Äw*» ft fr* Hä «r. 185 «-rste- Blatt. M 51« Jahrgang. Freitag 9. August 1901 «vfO-M «glich *M lirtmtn M Montag-. * -««ttieo- AtÄtta« westaa Ua Siu tW***« ihm ^Blätter fti H-L- WWaht" am SMl «SH« Sich bäfcUft. GietzenerAnzeiger " General-Anzeiger “ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen 8e den Verdacht der Geflügelcholera erregen, sofort der Ortspolizeibehörde Anzeige zu machen, und in solchen Fällen schon vor amtlicher Feststellung der Seuche dafür Sorge zu tragen, daß ihr Geflügel von dem Betreten öffentlicher Wege und Wasserläufe, sowie von der Berührung mit anderem Geflügel fern gehalten, und daß verendetes oder getötetes Geflügel durch Verbrennen oder nach Bestreuen mit Aetzkalk durch Vergraben in mindestens einen halben Meter tiefen Gruben unschädlich beseitigt wird (vergleiche § 309 des Polizeigesetzes). Die gleichen Pflichten liegen dem Vertreter des Besitzers ob, ferner bezüglich des auf dem Transport befindlichen Geflügels dem Begleiter desselben und bezüa- iidji des im fremden Gewahrsam befindlichen Geflügels dem Besitzer des betreffenden Gehöfts, der Stallung oder sonstigen Behälters, sowie den Hirten. § 2. Tie Ortspolizeibehörde hat auf die Anzeige hin von den Kadavern ein oder zwei Exemplare dem Kreis- vcterinäramte zur Feststellung der Todesursache in einem dichten Behältnis unverzüglich einzusenden. In besonderen Fällen ist die Ortspolizeibehörde berechtigt, den Kreisveterinärarzt zur örtlichen Feststellung der Seuche zuzuziehen. § 3. Sobald der Kreisveterinärarzt auf dem im §2 vngegebenen Wege den Ausbruch, der Geflügelcholera fest- gestellt hat, ist letzterer von der Ortspolizeibehörde sofort auf ortsübliche Weise und durch Bekanntmachung in dem tot'einet Hgt„ !? An kbrlwg nute Sdiulbilbuno unter »r. 5oo n bitte Slattei. nm atflraam Hitzchrv ; Vxx Rü6)t unb «Mst qejuchl. Matz 10, u. Hbjtyr. Mütchen totem Lohn aes. t Exved. b. 81 i-6tpitmbtr ÄiküPchi ofeffw Zieverr, Mrfrtjt i£ t für Samltaai 1 flefudt. 5451 turintzr, U. nbtn btt totem HrichM-ung bei iontam» ffdjf, mdchen- ilte bis tum echen utz- u. Modegeich. ?r 4rved. b. Bl. Amtlicher Teil. Gießen, den 7. August 1901. Betr.: Obsternte. D«r Grobherzogliche Kreisamt Gieße» au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Sie wollen uns alsbald berichten, ob in Ihren Gemeinden eine größere Obsternte in Tafeläpfeln, Mostäpfeln oder Zwetschen in Aussicht steht. v. Bechtold. MW Worb u. öaUbanb »geben K-lltM' Lnlaufw. gewarnt Zürne hiermit jeder' ann, meinem 6ot« & Ml in Lollar men ettwj P b für nichts haste. )hMPP «M tzM miarten und billiget Kais er in Friedrich und Alice von Hessen. An liebevolles Tenkmal hat unsere leider so früh verdorbene Großherzogin Alice nun ihrer Schwester gesetzt. Lu ihrem Menwirenwerk erwähnt Alice keins ihrer Geschwister so oft und mit solch inniger Verehrung, wie .ihre ältere Schwester „Vicky", mit der sie, wie wir schon erzählten, zusammen aufgewachsen, und erzogen war, und jede Stunde der Kindheit und Jugend gemeinsam verbracht Hat. Die Briefe der Großherzogin Alice an ihre Mutter sind voll von liebreichen Empfindungen für die Schwester und ihren Gatten. In einem Schreiben vom 31. Oktober i 1864 heißt es u. a.: „Gestern hatten wir die Freude, die liebe Vicky und Fritz und Baby hier auf zwei Stunden zu sehen. Die erstere ist gesund, und so gut aussehend, wie ich sie lange nicht gesehen habe. Wir waren sehr erfreut, uns nach einer Trennung von einem Jahre wiederzusehen, und Vicky war sehr lieb und freundlich. Ich bewundere immer, so oft ich sie sehe, ihren Verstand und ihre Klarheit." Als Alice mit ihrem Gatten im Jahre 1865 in Berlin tteilte und bei ihrer Schwester wohnte, schrieb sie unter dein 29. Januar nach London: „Vicky und Fritz sind die Freundlichkeit selber, und Licky so gut und liebevoll. Ich fühle, daß es mir gut thut, daß ein Zug des großen Geistes des Vaters in ihr ist. Er liebte sie so sehr, und war so stolz auf sie." Als das preußische Kronprinzenpaar und Alice mit ihrem Gatten zur Pariser Weltausstellung an der Seine Witten, konnte Alice ihrer Mutter auch ein Urteil der Franzosen über „Vicky" mitteilen; es lautete kurz und bündig: „Sie sah so gut aus, und jedermann hier ist entzückt von ihr." Von ihrem Aufenthalt in Potsdam plaudert Alice unter dem 13. Juni 1869: „Unsere Zeit hier geht bald zu Ende, und sehr zu meinem Bedauern; denn das Leben bei der lieben Vicky ist so ruhig und angenehm, und erinnert mich in vielen Tingen an unser Leben in England in früheren glücklichen Tagen. Vicky hat auch so vieles von uns zu Hause für ihre Kinder nachgeahmt. Dennoch sagen wir beide für amtliche Publikationen bestimmten Blatte (Kreisblatt) Aur öffentlichen Kenntnis zu bringen, und zur Verhütung der Verbreitung der Seuche Folgendes anzuordnen: 1. Das Seuchengehöft ist am Haupteingangsthore oder an einer sonstigen geeigneten Stelle in augenfälliger und haltbarer Weise mit einer Inschrift „Geflügel- cholera" zu versehen. 2. Die verendeten oder getöteten Tiere sind mit allen ihren Teilen zu verbrennen oder nach zuvoriger Bestreuung mit Aetzkalk in mindestens ein halb Meter liefen Gruben zu vergraben. 3. Die kranken Tiere sind von den noch vollkommen gesund erscheinenden Tieren abzusondern und in besonderen Räumen unterzubringen. 4. Die kranken Tiere sind unter Stallsperre, die noch gesunden unter Gehöftsperre zu stellen, sowie von dem Betreten öffentlicher Wege und Wasserläufe, welche das Seuchengehöft berühren, fern zu halten. 5. Während der Seuchendauer dürfen auf einem Seuchengehöft zum Zwecke der Ausführung aus dem Gehöft Geflügelstücke nur geschlachtet werden, wenn deren Gesundheitszustand bei der unmittelbar vor der Schlachtung durchs den beamteten Tierarzt vorzunehmenden Besichtigung kein Anlaß zur Beanstandung giebt. Die Schlachtung und die Ausführung solcher Geflügelstücke aus dem Seuchiengehöst ist polizeilich zu überwachen. § 4. Ist auf dem Seuchengehöft sämtliches Geflügel gefallen oder getötet, oder ist nach dem letzten Erkrankungsfall eine Frist von 8 Tagen verstrichen, so ist die Seuche als erloschen anzusehen, und von der Ortspolizeibehörde die Desinfektion des Seuchengehöfts anzuordnen. Letztere erstreckt sich auf alle zur Unterbringung von Geflügel benutzten Räumlichkeiten und ist in folgender Weise äU^uführen: 1. Der Koth, die Futterreste, her zusammengekehrte Schmutz sind aus den Räumen zu entfernen, und durch Verbrennen oder nach Bestreuung mit Aetzkalk Vergraben unschädlich zu beseitigen. 2. Der Boden, die Thüren und Wände der.Räume sowie die Sitzstangen, Futter- und Tränkgeschirr sind mit heißer Sodalauge (3 Kilogramm käufliche Waschsoda auf 100 Liter Wasser) gründlich zu reinigen und mit Kalkmilch, zu bestreichen. 3. Haben die Stallungen keinen festen Bodenbelag, so ist die oberste Erdschicht mindestens 10 Zentimeter tief auszuheben, und nach Bestreuung mit Aetzkalk durch Vergraben unschädlich zu beseitigen. Nach erfolgter Desinfektion, deren ordnungsmäßige Ausführung durch die Ortspolizeibehörde zu überwachen ist, hat letztere die angeordnete Sperr- und Schutzmaßregeln wieder aufzuheben und das Erlöschen der Seuche in gleicher Weise, wie den Ausbruch derselben zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. § 5. Den Geflügelhändlern ist verboten, Privatgrund- stücke ohne vorherige Genehmigung der Besitzer mit ihrer Ware zu betreten. § 6. Kommen während des Transports Todesfälle unter dem Geflügel vor, so ist den Händlern verboten, tote oder kranke Tiere an Wegen, Gräben liegen zu lassen oder auf die Düngerhaufen zu werfen. Verendetes oder getötetes Geflügel ist entweder am Bestimmungsorte oder unter» tueg^ durch Verbrennen oder nach Bestreuung mit Aetzkalk durch Vergraben in mindestens einhalb Meter tiefen Gruben unsck-adlrch zu beseitigen. die ^irf dem Transport vorgekommenen Todesfälle den Ausbruch der Geflügelcholera befürchten, so. hat der Händler der Ortspolizeibehörde am Bestimmungsorte hiervon unverzüglich Anzeige zu erstatten, und bis zur tierärztlichen Feststellung der Todesursache den Verkauf von Geflügel wahrend des Transports zu unterlassen, auch dafür Sorge zu tragen, daß eine Berührung der verdächtigen Tiere mit anderem Geflügel wirksam verhindert wird. § 7. Wird bei solchen Transporten die Geflügelcholera festgestellt, so hat die Ortspolizeibehörde des Bestimnlungs- ortes den Weitertransport zu untersagen, die verdächtigen Tiere nach Analogie der Vorschriften in den §§ 2, 3, 4 au behandeln, insbesondere auch dafür Sorge zu tragen, oaß die mit dem Geflügel in Berührung gekommenen Teile des Fuhrwerks und der sonstigen Behältnisse mit heißer Sodalauge (3 Kilogramm käufliche Waschsoda und 100 Liter Wasser) gründlich abgewaschen, und darauf mit Kalkmilch bestrichen werden. Der Weitertransport ist erst dann zu gestatten, wenn eine Frist von 8 Tagen nach dem letzten Erkrankungsfalle verstrichen ist. 8 8. Tie Ortspolizeibehörde hat den Händlern auf Verlangen geeignete Plätze zur Verscharrung der Kadaver anzuweisen, falls eine Gelegenheit zum Verbrennen derselben sich nicht bietet, und das Verbringen derselben nach dem Wasenplatz oder in eine Abdeckerei ungeeignet erscheint. § 9. Tas Treiben von Geflügel zu anderen, als zu Weidezwecken, ist verboten. Die zum Transport von Geflügel dienenden Wagen, Käfige, Körbe, usw. müssen so beschaffen sein, daß das Herabfallen von Koth und Streu verhindert ist. Bekanntmachung. Im Anschlüsse an vorstehende Anordnung lassen wir nachstehende Belehrung über die Geflügelcholera im Jutereffe der Geflügelbesitzer folgen. Gießen, den 7. August 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v Bechtold. Weteyrnng üöer die Heffügetchotera. Die Geflügelcholera ist eine ansteckende Krankheit, welche sämtliches Hausgeflügel, namentlich Hühner, Enten unb Gänse befällt, unb gewöhnlich mit dem Tode endigt. Diel Ansteckung gesunder Geflügelbestände erfolgt am häufigsten durch den Zukauf fremden Geflügels. Außerdem kann die Krankheit durch Kadaver krepierter und die Abgänge (Blut, Eingeweide, Federn) geschlachteter kranker Hühner, Enten und Gänse verbreitet werden. Endlich kann sich gesundes! Geflügel dadurch anstecken, daß es auf Straßen und Weiden oder in Bäche und Tümpel getrieben wird, welche zuvop kranke Geflügelherden passiert haben. Die Ansteckung eines Geflügelbestandes macht sich zuerst durch plötzlich auftretende Todesfälle bemerkbar. Die Gänse, Hühner und Enten sterben nicht selten, ohne daß einander, daß niemals Kinder mit allen Freuden und Annehmlichkeiten des Lebens, welche Kinder wünschen können, so glücklich und verwöhnt waren wie wir, und daß wir niemals alles das, was wir hatten, unseren Kindern geben können. Vicky erzählte mir viel, welch' eine schreckliche Zeit sie im Jahre 1866 durchgemacht hatte, als der liebe kleine Siggie starb. Die kleine Kapelle ist sehr friedlich und freundlich, und voll Blumen. Wir gehen beide fast tägliche dorthin, und Vicky scheint gern hinzugehen." Bis zu dem frühen Tode der Großherzogin Alice im Jahre 1878 blieb das herzliche Verhältnis zwischen beiden Schwestern bestehen, sie blieben sich auch gleich in den Tagen der Freude und des Leides — und wer von diesen beiden so furchtbar heimgesuchten Fürstinnen mehr zu leiden hatte, ist schwer zu sagen. ReiseLitteratur. „Führer durch die Umgebung von Dillenburg, Dill-, Lahn- und Sieggebiet, 2. Auflage, mit einer Karte, bearbeitet von Seminarlehrer E. H. Wolfram- Preis gebunden 1 Mk. (In Kommission bei M. Weidenbach in Dillenburg.) Weitere Kreise werden durch dieses Büchlein auf .die Schönheiten der Landschaft aufmerksam gemacht, namentlich auf die eigenartigen und mannigfachen Gebirgsformationen, auf die vielseitigen Thalbildungen, auf die ausgedehnten unmittelbar an der Stadt D. beginnenden und meilenweit sich fortsetzenden schattigen und abwechselungsreichen Waldungen, auf die reiche Bewässerung und die ozonreiche, belebende Luft. — Tas Büchlein ist in seinem Format sehr handlich, bequem in der Tasche zu tragen und bietet in seinem 102 Seiten Text umfassenden reichen Inhalt nach Vorwort und einigen auf die Stadt Dillenburg (Geschichtliches, Geographisches rc.) bezüglichen Abschnitten ein die ganze nähere Umgebung der Stadt berücksichtigendes, sehr eingehendes Verzeichnis über Fußtouren von verschiedenen Punkten der Stadt aus in die prächtigen dieselbe umsäumenden Wälder. An Hand dieses Verzeichnisses, das Bezug nimmt auf die seitens des Verschönerungs-Vereins Dillenburg für die mannigfachen Spaziergänge und Ausflüge angebrachten Wege-Markierungen und genau die Entfernungen dem Wanderer angiebt, ist eine Orientierung, namentlich unter Zuhilfenahme der beigegebenen klaren Karte von Dillenburg und Umgebung leicht. Auch eine Reihe lohnender Touren von mit der Eisenbahn zu erreichenden Orten der Umgebung Dillenburgs aus und einige größere Ausflüge und Rundtouren sind in dem „Führer" beschrieben. Lttterutur, Wissenschaft und Kunst. Das neue deutsche Urbeber- und Verlagsrecht betitelt sich der erste Band eines Unternehmens, das außer dem genannten Rechte auch das künstlerische unds photographische Urheberrecht, sowie das Geschmacksmuster- gesetz und die entsprechenden Bestimmungen des Verlagsrechtes darstellen soll. (München, Schweitzer, jede Lieferung 1,50.) Ter erste, von dem Reichstagsmitglied Dr. Ernst Müller (Meiningen) bearbeitete Band, von dem bisher zwei Lieferungen vorliegen, wird außer dem neuen Urheber- unb Verlagsrecht die internationalen Urheberrechtsbezreh- ungen des Deutschen Reichs behandeln. Ter Kommentator Dr. Müller hat als Mitglied der Reichstags komm isswn, der Sub- und Redaktionskommissionen bei den Verhandlungen und Beratungen der Gesetze hervorragenden Anterl genommen und ist daher auch wohl berufen, in die Materie einzuführen. Bei den Erläuterungen ist die ziemlich reiche Litteratur über das frühere Urheberrechtgesetz ausgiebig benutzt. Alpine Majestäten unb ihr Gefolge. Dio Gebirgswelt der Erde in Bildern. — Monatlich ein Hefl im Format Pon 45:30 Zentimeter mit ca. 24 feinsten Ansichten aus der Gebirgswelt auf Kunstdruckpapier. — Preis des Heftes 1 Mark. — Heft IV (20 Folioseiten und 2 Toppelseiten), Heft V (24 Folioseiten). Verlag der Vereinigten Kunstanstalten A.-G., München, Kaulbachstraße 51a. — Unerschöpflich strömt der Quell alpiner Landschaftsbilder, den die Vereinigten Kunstanstalten in München gefaßt und der Allgemeinheit zugänglich gemacht haben. Zwei neue Hefte vermehren die Fülle des bereits Erschienenen und' immer neue Blicke eröffnen sich jn die Welt der Alpen. Tie breit unb massig funbamentierten Majestäten der Zentralalpen, des Urgebirges, wechseln auch hier aufs angenehmste mit ben absonderlichen, beinahe launenhaft ge- auffälligere Krankheitserscheinungen an ihnen wahr genommen wurden. Bei genauerer Untersuchung i]t. aver naa; dem Auftreten der ersten Todesfälle zu bemerken, daß einige Tiere mal und traurig sind, gesträubtes Gefieder be]i£cn und an stinkendem Durchfall leiden. Ter entleerte Kot ig zuerst breiig und von weißgelber Farbe, spater fchleirnig und wässerig und von grüner Farbe. Tie Krankheit greift in den angesteckten Beständen rasch Line Behandlung des erkrankten Geflügels mit Arzneimitteln ist in der Regel ohne Erfolg und deshalb nicht zu empfehlen. , Zweckmäßiger ish die unverzügliche Trennung der noch vollkommen gesund erscheinenden Tiere von den kranken. Tie gesunden Tiere müssen in vollständig abgesonderten Räumen untergebracht werden und besondere Futter- und Tränkgeschirre erhalten. Ferner empfiehlt sich die sofortige Tötung und unschädliche Beseitigung der erkrankten Tiere, da eine Genesung derselben nur ausnahmsweise zu erwarten ist. Das getötete kranke wird ebenso wie das krepierte Geflügel am - besten durch Verbrennen unschädlich, gemacht Wo diese nicht durchführbar ist, ist eine Verscharrung der mi Aetzkalk überstreuten Kadaver in mindestens einen halben Meter tiefen Gruben vorzunehmen. Düngerstätten eignen sich zur Beseitigung der Kadaver nicht, weil sich der Ansteckungsstoff der Geflügelcholera im Dünger lange Zeit erhält und durch letzteren verschleppt werden kann. Nachdem sämtliche erkrankten Tiere krepiert oder getötet sind, empfiehlt es sich, die Oertlichkeiten, in n>elchen das kranke Geflügel untergebracht war, und alle Gegenstände, mit welchen dasselbe in Berührung kam, gründlich von dem Ansteckungsstoffe zu befreien. Dieses geschieht am besten auf folgende Weise: a) Verbrennen des Kotes, der Futterreste und des zusammengekehrten Schmutzes; 6) gründliche Reinigung des Bodens, der Thüren, Wände, Sitzstangen, Futter - und Tränkgeschirre mit heißer Sodalauge (3 Kilogramm käufliche Waschsoda auf 100 Liter Wasser). Schwimmbassins müssen abgelassen und ebenfalls gründlich gereinigt werden. Schadhafte und geringwertige Holzgegenstände werden am zweckmäßigsten verbrannt. Erd- und Sandböden sollen, wenn möglich, mindestens 10 Zentimeter tief ausgehoben und mit den Kadavern und dem Kote unschädlich beseitigt werden. c) Lüftung und Trocknung der gereinigten Ställe und hierauf d) Hebertünchen der Böden, Wände, Thüren u. s. w. mit Kalkmilch (5 Kilogramm Aetzkalk auf 100 Liter Wasser). Aus der Art der Verschleppung der Geflügelcholera (1) ergiebt sich, daß ein Schutz gegen die Einschleppung der Seuche durch Beachtung folgender Vorsichtsmaßregeln erzielt werden kann: a) Vermeidung des Zukaufs von fremdem, namentlich aus dem Auslande importierten Geflügel. b) Unschädliche Beseiigung der Abgänge bei Verwendung von fremdem Schlachtgeflügel im Haushalt. c) Fernhaltung des Geflügels von solchen Straßen und Weiden u. s. w., welche von fremden Gänseherden betreten- (aber befahren werden. d) Fernhaltung der Geflügelhändter von den Gehöften. .Ist der Ankauf von fremdem Geflügel nicht zu umgehen, so ift|r es ratsam, dasselbe 3 Tage in einem besonderen Raume abzusperren und erst dann zu dem alten Bestände zu bringen, wenn sich während der angegebenen Zeit Krankheitserscheinungen nicht gezeigt haben. Diese Vorschriftsmaßregel ist geboten, weil bereits angesteckte Tiere noch 24—48 Stunden nach Aufnahme des Seuchenstoffs den Eindruck gesunder machen können.________________ Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der Ehefrau des Schreinermeisters Karl Tränkner dahier laut Beschluß des KreiSauSschuffeS vom 20. Juli 1901 die Er laubnis zur Ausübung des Gewerbebetriebs als Gefinde- vermieterin erteilt worden ist. Nach dem von ihr ausgestellten Gebührentarif beansprucht sie für Vermittelung eines Dienstboten a) an eine Herrschaft in Gießen 5 Mk., b) an eine Herrschaft nach auswärts 7 Mk., wovon der Dienstbote jeweils 2 Mk. zu entrichten hat. Gießen, den 6. August 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung, Betr.: Gesuch des Johannes Bach von Lang-GönS um Ge nehmigung zur Errichtung eines Schlachthauses in seiner Hofraite, Hundstadenstraße Nr. 40. Der Johannes Bach beabsichtigt auf dem Grundstück Flur I Nr 524 der Gemarkung Lang-GönS ein Schlachthaus zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses in der Darmstädter Zeitung an gerechnet auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Lang- GönS zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meldung deS Ausschlusses bei Großh. Bürgermeisterei Lang-GönS vorzubringen. Gießen, den 6. August 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen.- I. V.: Boeckmann. 5474 Unsere Schulferien.*) Gießen, 5. August. Es ist gerade in letzter Zeit in unserer Stadt viel über die Ferien der höheren Lehranstalten geredet und die Frage erörtert worden, ob eine Aendernng des seitherigen Zustandes wünschenswert sei. Insbesondere waren die Sommerferien, ihre Dauer und Lage, Gegenstand des Streites. Auch in Nr. 167 dieses Blattes sowie in unserer Stadtverordnetenversammlung wurde die Frage berührt. Es dürfte von Interesse sein, sie einmal in dem Zusammenhang zu betrachten, in den sie gehört. Es handelt jid) darum, festzustellen: Welche Verteilung der Ferien wird durch das geistige und leibliche Wohl unserer Kinder und durch die Zwecke des Unterrichts gefordert? Tie Ferien sollen zur Erholung der Schüler dienen, d. h. sie sollen vor Uebermüdung schützen und eine Erneuerung verbrauchter Kräfte bewirken. Der Unterricht soll durch sie nicht geschädigt, sondern gefördert werden. Unnötige Ferien sind ebenso schädlich als ein bis zur Erschöpfung fortgesetzter Unterricht. Im allgemeinen hält man — und damit trifft Man wohl das Richtige — eine Ferienzeit von 10—12 Wochen für hinreichend (in Hessen 11 Wochen). Da erfahrungsgemäß ein länger als 12—15 Wochen anhaltend fortgesetzter Unterricht leicht zur Uebermüdung führt, unter Umständen sogar das körperliche Wachstum schädigt, würde die Gesamtzahl der Ferien so auf das Jahr zu verteilen sein, daß auf 13—14 Schulwochen immer eine Ferienpause von 3—4 Wochen folgte. Gegen eine derartige gleichmäßige Verteilung der Schulferien auf das Schuljahr lassen sich aber berechtigte Einwände machen. Einmal bedürfen viele Kinder zur Kräftigung ihrer Gesundheit eines längeren Aufenthaltes auf dem Lande, an der See oder im Gebirge, und dann sind die Jahreszeiten nicht in gleicher Weise zur Arbeit und zur Erholung geeignet. Für den Winter ist die Lage der Ferien bestimmt durch Weihnachten und Ostern; vierzehntägige Ferien, in deren Mitte das betreffende Fest fiele, würden zur Erholung für Lehrer und Schüler völlig ausreichen. Auch! entspricht der Zwischenraum zwischen beiden Festen ungefähr der oben gestellten Forderung. Für die größeren Ferien würde, falls man als Tag des durchschnittlichen Schulbeginns den 15. April annimmt, die Zeit vom 15. Juli bis zum 15. Sep*) Wie lebhaft zurzeit die Ferienftage in Gießen ventiliert wird, geht daraus hervor, daß wir innerhalb weniger Tage, nachdem wir auf Grund von Informationen an zuständiger Stelle in einem Lokalartikel in unserer Nr. 167 uns darüber geäußert hatten, zwei längere Zuschriften erhielten, von denen wir die erste in unseren Nummern 183 und 184 zum Abdruck brachten. Noch vor dem Erscheinen der erften Hälfte dieses Aufsatzes ging uns der obige Artikel zu, der also auf die Ausführungen des mit —o— gezeichneten Artikels noch keinen Bezug nehmen konnte. Enolich ertjalten wir heute noch eine dritte, kürzere Zuschrift, die wir dem obigen längeren Aufsatze anfügen. D. Red. tember übrig bleiben, um eine ziemlich gleichmäßige Teilung des Schuljahres in drei Tertiale zu erreichen.. Die heißeste Zeit des Jahres würde so schulfrei sein. In Bayern und Oesterreich besteht denn auch thatsächlich diese Ferien-Einteilung, nur daß die Oster- bezw. Weihnachtsferien etwas gekürzt sind. Von den in Hessen üblichen 11 Wochen wären unter den obigen Voraussetzungen 7 für den Sommer übrig. Wenn man für Pfingsten, wo ein eigentlick)es Bedürfnis für Ferien nicht vorliegt, eine halbe Woche rechnet, wie vielfach im Lande üblich, so bleiben für die großen Ferien 6 einhalb Wochen. Sie könnten in Heber» einstimmung mit Württemberg und Baden auf die Zeit vom 1. August bis etwa 15. September gelegt werden.. Speziell hier in Gießen läßt sich die Julitemperatur, zumal bet den starken nächtlichen Abkühlungen, noch gut ertragen. Tie erschlaffende Wirkung der Hitze kommt hier meist im August infolge der geringeren Niederschläge und der längeren Dauer hoher Temperaturen viel mehr zur Geltung. Auch eine gewisse Rücksichtnahme auf die Ferien der Universität ist in einer Staot, wo so viele Familien durch Eltern, Söhne, Verwandte, Pensionäre und Mieter Zusammenhang mit der Universität haben, und sich nach deren Ferien in Vielem richten müssen, durchaus angebracht. Allerdings stellt sich einer solchen Ferienverteilung sofort ein gewichtiges Bedenken entgegen: unser Schuljahr beginnt zu Ostern; unter größeren Ferien in der Mitte oder gar nach dem ersten Drittel würde der Unterricht leicht Not leiden. So hat man in vielen hessischen Schulen nach preußischem Muster den Ausweg gewählt, 4 Wochen int Juli zu schließen, und 14 Tage im Herbst nachfolgen zu lassen. Im Interesse des Unterrtchts liegt auch dies nicht. Man mache sich nur einmal klar, wie schwierig die Aufgaben sind, die der Unterricht gerade zu Beginn des Schuljahres zu bewältigen hat. In allen Klassen setzen neue Fächer oder neue Pensen ein; fremde Sprachen werden neu begonnen, neue Schriftsteller werden gelesen, neue Gebiete der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer eröffnen sich Mler Anfang ist schwer, auch int Unterricht. Es ist durchaus nötig, daß gerade im ersten Tertial des Schuljahres solid und gründlich gearbeitet wird. Auf der Grundlage, die in diesen Monaten gelegt wird, baut sich der Unterricht des ganzen Jahres auf; von ihrer größeren oder geringeren Festigkeit wird vielfach das Endergebnis, sowohl der einzelnen Klasse, als der ganzen Schule, abhängen. Der Unterricht wird, um diese Festigkeit zu erreichen, nur langsam fortschreiten dürfen; jede Uebereilung, jede oberflächliche Arbeit gerade während dieser Zeit rächt sich aufs Bitterste. Beginnt nun das Schuljahr etnxi mit dem 15. April, so fällt die langsame und intensive Arbeit des Anfangs in die gute Jahreszeit, wo sie naturgemäß am allerschwierig- sten zu leisten ist. Gerade die Monate, in denen unserer Jugend Bewegung im Freien, körperliche Hebungen alter Art, Spiele und Spaziergänge am zuträglichsten sind, gerade sie werden in Anspruch genommen, um die Grundlage für das Schuljahr zu legen. Die Ferien, die auf ein solches! Tertial folgen, erfüllen zwar den Zweck der Erholung, schädigen aber den Hnterricht aufs Empfindlichste. Vollends schlimm wird die Sache bei früherem Einsetzen größerer Ferien. Setzen wir z. B- den oft genua vorkommenden Fall, das Schuljahr beginne Ende April. In der ersten Zeit wird der Hnterricht noch etwas darunter leiden, daß Lehrer und Schüler einander nicht kennen; nach sechs Wochen, also etwa Anfang Juni, kommen die Pfingsv- ferien, und nachdem diese kaum zu Ende sind, folgest in einem etwa dreiwöchentlichen Zwischenraum die Juli- ferien mit einer Dauer von 4 Wochen. Während der wenigen Hnterrichtswochen erfährt die Lemzeit und Lernlust eine beträchtliche Einbuße durch den berechtigten Wunsch der Jugend, sich in der freien Luft zu bewegen. Tas Wenige, was der Hnterricht mühsam aufbauen konnte, wird dann in der langen Ferienpause wieder einstürzen, sodaß der Lehrer bei Wiederbeginn des Hnterrichts in einet schlimmeren Sage ist- als zu Beginn des Schuljahres: er hat erst noch den entstandenen Schutt wegzuräumen. Denn dem Ausrichten eines Hauses gleicht in der That vielfach der Hnterricht. Es handelt sich darum, während des Schuljahres einen soliden geistigen Bau unter Dach zu bringen, d. h. die neuen Vorstellungen und Vorstellungsreihen so in einander zu fügen, und vielfach mit einander zu verbinden, daß sie zu möglichst dauerndem Besitz werden. Diese, formten Häuptern der Kalkgebiete. Vielleicht gerade dieser malerischen Form wegen scheint es, daß der künstlerisch em- psindende Landschaftsphotograph mit Vorliebe sich diesen Geniestreichen der Natur zuivendet, denn mit den Doppelblättern der Sella- und der Langftofelgruppe hat er sich selbst übertroffen. Freundlich laden in der Zeit der Hundstage die glitzernden Firnfelder zum Besuch ein und unsere Leser werden es uns Tank wissen, daß wir sie auf diese alpinen Monatshefte hingewiesen haben. Sie werden gerade jetzltz,! vor der Reife, Nutzen und Genuß daraus ziehen können. Theater, Kunst und Wissenschaft. — „Beflisset Skala* heißt etn neueB Unternehmen, des, wie men unS aus Berlin schreibt, im Herbst eröffnet wird und den Zweck het, allen Komponisten und dramatischen Schriftstellern die künstlerisch vollendete Aufführung ihrer Werke — gegen Erstattung der Unkosten — zu ermöglichen. Die Direktion übernimmt und garantiert die tadellose Aufführung von Opern, Operetten, Lustspielen, Schauspielen u. s. w. durch tüchtige BerusSkünstler unter fachmännischer Leitung. Die Aufführungen sinken auf dem der Direktion gehörigen Grund stück, Berlin 8., Luckauerstraße 15, statt. Ein großer gegen 1500 Personen fassender Theatersaal mit Bühne ist für die Produktionen bereit gestellt. Für die Aufführungen von Opern und Operetten hat die Direktion baS Berliner Tonkünstler-Orchester (60 Künstler) mit seinem Dirigenten Franz o. Blon, welcher lange Jahre am Stadttheater in Hamburg Operndirigent war, verpstichtet. Außerdem werden als Kapellmeister für Opern Professor Karl Manisch von der kaiserlichen Oper in Petersburg, für Operetten Max Federmann vom „Frtebrtch- Wilhelmstädtischen Xbeeter' und Bruno Gellert vom „ZentradTheater" in Berlin thätig sein. Die „Berliner Skala" stellt den gesamten Bühnenapparat nebst Theater auch den dramatischen Schriftstellern “P.b ®aKtfm«Herinnen zur Aufführung ihrer Werke zur Disposition. Die Bühnendichter können dadurch die Gelegenheit zur öffentlichen Beurteilmrg erhalten. Sämtliche Bühnenaufführungen — die unter 2^*"^ Brrantwortung der Autoren geschehen — werden nur von BerufSkünstlern dargeftellt. Zu diesem Zwecke hat die „Berliner Skala" mit hervorragenden Mitgliedern der „Berliner Theater" bezügliche Abmachungen getroffen. Als Regisseure werden fungieren: Herr Oberregiffeur Berthold @ltfki0er vom „Zentral-Theater", Herr Paul Pauly vom „Schiller,Theater", Herr Leonhard Ottomeyer vom Jroing-Place-Theater in New York, Herr Wilhelm Hock, vormals am Stadttheater in Hamburg-Altona, und Herr I. F. van Hell vormals ent „Deutschen Theater" thätig. Außerdem übernimmt die „Berliner Skala", vermöge des ihr zur Beifügung stehendm großen musikalischen Apparats, die Aufführung von symphonischen Werken, Chorwerken, Liedern rc. und stellt ihren Saal nebst Orchester den Lieder', Ora- toriensängern und -Sängerinnen, Instrumental-Künstlern und »Künstlerinnen (Pianisten, Violinisten, Cellisten rc.) zur Verfügung. Ein kleiner, wundervoll akustischer Saal („Musensaal"), der etwa 400 Personen Raum bietet, ist für Kammermusik-Abende, Rezitationen, Vorlesungen rc. bestimmt. — Wettbewerb fürMSbelzeichsrisssgess. DerRheinische Verein zur Förderung b eß A r b e i t e r w o b n u n g s- wesenS in Düffeldorf und die Firma Krupp in Esten erlaffen gemeinsam ein Preisausschreiben zur Erlangung von Zeichnungen zweckdienlicher Arbeiter-Wohnungseinrichtungen. Zur Beteiligung berechtigt find alle in Deutschland ansässigen Künstler (Maler, Techniker, Möbelzeichner rc) und Möbelfabrikanten. Verlangt werden Entwürfe der Etnrichtungsgegenstände für drei Räume (Küche — gleichzeitig Wohnraum —, Schlafzimmer, Wohnzimmer — wenn außer Küche besonderes Wohnzimmer vorhanden ist —), sowie je eine farbige Jnnenperspekttoe und der zugehörige MöbelverteilungSplan. Es werden ausgesetzt je etn Preis zu 1000 Mk., 750 und 600 Mk., sowie zwei Preise zu je 300 Mk. Der Ankauf weiterer Entwürfe bleibt Vorbehalten. Von den preisgekrönten bezw. angekauften Entwürfen sollen nach Auswahl der Preisausschretbenden auf deren Kosten mehrere außgeführt und auf der im Jahre 1902 in Düsseldorf stattstndenden Ausstellung in besonders erbauten Arbeiterbäusern zur Schau gestellt roerben. Zweck der Ausstellung ist, den Möbelfabrikanten und den Arbeitern Wohnungseinrichtungen zu zeigen, die ohne allen überflüsstgen Zierrat und ohne Imitation feinerer Holzarten behaglich, zweckmäßig und schön find und gleichwohl nicht mehr Mittel zur Anschaffung erfordern, alB die bisher gebräuchlichen Einrichtungen. Das Preis- rtchteramt haben übernommen: Lanbesrat Brandts, Profestor Schill und Rentner Brüggemann in Düsseldorf, Baurat Schmohl in Esten, Stadtbauinspektor Schilling und Direktor des Kunstgewerbemuseums Dr. v. Falke in Köln und Schlosser Schroeder in Köln-Nippes. Die Wettbewerbsbedingungen können vom Büreau beS Rheinischen Verckns in Düstelborf bezogen werben. Die Entwürfe sind bis zum 15. Oktober beim Direktor beS Kunstgewerbemuseums in Düsteldors einzureichen und bleiben bort nach Schluß beS Preisgerichts 14 Tage lang ausgestellt. Die Ausreise der Deutschen Südpolar- Expedition ist nunmehr auf Sonntag, den 11. August, festgesetzt. Wegen der Flutverhältnisse auf der Hnter-Ewe findet die amtliche Entlassung der Expedition durch den Vertreter des Reichsamts des Innern um 7 Hhr morgens im Kieler Hafen statt. Von der in Aussicht genommenen 'Abschiedsfeier muß wegen des Todes Ihrer Maiestat der Kaiserin Friedrich abgesehen werden. Eine Sonderausstellung aller Verteidigungsmittel gegen die Seekrankheit sind et Ende August und im September d. I. in Ostende statt- Sie umfaßt folgende Gruppen: 1. Hängeapparate oder andere Vorrichtungen zur Verminderung der Schiffsfchwankungen und ihrer Einflüsse, 2. Pläne für besondere Schiffe gegen die Seekrankheit, 3. Apparate, um die Bewegung und Erregung der Hnterleibsorgane infolge der Schiffsschwankungen zu verhüten, 4. Stiftung und Sufterzeugung der Kajüten, 5. Sauerfftoffbehandlung der Kranken, 6. Befreiung der Schiffsräume von Gerüchen, 6. Ausstellung aller Erfindungen, die sich auf die vorbeugende Behandlung der Seekrankheit beziehen (verschiedene Arten von Sitzgelegenheiten, Apparate zur Abhärtung, Angaben über geeignete Speisen und Getränke), 8. Medikamente und andere Verfahren Wr Heilung der Seekrankheit, 9. Schriften über die Seekrankheit bei Mensch und Tier. Während der Ausstellung sollen „Experimente" auf Schiffen an Menschen gemacht tverden. Ob sich wohl jemand finden wird? Jedenfalls wieder ein neuer Spezialberuf mehr! (Mitteilung des Patent-Bureau Reichan u. Schilling, Berlin 8.) Einen Preis von 20 000 Franken hat der sian- zösische Finanzminister der Kammer vorgeschlagen für die Erfindung eines Branntwein-Denaturierungsmittels, das in der Verwendung vorteilhafter ist, als die jetzt verwendeten Chemikalien. (Mitteilung des Patent-Bureau Reichau u. Schilling, Berlin 8.) Genf, 7. Aug. Heute fand hier die Eröffnung des internationalen Botanikerkongresses statt, wozu Vertreter aus Deutschland, Oesterreich-Hngarn, der SchaveiK sowie den übrigen europäischen Staaten und aus Amerika! erschienen sind. Professor Göbel-München wurde zum Beisitzer gewählt. Humoristisches. - «iss nsr-essehsner «liesst. (Vater fein« Sohn plügckndft „Ha, LauSbua mistiger, hob t Di beßweg u auf a Aboikalea stnbies < last'n, baß D' Dein Vatern feine Pr-zest' verlierst? — („Simpl. ) -^rien-A fetten 4*? luf die legt tveK ML Kr , Emilien .und Nieie; s'ch nach ^aus an. t Verteil eit findet M e M-Ae M- iber andere so; »wankungen w chiffe gegen bn igundEneg^ chwankungcn V j der Kajntu, Befreiung l« a aller Er^ adlung der Litzgelegen^ ;eetgnete^'^ re Verfahren cdieSeekran^ llung lalleni il-Hureau H"“ .eschlasÄ' -Mi- um, or^f «”»r> । Mtar » KSch»° S.» btt »‘S.toS, 9£ im h«b>, ">err,ch,z ttnm°[ not| taridit gerabt aL. I» alten 'S«: frentbe nstllklkr i»tr. 'N und natur« ;t Anfang iß ?, nötig, daß td und gründ- die in biefen des ganzen ngnen Festig- der einzelnen ^t Unterricht langsam fort5 -rslächliche Ar- aufs Bitterste. 15. April, jo » Anfangs in allerfchwierig- >enen unserer edunzen aller Mn find, gr- im die Gründen, die auf ein Zweck der ln- Empfindlichste. serem Einsetzen Svorkvm- In der loxxmtei leiden. ien; nad? M r öle ikftngst- fittb, folgen ium die Mi- Wahrend der .zeit und Lew m berechtigtet! ift zu bewegen .nsbauen konnte, .eher einsturzen. errichts in einer Schuljahres! er uräumen. 2m r That vielfach rend des 5diul; !ach zu bringen, iiung*i so ranSer fu W> ! werden. Diese, -man kann sagen, technische Arbeit wird uni so leichter, je mehr frühere Borstellungsmassen vorhanden sind, an die angeknüpft werden kann. „Wer da hat, dem wird gegeben", das gilt hier ganz besonders. Hat das erste Tertial des Schuljahres seine Schuldigkeit gethan, so wird die Arbeit der beiden folgenden wesentlich erleichtert. Bringt der Schüler dagegen aus dieser Zeit nur eine Reihe unklarer und lose verbundener neuer Erkenntnisse mit, die durch längere Ferien des Weiteren verwirrt und getrübt werden, dann wird die fernere Arbeit durch solchen Geistes- besitz nicht gefördert, sondern erschwert, und zwar oft so sehr, daß. das gewünschte Ziel überhaupt nicht erreicht wird. Tie vierzehntägigen Herbstferien, zu denen man durch die Juliferien genötigt wird, machen durch Zerstückelung auch des zweiten Tertials die Sache nur noch schlimmer. , . Beginnt dagegen das Schuljahr um den lo. bis 20. September, dann fällt der schwierigste und wichtigste Abschnitt der unterrichtlichen Arbeit in eine Jahreszeit, die sich auch wirklich zum Arbeiten eignet. Die Hindernisse, deren gedacht wurde, fallen weg. Ter Unterricht kann ohne Unterbrechung bis Weihnachten so weit geführt werden, daß die kurzen Weihnachtsferien eine willkommene Erholung bieten, ohne den Unterricht zu schädigen. Tas bis Ostern folgende Tertial wird eine wohlgeordnete, gut befestigte Dorstellungsmasse vorfinden, ein Fundament, auf dem sich iveiter bauen läßt, und, um im Bilde zu bleiben, zu Ostern wird der Rohbau im wesentlichen fertig dastehen, sodaß dem Sommer die leichtere, von der Witterung weniger abhängige Aufgabe der häuslichen, inneren Einrichtung bleibt. 'Ter erworbene Besitz, wird durch Verknüpfungen und Repetitionen aller Art so gefestigt werden, daß ihm auch längere Ferien nichts mehr anhaben können, sondern nur dazu dienen, die Kraft zu neuem Beginnen zu verleihen. Auch für unsere Abiturienten könnte die Verlegung des Maturitätsexamens etwa in den Juni nur von Nutzen sein. Tie Oberprima würde ebenso wie die übrigen Klassen zwei gute Tertiale ernster Arbeit widmen können; die Prüfung, die bei der heutigen Praxis ja überhaupt micht mehr so schwer in die Wagschale fällt, würde als naturgemäßer Abschluß des Unterrichts in den Frühjahrs- «nonaten keine Schwierigkeiten bereiten, während unter Den jetzigen Verhältnissen, wo die schriftliche Prüfung häufig schon im Januar oder Anfang Februar stattfindet, überhaupt nur e i n Tertial zu strammer Arbeit bleibt und et- •roaige Lücken durch krampfhaftes Einpauken während der letzten Wochen ausgefüllt werden müssen. In der richtigen Würdigung solcher Erwägungen, die jedem Pädagogen geläufig sind, hat man denn auch in fcer ganzen zivilisierten We l t '(die Vereinigten Staaten von Amerika mit einbegriffen) den Beginn des Schuljahres auf den Herbst gelegt, und dieFerien ungefähr in der angegebenen Weise verteilt. Nur in Preußen, Sachsen und Hessen beginnt das Schuljahr meist an Ostern; nur in diesen Staaten findet sich daher auch >öie unrationelle Ferienverteilung, unter der der Unterricht schwer leidet. Will man wirklich ernsthaft eine Reform unserer Ferienordnung, dann gilt es hier einzusetzen: der Beginn des Schuljahres muß verlegt werden. Tie großen Ferien zu Ende desselben können dann, je nachdem Ostern fällt, und je nach lokalen Verhältnissen (klimatischen und anderen) früher oder später beginnen; die Grenzen, innerhalb deren sie sich bewegen, werden nm richtigsten etwa der 15. Juli und 15. September sein. Was in ganz Süddeutschland möglich ist, wird wohl auch bei uns angehen, zumal schon Herbstanstalten vorhanden sind. Ter Uebergang zu dem neuen System wird vielleicht Schwierigkeiten machen, aber bei einigem guten Willen lassen sie sich wohl überwinden. Am meisten Anstoß erregen wird es, daß bei Umwandelung einer Oster- in eine Fierbstanstalt unsere Sck)üler um drei Monate länger in der Klasse, der sie gerade angehören, bleiben müßten, ein einmaliger Zeitverlust, der für die davon Betroffenen durch die segensreichen Folgen der neuen Einrichtung reichlich ausgewogen würde. Und allen folgenden Generationen würde eine solche Reform zu Gute kommen. Wenn man, wie verlautet, im Ministerium eine Aenderung unserer Ferienordnung beabsichtigt, so wird man der Frage des! Schuljahrbeginns sicherlich! nicht aus dem Wege gehen Tonnen noch wollen. St. * • Die dritte Zuschrift lautet: Als Antwort auf eine Frage in dem Artikel unter gleicher Ueberschrift, der sich so sichtlich bemüht, eine Grundlage für die obige Frage zu legen, sei mitgeteilt, daß am Großh. Gymnasium schon bis jetzt über vierzig Familien für ihre Söhne um Badeurlaub nachgesucht haben, eine Zahl, die erheblich verstärtt gedacht werden muß durch die vielen, welche in der wirklich brauchbaren Badezeit reisen möchten, aber bei früherem Weggehen für ihre Kinder Nachteile im Lernen befürchten. Die Zahl in der höheren Mädchenschule müßte — ceteris paribue — analog sein. Uebrigens sind unter diesen vierzig Familienvätern nur fünf Universitätsprofessoren, ein numerisch geringer Teil unserer Professorenföhne, die übrigen Väter sind Offiziere, Juristen, Industrielle, Kaufleute, Privatleute. Daß aber am alten „gymnasium illustre academicum“ zu Gießen besonders starke Beziehungen zu der „einzelnen Bevölkerungsklasse der Professoren" obwalten und von Rechtswegen 311 berücksichtigen sind, liegt freilich auf der Hand. L. S. Politische Tagesschau. Man schreibt uns aus Berlin, 7. August: Die Mitglieder der Regierung dürften in der nächsten Woche, anläßlich der Beisetzung der Kaiserin Fried rich, sich vollzählich in Berlin zusammensinden. Es ist anzunehmen, daß die Herren später die innerpolitische Lage, die Aufnahme des Zolltarifentwurfs in der Oeffentlichkeit u. s. w., zum Gegenstand einer Besprechung machen werden. Wenn man von der Diskussion über den Zolltarif absieht, ist der erste politische Sommer unter der Aera Bülow so still verlaufen, wie nur irgend einer zurzeit des Fürsten Hohenlohe. Das entspricht den Wünschen des Grafen Bülow. Er ist kein Freund aufgeregter Zeiten, zumal au dem Gebiete der inneren Politik. Darum empfahl er die Umbildung des preußischen Ministeriums und kurz darau die Vertagung der Parlamente. Alsbald senkte sich Ruhe cuf die politischen Gefilde, nur vorübergehend beeinträchtigt durch die Kombinationen, die Graf Bülows freimütige Rede Lei der Einweihung des Bismarck-Denkmals hervorrief. Die Krisenluft ist gewichen; ruhigen Herzens konnten Staatssekretäre und Minister in die Sommerfrische ziehen oder Informationsreisen in die notleidenden Bezirke des Ostens antreten, so der Handelsminister Möller nach Altpreußen, und sein Kollege von der Landwirtschaft, v. Podbielski, nach Schlesien und Posen. Das „Stillleben" der Regierungs« Mitglieder wird vor Wiedereröffnung der Parlamente kaum gestört werden. Aus Stadt und Land. Nachrichten von allgemeinem Jntereffe sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. •* Sonntagskarten. Eine sehr praktische und anerkennens werte Bestimmung hat die kgl. Eisenbahn.Direktion in Köln getroffen. Um nämlich den Wünschen des Publikums ent» gegenzukommen, hat sie angeordnet, daß an den Fahrkarten- chaltern der Stationen Köln, Hauptbahnhof, West, Süd und Deutz Sonntagskarten schon am Tage vor Sonn- und Feiertagen gelöst werden können. Die Karten werden mit dem Datum des Ausgabetages abgestempelt, sie dürfen jedoch nur an dem darauffolgenden Sonn- oder Feiertage benutzt werden. ** Ueberuachtuugslokal. Der im vorigen Jahre be» gonnene Bau des Uebernachtungslokals für auswärtige Bahu- beamte, das gegenüber der Lenz'schen Holzhandlung an der Frankfurterstraße steht, wird am 1. Oktober in Benutzung genommen werden. Hausverwalter wird, wie wir früher bereits mitteilten, Ludwig Schnabel, ein im Juli pensionierter Bahnbeamter, der schon im Neubau wohnt. Der Bau ent» hält außer den Wohnräumeu für ihn ein Unterhaltung«- und Lesezimmer, ein Ausruhezimmer, einen Wirtschafts» und Speisesaal, Schlafzimmer mit ungefähr 90 Betten und im Erdgeschoß Badeeinrichtungen. Der Stadtrat hat dem Hausverwalter auf seinen Antrag die beschränkte Wirtschaftskonzession genehmigt. Der Neubau ist auch in seinem äußeren eine Zierde der Frankfurterstraße. — An Wohn- ungSgebäuden für Eisenbahnbeamte werden in diesem Jahre in der Nähe der Riemer'schen Wirtschaft wieder zwei neue gebaut, die voraussichtlich am 1. Oktober bezogen werden. Gegenwärtig stehen sie im Rohbau fertig da. Im vorigen Jahre wurden dort ebenfalls zwei zweistöckige Wohn gebaute errichtet, deren jedes von 8 Familien bewohnt wird. Die beiden . Neubauten sind dreistöckig; jedes soll zwöl Familien aufnehmen können. R. Rodheim a. d. Bieber, 7. Aug. Von schönstem Wetter begünstigt, wurde am Sonntag hier das Missionsfest gefeiert. Um 11 Uhr begann der Hauptgottesdienst in der hiesigen Kirche, der auch von MissionSfteunden aus den Nachbarorten zahlreich besucht war. Am Nachmittag fand im nahen Walde eine Nachfeier statt. Außer dem Ortsgeistlichen sprachen noch Pfarrer Wieber aus Garbenheim und Pfarrer Enler aus Gießen. Der Kirchenvorstand hatte den Posaunenchor aus Kleinlinden eingeladen, der unter Leitung seines Dirigenten L. Weigel die Choräle und geistlichen Volkslieder begleitete. § Butzbach, 6. Aug. Ein seit zehn Jahren als verschollen betrachteter, seinerzeit nach Amerika gewanderter hiesiger Einwohner entging kürzlich seiner Todeserklärung dadurch, daß er zufällig in seiner ausländischen Heimat burd) eine deutsch-amerikanische Zeitung von dem gerichtlichen Aufgebote Kenntnis erhielt, alsbald die Reise nach Deutschland antrat und sich persönlich bei dem Amtsgerichte meldete. (!) Friedberg, 7. Aug. Im Schlafhause des hiesigen Lehrerseminars werden gegenwärtig bauliche Veränderungen ausgesührl, durch die mehr Raum für die toefentlidi verstärkten Klassen geschaffen werden soll. Die Sommerferien des Seminars, die am verflossenen Sonntag zu Ende gingen, mußten, da der Neubau noch nicht fertig ist, um 14 Tage verlängert werden. Schotten, 6. Aug. Das hiesige Rathaus, ein altehrwürdiges Gebäude in jetzt fast unscheinbarem Gewände, aus Holz- und Fachbau mit schönen Erkern und Säulen auf- gesührt, soll in nächster Zeit einer gründlichen Renovation unterworfen werden. Der hessische Staat leistet einen Beitrag. Mainz, 7. Aug. Der durch das Duell bekannt gewordene Oberleutnant Richter wurde von dem 88. Inf- Regt, nunmehr in das 96. Regiment versetzt, während fein Gegner, Leutnant Vogt, aus dem OfsizierSstand auSscheiden mußte. Die beiden Brüder der Gattin des Oberleutnants Richter haben sich gleichfalls von hier versetzen lasten. Marburg, 7. Aug. Auch in diesem Jahre haben die ehemaligen Offiziere, Oberjäger und Jäger ihrer auf dem Tchlachtfelde von Wörth gefallenen Kameraden gedacht. Am gestrigen Tage (6. August), dem Jahrestage der Schlacht be Wörth, wurde nämlich am dortigen Jägerdenkmal von dem Krieger-Verein zu Wörth a. d. S. im Auftrage der ehemaligen Offiziere, Oberjäger und Jäger des hiesigen Bataillons ein aus zwei Palmzweigen zum Kranz gewundenes Arrangement mit Lorbeeren und prachtvollem Nosen- bouquet, sowie einer seidenen schwarz-weiß-roten Schleife mit dem Aufdruck: „Den gefallenen braven Kameraden zum ehrenden Andenken, gewidmet von den ehemaligen Offizieren, Oberjägern und Jägern des Hessischen Jägerbataillons Nr. 11. Marburg, 6. August 1901-, bei dem Denkmal niedergelegt. Gedenkmünze für die China Kämpfer. Die Gedenkmünze für die Teilnehmer an der China- Expedition, die wir unseren Lesern hier im Bilde vorführen, ist nach dem vom Kaiser genehmigten. Entwürfe des Professors Schott ausgeführt worden. Auf der Vorderseite trägt sie das Monogramm des Kaisers mit der Kaiserkrone und der Inschrift: ,,Ten siegreichen Streitern, China 1900—1901", auf der Rückseite den deutschen Adler, der in seinen Krallen den chinesischen Drachen hält. Die 9)lc» daille wird an einem Bande getragen, das in der Mitte einen schmalen gelben Streifen zeigt, der zu beiden Seiten von einem schwarz-weiß-roten Streifen eingefaßt wird. Tie Medaille für Kombattanten ist aus Bronze, die für Nicht- Kombattanten aus Stahl gefertigt. Vermischtes. * Berlin, 7. August. Wie ein Berliner Blatt mit. teilt, hat Kaiser Wilhelm II. seit feiner Thronbesteigung im Jahre 1888 nicht weniger als 916 Reden und Än» sprachen gehalten, davon 22 in französischer Sprache bei Besuchen auswärtiger Souveräne, 18 in englischer, 3 in russischer und die übrigen in deutscher Sprache. ES ist wahrscheinlich, daß sämtliche Monarchen der ganzen Welt zusammengenommen noch nicht so viel gesprochen haben. * Berlin, 7. Aug. Beim Präsentieren eines ChekS wurde heute Vormittag in bet Filiale der DreSbener Bank ein angeblicher Amerikaner verhaftet. Der Chek ist seinerzeit in Paris mit anbeten Wertpapieren, zusammen etwa 45 000 Mk., gestohlen worben. * Osnabrück, 7. Aug. Bei Fürstenau wütet ein großer Waldbr anb. Bisher warben 1000 Morgen ver- nichtet. • Paris, \4. Aug. In Garnigon bei Villenenve- sur-Lot ist eine 71jährige Frauensperson entbeckt worben, bie seit 46 Jahren von ihren Verwanbten in einem bunklen und vergitterten Zimmer eingesperrt worben war. Die Be» bauemSwerte ist seit vielen Jahren vollstänbig nackt unb hat nach und nach alle geistigen Fähigkeiten eingebüßt. Die Entrüstung bet Bewohner der Gegend gegen die unmenschlichen Verwandten ist eine derartige, daß Gendarmen zu deren Schutz aufgeboten werden mußten. * Innsbruck, 7. Aug. Bei derBesteigung der hohen Munde bei TelfS (Oberinnthal) ist der Sohn des dortigen Müllermeisters Schennach, Schüler am hiesigen Pädagogium, der mit zwei Kameraden Edelweiß suchte, an der gelben Wand ab gestürzt. Die Leiche befindet sich an schwer erreich, barer Stelle und ist noch nicht geborgen. * WitebSk, 7. Aug. Gestern mittag brach an drei Punkten der Stadt, deren Bevölkerung zu den ärmsten ge- hört, Feuer aus, wodurch zwei Vorstädte vernichtet wurden. Das Feuer ist noch nicht gelöscht. Aus Smolensk wurde die Feuerwehr berufen. Der Gouverneur leitete die Hilfsaktion ein. • Das mißtrauische Bäuerlein. Der „Pfälz. Pr." entnehmen wir folgendes drollige Geschichtchen, das zwar nicht den Reiz der Neuheit für sich hat, indeß auf Aktualität Anspruch erheben darf. Kurz nach dem Leipziger Krach wars, da kam ein biederes pfälzisches Bäuerlein auf die Bank, bei der es feine Ersparnisse anzulegen pflegte, unb eS entwickelte sich folgendes Zwiegespräch: Bauer: „Ich hun do Geld bei Euch schteh', 1600 Mark muß eß 'zamme mache." Kassierer: „Ich werbe gleich nachsehen lasten; (nach einer Weile) 1608 Mark 50 Pfg. beträgtS mit den Zinsen bis heute, wollen Sie das Geld erheben?" Bauer: „Des haw' ich g'rad net wolle, awwer wann ich'S emol sehe könnt, wär merS angenehm." Der Kassierer legte lachend sechzehn Hundertmarkscheine auf den Tisch. Das Bäuerlein betrachtete sie schmunzelnd und entfernte sich mit den Worten: „Dank ach scheen, ich hab not bloS 'mol sehe wolle, ob mein Geld noch do iS. AdjeS!" • Vom „Hasenstab". Genau 150 Jahre sind eS her, daß sich eine Verordnung des Kurfürsten von Mainz in herzbeweglichen Worten an die Amtakellerei in Lohr richtete, die sich gegen den „Ertzwilbeter" Johann Adam Hasenstab wendet, der damals den Spestart unsicher machte. Für bie Kühnheit bieseS Mannes spricht solgenbe authentische Geschichte: Einst hörte Hasenstab, baß eine Dame be« kurfürstlichen Gefolges ben Wunsch geäußert habe, ben ge. fürchteten Wilbbieb einmal zu sehen. Die Dame spazierte kurze Zeit barauf mit zwei Freunbinnen in ber Nähe von Rothenbuch, wobei ihnen ein alter verkrüppelter Bettler be- gegnete. Kaum war biefer bet Damen ansichtig geworben, als er plötzlich zu schreien anfing: „DaS finb ja bie brei Engel, die mir heute Nacht im Traume erschienen find!" Die Damen, durch diesen AuSrnf neugierig geworden, forderten ben Greis auf, feinen Traum zu erzählen. Nach langem Zögern erklärte biefer, ihm feien im Traum drei Engel erfchienen, die völlig den drei Damen glichen; einer von ihnen, der just der eingangs erwähnten Damen ähnlich sah, habe ihm einen Kuß gegeben, und fiehe da, alle seine Leiden unb Gebrechen wären verschwunben gewesen. Die Dame, gerührt burch bie Erzählung, entschloß sich, ben Traum auf feine Wahrheit zu prüfen, in ber Hoffnung, ben Bettlet von seinen Leiben zu befreien. Sie beugte sich zn ihm nieber und küßte ihn; im gleichen Augenblick gab ihr ber vermeintliche Bettlet ben Kuß zurück, warf seine Bet. kleidung ab unb entfloh mit ben Worten: „Jetzt hast Du ben Hasenstab nicht nur gesehen, sondern auch geküßt!" Der kühne Wilbbieb ist später verschollen, bafür setzte ber Sohn da« „Gewerbe" beS Vaters fort. Umversitats Nachrichten. Man schreibt aus Freiburg L 58.: I» diesem Sommer- Semester sind im Ganze« 5 Berufungen von auswärts an Mitglieds des Lehrkörpers unserer Hochschule ergangen: Die Professoren F u ch s, Rosin und Richard Schmidt erhielten Rufe, lehnten aber ab, Prof. Dr Thumb geht nach Marburg, Prof. Dr. S ch r 0 e r erhielt eine Berufung an die Handelshochschule in Köln. AuS Marburg wird geschrieben: Der a. 0. Professor der Rechte an ber hiesigen Unt- versttät Karl S a r t 0 r t u S hat einen Ruf als 0. Professor nach Greifswald erhalten und angenommen. Wie aus Heidelberg geschrieben wird, promovierte dort Miß N e e n a auS New-York mit dem Prädikat cum laude zum Dr. phil. Ihre PrüfungSgegeostäod« waren neuere Kunstgeschichte als Hauptfach, Archäologie und deutsche Lttteraturgeschichte als Nebenfächer. Die Dissertation behandelt „Die Anbetung der Könige in der toSkatschen Malerei". Handel Md Verkehr. Volkswirtschaft. Jakob Sanbau Nachfolger. Die Angelegenheit der Breslauer Firma Jakob Landau Nachfolger kann als erledigt bezeichnet werden. Generalkonsul Eugen Landrni, der eine Inhaber der Firma, hat eine sehr umfangreiche Grmssionsthätigfeit mit Hilfe der ihm naheitehendenBank- 'gruppe entfaltet, wofür die Häufung von Aufsrchtsrats- stellen, welche er in seiner Person vereinigt, einen für sich selbst sprechenden Beweis giebt. Außer in berNatronal- bank, aus deren Aufsichtsrat er jetzt ausgetreten ^' bekleidet er noch den Posten eines Vorsitzenden des Aufsichtsrats bei der Aktienbrauerei FriedrichShohe vorm. Patzen- Hofer, der Akt.-Ges. für Montanindustrie, der Allgemeinen Deutschen Kleinbahngesellschaft, der Berlrn-Lrchtenberger Terrainaktiengesellschaft, der Metallwarenfabrik Akt.^Äes Baer u. Stein, sämtlich in Berlin, der Bayerischen Bank in München, der Breslau-Kleinburger Terrarngesellschaft, der Chemischen Fabrik Hönningen, den Milowicer Eisenwerken, der Oberschlesischen Eisenbahn-Bedarfs-A-G., der Rositzer Zuckerraffinerie, der Spinnerei A.-G. vorm. Klauser, München-Gladbach, und den Kohlenwerken Glückauf in Zechau Weiter war er Mitglied des Aufsichtsrats der Muminiumindustrie-A.-G. in Neuhausen, der Bielefelder Nähmaschinen- und Fahrradfabrik vorm. Hengstenberg n. Co-, der Bierbrauerei-A.-G. vorm- Gebr. Hugger in Posen, der Brauerei W. Isenbeck u. Co- A.-G. in Hamm, der Kommerz- und Diskontobank in Hamburg, der Leipziger Bierbrauerei Riebeck u. Co., der Mannheimer Versicherungsgesellschaft, der Oberschlesischen Bierbrauerei A.-G. vorm- L. Haendler in Zabrze, der Oberschlesischen Portland-Zementfabrik in Oppeln, der Rheinisch-Westfälischen Metallwerke in Dornap, der Waggonfabrik A.-G. vorm. P. Herbrandt u. Co. in Köln und der Schlesischen Kleinbahn-A.-G. in Berlin — das sind also 26 Aktiengesellschaften, unter denen sich 3 Banken, 1 Versicherungsgesellschaft, 2 Trustgesellschaften, 2 Terraingesellschaften, 1 Bahnunternehmen, 3 montanistische Unternehmungen, 5 Betriebe der Metalü«rren-, Maschinen- und Waggonindushrie, 5 Brauereien, je 1 chemische, 1 Zement-, 1 Zucker- und 1 Textilfabrik befinden. Außerdem ist Kommerzienrat Hugo Landau in 12 Aktiengesellschaften, teils als Vorsitzender, teils als Mitglied des Aufsichtsrats thätig. Märkte. Vchottlp, 6. Aua. Gestern begann der in ganz Deutschland bekannte sogen. „Schottener Sommermarkt". In früher Morgenstunde begann der Auftrieb, der sich in die Länge zog, da sämtliche» Rindvreh von einem Tierarzte untersucht wurde, ob nicht Klauenseuche vorhanden sei Der Markt war gut besucht, Händler aus weiter Entfernung waren erschienen. Für einjährige Stiere wurden fürs Paar 200-260 Mark, für zweijährige 400—500, dreijährige bis 800 Mark angelegt. ES mdaen »wischen 2 bis 3 Tausend Tiere aufgetrieben worden sein. Auch der Pferdemarkt war gut besucht-, die Preise waren jedoch etwa» gedrückt wegen de» spärlichen Ausfall» der Grummeternte. Immerhin wurden für schöne Fohlen (zweijährige) 400-500 Mk. gezahlt. — Der Krämer- markt ist nur noch verschwindend klein, wie die» bei allen derartigen Märkten der Fall ist. _ Limburg n< PhlllppSohwagerWw., Drog.,Markt8 Einmachsässer (weingrün) 5423 e”S‘ L. Kühlemailil IV., Küferei, Bleich «trasse 18. Samt!, farbige Sdniliwaien verlach zu herabgesetzte» Preise». Sanbfllfn, IkMuchschuhe, Kinderschuhe äußerst billig. Friedrich. Magnus, Weibeugasse 10.5384 Weideugasse 10 Frische Fluß- und Seefische♦ 678 Telephon 119. Prompte* Versandt nach auswärt». Tjosbacher fe* ist daS beste Tafelwasser — zur Vermischung mit Wein vorzügl. geeignet. Reinschmeckend und gut bekömmlich. Von Aerzten besten» empfohlen. Niederlage bei 4857 Emil Schwall, Hess. Hof. Eine Kollektion Reisenmster. 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