der Ministerwechsel für das zerrüttete Land nicht. Es wird im großen und ganzen wohl alles beim alten bleiben. Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände, nn. Darmstadt, 9. März. Die Verhandlungen beginnen unter dem Vorsitz des zweiten Präsidenten Dr. Schmitt-Mainz. Am Ministertische: Staatsminister Rothe, Finanzminister Gnauth, Geh. Oberschulrat Nodnagel, Ministerialrat Eisenhuth und Geh. Finanzrat Best. Die Beratung des Finanzbudgets wird mit Kap. 39, Höhere Bürgerschulen, fortgesetzt und hierfür der Betrag von 60 000 Mk. in Ausgabe bewilligt. Bei Kap. 40, Sem inarien und Präparandenanstalten, erklärt Ministerialrat Eisenhuth auf eine Anfrage des Abg. Köhler-Langsdorf wegen des Fortbestandes dieser Anstalten, daß die Regierung bis jetzt noch nicht übersehen könne, wie sie sich zur Frage stellen werde, da sich auch hier der in ganz Deutschland herrschende Lehrermangel Wohl in Hessen geltend machen werde. Aus Grund der Verbesserung der Gehaltsverhältnisse der Lehrer habe sich der Mangel gehoben. In der nächsten Zeit beabsichtige die Regierung noch nicht, sich mit den Präparandenanstalten zu beschäftigen. Abg. Weidner glaubt, daß bei Uebernahme der Kosten der Volksschulen auf den Staat von der Aufhebung der Präparandenanstalten die Rede sein müsse. Abg. U l r i ch schließt sich dieser Ansicht an und glaubt, daß die Nützlichkeit der Präparandenanstalten eine Frage der Zeit sei, da dieselben schon lange von einem Teil der Lehrer als unentbehrlich bezeichnet würden. Der angeforderte Betrag von 30059 Mk. wird bewilligt. — Bei Kap. 40, Volksschulen, hat die Minorität bei Tit. 3, Fortbildungsschulen, beantragt, hier statt der vorgesehenen 15 000 Mk. den Betrag auf 145 000 Mk. zu erhöhen. Finanzminister Gnauth ist bereit, den alten Streit wegen Uebernahme der Kosten der Fortbildungsschulen auf den Staat aus der Welt zu schaffen. In diesem Budget sei dies aber nicht möglich, umsoweniger, als aus den Be- kriebsrücklagen über 2 MiUionen zur Balanzierung des Budgets haben entnommen werden müssen. Es sei eine schöne Sache, bereit zu sein, die Gemeinden auf dem Gebiete des Volksschulwesens zu entlasten, und er nehme keinen Anstand, zu erklären, daß in dem Moment, wo die Bilanzierung des Staatsbudgets möglich sei, ob mit oder ohne Steuerehöhung, die Regelung der Frage der Uebernahme der Volksschul.lasten auf den Staat inl die Wege geleitet werde. Die Abgg. Wolff, Weidner, Schönberge r und Mvlthan besprechen die Nebenbeschäftigung der Lehrer als Weinhändler und Agenten von Versicherungen und als Kasserechner usw. und wünschen, daß die Regierung hiergegen ein generelles Verbot erlassen möge. Abg. Koch glaubt, daß man dem Lehrer nicht verbieten fönne, sich seinen Wein zu bauen. Die Klagen über Agenturen der Lehrer würden an geeigneter Stelle viel mehr Anklang finden als hier. Ministerialrat Eisenhuth stellt fest, daß bei dem Ministerium für Schulangelegenheiten eine ganze Reihe von Klagen über die Nebenbeschäftigung der Lehrer aus Kreisen der Gewerbetreibenden eingebracht worden seien, um ein aenerelles Verbot hiergegen zu veranlassen. Das sei abep sehr schwer, weil damit der Schuldige mit dem Unschuldigen getroffen werde. Die Regierung bedauere sehr, wenn Lehrer und auch sonstige Beamten einen Nebenerwerb entfalten, der nicht mit ihrem Dienst im Zusammenhang steht; geradezu für verwerflich würde er es aber halten, wenn auch noch ein Lehrer als Weinfabrikant thätig wäre. Abg. H a a s-Darmstadt betont, daß die gesamte Lehrerschaft in Hessen sich um das Emporblühen oes hessischen Genossenschaftswesens außerordentliche Verdienste erworben habe. Ueberall waren die Lehrer bereit, aus Wunsch der! Gemeinden das Rechneramt bei landwirtschastlichen Kassen zu übernehmen, um dem öffentlichen Interesse zu dienen, und er würde es auf das tiefste bedauern, wenn die heutige Verhandlung dazu dienen würde, den Lehrern in dieser Richtung ihre Thätiakeit zu untersagen. Abg. Ulrich bespricht die Verhältnisse der Sparta f s e von L a n g e n, bei der ein Lehrer verschiedene Unterschlagungen und dadurch eine Reihe von Einwohner schwer geschädigt habe. Solche Thätigkeit hebe das Ansehen des Lehrerstandes keineswegs, und es durste hier doch Vorsicht geboten sein. Titel 1, Kreisschulinspektoren mit 34 000 Mk. und Titel 2, Zuschüsse an bedürftige Gemeinden zur Aufbringung Per Lehreraehalte im Betrag von 1720000 Mk. wird genehmigt. Zu Titel 3, Fortbildungsschulen, beantragt die Majorität des Ausschusses 15000 Mk., die Mino- vität des Ausschusses dagegen 145000 Mk. zu bewilligen. Die Abgg. Dr. Heiden reich, Ulrich, Wolff und We ibn er treten für den Minoritätsantrag aus Gerechtig- teitsgründen in warmer Weise ein. Finanzminister Gnauth und Ministerialrat Eisenhuth weisen die vorerstige Undurchführbarkeit eines dahin gefaßten Beschlusses nach. Trotzdem beschließt die Kammer mit großer Majorität dem Antrag der Minorität gemäß und bewilligt 145 000 Mk. Titel 4 und 5 werden genehmigt. Zu Titel 6, Unter- Gemeinden bei SU)ulhausbauten, beantragt . " denreich, die geforderten 40000 Mk. auf 60 000 Mk. zu erhöhen. Ministerialrat Eisenhuth weist die Erhöhung von der Hand und hebt hervor, daß die Regierung nur wirklich bedürftigen Gemeinden eine Unterstützung hei Schulhausbauten zu Teil werden lasse. Seien große Mittel da, so dränge sich alles hinzu und der Zweck sei dann ein verfehlter. Die Volksschulkosten hätten in dem vorliegenden Budget eine Steigerung erfahren wie nie zuvor. Die Regierung könne daher dem Antrag Heidenreich nicht beitreten. Die Position wird unter Ablehnung des Antrags Heidenreich genehmigt. Die Kapitel 42 bis 46 werden genehmigt. — Bei Kap. 47, Landesmussum, rügt Abg. Noack die langsame Bauweise. Es seien bereits vier Jahre verstrichen und das Gebäude noch nicht unter Dach Staatsminister Rothe stellt fest, daß in diesem Jahr der Museumsbau vollendet werde und daß in. zwei Jahren dasselbe zugänglich sei. Die Kap. 48 bis 52 werden genehmigt. Bei Kap. 53, Aerztlicher Dienst, bespricht Abg. Weidner die oft sehr hohen Forderungen der aufs Land berufenen Aerzte. Hierdurch würden oft gut situierte Familien sehr stark mitgenommen, arme aber an den Bettelstab gebracht. Er wünscht, daß hierfür eine Taxe von der Regierung festgesetzt werde und daß die Kosten für mehr als 2 Kilometer von der Staatskasse zu tragen sind. Das Kapitel wird genehmigt. Die Kap. 54 bis 69 werden nach dem Ausschußantrag angenommen. Damit wird die Verhandlung um halb 1 Uhr abgebrochen und die nächste Sitzung auf Dienstag den 12. März, vormittags 10 Uhr festgesetzt. • • -ck- Darmstadt, den 9. März 1901. Daß beim Kapitel „Volksschule" natürlich Wünsche laut werden mußten, war vorauSzusehen. Gerade dieser Gegenstand beschäftigt besonders intensiv schon seit Jahren Regierung und Volksvertretung. Heute wurde von einigen Abgeordneten über die neben- dienstliche Beschäftigung der VolkSschullehrer geklagt und behauptet, einige Lehrer würden durch einen allzu stark betriebenen Weinhandel in der Ausübung ihres Berufes behindert. Jeder Eingeweihte weiß allerdings, daß durch eine sachgemäß betriebene Weinbereitung der Winzer das ganze Jahr in Anspruch genommen ist. Wenn aber als ein Teil der Besoldung dem Lehrer ein „SchulMck" überlaffen ist, dann muß ihm auch die Zeit gegönnt werden, um hieraus den Betrag herauszuwirtschaften, der bei der Anschaffung bezw. der Stiftung in Ansatz gebracht wurde. Auch wurde der Regierung anempfohlen, den Lehrern die Uebernahme von Sparkassen, besonders größerer, abzuraten. Aber kommen nicht die Lehrer mancher Gemeinden so ziemlich als einzige bei der Uebernahme einer Rechnerstelle an derartigen Instituten in Betracht? Sie scheinen geradezu dazu berufen, im Jutereffe der landwirtschaftlichen Entwicklung eiuer Gemeinde, um die Gründung solcher Raiffeisenscher DarlehnSvereine zu ermöglichen, die Rechnung der Kassen zu übernehmen. Es wurde erzählt, ein Kreisschulinspektor habe auf einer BisitationSreise zur gewöhnlichen Schulzeit vor dem Dorf den Lehrer Mist fahren angetroffen. So etwas wird wohl selbst der duldsamste Lehrer nicht für korrekt halten. Es will uns bedüuken, daß jetzt nach der GehaltSei> Höhung der Lehrer nicht mehr so wie früher auf höhere Nebeneinnahmen angewiesen ist, und es ist anzunehmen, daß seine etwaigen Nebenbeschäftigungen soweit zurückgehen werden, daß sie nicht als den eigentlichen Beruf des Lehrers wider- sprechend angesehen werden wird. In Gegensatz zur Negierung stellte sich die Kammer >urch Annahme des Antrags der Minorität des Ausschusses, die Kosten für die Fortbildungsschulen ganz auf die Staatskasse zu übernehmen, statt, wie geplant, der Regierung einen Dispositionsfonds von 15000 Mk. zur Interstützung bedürftiger Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Gegner des Minoritätsantrages waren hauptsächlich die der Zentrumspartei angehörigen Abgeordneten des Hauses. Sie glaubten, in der Uebernahme der Kosten für die Fortbildunge- chulen das kirchlicherseits verhaßte Schreckensgespenft der Verstaatlichung der Volksschule schon halb verwirklicht zu ehen. Ob die erste Kammer diesem Beschluß beitreten wird, ist fraglich. Heute wurde in der Kammer auch die Frage erörtert, wie sich die Regierung zur Frage der Trennung der Volksschule von der Kirche stelle, und von der Regierung wurde eine zusagende Antwort erteilt. Politische Tagesschau. Der Pariser „TewpS" bringt folgenden Brief eines ungenannten Lavallerieobersten, der auf die Geschichte kenntnisse und die Revanche-Idem der Franzosen ein merkwürdiges Licht wirft: „Meine Herren, Sie zitieren ein isoliertes Faktum, wie Sie glauben, das Sie aber dennoch Überrascht und beunruhigt. Was werden Sie zu folgender Wahrheit sagen: In der Schwadron, die ich kommandiere, stelle ich jedes Jahr eine kleine Untersuchung an über den allgemeinen Bildungsgrad der Rekruten. Ich lege ihnen zu diesem Behufe die drei Fragen vor: 1. Was war der Krieg von 1870? 2. Was ist Elsaß-Lothringen? 3. Was war Bismarck? Ich verlange eine schriftliche Antwort. Von den fünfzig Rekruten, die teils Normannen, teils Bretonen, teils auch Pariser sind, wissen dreißig durchaus nichts. Zehn wißen ungefähr, daß Lothringen eine Provinz ist, daß Bismarck ein deutscher General ober Kais er war, daß der Krieg von 1870 nicht glücklich gewesen, aber ihrer allzu unbestimmten Kenntuiffe haben keinen tieferen Eindruck auf ihr Herz gemacht. Nur weitere zehn, und namentlich die Pariser, haben von unseren Niederlagen erfahren. Und seit fünf Jahren erhalte ich ungefähr das gleiche Resultat. — „C’est A faire frtmir!“ rufen die Empfänger des Briefes. Der Einsender spricht die pessimistische Meinung auS, es müffe anderSwo noch schlimmer stehen, da die Eltern der Bretonen und Normannen im Jahre 1870 die deutschen Truppen selbst noch im Lande gesehen haben, viele andere dagegen nicht. — Der „große" D6touI6be hatte in ber That nicht so nnrecht, in seiner letzten Rebe in San Sebastian zu sagen, die Revanche sei „vorherHand" in Frankreich unausführbar ge worben ? Alls ZtaÄt im- §anS. Gießen, den 11. März 1901. •• Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 9. März dem Zahlmeister Spies im Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm I. (2. Ostpreuß.) Nr. 3, seither Zahlmeisteraspirant im Infanterie Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen und den Rechtsanwalt Daniel Freund in Offenbach als Nachfolger des Notars Dr. Hoffmann in Offenbach zum Notar mit dem Amtssitze in Offenbach, ferner den Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Langen Karl B au er zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Darmstadt I, den Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Beerfelden Wilhelm Stein zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Friedberg, den Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Fürth Joseph Streuber zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Beerfelden, den HilfsgerichtSschreiber bei dem Amtsgericht Mainz Ludwig Haubach zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Langen, den Hilfsgerichts- schreiber bei dem Amtsgericht Darmstadt II Johann Göbel zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Fürth ernannt. •• Prüfungs-Konzerte. In jedem Jahre, wenn die Saison beendet ist, ruft die Schule für höheres Klavierspiel, die von der Pianistin Fräulein Minna Körner geleitet wird, ihre Schüler zu einer Prüfung. In diesem Jahre find die Tage Mittwoch, den 17. März und Donnerstag, den 18. März dazu ausersehen. Am ersten Tage werden die Kleinen und Kleinsten, am zweiten die Fortgeschritteneren und die auf höherer Stufe stehenden Beweis ablegen, was sie im verflossenen Jahre gelernt haben. Fräulein Körner nimmt es sehr ernst mit ihrer Kunst, dem seichteren Geschmack macht sie unter keinen Umständen Koncesfionen, deshalb zeigt auch das Programm nur die Namen bedeutenderer Autoren, wie Bach, Beethoven, Brahms, Chopin, Field, Liszt, Mozart, Schubert, Wagner rc. Beide Konzerte finden im Saale des Hotel Großherzog von Hessen statt. Jedem, der sich dafür interessiert, stellt Fräulein Körner (Oswaldsgarten) bereitwilligst Karten zur Verfügung. *• Die Einziehung der Zeitungsgelder wird künftig durch die Briefträger in der Zeit vom 15. bis einschließlich 25. des letzten Monats im Vierteljahr ausgeführt werden. Die Briefträger werden die bisherigen Bezieher von Zeitungen unter Vorzeigung der Bestellzettel befragen, ob ber Weiterbezug ihrer Zeitungen gewünscht wirb; bejahendenfalls haben sie bie bafür zu zahlenben Beträge zu erheben. Die Briefträger sind zur vollgiltigen Quittungsleistung Über die erhobenen Zeitungsgelder berechtigt und haben demnach auf den von den Bestellzetteln abzutrennenden, dm Beziehern zu behändigenden Quittungsabschnitten selbst zu quittieren. Zeitungen, die ber Bezieher nicht mehr bestellen will, können von ihm ober von bem Briefträger im Bestellzettel gestrichen, neue Zeitungen können im Bestellzettel nachgetragen werben. Bestellungen auf bis bahin noch nicht lezogene Zeitungen bürfen nur unter Vorbehalt ber nachträglichen Prüfung burch bie Postanstalt von ben Briefträgern angenommen werben. Dem Publikum ist auch ge« tattet, bic Einziehung von ZeitungSgelbern bei ber Post- austalt schriftlich zu beantragen. Für berartige Bestellschreiben ober Beftellkarten kommt eine Gebühr nicht zur Erhebung; sie können in bie Briefkasten gelegt ober ben Briefträgern mitgegeben werben. Außerhalb ber für die Einziehung vorgeschriebene Zeitdauer (vom 15 bis 25. des letzten Monats im Vierteljahr) ist die Entgegennahme von Zeitungsgeld )urch das Bestellpersonal im Orte nur nach vorheriger Anmeldung der Bestellungen bei ber Postanstalt zulässig. DieLanbbriefträger haben bagegen jeberzeit Bestellungen auf Zeitungen entgegenzunehmen. Spitlphm btt «rrimgttu jraktaltr Stettijtnta. Opernhaus. Dienstag, den 12. März. .Jolanthe". Hierauf: . D i e Hand". Zum Schluß: „Mendanika". Mittwoch, den 13. März: Geschloffen. Donnerstag den 14. März. .Die Hugenotten". Ur- bain: Fräulein Helene Hohenleitner «IS Gast. Freitag, den 15. März. Geschloffen. Samstag, den IS. März, abends 6V» Uhr: „Tannhäuser und der Sängerkrieg aus Wartburg. Tannhäuser: Herr Friedrich Sarlän vom Stadttheater in Bremen, als Gast. Sonntag, den 17. März, nachmittag t/o Uhr. „Flachsmann als Erzieher." 7 Uhr. .Rosenmontag". Montag, den 18..März. „Die Räuber". Fran, Moor: Herr Max Bohrhammer a. G. *) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Zur Frage der Getreidezölle. -Der Unterzeichnete kann die Erwiderung das Herr» Handelskammersekretär Dr. Kehrn auf feine Ausführungen in Nr. 54 dieses Blattes nicht unbeantwortet lassen. Meine Vermutung, daß die Eingabe der Handelskammer selbst landwirtschaftliche Betriebe von 100 Quadratmeter bis zu; 10000 Quadratmeter mitgezählt habe, um dem gläubigen Publikum nachzuweisen, daß nur ein verhältnismäßig geringer Prozentsatz aller Landwirte Vorteil von der (Ä- höhung der Getreidezölle habe, trifft nach der veröffentlichten Eingabe zu. Wenn die Bewirtschafter solcher kleinen Flächen nach der Ansicht der Großherzoglicl>en Handelskammer Landwirte sind, dann sind auch alle Landwirte Schneidermeister, weil sie sich gelegentlich selbst einen unentbehrlichen Knopf an ihre Unaussprechlichen nähen. Das eine wie das andere ist widersinnig. fr tb künstig durch einschließlich 25. rt werden. Die c von Zeitungen ob der Weiter- endenfallS haben en. Die Brief- g über die er- u demnach auf m Beziehern zu zu quittieren, c bestellen will, Vriesträger im i imSeWtd >ahin noch nicht chatt der nach vn den Brief, m M y* x bei der Post' ze Bestellschreiben t zur Erhebung; den Briefträgern ; Einziehung vor- j letzten Monals on Zeitungsgeld nach vorheriger anstatt luW zeit Bestellungen März 1901 ,8®Mat a« ^^egiweut fr 3' seither *®*m 5 des $etl 7» und den K, ^folger Ff mH de« beide« 'selber bei oem bndm «m-, chiischreiber bei htSschreiber bei jum Terichts- ' H'Vgerichts- fohanu Sobel lth ernannt. ^enn die Taifvn iiavierfpiel, idruer geleitet diesem Jahre rz und Don- :n- Am ersten am zweiten die herer Ttnse isenrn Jahre ge- sehr ernst mit fit unter fernen daS Programm Bach, Bee, lt, Mozart, nden im Saale t. Jedem, der ^OswaldSgartru) »As# ,i. htaauf! ,D»° W4)i be"13*® Ur- u0e"h« i" Mr- SS-rß i166, Herr» S.SxS Hermann Katz 5 Mäusbmg 5 5 Mäusbmg 5 U r« Wirtschaften auch erhebliche Mengen von betreibe aller Art, auch bester Weizen, an das Bieh verfüttert tverden Daß in diesen Betrieben die notwendige Brotsrucvt, wie Herr Dr. Kehm annimmt, vielfach verkauft wird und Dir Leute genötigt wären, Brot wieder zuzukaufen, mag vei leichtsinnigen Wirten hier und da vorkommen. 3m allgemeinen sind die Landwirte fiug und eigennützig genug, nicht ihr gutes Getreide billig zu verkaufen, uni nachher dem Bäcker oder dem Händler zweifelhafte Ware zum höheren Preis wieder abzukaufen. Die Zollerhöhung soll uns angeblich nichts nützen. Wenn das wahr wäre, sollte man sich gar nicht gegen die Zolt- erhöhung sträuben, denn dann bliebe ja alles beim alten. Daß mit der Zollerhöhung der Bodenwert alsbald steigen würde, ist unter den bestehenden Verhältnissen, bei dem Abfluten der Bevölkerung des platten Landes in die Städte und in die Jndustriebezirke garnicht zu crwartem Unter diesen Umständen ist das Bewirtschaften auch eines Bauerngutes von 6—8 Hektar mit so vielen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten verbunden, daß in der Folge Die Konkurrenz bei der Erwerbung oder Pachtung lcmdwirtt schaftlicher Betriebe immer geringer werden wird. Dav starke Angebot und die mangelnde Nachfrage werden bw Kauf- und Pachtpreise unter den beregten Uniständenniedrig halten. Zahlreiche Beispiele aus der neuesten Zeit beweise,! das schon.^Lcnrc- - Ackerland von mittlerer Fruchtbarkeit mit Brotfrucht bestellt, genügen vollständig, um im Jahre die Brotfrucht für fünf Personen zu erzeugen. Daß nach Herrn Dr. Kehm in Hessen erst auf einer Fläche von 10 Hektaren mehr Brotgetreide erzeugt wird, als gine Familie für ihren Bedarf nötig hat, ist eine ganz unhaltbare Behauptung. Und wenn Herr Dr. Kehm jul) dabei auf den bekannten Nationalökonomen Prof. Dr. Eonrad in Halle beruft, der diese Entdeckung im Meise Lauterbach gemacht haben will, die er vielleicht auch im Kreise Schotten hätte machen können, so darf man diese besonders ungünsttgen Verhältnisse nicht übertragen auf das ganze Land. Wer in den schlechtesten Bezirken der Lüneburger Heide derartige Feststellungen macht, wird diese doch nicht übertragen können auf die ganze Provinz Hannover. „ , , , Ein Landwirt, der 4—5—7 Hektar bewirtschaftet in Gegenden von mittlerer Fruchtbarkeit, ist damit vollständig beschäfttgt. Er kann Nebenverdiensten in der Regel nicht nachaehen. Seine Ausgaben an Steuern, Zinsen, Unterhaltung der Gebäude und des Inventars, Heizung, Beleuchtung, Zukauf von Kolonialwaren re., Bekleidung betragen bei aller Einschränkung ca. 1400 Mk. p. a. Womit bezahlt der Landwirt diese Summe? Doch nur aus dem Erlös seiner Produtte. Und dabei sind die Erlöse aus Getreide beinahe gleich denen aus der Viehwirtschafr Das beweist, daß solche kleinen Landwirte ein sehr erhebliches Interesse an Schutzzöllen für landwirtschaftliche Produtte haben. In der nächsten Nähe von Gießen könnte ich dem Herrn Dr. Kehm Betriebe nachweisen, die bei einer Kulturfläche von 7 einem halben Hektar in normalen Jahren bis 40 Doppelzentner Getreide verkaufen, obgleich in solchen Wie diese Desitzverhältnisse beispielsweise im Kreise «ictzcn liegen, zeigt die nodjfolgenbe Duistcllung aus einem guten Dürfe, das eine Gemarkung von 600 Hektaren an Aecker und Wiesen hat. Die Diltursläche verteilt ich auf 175 Besitzer, von diesen treiben nur 49 ausschließlich Landwirtschaft, 31 sind Taglöhner, 14 öNchirrhandler, 9 Steinhauer, 9 Viehhändler, 6 Wagner, 5 Musikanten, 4 Lumpensammler, 4 Schmiede, 4 Müller, 4 Wirte, 4 Schuh- tnadier, 3 Hirten, 2 Schreiner, 2 Metzger, 2 Ziegelbrenner, 2 Steinfuhrleute, 2 Lehrer, 2 Küfer, 1 Rottenmeister, 1 Hebamme, 1 Pflasterer, 1 Totenfrau, 1 Zimmermann, 1 Wagenwärter, 1 Steinbruchbesitzer 1 Maurer, 1 Weiß^ binder, 1 Bergmann, 1 Forstschütz, 1 Feldschutz, 1 Ortsdiener, 1 Schneider, 1 Butterhändler, 1 Glaser, 1 Drechsler. Die Eingabe der Handelskammer bezeichnet alle diese Leute als Landwirte, weil sie Teil haben an der ^ltur- iläche von 600 Hektar und weil sie ca. 0,10—2 Hektar Kulturfläche besitzen und bewirtschaften, m den meflten Fällen bewirtschaften lassen. Von dieser unrichttgen Voraussetzung ausgehend, kann man auch nur unrichttge Schlüsse ziehen. Ich bestreite Herrn Dr. Kehm garnicht, daß es ut Kessen ca. 34 000 Personen giebt, die nur bis zu 2 Hektar landwirtschaftlicher Fläcl>e besitzen. Ich bestreite aber, daß man die Mehrzahl dieser Besitzer als Landwirte im Hauptberufe bezeichnen darf. Dem Herrn Dr. Kehm wird es unwahrscheinlich klingen, daß der Bericht über die landwirtschaftlichen Verhältnisse im Großherzogtum aus dem Jahre 1884 nachweist, daß selbst Zwergwirtschaften von 2 Hektaren einen Ueberschuß auch an Brotgetteide erzeugen. Denn schon 0,5—0, <5 Hektar THEE-MESSMER wird in 100,000 Familien tägl. getrunken. Probepackete 60 und 80 Pfg. Niederlagen durch Plakate kenntlich. ; Große PrckkmGMH: auch auf sämtliche Neuheiten in Damen-Kleiderstoffen nnd Damen-Konfektion welche in großer Auswahl eingetroffen. f 1817 Bekanntmachung. GamStag den 16. März 1901, nachmittags 2* l/a Uhr, tollen beim Turmhaus am Brand 1. die städtischen Marktlauben und die unter dem Turmhaus befindlichen Keller für die Zeit vom 1. April 1901 bis dabin 1902, 2. D.-r Obstverkaufsplatz auf Oswalds Garten, nächst der Spies'fchen Wirtschaft, auf unbestimmte Zeit, 3. die Wirtschastshallen auf dem V'ehmarkrplatz für die Zeit vom 1. April 1901 bis dahin 1902 öffentlich meistbietend versteigert werden. Die Verpachtungsbedingungen werden im Verpachtung», termin bekannt gegeben, können aber auch schon vorher auf unserem Sekretariate eingesehen werden. Gießen, den 8. März 1901. 1899 Grvßherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ______Mecum.______________ Km- md WkrKhchVerßchNW. Freitag den 15. März l. I., kommen im Grün- derger Stadtwalde in den Dinrikten Bobenhäuserkopf, Steinrütsche, Kreuzstein, Hölzchen, Bennerberg, Langeseif und Taufe folgende Hölzer zur Versteigerung: 1. 7 Echenstämme mit 1,71 fm Inhalt, Wagnerholz, 2. 63 Eschenstämme „ 7,52 , „ „ 8. 811 Fichtenstämme „ 91,11 „ „ Bauholz und einige Schnittstämme, 4. 29 Kiefernstämme „ 16,00 , „ größtenteilsSchnitth. 5. 4 Lärchenstämme 1,50 „ , Bauholz, 6. 19 E'chen-Derbstangen mit 0,92 fm Inhalt, Langwieden, 7. 188 FichtewDerbstangen „ 9,56 „ H Leiterbäume und Gerüststangen, ferner Nutzholz: 1. 3,7 rm Eichen - Scheitholz, 2,50 m lang, Pfosten- und Wagnerholz, 2. 4,5 rm Eschen-Knüppel, 1,60 m lang, Wagnerholz, 8. 19,5 rm Fichten-Scheit und -Knüppel, 3 m lang. LaUenholz, 4. 285,7 rm Fichten-Nutzreiser in ganzen Längen, Bohnenstangen und Leiterbäume. Zusammenkunft morgens 97, Uhr am Eingang in den Wald von Giünberg aus. Die Stämme und Derbstangen au» den Distritten Bobenhäuserkopf 6, Steinrütsche 1 und 3 und Kreuzftein 1 werden nur vorgezeigt; alle übrigen Stämme sowie sämtliches Nutzholz kommt von mittags 1 Uhr auf der oberen Ziegelhütte zum Ausgebot. Nähere Auskunft über dar Holz erteilt Forstwart Büttel in Grünberg. Grünberg, den 9. März 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer. 1934 Zur Frühjahrssaat empfiehlt Die Unterzeikvnete befi gereinigten roten Bchlan- stedter Sommer-Weieen, per 100 Kilo 20 Mk., per 1000 Kilo 195 Mk. ab Lauterbach. Säcke werden mit 60 Pfg. per Stück berechnet. Dieser Weizen ist bekanntlich äußerst ertragreich, hat straffen Halm und fällt nickt leicht auS; er liebt frühe Saat. 1739 StoLyatchtr bei Lauterbach (Oberheffen), im März 1901. Areih. Ittedesefsche Kutsverwaltung. Freitag den 15. ds. Mts., rmchmitta«- »en 4 Zlhr an, sei! im StadtLnaSrn- schulhaus eiue öffentliche Prufvus fodbillmnpfdjület stattfiudeu. Es werden zu derselben die Eltern und Lehr- Herren der Schüler und sonstige Freunde der Schule hierdurch eingeladen. Gießen, den 9. März 1901. 1917 Mecum, Hab«, Fuhr, Bürg-rm°ister. Oberlehrer. Darmstädter Pädagogium. Darmstadt, Nieder-Ramstädterstraße 28. Vorbereitung zum Einjährigen-, Primaner- und Abiturienten-Examen, sowie für mittlere und obere Klaffen höherer Lehranstalten. Gute Erfolge. I928 Beginn deS Sommersemsters: 15. April.M« "Hai. vom 16. 6. 1893) und die MmmtmWOli Submission. Für die Gr. psychiattische Klinik sollen für das Rechnung»« fahr 1901/02 auf dem Wege öffentlicher Submission vergeben werden: 1. Lieferung von Backwaren, Fleischwaren, Spezereiwaren, Mich, Butter und Eier, Bier, Eis, Wein, Mineralwasser, Bürstenwaren u. Toilettegegenstände, Porzellan- u. Glaswaren, Emaillewaren, Schreibmaterialien, Kleider für Pfleger, Schuhe für Kranke und Personal, ca. 800 Ctr. Nußkohlen 2. DasReinigen derPersonal- und Kranttnwäsche (getrennt oder zusammen); 3. Da» Reinigen de».Küchenheerdes und der Oefen; 4. Da» Leerfahren der Senk gruben und Fortschaffen de» Kehrichts- 5. Die Abgabe von Knochen und Gespül. Die für die Lieferung giftigen allgemeinen Bedingungen (Erlaß der Großh. Ministerien speziellen Bedingungen liegen an den Wochentagen, nachmittag» von 8 bi» 5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen. Offerten find versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bi» zum 16. März 1901, vormittags 11 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. 1741 Der Zuschlag erfolgt bis 28. März 1901. Gießen, den 2. März 1901. Großh. Direktion der psychiatrischen Klinik. ______S ommer.______ Bekanntmachung. Der Landwirt Ludwig Hof« mann V. zu Lollar und dessen Ehefrau Elisabetha geb. Schäfer von da haben sich durch gerichtlichen Ehkvertrag vom 22. Januar 1901 den Bestimmungen der Errungenschaftsgemeinschaft de» Bürgerlichen Gesetzbuch» unterworfen. [1929 Gießen, 8. März 1901. Großh. Amtsgericht.____ Widerruf. Die von der Gemeinde Alten - Buseck anberaumte Holzverfteigerung soll nicht Donnerstag den 14., sondern Mittwoch de« IL.d.MtS. stattfinden. 1944 Alten-Buseck, 9. März 1901. Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck. Körber. ücrsteigmulM Hohversteigerung m den iUalbnagen itr SkMkiude Wieseck. Freitag den 15. d. M., vormittag» 10 Uhr beginnend, soll in den Waldungen der Gemeinde Wieseck, Distrikt Klause, TeufelSpsütze und Holzbrunnen nachverzeichnetes Holz versteigert werden: 1 Eichenstamm mit 0,54 km, 3 Buchen - Abschnitte mit 0,33 fm, 95 Nadelstämme mit 27,35 fm, 543 Nadel-Derbstangen mit 49,15 fm, 38 rm Buchenscheitholz, 20 rm Eichenscheitholz, 2 rm Birkenscheitholz, 17 rm Nadelscheitholz, 33 rm Buchenknüppelholz, 36 rm Eickenknüppelholz, 30 rm Nadelknüppelholz, 2950 Wellen Buchenreifig, 1400 Wellen Eichenreisig, 1400 Wellen Nadelreifig, 4 rm Buchenstockholz, 2 rm Eichenstockholz, 8 rm Nadelstockholz. Die Zusammenkunft ist oberhalb der Sandgrube, am Schrei. Wieseck, am 9. März 1901. Großh. Bürgermeisterei Wieseck. _____Sommerlad. 1911 Hohversteigerung am DouuerStag de« 14. d. Mts., von nachmittags 1 Uhr ab, in der Wirtschaft von Wwe. Weisbrod zu Salzböden. Eiche«: 20 rm Scheit und Knüppel. Buche«: 200 rm Scheit und Knüppel, 390 rm Reiser, 50 rm Stöcke. Fichte«: 13 rm Scheit und Knüppel, 5 rm Stöcke, 185 rm Reffer. Das Holz liegt in den Distrikten Faberstück 18a und Schottenholz 14, Gemeindewald Salzböden. Krofdorf, 8. März. 1901. Der Bürgermeister. Ltcktentbaeler. 1916 1240] HrdveneilungShatber M daS Hau» Bahnhofftratze 64 preiswett zu verkaufen durch I. Boeck, Steinstraße 15. Hohversteigerung Ul HsUbttger Stlldtwald. Donnerstag, 14. März 1901, vormittag- vo« 9Mhr au, kommen aus den Distrikten Hardt. Schweinftall, Köpfchen und Finkenhaln zur Versteigerung: 18 Elchenstämme m. 10,12 fm, 48 Kiefernstämme m.44,57fm, darunter Stämme bis zu 2 J/2 fm, 97 Kiefernstämme m.18,40krn, 2 Birkenstämme m. 0,58 fm, 472 Fichten - Derbstangen mit 24,54 fm, 1 rm Buchen-Scheit, 1 „ Eichen- n 4 „ Eichen-Knüppel, 35 „ Nadel- , 31 ff Buchen-Reifer, 14 „ Eichen- , 32 „ Nadel- „ 4 ff Eichen-Slöcke, 10 „ Nadel- „ Zusammenkunft bei der kleinen Brücke auf der Kreisstraße Homberg—Nieder - Gemünden. Homberg, 5. März 1901. Gr. Bürgermeisterei Homberg. Repp. 1920 ffinßc Geschirr- imd Ua4k0-lkdeiglmi]schwSl]k ist ein unübertroffenes Leder- Konservierungs,- Schwärze- und Glanz-Mittel. 1858 »rotze Flasche 1,50 Mk. Otto Schaaf, Hieße«.Settersweg 89. Nachdem ich meinen Schönschreib - Kursus bereits eröffnet habe, werden noch weitere Anmeldungen bis Montag, de« 18. März in LouyS Bierkeller ent* gegengrnommen. [0876 Ich mache besonders darauf aufmerksam, daß der Unterricht ach Geschäftsschluß bis abend» 10 Uhr besucht werden kann. Hugo Hotz, Kalligr. Lehrer. D.R.-PatentN? 76720 W Mnöbutter S. 8. Pa Gksthlich geschützt I ti)lcine Grude mit Bett *u ver- mieten Aeuenweg 20. [0840 ui Klauenheil Ein Kausdmslhe gesucht StrinS «arten. 1R5B 628 moderner u Leute zu vermieten. 19U5 pr. Mon. u. mehr. 1645 A. Sauffmann, Hamburg I. Aeugadt 8. gesucht. Butzbach. 18M Sehlosagasse 19, Schlossgase 19 Ludwigsplatz 13 13 Ludwigsplatz Weinstube zur £iidwig$burg J. Seibel. 7 Ei« Wittel zum Spare» iS TENT Offene Stellrn zum Würzen denn eS genügt ein an jed. Orte f. d. Berk. mein, beliebt. Cigarren an Wirte, Händl., Krämer,Priv Bergig. ev.Mk.2SV 60.000 SläckJoGebrauth ist und verlange Pastillen Plombe oder Quellsalz Plombe. verschlossen ausdrücklich Emser mit Alieestratze 27 ist. eine freundliche 3» Zimmer» Wohnung mit Küche und allen Bequemlichkeiten wegen Versetzung per 1. 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