Nr. 59 Viertes Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 10. März 1901 Erscheint täglich mit >«ie Kauveuterche. Schauspiel in 4 Akten von Ernst v. Wildenbrnch. Der Versuch Wildenbruchs, aus dem Leben und aus den sozialen Gegensätzen unserer Zeit heraus ein Drama in realistischer Behandlung und Zeichnung der Gestalten zu schaffen, ist dem Dichter nicht soweit gelungen, daß man seinem Werke das Beabsichtigte in Form und Inhalt nicht sofort an« merkte. Die Figuren seines Schauspiels hat er so gezeichnet und in eine solche Beleuchtung gegeneinander gestellt, daß man, wie bei einem schlechten Roman, gleich beim Beginn merkt, was sich zwischen den Hauptfiguren abspielen wird. Und so realistisch die Figuren seines Dramas gezeichnet scheinen, so verleiht ihnen doch das Beabsichtigte in ihnen den Eindruck des Romanhaften, Unwahrscheinlichen und Zurecht gemachten. Recht scherzhaft ist es für den, dessen Beruf es ist. Tag für Tag mit den verschiedenen Erscheinungsformen der sozialen Frage sich ernsthaft herumzuplagen, eine Weile lang die sondersamen Tiraden anzuhören, die ber. Herr Geh. LegationSrat Dr. jur. h. c. v. Wildenbruch über Sozial Politik vom Stapel des Auswärtigen Amtes auS in die Welt hinausfahren läßt. Schlimm aber wirds, wenn der nicht unechten schwülen Bersührungsszene des letzten Aktes ein jämmerlicher Sentimentalitätenbrei angefügt ist, der litterarische Magenbeschwerden hervorruft, die selbst ein guter Schluck Rotwein nicht zu vertreiben vermag. Wildenbruch ist aber trotzdem als Dramatiker ein solcher Meister, daß sein Stück anzuziehen und bis gegen den Schluß zu feffeln vermag. Auch bietet das Stück eine Reihe dank barer Rollen, die obendrein für Talentproben wie geschaffen scheineu. In der Titelrolle der Lene Schmalenbach zeigte sich am Freitag Frl. Kugler. Wenn sie nicht Gelegenheit gesunden hätte, in der wichtigen Szene des zweiten Aktes durch den Ausdruck feineren Gefühles von Talent ein Fünkchen leuchten zu lassen, bann würde man das gute Recht haben, nach dem gestrigen Abend es ihr adzusprechen. In den ersten Szen n sah man nichts von der echten Fröhlichkeit und ungekünstelten Naivetät des reinen kleinen Fabrikmädchens. Frl. $L war vielmehr ganz und gar nicht bei der Sache, sie war zerstreut und hatte offensichtlich anderes im Kopf als ihre Rolle. Da bei forcierte sie die linkstche und derbe Unbeholfenheit des Mädchens aus dem Hinter Haufe nicht gerade erfreulich Trotzdem glaube ich noch immer, daß ihr Talent, in richtige Bahnen gelenkt, etwas zu leisten vermag. Sie selbst besitzt zur rechten Abtönung nicht künstlerische Reife genug. Der August Langenthal des Herrn Ramsey er war nicht idea' genug angelegt. Dieser sonderbare, mit der Theaterschere künstlich zurechtgeschnittene Schwärmer kann nur bann einen gelinden Schein von Echtheit erwecken, wenn er, anstatt bürger 'ich trocken und nüchtern gespielt zu werden, einen Zug ins Höhere hat. So erst kommt ein einigermaßen menschen möglicher Kontrast zwischen ihm und seinem Halbbruder Her mann heraus. Diesen Hermann gab Herr bi Balthyni mit ber rechten cyaischen Schnobbrigkeit in Anschauung und AuSbruck, bte biesem moralisch verlotterten frühreifen Bengel eigen ist. Wiederholt habe ich erwähnt, baß feine Sprech weise nicht einwanbfrei ist, baß es ihr an scharfer Accentuicrunp fehlt, baß seine Ueberhast ihm oft die besten Wirkungen raubt Herr bi Balthyni aber ist, wie er mir kürzlich mitteilte, sürstl. Hoheuzollernscher Hofschauspieler. Das genügt ihm — wenn auch nicht uns. — Eine ausgezeichnete Charakter- leistung war wieder ber Ale Schmalenbach bes Herr» Liebscher, einer ber Hauptstützen unseres Ensembles. I» Derlei Rollen ist Herr L. stets von echtester Komik. Ander ganz zur Passivität verbammten Juliane vermochte Frl. Korn beim besten Willen nichts zu machen. In ben Rolle» 'ec Frau Schmalenbach u»b ber Büttgesellen Jlefelb genügte» Frau Ernst unb Herr Marlitz billigen Ansprüchen. P. W. Meratur, Wissenschaft und Kunst. — Philipp Röth, einer der feinfühlendsten Landschaftsmaler, •eiert am lu. März feinen 60 Gedurttt-g. Röth, 1841 in Darm« »labt als Sohn d-S Schreinermeisters J-k. Iah. Röto geboren, zeigte , s-don früh ein so au-roesprochenes Zctchrntalent, daß fein L hrer^ Lauthar bt ihm unertgeltliL Unt-nicht im Z< chnen und Modelliere» aat>. Mit 16 Jahren hat er als Schüler bet dem Landschaftsmaler A. L kos e«n, ber ihm den Zutritt »um Zeichenunterricht nach der flnt tt bei Pofeffor Kail Seeger ermöaltchle. Von h-er ging Röth 1859 nach Ka ltz:uhe, um dort dis 1860 an bet Kunstschule bet I. iß. Schirmer zu Üub erm, ber das Talent deS schüchternen junge» ManneS badmch wesentlich förberte, daß er ihm ein Stipenvium ber Großherzogin Mathilde von Hessen verschaffte. AiS 1861 Paul Weber von seinen Studienreisen nach Darmstadt zuückgekehrt war, nahm -i Rölh als Schü':» an, der ihn auch bet seiner Ueberfiede'ung nach Düss-ldorf beeile tetr unb sich hort selbständig machte. Zahl eiche S'ubienfahrten in Mittel« und Südbeuischtanb IMeiten khm bte Motive zu seinen stimmungsvollen Bildern, bis ihn endlich München durch seine malerrsche Umgebung dauernd feffelte. Die Tochter seines Lehrers Pa«l Wick des Bcdmierns des Tudjto.cn Angriffs aus Be. Maiestat Kaiser Wilhelm und bittet das Haus um Genehmigung zur Absendung eines Miilkwunschtele- grannns Das Haus stimmt diesen, Vorschlag einstimmig zu. Das Beglückwunschungstelegramm hat folgenden Wort fallt: Sr. Majestät dem Kaiser, Berlin, Schloß: Mit tiefster Entrüstung hat die Zweite Kammer des hessischen Land tags die Nachricht von dem auf Ew. Majestät verübten ruchlosen Attentat vernommen. Gestatten Ew. Majestät, daß die Kammer dem innigsten Glückwunsch zur glück kichen Errettung aus einer großen Gefahr und den Ge fühlen des Dankes gegen die Vorsehung Ausdruck verleiht, daß Schlimmeres durch Gottes Fügung verhütet wurde. Haas. Präsident der Zweiten Kammer des Hessischen Landtags. ♦ • • -ck- Darmstadt, 8. März. Wenn ja auch bekannt geworden war, daß am Abend des 7. März der Präsident der Zweiten Kammer, Geh. Regierungsrat Haas, zu einem parlamentarisches Abend in das Hotel „Zur Traube" eingeladen hatte, so wird doch jeder in der Kammer Anwesende heute das Empfinden gehabt haben, es müsse „etwas los" gewesen sein. Einige der Herren Abgeordneten kamen erst gegen Schluß der Verhandlung, andere erzählten, erst in der Morgendämmerung die heimischen Penaten ausgesucht zu haben. Die Pause dauerte länger als sonst. Die Sitzung wurde auf vielfach geäußerten Wunsch hin schon um zwölf ein Viertel Uhr geschlossen. Dies waren alles Momente, die auffallen mußten. Tubei war im allgemeinen die Stimmung flau. Trotzdem wurden jedoch einige wichtige Kapitel unter Dach und Fach gebracht, so vor allem mit 16 gegen 15 Stimmen die Regierungsvorlage bei dem Kapitel „L a n d e s u n i v e r s i t ä t" auf Neuerrichtung einer ordentlichen Professur für Philosopie und Pädagogik und einer außerordentlichen Professur für semitische Sprachen. Dieser gedruckten Stimmung ist es auch zuzuschreiben, daß die heute behandelten Punkte sehr schnell behandelt wurden. So begegnete die Vorlage betr. die technische Hochschule in Darmstadt wenig Widerspruch, obwohl alle Redner sich vornahmen, demnächst, wenn die notwendig gewordenen Bauten der Hochschule behandelt werden sollten, auch die Mißstände an dieser (Ueberfüllung durch Ausländer zc.) entsprechend zu würdigen. Nur dem akademischen Gesanglehrer und dem Baureferenten für die Gebäude der Hochschule wurde nichjt von vornherein die Berechtigung ihrer Existenz von allen Abgeordneten zugestanden, jedoch! bei der Abstimmung kamen auch diese beiden zu ihrem Recht. Auch die von der kaufmännischen Bevölkerung unseres Landes so heiß ersehnte hessische Handelshochschule wurde bei diesem Kapitel wieder einmal berührt, und wenn die Finanzlage unseres Landes etwas besser wäre, so hätten wir, nach den Ausführungen des Staatsministers, vielleicht schon eine solche. Bloß die Platzfrage scheint einige Schwierigkeiten zu bereiten, da die Mainzer sich stark für dieselbe ins Zeug legen. Ob aber die Regierung die Handelshochschule von der Darmstädter technischen Hochschule trennen wird? Die Zukunft wirds lehren. Manches offene Bekenntnis legten einige Abgeordneten bei dem Kapitel „Gymnasien, Realgymnasien, Realschulen 2C." ab, da man erörterte, was wohl bei unserer höheren, besonders unserer humanistischen Schulbildung als überflüssig über Bord geworfen werden könne. So wendete sich Abg. v. Brentano dem zu formellen und unter zu großem grammatikalischem Druck griechischen Unterricht zu. Er glaubt die Abneigung der Schüler gerade gegen dieses Unterrichtsfach darin zu erblicken, daß sie sich dieses Teiles ihrer Bibliothek sehr bald zu entledigen suchen. Herr v. Brentano bekennt aber selbst, stets kein Freund dieser Sprache gewesen zu sein, was seine Stellungnahme besser erklärt. Weiter trat er der jetzigen Form der Reifeprüfungen entgegen: er glaubt, man müsse bessere Ziele durch A b i t u r i e n t e n k u r s e erreichen. Daß der Zufall bei Prüfungen eine zu große Rolle spiele, dagegen müsse man sich wenden. Er gestand, in einigen weniger von ihm geliebten Fächern in der Abiturientenprüfung „Schwein" gehabt zu haben. Auch wünschte Abg. v. Brentano eine Verlegung der Ferien, wie sie in vielen Städten zurzeit bestehen. Daß in akademischen und juristischen Kreisen, deren Ferien durch Verordnung bezw. Gesetz festgelegt sind, diese Trennung der Ferien in Sommerferien im Juli und in Herbstferien Ende September, unangenehm empfunden werden muß, ist klar und eine durchgreifende Aenderung in der von Herrn v. Brentano gedachten Weise wäre sehr wünschenswert. Dem von ihm geäußerten Wunsch, man solle auf den Gymnasien vor lauter gelehrter Wissenschaft das körperliche Wohlergehen nicht vernachlässigen, wird man voll und ganz beistimmen. Daß auch auf den Gymnasien das Turnen gebührend gewürdigt werde, wurde auch von der Regierung als deren Wunsch anerkannt. Deutscher Reichstag. Berlin, 8. März. Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Entwurfs betreffend Unfallfürsorge für Beamte und für Personen des Soldatenfiandes. Abg. Hoffmann-Dillenburg (natl.) begrüßt das Gesetz trotz einiger Ausstellungen als Fortschritt. Abg. Müller-Sagan (frf. 93p.) wünscht eine rasche Verabschiedung der Vorlage, die nur eine Konsequenz der bestehenden Unfallversicherung sei. Abg. Trimborn (Centr.) wünscht ebenfalls, daß das Gesetz ohne Kommissionsberatung erledigt werde. Das Reichsamt des Innern scheine sich nach und nach zu dem Grundsätze zu bekennen: bis dat qui cito dat. Abg. Molkenbuhr (Soz ): Die Vorlage hätte schon früher kommen sollen. Der Kreis der Versicherten hätte erheblich erweitert werden können, durch die Einbeziehung von Personen, welche zwischen den gewöhnlichen Arbeitern und Beamten stehen. Geheimrat Caspar bemerkt, es sei nicht möglich, das Gesetz ohne weiteres aus die Kommunalbeamten zu erstrecken. Abg. v. Waldow (kons.) begrüßt die Vorlage mit Freuden. Rach weiteren Bemerkungen des Abg Röstcke-Deffau (wild) und des Geheimrat Caspar schließt die erste Lesung. Kommissionsberatung wird nicht beschlossen. ■' ■ *■ Es folgt die zweite Lesung des Bundesratsbefchluffes," wonach in dem Verzeichnis der besonderer Genehmigung bedürfenden gewerblichen Anlagen die Worte „Kalk-, Ziegel-, Gyps-Oefen" ersetzt werden sollen durch „Anlagen zur Herstellung von Cement, gebranntem Kalk, geweißtem Gyps und von Ziegelsteinen und anderen gebrannten Thonwaren “ Ein Antrag Hoffmeister (frf Ser.) will die handwerksmäßig betriebenen Töpfereien mit nicht mehr als zwei Brennöfen ausnehmen. Präsident Graf B a l l e st r e m bemerkt, der Bundesratsbeschluß halte die Stellung von Anträgen dazu nicht für zulässig. Abg. Hoffmeister bittet, bei Nichtannahme seines Antrages um Ablehnung des Bundesratsbeschluffes. Sein Antrag liege im Jntereffe der kleinen Töpfereien. Uebrigens sei er auch bereit, seinen Antrag zurück zu zieh-n. Nach einigen Bemerkungen des Abg. C a h e n S l y (Centr.) erklärt Abg. G a m p (Reichsp.), bte gewerblichen Anlagen müßten weniger schematisch und mehr den Bedürfnissen nach beurteilt werden. Staatvfekrekür Gras Posadowsky: Der Bundrsrat werde die Frage nochmals eingehend prüfen. Er hoffe demnächst eine Erklärung abfl Den zu können, wonach eine Emigung mit dem Hause herbeige, führt werde. ” Abg. Spahn (Centr) beantragt, den zweiten Gegenstand von der Tagesordnung abzusetzen, und chn erst nach Ostern wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Das Haus beschließt demgemäß Die folgenden Wahlprüfungen w.'kden gemäß den Anträgen der Kommission erledigt. Bezüqlich der Wahl des Abg. Graf Stolberg-Wernigerode (kons.) wird die Wahlangelegenh >t durch die erfolgte Beweiserhebung für erledigt erklärt Bei der Wahl des Abg Prätorius (kons.) wird weitere Beweiserhebung beschloss n Die Wahl des Fürsten zu In- und Kntzp« Hausen wird für giltig -r klärt. Präsident Graf B a l l e st r e m erbittet und erhält die Ermächtigung, dem Kaiser anläßlich des schw ren Unfalles die das Laus beseelenden Gefühle im Namen des ReichetagS auszudrücken. (Lebhafter Beifall) Nächste Sitzung Montag. Tagesordnung: Etat der Schutzgebiete. Schluß 33 4 Uhr. Schwurgericht. K. Gießen, 8. März. Fortsetzung der Verhandlung gegen Karl Habicht wegen Notzuchtsverfvchs. Nach einer Beratung von eiwa 20 Minuten verkündet der Obmann Bürgermeister Karl Roth von Kaichen den Wahrspruch der Geschworenen. Dieselbenhabe« die erste Hauptfrage bezüglich des Notzuchtsversuchs bejaht, ebenso die dazu gestellte Nebenfrage bezüglich der mildernden Umstände. Bejaht wurde auch die zweite Hauptfrage hinsichtlich des Hausfriedensbruches, weshalb die Beantwortung der Hilfsfrage wegen thätlicher Beleidigung im Wegfall kam. Daraufhin beantragt der Staatsanwalt wegen Notzuchtsversuch auf eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und wegen Hausfriedensbruchs auf eine solche von drei Wochen zu er» kennen, diese als eine Gesamtstrafe von drei Jahren und zwei Wochen auszusprechen, dem Angeklagten Karl Habicht auch die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Rosenberg läßt aus den Akten festellen, daß der Angeklagte seit dem 25. Dezember 1900 in Untersuchungshaft sitzt, er bittet diese auf die zu erkennende Strafe anzurechnen, bezüglich deren Höhe er keinen Antrag stellt. Rich kurzer Beratung verkündei der Vorsitzende das Urteil des Gerichtshofes dahin, daß der Angeklagte wegen der ihm zur Last gelegten strafbaren Handlungen eine GesamtgefängniS- strafe von zwei Jahren erhält, daß aber die Untersuchungshaft mit Rücksicht auf die Vorstrafen deS Angeklagten, fein hartnäckiges Leugnen und die Jugend des Opfers auf die erkannte Strafe nicht angerechnet würde. Pferde- und Fohlenmarkt in Gießen am 20. März. Am 20. März findet in unserer Stadt ein Pferde- und Fohlenmarkt statt. Mit diesem Markte, der erst zum zweiten Male abgehalten wird, wird wie im Vorjahre eine Prämiierung und Pferde-Lotterie verbunden sein. Als Preise für die besten Pferde ist die Summe von 1010 M a r k in Bar vorgesehen. Zur Prämiierung können vorgeführt werden: I. zu Markt gebrachte Pferde, 4 bis 9 Jahre alt und zwar: a) Reitpferde, b) Wagenpferde, einschließlich Jucker und Ponys, c) Schwere und leichte Zugpferde. II. a) Fohlen im Alter von 2 und 3. Jahren, im Großherzogtum oder in den an die Provinz Oberhessen grenzenden preußischen Bezirken gezüchtet und noch im Besitze der Züchter: ferner 2 und 3 jährige Fohlen, „nad^ weisli ch" im Lande gezüchtet, und im Besitz von Mitgliedern des Landes-Pferdezuchtvereins oder der landwirtschaftlichen Provinzialvereine; b) durch den Landes-Pferdezuchtverein importierte Fohlen, die bereits 5 bis 6 Monate im Besitz des Herstellers sind. Das vorzuführende Zuchtmaterial ist zu trennen in: a) Pferde und Fohlen, eingeführt oder selbst gezogen, nachweisbar abstammend von Vollblut-, Halbblut-, Oldenburger- oder Vor- männer-Landesgestütshengsten und in b) Pferde und Fohlen Belgischer Schläge, singeführt oder von solchen Landes-Gestütshengsten abstammend (Kreuzungsprodukte sind von der Prämiierung ausgeschlossen). Bei der Prämiierung ist zu berücksichtigen: a) Bei zu Markte gebrachten Pferden: das Exterieur, Fehlerfreiheit und gute Gänge; b) bei Fohlen: reine Abstammung, korrekte Stellung, gefälliges Aeußere, tadellose gerade Gänge im Schritt und im Trabe. Bei Fohlen der schweren Arbeitsschläge (Belgier): reine Abstammung, starkes Fundament, guter Ernährungszustand, gute Gänge und gute Hufe. Folgende Sonderbestimmungen sind getroffen worden: 1. Bei den Anmeldungen zur Prämiierimg oder bei der Vorführung von Fohlen sind Deck-, Geburts- bezw. Kör- scheine vorzulegen. 2) Sämtliche zur Schau ausgestellte Pferde in den nachstehenden Abteilungen müssen ordnungsmäßig für die einzelnen Abteilungen angemeldet sein. Nicht angemeldete oder falsch angemeldete Pferde und Fohlen sind vom Mitbewerb ausgeschlossen. 3. Pferdezüchter, die Mitglied des Landes-Pferdezuchtvereins oder Mitglied der landwirtschaftlichen Provinzialvereine sind, erhalten bei gleicher Güte des Materials den Vorzug vor den übrigen Mitbewerbern. 4. Selbstgezüchtete Stuten und Fohlen haben den Vorrang vor solchen von Händlern gekauften; bei gleicher Qualität der Fohlen haben Stu t fohl en den Vorzug. 5. Von dem Mitbewerb sind ausgeschlossen alle Pferde und Fohlen, die in demselben Jahre bei einem stattgehabten Pferdemarkte eine Prämie von 50 Mark und mehr erhalten haben. 6. Die Pferde müssen vormittags! 9 einhalb Uhr zur Prämiierung aufgestellt sein. 7. Tie Preisverteilung findet auf dem Pferdemarktplatze Nachmittag 3 Uhr statt. Tie Preise werden in bar ausbezahlt. Am Vormittage ist im städtischen Schlachthofe ein Auskunftsbureau eingerichtet Anmeldungen zur Prämiierung haben beim Oekonomierat Sch l e n k e-Hardthof bei Gießen spätestens bis zum 18. März dieses Jahres zu erfolgen. Tie Prämiierungs- Kommission besteht aus den Herren Oekonomierat Schien ke-Hardthof als Vorsitzenden, Major Freiherr von Bormann, Kommandeur des Gendarmerie-Tistrikts Oder- Hessen als Stellvertreter, Gutspächter A. Ben e-Oberweimar bei Marburg, Oekonomierat Hoffmann- Hofgüll bei Lich, Schlachthof - Direktor Liebe- Gießen, Gutsbesitzer Müller-Neuhof bei Gießen. Die Preisverteilung ist folgende: I. Abteil., Reitpferde unter dem Reiter gezeigt: 1. Preis 70 Mk., 2. Preis 50 Mk. II. Abteil., Wagenschläge, paarweise zu prämiieren: 1 Preis 100 Mk., 2. Preis 50 Mk., 3. Preis» .30 Mk. III. Abteil., Arbeitsschläge, paarweise zu prämi- Gießen 8- März. lrt Habicht ln9 von titoa Karl Roth -'ksflbknhnb^ echchs bejaht, milbttnbtu ^Vckaze hin- Beantwoitung Wegfall kam. 1 NotzuchtSver- M und wegen Wochen zu er« ahren und zwei l Habicht auch )er Letteidiger Men, baß -er Untersuchungs- Strafe anzu- g stellt. Nach aö Urteil des ;n der ihm zur ttgefängnis- ber die Unter* leß Angeklagten, >es Opfers auf U"°d- flonf.) Sä Lrifall) nn Pferde- und H zum zweiten hre eine Prä- rbunben fein. Lumme von inerung können : Pferde, 4 bis i) Wagenpferde, re unb teilte mb 3 Jahren, i'nz Sbechssen und noch im ^Men, „* Lefitz von » r der landwirt- , Landes-Pferde- ie bereits 5 bis nd. Das vor- • a) Pferde und Nachweisbar ab- rraer- oder Vorerde und Fohlen j)en Landes-Ge- rodukte find fen). Bei der zu Markte Se- .ierfrertzert neAdstamw- gesAeußere, t wd im I* Belgier)1 ttx,t it guter Sr« „b gute sufe- rfnff" M ausgesteM *»• *» .ferdezuM Iber g äbti6i" ekausle ' utyIL alle Äi ein-m ^ Mrk und If fel”,nlOrtt' lf'«b« « W SL taior Effiw- ieße"' ■( ... 1.« i. iac'vel>b s ieren, a> schwere: 1. Preis 80 Mk., 2. Preis 40 Mk., 3. Preis 20 Mk.; b) leichte: 1. Preis 80 Mk., 2. Preis 40 Mk. Z.Preis 20 Mk. IV. Abteil., Arbeitsschläge, einzeln zu prämiieren, die vorgesührten Pferde müssen n a ch tv e i s b a r 6 Mönate im Besitz von Landwirten sein, die Mitglieder des Landes-Pferdezuchtvereins oder der landwirtschaftlichen Provinzialvereine des Großherzogtums fein: 1. Preis 50 Mk., 2. Preis 30 Mk., 3. Preis 20 Mk. V. Abteil., Fohlen kalten und warmen Schlages, a) dreijährige, 6 Preise von: 50 Mk., 40 Mk., zweimal 30 Mk. und zweimal 20 Mk.; b) zweijährige, 6 Preise von: 40 Mk., zweimal 30 Mk., 20 Mk. und zweimal 10 Mk. Sollte in einer Abteilung nicht genügendes oder mangelhaftes Material vorgesührt werden, so ist die Prämiierungskommission berechtigt, die angesetzten Preise ganz oder teilweise zurückzuhalten oder zur Prämiierung in anderen Abteilungen zu verwenden. , .. Cs ist Aussicht vorhanden, daß der Pserdemarkt äußerst zahlreich aus ganz Oberhessen und Umgegend beschickt wird. Tas Großherzögtum Hessen ist allerdings betreffs feines Pferdebestandes nicht gut situiert, obschon es in Darmstadt ein L a n d g e st ü t besitzt, dessen Hengste zu einem großen Teile aus Anglonormanen bestehen und eine seltene, mit Sorgfalt zusammengestellte Sammlung des schweren und doch edlen Halbblutpferdes bilden. Ten Grund dafür, daß die Pferdezucht, trotz aller Bemühungen von feiten der Regierung, keinen genügenden Erfolg aufweist, muß man in der mangelhaften Aufzucht der Füllen suchen. Der Bauer glaubt hier, wie im ehemaligen Murfürftentum Hessen, genug gethan zu haben, wenn er die Stute zu einem guten Hengst gebracht hat, er läßt ganz sorglos die Füllen in engen, dunkeln Ställen, ohne Licht, Luft und Bewegung aufwachsen. Wenn nun schon eine Pflanze im hüstern Keller !zwar wächst, aber nicht gedeiht, so kann in ähnlicher Lage viel weniger ein Tier gedeihen, am allerwenigsten aber ein Tier, dessen spätere Verwertung ausschließlich auf Muskelkraft und Bewegungsfähigkeit beruht. So lange dieses ABC der Zucht dem Züchter nicht geläufig ist, so lange wird es an Erfolg in der Zucht fehlen. Klarheit über die Zuchtziele ist natürlich die notwendigste Vorbedingung für jede Zucht. Wenn die Mittel vorhanden sind, nach dem Züchtungsplane das Züchtungsmaterial beschaffen zu können, wie dieses in Staatsgestüten vielfach der Fall -ist, so befindet man sich in einer bevorzugten und weit glücklicheren Lage, als wenn sich der Züchtungsplan auf dem gegebenen Materiale aufbauen muß, wie es in der allgemeinen Landes- Pferdezucht fast durchweg sich ereignen wird. Große Gestüte haben bei ihrer pekuniär günstigeren Lage gewöhnlich nur die Aufgabe, ihre eigenartige Produktion, möge sie nun für Landgestüte, für Hofhaltungen oder für den Verkauf bestimmt'sein, auf der erreichten Höhe zu erhalten, oder in Einzelheiten zu verbessern; sie bewegen sich deshalb vorzugsweise in der Paarung von Aehnlichem, treiben Jnzuwt und streben nach Konformität. Dagegen will die Landes Pferdezucht unter den heutigen, Verhältnissen nicht Konservierung des Vorhandenen, sondern Verstärkung und gänzliche Umformung in ihrer Produktion erreichen: sie paart Ungleiches, und strebt durch Kreuzung nach Ausgleichung. Deshalb sind die Ziele beider Zuchten ebenso verschieden, wie die Züchtungsmetboden im allgemeinen, sie stimmen jedoch darin überein, daß sie züchterische Intelligenz und Konsequenz erfordern, um die Zuchtziele möglichst billig und rasch zu erreichen. Bleibt dieser Erfolg aus, so trägt vorzugsweise diejenige Seite die Schuld, auf der neben der Anwendung der leichteren und sickereren Züchtungsmethode auch noch Geld genug zur Anschaffung des Züchtungsmaterials und zur zweckentsprechendsten Aufzucht der Produkte vorhanden ist. In Oberhessen wurde im Jahre 1899 in den Landesgestüts-Stationen 1372 inländische Stuten bedeckt, während in Starkenburg nur 983 und in Rheinhessen sogar nur 275 inländische Stuten bedeckt wurden. Die in Oberhessen bedeckten inländischen Stuten rekrutierten sich aus folgenden Kreisen: Alsfeld 505, Büdingen 232, Friedberg 196, Gießen 176, Lauterbach 154, Schotten 109 Stuten. Von den in Oberhessen bedeckten Stuten wurden 596 trächtig und von diesen 530 lebende Fohlen geboren, dies sind 43,6 Prozent der trächtigen Stuten. _____________________________________ Pfl- Aus KlM und Kand. Gießen, den 9. März 1901. •• Perfonalnachricht. Der Großherzog hat am 25 Februar den Oberlehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Offenbach Pfarrer Theodor Walther auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1901 an unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaffe deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. *• In deu geschaftsführenden Ausschuß der uationalliberaleu Partei im Gioßherzogtum Hessen ist in der am 3. Mä-z in Darmstadt abgehaitenen Sitzung außer den von uns bereits genannten drei He ren aus Oberheffenauch Herr Hoflieferant Jean Kirch gewählt worden. e. Reiskirchen, 8. März. Am 14. ds. M's. findet hier Bürgermeisterwahl statt. Die neunjährige Dienstzeit unseres Bürgermeisters Wagner ist abgelaufen. Wer auf diese Zeit zurückschaut, der kann sich gewiß der Ansicht nich' verschließen, daß Herr Wagner es verstanden hat, das Vertrauen, das seine Wähler vor neun Jahren in ihn setzten, zu rechtfertigen. Herr Wagner hat es verstanden, den An sorderungen, die ein auf neuzeitlichen Prinzipien beruhendes Gemeinwesen an den Bürgermeister stellt, zu entsprechen und dieselben immer in Einklang zu bringen mit den Inter- effen der Gemeindeangehörigen. Wir sind überzeugt, daß die Sympathien, deren sich unser Bürgermeister erfreut, zum Ausdruck kommen in der Wiederwahl desselben. nn. Friedberg, 8. März. Wenn man von Frirdberg nach Frankfurt fährt, oder auf der oberhessischen Bahn, so erblickt man jetzt weite Wasserflächen. Sonst hier unbekannte Waffervögel, sogar Möven beleben die von dem immer wehenden Winde gekräuselte Wafferfläche. Hier und da wird der Verkehr nur auf Waschbütten, die als improvisierte Boote gelten müssen, oder auf rasch zusammenge stellten Flößen vermittelt. Eine Ueberschwemmung dieser Art ist seit Jahrzehnten nicht gewesen und doch geht sie, da der Boden wohl in der Tiefe noch nicht aufgetaucht ist, nur langsam zurück. — Doch unsere Gegend kennt auch eine Ueberschwemmung, der mit fahrendem Volk, mit Zigeunern. Selbst bis' zu den höchsten Behörden drangen die Fluten des lästigen Volkes, so daß in manchen Büreaus eine gründliche Desinfektion notwendig geworden fein soll. Selbst die Gendarmerie konnte nur mit Mühe ein wachsames Auge auf die „handgreiflichen" und langfingerigen Leutchen haben, obwohl sie vor jeder Uniform einen recht höflichen Respekt zeigen Darmstadt, 8. März. Neber den vorn Ersten Präsidenten der Zweiten Kammer, Geh. Regierungsrat Haas, veranstalteten parlamentarischen Abend wird noch folgendes mitgeteilt: An dem Präsidialtische an der südlichen Lang feite des im Blumenschmuck und Lichterglanze freundlichsten Eindruck machenden Saales saßen im Mittelpunkt Se. König!. Hohheit der Großherzog, zur Rechten des Monarchen der Vizepräsident der Zweiten Kammer, Dr. Schmitt, zur Linken «bg. Reinhart und Oberhofmarschall von Westerweller Erz, dem Landesfürsten gegenüber Geh. Rat Haas, zu deffen rechter Seite Staatsminister Rothe, zur Linken Jnstizminister Dr. Dittmar, während der Präsident des Finanzministeriums Gnauth zur Rechten des Vizepräsidenten faß und im weiteren an diesem Tische der Rektor der Technischen Hochschule und die Vorsitzenden der Kammerausschüffe Platz genommen hatten. An den übrigen Tischen waren Kammermitglieder und Gäste entsprechend verteilt. -k- Mainz, 7. März. Mit Genehmigung des Ministeriums wird nach dem Antrag der hiesigen Handelskammer mit dem Beginn des neuen Schuljahres — Ostern — an den höheren H a n d e ls s ch u l e n der zweijährige HandelSkursuS auf einen ein jährigen reduziert. — Bei Wegeanlagen oberhalb dem Zentral- Bahnhof hier, auf dem sogenannten „Linzenberg" hat man bisher unbekannt gewesene römische Thermen blosge legt, wie man sie in Trier und auf der Saalburg bei Homburg gefunden hat. Bei weiteren Hochgrabungen tarnen bis jetzt noch ein Stück eines mit Platten belegten Bades, sehr schön gearbeitet und Mauerreste, wahrscheinlich Heizkanäle enthaltend, zum Vorschein. Man hofft noch einen Teil des Zuflußbaches zu finden, welcher der römischen Wafferleitung entfloß. ____________ Vermischtes. ♦ Wenn es in Rom schneit! . . Ein italienisches Blatt erzählt eine hübsche Episode aus den schrecklichen Schnee- unb Eistagen, welche jüngst als etwas noch nie Da- gewesenes über Rom hereinbrachen. Seit Menschengedenken, ja vielleicht seit den Tagen des Romulus, war so etwas nicht oorgelommen; es schneite fünf Tage hintereinander, unb die Stadt lag unter einem weißen Leichentuche begraben. Wen« es sonst einmal in Rom schneite, dauerte das gewöhn* ich nur wenige Augenblicke, bann war vom Schnee auch laicht mehr die Spur vorhanden. So kam es, daß die jüngste Generation den Schnee nur aus den Märchenbüchern kannte, und als es letzthin so recht reichlich schneite, standen die Kleinen diesem Naturereignis ganz fassungslos gegenüber und wußten nicht, was sie davon h.ilt.n sollten. In diese« kritischen Tagen geschah eS, daß ein schwarzlockiges Bürfch- lein, welches mit seiner schönen Mama spazieren ging, beim Anblick deS vielen Schnees auf den Straßen in die bewundernden Worte ausbrach: „Quanto zucchero!“ (Ach, so viel Zucker!) Dann nahm der Kleine eine Handvoll Schnee auf und versuchte hineinzubeißen; er warf den vermeinten Zucker aber bald wieder weg, indem er die klassischen Worte sprach: „Acci dente! ä troppo caldo!“ (Schade! es ist zu — heiß!) Gellert hätte aus dieser kleinen Geschichte sicher eine Fabel gemacht; wir begnügen unS damit, sie zu registrieren, weil sie deutlich zeigt, was für Begriffsverwirrungen entstehen, wenn es in Rom schneit! • DieKleiderfunde inKonitz, die in der ersten Januar- woche alle Welt in Aufregung versetzten, haben für die Thäterschast in der Winter'schen Mordsache keinerlei Anhaltspunkte gegeben. Dagegen haben die Finder jetzt einen sehr erheblichen Finderlohn erhalten; insgesamt wurden au 1500 Mark von der Staatsanwaltschaft angewiesen. * Verhaftung von Studenten. Aus Petersburg wird vorn Dienstag gemeldet: Die Polizei verwehrte gestern vormittag etwa 200 Studenten der hiesigen Universität den Eintritt zu dem anläßlich des Gedenktages der leibeigenen Sefreiung in der Kasanschen Cachedrale abgehaltene« Gottesdienste. Die Studenten, die die Zarenhymne sagen und Hurrahrufe auf den Kaiser ausbrachten, wurden von berittener Polizei den Kewskiprospekt entlang in den Hof deS Stadthauses gedrängt. Als die Studenten die Ansprache des SladthguptmannS, der sie beruhigen wollte, mit erneutem Lärmen beantworteten und an dem Nationalfeste teilzunehmen verlangten, ging die Polizei gewaltsam vor, und es gelang ihr, die Studenten, welche nun ihrerseits Drohrufe gegen den Stadthauptmann ausstießen, im Hof der Duma einzu- schließen, von wo sie in langem Zuge unter starker Polizei« bedeckung in Polizeigewahrsam abgeführt wurden. Neber den eigentlichen Grund dieser Demonstrationen seitens der Studenten ist in dieser offiziellen Meldung nichts gesagt. Da die Studenten aber nun doch wohl kaum wegen ihrer Hoch- rufe auf den Zaren verhaftet worden sind, muß man wohl nähere Meldungen abwarten. Gerichtssaal. K. Kietzen, 9. März. Vor der Strafkammer Gießen erschien gestern der Pferdehändler David Leopold von Nidda wegen Majestät8- beleidigung, die von demselben durch eine Aeußerung im Hause des Adolf Lahm in Bingenheim begangen worden bin soll. Nachdem dem einzigen Belastungszeugen, der nachgewiesenermaßen die Anzeige aus Hatz erstattet hat, seitens des Verteidigers Rechtsanwalt Grünewald verschiedene Widersprüche zwischen seiner jetzigen und seiner früheren Aussage im Vorverfahren, die er übrigens beeidigt hat, nachgewiesen worden sind, wird eine Reihe Zeugen vernommen, die hinsichtlich des Angeklagten nur Gutes sagen, während sie dem Zeugen Lahm einen schlechten Leumund ausstellen. Auf die Vernehmung der großen Mehrzahl der Zeugen — es waren allein 22 von der V rtetdigung geladen — wurde verzichtet. Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich führte aus, daß die Anklage nur auf der beeidigten Aussage deS Zeugen Lahm beruhe, den er aber aus allem, was die Verhandlung ergeben habe, für völlig unglaubwürdig hält. Dr giebt es daher dem Gericht anheim, den Angeklagten von Strafen und Kosten freizusprechen. Diesem Antrag schließt sich der Verteidiger an, bittet aber auch die durch die Verteidigung entstandenen Kosten und die notwendigen Auslagen auf die Staatskaffe zu übernehmen. Das Gericht spricht den Angeklagten von Strafen und Kosten frei und legt die letzteren und einen Tell der dem Angeklagten erwachsenen Auslagen der Staatskaffe auf, indem es sich den Ausführungen des Staatsanwalts und des Verteidigers anschließt. 8 oh. Darmstadt, 7. März. Kriegsgericht. Der Musketier Gg. Ohlenschlager von der 9. Komp. Inf Regt. 116 erhielt wegen Hausfriedensbruch 5 Wochen Gefängnis, weil er am 29. September v. I. mit einigen jungen Leuten in Siedelsbrunn i. O. eine solenne Keilerei veranstaltete, wobei er, seine Gegner verfolgend, mit einem Kollegen eine Thür einschlug und mit schweren Knütieln dreinschlug, sodaß er schltchlich durch den Wirt erst mit dem Gewehr vertrieben werden konnte. Hierbei wurde gegen den zu seinen Gunsten aussagenden L. Jungmann von Siedelsbrunn, der sehr unglaubwürdige Aussagen machte, sofort das Verfahren wegen Meineid eingeleitet. — Michael Ehr Hand von Gimbsseim, Musketier im Inf-Regt. 116, 11. Komp, und Gg. Kay er aus Frankfurt a. M. in der 4. Komp, desselben Regiments werden wegen versuchter Unterschlagung von Eisenblech (im Juli v. I.) bei einem Frankfurter Spenglermeister zu 10 Mk. Geldstrafe ev. 3 Tage Haft verurteilt. Alle drei nahmen ihre Strafe an. Empsehlmttzen Hartmanns Gesundheitsbinden unb Gürtel zu haben in der Adler-Drogerie, SelterSweg 39. 1700 Otto Schaaf. ft „Füllbornmarke" POril. als bester Dung I Vl U für Hafer, Gerste, Kartoffeln, Run- Punnn kelrüben, .Ruder« UUdllU rüden und Gemüse ist stets vorrätig bei Bär & Wetterhahn, Gieiieu. Holl. Vollheringe per Stück 5 Pfg.. 11806 RollmöpSC Hurkcneiutage per Stück 5 Pfg , Bratheringe (große) per Stück 8 Pfg., BiSwarckheriuge, Kieler Bücklinge empfiehlt PH. Herrmann, EelterSwea 38. 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Juni 1880 durch Karl Winn II. in Nonnenroth ist nachgewiefen, die Hypothek- «rkunde kann jedoch nicht vor- gelegt werden. Auf Antrag werden alle, welche Ansprüche aus dieser Hypothek bilden zu können ver- meinen, aufgefordert, solche binnen 2 Monaten dahier gellend zu machen, widrigenfalls der Eintrag in dem Hypothtken- buch gelöscht wird. Hungen, 6. März 1901. Großh. Amtsgericht. In der Privatklagesache des Redakteurs H. E. Ecdmanns- dörffer in Marburg, Privat Hägers, gegen den Reichs- und Landtags abgeordncten Köhler in Langsdorf, Angeklagten, wegen Beleidigung, erschienen bei Aufruf der Sache: 1. der Privatkläger in Person, 2. Zu seiner Vertretung Rechtanwalt Dr. Stahl, 8. der Angeklagte in Person. Die Parteien schlossen folgen» dm Vergleich: Der Angeklagte Köhler er- klärt, daß er bedaure in der fraglichen Volksversammlung dem Privatkläger gegenüber be> leidigende Ausdrücke gebraucht zu haben, die er hiermit zurück, «ehme. Zugleich verpflichtet er sich- der Angeklagte, sämtliche Kosten desVerfahren- etnschließ- llch der dem Privatkläi^r er- tagtlistkr KckMMM. Sonntag den 10 März, abends 6 Uhr in der Stadtkirche: Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi nach dem Evangelisten Johannes, von Heinrich Schütz für Chor, Soli, Gemeindegesang und Orgel, bearbeitet von A. Mendelssohn, untergütiger Mitwirkung der Herren Richard Fischer (Tenor) und August Leimer (Bariton), Konzerteänger aus Frankfurt a. M. sowie geschätzter hiesiger Kräfte und unter Leitung des Herrn Universitätsmusikdirektors 6. Traut- Theater - Verein Gastspiel von Irene Trieseh: Äontag den 11. März er., S Uhr pünktlich. Maria Magdalene Hohverjieigerung Nächfte» Montag den II. März 1.3., voa vor- mittags 9 Uhr an, läbt die Amon R usch Wtttwe zu ^roß n.Buieck nachsteudcS Holz von einem adg-triebenen Waid bei der Spitzmühle durch Großherzoglich, s OltSgericht frei- Bekanntmachung. GamStag beu «6. März 1901, nachmittags SV- Uhr, olLn oeim Turmhaus am Brand 1. die städtischen Marlt-oube» und die unter dem Turm haus befi blichen Kell,r für die Zeit vom 1. April 19Ui b s dabin 190?, 2. D r Oonverkau Splatz auf Oswald» Garten, nächst der Spiesschen Wirtschaft, auf und. stimmte Ze t, 3. die Wirtsta'tSaallen auf dem V eamark piatz für die Zeit vom 1. Aprl 190i dis dahin 1902 öffentlich meist i ter-b verst ig rt weid n. Die Verpachiüngrbedingungen werden im Verpach'unpS- termin b»kannt ge^- ben, können ab r auch schon vorher au Unserem Sekretariate ei gesehen wercen. Gießen, den 8. März 190 . 1899 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Rob. Haas Hachf,, Settersweg 18 Baldige Aufträge dringend erwünscht! zwei Herifchaftshäuse zu oe> kaufen oder zu oermieier Näheres Markt 15 Landw. 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