Nr. 213 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Dienstag 10. September 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Zarnltten. Mutter werden dem Anreger im Wechsel mit oem „Hess. Landwirt" und dm „Blättern für Hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Gießen. (Fernsprechanschluß Nr. 51. GietzeimAnzeiger *u' Eeneral-AnZsiger w '*•' Amts- md Anzeigeblatt für den AreK Gießen Annahme von Anzeigen zu der für den folgcnoen Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungSstellen deSJn-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zonenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen 2xil: P. Witiko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. men; Johannes v. Miquel Der ehemalige Fiuanzmiuister Dr. Johauues v. Miquel ist in der Nacht vom Samstag auf Sonntag plötzlich gestorben. Der Verblichene hatte Samstag nachmittag noch einen Spaziergang gemacht und flch am abend mit Lesen beschäftigt. Gegen Mitternacht hatte der Kammerdiener ihn noch gehört. Als seine Nichte, Frl. Miquel, Sonntag früh gegen 7 Uhr fei» Schlafkabinen betrat, lag er entseelt im Bette. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt. Als Minister hat Miquel, der ursprünglich völlig freisinnige Parteimann, sich immer mehr nach rechts gewendet, fo daß er zuletzt sogar den Konservativen und Agraiern, nahe gekommen ist. Und es ist ihm dies von Seiten seinen früheren liberalen politischen -Freunden nie vergeben und vergessen worden, die nie ein Hehl daraus, gemacht haben, haß er sie schwer enttäuscht habe. Doch man mag seine politische Abschwenkung noch! so abschätzend beurteilen, seine ganz außergewöhnliche Begabung, sein Ungemein großes Verwaltungstalent wird ihm niemand absprechen können. Er war eine weit über das Maß des Gewöhnlichen hinausreichende schöpferische Natur, ein bedeutender Staatsmann, in dessen Händen eine Zeit lang sogar die Fäden der preußischen Politik zusammen- liefen und der sich um Preußen unstreitig große Verdienste erworben hat. Ueber die letzten Tage und Stunden Miquels erfährt die „Franks. Ztg.", daß man in seinem Hause nicht völlig unvorbereitet aus eine Wendung zum Schlimmeren war. Besonders seit seinem Eintritt in den Ruhestand verfiel seine physische Energie wesentlich Schon während des sommerlichen Kuraufenthaltes in L a n g e n s ch w a l b a ch hatten die AeiZte den Angehörigen erklären müssen, daß! auf eine lange Lebensdauer des Patienten nicht mehr zu rechnen sch Den Samstag Abend verbrachte er in seinem Lesezimmer. Sein Diener fand ihn dort noch um halb elf Uhr in %ie Lektüre vertieft. Er wartete bis' nach Mitternacht und nahm um halb ein Uhr wahr, daß fein Herr noch wachte. Dann aber begab sich Miquel zu Bett. "Am Sonntag morgen, um 7 Uhr, wollte Fräulein Miquel, die Nichte des Ministers, die schon seit 20 Jahren seinem Hauswesen vorsteht, ihm den ärztlich verordneten Frühtrunk reichen. Sie fand ihn tot im Bett, auf der Seite, mit gefalteten Händen, ohne eine Spur von Unfrieden oder Kampf in seinen Zügen. Nach ärztlicher Annahme ist der Tod zwischen 3 und 4 Uhr in der Nacht eingetreten. Frl. Miquel benachrichtigte. sofort die Söhne Miquels, von denen der eine Legationsekretär bei der deutsschen Botschaft in Paris, der andere Oberleutnant in Hagenau, der dritte Landrat in Rathenow, ist, und den Schwiegersohn, Kaum mehr als ein Vierteljahr ist verstrichen, seit Finanzminister v. Miquel seinen Abschied nahm, nm den Rest seines arbeitsreichen Lebens in Muße zu genießen. Und sein geschwächter Körper bedurfte dringend der Ruhe. Erst vor wenigen Tagen kehrte er, wie es hieß, gekräftigt aus berrt Bade zurück. Aber die Wirkung der Kur war nicht nachhaltig, und so mußte er an den Bürgermeister von Osnabrück die Mitteilung gelangen lassen, daß. er gezwungen sei, denH! ngetündigtep Besuch in Osnabrück, seiner ersten Wirk- ungsstjätte als. Bürgermeister, zu verschieben, um sich einer zweiten Kur zu unterziehen. Noch ehe er diese beginnen formte, ist er aus diesem Leben abberufen worden. Miquel ist am 21. Februar 1829 zu Neuenhaus in Hannover geboren. Er studierte von 1846—50 in Heidelberg und Göttingen Jura. Daß er von den Einflüssen des Jahres 1848 nicht unberührt blieb, ist bekannt. Er ließ sich dann als Antvalt inGöttingen nieder, wo er bald infolge seiner Redegewandtheit einen Ruf sich erwarb. Auch auf politischem Gebiet trat er hier bald hervor. In zwei Flugschriften „dem neuen hannoverschen Finanzgesetz" (1857) und „der Ausscheidung des hannoverschen Dominialguts" (1863) kritisierte er die Finanzverhältnisse in Hannover mit chonungsloser Schärfe. Er gehörte auch zu den Begründern »es ,Nationalvereins, in dessen leitendem Ausschuß er war, owie zu den Begründern des provisorischen Abgeordnetenhauses. 1865 wurde er von der Stadt Osnabrück zum Bürger- gewählt. Auch in dieser Stellung blieb er dem parla- ,'chen Leben nicht fern. Von 1867—1877 war er Mitglied des norddeutschen Reichstags. 1870 schied er aus Osnabrück, um die Stelle eines Direktors der Diskontogesell- schaft in Berlin zu übernehmen. Nachdem er von 1873 bis 1876 Vorsitzender des Verwaltunasrats der Gesellschaft gewesen war, kehrte er im Herbst 1876 als Oberbürgermeister nach Osnabrück zurück. 1880 nahm er die auf ihn gefallene Wahl zum Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. an und wirkte hier fast ein Jahrzehnt. Nach der Einverleibung Hannovers in Preußen war Miquel auch in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt worden, dem er bis zum Jahre 1882 angehörte, wo er auf Präsentation der Stadt Frankfurt ins Herrenhaus eintrat. 1884 wurde er in den preußischen .Staatsrat berufen, und von 1887—1890 nahm er auch wieder ein «Neichstagsmandat an,als ihm mit Der Bildung des Kartells au^ neue die Bedingung, für eine ausgleichende, mäßigende Wirksamkeit gegeben schien und trat gemeinschaftlich mit Bennigsen an die Spitze der nationalliberalen Partei. Aus seiner Frankfurter Amtsthätigkeit sind besonders seine Verdienste um die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse für die firmeren Klassen hervorzuheben. Am 24. Juni 1890 wurde er vom Kaiser mit der Leitung des preußischen Finanzportefeuilles betraut. Bis zum 6. Mai 1901, also fast 11 Jahre, hat er dieses Ministerium geleitet. Seit dem 1. Juli 1897 war er gleichzeitig Vizepräsident des Staats Minister iums. Herrn v. Scheliha, in Schlesien. Ter Familienrat wird festsetzen, wann und wo die Bestattung erfolgen soll. Uneinigkeit in der Landwirtschaft. Man schreibt uns aus Berlin, 7. September: Einen zornigen Protest gegen die Anträge des Ausschusses des De ütschenLand Wirtschaftsrates zum Zolltarifentwurf hatte kürzlich der Major a. D. En dell, scherzhaft genannt „der kleine Ploetz", öffentlich erlassen, besonders wegen der nach seiner Ansicht unzulänglichen Getreidezollforderungen seitens dieser hauptsächlich in Betracht kommenden Vertretung landwirtschaftlicher Interessen. In einer Zuschrift an die „Kreuzztg." erklärt soeben der Vorstand des Landwirtschaftsrats für durchaus unzutreffend die Behauptung Endelts: daß im Wirtschaftlichen Ausschuß (zur Vorbereitung der Handelsverträge) von Iben Vertretern der Landwirtschaft 7.5Ö und damit wesentlich mehr, als heute der ständige Ausschuß verlangt, gefordert worden sei. Leider gestatte, bemerkt der Vorstand, die Vertraulichkeit der Verhandlungen des Wirtschaftlichen Ausschusses zur Zeit noch nicht, die Anträge der landwirtschaftlichen Vertreter in dieser Körperschaft bekannt zu geben. Niemals aber seien Zollsätze in jener von Major Endell behaupteten Höhe als Miudest-Sätze vorgeschlagen worden. Die Frage, wieviel denn gefordert worden ist, hätte der Landwirtschaftsrat immerhin beantworten können, denn es ist ein „offenes Geheimnis", daß die agrarischen Mitglieder des Wirtschaftlichen Ausschusses einen Mindestzoll von 6.50 Mk. für Roggen und Weizen und einen Höchstzoll von 8 Mk. beantragten. Die Mindestzollforderung ist also um eine Mark niedriger gewesen, als Major Endell annimmt. Uebrigens waren ganz die gleichen Anträge wie im Wirtschaftlichen Ausschuß von Herrn v. Frege beim sächsischen Landeskulturrat angeregt worden, und da Herr v. Frege dem Wirtschaftlichen Ausschüsse angehörte, so spricht auch dies dafür, daß die ersteren Angaben authentisch sind. Ter Ausschuß des deutschen Landwirtschaftsrates ist bekanntlich auf einen Mindestzollsatz für Getreide von 6 Mk. herabgegangen, also eine Ermäßigung um eine halbe Mark gegenüber den Anttägen im Wirtschaftlichen Ausschuß. Die Erklärung des Landwirtschaftsrats stellt bei dieser Gelegenheit fest: daß eine große Anzahl landwirtschaftlicher Vertretungen, namentlich in Süddeutschland, bei ihren Anträgen auf Erhöhung der Getteidezölle nicht über 6 Mark hinausgeaangen ist. Bekanntermaßen halten die Führer des „Bundes der Landwirte" Mindest-Getreidezölle von 7.50 Mark für unbedingt geboten. Es ist an der Zeit, daß man innerhalb der Landwirtschaft zu einer Einigung über diese Frage gelangt. Sonst kann das erbauliche Schauspiel sich bieten, daß im Reichstag die Agrarier aufeinander schlagen. Die Beziehungen zwischen den konservativen Abgeordneten und den Leitern des „Bundes der Landwirte"" sind ohnehin nicht die besten. Jede der beiden Gruppen beanspruch^, die berufene Vertretung der Landwirtschaft zu fein." Mit Hilfe des Zentrums hoffen die Konservativen einen 6 Mark-Getreidezoll durchzufetzen, aber keinensalls einen darüber hin aus gehenden Zollsatz, geschweige einen solchen von 7.50 Mk. Tie Uneinigkeit in der Landwirtschaft wird der Opposition gegen die Getreidezoll-Erhöhung nur willkommen fein, und sie muß notwendig auch in der Oeffentlichkeit die Frage Hervorrufen, ob Zollerhöhungen, die t» er artig strittig sind unter den Interessenten selbst, lvirklich als nützlich und wohlthütig für die Landwirtschaft gelten können, da man doch sogar schon aus den Kreisen der hoch Fordernden den Ruf vernimmt: Wenn kein wirksamer Zoll, d. h. der 7.50 Mark-Getreidezoll, dann sei überhaupt der Zollschjutz wertlos. Da liegt es denn nahe genug, zu erwidern, so möge es eben beim Alten bleiben. Industrie und Handel halten in ihrer Stellungnahme zum Tarifentwurf fester zusammen, als die Landwirtschaft. Und durch diese Geschlossenheit werden sie cs um vieles leichter haben, ihre Wünsche zur Anerkennung zu bringen. 16. Deutscher Anwaltstag. Danzig, 6. Sept. IM Fesffaal des Hotels Danziger Hof wurde heute Vormittag der 15. Deutsche Anwaltstag unter zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Reiches eröffnet, nachdem bereits gestern ein Begrüßungsabend stattgefunden hatte, an welchem Oberbürgermeister Delbrück die Teilnehmer namens der Stadt, Justizrat Gall namens der Danziger Anwälte und Landgerichtspräsident Schütter namens der hiesigen Justizbehörde bewillkommnete. Ter Vorsitzende Geh. Justizrat Mecke (Leipzig), leitete die Verhandlungen ein mit einem Nachruf auf Rechtsanwalt Ferber, Mitglied des Vorstandes der Danziger Anwaltkammer, und begrüßte sodann den Geh. Oberjustizrat Prof. Dr. Vierhaus, der als Vertreter des Justizministers an den Verhandlungen sich beteiligt. Staatssekretär Nieber- ding, der gleichfalls eingeladen war, hat sich enffchuldigt. In kurzen Worten wies hierauf Geheimrat Vier - haus darauf hin, wie die Beziehungen des Justizministeriums zum Anwaltstande namentlich darin wurzeln, daß der Recvtsanwaltstand ein Organ der Gerichtsverfassung ist. Er wünschte den Beratungen guten Erfolg. Den Kassenbericht erstattete Rechtsanwalt Behr end (Danzig)'- Von dem Vorstand der badischen Anwaltskammer i|t ein Antrag eingegangen, möglichst noch die Frae der Ge - b ü h r e n o r d n u n g für deutsche Rechtsanwälte auf die Tagesordnung zu setzen. Diese entspreche in einzelnen Besiimmung schon nicht mehr den thatsächlichen Ver- antragt wird u. a. daher eine Erhöhung der Gebühren, und zwar der Schreibgebühren von 10 auf 15 Pfg. pro Seite, der Gebührensätze in amtsgerichtlichen Berufungssachen, die jetzt geradezu demütigend seien, und der Gebührensätze für die Berufungsfachen beim Obcrlandes- gericht. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde beschlossen, dem hältnissen und bedürfe drinaend einer Aufbesserung. Be- Vorstande die Vorbereitung der zur Erörterung stehenden Fragen zu überlassen, und diese dem nächsten Anwaltstage zur Beschlußfassung vorzulegen. Es werden hierauf Die neuen Satzungen des Vereins beraten, die von Justizrat Dr. Langbein (Leipzig) und Hofrat Crull (Rostock) in Anpassung an das neue Recht entworfen sind. Danach soll der Verein den Namen führen: Deutscher Anwaltverein, eingetragener Verein. Er hat feinen Sitz in Leipzig und die Rechtsfähigkeit durch Eintragung in das Vereinsregister. Die Versammlung erklärte sich mit der von den Referenten vorgeschlagenen Neufassung der Satzungen einverstanden. Weiter beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage einer Ruhegehalts-, Wit w en - und Waisenkas f e für deutsche Rechtsanwälte mit Zwangsbeitritt und reichs- behördlicyer Aufsicht. Dem Berichte des Geheimen Justiz- rates Mecke (Leipzig) ist zu entnehmen, daß sich für die Errichtung einer Kasse mit Zwangsbeitritt die Vorstände der Anwaltskammern zu Bamberg, Berlin, Braunschweig, Celle, Darmstadt, Karlsruhe, Kassel, Kiek, Königsberg, Marienwerder, München, Naumburg, Posen, Stettin, Zweibrücken ausgesprochen haben. Gegen die Errichtung haben gestimmt die Anwaltskammern beim Reichsgericht, zu Breslau, Colmar, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Jena, Köln, Nürnberg, Oldenburg, Rostock. Ein vom Referenten aus gearbeiteter! Entwurf, der in Anlehnung an das Reichsversicherungsgefetz die Gewährung von Ruhegehalt, Witwen- und Waisengeld, auf den Bedürfnisfall beschränkt, wurde bisher abgelehnt von den Vorständen der Anwaltskammern beim Reichsgericht, zu Frankfurt, Hamburg, Kiel, Königsberg, Posen, Marien- weroer, gebilligt von den Vorständen der Anwaltskammern zu Darmstadt und Hamm. Engländer «ud Buren. Nach den letzten amtlichen Meldungen ist die gegen- wärtige militärische Sage in Südafrika folgende: Im westlichenTransvaal operieren Methuen, Fether- stpnhaugh, die jüngst auf ihrem Streifzuge in Klerksdorp angekommen waren, Gilbert Hamilton, Kekewich und Allenby westlich von Rustenburg bei den Magatiesbergen, ohne jedoch' zu einem Gefecht zu kommen. Welcher Burenführer sich ihnen gegenüber befindet, ist nicht ersichtlich. Delarey scheint sich weiter südlich zu befinden. Im östlichen O^ranje- freifloate operiert nördlich der Linie Bloemfontein- Thabanchu Elliots Kolonne, findet jedoch nur geringen Widerstand. Südlich der genannten Linie fährt Charles Knox fort, 'die Gegend bis zum Oranje zu „säubern"; es scheint indessen nicht, als ob er Kr u ich in gers Kommando v iel hätte an haben können. Vom südwestlichen Freistaate ist schon bekannt, daß Hertzog durch die Zanddrist einen neuen Einfall in die Kapkolonie gemacht hat, doch zusammen mit Lategans Kommando, das Kitchener auf 8Q Mann schätzt, von Frenchs Kolonne westlich von Colesberg gestellt und über den Fluß zurückgeworfen wurde. Die Nachrichten über die Lage in der Käpkoljonie lauten im allgemeinen für die Engländer ungünstig. Merkwürdig ist, daß nach englischen Meldungen der ganze O r an j e f luß eifrig bewacht ist, obgleich es Burentrupps doch immer wieder gelingt, hinüberz'uschlüpfeu. So kann die Zand- drift nur schlecht besetzt gewesen sein, wenn Hertzog durch sie abermals einen Einfall machen konnte. Von Bethulie giebt es Kitchener offen zu; dort kamen 60 Buren hinüber, um sich bei Lady Grey mit Myburghs Kommando zu vereinigen. Der Erfolg der Thätigke^ Frenchs in der Kapkolonie ist also bisher, abgesehen von der Zurückdrcmg- ung Kruitzingers, Hertzogs und Lategans, eine wesentliche V örschlimm erung der Verhältnisse für die englischen Truppen. Die burischen Trupps sind jetzt über den ganzen Westen und Süden der Kolonie verbrettet. Im Transkeibezirke, der an die Südostküste stößt, stehen Buren, die durch Barkley East eingefallen sind; bei Lady Grey in Aliwal North haust Myburgh; weiter südlich operiert Theron bei Oudtshoorn mit Geschick; noch weiter südlich macht Schcepers den Versuch, über die Langen Berge in den Bezirr Swellendam einzudringen, der an J)ie afrikanische Südküste heranreicht; endlich zieht in dem nordwestlichen Bezirke Fraserburg der Kommandant Smit herum. — Man sicht, die Säub'erungsplolitrk der Engländer ist bisher verunglückt. . , Ein Korrespondent der „Daily News'< sendet seinem Blatte einen Brief einer Engländerin, die an einen Farmer im Burgersdorp-Distrikt (Kapkolonie) verheiratet ist, Alle unsere Pferde und Maulesel sind uns von den englischen Behörden weggenommen worden, so schreibt die Dame. Eines Tages tarn eine Abteilung englischer Truppen auf, unsere Farm. Tic Soldaten lagerten in unserer Nähe und begannen sofort, unser Geflügel, Schweine und Schafe zu schlachten. Sie nahmen die Pfähle aus der Umfriedigung und verbrannten fie. Tann nahmen sie alle unsere Küchenutensilien uno eine Uhr im Werte von über 300 Mk., sowie allen im Hause befindlichen Proviant. Die Eingeborenen, die im Lager waren,' wurden geradezu gemein gegen mich und meinen Mann. Und als wir uns beim Kommandanten beschwerten, erklärte er, er könne keine V e r a n t w o r t l i Q) k e i t übernehmen. Schließlich benutzten die Soldaten unsere Thüren und Fensterrahmen als Feuerholz und sogar die Umfriedigung des bebauten Landes. Daun wurden die Pferde in die Felder gelassen. und alles Grüne weggesresfen. Dann zog die Abteilung ab, ohne uns eine Bescheinigung über das, wgs sie genommen hätte, aus zu stellen. Deutsches Reich. Berlin, 8. Sept. Der erste Vorsteher der Stadtverord- neten-Versamrnlung von Potsdam August Heinrich Pusch, hat sein Mandat niedergclegt und die goldene Amtskette dem Magistrat bereits zugestellt. Der Rücktritt erfolgt lediglich aus Gesundheitsrücksichten und wegen hohen Alters. Berlin, 8. Sept. Gestern besuchte Prinz Tschun in Begleitung mehrerer europäischer und chinesischer Sperren den Zoologischen Garten, dessen Sehenswürdigkeiten er unter Führung des Direktors Dr. Heck in Augenschein nahm. Außerordentlich gefielen dem Prinzen die neuen Tierhäuser in ihrem exotischen Baustil. Der Prinz verweilte nahezu anderthalb Stunden im Garten. — Das Moltke-Denkmal der deutschen Armee soll dem National-Denkmale des Fürsten Bismarck gegenüber gestellt und auf der anderen Seite der Siegessäule vor dem Neuen Königlichen Opernbause errichtet werden. Zu diesem Zwecke soll gleichzeitig der Königsplatz neu reguliert werden. — Bei den diesjährigen Kaisermanövern treten neue Destillier-Apparate in Thätigkeit, durch die große Wassermassen, eventuell auch Meerivasser, für Mensch und Tier genießbar gemacht werden, können. Man hofft durch diese Einrichtung besonders typhösen Erkrankungen bei großen Truppenübungen vorzubeugen. Nach Beendigung der Manöver werden auch bei anderen Hebungen Versuche mit den Destillier- Apparaten angestellt werden. — Graf Wäldersee hat sich von Holstein nach Berchtesgaden begeben. — Der russische Botschafter Gras v. d. Osten-Sacken, von dem es hieß, daß er dem Kaiser Nikolaus auf seiner Fahrt nach Danzig entgegenreisen werde, wird an der Zusammenkunft Der Kaiser nicht teilnehmen. Der Botschafter, der mit seiner Gemahlin in Ragaz zur Kur weilt, wird auf Wunsch des Zaren diese nicht unterbrechen und nach.Ablauf seines Urlaubs nach Berlin zurückkehren. " — Das „Armeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine allerhöchste Kabin ettsord r e, wonachverheiratete Angehörige der ostasiatischen Besatzungsbrigade, die mit Genehmigung des Kommandeurs ihre Familien nach den Standorten in China heranziehen, die Kosten für Hin- und Rückbeförderung der Familien, sowie die Miets-Entschädigung für die verlassene heimatliche Wohnung nach Maßgabe der für die Versetzung im Frieden geltenden Bestimmungen erhalten. Münste r l W., 7. Sept. Nach Empfang des Prinzen Tschun sandte der Kaiser an die Familie des Freiherrn v. Ketteler hier folgendes Telegramm: „Am heutigen Tage, in welchem die amtliche Sühne für das an dem Vaterland und Ihrem Gemahl begangene Verbrechen erfolgte, gedenke ich seiner Gattin und seiner Mutter in besonders herzlicher Teilnahme." Hamburg, 7. Sept. Die am Handel mit Columbien- beteiligten Hamburger Firmen ersuchten den Reichskanzler, den Gesandten in Bogota zu veranlassen, zum Schutze des durch Kontributionen dep eolumbischen Regierung bedrohten deutschen Eigentums einzutreten; fte baten ferner um Entsendung des Kreuzers „Vineta" an die columbische Küste. Kiel, 8. Sept. Der Kaiser hat das Urteil gegen den wegen Unterschlagung zu einjährigem Gefängnis und Ausstoßung aus der Marine verurteilten Oberleutnant zur See Butterlin bestätigt, und das Gnadengesuch um Erlaß der Reststrafe abgewiesen. Königsberg i. Pr., 8. Sept. Der Kaiser verblieb gestern nachmittag in seinem Arbeitszimmer. Die Kaiserin besuchte gestern nachmittag das Krankenhaus zur Barmherzigkeit. Der Kronprinz stattete abends seinem Regiment einen Besuch ab. — Heute vormittag fand in der hiesigen Schloßkirche aus Anlaß des zweihundertjährigen Bestehens des Königreichs Preußen Festgott es,dien st statt. In der Kirche hatten die Militärbehörden, Vertreter der Stadt, die Generalität, Lehrkörper, Abordnungen der Studentenschaft, Abordnungen von Offizieren und Mannschaften der hiesigen Garnison Platz genommen. Zur Seite des Altars standen die Wahrzeichen des ersten Armeekorps, hinter den Thronsesseln das Kaiserpaar, unter dem Thronhimmel die Fahnen des ersten Garderegiments und die Standarten des Regiments Garde-du-Korps. Auf dem Schloßhofe bildeten Abteilungen des Regiments „Kronprinz" und der Wrangel-Mrassiere Spalier vom Schlütcrbai: bis zum Eingang in die Kirche. Unter Glockengeläute begab sich das Kaiserpaar in feierlichem Zuge über den Schloßhof zur Kirche. Den Zug eröffneten Kuriere, Pagen und Kammer- Herren. Es folgten die Hofchargen mit den Reichsinsignien. Kammerherr Graf von Kalnein-Kilgis trug die Reichsinsig- nien, Graf Doenhoff-Hriedrichstein das Schwert, Graf Eulen- burg-Prassen den Reichsapfel, Graf v. Schlieben-Sanditten das Zepter, Fürst zu Dohna-Scylobitten die Krone. Es folgte das Kaiserpaar, der Kaiser in GeneralSuniform, die Kaiserin in tiefer Trauer. Hinter dem Kaiser trug General von Linde- quist das Reichspanier. Es folgten der Kronprinz, Prinz Albrecht, Prinz Friedrich-Heinrich, die Generalität, die höhere Umgebung, des Kaisers. Beim Erscheinen des Zuges in der Kirche intonierte der Berliner Domchor den 47. Psalm. Das Kaiserpaar nahm auf den Thronsesseln Platz, die Insignien wurden vor dem Altar niedergelegt. Nach Gemeindegesang und Gebet folgte das Lied „Ein' feste Burg ist unser Gott", vorgetragen vom Kosleck'schen BläserkorpZ. Tie Predigt hielt Oberhosprediger Dryander. Den Schluß machte das von Gemeinde und Dom^ chor unter Begleitung des Bläserkorps gesungene nieder- ländische Dankgebet. Das Kaiserpaar begab sich sodann in gleich feierlichem Zuge über den Schloßhof in seine Gemächer zurück. Gumbinnen, 6. Sept. Der angeblichen neuen Spur in Bezug auf den Mörder des Nittmeisters von Krosigk liegt, wie die „Deutsche Tgztg." erfahrt, folgender Thatbestand zu Grunde: Am Mordtagc, den 21. Januar d. I., gegen 4 Uhr nachmittags, kam in ein Restaurant der Tilsiterstraße ein aJlann, welcher Gegenstände zur Aufbewahrung gab. Es steht nun nach übereinstimmenden Ermittelungen fest, daß dieser Mann unter einem Militärmantel mit Mütze Zivil- kleldung trug. Kurz nach der Mordthat, als dieselbe noch mcht ruchbar geworden war, kam der Mann zurück, und ent- fernte sich schnell. Im Prozeß ist sodann wiederholt von Belastungisgeugen behauptet worden, daß an dem Mordtage nachmittags Zivilpersonen nicht in der Kaserne, am allerwenigsten aber auf dem an die Reitbahn grenzenden Hof gewesen sind. Jetzt haben sich aber Zivilpersonen gemeldet die bezeugen, daß auch sie an dem Mordnachmittage bei der Kaserne in der Nähe der Rettbahn zu thun hatten. Die weiteren Ermittelungen nach dieser Richtung hin werden von einem Privatdetektivbirrcau geleitet, sodaß die Verteidigung im Falle einer neuen Gerichtsverhandlung in der Lage sein wird, mit ganz neuem Entlastungsmaterial aufwarten zu können. Amtliche Vernehmungen haben in dieser neuen Sache oisher noch nicht stattgcfunden. Ausland Wien, 7. Sept. Der Obmann der deutschen Volkspartci Abg. Kaiser richtete einen offenen Brief an den Abg. Schönerer, worin er sich gegen dessen Angriffe in seiner Salzburger Rede ans die deutsche Volkspartei wendet und Beweise für die Behauptung verlangt, daß die Volkspartei ihr Programm verleugnet und ihre Mitglieder Pfründen und reichlich bezahlte Stellen anftreben. Solange Schönerer feine Behauptungen nicht beweise, seien sie gewissenlose Lügen und Verleumdungen. Schönerer hasse die Volkspartei, weil sie einen unfehlbaren Führer und absoluten Herrscher, lüie er cs ein wolle, nicht anerkenne. Schönerer schädigte die deutsche Voltssache durch seine Herschsucht, seinen Hnfehlbarkeitsdünkel und die Verhetzung der deutschen untereinander. Prag, 7. Sept. Das „Prager Tagbl." meldet aus Karlsbad: Prinz Tschun wird am 16. in Karlsbad zu einem vierwöchigen Aufenthalte eintreffen. Im Stadtteile Westend wiirde für ihn eine Villa gemietet. Olmütz, 8. Sept. Der von etwa 3000 Personen besuchte Katholikentag, sowie die gleichzeitig von dem hiesigen deutschen Verein einberufene, von etwa 5000 Personen, Darunter Abordnungen aus den deutschen Städten in Nord- mäbren und Schlesien, abgehaltene Protcstversammlung sind völlig ohne Zwischenfall verlaufen. Helsingoer, 8. Sept. Ter König von England ist an Bord der „Osborne" mittags gegen 11 Uhr auf der Rhede ein getroffen. Tie von zwei englischen Kreuzern eskortierte „Osborne" wurde von der Feshung Kronenborg und dem auf der Rhede liegenden dänischen Geschwader mit Salutschüssen empfangen. Um 11.45 Uhr trafen die kaiserlichen und königlichen Herrschaften aus Kopenhagen und Fredensborg ein. Gleich darauf verließ der König Eduard die „Osborne" und ging an Land. Die Begrüßung war sehr herzlich. Beim Empfange waren der Minister des Aeußeren und der Marineminister anwesend. Nach dem Empfange begaben sich die Herrschaften gemeinsam nach Fredensborg. Roeskilde, 7. Sept. Ter König von Dänemark, der Kaiser und die Kaiserin von Rußland und die Mitglieder der dänischen Königsfamilie sind heute mittag hier eingetroffen, um, anläßlich des Geburtstages der verstorbenen Königin Kränze am Grabe derselben niederzulegen. Um 1 Uhr erfolgte die Rückreise nach Fredensborg. Belgrad, 6. Sept. Infolge des Umstandes, daß König Alexander am- Hoflager in Smederevo letzter Tage mehrere Politiker empfangen hat, die als Gegner der jetzigen Regierung bekannt sind, entstanden Gerüchte von einer baldigen Aender- ung in der Richtung, daß statt der jetzigen, aus Radikalen und Fortschrittlern gebildeten Regierung durch Beiziehung von Hofliberalen ein Koalitionskabinet gebildet werden soll. In ernsten politischen Kreisen ist man der Meinung, daß eine solche Acnderung nicht bevorsteht. Belgrad, 8. Sept, Dieser Tage reist der frühere serbische Militärattachee in Wien, Oberst Wasa Antonitsch, in einer Spezialmission nach Cettinje; er soll später znm Gesandten beim Fürsten von Montenegro ernannt werden. Es ist dies der erste Schritt zur Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Serbien und Montenegro. Konstantinopel, 7. Sept. In einer Note der Pforte an die Botschaften wird mitgeteilt, daß die Aufhebung der bisherigen Zollfreiheit für sämtliche Kultus- und Wohlthätigkeits-Anstalten, deren Stellung zur Pforte nicht binnen Jahresfrist geregelt wird, angeordnet worden ist. Besonders betroffen werden die zahlreichen französischen geistlichen Schulmissionen, deren teilweise Unterdrückung die Pforte durch ihre Maßregel herbeiführen zu können hofft. Ncw-Nork, 7. Sept. Hiesige Exporteure bringen auf Landung amerikanischer Truppen am Isthmus von Panama. Im Staatsdepartement hatte der eolombische Gesandte eine lange Konferenz. Washington, 7. Sept. Die hiesige kolumbische Gesandtschaft erhielt heute von Beeerra, dem früheren kolumbischen Gesandten in Washington, aus Willemstad (Insel Curacao) eine von heute datierte Meldung, daß die venezolanische Flotte Rio Hacha, an der Nordküste Kolumbiens, bombardiere. Peking, 7. Sept. In der spanischen Gesandtschaft fand die Unterzeichnung des Friedensprotokolls statt. Die Gesandten und ihre Sekretäre trafen um 11 Uhr daselbst ein. Li-Hung-Tschcmg und Prinz Tsching kamen in Sänften, von Kavallerie begleitet. Sobald die Unterzeichner versammelt waren, hielt der spanische Gesandte de Calogan als Doyen des diplomatischen Korps eine Ansprache, in welcher er die Hoffnung aussprach, daß die Unterzeichnung des Protokolls eine neue Aera der Beziehungen zwischen China und den Mächten kennzeichnen werde. Prinz Tsching erwiderte, er sei glücklich, daß die Schrecknisse des letzten Jahres beendet seien und gab der Zuversicht Ausdruck, daß man keinen neuen Bruch in den Beziehungen zwischen China und den Mächten mehr erleben würde, denn China werde alle ihm obliegenden Verpflichtungen erfüllen. Li-Hung- Tschang schien sehr schwach. — Die Franzosen haben Paotingfu vollständig geräumt. Die Engländer und Amerikaner sind ermächtigt worden, bis zur Herstellung von Baracken in den Tempeln zu verbleiben. Der russische Gesandte wird demnächst abreisen. Aus MM und Land. (Der Abdrnckder unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Aictz.'rlnz." gestattet.) Gießen, 9. September 1901. k. Geh. Regiernngsrat Dr. Braden-si. In Friedberg ist am Samstag Nachmittag plötzlich und unerwartet der Geh. Regierungsrat und Kreisrat Dr. Braden infolge eines Schlaganfalles gestorben. Cr hatte wenige Minuten vorher noch die Vereidigung der neuen Stadtverordneten vollzogen, und war auf dem Rückwege zu seiner Wohnung begriffen, als ihm auf offener Straße plötzlich unwohl wurde. Der Tod trat nach einigen Augenblicken ein; die ärztliche Hilfe, die alsbüld zur Stelle war, kam zu spät. Jedenfalls hatte die Vereidigung den Verstorbenen sehr aufgeregt, denn cr war sich bewußt, daß dies einer seiner letzten wichtigen Amtshandlungen sein würde, nachdem cr so manches Jahr segensreich im Interesse der Stadt gewirkt hatte. In beredten Worten hatte cr diesem Bewußtsein auch Ausdruck gegeben und sich unter herzlichem Händedruck von dem neuen Vertreter der Stadt verabschiedet mit den Worten: „ich werde mein Friedberg nie vergessen". Ganz Friedberg ist tief erschüttert; all- eitig nimmt man die größte Anteilnahme wahr. So war es dem Verstorbenen nicht vergönnt, den wohlverdienten Ruhe- tand, in den cr am 1. Oktober treten wollte zu genießen. ** 'Hairpt'Vsrstmnilung des Mittelrheinischen GaS- und Wasserfachm'änner-Vereins. Die gestrige Tagung des Mittel- rheinischen Gas- und Wasserfachmänner-Vereins nal)m bei zahlreicher Beteiligung den schönsten Verlauf. Die Verhandlungen wurden durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Direktor Bergen, mit einer Begrüßung der Teilnehmer eröffnet. Provinzialdirektor Geheimrat von Bechtold und Bürgermeister Mecum begrüßten gleichfalls mit warmen Worten die Versammlung und wünschten den Verhandlungen guten Erfolg sowohl im Interesse des Vereins als auch unserer Stadt. Es wurden zahlreiche.Vorträge gehalten, auf deren Inhalt wir in einem längeren Bericht noch zurückkommen werden. Insbesondere fesselten auch die beiden Vorträge, die im Hörsaal des chemischen Laboratoriums mtt zahlreichen glänzenden Erperimenten von Privatdozent Dr. Eid- mann und Dr. Kirstein bargebotenrourben. Nachmittags schloß sich ein Festessen an, an bem etwa 125 Personen teilnahmen. Das Festessen nahm gleichfalls ben schönsten Verlauf unb bilbete ben fachwissenschaftlichen Darbietungen bes Tages einen roürbigen Abschluß. Heute fiinbet bie Besichtigung bcs Gaswerks, bcs Elektrizitätswerks unb bes Volks- babs statt. * * Stationsgehilfen. Schon früher ist vom Minister bet öffentlichen Arbeiten bestimmt worben, baß ben Gehilfen für ben mittleren Eisenbahndienst sofort bei der Annahme zu eröffnen ist, daß ihre etwaige erste etatsmäßige Anstellung grundsätzlich nur im Unterbeamtenverhältnis erfolgen könne. Auch sind bei Deckung des Bedarfs von Gehilfen im mittleren Dienst unter den brauchbaren Bewerbern solche zu bevorzugen, welche sich zur Ausbildung und Anstellung als Unterbeamte von vomehercin bereit finden. Daher sollen bei der Auswahl von Bewerbern für Gehilfenstellungen solche geeignete Personen besondere Berücksichtigung verdienen, welche als Hilfsunterbeamte oder Arbeiter ihre Tauglichkeit und Bereitwilligkeit für die Verrichtungen im Unterbeamtendienste bereits nachgewiesen haben. Im Anschluß hieran hat nunmehr der Minister angeordnet, daß für die Folge lediglich im Dienste erprobte Hilfsunterbeamte und Arbeiter als Stationsgehttfen angenommen werden dürfen. Ausnahmen hiervon sind nur in besonderen Fällen mit Zustimmung der Eisenbahndirektion zulässig. * * Zur Frage der Haftpflicht der Lehrer. Die Ansicht, daß ein Lehrer jetzt in höherem Maße als früher für Unfälle hafte, die den Schülern beim Turnen, bei einem Schulausflug usw. zustoßen können, ist nichts weiter als eine subjektive Auslegung eines Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches, die bisher in der Rechtsprechung keinen Anhalt hat. Nach Auffassung hervorragender Juristen hat das bürgerliche Gesetzbuch hier, wie in vielen anderen Beziehungen, nur daL bis dahin bestehende Recht einheitlich ausdrücken wollen. Eine Verschärjung ist keineswegs herbeigeführt worden. * * Militärisches. Wie alljährlich, so fand auch dieses Jahr ein Schießen um den Kaiserpreis auf dem Truppenübungsplatz bei Darmstadt statt. Von den 96 Kompagniecn des 18. Armeekorps kamen 4 Kompagnieen in engeren Wettbewerb, von denen die 2. Kompagnie des Jnf.- Rcgiments „Kaiser Wilhelm" Nr. 116 als Siegerin hervorging. Der Kompagnie, die schon feit Jahren durch ihre vorzüglichen Schießleistungen bekannt ist, wurde durch allerhöchste Kabipetsordre das Kaiserabzeichen für 1901 verliehen. ** Versammlung des Bezirks-Lehrerturn- Vereins Gießen. Am Samstag fand in Großen-, Linden im Gasthaus „Zur Linde" an der Haltestelle eine Versammlung oes Bezirks-Lehrei>Turnvereins Gießen statt, zu der eine Anzahl Mitglieder des Bezirks Lich und Turn-Inspektor Schmuck aus Tarmstadt erschienen waren. Zunächst führte Lehrer Jung in Leihgestern mit seiner Klasse Stab- und Geräteübungen vor; darauf entwickelte Turninspektor Schmuck eine neue schöne Gruppe von Stabübungen. Die Schüler zeigten sich den Anforderungen in jeder Hinsicht gewachsen, und Inspektor Schmuck sprach dem Lehrer wie den Schülern seine volle Anerkennung aus. Bei dem nachfolgenden gemütlich^ Teil begrüßte der Vorsitzende, L ach-Großen-Linden, die zahlreichen Gäste und verlas Grüße vom Kreisschulinspektor Prof. Dr. Lucius-Gießen und von dem Bezirk Grünberg, die beide leider am Erscheinen verhindert waren. Der Redner stellte fest, daß gerade durch die Anwesenheit des Turninspektors bei einer Lektion auf dem Lande betont werde, daß der Lehrerturnverein lediglich im Interesse des Schulturnens wirken wolle, und daß der systematische Stofs nebst der ausgezeichneten Methode den Bedürfnissen nicht nur der entwickelten, sondern auch in gleicher Weise der einfachen Volksschulen gerecht werde. Neben der beruflichen Anregung dieser Versammlungen werde aber gleichzeitig auch das kollegiale Moment in erweitertem Umfange gepflegt, was dem ganzen Stande nur zur inneren Kräftigung den Tagesfragen gegenüber ausschlaaen könne. Turninspektor Schmuck führte aus, daß bei Der Anregung zur Bildung eines Turnvereins! jede Nebenabsicht ferngelegen habe, daß vielmehr das, was in anderen Staaten möglich sei, auch in unserem Lande allmählich sich anbahnen solle, nämlich eine lebendigere Verbindung des Schulturnens mit den Fortschritten des Turnwcsens überhaupt. — Nur allzu rasch kam die Stunde des Abschieds, und die Versammlung trennte sieb mit dem Wunsche: „Auf Wiedersehen!" ** Aufhebung der Sonntags fahrkarten. In Bezug auf die Sonntagsfahrkarten ist dem „Mainz. Anz." von der Kgl. Preuß. u. Großh. Hess. Eisenbahndirektion in Mainz ein Schreiben folgenden Inhalts zugegangen: Eine Aufhebung dieser Verkehrseinrichtung erfolge zur Zeit nicht, sondern nur eine Einschränkung. Diese werde sich so vollziehen, daß Sonntagsfahrkarten nur noch in solchen Verkchrsbeziehungen verausgabt.werden würden, in welchen bisher ein nennenswerter Absatz stattgefunden, sowie — dem ursprünglichen Zweck der Einrichtung entsprechend —. nur für den Verkehr von größeren .Städten nach" solchen 4,/oc/o Chinesen Tendenz: ziemlich fest. Für die Redaktion verantwortlich, L V.: R. Drttmann. 198.00 174.60 119.80 129.20 135.50 133.50 154.00 182.90 164.70 155.60 100.70 90.75 100.55 90.85 98.35 98.80 43.10 25.80 26.50 84.87 Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank , Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn < Gotthardbahn . , . Laurahütte . , , < Bochum . . , , Harpener . , . 372% Reichsanleihe . 3% do. . . 31/0/fl Konsole . . . 3% do. .... 3^2% Hessen . . . 50/0 Italien. Rente . . 4C/0 Griech. Monopol-Anl, 3'Vo Portugiesen . . * 30/0 Mexikaner . . Vermischtes. Berlin, 7. Sept. Ein schwerer Bootsunfall hat sich bei Heringsdorf zugetragen. Der ehemalige Verleger der „Lägt Rundschau" und jetzige Verleger der „D. Verkehrszeitung" der „Stell. N. Nachr." in Berlin, Leutnant a. D. Brigl, unternahm mit seiner Gattin, mit der er seit Ende Mai hier weilte, bei starkem Nordost und heftiger Brandung eine Segelfahrt nach dem benachbarten Misdroy mit einem Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. Dl., 9. September. Meteorologische Beobachtungen der TLatioa Gietzen. worauf der Literarhistoriker Professor Adolf Stern-DreNi den die Festrede hielt. Wirk. Geh. Rat Trip s a überreichte: das Kommandeurkrcuz des Herzogt braunschweigischen Ordens Heinrichs des Löwen, der Großherzog von! Baden ließ dem Jubilar die goldene Medaille für Kunst, und Wissenschaft am Bande und den Orden Bertholds I. von Zähringcn überreichen. Ter preußische Mltusmrnist-r hat Wilhelm Raabe schriftlich beglückwünsscht und ihm mit- geteilt, daß das Ministerium des Jnnerp im Interesse der Verbreitung seiner ausgezeichneten Schriften eine größere Summe zum Ankauf von Werken für die Volksbiblwthekew bestimmt habe. Stadtrat Meyer überbrachte das Diplom als Ehrenbürger der Stadt Braunschweig, ein Vertreter von Eschershausen das der Vaterstadt des Dichters. Die Universität Göttingen übersandte ihm durch Professor Roetlc die Ernennungzum Ehrend0kt 0r, während Professor Schottler im Austrage der technischen Hochschule und der Westermannsche Verlag Adressen Übergaben. Beim Festmahl im Wilhelmsgarten feierten Hans Hoffmann, Professor Wilhelm Brandes sowie Rechtsanwalt Engeln brecht den Jubilar, während Julius Schm eher ein 'Album huldigender Fe st blätter erster Meister der deutschen Tichtung und Kunst überreichte. Aus fast allen weisen der Litteratur und Stirn ft Deutschlands trafen telen graphische Glückwünsche ein. Der rüstige Jubilar nahm,, umgeben von Gattin und Töchtern und Freunden, die begeisterten Huldigungen mit Dank und in' .Mler Heiterkeit entgegen. Petersburg, 8. Sept. Heute sand der Stapellauf des Linienschiffes „Borodino" statt. Cleveland, 8. Sept. Die hiesige Polizei erklärt, nach eingehender Vernehmung einer Anzahl Freunde Czolgaxs, sie verrnochte kein Anzeichen vom Bestehen eines Komplotts in Buffalo zu entdecken. Arbeiterbewegung. 0. Mainz, 8. Sept. Der in der Staufirma Flügge anfang der vergangenen Woche ausgebrochene Strike dauert,? entgegen der Erklärung Flügges noch an. Es sind seit gestern fast sämtliche Arbeiter in Ausstand getreten. Es ist versucht, und von beiden Seiten auch angenommen werden, durch das Gewerbegericht eine Einigung herbeizuführen, a8er der Unternehmer Flügge hat im letzten Augenblick erklärt, sich auf keine Verhandlungen emzulassen, und ist deinentsprechend auch nicht bei dem von dem Gewerbegericht angesetzten Termine erschienen. Der Grund zu dem IStrike ist, daß die Arbeiter zehnstündige Arbeitszeit und eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 45 Pfg. die Stunde verlangen. Berlin, 8. Sept. Der Reichskanzler traf abends aus Norderney hier ein und nahm den Vortrag des Staatssekretärs v. Richthofen entgegen. Er setzte darauf die Reise nach Pillau fort. Frankfurt a. M., 9. Sept. Auf die Nachricht vom Tode des Finanzministers v. Miquel trafen bfe drei Söhne des Verstorbenen, Oberleutnant v. Miquel vom 15. Trag.-Reg. in Rathenow, Landrat v. Miquel in Rathenow und Legationssekrctär v. Miquel von der deutschen Botschaft in Paris hier ein, so daß die gesamte, Fst- mitte des Verstorbenen am Totenbett versammelt ist. Tie Beerdigung wird in Frankfurt am Mittwoch stattfinden. — Vom Kaiser Wilhelm ist ein Beileidstelegramm eingegangen; ebenso sind bereits zahlreiche andere Beileidskundgebungen eingetroffen. Fiume, 8. Sept. Ta die bakteriologische Untersuchung des Leichnams des am 3. September verstorbenen 75jähr. Matrosen Giusttch verdächtigeSysteme ergeben hat, ist die Schließung des Krankenhauses angeordnet und die strengsten Vorsichtsmaßregeln sind getroffen worden , obschon der Umstand, daß seit dem 26. August, wo Giustich in Fiume eingetrosfen, sich kein verdächtiger Krankheitsfall ereignet hat, die Ansteckungsgefahr sehr gemildert erscheinen läßt. Der Budapester Universitäts-Professor Patik kam hierher, um festzustellen, ob die Bazillen, deren Einimpfung den Tod von Versuchskaninchen zur Folge hatte, als Pestbazillen sich erweisen. , Braunschweig, 8. Sept. Tie Feier zu Wilhelm Raabes 7 0. Geburtstag gestaltete sich zu einer großartigen nationalen Kundgebung. Der Festakt im Mstadt-Rathause begann mit ergreifenden Festgesängen unter Leitung des Tomorganisten Schrader, Pasages, 8. Sept. Der Kommandant des deutschen Schulschiffes „Stein" gab heute den Behörden von San Sebastian ein Frühstück. Unter den Geladenen befand sich auch ein Vertreter des Ministers des Aeußeren. Washington, 9. Sept. Die kolumbische Gesandtschaft erhielt ein Telegramm vom Auswärtigen Amte in Bogata, worin neue Einfälle seitens Venezuelas, Eenä- dors und Nicaraguas gemeldet werden. Die Gesandt- chaft empfing ferner folgendes Telegramm, vom stellver- retenden Gouverneur von Panama: Wir erwarten gleichzeitige Angriffe auf Panama und Colon. Bnffallo, 8. Sept. Ein nachmittags 4 Uhr ausgegebenes Bulletin über das Befinden MacKinleys lautet: Seit dem letzten Bulletin schlief der Kranke im ganzen 4 Stunden ruhig. Seit 9 Uhr früh ist der Zustand des Präsidenten von allen Aerzten als zufriedenstellend bezeichnet worden. Puls 128, Temperatur 101 Gr. Fahrenheit, Atmung 28. — Ein zweites Bulletin, das abends 9 Uhr ausgegeben wurde, lautet: Der Präsident ruht ungestört und es zeigt sich kein besonderes Zeichen irgend einer Veränderung seit dem letzten Bulletin. Puls 130, Temperatur 101,6 Fahrenheit, Atmung 30. Buffalo, 8. Sept. Gestern abend« wurde bekannt, Mac Kinley habe seit dem Ueberfall keinerlei Nahrung zu sich genommen, nur Wasser wurde ihm in kurzen Zwischenräumen gegeben. Die Aerzte meinen, der Patient sei kräftig genug und bedürfe zur Zeit keiner Nahrung und keiner Stärkungsmittel. Medizin wurde bisher nicht gegeben, ausgenommen Fingerhuttvopfen, welche verordnet worden sind, um den Puls zu beruhigen. Alle Kabinettsmitglieder sind hier eingetroffen außer Staatssekretär Hay, und Marinesekretär Lon g, die üoch heute erwartet werden. Tie Möglichkeit daß Roosevelt während Mac Kinleysj Krankheit als stellvertretender Präsident amtieren müsse, wurde gestern in unverbindlicher Meise besprochem Alle Präzedenzfälle sprechen dagegen. Wtznn nicht ein unerwartetes Ereignis oder ernste Verwickelungen mit dem Auslände eintreten, wird die Eventualität, daß Roiosevelt als Vertreter des Präsidenten amtieren müsse, als. in weitem Felde liegend angesehen. i / Chicago, 8. Sept. Die hiesigen „Daily News" veröffentlichen die Aussagen, welche Czolgids!z vor der Polizei in Buffalo mackste. Djeser erklärt darin, er hakte lediglich unter dem Einfluß anarchistischer Schriften gehandelt und sei überrascht über die Art und Weise, wie ihtt das Volk nach dem Ueberfall behandelte. Nachdem Czolgosz die Aussagen unterschrieben hatte, erklärte er, er bereue die die That durchaus nicht, weil er für eine große Sache thttt, was er konnte. Er stehe in keinerlei Verbindung mit der Patersvngruppe oder den Anarchisten, welche Bresci nach' Italien sandten. Er habe keine Mitwisser. Ein anderer aus Brüssel vorliegender Bericht besagt, (tzolgosz gab zu, mit Freunden über seine That gesprochen zu haben. Bor der? • Hand erhielt Czolgosz keinen Rechtsbeistand. Er sagt, er wolle keinen Rechtsanwalt. karte zur Verfügung gestellt, die offenbar ein ähnliches Schwindelmanöver bezweckt. Es heißt darin: „Mit Gegenwärtigem will ich Sie bitten, ein ganzes Los der hessischen Lotterie mir zukommen zu lasten. Den Gegenwert werde zur dritten und letzten Ziehung begleichen. Achtungsvoll Sch. Jakob Landau, Lodz." *• Gefaßter Dieb. Schon seit längerer Zeit wurden auf dem Bahntransport befindliche Gepäckstücke erbrochen und teitweise chres Inhalts beraubt, wobei es der Dieb Vorzugs- . weise auf Wertgegenstände, Schmucksachen, Geld u. bergt abgesehen hatte. Man schöpfte gegen einen in Butzbach wohnhaften 20jährigen Streckenarbeiter Verdacht. Gestern früh begab sich ein hiesiger Kriminal-Schutzmann in Begleitung zweier höherer Bahnbeamten nach Butzbach, wo die Wohnung deS Verdächtigen einer Durchsuchung unterzogen wurde. Die Durchsuchung hatte denn 'auch völligen Erfolg, -töten fand die mannigfachsten Gegenstände: goldene Kettchen, Broschen, Medaillons, ein goldenes Kreuz, Zigarren, Strümpfe u. bergt in seiner Wohnung aufgespeichert, die aus vier Diebstählen herrübren. Der Beschuldigte ist geständig. Er hat crllärt, die Diebstähle in der Weise ausgeführt zu haben, daß er auf der Strecke Friedberg, Nauheim und Butzbach im Packwagen mitgefahren sei und bei dieser Gelegenheit die betr. Gepäckstücke geöffnet und Wertsachen daraus entwendet habe. Unter den vorgefundenen Gegenständen befanden sich auch Goldsachen, die einer hiesigen Dame aus einem Gepäckstück geraubt waren. Der Dieb wurde verhaftet. •* Schlagerei. Gestern abend gegen 10 Uhr entstand in der Marburger st raße zwischen zwei Arbeitern eine Schlägerei, wobei der eine seinen Gegner derartig traktierte, daß dieser mehrere Verletzungen am Kopf davontrug und in der Klinik verbunden werden mußte. Der Thäter, ein hiesiger bekannter Raufbold, ist zur Anzeige gebracht worden. •* Ruhestörung. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag verursachten Bewohner der sogenannten „Kracheburg" an der Neuenbäue im Innern der Hoftaithe einen derartigen ruhestärenden Lärm, daß die Polizei einschreiten mußte. Die Ruhestörer wurden zur Anzeige gebracht. Darmstadt, 8. Sept. Ganz nahe an derselben Stelle, an welcher auf dem Bahndamm des Odenwaldgeleises der Zu- sammenftoß zwischen einem Rangier- und einem leeren Militär- zug stattfand, wurde heute nacht von ruchloser Hand ein schweres, mehrere Zoll starkes Maurerbrctt quer über die Schienen gelegt. Der Frühzug aus dem Odenwald fuhr ohne Schaden zu nehmen darüber. Die Maschinenräder schnitten das Brett an der Außenkante glatt durch. Der Lokomotivführer bemerkte das Hinternis zu spät und konnte trotz aller Anstrengung den Zug vorher nicht mehr zum stehen bringen. Die Kriminalpolizei fahndet eifrig nach dem Thäter. Man soll ihm bereits auf der Spur sein. — Die Ausstellung der Künstleckolonie erfreute sich heute wieder eines überaus starken Besuches. Man schätzte die Zahl der Besucher auf mehr als 10000. Das Ueberdokument fand heute ein freudloses Ende. Wie man hört, sind die auf 8000 Mk. taxierten Unkosten durch die Einnahmen gerade gedeckt. fc. Homburg v. te H., 8. Sept. Tie vvn Professor UphueS ausgearbeitete Skizze für das hier zu errichtende Kaiserin Friedrich-Den km al hat den vollen Beifall bie3 Kaisers gefunden. Das Denkmal wird aus einer doppelt lebensgroßen Miste bestehen, die sich auf einem schlanken Postament erhebt. Die Kaiserin ist in der Blüte ihrer Jahre, etwa als Vierzigerin dar gesollt nach einer aus dieser Zeit wohlgelungenen Photographie. Tas Haupt schmückt oie Krone, die Rechte hält das Gewand über der Brust zusammen. „Viktoria Kaiserin Friedrich" lautet die von einem Kranz umrahmte Inschrift des Sockels. Eine Palme, durchflochten von Rosen, denen auf Wunsch des Kaisers noch Passionsblumen als Symbol des Leidens hinzugefügt worden, liegt auf der oberster Stufe. Tie Büste wird aus Marmor, der Sockel aus rfotem Granit hergestellt. Kranz und Palme werden in Bronze gegossen. fc. Frankfurt a. M., 8. Sept. Zu dem Rekontre zwischen Leutnant Walb und Ingenieur Beck erfahren wir noch, daß zwischen den beiden vor ca. 3 Wochen schon einmal ein Zusammenstoß stattsand, ebenfalls wegen ter Marga Patzst, daß deshalb vom Regiment (168) eine Untersuchung eiitgeleitct war. Walb wurde von Offenbach zum 1. Bat- nach Butzbach versetzt. Seitdem hat Walb den Entschluß gefaßt, den Rock des Königs an den Nagel zu hängen und nach New-Ank zu gehen, um dort Zahnheilkunde zu studieren. (SÄn Vater ist Hofzahnarzt in Darmstadt.) Tas Billet zur Ueberfahrt hat Walb bereits am 31. August, also vor dem letzten Rekontre, gelöst Marga Pabst ist die Tochter eines in Sachsenhausen wohnenden Schreinermeisters. "Sie sellst wohnt als „Privatiere" hier in der Niddastraße. Zpielplarr der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 10. September,*) „Der Troubadour." Mittwoch, 11. September. „Mamsell Ang 0 t". Donnerstac, 12. September. „Der Ring der Nibelungen". Vorabend „Das N h e i n g 0 l d". Freitag, 13. September. „Der Trompeter von Sakkingen." Samstag 14. September, 67, Ubr „D e r Ning des N i b e l u n g e n". Erster Tag: „D i e W a l - küre." Sonntag, 15.September. „AlessandroStradella . In den Tagen vom 12. bis 22. September wird iur Opernhaufe Wagners „Ring des Nibelungen" zur AuM)rung gelangen. In ,,R h e i n g 0 l d" (am Donnerstag, 12.) wird Kammersänger Dr. Raoul Walter au§ München die Partie des „Loge" als Gast fingen. Am Samstag, 14. September, folgt „Die Walküre", am Dienstag, 17. September „Siegsrred", am Sonntag, 22. September, „Götterdämmerung" mit den einheimischen Kräften. Schauspielhaus. Dienstag, 10. September. „Ueber unsers Kraft" Mittwoch 11. Sept. „Schmetterlings sch lacht". Donnerstag, 12. öept. Abonnementsvorftellung für einen ausgefallenen Mittwoch. Zum ersten Male: „Glück". Freitag, 13. Sept. „Die Räuber". Samstag, 14. Sept „G l ü er. Sonntag, 15. September. 3V»Uhr. „Flachsmann als Erzieher." 7 Ubr: „Glück". *) Wenn nicht anders bemerkt um 7 Uhr. Orten, welche selbst oder durch ihre Umgebung dem Er- holmrgsbÄ>ürfnis des Großstädters in der freien Natur zu bienen geeignet sind. Schon seit Jahren wären in Voraussicht der geplanten Reform der Persvnentarife alle Anträge auf Äk^äehnung der Sonntagsfahrtarten abgelehnt worden. Im Verkehr von Mainz würden bis auf weiteres nach folgenden Platzen Sonntagsfahrkarten bestehen bleiben: Von Mainz Hpt^f- nach Alzey, Bingen-Rüdesheim, Bingerbrück, Tarm- städit, Gr.-Geran, Jngelheim-Lestrich-Winkel, Kreuznach Bad oder Stadt, Münster a. St., Oppenheim, Uhlerborn- Von MainL-Neuthor nach Darmstadt, Gr.-Gerau, Oppenheim, llu- yrtcenenb sei, anzunehmen, daß die Sonntagsfahrkarten eine Eigentümlichkeit des im Großherzogttim Hessen be- lsgeneu Eisenbahnnetzes wären. Sonntagsfahrkarten wurden viÄmeyr im weitesten Umfange im gesamten Gebiet der ,Preußischen «Äaatsbahnen verausgabt. Tie bevorstehende Einschränkung erfolge daher auch nach gleichen Grundsätzen für das ganze Netz der Preußisch-Hessischen Staatsbahnen, tm Zusammenhänge mit der weittragenden Verkehrserleichterung, welche durch Einführung der 45 tägigen Giltigkeits- daner der Mckfahrkarten gewährt worden wäre. ~ Schwindelei. Unter dieser Spitzmarke brachten wir in unserer SormtagSnummer eine Notiz, nach der viele hessische Lotteriekollekteure seit dem kurzen Bestehen unserer Landes-- lotterie bereits von ausländischen Losabnehmern beschwindelt worden sirrte Heute wird uns von Herrn Jughardt eine Post- dem Schiffer Peters gehörigen Boot. Am Mittag ist das : Boot, in dem sich außer den schon genannten noch zwei, • 18- und 19jährige, Söhne des Schiffers Peters befanden, ■ auf hoher See von Heringsdorf aus gesehen, auf seine Rückkehr aber vergeblich gewartet worden. Heute Millag sind nun die Leiche der Frau Brigl und Teile des Bootes in der Nähe von Heringsdorf angeschwemmt worden, sodaß leider mit Gewißheit anzunehmen ist, daß sämtliche fünf Jn- affen den Tod gefunden haben. Brigl hinterläßt einen dreijährigen Knaben, der unter dem Schutz von Verwandten sich befindet. Neber die Ursache deS Unglücks kann es nur Vermutungen geben. Das Boot dürste bei dem schweren Wetter voll Wasser geschlagen sein, so daß es jäh gesunken ist. Herr und Frau Brigl waren passioniette Freunde des Waffersports und unternahmen besonders bei hohem Seegang mit Fischern weite Ausflüge in See. Die junge führte Frau hierbei regelmäßig das Steuer. Handel und Verkehr. Uollrswirtschast. Märkte. Grünbera, 7. September. Fruchtmarkt (TurchschnUts- preis pro 100 Kilo.) Weizen 16.38 bis 16.50 Mk., Korn lo.30 bis 19.00 Mk.. Gerste 13.00 bis 00.00 M., Hafer 13.08 bis 13,50 Mk., Erbsen 15.25 bis 00.00 Mk., Linsen 00.00 Dlk., Lein 00.00 Mk., Wicken 00.00 Mk., Samen 00.00 Mk., Kartoffeln 6.00 Mk. fc. Franisurt a. M., 9. Septbr. (Telegr. Orio.-Berlcht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Vrehmarkt- preise. Zum Verkaufe.standen 484 Ochsen, darunter 123 aus Oesterreich, 52 Brillen, darunter 2 aus Oesterreich, 909 Kühe, Fersen, Stiere imd Rinder, 290 Kälber, 312 Schafe nnd Hammel, 1437 Schweine, 2 Ziegen, 0 Ziegen-, 10 Schaflämmer. „Bezahlt mutte für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualllat 68—69 Mk. 2. Qual. 62—65 Atk., 3. Quat 58—60 Mk.; Bullen 1.Qual. 5o bis 57 All., 2. Qual. 51—54 Mk.; Kühe 1. Qual. 60—62 Mk., 2. Qual 56—58 Mk., 3. Qual. 42—45 All, 4. Quat 32—34 Mk., 5. Quat 30—32 Mk. Kälber: 1. Qualität 77—79 Pfg., Lebendgewicht 46 bis 48 Pfg., 2. Qual. 69—71 Pfg., Lebendgewicht 40—42 Pfg., Schlachtgewicht 57—58 Pfg., Schafe: 1. Quat Schlachtgewicht 62—64 Pfg., 2. Quat 55—57 Pfg.; Schweine 1. Quat 68 Pfg., Lebendgewicht 54 Pfg., 2. Quat 67 Pfg., Lebendgewicht 53 Pfg., 3. Quat 58 bis 60 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft ber Hornvieh gedrückt, bei Kleinvieh gut Mackt geräumt , fc. Frankfurt a. M., 9. Sept. (Orig.-Telegr. des „Greßew Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktprerfe. Weizen Mk. 16.25—00.00, Kurhessischer Mk. 00.00—00.00, La Plata Mk. 16.75—17.25, Kansas Mk. 00.00-00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 13.50—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 16.00-16.50, Kleie Mk. 00.00—00.00, Hafer Mk. 13.75—14.00, Mais Mk. 12.00 bis Mk. 12.25, Weizenmehl 0 Mk. 24.75—25.25, 2. Qualität Mk. 22.75 bis Mk. 23.25, 3. Qualität Mk. 20.75—21.25, Nogaenmehl 0 Mk. 21.75—22.25, 1.Qualität Mk. 20.50—20.75, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Mk. 00.00, 'Roggenkleie Mk. 9.75—10.00, Maiskeime Mk. 9.50 bis Mk. 10.00. Alles per 100 Kg. ab hier. Lemberg, 8. Sept. Nachts wurde in die Geschäftsräume des Bankhauses Jonas vom Keller au§ eingebrochen und aus der feuerfesten Kaffe ungefähr 80,000 Kronen, Wertpapiere und Bargeld, geraubt Die übrigen Kassen sind unberührt. September Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit «Windrichtung Windstärke Wetter 7. 925 748,7 + 12,8 10,6 97 Still 0 Bew. Himmel 8. 8. 726 226 749',8 749,3 + 14,6 + 19,8 12,0 12,2 97 65 Still 8. 0 2 Sonnenschein Bew. Hrrnmel 8. 915 749,9 + 14,6 12,0 97 SE. 1 V 9. 715 749,5 + 12,2 9,1 87 N. 1 V Hoch Niedri Höchst Niedri te Temperatur gste 0 e gste »/ am H H 6.-7. it 11 7—8. 11 September u V II 4 4 4- -V 17,7° C. 8,8° 0. 20,1° 0. 6,0° C. Todes-Anzeige. Todes-Anzeige Giessen, den 8. September 1901. Giessen, den 9. September 1901. 6054 6050 ■- ein* nauer c) L bet daß Lehrv siche. Seltersweg 81. allen 10 M ba Lch fnti q. Main 5886 I. 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