Nr. S37 Zweites Blatt 151. Jahrgang Mittwoch 9. Ottober 1901 Erscheint täglich mü Ausnahme deS Montags. Die Giehener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem ,Hess. Landwirt^ und den „Blättern sür hessische Volkskunde" vrerma l wöchentlich beigelegt. Redaktion, Erpedttiorr und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr.bl. & Annahme von Anzeiar«! GietzenerAMgerM General-Anzeiger ** ÜSSS Amts- Md Anzeigeblatt für den Meis Gießen MM V f________ KF geigenteil: Hans Beck. Bekanntmachung. Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 9. Oktober ds. IS. in Schmalbach anstehenden Viehmarktes an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine den Markt in Leun betreffende Bekanntmachung in Nr. 42 deS KreiSblatteS von 1901 veröffentlicht worden find. Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags. Aus der Provinz Oberhessen deS Großherzogtums Hessen darf Rindvieh nicht aufgetrieben werden. Wetzlar, den 1» Oktober 1901. Der Königliche Lo-irdrat. Politische Tagesschau. Berlin ist abgewieseu. Man schreibt uns aus Berlin, 7. Oktober: Nach, der Wiederwahl des vom Kaiser nicht bestätigten Stadtrats Kaufftnann zum Bürgermeister Berlins machte die „KreuKhtg." darauf aufmerksam, daß nach, der Städte- ordnung die Regierung berechtigt sei, von einem erneuten Antrag auf Bestätigung bei der Krone abzusehen und ohne weiteres eine ttnnmissarische Verwaltung zu bestellen. Diese Auffassung des konservativen Blattes wurde vielfach als unzutreffend bezeichnet. Es hat aber Recht behalten, indem soeben der Oberpräsident von Brandenburg ankündigt, die Wiederwahl nicht zur Kenntnis des Kaisers zu bringen. Allerdings ordnet der Oberpräsident nicht eine kommrssw- rische Verwaltung der Stelle an, sondern er richtet an den Oberbürgermeister der Reichsshäuvtstadt die Frage, ob die städtischen Behörden eine solche Ernennung wünschen? Darauf beschloß der Magistrat, mit nein zu antworten und ich alle weiteren Schritte vorzubehalten. Aus der Anrage des Oberpräsidenten, statt einer Verfügung betr. ne kommissarische Verwaltung läßt sich entnehmen, daß die Regierung einsttveilen noch nicht alle Brücken abbvechen will. Der Sinn der Anfrage ist- daß die Stadtverordneten, Gelegenheit erhalten sollen, nochmals zu einer Wahl zu schreiten. Das heißt: zur Wahl eines neuen Kandidaten, nicht etwa des Stadtrats Kauffmann Es ist nicht wahrscheinlich, daß die Stadtverordneten-Versammlung diesen „Weg der Versöhnung" beschreiten wird; vielmehr ist cm- zunehmen, daß die Neigung wächst, den „Streit asus zu fechten". Die Negierung hat dann allerdings den „Trumpf" in der Hand, die kommissarische Verwaltung des Bürgermeisterpostens anzuordnen. Tie Staütverord- neten können ihrerseits, wenn sie wollen, ,-einen Sozialdemokraten als zweiten Bürgermeister präsentieren". Der „Vorwärts" steuert diese Anregung bei. Indessen dürfte es dahin wohl schwerlich kommen. Auch um der „Wirkung" willen wird in Berlin kein Sozialdemokrat zum Bürgermeister gewählt werden Herr v. Pvdbtelsli spricht. Die Mitglieder der Abteilung Waldeck des „Bundes der Landwirte" hatten kürzlich in einer Resolution frischweg gefordert, der preußische Landwirtschaftsminister v. Pod- bielski möge sich auch einmal über den neuen Zolltarif äußern, nachdem der Chef der preußischen Verwaltung für Handel und Gewerbe, Möller, dies wiederholt gethan, und zwar, wie man weiß, in einer die,,reinen" Agrarier wenig befriedigenden Weise. Der einstige Generalpostineister ist ein entgegenkommender Herr, und so hat er denn gelegent- llch der Grundsteinlegung zu einer Thalsperre in Schlesien das Schweigen gebrochen. Doch vom Zolltarif speziell sprach der Minister nicht, auch die von Herrn Moller ins Feld geführte „Mittellinie der Versöhnung" ließ er unerwähnt. Das war „diplomatisch". Aber einen anderen Satz stellte Herr v. Podbielski auf, der eine gewisse programmatische Bedeutung hat, und den Agrariern wie Musik llingen mag. „Wirtschaftliche Kraft" so entwickelte der Minister, „ist allein der Boden, auf dem politische Macht erwächst Und wie ein Hausvater sich in seinem Hause von einem Dritten keine Vorschriften machen läßt, so sind unsere rvirtschaft- lichen Dinge, eine intern-deutsche Sache, die den draußen Stehenden nichts angehen." Wie sagte doch Herr Möller? ,^Langfristige Handelsverträge sind für die Wohlfahrt Deutschlands unerläßlich, . . Beim Abschluß von Handelsverträgen hat aber der „draußen Stehende", das Ausland, bekanntlich mitzureden, ein Recht, das anzuerkennen der Landwirtschaftsminister nicht ohne weiteres geneigt zu sein scheint. Stach Einmütigkeit in der Auffassung des preußischen Staatsminifteriums sieht das gerade nicht aus. Oder sollte Herr v. Podbielski so „entschieden" gesprochen haben, um die Vertreter der Landwirtschaft zu beruhigen, die zum Teil der düsteren Vermutung sich hingeben, „iht" Minister sei infolge seiner Seefahrten als Gast des „Norddeutschen Lloyd" handelsfreundlichen Regungen „über Gebühr" zugänglich geworden? . , r Beschleunigte Ausführung des Rottengesetzes? Aus Berlin, 7. Oktober, wird uns geschrieben: Nach einem Berliner Blatt soll in Erwägung sein „die forcierte Ausschüttung derjenigen Gelder, die vom Reichs- rag für Marineztve cke schon ürt Prinzip bewilligt, wenngleich noch! nicht zur faktischen Disposition gestellt worden sind". Diese beschleunigte Ausführung der letzten Flottenverstärkung hätte in der That etwas für sich, indem nämlich einerseits den beteiligten Industrien, in erster Reihe der Eisenindustrie, Aufträge zugewendet würden, wodurch viele Arbeiter, die jetzt infolge Beschäftigungsmangels der Werke feiern müssen, Arbeitsgelegenheit erhalten; andererseits kann der Auftraggeber, das Reich, darauf rechnen, gegenwärtig bei den stark gesunkenen Materialpreisen besonders! günstige Bedingungen zu erlangen. Vor ein paar Jahren, während der Hochkonjunktur, war es ein „Entgegenkommen", wenn die Werke solche Aufträge annahmen, denn die privaten Abnehmer gestanden zu, tvas gefordert wurde; heute würde man staatliche Aufträge fast als eine Zettende That" begrüßen, die möglicherweise die ersehnte Wendung zum Besseren herbeiführen hilft. Ob der Gedanke einer beschleunigten Ausführung des Flottengesetzes bereits bis $ur Ab- sicht gediehen ist, mag dahingestellt bleiben. Verlautet hat bisher aus Amtlichen Kreisen nichts darüber; aber es ist wohl selbstverständlich, daß speziell die Marineverwaltung nicht ungerne sich! früher im Besitz der neuen Schiffe sähe. Aber — ein gewichtiges Aber — die Zustimmung des Reichstags ist erforderlich Und daß es damit so giatt geht, erscheint recht fraglich. Der Industrie, den Arbeitern wird zwar die Vermehrung der Aufträge gegönnt, ebenso wird die Möglichkeit der Erzielung billigerer Preise anerkannt werden. Nur ist die Reichstagsmehrheit in dem ■einen Punkte argwöhnisch: sie wittert gleich« heraus, daß je ejer die bewilligten Schiffe gebaut sind, je eher das Bedürfnis nach einer neuen Dttrrine Vorlage sich geltend mache. In Bezug auf Abänderungen feiner Beschlüsse ist der Reichstag int allgemeinen pedantisch!", er wird verdrießlich, wenn man ihm damit kommt. Vollends in diesem Falle, dessen Erledigung so viel Mühe verursacht hat. Mr glauben daher, daß die Befriedigung der heutigen Berliner Börse über die seitens der Marine zu erwartenden Be-, stellungen stark verfrüht ist. Vom Burenkriege. liegen heute nur wenige Meldungen vor. Aus Bbo-em- fontein wird berichtet: Das Flüchtlingslager im Orangefreistaat beherbergt gegen 40000 Menschen, von denen wöchentlich im Durchschnitt 200 an Masern sterben. Die Hälfte davon sind Kinder. Eine vortreffliche Charakteristik englischer Humanität! — Weiter wird gemeldet, daß die telephoitische Verbindung an den Blockhäusern zwischen Kimberley und Norvalspotnt ferttggeftellt sei und die Errichtung von Telephon-Linien durch den Ovange-Freistaat und Transvaal fortgesetzt werde. Londoner Blätter lassen sich aus Brüssel berichten, daß die kürzlich abgehaltenen Konferenzen zwischen Krüger- Dr. Leyds, Fischjer, Wolmarans und Wessels in Hilversum Friede nsvor sch läge zum Zweck gehabt hätten, die Krüger der britischen Regierung unterbreiten wolle. Bei der gegenwärtigen Kriegslage werden die Buren- regierungen weniger als je zu weitergehenden Friedensbedingungen bereit sein, als ihnen von jeher genehm war. Die Nachricht der „Daily News", daß Wolmarans den Präsidenten Krüger geistesschwach fand, wird von best- unterrichteter Seite für unbegründet erklärt. Wolmarans war int Gegenteil erfreut darüber, Krügers körperlichen und geistigen Zustand viel besser zu finden, als bei dessen Ankunft üt Europa. Auch die Gerüchte, wonach dem Präsidenten oder der Burenkommission die Mttteilung zugegangen sei, daß der Schiedsgerichtshof es ablehne, von ihrem Antrag auf schiedsgerichtliche Entscheidung Kenntnis zu nehmen, sind irrige. Weder Krüger, der den Antrag gar nicht unterzeichnet, noch die Mission hat eine derartige Mitteilung erhalten. Dies ist auch schpn deshalb unmöglich, da der ständige Verwaltungsrat des Schiedsgerichtshofes, welcher allein in der Angelegenheit zuständig ist, seit Einreichung des Antrages nicht zusammengetreten ist. Die Einberufung desselben, wovon in den letzten Tagen die Rede war, ist bisher nicht erfolgt. Deutsches Reich. Berlin, 7. Oft. Der Kaiser ist heute vormittag von Rominten abgereist und am Abend in Lang fuhr bei Danzig eingetroffen, um dort bei dem Offizierkorps der Leibhusarenbrigape zu dinieren. Der Kaiser trug die Uniform des ersten Leibhusarenregiments. <>um Empfang war rort nur der Brigadekommandeur v. Mackensen am Bahnhof anwesend. Tie Chargierten der ersten Leibhusaren ritten dem kaiserlichen Wagen voran. Nach dreistündigem Aufenthalt reifte in der Nacht der Kaiser nach Hubertus- stoch ab. — Das.Befinden der Kaiserin hat sich etwas gebessert; dieselbe hütet zwar noch das Zimmer, konnte aber schon gestern auf einige Stunden das Bett verlassen. — Graf Halder see ist jetzt von seiner Venenentzündung so weit wiederherge stellt, daß seine Abreise von Lantenbach nach Hannover am nächsten Samstag erfolgen wird. Am 17. ds- Mts. wird der Feldmarschall dem tn Berlin stattfindenden China-Erinnerungsfest beiwohnen. — Tie Angelegenheit des Mär che n b ru n nen s wird den Magistrat erst am nächsten Freitag beschäftigen. — Wie dem „Berl. Tagebl." von „zuständiger Stelle" miigeteilt wird, besteht weder die Absicht, den Kreuzer „Gazelle" nach Südamerika zu senden, noch ist überhaupt die Werft angewiesen worden, die Reparatur zu beschleunigen. — Demselben Blatt zufolge ist der Kapitänleutnant Jaeobi vom, Schulschiff „Moltke", während dasselbe bei den Kap Vertuschen Inseln ankerte, plötzlich! gestorben. — Der „ReichsaNz." veröffentlicht die Verleihung des Roten Adlerordens 2. Kl. mit Eichenlaub an den ehemaligen Vorstand des Hofstaats der verewigten Prinzessin Luise von Preußen, Freiherrn v. Buddenbrock, und an den Reichs- gerichtsrat Schulze. Der „ReichDanz." veröffentlicht ferner die Bestimmungen der Wettbewerbe am großen Staatsweise attf dem Gebiete der Bildhauerei und auf dem Gebiete der Malerei für 1902. Köln, 6. Okt. Auf das Huldigungstelegramm der £4. Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav Advlf-Stifung in Köln ist folgende telegraphische Antwort an den Vorsitzenden, Geheimen Kirchenrat D. Pank, eingegangen: Seine Majestät der Kaiser haben den teilnahmsvollen Huldigungsgruß der 54. Hauptversammlung dess Evangelischen Vereins der Gustav Adolf-Stiftung gern; entgegengetwmmen. Seine Majestät lassen vielmals bauten ■ und geben der Hauptversammlung Allerhöchst ihr fort-' gesetztes Interesse an der segensreichen Arbeit der Gustav Adolf-Stiftung zu erkennen. Auf Allerhöchsten Befehl Der Geh. Kabinettsrat v. Lueanus. Düren, 7. Okt. Die Hauptversammlung des Bun des, der Landwirte der Nheinprovinz nahm folgende Resolutton an: Den Schutz der Landwirtschaft erwarten wir von^ einem gesetzlich festzulegenden lückenlosen Mindesttarif für alle landwirtschaftlichen Produkte mit Minimalzölleu für Getreide von 7,50 Mk., mit dessen Annahme sich die (S$»j Portindustrie durch eine geschickte Diplomatie vereinigen läßt. Mr erwarten die BerlvirklichuNg dieser Idee von, allen der 'Landtvirtschaft wohlgesinnten Parteien des, Rheinlands. Möge das Zentrum seine Sorge für bie; industriellen Proletarier, die Nattonalliberalen für diei ELpvrttndustrie- die ^konservativen für den Gouverne- üientalismus zurückstellen zum Heil des Vater land echzum Schutze unserer Zukunft. Nur bei Bewilligung des Mini-, maltarifs für alle landwirtschaftlichen Produkte, wie ihn^ der Rheinische Bauernverein und der Bund der Landwirte^ verlangt, erscheint der neue Zolltarif annehmbar. Andernfalls ist er vom nationalwirtschaftlichen Standpunkte aus1' abzulehnen. Leipzig- 7. Okt. Aus der Tagung der Deutsch- sozialen Refvrmpartei (vgl. unseren ausführlichen Bericht in der heutigen Nummer) stellte in Bezug auf bte Thätigkeit der Abgeordneten im Reichstage Abg. Zimmermann fest, daß nach dem Ausscheiden des Abg .v. Liebermann tn der Fraktion stets der Geist der Emtracht und. der Einmütigkeit obgewaltet habe, und daß die Mitglieder; soweit als möglich ihren parlamentarischjen Pflichten nach-, gekommen seien. 9hir Köhler- Langsdorf, der eitle unüberwindliche Abneigung gegen Berlin habe (Heiterkeit)/ habe bei den mehrfachen Namensaufrufen gefehlt. Leipzig, 7. Ott. Der hier tagende Kongreß der, Kürschner Deutschlands besthloß mit allen gegen die beidew Stimmen der Berliner Delegierten die Gründung etneSI, ganz Deutschland umfassenden Verbandes der Kurs ch-' n er und verwandten Berufszweige. Karlsruhe, 7. Okt. Der Herzog von Orleans ist am Samstag abend hier angenommen und im Hotel? Germania abgesfiegen. In seiner Gesellschaft befinden sichj mehrere seiner polttischen Freunde, u. a. Abdere, Buffet,' Graf Sur hallte es und Luhnes. Voraussichtlichi wird der Herzog einige Tage hier verweilen. Stuttgart, 7. Okt. Das Gesamtkollegium der Zen- tralstelle für Landwirtschaft hat zum Zolltarif.für Roggen, Weizen und Hafer einen Minimalzoll von sechs- für Gerste für fünf Mark angenommen. — Dem „Stoatsan^eiger" zufolge richtete der Kaiser an den König folgendes Telegramm aus Rominten: „An dem heuttgen Tage gedenke ich Deiner mit Herz» lichen Wünschen. Ich erinnere Mich dankbar der Freundschaft, mit der Du während Deiner zehnjährigen segensreichen Regierung zum Heile unseres ge^ meinsamen deutschen Vaterlandes neben Mir gestanden hast, und hoffe zu Gott, daß Dir noch viele Jahre glücklicher Regierung beschieden sein mögen." Der König erwiderte: „Tief gerührt durch Dein gütiges und warmes Gedenken des heuttgen Gedächtnistages spreche ich Dir Meinen herzlichsten Dank aus wie für dieses so für die freundschaftlichen Gesinnungen, welche Du mir vom ersten Tage an entgegengebracht. Möge mir Gott beisfehen, allezeit mitznwrrken zum Wohle unseres geliebten deutschen Vaterlandes, was in meinen Kräften steht, treu zu Kaiser und Reich." München, 7. Oktober. Abgeordnetenkammer. Tie Debatte über den Zolltarifgesetzentwurf wurde fortgesetzt. Casselmann (liberal) rechtfertigt die Politik der Liberalen. Diese erkennten den landwirtschaftlichen Notstand an, müßten aber eine einseitige agrarische Jnteressen- politik ablehnen, weil es außer her Landwirtschiast noch andere Erwerbsstände in Deutschland gebe. Aichbichler (Ztr.) vertritt energisch die Interessen der Hopfenbauern. Beckh^ (kons.) führt aus, die viertägigen Verhandlungen hätten ergeben, daß die überwiegende Mehrheit des Hauses für einen die Landwirtschaft begünstigenden Zolltarif sei. Der vorliegende sei aber unge nügend. Es seien Minimaltarife für alle landwirtschaftlichen' Produkte nötig. Minister Frhv. v. Feilitzsch erklärt, er; werde ifli Interesse der wirklich, schwer notleidenden Hopsen bauern und Tabakbauern im Bundesrat eine Erhöhung der Zolltarifsätze für Hopfen und £ ab af beantragen. Der ganze Zolltarif verfolge den Zweck, die Lage der einheimischen Landwirtschaft besser zu gestalten und zu erreiche^, daß die 5^öhe der Erträge der Höhe der Produktionskosten entspreche. Im großen und ganzen sei die Höhe der industriellen Zölle verschwindend gegenüber der Höhe der landwirtschaftlichen Zölle. Eine Grenze der Erhöhung letzterer bilde das Interesse der übrigen Stände. Die Regierung müsse daA allgemeine Interesse des Landes verfolgen und werde deshalb bemüht sein, einen Interessenausgleich hsrbeizu- führen. Pichler (Ztr.) betont, daß seine Partei stets für, die Interessen der Landwirtschaft ein getreten sei, und bedauert, daß die bayerische Regierung im Bundesrat nicht die Wunsche der bayerischen Landtagsmetzrheit bezüglich des! Gerstenzolles zur .Geltung bringe. — Weiterberatung morgen, Ausland. London, 7. Okt. Nach dem amtlichen HandelsauZweis hat im September die Einfuhr um etwas mehr als drei Millionen Lstrl. und die Ausfuhr um 21/, Millionen Lstrl. gegen den gleichen Monat des Vorjahres abgenommen. — Das Bur. Dalziel teilt mit, daß, Nachrichten aus dem südlichen Süllen Ozean zufolge, die Insel St. Mathias von dem deutschen Kreuzer „Cormoran" bombardiert wurde, wobei 56 Eingeborene getötet worden .sind Die Einwohner der Insel hatten den jungen deutschen Gelehrten Mencke, der dort letztes Frühjahr Forschungen anstellte, ermordet. — Die Bewegung im Heimgning-Distrikt (China), wo eine Baseler Mi ssons anstatt zerstört worden ist, ähnelt dem Boxeraufstand. Es ist noch nicht gelungen, sie zu unterdrücken. Brüssel, 7. Okt.' Der Konstantinopeler Korrespondent der „Jndep. Belge" berichtet, in dortigen politischen Kreisen werde versichert, die russische Regierung habe die Vermittlerrolle zwischen der Türkei und Frankreich in der Angelegenheit Lorando übernommen. Andererseits habe der Sultan sich bereit erklärt, die Angelegenheit zwischen Rußland und Bulgarien, betr. den Hafen von Burgas, zu Gunsten Rußlands zu erledigen. Der Sultan soll einverstanden sein, daß Rußland diesen Hafen besetzt. Hierdurch wird es Rußland ermöglicht, 40 000 Mann Truppen innerhalb 24 Stunden nach Konstantinopel zu werfen, wo die Türkei nur eine Garnison von 15—16 000 Mann unterhält. Paris, 7. Okt. Die Einnah men aus indirekten Steuern weisen für den Monat September ein Minus von 20 Mill, gegenüber dem Budget-Voranschlag und eine Verminderung von 22 Millionen gegen den September 1900 auf. Fiume, 7. Okt. Bei den Wahldemonstrationen wurde der Finanzdirektor i Meinhardt durch Messerstiche und der Seküonsrat Kankowsky durch Steinwürfe schwer, sowie viele Personen leicht verletzt. Nifch, 7. Okt. König Alexander und die Königin sind gestern hier eingetroffen. Die Bevölkerung veranstaltete zu ihren Ehren einen Fackelzug. Auf eine Ansprache des Bürgermeisters erwiderte der König, alle in der angeblichen Thronfolgerfrage gesponnenen Ränke beruhten auf Machenschaften von Feinden Serbiens und der Dynastie. Die im Zusammenhang damit, verbreiteten Krisengerüchte seien durchaus unbegründet. Die Regierung genieße des Königs volles Vertrauen und walte ihres Amtes zu des Königs größter Zuftiedenheit. Konstantinopel, 7; Okt. Nach Meldungen aus Uesküp -sollen m der Nähe der Ortschaft Grandsko zwischen einer aus 9 Mann bestehenden bulgarischen Bande und türkischen Truppen Zusammenstöße vorgekommen sein. Sechs Bulgaren sollen getötet, einer verwundet sein. Die übrigen entflohen. Auch sollen in der Ortschaft zwei Bomben aufgefunden sein. Kalkutta, 7. Okt. Der Emir von Afghanistan ist am 3. Oktober gestorben. (Abdurrhaman, Emir von Afghanistan, hat ein Alter von 71 Jahren erreicht. 1880 wurde Abdurrhaman als Emir proklamiert. Doch machten sehr bald verschiedene Afghanenstämme wiederholt den Versuch, die Regierung Abdurrharnans zu stürzen, und erst nach vielen Kämpfen gelang es dem Verstorbenen, alle Teile seines Landes vollständig zu unterwerfen und sich in den vollen Besitz der Herrschaft über das ganze Afghanistan zu setzen.) Unwetter - Meldungen laufen auch heute noch unausgesetzt aus ganz Mitteleuropa ein. Oberhessen ist recht arg mitgenommen worden. Wir können nur einige wenige der zahlreichen uns zugegangenen Meldungen herausheben. In Grünberg boten, wie unser ^-Korrespondent schreibt, die Obstpflanzungen ein trauriges Bild der Verwüstung. Allenthalben liegen prächtige Obstbäume, die erst vor wenigen Tagen reichen Ertrag geliefert hatten, zu Boden. Besonders auf der Westseite der Stadt hat das Unwetter schrecklich gehaust. Vier auf einem Grundstück an der Gießener Straße stehende mächtige Aepfelbäume waren mit den Wurzeln aus der Erde gehoben und auf die Straße geschleudert worden. Andere Stämme, manche von bettächtlichem Umfange, wurden geknickt; dicke Aeste wurden abgerissen, und selbst viele junge Bäume hat der Sturm vollständig zu Boden gedrückt. Auch an den Kreisstraßen und in den Waldungen sind eine Menge Bäume der Gewalt des Orkans zum Opfer gefallen. Auf der Alsfelder Straße, im sog. Kammerwald, lag eine alte mächtige Pappel, so daß die Strecke am Montagmorgen für Fuhrwerke nicht passierbar war. In der Stadt selbst wurden viele Dächer beschädigt. — Aus dem Niddathale kommen ähnliche Nachrichten. Auch dort hat der Sturm großen Schaden an den Obstpflanzungen und in den Forsten verursacht. Hunderte von kräftigen Obstbäumen liegen entwurzelt oder in der Mitte entzwei gebrochen darnieder, ebenso sieht es in den Waldungen aus. Die Flüßchen Nidda und Nidder sind aus ihren Ufern getreten und beide Thäler gleichen einem See. — In Frankfurt a. M. sind infolge des Sturmes 21 Verletzungen vorgekommen. Hunderte von Bäumen wurden entwurzelt, Buden umgeweht. An der Eisenbahnbrücke stürzten Masten der elektrischen Leitung um; im Güterbahnhofe wurde das Dach des Maschinenhauses abgedeckt, in der Hufnagel- sttaße das Dach eines Hauses heruntergerissen. Aus der ganzen Mainebene laufen Meldungen über schwere Sturmschäden ein. — Wie die „Schles. Ztg." aus Brückenberg im Riesengebirge meldet, sind dort die Gebirgsflüsse bedeutend geschwollen. Auf dem Kamm des Riesengebirges herrscht bei —1 Grad Celsius Schneetreiben. — In Witten wurde, wie in Gießen der Zirkus Althoff, der Zelt-Zirkus von Korty-Althoff teilweise zerstört. — In Berlin fiel in der Nacht zwischen 3 und 4 Uhr die Temperatur bis auf den Gefrierpunkt und hob sich erst in den Vormittagsstunden. Der Sturnr hat auch dort vielfach hauptsächlich in Gartenanlagen großen Schaden angerichtet. -— In Hamburg ging ein schweres Gewitter mit Hagelschlag nieder. Von der See laufen zahlreiche, Schiffsunfälle betreffende, Meldungen ein. Durch den heftigen Regen muß die Weinlese schon jetzt, also verfrüht beginnen. Auch aus Belgien liegen Meldungen über durch den Sturm verursachten Schade,: vor. In einer Vorstadt Brüffels sind drei Häuser eingestürzt, glücklicherweise ohne Personen zu verletzen. Ein Baum, der durch den Sturm umstürzte, fiel auf einen Leichenzug und verletzte zwei Personen. 5». Bressan stürzte ein Teil des Kirchturms ein. Aus der Grube Arsimont fiel eine Mauer zusammen und begrüß mehrere Arbeiter unter sich. Einer derselben :fi tot, viele sind schwer verletzt. — Aehnliche Meldungen liegen anS ganz Süddeutschland und Oesterreich vor. Wir verweisen im übrigen auf die Mitteilungen der Gießener meteorologischen Station. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 8. Oktober 1901. •• Lotterie. Bei der heutigen Ziehung der 2. Klasse der Hessischen Landeslotterie fiel 1 ;:hi von 40 000 Mk. aus Nr. 5513 (nach Offenbach), 1 Gew U: von 10 000 Mk. auf Nr. 20999 (nach Worms), 1 Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 292 (nach Mainz), 1 Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 29608, 1 Gewinn von 2000 Mk. auf Nr. 20962 (nach Offenbach). Ohne Gewähr. *• Personalnachrichten. Am 3. Oktober wurden mit Er- inächtigung des Großhcrzogs der Ministerialrat i. P. Friedrich Deisler auf sein Nachsuchen von der Stelle eines Mitgliedes der Prüfungskommission für das Finanz- und technische Fach, bezw. von der Stelle des Vorstandes der 4. Abteilung derselben enthoben, der Geh. Obersinanzrat Dr. Becker zum Mitgliede der Prüfungskonnnission für das Finanz- und technische Fach und zum Vorstande der 4. Abteilung derselben ernannt. Ernannt wurde der Hauswärter im südlichen Kol- legienhause Gottfried Krüger mit Wirkung vom 1. Oktober 1901 an zum Diener bei dem Hochbäuamt Därmstüdt. In den Ruhestand wurde versetzt der Lokomotivführer bei der Main-Neckar-Eisenbahn Philipp Arheilger, auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit, mit Wirkung vom 1. November d. I. an. —t— Der Ga.h elsb erg e r Stenographen- V er ein beging am 5. und 6. os. sein 40jähriges Stiftungsfest. Es wurde eingeleitet durch einen Ball, der am Samstagabend in Steins Saalbau stattfand und in schönster Weise • verlief. Am folgenden Tag fand um halb 1 Uhu unter sehr großer Teilnahme der gelegentlich der Vep-^ treter-Versammlung des Verbandes der Gabelshergev Stenographen des Main-Nhcin-Gaues und von Hessen- Nassau hier anwesenden Abgeordneten der Vereine dieses Verbandes, die akademische Fcstfeier statt. Diese wurde von dem derzeitigen Vorsitzenden des Vereins- Professor Dr. Pitz eröffnet und aeleitet. Der Ehrenvorsitzende des Vereins, Nealgymnasiallehrer Alb ach, gab einen Rückblick aus die Geschichte und 40jährige Thätigkeit des Vereins und begrüßte die Festteilnehmer. Regierungsrat Wagner überbrachte in Verhinderung des Prov.-Direktors Geh. Rat v. Bechtold dem Verein Grüße und Glückwünsche, helfen Thätigkeit er in anerkennenden Worten feierte. Seitens der Stadt begrüßte Bürgermeister Mecum besonders die Gäste von auswärts und hob in beredten Worten die Bedeutung der Stenographie für den Verwaltungsdienst hervor. Herr Bin en -Worms gratulierte namens des obenerwähnten Verbandes dem Verein, der aus kleinen Anfängen sich herausgcarbcitet habe und jetzt, da Gießen Vorort sei, an leitender Stelle des Verbandes sich befände. Dieser Verbandsleitung zollte er die größte Anerkennung und wünschte dem Verein ein weiteres kräftiges Wachsen, Blühen und Gedeihen. Der Vorsitzende der hiesigen Stenographen-Gesellschaft Gabelsberger, Herr K^och, beglückwünschte den Bruderverein aufs herzlichste, worauf der Vertreter des Kaufmännischen Vereins, Eichenauer, das freundschaftliche Verhältnis und ersprießliche Zusammenarbeiten mit dem festgebenden Verein schilderte und der Hoffnung auf Fortdauer dieser guten Beziehungen Ausdruck verlieh. Nachdem der Vorsitzende des Vereins jedem der Vorredner, auf seine Worte bezugnehmend, gedankt hatte, hielt Dr. Gant ter aus Frankfurt a. M. einen hochinteressanten Festvortrag, in dem er einen Rückblick auf die stenographischen Verhältnisse z. Zt. der Gründung des Vereins im Vergleich mit den jetzigen Verhältnisse zog, mit einem Ausblick auf die nächste Zeit. Er erläuterte in einfacher, aber überzeugender Weise die schwebende Syftem- frage und vergliche die bestehenden Stenographie-Syste/me ihrem Wesen nach! miteinander. Seine vorzüglichen Ausführungen wurden mit dem größten Beifall ausgenommen. Bei dem darausfolgenden Festessen toastete der Vorsitzende auf Kaiser und Großherzog, Herr Schiff nie auf die Gäste, in deren Namen Negierungsrat Wagner, der sich als ein früheres Mitglied des Vereins bekannte, in sehr humorvollen Worten dankte. Lehrer Ziep recht feierte die Gründer und Ehrenmitglieder, für die Direktor Bergen mit einem Hoch auf die Kunst antwortete. Herr Han stein gedachte des Verbandes und des deutschen Stenographen-Bundes „Gabelsberger" und Lehrer Schlüssel-Offenbach a. M. brachte einen Toast aus die teilnehmenden Damen und speziell die „Stenographinnen." aus. Bei der Nachmittagsfeier im Philosophenwald hielt Direktor Bergen, der als ftenogr. Zeichenkünstlor weit bekannt ist, einen äußerst lehrreichen und interessanten Vortrag über Darstellung ftenogr. Zeichnung. Hierauf folgten dann einige humoristische Vorträge, meisterhaft vorgetragen von den Herren Huber und Kantowski, auch fehlte natürlich das Tänzchen nicht, dem man sich bis zu später Stunde hin gab. ** Abschiedsfeier. Gestern verließ der Gerichtsschreiber- gehilfe Keitzer die hiesige Anttsgerichtsschrciberei, um seine neue Stelle als Hilfsgerichtsschreiber in Michelstadt anzutreten. Hebet 13 Jahre hat K. hier gewirkt. Seinen Kollegen war Keitzer stets ein wackerer Freund. Sie ließen es sich daher nicht nehmen, ihn durch eine kleine 'Abschiedsfeier zu ehren. In Schäfers Restaurant kam. man am Freitagabend zusammen und es wurde ihm ein prachtvoller Bierkrug überreicht. ’• Von der Jahresversammlung der hessischen Anwalts- kammer sei noch mitgeteilt, daß in den Vorstand die Herren Justizrat Metz- Gießen, Dr. Bremer- Mainz und Justizra S ch m e e l - Darmstadt neugewählt worden sind. § Butzbach, 7. Okt. Heute sollte in einer hier schwebenden Privatklagesache wegen Beleidigung außerhalb des^ Gerichtssitzes, nämlich in Holzheim, eine Schöffengerichtsverhandlung, stattfinden, weil der Angeschuldigte den Wahrheitsbeweis für seine Behäuptuugen auch mit einem Taubstummen führen will, dessen erfolgreiche Vernehmung aber nur an Ort und Stelle deZ Vorfalls unter Hilfe eines Dolmetschers möglich ist. Da nun die Eheftau des Klägers am Samstag starb und heute beerdigt wurde, ist die gedachte in ihrer Art einzig dastehende Gerichtssitzung in letzter Stunde verschoben worden. ko. Aus dem Vogelsberg, 7. Okt. Ein Landwirt aus Binbsachsen erntete von einem Apfelbaum 35Ztr. Aepfel, die ihm eine Einnahme von 190 Mk. brachten. Heberhaupt ist die» Äepfelernte beftiedigend. Sichenhausen, 7. Okt. Der hiesige Lehrer Schmuck aus Oberhilbersheim in Rheinhessen erhielt heute sein Dekret nach Essenheim (Rheinhessen), nachdem er hier Jahr mit Eifer fein Amt verwaltet hat. Q Gelnhaar, 7. Okt. Heute wurde der settherige Bürgermeister Groth wiedergewählt. Die Wahl war stürmisch, fast alle Stimmberechtigten beteiligten sich am Wahlakt. fc. Gimbsheim, 7. Okt. Der Arbeiter Balzer ergriff gestern im Alsheimer Berg das Gewehr des Wingertschützen Schmitt und zielte mit demselben, nachdem ihm Schmitt auf seine Frage gesagt hatte, es sei nicht geladen, nach dem za. 20 Meter entfernt stehenden Arbeiter Schäfer. Plötzlich krachte ein Schuß und Schäfer stürzte sch werverwund et zusammen. Das Gewehr war doch geladen gewesen. Schäfer wurde in das Wormser Krankenhaus befördert, Balzer wurde verhaftet. fc. Hammelbach bei Fürth, 7. Okt. Der 17jährige Sohn des Zimmermeisters Adam Friedrich II wollte aus leeren Hülsen die verschossenen Zündhütchen entfernen. Bei den Hülsen befand sich aber noch eine unverschossene Patrone. Als er das Zündhütchen aus derselben entfernen wollte, ging der Schuß los und traf den jungen Mann ins Herz. Er war sofort tot. fc. Nicder-Jngelheim, 7. Okt. Hier begann heute die allgemeine Weinlese. Mstinz, 7. Okt. Wegen der Ende November statt- sinbeüblM Stadtverordnetenwahl haben am Samstag Verhandlungen sämtlicher hiesiger Parteivorstände (mit Ausschluß des Zentrums) wegen eines gemeinschaftlichen Zusammengehens stattgefunden. Ta die Nationallioeralen darauf Pfunden, haß das Zentrum vom Kompromiß nicht au^geschlvsssn werde, ging bas gemeinschaftliche Zusammengehen mit Einschluß der Nationalliberalen in die Brüche. Die demokratische, freisinnige und fozialdemokratisch>e Partei werden nun vereint einen Wahlzettel aufstellen, während Nativualliberale und Zentrum höchstwahrscheinlich gegenseitig ihre Kandidaten auf ihren Wahllisten auswechseln werdW. Es sind 16 Stadtverordnete zu wählen. — Auch der Bürcherverein beabsichtigt mit einer Listze in die Wahlschlacht einzutreten. Oss f e n d a ch a. M., 8. Okt. Ein blutiger Vorfall hat sich in der Nacht vom Samstag zum Sonntag in der Kaserne zugetragen: /Tie „Offb. Ztg." meldet: Der erst am 1. Okt.' im hiejigen Bataillon des 168. Infanterie-Regiments eingetretene Einjährig-Freiwillige Gabriel, der im Zivilverhältnis Kaufmann hier ist, hatte sich aus bisher unbekannt gebliebenen Gründen das Mißfallen von mehreren älteren Mannschaften zugezogen. Es war ihm deshalb von diesen am Samstag eine Tracht Prügel angedroht worden; er sollte in der Nacht — er schläft, wie alle Einjährigen, in den ersten Wochen des Dienstes in der Kaserne — „geschäftet" werden. Als nun in der Nacht zum Sonntag die beiden Musketiere Wolf und Mehl die Stube Gabriels betraten, wo sie nichts zu suchen hatten, und in, der offenbaren Absicht, jene Drohung wahr zu machen, an das Bett des Einjährigen traten, stieß dieser zu seiner Verteidigung mit einem Messer um sich und brachte besonders dem Wolf schwere Verletzungen bei. Auch Mehl erhielt einige Verwundungen. Tie beiden verletztet: Soldaten wurden in das Krankenhaus verbracht. fc. Frankfurt a. M., 7. Okt. Hier erhängte sich der 60 Jahre alte Droschkenkutscher Kiefner und der Kleiderhändler Saulberg in der Kronprinzensttaße. Im Main ertränkte sich ein Unbekannter. Ein Gastwirtssohn aus Niederrad, der vor 14 Tagen in einer Schlägerei einen Stich erhielt, ist jetzt an der Verwundung gestorben. fc. Frankfurt a. M., 7. Okt. Der Stadtverordnete Hettler will eine Sammlung zugunsten eines Miquel-Denkmals veranstalten. Ein Witzbold reimt gegen den Plan in einem hiesigen Blatte also los: Herr Hettler will sammeln, um Miquel zu ehren, Da dürfte Herr Hettler wohl sehr oft hören: „Wir haben's ihm schon gegeben, Als er noch war am Leben." ** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Die Freifrau Auguste Löw von und zu Steinfurth, geb. Freiin von Leonhardt, ist nach schwerer Krankheit im 47. Lebensjahre in Nie der-Florstadt gestorben. — In Schlüchtern ist der Stationsbeamte, der am 25. September den Zusammenstoß des Leipzig—Frankfurter Schnellzuges mit einem Güterzuge verschuldete, vom Dienste suspendiert worden. — In Wiesbaden starb im Alter von 50 Jahren Freiherr Willy v. Knoop, eine der führenden Persönlichkeiten der dortigen Gesellschaft. Vermischtes. • Berlin, 7. Okt. Der Polizeibericht meldet für Samstag und Sonntag sieben Selbstmorde, ferner verletzte bei einer Spielerei mit dem Revolver ein Arbeiter einen Stukkateur schwer. Beim Hochbinden eines Eisenrohres auf -einem Neubau brach ein Gerüstteil ein. Ein Monteur wurde schwer verletzt. * Berlin, 7. Okt. Bei einer sehr hochgestellten hiesigen Persönlichkeit wurde vor einigen Tagen eingebrochen. Dem Diebe, vermutlich einem 30jährigen blonden Manne, fielen annähernd 3 0 000 Mk. Wertpapiere in die Hände, ferner viele wertvolle alte Münzen, Orden und Medaillons. Auf die Ergreifung des Thäters sind 5000 Mk. Belohnung gesetzt. * Frankfurt a. d. Oder, 7. Okt. Bei einer Ruderpartie, die fünf Mitglieder des Ruderklubs 1882 heute unternahmen, kenterte das Boot „Schwetig". Der in Ruderkreisen bekannte Fahrwart Philipp I. ertrank. ♦ Bremen- 7. Okt. Der Schnelldampfer des Nordd. Lloyd „Kronprinz Wilhelm" ist nach einer glänzenden Reise heute früh 5 Uhr wohlbehalten in Plymouth angekommen. Ter Dampfer legte die Ueberfahrt New-York-Plymouth in 5 Tagen und 9 Stunden zurück unter Berücksichtigung des Zeitunterschiedes. Trotzdem der Dampfer wahrend der beiden letzten Tage mit einem Nordweststurm kämpfte, betrug die erzielte Geschwindigkeit 22,61 Seemeilen pro * M o nastir, 7. Okt. Der türkische St äb so ffiziev Halil Nezzcs Bey, der wegen einer tn emem hiesigen Kaffee- Aruse gegen den Sultan auS’geftiofcnen schweren Be- leidigung verhaftet werden zollte, erschoß drei Offiziere sowie mehrere andere Personen und murde schließlich von der wütenden Volksmenge getötet. * Die Pest. In Neapel wurde am 6. d. Mts. ein neuer Pest fall gemeldet. Es handelt sich um ein junges Mädchen. Dasselbe wurde in das Lazaret von Nisida gebracht und ihre Familie wurde isoliert. Das Haus, worin sie wohnte, wurde desinsiziert. Außerdem i|t kein anderer Fall in Neapel vorgekommen. Alle isolierten Personen befinden sich wohl. — Seit dem 4. Okt. sind in Saint Louis und Fort Kay es am Senegal je drei Pest fälle vorgekommen. * DerHerr Baron. Aus Wien wird gemeldet, daß Baron Manfred v. Maderny, mit seinem eigentlichen Namen Simon Suth, des Giftmords- an dem vor einigen Jahren gestorbenen Chemiker Hofrat Dr. Schmitt verdächtigt wird. In Wiesbaden ist beim Amtsgericht eine anonyme Anzeige dieser Art eingelaufen und weiter- gegeben worden. Dieser Verdacht soll indessen grundlos sein. Doch hat Suth eine Reihe anderer Delikte auf dem Kerbholz. Was seine Persönlichkeit anlangt, so war er früher im chemischen Laboratorium des Dr. Schmidt in Wiesbaden angestellt und bemühte sich, erst dessen Kompagnon, dann dessen Nachfolger zu werden, obwohl seine chemischen Kenntnisse angeblich sehr zweifelhafter Natur sind. Der Verdacht, daß Schmitt an Gift gestorben sei — sei es, daß er es selbst einnahm oder daß es ihm beigebracht wurde, — war schon einmal gleich nach dem Tode aufgetaucht, doch brachte die chemische Untersuchung keine Spuren irgend, welcher Art zu Tage. Suth tritt als Adoptivsohn eines wirklichen Freiherrn v. Maderny auf (eines ehemaligen bayr. Offiziers, der, seit dem Kriege 1870/71 an das Krankenlager gefesselt ist und mit seiner Gattin, der bekannten Schriftstellerin Helene v. Götzendorsf- Grabowsti, Jahre lang in Wiesbaden gelebt hat, um vor einiger Zeit nach Wien überzusiedeln. D. Red. d. „Gieß. Anz") und weilt gegenwärtig mit seiner angeblichen Adoptivmutter, die aber in Wirklichkeit ein Fräulein v. Götz sein soll, in London. Als er noch in dem Wiesbadener Laboratorium thätig war, hat er eine Wechselfälschung verübt und für angebliche Erfindungen von Schmitts Erben 100 000 Mk. zu erlangen versucht, olme daß ihm das Gericht etwas anhaben konnte. Neuerdings hat es dann Suth-Maderny zum Vizepräsidenten der deutsch- österreichisch, en Litteraturgesell- schaft gebracht und diese um 50000 Kronen geschädigt, eine Affaire, die ja unlängst viel von sich reden gemacht hat und einen Erzherzog zur Niederlegung der Präsidentenwürde veranlaßte. Man hat es also mit einem Hochstapler allergrößten Stils zu thun. Wandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. Gießen, 8. Oktober. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,30—1,40 Alk., Hühnereier pr. Stück 7—8 Pf., 2 Stück 13—15 Pf., Käse pr. Stück 5—8 Pf,. Käsematte 2 Stück 5—8 Pfg., Erbsen pr. Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 34 Pfg., Tauben pr. Paar 0,75—1,00 Alk., Hühner pr. Stück 1,20—1,60 Rtk., Hahnen pr. Stück 0,70—1,20 Mk., Enten pr. Stück 0,00—0,00 Mk., Gänse pr. Pfd. 60—65 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 64—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 60—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,50—4,00 Mk., Weißkraut per Stück 14—25 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 5,00—6,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Äepfel per Pfd. 8—14 Pfg., in Körben 12—15 Pfg. Trauben 35—50 Pfg., Tomaten per Pfd. 18—20 Pfg. Der Markt war diesmal ganz außerordentlich stark befahren. Dauer der Marktzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten bret Stunden der Marktzeit darf nicht im Umherziehen feilgeboten werden. Stuttgart, 7. Okt. Der Aufsichtsrat der Verlagsanstalt hier beantragt im Hinblick auf die gegenwärtige gespannte Lage des gesamten wirtschaftlichen Lebens keine Dividende zu bezahlen. Die letztjährige Dividende betrug 7 Prozent. — Zum Fall Terlinden. Man schreibt aus Chicago: Das Verhör des ehemaligen deutschen Großindustriellen Gerhard Terlinden wurde abermals, und zwar bis zu dem 16. Oktober, verschoben, weil die Rechtsanwälte des Beklagten erklärten, sie hätten nicht genügende Zeil gehabt, um das aus Deutschland angelangle Beweismaterial zu prüfen. Das Eintreffen dieses Beweismaterials bedinge die Erlangung eines neuen Haftbefehls gegen Terlinden; das zuerst angestrengte Verfahren wurde auf Antrag des Anwalts des deutschen Konsulats abgewiesen, und Terlinden wird nun auf Grund des neuen Haftbefehls festgehalten, nachdem Bundeskom- mifsar Foote den Einwand Terlindens, es liege eigentlich nichts gegen ihn vor, daher feine Freilassung zu erfolgen habe, abgewiesen hatte. Theater, Kunst und Wissenschaft. Berlin, 7. Okr. Der Nordpolreisende Kapitänleutnant a. D. B a u e n d a h l ist gestern von Hamburg in Berlin eingetroffen. Er machte einem Berichterstatter gegenüber interessante Mitteilungen über den Plan einer neuen N o r d pol-Expedition. Darnach will Bauendahl im nächsten Jahre versuchen, mit seinem Kutter Matador die Ostküsle Grönlands zu erreichen und dann auf dem Landwege weiter nach! dem Norden vordringen. Arbeiterbewegung. New-Aork, 5. Okt. In Fall River beschlossen 30000 Baumwollspinnerei-Arbeiter, am 7. Oktober die Arbeit einzustellen, Sie verlangen eine Lohnerhöhung um 7 Prozent. New-Aork, 6. Okt. Die Textilarbeiter von Neu-Eng- land (Maine, Massachuttes, New-Hampshire, Rhode Island, Eonec- tikut und Vermont) haben beschlossen, einen Streik zu beginnen, falls ihnen liicht eine 5 Proz. Lohnerhöhung bewilligt wird. Grimsby, 5. Okt. Der Streit zwischen Den Fischereiunternehmern und den Fischern ist offiziell für beendet erklärt worden. Tie Arbeit wird eint Montag wieder ausgenommen. Lüttich, 8. Okt. Die Verhaftungen der ausständigen Grubenarbeiter dauern fort. Die meisten werden wegen Ruhestörung angeklagt. Gestern fanden Zusammenstöße zwischen Polizei und Streikenden statt. Paris, 8. Okt. Von 607 Kongregationen, die im ganzen 9337 Anstalten besitzen, wurde beim Minister des Innern der Antrag auf Genehmigung gestellt, die 158 Kongregationen ohne Weiteres erteilt wurde. Rom, 8. Okt Die Polizei ermittelte, daß der Anarchist Glavinerich th'ätsächlich hierhergekommen ist, um den Papst zu ermorden. Triest, 8. Okt. Furchtbare Stürme und Springfluten herrschen an der Riviera Viele Schifferbarkeu gingen unter. Auf einer Schiffswerft stürzte ein Kesselhaus ein, 1 Arbeiter wurde getötet, 7 verwundet. Graz, 8. Okt. Tie Temperatur ist sehr gesunken, die Berge sind mit Schnee bedeckt. Rcwyork, 8. Okt. Die Maßregeln zur Beschränkung der Einwanderung sollen in dem Einwanderungsverbot für Verbrecher und Anarchisten bestehen. Pretoria, 8. Okt. Wie es heißt, hat General Kling im Univerjitüts Nachrichten. — Wie die „Berl. N. Nachr." melden, ist die Anreaung zu der Berufung des Prof. Spahn nach Straßburg in Berlin erfolgt. Gingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) So nach und nach erfährt man hier und dä am Biertisch, daß der Kaufmännische Verein in Bälde eine Festlichkeit begehen will. Es wäre doch am Platze, wenn die Herren Vorstände mindestens 8 Tage vor einem geplanten Feste die Mitglieder in Kenntnis setzen würden, damit eventuelle Einladunaen frühzeitig ergehen können. Auf keinen Fall ist es passend, wenn 24 Stunden vor dem Feste die Einladungen kommen. Ein Mitglied. Die Leitung des Gießener Stadtheaters wird ersucht, „Die Dame von Maxim" auch an einem Sonntag aufzuführen, damit auswärtigen Theatersremrden der Besuch der Vorstellung ermöglicht wird. 3c. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Wetter Oktober CD ■■c € r., i 3 CD Q c ~ cj •_> c G p Ä * 2?L 734,7 + 7,8 6,1 78 NW. 5 Bed. Himmel 92G 736,0 + 4,8 5,2 81 bW. 4 Klarer „ 735 738,2 + 6,4 6,0 84 w. 4 Bew. „ Hi chste 2 .emperatur am 7 . Okt. 4- 10, 6° C. Niedrigste II „ 7 + 4,2° C. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 8. Okt. Der Unterstaatssekretär im Reichspostamt Fritsch reichte sein Abschiedsgesuch ein, das der Kaiser unter Verleihung des Titels „Excellenz" annahm. Berlin, 8. Okt. Durch den Sturm wurde der Telephon- und Telegraphen-Verkehr schwer beeinträchtigt. Auf dem Haupt- telcgraphen-Amt wurde der Verkehr mit Mühe aufrecht erhalten. Die Verzögerungen im Verkehr mit Belgien waren am größten. Telegramme, die am Vormittag aufgegebeu wurden, waren am Abend noch nicht befördert. London, 8. Okt. Aus Madeira wird gemeldet: Der Kolonel Ereü und der Feldkornet van Vaurou wurden mit 7 Buren hier eingebracht. Die Buren trugen Khakis, jeder hatte 2—3 Pferde. London, 8. Okt. Das Kriegsamt meldet, daß 9 weitere Dampfer nach dem südafrikanischen Kriegsschauplatz abgehen mit 500 Mann, darunter 151 Schuhmacher. Norden von Transvaal 36 Buren gefangen genommen. Berlin, 8. Okt. Nachdem vorgestern ein Mann namens Polster verhaftet wurde, der fremde Banknoten gefälscht hatte, wurde nunmehr auch ein Mitschuldiger verhaftet , der den ersteren mit Geld und Nahrungsmitteln unterstützte. Berlin, 8. Okt. Der Verein der Brauereien! Berlins und Umgegend hat an den Bundesrat eine Eingabe gerichtet, in der die geplante Erhöhung der Zölle auf G e r sts e, Malz, Hopfen bekämpft wird. Die Eingabe betont die Unthunlichteit der Zollerhöhungen sowohl im Hinblick auf die Interessen der Brauereien als der Landwirtschaft. Berlin, 8. Okt. Eine von den Berliner Anarchismen auf gestern abend einberufene Volksversammlung wurde aus sicherheitspolizeilichen Gründen verboten^ Halle a. S., 8. Okt. Tie Stadtverordneten-Versamm- lung nahm mit 46 gegen eine Stimme eine Resolution an den Reichstag an gegen den Zolltarif-Entwurf in der vorliegenden Gestalt und gegen die Erhöhung der!, bestehenden Getreidezölle. Esten a. d. R., 8. Okt. Infolge eines Sturmes stürzte das Gerüst der katholischen Kirche zu Bergeborbach ein. Unter den Kirchenbesuchern entstand eine große Panik. Zwei Kinder wurden lebensgefährlich verletzt. Lübeck, 8. Okt. Der größte Lübecker Dampfer Rußland, auf der Fahrt von Pundsvall nach Liebsch, ist im Nebel bei Björnlundquarken gestrandet. Die Mannschaft ist gerettet. Ostende, 8. Okt. Durch den Sturm sind sämtliche Fenster des Kurhaus-Saales eingeworfen worden. An mehreren Villen und Häusern wurde großer Schaden verursacht. Ein int Bau begriffenes Haus Mrzte ein, eine Kirche wurde vollständig abgedeckt, ein Fischerboot wurde an den Strand geworfen. Die Mannschaft bannte nur mit groster Mühe gerettet werden. Lissabon, 7. Okt. Bei dem Sturm in der Bai von. Peniche s a n k e in F i s ch e r b o o t. 19 Manu der Besatzung sind ertrunken. Fiume, 8. Okt. In der Nacht wurden 124 Demonstranten verhaftet, von denen 77 bei der Staatsanwaltschaft eingeliefert wurden, darunter bekannte irredentische Ar-- beiter. — Der Polizei-Praktikant Armai wurde abends unter dem Rufe: Ungarischer Spion üb erfüllen und schwer am Kopfe mißhandelt. Sein Zustand ist bedenklich. Graz, 8. Okt. Der Zeichen-Akademiker Franz Hitthalet stürzte 60 Meter von den Wänden des Pfaffenkegels bei Stübing ab und war sofort tot. New-York, 8. Okt. Auf der konstituierenden Versammlung des deutsch-ameri kant sch enNational- bund es waren elf Städte durch 30 Abgeordnete vertreten. Es wurde beschlossen, den Bund über die ganze Union aus-« zubreiten und int Jahre 1903 eine National-Konvention in Baltimore abzuhalten. Die Deutschen sollen amerikanisch« Bürger werden, rege am öffentlichen Leben teilnehmen und sür deutschen Unterricht, deutsche Fortbildungs-Vereine und deutsche Theater sorgen. Bekanntmachung. In Gemäßheit des Art. 23 des Volksschulgesetzes bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß die Fortbildungss ch n!e Montag, den 14. Oktober l. I. im Stadtknabenschul- hause an der Nordanlage beginnt und von genanntem Tage an wöchentlich zweimal abgehalten wird. Zum Besuche derselben sind alle Knaben verpflichtet, welche während der letzten drei Jahre aus der Volksschule entlassen wurden und sich hier aufhalten. Es haben sich einzufinden: Montag, den 14. Oktober, nachmittags 2 Uhr: Alle schulpflichtigen Kaufleute, soweit dieselben nicht die kaufmännische Fachschule besuchen, Schreiber, Schriftsetzer, Buchbinder, Geometer, Photographen, Graveure, Lithographen, Friseure, Sattler, Schneider, Kellner, Ausläufer, Gärtner, Bäcker. In dieser Gruppe findet der Unterricht Montags 2 bis 5 Uhr und Donnerstags von 2 bis 4 Uhr statt. Montag, den 14. Oktober, nachmittags 5 Uhr: Alle schulpflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Spengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weißbinder, Lackierer, Tapezierer, Mechaniker und alle sonstigen Bauhandwerker. In dieser Gruppe findet der Unterricht Montags von 5 bis 7 Uhr und Donnerstags von 4 bis 7 Uhr statt. Dienstag, den 15. Oktober, nachmittags 5 Uhr: Alke schulpflichtigen Schuhmacher, Wagner, Schmiede, Fabrikarbeiter und alle übrigen Schulpflichtigen, deren Unterricht Dienstags von 5 bis 7 Uhr und Freitags von 4 bis 7 Uhr stattstndet. Außerdem haben diejenigen Schüler der Nachbargemeinden, welche abends in ihren Heimatsort zurückkehren, aber zum Besuche der hiesigen Fortblldungsschule angemeldet worden sind, sich Mittwoch, den 16. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Stadtknabenschulhaus einzufinden. Der Unterricht in dieser Klasse findet Mittwochs von 4 bis 6 Uhr und Samstags von 3 bis 6 Uhr statt. Unter Hinweis auf Art. 25 des Volksschulgesetzes, wonach Lehrherren, Dienstherren und Arbeitgeber ihren Lehrlingen, Dienern und Arbeitern die zum Besuche der Fortbildungsschule nötige Zeit bei Meidung polizelltcher Strafen einzuräumen haben, ersuchen wir die Genannten, sowie die beteiligten Eltern, Vormünder usw., den Schulpflicktigen von vorstehender Bekanntmachung rechtzeitig Kenntnis geben zu wollen. Gießen, den 8. Oktober 1901. Für den Schulvorstand: Mecum, Hahn, Bürgermeister.6701 Oberlehrer. ungefähr Erbst" Linsen Bohnen, Kartoffeln, Reis, Graupen, Fadennudeln, Bandnudeln Sago, Grunkorn, Weizenmehl, eingein. Bohnen, Sauerkraut, versch. Gemüse, getr. Pflaumen, getr. Aepfel, aebr. Kaffee, Fruchtkaffee, Zucker gz.u.gem. Salz, Pfeffer, Essig, Salatol, > Handkäse, ungefähr 250 Kg. Limburger Käse „ 800 „ Heringe, ,, 4000 St. sür die Unteroffizier- und Mmm- fchaststüche des 2. Bataillons Jnfanterie-Regts. Kaiser W'lhelm 116) soll für die Zeit 1. November 1901 bis Ende Oktober 1902 im Wege öffentlichen Ausgebots vergeben werden. . Die Lieferungsbedingungen können in der Kaserne I, Zimmer Nr. 71, eingesehen und Abschriften geaen . Erstattung ; der Schreib- gebühren bezogen werden. Angebote, ganz oder teilweise, mit der Aufschrift: „Angebot auf Lieferung von Erbsen, Linsen, Bohnen usw." sind verschloßen und portofrei bis spätestens den 20. Oktober d. Js. an nachstehende Küchen-Verwaltung em- zureichen. 6676 Küchen-Verwalttmg . des 2. Bataillons Jnftr.-Regts. Kaiser Wilhelm (Nr. 116). Ausgebot. Die Lieferung des Bedarfs an: 600 Kg. 800 „ 600 120000 100 300 700 300 100 150 600 900 900 12000 20 40 1800 1400 100 2800 30 900 Ltr. 200 u Beim 3. Bataillon Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (Nr. 116) soll die Lieferung der in dem Küchenbetriebe erforderlichen Vietualien vom 1. November l. Js. ab auf 1 Jahr vergeben werden. Vertragsbedingungen liegen auf dem Geschäftszimmer 69 des Bataillons zur Einsicht auf. Offerten sind verschlossen mit emsprechender Aufschrift versehen der KüchenverwatMng bis zum 17. Oktober L I. einzureichen. Die Küchenoerwaltung HI Kaiser Wilhelm. 6675 llrritcißrruniicn Mobiliar- Versteigerung. Donnerstag, den 10. Oktober d. I., nachmittags 2 Uhr werden in dem Hause Frankfurterstraße 36 (Hinterhaus) nachverzeichnete Mobiliar- u. sonstige Gegenstände gegen Barzahlung versteigert: 1 vollständiges Bett, 1 Sopha,! Tisch, IKommode, 1 kleines Schränkchen, 1 Sessel, Bilder und Spiegel, 1 Koffer, 1 Blumentisch, 1 silb. Damenuhr mit Kette, einige Schmucksachen, Kleider und Weißzeug, sowie etwas Haus- u. Küchengeräte. 6694 I. A.r Schneider. Donnerstag den 10. Oktober, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich eine Schiffsschaukel mit Zubehör gegen Barzahlung. Zusammenkunft: Brandplatz, Ecke der Brandgasse. 6692 Geißler, Gerichtsvollzieher. MßpWfiKW la. blutfrische Nordsee-1 Schellfische per Pfd. Li) Pfg. Kabliau, Schollen, Zandei Sehr. Berdux Bahnhofstr.27, Lindenplatz 12 Pelz-Colliers von 1 Mk. an bis zu den hoch 6686 modernsten Sachen. Kürschnerei vor A. Kretzschmai zwischen Markt- u. Kircheuplatz Mifis-r" Hiermit beehre ich mich anzuzeigen, dass ich in meinem Hause Marktstrasse Z daC er K unter der Firma M Fai’bwas’en» LZffZZß PaHiimeü'ie-^esGBiiäft eröffnet habe. Indem ich mein neues Unternehmen bestens empfehle, zeichne Hochachtungsvoll Giessen, den 8. Oktober 1901. Adolf Bieler. Wermz'sche Kckgsfkßspikle. Für die Dauer der 15 Aufführungen, d. i. vom 1. bis '10. November d. soll der Wirtschaftsbetrieb in der Turn- 'halle des Turnvereins an einen hiefigen leistungSsHigen Wirt vergeben werden. Die Bedingungen liegen bei Herrn A. Drckorö, Schanzenstraße 8, dahier, zur Einsicht offen. Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene Offerten sind bis längstens Samstag, den 15. d. Mts., abends 7 Uhr bei dem Obengenannten abzugeben. Gießen, den 7. Oktober 1901. 6685 Der Wirtschafts-Ausschuß. 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