ton ,PQ( >tWdkNts Vetteqasse. akfurt 11 ' m 526 i -Stiefeln SgenBurd-s»™* .Un’s Mii*™ BulU fitiiiiw“!*; P p A NO. 7402) verwendet Jeberall •Äg ®in X*'M aaftänbisß- todtei die Hausarbeit toten kann, ■ !• Avril Stellung M. !■ öauptbebing. Bitte Off. Ppoftlflq frnci »uienbet Vtädch-N, 3nüeiit., rqptli* kecken kann und mit wSl. Arbeiten vertraut iß, teile in e. ifr. ßiuft MH, m Keßler, Snnnenfr 24. Mi *1 Krebs mil,deA »b6r6tt. », etbaluji att8) ^^Mion d.tzl. Thee , « „ — enf L'1 üPSj&S späSSftt ä4«fä'Ä® EWS recÄ™« Höhere Ud'^eMeilNS werden er Offerten unter Nr. 0108 an rv-dition dieses NlatieS. und, Dogge, gelb mtt n Slate. AennMen .izdvrr mb m\t dn Mp-M 1-3. AbMen d« Friedrich Frey, ommrrsmüble bei Ärünm«. n Nagel aolWl Nr. 10 ErRes Blatt» Samstag den 12. Januar 131. Jahrgang 1901 Meßmer Anzeiger Keneral-AnMger Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den (Siebener Anzeiger entgegen. Zeilenprets: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pf. A-vzugsprets »ierteljährl. Mk. 2.20 monathd) 75 Pfg. mit Lrinqerlohn; durch die Abholcstellerr vierteljätirl. Mk. 1.90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2.— vievteiiäbtt. ohne Bestellgeld. Erscheint täglich Kit Ausnahme des MontagS. Die Gießener Iiamitlenvtätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hoff. Saudioirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde- wächU. 4 mal beigelcgt. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr, Abbestellungen spätestens abends vorher. Aints- und Anzeigeblatt für den Urei# Giefzen. Aedaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Sietze». Fernsprecher Nr. 6L Amtlicher Feil. Bekanntmachung, ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß sich die Dienffräume und das Sekretariat des TchiedS gerichtS für Arbeiterversicherung in der Provinz Oberheffen in Gießen, Ostanlage Nr. 29, Erdgeschoß, bepuden. Gießen', den 10. Januar 1901. Schiedsgericht für Arbeiterversicheruug. Boeckmann. Urheber- und Verlagsrecht. Die Reichstagsverhandlungen haben mit der Erörterung deS Urheber- und Verlagsrechtes begonnen. Tas sind Materien, die anscheinend nur für eine kleine Minderheit der Bevölkerung Interesse haben, nämlich für die Komponisten und Schriftsteller, sowie für jene Buchhändler, die deren Werke verlegen. Aber in Wahrheit handelt es sich hier um ein Stück Kulturarbeit, bei dem die Allgemeinheit sehr in Mitleidenschaft gezogen ist, und um die Verwirklichung eines nicht unbedeutenden Fortschrittes in Bezug auf den Schutz der geistigen Arbeit. Tas Urheberrecht schließt sich in dieser Beziehung den Gesetzen zum Schutze des gewerblich-geistigen Eigentums an, die schon ergangen sind, also dem Patentgesetz, sowie dem Gebrauchs-Musterschutz. Wie diese den Erfinder von Neuerungen, von neuen Mustern, sowie die Marke eines Unternehmers schützen, ebenso soll das Urheberrecht dem Verfasser einer Schrift oder eines Musikwerkes ein möglichst weitgehendes Nutzungsrecht an seinem Eigentum sichern. Früher hat man diese Auffassung bekämpft, weil die Werke eines Autors lediglich der Niederschlag der Eindrücke und Bildungselemente seien, die ein Autor in sich ausgenommen hat, und weil die Allgemeinheit demgemäß einen Anspruch aus seine geistigen Werke besitze. Diese Ansicht hegt man heute nur noch vereinzelt. Auch die materiellen Rechte eines Urhebers (Autors) müssen wahrgenommen werden, tmb die Allgemeinheit fährt am besten, wenn den Autoren ein gesichertes Schaffen ermöglicht ist. Insofern der Entwurf die materielle Lage der Autoren zu bessern sucht, hebt er den Stand als, solchen und vermehrt dadurch die Arbeitsfreudigkeit. Wenn also der Entwurf von der Tendenz getragen ist, dem geistigen Eigentum nach der materiellen Seite hin zu .einem größeren Schutz zu verhelfen, so läßt sich dagegen nichts einwenden, und man hat nur im einzelnen Ju prüfen, ob die Ausführung dieser Idee richtig ist. Dabei ommen nun diesmal die Zeitungen besonders in Betracht, zumal hier die Frage des Schutzes ganz eigenartig liegt und zumal auch hier das Publikum ganz besonders interessiert ist. Bei dem Mangel an Zeit tmb ber Notwendigkeit, über die Tagesereignisse auf dem Lausenden zu bleiben, ist ja die Zeitung oft ba§' einzige Banb, das die Erwachsenen mit Litteratur und Schrifttum verbindet. Nun sind die Zeitungen mehr oder weniger aufeinander angewiesen. Tie eine druckt aus der anderen ab, sie sucht ihren Leserkreis über die Vorgänge und über die Politik aufzuklären, indem sie aus anderen Blättern der verschiedenen Parteien Ausführungen zitiert, um daran gelegentlich ihre eigene Meinung zu knüpfen. Verbietet man der Presse Entlehnungen, zu denen die große wie die kleine Presse greift und greifen muß, so entwurzelt man die ganze Presse. Es macht natürlich jeder Zeitung Freude, wenn sie von anderen Blättern viel benutzt wird. Wir z. B. wissen, daß unser „Gießener Anzeiger" für den größeren Teil der oberhessischen Blätter den Hauptnahrungsstoff liefert, und blicken mit Genugthuung auf das Ansehen, das wir bei diesen Blättern genießen. Was wir dabei von diesen Blättern allein verlangen, ist einzig und allein die genaue Angabe der Quelle; wir wollen für das, was andere Blätter aus unserem Inhalt entnehmen, wenigstens deutlich zitiert werden. Tas sucht der Entwurf zu gewähren, aber in einer Form, die manche Bedenken gegen sich bat. Danach soll der Abdruck wissenschaftlicher, technischer uno unterhaltender Artikel überhaupt verboten sein. Ter Abdruck sonstiger Artikel ist erlaubt, sofern sie nicht mit einem Vorbehalt der Rechte versehen sind. Es ist also den Zeitungen künftig möglich, auch ihre Leitartikel gegen unberechtigten Mdruck zu schützen, sofern sie einen entsprechenden Vermerk machen, doch können einzelne Stellen oder kleinere Teile aus solchen Artikeln in einer selbständigen litterarischen Arbeit angeführt werden, wodurch auch fernerhin die Polemik und Widerlegung gesichert werden soll. Sodann ist der Abdruck vermischter Nachrichten .thatsächlichen Inhalts und von Tagesneuigkeiten gestattet, wobei die Betonung des „that- sächlichen" Inhalts Humoresken, Anekdoten rc. schützen soll. Bei jedem Abdruck ist die Quelle deutlich anzugeben, auf Unterlassung steht nach § 44 eine Geldstrafe bis zu 150 Mk. Tau ach ist also die Quellenangabe gesetzlich unter Strafandrohung erzwungen. In der Begründung indessen wird angeführt, daß die Verpflichtung zur Quellenangabe nur solchen Artikeln zu Gute kommen kann, die an sich .geeignet sind, „als Schriftwerke ein Recht des Urhebers zu begründen", die also eine litterarische Form besitzen. Wer entscheidet das? Zunächst der Redakteur, irrt er dabei und wird angezeigt, so gewärtigt er eine Strafe. Tiefe Regelung erscheint uns recht bedenklich und nur zu sehr geeignet, für das Gebiet der Presse eine Rechtsunsicherheit zu zeitigen. Mit der Angabe der Quelle geschieht niemand ein Schaden und man kann sie demgemäß verlangen. Ob man aber für jede Unterlassung die Möglichkeit einer Bestrafung schaffen soll, ist uns sehr fraglich, es genügt, wenn die Bestrafung bei böswilliger Absicht eintritt, also etwa in wiederholten Fällen und nachoem Ermahnungen nicht fruchteten. Auf jeden Fall aber muß der Anspruch auf Quellenangabe klar sein, da die Presse bei ihrer hastigen Arbeit selten Zeit hat, sich mjt der Mwägung kautschukartiger Bestimmungen zu befassen. Deutscher Reichstag. Berlin, 10. Januar. Die zweite Lesung des RetchsheuShaltsetats für 1901 wird fortgei'tzt mit dem (Stet für den Reichskanzler und die RetckS- ' anglet. Dazu liegt e Kttnckowst'öm und Ge- ■ off n (Konfcrvat ve und R<-ichSpa> tet) vor, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu rollten, daß bet Abschluß neuer HinbelSvkrträge der Artikel 19 deS Schlußprotokolls zum deutsch russischen Handelsvertrag in enu normieren zulaßt, wenn das betreffende Getreide zur Au»fuh- über See nach dem ZollauSlande bestimmt tst. Der Antrag wird mit zur Debatte gest.Lt ei dem Titel 1 ber Ausgaben (Gehalt des Reichskanzlers 11)0000 Mk.) Abg. Molkenbuhr rügt es als einen Vertragsbruch, daß beim Hamburger ArbeiterauSstand auswärtige Arbiter im Freihafen untergebracht wurden, was nach den bestehenden Verträgen unz'ckäsfig fei, und fragt den Reichskanzler, ob er die Verträge mit dem Bundesrate zu wahren gedenke. Er müsse dafür sorgen, daß dem Kaiser nickt wieder solche dicken Lügen zugetragen werden, wie über die Hamburger Arbeiter. ES habe sich nicht um einen Streik, sondern um «ine Aussperrung durch die Arbeitgeber gehandelt. Diese feien also die oaierlanbHofen Gesellen gewesen. Hamburger Senator Lapppenberg bestreitet das Vorliegm e'neS Vertra sb'ucheS, be eS fich nur um eine vorübergehenbe Unters taffuna gehandelt habe. Abg Graf Klinckowström (I°nf-) begründete feine Resolution auf Aenderung des Artikels 19 des Schlußprotokolls zum deutsch-russischen Handelsvertrag, bei Abschluß neuer Verträge, welche die vereinbarte besondere Regelung der Getreidesrachttarise aus die Sendungen beschränken will, die zur Ausfuhr über See nach dem Zollausland be« st mmt sind. Er ist grundsätzlich überhaupt Gegner einer solchen Vereinbarung welche den Zoll herabdrückt und macht dagegen auch BerfaffungS- bedenken geltend, weil das preußische Hoheitsrecht betreffend die Bestimmungen seiner Äsenbahntarife verletzt sei. Abg. Rickert (freis. Vg.) stimmt einer Kommissionsberatung zu- die hoffentlich wieder ebenso wie früher zu ihrer Ablehnung führen werde. Abg. Gerstenberger (Zentr.) ist mit der Resolution einverstanden. Abg. Dr. Paasche (ntl.) steht ihr ebenfalls sympathisch gegenüber. Abg. Graf Kanitz (kons.) macht ähnliche Ausführungen wie der Antragsteller. Abg. Dr. Müller-Sagan (frs. Vp.l wünscht, daß der Kommission auch sonstiges zollpolitisches Material zugeht. Abg. v. Kardorff (Reichsp.) empfiehlt Verweisung an die Budgetkommission. Abg. Broemel (freis. Bg.) weist darauf hin, daß die Einfuhr des russischen Getreides für die ostpreußische Landwirtschaft eine Notwendigkeit ist. Abg. Müller (ntl) hat Bedenken gegen die Resolution. Ministerialdirektor im preußischen Elsenbahnministerium Möllhausen sagt für die Kommission die ausgiebigste Auskunft für alle angeregten Fragen zu. Der Grund für die Begünstigung von Königsberg, Danzig und Memel liege vornehmlich in der geographischen Lage dieser Städte zu Riga und Libau, die die einigermaßen gleichmäßige Gestaltung der Eisen- bahntarrfe bedingen, wenn nicht die Bevölkerung der Handelsstädte völlig kalt gestellt werde solle. Das Gehalt des Reichskanzlers wird bewilligt. Die Resolution de8 Grafen Klinckowström geht an die Budgetkommffsion. Der Rest des Etats des Reichskanzlers und der Reichskanzlei wird ohne Debatte bewilligt. — Es folgt der Etat des Reichsamts deS Innern. Beim ,Gehalt des Staatssekretärs" betont Gießener Potpourri. Spät kam er, doch er kam — nämlich der Winter, mit dem Anfang des neuen Jahres, des neuen Jahrhunderts. Lange, sehr lange haben wir auf ihn gewartet, er hat sich so sehr verspätet, daß das letzte Jahr ganz reglementwidrig, »hne ihn gesehen zu haben, geschieden ist. Viele gaben ich schon der Hoffnung hin, der kalte Gast werde sie mit einen Uebeln verschonen, aber er besann sich noch und suchte eine Unterlassungssünden in seinem Sinne wieder gut zu machen. Was er früher versäumt hat, holte er aus ziemlich derbe Art nach. Er bedeckte das ganze Land mit seinem wißen Tuche,, das die Blümlein gegen Frost schützen soll. Erstaunt und 'freudig erregt waren diese, andere erschreckte sein plötzliches Erscheinen. Das Thermometer sank empört 6—15 Grad unter Null. Den Freunden des Eissports aber ■Wb nicht zuletzt den Mitgliedern des Eisvereins ging das .Herz auf vor Wonne. Den Verehrern schneidiger Schlitten- Partien wurde allerdings ein Strich durch die — Hoffnung semacht, das bischen Schnee blieb nicht lange liegen, und Echlitten Pflegen auf Straßenpflaster nicht gut vorwärts zu kommen. Um so lustiger geht es auf der Eisbahn zu. kort tanzt Jung-Gießen auf Stahlschuhen über die spiegelglatte Fläche bis zum Beginn der Dämmerung, während die Massiven", die Zuschauer, frierend dem Schauspiel zusehen, höchstens mit einem Schnupfen den sonst unentgeltlichen vnblick bezahlend. Haben sie genug geschaut, dann ziehen sie sich aus den Stzltersweg zurück und haben das Ver- wngen einen Staub zu schlucken, wie ihn nur unsere «traßen-Reiniguugs-Kompagnie aufwirbeln «nm. Hiervon machte mir mein Freund Lattemann, ein ge- «örener Kalauer, jüngst Mitteilung. Als er nämlich mich f « Tage besuchte, sah er aus, als ob er mit seinem lieber-i »kher Landmesserchen gespielt hätte, von oben bis unten I •tfiaubt . „Na, Lattemann, was ist denn mit Ihnen passiert? Ausgeglitscht?" „Kein Gedanke! Ich habe den Seltersweg passiert." „Ach so! Dann ist mir alles klar. Sie hcchen ein bischen Staubwolken zum Frühschoppen genossen!" „Ja, ich mache eine Kur zur Verschlechterung der Atmungs-Organe durch, dazu ist nichts besser als ein Spaziergang auf dem Seltersweg, wenn er gefegt wird." „Sagen Sie mal, Lattemann, thut das gut?" „Wie man's nimmt. Mir ist der Appetit zum Mittagessen vergangen . . ." „Na, sehen Sie, da bedanken Sie sich doch. Sie haben jetzt wieder was gespart." „Danke! Aber was ich sagen wollte, bewundern Sie meinen reizenden Kindermund?". „Ne! Wieso?" Allerdings wußte ich, daß Lattemann, wenn's chm besonders wohl ums Herz ist, ein ganzes Ei mit samt der Schale in seiner „Speisewirtschaft" verschwinden zu lassen pflegt. „Um Mißverständnissen vorzubeugen: ich meine einen guten Witz, genannt „Kindermund". Wenn Sie den veröffentlichen wollten, ich glaube, der zieht!" „So erzählen Sie, Lattemann, ich bin gespannt wie 'n Regenschirm." Nachdem sich Lattemann gemütlich in einen Lehnsessel niedergelassen hatte, fing er an: „Wie Sie wissen, war hier vor ein paar Tagen Eisfest. Mein Jüngster wollte nach Beginn der Schule natürlich auch dahin, passende Schlittschuhe waren nach vielen Umständen angeschafft, bei dem miserablen Wetter hatte er sich jedoch 'nen Schnupfen geholt, sodaß. . . ." ' „Aber erlauben Sie mal, Lattemann, das ist doch ganz natürlich, das ist doch kein Witz!" „Bitte, kommt noch, aber famos, noch eine Sekunde, bitte. Nun, wo war ich stehen geblieben? Ach so: also, mein Jüngster hatte 'nen Schnupfen, sodaß ich ihm den Besuch der Eisbahn untersagte. „Aber Papa, ich bin ja nicht krank", wimmerte er. „Ach was. Du bekommst dort kalte Füße, wirst ernstlich krank und kannst dann nicht zur Schule gehen." Nun, denken Sie, was ber Knirps mir antwortet! „Papa", sagte er, „dann kaufe mir doch bei Wallenfels Glüh st rümpfe!" „Au! Sapperlot noch 'n mal? Glühstrümpfe gegen kalte Füße! Famos! Der Witz must Kolportiert werden. Haha-- haha!" „Nicht? das ist ein echter Kindermund! Der Bengel hat nämlich so 'n Plakat bei Wallenfels gelesen." „Gut,g ut, noch mehr solche auf Lager, Lattemann?" „Augenblicklich nicht. Aber was ich sagen wollte, watz macht denn jetzt Ihre Sammlung^ für die Burenfrauen ?" „Nun, darüber lesen Sie doch tagtäglich im „Gießener- Anzeiger !" „Ja, es ist großartig, in den paar Tagen schon gegen 500 Mark gesammelt!" „Ja, es giebt noch opferwillige Menschen." „Ich dächte, eine Sammlung für die hiesigen Armen wäre eigentlich noch angebrachter. Bei dieser Kälte wäre es wahrhaftig nötiger, Gelder für Kohlen rc. für die frierenden Armen zu spenden. Warum in die Ferne schweif......." „Pst! Lattemann, wollen Sie wohl ruhig sein!" „Aber ich meine ja nichts Schlimmes! Sehen Sie, bet lob' ich mir den „Kronbauerschen Quartettverein", der am 20. Januar ein Wohlthätigkeitskonzert veranstaltet, von dessen Reinertrag armen Schulkindern ein warmes Frühstück verabreicht wird. Dazu kann jeder fein Scherflein beitragen." , , „Ja, Lattemann, das iff so was, ich weiß ja, Sw smo ein echter deutscher Mann, der sein Herz auf dem richtigen Abg. Basser manu ( l), daß Fortschritt« in der sozlal- po'itisch n G«ietz.ebung «emachi sind. Äs müffe aber mehr aesch den, so für atdittenorforAung Aberkennung »eibune lie Arbetterorgani satton Hao die G w->ksL«iten. Wünschcnswert scten parttättsche kommunale Ärbeiks^achwetse. Abg. Beckh (r s Vp) begründet einen Antrag auf Schaffung erodierten Vogelschutzes. Abg. Molkennuhr (So,) wü scht g ög-'t Bewegungsfreiheit der Kom nisston für A-betterttat stck und bemängelt Ipez-elt dleTrä'tg- kett der Seeb-russgenoffenschast wegen zu geringer Ansetzung der Durchschnitt«"« je-. “ StaatSs.krletLr Graf PosadowSky stellt eine Denkschrift über bte Beschäftigung verheirat ter F aum in Aussicht. U der die gewerbliche Kinderarbeit lagen den Regierungen bereits ausgestellt' Grundzüge vor. D«e Sache sei ab r nicht im Verordnung^wege, sondern nur gesetzlich zu >öien. Di-Novelle zur Krankenversicherung könne erst in der nächsten Session Dorgelegt werden. Zum Anträge Beckh äußert er sich emgrgenfommenb. Nach unwesentlichen w iteren Erörterungen vertagt sich das Hau8 auf morgen 1 Ubr. — T -O.: Anträge über den RetchSinoaliden- fonds u-'d flher die G?werb,g^r'chte Der Siegeszug der deutschen Handelsflagge. Man schreibt uns aus Handelskreisen: Der» rastlose Wettbewerb nm den Weltverkehr fördert immer neue Projekte zu Tage. Da die Entwicklung des Wirtschaftslebens die Vorwärtsstrebenden Völker mit zwingender Gewalt auf den Ozean weist, liegt es in der Natur der Sache, daß der Wettbewerb dort am intensivsten in die Erscheinung tritt, und zwar durch Ausgestaltung bestehender oder Errichtung neuer Schiffsverbindungen mit überseeischen Absatzgebieten. Es darf mit Genugthuung konstatiert werden, daß Deutschland auf diesem Gebiete die konkurrierenden Länder überflügelt hat, und nicht minder erfreulich ist, daß der deutsche Unternehmungsgeist sich mit dem Erreichten nicht begnügt, sondern das für richtig Erkannte konsequent durchzuführen entschlossen ist. Ging bisher die Initiative vorzugsweise von Hamburg aus, so beginnt neuerdings auch Bremen sich kräftig zu rühren. Die dortige D amp fsch i f f ah r ts g e s el lsch a f t „Hansa" hat soeben neun große Dampfer in Bau gegeben, die sie für die Route Newyork-Südafrika-Ostindien in Dienst stellen will. Ein Blick auf die Karte läßt die hohe Bedeutung dieser den halben Erdball umspannenden neuen Schiffslinie erkennen. Es nird dadurch zum ersten Male eine direkte Verbindung zwischen Nordamerika und Südafrika, diesen Ländern mit großartig entwickeltem Handel, hergestellt, und ferner der Austausch der reichen Schätze des alten Wunderlandes Indien gegen diejenigen des wirtschaftlich wertvollsten Gebietes des dunklen Erdteils auf einer nicht englischen Linre vermittelt werden. Man muß sich in der That wundern, daß die zukunftsreiche Route Newyork-Südafrika dem vielgcrühmten Scharfblick der Engländer bisher entgangen ist. Von der britischen Suprematie über die Ozeane bröckelt also wieder ein Stück ab. Für die deutschen Seeinteressen ist die neue Dampferlinie insofern' von besonderer Bedeutung, als sie die von der Ostafrika-Linie in Hamburg bewerkstelligten Rundfahrten nm Afrika durch Anschlußverbindungen über den Atlantischen und Indischen Ozean hin ergänzt. Um das Uebergewicht bet deutschen Flagge auf dem großen „Teich" — wie man den Atlantic heute zu nennen pflegt — vollkommen zu machen, fehlt nur noch eine direkte Schiffsverbindung von Newyork über Mexiko und Westindien nach den südamerikanischen Häfen. Da der Plan die Rhederkreise bereits seit einiger Zeit beschäftigt, wird auch seine Ausführung wohl nicht lange auf sich warten lassen. Sitzung der Stadtverordneten. Gießen am 10. Januar 1901. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Flett, Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Grünewald, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Jughardt,.Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Schiele, Schmall und Wallenfels. Entschuldigt die Stadtverordneten Huhn, Petri und Dr. Schäfer. Bürgermeister Mecum teilt vor Eintritt in die Tages ordnung mit, daß die Pläne zum Umbau des alten Schlosses eingetroffeu und nach Darmstadt abgegeben sind; er hoffe dieselben der nächsten Stadtverordneten Bersammlung vorlegen zu können. Eine weitere Mitteilung betrifft die an das Kollegium gerichtete Einladung zu der seilens des Kriegervereins zu veranstaltenden Feier von Kaisers Geburtstag. In der nun folgenden Auslosung von Schuldverschreibungen des 1896er Anlehens werden die nachstehenden, am 15.Mai rückzahlbaren Schuldverschreibungen im Gesamtbeträge von 36,000 Mk. — 2 Pcoz. des Gesamtanlehens, gezogen: Lit Q. Nr. 245, 41, 199, 195, 24, 170 A 100 Mk., „ R. „ 333, 65, 283, 310, 268, 160, 116 A 200 Mk, „ 8. „ 421, 507, 491, 494, 510, 60, 113, 417, 339, 396, 457, 147, 164, 71 A 500 Mk., „ T. „ 209, 5, 31, 380, 284, 254, 336, 240, 501, 323, 299, 26, 449, 313, 317 A 1000 Mk., „ U. „ 105, 172, 268, 174, 62, 230 A 2000 Mk. Das Gesuch von Karl Haas V. um Erlaubnis zum Bauen an der äußeren Frankfurter Straße verstößt gegen § 5 des Ortsbaustatuts; es wird auf Antrag der Bau- Deputation abschläglich beschieden, da die Kosten für Be- euchtung und Ueberwachung in keinem Verhältnis zur Be- oauung stehen. Dem Bauunternehmer Winn soll gestattet werden, die Einfahrt zum Hause Hofmannstraße 5 in 1,40 Mtr. anstatt 2 Mtr. Breite anzulegen, mit dem Vorbehalt, daß Hinterge bäude zu bez. Hause nicht errichtet werden. Derselbe DiSpenS wird befürwortet bezüglich des Ge ucheS von Fritz Leuning, der an Stelle seines abzu- iragenden Hauses in der Wolkengasse einen, Neubau mit nur 1,30 Mtr. breitem Durchgang errichten will. Am Neubau des Bieler'schen HauseS in der Markt- kraße sind infolge Einrückens in die neue Fluchtlinie 3,4 Quadratmeter Gelände in städtisches Eigentum übergegangen. Die dafür an Bieler zu leistende Entschädigung wird auf Mk. 2074.46 bemessen. Die vor einiger Zeit angeregte Umgestaltung der den Verkehr erschwerenden Baumpflanzung und der Bürgerteige an der Grüubergerstraße hat die Baudeputation beschäftigt Dieselbe empfiehlt, den Beschluß über die etwa 18 000 Mk. kostende Asphaltierung des Bürgersteigs und Neuanpflanzung auSzusetzen, bis übersehen werden kann, wie hoch sich die Kosten für die für daS nächste Jahr bereits vor gesehenen Trottoiränderuugen stellen. Für die Einführung der Gas- und Wasserleitung in die vom Seltersweg nach der West an läge führende Privatstraße' werden 591 Mk. bewilligt. Auf Antrag des Stadtgärtners sollen in den städtischen Anlagen 15 neue Hydranten angelegt, 3 Hydranten versetzt werden. Die Kosten im Betrage von 1400 Mk. werden zu Lasten des nächstjährigen Budgets bewilligt. Für Anlage einiger Einfallschächte zur besseren Entwässerung am Zusammenstoß der Johannesstraße, des Neuenwegs und des NeuenwegerthoreS werden 380 Mk. bewilligt. Die Verwaltung der neuen Kliniken ist unter Hinweis auf den starken Wagen- und Personenverkehr nach und von den Kliniken um Verbreiterung der Klinikstraße, besonders an deren Einmündung in die Frankfurterstraße, vorstellig geworden. Es wird auf Antrag der Baudeputation beschlossen, von einer Herstellung der Straße in der Form, wie sie für später auszuführen ist, abzusehen und vorerst nur eine 6 Meter breite Fahrbahn herzustellen. Mit Fertigstellung der Biedert halb ahn ist vor Heuchelheim ein 127 Quadratmeter messender Feldweg überflüssig geworden; daS betr. Gelände soll zum Preise von Mk. 1,10 pro Quadratmeter an die genannte Bahn abge treten werden. Der Eigentümer des hintersten am Weg in den Eich- gärteu stehenden HauseS ist um Beleuchtung des Weges, Abänderung deS Grabeneinlaufs und Herstellung eines Fußpfades eingekommen. Mit Rücksicht darauf, daß seinerzeit gegen den Widerspruch der Stadtverordnetenversammlung vom KreiSamte die Erbauung des Hauses unter der Bedingung gestattet worden, daß der Gesuchsteller für Beleuchtung und Wegverbesserung selbst zu sorgen habe, wird beschlossen, das Gesuch abzulehnen. Der unzureichenden Beleuchtung des Riegelpfades am Uebergang über die Oberhessische Bahn soll durch Auf stellung einer Richtlaterne auf dem Gelände der Bahn abgehoben werden. Der Beschluß über die beabsichtigte Verlegung der Ok troierheberstelle für Schlachtvieh vom Thorhause in der Neustadt in daS Schlachthaus und damit Entlastung des Oktroierhebers zwecks befferer Ausübung des. von demselben mit versehenen Amtes eines WügerS an der Last, waage am Neustädter Thor wird ausgesetzt, da die dieS- rezüglichen Verhandlungen noch nicht abgeschloffcn sind. Nach Bericht der Oberlehrer ist in der S l ad t m ädch euch ule die Teilung zweier Klaffen, in der Stadtkn ab euch ule die Teilung erner Klasse und demzufolge die Schaffung ireier Lehrerstellen nö ig. Der Schulvorstand hat mit Rück- icht auf die Schwierigkeit der Beschaffung weiterer Räume und den für das Jahr 1902 in Aussicht stehenden Neubau einer Bezirksschule beantragt, vorerst für jede Schule nur eine Lehrerstelle zu errichten. Die auf 115 Mk. veranschlagten Kosten für Einführung der Wasserleitung in die Dienerwohnung der Stadtmädchenschule werden bewilligt, desgl. die 281 Mk. 18 Pfg. betragenden Kosten für Pflaster- ungen in der Rittergasse. Eine auf Grund irrtümlicher Angabe in das Eigentum »er Stadt überschriebene Geländeparzelle in der Nähe des og. Fürstenbrunnens soll in daS Eigentum des Herrn Ernst Jughardt, der die qu. Parzelle als ihm gehörig beansprucht, überschrieben werden. Die zwischen den Grundbesitzern W. Albohn, Gg Lang Witwe, Fr. Valentin Frau und Gg. Bichler einerseits und der Stadt anderseits über die Abtretung von Gelände zur Verbreiterung der Rodheimerftraße gefertigten Verträge werde» genehmigt. Dem Entwurf von Bestimmungen über die Unterhaltung und Benutzung der Dienst- und Mietwohnungen in städtischen Gebäuden stimmt die Versammlung nach kurzer Debatte zu, deSgl. dem Ankauf eines TransportwageuS für die Abfuhr der Tonnen. Der nächste Gegenstand der Tagesordnung: Errichtung eines Elektrizitätswerkes, veranlaßt eine ängere Debatte. Bürgermeister Mecum teilt nach Be- 'prechung des zwischen der E'senbahndüektion und der Stadt Gießen abgeschlossenen, inzwischen in Bezug auf Erhöhung der Zuführung elektrischer Energie erweiterten Vertrags mit, daß die bisher erfolgten Anmeldungen Privater zum Bezüge elektrischer Kraft so groß seien, daß schon jetzt an die Erweiterung des Werkes gegangen werden müsse. Angemeldet sind 3145 Glühlampen mit 147 Kilowatt und 262 Pferdekräften in der Zentrale. Die Deputation schlägt die Anschaffung einer zweiten Gaskraftmaschine von 300 Pferdekräften und die Herrichtung von Anlagen zur Ausstellung einer dritten von derselben Stärke vor; die Anschaffung der letztere» muß im Hinblick auf den in Aussicht stehenden Anschluß der Staatsgebäude ins Auge gefaßt werden, der wahrscheinlich in den Staatsvoranschlag 1902/1903 eingestellt wird. Die Inbetriebsetzung des Werkes ist nach Ueberernkommen mit der Bahnverwaltung auf den 1. Juli ds. Js. hinausgeschoben. In der ursprünglich mit 302 500 Mk. vorgesehenen Kostenberechnung sind nicht vorgesehen die Kosten für die Kabellegung nach der Stadt, für Bureauräume, die Zähler, Wasserbauten, Einfriedigung des Weites usw. Die Anlagekosten berechnen sich demnach auf 735000 Mk., und nach Aufstellung einer weiteren Maschine nebst Dynamos auf 850000 Mk. Betreffs der Rentabilität der Anlage teilt Bürgermeister Mecum mit, daß die Bahn jährlich zahle für 375000 Kilowattstunden A 14 Pfg. 52500Mk., die Privaten für 62050 Kilowattstunden A 65 Pfg. 40342 Mk., für sonstigen Verbrauch gingen ein 6000 Mk., sodaß mit einer Einnahme von 99000 Mk. zu rechnen sei. Nach Bestreitung aller Ausgaben für Verwaltung, Verzinsung und Abschreibung blieben 3377 Mk. übrig. Es laffe sich schon jetzt übersehen, baß die Anlage eine gute sei und sich rentiere. Die Deputation beantragt Erweiterung deS Kredits auf 735000 Mk. — Stadtv. Krumm gibt die Erklärung ab, daß er zwar für den Antrag stimme, aber s. Z. nicht für die Anlage deS Werkes gestimmt hätte, wenn ihm damals so detaillierte Mitteilungen über die von 302000 auf 735000 Mk. emporgeschnellten Kosten gemacht worden wären; er glaube, daß lediglich die Bahn aus dem Werk Vorteil ziehe. — Beigeordn. Georgi bemerkt, daß man s. Z die Anfrage der Bahn, ob die Stadt daS neue Elektrizitätswerk errichten wolle, bejaht habe, um sich einen Großabnehmer zu sichern und damit die Generalunkosten besser zu verteilen. Hülle man daS Anerbiete» abgelehnt, so hätte die Bahn ein eigenes Werk errichtet und Fleck hat. Den hiesigen Armen thäte ja auch Hilfe gut, es ist manches . . . „Richtig! Das meine ich auch, es ist manche Not zu lindern, ein jeder kehre „Lattemann, Lattemann, Silentium?" „Ja, so geht's, wenn man mal ein kräftiges Wort wagt, dann heißt's gleich: Silentium. Wir sind doch nicht auf der Kneipe!" „Gott sei Dank, endlich kommen Sie auf ein anderes Thema, Lattemann, ich mache jetzt auch Schluß. Kommen Sie, wir wollen zum „Andres" gehen und eins trinken, «ach berühmten Mustern." „M. W., machen wir, am „viereckig Runden" können wir dann weiter verhandeln." Pfl. Das Wildnis in der lebenden Kunst. (Originalartikel des „Gießener Anzeigers.) (Nachdruck verboten.) In einem der großen Säle des Städelschen Kunst- Institutes in Frankfurt a. M. hielt unlängst Professor Dr. Lichtwark aus Hamburg einen interessanten Vortrag über „das Bildnis in der lebenden Kunst". Er begrüßte die Anwesenden, unter denen sich auch P r i n z und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen befanden, indem er seiner Freude darüber, daß die Zuhörer so zahlreich erschienen seien, mit den Worten Ausdruck verlieh, er habe nicht zu hoffen gewagt, für das angekündigte Thema so viel Interesse zu finden, da die Bildnis-Malerei augenblicklich sehr vernachlässigt werde und fast ganz verschwunden sei. Lichtwark begann, indem er zurückgriff auf die voran* gegangenen Epochen in der Kunst und untersuchte, welchen Einfluß die verschiedenen Strömungen der Zeit auf die Kunst gehabt haben. Zuerst war es die Kirche, die die Kunst förderte und unterstützte, aber nur in dem engeren Sinne ihres eigenen Interesses. Ihr folgten die Fürsten, die ebenfalls keine frei sich entwickelnde Individualität aufkommen ließen. Noch später ging sie dann in die Hände der Bürger und des Staates über. Doch auch der Staat trägt nur wenig zur Hebung der Kunst bei, und die von ihm berufenen Kommissionen sind meist unfähig, wirklich künstlerisches Schaffen zu beurteilen. Bis in die letzten Jahrzehnte hinein konnten wir das am deutlichsten an unseren Museen beobachten, in denen die besten Meister oft fehlten. Nehmen wir nur z. B. Menzel heraus. Dieser wurde in Berlin zuerst nicht seiner Kunst, sondern lediglich seiner historischen Malerei halber angekauft. Wenn der Staat (und das könnte« z. B. auch «ein Kleinstaat wie Hessen. D. Red.) wirklich etwas zur künstlerischen Entwickelung des Landes beitragen wollte, so müßte er auch dafür sorgen, daß seine bedeutend st en Söhne von hervor- ragendenKünstlernportraitiert und so der Nachwelt würdig erhalten blieben. England giebt uns in dieser Beziehung ein gutes Beispiel. Die bedeutendste Gallerie, die dort existiert, enthält nur Bildnisse. Vorläufig freilich würde eine solche Gallerie bei uns wenig besucht werden. Giebt es aber für den schaffenden Künstler eine interessantere, tiefere Aufgabe als die, das menschliche Antlitz mit seinem wechselnden seelischen Ausdruck wiederzugeben? Seiner Ansicht nach, hat sich auch die jetzt so in Aufnahme gekommene Landschaft schon überlebt, und was bleibt uns dann? Daß die Kunst augenblicklich hauptsächlich in den Händen der Kunsthandlungen und Ausstellungen liegt, ist auch nicht sehr erfreulich. Ter Bildnis-Malerei größter Zer- törer ist die Photographie, die sich zu einer so unglaublichen Beliebtheit aufgeschwungen hat, daß in Deutschland jährlich ungefähr 100 Millionen Mark dafür verausgabt werden. In zehn Jahren macht das eine Milliarde, wenn nicht noch mehr. Es wäre interessant, dies einmal statistisch festzustellen. Verderblich wirkt die unkünstlerische Photoaraphie ans den Geschmack der ganzen Bevölkerung, das Ämge wird verbildet, zum Falschsehen gezwungen. In einer Stadt von 2—300000 Einwohnern könnten gut 60 bis 80 Photographen existieren, manche sogar in Neber- fluß und Reichtum, aber nicht ein Portraitmaler von seiner Kunst leben. Tas ist geradezu beschämend, ein Armutszeugnis sondergleichen für den Kunstsinn der Gebildeten und Wohlhabenden. Dieser Geschmack steht auf keiner höheren Stufe wie der des Hausknechtes und der Dienstmagd. In der Dachkammer, im Keller, im Salon der feinen Dame, überall befindet sich die geschmacklose Photographie. Wie ist diesem Nebel am besten abzuhelfen? Am meisten wärt wohl zu erreichen, wenn sich die Amateur-Photographen mehr mit dem Bildnis beschäftigten, und dan» durch Ausstellungen der Öffentlichkeit zeigten, was barij künstlerisch geleistet werden kann. Mancher Photograp» möchte wohl seinem Verständnis und Gefühl nach ändert Aufnahmen machen, aber das Publikum, von dem er abhängt, zwingt ihn zum Schablonenhaften, UnkünstlerischeL mit möglichst viel Retouche. Jeder einzelne kann zur Hebung der Kirnst beitragen, indem er die unkünstlerische Phot^ graphie nicht unterstützt. Haben wir erst wieder einni« Geschmack an künstlerischer Aufnahme gefunden, dann überträgt er sich auch leicht auf die Bildnismalerei, und diese kann in absehbarer Zeit wieder zu Ansehen und Beder^ tung gelangen. M. H—S- ' - „ Mfj 6«IP1118 ,ablt »" die oa* v .■ bem dar, daß «erli nahmen UN gfjb| r q non der e»“*“ , V $ hniinft unb deoierk “mÄ" Mt ft*’6’8* ' erfolgt feien; darüber,l Ziadiv.Dr.Gafflyet btn Großabnehmern w Bedarf würben te » »’ ’®[o«f^SeWÄ W ben .Pfunde"'. R ’V' ‘ die Stadt nickt nur einen Gaskonsumenten verloren, sondern auch einen Waffe, konsununten, da der Besitz eines Slek-rizitäiS wei ks der Bahn die Anlage eines Pumpwe-ks ermöglicht habe. — Auf Anfrage des Stadtv. Schiele bemerkt Bürgermeiftc> Mecum, daß beispielslveise in Schlesien 7'/. Pfg. pr. Kilowattstunde bezahlt werde. — Stadiv. Krumm bemängelt den d r Bahn bewilligten Preis von 14 Pig. g g nüber 65 Pfg , die da- Publikum bezahlen müsse. — Beigeordn. Wolff be merkt, daß bei dem Anschluß an das Melbacher Werk die Kilowattstunde 50—55 Pfg. kosten würde; die jetzige Be rechnung sei entschieden günstiger. — Stadto. Hanau bittet, daß die Bürgermeisterei für die Folge genau detaillierte Bor lagen mache. — Bürgermeister Mecum legt ausführlich dar, daß das Berhältniß der Ausgaben zu den Ein nahmen und dem Vertrage mit der Stadt für die letztere ein günstiges sei. — Stadto. Schiele rechtfertigt eingehend den s. Z von der Stadtverordneten Versammlung eingenommenen Standpunkt und bemerkt, daß bereits damals mit der Not- w ndigkeit einer Erweiterung des Werkes gerechnet wurde. — Stadtv. Schwall bemerkt, Herr Krumm sehe zu schwarz; die Rentabilität sei nachgewiesen, sie würde sich ohne Zweitel noch heben; er könne es nur begrüßen, daß die Sacke soweii gediehen sei. — Stadtv. Haubach erklärt, man könne es nur freudig begrüßen, daß mehr Anmeldungen als vorgesehen erfolgt seien; darüber, daß mit der damals bewilligten Summe nicht auszukommen sei, sei man nicht im Zweifel gewesen. — Stadtv Dr. Gaffky erblickt nichts ungerechtes darin, daß man den Großabnehmern billigere Preise stelle; mit dem steigenden Bedarf würden die Chancen für die Stadt beffer; auch er sei der Meinung, daß man damals schon darüber im Klaren gewesen, daß das Werk vergrößert werden müffe; daß dies jetzt schon nötig, sei erfreulich. — Beigeordn. Wolff giebl der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich im 1. bis 2. Jahre die Rentabilität des Werkes zu Gunsten der Stadt ändern werde; er erinnere daran, daß ohne Zweifel nicht nur sämtliche S aatsgebäude, die Kasernen usw. angeschlossen werden würden, sondern auch das zu erbauende Siechenhaus, die wahrscheinlich bei Kleinlinden zu errichtende dritte Landesirrenanftalt und Kleinlinden selbst; durch dem damit gesteigerten Konsum werde man in der Lage fein, auch Privaten billigere Preise zu stellen. — Stadtv. Löber konstatiert, daß die bei der ersten Vorlage beigegebene Rentabilitätsberechnung so gewesen, daß man ihr zustimmen konnte; er spricht sich in der Ueberzeugung, daß die neuerdings vorgelegte Rechnung richtig ist, für die beantragte Vergrößerung des Werkes aus. — Stadtv. Krumm erklärt, daß die Stadtverordneten niemals etwas davon ge hort, daß das Werk über 700 000 Mk. kosten würde; nur in der Kommission habe man dies gewußt, sich aber darüber in der Stadtverordneten Versammlung nicht geäußert; schließ lich empfiehlt er Vorsicht in Bezug auf Berechnung des Zins fußes bei Kapitalaufnahmen. — Stadtv. Dr. Gut fleisch vertritt die Meinung, daß die Stadt zum Kurs von 98 Geld bekomme; er tritt der Ansicht des Stadtv. Krumm, als ob es sich um ein ganz verändertes Bild handle, entgegen; es habe sich zur Genüge hcrauSgestellt, daß die Mehr- forderung die Folge der verbesserten Sachlage sei; man habe früher eben eine bescheidenere Kalkulation in Einnahmen und Ausgaben gemacht. Er mochte aber besonders von der Äommiifton den Vorwurf fernhalten, daß sie andere Zahlen gegeben, als die ihr bekannten, sie habe weder Ziffern verheimlicht, noch Umstände, die auf die Entschließung der Stadt Verordnetenversammlung von Einfluß gewesen wären. Er sei ebenfalls der Ueberzeugung, daß durch den Vertrag mit der Bahn eine umfangreichere Verteilung der Generalunkosten zu Gunsten der Stadt möglich sei, abgesehen davon, daß mit Wegfall der Bahn als Gas- und Wasserkonsument der Stadt ein erheblicher Verlust erwachsen würde. — Stadtv. Schiele gibt nochmals einen Ueberblick über die früheren Beschlüsse der Kommission und der Stadtverordneten-Versammlung, aus dem hervorgeht, daß man nie die Ansicht vertreten, daß mit der ursprünglich angegebenen Summe auszukommen sei. — Stadtv. Dr. Gaffky betont, daß man sich s. Zt., als die Erbauung eines Elektrizitätswerks beschlossen wurde, in einer Zwangslage befunden habe; die Bahn habe erklärt, daß sie selbst ein Elektrizitätswerk errichten werde, wenn die Stadt ein solches nicht errichte; man mußte sich ohne detaillierten Kostenanschlag schlüssig machen. — Nach einigen Bemerkungen des Stadtv. Krumm gegenüber den Ausführungen der Borredner beantragt Beigeordneter Grüneberg unter Hinweis darauf, daß der heutige Beschluß nut eine Konsequenz des früheren BeschluffeS sei, Schluß der der Debatte. — Stadtv. Heichelheim teilt noch betr. der Kapitalaufnahme mit, daß Geld zu 4 Prozent zu haben sei und bemerkt, daß sich der höhere Preis, den die Privatkonsumenten zahlen, wohl rcchtfertignn laffe; bei der Bahn habe man es mit einem Abnehmer zu thun, bei den Privaten mit vielen, dort komme z. B. das große Verteilungsnetz in Betracht, bei der Bahn nur die einfache Kabelanlage usw. — Beigeordneter Georgi konstatiert, daß der Stadtver« ordneten-Versammlung gegenüber nichts von dem verschwiegen worden sei, was die Kommission beraten; er verwahre sich entschieden gegen den Vorwurf der Verheimlichung; als s. Zt. die Errichtung des Elektrizitätswerks beschloffen wurde, habe man noch keinen Anhalt über die Kosten der Kabelleitung und manches andere gehabt; der größte Teil der Mehrforderung komme übrigens, wie der heute vorliegende Voranschlag ergebe, auf Konto der großen Zahl von Anmeldungen zum Bezug elektrischer Energie. — Stadtv. Schmall tritt für den Antrag der Kommission ein und bemerkt, daß die vom Stadtv. Krumm der Kommission gegenüber erhobenen Vorwürfe nicht bewiesen seien. — Stadtv. Krumm verwahrt lich gegen den Vorwurf, etwas Unbewiesenes behauptet zu haben; durch Annahme des Antrages auf Schluß der Debatte fei es ihm nicht mehr möglich, sich zu rechtfertigen. — Bürgermeister Mecum konstatiert nach erfolgter Abstimmung, daß der Antrag der Kommission einstimmig (Stadtv. Dr big enthielt sich der Abstimmung) zum Beschluß erhoben wurde; chen. Spezieller Anterricht für Fluder. tMlon, Mdition u ScholstraKt « pos. 2, lit. a, b, c, d, e, f unb g der Wehrordnunq recht zdtig bei der Bürgermeisterei dahier vorzubr ngen find, da verspätete G suche keine Berückstcht gung findm. Gießen, d n 3. Januar 1901 Samstag dkll 9. jkdluar 1901, nachmittags 2 Uhr, ollen auf dem hiesigen Oitsgericht die dem Wilhelm Etetnbach in Samstag den 26. Januar 1901, nammitlagS 2 Uyr, sollen auf dem hr.sig-n Onsgericht öle dem Wilhelm Steinbach in Güßen gehorig'-n Immobilien: tfrlur 27 ihr- 181“/10j — 412 qm Hofraile am kleinen Stem- weg links, Flur 17 Nr. i81M/t e — 170 qm Wohnbaus daselbst, Flur 27 Nr. 181«/100 — 821 qm Grabgarien daselbst, Flur 27 Nr 162a6/l0 — 517 qm Hofraile am Brennofen, stoßt aus die Wiesen, Flur 27 Nr. 166f«/n — 463 qm Hofiaile daselbst, Flur 27 Vir. l*-6f8/19 — 77 qm Grabgarien a. Brennofen Flur 87 Nr i66fi/l0 — 861 qm Bauplatz daselbst, Flur 81 Nr. 16 — 6u6 qm Acker magnum bonum empfiehlt billigst werden. Gießen, dm 7. 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