Nr. 237 Erstes Blatt 151. Jahrgang Mittwoch 9. Oktober 1901 1«) Tenfelswerk und Gottesgeißel Höhe geschpssen '-V*, dieses Muste Rechtsparte inen, m X X L h p 30 l (fi 3 3 33 cc >Ant. Wien m New- General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen tn 2 l2) wie viel nach ;o und Lifte Pfg. eit» ohneAbzng betrage von »0 ooo 000 000 k 2000 k 2000 k 2000 k 2000 k 2800 k 4200 faenl*1 burgi-E- ^enplatz. ZQflf' Spilan 1 Wern 4 Uhr Stationen j ^larbur^ K y ?]nha®sen’ K iw iaU‘ 6 I sdr°d°°' - geilen 4er D 20 Pf« ’ ß . - | läget de» « Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Sch ulftraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Schon während seiner Ausführungen war der Redner des öfteren von lebhaftem Beifall unterbrochen worden. Seinen Schlußworten aber folgte als Zeichen allseitiger und unbedingter Zustimmung der versammelten Parteigenossen ein lang andauernder Beifallssturm. Tie Resolution' wurde nach einer Debatte, die mehr in die Breite als in die Tiefe ging und die ein allseitiges Einverständnis mit den Ausführungen des Referenten ergab, einstimmig ange- nommen. Auch wurde beschlossen, die Zimmermannsche Rede ^>arin» 1 > £5 tU änder v. 2 J-Oln ■ 1O'H Es ist die Zeit der Kongresse. Die Parteien, die das Bedürfnis fühlten, ihre Heerscharen zu sammeln, wählen gern den Spätsommer oder den Beginn des Herbstes, um zugleich für die kommende Wintercampagne das Rüst-- zeug zu bereiten. Nachdem jetzt Klerikale und Sozialisten, Nationalsoziale und Demokraten ihre Tagungen abgehalten haben, sind jetzt in Leipzig die Antisemiten versammelt, und zwar einer ihrer Flügel, die deutschi-soziale Neform- parter. Aber es gießt in deutschen Landen noch eine Gruppe, die in aller Stille und ohne großes Aufsehen zu erregen, die Parade über ihre Getreuen unlängst abgenommen hat, eine Gruppe, die vor 10 Jahren noch herab- aedrückt war zu voller Bedeutungslosigkeit, die aber seitdem in die Höhe geschpssen ist. An die „hessische Rechtspartei", dieses Mustert» ld einer Partei, die kurz- weg die Entwickelung von vier Jahrzehnten leugnet und die Zustände des seligen deutschen Bundestages als ihr Ideal feiert, haben sich die wunderlichen Partikularisten aus Neuß ä. L., wie man in dem benachbarten Gera, der Hauptstadt des gut reichsdeutschen Fürstentums Reuß j. L., zu sagen pflegt: „Neuß äklige Linie", angeschilossen, jene wackeren Dtänner, die Thränen der Freude weinten, als ihr Hofmarschall von Titzenhofer zum „Obersten a la suite des vormaligen Fürstlich reunischen Bundeskontingents" ernannt wurde, als man aus Befehl Serenissimi den Bewohnern von Ober- und Untergreiz, von Zeulenroda und Burgk die Feier des hundertjährigen Geburtstages Kaiser Wilhelms I. versagte, als Herr Tr. Sigl die „Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft" erhielt. Bekanntlich trauert Fürst Heinrich der „Unartige", wie ihn der Kladderadatsch nannte, der Völkerhirt der älteren Reußenlinie, noch immer auf den Trümmern von Carthago. Und gezogen von unwiderstehlicher Sympathie, haben sich Hinzugesel dre Welfen von Braunschweig und Hannover, die auch noch immer es nicht fassen wollen, daß ein paar Throne zertrümmert werden mußten, auf daß in jungem Glanze das neue Reich erstehe. Annahme von Anzeigen au der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vorrnNtags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich sür den allgemeinen Teil: P. Wlttko: sür den Anzeigenteil: Hans Beck. „Ew. Majestät, dem deutschen Helden aus großer Zeit, dem Beschützer nationaler Arbeit, entbietet unser aus allen Gauen des Reiches zahlreich besuchter Parteitag ehrfurchtsvollsten Huldigungsgruß und verbindet damit das Gelöbnis, stets in Treue für den monarchistischen und vaterländischen Gedanken gegen alle internationalen Feinde einzutreten. Deutsch-soziale Reformpartti. Im Kaufmännischen Vereinshaus Leipzig. Zimmermann, Vorsitzender". Den Höhepunkt der Beratungen am Sonntag bildete die Aussprachie über den Zolltarifentwurf, die gegen 4 Uhr nachmittags in Angriff genommen wurde. Die oeutsch-so^ ziale Reformpartei trat damit, wie bei den Verhandlungen mehrfach nicht ohne ein gewisses Selbstgefühl hervorge- hoben wurde, thatsächlich als die erste unter alten poli- Und sie alle sind durchaus einig. Man hat in der Stadt, die einst die treffliche Mumme braute und die sich trefflicher Würshe rühmen darf, in Braunschweig, eine zornige Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß in der Verhinderung des rechtmäßigen Erben an der Besitzergreifung des Braunschweiger Thrones eine Versagung des geschuldeten Rechtsschutzes liege: dieser „rechtswidrige und befremdliche Zushand" sei möglichst bald zu beseitigen. Und man hat weiter einstimmig versichert- daß „der beherrschende Charakter der Gegenwart in der bisher erreichten höchsten Steigerung der Revolution bestehe, die natürliche herbeigesührt würde, weil die berufensten Vertreter des Rechtes selbst zu Trägern und Werkzeugen her Revolution würden". Es sei ein Gottesgericht- das sich jetzt vollziehe, und das höchst betrübend wäre, wenn — nun, wenn es eben keine Rechtspartei gäbe, die sich „um das Zeugnis von Gottes unwandelbarem Gesetz undMegimen : sammelt". Sie findet ihre eigenste und vornehmste Aufgabe darin, „diesem Zeugnis für Gottes Ordnung und wider die Revolution" zu dienen. Es macht immer einen eigenen Eindruck, wenn sich politische Parteien auf den lieben Gott berufen. Für den rechten, ernsten Christenmenschen gelten Gottes Gedanken als unersorschsich und erst rückblickend sucht er aus' der Geschichte sich ein Bild des göttlichen Planes und Wittens zu schaffen. Aber die Männer der Rechtspartei wissen mit aller Bestimmtheit, welches Tagewerk der Schöpfer morgen und übermorgen vorhat. Ihr vornehmster Prophet aber ist Herr von Hodenberg, der in Braunschweig der staunenden Welt verkündete, daß die ganze gegenwärtige Weltlage ein Werk des Teufels fei, und daß die Rechtspartei berufen sei, mit Gottes iHlfe auf dem Boden der Gerechtigkeit ein neues Reich zu schaffen, ein wahres Reich Gottes. Wie dieses Reich aussieht- Darüber hat man sich freilich nicht mit hinreichender Klarheit verbreitet, aber der Schluß liegt nabe genug: In Kassel auf der Wilhelmshöhe soll wieder der angestammte Kurfürst thronen, vielleicht mit dem alten Rechte, die Landessöhne nach Amerika zu verkaufen; in Braunschweig sollen die Geffppen des Diamantenherzogs ihren Einzug halten, in Hannover wird gleiche falls eine welsische Zwingburg errichtet und in Reuß ä. L. wird der Geist der seligen Kcwoline von neuem herauf- 'beschworen und-, wie einst, ein Bundeslontingent aus zwei Trommlern und sechs Gardisten errichtet. Denn das Bestehende ist „Teufelswerk'" und der Teufel muß aus- getrieben werden. Geht es nicht mit dem Exorcismus, so geht es vielleicht mit Gewalt. Mit einem Worte, es soll der Zustand hergestellt werden, der vor den großen Kriegen bestand, denn diese Kriege waren nicht etwa ein Gottesgericht, sondern sie waren em schnödes Mittel des Gottseibeiuns. In diesen Tagen sind zum erstenmale seit der Spaltung der Antisemiten auf dem Magdeburger Parteitage die ' Vertreter der gesamten deutsch-sozialen Reformpartei, ein recht stattliches Häuflein, in Leipzigs Mauern ver- ; sammelt, um über ihre Parteiangelegenheiten und über die politischen Tagesfragen zu beraten. Nach dem am Sams- ! tag im Hotel „Fürstenhof" veranstalteten Begrüßungsabend, den Chefredakteur Oswald Zimmermann aus Dresden („Deutsche Wacht") leitete, begannen am Sonntag vormittag im Saale des Kaufmännischen Vereinshauses die Verhand- ’ hingen. Vor Eintritt in diese kennzeichnete der Vorsitzende, Herr Zimmermann, die Gesinnung der deutsch-sozialen Reformpartei als reiche- und königstreu und forderte zu einem dreifachen Heil für Kaiser und König auf. Als Vorsitzender des Leipziger Ortsausschusses hieß dann Herr Dr. Bennewitz > die Anwesenden willkommen, bemerkte, daß ernste Arbeit vorliege und wenig Genüsse geboten werden könnten, und schloß mit dem Wunsche, daß die Arbeit segensreich sein und zur Stärkung des Nationalgefühls beitragen möge. Die Tagesordnung eröffnete der Abg. Lotze mit dem Bericht über die Thätigkeit der Reichstagsfraktion. Zur Thätigkeit der Parteileitung sprach Herr Zimmermann. Er stellt fest, daß die Sitzungen erfreulicherweise einen einmütigen Verlauf genommen hätten, und daß nach der Trennung der deutfch^sozialen Reformpartei von der »-sozialen Partei ein freieres Arbeiten möglich sei. enugthuung konstatierte der Vorsitzende, daß ' die Partei kürzlich in Frohburg einen neuen Sieg errungen habe und daß der Erfurter Verein treu zur Fahne halte. In Baden habe sich ein Bund für sich aufgethan. Schließlich betonte Herr Zimmermann, daß die Vorarbeiten für die nächste Reichstagswahl mit Eifer betrieben werden müßten. Der alte Besitzstand in Hessen solle nicht nur gewahrt werden, sondern es gelte neue Errungenschaften zu machen. Zur Diskussion sprach! Herr Boekler-Berlin über den nicht wieder aufgenommenen Antrag, betr. der Schächtfrage und bemerkte, daß bezüglich der wissenschaftlichen Seite dieser Frage sich eine beschämende Unwissenheit im Reichstage gezeigt habe. Ferner kritisierte er das Verhalten der Konservattven und des Bundes der Landwirte bei der Reichstagswahl in Meseritz-Bomst. Ter Abgeordnete Werner meinte, daß es wohl wünschenswert erscheine, die Schächtfrage gelegentlich wieder einzubringen, dazu müsse man aber dre nötigen wissenschaftlichen Unterlagen beibrrngen. Und schließlich dürfe man nicht immer bloß Judendebatten inszenieren, der Partei müsse es vor allem darum zu thun sein, den sozialen Forderungen des arbeitenden Volkes gerecht zu werden. Der vom Vorstände vorgelegte Organisationsplan wurde dann einstimmig en bloc' angenommen. Als neu ist aus diesem Plan mitzuteilen, daß Parteimitglied nicht nur werden kann, wer seinen Beitrag an einen Parteiverein bezahlt, sondern auch wer als solches durch den Obmann ober die Versammlung der Mitglieder und Vertrauensmänner seines Wahlkreises anerkannt ist. Es bleibt den Parteigenossen in jedem Verbandsgebiete überlassen, ob sie sich förmlich als Verband zusammenschließen oder sich mit der regelmäßigen Abhaltung von Verbands- Parteitagen begnügen wollen. Tie Parteileitung hat dafür zu sorgen, daß in jedem Verbandsgebiete mindestens alte zwei Jahre ein Verbands-Parteitag einberufen wird; dieser ;at einen Vertreter und einen Stellvertreter in den Ge- amtvorstand der Partei zu wählen. Ter Gesamtvorstand hat in Vertretung des Parteitages über wichtige taktische und Organisationsfragen zu entscheiden. Der Organisa- tionsplan enthält ein neues Wahlreglement, nach dem auch i)ie diesmalige Vorstandswahl vollzogen wurde. Tie Wahl der Parteileitung ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes: Zimmermann als 1; Vorsitzender, Werner, Lotze, Tr. Giese und Bindewald als weitere Vor- tandsmitglieder. (Der Verleger der „Staatsbürger Zeitung" Bruha, erhielt 35 Stimmen, während auf Bindewald bereit 39 entfielen.) Eine längere PaUse in ben Verhandlungen wurde durch das gemeinsam eingenommene Mittagsmahl bedingt, bei welchem der Vorsitzende ein dreifaches Heil auf Kaiser und König ausbrachte. An König Albert wurde ein Telegramm folgenden Inhalts abgeschickt: , tischen Parteien Deutschlands auf den Plan mit einer ' offenen, klaren Stellungnahme zu den im Tarifentwurf : vorgesehenen Positionen. Sre riskiert allerdings mit einer . solchen Stellungnahme auch nicht so viel wie andere Par- - feien. Tas Referat über das ebenso umfangreiche als spröde - Material der Frage hatte Herr Zimmermann übernommen; • er entledigte sich seiner schwierigen Aufgabe in einer tem- : veramentvollen Rede, die sich auf über zwei Stunden aus- dehnte, obwohl der Redner ferner liegende Fragen nur : streifte oder ganz beiseite ließ. Wir können uns darauf beschränken, die nachstehende von Herrn Zimmermann zu- iammengeftehte Resolution.wiederzugeben, da sie den Kern seiner Ausführungen ziemlich ausführlich wiedergibt: Tie deutsch-soziale Reformpartei vertritt bei der bevorstehenden Neuregelung unserer Handelsbeziehungen den ■ Grundsatz des gleichmäßigen Schutzes der gesamten vater- ; ländischen Arbeit und erwartet, daß die Gelegenheit benutzt wird, um die Mängel und Schäden der Coprivischen ■ Handelspolitik wieder gut zu machen. 1. Im Gesamtinteresse der Nation hält die Partei erhöhte Schutzsätze für nötig, nicht bloß für die Industrie, erst recht für die Landwirtschaft unter Würdigung ihrer besonderen Notlage und in der Erkenntnis, daß Die (£r= Haltung einer leistungsfähigen Landwirtschaft eine Lebensfrage des deutschen Volkes für Gegenwart und Zukunft ist 2. Der Parteitag begrüßt den Zolltarifeiitwurf der Negierung als eine Unterlage, die zwecks lückenloser Ausgestaltung in Bezug auf alle Produktionszweige der Landwirtschaft, unter Berücksichtigung auch der schutzlos gelassenen Gärtnerei, sowie zwecks Umgrenzung ausreichenden Schutzes der ernsten Prüfung und Ergänzung durch ben Reichstag bedarf. 3. Tie Sicherstellung bes inländischen Marktes für den Absatz ber Produkte der einheimischen Jndusttie uno Landwirtschaft betrachtet der Parteitag als Hauptaufgabe unserer Wirtschaftspolitik. Er giebt der Meinung Ausdruck, daß ein Aufschwung der Landwirtschaft ebenso durch! Belebung , des heimischen Geschäftes ben Gewerbetreibenden und Hand- 1 Werkern zu Gute kommt wie durch Vermehrung und Verbesserung der Arbeitsgelegenheit den deutschen Arbeitern. Ter Parteitag erwartet, daß die deutsche Landwirtschaft, frei von Einseitigkeiten, auch bereit sein wird, für die Wahrung der Interessen der übrigen Produktiv-Stände einzutreten. 4. Ohne den Wert anderer Vorschläge zur Beseitigung ber landwirtschaftlichen Not zu verkennen, hält der Parteitag daran fest, daß zur Zeit mit keinem anderen Mittel so rasch eine Besserung zu erzielen ist, als mit den Mitteln, die der Zolltarif darbietet. 5. Der Parteitag eradjitet die Behauptung für unrichtig, baß erhöhte Getreidezölle Handelsverträge'erschweren ober gar unmöglich machen würden. Er tritt ein für Handelsverträge, unter Beseitigung der uns nur schädigenden Meistbegünstigungs-Bestimmungen, kann aber nur solchen Verträgen seine Zusttmmung geben, welche, im Gegensatz zu ben bestehenben Abmachungen, bas heimische Gewerbe tu seinen verschiedenen Zweigen, nicht bloß die Unternehmungen einiger Großkapitalisten, berücksichtigen, ohne unsere Landwirtschaft dem Wettbewerb des Auslandes preiszugeben. 6. Das Deutsche Reich soll durch die Art, wie es seine Handelsverträge abschließt, der Welt zeigen, wie eine gerechte Grundlage einer nationalen Wirtschaft gewonnen wird. Cs -soll zugleich im Jnlaude den unerbittlichen Kampf bis zur Vernichtung des Schwindels auf allen Gebieten, insbesondere des auf Kosten aller, der Konsumeitten wie Produzenten, erfolgenden Bvotwuchers, aufnehmen. 7. In den obigen Anforderungen entsprechenden Handelsverträgen erblickt der Parteitag Vorboten und Vorarbeiten für ein mitteleuropäisches Zollbündnis, das den russischen, großenglischen und allamerikanischen Bestrebungen nach geschlossenen Wirtschaftsgebieten riesigen Umfanges gegenüber den Wettkampf um die Kulturherrschaft erfolgreich aufnehmen kann. 8. Turchbrungen von der Ueberzeugung, baß es sich bei Neuregelung unserer Wirtschaftspolitik um eine deutsch- nationale unb sozial-reformatorische That handelt, erhebt die Partei entschiedenen Widersprach dagegen, daß man das Bestreben nach einem stetigen Getreidepreis bur changemessene Schutzzölle als „Brotwucher" verdächtigt, während die thatsächlich vorhandene Ausbeutung an den notwendigen Bedürftiissen des Volkes durch die Spekulation und andere Wuchererscheinungen der Gegenwart geflissentlich beschönigt oder verschwiegen werden '. 9. Angesichts der mit reichen Geldmitteln der goldenen Internationale unternommenen Agitation gegen Regierung unb Landwirtschaft, sowie der von der Sozialdemokratie ^förderten Verhetzung der Berufe untereinander, richtet icr Parteitag an das gesamte schaffende Volk die Auf- örderung, durch Aufklärung in Wort und Schrift ber Täuschung und Irreführung der öffentlichen Meinung zu begegnen unb durch Versammlungen und Beschlüsse den bezahlten und verführten Schreiern wie der abhängigen Presse zu Trutz die wahre Volksmeinung dahin zu bekunden, daß es sich bet der Neugestaltung des Zolltarifs um einen Akt staatlicher unb völkischer Gerechtigkeit handelt. Unb da man schon beim Fluchen angelangt ist, warum soll da nicht ber streitbare Hodenberg auch auf ben Mann Hinweisen, ber des Teufels Werkzeug, der Urquell alles Bösen war? Fürst Bismarck sei eine „Gottesgeißel"- feine Politik „plump, roh und gänzlich gewissenlos" gewesen. Und gläubig vernahmen es dre Versammelten. Warum auch nicht? Warum soll denn auch das Lexikon, in dem sich Kosenamen wie „Hochstapler, Bluthund, Depeschenfälscher, Pendulendieb, Reptilienzüchter, Schnaps- und Schweinepolitiker, Alroholist, Höttenbraten und Reichsschwiegermutter" finden, nicht noch durch die Getreuen von Braunschweig vermehrt werden? Lebte allerdings der alte Kanzler noch, so würde er mit feinem Lächeln bemerken, daß gerade der Haß der Welsen für ihn die Quittung dafür bedeute, daß er ein gutes und nützliches Werk vollbrachte. .Aber es liegt doch! ein tiefer Sinn in diesem unerquicklichen Spiel. Hat die Freude am Reiche in dem letzten Jahrzehnt zugenommen? Gewiß, wir feiern mehr Feste als früher, wir rufen auch mehr Hurrah, aber in Bayern, in Württemberg, selbst in dem altliberalen Baben, schwinden die Parteien, die ben reichsdeutschen Gebauten vertreten, dahin, wie die Butter vor der Sonne, und der Partikularismus bringt in alle Poren. Die Welsen aber und ihre Gefolgsleute ziehen die naheliegende Folgerung, daß auch ihre Zeit gekommen sei. Sie brauchen, wie einer ihrer Führer ausrief, jetzt nur das Holz herbeizutragen,. tm übrigen aber den Herrgott kochen zu iahen. Dann wird er, wie von der Gottesgeißel, so auch die Welt befreien von dem Teufelswerk des neuen Reiches! 7. Aligem. Parteitag -er deutsch-soMlen Reformpartei. nebst der Resolution in Druck zu geben und sie als Flugblatt über gauz Deutschland zu verbreiten. Vo-n den Rednern, die sich an der Debatte beteiligten, seien genannt: Der Reichstagsabgeordnete Gräfe, der gegen Quebrachoholz und italienischen Rotspohn zu Felde zog und der, wie früher schon im Reichstage, dem Verschnitt des deutschen Rebenblutes mit schnödem ausländischen Krätzer das Lerdammungsurteil sprach Herr Kayser-Riesa, der den berechtigten Klagen der kleinen Handelsgärtner, zu denen er sich selber zählt, in gut gemeinter aber etwas unklarer Weise Ausdruck gab und schließlich den geplanten Zoll auf holländische Zwiebeln und den Burenkrreg in einen nicht ganz einwandfreien Kausalnexus brachte, Herrn Kaiser- Leipzig, der den Dan kder Handelsgärtner für die freundliche Ginladung und für das ihrem Berufe entgegengebrachte Interesse aussprach, und der den Anspruch der deutschen Gärtner auf Schutzzölle mit den weniger günstigen Produktionsbedingungen unter unserem nördlichen Klima begründete, Herr Dr. Giese, der mit grimmigem Humor für die Wahrung der nationalen Hoyeitsrecyte eintrat, besonders so weit sie auf die Einwanderung nach Deutschland Bezug haben, und Herr Hirschel-Ofsenbach, der im Namen des hessischen Bauernbundes die deutsch-soziale Reformpartei dazu beglückwünschte, daß sie energisch gegen den Brotwucherschwindel Front gemacht habe. Die Debatte schloß gegen halb acht Uhr. Die geschäftlichen Verhandlungen werden am Montag fortgesetzt. Am Abend fand ein Kommers mit Damen statt. Hierzu hatte der Leipziger Ortsausschuß ein inhaltreiches Programm aufgestellt. Herr Dr. Bennewitz begrüßte die Anwesenden. Der Festgruß, den Herr Brück- Frohburg verfaßt hatte, zeugte von dichterischem Schlvung und wußte die Zeitereignisse grell zu beleuchten. Das Hoch auf Kaiser und König brachte der Verleger Bruhn-Berlin aus .Die Konzert-Musik führte die Kapelle des Herrn Musikdirektor Gustav Curth aus. Von Letzterem am Klavier begleitet, erfreute Herr Karl Greder vom Leipziger Stadttheater mit Jensens „Alt Heidelberg", Schumanns „Die Leiden Grenadiere" und Prassels „An der Weser". Ferner enthielt das Programm Spottverse von Brück auf „Altenglische Volkslieder", allgemeine Stimmung machende Gesänge,' eine kernige Festrede auf deutsches Volk und Vaterland (Oswald Zimmermann)- eine Ansprache auf die deutsch- soziale Reformpartei (Kurt Fritzsche-Leipzig) und eine solche auf Parteiführer und Presse (TL. med. Max Hädicke-Leipzig). Dem Redefluß war volle Freiheit gestattet, und als wir m vorgerückter Stunde den Kommers verließen, war an ein Ende noch nichjt zu denken. Politische Tagesschau. Nach dem Tode Mac Kinleys. E m m a G o l dm a n n und ihre Chicagoer Gesinnungsgenossen sind freigelassen; sie sttrd besser davongekommen als sehr viele andere Leute, welche das Attentat guthießen oder Mac Kinley beschimpften. Der Fälle, in denen solche Leute geprügelt oder aus Wochen oder Monate ins Gefängnis geschickt wurden, sind zu viele, als daß man sie einzeln aufzählen könnte. Ueberall in den Vereinigten Staaten ist an jo Lei) en Schandmäulern kurze Justiz geübt lvorden. Wenn amerikanischen Richtern kein bestimmter Strafparagraph zur Hand ist, muß allemal das „unordentliche Betragen" (di- sorderly oonduct), unter welchen Begriff sich alles mögliche einreihen läßt, ähnlich wie bei unseren „Groben Unfugparagraphen") als Handhabe dienen. Das haben etliche hundert Bewunderer des Mordbuben an ihrem Leibe erfahren müssen und niemand hat dagegen gesetzliche Bedenken geäußert, wenn auch in manchen Fällen Unschuldige der Volkswut oder böswilligen Angebern zum Opfer sielen. Lächerlich ist die Entrüstung über den Bundessenator Wellington .in Baltimore gewesen. Er wurde wie tausend andere hervorragende Leute von Zeitungsberichterstattern ersucht, seine Meinung über das Attentat zu sagen. Er lehnte das mit dem Bemerken ab, daß ihn Mac Kinley persönlich so schwer gekränkt habe, daß er es ihm niemals würde vergeßen können. Die Reporter denunzierten ihn daraus als einen, der sich über Mac Kinleys Ermordung freue. Sofort kam eine Entrüstungsversammlung zu stände und ein Kluß stieß Wellington äls Mitglied aus. D er Bundessenator erklärte mit Recht dieses Vorgehen für verächtliche Er verurteilt die Schandthat Czolgosz wie jeder andere anständige Bürger, doch das persönliche Verhältnis, in dem er zu Mac Kinley stand, ist seine Privatsache und wird davon nicht berührt, daß der Präsident ermordet wurde. Noch viel thörichter betrugen sich die Leute dem ehemaligen Staatssekretär Olney gegenüber. Olneys Kutscher wurde gesucht, weil er sich abfällig über Mac Kinley geäußert habe. Der Mann war verschwunden. Das „Volk" verlangte daraus, daß Olney sich ihm zeige und den Kutscher aus seinem Dienste entlasse. Olney verschmähte es, diese Wünsche auch nur anzuhören, woraus eine „Volksversammlung" sein Betragen für unwürdig erklärte. Es wird eben alles übertrieben in Amerika. Jedermann soll nicht nur, was ja selbstverständlich iftV den Mörder des Präsidenten verdammen, sondern auch Mac Kinley für den größten Mann des Jahrhunderts erklären ,während es vordem viele Millionen Amerikaner gab, die sehr gering von ihm dachten. Englands Vordringen in Zentralasien und die neue Bahn Quetta—Nuschli. Während man sich seit Jahren daran gewöhnt hat, nur von dem zielbewußten Vordringen der Russen in Zentralasien zu hören, kommt die Nachricht aus Simla, daß die britische Regierung mit dem Bau der längst geplanten Bahn von Quetta nach Nuschli in Beludschistan begonnen und somit den ersten Schritt gethan hat, eine moderne Handelsstraße von Indien nach dem fruchtbaren Seistan, der reichsten Gegend des östlichen Persien und des südlichen Afghanistan, zu schaffen. Schon seit langer Zeit war das gesamte Bahnmaterial für die neue, etwa 180 Km. lange Strecke in Quetta aufgestapelt, ebenso wie auch in Djamman, dem westlichsten Punkte des indischen Eisenbahnnetzes, alles Material für eine Bahn nach Kandahar bereitgehalten wird. Die Bahn, die jm allgemeinen der großen Karawanenstraße folgt, die von Quetta über Nuschli und dann weiter, einerseits über Tschagai und andererseits direkt nach dem Thal des Helmand führt, wird dann später nach Vollendung der in Angriff genommenen Strecke auf einem der beiden vorgenannten Wege nach Hasardjuft Ober nach Landi fortgeführt werden. In beiden Orten, sowie auch in Giritschek und in Rudbar beabsichtigen die Engländer, unter dem Vorwand, den Handel zu schützen, Attlitärposten zu errichten und Forts anzulegen, sich auf diese Weise das ganze äußerst fruchtbare Thal des Hel- mand sichernd. Da nun auch Rußland eifrig bestrebt ist, einen Handelsweg nach Seistan, und zwar vom Norden her, zu schaffen, so wird wohl das jetzige Vorgehen Englands auch entsprechende Schritte russischerseits zur Folge haben, und es ist nicht unmöglich, daß zu diesem Zwecke die seinerzeit in Kuscht endigende Bahn über Herat hinaus bis in das Gebiet Seistan verlängert wird. Projektiert ist schon seit vielen Jahren eine ganz Afghanistan durchquerende Bahn, die Kandahar und Herat über Giritschek, Bakwa und Farah miteinander verbindet und auf beiden Seiten an das indobritische bezw. russische Bahnnetz angeschlossen wird. Das Haupthindernis für die Ausführung dieses großartigen Projektes bildete jedoch bisher die zwischen dem russischen Reiche und Großbritannien herrschende Eifersucht wegen des politischen und wirtschaftlichen Übergewichts in Afghanistan. Nunmehr aber dürfte auch mit der Erschließung dieses zentral- asiatischen Staates Ernst gemacht werden. Die englische Preffe Über die letzten Mißerfolge. Die Londoner Zeitungen, welche die Kriegslage in Südafrika und besonders die schweren britischen Verluste bei Fort Jtala und Moedwill besprechen, verfolgen fast alte den gleichen Gedankengang. Sie erinnern daran, daß es als besonders erwünscht bezeichnet sei, wenn die Buren sich konzentrierten und offenen Kampf wagten, statt sich immer beim Erscheinen der britischen Detachements in ihre Atome aufzulösen und wie Nebel zu verschwinden — jetzt aber, wo die Buren wirklich das thäten, was man von ihnen gewünscht, fügten sie den Briten schwere Verluste zu, statt daß ihnen entscheidende Schlage beigebracht würden. Diesen Erörterungen folgen dann die alten Fragen: Wie teht es mit unserem Heer in Südafrika, und was will die Regierung Ihun ? Ter „Daily Graphic" sagt: „Zur jetzigen Zeit sollte es ein Ding der Unmöglichkeit sein, daß die Buren, besonders im Rustenburger Distrikt, derartig die Offensive ergreifen, und das wurde auch unmöglich sein, wenn der Nachrichtendienst der britischen Kolonnen so be- chasfen wäre, wie er sein sollte. Seit Monaten hat man uns gesagt, daß wir schon fertig werden würden, wenn die Buren nur ihre Entschlüpfungstaktik aufgeben und uns an ie herankommen lassen wollten. Tie Buren haben uns neuerdings beim Wort genommen und die Ergebnisse sind icherlich nicht ser mutig end." — Die „Daily Mail" ragt: „Befindet sich, unser Heer in bet Defensive?" Die. Zeitung führt aus, Moedwill im westlichen Transvaal, wo Liekewich, der Verteidiger von Kimberley, 161 Mann verloren habe, liege in einem Gebiet, das so oft „gesäubert" worden sei, bis man hätte anneljmen müssen, daß.kein einziger Bur dort übrig wäre. Statt daß nach Ablauf der in der Proklamation festgesetzten Gnadenfrist kräftige Schlage eitens der Briten gefallen seien, hätten die Buren die Hiebe ausgeteilt und die britischen Truppen hätten gelitten. ES sei schwer, einzusehen, daß die Buren, die nur .8000 Mann stark sein sollten, überhaupt verfolgt worden seien. Man müsse zu dem Schlüsse gelangen, daß sie stärker feien, als man habe glauben machen wollen. Man vermöge ebenso wenig zu erkennen, ob die Affaire von Moedwill wirklich ein Sieg oder ein „bedauernswerter Vorfall", ob Fort Jtala ein Erfolg oder eine versteckte Schlappe gewesen sei. Sicher aber fei, daß die Briten in den letzten 14 Tagen viele Menschenleben, fünf Geschütze und einen Convoi verloren hatten, ohne bafür merlliche Erfolge erzielt zu haben .Das Aufeinanderfolgen olcher Vorfälle, über die in unverständlicher Weise berichtet wurde, schaffe Besorgnis. Man wisse nicht, wie die militärische Lage beschaffen fei: ob Lord KitckMer mehr Leute brauche, ob seine Leute zu energischer, offensiver Krieg- ührung im stände seien. Aber wenn die Lage ernst sei, und Verstärkungen gebraucht würden und die Armee in ihrer jetzigen Verfassung zur Offensive untüchtig sei, dann sei das Benehmen der Regierung unerklärlich. Tie Minister eien nach den verschiedensten Richtungen in Ferien gegangen und schienen sich gar nm zu beeilen, die Maßregeln zu ergreifen, die bei wirklicher Gefahr erforderlich sein würden. Das könnte beruhigend sein, wenn man nicht die Ersahrungen der letzten zwei Jahre gemacht hätte._______ Schwurgericht. m. Gießen, 6. Oktober. Heute Vormittag wird gegen den unbestraften 24 Jahre alten Barbier Konrad Ehr. Emil Storch von Schotten wegen Meineids und Sittlichkeits-Verbrechens verhandelt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Grünewald. Es sind 26 Zeugen zu hören. Den Thatbestand der Anklage schildert der Vorsitzende Landgerichtsrat Müller wie folgt: Eine Dienstmagd Kaiser hatte ein unehelich Kind bekommen, für das ein Vormund bestellt wurde, der sich alsbald umsah nach dem Vater seines Mündels. Die Kaiser nannte den Knecht Fritzges und gegen diesen richtete der Vormund eine Klage auf Zahlung der Alimenten. Fritzges behauptete, die Kaiser habe auch mit andern Männern verkehrt, und nannte u. A. den Storch. Am 14. Mai wurde dieser vor dem Amtsgericht Schotten vernommen und erklärte, mit der Kaiser nie verkehrt, und ihr keinen strafbaren Rat zur Vermeidung deb Kindschaft erteilt zu haben, wie die K. behauptete. Storch wurde vereidet, und soll diesen Eid wissentlich falsch geschworen haben. Ferner wird ihm zur Last gelegt, daß er, am 18. Juni ds. Jrs. an der Frau N., nachmittags gegen 5 Uhr in den Schulrämen zu Schotten ein Sittlichkeits-Verbrechen aus §§ 177, 176, Abs. 1 des Straf-Gesetzes begangen hctt.j T)ie Zeugin Kaiser erweist sich bet ihrer Vernehmung als sehr schwachen Gedächtnisses und beschränkt. Sie erinnert sich nur, daß Storch, als der Prozeß schon int Gaütze war, m der Mühle ihrer Dienstherrschaft vor den Muller Schlitt- scheu Eheleuten ihr Verhalten zum Vorwurf gemacht hat, wie sie dazu käme, zu sagen, er sei der Vater ihres Kindes. Sie habe sofort erklärt, daß sie dies nicht gesagt habe, aber daß er ihr ein Mittel angeboten habe, das auch andern Frauen es ermöglichte, um die Mutterschaft zu leugnen. Die Zeugin erklärt, vor dem Amtsauwalt gelogen zu haben. Müller Schlitt und Frau erklären, Storch habe zu ihnen bemerkt, was er der Kaiser gesagt habe, sei „nur Spaß" gewesen. Der Zeuge Earl Weitz sagt aus, seine Tochter sei mit dem Angeklagten verlobt gewesen. Er habe das Verhältnis nich gebilligt, weil er gewußt hat, was Storch für ein „Vogel" sei. Er habe den Vorfall mit der Kaiser erfahren, infolge davon die Verlobung seiner Tochter aufgehoben. Der Angeklagte habe ihm erklärt, Emil habe die Thatsache mit dex K. zugestaudeu, er behaupte aber, damit nur sein Späßchen getrieben zu haben. Es soll nun zur Vernehmung der Frau Neeb geschritten werden. Staatsanwalt und Verteidiger erklären, es dem Ermessen des Gerichts zu überlasten, ob die Oeffentlichkeit auszuschließen sei. Landgerichtsrat Müller als Vorsitzender erklärt, daß er die Absicht habe, thuulichst öffentlich zu verhandeln und richtet an den Angeklagten die Frage, ob-er etwa den Wunsch habe nach Ausschluß der Oeffenttichkeit. Der Angeklagte erklärt, er wünsche, daß öffentlich verhandelt werde. Frau N. ist unbestraft, 38 Jahre alt, feit 11 Jahren verheiratet und Mutter von 6 in der Ehe 'und von 2 vor der Ehe geborenen Kindern, deren Vater nicht ihr Ehemann ei. Am 18. Juni sei der Angeklagte in das Schulgebäude, das sie zu reinigen hatte, gekommen und habe nach dem dort wohnenden Kreisamtsgehilfen gefragt. Sie habe den Bescheid gegeben, dieser sei nicht zu Hause. Da habe Storch ich ihr genähert. Sie habe ihn rundweg abgewiesen, er aber versuchte es mit Gewalt, sie sei in den Schulsaal gefluchtet, Storch sei ihr aber auch hierher gefolgt, Die Zeugin schildert alle Einzelheiten des Auftritts, die es zweifellos lasten, welche Absicht der Angeklagte mit ihr hatte. Der Arzt Dr. Büchner erklärt, er habe auf Veranlassung von Karl Weitzel Frau N. zwei Tage nach dem Vorfall untersucht. Sie litt an nervösen Störungen und erhöhter Herzthättgkeit. Beulen, Schrammen von Nägeln u. dgl. fand der Arzt nicht an ihr. Die 40 Jahre alte Witwe Schaaf von Feldkrücken ist vor etwa 11/2 Jahren ein Mal mit dem Angeklagten auf einem Wagen zusammen gefahren. Er hat ihr, wie sie sich ausdrückt, einen Heiratsantrag gemacht, doch glaubt sie, der junge Mensch habe wohl nur Spaß mit ihr getrieben. Eine Reihe von Zeuginnen, verheiratete und unverheirate, bekunden, daß der Angeklagte ihnen unsittliche Anträge gemacht hat. Einige behaupten, er sei zudringlich und handgreiflich geworden. In einem Fall wird der Angeklagte geragt, was er denn zu der Aussage der Zeugin sage. Er erklärt, er wolle nicht sagen, daß es unwahr sei, was die Person sage, aber sie solle ihm doch ein Mal einen Beweis bringen. — Ein Zeugin beschuldigt die Frau und ihren Gatten der Fälschung. Wichtig sind die Zeugnisse des Bierverlegers H. Dey er von Schotten und des Taglöhners Joh. Kraft von Ulrichstein. Der erstere bekundet, daß Frau N. vor 15 Jahren falsche Angaben in Bezug auf ihre unehe- ichen Kinder gemacht hat. Sie habe sich als ehrenhafte Frau, aber als Mädchen gegen Geld hingegeben und sich ihm ärmlich aufgedrängt. Der Zeuge Kraft gesteht, mit Frau N. als sie noch Mädchen war, Umgang gepflogen zu haben. Seine Frau sei von ihr vor Jahren falsch beschuldigt worden. Frau N. leugnet alles dieses. Die an die Geschworenen gerichteten Schuldfragen lauteten 1. wegen Meineides, 2. ob die Angaben des Angeklagten eine Verfolgung wegen einer strafbaren Handlung nach sich ziehen, 3. ist der Angeklagte schuldig des Notzuchtversuchs? 4. hat^der Angeklagte sich einer unzüchtigen Handlung gegen eine Frauensperson schuldig gemacht? Staatsanwalt Zimmermann meint, die gegen den Angeklagten erhobenen Beschuldigungen beweisen, daß man ihm alles zutrauen könne. Es sei sicher, daß hier ein falscher Eid geleistet sei. Der Ankläger bittet, die Schuldfrage auf Meineid zu bejahen, vertritt aber auch die Ansicht, daß beim Meineid mildernde Umstände vorhanden seien. Die Zeugin Neeb habe zweifellos die Wahrheit gesagt. Sie habe sich eit der langen Zeit gebessert und sei in Schotten als eine i>rave, fleißige und ehrliche Frau bekannt. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Grünewald, meint, eS sei nicht richtig, daß jemand, der ein Mädchenjäger sei, auch fähig sein muß, einen falschen Eid zu schwören. Der Verteidiger stellt an Hand des Protokolls fest, daß der Angeklagte keinesfalls beschworen habe, was man ihm nachsage. Den Wortlaut hat er nicht in Abrede gestellt, seine Aussage sei aber logisch anders zu verstehen und objektiv keine falsche Bekundung. Die einzige Belastungszeugin, die Kaiser, schwanke selbst in ihrer Bekundung. Darum müsse der Angeklagte wegen Meineides freigesprochen werden. Ebensowenig reichen die rohen Spässe, die der Angeklagte getrieben hat, hin, um ihn eines Notzuchtoersuches zu überführen. Das Wesen des Angeklagten grenze ans Krankhafte; man sehe nur die Schön- heitsgallerie, die hier im Gerichtssaale aufmarschiert sei, betrachte, mit welcher der Angeklagte sich abgegeben hat. Der Frau N. könne er keinen Glauben beimessen. Kein Angeklagter darf verurteilt werden auf die eine Aussage einer solchen Zeugin hin. Nach sehr eingehender Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden verkündet nach kurzer Beratung der Rentner Weitzel aus Kaichen als Obmann den Spruch der Geschworenen, der in allen Punkten der Anklage auf nicht schuldig gegen Storck lautet, worauf der Gerichtshof diesen von Strafe und Kosten freispricht und dessen Haftentlassung anordnet. Aus Stadt und Sand. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, den 8. Oktober. • * Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Betriebskontrolleur a. D. Valentin Appel in Darmstadt das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps hes Großmüttgen verliehen. * * Aus dem Theaterbureau. Am Mittwoch 'wird „Die Dame von Maxim" wiederholt. Für Sonntag ist die „Vorstellung für Kinder" das Märchen „Aschenbrödels goldener Pantoffel", für die Bühne bearbeitet von Sophie Hennig, in Vorbereitung. * * Kriegsfestspiele 1870/71. Zu einer gemeinschaftlichen Sitzung hatten sich gestern abend die Ausschüsse zur Veranstaltung ber Wernmg'schen KriegSfestspiele im „Großherzog von Hessen" versammelt.. Von dem Ehrenausschuß waren, Oberst v. Dewitz, Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, Landgerichtspräsident Kulmann, Kreisschulinspektor Prof. Lucius, Bürger- meisterMecum,Postdirektor Schäfer, Eisenbahndirektor Schobetth und Direktor Dr. Störiko erschienen. Den Vorsitz führte Amtsrichter Wiener. Es wurde Bericht erstattet über bie Thätigkeit der einzelnen Ausschüsse, die daS Weck bestens vor- hereitet haben, und es steht ein schönes Gelingen zu ermatten. Die Festspiele werden 31 Bilder bringen, darunter auf eins vom Sturm auf L'Eurie-Ferme, bei dem bekanntlich unsere 116er hervorragend beteiligt waren. Von den zu der Darstellung an den wettergebräunten Chinakrieger und krönte ihn unter Hoch- und Hurrahrufen der angestauten Menschenmenge und unter dem Tusch eines Musikkorps mit einem Lorbeerkranze. Ein Fackel- bezw. Lampionszug begleitete den Gefeierten, der auf seinem obligaten Rcservistenslocke als Kriegs-Trophäe- einen stattlichen Chinesenzopf fröhlich in den Lüften schwang zum Seligenstädter .Oberthor", wo die Eltern ihren heim- kehrenden Sohn erwarteten. Unter den lustigen Weisen der Kapelle erreichte der Lampionszug um 11 Uhr nachts unsere Gemeinde. (Mehr kann ein Chinakämpfer billigerweise nicht verlangen. D. Red.) ■Roiuiefeldtslhee JA, -L'X- wird allgemein gelobt und weiterempfohlen. Proben der 4 Hauptsorten Mk. 1.— „Franco". Cbec-Tmport Honnefeidt, Jrankfurt a. Itt. choss en werden mußte. Darmstadt, 7. Okt. Prinz Nikolaus von Griechenland hat heute mittag Wolfsgarten verlassen und sich nach Wien begeben. Mainz, 7. Okt. Bibliothekar Dr. Zedler veröffentlicht im „Centlbl. f. Bibl." eine kurze Mitteilung über einen neu auf- gefundencn, bisher unbekannten Gutenberg druck. Es ist ein astronomischer Kalender oder genauer eine Ephe- meride der Mondphasen, der Sonne und der alten Planeten. Die Type ist die des Cisianus und Türkenkalenders. Als das Jahr, für das der Kalender bestimmt war, ergiebt sich aus dem Text das Jahr 1448. Der Kalender ist also der älteste Druck. Besondere Wichtigkeit hat der Fund für das Problem der 36zeiligen Bibel. -t Mainz, 7. Okt. Am Sonntag fand hier eine zahlreich besuchte Versammlung selbständiger Uhrmacheraus dem Großherzogtum Hessen statt, in der über die in Kraft getretenen Gesetze bett, die Organisation des Handwerks verhandelt wurde. Unter anderem wurde einstimmig beschlossen, bei der Großh. Handwerkskammer in Darmstadt vorstellig zu werden, daß von dieser Behörde für Uhrmacherlehrlinge, wie dies fast überall eingeführt ist, eine vierjährige Lehrzeit festgesetzt werde. Bingen, 7. Okt. Der Großherzog und die Großherzogin haben bereits gelegentlich ihres Besuches hier mündlich ihren Dank und ihre Anerkennung für den stattgehabten festlichen Empfang ausgesprochrn. Nach einem Schreiben des Großh. Hofmarschallamtes wurde die Bürgermeisterei beauftragt, den Dank öffentlich zur Kenntnis der Bewohner unserer Stadt zu bringen. KleimWelzheim, 6. Okt. Der Chinakämpfer Richard Winter von hier ist zurückgekehrt. Er hatte sich im Vorjahre in seiner Garnison Worms freiwillig dem ostasiatischen Expeditionskorps angeschlossen. Mit Jubel wurde er gestern am späten Abend am Bahnhofe Seligenstadt empfangen. Bürgermeister Seebacher richtete eine Begrüßungsansprache — In wenig Tagen 11. und 12. Oktober findet die letzte Baden-Badener Geldlotterie statt, bei welcher 2288 Bargewinne mit Mk. 42 000. — Hmipttteffer Mk. 20 000 verlost werden. Lose zu Mk. 1, 11 Lose 10 Mk. Porto und Liste 25 Psg. ertra find beim General-Agenten Sturmer Straßburg i. Els. und allen Losgeschästen zu haben. Man beeile sich, wer der Glücksgöttin die Hand bieten und Mk. 20 000 für Mk. 1 erhalten will. 6612 Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 4. Oktober. (Per transatlantychen ^elcgrapP Der Toppelschrauben-Postdampser „H. H. Meier , Kapitän E. Steenckcn, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern - tttzr nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 4. Oktober. (Per trbnsatlantischen ^elegrtwh-). Der Toppelschrauben-Postdampser „Hannover-'. Kapt. I. .6antzen, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in Baltimore angekommen. ___________r aufs Bahngeleise geschleudert, trotz Dunkelheit bemerkte der Maschinenführer das Hindernis und brachte plötzlich zum Schrecken der Paffagiere den Zug zum Halten. Mit viertel- tündiger Verspätung konnte der Zug weiterfahren. Friedberg, 7. Okt. Die neue Homburger Bahn, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon so viel Stoff zum Reden gegeben hat, thut dies wieder einmal Du steinerne Brücke bei .Hiolzhuusen ist dem Einbruch nahe, und für die Züge nicht pasfierbar. T^r Verkehr muß durch Um steig en an der betreffenden Stelle aufrecht erhalten werden. — Vorgestern abend um 9 Uhr fuhren zwei Münzenberger Gefährte von Frankfurt kommend die Ober-Wöllstädter Chaussee hierher. Der Lenker^ des zweiten Wagens hatte sich mit auf den ersten Wagen gesetzt, es den Pferden überlassend, dem andern Wagen zu folgen. Wegen des Regens hatten beide Männer Säcke über den Kopf gehängt und über hörten deshalb das Läutewerk des gerade herannahenden Zuges von Hamburg. Der erste Wagen kam ungefährdet vor dem Zuge über das Geleise. Den anderen Wagen erfaßte d e r Z u g an der Deichsel und diese brach ab, die beiden Pferde wurden mit der Deichsel zur Seite geschleudert und das eine so schwer verletzt, daß es er- erforderlichen 150 Personen haben sich Damen bereits in ge- < nügender Anzahl gemeldet, Herren werden dagegen noch m ! großer Anzahl gewünscht, und es fft zu wünschen, daß recht bald die nötigen Anmeldungen erfolgen. Die Bühne in der Turnhalle wird elektrisch beleuchtet sein, und zwar mit 192 Flammen. Die Vorstellungen können, । nach Mitteilung von Seiten des Vorsitzenden des Fmanz- ausschuffes, Hrn. Fischbach, allabendlich von 650 Personen besucht werden, wie von anderer Seite erwähnt wurde, über, wenn's not thut, auch noch von etwa 100 Leuten mehr. Arme Schüler sollen, bei besonderen Schülervorstellungen, Freikarten erhalten. Auch Volksvorstellungen sind vorgesehen. Die an die Oeffentlichkeit zu erlaßenden Aufforderungen wurden in der gestrigen Sitzung genehmigt und die Preise der Plätze, die wir nächstens mitteilen werden, festgelegt. Der Wirffchaftsbetrieb gelangt zu öffentlicher Ausschreibung. *• Dem hessischen Volksschulwesen mangelt es fortwährend an Lehrkräften, namentlich an katholischen Lehrern. Die Minffterialabteilung für Schulangelegenheiten ist darum noch immer zum Import auswärtiger katholischer Lehrer genötigt. Im Frühjahre trat eine erhebliche Anzahl junger bayerischer Lehrer in den hessischen Schuldienst ein. Auch die rhem- hessische Gemeinde Herrnsheim erhält jetzt einen neuerdings übernommenen bayerischen Lehrer in der Person des zuletzt ht Ilmmünster (Oberbayern) wirkenden Schulverwalters Eugen Zink aus Regensburg. Rechtsschutzstelle für Frauen und Mädchen. Fast in allen größeren Städten Deutschlands sind in den letzten Jahren Rechtsschutzstellen errichtet worden — ein Beweis, daß diese ein richtiges Glied in der Kette der sozialen Einrichtungen bilden. Die Mainzer Rechtsschutzstelle, Abteilung der Mainzer Frauen-Arbeitsschule, hat sich abenfalls als überaus segenbringend und nützlich erwiesen. Bei der Gründung der Rechtsschutzstellen hat man besonders drei Gründe ins Auge gefaßt: 1. Die Unkenntnis der meisten Frauen den rechtlichen Verhältnissen gegenüber. 2. Die Scheu vieler Frauen, einem Manne dre innersten Verhältnisse ihres Lebens besonders des Ehelebens zu offenbaren. 3. Der Frau Gelegenheit zu geben, sich mit der Frau auszusprechen, und sich bei chr Rat und Ausmnft zu holen, ohne irgend welche Kosten. Somit ist die Aufgabe jeder Rechtsschutzstelle lediglich die, den Frauen und Mädchen der arbeitenden Klassen wohlthueude Aussprache zu ermöglichen, ihnen mit Rat und That zur Seite zu stehen, ihre Interessen, wo diese gefährdet sind, zu vertreten, im Falle einer Klage auf die Wohlthat des Armenrechtes zu verweisen und Vergleiche zu vermitteln. Ms dieser kurzen Arbeitsskizze geht auch! klar hervor, daß bei den Frauen, welche im Dienste der Rechtsschutzstellen arbeiten, keineswegs juristische Ausbildung erforderlich ist, sondern vor allem Verständnis für die Lage der Bedrängten. Wie allerorts, so haben sich auch der Mainzer Rechtsschutzstelle in uneigennützigster Weise Rechtsanwälte zur Verfügung gestellt, so daß es ermöglicht ist, alle Ratschläge, welche nach juristischer Seite hin erteilt werden müssen, erst mit diesen Herren zu erwägen und zu besprechen. Büdingen, 7. Okt. Der Umsicht des Maschinenführers ist es zu danken, daß am Sonntagabend der Personenzug 8 Uhr 48 einem Unfall entging. Hinter der Saline hatte der furchtbare Sturm, der um diese Zeit tobte, einen Baum Sandel und Uerkehr. Volkswirtschaft. Märkte. Grünbcra, 5. Oktober. Fruchtmarkt. (Durchschnrcks- preis pro 100 Kilo.) Weizen 16.40 bis 16.50 Mk., Korn 14 00 b^. 15.00 Mk., Gerste 13.00 bis 13.20 Mk., Hafer 12.80 lus 13,20 ML,,, Erbsen 16.00 bis 00.00 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lem 00.00 Mk., Wicken 00,00 Alk., Samen 00.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Alk. __ verbessert. Durch Zusatz von wirkungsvollen Ingredienzen, wie sie uns von ersten medizinischen Autoritäten neuerdings an bie. Hand gegeben worden sind, ist Doering's renommierte Eulen-Leye, bekannt unter der Devise: „Oie beste der Welt“ abermals ver^s- sert und durch diese Verbesserung in ihrem Einflüsse aus dte E^ Haltung der Schönheit der Haut wesentlich erhöht worden, sodaß sich keine Seife zur Toilette mehr eignen durfte, als die m ihrer Art unübertreffliche Eulen-Seife. Namentlich ist es gelungen, die Seife auch so zu parsümieren, daß oas Parpmi selbst die empfind- lichsten Geruchsnerven angenehm berührt. Dmmt ist allen Denen^ welchen das früher kräftigere Parfüm nicht zusagte, Gelegenheit ge* geben, jetzt einmal einen Versuch zu machen: sie werden es nun- mehr sicher nach ihrem Geschmacke findenund »nerinß s Eni en- Seit« wieder von Neuem zu ihrer Alltaasseye waKen. l>oe- ring’s Eulen-Seite ist für 40 Psg. überall erhältlich. (>495 Bekanntmachung. Bei den demnächst zu treffenden Anordnungen für Anschlüsse an die städtische Kanalisation werden vorausfichllich folgende Bestimmungen getroffen werden: , ,r r Sämtliche Aborte sind mit Wafferfpulung und Wafferverschluß ÄU versehen: die Spülung muß aus besoiideren Spülbehältern erfolgen- unmittelbarer Anschluß der Abortbecken an die Wasserleitung ist verboten. Zur Ableitung unreiner Flüssigkeiten dürfen mne^ halb der Gebäude nur starkwandige gußeiserne,Muffenrohre nach den im Jahre 1898 vom Architekten- und Jngemeur-Verem aulgestellten Normalien verwendet werden. Die Fallrohre dürfen nicht mehr als 10 cm, die annähernd wagerechten Rohre nicht mehr als 15 cm Durchmesser im Lichten haben. Die Dichtung der Muffen muß durch Hanfstrick und verstemmten Bleiverguß erfolgen. Die Fallrohre sind im gleichen Durchmesser als Dunswohre über Dach au führen und mit Regenkappe au versehen. Das eigentliche ^umfb= rohr, bezw. der letzte Aufsatz des Fallrohres kann aus Zinkblech bestehm. empfehlen, bei Neubauten die betreffenden Anlagen schon jetzt entsprechend einzurichten. Gießen, den 7. Oktober 1901. 6690 .Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister Abt. B wurde heute eingetragen die Firma „Gesellschaft zur Errichtung von Wohnhäusern mit beschränkter Haftung" zu Lollar. Gegenstand des Unternehmens: Ankauf und Verwertung von Grundstücken, Ankauf, Errichtung und Verwertung von Wohnhäusern sowie Abschluß aller diesen Zwecken dienender Geschäfte. Stammkapital: 50000 Mk. Geschäftsführer: Hermann Steinecke, Direktor in Lollar. Gesellschaft mit beschränkter Haftung auf Grund des Reichsgesetzes vom 20. Mai 1898. Der Gesellschaftsvertrag ist am 31. August 1901 aufgestellt. Gießen, am 5. Oktober 1901. 6677 Großherzoglicbes Amtsgericht.______ ■BSH Bersichernngsstand ca. 44 Tausend Policen, Allgemeine Renlcn-Anstall j Hegründel 1833 gQ Stuttgart. Reorganisiert 1855 | Gegenseitigkeits-Gesellschaft unter Wlfsicht d. K.Württ. Regierung B Lebens-, Renten- uni) KMtnl-VersichernnW. | Aller Gewinn kommt ausschließlich deu Mitgliedern B der Anstatt zu gut. E3 Billigst berechnete Prämien. E3 Kohe Aentenöezüge. gg Außer, d. Prämienreserven noch bedeutende bes. Sicherheitsfonds B Nähere Auskunft, Prospekte und Antragsformulare kosten- B frei bei der General-Agentur Darmstadt: Aneuet B Berbenich, Waldstraße 20, I.; in Gießen: Haupt-Agent g Everk. Vlehger, Kaufmann; Hauptagent Aköert Wallenfels, in g Firma Christian Wallenfels; Keiar. Hichy, Friseur, Selters- g weg 43- in Großen-Linden: Kcinr. Weiß, Bauunternehmer; g Großen-Buseck: Salomon ZZerlin; Saubach: WilS. Llip- g stein; Wieseck: Ludwig Kirchner, Kaufmann; Steinberg: g Karl KinKter, Werkmeister. 2953 g Aufgebot. Die Erben des verstorbenen Großh. Bürgermeisters Johannes Stumpf III. zu Burkhardsfelden, nämlich: 1. Heinrich Stumpf III, 2. Friedrich Stumpf V., 3. Anna Hase geb. Stumpf, 4. Elise Bernstein geb. Stumpf, haben das Aufgebot bezüglich der in Band I S. 68 Nr. 61 des Hypothekenbuchs der Gemarkung Burkhardsfelden eingetragenen, für Großherzogl. Bürgermeister Johannes Stumpf III. daselbst von Philipp Brück II Eheleuten in Höhe von 420 Gulden errichteten Hypothek beantragt. Die Urkunde fft' abhanden gekommen und kann nicht mehr vorgelegt werden. Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens in dem auf Donnerstag den 1. Mai 1902, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte anberaumten Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunde erfolgen wird. 6649 Gießen, 1. Oktober 1901. Großherzogliches Amtsgericht. NWUUK Feinste Berliner Rollmöpse per Stück 6 Psg. Sardinen, Bismarckhäringe rc. eingetroffen. J. M. SchuihoL j Reim Nenenhsnig per Pfd. 1 Mk.» zu verkaufen. Philipp Bauer II., Bienenzüchter, Bahnhofftraße 67, II. Allce-Sohule. Die Ausnahme der Schülerinnen findet Donnerstag den IV.Okt., morgens 1V Uhr, im Schullokale statt. 6631 L. WösTi", Köerlehrenn. WWsk für Erd- und Völkerkunde Hießen. G enernlv ers annnlung Dienstag den 15. Oktober 1901, abends 8!/2 Uhr, im Hotel „Großherzog von Hessen". Tagesordnung: 1. Rechnungsablage 2. Winterprogramm 3. Vorstandswahl. 6681 Der Vorstand. Von de-'* Reise zurück. | Br. Reinewald Arzt für Ohren-, Nasen-, Halsleiden ® Frankfurterstrasse 4. Telephon Nr. 270. Sprechstunden vorm. 10—1 Uhr, nachm. 2—3 Uhr. S Postabonnenten belieben der Einfachheit halber den Betrag v. Mk. 1.35 vorher einzusendtm. Wandkarte des Grossherzogtums Hessen und der angrenzenden Gebiete für unsere Abonnenten zum Vorzugspreis von 1 Mark wird abgegeben in der Geschäftsstelle des Giessener Anzeigers Sc hui slrasse 7. me Wring. SMinsen ferner 6566 Rollmöpse, L St. 6 Psg.. 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M , Cassel, Marburg, Friedberg, Lollar, Fronhausen, Wetzlar, Coblenz, Deutz, Fulda, Alsfeld, Gelnhausen, Nidda, Stockheim, Gedern, Schotten, Laubach und Londorf ankommenden und abgehenden Eisenbahnzüge, sowie die Fahrzeiten der Bteberthalbahn zum Preise von 20 Pfg., mit Verkehrskarte 25 Pfg., in der Expedition des Giessener Anzeigers vorrätig. — Der Fahrplan kann auch durch die Austräger des Giessener Anzeigers bezogen werden. 33 ä 30 CD die „Kre ordvung ÄntM weiteres Äuffassu mytttref soeben d -S i E 5 2 . Spratt’s Hunde futter Ktte ‘‘Mr! gtebalh0! und edi«1 Messe I -lvzei- An 15 Minuten besohlt die Aße Mnell- KesohlWstall besohlt schnell besohlt gut besohlt billig. WKeugO 20 und 6517 Mtzch 5. Johannes Heeker. wsß ÖS#e Bei grösserer Abnahme und für Wiederverkäufer ülb prü ÖlULK. ö rig. Mßp- Preisermässigung. -HM X X Zahlreiche sonstige empfehlenswerte Sorten in jeder Preislage. Gründliche«, gewissenhaften Unterricht im Kavier-1. 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