Nr. 264 Zweites Blatt 151* Jahrgang. Freitag 6. November 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siebener Familien- blätter werden dem Anzeiger im, Wechsel mit dem „Hess. Landwirt* und den ^Blättern sür hessische Volkskunde* viermal wöchentlich beigelegt. -Reaktion, Expedition und Druckerei: Sch u lstratze 7. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. ® jftk XSf Ä Annahme von Anzeige« ES au der für den folgenden- GietzenerAnzeiger s w General-Anzeiger v SS» Amts- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen Deutsche Kohlendepots. Aus Handelskreisen wird uns geschrieben: Die Kohle hat für die Schiffahrt die gleiche Bedeutung wie für die Industrie. Denn die Zahl der Dampfer steigt in demselben Maße, wie die der Segler abnimmt, und zwar bei fast allen Handelsflotten. Dementsprechend ist die Frage der Beschaffung des Feuerungsmaterials' für die Schiffe weitgreisend und schwerwiegend geworden. In den heimischen Häfen macht die Auffüllung der Kohlenbunker naturgemäß keine Schwierigkeiten. Die gewünschte Qualität und Quantität der schwarzen Diamanten steht den Rheüern jederzeit zur Verfügung, und hinsichtlich des Preises wird gefordert und bezahlt, was recht und billig ist. Anders im Ausland. Die Schiffskapitäne befinden sich dort in einer Zwangslage: sie müssen die fremden Kohlen kaufen, weil die heimischen zumeist nicht erhältliche sind, und sie müssen die verlangten hohen Preise bezahlen, weil die Konkurrenz fehlt, an die sie sich wenden könnten, oder weil die Händler auf Verabredung gemeinsam die Preise hochhalten. Der Willkür und Uebervorteilung ist dadurch natürlich ein weiter Spielraum gelassen, und das Mögliche haben in dieser Beziehung die englischen Kohlenhändler geleistet, die wohl in den meisten wichtigen Ueberseehäfen etabliert sind. Am ungeniertesten ist Der Kohlenwucher von dieser Seite jedenfalls in Port Said, am Eingänge zum Suezkanal, betrieben worden. Auf dieser großen Heerstraße nach Osten herrscht ja ein ungemein reger Schiffsverkehr, und besonders häufig gehen deutsche Dampfer dort zur Kohleneinnahme vor Anker. Als im vorigen Jahre die Dutzende von China-Transportschiffen in Port Said ihre Bunker auffüllten, machten die englischen Händler einen Generalfisc^ug, indem sie den Preis für die-Tonne Ko hievon. 20 ans 35 Mar kund darüber hinaus erhöhten. Zum Vorwand für diese unerhörte Steigerung diente den geschäftstüchtigen Händlern der Hinweis auf die Arbeiterausstände in den englischen Kohlenbergwerken. Die deutschen Rhedereien mußten wohl oder übel zahlen; doch sie beschlossen, soweit sie an der Fahrt durch den' Sue^kaual beteiligt sind, einmütig, der Sache ein Ende zu machen und ein deutsches Kohlendepot in Port Said einzurichten. Zu diesem Zweck bildete sich unter Führung der Hamburg-Amerika-Linie die Kohlendepot-Gesellschaft, die im Spätsommer ds. Js. auch mit dem R e i ch s m a r i n e- amt in Verbindung trat, um der Unterstützung von dieser Seite sich M vergewissern. Der Marineverwallung kommt das deutsche Kohlendepot am Suezkanal natürlich durchs- crus gelegen, da die Kriegsschiffe ebenfalls bedeutende Vorteile davon haben. Das Marineamt scheint aber in Bezug auf die Versorgung der Auslandsschiffe mit deutscher Kohle noch besondere und weitergreifende Pläne zu hegen. In den Kreisen der Kohlenindustriellen des Ruhrbezirks will man wissen, daß in geeigneten Häfen sämtlicher deutschen Kolonien Bestände anRuhrkohle aufgestapelt werden sollen, aus denen die Kriegsschiffe ihren Bedarf decken können. Zur Zeit finden Rückfragen bei den betreffenden Gouverneuren statt wegen der zweckmäßigsten Auswahl der Häfen. Sollte dieses Projekt, über das Staatssekretär v. Tirpitz im Reichstag nähere Mitteilung machen dürfte, verwirklicht werden, so würde wiederum ein erheblicher Teil der deutschen Seeschiffahrt dem Machtbereich der englischen Kohlenhändler entzogen. Die Frage der Einwirkung eines solchen Unternehmens der Marineverwaltung auf den deutschen Jnlandsmarkt für Kohle und die Gestaltung der Ausfuhr sei an dieser Stelle zunächst un- erörtert. Für jetzt genüge die Feststellung der Thatsache, daß die Ausschaltung der englifcßen Bunkerkohle seitens Deutschlands einen wichtigen Pfeiler des Baues, auf dem die Herrschaft des englischen Seehandels ruht, ins Wanken bringt.________________________________________________________ 5. ßhristlich-sozialer Parteitag, in. Sodann ergriff Chefredakteur Dietrich v. O e r tz e n (Berlin) das S&ort zu seinen: Vortrage über die Frage: Ist gemäßigte Schutzzollpolitik mit sozialer Fürsorge vereinbar? Er kam in längeren Darlegungen zu einer Bejahung dieser Frage. Im Interesse des gesamten Volkswohles dürfe man sich der Einführung höherer Getreidezölle nicht widersetzen. Langjährige Erfahrungen haben bewiesen, daß der Zoll auf die Preisbildung nur geringen Einfluß hat. Daß von der Steigerung des Kornpreises bis zur Steigerung des Brotpreises noch ein weiter Weg ist, haben statistische Untersuchungen klargelegt. Im schlimmsten Falle — so rechnete der Referent vor — blieben als direkte Belastung des Arbeiterhaushaltes bei großer Familie 5 Pf. oder rund 20 Mark im Jahre. Diese Belastung kann kommen; aber sie muß es nicht. Es läßt sich aber auch eine Gegenrechnung aufmachen. Diese würde ergeben — einen 5 Mark- Zoll und eine jährliche Belastung von 20 Mark vorausgesetzt — daß, wenn ein Jndustriewerk durch eine mit Hilfe des Kornzolls erzwungene Oeffnung auswärtiger Grenzen für unser Eisen nur etwa statt bisheriger 250 voll bezahlter Arbeitstage dem Arbeiter deren 256 bieten kann, die 6 Mehrtage (zu 3.50 Mk- Lohn gerechnet) schon die erhöhte Ausgabe voll wieder einbringen. Kommt es aber durch den Zollschutz zu einem Aufschwung der Industrie, und durch den Aufschwung zu einer, ob noch so geringen täglichen Lohnerhöhung, so übersteigt sofort der Betrag solcher Erhöhung jede mögliche Zollbelastung des Arbeiters um ein Vielfaches. Von erhöhten Kornzöllen hat der Landarbeiter den Vorteil, daß er den erheblichen Teil seines Lohnes, der ihm in Korn gezahlt wird, um so viel höher verwerten kann, als die Preissteigerung zuläßt. Der Stadtarbeiter hat den Vorteil, daß erstens der Landarbeiter umsoweniger in die Stadt drängen und ihm hier die Preise der Arbeit verderben wird, je besser er gestellt ist; zweitens die Arbeitsgelegenheit in der Industrie sich um so stärker mehren wird, je mehr es uns gelingt, durch hohen Kvrnzoll die halbkultivierten Kornländer zur Herabsetzung ihrer Jndustriezölle und zur Aufnahme unserer Jn- dustrieprodnkte zu zwingen. Alle Arbeiter aber haben, wie jeder Deutsche, em starkes Interesse daran, daß das deutsche Reich weder ein reiner Agrarstaat noch ein reiner Industriestaat wird, sondern für Kriegs- und Friedenszeit ein kräftiges, geschlossenes, in sich genügsames Ganzes. Wir haben ein Interesse daran, daß die heimische Landwirtschaft in den Stand gesetzt wird, eine Bevölkerung von 60 Millionen zu ernähren — eine Leistung, zu der unser Ackerbau vollauf befähigt ist, wenn Kornbau und Viehzucht rentieren. Die heutige große Korneinfuhr diene spekulativen Zwecken und habe die Wirkung, den deutschen Preis auf den Tiefstand der Halbkulturländer herabzudrücken. Wenn die Einfuhr mit dem Beginn der Handelsverträge von rund drei einhalb Millionen Tonnen plötzlichsiauf rund sieben Millionen Donnen stieg, d. h- um 100 Prozent, während die Bevölkerung nur um ein Prozent stieg, so liegt auf der Hand, daß der Bedarf der Volksernährung mit jener Steigerung der Einfuhr nichts zu schaffen hatte. Wenn die Sozialdemokratie die Arbeiter jetzt gegen die Zolltariferhöhung aufhetzt, so ist das der dümmste und schlechteste Rat, den sie ihnen giebt. Die Arbeiter sollten sich! nicht in kurzsichtigem Eigennutz der notwendigen Erhöhung widersetzen. Sie sollten nur die Zustimmung zum neuen Zolltarif von dem Zugeständnis abhängig machen, daß wenigstens ein Teil der Zollerträge aus Brotkorn zur grundlegenden Ausstattung einer Arbeiter-Witwen- und Waisen- Versorgung verwandt werden. Weil aber diese Erträge schwanken, so würde es sich empfehlen, einen festen Betrag jährlich zu fordern. Mit einigen Millionen schon könnte unendlicher Segen im Arbeiterstande gerade da geschaffen werden, wo das Bedürfnis am dringendsten ist. Leider bestehe aber die Politik der Sozialdemokratie int Schelten, Hetzen, Lügen und Prahlen und in der Kunst, die Regierung Und die Mehrheitsparteien durch Undankbarkeit und Unvernunft gegen jede zu Gunsten der Arbeiter geübte Sozialpolitik einzunehmen. Um so lauter müsse die christlich- soziale Partei diese Forderung erheben, um keinen Zweifel darüber zu lassen, mit welchen Mitteln sie bemüht ist, die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Produzenten und die sozialen Forderungen des Konsumenten ins Gleichgewicht zu bringen. (Lebhafter Beifall.) Der Besprechung über die Zollfrage wurde ein Vortrag des Pfarrers Fritsch (Ruppertsburg) über die Alkohol^ frage vorausgenommen. Oft erzeugt der Alkohol direkt Die soziale Not, oft verschlinnnert er vorhandene Uebeb stände. Wenn man jetzt sagen soll: Ihr müßt Euren „Durst" doch etwas einschränken, so wird das unangenehm empfunden. Die Schankgesetznovelle wäre durchgegangen, wenn 6ie Konservativen nicht so lau gewesen wären. Das ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, wie sie auch bei der Un^ sittlich keitsg esetzgebung nicht alle berechtigten Anforderungen an ihre Stellung und in der Duell frage überhaupt nicht erfüllt haben. So steht die christlichi-soziale Partei allein. Viel muß geschehen durch Staatshilfe. (Lebhafter Beifall.) Dann begann eine Diskussion über die Zollfrage. Abg. Stöcker kennzeichnete die „Verhetzung", die bei der Kornzollfrage betrieben wird. Es ist, als ob es nur ein Böses auf der Welt gäbe: Die Landwirtschaft mit ihren Kornzöllen. Die ganze Agitation und Hetze ist Mache für die Kommenden Wahlen. Denn die Parteien wissen, daß ihr Kampf gegen die Erhöhung der Zölle nutzlos ist, — Kolon Hufendiek aus dem Ravensberger Lande wünschte aber auch feine Uebertreibung nach der anderen Seite hin. — Dr. Burckhardt (Godesberg) legte dar, daß ein Ausgleich der Interessen auf mittlerer Linie erfolgen müsse. Denjenigen Bauern im Westen, die rwch nicht von der Notwendigkeit der Erhöhung überzeugt sind, gebe er zu bedenken, daß auch die Viehzölle erhöht werden sollen. — Pfarrer B e r n b e ck (Staden) erklärte namens der h e f f i» sch en Delegierten sein Einverständnis mit der Stellung des Referenten. — Weber Wolff (Gütersloh): Mir ist es nicht angenehm, wenn auf die Garne ein hoher Zoll genommen wird, aber die deutsche Spinnerei konnte sich nur unter diesem Schutze entwickeln. Ich bin auch! an einer Fleischwarenhandlung beteiligt. Natürlich ist es mir da auch nicht angenehm, wenn das Vieh mit Zoll belegt herein- kommt, aber ich sehe ein, daß dieses notwendig ist. Es muß im Interesse der Gesundheit des ganzen Volkskörpers ein Ausgleich geschaffen werden. Der Zolltarif ist so fleißig durchgearbeitet, daß es einem wirklich sckstver wird, die Regierung scharf anzufassen. Wir können Vertrauen zu ihr haben. — Pfarrer Fritsch ,(Rupvertsburg) erklärte den Regierungsvorschlag für das' mindeste, was im Interesse der Gerechtigkeit für die Landwirtschaft gefordert werden muß. — ' Die Versammlung erklärte schließlich ihre Zustimmung zu dem Referat und zu der Regierungsvorlage im allge- Theater, Kunst und Wissenschaft. Einen: Schlußartikel der „Münch. Neuest. Nachr." über die Ausstellung der Darmstädter Kolonie entnehmen wir folgendes: Die Zunächstbeteiligten räumen ohne Umschweife ein großes Ausstellungsdefizit ein, indes ist es für den Fernerstehenden durchaus unllar, wie es diese Höhe von fast 300 000 3)1 art erreichen konnte. Es müßte sich gerade hier im großen wiederholen, was bei privaten Kunstausstellungen häufig genug vorkommt, die hauptsächlich mit Eintrittsgeldern zu rechnen haben, und nebensächlich erst mit Verkäufen. Doch — bevor nicht die vollständige Abrechnung vorliegt — einerlei ob sie veröffentlicht oder geheim gehalten wird, haben wohl auch die Zunächststehenden kein genügend klares Bild über die Sache. „Um auf die Kosten zu kommen", hat ein Teil der beteiligten Künstler neuerdings die Idee, die ganze Ausstellung, wie sie w ar, — im näch sten Jahr e zu wiederholen! Wie das mit den Bewohnern des „eigenen Heims" in Einklang zu bringen ist, ist nicht ganz llar, und abgesehen von allem anderen steht der Bau von neuen Wohnhäusern im Wege, welche Olbrich im Auftrage hat. Am deutlichsten zeigt sich der^praktische Wert der Ausstellung in eben diesen und noch anderen Aufträgen Olbrichs auch an anderen Stellen der Stadt, wobä ümn Gelegenheit haben wird, auch Zinshäuser von ihm zu sehen, sodaß die einst aufgetauchte Frage: Warum nur Villen? ganz von selbst als verfrüht in sich zu- sammenfällt. Die vielverbreitete Meinung, die Künstler hätten die Bauplätze zum Geschenk erhalten, ist vollständig {irrig. Das Bauen selbst und die schließliche Hauseinrichtung, die Anlage der Gärten mit allen dazugehörigen Erdbewegungen war reinweg persönliche Finanzangelegen- eines jeden für sich. Zwischendurch und gleichzeitig mit diesen persönlichen Hansbauprojekten hatte man sich vor- genommen, ein Jahr gemeinsam und wiederum jeder nach seiner Eigenart allein zu arbeiten, und danach zur allgemeinen öffentlichen Ausstellung zu bringen, was man in dem Jahre geschaffen. Da hat sich denn sehr bald der Plan ergeben, die Häuser als Arbeits- und Ausstellungsobjekte äu behandeln. Bis dahin war nur die private Börse eines jeden Änzelnen für seinen Besitz in Betracht gekommen. Was nach dem Ausstellungsschluß jeder mit seinem Hause anfängt, ist durchaus Privatangelegenheit. Wie schon erwähnt, bleiben die Häuser, die zur Ausstellung gehörten, keineswegs die einzigen in diesem neuen Stadtteil, im Gegenteil, sowie das Flächenkunsthaus abgebrochen ist, bigennt Olbrich mit einigen Neubauten, welche nun zunächst das während des letzten Sommers bekannt gewordene Gesamtbild zu Füßen des Ernst Ludwighauses endgilttg abschließen sollen. — Irene Triesch spielte dieser Tage im Deutschen Theater in Berlin die Clara in „Maria Magdalena". Eine Berliner Zeitung schreibt darüber: Dieser Maria Magdalena konnte man sogar jenen in der Dichtung so ganz und gar nicht motioierten verhängnisvollen Fehltritt glauben; so sehr hatte sie den Zug des Hilsios- Rühreuden, des liebenswürdig Schwachen, und einer leisen, halb unbewußten Sinnlichkeit in ihrem Spiele vertieft. Und wie wußte sie, überall in den Grenzen überzeugendster Natürlichkeit verbleibend, die ganze furchtbare Tragik ihres Frauenschicksals in Ton und Bewegung zu enthüllen; wie verstand sie, selbst wenn der Körper unter den Schmerzen des verborgenen neuen Lebens sich wand, die sanfte, schlichte Anmut, auf welche der Ton der Rolle gestimmt war, zu bewahren. — Der zum Zwecke der Errichtung eines Shakespeare- denkmals tn Weimar eingesetzte geschäftsführende Ausschuß der Shakefpcare-Gesellschaft trat dieser Tage unter dem Vorsitze Oechelhausers in Berlin zu einer längeren Beratung zusammen. Die Tenkmalsangclegenhert - ist nunmehr soweit gefördert, daß ein entsprechender Aufruf alsbald in die Oeffentlichkeik gelangen wird. Böcklin contra Mut her. Mit Bezu^ auf die Angelegenheit, die in dem Breslauer Prozeß Carlo Böcklin gegen Muther der Vertreter des Letzteren unter Beweis gestellt hat, teilt die Kunsthandlung Hermes L Ci,o. in Frankfurt folgendes mit: „Es ist nicht richtig, daß Carlo Böcklin das von Herrn Heymann erworbene, übrigens voll signierte Gemälde vier Wochen nach dem Tode seines Vaters an uns verkauft hat. Das Bild wurde vielmehr bei Lebzeiten Arnold Böcklins angekauft und der Kaufbetrag an diesen selbst entrichtet. Eine Echtheitserklärung wurde erst später auf Wunsch des Herrn Heymann von Carlo Böcklin nach dem Tode seines Vaters ausgestellt. Es ist ebenfalls nicht richtig, daß Carlo Böcklin, als die Originalität oes Bildes später kritisiert wurde, sich geweigert hat, dessen Echtheit zu beschwören. Er hat sich in: Gegenteil bereit erklärt, einen Eid zu leisten, daß das fragliche Bild von der Hand seines Vaters gemalt und besonders, daß es eigenhändig vor: diesem signiert sei, welch letzteres Faktum allein schon die Originalität des Bildes feststellt. Diese wurde übrigens auch durch einwandfreie, nicht der Familie Böcklin angehörende Augenzeugen, die bei: alten Herrn an dem Bilde haben malen sehen, bestätigt." Kopenhagen, 5. Nov. Als Bestätigung der Erklärung des Prof. Howitz berichtet der dänische Militärarzt Dr. Vogelius, er habe Resultate erreicht, welche bewiesen, daß es möglich sei, Krcbsleiden durch Einfrierenlassen mittels Chloraethyls zu heilen. Neue Kunstlitteratur. Der Inhalt des November-Heftes der „Kunst" (München, Bruckmann, Preis vierteljährlich 6 Mk.) krystallisiert sich nicht um zwei solche Mittelpunkte, wie sie für das Oktober-Heft die neue Böcklin- Veröffentlichung und die 9Nonographie über das Darmstädter Haus Behrens abgaben, Bedeutsames aber ist es doch, was in den:, in bunter Mannigfaltigkeit Gebotenen oorgeführt wird. Beweis dafür schon die ledigliche Inhaltsangabe des Heftes: Paul Troubetzkoy — Konrad Lange: Was ist Kunst? — Der Wiener Hagenbund — Gustav Floerke: Wie urteilte Böcklin über moderne Malerei? — Bauten von Paul Möbius — Möbel von Bruno Paul — Kunst für die Armenstickereien von E. Erber — Möbel von Th. van Hoytema — E. Barlach — Wiener. Kunstgewerbe. Wenn nun noch registrierend angefügt sei, daß ein reicher, bildlicher Schmuck sich diesen Veröffentlichungen angliedert, so glauben wir, diese vornehme Kunstrevue unseren Lesern nicht vergebens meinen unb forderte im einzelnen eine wesentliche Erhöhung des Quebrachozolles und einen Zoll für ausländische gärtnerische Luxusprodukte. Nach einer Diskussion über die Alkoholfrage wurde eine Resolution im Sinne der Ausführungen des Pfarrers Fritsch angenommen und dann die Sitzung geschlossen. Die nächste öffentliche Sitzung beschäftigte sich mit einer kirchlichen Frage: Freiheit der Kirche und Selbst- ständigkeit der Gemeinde. Zuerst nahm Stöcker das Wort. Die Frecheit der Kirche ist die notwendige Vorbedingung für ihr wahres Leben. Das Staatskirchentum geschichtlich, sei zu verwerfen. Anerkannt muß werden, daß sich die Frage in der Praxis sehr schwer behandeln und lösen läßt. Aber fest steht: heute ist die weltliche Leitung der Kirche unmöglich. Minister Falk äußerte einmal: er hoffe die Stunde noch zu erleben, wo der Kultusminister keinen Finger mehr für die Leitung der Kirche zu rühren braucht. Das Grab der kirchlichen Selbständigkeitsbestreb-' ungen ist das synodale Leben, weil man diese Bestrebungen von oben ungern gesehen und mit Bann belegt hat und weil darum die Kirchenregimente sie möglichst gehindert haben. Stöcker begründet die Notwendigkeit einer rein geistlichen Leitung der Kirche. Dann würde dieses Gemisch, von liberal perschwinden. Zum Schlüsse forderte Stöcker die Unabhängigkeit der Gemeinden. In der Ausgestaltung dieser beiden: Der Freiheit der Kirche und der Unabhängigkeit der Gemeinden liegt unser Ideal; denn beide fördern und ergänzen sich gegenseitig. (Lebhafter Beifall.) — Der Direktor des Johanneums, Pfarrer Philipps (Plötzensee-Berlin) erklärte sich im großen Ganzen mit dem Äirredner einverstanden. Wie nun die Frage lösen? Man antwortet: Freikirche! Aber wie zu Freikirche kommen? Durch Massenaustritt aus der Landeskirche? Es ist gegenwärtig nicht daran zu denken, daß Millionen austreten. Man wird höchstens zu einer Sekte kommen und dann jeden Einfluß aus Schule und Religionsunterricht und viel für das Volksleben verlieren. Bleibt nur, daß wir auf dem Wege der synodalen Verfassung vorgehen und dafür sorgen, daß die Kirche keine Rechte verliert, und daß nicht Leute die Führung übernehmen, die in erster Linie nicht das Vertrauen der Kirche, sondern das der Regierung haben. In die Gemeindevertretungen müssen verständnisvolle Leute gewählt werden. In die Provinzial- und Generalsynoden müssen Leute aufsteigen, die frei geworden sind für ihre Person in Glauben, die thun, wozu sie ihr Glaube treibt, die nicht nach dem Kirchen-oder gar Staatsregiment schielen. Der Staat hat ja so wie so schon ganz gewaltige Rechte. Alle Liebedienerei muß verschwinden, dann können wir zu einer freien Kirche kommen, dann können wir sagen: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet. (Stürmischer Beifall.) Pfarrer Lic. Weber (M.-Gladbach) schlug folgende Erklärung vor: „Die christlich-soziale Partei hält im Interesse einer gesunden Entfaltung der Kräfte der Kirche die Freiheit der Gesamtkirche auf dem Grunde ihres Bekenntnisses und eine möglichst freie Entfaltung auch der Einzelgemeinde für durchaus geboten. Die Kirche kann nicht eher wieder das Gewissen des Volkes werden, bis sie eine freie Kirche wird. Mit dieser Freiheit der Kirche sind viele Bestimmungen ihrer heutigen Verfassung noch immer unvereinbar. Darum bittet die christlich-soziale Partei ihre .Anhänger in ganz Deutschland, daß sie innerhalb ihrer Landes- und Pvovinzialkirche für freiheitliche Entwickelung von unten nach oben hin so kräftig wie möglich eintreten." Pastor Haardt griff Harnack an wegen seines bekannten Buches. Stöcker bemerkte: Wir wollen nicht protestieren gegen Ueberzeugungen. Wir müssen gegen das System protestieren. Ein System, das eine positiv gerichtete Obrigkeit zwingt, aus Weltrücksichten liberale Theologen zu berufen, deren Lehren sie doch mißbilligt: dieses ist der faule Fleck. (Lebh. Zustimmung.) Die Erklärung wurde einstimmig angenommen und die Sitzung geschlossen. L. u. P. Barmen, 7. November. Die öffentliche Schlußversammlung fand unter großem Andrange statt. Zuerst sprach Direktor Pfarrer Philipps (Berlin) über das Thema: Der Christ und das öffentliche Leben. Er wandte sich gegen die Anschauung bieler' Christen, die sich vor allen öffentlichen politischen und kirchlichen Angelegenheiten zurückziehen, dieweil sie das angeblich nichts anginge. Das Christentum habe es doch auch mit sittlich,en, sozialen, politischen Fragen zu thun. Es geschieht nichts in der Politik, was nicht auch einen Christen angeht. Alles, was unser Volk etwas angeht, aufs neue zu empfehlen. Keine ähnlich geartete deutsche Zeitschrift kann sich an Reichhaltigkeit und dabei auch relativer Billigkeit mit Bruckmanns Kunst messen. — Hübners Geographisch-statistische Tabellen. Ausgabe 190L Hrsg, von Hofrat Prof. Dr. Fr. v. Juraschek. Verlag von Heinrich Keller in Frankfurt a. M. Die nachfolgende, sehr interessante Uebersicht über die Bevölkerungs-Bewegung im Delltschen Reiche int Jahre 1899 ist der Tabelle entnommen'.3 Brett durch Anschlag bekannt gemacht, daß den Studenten' der Gebrauch der polnischen Sprache im Anatomiegebäude unterlagt sei. Der Aufruf war „Heilmann" unterzeichnet. Aus Beschwerde bei dem Direktor der Anatomie, Geheimrat His, riß dieser demonstrativ den Anschlag mit der Be- mertiing vom schwarzen Brett herunter, daß dies eines deutschen Studenten unwürdig sei. Geheimrat His soll dann gesagt haben, daß er durch die Universitätsbehörden gegen Heilmann vorgehen werde. Mir ist persönlich etwas sehr Unangenehmes in Leipzig passiert. Als ich mich zum Examen dem Professor vorstellte, sagte dieser: Ach, das ist der Herr mit dem sonderbaren Namen. — Bolewski: Ich besuchte im Wintersemester 1898/99 in München die Dor- ' efungen des alldeutschen Verbandes. Die Kommilitonen haben sich mir gegenüber sehr unanständig benommen. Sie lachten ... Präs.: Sind Sie ausgewiesen worden? — Bolewski: So ungefähr. — Kowalczyk: In der Breslauer Anatomie sagte Prof. Hasse einmal zu polnischen Studenten, die Zigaretten rauchten: Ich verbitte mir )en polnischen Gestank! Bei der Prüfung pflegt er von oben herab Bemerkungen zu machen, wie: ütun^ Sie polnischer Jüngling, nun sagen Sie einmal her, was Sie können, u. s. w. Es gelangt ein bei Bolewski beschlagnahmter Brief zur Verlesung, der vom 18. Februar 1898 aus Leipzig datiert ist. In diesem Brief wird der „Adelphia" in Greifswald )en Mitgliedern dieses Vereins die Entrüstung des Kongresses ausgesprochen, weil diese an der Universitätsfeier; aus Anlaß des Geburtstages Kaiser Wilhelms H. teilnahmen. Es sei das ein Beweis mangelnden nationalen Widerstandes. Tie Teilnahme an Fackelzügen und dergleichen entspreche nicht der nationalen Würde der „Adel- ihia". Weiter kommt ein Brief des Karas vom Sommer- emester 1898 zur Verlesung. Tie Vereinigung der polni- chen Jugend im Auslande hatte gesagt, daß die polnische Jugend in Posen nichts tauge, und sie als Abtrünnige bezeichnet. Diese Vorwürfe hatte Karas in dem erwähnten Briefe energisch zurückgewiesen. — Präs.: In dem Briefe ägen Sie: Man nennt uns b eleidiaend „Preußen". Sie sind doch selbst königlich preußischer Beamter (Gerichtsreferendar). — Karas: Man hatte uns mit der Absicht der Beleidigung so bezeichnet, um uns dadurch als Abtrünnige zu charakterisieren. — Nach weiteren Ver^ lesungen wird die Verhandlung auf Donnerstag vertagt. Sitzung der Stadtverordneten. 7. November 1901. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Flett, Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Hanau, Hau- bach, Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri; Schiele; Schwall und Wallenfels. Entschuldigt: die Stadtv. Dr. Fuhr, Jughardt und Grünewald. Betr. des Fahrplans der Bieberthalbahn teilt Bürgermeister Mecum mit, daß er für Verlegung des morgens 7.12 in Gießen abgehenden Zuges auf 8 Uhr, sowie dafür vorstellig geworden sei, daß der bisher ab Gießen nur Sonntags verkehrende Zug 3.25 nachmittags täglich verkehrt. Dem Ersuchen ist (wie aus der vor. Nr. des Gießener Anzeigers ersichtlich. Red.) stattgegeben und in Aussicht ge- tellt worden, daß auch der abends 7.30 hier abgehende Zug während des ganzen Winters verkehrt. — Nachdem die Ordnung des städtischen Archivs beendet ist, wird )ie Versammlung vor Beginn der nächsten Sitzung dasselbe besichtigen. Um eine möglichst rasche Erledigung des Zählge- chäfts bei den Stadtverordnetenwahlen am 14. d. M. zu ermöglichen, sind die Wähler diesmal in vier Bezirke geteilt. Es werden fungieren im 1. Bezirk als Vorsitzender Beigeordneter Wolff, als Beisitzer die Stadtv. Jughardt und Kirch, als Ersatzmann Stadtv. Löber; im 2. Bezirk als Vorsitzender Bürgermeister Mecum, als Beisitzer die Stadtv. Häubach und Keller, als Ersatzmann Stadtv. Petri; im 3. Bezirk als Vorsitzender Beig. Georgi, als Beisitzer Stadtv. Wallenfels und Faber, als Ersatzmann Stadtv. Euler im 4. Bezirk als Vorsitzender Stadtv. Heichelheim, als Bei-i sitzer die Stadtv. Dr. Fuhr und Leib, als Ersatzmann Stadtv. Krumm. — Stadtv. Wallenfels spricht sich dafür aus, daß am Wahltage die Stadtkasse bis 6 Uhr offen gehalten werden möge, um den Wählern Gelegenheit zur Entrichtung ihrer Steuern zu geben. — Bürgermeister Me cum spricht sich dagegen aus, erklärt sich aber, nachdem auch Beigeordneter Georgi dem Wunsche des Stadtv. Wallenfels beigetreten, damit einverstanden. Tas Gesuch des Monomen W. Kitz um Erlaubnis zur Aufstellung einer Halle auf seinem Grundstück am Rodtberg wird befürwortet, desgl. das Gesuch der Flaschenhandlung Klein & D 0 em - Ung für einen Neubau an der Crednerstraße. Tas Baugesuch von Architekt L. Hsu h n, bezüglich dessen Dispens nötig ist wegen ungenügender Breite des Hos- raums, wegen Errichtung nur einer Einfahrt für zwei nebeneinander liegende Häuser und Anbringung zweier Erker an denselben in der Pflockst raße, wird befürwortet. Fabrikant Barnaß beabsichtigt an der Schillerstraße ein Lagerhaus zu errichten. Ta dasselbe nach den vor- gelegten Plänen als mißständig bezeichnet wird, erfolgt Ablehnung des Gesuches. Tie zu 1400 Mk. veranschlagten Dachdecker-Arbeiten an der Margarethenhütte sollen ausgeführt werden, wenn die Baudeputation nach vorheriger Besichtigung an Ort und Stelle die Herstellung für nötig hält. Tie durch die Kabellegung veranlaßte Reparatur verschiedener Stellen der Asphalttrottoirs hat 288.30 Mk. Kosten verursacht, die genehmigt werden. Die Anfrage des Stadtv. Hanau, warum in der Kaplansgasse das Pflaster schon wieder aufgerissen werde, beantwortet Bürgermeister Mecum dahin, daß es unterlassen worben sei, neben dem Speisekabel ein Anschlußkabel zu legen. Ein solches sei aber nötig geworden, nachdem zwei Hausanschlüsse angemeldet seien. Die Anfrage eines Reflektanten auf Bauplätze trt derRöonstraße wird auf Antrag der Baudeputation dahin beantwortet, daß Plätze in gen. Straße erst im nächsten Frühjahr verkauft werden sollen. ♦ Tas Stadtbanamt hat eine Liste derjenigen städtischen Arbeiter auf gestellt, denen die übliche Remuneration zu Teil werden soll. Tie Remuneration erhalten nur die vor dem 1. April d. I. in städtische Dienste getretenen Arbeiter und zwar für jeden Arbeitstag 20 $fg. 10 uni) 15 Psg. erhalten dagegen diejenigen Arbeiter, die durch Faulheit und Trunkenheit Anlaß zu Klagen gegeben hoben. Es kommen 1975 Mk. zur Verteilung. Nachdem in einer früheren Sitzung beschloßen worben, für die höhere unb erweiterte Mädchenschule cm u.eueS Schulhaus zu erbauen, ha* "ck das Kuratorium gen-, as geht auch jeben Christen etwas an! Soll ber Christ agen im Blick auf bie Mäbchen, bie in ber Prostitution erkommen, ober auf bie Männer unb Frauen, bie im 1 ^runk untergehen: es gehe ihn nichts an? Geht's ben ' Christen nichts an, Wenn ein Bettler an feiner Thür steht, 1 er arbeitslos geworben ist ober einer, ber, statt Pension u beziehen, herumziehen muß? Geht's ben Christen nichts n, wenn ber Umsturz bie Arbeiter unter seine Fahne । ieht? Geht's uns nichts an, in welchem Verhältnis wir ! ur Türkei stehen, bie unsere Christenbrüber abschlachtet, ! ber zu En glaub, bas unsere Glaubensbrüder i in mo r bet! Geht's uns nichts an, wenn sich Deutschlanb ! us Grünben ber äußeren Politik freunblich mit bem 1 Norder England stellt? (Lebhafter Beifall.) Gesetzt 1 en Fall, Wir hätten unsere Pflicht gethan und unsere Ab- 1 eorbneten nicht nur nach materiellen Gesichtspunkten ge- < lählt und diese Abgeordneten hätten energisch Front ge- ■ rächt gegen England: vielleicht Wäre schon Friede. Das )äre ein Erfolg der Bewegung der evangelischen Christen- cit gewesen. Nicht weltliche Gesichtspunkte sollen m die Kirche getragen werden. Aber der christlichje Geist soll das < Volksleben unb alle seine Beziehungen burchbringen. Wir oben bie Pflicht, unsere öffentlichen Rechte auch auszu- .6 en, treu unb gewissenhaft. Wenn biefe Kräfte unter Führung bes Geistes Gottes einmal zur Entfaltung kämen, 0 könnte eine neue Zeit erblühen. Gott gebe, baß bie etenben gläubigen Bibelchristen, bie Stillen im Laube auf- lacheu unb sich auf ihre Pflichten besinnen. (Auhalteuber teifall.) Pfarrer Lic. Weber (M.-Glabbach) sprach über bie frage: „Was thut allen Stäuben in einer Zeit es wirtschaftlichen Niebergauges not, um .ber bie schwere Zeit glücklich hinwegzu- ommeu?" Die Schlußrebe hielt Stöcker. Er bankte ür bie freimbliche Aufnahme in Barmen unb gab einen rückblick auf ben Parteitag. Möchten sich viele bieser Arbeit nschließen, bannt dieser Parteitag nicht nur Zustimmung, andern auch ein Wachstum der Schoren einbringe! Damit chließeu Wir den 5. christlich-sozialen Parteitag. (Anhal- enber Beifall.)___________________________________________ Zer polnische Keheimvnnd-Mozeß. ui. Posen, 6. November- Auch heute Werben zunächst eine Anzahl Berichte usw. erlesen. In bem Bericht über ben 6. Verbandskougreß n Halle wirb von Schulen zur Ausbilbuug polnischer Linder gesprochen. Verteidiger Rechtsanwalt Seyda: Ich möchte die Angeklagten darüber befragt Wissen, ob sie über Chicaueu >er Behörden etwas anführeu können, und was wohl u dem Beschluß geführt hat, daß polnische Studenten ächt in die studentischen Korporationen eintreten sollten. Angell. Karas: Es könnte diese Stellungnahme wohl । ar auf zurückgeführt werden, daß gerade die deutschen Stubenten in den Korporationen sich sehr zahlreich an ni Bestrebungen des den Polen feindlich gesinnten Ost- aarkenvereins beteiligten. — Präs-: Ist Ihnen etwas >on Chicaueu seitens der Behörden bekannt? — Karas: zowohl .Als ich in der „Concordia" war, wurde mir, äs Wir in unserem Vereinslokal tagten, einmal mitgeteilt, .aß ein Polizeibeamter draußen sei. Wir forderten den jerrn auf, doch unserer Sitzung beizuWohueu. Er that aber ö, als ob er keineswegs die Absicht hätte, uns zu über» vachen, und Wies das Anerbieten ab. Er kam aber dennoch 41 jeder Sitzung der „Concordia", setzte sich vor die Thür md beobachtete die Leute, die ein- unb ausgingeu. — tugek'l. Kowalczyk: Mir ist zur Kenntnis gelaugt, baß .er Verein beutscher ©tubenten einen Fuchseu- ibenb abzuhalten pflegt, ber nicht unter polizeilicher lieber» vachung steht. Dieser Fuchseuabeub bient bazu, die jungen Nitglieder in die Politik einzu Weihen und sie auzuweiseu, Die sie sich in politischen Dingeu zu verhalten Haden, lamentlich in bem Rasseukampf zwischen Deutschen unb polen. Mir ist auch bekannt, baß bie Kartellvereiue bes V. b. St. bei einer Konventionalstrafe von 50 Mk. verpflichtet inb, je einen Vertreter im Semester nach Prag zu schicken, im beutsches Wesen gegenüber ben Tschechen hvchzuh alten. Las siub Dinge, die die Abneigung ber polnischen Studenten gegen die Korporationen erklären. Mir ist bekannt, >aß im Wintersemester 1898/99 der Rektor ber Breslauer luiversität, Prof. Dr. König, eine größere Anzahl von 23er» -reteru von Stubeuteuvereiueu zu sich beschieb unb ihnen due Rüge erteilte, weil sie sich zu sehr mit ber Politik )eschäftigteu. Er hat sogar dem Verein deutscher Studenten uit Auflösung gedroht. Wir wollen keine Fühlung mit den Korporationen, weit die Deutschen die Polen hassen. Auch als ich in Breslau als Einjährig-Freiwilliger diente, hatte ich über Chicaueu seitens der Polizei zu berichten. Ein Freund von mir, Referendar, veranstaltete eine Kneipe, als ber Wirt uns mittcUte, baß ein Geheimpolizist vor ber Thür stehe. Wir forberten ben Mann auf, hereinzukommen. Er leistete ber Aufforberung Folge unb hat sich nachher ziemlich betrunken. t 1 Angell. Ryblewski: In Greifswalb fanb vor fahren eine von Dr. Bovenscheu geleitete Versammlung statt, in ber Professor Letzius sich auf Salomo berief unb gegenüber ben Polen von bem Gruubsatze ausgiug: „Steuern zahlen, Kriegsbieuste leisten unb bas Maul halten." Die deutschen Korpsstubeuteu klatschten biefen Worten am meisten Beifall. — Angell. Kowalczyk: Im Sommersemester 1895 tagten einige Verbiubuugeu der Universität Breslau zur Begründung einer Ortsgruppe des deutschen Ostmarkenvereins. Es wurde zur schroffsten Abweisung des Polentums aufgefordert. Die Polen lehnten sich gegen diese Bestrebungen auf, so daß die Universitätsbehörde die Begründung der Ortsgruppe untersagte. a __ Angell. Trebinski: Bei einer Versammlung des Ost- markenvereiiis in Leipzig, die von den Profesjoren Hasse, Wislicenus unb anderen geleitet wurde, trat ein polnischer Professor auf und sagte, daß ein solcher Kampf, Wie ihn die Deutschen gegen die Polen führten, der Deutschen unwürdig sei. Es entstand ein solcher Lärm, daß der Herr den Saal verließ. Was die Verhältnisse in Berlin betrifft, so Wirb seit 1886, falls bie Universitätsbehörbe aus den Namen der eingereichten Listen annimmt, baß es sich um einen polnischen Stubentenverein hanbelt, stets bie Genehmigung verweigert. — Angell. Bialy: Ich würbe in Leipzig oftmals, wenn ich mich, mit Kollegen polnisch unterhielt, von beutschen Studenten zur Ordnung gerufen. Man bedrohte mich mit ben Bemerkungen wie: In 'Deutschlanb wirb deutsch gesprochen, wir verbitten uns das.Polnische. Ich habe energisch darauf erwidert. Die meisten dieser .Herren waren Burschenschafter oder Landsmannschafter. Es dient das zu einer Charakteristik der Studentenkorporationen. — Angell. Szulczewski (erregt): In Leipzig wurde im Januar 1901 in ber Anatomie am schwarzen Humoristisches. — In Göttingen. Tarne: „Oberkellner, ist das Frcinden- buch noch da, in dein Heinrich Heine feinen Namen und zivei Verse verewigt hat ?" — Oberkellner : „Bedaure sehr — befehlen Gnädige ä 0 n ft etwas Warmes-" Auf 10 000 Einwohner in kommen Eheschl. Geb. Gest. Preußen 85 376 226 Bayern 84 380 254 Sachfen. 96 404 245 Wiirttemberg 78 354 221 Baden 84 355 218 ö ess en 92 341 195 B i ecklenburg-Schw erin 79 294 193 Sacbfen-Weimar 88 341 210 Bcecklenburg-Strelitz 78 299 224 Oldenburg 87 356 191 Braunschweig 85 332 204 ^achsen-Meüringen 89 359 202 Sachsen-Altenburg 92 407 255 Sacysen-Coburg-Gotha 88 351 209 Aichalt 90 347 202 Schwarzburg-Sondershausen 86 330 209 Scywarzbnrg-Rudolstadt 91 350 200 Waldeck 71 304 197 Reuß ä. L. 76 371 223 Reuß j. L. 86 400 242 S chaurnburg-Lippe 82 293 160 Lippe 85 348 181 Lübeck 89 318 202 Bremen 98 318 177 .Hamburg 86 310 180 Elsaß-Lothnngcn 76 318 211 Teutsches Reich 86 371 227 Schule mit dem Bauprogramm beschäftigt. Um einen guten Bauplan zu erhalten, ist der Erlaß eines Preisausschreibens beantragt worden. Die Entwursskizzen sollen den Grundriß im Hauptgeschoß im Maßstabe von 1 : 250, die Haupt- und Hoffacade und den Querschnitt darstellen. Als Preise sollen ausgesetzt werden: 1500, 1000 und 500 Mark; das Preisgericht kann, sofern keine der eingehenden Skizzen des ersten Preises für würdig erachtet wird, eine seinem Ermessen anheimgegebene Verteilung vornehmen. Zur Preisbewerbung sollen alle deutschen Architekten zu- gelassen werden. Die Zusammensetzung des Preisgerichts soll dem Kuratorium überlassen werden, doch wurden neben einigen auswärtigen Herren Beig. Georgi, Stadtbaurat Schmandt, Stadtv. Dr. Gaffky, Direktor Dr. Stoeriko, Stadtv. Schiele und Bürgermeister Mecum vorgeschlagen. Die Skizzen sind bis zum 15. Januar 1902 cinzureichen. Die Bauiumme wird sich auf 500 000 Mk. belaufen, doch soll von Festlegung einer bestimmten Summe im Preisausschreiben und von der Einforderung eines Voranschlags abgesehen, nötigenfalls den Preisbewerbern nur die Angabe des Preises für den Eubikmeter bebauten Raumes angesonnen werden. Die Vergebung des Eichen- und Kiefern-Bau- und Grubenholzes im Gießener Stadtwald ist im Vergleich zum Vorjahre ungünstig ausgefallen; Kiefern- stammholz erzielte 14 Mk. pr. Ebm. gegen 18.50 Mk. im Vorjahre, Eichengrubenholz 21.83 Mk. gegen 24.90 Mk. und Kieferngrubenholz nur 11 Mk. Es wird beschlossen, die Abgabe nicht zu genehmigen, sondern das Holz, bis auf ein an eine auswärtige Firma verkauftes Quantum Eichengrubenholz, int nächsten Frühjahr zur Versteigerung zu bringen. Auf Gesuch einiger Gartenbesitzer wurde vor mehreren Jahren die Wasserleitung nach dem Nahrungsberg und dem Alten Steinbacl)erweg gelegt, nachdem die Gesuchsteller sich verpflichtet, einen Mindestpreis für den Wasserbezug zu entrichten. Fabrikant E. Kau ff mann hatte s. Z. um Et> Mäßigung des Wasserzinses nachgesucht, und als dies abgelehnt worden, den Weiterbezug gekündigt. Tie Stadt- verordneten-VersammLung beschloß, die Kündigung nicht anzunehmen; die juristische Kommission hat beantragt, event. aus Weiterzahlung zu klagen. Nach Beschluß vom 4. Juli d. I. ist der Krankenver - sjcherungszwang auf die Hausgewerbetreibenden, Handlungsgehilfen und -Lehrlinge ausgedehnt worden. Das dem Beschluß zufolge aus gearbeitete Oxtsstatut wird genehmigt. Nach Bericht der Armendeputation wird es schwer empfunden, daß mehrere blödsinnige Kinder nicht int Alicestift zu Darmstadt, das seit 1890 Staatsanstalt ist, untergebracht werden tonnten, weil die Anstalt nicht über die nötigen Räume verfügt. Nach von dem Beigeordneten Wolff eingezogenen Erkundigungen in anderen hessischen Städten besteht dort derselbe Notstand. Da aber dte Unterbringung der blödsinnigen Kinder in eine Anstalt sowohl im Interesse der Kinder selbst wie deren auf Erwerb angewiesenen Eltern liegt, hat die Armendeputation beantragt, die Stadt möge bei der Staatsregierung um die Vergrößerung des Alicestifts oder um Errichtung einer gleichartigen Anstalt in Oberbe s s e n vorstellig werden. Die Stadtverordneten-Versamm- Lung beschloß demgemäß. Betr. des Gesuches von Heinrich, Zöller um Erlaubnis zum Wirtschastsbetrieb im Hause Lahnstraße 5, des Gesuchs von Christ. Arnold um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein im Hause Stephanstraße 42, und des gleichen Gesuchs von Friedrich Kropp, Bismarck- straße, beschloß die Versammlung Verneinung der Bedürf- nissrage. Die Gesuche von W- Fischer, Dammstraße 29 und Wilh. Petri, Bahnhofstraße 31 um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb werden befürwortet. Stadtv. Krumm fragt an, ob die Bürgermeisterei Kenntnis davon habe, daß die Abortanlagen im Schulhause am Oswaldsgarten auch von Marktbesuchern benutzt werden. Bürgermeister Mecum erklärt, daß ihm davon nichts bekannt sei, er werde aber entsprechende Anordnungen dagegen treffen. Stadtv. Loos wünscht Auskunft über den Stand der Kanalisation. Bürgermeister Mecum teilt mit, daß zur Ableitung der Abwässer in die Lahn noch die Genehmigung der Flußbehörde nötig sei. Die obere Flußbehörde sei aber nicht das Wasserbauamt zu Mainz, sondern das Ministerium der Finanzen. Letzteres habe die Genehmigung als vorgesetzte Behörde wohl erteilt, nicht aber als Flußüaubehörde. Es sei noch eine größere Anzahl sorgfältig ausgeführter Zeichnungen nötig, nach denen die Genehmigung der Flußbaubehörde erfolgen werde. Er hoffe, daß noch im Laufe des Winters ein Teil der Arbeiten aus- aefchrieben und mit der Ausführung derselben im Frühjahr begonnen werden könne. Aus Stadt und Sand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik bestndlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 8. November 1901. - Konsumbäckerei. Auf den Beschluß der hiesigen Bäcker- Innung hin, Backwaren an die hiesigen Konsumvereine nicht zu liefern, wandten sich zahlreiche Auswärtige ihrer Berufsgenossen an hiesige Vereine mit dem Anerbieten, die Lieferung der Backwaren zu übernehmen. Es wurde auch auf eine Probelieferung abgeschlossen. Um jedoch stets gute, preis- würdige Ware liefern zu können, erwägt man nunmehr die Errichtung einer Konsumbäckerei, deren Einrichtung, wie man uns mitteilt, in absehbarer Zeit vor sich gehen soll. ** Jubiläum. Die Großh. Landes-Baugewerkschule in Darmstadt, die aus der 1849 begründeten Winterbauschule hervorging, feiert am 1. Dezember ihr 25 jähr. Jubiläum. Die Anstalt, welche vor kurzem neu organisiert worden ist, wurde in diesem Herbst von der Preußischen Negierung als gleichberechtigt mit den Baugewerkschulen Preußens anerkannt. Das Zusammentreffen dieser erfreulichen Thatsache mit dem Zeitpunkt des 25 jährigen Bestehens lassen daher den Wunsch einer Festfeier begreiflich und berechtigt erscheinen. Es hat sich zu diesem Zweck unter dem Vorsitz des Direktors der Anstalt, Professors Hermann Müller, ein Festausschuß gebildet, dem außer den fest angestellten Lehrern noch Baumeister Ludwig und Eduard Harres, Baumeister Beigeordneter Riedlinger, Architekt Beutinger und Lehrer Brohm, sowie die früheren Schüler der Landes-Baugewerkschule: Architekt Mahr, Bauunternehmer Sarnes, Hofweißbindermeister H. I. Schneider, Weißbindermeister Fr. Emmel, Schreinermeister Martin Müller, Maurermeister Georg Möser I. und Schlossermeister Wilhelm Emmel jun. als Mitglieder angehören. Das vorläusige Programm sieht folgende Festlichkeiten vor: Am Samstag den 30. November, abends 8 Uhr, Empfang der Gäste im „Kaisersaal" in der Grafenstraße; Sonntag »m 1. Dezember, um 12 Uhr, Festakt im großen Saalbausaal, Eröffnung einer Schülerarbeilen-Ausstellung im Gartensaal, sowie Festmahl; Montag den 2. Dezember, vormittags 10 Uhr, Frühschoppen im „Burgbräu" in der Wilbelminenstraße und, bei günstiger Witterung, um 2 Uhr Ausflug nach der Ludwigshöhe. Von den 3000 Schülern, die bis jetzt die Anstalt besuchten, haben sich weit über 100 auswärtige bereits zur Teilnahme an dem Feste angemeldet. An alle übrigen ergeht die Bitte, baldmöglichst der Direktion der Großh. Landes- Baugewerkschule, Neckarstraße 3, ihre jetzige Adresse anzugeben, damit ihnen das ausführliche Programm zugeschickt werden kann. •* Landes-Baugewerkschule in Darmstadt. Der Staatssekretär des Reichs-Marine-Amts hat unterm 25. Oktober der Direktion der Gr. Landes-Baugewerkschule in Darmstadt mitgeteilt, daß er, nachdem die genannte Schule von dem Königlich Preußischen Minister für Handel und Gewerbe als den Preußischen Anstalten gleichwertig anerkannt worden sei, bestimmt habe, daß die Landes-Baugewerkschule unter die Zahl derjenigen Baugewerkschulen aufgenommen werde, deren Absolventen der Eintritt in die technische Sekretariatslaufbahn für Hafenbau der Kaiserlichen Marine offen stehe. Dem betreffenden Schreiben lagen die Vorschriften über die Annahme, Ausbildung und Prüfung des technischen Sekretariatspersonals bei, welche auf dem Bureau der Landes - Baugewerkschule Darmstadt, Neckarstraße 3, Zimmer Nr. 37, einzusehen sind. ** Warnung. Es dürfte (auch für die Landbevöllerung) von Interesse sein, mit Vorsicht die Anpreisung von Haussegen und Aehnlichem durch frembe Kolporteure aufzunehmen. Dieselben zeigen Muster vor und nehmen Bestellungen an, die per Nachnahme erledigt werden. Das Lockmittel ist das Erbauen eines Waisenhauses. Wo? wissen hintennach die Besteller selbst nicht zu sagen, es soll aber weit fort sein. Man sollte denken, wir hätten gerade genug für unsere inländischen Waisen usw. zu thun, um für einen so problematischen Zweck sein Geld hinzugeben. Ueberhaupl ist das Bilderoerkaufs-Unwesen zum Besten von allen nützlichen Zwecken schon zu weit verbreitet, um ihm noch Vorschub zu leisten. Man rechne nur einmal ab die Kosten der Herumreisenden Agenten — was bleibt da noch für den betreffenden „guten Zweck". Gewöhnlich sind die geringen Leute das Opfer solcher Manipulationen. Der gute Geschmack des Kaffees hängt wesentlich vom richtigen Zusatz ab. Ein vorzüglicher, billiger und dabei ergiebiger Zusatz, der jeden Kaffee verbeffert, ist Linde's Essenz für Kaffee. 700 Bekanntmachung. Aus der Minna Keil-Bogt-Stistuug sind für das Jahr 1901 drei Gaben von je 70 Mark an Drei in Gießen wohnhafte, würdige unb bebürfhge Handwerksmeister oder deren Witwen, evangel. Konfession, zu vergeben. Bewerbungen haben bis längstens 30. Scovember d. I. bei Der unterzeichneten Behörde — Zimmer Nr. 2 — zu geschehen. Gießen, den 4. November 1901. 7310 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. __________________I. D.: Wolff.__________________ Bekanntmachung. Die fälligen Holz- und Grasgelder können in den nächsten 14 Tagen noch ohne Kosten bezahlt werden. Zahltage nur vormittags oou 8 bis 12 M. Gießen, den 6. November 1901. Stadtkaffe Gießen. Doepfer. 7308 Aus der Landrichter Dr. Miiller'schen Stiftung z« Darmstadt sind durch die unterzeichnete Behörde zwei Unterstützungslegate von jährlich 500 Mk. an bedürftige, elternlose Studierende der Rechtswissenschaft aus den Provinzen Starkenburg oder Oberhessen zu vergeben. Zur Bewerbung um diese Legate mit Nachweis über die Qualifikation wird hiermit eine Frist von vier Wochen gesetzt. Darmstadt, am 30. Oktober 1901. 7331 Großherzogliches Ministerium der Finanzen, Abteilung für Finanzwirtschaft und Eisenbahnwesen. Ewald. Wimmenauer. «Hausverkauf auf de« Abbruch. Das von der Stadt erworbene Oswald'sche Haus auf dem Kirchenplatz soll auf den Abbruch verkauft werden und wollen sich Käufer an die Bürgermeisterei wenden. Lich, den 5. Novbr. 1901. Großh. Bürgermeisterei Lich. Heller. 7285 Versteigerung. Samstag den 9. ds. Mts., nachmittags 21/, Uhr, versteigere ich am hiesigen Bahnhofe (gegenüber dem Postgebäude) auf Grund des Art. 373 Hdlsges.-Buchs M A SwieWn and zwar in Partien von 5—10 Sack (ä 50 Kilo). Versteigerung bestimmt. Gießen, 7. diovember 1901. Seipel, Gerichtsvollzieher. KaMausleihung. Aus dem Universitäts-Fonds können Ende ds. Mts. 14= bis 15000 Mk. gegen 41/, % auf gute, erste Hypothek ausgeüehen werden. Gießen, den 4. Slooember 1901. Großh. Universitäts-Rentamt 7254 Weimer. Saugeslüstig und gesund erhält man seine Stubenvögel durch Nahrung, die der in Freiheit gesuchten am ähnlichsten ist. Dies find Büchners unübertroff. VUlslltteMischllM für alle Arten Vögel. In V. und 7, Pfd.-, sowie 10 Pfg.-Paketen nur echt tu bunten Packungen zu haben bei der Firma 7058 Carl Eichmann Ederstraße 1, Ecke Nordarrlage Gascokes. Infolge Stadtverordneten - Beschlußes vom 20. Juni d. I. tritt eine Pttiserilchigung mserer teofes ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres festgesetzt wie folgt: Für den Eentner ab Verkaufsstelle: Stück-CokeS..............1,20 Mk. Nuß-Cokes in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofens chächte passend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnitt- llche Korngröße des Anthracit, gang- barste Sorte.........1,30 Mk. ©röfje Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit ...... 1,35 All. In Wagenladungen von mindestens 36 Gentnern: Stückcokes.......1,15 MK Swtzcokes Nr. 1.....1,25 „ Nußcokes Str. 2.....1,30 „ Bei gleichzeitiger Entnahme von mindestens 200 Gentnern: Stückcokes ....... 1,10 Mk. Nutzcokes Nr. 1 .... . 1,20 „ Nutzcokes Nr. 2 .... . 1,25 „ Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Gentner. Für Anfuhr au das Haus werden 5 Pfennig für den Centncr berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Cokes — bis zu 6 Centnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall zc.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Deckaus von über 5 Centncr Cokes statt; dagegen bleibt bei folgenden hiesigen Firmen der gltimrtaf unfern Cascovs von 1 bis 5 Gentner bestehen, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Löwengasse 11 und Bahnhofstraße 33, Gcbr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Finnen berechnen obenstehende Preise unserer Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Centnern. Gießen, den 21. Juni 1901. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gietzen. _______________ I. V.: Edm. Wetter.________ 4388 Couverts mit Firma bitligft vrühl'sche UnlveriitätL-vruckerri. AeligionsgefchichUicheIorträge (Professor D Holtzmann). Ium Kesten der deutschen Heilstätte für Minderbemittelte in Davos Im Konsirmandensaal der Johanneskirche abends präzis 8 Uhr. I. Afraet und die Propheten. Areitag 15. Aovemver. II. Aas jüdische chcsetz. Arettag, 29. Aovember. III. Aas Jahrhundert Aesu Hhcisti. Srettag, 13. Aezemöer. IV. Aesa» tzhrtkus. Areitag, 10. Januar. V. Ale Kroverung der Wckt durch die Kirche. Arcitag, 24. Aau. VL Aas Kvangetlum und dte Konfesstonen. Areiiag 7. Aedruar. 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Eintrittskarten zam Konzert für Nichtmitglieder zu Mk 2.5t i ......in „ (Sperrsitz Mk. 3.50) sind in der Musikalienhandlung von Ernst Cha liier (Rudolphs Nachfl.), für Studierende auol bei Herrn Hausverwalter Stork zu ermässigten Preisen zu haben Hauptprobe: Sonntag vormittag 11 Uhr. e Eintrittskarte Mk. I Theater-Verein, 2. Vorstellung: Mittwoch den 13. d Mts.: Oer* BiberpeEz. Eine Diebeskomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann Gast: Carl William Büller. Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende lO'/a Uhr Tageskarten zu den bekannten Preisen bei Ernst Challlei (am Neuenweg) und abends an der Kasse. 7.1O( XXXXXXXxXXXXXM WmiW KckßchWkik. Zum Bcsteu armer Veteranen, i>ercu Witwen und Waisen Bis zum 10. November täglich Aufführung des Festspiels Der deutsch-franz. Krieg 1870(71 Anfang 8 Uhr. Sonntag, 10. Nov. 7 Uhr. Außerdem Nachmittagsvorstellungen: Samstag, 9. Nov., 4 Uhr, Sonntag, 10. Nov. 3’/2 Uhr Aas Dahere besagen die Makate. 7304 Cigarren. 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