1*611) Sonntag den W. Februar 151. Jahrgang 1901 WeßemrAnzeiger Heneral -Un^eiger Aints- und Anzeigeblntt fiw den Ttreis Gietzen Gießen, den 4, Februar 1901. Zusammenstellung des Ergebnisses der Viehzählung am 1. Dezember 1900 0 20. § ei4* Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen des In- und Kni« landes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeig« entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf,, auswärts 20 $£ Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für Heu folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. GroßherzoalicheS Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Redaktion, Expedition und Druckerei: rchulßrahe Hi. 7. «■ 11 Uh,, ereins. $V| Ch,, reins. Adresse für Depeschen: Anzeiger «etz«. Fernsprecher Nr. 51. ine s Wx\ »tfadiL Off. jabt fanüdn falb iten an 8 8, Kol» nfl 34, Unlnhaui. mi FL 0 ö Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche zu Lauter. In Lauter ist in einem Gehöfte die Maul« und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden. Gießen, den 8. Februar 1901. Großherzogliches Kreisarni Gießen. v. Bechtold. - Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Md-bdi! immer gt« n ab und Krebs-Fett den. Man trockene und sich Iten. 803 Bekanntmachung. Sonntag, 17. d. Mts., nachmittags »V« Uhr, wird Herr Oekonomierat Leit Higer von Alsfeld tm Saale des Iohs. SameS zu Queckborn einen Vortrag über Seldbereiviguug halten. Ich lade dazu jedermann, der sich dafür interessiert, freundlichst ein, und ersuche die Herren Bürgermeister von Queckborn und der Nachbarorte um Bekanntmachung. Gießen, am 7. Februar 1901. Der Direktor deS landwirtschaftlichen Bezirksvereins. v. Bechtold.__ **** IM®, k., Bezugspreis vicrlrljabrl. Mk. 2.50 monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn: durch die Abholestellrn vicrtcljährl. Mk. 1.90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2.— vicrieljähll. ohne Bestellgeld. ’T'bmiel MV nufahu'^«n;^ .«arm ttM — „ »« 1,14 Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht tm Frieden ermittelten Durchschnittsmarktprcise, einschließlich eines Auf Pr. Lint A. *> R' 'WaPer.a'”' 2.6h uüta'ienliar.8. Bohnung iu oet» lhaiinengaffe 7. Viertes Gtübirö tn oll, wo dringende Anzeichen vorliegen, daß Kunstweine als Naturweine verkauft und in großem Umfange Weinsälsch- ungen getrieben werden. Abg. Dr. Blanken Horn (natl.): Gegen die ausländischen Kunstweine können uns die Zölle schützen, nicht aber gegen Kunstweine, die in Luxemburg hergestellt werden. Sehr richtig!) Darum muß man jid) dieserhalb mit Luxemburg direkt in Verbindung setzen, um eine Verstän- drgung herbeizuführen. Beseitigt werden muß auch der Verschnitt von Rot- und Weiß-Weinen, wie mir ihn durch den italienischen Handelsvertrag bekommen haben. (Sehr gut.) Hoffentlich ist die Zeit dazu bald gekommen. An dem Gesetz ist also durchaus zu ändern und zu bessern. Ich beantrage, das Gesetz der vorher eingesetzten Kommission gleichfalls zu überweisen. Abg. Baumann (Ztr.) spricht sich ähnlich aus und fordert den Deklarationszwang für Verschnittweine. Die Weiterberatung wird auf morgen 1 Uhr vertagt. Aus Stadt und Land. Gießen, 9. Februar 1901. Gedenket der hungernden Vögel! L.U. Von der Universität. Der Oberarzt an der psychia- Irischen Klinik der Landesuniversität, Dr. Dannemann, hielt heute vormittag zur Habilitation für das Fach der Psychiatrie eine öffentliche Borlesung über das Thema.: „Welche Gesichtspunkte hat der psychiatrische Gutachter bei Ehescheidungsklagen auf Grund des § 1569 des B. G.-B. zu berücksichtigen. *• Die Einführung einer allgemeinen Milchverkaufsordnung, die für das ganze Großherzogtum gütig sein soll, wrrd, tote wir hören, behördlich geplant. •• Theater-Verein. DaS Gastspiel von Frl. Hammer muß wegen Repenoir-Aenderung in Gera auf Donnerstag, den 14. d. M. verschoben werden. -D- Von einem merkwürdigen Winter von 1833/34 berichtet eine alte Chronik folgendes: „In gedachtem Winter gab es fast gar keinen Schnee und bis zum Februar keinen Frost, viel Regen und um Neujahr furdjt* bare Stürme, sodaß in manchen Gegenden großes Unglück durch Ueberschwemmungen an Gebäuden entstand. Die Temperatur war so mild, daß imJanuar das Gras wuchs, die Stachelbeersträuche Laub trieben, Veilchen, Schneeglöckchen und andere Blumen hervorsproßten. AuH Hammelbach im Odenwalde meldet die Zeitung, daß daselbst im Januar Gras gemäht worden; in Büdingen wurde ein Sperlingsnest mit sechs Eiern, im Nassauischen ein Amselnest mit fünf Jungen und an einem anderen Orte das Nest eines Rotschwänzchens mit Jungen gefunden. — Die Tage des Februar waren hell und sonnig, die Nächte brachten etwas Frost. Gegen Ende Februar siel etwas Schnee, der aber schnell wieder abging. Anfangs März, wurde schon in H e r ch e n h a i n und H a r t m a n n s h a i n Hafer gesät. In der Mitte des März starke Nachtfröste.^ ' -h- Burkhards, 8. Febr. Bor einigen Tagen wurde hier ein Volksbildungsverein gegründet, der bi$ jetzt 20 Mitglieder zählt. Nach den Vereinssatzungen sollen in einem geeigneten Lokale des „Gemeindewirtshauses" Zeitschriften aufgelegt, und Bücher erzählenden und belehrenden Inhalts ausgeliehen werden. Jedes Mitglied hat 50 Pfennig Jahresbeitrag zu zahlen. Wöchentlich sind zwei Versammlungsabende anberaumt. Die Präsidentschaft hat Lehrer Mohr hier übernommen. In dem Plan unseres Schulhausneubaues ist nunmehr eine Aenderung eingetreten. Infolge Bevölkerungsabnahme wird vorerst nur ein geräumiger Schulsaal eingerichtet. — Durch Anlage Hießener Stadttheater. Die KarlSschüler. Schauspiel in 5 Akten von Heinrich Laube. An deS alten Frankfurter Achtundvierzigers Wilhelm Jordan 82. Geburtstage brachte unser Stadttheater das Werk eines anderen Achtundvierzigers, Heinrich Laube, zur Aufführung. Anno 1848 dichtete Jordan feine tiefsinnige Faustiade „DemiurgoS", Laube hatte damals gerade seine „KarlSschüler" vollendet. Obwohl er sich darin eine erkleckliche Anzahl zündender Schlagworte gestattete, mit denen die liberale Litteratur der vormärzlichen Zeit ein Schnippchen schlug, wurde er, ein liberales Mitglied des Frankfurter Parlaments, aufgefordert, eine Aufführung der „KarlSschüler" im Wiener k. k. Hofburg-Theater selbst zu inszenieren. Er folgte dem ehrenvollen Rufe, und seine feste und kundige Leitung sagte den Schauspielern zu. Den leitenden Kreisen in Wien aber imponierte es, daß der wegen seines politischen Standpunktes als höchst zweifelhaft geltende Autor dem tumultuarischen Verlangen des Wiener Publikums, wider die Burgtheatersitte den Darsteller des Schiller vor dem Borhange zu sehen, energisch und erfolgreich widerstanden hatte. Alles fühlte, das war ein Mann, den man brauchen konnte, und „kurz, Sie sollen Direktor des Hofburgtheaters werden", teilte ihm alsbald Graf Dietrichstein mit. Laube mag damals darüber so überrascht gewesen fein, wie der als hochmodern verschrieene Paul Schlenther, der Feuilleton- Redakteur der freisinnigen „Boss. Ztg." in Berlin, als diesem vor emtgen Jahren das gleiche Amt angeboten wurde. Und rote jüngft ber freisinnige Ostpreuße Schlenther, wurde da- mals bet liberale Schlesier Laube Direktor der Wiener Hof- vurg. Wie Saul war et ausgezogen, seines Vaters Esel zu suchen und sand eint Stone. Sein ParlameniSkollege aber, ber liberale Ostpreuße Wilhelm Jorban, bemühte sich wenige Wffttn Cr verblich um den Frankfurter Intendanten Laube'S „KarlSschüler" schildern dramatisch packend Schillers junge Leiden. «S ist leicht, über diesem populärsten Werke des thatkräftigen Bühnenleiters Laube den Stab zu brechen. Gewiß, es gehört zu den Litteraturdramen, die, wie Gutzkows „Königsleutnant", baß Urteil ber Litteraturgeschichte vorwegnehmen und mit dazu beitragen, falsche Vorstellungen über Persönlichkeiten von Weltruhm hervorzurufen. Bei Laube ist Schiller nicht viel andere« als ein an sich selbst zweifelnder und verzweifelnder unkluger junger Phrasenheld, den die Einbildung, ein vorlauter Backfisch liebe ihn nicht, um den Glauben an seinen Dichterberuf bringt, und ber, ein Dreiundzwanzigjähtiger, einem Fürsten ein Privatissimum über Freiheit und Menschenrechte giebt. Das Stück hat zweifellos Schwächen, die groß genug sind, um es in die Tiefe der Theaterbibliotheken zu versenken. Aber es hat auch seine unverkennbaren Vorzüge. Laube zeigt sich hier als Techniker von seiner allerbesten Seite. „Die KarlS- schüler" sind bühnenwirksam wie wenige Stücke ähnlichen Genre« und erheben sich stellenweise fast zu dem Schwünge Schiller'schen Feuergeistes, zumal im 4. Akt, der stet« von ernster und kräftiger Wirkung sein wird. Dabei zeichnet sich das Stück durch große Lebendigkeit und geschickte Gruppierung aus und die übergrellen Kontraste schaffen ununterbrochene dramatische Spannung. Als Laube die Direktion der Hofburg übernahm, waren dort wohl glänzende Kräfte vorhanden, aber siewaren so bejahrt, daß ber jüngste der „KarlSschüler" ein halbe« Jahrhundert hinter sich hatte. Da« war vor ein paar Jahren in Wien nicht anders, und ebenso beim königl. Schauspielhause in Berlin. Da« hat vieles gegen sich, aber auch manches für sich, ebenso wie das strikte Gegenteil bei uns. Den edlen Dichterjüngling stellte bei uns Herr di Bal- thyni bar. Es gehört nicht nur ein besonders guter, sondern auch ein starker Wille und ein besonderes Können dazu, au« dieser Figur Laubes einen lebendigen Menschen zu machen, die völlig heterogenen Züge, die der Autor dem Helden ge liehen hat, zu einem einheitlichen Bilde zu gestalten. In jeder Situation ist dieser junge Poet anders: der Laura gegenüber Liebhaber, vor dem Herzog ein Marquis Posa und bei den Genoffen geht er in seinem Anarchisten Karl Moor auf. Herr B. suchte diese Wesensverschiedenheit durch ein sich gleichbleibendes feuriges Jugendtemperament und durch gleichmäßige Pathetik zu verdecken, und das gelang ihm auch zur vollen Zufriedenheit des Publikums. Es ist zuzugeben, daß er seine Einheitlichkeit nicht vermissen ließ und daß er in jeder Situation wirksam war, wenn er uns auch nicht Seelenregungen der verschiedensten Art individuell enthüllte. Wo die Flammen der Dichterseele in Begeisterung oder Zorn aufloderten, riß er die dankbaren Zuschauer mit sich fort. Der Ausbruch des Konflikts zwischen Fürst und Dichter brachte ihm außergewöhnlich starken Beifall. Jedenfalls hat Herr B. ungewöhnlichen Fleiß auf diese Rolle verwendet. Er meinte es ernst mit der Lösung seiner Aufgabe, das war für mich das Erfreuliche. Ich will daher davon abstehen, um Einzelheiten mit ihm zu rechten, und nur die Ansicht äußern, daß es für Herrn B. von besonderem Vorteil wäre, . wenn er bei ähnlichen Aufgaben seinen wild dahinbrausenden, oft da« wesentliche Wort zu Gunsten des unwesentlichen fort- spülenden Redestrom um ein Geringes eindämmen wollte. Der lebhafte Beifall aber, der ihm zu teil ward, war ehrlich verdient. Herr Ramsey er bot in dem Herzog eine Figur, die viel Aehnlichkeit hatte mit seinem alten Dessauer in Niemanns „Wie die Alten fungen". Es war durchaus richtig, daß er von vornherein einen barschen, despotischen Ton an« schlug, und er entsprach in der allgemeinen Charakterisierung vollkommen der Absicht des Autors. Es ist das Gute bei Herrn R., daß er niemals dem bösen Geist De- clamatorius verfällt. In ber großen Szene mit Franziska aber vermißte man mimisch seine innere Anteilnahme. Frl. Schölermann zeigte im 4. Akte Gefühl, Aufrichtig, feit und Natürlichkeit, ließ es aber, wohl zum ersten male, an der bei ihr sonst so selbstverständlichen und immer dankbar anerkannten Sicherheit fehlen. Frau Ernst war eine resolute Generalin Rieger. Als Hauptmann von Silberkalb zeigte Herr Liebscher genügende hofmännische Diskretion, und wenn er noch eine kleine und feine Dosis Komik hätte beimischen wollen, so wäre feine Leistung unantastbar gewesen. Die Rolle des bibelfesten Schergen Rieger hatte Herr Helm übernommen. Einen Menschen von Fleisch und Blut au« einer Holzpuppe, wie sie der Autor geschnitzt hat, zu machen, ist ein schweres Stück Arbeit. Aber Herr H. brachte doch feine Bibelsprüche ganz wirksam hervor. Aus dem Sergeanten Bleistift wird sonst wohl zumeist eine schwäbische Dialektrolle gemacht. Herr Kirchner hätte ihr wohl etwas Humor geben können. Frl. von ßinbenau sprach die Laura nicht schlecht, aber ein Tröpflein Innerlichkeit hätte not gethan. Herr Marlitz gewinnt mit der Zeit mehr Ruhe und Sicherheit. Die Regie hatte dem Stück eine kostümell dem Zeitalter entsprechende geschmackvolle Ausstattung gegeben. Vielleicht hätte das vom Herzog gestörte Gelage im zweiten Akt mit noch kräftigerer dramatischer Steigerung herausgearbeitet werden können. Und für etwaige Wiederholungen möchte ich zugunsten de« Andenkens Laube« einen Strich empfehlen, nämlich durch da« wenig geschmackvolle ironische Wort über den Kammerherrn v. Silberkalb: „Er hat sich die Mühe genommen, geboren zu werden". Laube nahm „gute" Einfälle oft auch von andern und gab ihnen kaum eine neue Prägung. Beaumarchais' „Figaro" spottet über den Grafen: „Er hat sich die Mühe genommen, auf die Welt zu kommen". P. W. tttafSotbrnrng, soll, wirö, wie 8rl. Hanmr ’onnetstag, hinter von s'- ,Jn ge- unb bis M eusahr yurdib Kotzes Unglück ntstand. Tie r das Gras !ben, Veilchen, sproßten. Aus tung, daß da- üdingen wurde issauischcn ein mderen Lrte gefunden. - ig, die Mchte n fiel ettvas Anfangs März mannshain le Nachtfröste." n Tagen Wurde ündet, der biß jungen füllen »ewittshauses" ben unb be- des Mitglied chMich find Priifidentfchaft [i Plan unseres Aenderüngein- ird vorerst nur Turch Anlage Hat 1901, Fogel! "erpWa. önnemann, t bas 'rbaSTHuuL: Gutachter bei des B. ®,jb. tzLS P ?uch j,er " d«ch a»en. (g.h; * C ?, Sch b" gleich. "Nb Lrverta^ m Vorteil wäre, !ahinbrausenden, .ksentlichen fort- iäuiMN wollte, ard, war ehr- imMr.bie tffauer w M I durchaus richtig 1 .tischen Ton an« ätottertfi«W? 1 das Gute der en « Te- ' mit Franz-Ska x Anteilnahwe. M, um ersten * wimmer danb° t war E E von Stlberkalb ,e Diskretion, und ilhME u«» »“* X -*ä?s sp^ch ^chan. l?s- •V’S laeben- -u löÄK tn^,c »Sc ®T®0tt iid K.K 0rof(11-;p. W' ! konttveo • einer Straßenbeleuchtung ist jetzt einem längst gefühlten Bedürfnisse hier Rechnung getragen. Darmstadt, 8. Febr. Infolge des Offenbacher Eisenbahnunglücks hat auch die Direktion der Main Neckar-Bahn wesentlich verschärfte Sicherheitsmaßregeln angeordnet. So heißt es in der neuen Signal oidnung: „tßenn bei dichtem Nebel anzunehmen ist, daß die Stellung der Signale an den Signalmasten oder den Bor fignalen von dem Zugpersonal nicht rechtzeitig, d. h. auch nicht auf eine Entfernung von 100 Metern erkannt werden kann, so sind wenigstens zwei Knallsignale vor dem Vorsignal nnd zwar möglichst in Entfernung von 100 Meter davor ourch den diesem Signal am nächsten stehenden Wärter aus- zulegen. Sobald der Zug daraufhin zum Halten gekommen ist, hat der Wärter selber oder durch einen Boten dem Zugführer den Grund für das Auslegen der Knallfignale mitzuteilen, worauf der Zug je nach dem Stand der Signale seine Fahrt fortzusetzen hat." Im Zweifelsfalle hat der Ober Betriebsinspektor ein- für allemal den Weichenstelleroder Wärterposten zu bezeichnen, dem das Auslegen der Knall signale obliegt. 8. Michelstadt i. D, 8. Febr. Unter außerordentlich zahl reicher Beteiligung fand gestern nachmittag die Beisetzung des LandtagSabg. Brunner aus Stockheim statt. Außer vielen Freunden und Verehrern waren u. a. anwesend Kreisrat Fey Erbach, sowie die LandtagSabg. Hänsel, Ripper, Schönberger, Schubart und Weidner, sowie Kanzleidirektor Schenk. Nach der kirchlichen Feier legte der Abg. Hänsel im Namen der Kammer unter warmer Anerkennung der Verdienste des früh Verblichenen einen Kranz nieder; einen zweiten Kranz widmete Hänsel dem Dahingeschiedeuen im Namen der nationalliberalen Partei. Auch der hessische Landwirtschaftsrat widmete einen Kranz, ebenso der Kirchenvorstand und zahlreiche Vereine. Im Trauerhause wie am Grabe trug der Verein Choräle vor. Die ganze Trauerkundgebung gab Zeugniß von der großen Beliebtheit, deren sich B. erfreut hat. Frankfurt, 8. Febr. In die hiesigen Theater- v erhältnis se .läßt der Rechenschaftsbericht des Intendanten Claar einen tieferen Einblick zu. Vorausgeschickt sei, daß das Stadttheater bekanntlich an eine Privatgesellschaft, die „Reue Theater-Aktiengesellschaft", verpachtet ist. Der Bericht bezeichnet das Betriebsjahr 1899/1900 als ein normales. Man hätte einen günstigeren finanziellen Abschluß erlangt, wenn nicht im letzten Monat das Ausstattungskonto an Dekorationen, Maschinerien, Kostümen und Requisiten durch die gänzlich neue Jnscenierung von Webers „Freischütz" besonders belastet worden wäre, die Verteilung der Anschaffungssumme aber auf zwei oder drei nachfolgende Jahre — wie dies in gleichem Falle wiederholt geschah — durch den mit dem 1. November 1900 beginnenden neuen Vertrag der Gesellschaft mit der Stadt sich formell als nicht angängig herausgestellt hätte. Die Ausgaben beliefen sich aus 1 463599.93 Mk., die Einnahmen auf 1256 774.03 Mk., einschließlich der Billet- steuer, welche die Höhe von 109 769.73 Mk. erreichte. Es war also ein Zuschuß von 206825.90 M k. erforderlich. Es ist dies nahezu 7000 Mk. mehr, als die städtische Subvention beträgt. Die tion der Gesellschaft vertragsmäßig in den Besitz der Stadt übergegangenen Neuanschaffungen an Garderobe, Dekorationen, Mobiliar, Bibliothek, Musikalien, Requisiten usw. verursachten einen Kostenaufwand von 28 889.65 Mk. Der Jahresrechnung entnehmen wir im einzelnen folgenden Ziffern: Die Gagen erforderten eine Ausgabe von 8 5 7992 Mk., Spielgelder 193 575 Mk., Gastspiele 45 877 Mk., Tantiemen 47 047 Mk., Extramusik 17 507 Mk., Beleuchtung 66 854 Mk., Garderobe 21 874 Mk., Betrieb lund Verwaltung 30 785 Mk. Die Abonnements erbrachten 447 494 Mk., die Tageseinnahmen 652 222 Mark, die Garderobengelder 29 639 Mk. — sodaß also hier ein Ueberschuß von rund 8000 Mk. vorhanden ist — Pachtgelder 3100 Mk., Theaterzettelverlag 600 Mk. — In der Oper wurden zum ersten Male aufgcführt: „Regina", „Schuster Jan", „Die Puppe", „Die Mainacht", „Tie Legende von der heiligen Elisabeth", „Der faule Hans", „Tie Geisha", „Vergißmeinnicht"; im Schauspiel : „Schuld der Schuldlosen", „Wenn die Toten erwack)en", „Jugend von heute", „Kain", „Hedda Gabler", „Sck;laraffenland", flügellahm", „Therese Raquin", „Busch und Reichenbach", „Tie strengen Herren", „Tie Weber", „Ein wahrhaft guter Mensch", „Ter Probekandidat", „Auf Montmartre", „Ter Herr im Haufe", „Gläubiger". Außerdem gab es in der Oper elf, im Schauspielhause zwanzig Neueinstudierungen. — Ter Aufsichtsrat fügt dem Bericht des Intendanten, dem er für die mühevolle und aufopfernde Tbätigkeit als alleiniger Intendant beider Theater während eines Zeitraumes von 20 Jahren Tank und Anerkennung ausspricht, u. a. hinzu: „Die Gesellschaft wird zwar, auch wenn die Trennung der Leitung der beiden Theater in Bezug auf die Leistungen sich bewähren wird, trotz der erhöhten Subvention in den nächsten zwei Jahren nur durch weise Sparsamkeit finanzielle Schwierigkeiten vermeiden können, dagegen darf mit Eröffnung des neuen Schauspielhauses die Gesellschaft auf erhöhte Einnahmen rechnen." Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Das Lehrer Nitter'sche Ehepaar in Heldenbergen feierte am 6. Februar die goldene Hochzeit. — Wegen Mordversuchs an seinem eigenen Kinde wurde am Donnerstag ein Arbeits- mann aus Nie der-Olm in das Mainzer UntersuchungS gefängnis eingeliefert. Der Beschuldigte war mit seiner Frau in Streit geraten. Um seine Mutter vor Brutalitäten zu schützen, warf sich der 20jährige Sohn zwischen die beiden Ehegatten. Darüber aufgebracht, ergriff der Vater ein Messer und stieß es seinem Sohne in die Brust. Der junge Mann ist lebensgefährlich verletzt. Vermischtes. * Der Schnee sucht Venedig in diesem Winter zum ersten Male heim; fachte, fachte fällt er über die Dogenftadt und bedeckt mit feinen Flocken Straßen, Brücken und Dächer. Der Löwe von San Marco fetzt sich eine Schlafmütze auf; vor den Fenstersimsen lagert sich wie auf Kissen der unerwartete Gast und verzuckert die Capiläle der verwitterten gothischen Paläste. Auch in das blonde oder schwarze Haar der Venetianerinnen, die halb vermummt wie orientalische Haremsdamen, in lange Shawls gehüllt, einherstolzieren, fällt das weiße Geflimmer. Es macht den Leuten dort einmal Spaß, das ihnen so selten gebotene Schauspiel zu betrachten, obgleich es beinahe halsbrecherisch ist, über die Brücken zu schreiten, und die Menschen unter der Strenge des Winters leiden. Der Schnee schmilzt in kurzer Frist; er verunreinigt die Stadt, seine blendende Weiße verwandelt sich in eine dunkelgraue, schmutzige Masse und darüber leuchtet nun der italienische Himmel. Universitäts-Nachrichten. — Der Professor der Philosophie an der Krakauer Universität Lutoslawski, dem vom Unterricht-minister „mit Rücksicht aus den Gesundheitszustand" ein Urlaub erteilt wurde, erklärt jetzt in einem offenen Brief an einen seiner Hörer,! er gedenke von diesem unerbetenen Urlaub keinen Gebrauch zu machen, sondern er werde am 13. d. die Vorträge an der Universität ober außerhalb derselben wieder ausnehmen. Wenn das verleumderische Gutachten über seinen Gesundheitszustand, wie er vermutet, von Universitätsprofefsoren ausgegangen sei, schreibt Professor Lutos« lawskh so hätten diese unehrenhaft gehandelt, und sich als Werkzeuge einer | politischen Partei, welche die freie nationale Philosophie von der Jagel- tonen Universität verdrängen wolle, benützen lasten — Der Mathematiker Gehermerat Prof. Schloemilch in Dresden ist gestorben. Gerichtssaat. —®ie.ßen, 9. 5ebr. (Strafkammer.) Außer ^>€1, die Einziehung falscher Zweimarkstücke betreffenden Verhandlungen standen heute nur zwei, allerdings um- fangreick;ere Strafsachen auf der Sitzungsliste der Strafkammer. — Ludwig Schwalm, Heinrich Schwalm und Adam Gondolf, Bürschchen in jugendlichem Alter aus Friedberg, sind beschuldigt, in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober v. I. den Karl Hegar in Friedberg und den Rudolf Hill auf Hof-Hasselheck daselbst vorsätzlich mittels gefährlicher Werkzeuge mißhandelt und an der Gesundheit beschädigt zu haben, indem sie mit Stöcken auf die Genannten schlugen, Ludwig Schwalm den Hegar auch durch Messerstiche erheblich verletzte. Tie Angeklagten gestehen in der Hauptverhandlung zwar zu, in eine Rauferei mit den Verletzten verwickelt gewesen zu sein, sich auch thätlich an ihr beteiligt zu haben, Ludwig Schwalm leugnet auch die Benutzung eines Messers keineswegs ab, sie machen aber als Strafausschließungsgrund geltend, daß sie sich bcii Verletzten, als den Angreifern, gegenüber in berechtigter Notwehr befunden hätten. Tas Gericht erkennt alle Angeklagten der Körperverletzung aus §§ 223, 223 a St.-G.-B. dem Karl Hegar gegenüber begangen, schuldig, während es sie bezüglich der ihnen dem Hill gegenüber zur Last gelegten thätlichen Mißhandlungen freispricht, und zwar mangels ausreichenden Beweises. Demgemäß wird Ludwig Schwalm in eine Gefängnisstrafe von einem Jahr, wovon zwei Monate durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt angerechnet werden, die beiden anderen Angeklagten in eine Geldstrafe von je 60 Mark verurteilt, die im Nichtbeitreibungsfalle mit zwölf Tagen Gefängnis zu verbüßen sind. Als strafmildernd wird in Betracht gezogen, daß die Verletzten allem Anschein nach sich dem Angeklagten gegenüber herausfordernd und keineswegs einwandfrei benommen haben. Ludwig Schwalm erkennt die sofortige Rechtskraft des gefällten Urteils alsbald an. — Otto, Heinrich Len und Otto Bach von Effolderbach waren durch Urteil des Schöffengerichts Ortenberg in geringe Gefängnisstrafen verurteilt worden, weil sie den August Salmann in Selters vorsätzlich gemeinschaftlich körperlich verletzt hatten. Die Staatsanwaltschaft, sowie die drei Angeklagten hatten gegen das erstinstanzliche Erkenntnis das Rechtsmittel der Berufung eingelegt. Das Gericht kommt zu der Ueberzeugung, daß die Angeklagten der ihnen zur Last gelegten Delikte schuldig sind, verwirft ihre Berufung und beläßt es bei den vom Schöffengerichte ausgesprochenen Strafen. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Freisprechung des Angeklagten Bach wurde nicht stattgegeben. Sanatogen Hrüftignngs-u.Auffrischungsmittel besonders für dteUerven. Als Nährmittel bei allen Erschöpfungszuständen von Professoren und Aerzlen glänzend begutachtet. Erhältlich in Apotheken und Drogerien. Hergestellt von Bauer & Cie., Berlin S.0.16. Älteste uralte und franco. Bei nassem Wett«r schmieren jetzt die meisten Frauen die Schuhe ihres Haushaltes nur noch mit KrebS «Fett, denn das Leder wird dadurch wasserdicht und hält länger. Äbmisfiiis-Dtlkms bereite gefällten Hohes. DaS nachstehende, im laufenden Winter gefällte Bau- und Nutzholz soll auf dem Wege der Submiflion verkauft werden und sind Gebote in verschfostenen und portofreien Schreiben mit der Aufschrift .Holz-Submission" bis spätestens den Ä8. Februar d. J. bei der unterzeichneten Großh. Bürgermeisterei Lich einzureichen. Später eingereichte Gebote bleiben unberücksichtigt. Die E'öffnung der eingelaufenen Schreiben erfolgt am folgenden Tage, d. h. am 28. Februar 1901, vormittags lOVi Uhr, auf dem Bürgermersterei-Büreau in Lich in Gegenwart der etwa erschienenen Bieter. Die Gebote sind getrennt nach Waldeigentümer, Holzart und Sortiment pro Raummeter und Festmeter (ohne Rinde gemeffen) einzureicken und zwar ohne jeden Vorbehalt. Die allgemeinen Verkaufsbedingungen, denen sich die Käufer stillschweigend zu unterwerfen haben, sind bei den betreffenden Waldeigentümern einzusehen oder gegen 70 Pfg. in Briefmarken bei uns zu beziehen. Sämtliches Holz ist ohne Rinde gemeffen. Das Holz wird auf Wunsch im Walde vorgezeigt nach vorheriger Anmeldung bei den unter Ord.-Nr. 1 bis 3 angeführten gleichnamigen Großherzoglichen Büraermeistereien. Q gereicht 2. s. Zvakdeigenlümer Gemeinde Lich a) Vorderwald b) Hinderwald o) Grobhäuserberg Gemeinde Langsdorf Gemeinde Nonnenroth Auf das unter Ord -Nr. 1 bezeichnete Gehölz kann getrennt für jeden Bezirk, a, b und o, einwerden, ebenso bleibt der Zuschlag resp. die Genehmigung für jeden der Bezirke Vorbehalten. 1208 Lich, den 7. Februar 1901. «rotzherzogliche Bürgermeisterei Lich. Heller. Respektable, gut empfohlene Persönlichkeit, der besten Gesellschaft angehörig, für die Vertretung einer erste« Asbest- «. Gummi- fabrik unter günstigen Bedingungen gesucht. Ausführliche Offerten unter 1197 au die Expedition dieses Blattes. I mit dem JJesFeJeife nah und fern? Kur- und Kindermilch. *n NasA" mit Verschlußmarke ä Liter 30 Pfg. 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