Nr. SSL Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Mittwoch 11 Dezember 1901 Erscheint täglich aiu Ausnahme des Montags. Ue «Siebener Familien- vlatler werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den »Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger (Sichen. HernsprechanschlnßNr.51. GiehenerAnzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen Annahme von Lnzeiaen au der für den folgenden \tag erscheinenden Nr. bis vornrrttagS 10 Uhr« Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Aw zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen UnioersitätS - Druckerei lPietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Yeti: P. Wrttko: für Bett Anzeigenteil: HauSBeck. ungen wahr machen werden. Etwas erreicht, ist immer besser, als gar nichts erreicht, und läßt sich der 7 einhalb Mark-Getreidezoll nicht durchdringen, so ist es auch schon ein Gewinn, wenn der künftige Roggenzott nicht unter 5 Mark, der Weizenzoll nicht unter o ein halb Mark hinab- aehen darf. Zumal, da die Regierung noch bei anderen landwirtschaftlichen Zöllen von nicht so erheblicher Bedeutung entgegenkommen wird. Eine weitere Erhöhung des Gerstenzolls z. B., für die auch das Zentrum sich engagiert, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach zugestanden werden. Die polnischen Demonstrationen. Der Reichskanzler Graf Bülow hatte am Montag eine längere Besprechung mit dem österreichisch-ungarischen Botschafter v. Szögenyi. Man kann wohl mit Bestimmtheit armehmen, daß diese Besprechung sich auf die erneuten Ausschreitungen in Lemberg bezogen hat. Der Statthalter in Galizien, Graf Pininski, ist zur Berichterstattung über die antideutschen Lemberger Demonstrationen in Wien eingetroffen. Lemberger Blättern zufolge bildeten freilich die Maffendemonstrationen am Samstag vor dem dortigen deutschen Konsulate den Schluß der Kundgebungen seitens der Lemberger Bevölkerung gegen das Gnesener Urteil. Aber man wird doch das Weitere abzuwarten haben. Jedenfalls sieht auch die österreichische Regierung in diesen Vorgängen nicht ganz unbedenkliche Symptome. Im österreichischen Abgeordnetenhause hat am Montag in Beantwortung der Interpellationen der Abg. Romanowitsch und Breiter über die Vorgänge in Lemberg, Dr. von Körber, dem „W. T. B." zufolge, zunächst das entschiedene Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten verteidigt. Dann fuhr er fort: Die Polizei habe unter den schwierigsten Verhältnissen ihre Pflicht gethan. „Ich bin nur meiner Pflicht nachgekommen, wenn ich nach Beginn der Demonstrationen sofort angeordnet habe, daß seitens der Behörden alles vorgekehrt werde, um weitere Ausschreitungen zu verhüten. Die Regierung sei weit entfernt, die nationalen Empfindungen unter ihre Kontrolle zu nehmen oder den Geist solcher Aufwallungen zu mißdeuten. Allein wie sie die Pflicht habe, über die öffentliche Ruhe zu wachen, erachte sie sich insbesondere auch dafür verantwortlich, daß die internationalen Beziehungen der Monarchie vor jeder Verbindung mit inneren Vorkommnissen bewahrt bleiben. Die Regierung könne die Zulässigkeit einer Einmischung eines anderen Staates in die heimischen Angelegenheiten nicht zugeben. Aber sie glaube am patriotischsten zu handeln, wenn sie die Ereignisse nicht soweit gedeihen lasse, daß sie als eine Verletzung eines fremden Staates ausgelegt werden könnten. „Ich finde", äußerte der Ministerpräsident sich weiter, „dies zu sagen, um so notwendiger, als ich mit Bezug auf die weitere Frage der Abgg. Breiter und Genossen zu erwidern habe, daß der Minister des Aeußern gar keine Veranlassung zu Erklärungen hatte, wie sie den Interpellanten vorzuschwebcn schienen, weil die Regierung pflichtgemäß ihr Vorgehen stets im vollsten Einklänge mit der internationalen Politik der Monarchie gestaltete." Das ist nun freilich eine außerordentlich gewundene Erklärung, die den Herren Polen nicht besonders wehe thun wird. Man will eben in Wien durchaus allen Nationalitäten in der Monarchie gerecht werden und schreibt so unentwegt lauwarm. Nach Meldung des „D. B. Hd." hat Herr v. Körber unzweideutig erklärt, die österreichische Regierung „werde nie dulden, daß die internationalen Beziehungen durch innerpolitische Vorgänge getrübt würden." Das klingt schon etwas energischer gegenüber der Poleninterpellation. Der heute im Reichstag zu erwartenden Erklärung des Grafen Bülow blicken wir mit Spannung entgegen. Sie wird hoffentlich an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Politische Tagesschau. Zur russischen Kundgebung. Daß die erneute Kundgebung des russischen Finanz Ministers Witte über den deutschen Zolltarif unseren amtlichen Kreisen peinlich oder auch nur unangenehm wäre, wird nicht zu vermuten sein. Im Grunde hat die Kundgebung, obwohl sie natürlich echt russisch kräftig gehalten ist, dieselbe Tendenz wie die Reden der süddeutschen Negierungsvertreter: sie warnt, „den Bogen zu Überspannen". Und diese Warnung kann, bei dem überwiegenden Interesse Rußlands an Ackerbauerzeugnissen, nur an die Adresse der Agrarier gerichtet sein. Die offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." druckt sowohl die Auslassung des russischen Blattes ohne jede Bemerkung ab, wie die Wiener Meldung über die Bestrebungen für Bessergestaltung der Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Oesterreich. Namentlich können diese letzten wirtschaftlichen Annäherungs-Bemühungen zu denken geben. Oesterreich kann ein nicht zu unt rschätzender Konkurrent auf dem russischen Marti Deutschland gegenüber werden. Aus den Berliner Abendblättern, welche die russische Kundgebung erörtern, seien die folgenden Urteile erwähnt: Die „Boss. Ztg." meint, man müsse die russischen Staatsmänner merkwürdig verkennen, wenn man glauben wollte, sie. würden die beispiellose Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle nicht mit beispiellosen Repressalien gegen Deutschland beantworten. Die „Nattonalztg." schreibt: „Tie „Meistbegünstigung" würde den Zollkrieg verhindern, aber sie würde die Erleichterungen kür die Konkurrenz der deutschen mit der russischen In-- oustrie, welche durch den Vertrag von 1894 geschaffen worden, beseitigen". Nicht ohne taktisches Geschick ist der Standpunkt, den das Organ der konservativen Partei, die „Kreuz- ztg.", zur russischen Kundgebung einnimmt. Die „Kreuz- ztg." ist „angenehm überrascht" von der jüngsten Veröffentlichung Wittes; sie lobt, mit ziemlich deutlicher Hinzielung auf unsere Regierung, Herrn Witte „als einen Mann, der die Interessen seines Landes sehr klug und energisch zu vertreten weiß, ohne sich vow Theorien den Kopf heiß machen zu lassen." Im übrigen überläßt die „Kreuzztg." das Weitere der Zukunft. „Erst bei den Verhandlungen selbst wird sich ergeben, was Rußland bieten und. was es verlangen kann. Gerade diesem Staat gegenüber ist unsere Position die allerbeste". . . Das ist sehr zuversichtlich! Nur bietet die Zuversichtlichkeit keine Gewähr, daß die „allerbeste" Position auch die siegende sein wird. — Die „Deutsche Tagesztg." meint, Herr v. Witte glaube doch selbst nicht, daß das Deutsche Reich auf einen solchen Vertrag, wie er ihn in Aussicht stelle, eingehen werde. Das habe Deutschj- Unb nm so weniger nötig, als die deutsche Position die stärkere sei. Das Blatt hält die Trohungen des Herrn v. Witte nicht für ernst. Er würde ja auch bei der Durchführung in der russischen Negierung selbst auf starken Widerstand stoßen. — Tie „Post" sieht in Wittes Erklärung, wie entscheidenden Wert gerade Rußland darauf legen müsse, in Bezug auf die landwirtschaftlichen Zölle von Deutsch-- land nicht disparitätisch behandelt zu werden. Gerade hierin liegt aber auch das Mittel, so sagt die „Post"", mit Rußland zu einem Tarifverträge auf einer anderen, als der Grundlage des Vertrages von 1894 zu gelangen. — Die „Bert. Reuest. Nachr." sind der Ansicht, daß sich bei beiderseitigem guten Willen auch wohl zwischen Rußland und Deutschland ein Tarifvertrag, nicht blos das Meisb- begünstigungsrecht, welches die Witte'sche Aeußerung in Aussicht nimmt, herstellen lassen werde. — Nach der Meinung Der „Tägl. Rundschau" käme das Votum des Herrn v. Witte doch erst in Betracht, wenn unsere diplomatischen Unterhändler auf der zwischen dem deutschen Reichstag und den verbündeten Regierungen festgestellten Grundlage sich an die russische Regierung wendeten, um neue Verträge abzuschließen. Und da sei es doch noch zweifelhaft, ob ihre Antlvort dann ganz so energisch wie das publizistische Pvo- nunciamento des Herrn v. Witte in ein aut-aut ausmünben würde. ______ Stimmungen und Aussichten. Aus Berlin, 9. Dezember wird uns geschrieben: Parlamentarier, die Gelegenheit hatten, mit Mitgliedern der Regierung Aussprache zu halten, gewannen den Eindruck einer hoffnungsvollen Stimmung. Die Regierung ist mit dem bisherigen Verlauf der Zolltarifdebatten im ganzen recht zufrieden. „Wir hatten erwartet", so äußerte sich eine maßgebende Persönlichkeit, „daß nach den vielen Ausstellungen am Tarif, die auch von sonst wohlwollenden, nicht oppositionellen Zeitungen gemacht worden sind, mehr Widerspruch sich erheben würde, und wir sind angenehm überrascht davon, daß augenscheinlich, eine große Zahl von Abgeordneten auf dem Boden dieses Tarif-Entwurfs steht. Sicherlich würde es eine Verwegenheit sein, wollte man behaupten, der Tarifentwurf sei „geborgen"; aber man darf doch sagen, daß er über die schlimmsten Klippen hinweg ist, weil der Wille der Reichstagsmehrheit unverkennbar ist, die Vorlage zu stände zu bringen. Ueber Einzeb- Heiken wird es unzweifelhaft noch manchen Kampf geben; die „schweren Stunden" stehen insofern erst bevor, während der Kommissionsberatungen — aber keine der Mehrheits- parteierc wird die Verantwortung übernehmen wollen, durch Beharren aus Forderungen, welche die Regierung nicht erfüllen kann, ohne die Gefahr des Scheiterns der Ver- tragsverhandlungen heraufzubeschwören, ein negatives ^Ergebnis herbeizuführen." Soweit die ihren wesenttichen Inhalt nach wiedergegebenen Aeußerungen, wie sie uns berichtet sind. Auch wir glauben nicht, daß die Konservativen, wenn es zur entscheidenden Schluß-Abstimmung kommt, die vorn Grafen Schwerin-Löwitz (wns.) angedeutete Drohung der Mahnung wie Verwerfung der MehrforderDeutsches Reich. Berlin, 9. Dez. Der Kaiser wohnte gestern vormittag dem Gottesdienste in der Schloßttrche zu Neudeck bei. Des schlechten Wetters wegen verblieb er den Tag über im Schlosse. Heute begab er sich mit Gefolge nach, Pleß. Dort waren zum Empfange Fürst Pleß, Prinz von Pleß, Landrat von Heyking und Bürgermeister Saalmann anwesend. Kriegervereine und die Schüler der Fürstenschule bildeten Spalier. Nach kurzer Begrüßung begab sich der Kaiser mit dem Fürsten im offenen Wagen nach dem Schloß, wo er von der Fürsttn und den bereits vorher, ein getroffenen Gästen begrübt wurde. Heute fanden keine Jagden statt. — Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, iüt! die Interpellation Arend betreffend die Zahlung von Veteranen-Beihilfen auf Grund des Gesetzes vom 1. Juli 1899, welche auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssitzung an erster Stelle stand, nicht nur wegen Erkrankung des Reichsschatzsekretärs, sondern auch deshalb vertagt worden, weil der nativnalliberale Abg. Dr. Hasse bei dieser Gelegenheit die bekannten Ausführungen Chamberlains zur Sprache bringen will und der Reichskanzler Graf Bülow die Absicht h at, sich in dieser Angelegenheit zu äußern. — Am Samstag tagte hier der 12. deutsche Bodenreform er-Taz. Der Vorfitzende des Bundes derBoden- refvrmer Schriftsteller Damaschke gab in seiner Einleitung ein Bild von der Agitation im letzten Jahre. Die Mit gliederzahl ist auf mehr als 100000 gestiegen. Rostock, 9. Dez- Der „Rost. Anz." meldet offiziös, daß alle in letzter Zeit über den Prinzen der Nieder l a n d e in die Presse gebrachten tendenziösen und gehässigen Nachrichten von Anfang bis zu Ende erlogen sind. Tie Königin Wilhelmine befinde sich mit ihrem Ge - mahle im glücklichsten, nicht durch die geringste Differenz getrübten Einvernehmen im Schlosse Het £oo. Krefeld, 9. Dez. Eine gestern in Sankt Tonis tagende Versammlung katholischer Bauern und Arbeiter nahm nach einem Vorttag des Dr. Maurenbrecher- Berlin mit großer Mehrheit eine Resolution an, die die Getreidezölle als dem rheinischen Bauern schädlich verwirft und den Abg. Fritzen auffordert, seinen Einfluß im Reichstag und in der Fraktion dahin geltend zu inachen, daß die geplante Getreidezollerhöhung noch verhindert werde. Gotha, 9. Dez. Der Staatsminister Hontig ist aus Anlaß des Zustandekommens des Domänenabkommens geadelt worden. München, 9. Dez. In der heuttgen Sitzung der Kammer der Abgeordneten erwiderte der Justizminister Frhr. v. Leonrvd auf die neulichen Angriffe des Abg. Frhrn. v- Haller (Soz) gegen die Schuckertgesell- schäft und damit zugleich gegen die Nürnberger Staatsanwaltschaft, weil sie nicht eingegriffen habe. Der Minister verlas zunächst den Bericht der Staatsanwaltschaft am Landgericht in Nürnberg. In diesem erklärt der Staatsanwalt, daß er keineswegs der Sache unthätig gegenübergestanden sondern von Amts wegen das Verfahren eingeleitet habe, ob etwaige Strasthaten seitens des Vorstandes und des Aufsichtsrates der Gesellschaft vorlägen, er habe aber mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln nicht zu dem Ergebnis kommen können, daß der Vorstand und der Aufsichtsrat der Gesellschaft sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht hätten. Die Verhältnisse hätten sich durch den Zusammenbruch der Leipziger Bank plötzlich unvermutet geändert. Mit dem Zusammenbruch der Leipziger Bank sei vor allem der große auf Jahre berechnete Aceeptkredit für den Ankauf des Jaiee-Unternehmens für die Schuckert-Gesellschaft sofort zahlbar und damit auch der Geschäftsbericht für 1900 unwahr geworden, aber erst nachträglich, nämlich 1901. Auch die übrigen Behauptungen Hallers vom 6. Dezember seien nicht richttg, sondern Zeitungsnachrichten entnommen, deren Ursprung vielfach unkontrollierbar sei. Er, der Staatsanwalt, habe aber auch diese zum Anlaß von sttaftechtlichen Untersuchungen gemacht, es habe sich jedoch kein Anlaß zu eiinem strafrechtlichen Einschreiten ergeben. Er habe seine Untersuchungen und Erhebungen nicht auf Nürnberg allein beschränkt, sondern sich guch mit dem Staatsanwalt und Untersuchungsrichter in Leipzig in Verbindung gesetzt, freilich habe er die Untersuchungen im Einverständnis mit allen Beteiligten im Stillen, ohne Aufhebens gemacht, denn von dem Schicksal eines Unternehmens mit 42 Millionen Aktien und 35 Millionen Obligationen Kapital hängt das Schicksal tausender Menschen ab. Es sei dies doch eine Verantwortung, wobei die größte Vorsicht geboten war. Justizminister Frhr. v- Leonrvd erklärt sodann, der Registerrichter sei amtlich.thälig gewesen, er habe die Sache sorgsam geprüft, aber auch er habe die Frage, ob das Strafverfahren ein- zuleiten sei, verneint. Ein Einwirken auf diese richterlichen Beschlüsse stehe der Justizverwaltung nicht zu. — Abg. Frhr. v. Haller hält aber seine Behauptungen aufrecht und hebt hervor, daß ein Fall nach § 314 des Handelsgesetzbuches zweifellos gegeben sei. Zweifellos habe in dem ganzen Vorgehen des Vorstandes und des Aussichtsrates bezüglich der Herausgabe der Geschäftsberichte ein dolus eventualis vorgelegen. Abg. Pichler erklärt, es sei auf der betreffenden Generalversammlung außer den 138 wirklichen Aktionären nur der Akttenbesitz des Aufsichtsrats und des Vorstandes der Gesellschaft selbst, sowie derjenige einiger großer Banken ausmarschiert gewesen, sie hätten natürlich ohne weiteres Decharge erteilt. Ter Justizminister erklärt, er habe den Bericht des Staatsanwaltes bekannt gegeben und damit sei diese Sache an dieser Stelle erledigt. Die Abgg. B e ck h (freisinnig) und Wagner (lib.) meinen, es sei event. eine neue Untersuchung vor dem Münchener Gericht zu beantragen und event. durch alle Instanzen durchzuführen. Abg. Frhr. v. Haller betont, seine Angriffe richteten sich nicht gegen die Schuckert-Gesellschaft selbst; es müßten verschiedene maßgebende Persönlichkeiten aus der Leitung derselben entfernt werden. Haller sagt noch, er glaube jetzt, bewiesen zu haben, daß die von ihm vorgebrachten Klagen von keinerlei Börsenmanövern ausgingen. Abg. Dr. v. Daller (Ztr.) sagt, unzweifelhaft verdienen die Vorgänge die größte Aufmerksamkeit seitens der Staatsverwaltung, allein in Nürnberg sollen 120 Millionen verloren sein. Es sei Vorsorge zu treffen, daß dies Uebel nicht weiteres Unheil anrichte. Hiermit ist die Diskussion über diese Angelegenheit erledigt. — In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses der Abgeordnetenkammer traten bet Beratung des Postetats die Männer aller Parteien für die Erhaltung des bayerischen Reserv atrechts unter Beibeh altung der bayerischen Postwertzeichen ein. Im Laufe der Debatte erklärte der Ministerpräsident, er spreche sich heute, wie schon früher auf das Bestimmteste für die Erhaltung des Reservatrechtes aus. Man könne seitens des Reiches nicht auf die Zustimmung Bayerns hinsichtlich der Vereinheitlichung der Postwertzeichen rechnen. Die Einführung einer W e l t p o st m a r k e häl: der Miniskcrprä,ident pir einen Traum. Ausland. Christiania, 9. Dez. Ter König verlieh dem Prinzen Heinrich von Preußen die Ordenskette zum Großkreuz des St. Olafordens. Paris, 9. Dez. Tie Heereskommission des Senats hat die Beratung des Antrages Rolland betreffend die Einführung der zweijährigen Dien st zeit im Heere beendet und alte Artikel des Antrages angenommen. Sofia, 9. Dez. Tie Sobranje beginnt die Beratung über die Anleihe. Der Minister des Innern hebt hervor, daß durch die Anleihe die gesamte schwebende Schuld getilgt werde und überdies für das Land ein flüssiger Rest von 19 Millionen bleibe. Das TabakmDuopol verspreche eine Mehreinnahme von 7 Millionen, durch welche die Anleihe amortisiert werde. Der Ministerpräsident erklärt, durch die laufenden Einnahmen könnten die Schulden nicht gezahlt werden. Das Land sei dem Bankerott nahe und die Anleihe unerläßlich. Hongkong, 9. Dez. Vorgestern nahmen Seeräuber auf dem Westfluß bei Kumschuk ein Dampfboot weg, setzten über den Fluß, überfielen und plünderten ein Dorf unv suyren sodann ans andere Ufer zurück, wo sie das Boot an Strand Letzten und dann verließen. Gestern nahm dieselbe Räuberbande das schnellste Boot weg, das auf dem Westfluß verkehrt und jetzt lauert sie einem Schiff auf, mit dem ein reicher Chinese von Kanton stromaufwärts reist. New York, 9. Dez. Dem „Newyork Herold" ist aus Buenos Ayres folgendes vom 8. ds. datierte Telegramm zu- gegangen: Die Argentinische Regierung erhielt gestern eine neue Note von Chile. Es wird darüber strenges Stillschweigen bewahrt, aber offenbar lautet die Note nicht günstig, da die Regierung nach ihrem Empfange den Kongreß-Ausschuß für die auswärtigen Angelegenheiten ein- bericf und die Ptiobilisierung der ersten und zweiten Flottenreserven anordnete. Es heißt, der Kongreß werde am Montag den Minister des Aeußern auf- fordern, sich über die Lage zu äußern. Vom Bureukriege In unserer heutigen Morgenausgabe fanden unsere Leser eine Depesche aus Amsterdam, der zufolge die englische Regierung bereit sein soll, den Burenfrauen und -Kindern aus den Konzentrationslagern, die in Holland eine Zufluchtsstätte haben würden, die Freihett zu gewähren. Jndeß befürchte die holländische Regierung, daß die Engländer nach Beendigung deS Krieges sie nicht nach Afrika werden zurückkehren lasten. — Diese Nachricht scheint sich zu bestätigen. England scheint wirklich, wie jetzt aus Pretoria über London gemeldet wird, zu der Einsicht gekommen zu sein, daß „in Anbetracht der Verlängerung des Krieges" eine andere Verteilung der Flüchtlinge als in den Lagern ratsam sei. Die Regierung werde dem Parlament wichtige Vorschläge über die Aenderung des jetzigen Systems vorlegen, lieber den Inhalt derselben werde noch Diskretion bewahrt, doch dürsten sie dahin gehen, daß die Bewohner der Flüchtlingslager über die pazifizierten Distrikte zu verteilen seien. Die Regierung würde einige Zeit mit der Versorgung der- ielben fortfahren, was den Zivilbehürden übertragen würde. Also nicht aus Humanitätsrücksichten, sondern aus rein praktischen Erwägungen heraus will man dem Elend in den Konzentrationslagern ein Ende machen, um die aller ihrer Mittel beraubten unglücklichen Weiber und Kinder sich selber zu überlassen! Wenigstens muß man nach diesen vorsichtigen Andeutungen zu dieser Annahme kommen. Daß die englische Regierung über ihre Pläne „Diskretton" bewahrt, das ist auch nicht gerade dazu angethan, besonders erfreuliche Erwartungen daran zu knüpfen. Die Amsterdamer sozialisttfche Zeitung „Het Volk" veröffentlicht eine Erklärung, wonach der Vorstand der Dock- aroeiter in Anbetracht der ungenügenden Beteiligung des Auslandes und der unter den holländischen Arbeitern herrschenden Uneinigkeit beschlossen hat, die Bewegung für die Boykottierung der englischen Handelsschiffe einzustellen. Das ist schade! Aus Stadt und Land. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 10. Dezember 1901. - Die uationalsoziale Versammlung, in der Dr. Maurenbrecher das uationalsoziale Agrarprogramm entwickeüe, hat etnen Sturm im Wasserglase entfacht. Während im Reichstage die berufenen Vertreter des Volkes um die zukünftige Gestaltung der deutschen Zollpolitik raten und thaten, will bei uns der Kleinkrieg kein Ende nehmen. Jetzt beklagt man sich von nationalsozialer Seite aus bei uns über „Wortentziehung" und „Bevorzugung des agrarischen Gegners". Diese Klage, ist nun u. E. ungerechtfertigt, denn wie der Vorsitzende des oberhefs. landw. Provinzialvereins in der vergangenen Woche zweimal bei uns zu Worte gekommen ist, so sind die nationalsozialen Anschauungen während derselben Zeit ebenfalls zweimal im „Gieß. Anz." des Längeren dargelegt worden, einmal, was auf nationalsozialer Seite übersetzen zu werden scheint, in dem sehr ausführlichen sachlichen Referat über den Vortrag Dr. Maurenbrechers — die in jener Versammlung erfolgte Entgegnung des Oekonomierats Schlenke konnte in diesem ungewöhnlich ausgedehnten Referat aus Raummangel nur in zwei Worten erwähnt werden — und alsdann durch Dr. Streckers Zuschrift. Als wir nun von besonderer, dritter Seite eine weitere Einsendung erhielten, glaubten wir, da diese Zilschrift keineswegs aus agrarisch interessierten, sondern städtischen, zudem sehr beachtlichen akademischen Kreisen kam, sie wenigstens teilweise wiedergeben zn sollen. Wir hätten selbstverständlich das Nämliche gethan, hätte ein Landwirt nationalsoziale Ansichten in einer Zuschrift an uns bekundet. Wir wollen heute den wesentlichen Inhalt einer uns von nationalsozialer Seite zugehenden Postkarte hier wiedergeben, um eine gegenseitige Dreieinigkeit herzustellen, und damit unsererseits definitiv die Debatte schließen, mit der wir schon allzu lange unsere Leser aufgehalten haben. Der Nationalsoziale schreibt uns aus Hungen: „. Dahei erledigt sich die ganje Erwiderung durch die eine kleine Bemerkung, daß nationalökonomische Werte nie absolute , sondern nur relative sind. Ebenso wie diesen Kapitalsatz scheint der Einsender auch den Ursprung des „perfiden" Wortes „Brotwucher" nicht zu kennen, welches bekanntlich vom Kaiser selbst yerrührt." • * Für die Sitzungen des Schöffengerichts Gießen im Jahre 1902 gestern wurden folgende Hauptschöffen ausgelost: Heinrich Reidel, Landwirt in Wieseck, Georg Stein, Landwirt in Beuern, Ludwig Schaum, Bürgermeister in Klein-Linden, Kaspar Rabenau IL, Landwirt in Alten-Buseck, Ludwig Schäfer VI., Landwirt in Albach, Johs. Münch, Landwirt in Burkhardsfelden, Friedr. Noll, Hofbäcker in Gießen, Ludw. Roth II., Färber in Großen-Linden, August Michel, Rentier in Gießen, Karl Mayer, Postsekretär i. P. in Gießen, Friedr. Schwalb, Landwirt in Alten-Buseck, Jakob Maid, Landwirt in Watzenborn, Peter Stein, Bürgermeister in Climbach, Adolf Marx, Verwalter i. P. in Gießen, Karl Braunwarth, Kaufmann in Allendorf a. d. L., Ludw. Lotz, Gerber in Gießen, Wilhelm Hartmann II., Landwirt in Heuchelheim, Heinrich Jung IL, Landwirt in Wieseck, Kurt v. Münchow, Privatier in Gießen, Heinr. Ludw. Mylius, Fabrikant in Gießen, Konr. Schneidmüller, Landwirt in Leihgestern, Ludw. Schneider, Landwirt in Steinbach, Johannes Weller VIII., Landwirt in Wieseck, Ludw. Schön, Landwirt in Staufenberg, Ludw. Wagner II., Mehlhändler in Großen- Linden,Joh. Weigel II.,Landwirtin Garbenteich, Herm. Steinecke, Direktor in Lollar, Heinrich Wagner XIV. Landwirt in Großen-Buseck, Hermann Eichenauer, Fabrikant in Gießen, Prof. Dr. Eugen Netto in Gießen, Friedrich Amend I., Landwirt in Allendorf a. d. Lahn, Philipp Launspach XIII., Schmied in Reiskirchen, Konrad Karl Velten, Landwirt in Langgöns, Peter Damm, Landwirt in Leihgestern, Heinrich Balser, Landwirt in Annerod, Karl Hämmerle, Landwirt in Daubringen. * * Su g gestion. Die gestern abend von demSuggestor Alb. Krause im Cafe Leib veranstaltete Sugaesttonsvor- stellung hatte sich leider keines besonders zahlreichen Besuches zu erfreuen, was zu bedauern ist, da die von Herrn Krause mit Herren aus dem Zuschauerraum vorgenommenen Versuche durchweg als gelungen bezeichnet werden müssen. Dem Schreiber dieser Zeilen, der des öfteren Gelegenheit hatte, Vorstellungen im Hypnotismus sich anzusehen, fiel einerseits die Exattheit und Berettwilligkeit auf, mit dec die Versuchspersonen den Befehlen des Suggeftors folgten, und andererseits die Thatsache, daß die Medien, wenn man sie so nennen kann, nachträglich nicht die geringste Erschöpfung zeigten. Wenn Herr Krause freilich seine Einwirkung auf die Medien als „reine Suggestion", eine Schwester-, erscheinung der Hypnose, bezeichnet, so hatte der Zuschauer doch demgegenüber den Eindruck, als ob auch diese sog. reine Suggestion nichts anderes als der bekannte hypnottsche Zustand ist, der dann dazu benutzt wird, auf das Medium den eigenen Willen und die eigenen Gedanken zu übertragen. 9hir gelingt es Herrn Krause, diesen Dämmerzustand gewissermaßen durch lieber nnupelung bei den Medien wiederholt, auch nachdem sie sich bereits wieder im wachen Zu- slande befanden, von neuem hervorzurufen. Tie Willens- Übertragung aber, das seelische „Eins" zwischen Medium und Suggeslor trat überall in der stärksten Form hervor. Und nicht zum wenigsten muß anerkannt werden, daß der eug gefror -eine Medien nur solche Experimente aufführen ließ, die dem Zuschauer nicht Beklemmungen, Gefühle des Bangens vor diesem unserer Wissenschaft noch unbekannten und deshalb etwas unheimlichen Gebiete des Seelenlebens verursachten, wie das sonst bei hypnotischen Vorstellungen zu geschehen Pflegt. — Herr Krause wird auf vielfachen Wunsch am Donnerstag nochmals im Cafe Leib eine Vorstellung geben. * * Jubiläum. In unserer gestrigen Notiz über das 25 jährige Dienstjubiläum des bei der Firma Adolf Lyncker hier beschäftigten Speditions-Arbeiters Heinrich Opp er hat sich insofern ein Irrtum eingeschlichen, als nicht die Familienangehörigen des Jubilars, sondern Spediteur Lyncker mit seiner Familie an dem zu Ehren des Gefeierten veranstalteten kleinen Festmahl tettnahm. * * Schneestürme. Aus dem Nordwesten Europas wird von Schneestürmen gemeldet, die in den letzten Tagen, besonders gestern, gewütet haben, lleber Gießen ging gestern abend gegen 8 Uhr ein Hagelsch auer nieder, der aber schon nach kurzer Zeit wieder nackfließ. * * Verhaftungen. Vorgestern nachmittag wurde das Dienstmädchen eines hiesigen Kaufmanns verhaftet, das diesem Waren und seinem Dienstpersonal Geld gestohlen hat. — Ferner wurde ein Dienstmädchen von Gleiberg heute nacht wegen Obdachlosigkeit verhaftet. * * Einbruch. In einer Wirtschaft an der Rodheimer- straße wurde in der Nacht vom Samstag auf Sonntag eingebrochen. Zwei Paar Zugstiefel fielen den Dieben in die Hände. Auch den Inhalt einer Waisenbüchse, die sie mit Gewalt öffneten, nahmen sie mit 1. Lollar, 9. Dez. Am Sonntagabend geriet in einer Wirtschaft ein angetrunkener Gast mit anderen friedlich dasitzenden Gästen in Streck. Zornig verließ er die Stube, zog auf der Straße ein Messer und stach ohne jeglichen Grund einem jungen Menschen, der gar nicht am Strecke beteiligt gewesen sein soll, in die Brust. Die Verletzung des jungen Mannes soll nicht ungefährlich sein. Mainz, 9. Dez. Bei der Stadtverordnetenwahl siegten die vereinigten Parteien (Demokraten, Freisinnige, Sozialdemokraten und Nationalliberale) mit 5636 glatten Zetteln (gestrichene 645) gegen das Zentr um mit 1365 glatten und 923 gestrichenen Stimmzetteln. Die Wahlbeteiligung betrug 67 Proz. Tas Stadt- vervrdnetenkollegium besteht nach dem Ausfall dieser Wahl für die Folge aus 6 Sozialdemokraten, 8 Demokraten, 9 Deutschfreisinnigen, 10 Nationalliberalen und 5 Mitgliedern der Zentrumspartei, sowie 2 Mitgliedern, die keiner Partei angehören. — Ein hiesiger Einwohner hat wegen einer in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ge- thanen Aeußerung Strafantrag wegen Beleidigung gegen einen Stadtverordneten gestellt. Das ist der erste Fall dieser Art, der sich seit Einftihrung der öffenttichen Stadtverordnetensitzungen ereignet hat. b. Mainz, 9. Dez. Trotzdem seit der großen Offenbacher Eisenbahnkatastrophe am 8. November 1900 schon 13 Monate verstrichen sind, schweben über die von der Bahnverwaltung an die bei dem Unglück in Mitleidenschaft Gezogenen zu leistenden Entschädigungen noch immer Prozesse. So liegt gegenwärtig dem Reichsgericht eine Klage zur Entscheidung vor, die von den Hinterbliebenen der bei der Katastrophe ums Leben gekommenen Frau Direktor Hoffmann von hier gegen die Eisenbahn- direttion Frankfurt angestrengt worden ist. Außer demErsatz des baren Geldes und der Wertgegenstände, die Frau H. bei sich führte, weigerte sich die Bahnverwaltung an- fänglich, eine Entschädigung zu leisten. Das Gericht sprach den beiden minderjährigen Kindern der Frau H. eine Entschädigung von 20 000 Mark zu. Mit dieser erstrichterlichen Entscheidung gaben sich weder die Eisenbahnverwaltung noch die Hinterlassenen der Frau Direktor Hoffmann zufrieden, sondern appellierten an das Reichsgericht. M. Marburg, 9. Dez. Ter bei Arbeiten in einem Brunnen im Dorfe Wellmar verschüttete Arbeiter Koch wurde, nachdem Bergarbeiter aus Laisa einen Nebenschiacht zu ihm gegraben hatten, tot aufgefunden. Koch war 35 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und 3 Kinder. sc. Frankfurta. M., 9. Dez. Ter Großherzog von Kriefe aus der RWeiy. (Originalbericht des,Metz. Anz.") (Nachdruck verboten.) III. Professor Dr. Sauer über „Kunst und soziale Dichtungen" in der Gesellschaft für ethifche Kultur. Der Sauer'sche Vortrag wird den Wissenden Anregung, den Wissensbeflissenen wettvolle Richtpunkte gebracht haben. Scharf und fest setzte die Abgrenzung zwischen den beiden Gebieten: „Mode und Kunst" ein. Diese beiden feindlichen Geschwister sind auf den Boden des öffentlichen Lebens gestellt, sind auf einander angewiesen und müssen sich deshalb bis zu einem gewissen Grade vertragen. Aber die Kraft drängt sich Niemanden auf, sie will das Leben nicht auf- putzen, kein geschwätziger Cicerone dem Menschen sein, sondern ein erfahrener Freund. Während die Mode dem Wechsel unterworfen ist, strebt die Kunst nach dem Dauernden. Während die eine sich auf der Oberfläche der Erscheinungen bewegt, sucht die andere in die Tiefe zu dringen. Wahrend jene die Maffe zu gewinnen sucht, ist dieser es immer um den Beifall einer erlesenen Minorität zu thun. Während die eine bie Revolution und die Ueberrurnpelung des Geschmacks liebt, ist die andere in ihrem wahrsten Wesen konservativ. Die Mode verleugnet niemals ihren Charakter als echtes Weltkmd und die Thatsache, daß sie für den großen Markt produziert, wogegen die Kunst in ihren allerhöchsten Momenten auf ihren Schild schreibt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Ein festes Gesetz ihrer Wechselbeziehungen läßt sich jedoch pur aufstellen an solchen Erscheinungen, die abgeschlossen vor unseren Augen liegen. Deshalb führte der Redner seine Hör« zunächst in die anttke-Welt und geigte durch Wort und Lichtbild, wie die Mode zu allen Zecken die unzertrennliche einem höheren Niveau, sie wird gewöhnlich geleitet von bei und oft recht störende Begleiterin der Kunst gewesen ist, daß Annahme, daß die Kunst sich in falschen Bahnen bewege, wir an Menschen- wie Götterstatuen sehen können, wie oft gleichsam die Richtung verloren hätte, und daß man wieder auch die Künstler der klassischen Zeit durch den Modezwang den Weg zum Ausgangspunkt zurückgehen müsse, um das genötigt worden sind, Fttsuren und Trachten für ihre Modelle reine Ideal zu erfassen. Das i|t die Art der PraerafaÄisten zu nehmen, welche sie aus eigenem Geschmack heraus nie Nachdem der Redner die große Stilmusterkarte gcjtreift, die gewählt haben würden. (Das Bild eines Stutzers, dessen wir im 19. Jahrhundert an uns vorüberziehen sahen, vom Kopf die ägyptisierende Mode zeigt, steife Togagestalten aus Empire bis zur deutschen Renaissance, wandte er sich der der Ptolomäerzeit, die weibische Haartracht eines Eros, der unmittelbaren Gegenwatt zu, in welcher der Mode vielleicht alexandrinisch zugettchtete Zeuskopf lieferten schlagende Bei- die wertvolle Aufgabe zugefallen ist, durch ihre revolu- spiele für das gesprochene Wort.) Große Wendepunkte in tionäre, dem Neuen zustrebende Tendenz, die Mayen ^aus der nationalen Geschichte führen auch oftmals zu einem neuen einen neuen echten Kunststil vorzubereiten. Fin de ßiecle-ettl, Frühling in der Kunst, der zur Folge hat, daß man die Jugendstil sind schon etwas mehr als Modebegriffe. Modetradittonen energisch abschüttelt. So war es nach den Die Ausstellung auf der Mathildenhöhe will Perserkriegen, als man in Griechenland die halb asiatische, Prof. Sauer als eine wettvolle Anweisung auf die Zukunft jonische Kleidertracht aus dem Lande jagte und statt ihrer betraget wissen. Die Zeit sei vorbei, da der Kunstgelehrte jene ideale Gewandung auftam, welche wir an den Parthenon- von vornherein Mißtrauen gegen das Neue empfand. Die skulpturen und an den Gebälkträgerinnen des Erechtheion be- Grundbedingungen für die Fortschritte in der Kirnet unserer wundern. Lehrreich für die Fälle, wo eine leere Mode Tage sind, daß erstens das Publikum Vertrauen zu feinen von künstlerischem Geiste ergriffen und dem entsprechend Künstlern habe und zweckens daß diese der Mode ein berech- umgestaltet wird, sind die häßlichen ägyptischen Mumien- ttgtes Mißtrauen entgegenbringen. kästen, die auf einmal in die griechisch-römische Welt ein- Ein ganz ausgezeichnetes Programm hatte sich die hilffige drangen, dort aber sehr bald zu edlen Sarkophag- Abteilung für „Ethische Kultur" für ihren zwecken Volks- formen umgewandelt wurden. Der Mode des Archaisierens, abend gewählt: einen Cyclus sozialer Dichtungen, des bewußten altertümelnben Verfahrens, widmete Pro- vorgettagen von einem Berufsdcklamator, dem Herrn Schau- fcffor Sommer auch eine belehrende Betrachtung. Mit spielregisseur Wolfgang Quincke aus Frankfurt a. M. Recht unterscheidet er beim Archaisieren zmei Methoden. Die Auf dem Programm standen nur solche Dichtungen, denen eine greift auf eine verflossene Stilperiode auf die noch un- poetischer Wett sich glänzend neben ihrem ethischen behauptet, behilfliche Formensprache einer früheren Zeit zurück, aus einem wie Theodor Storms Weihnachtsabend, Anzengruber, ^Die Gefühl des Ueberdrusses, der Müdigkeit; sie hat alles durch- Näherin", „Das neue Jahrhundert" von Adolf Friedr. Gras probiert und will es nun der Abwechselung halber auch einmal v. Schaik, das s. Z. epochemachende „Lied vom Hemd" von nick dem ganzen Alten versuchen. An solchen Versuchen ist Rob. Burns u. dgl. , die. Zeck HaäüanZ peich. Ao andere Methode steht auf - v < "'WÄ linÄ n\ Tie Aschen '' yorm ujj ^rden, Ä'Sj SÄ ZV» 11 "le Siet, iSti Ltzr N«t W, ®rw£ JmitttQ9 tvurdr onS9* on Kelberg derRodheimw QUI Sonntag ein. «n Sieben in hie He, bie sie ttI! ick geleitet von de- n Lahnen bewege. lb d°ß ®«n bet w * ihre reoolu' , m kd ’ Fi„ de -iecl^14 obcbesnffe- ^°M* ,a der '3 $ «W n der feiner E -" Ärt'11' et D'5. ey b-. MMn S)toebm Än dir , MM in Ml- schLdianngen n-xi irtig dem Ai^ )ic von den hink? sieben gefommer* gen die Eisenbch> t Äußer bemSrjti imbe, die Frau h- cknvcrwMng an- Las Gericht W 5rau h. eine 6rü- ;|et erstrichterlichen ihnverwaltung no® ojsmann zufrieden, ht. . Arbeiten m einem tete Arbeiter Koch einen MenschB den. Mch mr 13 Kinder. i,roßherzogvv° Hessen und Prinzessin Heinrich von Preußen machten heute wieder Einkäufe in unserer Stadt. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In einem Hause der Humboldtstraße in Worms ist in der Sonntagnacht ein Einbruchsdiebstahl verübt worden, wobei etwa 2000 Mk. in barem (Selbe gestohlen wurden. Bezüglich der Thäter ist noch nichts bekannt. — In Mainz hat sich ein Hausbesitzer gestern früh im Keller seines Hauses erhängt. Die traurige That ist geschehen, nachdem der Hauswirt versucht hatte, die in seinem Hause im Parterre gelegene Weinwirtschaft mit Hilfe einer Maurerklammer gewaltsam zu öffnen. Hierbei wurde er ertappt, flüchtete in den Keller und beging den Selbstmord. — Im Stadtwalde bei Frankfurt a. M. erschoß sich ein unbekannter, anscheinend den besseren Ständen angehörender junger Mann. Vermischtes. * Berlin, 8. Dez. In Anwesenheit der Familienangehörigen und der nächsten Freunde wurde heule nachmittag das von Thierbach entworfene gemeinsame Grabdenkmal Ludwig Bambergers und Eduard Laskers übergeben. Abg. Schrader hielt die Gedächtnisrede. * Gelnhausen, 9. Dez. Prinz Leopold von Jsenburg-Birstein, ältester Sohn des verstorbenen Fürsten Karl von Jsenburg-Birstein, der zu Gunsten seines jüngeren Bruders Verzicht auf die Succession leistete, hat sich mit der Prinzessin Olga von Sachsen-Weimar, der Tochter des verstorbenen Prinzen Hermann, verlobt. • Bochum, 9. Dez. Infolge heftiger Regengüsse sind die Ruhr und die Lenne nebst Nebenflüssen rapid gestiegen und überschwemmen weite Flächen. Die Hammerwerke und Mühlen im Volmethal mußten des Hochwassers wegen den Betrieb einstellen. Eine Brücke bei Dahl wurde durch die Fluten fortgerissen. Im Jndustriebezirk ist heute abend ein Gewitter mit heftigem Sturm niedergegangen. * Hamburg, 8. Dez. In der großen Tabakfabrik I. W. v. Eicken entstand heute nacht ein großesFeuer. Der Brand wurde gegen morgen gelöscht. Menschen wurden nicht verletzt. Die verbrannten Tabakvorräte sind sehr bedeutend. Der Schaden soll mehrere hunderttausend Mark betragen. * Mitau, 8. Dez. Eine Feuersbrunst zerstörte das 50 Werft von hier gelegene prächtige Schloß des Staatssekretärs Grafen Pahlen. * Muß man sich photographieren lassen? Ein komischer Konflikt ist zwischen der Direktion des Lessing- Theaters und dem beliebten Bonvivant dieser Bühne, Franz Schönfeld, der bei uns in Gießen jüngst ein erfolgreiches Gastspiel absolvierte entstanden. Der Künstler hatte sich geweigert, einer Berliner Wochenschrift, die m weitesten Kreisen unbeliebt ist, sich photographieren zu lassen und war deshalb vom Direktor in eine Ordnungsstrafe von 20 Mk. genommen worden. Gegen diesen Eingriff in sein Selbstbestimmungsrecht reagierte der Schauspieler durch eine Klage auf Rückerstattung der 20 Mk. und Anerkennung des Rechtes, sich nicht photographieren lassen zu brauchen. UnioerstMsDachrichten. — Aus Straßburg schreibt man: In hiesigen Universitätskreisen verlautet mit Bestimmtheit, daß der bekannte Chemiker Prosessor Dr. F i t t i g , der hier seil über 25 Jahren als Professor und Direktor des chemischen Instituts thatig ist, sich mit Ablauf dieses Semesters von der Lehrthätigkeil zurückziehen will. — In Professorenkreisen der Universität Jena wird angeregt, den Führer der Nationalsozialen Pfarrer Naumann als Lehrer für die oor- tige Universität zu gewinnen. Kunst und Wissenschaft. — Adolf von Menzel, der Allmeister deutscher Malerei, beging in Berlin am Sonntag seinen 86. Geburtstag in voller Gesundheit im Kreise seiner Familie und seiner nächsten Freunde. Seme 80jährige Schwester, Frau Musikdirektor Krüger-Menzel waltete, unterstützt von ihrer Tochter und Schwiegertochter ihres Amtes als Hausfrau. Die Kaiserin sandte ein Blumen-Arranaement und m Glückwünsche durch Frau Gräfin Keller; im Auftrage des erschien General-Adjutant von Mackensen. Gerichtssaat. Darmstadt, 9. Dez. Das von uns jüngst mitgeteilte Urteil der Kammer für Handelssachen hiesigen Landgerichts, das die Einrede desSpieldarlehens seitens des Wechselaceeptanten als unbegründet verwarf, ist im anschließenden ordentlichen Verfahren aufrecht erhalten worden. Beklagter hatte hier seine Verteidigung dahin geändert, daß behauptet wurde, Näger, er und ein Dritter hätten eine Spielgesellschaft mit gemeinsamen Einsätzen gebildet. Der Einwand, so besagen die Urteils grün de, sei sachlich unbegründet. Selbst toerm die neuerliche Behauptung des Beklagten richtig wäre, so folge doch daraus nicht, daß die VerbinÄichkeit, wegen welcher der Wechsel ausgestellt und aceeptiert sei, ungillig, und deshalb dieser Wechsel, weil zur Erfüllung einer Spielschuld gegeben, nicht einklagbar sei. Denn aus der Vorschrift des § 762 B.-^.-B., wonach zwar durch Spiel eine Verbindlichkeit nicht begründet werde, gleichwohl aber Erfüllung einer Spielschuld möglich sei, folge, daß das Spiel nicht unsittlich und daß es erlaubt sei, sei es auch der Gesellschaftsvertrag zu Spielzwecken (folgt Hinweis auf Planck, B. G. B. zu § ,762, Stau ding er Eomm. zu §.762 B. G. B.). Von einer Ungiltigkeit solchen Gesellschastsvertrages könne überall nur da gesprochen werden, wenn es sich um verbotene oder unsittliche Spiele oder Zwecke handle, welche der Gesellschaftsvertrag verfolge. Das sei hier nicht der Fall, da das Spielen in Spaa erlaubt sei. Das Gericht habe um so weniger Anlaß, von dieser Rechtsauftassung abzuweichen, als sie in Uebereinstimmung mit der einer Anzahl bewährter Rechtslehrer stebt (Kipp-Win dscheid, Neumann, Staub, Dern- burg und Staudinger). Ueberdies habe man sich in den Kommissionsverhandlungen des Reichstags gegen eine Vorschrift im Bürgerlichen Gesetzbuch ausgesprochen, wonach aus Vereinigungen zu Spielzwecken Rechtspflichten nicht entstehen sollten. Hiernach habe nichts im Wege gestanden, daß Beklagter für eine chm aus dem Gesellschaftsvertrag dem Kläger gegenüber obliegende Schuld dem Mager ein Wechselaccept gegeben habe. Frankfurt a. M., 9. Dez. Die Straffammer verurteilte den SO Jahre allen früheren Krankenwärter und späteren Häusermakler Otto G e i b e l aus Hanau, der sich im Oktober auf 14 Tage in der Wohnung des mit seiner Familie verreisten Kaufmanns e n a r i o in der Bleidenstraße einquartiert und die Wohnung gänzlich auSgecäumi hatte, indem er nach und nach Gold, Silber, Mobiliarusw. im Wert von 15000Mk. sortschleppte, zulOJa hren Zuchthaus. Tie gestohlenen Sachen wurden größtenteils bei Trödlern wiedergefunden. Berlin, 9. Dez. Tie Strafkammer des Landgerichts I ocr- handelle heule gegen den Rechtsanwalt Hugo S o n n e n f e l d in Berlin, der angeklagt ist, den Konitzer Ersten Staatsanwalt, Schweigger, durch den in einer Berliner Versammlung erhobenen Borwurf der Illoyalität öffentlich beleidigt zu haben. Sonnenfeld sagte, die Illoyalität liege in einer von Schweigger bei Moritz Lewy's Meineidsprozeß abgegebenen Erklärung, er besitze „zur Zeil" kein ausreichendes Material, um gegen Lewy den Vor- wurs der Beteiligung an der Ermordung Winters zu erbeben. Tie Erklärung habe die Geschworenen gegen Lewy beeinflußt. Das Urteil lautete aus 3 00 'Dl t. Geldstrafe (cvent. 20 Tage Gefängnis) und Publikationsbesugnis. Ter Staatsanwalt hatte 1000 'DU. beantragt. Halle a. S., 6. Tez. Frau Ida Frank, geb. Buschmann, eine trotz ihrer Jahre noch ansehnliche Tarne, war im Juli d. I. kaum aus dem Zuchthaus, das sie wegen zahlreicher Schwindeleien bezogen, entlassen worden, als sie sich em neues Feld für chre Thätigkeil suchte. Durch einen Agenten ließ sie sich einem nicht unvermögenden Landwirt in Grießen i. Anhalt als „reiche Partie" anbieten. Sie sei die Gutsbesitzerswitwe Elsa Sachse, habe in Selben (Anhalt) ein 200 Morgen großes Gut, dazu 50 Morgen Pacht-Acker, 8 Pferde, 50000 'DU. auf Hypotheken in Halle und 50000 DU. teils baar, teils in Wertpapieren im Geldschrank. Ter Bräutigam war entzückt; er fuhr mit seiner reichen Braut nach Dessau, machte einen Abstecher nach Wörlitz, und man lebte auf seine Kosten herrlich und in Freuden. Als er aber das Gut seiner Braut besichtigen wollte, war diese plötzlich verschwunden. Vor der Straskammer meinte er: „Das verlorene Geld ist noch das Wenigste, aber der Spott, den ich ertragen — es war mehr als für ’ne Million." Die Schöne, die in ähnlicher Weise einen Zimmermann in Halle genarrt und um Beköstigung und Garderobe beschwindelt hatte, erhielt in Rücksicht auf ihre Vorstrafen und „das unglaublich freche Treiben" 6 Jahre Zuchthaus zudiktiert. Leipzig, 9. Dez. Vor der 2. Strafkammer begann heute der Prozeß gegen die Direktoren und Aufsichtsräte der Leipziger Wo llkämmerei -Aktiengesellschaft wegen Verschleierung des Vermögens ft an des der Gesellschaft. Angeklagt sind Geh. Kommerzienrat Offcrmann (Leipzig), Erich Corsica (Leipzig), Fritz Hergersberg (Berlin), Geh. Kommerzienrat Thieme (Leipzig), Fuhrmann (AMwerpen). Heute wurden die Angeklagten Offermami, Corsica und Thieme vernommen, die jede Schiild bestreiten. Tie Verhandlung wurde sodann auf morgen vertagt. Paris, 9. Dez. Das Zuchtpolizeigericht in Havre verurteilte den Pariser nationalistischen Stadtv. Barillier, der in Versammlungen gegen den Präsidenten Loubet grobe Beschimpfungen ausgestoßen hatte, zu 6 Monaten Gefängnis. Wien, 9. Dez. Tas Bezicksgericht verhandelte heute über die Ehrende le idigungsklage des Advokaten Dr. Ritter v. O f e n h e i m gegen den Vizebürgermeister Dr. N e u m a y e r wegen dessen Aeuye'rung, daß Ofenheim Jude sei und er ihn daher nie für satisfaktionsfähig betrachte. Neumayer wurde zu 1000 Kronen Geldstrafe eoent 10 Tagen Arrest verurteilt Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Breslau, 9. Tez. Nach einer Meldung aus Kattowitz, hat mit Rücksicht auf die herrschende Arbeitslosigkeit dieBerg- oerroal.tung zu Laurahütte ihren teilweise seit längeren Jahren beschäftigten ausländischen vornehmlich galizischen, Grubenarbeitern für Neujahr gekündigt. Mit dem gleichen Termin sollen dafür unbeschäftigte deutsche Arbeiter in Dienst gestellt werden, angeblich 800 Mann. — Bo» der Reichsbank. Wie uns mitgeteilt wird, kaust die Reichsbank von jetzt an Wechsel, welche auf „Saar bei Ruhrort" ausgestellt sind, an. Diese Wechsel sind an die Reichsbanknebenstelle in Rrchrort zu girieren. Märkte. Gießen, 10. Dezember. Marktbericht Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,10—1,30 Mk., Hühnereier pr. Stück 7—10 Pf., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 5—8 Pft Käsematte 2 Stück 0—0 Pfg., Erbsen pr. Siter 20 Psg., Linsen per Liter 30 Pfa., Tauben pr. Paar 0,70—1,00 Mk., Hühner pr. Stück 1,00—1,30 Mk., Hahnen pr. Stück 0,70—1,30 All., Enten pr. Stück 1,80—2,40 Mk., Gänse pr. Pfd. 52—66 Psg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfa., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 60—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 3,20—3,50 All., Weißkraut per Stück 00—00 Pfa., Zwiebeln pr. Zentner 4,00—5,00 Mk., Milch per Siter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 9—15 Psg., in Körben 12—15 Pfg. Trauben 35—50 Pfg., Tomaten per Pfd. 18—20 Psg. Dauer der Marktzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nicht im Umherziehen feilgeboten werden. Gingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 9. Dezember 1901. Im „Eingesandt" der Nr. 289, 2. Blatt, muß es auf Seite 2 genannten Blattes (wie im Manuskript) heißen: in Zelle 10 von unten statt „ein" — der Grundsatz zc. und in Zelle 2 und 1 von unten statt „nichts" — nicht enthalten ist. Meteorologische Beobachtungen der Station Gieße«. Neueste Meldungen. 10. Dezember c 8. bis 2 Wetter 736,1 736,2 735,8 8,7° C. 0,5° C. 2“ 9“ 7» + 6,2 + 1,1 + 1,0 5,1 4,8 3,9 72 96 79 SW. W. W. € TS Bew. Himmel Schnee. Bew. Himmel 9. Dez. 9. , ichsie Temperatur am corigfte Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. London, 10. Dez. Große Sch nee stürme werden aus Schottland und Nord-England gemeldet. London, 10. Dez. Ter Unterstaatssekretär im Kolonialamt, Earl Onslow, führte in einer Rede in Crewe aus, die Uebernahme der Konzentrationslager von der militärischen Verwaltung auf das Kolonialamt führte zu keinen Mißhelligkeiten. Es solle kein Geld gespart werden, um die Lager so gesund als möglich zu machen. Alle, welche sich naich den günstiger gelegenen Lagern an der Küste begeben wollten, würden vollständige Freiheit haben, das zu thun. Uebrigens sollten die großen Lager abgebrochen und durch kleinere ersetzt werden, worin 2000 bis 3000 Flüchtlinge ein Unterkommen fänden. Viele der in den Lagern Unter gebrachten sind in dieselben gekommen auf Kftcheuers Zusicherung, daß sie nicht aus der Heimat fortgeschafft würden. An diese wurde die Frage gerichtet, ob sie willens seien, sich nach der Küste zu begeben. Was die von den Buren den Kindern gegebenen Hausmittel betreffe, werde die Regierung, wenn sich dies in Zukunft nicht ändere, nicht zögern, die in Indien bei der Bekämpfung der Pest gemachten Erfahrungen mit den entsprechenden Maßnahmen auch hier anzuwenden. Paris, 10. Dez. Aus Chriftiania wird gemeldet: Eine Anleihe von 20 Millionen, welche vom Staatsrat vorgeschlagen wurde, soll zum Bau von Eisenbahnen und zur Ausdehnung des Telephonnetzes verwendet werden. Toulon, 10. Dez, Der frühere Adjutant Bothas, Schauberg, hielt gestern abend einen Vortrag, der großen Erfolg erzielte. Eine Tagesordnung wurde angenommen, worin die Haltung Englands stark getadelt wird. Etwa 600 Personen, welche keinen Zutritt zu dem überfüllten Saale erhalten konnten, durchzogen die Straßen und versuchten vor dem englischen Konsulat zu demonstrieren. Dieser Versuch scheiterte jedoch Tank der getroffenen Polizeimaßregeln. New-'Jork, 9. Tez. Ein Telegramm aus Managua berichtet: Der Minister des Auswärtigen von Nicaraaua und der amerikanische Gesandte unterzeichneten einen Vertrag, wonach Nicaragua für immer den Vereinigten Staaten einen sechs Meilen breiten Landstreifen für den Nicaragua-Kanal verpachtet hat. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. Hl.. 10. Dezember. 3'/8% Reichs anleihe . . 100.90 30/ j do. « . . 90.50 37,% Konsole .... 101.00 3% do. ..... 90.50 37i% Hessen .... 98.25 80/j Italien. Rente . . . 100.40 4 /o Grieoh. Monopo 1-Anl. 42.60 5% Portugiesen .... 27.10 8% Mexikaner .... 25.50 47r% Chinesen .... 87.70 Tendenz: Kreditaktien..... 205.50 Diskonto-Kommandit . . 179.30 Darmstädter Bank . . . 125.10 Dresd- ner Bank .... 125.20 Berliner Handelsges. . . 137.90 Oesterr. Staatabahn . . . 140.40 Gotthardbahn.....164.70 Laurahütte ...... 183.00 Bochum ....... 169.80 Harpener ...... 160.50 befestigt. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Stockhausen für das Jahr 1902/03 liegt vom 13. l. Mts an auf hiesigem Bürgermeisterei - Büreau acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten offen. Stockhausen, den 9. Dezember 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Stockhausen. Faust. 8058 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Oppenrod für das Jahr 1902/03 liegt vom 13. Dezember 1901 an auf Großh. Bürgermeistereibüreau acht Tage lang zur Einsicht offen. Oppenrod, den 9. Dezember 1901. 8060 Großherzogliche Bürgermeisterei Oppenrod. Balser. Hypothekenbank in Hamburg. Die Einlösung der am 2. Januar 1902 fallieren Zinsscheine unserer Hypothekenpfandbriefe erfolgt vom 16. Dezember 1901 ab äusser 8061 an unserer Kasse, Hamborg, Hohe Bleichen 18, bei den sonstigen bekannten Zahlstellen und allen Pfandbrief- Vei kaufs- stellen. Die Direktion. kemrkschast Gießener BrnnnsteinbeWerke vormals Fernie in Gießen. Wir geben hierdurch bekannt, daß unser Vorstand aus folgenden Personen besteht: Rechtsamvalt W. Grünewald, in Gießen, Heinrich Res in Frankfurt a. 9JL, Landesrat Schmidt in Düsseldorf, Albert Zobel in Gießen, S. Pascoe daselbst (gewählt als Delegierter des Hauses Sal. Oppenheim ft. L Co. in Eöln a. Rh. als Pfandhalter der Parttal-Obligationen). Vorsitzender des Grubenvorstandes ist Herr Rechtsamvalt W. Grünewald in Gießen, Stellvertreter des Vorsitzenden Herr A. Zobel m Gießen. Zum Zuftellungsbevollmächttgten ist der Vorsitzende bestellt; derselbe führt auch das Gewerkenbuch. Technischer und geschäfllicher Letter der Gewerkschaft ist Herr Direktor Dr. Ernst Esch in Gießen. Derselbe ist mit der Vollmacht versehen, innerhalb des Geschäftsbetriebs Verträge für die Gewerkschaft abzuschließen, sowie rechtsverbindliche Erklärungen abzuaeben und entgegen zu nehmen. 8067 Gießen, den 3. Dezember 1901. Der Grubendorstand. Gesellschaft sük Erd- n. WkerkMe Gießen III. Vortrag Mittwoch de« 11. Dezember 1901, abeuds 8*/» Uhr: in der großen Aula der Universität. Herr Hoftat E. V. Hesse-Wartegg (Luzern): Ueber Samoa (mit Ausstellung). Karten für Nichtmttglieder sind zu Mk. 1.50, für Studierende und Schüler zu Mk. 0.50 in der Ricker'schen und Krebs'schen Buchhandlung zu haben. 8068 tat Feldstecher Thermometrographen Reisszeuge Brenn-Apparate Phonographen Kompasse Grammophone empfiehlt 7225 Operngläser Barometer Dampfmaschinen Dampfschiffe Eisenbahnen Experimentierkasten Emil Schmidt, Neuenweg 16. Stereoskope Elektrisier-Apparate Laterna magica Salon-Lünetten. Goldene Brillen und Pincenez ANQLI Glas- n. Porzellan. Lang & Wiederstein \ M&rktstraaee y IMff ÄK3> asEPRQ nm 7794 Celephon 243 Giessen köwengalle 20 Inltallation für Gas u. Waller moderne Beleuchtungskörper Klofeb und Badeeinrichtungen Theater-Verein 4. Vorstellung: Dienstag den 10. Dezember. Francilion. Schauspiel in 3 Aufzügen von Alex. Dumas (Sohn). Deutsche Bearbeitung von Paul Lindau. 7938 Gast: Maria Reisenliofer. Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende 103/4 Uhr. 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