Nr. 239 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Freitag 11. Oktober 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siebener Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fenrsprechanschlußdtr.51. GietzenerAnMgek 'M' General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Avzeiaeo zu der für den folgenden Lag erfcheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokallLPf^ auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wrttko: für den Anzeigenteil: Hans Beck. Vom Berliner Franenkongretz. Ein Teilnehmer an dem letzten Berliner fortschrittlichen Frauenkongreß sendet der „Rh. W. Ztg." folgende ftritiE: Fensterputzer, Milchhändler, Gipsfigurenverkäufer, Skatbrüder, Kegelbrüder, Jmpfgegner und ehemalige Pockenkranke alle müssen sie jetzt ihren Kongreß haben. Was wird auf diesen Kongressen nicht alles geredet und beschlossen, wie viel geharnischte Resolutionen werden — immer einstimmig — angenommen, mit welcher Wichtigkeit werden die Verhandlungen nach allen parlamentarischen Vorschriften geleitet, wie gewissenhaft wird das Protokoll geführt und abgestimmt! Dann gehen sie im Bewußtsein des vollbrachten Werkes nach Hause, und alles bleibt, wie -es war Wissenschaftliche Kongresse haben ihre volle Berechtigung, sie sind eine wertvolle Errungenschaft unseres modernen Lebens, aber auf dem Gebiet der politischen und sozialen Kongresse herrscht entschieden eine ungesunde Ueberproduktion. Es hagelt nur so Beschlüsse, Leitsätze, und Resolutionen auf die Staatsbehörden herab, und die natürliche Folae ist, daß bei dem übergroßen Angebot der Wert dieser Ware ganz erheblich gesunken ift Es finden sich ganz vernünftige Vorschläge darunter, aber sie verpuffen wie Platzpatronen. Durch Kongreßbeschlüsse lockt man keinen Hund hinterm Ofen hervor, und durch Resolutionen hält man den Lauf der Geschichte nicht auf. Das ist oft genug auch das Schicksal von Kongressen gewesen, die von Fürsten und Kaisern einberufen wurden, von Männern also, die über die Macht verfügen, ihren Beschlüssen auch Nachdruck zu geben. Was ist von dem Arbeiterschuykongreß übrig geblieben, den Kaiser Wilhelm im Jahre 1890 einberief, ivas von dem Haager Friedens- und Abrüstungs- kongrcß des Zaren Nikolaus! Was wird hernach von dem Kongreß übrig bleiben, den Frau Minna Eauer einberief, die doch über keine Kosaken und pommerfche Grenadiere verfügt! Nachdem man sie aus dem Reichstag hinausgearault! hatte, haben sich die fortschrittlichen Frauen in der Beuth- straße niederaelassen. Hier haben die Damen unter Obhut; der Polizei, der sie so gerne entronnen wären, nach Her-i zenslust geredet, und scheffelweise Beschlüsse gefaßt, die; allein durch ihren Reichtum an Worten schon ihren Ur-- sprung verraten. Wehe der Welt, wenn sie alles essen, müßte, was in der Beuthstraße gekocht würde! Aber di-, plomatisch ist man zu Werke gegangen, die meisten Rednerinnen hüteten sich wohl, zu radikale Forderungen auf-! zustellen, um es den Spöttern und Harmlosen nicht zu; leicht zu machen, die immer noch der veralteten Ansit^ sind, daß Kindererziehung die vornehmste Aufgabe der Frau ist. Auch, hiervon war freilich die Rede, aber nur ganz schüchtern und nebenbei, als ob es sich um einen Neben- beruf, ein notwendiges Uebel oder eine Beschäftigung in; Mußestunden handelte. In der Resolution nämlich, die in, Anknüpfung an den Vortrag von Fräulein Dr. Helene; Stöcker über die gemeinschaftliche Erziehung der Geschlechter gefaßt wurde, lautet der vierte und letzte Punkt:, „Durch die gründlichere Bildung der Frauen hoffen wir; auch, diese zu ihrem Mütterlichen Beruf tüchtiger zu machen"! Das ist grundfalsch- und eine solche Hoffnung läuft; allen Gesetzen der Erfahrung schnurstracks zuwider. Nicht- die mit Wissen und Kenntnissen vollgestopfte Frau ist die, beste Mutter und Erzieherin ihrer Kinder, sondern die durch Tiefe des Gemütes und Genialität des Herzens ihre, Schwestern überragende Frau. Es gab und giebt biete ■ gelehrte, kluge und hochgebildete Frauen, die über einen höheren Intellekt verfügen als manch>er Mann in einfluß-; reicher Stellung, aber nie hat man davon gehört, daß, diese Frauen geniale Söhne in die Welt gesetzt hätten,; Führer ihres Volkes auf dem Gebiete der Kunst, der Wissen- schäft, der Politik, vielmehr steht fest, daß in den weitaus, überwiegenden Fällen die Mütter hervorragender Männer schlichte Frauen waren, zwar mit kerngesundem Verstand- aber abgewandt allem Ehrgeiz als sogenannte geistreiche, Frauen zu gelten. Daran werden die Beschlüsse der fort-! schrittlichen Frauen nichts ändern, denn ein altes römisches; Sprichwort sagt: Treibe die Natur mit der Heugabel aus,! sie kommt doch wieder; dabei haben diese fortschrittlichen! Frauen gar nicht einmal die Heugabel zur Verfügung, UM> ihre Beschlüsse in die That umzusetzen. Was mit Recht als der vernünftige Kern der Frauen-- bewegung gilt, ist bekannt: alleinstehende Frauen, bie; auf die Ehe aus den oder den Gründen verzichten müssen,, sollen in den Stand gesetzt werden, sich eigenen würdigen Erwerb zu verschaffen und sich wirtschaftlich unabhängig zu machen. Die Berufszweige, die sich hierzu eignen, sind- unzählig, und die meisten haben sich den Frauen geöffnet ohne ihr Gebet. Tausende von Frauen und Mädchen fmben z- B. Beschäftigung und Verdienst auf den Telephon- und, Telegraphenämtern. Ohne daß es einer Resolution oder Petition bedurft hätte, hat sich dieser Berufszweig den Frauen geöffnet, weit ohne weiteres klar war, daß die leichte Hantierung von Frauenhänden bequem wahrgenommen werden kann. Ueberalt wo leichte Hantierung und manuelle Geschicklichkeit in Frage kommen, sind Frauen-, Hände beschäftigt, wobei sich freilich herausstellt, daß für die Zweige des betreffenden Berufs, die schnelles Disponieren erfordern, die Frauenarbeit nicht immer so zu-, verlässig ist- wie die Männerarbeit. Ueberall auch da wird die Frau und das' Mädchen an erster Stelle bev rufen, wo die natürliche Bestimmung des Weibes, wo Kinderwartung,. Erziehung in Schulen, Kranken- und Waisenhäusern in Frage kommen. Hier kann in der That noch sehr viel zu Gunsten der Frauen geschehen, wie der Kongreß mit Recht hervorgehoben hat. Was aber die Frauenbewegung von ihrer gesunden Bahn abgelenkt und sie in ein vollkommen falsches Geteffe gedrängt hat, ist kurz folgendes. Tie Führerinnen der Bewegung, Frauen wie Lina Morgenstern, Minna Eauer, Anita Augspurg und wie sie sonst heißen mögen, stehen in Bezug auf Verstandesentwickelung und Urteilskraft weit über dem Durchschnitt des weiblichen Geschlechts, sie stecken sich; ihre Ziele und erreichen sie, übersehen aber, daß die große Masse der Frauen diesem Fluge niemals zu folgen vermag und glauben, weil sie sich selbst zu „höheren Zielen" berufen fühlen, die gleiche Spannkraft wohne in allen Frauen, sie müsse nur gepflegt und ent-i wickelt werden. Thatsächlich ist das nicht der Fall. Diese Ueberweiber bilden eben nicht das 92ormate, sondern die Ausnahme, sie sind ein Naturspiel, sie müßten eigentlich Hosen anziehen, so gut wie es Männer giebt, die ihrer ganzen Veranlagung nach sich im Unterrock besser ausnehmen würden als in zwiespältiger Tracht- So wenig es aber den Männern einfällt, ihr Thun und Treiben nach dem Geschmack von Gigerln einzurichten, so wenig wird die große Masse der Frauen sich je zu den Grundsätzen der Ueberweiber bekennen. Diese Art von Frauen zeichnen sich oft genug! schon äußerlich durch das Fehlen körperlicher Reize aus^ und sie bekunden damit den Willen der Natur, die ihnen den Stempel mit der Aufschrift aufdrückte: „Diese Exern-, plare sind nicht für die Fortpflanzung bestimmt". Zumeist fühlen sie denn auch für die Ehe weder Beruf noch Nchgung> gehen sie dennoch eine Ehe ein, so werden' sie gewiß alles sehr rationell ansassen, sie werden, wenn sie lebens-, und entwickelungsfähige Kinder bekommen — was durchs aus nicht immer der Fall ist — ihre Kinder nach dem ausgeklügelsten Systeme mit der besten, nach der neuesten Methode sterilisierten Kuhmilch ernähren und sie später wohl an der Hand ihrer eigenen pädagogischen Werte erziehen- aber es wird ihnen an jenem Jmponderabile des Werbes fehlen, an jenem göttlichen Hauch, der von der echten Fran auf h as Kind übergeht und unter dessen wärmenden Strahlen allein Männer mit genialer Kraft herangewachsen such wie Goethe und Bismarck. Von solchen Männern können dieser Straße vermieden werden müsse. In erster Reihe, ja fast ausschließlich habe den Monarchen dabei der Gedanke geleitet, welche Gefahren es doch in sich berge, durch den gerade hier so stark flutenden Menschenverkehr die elektrischen Wagen gehen zu lassen. Zumal an schönen Sommertagen und nun erst ganz besonders an den vom Wetter begünstigten Sonntagen würde die Gefahr doch immer obwalten, Leben und Ge undheit der Passanten zu bedrohen. Er. habe die Empfindung gehabt, daß er, der Kaiser, gleichsam für die an dieser Stelle dann entstehenden Unglücksfälle mit die Verantwortung zu tragen hätte. Die Beseitigung der Schwierigkeit nun erblicke er in der Anbringung von Lifts. Die technischen Schwierigkeiten, die an die Unterführung der Trace sich knüpften, würden schon, daran zweifle er feinen Augenblick, unsere Techniker und Ingenieure in bester Weise zu überwinden wissen. Das Gespräch wandte sich nunmehr, so wird weiter erzählt, dem Märchenbrunnen zu Der Kaiser schickte voraus, daß ihm der Gedanke ganz ausgezeichnet gefallen habe. Was er an dem Entwurf der Abänderung für wert erachte, fei ihm von der Ueberzeugung diktiert, daß man diese Gestalten der Sage und des Märchens den Kindern näher bringen müsse. 'Die Kinder müßten unmittelbar an- diese Märchenerscheinungen herantreten können, dann würden die Gestalten auch unmittelbar zu ihren Herzen sprechen können. Um aber dies zu erreichen, sei seines Erachtens eine Auslösung der Anlage in einzelne Gruppen erforderlich Stadtbaurat Hoffmann nahm hierauf Gelegenheit, darauf hinzuweifen, wie es sich am Friedrichshain um ein großes Gelände handle. Dieses sollte architektonisch aus- geschmückt werden, und dazu habe es feiner Meinung nach einer groß gehaltenen Anlage bedurft. Der Kaiser räumte ein, daß eine ausgedehnte architektonische Schöpfung hier wohl am Platze sei, gab aber zugleich seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß sich dennoch eine reichere Gliederung der Gruppenanlage in einzelne in sich geschlossene Gruppen ermöglichen lassen werde. Es kam nunmehr das Projekt der Lindenumgestaltung zur Sprache. Der Ausschuß sollte die Linden- Allee in ihrer historischen Form und Gestalt erhalten. Ter Kaiser aber hatte sich für ein Projekt entschieden, das zwar die Straßenanlage in dem gleichen Rahmen läßt, aber die beiden Trottoirs mit Bäumen ebenfalls besetzt. Auf diesen von ihm genehmigten Entwurf kam der Kaiser zurück. Er suchte die Bedenken zu zerstreuen, die sich gegen diese Baumanpflanzungen geltend gemacht hatten. In erster Reihe waren es die Ladeninhaber, die für die Wirkung ihrer Schaufenster fürchteten, wenn sie von den Bäumen vielleicht verdeckt würden. Demgegenüber betonte der Monarch- daß die Geschäftsinhaber vielleicht froh gewesen wären, wenn die Bäume schon in diesem Sommer ihre Schatten gespendet hätten. Denn es förnte darüber kein Zweifel bestehen, daß der Verkehr auf einer im Schatten liegenden Straße zur Sommerszeit viel angenehmer sich gestalte und deshalb auch wohl zahlreicher sei. Zum Schluß meinte der Kaiser, daß er bezüglich; der Durchführung seines Lindenprojekts „es ja abwarten könne". Nach der Tafel, zu der, wie mitgeteilt, die beiden Herren hinzugezogen waren, hatte sich der Kaiser zurückgezogen. Als dann aber Oberbürgermeister Kirschner und Stadtbaurat Hoffmann sich zur Abfahrt nach Berlin rüsteten, empfing der Kaiser sie noch einmal und verabschiedete die Herren in derselben gnädigen Weise, wie er den ganzen Empfang ausgezeichnet hatte. Von magistratsoffiziöser Seite wird diese letztere Version bestätigt und versichert, daß nur die drei darin erwähnten Themata zur Sprache gekommen seien. Demnach also wäre die Kauffmann-Angelegenheit nicht behandelt worden. Borläuftg aber wird man doch die nächste öffentliche Sitzung der Berliner Stadtverordneten abzuwarten haben. Kirschner und Koffmaon veim Kaiser. Ter Oberbürgermeister von Berlin ist vom Kaiser in Hubertussyock empfangen worden. Kirschner hatte nicht ein wiederholtes Gesuch um eine Audienz eingereicht. Ter Herrscher selbst trug das Verlangen, sich mit dem Oberhaupt der Residenzstadt ins Einvernehmen zu setzeu Daß es sich dabei um die Baupläne der Stadtverwaltung handelt, er- giebt der Umstand, daß zugleich mit dem Oberbürgermeister auch der Stadtbaurat Hoffmann durch Herrn v. Lucanus zum Kaiser beschieden war. Sie wurden, wie wir gestern bereit» meldeten, in Hubertusstock sehr freundlich auf genommen und zur Tafel gezogen. Ueblw den Inhalt und das Ergebnis der Unterhaltungen wird der Oberbürgermeister voraussichtlich den städtischen Behörden Mittellung urachen. Es wurde gestern bereits Versichert, der Kaiser habe sich über die Märchenbrunnen, die Straßenbahn, die Brücke im Zuge der Manteuffelstraße ausgesprochen, und auch dem Oberbürgermeister Gelegenheit gegeben, sich über die Wiederwahl des Stadtrats Kauffmann zum Bürgermeister zu äußern. Was daran wahr ist, weih man noch nicht. Mer die Möglichkeit ist nicht zu bestreiten, daß Kirschner warm und beredt für die Bestätigung Kauffmanns eingetreten wäre, und es rst ebenso wenig die Möglichkett ausgeschlossen, daß die Fürsprache des Oberbürgermeisters auf das Vertrauen, daß er in der Bürgerschaft geniest, Eindimck auf den Träger der Krone machte. Es könnte sein, daß der Kaiser dann auf die militärische Vergangenheit Kauffmanns hinwies. Er habe sich die Prozeßakten kommen lassen und daraus ersehen, daß das Ehrengericht schlichten Abschied beantragt hatte. Er glaube sich der Sache selbst dunkel zu erinnern, da er dazumal, wenn er nicht irre, Kommandeur des ersten Garderegiments gewesen sei, zu dessen Reserveoffizieren Kauffmann gehörte. Es sei ausgesagt lvorden, daß Kauffmann sehr radikale Reden gehalten habe, daß unter seinem Vorsitz auch eine Flugschrift „Schwarz-Rot-Gold", die ihm ganz und gar nicht gefalle, verkauft worden sei; sie befinde sich bei ben Militärakten. Das seien doch bedenkliche AntezÄrentien eines Bürgermeisters der Reichshauptstadt. Vielleicht bat der Ober bürgermeister in aller Chrerbiet- ttng um die Erlaubnis, bemerken zu bürfen, daß Kauffmann dazumal zwanzig Jahre jünger war, eben erst Rechtsanwalt geworden, daß er eben erst ins politische Leben ein« trat, als sich feine Angriffe hauptsächlich gegen Stöcker richteten, daß die Berichte über seine Reden auf unzuverlässigen Aufzeichnungen untergeordneter Polizeibeamter beruhten, daß Kauffmann die Flugschriften des Vereins, dessen Vorsitzender er wurde, ohne längere Zeit sein Mitglied gewesen zu sein, schwerlich gelesen hatte, und daß überdies Kaiser Wilhelm I. das Urteil des Ehrengerichts als unbillig kassiert hat. „Kauffmann ist als würdig be- fttnden worden, Stadtrat zu sein; er würde auch ein würdiger Bürgermeister von Berlin sein, wenn Ew. Majestät geruhen Wollten, die Bestätigung auszusprechen." Daß sich eine solche Szene in Hubertusstsock abgespielt hat, wird nur vermutet, und behauptet, daß der Kaiser erwidert hätte: „Ich werde mir die Wahlakten kommen lassen und die Sache noch einmal prüfen." Dann wäre also diese Angelegenheit in der Schwebe und bliebe es so lange, bis die Krone nach der einen oder der anderen Seite chre Entschließung getroffen und sie amtlich zur Kenntnis der städtischen Behörden gebracht hat. Inzwischen hat die Mehrzahl der Berliner Stadtverordneten die Angelegenheit des Stadtrats Kaufftnann in den Fraktionssitzungen erörtert. In den beiden Fraktionen der Linken war man übereinstimmend der Ansicht, daß der Oberpräsident sich in einem Rechtsirrtum befunden habe, als er dem Magistrat mittellte, er sei nicht in der Lage, die zweite Wahl Kauffmanns nochmals zur Bestätigung vorzulegen. Sowohl die alte, wie die neue Fraktion der Linken stehen auf dem rechtlichen Standpunkte, daß allein der Krone das Recht der Entscheidung zustehe. Tie Majorität der neuen Fraktion der Linken war der Meinung, daß zur Wahrung der prinzipiellen Rechte der Beschwerdeweg zu ergreifen sei, obgleich man sich darüber klar war, daß an der Sache selbst dadurch nichts geändert würde. Tie alte Fraktion nahm eine abwartende Stellung ein; sie erkennt die Wahl Kauffmanns als zu Recht bestehend an und ist einstimmig der Ansicht, daß, bevor zu einer neuen Wahl geschritten werden könne, erst das Votum des Königs ergangen sein müsse. Tis dahin sei man überhaupt nicht berechtigt, irgend welche Schritte zu thun. Daß die Regierung berechtigt ish, die Stelle des zweiten Bürgermeisters einstweilen auf Kosten der Stadt kommissarisch verwalten zu lassen, wurde von keiner Seite bestritten. Nach langen und! eingehenden Erörterungen wurde in beiden Fraktionen der Linken beschlossen, im Plenum für die Konstituierung eines Ausschusses zu stemmen; dieser soll sich nochmals mit der ganzen Angelegenheit befassen und namentlich die rechtliche Sette der Bestätigungsfrage eingehend prüfen, da in den Mitteilungen des Magistrats keine Gründe angegeben waren. Tie sozialdemokratische Fraktion nahm zu der Angelegenheit noch keine Stellung, während die Fraktion der Rechten von einer ofsiziellen Sitzung Abstand nahm, da wichtige Angelegenheiten nicht zur Beratung ständen. Von anderer Sette wird behauptet, bei der Audienz sei die Angelegenheit Kauffmann gar nicht zur Sprache gekommen. Ju der Hauptsache drehte sich die Unterredung um drei Punkte: die Lindenüberführung, den Märchenbrunnen und das Projekt der Lindenumgestaltung. Bezüglich der Lindenüberführung äußerte der Kaiser sich dahin, daß er erst nach langer und reiflicher Ueberlegung zu der Ueberzeugung und damit zu dem Entschluß ge- . kommen sei, daß im Niveau der Linden eine Durchkreuzung < sdt. Darmstadt, 9. Okt. Der seit Mai wegen Verdachts seid X ' Politische Tagesschau. In der bayerischen Abgeordnetenkammer hat diese Unredlichkeiten nicht lange getrieben, sie stellten sich in der Beweisaufnahme als sogen. Schiebungen dar. Er hat nämlich mit eingezahlten Postanweisungsbeträgen früher unterschlagene nach einigen Tagen gedeckt und, wenn auch verspätet, zur Absendung gebracht. Es war einmal mehr Geld in der Kasse, als Heberer bei Ablieferung derselben haben konnte. Der Vorsteher meldete dies der Oberpostdirektion, nachdem er Unregelmäßigkeiten festgestellt hatte, und bei der Revision der Eintragungen kam man hinter die Unredlichkeiten des Beamten. Dieser erklärte gestern vor Gericht, er die vorgesetzte Behörde sei dahinter gekommen und er habe dieser eine Aufstellung seiner Schulden einreichen müssen, ungen, unter denen diese Notwendigkeit allein zur Möglichkeit werden kann. Aber in allen diesen Schwierigkeiten bleibt uns ein Trost. Je mehr anfechtbare Bestrebungen sich in dem einen Werke zusammenhäufen, destp mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, daß das ganzeWerk scheitert. Der Minderheit wird man das Recht nicht verkümmern können, jeden einzelnen Vorschlag einer sachgemäßen Prüfung zu unterziehen, und ohne daß man zu dem Mittel einer gewaltthätigen Obstruktion greift, wird diese sachgemäße Prüfung um so mehr Zeit erfordern, je mehr neuen Stoff man ihr zusührt. Wir glauben, daß man im Reichsschatzamt sich der Einsicht nicht verschließt, daß die bayerischen Vorschläge geeignet sind, den Abschluß der gesamten Tarifrevifion auf das äußerste zu erschweren." leidiger die Geschworenenbank gebildet. Es wurde zuerst gegen den in Darmstadt geborenen, 23 Jahre alten Postassistenten Friedrich Wilhelm Heberer, zuletzt beim Postanlt Homberg a. d.O., wegen Verbrechens im Amt verhandelt. Die Anklage vertrat Assessor Dr. Hetzel. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Raab. Der Angeklagte ist geständig, daß er zu Homberg in mehreren Fällen ca. 500 Mk. Postanweisungsbeträge unterschlagen und, um das zu verdecken, die Register, die zur Kontrolle dienten, unrichtig geführt d. h. die vorgeschriebenen Eintragungen der eingezahlten Beträge unterlassen, sowie unrichtige Abschlüsse aufgestellt und vorgelegt und die bezüglichen Posteinzahlungskarten unterdrückt hat. Heberer gesteht weiter zu, daß er am 30. Juli einen Brief eröffnet und unterdrückt hat. Der Angeklagte sei in guten Verhältnissen groß geworden und habe später einmal über ein Vermögen von 12 000 Mk. zu verfügen. Ehe er nach Homberg kam, sei er bei dem Postamt Gießen thätig gewesen. Er habe Schulden gehabt, Fabrikant Haubach verkündet, fiel den diesen Anträgen entsprechend aus. Der Angeklagte wird zu 9 Monaten Aus Stadt und Kaiid. Nachrichten von allgemeinem Interesse finD uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, den 10. Oktober. *• Reiseersparniffe. Uns geht, auf kleinem Umwege, folgende dankenswerte Zuschrift zu: Im Anschluß an die in Nr. 235 Ihres Blattes aufgeführten Sonntagskarten der Eisenbahnen und der damit verbundenen Hinweise auf mögliche Ersparnisse von Fahrgeld möchte ich ebenfalls auf eine solche Hinweisen. Sonntags- und auch Rückfahrkarten von Gießen nach Braunfels sind nämlich auch zur Fahrt nach und von Ehringshausen a. d. Dill gültig. Auf den Sonntagskarten von Wetzlar nach Braunfels ist das vermerkt. Die Stationsbeamten von Ehringshausen lasien deshalb jeden Besitzer einer Fahrkarte nach Braunfels auch die Station Ehringshausen ungehindert passiren. Dies scheint in Gießen nicht bekannt zu sein. Die Ersparnis liegt nun darin, daß Jemand, der z. B. Braunfels, die Dianaburg und event. Watdhof Elgershausen und Greifenstein in einem Tage besuchen will — was von Gießen aus sehr häufig geschieht — nur eine Sonntags- oder Rückfahrkarte nach Braunfels zu lösen hat. Hierauf kann er dann nach Belieben beide Eisenbahnstrecken einmal bis und von Braunfels und Ehrings- Schwurgericht. m. Gießen, 10. Oktober. Gestern wurde zuerst für beide anstehende Verhandlungen im Einverständnis mit beiden Angeklagten und deren Ver- wurde D ßabr1 dieses? berg beff fertig au Aaureriu verpacht Laube em mit M schäft^ . er einen ouf fein« Sommer hatte er und feil Arbeit i der Lau zuholen, nach Ha Mtwe nach dr Mann beide H zusamn bis auf mit eir wuchtig quollen tag 1 ' nichts: den, e b und die zu trag gmn al ergaben Thatm ging er eine 2 vernon Mämc der Tl gehakte Festges nicht g Ta da- keinen i Spiirlj * T xm W Inland langen aus di und ft land betres er os gedeik natur doch Korl nehm Korps Anstr an Fü fallen Klöste nicht den § schenk dem j klang und ' auf h englij Bizep Leugn leuter inglr denn Teuts Lehre es ir Veite: nen der : Senio zumal säst ni W in r« oerschwrw .Hanau sich sch^ ^Dasselbe trifft natürlich für die Straßenlokomotrven au. Es waren — beim 17. Armeekorps — zwei Fowlersche oom Malta-Muster von je 6 Tonnen Dienstgewicht (Gewicht einschließlich! Wasser und Heizstoff) in Gebrauch genommen, die " drei beladene gewöhnliche Wagen schwerer Art zogen. Aus den Straßen ging das trotz gelegentlicher Schlamm- entwickelung und Lachenbildung alcttt von statten, und auch kürzere Strecken über freies Feld wurden im allgemeinen crut überwunden. Dagegen entstanden einige Schwierigkeiten, wenn es' galt, die Wagen mit dem Biwaksbedarf auf die zum Teil aufgeweichten Biwaksplätze zu schaffen. Hier halfen sich die Straßenlokomotiven in der Weise, daß sie allein aus den Platz, fuhren und die Wagen mittelst des Drahtseiles einzeln an sich zogen. Bei der Sicherheit und Leistungsfähigkeit dieses in England zu hoher Vollkommenheit .gelangten Zugmittels wird das militärische Tranportwesen voraussichtlich noch manchen Vorteil aus ihm ziehen. Weniger | erfolgreich zeigte sich! der Soottesche „Trakteur", der gleich-1 falls im Kaisermanöver einer Probe unterzogen wurde. Im Französischen Heere, in das er bekanntlich, eingesuhrt ist, scheint man mit ihm zufrieden zu sein. Die Mängel dürften aber nicht in der gerade hier zum Versuch gelangten Maschine, sondern in der allgemeinen Konstruktion zu suchen sein. _ . „ Jedenfalls bedeuten die letzten Karsermanover eine neue 'Etappe auf dem Wege, der zu einer fruchtbringenden Nutzung des Automobilismus für unser Herr führen soll. Dazu schreibt die „Voss .Ztg.": „Tie Erhöhung des Hopfenzolls ,ganz für sich ve-I trachtet, gäbe Stoff zur Diskussion für Wochen, und die Erhöhung des Tabakzolls, ganz für sich betrachtet, sogar auf Monate. Und nun sollen Diese beiden Maßregeln gleichzeitig Vvrgenommen werden, und es soll von ihnen so wenig wie möglich gesprochen werden, weil sie beide untertauchen in einer viel umfassenderen Maßregel, in der gründlichen Umgestaltung des gesamten Zolltarifs. Sßir | geben uns keiner Täuschung über die Gefahren der Lage hin .Die agrarisch-fchutzzöllnerischen Bestrebungen des Tarifentwurfes finden bei den Mitgliedern des B u n d e s- rats keinen Widerstand, sondern diese sind geneigt, diese Bestrebungen noch zu verschärfen. Und bei der ÄAchrheft des Reichstags wird es, kaum anders sein. Hausen befahren. x Großen-Linden, 9. Okt. Gestern fand hier die Bürgermeister wähl statt. Einziger Kandidat war der seitherige Bürgermeister Leun, der mit 245 Stimmen ein» stimmig wiedergewählt wurde. Am Abend brachten sämtliche Vereine dem Neugewählten mit Musik und Fahnen einen stattlichen Fackelzug, der die Hauptstraßen unseres Ortes durchzog. Am Ziele fangen die beiden Gesangvereine und Lehrer Bach hielt eine Ansprache, in der er heroorhob, daß heute Alle für Einen waren, weil auch der Eine schon 18 Jahre lang erfolgreich seine Kraft für Alle eingesetzt habe. Bürgermeister Leun dankte in längerer Rede und sein „Hoch" galt unserem Landesfürsten. Die Vereine zogen in ihre Lokale und feierten in schöner Geselligkeit den Wahltag, der dem Gewählten wie den Wählern zu gleicher Ehre gereicht. — Altenbuseck, 9. Okt. Der Pächter der Jagd in der hiesigen Gemarkung erklärt uns unter Bezug auf das „Eingesandt" in Nr. 236 mündlich und schriftlich, daß auf seiner Gemarkung niemals Singvögel geschossen worden seien. 4- Herbstein, 9. Oktober. Hier fand int „Deutschen Haus" (Gustav Ganß) die ordentliche General-Versammlung der Spar- und Leihkasse statt. Der Direktor, Oberamtsrichter Weiffenbach, eröffnete die Versammlung. Rechenschaftsbericht und Rechnungslegung fanden keinen Widerspruch. Eine besttmmte Summe wurde zu gemeinnützigen Zwecken bewilligt. Eine kleine Debatte entspann sich bei den Gehalten des Rechners und des Kontrolleurs. In Aner- Zwecke habe der Bruder ihm 500 Mk. übergeben. Von Innung der Tüchtigkeit des Rechners Waitz wurde dessen dieser Summe seien aber zirka 70 Mk. nicht zur Schulden- Gehalt von 2400 Mk. auf 2800 Mk. jährlich einstimmig er» tilgung verwendet. Er hat auch seiner Behörde nicht alle un^ der Gehalt des Kontrolleurs von 700 auf 800 Mk. Gläubiger angegeben, und diese drängten nun auf Bestie- Feier seines 25jährigen Dienst-Jubiläums als Spar- digung, als er in Homberg war. So sei er, weil er in der | kasstnrechner spendete Herr Waitz sämtlichen Aktionären Furcht lebte, die Gläubiger würden sich, wenn sie keine Hektoliter Bier. Nach dem Rechnungsabschluß pro 1900 Zahlung erhalten, an seine vorgesetzte Behörde wenden, zu l^^tzt die Kasse ein reines Vermögen von 89 856 Mk. 70 Pfg. den Unterschlagungen gekommen. Heberer gesteht zu, daß er I Beteiligt sind 140 Aktionäre. mit seinen 1200 Mk. Jahresgehalt in Homberg a. d. O. als e Bad-Nauheim, 9. Ott. Der feit 18 Jahren hier im lediger Mensch nicht nur gut hätte auskommen können, son- Dienst besinliche Bürgermeister Jean Wörner wurde heute dern bei bescheidenen Ansprüchen noch hätte sparen können. I Q^g j0(^cr auf weitere 9 Jahre mit großer Majorität ge- Er habe, ehe er nach Homberg gekommen, leichtsinnig gelebt @in Gegenkandidat war nicht aufgestellt Nach der und auch einmal Beträge, die über feine Verhältnisse ge->Wahl brachte man vierspännig mächtige Tannenbäume Hergängen, verjubelt. , bei und pflanzte sie dem Bürgermeister vor das Haus. Auch Die Beweisaufnahme gestaltete sich sehr einfach. andere Weise zeigten die Anhänger des Bürgermeisters wurden den Geschworenen drei Fragen vorgelegt und zwar| ^ce F^ude über die Wiederwahl. 1. wegen Verbrechens im Amt, 2. ob mildernde Umstände g^. Darmstadt, 9. Okt. Der seit Mai wegen Verdachts vorliegen, 3. ob der Angeklagte einen Brief widerrechtlich ge-1 Diebstahls und wiederholter Brandstiftung in Unteröffnet und unterdrückt hat. Assessor Dr. Hetzel plaidiert aufi^^^^aft befindliche Gärtnereibesitzer Bös en berg aus Bejahung aller »drei Fragen. Die Thal des jungen An-1 Idenheim a. d. B. hat nunmehr nach erdrückendem Beweisgeklagten fei nicht geeignet, ihn mit Zuchthaus zu beftrafen; materia[ die Strafthaten vollständig einverstanden und dürste er habe zwar leichtsinnig gehandelt, sei aber schon hart be-I^x dem nächsten Schwurgericht zur Aburteilung erscheinen, ftraft, indem er sich feine Stellung verscherzt hat. Deshalb Herborn, 9. Okt. Am Sonntag veranstaltete der Her- I bitte er mildernde Umstände zuzubilligen. barner Altertums - Verein eine Aus stellung zum Rechtsanwalt Raab schloß sich der Ansicht des Staats-! 659jährigen Jubiläum der Stadt. Das Rathaus füllte eine I anwalts an. Nur daß man seinem Klienten die Briefunter-i Etliche Menge von Besuchern. Ein Flor junger Damen, schlagung und Oeffnung als besondere Strasthat anrechne, anmuttg als Ritterfräulein und „Hessenkäthchen" gekleidet, gehe nicht an, denn diese That beruhe auf demselben ver- ^chte die Honneurs. Neben prähistorischen Funden seltenster brecherischen Entschluß, mit denen das Verbrechen im Amt dem Skelett einer Pfahlhausbewohnerin, die vor 4000 überhaupt begangen sei. Die Briefunterschlagung habe der I Fahren etwa, zur Zeit des ältesten Egyptenreiches, 1000 Jahre Angeklagte nur begangen, um nicht entdeckt zu werden. I (ieDor ersten Teile Europas der Schauplatz der Geschichte' Nach der Rechtsbelehrung und kurzer Beratung verkündet I routben, am Fuße des Hombergs gehaust haben mag, neben I der Obmann Kommerzienrat Gail den Spruch der Geschwo-1 Waffen, Gebrauchs- oder Schmuckstücken der Stein- und der renen, der auf schuldig lautet, jedoch unter Verneinung derl^^'^en sich Fundstücke aus Kelten- und Germanen- I Frage wegen widerrechtlicher Oeffnung nnd Unterdrückung I qrßbem ältesten Datums, großenteils aus dem Boden unseres Ides Briefes. Assessor Dr. Hetzel hält eine GefängsnisstraseIengeren Heimatskreises stammend, finden sich Reste aus der Ivon 10 Monaten für ausreichend und bittet, 1 Monat berl sj^ömerjeit, aus den meisten Jahrhunderten des christlichen verbüßten Untersuchungshaft in Anrechnung zu bringen. Der Msttelalters. Und die Zahl der Gegenstände wächst noch, Verteidiger ist der Ansicht, daß die Minimalstrafe von 6 Mo- Le „äher wir unserer Zeit kommen und nimmt allmählich I naten genüge und bittet, 2 Monate der Untersuchungshaft I c^nen immer bunteren, mannigfaltigeren, auch dem Laien 4aufzurechnen. Es ergeht Urteil auf 8 Monate Gefäng-Iverständlicher werdenden Eharakter an, bis wir freudig über» nis, auf welche als verbüßt 1 Monat der Untersuchungshaft un§ wieder in unserer Zeit und in unserer Umgebung I abzurechnen seien. _______ I daheim befinden. Der Vorstand des Vereins, I. H. Hoff- Hierauf wird in die Verhandlung gegen den 25 Jahre mann, ist der eigentliche Baier d-z Unternehmens alten weaen Diebstahls vorbestraften Schreinergescllen Her. » Kleine Mitteüungen aus Heff-N und den Nachbarst-Lten. m°7n Stahl aus Halle °. S. wegen Verl'uchs der Notzucht Der geschätzte und vielbegehrt- aber wegen nnes erll. eingetretcn. Di- Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß, du schiedenen, aller Schönthucre, -b^^n und °st M ba^ch Verteidigung wird von Rechtsanwalt Dr. Spohr geführt. Wesens auch gefürchtete Arzt Dr. K-.- w Fulda wurde °r°n - -rw eoene ^nhrfnruch der Geschworenen durch deren Obmann kalt Dr. K. und empfahl sich alsvaw roieoer. ju »SSTm d-n^ diesen Anträgen Griesheim wurden 5 '°-w-b-w°kraüsch° Kandidaen und 2 Gegner gewählt, wahrend m Micyelstaol unter b y>e< Zwar wird die Redewendung wiederholt, daß man an Gefängnis verurteilt, und die Höhe der Strafe Mrrer her Notwendigkeit, Handelsverträge abzuschließen, fest- motiviert, daß der Angeklagte mit feiner That die Sicherheit halte, aber man macht sich blind gegen die Voraussetz- frer Wege gefährdete. Ist, wie wir bereits in unserer Nr. 237 mitteilten, regierungsseitig versprochen worden, daß Bayern für eine Erhöhung das Tabake und HopsenzolleS eintreten werde. Begreiflicherweise hat die Verwendung des mechanischen Zuges im eben beendeten Kaisermanöver die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen: es wäre von bet' »größten Tragweite, wenn sich die Hoffnungen, die für; ►einen zukünftigen Krieg auf ihn gesetzt werden, verwirklichen sollten. Tie guten Aussichten hierauf sind nun durch! Liesen neuesten, dem Ernstfälle sich nähernden Versuche auieberum gestärkt/worden, und diese ,Thatsache ist fein Hauptergebnis. Ganz und gar neue Erfahrungen dürften dagegen, sofern wir den allgemeinen Stand der Selbstfahrer- iftage zu Grunde legen, kaum gesammelt sein. ' Es waren in Dienst gestellt: Selbstfahrer für Personen- Leförderung, selbstfahrende Lastwagen und Straßenloöomo- ftiven. An Selbstfahrern für Personenbeförderung wurden im Ganzen zehn Stück verschiedenartigster Konstruktion und verschiedenartigsten Aussehens verwandt, wovon sieben militärisches Eigentum und drei von einer Elsässisch--Franzöfi- schQi Firma probeweise geliefert waren. Von letzteren hatte ^in Fahrzeug bereits die Wettfahrt Paris—Berlin mit- aemacht. Die Geschwindigkeit der zehn Automobilwagen schwankte zwischen 40 und 65 Kilometer in der Stunde. -Einer von ihnen zeichnete sich, durch seine elegante Ausstattung aus: er war für den persönlichen Gebrauch- des »Kaisers beftimmt. -Diese Selbstfahrer, die sämtlich mit Benzinmotoren vergehen und für die Beförderung von drei bis sechs Personen Eingerichtet waren, fuhren flink zwischen den vordersten Truppen und den EisenbahnendMnkten, sowie zwischen «einzelnen Stäben zur Befehls- und Nachrichtenübermittelung hin und her. Von ihrer Geschwindigkeit und ihrer „guten wir aber nicht genug haben. Dieser göttliche Hauche wird aber sicher nicht auf Der Schulbank erworben, auch nicht auf der Schulbank allerneuester Konstruktion eines Mädchen- gymnasiums mit dem denkbar vernünftigsten Lehrplan, fauch nicht im Hörsaal der Universitäten; wir wissen nicht, woher er kommt, er muß wohl höheren Ursprungs sein. Mögen diese Frauen also, die Führerinnen und die, die stark genug sind, ihnen zu folgen, ihre Wege gehen, mögen sie akademische Grade erwerben und, wenn sie durchaus tttollen, auch politische Rechte und hohe Staatsämter, mögen es recht viele werden, aber das deutsche Volk bleibe bewahrt vor Männern, die diese Frauen ihre Mütter nennen, es ginge sonst seiner Entartung entgegen. Leidstsahm uud Slraßenlolwuwtiveu im Saiftrnmuiietr. -Lunge" machten sie auf den durchweg gut gehaltenen Straßen des Manövergeländes trotz recht ungünstigen Wetters einen ergiebigen Gebrauch. Gerade der Umstand, daß sie während derselben Zeit, während welcher ein mit Pferden bespannter Wagen eine bestimmte Strecke knapp 'einmal hin und zurück zu fahren im stände gewesen wäre, Mehrere 'Male hin und her fuhren, macht diese Selbst- ffahrer für militärische Zwecke wertvoll. Bon den versuchten Mustern haben sich verschiedene als durchaus! kriegsbrauchbar ! erwiesen. Das Beste auszusuchen, und dann ein anerkanntes Muster für Heereszwecke zu schaffen, kann nicht schwer fallen., , ■■ ~ • . - . , , - v tor beii Kriegsfall wird übrigens auf Jahre hinaus noch worauf man ihn nach Homberg versetzte, als er nachweifen feine bunte Musterkarte an Selbstfahrern zu erwarten sein, konnte, daß er die Schulden habe tilgen können. Zu diesem denn es wird fürs erste kaum angehen, den ganzen oder ~ " L m auch- nur den größten Teil des Kriegsbedarfs in Friedensdepots bereit zu halten. Das wäre schon nut Rücksicht auf ine wetter zu erwartenden Verbesserungen kaum rätlich.^ Man wird sich im Kriegsfälle mit raschen Ankäufen bezw. mit Beitreibung zu helfen haben. An Lastselbstfahrern, das sind Fahrzeuge, bie den zur Fortschaffung der Last bestimmten Wagen und den Motor miteinanoer bereinigt haben, waren — beim 1. Arme^ loritoi — zwei Thornyeroftsche Dampfrollwagen in Gebrauch, aenommen, die den Truppen den Verpflegungsbedarf aus den Magazinen nachführten, trotzdem sie mit mancherlei Schwierigkeiten — Ungunst der Witterung, schlechten Wegestellen re. zu kämpfen hatten. Im übrigen kann es aber .keinem Zweifel unterliegen, daß die Lastselbstfahrer noch weiterer Verbesserungen bedürfen, bevor sie als em brauchbares Kriegsfahrzeug angesehen werden können. Bemerkenswert ist, daß/ die erprobten Muster sämtlich Dampfheizung wählten zum erstenmal ein Sozialdemokrat m das Gemeindekollegium eintritt. — Das Konkursverfahren über das Vermögen des Sparkassenrendanten Adam Weitzel zu Schlüchtern ist eingestellt worden, weil eine den Kosten des Verfahrens entsprechende Kankursmasse nicht vorhanden ist. — Die erst seit voriger Woche begonnene Theatersaison in Aschaffenburg hat eine unerwartete Störung erfahren, indem Theaterdirektor Julius Grosse (früher in Darmstadt) verschwunden ist. Er hat Briefe hinterlassen, daß er nach Hanau reise, um sich dort das Leben zu nehmen. Er soll sich schon längere Zeit mit Selbstmordgedanken getragen haben. Vermischtes. * Berlin, 9. Okt. Auf einem Felde in Schöneberg wurde Mittwoch morgen der 39 Jahre alte Arbeiter Eduard Gabriel ermordet und beraubt aufgefunden. Ueber dieses neue Kapitalverbrechen werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Auf der Grenze von Wilmersdorf und Schöneberg befinden sich mehrere neue Straßenzüge, die noch! nicht fertig angelegt sind. Ein Teil des Geländes gehört dem Maurermeister Sore, der viele Parzellen an kleine Leute verpachtet hat. Letztere haben sich! dort Gärtchen mit einer Laube angelegt. Zu den Pächtern gehörte auch Gabriel, der mit seiner Frau in kinderloser Ehe lebte und bei Sore be schäftigt war. Ta ihm sein Pachtland zu groß war, so gab er einen Teil an einen Gärtner Nicolaus ab. Gabriel, der auf seinem Lande Gemüse baute und Gänse hielt, war im Sommer auch des Nachts meistens in seiner Laube, daher hatte er dort auch jetzt noch einen Teil seines Hausrats! und seiner Kleidungsstücke. Als er Dienstag morgen zur Arbeit ging, teilte er seiner Frau mit, daß er abends nach der Laube gehen wolle, um eine wollene Unterjacke herauszuholen. Bis Feierabend arbeitete er auf einem Neubau, nach Hause aber kehrte er nicht wieder zurück. Als er auch Mittwoch morgen rwch nicht wieder da war, ging seine Frau nach der Laube. Nach, längerem Suchen fand sie hier ihren Mann als Leiche auf dem Felde liegen. Der , Tote hatte beide Hände über den Kopf emporgestreckt und hielt sie oben zusammen. Die «Kehle war ihm mit einem scharfen Messer bis auf die Wirbelsäule durchschnitten. Ein Schlag mit einem stumpfen Gegenstand hatte das linke Auge so wuchtig getroffen, daß es aus der Höhle stark hervorge- guollcn war. Bei seinem Weggange hatte Gabriel am ^Dienstag 1 Mark mitgenommen. Davon fand sich bei der Leiche nichts mehr vor. Auch! das Portemonnaie ist geraubt wor- d-en, ebenso die silberne Schlüsseluhr mit der Nickelkette und die Wohnungsschlüssel, die der Ermordete in der Tasche zu tragen pflegte. 'Tie Schöneberger Kriminalpolizei begann alsbald mit den umfassendsten Nachforschungen. Sie ergaben bisher nur, daß Gabriel Dienstag abend in der That auf dem Laubengelände gewesen ist. Um halb acht Uhr ging er von den: früheren Restaurateur Fung, der ebenfalls eine Laube besitzt, dort weg. Jung, der sofort eingehend vernommen wurde, kann nichts näheres bekunden. Zwei Männer, die sich in jener Gegend Herumtrieben, wurden als der That verdächtig vorläufig eingezvgen und werden festgehalten, bis sie einen Alibibeweis geführt haben werden. Festgestellt ist durch die Ortsbesichttigung, daß der Mord nicht an der Stelle des Leichenfundes ausgeführt wurde. Da das Absuchen des Geländes nach« der Mordstelle bisher keinen Erfolg hatte, so wird die Kriminalpolizei nunmehr Spürhunde zu Hilfe nehmen. * Die neueste Entdeckung. Ein Deutscher, der im Auslände lebt, muß natürlich' erwarten, daß das Vaterland nicht stets gleich bleibt, sondern daß sich Wandlungen in ihm vollziehen. Um sich über diese Wandlungen auf dem Laufenden zu erhalten, hält er deutsche Zeitungen und studiert ferner mit besonderem Interesse die von Deutsch-- land handelnden Artikel englischer Zeitungen — falls der betreffende Deutsche sich in England aufhält. Da kann er oft Volt Stolz lesen, wie der deutsche Michel prächtig gedeiht, und das erfreut das Herz des Deutschen im Auslande natürlich. Aber über eine Nachricht aus 'Deutschland hat er doch den Kopf schütteln müssen/ daß nämlich! deutsche Korpsstudenten jetzt Nlonnen in ihre Reihen aufnehmen. Es hieß ja allerdings immer schon, daß manche Korps Schwierigkeiten hätten, wegen der höher werdenden Ansprüche in finanzieller Hinsicht den genügenden Nachwuchs an Füchsen zu „keilen", — aber gerade auf Nonnen zu verfallen!? Gewiß ist die finanzieUe Fundierung mancher Klöster ganz kerngesund, aber weshalb verfiel man denn nicht auf Mönche, die doch infolge ihrer Erfahrungen in den Klosterzellen, wenn man Grützners Bildern Glaubten schenken darf — weniger Mühe haben dürften, sich mit dem Komment vertraut zu machen. Kurzum, die Nachricht klang sehr unwahrscheinlich, und daher das Kopfschütteln und daher wurde sie noch einmal gelesen. Aber schwarz auf weiß war in der „Times" und in den meisten anderen englischen Zeitungen ein Brief von Mr. Tod-Mereer, einem Vizepräsidenten des englischen Flotten - Vereins (Navy League), zu lesen, in dem derselbe seinen englischen Landsleuten das Gedeihen des deutschen Flottenvereins in glühendsten Farben schilderte. Das freute den Deutschen; Venn ursprünglich war die Navy League das Vorbild des Deutschen Floltenvereins gewesen, der Schüler wäre dem Lehrer also über die Schultern gewachsen. Tann aber heißt es in dem Briefe: „Derartig sind unsere teutonischen Vettern vom Flottenfieber gepackt, daß selbst einige Nonnen in corpore dem Flottenverein beigetreten sind, nämlich der Weinheimer Senioren - Konvent und der Kösener Senioren-Konvent". Also ein Zweifel ist gar nicht möglich, zumal man im Lexikon findet, daß Konvent im Englischen fast nie Versammlung, Bund, Vertretung, Ausschuß/ sondern fast immer Kloster bedeutet. * Das Duell zwischen dem Fabrikanten Ernst Lörven- feld und dem Husarenleutnant v. Soyka in Wien (vgl. unsere gesttige Nummer) fand unter sehr schweren Bedingungen tatt: auf 35 Schritte Distanz mit Avancieren. Löwenseld euerte den ersten Schuß ab, der Soyka sofott tütete. Soyka cheint gar nicht geschossen zu haben. Löwenfeld ist ein Mann von 40 Jahren, hat vielseitige, gründliche Bildung und be- chäftigt sich viel mit Litteratur und Kunst. Er gilt aber zugleich als ein sehr reizbarer und nervöser Mensch. Soyka war der Sohn eines alten pensionietten Obersten und erst 24 Jahre alt. Soyka soll mit Frau Löwenfeld intime Beziehungen unterhalten haben. Der Herbst. Von Gottlieb von der Radaune. Es herbstelt. Von den Bäumen fällt Madiges Obst, Ueberall Kriecht es von Spinnen, Auf dem Felde Schleichen Bankdirektoren Kartoffeln stehlend. Auf dem Weinberg Werden die Trauben Gesammelt, Darauf zerquetscht, Und aus ihrem Saft Mit Wasser, Zucker und Sprit Wein verfettigt. Der Kranich empsiehlt sich, Fliegt ab Und läßt als Scheidegruß Etwas fallen. Es herbstelt. (Kladderadatsch.) * Die bösen Fremdwörter. Die „Zeitschrift des Allgemeinen deutschen Sprachvereins", Mai 1901, bringt folgendes aus den Gedichten in nassauischer Mundart von Rudolf Dietz (Neue Folge): Dozemool, wie mer im preiß'sche Staat Hot „Franco" noch gesät urt noch „Billet" gesaat Hot, Wu mer noch sei Brief „recommandirt" Hot Un der „Conducteur" ahm ins „Coupe" gefihrt Hot: Koom vo Atzelgift e Bauer her Uff de Post: „Ob nfte Brief do wär?" „Poste restante?" froogt der Mann am Schalter, gesund, aber unheilbar der geistigen Umnachtung verfallen.! Rechts und links vom Gerichtstische sieht man die in Blanches Zelle gefundenen Einrichtungsstücke, sowie den Laden des einzigen Fensters. Die Verhandlung begann, nachdem Mvnnier kaum vernehmbar seine Nationale angegeben, mit der Vernehmung des Pvlizeikommiffars Buheton, welcher; den Zustand schildert, in dem er Blanche vorfand. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Crumbach, 8. Oktober. Die frohe Aussicht auf eine Fahrpost hatte die Bewohner Crumbachs schon seit einiger Zeit freudig bewegt. Nun ist der 1. Oktober da und dennoch steht noch alles wie vorher. 2Banim sind wir immer noch die Vernachlässigten und Hintangesetzten? Allerdings mögen nur geringe Zahlen über Crunrbach die Post- rubriken füllen. Das wurde aber mit einer besseren Postverbindung gans anders werden. Alle Depeschen, alle Anweisungen und der größte Teil der Packete wird nicht mit der täglichen Post, sondern gelegentlich, und zwar nach allen möglichen Seiten hin, geschickt, nach Lohra, nach Fronhausen, Gießen, ja sogar oft direkt nach Marburg, und unser eigenes Postamt Rodheim bekommt das wenigste zu sehen. Alle täglichen Bedürsnisie ans den Gießener Geschäften werden durch Gelegenheit besorgt und nicht selten greift man auch zu den Katalogen der großen Versandtgcschstfte, anstatt den Verdienst unserer nächsten Nähe und dein engeren Vaterland zuzuwenden ? Weil trotz der Nähe die Postoerbindung ganz miserabel ist. Es kommt wohl nicht oft mehr vor, daß in einem Bestellbezirk, wo drei Fabriken sind, weder Cariolpost noch Telephon anzutreffen ist. Auch die Stadt Gießen ist an der befriedigenden Lösung unserer Postbeschwerden insofern beteiligt, als der vermehrte Verkehr nur ihr zuwächst. Möchte doch die Poswerwaltung aus dieser innerer Flucht in die Oeffentlichkeit entnehmen, zu welchem unerträglichen Zustand sich unsere seitherigen Postverbältnisse ausgewachsen haben, und jedenfalls noch vor Weihnachten die Agentur hier einrichten. H. Theater, Kunst und Missenschast. Rom, 8. Okt. Der Unterrichtsminister Nasi richtete an den Landwirtschaftsminister ein Schreiben, worin er ihn beauftragt, Prof. Virchow seine Grüße und diejenigen der italienischen Schule mit dem Ausdruck besonderer Ehrerbietung zu übermitteln. Der Landwirtschaftsminister Baccelli überbringt persönlich Virchow eine Urkunde, goldene Medaille und das Diplom als Ehrendoktor der Universität Rom. Er übersandte Virchow bereits eine Adresse tu lateinischer Sprache, worin er ihm seine Arbeit über die Entdeckung seines Heilmittels gegen die Maul- und Klauenseuche widmet. „Gott bewohr!" Katholffch, Herr Verwalter!" * Auch eine Empfehlung. Folgende Heiratsannonce lesen wir trt der „Voss. Ztg.": „Ein junges Mädchen, das anders ist als andere Mädchen, will heiraten. O. O. Postamt 10." * Einen Mustervertrag, der wohl ein Unikum bleiben dürfte, teilt die „Deutsche Bühnengenossenschaft" mit. Der Vertrag lautet: Intendanz des Fürstlichen HioftHeaters, Gera. Gastspiel-Kontrakt. § 1. Die berühmteste und liebenswürdigste, die furchtbar nette Soubrette Fräulein Anna Schramm verspricht am 26., 27. und 28. April 1874 den Fürstlichen Hof und das Publikum von Gera aus einem bewundernden Entzücken in ein anderes fallen zu lassen. § 2. Tie Intendanz des Fürstlichen Hoftheaters verspricht dafür Fräulein Anna Schramm einige Dankbarkeit und (wenig, aber mit Liebe) pro Abend die Summe von Einhundert Thalern. Gera, im April 1874. Die Intendanz des Fürsllichen Hoftheaters, (gez.) Freiherr von Cramm. Der damalige Intendant Frhr. v. Cramm-Burgdorf ist der jetzige Wirkt. Geh. Rat, Gesandter und Bundesrats- Bevollmächtigter von Braunschweig. Gettchtssaal. Paris, 8. Okt. Vor dem Zucktpolizeigerichte . in Poitiers begannen gestern die Verhandlungen gegen bett Advokaten Marcel Monnier, Bruder der Blanche Monnier, die übler ein Vierteljahrhundert in ihrem Glternhause von aller Welt abgesperrt war und am 24. Mai ds. JZ. als ein Skelett — sie wog einundfünfzig Pfund — aus dem entsetzlichsten Schmutze, in dem sie lag, herausgeholt und nach, dem Hospital der Stadt gebracht wurde, wo sie allmäl)lich wieder zu Kräften kam. Bor einigen Tagen betrug ihr Gewicht 104 Pfund; sie kann jetzt wieder gehen, fühlt sich aber bald müde und hat auch den Gebrauch! der Sprache so weit wieder gefunden, daß sie für ihre Neigungen und Abneigungen deutliche Wort«* hat. Darauf beschränkt sich! aber ihr Geistesleben und es wird schwer sein, aus° ihren Aeußerungen vor Gericht, wo sie erscheinen muß- irgend einen Schluß für oder gegen ihren Bruder zu ziehen. Dieser pflegte sie seit mehreren Jahren, d. i seit seiner Aussöhnung mit der Mutter, täglich zu besuchen und sah und roch nichts. Er ist kurzsichtig und des Geruchsinns bar, sagte er von Anfang an, und etwas wird wohl daran sein, obwohl solche Mängel sein Verhalten nicht zu entschuldigen vermögen. Die richtige Erllärung desselben liegt eher in der Furcht, die seine Mutter, von der er für seine Familienexistenz gänzlich abhing, ihm ein- ttößite. So hat die Untersuchung die Sache aufgefaßt, aber die Volksmeinung ist gegen ihn und begreift nicht, daß er nur vor das Zuchtpolizeigericht verwiesen und nicht wie ein Verbrecher vor das Schwurgericht gestellt wird. — Unweit der Anklagebank, auf welcher der in der Haft stark abgemagerte Expräfekt VLonnier sitzt, haben seine im Traueranzug erschienene Gattin und deren Oheim, Graf Elision, Platz genommen. Blanche, die Schwester des Angeklagten, wird nicht vernommen. Die 53 jährige isst physisch! vollkommen Pin nrnccor Tnil der Damen denkt qar nicht darary tilU gjlUöDür 1 vH daß nichts rascher entflieht als Schön- beit, wenn sie nicht sorgfältig gepflegt wird; sie halten die Pflege der Haut für etwas Nebensächliches tmd verwenden oft die schlechtesten und billigsten Seifen! Seifen, die geradezu Schönheit und zarten Teint zerstören. Laßt euch raten! Verwendet Doering'ß Enlen-Seife. 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Weide* mann zurück. Um im Publikum Vertrauen zu erwecken, haben sich auch Nachahmer gefunden, welche die Weidemann'sche Broschüre teilweise abgedruckt haben (!) und damit ihren arrgeblich russischen Knöterich in den Handel bringen wollen. 3 daß es im Interesse aller ihrer Familien- angehörigen liegt, Kathreiners Malzkaffee entweder als Zusatz, oder namentlich für die Kinder, als vollkommenen Ersatz des Kaffees zu verwenden. In beiden Fällen ist Kathreiners Malzkaffee unerreicht. Jede Kausfrau muß wissen, Cigarren. Carl Schneider Cigarren. 6551 Giessen, Marktplatz 5. Spezialität: Vorstenlanden, sog. Madal-Cigarre Detailpreis pro Stück 8 Fig. M XXX Zahlreiche sonstige empfehlenswerte Sorten in jeder Preislage. 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