901 Wbetn l^en toetbtn. OdoDomit '«»», statt. bach. 6tuat tt„ »in.: eszeiten, [7; W tiynt Buchbinderei, ypie, Galvanoplastik. Herstellung von senauflagen. rfbenbe Leute, alS: USA; !&»«•* sss** LZ-"" —TTfftr SSö&S >®Ärlln Pfl813 -'S'», 'r Rohn®® dl**" 6i,bl$hxe- 5 hi •** 1195 Nr 35 Drittes Blatt. Sonntag den W. Frcnuor 151. Jahrgang^^lSOl MehenerAnzeiger Keneral-An^eiger Abbestellungen spätestens abends vorher. M) Uhr. Annahme don Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. Alle Anzeigen-Dermittlungsstellen des In- und AaG- londes nehmen Anzeigen für den Gießener Slnadga entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf„ auswärts 20 M ?SfjUfl$preU virrtkljahrl. Mk. 2.W monatlich 75 w mit ^rinqerlahnr durch dir AbholestkR«, »irrttlidbrL SRI. 1.9® monatlich 65 Psß. vei Postbezug Mk. 2.- vierteliiNtC ohne Bestellgeld. erscheint tägtlch mit tlugnahme bei Montag-. Die Sießener A.milienvtätter werden beni Anzeiger tm Wechsel mit „Hess. Landwirt- u. „Blätter für Hess. BollStunde* »zchtl. 4 mal beigelegt. Anrts- und Anzeigeblntt für den Areis Gieren. Srdaktion, Expeditton und Druckerei: Ichvlfirahe Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblatter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische UatKslmnde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Oiatz«. Fernsprecher Nr. 5L Eingemeindungen. Die Eingemeindung von Vororten hat bisher zumeist in Großstädten höhere praktische Bedeutung gewonnen. Die großen Zentren moderner Verkehrsthätigkeit haben das Bestreben, die eigenen Grenzen mehr und mehr zu erweitern. Schon die einheitliche Gestaltung der inneren Verwaltung rrno das Einbeziehen der entfernter liegenden Stadtteile in den Verkehr, die Durchführung gesundheitlicher und anderer gemeinnütziger Ideen auf breitere Grundlage unter Leitung einer Zentralstelle find hier in der Regel eine ausreichende Begründung für die Eingemeindung. Die Stadt und die ihr zunächst liegenden Dörfer wachsen allmählich an der Peripherie zusammen, so daß der Ortsunkundige höchstens an der schlechteren Straßenpflege, der anderen Bauart der Häuser re. merken kann, wo die Stadt aufhört und der Vorort beginnt. Man vergegenwärtige sich nun die Wirkung der autonomen Vorortsverwaltung auf das Schul- »vefen, die Armenpflege re. Ohne Rücksicht auf die Lage der Arbeitsstelle der Arbeiter müssen die Schulen für deren Binder am Wohnort hergestellt werden, die Sch ul lasten können den vorzugsweise von kinderreichen Arbeitern bewohnten Vorort fast erdrücken, während der an der entgegengesetzten Seite der Stadt gelegene Villenvorort der linderarmen Wohlhabenden sie fast nicht empfindet. In Bezug auf die Armen pflege können die Folgen für die Bewohnerschaft der ärmeren autonomen Vororte nicht minder hart, aber geradezu verhängnisvoll können sie für den Einzelnen werden. Ein Arbeiter, der innerhalb des großen Wirtschaftsgebietes der Stadt mit ihrer Umgebung seine Arbeitsstelle wechselt und infolgedessen feine Wohnung vielleicht aus der Stadt in einen Vorort verlegen (muß, dann nach vielleicht anderthalb Jahren wieder veranlaßt wird, in einen anderen Vorort zu ziehen, kann jeden Unter- stützun gsw ohn s itz verlieren und ohne auch nur einen Schatten von Vagabondage „landarm" werden; etwas recht Schlimmes für ihn und seine Familie. Trotz alledem wird der Widerstand gegen eine Eingemeindung häufig mehr auf Seiten der Vororte liegen. Die letzteren kennen eine ganze Reihe von Ausgabeposten, die in einem Großstadtbudget unentbehrlich sind, nicht. So kommt es, daß die Vororte öfters geringere Kommunal- abgaben haben, als die großen Gemeinden. Auch! ist nicht Ku verkennen, daß die Eingemeindungen für die Bewohner der Vororte vielfach eine Steigerung der Mietpreise im Gefolge haben, was ja allerdings den Hausbesitzern unter ihnen recht willkommen ist. Seit dem großen Aufblühen der Industrie und der Verbreitung derselben über kleinere Städte hat die Eingemeindungsfrage auch für diese und ihre Vororte Bedeutung erlangt, allerdings in anderer Weise, als wir eben bei den Großstädten gesehen hatten. Man wird überall wahrnehmen können, daß mit der geringeren Bevölkeruugs- zahl die Aufgaben der Gemeinden immer realer, nüchterner aufgefaßt werden. Der Magistrat einer Großstadt kann gar nicht umhin, den Bestrebungen rein ideeller Art ebenso seine- Aufmerksamkeit zu schenken wie den Anforderungen des Tages. Er muß heutzutage der öffentlichen Denkmal pflege, dem lauten Rufen nach Volksbildung und Gemeindehygiene ebenso genügen wie dem Verlangen nad) guter Ver waltung oder Heller Straßenbeleuchtung. Der Gemeinderat eines Dorfes hingegen glaubt seine Aufgabe trefflich zu erfüllen, wenn er dafür sorgt, daß in den Nächten, für die der Kalender feinen Mondschein vorschreibt, hie und da eine Oellampe brennt. Das geringe Interesse und die ge ringen Mittel drücken eben hier das Aufgabenniveau. Es ist jomit leicht erklärlich, daß für die Frage der Eingemeindung in kleineren Städten auch nicht die großen, allgemeinen sozialen Aufgaben maßgebend sind, sondern realere, nüchterne Thatsachen, hinter denen freilich zum großen Teile auch höhere Vorteile für die Zukunft verborgen liegen. Wir wollen einen praktischen Fall annehmen. In einer Stadt von etwa 25 000 Einwohnern, in bet auch) reges gewerbliches Leben sich entfaltet, befindet sich ein großes Industrieunternehmen. Die Fabrik hat Weltruf und be schäftigt mehrere hundert Arbeiter. Die letzteren haben es aber infolge der hohen Mietpreise in der Stadt weist vorgezogen, ihre Wohnungen in einen kleineren Vorort, der etwa 4000 Einwohner zählt, zu verlegen. Demzufolge ist derselbe in feiner Bevölkerungsziffer noch! mehr gewachsen, als die größere Stadt, bie in den letzten fünf Jahren eine Zunahme von 33 pCt. zu verzeichnen hat. Mit dem Wachstum der Gemeinde sind aber auch die Gemeinde lasten des Vorortes wesentlich gestiegen, so daß die letzteren, die nur zum Notwendigsten benutzt werden, höher sind als in der naheliegenden Stadt. Diese letztere hat aber vor dem kleinen Vorort den gewaltigen Vorteil, daß sie die alleinige Empfängerin der Steuern ist, die das Industrieunternehmen abführt; der große Vorteil dessen, was die Arbeiter also schaffen, fließt allein der Stadt zu. i Außerdem sind nicht nur die Arbeiter, sondern ein großer Teil der bessergestellten Einwohnerschaft des Vororts gute Kunden der städtischen Geschäfte. Die Stadt jedoch sträubt sich, für das Dorf irgend etwas zu thun. Nun hat der kleine Vorort beantragt, in die Stadt eingemeinbet zu werden. Diefe Forderung der kleinen Gemeinde ist aber von der größeren Nachbarin abgelehnt worden, offenbar, weil man sich des gegenwärtigen Vorteils wohlbewußt ist. Um nun der städtischen Gemeindeverwaltung die That- sache der wirtschaftlichen Verschmelzung beider Gemeinden zu Gemüte zu führen, denken die Vorortbewohner an eine Boykottierung der städtischen -Geschäfte. Nun beginnt ein Wimmern der großen und kleinen Ladenbesitzer und sonstigen Geschäftsleute, die sich hoffentlich nicht der Einsicht länger verschließen werden, daß Verwaltungsgrenzen unter Umständen ebenso thöricht werden können, wie innere Zollgrenzen. * , .. Dieser Fall lehrt, daß die Eingemerndung auch in kleineren Städten eine wichtige Rolle spielen kann. Nicht nur die rein steuerpolitische Gerechtigkeit würde übrigens einer Eingemeindung das Wort reden. Außer dieser realen Begründung lassen sich auch Gründe höherer Natur finden. Jede Stadt, zumal die, in der in Zeiten wirtschastlick)en Aufsteiaens sich eine Industrie bildet, hat doch wohl ein bleibendes Interesse daran, daß die von ihr beschäftigte Bevölkerung möglichst gut untergebracht ist. Das verlangt schon die erwünschte Leistungsfähigkeit derselben. Sie müßte es daher mit Freuden begrüßen, wenn sie Gelegenheit findet, ihre wohnungspolitische und sonstige Thätigkeit auch auf die Vororte mit auszudehnen. Weiterhin würde die Ein gemeindung bis zu einem gewissen Grade die Entwickelung beeinflussen können, die darauf hinausläuft, um eine Stadt herum Arbeiterdörfer zu etablieren, die infolge der geringen Steuerleistungsfähigkeit der Bewohner gewöhnlich in mehr als einer Beziehung verkrüppelte Gemeinwesen sind. Außerdem wird die Stadt doch einmal gezwungen fein, den Vorort, der int Laufe der Zeit in sie hineinwachsen m u ß, schließlich doch einzugemeinden, und dann ist ihre Aufgabe, vergangene Unterlassungssünden wieder gut zu machen, doppelt schwer. Ebenso liegt es ja auf der Hand, daß eine Verwaltung auf dem gleichen Terrain billiger ist, als zwei Ortsverwaltungen, ein Gesichtspunkt, der gerade bei kleinen Kommunalverbänden mehr ins Gewicht fällt, als bei Hun derttausendstädten. , Die Eingemeindungsfrage verdient also auch in kleineren Städten vollste Aufmerksamkeit Man schiebe, wo die Ein verleibung der Vororte Berechtigung hat, diese nicht hinaus, denn zu umgehen ist sie nach menschlichem Ermessen nichl. Vermischtes. * Stettin, 4. Febr. Eine Reihe geradezu entsetz licherMordthaten, von einer M u 11 e r an den eigenen Kindern ausgeführt, ist auf dem Gute Schwankshageu bei Wollin entdeckt worden. Dort ist eine geschiedene Frau S. seit Jahren als Wirtschafterin besänftigt und erfreute sich bei der Herrschaft wie bei dem Gesinde allgemeiner Achtung. Vor kurzem glaubten einige Bewohner annehmen zu müssen, daß die S. einem Kinde das Leben geschenkt habe. Gerüchte hatten die Einleitung einer Untersuchung zur Folge. Zur weiteren Ermittelung wurde Landgerichtsral Pauli von hier nach dem Gut gesandt. Er kam bei feiner Untersuchung in eine Kammer, die, wie ihm die Hausgenossen sagten, von der S. stets verschlossen gehalten wurde. Nach Deffnung der Kammer fand er in einem alten Tuche sechs Kinderleicheu, die vollständig ausgetrocknet und je einzeln in ein Hemd gewickelt waren. Tie weitere Untersuchung der Leichen ergab, daß die Kinder sofort nach der Geburt gewaltsam getötet und zunächst in der Räucherkammer ausgedörrt waren, um der Verwesung vorzubeugen. Anfangs leugnete die S., gestand aber bann dem Untersuchungsrichter ein, daß sie selbst die Kinder, die sie im Laufe der letzten zehn Jahre geboren, getötet und die Leichen gedörrt habe. Die unnatürliche Mutter wurde in das hiesige Gefängnis eingeliefert. *Zur Reform der Fr a u e n f le ib u n g. Im Hör saal des Museums für Völkerkunde in Berlin hielt Paul Schultze-Naumburg einen Vortrag über die Reform der Kerliner Kries. (Plaudereien aus der Kaiserfiadt.) (Nachdruck verboten.) Neue Stadtteile. — Die ersten Geschäfte darin. — Das Ende vom Liede. — Tyrol an der Spree. An der Peripherie Großberlins ist ein ewiges Bauen. Endlose Wagenzüae bringen die zum Teil sehr mangelhaften märkischen Ziegelsteine heran; das Gehämmer der Bauleute mischt sich mit den Zurufen der Steinträger und Fuhrl^ite, und eine zusammengeworfene Batterie leerer Bierflalchen, die jetzt glücklich bis auf drei Zehntel Liter Inhalt herunter- aekommen sind, giebt Kunde davon, daß die Arbeit xurft macht. Wie die bekannten „Pilze" im Herbstregen schießen die großen Mietkasernen aus der Erde, und der Spaziergänger, der noch vor ein paar Monaten seinen Weg zu einem einsamen Wirtshaus über mageres Feld nehmen mußte, steht heute an derselben Stelle in einem halbserngen Straßengewirr, in dem ein scharfer Kalkdunst harmonisch mit dem aufgeweichten Untergrund zusammenwirtt, um den in Berlin nicht gerade glänzend gestellten Jüngern Aeskulaps die Praxis etwas lebhafter zu gestalten. So nähern sich Schöneberg, das bekanntlich mit Berlin vollständig verwachsen ist, und in einzelnen Straßen sich dabei auch mit Charlottenburg berührt, und Friedenau immer mehr; so erweitert sich Wilmersdorf zu einem richtigen Riesendorf, so wachsen Rix darf T e m v e 1 h o f und wie die Vororte alle heißen. Zwilchen fßeftenb und Grünewald entsteht eine neue Vulen- Tolonic. Von Treptow plant man etwas ähnliches: wie ein ungeheurer Polyp streckt das einstige Fischerdorf seine mächtigen Arme aus und verschlingt, was vor wenigen Jahrzehnten noch in ländlicher Abgei Unebenheit sich glücklich schätzte, nichts von dem Hasten und Lärmen der fieberhaften Großstadt zu sehen und zu hören. Natürlich finden sich überall Trocken-Wohner; die Lust an der Veränderung, die den Mieter beseelt, die innige Freude der Hauswirte am Steigern, besorgen das schon. Erstaunlicher berührt das Auftauchen von allen möglichen neuen Geschäften in diesen kaum halbbevölkerten Stadtteilen. Tausende von unerfahrenen Menschen setzen hierbei ihre mühsam ersparten ober ererbten Groschen zu, in allzu großer Vertrauensseligkeit den Werbungen geschäftsgewandter Reisender mit weitem Gewissen Gehör schenkend, denen es immer nur darum zu thun ist, bei einer neuen Geschäftseinrichtung umfangreiche Aufträge für ihr „Haus" einzuheimsen. Eine wahre Gimpelfalle bilden vor allem die kleinen Cigarrengeschäfte, die in diesen neuen Stadtteilen überall aufgemacht werden. Leute, die vom Tabak und seinen Qualitäten rc. keine blasse Idee, aber ein paar hundert Thaler auf der Sparkasse haben, fühlen plötzlich den Drang in sich, Geschäftsinhaber zu werden; die bescheidene, aber sichere Stellung in einer Fabrik ober einem Großbetriebe wirb womöglich aufgegeben, ein Laden ist im Handumdrehen gemietet, Cigarren, Tabak, Pfeifenspitzen, alles, alles kommt wie von selbst in die noch vom Mörtel feuchten Wände — und die Freude kann beginnen. Gewöhnlich freilich ist es das Elend, das nun seinen Anfang nimmt. Die Thürklingel ertönt verzweifelt selten; ein paar Bauarbeiter, ein paar Straßenbahner kommen und decken ihren billigen Bedarf, sonst kaum noch jemand. Die Kisten mit den - „besseren" Sorten bleiben uneröffnet und verderben in der schlechten Luft, wenn etwas daran zu verderben ist, die Cigaretten werden unansehnlich, der Tabak feucht. Aber der Tag der Mietezahlung rückt immer näher, die Gasrechnung ftellt sich mit verzweifelter Pünktlichkeit ein, und die Post verlangt ihre Telephon-Gebühren; auch Waaren-Rechnungen sind noch zu begleichen: wer hätte das gedacht? Der Mann hat längst wieder eine Stellung gesucht, die meist natürlich schlechter ist als die leichtsinnig aufgegebene, und die Hausfrau besorgt „das Geschäft", bis eines Tages der unerbittliche Gerichtsvollzieher auf dem Plan erscheint und die kurze Scheinherrlichkeit samt der früher schuldenfrei gewesenen Wohnungseinrichtung versiegelt. Das ist das Ende vom Liede, wie man's tagtäglich beobachten kann, und doch wiederholt sich das trifte Trauerspiel immer wieder von neuem. Die Provinz liefert dazu nicht wenige Opfer. Tie Annoneen zur Aufforderung, sein Geld in einem solchen, „mit reichlichem Nutzen" arbeitenden Geschäft anzulegen, klingen gar zu verlockend: „Großes Lager und Kapital unnötig", „Nicht branchekundigen wird in jeder Weise bei- gestanden" und wie die süßen Versprechungen sonst noch lauten Man kann nur warnen und wehren! Wer nichts von einer Branche versteht, kann selbst im kleinsten, bescheidensten Orte darin nicht mit Erfolg arbeiten, chieviel weniger in dem großen Berlin, dessen Cigarrenhandel von etlichen Riesensirmen, wie „Loser und Wolf", Mar- tienzen rc. beinahe monopolisiert ist. Also Hand davon! Es ist die Zeit des Berliner Karnevals, der sich diesmal in einer Hochflut von Tyroler Festen äußert. Alles marschiert abends in Kniehosen und mit der Feder am Hut, bald bei den Schlaraffen, bald bei frroll, bis herunter zu den kleinsten Kränzchen. Da sind sie alle vertreten, die säubern Tiandl's: Tolzer und Dachauer, Miesbacher und Berchtesgadener, Bozener und Terlaner bis ins Welsche hinein. Gewälscht wird denn auch haarsträubend. Es ist eine entzückende Sprache, dieses Berliner Oberbayrisch und Tyrol'sch. Köstlich ist das Erlebnis eines wirklichen und waschechten Zillerthalers, der in einem solchen Verein für Vorträge engagiert war. Mit Gönnermiene erklärte ihm in einer Pause ein vielgereister „Solontyroler": Sehr nett haben Sie gesungen, junger Mann! Aber in Tyrol hcnte Sie feen Mensch verstanden! Glooben Sie mir das! Jky bin dreimal dort gewesen und jedesmal vier alle Gesuche um Erlaubnis zur Heirat begleiten soll. Tie Heirat von Frauen über 45 Jahre ist ferner darin verboten, für Männer ist dagegen keine solche Beschränkung gemacht worden. Für Uebertrctungen des Gesetzes werden schwere Strafen festgesetzt. Tas vorgeschlagene Gesetz soll eine Verbesserung der Rasse herbeiführen. Aehnliche Gesetze sind kürzlich auch in anderen Staaten vorgeschlagen worden. (50,4 pCt.) dem weiblichen Geschlecht angehörten. Gegen I wurf verordnet weiter, daß ein ärztliches Zeugnis, durch 1895 hat die Einwohnerzahl Badens eine Vermehrung von das die Bewerber zur Eheschließung geeignet erklärt werden, 141120 (8,18 PCL.) Seelen erfahren, im Durchschnitt jährlich " '7* 7 " 1,585 pCt. Die verhältnismäßige Zunahme ist größer als je seit 1828. Damals betrug die Bevölkerung Badens 1176 075. .^eidung. Er legte weniger Gewicht auf die, sonst un Vordergrund stehende, hygienische Seite der Sache, er ging vielmehr von der ästhetischen Frage aus. Die Reform kann nur dann Erfolg haben, wenn sie von der Basis ausgeht, daß der Menschenleib in seiner von der Natur gewollten Schönheit belassen und nicht in widernatürliche und damit unschöne Formen gepreßt werde. Um dem zahlreichen Auditorium, das fast ausschließlich aus Damen bestand, seine Ansichten und Lehren schlagend zu beweisen, zeigte er in einer Reihe von Lichtbildern an antiken Statuen und an anatomischen Abbildungen den gesunden, schönen Menschenleib und bewies dann an modernen, schönen, sogar preisgekrönten Statuen die Verheerungen, die das Korsett der weiblichen Schönheit zugefügt hat. Ten tiefsten Eindruck machte sodann das Lichtbild einer Modedame von 1901 in eleganter Balltoilette mit schlanker Taille und fortgeschnürten Hüften. Daneben zeigte er dieselbe Dame ohne Kleidung, aber in der Form, wie sie die Kleider zusammengepreßt hatten. Und da mußte sich auch der Reformfeindlichste der Ansicht des Redners anschließen, daß unsere jetzige Frauenkleidung den Körper in der That zu einem Zerrbild umgeschaffen hat. Im Saal waren übrigens einige Mitglieder des Vereins für Verbesserung der Frauenkleidung anwesend, und sie zeigten in der Form und Bearbeitung ihrer Kleider deutlich, daß es wirklich möglich ist, sich praktisch und dabei doch Mn zu kleiden. Freilich ist zu bemerken, daß diese Damen jung, hübsch — und schlank waren. * lieber die Einkommenverhältnisse in B e r l i n, die Zahl der Millionäre und die Steuerleistungen berichten die Zahlen des Verwaltungsberichtes der Steuerdeputation für das Jahr 1899. Danach gab' es 305 763 Steuerpflichtige mit einem Einkommen bis zu 3000 Mk., darunter 199 420 mit einem Einkommen bis 900 Mk. Sie sollten an Staats-Einkommensteuer die Summe von 4 288615 Mk. aufbringen. 47 475 Personen hatten ein Einkommen von mehr als 3000 Mk.,für sie bezifferte sich das Steuer-Soll auf 19174 102 Mk. Im einzelnen gliedern sich die Einkommen wie folgt: 24 998 Personen bezogen ein Einkommen von 3000 bis 6000 Mk., 10 835 ein solches von 6000 bis 10 500 Mk., 6449 Personen ein solches von 10 500 bis 20500 Mk., 2017 Personen ein solches von 20 500 bis 30 500 Mk., 966 Personen ein solches von 30 500 bis 40 000 Mark, 584 Personen ein solches von 40 000 bis 50 000 Mk., 621 bis 70000 Mk., 400 bis 100 000 Mk., 404 Personen hatten ein Einkommen von 100 000 bis 200 000 Mk. Die übrigen 199 Steuerpflichtigen verteilen sich auf die Einkommensätze rvn über 200 000 Mk. bis hinauf zu über 2 Millionen Mark. 14 Personen hatten über 1 Million Mark Einkommen, darunter 3 sogar über 2 Millionen Mark. Die Zahl der Millionäre betrug 1336. Diese Personen versteuerten ein Vermögen von je 1 Million Mark und darüber. 857 halten sich in den Grenzen von 1 bis 2 Millionen, 219 von 2 bis 3 Mill., 86 von 3 bis 4 Millionen, 67 von 4 bis 5 Millionen, 29 von 5 bis 6 Millionen, 17 von 6 bis 7 Millionen, 28 von 7 bis 10 Millionen, 29 von 10 bis 20 Missionen, bei 6 Personen geht das Vermögen noch höher hinauf bis zu 39 760 000 Mk. * Die Bevölkerung des Gr o ß h e r z o g tum s Baden betrug am 1. Dezember 1900 nach einer Veröffentlichung des Statistischen Landesamtes 1866 584 Personen, wovon 925 670 (49,6 pCt.) dem männlichen und 940 914 * Steht d i e Erschöpfung der deutscheü Kohlenlager zu befürchten? Ter Kohlenverbrauch Deutschlands nimmt kolossal zu. Von 1871 bis 1895 ist er um nicht weniger als 115 Prozent gestiegen, und nach den neuesten statistischen Angaben beträgt der Kohlenverbrauch Deutschlands gegenwärtig annähernd 100 Millionen Tonnen im Jahr. Aengstliche Gemüter glaubten aus dieser Erscheinung schließen zu müssen, daß wir vor der >Er- schöpfung unserer Kohlenlager stehen; wie wenig begründet diese Furcht ist, zeigen die nachstehenden Mitteilungen, bie_ Prof. Dr. Hirschwald, der Leiter des mineralogischen Instituts der Berliner technischen Hochschule machte. Wir haben speziell in Preußen noch kolossale Kohlenlager; in Oberschlesien lagert in einer Tiefe von 2000 Metern noch Kohle! Unter den heute gegebenen Verhältnissen sind unsere Kohlenlager allerdings nur bis zu einer gewissen Tiefe abbauwürdig. Tie Grubentiefe als Grenze des Bergbaues hängt im wesentlichen von der Rentabilität bei den mit zunehmender Tiefe ganz erheblich steigenden Förderungskosten ab, dann auch von der Möglichkeit einer genügenden Durchlüftung der tiefen Stollen. Bei unseren heutigen Abbaumethoden ist etwa 1500 Meter die Grenze; die tiefste Grube hat Belgien von etwa 1150 Meter Tiefe. Tie tieferen Lager, die heute noch nicht abbauwürdig sind, werden jedoch zweifellos in absehbarer Zeit mit der stetig fortschreitenden Verbesserung der technischen Hilfsmittel ebenfalls ausgebeutet werden können. Unter diesen Umständen ist es zweifellos, daß Deutschland noch jahrhunderte- langseinenKohlenbedarfauseigenenGruben )ecken kann. — Auch die so oft besprochene Erschöpfung der englischen Kohlenlager liegt in großer Ferne. Thatsache ist allerdings, daß Englands Kohlenlager bei weitem nicht die Mächtigkeit haben wie unsere deutschen, und daher, zumal bei der starken Inanspruchnahme, wesentlich früher erschöpft sein werden, als die unsrigen. , * Die Iudenschaft von Dünaburg hat die dortige Polizei besiegt! Infolge eines Skandals auf dem Bahnhofe wurde Jtzig Jarow verhaftet, aber der Polizei )urch Scharen von Juden entrissen. Erst dem Einschreiten von Truppen gelang es, die belagerte Polizei zu befreien und die Friedensstörer zu verhaften. Schon im. Vorjahre ereignete sich ein ähnlicher Fall in Wilna, wo eine Patrouille von kampfmutigen Juden angegriffen und entwaffnet wurde. * Volkszählung in St. Petersburg. Wie man aus St. Petersburg schreibt, hat die im Monat Dezember! dort vorgenommene Volkszählung ergeben, daß die Be-! völkerung der russischen Hauptstadt sich auf 1 439 00 0’ Personen beläuft, und daß seit zehn Jahren der durchs schnittliche jährliche Zuwachs 40 000 Personen betrug. * Ein drakonisches Heiratsgesetz. In der gesetzgebenden Körperschaft des Staates Minnesota ist ein Gesetzentwurf eingebracht worden, durch den Heiraten verboten werden sollen, wenn einer von beiden Teilen Anfällen von Wahnsinn, Schwindsucht oder gewissen besonders bezeichneten Krankheiten unterworfen gewesen ist. Der Ent- Mteratur. Heft 18 des „Lotse n", der Hamburgischen Wochenschrift für deutsche Kultur, enthält folgende Beiträge: „Wasser im Städtebild", den Schluß eines Essays, den der Direktor der Dresdener Gallerie, Professor Karl Woermann, im 16. Heft zu veröffentlichen begonnen hat. Von besonderem Interesse ist der letzte Teil dieser Arbeit, worin der Verfasser auf Hamburg zu sprechen kommt und über die Umgestaltung des Jungfernstiegs spricht. — Den „Doppeltarif behandelt Privatdozent Dr. I. Jastrow. — „Auf dem Ausguß betitelt ber Posener Kapellmeister Paul Geisler einen Aufsatz über moderne Musik. — Hieran reihen sich drei zarte Gedichte von Wilhelm Holzamer. — Ter als» „Patriot" zeichnende Mitarbeiter des „Lotsen" schreibt „Zur Frage der Zollbegünstigung der deutschen Kolonien". — Originell sind die Betrachtungen über den „Apostel Michael Krames, die der Redakteur der Wiener Zeit, Alfred Gold, an die Lektüre des neuesten Hauptmannschcn Dramas knüpft. — „Aus Darmstadt II" bildet die Fortsetzung einer Artikelserie, die Christian Ferdinand Morawe int 2. Hefte des „Lotsen" mit der Absicht, das große Publikum in die intimen Pläne der Darmstädter Künstlerkolonie einzuführen, eröffnet hat. — Das Heft schließt mit dem Artikel des Mitarbeiters S. v. H. „Von einem stillen Mann"^ |f uiimchenti Hohen«! einer Seidenweberei „Lotze", Hohenstein Ernstthal, Möiiigh'i^er, , schreiben durch die Brühl’sehe Druckerei, Giessen, Schulstrasse 7. Ettingshausen. Submissions-Holzverkauf. In den Waldungen der Gemeinde Ettingshausen Distrikt Hard, Riedsteiv, Teich, Böchers-Köpfel, Rothenberg und Gabriels- zimmerplatz, lagert folgendes Holz zum Verkauf: 27 Stück Fichten Schnittholz-Stämme, 28 bis 42 cm Durchm. bis 22 m Länge = 36,20 Fm. 729 Stück Fichten Bauholz-Stämme, 11 bis 28 cm Durchm. bis 24 m Länge — 870,27 Fm. 289 Stück Kiefern Bauholz-Stämme, 16 bis 30 cm Durchm. bis 22 m Länge — 148,17 Fm. 650 Stück Kiefern Grubenholz-Stämme, 11 bis 26 cm Durchm. bis 20 m Länge — 117 41 Fm. 23 Stück Kiefern Grubenholz Stangen, 10 bis 12 cm Durchm. bis 9 m Länge — 1,37 Fm. Das Eichen-Holz ist ungefähr 7 Stück Eichen Schnittholz-Stämme, 80 bis 45 cm Durchm. bis 12 m Länge — 4,70 Fm. 80 Stück Eichen Bauholz-Stämme, 16 bis 80 cm Durchm. bis 13 m Länge — 16,00 Fm. 60 Stück Eichen Grubenholz-Stämme, 14 bis 22 em Durchm. bis 13 m Länge ---- 16,00 Fm. Es kann auf oben genanntes Fichtenholz im ganzen, und auch in zwei Abteilungen geboten werdm. Abteilung I. Am Teich ■= 7,67 Fm. Schnittholz und 54,59 Fm. Baubolz. Abteilung I. Am Riedstein von Nr. 1 bis 178 — 20,43 Fm. Schnittholz und 91,62 Fm. Bauholz. Abteilung II. Am Rredstein von Nr. 179 bis 616 = 8,10 Fm. Schnittholz und 224,06 Fm. Bauholz. Die Herren Kaufliebhaber können auf Verlangen bis vor dem Termin der Eröffnung das Holz an Ort und Stelle einsehen. Der Vorzeiger ist Forstwart Keil zu Ettingshausen. Die Gebote müffen nach Sortimenten getrennt und können auf einzelne Abteilungen abgegeben melden. Es können auch Lieb hader aus sämtliches Holz einreichen. Es behält sich ab^r der Ortsvorstand vor, die Gebote so auszusuchen, wie es ihnen zur Erdung der höchst Gesamteinnahme und der gröfetmö .* Haien Sicherheit für Eingang des Kaufvreises am günstigsten erscheint. Der Kaufpreis ist alsbald nach dem Zuschlag durch eine genügende Bürgschaft oder durch Wertpapiere sicher zu ^,7 und bU Martini L 3 zu bezahle-,. Die ---bat- sind schriftlich, mit paffender Aufschrift o-rsehw. bis zum 14 Fe- bruar, mittags 12 Uhr, auf dem Bürgermeister-Bureau einzureichen. Die Eröffnung derselben findet am 14 Februar nachmittags 2 Uhr auf dem Rathaus statt, wozu die Interessent-n eingeladen stnd. Die Erteilung des Zuschlags kann bis 10 Tage nach der Eröff ung h'nausgeschoben werden. Ettingshausen, 2. Februar 1901. Großherzvgltche Bürgermeisterei Ettingshausen 1070 Beigeordneter Keil. Holz-Versteigevung in der Aürstkichen $6erforderet Lich. Es sollen versteigert werden Montag den 18. Februar, von vormittags 10 Uhr an, losweise oder stammweise, im Saale des Kolländifchcn Kofes in Aich: 1. auS Distrikt Riedwald: 25 Eichen-Abscknitte — 32,96 fm, 2. „ „ Meilbach: 12 Eichen-Abschnitte — 18,92 fm, 9 Buchen- Abschnitte — 7,81 fm, 2 Linden-Abschnitte — 1,57 fm, 8. „ „ Höler: 10 Eichen-Abschnitte — 7,71 fm, 2 Eisbeer- Abschnitte — 0,35 fm, 2 rm Hainbucken-Rollen, 4. „ „ Hard: 36 Eichen-Abschnitte — 3\98 fm, 17 Buchen- Abschnitte — 13,48 fm, 21 Hainbuchen - Abschnitte — 3,00 fm, 1 Linden-Abschnitt — 0,20 fm, 6 rm Hain- buchen-Rollen, 13 Kiefern-Abschnitte = 10,71 fm, 2 Lärchen-Abschnitte — 1,42 fm, 5. „ „ Häuserberg: 18 Elsbeer-Abschnitte — 1,01 fm. Nummerverzeichnisse werden je nach dem Verlangen angefertigt und umsonst und portofrei zugesandt. Dienstag den 19. Februar, von vormittags 9 /2 Uhr an, im Distrikt Mönckwald: 1000 Bucken-Forstwellen, 2400 Kiefern-Wellen, 6 bis 8 Fest- meter Fickten Stangen. Dazu einige Hundert Weichholz-Wellen aus dem Distrikt Meilbach, welche nicht vorgezeigt werden. Die Zusammenkunft ist dort, wo der sogen, steinerne Weg den Vicinalweg Hattenrod—Alback kreuzt. <4ich, den 6. Februar 1901. 1153 Dr. Dieffenbach. Jagdverpachtung. Donnerstag dc« 14. Fe-1 bruar, mittags 12 Uhr, soll die Gemeinde-Feldjagd bd August Becker dahier auf sechs Jahre verpachtet werden. N.eder-Gemünden, den 7. Februar 1901. Grohherzogliche Bürgermeisterei N'.eder-Gemünden. Berg. 1178 Brennholz- Versteigerung in der GrSflWnsörstttkiArnrbllrg Mittwoch den 13. Fe- bruar, nach Zusammenkunft um 10 Uor am Steinbruch auf der Straße L»ch—Butzbach rp rben aus den Disti ik en H ird, LamerdachswäldchtN, Leise, Colnhäusetkopf und Nordeck versteigert: Scheiter rm: 93 Buchen, 2 Eichen, Prügel rar: 18 Buchen, 33 Eichen, 9 Nadel, Stöcke rm: 14 Buchen, 50 Eichen, 6 Nadel, io69 Astreiser rm: 195 Buchen, 120 Eichen, 50 Nadel, Stammreiser rm: 10 Buchen, 255 Eichen, 74 Nadel (Bohueustaugeu). Versteigerung. Montag den iS. d. Mts., nsihm'ttag- 2 Uhr, versteigere ich im Piandlokal, Ssltersweg 11, gegen Barzahlung: 1 Pferd, ein Pranino, 1 Buffet, 1 Kassaschrank, 1 Drehbank, mehrere Sofas, Kommode , Kleiderschränke, 2 neue Koffer, Regulateure u. h. m. Gießen, den 4. Februar 1901. 1090 Mulch, Pfandmeister. EmpMüMM CSöyo'/a verschied. Art neis vorrätig bei 358 Schreiner Steller, Sckillerstraße 9. HausmacherEiernudelnMaccaroni in allen Preislagen bis zu den denkbar besten Qualitäten empfehlen 503 A. & G. Wallenfels, Marktplatz 21. Auskunft Der etwa 1650 zu Merkenbach bei H"rborn geborene Johannes Keller Fürstlicher Hofmann zu Langenselbold, später zu Offenbach a.M., ist nach Juli 1721 verstorben. Angaben über den Tod desselben werden gewünscht von Adolf Keller, Fraukfurt a. M., Franksurterllroße 60._______________________ 1019 I Ernst Challier (Rudolphs Nacht) g Giessen. Spezial-Geschäft für Musikwaren aller Art. W Grosse Auswahl, solide Preise. 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