Nr. 58 Zweites Blatt. 151* Jahrgang. Samstag 9. März 1901 Redaktion, Lx-edition und Druckerei - Schulftratze 7. China. Die „Säht. Ztg." meidet aus Peking vom 6. d. M.: Feldmarschall Graf W a l d e r s e e beabsichtig', sich am 14. d. M. nach Kiautschon zu begeben. Der dortige Aufenthalt soll fünf Tage dauern. Die „Morning Post" meldet aus Peking: Großbritanniens Antwort an China belr. die russischen Vor schlage für die Mandschurei rät China, die Unterzeichnung des Abkommens hinauszuschieben, bis die anderen Mächte befragt worden seien. Die Vereinigten Staaten habe» den Kommisiär Rockhill angewiesen, sich mit den Deitretern der übrigen Mächte in Peking zu beraten. Rußland behauptet, daß die Mandschurei China zuiückgegeben werde, indessen ist die Obrigkeit und Verwaltungsaufsicht russisch und nicht chinesisch. Japan» Antwort auf die chinesische Mitteilung, die sich über die Vorbereitungen zur ZurückCngländer und Buren. Die englische Welt ist noch aufs äußerste verblüfft über die Thatsache, daß De Wet aus so verzweifelter Lage hat abermals enttommen können. Wie immer in solchen Fällen, wird auch diesmal ein Sündenbock gesucht, und man hat ihn gefunden in dem Obersten Byng, der von ColeSberg aus vorgeschickt war, um am Südufer des Oranje De Wet entgegenzuziehen und die Driften zu bewachen. Grade in dem Augenblicke, wo er an der Drift bei der ColeSbergbrücke nötig war, war er nicht zur Stelle, sondern hatte sich, wie ein TimeSberichterstatter aus ColeSberg entschuldigend beifügt, auf formellen Befehl, nach Hamelfontein begeben. De Wet hatte 24 Stunden vor sich, um seinen Uebergang zu bemerk ttclligen. DaS war aber gerade genug; als Byng zurück kehrte, war er schon über alle Berge, und der Oberst hatte daS Nachsehen und — die Verantwortung. Ein Reuterberichterstatter aus ColeSberg urteilt etwas anders. Auch er stellt recht griesgrämige Betrachtungen über dieses für die Eng länder beschämende Ereignis an. Die Kolonnen, sagt er, die an gesetzt worden, waren zahlreich und leisteten alle Vortreffliches, und dennoch entwischte ihnen De Wet mit einem Verlust von nur 400 (richtiger etwa 200) Mann, 2 Geschützen und einer An zahl Wagen und Capkarren. Aber die Schuld trägt nach ihm das System; das Zusammenwirken hätte gefehlt, da es um möglich gewesen wäre, die Operationen durch den Telegraphen zu leiten. Wahrscheinlich sind beide Auffaffungen richtig. Beim System haperts, wie übrigens auch das gleichzeitige Beispiel im südöstlichen Transvaal zeigt, wo das Kesseltreiben auf Bothas Scharen ebenfalls ohne Entscheidung im Sande verlaufen ist. Aber auch den Führern fehlt der nötige Weit blick, das Verständnis für einheitliches Zusammenwirken. Beinahe jede größere Unternehmung hat von neuem dar- grthan, daß den englischen Unterführern diese allererste Vor- veringung des strategischen Erfolges fehlt. Die Buren, die Sonntag Pearston besetzten, zählten etwa 700 Mann; sie hatten 2 Kanonen bei sich; die britische Garnison, die aus ungefähr 75 Marn bestand, verteidigte sich tapfer; allein der Feind war in Uebermacht. Ein Telegramm KitchenerS aus Pretoria besagt: Lichten bürg ist von den Streitkräften Delareys angegriffen. Das Gefecht dauert den ganzen Tag fort. Zwei eng tische Offiziere wurden getötet. Die Garnison von Lichtenburg vesteht aus 500 Mann mit 2 Kanonen. Kitchener sendet Verstärkungen dahin ab. Im englischen Unterhause erklärte der erste Lord dks Schatzes Belfour auf eine Anfrage, daß mit Botha Unterhandlungen ftattgefuuden haben, daß die Regierung aber nicht in der Lage sei, darüber irgend welche Mit- teilungen augenblicklich zu machen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Die Gießener Familien- hlätter werden dem Km rifltt im Wechsel mit „Hess, onbtoirt" und „Blätter fftr Hess. Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. ■ wna|mt von Anzeige» E»er nachmittag» für »en lgenden Ta» rrtchetnenden ütnmcr bi» do ne 10 Uhr Ldbeßetlungen fp4tt(ltn» abend» vorher. Deutsches Keich. Berlin, 7. März. Der Kaiser hat der Gesellschaft SeemannShauS für Unteroffiziere und Mannschaften der kaiserlichen Marine eine abermalige Zuwendung von zehn- tausend Mark Übersenden laffen und diese Summe für die Häuser in Kiel und Tsingtau bestimmt. Die Eröffnung deS Seemannshauses in Tsingtau und der Baubeginn für daS IeemannshauS in Wilhelmshaven sind noch für dieses Jahr in Aussicht genommen. — In der Budget »Kommission des Reichstages, die die Beratung des Kolonialetats fortsetzte, teilte beim Etat für Süd westafrika aus eine Anfrage BebelS Kolonialdirektor Dr. Stübel mit: Prinz Prosper Breuberg wurde wegen Mordes zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde zuerst auf dem Gnadenwege in 15 Fahre Zuchthaus und demnächst in 15 Jahre Gefängnis und Ausstoßung auF dem Heere gemildert. Arenb-rg verbüßt jetzt seine Strafe in Hannover. Auf eine Anfrage Eickhoffs erklärt Stübel, daß die Gefahr der Rinderpest sehr herabgemindert sei und daß ein Bu real reck nur in ge- ringem Umfange stattg^funden haben. — In der Budget-Kommission des preußische» Ab- aeordnetenHauses wurde bei der Forderung für die Saal bürg heroorgehoben, daß hier für eine Luxusausgabe wie die Ausstattung eines Standbildes des Kaisers Antoninus P ns 26,000 Mk. gefordert würden, während bei sehr not- wendigen Ausgaben oft ein Mangel an Mitteln vorgeschützt werde. Für die kunsthistorische Abteilung der Düsseldorfer Ausstellung werden 60,000 Mk. gewährt. — Betreffs der Ueberwachung des Zeichenunterrichts an den höheren Lehranstalten ist in einem Erlaß des preuß scheu Unterrichtsministers bestimmt worden': Da die bisherigen Revisionen des Zeichenunterrichts an höhere» Lehranstalten und Schullehrerseminarien verschiedener Provinzen ergeben haben, daß dieses Lehrfach einer besondere» fachmännischen Überwachung bedarf, wird der Zeichenunterricht an den höheren Lehranstalten, Schullehrerseminarien und staatlichen Lehrerinnenseminarien fortan einer geregelteu Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen sag: auch bereits in psychiatrischer Behandlung gewesen. Zur Zeit werden die Angaben Weilands durch polizeiliche Zeugenvernehmungen auf ihre Wahrheit hin geprüft. Der Verhaftete hat gegen 100 Personen als Zeugen namhaft gemacht, welche die Natur seines Leidens bestätigen sollen. Weiland macht auf die polizeilichen Organe und den Polizeiarzt nicht den Eindruck eitles Simulanten, auch gewinnt, was er angiebt, an Wahrscheinlichkeit dadurch, daß, wie bereits feststeht, sein Vater -in hohem Grade Trinker war. Aus seinen Papieren ergab sich daß er Joh. Diedrich Weiland heißt und 1881 in Bremen geboren ist. Nach seinen Angaben ist er Arbeiter, seit einiger Zeit ohne Erwerb. Weiter sagte er, daß er im Sanatorium des Dr. Standke geweilt habe. Krampfhaftes Zittern des Körpers befiel ihn etwa nach einer halben Stunde, während er vorher fest kraftlos da saß oder lag. Er behauptete, er müsse stündlich Medikamente wegen seiner Krankheit nehmen, er hatte eine gefüllte Schachtel aus der Apotheke bei sich. Weiland sah sehr heruntergekommen aus. Er trug eine verschlissene Hose und über einem blauen Kittel eine alte Weste und Joppe. Sein schwarzer Scblapphut war zerrissen. Sein Gesicht hat einen nichtssagenden, fast stupiden Ausdruck. Von einem blonden Schpurrbart sind die ersten Spuren zu sehen, während das kurz gehaltene Haupthaar dunkler ist. Das Wurfeisen ist 22 Ctm. lang, 5 Ctm. breit, 8 Mm. dick und 550 Gramm schwer, es ftammt von einer Rollthür. Bezugspreis viert,ljährl. Mk. 2.20, monatl. 7b Pfa. nnt Bringcrlotzn: durch dt» Lbtzolestellen Vierteljahrs Mk. 1.90, monatl. 65 Pfg Bei Postbezug »ierteljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld «Df ttKjetaee-BtnuUilun* ftrklrn dr» Zn- und «ndland«» Mtbrnen Anzrlaeu für de» •icfjencr Anzeiger cnigra«. ZrUenpreiv total is Dftv auetoärtB »0 UH». Das Attentat auf den Kaiser. Die Blätter sind einig darüber, daß das Attentat jeder politischen Bedeutung entbehrt, daß es nicht als die That eines politischen Fanatikers, sondern eines kranken, in seiner Zurechnungsfähigkeit beschränkten Menschen sich varstellt. Leider hat der Anschlag ernstere Folgen, als sich int ersten Augenblick übersehen ließ. Der Kaiser wird voraussichtlich etwa vierzehn Tage das Zimmer hüten müssen. Die Verwundung ist ziemlich nahe am Auge, das deshalb jetzt geschont werden muß. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Kaiser war bei der Abreise von Bremen auf der Fahrt vom Rathause nach dem Bahnhof einer ernsten Lebensgefahr ausgesetzt. Der Mensch, dessen Hand gegen die geheiligte Person des -ieichsoberhauptes das Eisenstück schleuderte, scheint nach, den bisherigen Feststellungen mit epileptischen Krankheits- erscheinungen behaftet zu sein, unter deren Einfluß er vielleicht bei Vollbringung der sinnlosen Unthat handelte. AuS dankerfülltem Herzen preisen wir das gnädige Geschick, welches über dem teuren Leben des Kaisers in dem verhängnisvollen Augenblick waltete. Der Kaiser bewahrte nach dem Anschlag eine außerordentliche Ruhe und verriet durch kein Anzeichen die Schmerzen, die sich bald nach dem Wurf einstellen mußten. Erst als auf dem Bahnhof ein kleiner Junge rief, der Kaiser blutet ja, wurde die Aufmerksamkeit der Umgebung des Kaisers, der bis dahin kein Wort über den Vorfall verloren hatte, auf die Verwundung gelenkt. Während der Rückfahrt nach Berlin untersuchte Leibarzt Dr. Jlberg die Wunde und legte den ersten Verband an. Der Blutverlust war erheblich, auch der kaiserliche Mantel wies Spuren davon auf. Der Kaiser machte noch während d er Fahrt von Uelzen dem Reichskanzler telegraphisch von dem Ereignis und der Art der Verwundung Mitteilung mit dem Hinzufügen, er habe mäßige Schmerzen, fühle sich aber sonst wohl. In würdiger Weise gaben die Kundgebungen im Reichstag und im preußischen Abgeordnetenhaus den Empfindungen Ausdruck, die allenthalben die Bevölkerung bewogen. Nach diesem zweiten Attentatsversuch innerhalb kurzer Zeit aber liegt die Frage nahe, ob die Vorkehrungen zum Schutze des Kaisers genügen. Es braucht durchaus nicht die Zahl von Personen für den Sicherheitsdienst vermehrt zu werden, es mag das System dieses Dienstes einer Prüfung und Vervollkommnung bedürfen. Auch die Auswahl der Beamten. Denn zur scharfen Beobachtung einer größeren Ansammlung von Menschen gehört eine ganz besondere Befähigung, die nicht durch sonstige dienstliche Eigenschaften, so schätzenswert sie sind, ersetzt werden kann. Der Attentäter soll vorher im Publikum ausgefallen fein. Das hätte von der Polizei bemerkt werden müssen. Andererseits aber wird zu wünschen fein, daß das beklagenswerte Vorkommnis nicht zum Ausgangspunkt gesetzgeberischer Aktionen genommen wird, ein Standpunkt, der den Scharfmachern in der Nähe des Kaisers leider nur zu nahe liegt lieber die Ausführung der That und die Persönlichkeit des Mannes, der sie begangen, liegen heute folgende Nachrichten aus Bremen vor: Als der Wagen des Kaisers an dessen Seite Bürgermeister Dr. Schultz saß, den Domhof vom Ratskeller her heraufkam, machte Weiland nicht etwa, wie von anderer Seite erzählt wurde, den Versuch, auf das Trittbrett zu springen und mit dem scharfkantigen und schweren Eisen nach dem Kaiser zu schlagen; er warf eS vielmehr mit starkem Schwung sofort auf den Monarchen ab. Der Kaiser wandte sich in demselben Momente grüßend zur Seite, das Eisen streifte seine rechte Wange und flog bann, ohne daß der Kaiser oder Dr. Schultz es wahrgenommen hatten, über den Wagen hinweg und auf dessen linker, entgegengesetzter Seite zu Boden, wo es ein Photograph alsbald aufhob. In demselben Augenblick wurde Weiland überritten, verhaftet und zur Polizei- direktion gebracht. Der Kaiser selbst hat, als ihn das Eisen streifte, eine etwa 4 Zentimeter lange Hautwunde davon getragen, aus der alsbald in dünnem Strahl Blut herabrann; instinktiv faßte er, als das Eisen ihn traf, mit bet Hand nach der verletzten Stelle, hatte jedoch zunächst ebensowenig wie sein Begleiter eine Ahnung davon, daß etwas Ungewöhnliches geschehen sei. Als er einige Sekunden später das Blut merkte, meinte er, gewiß habe wieder jemand mit einem Bouquet geworfen, dessen Draht ihn verletzt habe. Erst bei feiner Abfährt erfuhr er, woher in Wirk- lichkeit die Wunde stammte. Bei seinem ersten Verhör.erftarte Weiland, er habe keine Ahnung, wie er zu der ihm zur Last gelegten Thal gekommen sei. Er sei Epileptiker und leide an Aufregungs-Zuständen, während deren ihm das Bewußtsein schwinde; augenblicklich habe er einen solchen Anfall hinter sich. Er könne sich erinnern, noch bei Bewußt- fein gehört zu haben, daß der Kaiser nachmittags nach Bremen kommen werde. Von dem, was seither mit ihm geworden sei, habe er keine Ahnung, nur von einigen Szenen habe er eine dunkle, straumartige Erinnerung, so zum Beispiel von der seines Transportes nach dem Stadthause. Ganz unbekannt sei ihm dagegen, d a ß e r einen Ans ch l a g gegen den Kaiser ausgeführt habe. Geplant habe er jedenfalls einen solchen in keiner Weise, er bekomme in seinen Erregungszuständen gefährliche Wutanfälle; so habe er einmal infolge feiner Krankheit feinen Stiefvater mit dem Messer angegriffen und verletzt; ein andermal habe man ihn mit Gewalt davon abhalten müssen, in einer Fabrik feinen Arm in siedenden Theer zu stoßen. Er sei GietzeimRMger ” General-Anzeiger w ziehung der japanischen Truppen sehr befriedigt zeigt, betont daS Verlangen, anderswo einen gleichartigen Vorteil zu er- halten wie Rußland in der Mandschurei. Dem „Bureau Laffan" wird aus Peking gemeldet: Eine deutsche Truppe von 1000 Mann marschierte am 5. März von Paotingfu nach Fouping, einem ungefähr 70 engl. Meilen westlich belegenen Ort ab. Der Zweck der Expedition, die über den Antzeling Paß marschieren wird, ist, Oie kaiserlichen Truppen sür die Tötung von vier deutschen Soldaten bei Antzeling am letzten Sonntag zu bestrafen. ES wird beabsichtigt, die chinesischen Truppen nach Schaufi zu treiben. Politische Tagesschau. Aus dem bereits kurz erwähnten Berichte, den den heimgekehrte französische Regierungskommissar des Schari-- Gebiets, Gentil, dem Kolonialminister Deerais überreichte, erfährt man jetzt genaue Einzelheiten über den Tod d e S Forschungsreifenden de Behagle. Der Reisende hatte, wie. man bereits wußte, auf oie Versicherungen des einheimischen Gouverneurs von Kussuri hin sein Gefolge zurückgelassen und war nach Dikoa, der Hauptstadt Rabahs, gekommen, dem er sich als friedlicher Gelehrter und Handelsmann zugleich vorstellte. Rabah empfing ihn sehr huldvoll, machte ihm aber nach einer Weile das Anerbieten. die Gewehre, welche Behagle zurückgelassen hatte, gegen Waren einzutauschen. Als dieser die Notwendigkeit vorschützte, sich eines Tages der Waffen zu feinem Schutze zu bedienen, geriet Rabah in Zorn. Die Mißhelligkeiten mehrten sich hierauf und der schwarze Sultan ließ den Fremden in Ketten legen. Erst nach dem Gefecht bei Tog- bao und der Niedermetzelung der Expedition Bretonnet sandte er feinem Sohne Fadel-Allah den Befehl, den Gefangenen hinrichten zu lassen. Als diese Nachrickt de Behagle mitgeteilt wurde, erhob er sich von seinem Lager und sagte ruhig zu Fad-el-Allah: „Ich muß sterben. Die Franzosen fürchten sich nicht vor dem Tode. Ich bin bereit, aber laß Dir gesagt sein, daß man mich rächen wird." Auf dem Gange nach dem Richtplatze wandte sich de Behagle noch^ mals an den Sohn Rabahs mit den Worten: „Der Tod flößt mir keine Angst ein. Ihr aber müßt Euch auf das gleiche Schicksal vorbereiten. In drei Monaten wird dieses Land Euch nicht mehr gehören. Ihr werdet tot oder flüchtig sein." Diese prophetischen Worte gingen in Erfüllung. De Behagle wurde on den Galgen gehängt, wo sonst die Diebe uno Mörder büßen mußten. Die Leiche! warfen die-Henker in einen Brunnen. Man hatte geglaubt, es feg. dies der Brunnen, der sich in der Nähe des Galgens befindet. Alle Nachforfchunaen nach den Ueberreften blieben jedoch erfolglos. Jetzt hat Gentil aber in Erfahrung gebracht, daß es ein anderer Brunnen war, nämlich der zu dem Hause des Gastfreundes von de Behagle gehörende. Dort sollen Nachgrabungen vorgenommen werden, damit die Gebeine des Forschers ein ehrbares Grab erhalten, wenn sie nicht nach Frankreich übergeführt werden. Aufsicht unter ft HL Zu diesem Zwecke ist die Monarchie in RevisionSbezirke eingetellt. Die Revisoren haben alljährlich an den Minister über Die Ergebnisse der Revision Bericht zu erstatten. Geestemünde, 7. März. Das erste Schulschiff des deutschen Schulschiffvereins ist heute nachmittag auf der Werft von Tecklenborg vom Stapel gelaust». Herzvu Adolf Friedrich von Mecklenburg Schwerin taufte das Sch ff »Großherzogin Elisabeth" (zu ergänzen: von Oldenburg. D. Red.) Prinz Heinrich hielt folgende Ansprache: Mit Gmehmtgung der hohmFestoersammlung möchte ich in drei Worten besten gedenken, der unser Herz tief bewegt. Ick bin in de» glücklichen Lage, sagen zu könnm, daß eS Seiner Majestät den Verhältnissen nach gut geht. (Lebhaftes Bravo!) Eine Schonung von acht bis vierzehn Tagen wird nötig sein, um Seine Majestät wied-rherzusteUen. Ich möchte dem noch arcknüpfen, daß ich glaube mit Bestimmtheit sagen zu können, aus Grund mein-' Kenntnis des CbarakterS und des hohen Sinnes Seiner Majestät des Kaisers, Seine Majestät wird angrfichiS der treuen Bremer nicht iw mindesten auf den Staat Bremen auch nur ein Gränchen fallen last.n, was wider ihn sprechen würde. (Lautes Bravo.) München,„7. März. Der Prinzregent hat aus Anlaß seines 80. Geburtstages 307 Personen die gegen sie aus gesprochenen Strafen erlassen, gemindert oder ge mildert und 115 Personen den Rest der Strafe erlassen, so daß sie am 10. März in Freiheit gesetzt werden. Unter diesen befinden sich fünf, die seinerzelt wegen Mordes zum Tode verurteilt, aber zu lebenslänglichem Zuchthaus begna digt wurden und sich seitdem musterhaft betragen haben. Außerdem ist zum April die Begnadigung einer Anzahl von Verurteilten zu erwarten, deren Begnadigungsgesuche nicht mehr rechtzeitig geprüft werden konnten. Ferner hat der Prinzregent 47 militärisch abgeurteilten Personen die Strafe ganz erlassen oder gemilvert. Den Militärpersonen wurden alle bis zum 11. März verhängten und noch nicht vollstreckten Disziplinarstrafen erlassen. — Aus Anlaß des Geburtsfestes haben beide Gemeindekollegien beschlossen, auf der Terrasse vor dem neuen Nationalmuseum dem Prinzregenten ein Denkmal zu errichten und den Grundstein hierzu am 12. März zu legen. Preußisches Abgeordnetenhaus. Wetterberatung des KultusetatS. Beim Titel »Höhere Lehranstalten" legt Minister Dr. Studt dar, von welchen Gesichts- punkten die Regierung sich bei der Ausführung des Rooembereriasies leiten ließ. Die drei höheren Lehranstalten sind als gleiche wertig anerkannt und geben die Berechtigung zum Studium im allgemeinen. Neben allgemeiner Bildung wird, wie bisher, für gewisse Zweige eine Spezialbildung verlangt werden. Aut den Gymnasien soll di« humanistische Bildung den Mittelpunkt des Unterrichts bilden, auf den Realschulen Mathematik und Naturwiffenschaften. Während die Abgeordneten sich erhebtn, hält der Präsident folgende Ansprache: Der Ministerpräsident hat mir die Mitteilung zugehen laffen, daß Se. Majestät gestern abend in Bremen auf der Fahrt nach dem Bahnhof verletzt worden sind. Se. Majestät der Kaiser und König find am Gesicht verletzt worden durch ein eisernes Instrument, das von einem anscheinend unreifen Buben geworfen ist. Se- Majestät haben, wenn auch nicht erhebliche Verletzungen, so doch eine solche Ve'- letzung erlitten, daß Alleihöchstdieselben einige Tage werden zu Beti liegen müssen und daß die Wunde genäht werden muß. Ich weiß daß Sie Alle mit mir über diese fluchwürdige That denselben Abscheu empfinden wie ich. Ich bitte Sie, dem dadurch Ausdruck zu geben, daß Sie mit mir einsttmmen in den Ruf: Seine Majestät der Kaiser, Unser «llergnädigster König und Herr, Er lebe hoch!" Die Abgeord neten stimmen drei Mal in den Ruf ein. Hierauf wird die Sitzung auf eine halbe Stunde unterbrochen. Nach der W ederaufnahme begrüßt Beumer die obige Erklärung des Ministers und wünscht Gleich: stellung der drei höheren Lehranstalten auch bezüalich des ein jäh rigen Dienstes. Dr. Kropatschek warnt davor, die Anforderungen für das philosophische Studium herabzusetzen, und wünscht, da die Resorm, wie sie sich aus der letztjährigen Schu konferenz ergeben, nicht zweckentsprechend sei, eine neue Konferenz. Ministerialdirektor Althoff verteidigt den Standpunkt deS Ministers. Ausland. London, 7. März. Nach dem Handelsausweis für Februar ergab der Wert der Einfuhr eine Zunahme von 2069 631 Pfund Sterling, der Wert der Ausfuhr eine Abnahme von 2 182 396. Amsterdam, 7. März. Am Vormittag wurden im könig lichen Schlöffe Abordnungen empfangen, die Geschenke überbrachten. Die in Moskau lebenden Holländer überreichten eine Mappe mit Photographien von Rußland, insbesondere von Moskau, sowie eine silberne, zur Darreichung von Salz und Brot bestimmte Schüssel. Die aus Südafrika Aus- gewiesenen Überreichten eine HuldigungSadreffe. Das Nationalgeschenk der Niederländer ist ein Diadem, zwei Arm spangen, ein Halsgeschmeide aus Diamanten und Saphieren, alles Amsterdamer Arbeit. Amsterdam überreichte als Angebinde ein silbernes Tafelgerät, die Eisenbahngesellschaftev schenkten einen vollständigen, für die königliche Familie bestimmten Eisenbahnzug. Zahlreiche Vereine aus dem ganzen Lande und der Kolonien, Heer, Marine und die Bürgergarde sandten ebenfalls Geschenke. Das Hochzeitsgeschenk des Präsidenten Krüger besteht in einem silbernen Tintenfaß, das die „Gelderland" darstellt, die Krüger nach Europa brachte. Paris, 7. März. (Senat) Die Verhandlung über den Antrag betr. Schaffung von Einfuhrgutscheinen für Mehl und Getreide wird fortgesetzt. Der Ackerbauminister bekämpft den Antrag, der für den Staatsschutz ge- Ehrlich sei, und führt aus, es heiße Staatssozialismus treiben, wenn man Getreide den MindestoerkaufSpreiS sichern wollte. Es fei nicht richtig, die Zollrückvergütungen t al0 ®cifpiel anzuführen, denn Deutsch ®ctfrreibc ein, während Frankreich solches ausführe. Das für Gutscheine geopferte Geld würde hauptsächlich in die Taschen der Zwischenhändler und Spekulanten fließen. Schwurgericht. K. Gießen, 7. März. Scl)luß in der Strafsache gegen Leschhorn, Walther und Hahn wegen Körperverletzungmittötlichem Erfolg. Staatsanwalt Koch bedauert zunächst, daß ein der- artiger Fall vorgekommen sei durch Verschulden der Ortspolizei, die damals in keiner Weise ihre Pflicht gethan hätte. Nur dadurch wäre es möglich gewesen. daß halbwüchsige Burschen unter Führung eines verrohten Erwachsenen derartige brutale Streiche hätten ausführen tonnen. Insbesondere kennzeichnet er das Verhalten des Leschhorn nach dem Tode des Ntohr als einen Akt brutalster Rohheit — er hatte den im Tode Röchelnden ins Gesicht uriniert. Er ruft den Geschworenen ins Gedächtnis, daß sie hier seien, um Sühne zu schaffen für das zum Himmel schreiende Verbrechen. Seiner Ansicht nadj sei der ganze Vorfall vom Brettschneiderschen Hause bis zum Gutshos eine fortgesetzte Schlägerei. Aus diesem Grunde, und da bid medizinischen Sachverständigen feine Frage, ob es medizinisch zweifellos sei, daß der an sich gesunde Mohr auf dem Weg von Brettschneiders bis zu der Stelle, wo er gestorben sei, Verletzungen erhalten habe, die den Tod herbeigeführt hätten, einstimmig bejaht hätten, bitte er die Fragen bezüglich des Raufhandels aus § 227 Str.-G.-B. zu bejahen, die Frage bezüglich der Folgen desselben aber bei Hahn zu verneinen. Rechtsanwalt Mendelsohn betont zunächst, daß es nicht richtig sei, bei derartig verwickelter Sachlage an die Spitze der Ausführung einen Appell an das Gefühl der Entrüstung ob der Rohheit der Handlung zu stellen, wie es der Staatsanwalt gethan habe. Gerade hier sei es Pflicht der Geschworenen, ruhig und sachlich die Beweise zu prüfen und auf Grund dieser Prüfung ihr Urteil abzugeben. Er bestreitet die Behauptungen des Staatsanwalts, daß alles zweiffellos feststehe. Sein Klient habe zwar an der Schlägerei teilgenommen, daß er aber ein gefährliches Werkzeug benutzt habe, fei nicht erwiesen. Er müsse bestreiten, daß es sich um eine einheitliche Schlägerei handle. Es müßten die einzelnen Handlungen getrennt werden. Er bittet, alle Hauptragen zu verneinen bis auf die Frage, die sich auf (b;e gemeinschaftliche Begehung des Vorfalls beim Mörschelschen Hause beziehe, ebenso mildernde Umstände zuzubilligen. Rechtsanwalt En gisch, Verteidiger des Hahn, führt aus, ein Klient fei an der ganzen Sache überhaupt nicht beteiligt gewesen, er sei nur durch die Aussagen der Zeugen Glockengießer und Ruppel, die sich selbst hätten reinwaschen wollen, in die Angelegenheit verwickelt worden. Lina Groß und Wilhelm Hahn hätten unter ihrem Eid nur Entlastendes ür seinen Klienten ausgesagt, auch sei demselben von allen Zeugen das beste Leumundszeugnis ausgestellt worden. Er beantragt, da für feinen Klienten Belastendes nicht erwiesen sei, die Schulbfragen bezüglich desselben zu verneinen, da er für den unglückseligen Zufall, in bie Angelegenheit verwickelt worden zu sein, durch feine hunderttägige Untersuchungshaft eine hinlängliche Strafe erhalten habe. Rechtsanwalt Katz, Verteidiger des Leschhorn, bittet, mit kühlem Verstand ohne Leidenschaft an die Beurteilung der Sache heranzutreten. Alsdann versucht er, die Geschworenen zu überzeugen, daß sich sein Klient bezüglich des Mohr nachgewießenermaßen in den drei ersten Fällen einer Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs nicht chuldig gemacht habe, daß bezüglich der nachgewiesenen ein- achen Körperverletzungen bezüglich des Schurka kein Strafantrag vorliege, und beantragt, da bezüglich des vierten Falles Mohr nicht erwiesen sei, wer diesen Schlag geführt habe, Walther oder Löschhorn, alle Schuldfragen bezüglich eines Klienten zu verneinen, eventuell wenigstens nur die Hauptfrage 37a bezüglich der Beteiligung desselben an dem Raushandel zu bejahen. Der Staatsanwalt bittet die Geschworenen, seinen Anträgen zu entsprechen. Die Verteidiger begründen nochmals ihre Ansichten und Anträge, wobei die Rechtsanwälte Mendelsohn und Katz die besonders gegen sie erhobenen Angriffe der Staatsanwaltschaft zurückweisen und darzuthun uchen, daß sie sich alle Mühe gegeben hätten, Klarheit in liefe verworrene Sache zu schaffen. Nach der dreiviertel- tünbigen Rechtsbelehrung ber Geschworenen zogen sich biefe zur Beratung zurück. Nach ungefähr einer halben Stuckde verkünbete ber Obmann, Hofbuchhänbler Fr eesvon Gießen, ben Wahrspruch ber Geschworenen bahin, daß bie Frag cm 1—17 verneint worben finb, weshalb bie Fragen 18—35 auszufallen hätten. Die Schulbfragen 36 unb 37 bezüglich ber Beteiligung bes Walther unb bes Löschhorn an einer Schlägerei ober einem von mehreren gemachten Angriff, woburch ber Tob bes Jakob Mohr verursacht toorbem fei, werben bejaht, bie gleiche Frage 38 bezüglich bes Hahn verneint. Ebenso werben bie Nebenfragen, ob einem Angeklagten eine von mehreren Verletzungen bes Jakob Mohr zur Last falle, welche nicht einzeln, fonbern nur burch ihr Zusammenwirken ben Tod bes Jakob Mohr verursacht haben, bezüglich ber Angeklagten Walther unb Löschhorn bejaht, auch bie Frage ber erforberlichen Einsicht bezüglich Walthers bejaht, biesem aber auch andererseits milbernbe Umftänbe zugebilligt, bie bem Löschhorn versagt werben. Die Schulb- tage 39 bezüglich ber Körperverletzung bes Arno Hofmann seitens bes Walther wirb bejaht, ebenso bie Neben- rage, ob er bie erforberliche Einsicht gehabt habe. Darauf beantragt ber Staatsanwalt bezüglich des Hahn Freisprechung, bezüglich bes Löschhom 4 Jahre Zuchthaus unb Aberkennung ber bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von fünf Jahren, bezüglich bes Walther für ben Fall Mohr 2 Jahre, für ben Fall Hofmann 4 Monate, bezw. eine Gesamtstrafe von 2 Jahren 2 Monaten Gefängnis, bie Anrechnung ber Untersuchungshaft stellt er ins Ermessem bes Gerichts. Rechtsanwalt Menbelsohn hält bieStrafe für zu hoch unb bittet um Aufrechnung ber Untersuchungshaft unb um Entlassung bes Walther aus ber Haft, da Fluchtverbacht nicht mehr vorliege. Rechtsanwalt En gisch stellt keinen Antrag, ebenso nicht Rechtsanwalt Katz, ber nur bie Untersuchungshaft anzurechnen bittet. Dem Antrag auf Haftentlassung bes Walther wiberspricht ber Staatsanwalt, worauf sich ber Gerichtshof zurückzieht. Nach etwa viertel- stünbiger geheimer Beratung verkünbet ber Präsident folgendes Urteil: 1) Hahn wird freigesprochen, 2) Walther erhalt wegen Vergehens bezw. Verbrechens ber Körperverletzung unb des Raufhanbels 1 Iahr 4 Monate unb 4 Tage Gefängnis, worauf 4 Monate unb 4 Tage von ber erlittenen Untersuchungshaft aufgerechnet werben: 3) Löschhom 2 Jahre Zuchthaus, auf welche 3 Monate Untersuchungshaft aufgerechnet werben, auch werben ihm auf 5 Jahre bie bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Die Kosten tragen Walther unb Löschhom je zu vier Zehntel: zwei Zehntel fallen der Staatskasse rur Last. Der Antrag auf Haftentlassung des Walther wird wegen Fluchtverdacht abgelehnt. K. Gießen, 8. März. Um 9 Uhr morgens kommt bie vierte Anklage zur Ver- t>anbhinQ Ten Vorsitz führt Landgerichtsral Dr. Schäfer, als Beisitzer fungieren die Landgerichtsräte Seeger unfr Dornseiff, Vertreter ber Staatsanwaltschaft Gerichtsassessor Dr. Maurer, Verteibiger Rechtsanwalt Rosenberg. — Tie Anklage richtet sich gegen ben Maurer Karl Habicht wegen versuchter Notzucht. Er ist 28 Jahre alt und lebig, wohnhaft in Engelrob. Der Angeklagte ist wegen Sittlichkeitsverbrechens mit 1 Jahr 3Monaten Gefängnis schon vorbestraft. Es werben zwei Hauptfragen wegen Notzuchtsversuchs unb Hausfrie- bensbruchs,im Falle ber Bejahung ber ersten Frage noch eine Nebenfrage auf milbernbe Umftänbe unb eine auf Be- leibigung aus § 185 St.-G.-B. festgelegt, nachbem ber Vor- sitzenbe aus ben Akten konstatiert hatte, baß seitens des Vaters ber Wißmann Strafantrag wegen Hausfriebensbruch gestellt worben ist. Der Staatsanwalt sucht in längerer Ausführung barzulegen, baß Notzuchtsversuch unb Hausfriebensbruch vorliege unb bittet beshalb, bie beiben Hauptfragen zu bejahen, bie Nebenfrage auf milbernbe Umstände zu verneinen, alsbann falle bie Hilfsfrage wegen thät- licher Beleibigung weg. Rechtsanwalt Rosenberg führt aus, baß feiner Ansicht nach ber Thatbestanb bes Notzucht- Versuchs unb bes Hausfriebensbmchs nicht vorliege, er bittet beshalb bie Geschworenen, bie beiden Hauptfragen zu verneinen unb bie Hilfsfrage zu bejahen, eventuell bittet er, im Falle ber Bejahung ber .Hauptfragen bie Neben frage bann auch zu bejahen. Nach. Replik unb Duplik bes Staatsanwalts unb bes Verteibigers tritt ber Vorsitzenbe in die Rechtsbelehrung ein. Alsdann ziehen sich bie Geschworenen zur Beratung zurück. Bei Schluß ber Rebaktion bauert Die Sitzung fort. Aus Stadt und Land. Gießen, 8. März 1901. • * Am Großh. Gymnasium fand die mündliche Reifeprüfung statt, bei welcher der Direktor zum RegierungS- oertreier ernannt war. Sämtliche 15 Prüflinge konnten für bestanden erklärt, und 8 davon der mündlichen Prüfung von vornherein enthoben werden. * ♦ Kammer Eingänge. Abg. Sor eil und Genoffen beantragen : JuKapiiel60, Entschädigung fü^r getötetes und gefallenes Vieh in Seuchefällen, statt 32500 35000 Mk. zu bewilligen. — Abg. Dr. Frenay und Ge» «offen stellen den sehr bemerkenswerten und hoffentlich zur Annahme gelangenden Antrag, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, bei dec Aufstellung des nächstjährigen Budgets die Anstellung von nicht akademisch technisch gebildeten, womöglich dem Arbeiter stände entnommenen Hilfskräften der Gewerbeinspektion ins Auge zu faffen". * • Schiedsgericht für Arbeiter-Berficherurrg. Die gestrige Sitzung des Schiedsgerichts leitete Kreis amtmann Hein richs. Beisitzer seitens der Arbeitgeber: Kaffenschrankfabrikaat Krogmann und Bäckermeister Löb er, der Arbeitnehmer: Brauer Holtberg und Buchdrucker Keßler. ES standen 7 Falle zur Verhandlung. In zwei Fällen wurden die, eine Rente beantragenden Arbeiter abgewicsen, in einem Falle dem Arbeiter die Rente erhöht; ebenso einem Arbeiter eine Rente ;ugesprochen, die die Steinbruchs-BerufSgenoffenschaft abgelehnt hatte; in zwei Fällen wurden nochmals ärztliche Gutachten eingefordert, und im siebenten Falle nochmals eine Lohnliste eingeholt, um zu einem Entscheide kommen zu können. 8. Kirchenksnzert. Wir wollen noch einmal auf bei gottesdienstlichen Charakter der Aufführung der Johannes- Passion aufmerksam machen. Die Passion selbst bietet [ja nur die Erzählung und Darstellung deS Leidens Jesu Christi, also gewiffermaßen eine musikalische Predigt. Während In Den Bach'fchen Passionen die subjektiven Empfindungen der Gemeinde durch den Chor und die Solisten in mannigfachster Weise zum Ausdruck kommen, so giebt hier die Gemeinde selbst die Antwort auf die ihr durch den Chor zuteil werdende Verkündigung. ES gehört dann aber auch zur Wirkung deS Ganzen, daß die Gemeinde in die Choräle, die sämtlich ihr wohlbekannte Melodieen haben, auch kräftig einstimmt. DaS gilt ganz besonders auch von dem Schlußchoral, in dem bie ganze Pasfionsfeicr ausklingt. ES wird darum dringend gebeten, daß Niemand seinen Platz und die Kirche verläßt, ehe diese beiden Schlußverse zu Ende gesungen sind. ** Die Hauptversammlung des „Katholischen Lehrervereins im Großherzogtum Hessen" wird, da Gau Algesheim aus verschiedenen Gründen nblehnt, im katholischen Vereinshause in Bingen tagen. Für die Mitglieder des Katholischen Lehrer- Vereins sollen in der Woche nach Ostern in Mainz Lehrer- exercitien abgehalten werden. Die Leitung derselben übernimmt voraussichtlich der Abt Wilibrord von Maria Laach. —nn. Friedberg, 7. März. In der heutigen Sitzung ber Hanbelskamnier teilte ber Vorsitzenbe mit, baß bie Stabt Friebberg für eine hier zu schaffende ReichS- banknebenstelle im Höchstbetrage 500 Mark bewilligt habe. Beim ersten Punkt ber Tagesorbnung: „Entwurf von Bestimmungen über bie Bilbung eines hessischen Han- belskammertages" wirb ber Entwurf ber Bingener Hanbelskamnier verlesen, ber betont, baß bie einzelnen Hanbelskammern sich ihre Selbstänbigkeit möglichst wahren sollen. Man schließt sich biesem ohne weiteres an. Zur Besprechung kommt weiter ber Fahrplan ber Hom- burg-FriebbergerBahn, wobei betont wirb, baß man bie Interessenten wenig berücksichtigt hat. Man beschließt, bei ber Äsenbahnbirektion zu reklamieren, baß bei erste Zug morgens etwa um halb 8 Uhr hier ist. Ein Antrag von Schotten wünscht mancherlei Aenberungen im Post- unb Eisenbahnverkehr. Schäfer-Bübingen teilt mit, baß ähnliches von Bübingen aus beabsichtigt wirb. Der Vorsitzenbe weist barauf hin, baß entsprechenbe Reklamationen bei ben Behörben, soweit fie allgemeine Interesse« haben, beabsichtigt sind. Es wirb vom Sekretär ein ent» sprechenber Entwurf verlesen. Sobann teilt ber Vorsitzende mit, baß eine Liste sämtlicher Mitglieber unter Einteilung in Branchen angefertigt worben ist: es seien ungefähr 900 Interessenten, bereu Zahl bald auf 1000 steigen würbe. Darunter seien ungefähr 100 inbustrielle Betriebe, während bie übrigen Hanbelsfirmen seien. Es wirb auch eine Reform der Kommunal- und Gewerbesteuer vei> langt. Sobann sprach man sich für Einführung von Staffeltarifen für Holz aus ben östlichen Pw- H-iiH A« alt ± l2.3 Monaten 'Mi Haupt- Musfrie. Frage noch eine auf 5up ^em der $or_ Ä^iS i 'Ä’M e beiden ham° le biegen tbät- ÄH"aus, bes Notzucht- dorlieg^ u Hauptfragen eventuell bittet dle Nebensätze M des Staats- rntzende in die le AschworeneL -oaktion dauert - Mrz 1901. endliche Reife« m RegiewsgS' iftingt konnte» üchrn Pcksuvg ib Genoßen bt* iü'(x getötetes :n, statt 32500 renay und Ge- । hoffentlich zur wolle die Regie- jährigeu Budgets -nifch gebildeten, menen Hilfs- Suge zu fassen-, j. Die gestrige atmann §eiib nschranksadnkaat er «rbeitnehmn : ;er. SS standen wurden die. tiie i einem Falle dem ■beitet eine Rente loffenffaft abge- i ärztliche ®ut* nochmals tiut scheide lmmv einmal aus bei der Johannes- n selbst bietet sj- denS Jesu Wifi', igt Mhrend >» klnpfindungii der in mannigfachster tr bie Gemeinde )r inteil werdende iur Wirkung des bie ii-M chl mal, ta t*1“ ix» u«b die M terfe i« 6,61 Mett MteneteW dien Lereinsh^ tatholischenLeh"' :s? asWde Deichs- ; ^ElbewiM «Äa* s singe»" M S einzeln" daß bre Mren f <3* weEx $üin ÄV» ^AendeofA"?! steigt ? ivahren /^Teilte r>SS> i de" 01 Arbeiterbewegung genommen. Wetter März Z Bew. Himmel März Frankfurt, den 7. Märt B1'» % Beiohsanloihe do 3 t-l/j Konsole Tei.denz still. 9“ 7« 2« 733,4 786,8 740,4 4,7 4,3 4,2 84 90 54 2 2 2 + 2,8 4- 0,6 + 79, 0. C. 97.85 8850 97.85 88.30 94 50 96 10 45.00 25.80 26 05 82 8 ) Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. 8taatsbahn Gottbardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . . Hurpener . . . . 5 ■e •fi XI i + 6.3’ 4- 1.9® 6.-7. B*/2% Hessen . . . 6 7, Italien. Rente . . 4 3/ü Griech, Monop.-Anl. 8 7o Portugiesen . . 3 o/y Mexikaner . . . 4Ve 6/q Chinesen . . s I 8. 8E. 8E. Kirchliche Nachrichten, »»asgeltjchr Semeiutze. Sonntag den 10. März. Oculi. Gottesdienst. . 217.80 . 184.81 . 134.50 . 151.00 . 152 80 . 145.6'. . 167.25 . 204 00 . 189 70 . 170 10 ZL H Meteorologische Beobachtungen der Station Gieren. Katholische Gemeinde. SamStag den 9. März N.chmttlagS um 4«/e Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenhell zur heil. Beichte. Sonntag den 10. März. 8. Fafiensonrrtag. Vormittags von 67, Uhr an: Gelegenheü zur HU Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Messe: vor und in derselben tluSteduna der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. , um 9*/i Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2*, Uhr : Christenlehre: darauf Fastenandacht. Mittwoch abend um 6 Uhr ist Fastenandacht. Gottesdienst in der Synagoge, Südantage. Israelitische Religionsgemcinde. SamStag den 9. März 1901. f| Borabend 6 Uhr, morgens 9 Uhr, nachmittags 8 Uhr Schrift- erklärung, SobbathauSgang 7 Uhr 7. 8. 8. Vermischtes. ♦ Berlin, 7. März. Der frühere Polizeiagent Schiller, der kürzlich in der Könitz er Angelegenheit als Berichterstatter thätig war, ist heute auf Ersuchen der Konitzer Staatsanwaltschaft wegen Anstiftung und Verleitung zum Meineide hier verhaftet worden. «Gelsenkirchen, 7. März. Auf Schacht drei, der in der Gemeinde Bismark gelegenen Zechenkonsolidation ereignete sich nachmittag« eine Explosion schlagender Wetter, wobei anscheinend eine größere Zahl Bergleute verunglückte. Bis nachmittags 5»/z Uhr wurden 6 Schwerverletzte zu Tage gefördert« A 7t, do Höchste Temperatur am Niedriaste „ „ 55 Gerichtssaal. P. Gieße«, 8. März. Gewerbegericht. In der heutigen Sitzung des Gewerbegerichts führt Beigeordneter Wolff den Borsitz, als Beiftfaer fungieren die Herren Wilh. Lsucht und Schriftsetzer Hensel. Au Beisitzern für das Sitzungsjahr 1901/02 werden gewählt aus dem Stande der Arbeitgeber die Herren Friedrich Hennings, Eduard Krumm, Jean Kirch, E. H Müller, Karl Stohr, Karl Bcrg, Gustav Gerhardt Louis Emmelrus, C. A. Faber, Ludwig Pirr, Heinrich Leib und Heinrich Winn; aus dem Stande der Arbeitnehmer bie Herren: Johann Schäfer, Christian Petersen, August Bock, Wilhelm Laucht, Adolf Hens-l, Heinrich Baum, Gustav Krüger, Heinrich Männche, Johann 8 Rudolph, Gustav Holtberg, letzterer muß für 2 andere ausgeschiedene Beisitzer im ganzen 8 Monate Beisitzer sein. — Dann wird die Klage deS Werkmeisters Sauer gegen die Zigarrenfabrik Plank & Schneider vorgenommsn. Der Kläger fordert von der Firma einen rückständigen Lohn von 36 Mk »egen angeblich unberechtigter Entlaffung. Des Vorsitz nden Bemühungen einen Vergleich herbeizuführen, blieben erfolglos. Die Verhandlung er- giebt sehr viele Widersprüche, sodaß der Termin zur Beweisaufnahme und Zeugenvernehmung auf den 11. März vertagt wird. Alsdann klagt der Schlaffer Weidenhaus gegen den Schloffermeister Wolf von hier wegen einer Lohnfoderung von 68 Mk. Auch diese Sache wurde vertagt. Mainz, 6. März. Heute wurde vor dem Schwurgericht dis vach Mit ernacht über einen Totschlag verhandelt. Der 24jährige S» yo Fuhrkuecht Nikolaus (Briefer auS Frauenfeld hat am 25. Nov mbe* in Bungen bei bschlagen. K°tz, »in srtedserttger Mensch, halte sich den Hat deS HausgärtnerS, drS fünfzig Jabre alten Wilhelm Schröder auo Gioh-WonSdorf, zugezogen und dieser h tzte fortgesetzt den G teier zu b.-r Mordthat aus. Schi öder ist deshalb der Anstiftung und B-tbilse «geklagt Der Dienstkn'cht Johannes Arn et aus Stnz (Schweiz), b/» Uhr: Kinderkircke für bte Matthäusgememde. Pfarrer Schlosser. Abends 6 Uhr: Johanrre-paMon von H- Schütz. Der Eingang am Turm ist nur für die Sänger und bte mit Karten versehenen Mitglieder des Kirchengesangvereins geöffnet Kindern kann bei dem zu erwartenden Zudrang der Eintritt nur in Begleitung ihrer Angehörigen gestattet werden. Freiwillige Beiträge zur Deckung der Kosten werden in Die ausstehenden Opferbecken erbeten. a m Sonntag den 17. März findet im Abendgottesdtenst Betchte und heil. Abendmahl für die Matthäus- und MarkuSgememde gemeinsam statt. Anmeldung zuvor bei dem Pfarrer ieder Gemeinde erbeten. I« -er JohauueSkirche. vinzen vertreten: Eduard von Gebhardt mit 3 bedeutenden Werken, Franz viele Familien sind ohne Arbeit, mehrere gewerbliche Betriebe sprecher Courtens mit einer Waldlandschast, Keller-Reutlingen, Lud. die Absicht aus, die Arbeit auS Mangel an Kohlen und Rohmaterial I Willroider, L von Zumbusch mit neuen soeben vollendeten Gemälden, cinzustellcn, und es ist die Rede davon, gewisse Bureaubeamte de- $ von Lenbach mit 3 Portraits, und die beiden verstorbenen belgischen Sch ff'ehrtS-Gesellschasten zu verabschieden. Auch unter den Streikenden Mister Euaäne Verboeckhoden, der Thiermaler und Franyor« macht sich daS Ellud fühlbar; eS herrscht jedoch vollkommene Ruhe Musin der Marinemaler, mit je einem Werk. Die Ausfüllung enthält obaleick die Zahl der ©ireiTcnben auf den QuaiS größer ist, alS ße= I ferner eine große Anzahl auSgewählter Werke anderer Meister, rote H. v-tzhnltch. I Barsch, G. von Bachmann, Anton Burger, Viktor Gilsonl ———IMathieu, Ulde, Zügel rc. rc. Bekanntmachung, brtt Verkauf von Hausbraudkohleu durch die Etadt betreffeud. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß der auf Oswalds Garten eingerichtete Kohlenverkauf an Minderbemittelte mit Freitag den 8. l. MlS. eingestellt wird. Gießen, den 7. März 1901. 1852 Großherzogliche Bürgermeisterei Lietzen. __________________I. V.: Wolff.__________________ Ardeitsvergebung Nachstehend verzeichnete Arbeiten für das städtische Gaswerk sollen auf dem Wege der öffentlichen Aurschreibung »ergeben werden: 1. Die Herstellung von rund 210 qm Bafalt Kopf- steiupflafter für eine Rollbahn auf dem Hose des Gaswerks. 2. Die Aufführung von zwei kleiueu Gchuhmaueru für die Gasbehälter-Böschungen. Die Bedingungen, Arbeitsbeschreibungen und Zeichnungen ttegen während der Dienststunden auf unserem technischen BÜreau zur Emsichtnahme offen. Angebote sind bis zum 15. d. Mts., mittags 12 Uhr. verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bei uns einzureichen. Gießen, den 8. März 1901. 1858 Städtisches Gas. und Wasserwerk Gießen. Otto Beraen. HT Fast netter ~W1 Musikautomat verkaufen. 0798 Wilhelm Dorfeld, ZViefeL. o«x> OOO ttsiaff Philoloae erteilt gründ!. W privat-u Aachhikfenuterricht. NäbereS in der Exvedttion. 0796 Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister, Abt. A, wurde unter Nr. 44 eingetragen die Firma „Bruno Büttner, Cigarrenfabrikate" zu Gießen; Inhaber: Kaufmann Bruno Büttner daselbst. Gießen, den 5. März 1901. Grobherzoglich S Amtsgericht.1^47 (liiiipfrliliuiihii Stöbt. Schlachthaus. Freibank. 1756 Heute nud morgen: ßuhSeisch 54 psg. KaGM 50 psg. fetnße Geschirr- und Wageil-Federglaiijschwijrze ist ein unübertroffenes Leder« KonservierungS - Schwärze« und Glanz-MiNel. 1853 «rotze Flasche 1,50 Mk. Otto Schaaf, Kietze«.__________Settersweg 39. versckned. Art flels WA* vorrätig bei 858 Schreiner -Steller, Schillerstraße 9. la. Baumwachs, Bast empst hlt 0762 Gust. Walter, Maasbusg 13 Kopfsalat, empfiehlt 0817 Karl «aufma«, Bahnbofftr. 11. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verluste meiner lieben Frau und unserer guten Mutter, sowie für die vielen Kcanz- und Blumenspendm, Begleitung zur letzten Ruhestätte, und besonders für die trostre'chen Worte des Herrn Pfarrers Euler, sowie für die opferwillige Behandlung seitens des Herrn Dr. Kipper während ihrem Krankenlager sagm wir unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Aug. Becker und Kinder. Gießen, Bergwerk, den 7. März 1901. i860 Schneider, auch verheiratet, in dauernde Stelle gesucht Braubach & Fischer Färberei und chemische Wäscherei, Hochachtungsvoll Ludwig Scherff. Eine Köchin nach FrankfurtEgesucht. 0880 MdmWrGchWttkiiGießki Montag bett 11. März keine Probe. NWe Probe: Donnerstag den 14. May. «in sehr schäuer, moderner Laden mit einem großen Schattfenster «.großem Hinterzimmer in vor- züglichster Geschäft-, tage sogleich zu vermieten. Gest. Offerte« «»ter E. K. 1378 W die Expedition. 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