Nr. 265 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 10. November 1601 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem .Hess. Landwirt" und den .Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fern.sprechanschlußNr.51. GichenerAnzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von AnzeigeM ku der sür den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Dermitt- lungssteUen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 auswätts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich sür den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Ter französisch-türkische Konflikt scheint nun doch schneller seinem Ende nahe zu sein, als man in den letzten Tagen befürchten mußte. Selbstverständlich geht er mit einem vollen diplomatischen Siege Frankreichs aus. Gestern nachmittag erhielten wir folgendes Telegramm, das wir sofort durch Anschlag bekannt gaben: Paris, 9. Nov., &30 nachm. Eine Note der.AgenceHcwas" besagt, die Pforte teilte mit, sie habe beschlossen, die verschiedenen Forderungen Frankreichs zu erfüllen. Delcafsä erwiderte, sobald der französischen Regierung ein Befehl des Sultans zugegangen sei, der diesen Entschluß der Pforte ratifiziert, werde das französische Geschwader Mytilene verlassen. Daß diese Ratifikation nun nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, ist wohl anzunehmen. Das chinesische Beispiel wird der Srcktan doch wohl nicht uachahmen, denn der Weg nach Konstantinopel von Mytilene aus ist nicht weit, und Frankreich hätte ihn schließlich, allem bisherigen Anscheine nach, nicht gescheut, und auf der Balkanhalbinsel läßt sich leichter operieren als im Inneren Chinas. That- sächlich befindet sich durch die Besitzergreifung von Mytilene die französische Flotte schon jetzt fast unmittelbar vor dem Eingang zu den Dardanellen, jener stark befestigten türkischen Meeressttaße vor Konstantinopel. Nunmehr hat die Pforte, wie derlfranzösische Botschaftsrat Babst aus Konstantinopel dem Pariser Ministerium meldet, sämtlichen Ansprüchen Frankreichs Genüge ge- than, nämlich: 1. Offizielle Anerkennung aller unter fran- züsisches Protektorat gestellten Schulen und religiösen Gemeinschaften; 2. Anerkennung der Spttäler und ähnlicher Anstatten; 3. Anerkennung des Rechts, die bei den armenischen Unruhen 1895 und 1896 zerstörten Schulen und Spitäler wieder zu errichten; 4. Anerkennung des chaldäischen Patriarchen. Die Pforte erließ bereits die Anweisung zur Durchführung der Punkte 3. und 4. Die Forderung Lonardo ist vollständig gedeckt durch sichere garantierte Anweisungen auf die türkischen Zölle, die sich bereits in den Händen Bapsfs befinden; die Bezahlung erfolgt in Raten vom 1. Februar \902 ab. Die „N. Fr. Pr." veröffentlicht den Jnhatt der Cirkular- note, die der türkische Minister des Aeußern, Tewfik Pascha, an die Vertreter der Pforte im Auslande richtete. Die Note führt nach einem geschichtlichen Rückblick über den Verlauf der schwebenden Frage aus, die Pforte erledigte nicht nur die Angelegenheiten Lorando und Tubini, sondern gab Frankreich auch bezüglich seiner Forderungen bett. die Schulen, Wohl- thätigkeüsanstalten und religiösen Zwecken dienenden Gebäude volle Genugthuung. Die Pforte hoffe, daß Frankreich den versöhnlicheu Geist, der die Pforte bei der Ausgleichung dieser Fragen leitete, anerkennen und die unglücklicherweffe unterbrochenen Beziehungen wieder aufnehmen werde. In Pariser polittschen Kreisen verlautet zuverlässig, das französische Geschwader werde zwar sofort nach dem Eintreffen der bezüglichen Jrade die türkischen Gewässer verlaffen, jedoch solange in der Nähe der türkischen Gewässer verbleiben, bis die Pforte den Anfang mit der Ausführung ihrer Versprechungen gemacht hat. Die am Mittwoch im Hafen von Syra vor Anker gegangenen ftanzösischen Schiffe der Division Caillard sind beretts abgedampft. Die Londoner Presse ist ob des'energischen Vorgehens Frankreichs hochgradig nervös geworden. Um die politische Ohnmacht Englands zu verschleiern, werden die unsinnigsten Gerüchte in die Wett gesetzt. So fabelt beispielsweise der „Daily Telegraph", die Bagdadbahn-Konzession werde n i ch t den D e u t s ch e n, sondern einem russisch-ftanzösisch- englisch-belgischen Syndikat erteilt werden, da letzteres sich erbieten würde, der Pforte Gelder vorzusttecken. Es bedurfte in der That kaum der Versicherung unterrichteter Berliner Kreise, daß dieser Meldung auch nicht ein Schein von Begründung innewohne. England will eben mit aller Gewalt glauben machen, daß die französischen und russischen Staatsmänner entfernt davon seien, im Orient über die groß- brttannische Negierung zur Tagesordnung überzugehen. Ein einziges Londoner Blatt ist nicht völlig von dem Nebel ge- flissentticher Selbsttäuschung befangen: die „Daily News" geben der Meldung Raum, daß die russische Schwarze Meer-Flotte bereit ist, sich mit dem französischen Geschwader am südlichen Ausgang der Dardanellen zu vereinigen. Mit Beklemmung wird man an der Themse diese Botschaft vernehmen, die unseres Erachtens den eigentlichen und letzten Zweck der mit russischem Einverständnis in Szene gesetzten französischen Flottenexpedition kennzeichnet. An die Aufrollung der armenischen Frage denkt weder Rußland noch Frankreich, noch eine andere am Berliner Vertrage in- teressiette Macht. Tas „Spiel" steht vielmehr so, daß Rußland den Augenblick für gekommen hält, oder richtiger herbeigeführt hat, vom Sultan die Konzession zur Durchfahrt russischer Schiffe durch die Dardanellen zu erlangen. Formell übt Frankreich den Druck auf die Pforte aus, doch das im Hintergrund stehende Rußland läßt sich von Abdul Hamid nicht hinauskomplimentieren, zumal es mit ihm über die noch immer nicht beglichene Kriegskostenentschädigung zu reden hat. Dieser russisch-französischen Politik steht England rat- und machtlos gegenüber — handelt doch der Zar seinem Versprechen, dem Jnselreich während des Burenkriegs in Asien nicht in den Rücken zu fallen, dadurch nicht zuwider. Die Staatsmänner an der Newa stehen doch noch früher auf als die an der Themse. Vom Burenkriege. Ueber die englischen Barbareien wird der „Vollsztg.", „von einer Seite, die aus den zuverlässigsten transvaalischen Queller: zu schöpfen in der Lage war", geschrieben: Seit Monaten verfolgen die Buren den Zweck, die einfack)en Söldner und kolonialen Soldaten zu schonen, dagegen die Offiziere und Unteroffiziere wegzuschießen, und gefangen zu nehmen. Das geschah z. B. bei Bethel so gründlich, daß den Engländern von drei Regim en tern auch nicht ein einziger Chargierter übrig blieb; vom Sergeanten aufwärts waren alle Kommandierenden tot oder schwer verwundet am Boden oder gefangen. Da Tommy Atkins, der gemeine Soldat, weiß, daß er nach drei Tagen freigelassen und als Gefangener gut behandelt wird, so wirft er seine Patronen massenhaft weg.und hält im Aiv- ment der Gefahr die Hände hoch. Die Kolonialtruppen insbesondere waren derart des Krieges müde geworden und zeigten sich in solchem Maße widerspenstig, daß sie in 'äller Stille aus den Angriffslinien zurückgezogen, zum Etappendienst verwendet oder heimwärts geschickt werden mußten. Zuerst verschwanden die Kanadier, dann die Australier. Im englischen Hauptquartier wurde man über die rapid wachsende Entmutigung und Unzuverlässigkeit des Heeres dergestalt wütend, daß man den Zorn an den armen Frauen und Kindern der Buren ausließ, denen man wissent- ttch und geflissentlich die dürftigsten Nahrungsmittel entzog. So erzählte der Burenbeamte Jongheer van Leven, daß unter den Augen von Kit ch en er ein aus 15 Wagen bestehender Train von Lebensmitteln, bestehend aus englischem Zwieback, kondensierter Milch, präpariertem Fleischmehl und getrockneten und geräucherten Fleisch und Wurstwaren, verbrannt worden ist. Dieser Train sollte 600 Frauen, Mädchen und Greise, welche 2000 Kinder unter 12 Jahren zu verpflegen hatten, mit Lebensmitteln für eine Woche versorgen. In jener Woche starben darum Hunderte von Kindern und Frauen den Hungertod. Nach Meldungen aus Pretoria beträgt die Kindersterblichkeit in den Konzentrationslagern 43 Prozent, und aus Nkhanda (Zululand) wird telegraphiert, es würden keine freiwilligen Uebergaben von Buren mehr angenommen, sondern alle, die sich ergeben, sollten als Gefangene behandelt und deportiert werden. Das Blatt „Natal Witneß" veröffentlicht ein Inserat zur Anwerbung von Freiwilligen für Südafrika. In demselben heißt es u. a.: 70 Prozent der Beute wird unter die Offiziere und Soldaten verteilt werden, eine sichere gute Einkunft. (!!) Nach Informationen aus sicherer Quelle erhielt die Familie des niederländischen Generalkonsuls in Pretoria ein nicht unterzeichnetes Telegramm aus Pretoria, welches besagt, daß der Generalkonsul Pretoria verließ, um sich nach den Niederlanden zu begeben. Indessen erhielt das holländische Ministerium des Aus- wärttgen keine Benachrichtigung bezüglich der Abreise des Generalkonsuls oder der Uebertragung der Geschäfte desselben auf den französischen Konsul. Man nrmmt an, daß der Vertreter die oben bezeichneten Handlungen nicht vorgenommen hätte, ghne seine Regierung davon zu be- nachrichttgen, wofern nicht die Abreise ganz plötzlich erfolgt und die Telegraphen-Verbindung unterbrochen sei. Deutsches Wich. Ber lin, 8. Nov. Zur gestrigen Abendtafel bei dem Kaiser und der Kaiserin waren nach dem Neuen Palais geladen: Fürst und Fürstin Eulenburg und deren Töchter, Freifrau v. Lyncker und Professor Harnack. „ — Der Kaiser begiebt sich am 25. d. M. nach Kiel zur Rekxutenvereidigung. — Der Kaiser richtete folgenden Erlaß an den Reichskanzler: Aus dem mir vorgelegten Berichte über die Ergebnisse der Reichspost- und Telegraphenver- waltuug während der Etatsjahre 1896 bis 1900 habe ich mit Befriedigung erfahren, daß auch in diesem Zeitabschnitt an der Ausgestaltung des Posd-und Telegraphenwesens rüstig weitergearbeitet worden ist. Mit Interesse habe ich namentlich von den Zahlen Kenntnis genommen, in denen die außerordentliche Entwickelung des Fernsprechwesens zum Ausdruck kommt, und daraus gern ersehen, daß die Verwalttmg mit Erfolg bemüht gewesen ist, die Vorteile dieses Verkehrsmittels auch dem platten Lande zu erschließen. Auch auf dem Gebiete unserer Verkehrsbeziehungen zum Auslande und zu den Schutzgebieten sind wertvolle Fortschritte zu verzeichnen. Ich rechne dazu namentlich die bessere Ausgestaltung der regelmäßigen kurzfristigen^Poft-Dampfschifsverbinduugen mit Oftasien, Australien, Lstafrika und in den chinesischen Gewässern, sowie der Begründung und Beförderung deutscher unterseeischer Telegraphenverbindungen nach fernen Ländern, mit denen in den letzten Jahren ein vielversprechender Anfang gemacht werden tonnte. Daß die Reichspostverwaltung Den im Auslande befindlichen Angehörigen des Heeres und der Marine wertvolle Dienste hat leisten können, gereicht mir zur besonderen Befriedigung. Die nach Ostasien entsandte Feldpostexpedition hat den im fernen Osten känrpfenden Truppen den regelmäßigen Verkehr mit dem Vaterlande ermöglicht. Die Zahlen der von den Marineschiffposten vermittelten Postsendungen zeigen, in wie hohem Maße durch ihre Einrichtung dem Bedürfnisse der im Auslande befindlichen Mannschaften der Kriegsflotte entsprochen worden ist. Daß auch das finanzielle Ergebnis der Reichspost- und Telegraphenverwaltung ttotz der erheblichen Steigerung der Aufwendungen für den Ausbau des Fernsprech- und Telegraphennetzes ein befriedigendes gewesen ist, habe ich gern ersehen. Ich ermächtige Sie, allen Beteiligten für ihre treue, erfolgreiche Arbeit meinen Dank auszusprechen. — Die Kaiserin wird sich Anfang nächsten Jahres, sobald dies von den Aerzten als geeignet erachtet wird, zur völligen Herstellung ihrer Gesundheit in einen südlich gelegenen Bad eort begeben und dabei voraussichtlich von der Prinzessin Viktoria Luise und den jüngeren Prinzen beglettet sein. — Tie „Polit. Nachr." wenden sich gegen die Behauptung, der nächstjährige Etat werde mit einem Fehlbeträge von 140 Millionen abschließen. Verschiedene! Posten des Extraordinariums feien so reichlich dotiert, daß, ohne Kulturaufgaben zu schädigen, Abstriche vorgenommen werden könnten, welche die Bilanzierung des Etats, ermöglichten. — Tie sächsische Staatsregierung hat, nach dem Vorgehen Badens, mit Rücksicht aus die Betriebseinschränkungen amtliche Exhebungen über die industrielle Lage Sachsens und die Arbeitslosigkeit angeordnet. — Die süddeutschen Regierungen werden demnächst durch eigene Vertreter mündliche Verhandlungen pflegen, um eine Verständigung über die Personentarrfei herbeizuführen. Erefeld, 8. Nov. Heute vormittag erfolgte hier in Anwesenheit des Handelsministers M ö l l e r bie Einweihung des neuen Handelskammer-Gebäudes und der Kaufmanns- Schule. Minister Möller besuchte dann u. a. auch, die Produttenbörse. Bei dem Festbankett hielt der Landelsminister eine bedeutsame programmatische Rede, in Der er zum Beschreiten des Mittelweges des Ausgleichs rät, da die Landwirtschaft nicht fallen gelassen werden darf. Eisenach, 8. dttv. Tie Zlonferenz der Vertteter der thüringischen Pfarrvereine beschloß, die gesamte evan- aelische Geistlichkeit Deutschlands zu einem gemeinsamen Protest gegen Chamberlains Beschimpfungen und die englische Kriegsführung aufzufordern. Ausland. London, 8. Nov- Der Herzog v. Cornwall und Dork, der älteste Sohn des Königs Eduard, ist zum Prinzen von Wales und Grafen von Ehester ernannt worden. Peking, 8. Nov- Juanschikai wurde zum Gouverneur von Petschili und Wangwenschao zum Nachfolger Li-Hung- Tschangs als Bevollmächtigter, Li-Hung-Tschang zum Marquis ernannt und ihm der neue Name Liwen- tschang gegeben.______________________________________________ Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten rst.nrrr unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, den 9. November 1901. LU. Von der Landesuniverfilät. Bis heute rourben an der Landesuniversität 160 Studierende immatrikuliert. * * Das Großh. Negierungsblatt Nr. 67 enthält eine Be- kanntmachüng des Ministeriums der Finanzen, die Neugestaltung des Kassewesens betreffend. * * Raubmörder Ermer. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist das hier verbreitete Gerücht, der Raubmörder Ermer sei vor einiger Zeit zur Untersuchung seines geistigen Zustandes in die Universitätsirrenklinik gebracht worden, unbegründet. Ein Zweifel an der normalen Geistesverfassung des E. hat nie bestanden, und er hat seit seiner Aburteilung sich niemals außerhalb der Gefängnismauern befunden. • * Das Konzert in der Südanlage fällt am morgigen Sonntag, den 10. November, aus. * * Die Gesellschaft „Germania" feiert am morgigen Sonntag ihr 3. Stiftungsfest auf „Lony's Bierkeller". Zur Unterhaltung der Gäste sind Konzett, Tanz und komische Votträge vorgesehen, sodaß die Besucher gewiß einen recht gemütlichen Abend verleben werden. (Näheres im Inserat dieser Nummer.) * * Ein Motortransportwagen. Aufsehen erregte ein von der Firma Andrs in Frankfurt a. M. heute vormittag angekommener Motor-Transpottwagen, die einen für das morgige Konzert im Gesellschaftsverein bestimmten Flügel zu liefern hatte. Der Wagen ist von der Firma Benz u. Co. in Mannheim hergestellt. Die Strecke Frankfurt-Gießen legte er in 5 Stunden zurück. Wie wir hören, beabsichtigt die Firma Wilhelm Rudolph hier, einen eben solchen Wagen anzuschaffcn. Hungen, 8. Nov. In Hungen, Villingen und Ober- Bessingen plant man gegenwärtig den Bau einer Wasserleitung, wobei jedoch sür die beiden ersteren Gemeinden die Frage der Wasserbeschaffung noch hindernd im Wege steht. Die aufgedeckten Quellen zur Herstellung einer Leitung nach Villingen haben nicht genügend Wasser. Ein Ausweg für die drei Gemeinden würde sich aber, wie die „Hung. Landp." schreibt, leicht finden, wenn, sie die ungeheuer starken Quellen im Mühlgrund der Gemeinde Wetterfeld erwerben würden. Die Quellen stehen bezüglich ihres Wasserreichtums denjenigen des Gießener Wasserwetts bei Queckborn in keiner Weise naH, würden somit zur Wasserversorgung dieser drei Ge- 7379 Jos :;;4 von i könn !. Nov. . 84.00, W uftimd fester haltbarer Verputz durch Bekleidunqmit üfusrer .Beweise aberBewährung* . 194.30 . 171.60 . 117.90 . 118.60 . 130 90 . 133.20 . 154.50 . 179.00 . 160.40 . 156.80 . 100.25 . 89.20 . 98.10 . 98.70 41.30 . 25.60 . 25.40 für (®ef D beliebe 3‘/2% Hessen . . . 5<>/o Italien. Rente . . 4 /, Griech. Monopo 1-Anl 3% Portugiesen - . . 3% Mexikaner . . . 4*/»7 Chinesen . ■ . Reicheauleihe do. Konsole do . 8,5° C. 2,0° C. 3*/o?/o SO/., 3°/o hiesig^ gesund Neueste Welvungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. d. Darmstadt, 9. Nov. Der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen besichtigten gestern die Nestaurations- arbeiten im Neuen Palais, die ihrem Ende entgegengehcn. Gestern mittag empfing Prinz Heinrich den preußischen Gesandten Prinzen zu Hohenlohe Lehringcn. der nachmittags durch den Besuch des Großherzogs und des Prinzen Heinrich geehrt wurde. Am Adend sand im Schlöffe Heine Hoftasel im engsten Kreise statt. — Gestern abend wurde der Arbeiter Heinrich Weber von Wirhausen an dem Neubau der Gasfabrik von einem herab- fallenden Stein getötet. London, 6. Nov. Der „Standard" meldet aus Schanghai: Tschangsentschun, der bisherige Getreidetransportkommiffar in Taiugan, ist zum Gouverneur von Schantuug ernannt worden. Londou, 9. Nov. Wie es den Auschein gewinnt, ist Frl. hobhonse in Südafrika nicht verhaftet worden, sondern es ist ihr lediglich bei der Wiedcrankunft die Landung verboten worden, da fie nicht die feit Verhängung des Kriegsrechts nötige Erlaubnis der Militärbehörde befaß. Schließlich wurde ihr gestattet, au Bord eines Transportdampfers nach England zurück- zukehreu. D e Erlaubuis zur Aückkehr nach Südafrita war vor ihrer Abreiie von England zmuckgezogen worden. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. D lsd. Cem verg Ihre zum Unte M 0a$ Gerichtssaal. D. Gießen, 8. Nov. (Strafkammer.) Der Schafhändler Jakob Leich von Kirchhain war zur Anzeige gebracht worden, weil er am Anfang des Dezember in einem zum Bezirke des Amtsgerichts Homberg gehörigen Teile des Kreises Alsfeld eine aus 240 Tieren bestehende Schafheerde von Nieder-Ofleiden nacl) Kirchhain getrieben hatte, ohne im Besitz, eines Zeugnisses eines beamteten Tierarztes zu sein. Das Schöffengericht sprach den Angeklagten jedoch, als des ihm zur Last gelegten Vergehens nicht schuldig, frei. Gegen das freisprechende Erkenntnis hat die Staatsanwaltschaft das Rechtsmittel der Revision eingelegt. Es handelt silch in der heutigen Verhandlung hauptsächlich um den Begriff „wandernde" Schafherde, auf die allein die vom Kreisamt erlassene Verordnung sich bezieht. Die Staatsanwaltschaft hält den Angeklagten des ihm zur Last gelegten Vergehens für schuldig und beantragt gegen ihn, der Gefährlichkeit seines Handelns halber, auf eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten zu erkennen. Die Verteidigung beantragt Verwerfung der eingelegten Be- rusung. Das Urteil des Gerichts! lautet auf kostenfällige Verwerfung des von der Staatsanwaltschaft eingelegten Rechtsmittels, die potwendigen Auslagen des Angeklagten trägt die Staatskasse. — Der Landwirt Karl Schlapp von Mainzlar war durch Erkenntnis des Schöffengerichts Gießen vom 4. Oktober wegen Körperverletzung, begangen gegen den Hüttenarbeiter Johannes S-p aar: in Mainzlar, 89.00 | Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Paris, 9. Nov. Ter Präsident von Brasilien ließ zn Ehren Santos Dumonts, eines geborenen Brasilianers, eine große goldene Denkmünze prägen. Romans (Dep. Dröme), 9. Nov. Zn einem Restaurant kam es zwischen Soldaten, die Tags zuvor ihre Dienstzeit beendet hatten, und-Offizieren zu einem Streit Tie Soldaten fiele« über die Offizicie her iinb verwundeten drei schwer. Brescia, 9. Nov. Ein erneuter Erdstoß, der gestern abend hier und an der Riviera des Gardasees verspürt wurde, verursachte unter der Bevölkerung große Bestürzung Verletzungen ir.d nicht vorgekommcn. Washington, 9. Nov. In ein.r Konferenz zwischen Roosevelt und dem Finanzkouutee erklärte Roosevelt, er sei Gegner der Tarifrevisio n. Ebenso ungünstig find die Aussichten bezüglich der Reziprozitätsverträge. Zwei Zähre hindurch soll keine Tarifänderung zu erwarten sein. Berlin, 9. Nov- Angesichts der großen Arbeitslast, die der Reichstag durch die Beratung des Z0 ll t a rifess zu bewältigen hat, macht sich die Befürchtung geltend, es könne die dringende Börsen re form dadurch in den Hintergrund' gedrängt und in dieser Session gar ruckst. mehr vorgelegt werden. Diese Befürchtungen sind nach der „Rat. Korrefp." unbegründet. Der Entwurf zu e irrer Revision des Börscngefctzcs wird dem Reichstage sicher zugehen. — Wie einer parlamentarischen Korrespondenz von beteiligter Seile mitgeteilt wird, sind die Vorarbeiten für die Revision des Kranken-Verficherungsgefetzes effrigst in Angriff genommen wo.rden. Ein Abschluß ist noch incG h ebb eigeführt. Ko p e n h a g e n, 9. Nov- Eine große Waggonlieferung Gewehrkugeln, die in Schweden fabriziert wurden, passierten gestern Kopenhagen aus dem Wege nack Südafrita. London, 9. Nov- „Morning Leader" bemerkt zu der Ausweisung der Miß Hobhouse, daß alles, was- in England ritterliches Gefühl habe, sich auf lehnen müsse angesichts einer niedern Tyrannei. — Die tägliche Verlustliste der englischen Truppen beziffert sich für gestern auf 6 Tote, 16 Verwundete uitibi 6 an Krankheit Verstorbene. Paris, 9. Nov- Der ehemalige Gesandte rn China, Pichon, über die Konsequenzen des Hinscheidens Li-Hurrg- Tschangs befragt, antwortete, alle leitenden Staatsmänner, Prinz Tsching, sowie der neue Vizekönig von Petschili und die Vizekönige von Hankau und Nankings werden Li-Hung- Tschangs Politik der letzten Jahre fort setz en und für deü chinesisch-japanischen Zusammenschluß ein» treten. Madrid, 9. Nov- (Senat.) Der Bischof von Ovtedo wirft dem Mini st er des Inneren Atheismus vor und verbreitet sich über die Notwendigkeit, die Vorrechte der Kirche zu schützen. Der Minister erwidert, das Dekret über die Kongregationen sei von guten Absichten eingegeben. Der Bischof von Valencia erklärt, alle Prälaten liebten das Vaterland. Der Bischof von Tortosa betont, daß Jesus Christus die Apostel beauftragte, das Evangelium zu vredigen, jedoch ohne die Kaiser und Könige um Erlaubnis dazu zu bitten. Nachdem noch der Erzbischof von Sevilla gesprochen hatte, beantragen mehrere Konservative die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Beziehungen zwischen der Kirche ynd dem Staat. Sagasta erwidert, das bestehende Konkordat sei voll von Anachronismen und es sei deshalb eine sofortige Reform desselben notwendig. Rom, 9. 9iot). Eine sizilianische Schwester hat der Kongregation der Bischöfe neuerdings ein Gesuch zugesandt, worin energisch die A u f h e bu n g d e s C ö l i b a t s und des unwiderruflichen Keuschheits-Gelübdes der Mönche und Nonnen gefördert wird. Diese Schrift wird als Flugschrift unter die gesamte Geistlichkeit verbreitet werden. Bern, 9. Nov- Der „Bund" bezeichnet es als ein Verbrechen an den Buren, weil der Bundesrat gestatte, daß den Engländern von den Schweizer Milchsiedereien große Mengen kondensierter Milch geliefert werden, wodurch Englands längere Kriegführung ermöglicht und zugleich der Butterpreis in der Schweiz unerhört verteuert werde. Wien, 9. dLov- Dem „Neuen Wiener Journal" zufolge hat Erzherzog Otto die Uebernahme des Protektorats über die geplante Automobil-Wettfahrt Paris-Wien abgelehnt, da eine solche die öffentliche Sicherheit arg gefährde, und die österreichische Industrie hierfür überhaupt nicht in Frage komme. Peking, 8. Nov. Zum Nachfolger JuanschikaiS Ttf eine unbekannte Persönlichkeit ernannt worden, welche bisher das sehr einträgliche Amt eines Getreidekommissars in einer Stadt im Innern der Provinz Schantung verwaltete. — Wangwentschao, der Nachfolger Li-Hmrg- Tschangs als Bevollmächtigter der chinesischen Regierung, ist 74 Jahre alt und schwerhörig. Er wurde niemals für einen Staatsmann und Diplomaten angesehen. Seine nennung scheint eine einstweilige zu sein. __ meinben in jeder Weise ausreichen und auch noch andere Anschlüße ermöglichen. Nonnenroth, das eine Leitung besitzt, Trinkwasser derselben aber nicht entnehmen kann, könnte gleichfalls ein vorzügliches Wasser erlangen, ohne sich noch bedeutende Kosten au'bürden 311 müssen. — Gegenwärtig wird bei hiesiger Fernsprech stelle eine direkte Tclcp Honleitung mit Gießen und Gelnhausen errichtet. )( Alsfeld, 8. Nov. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich vorgestern in dem benachbarten Ohmes zugetragen. -Landwirt Konrad Martin befand sich mit mehreren Begleitern auf dem Nachhausewege aus einer Wirtschaft. Dabei .Farn er zu Fall und zag sich eine derartige Kopfverletzung ,zu, daß er besinnungslos nach seiner Wohnung gebracht werden mußte, in der er gestern verschied. Wie man sagt, hat der Verstorbene noch kurz vor seinem Tode die Angabe gemacht, er sei auf den Kopf geschlagen worden. Durch die gerichtliche Sektion dürfte die Todesursache fest- gestellt werden. Bingen, 7. Nov. Ein räuberischer Ucberfall wurde in vergangerer Nacht in der Kantine der strategischen Bahn auf den dortigen Wirt verübt. Zwei an dem Bahnbau beschäftigte Italiener drangen in die Käutine ein, verwundeten den Wirt schwer durch Stiche und Revolvcrschüsse und raubten den Kässenvorrat von 480 Mk. Ein Maurcr- palier von Kempten, der dem Wirt zur Hilfe kam, erlitt gleichfalls lebensgefährliche Schußwunden. Die Thätcr sind bis jetzt nicht ergriffen worden, doch ist, da alle Hebel zu ihrer Habhaftwerdung in Bewegung gesetzt sind, kaum anzunehmen, daß sie entkommen. Die Aufregung über den Vorfall ist groß. Wiesbaden, 8. Nov. Am 17. November wird in Schier- stein am Rhein eine Büste des Burengenerals De wett enthüllt werden. o. Ober-Erlenbach (Oberhcssen), 8. Nov. Dieser Tage hielten drei Schwestern von der göttlichen Vorsehung ihren Einzug in unsere Gemeinde. Das Schwesternhaus, ein Geschenk der Frau Johann Ohmeis 5r. Witwe, macht nach den durchgreifenden Umbauten und Einrichtungen einen recht guten Eindruck. Mben der Krankenpflege werden die Schwestern eine Kinderschule einrichtcn und Kurse für weibliche Handarbeiten leiten. Kaffel, 7. Nov. Der in Barcelona auf Ersuchen des deutschen Generalkonsuls verhaftete Bankdirektor Echtermeyer hat vor wenigen Jahren hier eine traurige Berühmtheit durch Bankschwindel und andere strafbare Handlungen erlangt. Bauhandwerter und vor allem kleinere Leute wurden durch ihn geschädigt. Eines Tages war Echtermeyer, der aus Braunschweig stammt, verschwunden. — In dem Bergwerk „Glückauf" (hinter Wilhelmshöhe) wurden zwei Bergleute verschüttet, von denen der 19jährige Bergmann Krug aus Hoof (Bezirk Kassel) seinen Tod fand. •• Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. In Lampertheim wurde vor einigen Tagen der Wein- reisende H. Siegert geknebelt und in bewußtlosen! Zustand im Bette aufgefundem Die Thüre zu dem anstoßenden Schlafzirnmer seiner Frau war verschloßen. Auf dem Boden lag eine Blutlache. Siegert behauptete, er sei überfallen worden, 6500 Mk. hätten ihm die Räuber gestohlen. Jetzt hat es sich herausgestellt, daß dje ganze Geschichte fingiert ist. Das Blut war Tierblut. Siegert hatte sich dasselbe Tags zuvor in Worms gekauft. — Auf der Station U n- denheim wurde am Mittwoch, wo der dienstthuendc Schalterbeamte anderwärts zu thun hatte, die Stationskasse geplündert. Alsbald lenkte sich der Verdacht, das Geld gestohlen zu haben, auf einen Hausierer, der sich vorher längere Zeü in auffallender Weise auf dem Bahnhose aufgehalten hatte. Er wurde, als er gegen Abend mit dem Zuge auf dem Alzeyer Bahnhofe anlangte, von der Polizei festgenommen. — Ein Bäckermeister in Dorn-Assenherm wurde am Donnerstag plötzlich von Tobsuchtsanfällen befallen. Er wurde behufs Beobachtung seines Zustandes in die psychiatrische Klinik nach Gießen verbracht. 'feuchte Wäncfe d PatentJHziafe/n. Kosm os .höchste Temperatur am 7. bis 8. Niedrigste „, 7. „ 8. in eine Geldstrafe von 60 Mk. verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte der Vertreter des Verletzten, als des Nebenklägers, Berufung eingelegt, um eine Erhöhung der erkannten Strafe herbeizuführen. Nach einem Intermezzo, das sich mit Formalien der Nebenklage beschäftigt, und Ausführungen der Beteiligten — es sei bemerkt, daß der Vor-, treter des Nebenklägers beantragt, auf eine Gefängnisstrafe gegen den Angeklagten zu erkennen — wird das Urteil dahin verkündet, daß die Berufung kostenfällig zu verwerfen sei. — Der siebenmal wegen Diebstahls vorbestrafte Tagelöhner Wilhelm Jakobi in Urberach. ist angeklagt, Mitte Februar zu Friedberg durch Einbrechen und Einsteigen dem Wilhelm Eichenauer in Friedberg ver- chiedenc Gegenstände, besonders Kleidungsstücke im Werte von insgesamt 55.85 Mk. rechtswidrig entwendet, zu haben. Ter Angeklagte leugnet die ihm zur Last gelegte Straflhat und entpuppt sich dabei als sehr gewandter und phantasie- voller Erzähler. Die Staatsanwaltschaft beantragt Schuldig- prechung des Angeklagten und Verurteilung in eine Zuchthausstrafe von drei Jahren, auch Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Die Kammer erkennt jedoch auf Freisprechung, da die erfolgte Beweisaufnahme nicht den Beweis der Schuld des Angeklagten erbracht habe. Der erlassene Haftbefehl wird ausgehoben. — Der Rechtsanwalt Dr. Pächter von Frauk- nrt a. M. war beschuldigt worden, den vom Generalstab auf dem Winterstein bei Friedberg errichteten trigonomctri- chen Punkt, der zugleich als Aussichtsturm diente, als Pächter des dortigen Jagdgebietes beschädigt zu Haven. Tas Schöffengericht Friedberg verurteilte den Angeklagten wegen des ihm zur Last gelegten Vergehens in eine Geld- trafe von 300 Mk. Gegen das verurteilende Erkenntnis hat der Angeklagte das Rechtsmittel der Berufung eingelegt. Der Angeklagte behauptet, zur Entfernung der Leiter des Aussichtstürmes — es wird in ihrer Beschädrgung eine Sachbeschädigung erblickt — als Jagdpächter befugt gewesen zu ein, da die Errichtung des Aussickststurmcs zu Unrecht geschehen und ihm die Erlaubnis zur Entfernung der Leiter von dem Gemcinderat der Gemeinde Ockstadt, der allein berechtigten Körperschaft, erteilt worden sei. Es erfolgt eine längere Vernehmung des Errichters des trigonomctri- chen Zeichens, eines Offiziers vom großen Generalstabe, owie des Rechners der interessierten Gemeinde Ockstadt. Ter Angeklagte beantragt darauf seine Freisprechung, die Staatsanwaltschaft stellt die Entscheidung in das Ermessen des Gerichts. Das Urteil lautet auf Freisprechung von Strafe und Kosten. Die letzteren fallen der Staatskasse zür Last. — Der Postbote Balthasar Opper von Trais an der Lumda, früher Bäckergeselle in Gießen, steht unter der Anklage, als Postbote verschiedene Geldbeträge — 200 Mark zusammen — die er in amtlicher Eigenschaft empfangen oder in Verwahrung hatte, sich rechtswidrig angeeignet, auch zum Zwecke der Erlangung eines VetMögensvorteils diese Geldbeträge, Privaturtunden, Postanweisungen verfälscht zu haben. Der Angeklagte leugnet. Die Beweisaufnahme — auch ein Sehr erb s achv erstandiger wird vernommen — erbringt jedoch den vollen Beweis seiner Schuld. Die Staatsanwaltschaft beantragt, gegen den Angeklagten auf eine Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahre acht Monaten zu erkennen, ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zwei Jahren abzusprechen. Das Gericht erkennt auf eine Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahre drei Monaten. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden dem Angeklagten auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. — Der Großh. Bürgermeister Friedrich R ü h l I. von Köddingen ist des Vergehens gegen § 69 des Personenstandsgesctzes beschuldigt, weil er unter Außerachtlajsung der durch § 1314 des bürgert. Gesetzbuchs erlittenen Vorschriften eine Eheschließung vollzogen habe. Der Angeklagte leugnet nicht und entschuldigt sein begreifliches Versehen. Das Urteil lautet auf eine Geldstrafe in Höhe von fünf Mark, unter weitgehender Zubilligung mildernder Umstände. Kiel, 9. Nov. Tas Kriegsgericht verurteilte den Z ah l° nreisterapplikanten Iwan wegen -Betruges und Unterschlagung im Amte zu 7 MonatenGefängnis, Degradation und Versetzung in die zwerte Klasse des Soldatenstandes. — Im „Gazelle " - P e ß legten hie Angeklagten Senkung ein. Posen, 8. Nov. Der Staatsanwalt Stamer beantragte gegen Ryglewski sechs Wochen, gegen Kowalczyk, Suminski, Dre- binski, Bialy und Szulczewski je zwei, gegen Karas drei imd Bo- leski vier Atonate Gefängnis, ferner die sofortige Verhaftung aller Angeklagten wegen Fluchtverdachts. Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Gotthardbahn . . . Lanrabütte . . . . Bochum . . . , . flarpener . Was5erdichter>-32- V 5endet portofrei der fabrikent. \ A-WL Andernach mm Beuel«t/n Hham . Ilfi --------——- Zu haben in Gießen auf dem FnbrtNager bei Herrn Horst, Megclpftld. 5851 Telephonischer Kursbericht ...... . 100.40 I Krcdituktien..... A die C Wir I Zürich zuto' Wi» herab mäyi< -uw Meln eine i Dr. ! Bergs Frau meiste anlag Lina rotfll in ct G Vermischtes. * Danzig, 11. Nov. In einem plötzlichen Sturm fenterte ein Segelboot, ein Fischer ist ertrunken ein anderer gerettet. * München, 8. Nov. Als Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern gestern Abend nach Schloß Nymphenburg fuhr, stieß sein Wagen an einen Alleebaum und stürzte um. Der Prinz brach sich die äußerste Spitze des linken Schulterblattes; sein Befinden ist heute den Umständen gemäß gut. * New-Por k, 8. Nov. Fünf von den Strafgefangenen, die im Gefängnis zu Leavenworth meuterten und dann auf Pferden, die sie den Farmern gestohlen hatten, flohen, wurden heute in einer Scheune, 20 Meilen von Leavenworth entfernt, von Bürgern umzingelt. Da sie sich nicht ergeben wollten, feuerten die Bürger, töbteten drei und verwun- deten zwei. Universitäts-Nachrichten. Heidelberg, 8. Nov. Der hiepgen national-jüdischen Studentenverbindung „Badenia" entzog der Senat die Erlaubnis des Farbentragens. HMdel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gießen, 9. November. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,15—1,30 Mk., Hühnereier pr. Stück 0—0 Pf., 2 Stück 15—16 Pf., Käse pr. Stück 5—8 Pf,. Kasematte 2 Stück 0—0 Pfg., Erbsen pr. Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Tauben pr. Paar 0,70—1,20 Mk., Hühner pr. Stück 1,00—1,20..Mk., Hahnen pr. Stück 0,70—1,20 Mk., Enten pr. Stück 1,20—2,50 Mk., Gänse pr. Psd. 55—65 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Riirdfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Psmld 64—80 Pfg., ^>ck)weincfleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 60—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 2,80—3,20 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Psd. 8—15 Pfg., in Körben 12—15 Pfg. Trauben 35—50 Pfg., Tomaten per Pfd. 18—20 Pfg. November Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 8. 2" 749,8 4- 7,8 6,5 82 W. 2 beb. Himmel 8. 9“ 749,2 — 6,3 6,1 86 W. 1 bed. Himmel 9. 7 24 748,1 — 6,5 6,6 91 W. 4 beb. Himmel Bekanntmachung. In der Zeit vom 2. bis 9. November 1901 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Spazierstock, 1 Damengürtel, 1 Paar Glacehandschuhe und 1 Buch, verloren: 2 goldene Ringe. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben chre Ansprüche alsbald bei uns gellend zu machen. Gießen, am 9. November 1901. Großherzogllches Polizeiamt Gießen. 7379 Hechler. Bekanntmachung. Als Wieger für die Lastwage am Neusrädterthor ist Joseph Herbert angenommen und verpflichtet worden. Gießen, den 8. November 1901. 7379 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Äecum. Ilce-Schuäe. Anmeldungen zur Weihnachtsmesse werden bis zum !♦ Dezember an Fräulein Möser, Oberlehrerin der Alice- Schule, erbeten. Nähere Auskunft täglich, mit Ausnahme von Samstag und Sonntag, im Schullokale. 7367 Der Vorstand der Alice-Schulc. KhnstbeslhtnillgdttAleiMnritt-VtlliahrWtillt Am 4. Advents-Sonntag, veu 22. Dezember d. I., soll die Christbeschernug für die Kinder unserer Anstalt stattftnden. Wir haben in diesem Jahre für 220 Kinder die Bescherung herzurichten und den Weihnachtstisch mit Gaben zu decken. Unt dies zu können, wenden rotr uns wieder an die Liebe unb den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kmder. WiO bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn und dergleichen, besonders aber auch Geldgabeu, die uns die gleichmäßigste Bescherung für unsere Kleinen ermöglichen, zuwenden zu wollen. Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgehen. Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Frau vr. Brnel, Molttestraße 3, Frau Amtsgerrchtsrat Gebhardt, Bergstraße 3, Frau Rechtsanwall Grünewald, Liebigstraüe 21, Frau Rechnungsrat Kalbfleisch, Ludwigstraße 7, Frau Bürgermeister Mecum, Löberstrage 20, Frau Pfarrer Naumann, Südanlage 8, Frau Luise Ottens, Bismarckstraße 11, Frau Fabrikant Lina Schwall, Ostanlage 36, Fräulein Luise Wortmaun, Aster- wea 16. Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmem Gießen, den 9. November 1901. Der Vorstand der Klciukiudcr-Bewahraustalt. Dr. Naumann. 7363 Die Lieferung von ca. 30 lfd. Meter 70 Ctm. weiten Cementröhren soll öffentlich vergeben werden. Refl. wollen Ihre Offerten schriftlich bis zum 14. d. Mts. bei dem Unterzeichneten einreichen. Klein-Linden, 8. Nov. 1901. Großherzogl. Bürgermeisterei Klein-Linden. Schaum. 7353 In unserem Handelsregister wurde heute die Firma Isaak Kahn in Langsdorf gelöscht. Lich, 7. November 1901. Großh. Amtsgericht. Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute und Montag: Vlhseilflrisch 50 Kfg. Feldstecher Thermometrographen Operngläser Dampfmaschinen Barometer Dampfschiffe Thermometer Eisenbahnen Reisszeuge Experimentierkasten Brenn-Apparate Phonographen Kompasse Grammophone Stereoskope Elektrisier-Apparate Laterna magica Salon-Lünetten. Goldene Brillen und Pincenez empfiehlt 7225 Emil Schmidt, Neuenweg 16. Bermittelungsstelle für den Au- und Berkaus von Zuchtvieh der BogelSberaer und Siuuneuthaler Rindviehrasseu. (Geschäftsstelle des landwrrtsch. Vereins für die Provinz Oberhesten in Alsfeld.) Herdbuchtiere der beiden in der Provinz gezüchteten Rasten können fortwährend oon uns nachgewiesen werden. Anmeldungen zur Eintragung in die Listen werden fortgesetzt entgegengenommen. Aumeldekarteu stehen gratis zur Verfügung. 7355 Die Vermittelung ist unerllgeltlich. 1" M'M ' IlIIi W als erstes Frühstück an Stelle von Kaffee oder Thee. Versuchen Sie einmal eine Buchse dte nahrhaften und wohlschmeckenden - ( - • ■*4.1'r-W •/ :-Ä ■K,'-«.k ■ ■.*; • es».',*. Freunden und Bekannten, sowie meiner werten Nachbarschaft die ergebene Mitteilung, daß ich die Restauration Hammel, Gründ.rgrrßrtzk, übernommen habe und dieselbe unter dem Namen Ig. Restaurant zum Krokodil weiterführen werde. — Zum Ausschank kommt vorzügliches Export-Bier aus der Brauerei Goebel- Niedershausen, sowie das berühmte Märzen-Bier aus der Brauerei Hildebrandt-Pfungstadt. Aechtes Kracher und Perfiner Weißbier. — Kut gepflegte Weine. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Mittagstisch im Abonnement. WiOe. NB. 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Friedrich Helfrich, Stülitriristttr. Louis Huhn, Mtikmlikttt. Carl Jann, KeNchn. Emil Heinrich Müller, Zcheiiemkißer. Carl Ordig, Stotirmiirfrt. Ludwig Pirr, Mktzemkißn. Emil Schmall, Mtorminickr. 7374 Mehrere Bürger. werden nach erprobtem Verfahren restauriert von 7342 Otto Linnertz, Kunstmalern. Gemälderestaurator Braunfels, Schloß. Zwecks Besichtigung der Probe- rx bübcr nürb bie©pribcnmann= V schäft um vollz. Erscheinen ers. 7205] Student erteilt gründlichen Nachhilfeunterricht in Mathematik an Schüler des Gymnasiums oder Nealgymna- siunrs. Näh. Südanlage 8. 04530] Wohne jetzt Bahnhofstrasse 38. Werkstatt: Grünbergerstr. 3a. W. Hammel, Schneidermeister. Student, Nealgymn.-Abit.,giebt Nachhilfe in allen Fächern, and) Klavierunterr., Konvers. für Ausländer re. Offerten u. 04532 an die Expedition dieses Blattes. erteilt einem Unter* tertianer Nachhülfe? Angebote unter 7371 an die Expedition dieses Blattes erbeten. 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Zu der bevorstehenden Wahl halten wir es für unsere Pflicht, Eure Aufmerksamkeit auf einen Mann zu lenken, der bei der letzten Wahl bereits eine große Anzahl von Stimmen auf sich vereinigte und dessen langjährige Erfahrung und uneigennützige Thätigkeit im öffentlichen Leben ihn besonders befähigt und berufen erscheinen lassen, das Amt eines Stadtverordneten zu bekleiden. Gebt Eure Stimme ßmn Cmß Mit. Als geborener, alteingesessener Gießener, mit den Verhältnissen unserer Stadt genau vertraut, mit den Bewohnern eng verwachsen, wird er, wenn das ^vertrauen seiner Mitbürger ihn zu diesem Ehrenamt beruft- dieses Vertrauen in jeder Weise zu rechtfertigen wissen. 04585 Ache Wem Arger. XXttXXXMxXXXXXX Mkniillgs KckgsMick. Zum Besten armer Veteranen, deren Witwen nnd Waisen. Bis zum 10. November täglich Aufführung des FestfpielS Der deutsch-franz. Krieg 1870|71. Anfang 8 Uhr. Sonntag, 10. Nov. 7 Uhr. Außerdem Nachmittagsvorstellungen: Sonntag, 10. Rov. 3‘/j Uhr. Aas Myrre öcsagen die MaKate. 7304 Riegelpfad-Club. Montagabend um 7 Mr im Thüringer Kos: Besprechung über die Stadtverordnetenwahl.. Aufstellung unserer Kandidaten. 7369 HvtfflWflM Der Bürgerschaft empfehlen wir nachstehende Männer zu ihren Vertretern in den Stadtrat. Wir sind überzeugt, daß unsere Stadt an diesen Herren würdige Vertreter findet. Brück, Carl, Stadtverordneter. Emmelius, Louis, Stadtverordneter. Stott, Louis, Stadtverordneter. >afsky, Prof. Dr., Statverordneter. Helfrich, Fr., Stadtverordneter. Helm, Fr., Weinhändler. Huhn, Ludw., Stadtverordneter. Müller, E. H., Schreinermeister. Pirr, Ludw./ Metzgermeister. Schmoll, Emil, Stadtverordneter. Steinberger, Carl, Ortsgerichtsm. 7380 Mehrere Bürger. Club der Harmlosen. MoiltM W in der AM Kastel, KaKneigaste: Ausstellung mistter Kandidaten mr Stadtverordnetenwahl. Zahlreiches Erscheinen erwünscht! 04577 Giessener Konzert-Verein Erstes Konzert am Sonntag, dem 10. November 1901, abends 5 Uhr, im Saale des Gesellschafts-Vereins. Dirigent: Grossherzoglicher Universitäts-Musikdirektor G. Trau'mann. Solistin: Frau Florence Bassermann aus Frankfurt a. M. Orchester: Das Vereinsorchester, verstärkt d. andere geehrte Künstler. Programm: 1. Symphonie Nr. 2 in D-dur, op. 36,.....L. van Beethoven. 2. Konzert in A-moll für Pianoforte mit Orchesterbegleitung, op 54. .........R. Schumann. 3. Marche herofque, op. 34,........C. Saint-Saeas 4. Solostücke für Pianoforto; 7245 a) Gigue A-moll..... , . e . Ferd. Hiller. b) Albumblatt..........L. van Beethoven. c1) Paraphrase über „Fledermaus“ . . . Strauss — Schütt. 5. Ouvertüre zu „Die Zauborflöte*......"W. A. Mozart. Gesellschaft Germania. FititrittcVarfpn zum Konzert für Nichtmirglieder zu Mk 2.50 itiperrshz Mk. 3.50) sind in der Musikalienhandlung vou Ernst Unallier (Rudolphs Nachfl.), für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Stork zu ermässigten Preisen zu haben. HflUptprObß Sonntag vormittag 11 Uhr. & Eintrittskarte Mk. I. Sonntag den 10. November 1901: Fein des 5. KstuiWskstes in sämtl. festlich dekorierten Sälen von Lonhs Bierkeller. Von 4 Uhr ab: KOMBll llllÜ TüSZ. Abends 8 Uhr: Polonaise mit darauffolgendem Ball. Humoristische Bortrage unter Mitwirkung guter Humoristen. Die Musik wird von einem vorzüglichen Streichquartett ausgeführt, Zu recht zahlreichem Besuche ladet ergebenst ein 04562 Der Vorstand. Dataillistenverein Giessen EDäenstag, 1)2. November} abends 9 Uhr im Kaufmännischen Vereinshause: Vertrag des Herrn Rechtsanwalt Fäaab hier über das 7868 Mieterecht. Gäste willkommen. 63er Vorstand* 7365 qegr: 1046 TmwelkiiGieße» Samstag den 16. November von abends 8 Uhr ab: Winterfest in der Turnhalle. Nur Mitglieder haben Zutritt. Der Vorstand. jLouis — ■■ 9 Schulstrasse $> — empfiehlt seine direkt bezogenen 1189 Spanischen Weine ^8 ferner: französischen und deutschen Kognak. Rhein- und Moselweine. Champagner JS. hatten, nnase U. and. .Nagetiere vertilgt schnell u. sich. Freybergs (Delitzsch) Delicia-Rattenknchen Menschen,Haustieren u. Geflügel unschädlich. Man verl.stets Freybergs Delicia-Rattenkuchen. Vorrätig in Dosen zu 0,50 und 1,00 Mk. bei Otto Schaaf u. in d. Hirsch- Apotheke, Giessen._____2750 Bienenhonig S zu haben Seltersweg 07. CMerte stelltfche LGge entl-nfc». örin8er7^ JeanDernLCo., Westanlage31 WN" Die Gewinne der Geflügellotterie können von heute an bei Herrn Carl Neuling, Steinstr. 72 in Empfang genom- men werden.04584 Tier Zchttszeitm. Grünbergerstratze 47. F. Gr. F. Montag Abend bei Kamerad Arnold. 7356 Das Kommando. G. F. F. Montag den 11. ylov. 1901 HoBthts- Versammlung bei Kamerad Grün. 7349]________Der Borstand. Gesallgvereiv ^rnionie. Sonntag den 10. dS. MtS., Familienabend. aoo«x>oa Gietzener ^tadttheater.^ Sonntag den lO.Novbr. 1901. Einmaliges Gastspiels von / Hans Portz I. Komiker und Tenorbuffo am Eölner Stadttheater: RobertUMeckm Sonntag, de« 10 Aovemöer: 2 große Konzerte. 8 Damen. [04578] 1 Herr. Nachmittags 4 Ahr und aöends 8 Ayr. DGGGGASGGOT-ODSD oder Die lustigen Vagabonden. Große Poffe mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Gustav Naeder. („Bertram".....Herr Portz als Gast.) Anfang 8 Uhr. Ende 10'/. Uhr.