Nr. 239 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Freitag 11. Oktober 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siebener Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" Viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. 5ternfhre*rtnfrfihi69ir.51. sichenerAnMger w General-Anzeiger v Amts- Md Anieiaeblatt für -en Kreis Gießen Annahme von Anzeigen zu der für den folgenden Lag erfcheinenden Nr, bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In- und Auslandes nehmen An» zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf, auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. 3 Grün * einem wesen, cheu: vergiftet. Sonderbare Trauung. Ein junges Paar in schlesischen Dorfe war mehrere Jahre verlobt ge- Eines Tages sagte der junge Mann zu dem Mäd- „Jch kann 'Dich! nicht heiraten". „Warum denn nicht?" „Ich habe mirs anders überlegt". „Gut, nian soll niemand zur Liebe zwingen. Aber ich will Dir sagen, was wir machen »vollen. Wenn die Leute erfahren, daß, Du mich aufgegeben hast, dann bekomme ich keinen andern mehr. Das mußt Du doch einschen. Du beöommst, aber immer eine andere. Wir werden also aufgeboten, und -vvvv«, Miuvv bu“0 n-yvvnu; yu,u.4itm 1]U W9 ] HlUKIl sich ganz vernünftige Vorschläge darunter, aber sie verpuffen wie Platzpatronen. Durch Kongreßbeschlüsse lockt man kernen Hund hinterm Ofen hervor, und durch Resolutionen hält man den Lauf der Geschichte nicht auf. Das ist ost genug auch das Schicksal von Kongressen gewesen, die von Fürsten und Kaisern einberufen wurden, von Männern also, die über die Macht verfügen, ihren Beschlüssen auch Nachdruck zu geben. Was ist von dem Arbeiterschuykongreß übrig geblieben, den Kaiser Wilhelm im Jahre 1890 ein- beries, was von dem Haager Friedens- und Abrüstungs- kongrcß des Zaren Nikolaus! Was wird hernach von dem Kongreß übrig bleiben, den Frau Minna Cauer einberief, die doch über feine Kosaken und pommersche Grenadiers verfügt! haben. Aus der Konzerthaus-Epoche stammt auch ein Vorfall, der seinerzeit viel Heiterkeit erregte und den Meyder selbst als wahr zugegeben hat. Es war ihm nämlich sehr Daran gelegen gewesen, mit Hans von Bülow bekannt zu werden. Als er den genialen Dirigenten eines Tages in einem Restaurant traf, stellte er sich ihm mit den Worten vor: „Mein Name ist Meyder; ich bin Dirigent der Kapelle des Konzerthauses". Die Antwort Bülows lautete: „Und ich bin — Meider des Konzerthauses!"* Spott erntete Meyder auch, als er mit seiner Kapelle in Warschau konzertierte. In dortigen Zeitungen ließ er erklären, daß seine Musiker nur zum kleinen Teile Deutsche seien. Die besten Stützen der Kapelle wären Franzosen und Polen. Die derart um ihr Deutschtum gebrachten Musiker nannten Meyder von nun an „Meyderski". * Gestörte Hochzeit. Die 18 jährige Tochter deö Tischlermeisters Eichhorn in Berlin war seit längerer Zeit mit einem Arbeiter der Spandauer Geschützgießerei verlobt. Tie Hochzeit war auf den Sonntag angesetzt, alle Vorbereitungen zur Feier waren bereits getroffen. Da kam es am "Freitag mittag zwischen der Braut und ihrer Mutter auf der einen, und dem Vater auf der andern Seite zu einem Zwist, der in einen heftigen und lauten Streit ausartete. Aergerlich ging Eichhorn wieder in eine Schank- wirtschaft, die er kurz vorher verlassen hatte und erklärte, daß er an der Hochzeit nicht teilnehmen werde. Wie er das gemeint hatte, erfuhren seine Angehörigen zu ihrem Schrecken am nächsten Morgen. Als Frau Eichhorn in der neuen Wohnung, die die Leute drei Tage vorher bezogen hatten, um 4 Uhr aufwachte, fand sie ihren Mann tot in seinem Bette liegen. Er hatte sich mit Schweinfurter wenn der Hochzeitstag kommt, und der Pastor zu Dir sagt: „Willst Du Anne Marie Schulten als Ehefrau haben?" so sagst Du „Ja". Und wenn er mich dann fragt: „Willst Du Johann Käsebier zum Ehemann haben?" so sage ich. „Nein". Darauf ging Johann ein, da er nicht schlau, genug war, eine Ausrede zu finden. Der Hochzeitstag kam. Der Pastor stellte die wichtige Frage an den Bräutigam, und dieser antwortete „Ja". Dann fragte der! Geistliche die Braut: „Willst Tu Johann Käsebier zum Ehe- manne haben?" Und die Braut antwortete ebenfalls „Ja". „Was", sagte der junge Mann wütend, „Du wolltest doch „Nein" sagen?" „Ich weiß", sagte die junge Frau, „aber ich habe mirs auch anders überlegt." * Gymnasiasten als Ordensritter. Der Besuch des „Sühneprinzen", der nun seine Reise nach der Heimat antritt, hat eine große Reihe von Seltsamkeiten mit sich gebracht, die so bald aus der öffentlichen Diskussion nicht verschwinden werden. Aber mit das Seltsamste wohl ist es, daß Prinz Tschun im Namen seines Bruders, des Kaisers von China, zwei Sekundaner eines in Berlin W gelegenen Gymnasiums dekoriert hat. Und das kam so: Prinz Tschun war zu dem Feste, das ein hoher Reichsbeamter ihm zu Ehren veranstaltet hatte, erschienen und hatte auch ein Päckchen Orden mitgebracht, die er im Namen seines kaiserlichen Bruders an den Gastgeber und andere illustre Personen zu verteilen gedachte. Nach Aufhebung der Tafel stellte der Gastgeber dem Prinzen Tschun seinen Sohn, einen strammen Sekundaner, vor, und auch' ein Schulkamerad des letzteren, gleichfalls der Sohn eines hohen Beamten, hatte das Vergnügen, den Sühneprinzen von Angesicht kennen zu lernen. Prinz Tschun war sehr erfreut, die Bekanntschaft der beiden jungen Herren zu machen, und verabsäumte nicht, ihnen bei Beendigung des Gespräches, je einen chinesischen Orden zu überreichen. 'Die beiden Sekundaner sind begreiflicherweise recht stolz auf die Dekoration und haben, von den Ratschlägen ihrer Väter, unterstützt, den vorgeschriebenen Weg eingeschlagen, um die landesherrliche Genehmigung zum Tragen der schönen Orden zu erlangen. Handel und Verkehr. Ualküwirtschast. Märkte. Obst-, Gemüse- und Kartoffel-Markt in Darmstadt. Mit dem am 12.—14. Oktober im Restaurant zur „Stadt Pfungstadt" stattfindenden Markte ist auch eine Öbst> und Gemüseausstellung mit Prämiierung verbunden. Auf derselben werden zugelassen: I. Obst. 1. Ausgewählte Tafelfrüchte, und zwar je 4 Stück einer Sorte: a) Winteräpfel, b) Winterbirnen, c) Nüsse, je ein Deller. 2. Obstsortimente : a) Winteräpfel, b) Winterbirnen, c) Nüsse, d) Trauben. 3. Verpackte Früchte: Früchte aller Art in Körben, Kisten re. für den Versandt verpackt. II. Obstprodukte, a) Apfelwein, b) Apfelschaumwein, c) Beerenwein, d) Fruchtsäfte, Obsh- gelee und Marmeladen, e) Obstkonserven, f) Obstbranntwein, g) getrocknetes bezw. gedörrtes Obst. III. Gemüse, einschließlich Kürbisse. Einzelne Gemüsesorten (je 3 Stück der Sorte), b) Kollektionen von Gemüse, c) getrocknetes Gemüse, Gemüsekonserven. IV. Geräte und Hilfsmittel, a) für Obstbaumpflege, b) für Obstperwertung, c) für Obstausbewahrung, d) für Gemüseverwertung. Die ausgestellten Gegenstände werden einer sachverständigen Beurteilung unterzogen und auf deren Ergebnis zahlreiche Preise zuerkannt. Entsprechend der vom Obstmarkt-Komitee betriebenen Förderung der Anlieferung größerer, in Körben verpackter Obstmengen zum direkten Verkauf auf dem Markt wird namentlich auch verpacktes Obst bei der Prämiierung besonders berücksichtigt werden. Eine größere Partie Obst, Gemüse und Kartoffeln wird zur Verlosung angekaust werden. Anmeldeformulare sind von Sekretär F. Röth, Darmstadt, Roßdörferstr. 65, zu beziehen. — Zur Erleichterung der Beschickung mit größeren Mengen von Obst zum direkten. Verkauf auf dem Markte hat das Obstmarkt-Komitee übernommen, die Lieferung von Körben auf Bestellung zu übermitteln. Dieselben sind aus der Korbfabrik von Georg Mink in Hamm a. Rh. (bei Osthofen). Es kosten größere für 20—25 Kilogramm Obst 90 Pfg. per Stück, kleinere für 10—12 Kilogramm Obst 45 Pfg. per Stück bei bester Qualität. Zwecks Vermittelung des Bezuges wende man sich rechtzeitig an Herrn Sekretär F. Röth, Darmstadt, Roßdörferstr. 65. Auch können die Körbe selbstverständlich direkt von Hamm bezogen werden. Spart. Eine große Pf erde-Auktion veranstaltet der Renn-Klub in Frankfurt a. M. zurzeit seiner großen Herbst- rennen, die am 19., 20. und 22. Oktober stattfinden und ür welche Mk. 102 500 an Preisen ausgesetzt sind. Die Auktion indet am 21. Oktober, Vormittag 10 Uhr im Hippodrom iatt und umfaßt Voll-, Halbblut- und Gebrauchs-Pferde aller Art mit Ausnahme schwerer Arbeitspferde. Da die Auktion von verschiedenen Rennstall- und Gestütsbesitzern, sowie Halbblutzüchtern und Pferdehandlungen angeregt und deren Beschickung zugesagt wurde, so werden auf derselben neben Rennpferden im Training, Vollblutjährlinge, Vollblutzuchtstuten (tragend), Vollblutfohlen, Halbblutpferde zu Renn-, Fahr-und Reitzwecken, fertig gerittene Reitpferde, Wagenpferde für Ansprüche aller Art (auch für Landwirte, Fiaker usw.) zur Versteigerung gelangen. Es bietet sich somit eine bisher nicht vorhanden gewesene vorzügliche Gelegenheit zum An- und Verkauf von Pferden zu den verschiedensten Gebrauchszwecken und allen Preisen. Anmeldungen werden bis 15. Oktober er, abends 6 Uhr an das Sekretariat des Rennklubs Frankfurt a. M., Niedeuau 47, erbeten. oon Frauen zeichnen sich oft genug ) das Fehlen körperlicher Reize aus^ mit den Willen der Natur, die ihnen um mu oer Aufschrift aufdrückte: „Diese Exrm-^ plare sind nicht für die Fortpflanzung bestimmt". Zumeist fühlen sie denn auch für die Ehe weder Beruf noch Nepgung- gehen sie dennoch eine Ehe ein, so werden^ sie gewiß alles sehr rationell ansassen, sie werden, wenn sie lebens-^ und entwickelungssähige Mnder bekommen — was durchs aus nicht immer der Fall ist — ihre Kinder nach dem ausgeklügelsten Systeme mit der besten, nach der neuesten Methode sterilisierten Kuhmilch ernähren und sie später wohl an der Hand ihrer eigenen pädagogischen Werke erziehen- aber es wird ihnen an jenem Jmponderabile des Wewes fehlen, an jenem göttlichen Hauch, der von der echten Fran aus d as Kind übergeht und unter dessen wärmenden Strahlen allein Männer mit genialer Kraft herangewachsen sind wie Goethe und Bismarck. Von solchen Drännenr Können keine Gründe angegeben waren. Tie sozialdemokra- ctische Fraktion nahm zu der Angelegenheit noch keine '.Stellung, während die Fraktion der Rechten von einer offiziellen Sitzung Abstand nahm, da wichtige Angelegenheiten nicht zur Beratung ständen. Von anderer Seite wird behauptet, bei der Audienz lei die Angelegenheit Kauffmann gar nicht zur Sprache gekommen. In der Hauptsache drehte sich die Unterredung um drei Punkte: die Lindenüberführung, den Märchen- brunnen und das Projekt der Lindenumgeftaltung. Bezüglich der Lindenüberführung äußerte der Kaiser sich dahin, daß er erst nach langer und reiflicher Ueberlegung zu der Ueberzeuguug und damit zu dem Entschluß gekommen sei, daß im Niveau der Linden eine Durchkreuzung Vermischtes. * Berlin, 7. Okt. Kapellmeister Carl Meyder, der bekannte Leiter der ehemaligen Konzerthaus- Kapelle, mit der er in ganz Deutschland Kunstreisen zu unternehmen pflegte, ist flüchtig geworden. Er hat unzähligen Berliner Geschäftsleuten „Andenken" in Gestalt unbezahlter Rechnungen hinterlassen. Die meisten und am schwersten betroffenen Gläubiger hat er in den Kreisen her Musiker. Schon zur Zeit, als Meyder noch im Konzert- Haus den Taktstock schwang, als also gute Einnahmen erzielt wurden, bezahlte er feine Musiker sehr schlecht oder gar nicht. Junge Künstler, debütierende Sängerinnen und „Wunderkinder", eine Spezialität Meyder's, mußten sich mit dem Ruhme begnügen, im Konzerthaus gespielt zu le aus dem Reichstag hinausgegrault! fortschrittlichen Frauen in der Beuth- Hier haben die Damen unter Obhut; so gerne entronnen wären, nach Her-! o scheffelweise Beschlüsse gefaßt, bie! Reichtum an Worten schon ihren Urehe der Welt, wenn sie alles essen, Beuthstraße gekocht würde! Aber di-, ,u Werke gegangen, die meisten Red- 'I wohl, zu radikale Forderungen auf-! n Spöttern und Harmlosen nicht zü! ' immer noch der veralteten Ansicht ehung die vornehmste Aufgabe ber n war freilich die Rede, aber nur ganz lbei, als ob es sich um einen Neben-- ges Hebet oder eine Beschäftigung in: e. In der Resolution nämlich, die in. c Vortrag von Fräulein Dr. Helenes gemeinschaftliche Erziehung der Ge- )e, lautet der vierte und letzte Punkt:. Kichere Bildung der Frauen hoffen wir , nütterlichen Beruf tüchtiger zu machen." ! lsch und eine solche Hoffnung läuft, rfahrung schnurstracks zuwider. Nicht' Kenntnissen vollgestopfte Frau ist die! rzieherin ihrer Kinder, sondern bie- ütes und Genialität des Herzens ihre, nde Frau. Es gab und giebt vieles hochgebildete Frauen, die über einen, .'fügen als mandjicr Mann in einfluß-^ er nie hat man davon gehört, daß, e Söhne in die Welt gesetzt hätten^ ruf dem Gebiete der Kunst, der Wissen- ielmehr steht fest, daß in den weitaus,! ; die Mütter hervorragender Männer en, zwar mit kerngesundem Verstand! m Ehrgeiz als jogenannte geifer laran werden die Beschlüsse der fort-; lichts ändern, denn ein altes römisches! eibe die Natur mit der Heugabel aus^ er; dabei haben diese fortschrittlichenj mral die Heugabel zur Verfügung, w .e That umzusetzen. cks der vernünftige Kern der Frauen-- bekannt: alleinstehende Frauen, iüe: oder den Gründen verzichten müssen, gesetzt werden, sich eigenen würdigen .1 und sich wirtschaftlich unabhängig isszweige, die sich hierzu eignen, sind" eisten haben sich den Frauen geöffnet sende von Frauen und Mädchen finden' mb Verdienst auf den Telephon-- und, Ohne daß es einer Resolution oder e, hat sich dieser Berufszweig den il ohne weiteres klar war, daß die n Frauenhänben bequem wahrgenom- Ueberall wo leichte Hantierung und eit in Frage kommen, sind Frauen-, )bei sich freilich herausftellt, daß für -essenden Berufs, die schnelles Dis- die Frauenarbeit nicht immer so zu-, ie Männerarbeit. Ueberall auch da' das Mädchen an erster Stelle be- rlich^e Bestimmung! des Weibes- wo jehung in Schulen, Kranken- und' age kommen. Hier kann in -der That- mften der Frauen geschehen, wie oep -ervorgehoben hat. Frauenbewegung von ihrer gesunden sie in ein vollkommen falsches Geleise rz folgendes. Tie Führerinnen der vie Lina Adorgenstern, Minna dauer, > wie sie sonst heißen mögen, stehen- tdesentwickelung und Urteilskraft weit t des weiblichen Geschlechts, sir stecken erreichen sie, übersehen aber, daß r Frauen diesem Fluge niemals zu glauben, weil sie sich selbst zu' cufen fühlen, die gleiche Spannkraft ten, sie müsse nur gepflegt und ent-i sächlich ist das nicht der Fall. Diese den nicht das Stormale, sondern die _-in Naturspiel, sie müßten eigentlich gut wie es Männer giebt, die ihrer iach sich im Unterrock besser ausnehmen ältiger Tracht- So wenig es aber den Thun und Treiben nach, dem Geschmack hten, so wenig wird die große Masse den Grundsätzen der Ueberweiber ve- ZA W I K N K 'V w . M Danksagung. Allen, welche uns bei dem Hinscheiden unserer unvergeßlichen Frau Elise Kurz %»e. geb. ScSiwaner ihre Teilnahme zuwendeten, insbesondere auch Herrn Pfarrer Dr. Grein für seine liebevollen Worte, sagen herzlichen und innigen Dank Are Gießen, den 9. Oktober Zu vermieten Schöne 4-Zünmerw. umständeh. sof. zu verm. Grünbergerstr. 33. 5754] 8 Zimmer mit Zubehör, Alicestratze 12, II, sofort zu beziehen. Näheres Südanlage 19, IL Schützenstraße 11 Wohnung von 1 Zimmer, Kabinett, Küche, zu verm. (6715) Hoß. Schützcnstratzc 11 Wobnung im 2. Stock, 2 Zimmer, Küche, zu verm. (6716) Hotz. Ein kl. 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Fräulein Rosa L., eine anmuttge I Brünette, hatte sich letzter Tage vor der Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts wegen eigenartiger Beleidigung zu verantworten. Sie war angeklagt, den Assessor X. dadurch beleidigt zu haben, daß sie regelmäßig vor seiner Wohnung und vor seiner Kanzlei auf ihn wartete und .ihm dann überall hin nach-ging. Die Angeklagte gab das zu und begründete ihn Thun wie folgt: Assessor T. habe 'vor drei Jahren mit ihr Beziehungen angeknüpft; sie 'habe ihn innig geliebt und an seine Gegenliebe geglaubt. Das Verhältnis sei nicht ohne Folgen geblieben. Der Vater weigerte sich jedoch, dem Kinde seinen Namen zu geben, ebenso wies er das Ansinnen, die Rosa L. zu ■ heiraten, zurück. Als das Kind nach einigen Monaten starb, habe sie geschworen, daß er keine andere heiraten solle, als sie. Seitdem suche sie jede Gelegenheit, ihn zu sehen; sie warte auf ihn und folge ihm dann in einiger Entfernung, aber ohne ihn anzusprechen. Staatsanwalt Cleß beantragte eine Gefängnisstrafe von sechB Monaten wegen systematischer Kompromittierung eines Beamten. Der Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Reis, beantragte Bestrafung wegen Beleidigung und Versuchs einer Nötigung Gur Eheschließung. Als Verteidiger der Angeklagten fungierte Rechtsanwalt Konrad Haußmann, der bekannte Reichstags- und Landtagsabgeordnete. In seinem Plai- doyer für Freisprechung betonte er nachdrücklich, daß gemischte Empfindungen von Liebe und Haß, Sehnsucht und .Entrüstung ine Angeklagte zu ihrem stillen Thun veranlaßt haben; die Angeklagte trage noch heute das Bild des Vaters ihres Kindes immer bei sich. Männer seien geneigt, ; den Fall strenger zu beurteilen als Frauen, welche die Motive besser zu verstehen und würdigen vermöchten. Das 'Urteil lautete auf vierzehntägige Gefängnis.- , strafe wegen Beleidigung in sieben Fällen, insbesondere in drei Fällen, in welchen die Angeklagte Dritten gegenüber sagte, sie habe ein Kind von dem Assessor. Die Frage, ob das Nachlaufen selbst strafbar sei, ist von dem Gericht nicht bejaht worden. Zu bemerken ist noch, daß 'Fräulein Rosa L. zuerst wegen groben Unfugs vor das 'Schöffengericht geladen war; das Schöffengericht lehnte jedoch diese Anklage ab. * Der Fe st ochs e des Münchener Oktoberseste s. Auf dem diesjährigen Münchener Oktoberfest wird wieder ein Festochse gebraten werden. Das Tier, das aus der gräflich Törrmg-Jettenbachschen Gutsverwaltung stammt, wog lebend 18 einhalb Zentner und giebt etwa '9 Zentner Fleischgewicht. Zur Zubereitung sind erforder- " lich: 15 Pfund Salz, 4 Pfund Pfeffer, 200 Gramm Pa- ; prika, 6 Pfund feingewiegte verschiedenerlei Grünware. Für jeden Ochsen braucht man 120 Liter Sauce, die aus einem ! Gekoche von je 10 Pfund Schweins- und Kalbsknochen, einem ' ganzen Ochsenkopf, 6 Pfund Rindsleber, 2 alten Hühnern, mehreren Putengerippen unter Zuthat von sehr guter Fleischbrühe und 4 Flaschen Madeira gewonnen wird. * Mißverständnis. Der Regent eines süddeutschen Staates ließ sich während eines Hofballes einige der ge- ■ ladenen Landtagsmitglieder vorstellen. Di« Reihe kam auch an den Abgeordneten der Stadt T. und hierbei fiel dem < Fürsten ein, daß in dieser Stadt vor einigen Monaten ein ■ großes Feuer gewütet hatte. 'Das veranlaßte ihn, das Gespräch mit den Worten zu beginnen: „Sie haben ja , kürzlich wie ich hörte, einen großen Brand gehabt", worauf her Angesprochene zugleich geschmeichelt und beschämt erwiderte: „Majestät sind zu gütig. Es war aber bloß ein kleiner Spitz." * Königliche Hvtel-Ausnahmepreise. Man / erinnert sich der skandalösen Ausbeutung der Fr-emden , in Dünkirchen, Reims und Cvmpiegne gelegentlich des Zarenbesuches. Man entschuldigt diese unerhörten Preis- ,schrcnlbungen schließliche indem man sich sagt, daß eine t derartige Gelegenheit sich den Geschäftsleuten nicht alle 1 Tage bietet. Ein Hotelier in Luchon jedoch wollte scheinbar ' in dieser Beziehung allem bisher Tagewesenen die Krone ; auf setzen. Ein auf der Hochzeitsreise befindliches Ehepaar aus Antwerpen hatte in Luchon in demselben Hotel Wohn- ' ung genommen, wo auch König Leopold von Belgien während seiner soeben beendeten Kur wohnte. Unsere ! Reisenden waren nicht wenig erstaunt und angenehm ) überrascht, als sie eines Tages auch ihren Landesvater < an der allgemeinen Table d'hote teilnehmen sahen, sonst pflegte der König in seinem Appartement zu speisen. Aber es stand ihnen noch eine zweite, nicht ganz so angenehme Ueberraschung bevor. Als nämlich der Kellner ihnen zwei Beefsteaks mit Erdäpfeln servierte, flüsterte er ihnen in sehr zuvorkommender Weise zu, daß die Preise aufgeschlagen seien, und zwar aus Anlaß der Anwesenheit Seiner belgischen Majestät im Speisesaal. Als die Reisenden sich von dieser merkwürdigen Ankündigung etwas erholt hatten, fragten sie sehr kleinlaut, wieviel wohl unter diesen erschwerenden Umständen jene beiden Beefsteaks mit Kartoffeln kosten würden, die sie in der erlauchten Gesellschaft verzehren dürften. „Nur 16 Franken für die Pensionäre", erwiderte steif und würdig der Ganymed von Luchon. Die Antwerpner heilten sich, ihre Koffer zu packen! * Die Verdeutschun g des Automobil. In dem von der „Geselligen Vereinigung deutscher Automobilisten" ausgeschriebenen Wettbewerb um Verdeutschung der Worte Automobil, Automobilist, Automobilismus, auto- mobilsahren sind die ausgesetzten drei Preise den Herren Regierungsbauführer Wilh. Will in Berlin, Geh. Rat Köpcke in Dresden und Ernst Weidlich in Wormditt (Ostpr.) zu- gefallen. Dem Bericht eines der Preisrichter, Geh. Oberbaurats Sarrazin, in der „Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins" entnehmen wir, daß insgesamt nicht weniger als 843 Einsendungen mit mehr als 1000 Verdeutschungsvorschlägen eingegangen waren. Der erste Preisträger giebt seinem Vorschläge den Geleitspruch mit auf .den Weg: „Turnen sagte Jahn!" Wie nämlich Jahn mit kühnen Griff den fremden, französischen Wortstamm tauen (tonrner, weit den, sich drehen) erfaßte und daraus mit glücklichstem Gelingen das neue Lehnwort turnen schuf, so benutzt Will den griechischen Stamm der ersten Hälfte des Wortes Automobil und giebt dem neuen Fahrzeug den einfachen, mundgerechten Namen „das Aut" (Mehrzahl: die Ante), wozu er für Automobilist, Automobilisntus, automobilfahren die Ableitungen der Autler, das Anteln, auteln bildet, und zwar in Anlehnung an die geläufigen Formen Radler, radeln. Denselben Gedanken hat Köpcke gehabt, nur daß er zu „Aut" die Ab- leitungen Auter, Auterei und auten vorschlägt. Der dritte Preis wurde dem Vorschlag „Triebwagen" (Triebfahrer, triebfahren usw.) zugesprochen. Rein lautlich betrachtet, ist nach Ansicht des Berichterstatters gegen die Einführung eines Lehnwortes Aut in die deutsche Sprache nichts einzuwenden, da es zahlreichen vorhandenen Stammwörtern (Braut, Haut, Laut, Maut usw.) entspricht. Wfy bildet der Volksmund solche Abkürzungen in allen Sprachen (Tram für Trambahn oder Tramway, nnder im Englischen für Underground railway, Untergrundbahnen usw. sind ähnliche volkstümliche Kürzungen. Ein Vorzug des Mortes Aut ist, daß sich alle vorkommenden Zusammensetzungen einfach und mundgerecht bilden lassen: Autdroschke, Autkutsche, Antsport — Dampfant, Benzinaut, Luftaut usw. Ob das „Aut" nun Annahme finden und sich' einbürgern wird, das dürfte, meint der genannte Preisrichter wesentlich von den deutschen Spor (kreisen und ihrer Fachpresse abhängen. Bemerkenswert ist, daß beide Schöpfer des Wortes „Aut" Ingenieure sind, deren Fachgebiet mit dem des Baues der neuen Fahrzeuge eng verwandt ist. Geh. Rat Köpcke ist u.