Nr. 58 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Samstag 9. März 1901 Erscheint täglich mit Suönahmr deS Montag-. Dir Gießener Lamilien- Glätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" und „Blätter stir Hess Volkskunde" vier« mal wöchentlich beigelegt. Annahme von Anzeigen *■ der nachmittag» für den felfltnbtn Tag erscheinenden Nummer bi» vorm 10 Uhr Adbeftellungen f pätesten» abends vorher. Redaktion, Expedition und »rudrtei- Zchulftrahe 7. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezngspreir vicrteliShrl. Mk. 2.20, rnonatl. 75 Pf^. init Bringerlohn; durch dx Abholestellen vierteljährl. Mk. 1.00, rnonatl. 65 Pjg. Bei Postbezug vierteljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld Alle Anzeigen vermilitung«. stellen de» und AuSlantv« nehmen Anzeigen für bce Lief,euer Anzeiger enigeg««. Beiltnprtl# total 11 Pf»» auomärta 80 Pfg. Adreffe für Depesche»: Anzeiger Siehe». Fernsprechanschluß Nr. Al. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: Bezug von Saatkartoffelu. Ich bitte um alsbaldige Aufgabe von Bestellungen auf Saalkartoffeln, und bemerke dabet, daß dir Bezug aus Schlefien beabsichtigt ist, unter Garantie frostfreter Lieferung. Gießen, den 8. März 1901. Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, v. Bechtold. Politische Tagesschau. DersammluogSauflösuugeu find in Hessen etwas außer ordentlich Seltenes. In den menten Fällen werden ja Versammlungen in unserem Lande übe>h iupt nicht mit Besuchen der Polizei beehrt. Nun ist |ubt r daS Seltene doch passiert, und zwar in Seligenstadt, wo eine Anzahl Männer, wie an allen Ecken und Enden Deutschlands, Pro- lest einlegen wollten gegen die Erhöhung der Getreide- -ölle. Em Sozialdemokrat hatte diese Versammlung ein berufen. Er sprach über die Handelsverträge und die drohenden Getreidezollerhöhungen und ließ es dabei auch an Ausfällen gegen das Centrum nicht fehlen. Zwei katholische Geistliche wehrten sich nun ihrer Haut und führten ihre Waffen gegen die Sozialdemokratie ins Feld. Dadurch wurde die Diskussion bald außerordentlich lebhaft, und als der Vorsitzende der Versammlung einen der Herren Kapläne darauf aufmerksam machte, daß er bei seinen Ausführungen den Gegenstand der Tagesordnung ganz und gar verlassen habe, auch dadurch ein kleines Stürmchen im ©digenfiäotcr Wasserglase entfacht, und der anwesende Gendarm glaubte gut zu thun, daß er die Versammlung aufgelöst erklärte. Der Gendarm bat ja zweifellos im besten Glauben gehandelt, aber die Auflösung war, wenigstens soweit wir aus Zeitungsberichten ersehen können, doch wohl nicht unbedingt geboten. Wir haben unser gutes Versammlungsrecht, und unserer Regierung liegt es durchaus fern, ein strenges Polizeiregiment zu führen. Sachsen-Weimar, wo der Herr Minister v. Wurmb alle sozialistischen Versammlungen verbietet, ist für uns kein Vorbild. In den letzten Tagen gerade ist im Landtag die Rede gewesen von der allgemeinen Koalitions freiheit, hat man von einflußreicher Seite ausgesprochen, daß vor den politischen Anschauungen die Leistungsfähigkeit jedes Mannes rangiert. Wir stehen im Begriff, ein freiheitliches Landtagswahlrecht zu erhalten, um das uns die meisten anderen deulschen Staaten beneiden werden. Da sollten auch die unteren Verwaltungsorgane angewiesen werden, Rigorosi täten zu unterlassen. Damit würde auch dem zweifellos gänzlich unbegründeten Verdacht wirksam begegnet werden," daß die Regierung im einseitigen Interesse einer Berufsklasse die Bewegungsfreiheit anderer Kreise der Bevölkerung zu be- hindern trachtet. Dem Bundesrat ist der Entwurf einer Novelle zum Branntweinsteuergeseh hugegangen. Darnach soll der Bundesrat ermächtigt werden, jährlich festzusetzen, daß ein bestimmter Prozentsatz der Spiritusproduktion für gewerbliche Zwecke denaturiert, der trinkbare Branntwein also entsprechend vermindert wird. Unter dem Schutze der Kontingentierung der Produktion und der bekannten Steuerdifferenz von 20 Mark pro Hektoliter, der sogen. „Liebesgabe", hat sich der Spiritusverbrauch in Deutschland wesentlich gehoben. Die Zahl der Brennereien hat sich in zehn Jahren von 48 000 auf 60 000, also um 25 Prozent, vermehrt, und die Gesamtproduktion wird für das nächste Etatsjahr auf 4 Millionen Hektoliter veranschlagt, während sie vor 12 Jahren nur zweieinhalb, und noch vor drei Jahren nur dreieindrittel Millionen Hektoliter betrug. Um nun die Preise für den Trinkbranntwein hoch zu halten, muß man ©oreje tragen, daß die Nachfrage das Angebot überwiegt. Der Kontingentierung wird nicht mehr die steigende Bevölkerungsziffer, sondern der fünfjährige Durchschnitt des wirklichen Verbrauchs zu Grunde gelegt. Die Brennereien, die dem „Spiritusring" angehören, haben schon jetzt einen Teil ihrer Produktion denaturiert, um ihn steuerfrei für gewerbliche Zwecke verwenden zu können. Die außerhalb des Ringes stehenden Brennereien kommen dabei allerdings noch besser fort, indem sie die hochgehaltenen Preise gleichfalls erzielten, ohne doch in gleichem Maße eine Denaturierung vorzunehmen. Gegen sie richtet sich die gesetzliche Einführung des Denaturierzwanges. Sie sollen genötigt werden, auch ihrerseits an der Verminderung des verfügbaren Quantums von Trinkbranntwein sich im entsprechenden Verhältnis zu beteiligen, und werden dann natürlich am besten thun, ohne weiteres dem „Ring" beizutreten, da ihnen das Fernbleiben keinen Vorteil mehr bringen kann. Ob sich die Reichstagsmehrheit dazu herbeilassen wird, mit Hilfe der Gesetzgebung eine Jnteresfentenvereinigung, die schon jetzt über ungewöhnliche Machtmittel verfügt, noch mehr zu kräftigen, erscheint fraglich. Daß die konservativen Parteien der Vorlage zustimmen, die antiagrarische Linke sie ablehnen wird, versteht sich von selbst. Die Nationalliberalen dürften sich spalten, wenn es sich auch noch nicht übersehen läßt, wieviele von ihnen mit Dr. P a a s ch e den Agrariern zu Hilfe kommen. Das Zentrum aber scheint einstweilen Lust zu haben, die Reihen der Opposition zu verstärken — wenn auch weniger aus prinzipiellen Gründen, als weil es eine Benachteiligung des Südens, insbesondere Bayerns, zu Gunsten der Spiritus brennenden Ostprovinzen besorgt. Inzwischen hat auch bereits die öffentliche Agitation gegen das neue Gesetz begonnen. Eine kürzlich in Berlin auf Einladung des Vereins deutscher Spiritus- Interessenten abgehaltene Versammlung hat sich energisch gegen den beabsichtigten Eingriff in Die Gewerbefreiheit zum Vorteil des Spiritusrings ausgesprochen. Allzuviel Bedeutung darf man zwar solchen Resolutionen nicht beilegen. Aber man sieht doch, daß die Gegner auf dem Postön sind. ________ Der österreichische Ministerpräsident Herr von Körber darf seine Schnurrbartborsten hinfort stolz aufwärtstragen! Es ist erreicht, Rekruten-Kontingent, Branntweinvorlage und Investitionen >smd alle miteinander — junctim — von den Tschechen ohne Obstruktion zur Beratung im Reichsrat izugelassen worden. Aber was ist damit erreicht? Man könnte Die Geschichte fast für eine Maskerade halten. An die Rekrutenverweigerung hat man wohl nicht im Ernst gedacht. Der Branntweinstcuerzuschlag fließt voll und ganz in die leeren Landeskassen der Herren aus Galizien und Böhmen, des Polenklubs und Tschechenklubs. Und die Investitionen? Je nun — die Jnvestitionsvorlage bedeutet an sich einen Riesenpump von 500 oder 700 und mehr Millionen, doch für die Volksvertretung tritt sie in die Erscheinung in Gestalt eines Goldregens, der befruchtend niederrieselt auf die ausgedörrte Volkswirtschaft und auf viele Privat-Wirtschaften mit großen Staatsaufträgen, Bauten und Staatsunternehmungen verschiedener Art, die dierekt oder indirekt vielen zum Nutzen und zu weitern Arbeitsanregungen dienen können. Polenklub und Tschechenklub hatten sich anfänglich darauf „kapriziert", Herrn von Körber zu stürzen, und dann trauten sie auch der Sache nicht recht. Indessen greifen sie jetzt munter zu, nur wollen die unersättlichen Polen mehr für ihr Teil haben, während Libussa grollend und schämig abgewendet bleibt, jedoch die Hand hinterrücks aufhält. Ta sie auf nationale Liebeszugeständnisse vorläufig nicht hoffen darf, will sie wenigstens anständig alimentiert sein, mit Eisenbahnen, Kanälen, Prager Stadtsanierung usw. Der schlaue Herr v. Körber kann seinerseits großmütig sein. Je größer die Jnvestitionsanleihe wird, um so mehr Geld bekommt er zunächst in seine Staatskassen. Bewilligen die Volksvertreter alle außerordentlichen Ausgaben in Fülle, so kann er es leichter tragen, wenn er für das normale Budget eine gesetzliche Bewilligung nicht erlangt. Zwar wird die Jnvestitionsanleihe für bestimmte Zwecke festgelegt, aber sie soll doch auch zur Dotierung dermager gewordenen Kafsen- bestände dienen, und toenn nur das große Geld erst da ist auf Grund einer gesetzlich bewilligten Anleihe, so wird hinsichtlich der Ausgaben nach Zeit und Gelegenheit der Regierung immerhin einige Freiheit bleiben, namentlich wenn der Reichsrat nicht versammelt ist und § 14 waltet. Der Tschechenklub hat beschlossen, die tschechische Obstruktion vorläufig einzustellen und der Reihe nach Rekruten-Kon- tingent, Branntweinsteuer und Jnvestitionsvorlage auf die Tagesordnung des Parlaments gelangen zu lassen. Dabei besteht der Vorbehalt, daß vor Ostern nur die erste Lesung der Investitionen zugelassen, die Obstruktion im Ausschuß und bei der zweiten Lesung jedoch nicht völlig ausgeschlossen werde. Indessen erlangt der Tschechenklub die wirtschaftlichen Zugeständnisse für Böhmen, die er sich bei Herrn v. Körber heraushanoelte, erst durch Annahme der Jnvestitionsvorlage, muß also diese doch wohl ernstlicher beabsichtigen. Andererseits scheint man auf deutscher Seite vorsichtshalber die völlige Erledigung der Branntweinvorlage im Ausschuß ebenfalls bis nach Ostern hinausschieben zu wollen, sodaß dann eine thatsächliche Verknüpfung entsteht. Zehischer Landtag. Bmeife Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 7. März. Am Ministertisch Staatsminister Rothe, Finanzminister Gnauth sowie sämtliche Mitglieder des Staatsminifteriums. Zur Tagesordnung steht der Antrag des Abg. Köhler- Langsdorf zu Kap. 15 des Hauptvoranschlags pro 1901/02 Auswärtige und Bundesverhältnisse betreffend. Die Kammer beschließt trotz des Protestes des Präsidenten Haas die Dringlichkeit des Antrags. Hierauf setzt das Haus die Beratung des Budgets pro 1901/02 mit Kap. 23 Ministerium des Innern fort. Abg. Schönberger bespricht die Rechtsverhältnisse der Sparkassen. Ministerialrat B r e i d e r t erwidert, daß weder er noch die Regierung in diese Verhältnisse eingreifen könne. Abg. Pitthan führt Klage über die strenge Handhabung der Polizeivorschriften bei Erntearbeiten am Sonntag. Er plaidiert für Besserstellung der Gen dar-' men und hält die Aufbesserung von 50 Mark für viel zu wenig. Abg. Schill stellt fest, daß man in Rheinhessen nicht nur zwei Ernten, sondern auch noch einen Herbst habe. Da sei doch Svnntagsarbeit oft nötig, um die Arbeit zu bewältigen, insbesondere da oft die ganze Einnahme des Landmannes hier auf dem Spiel stehe. Der Großh. Regierung spricht er für den liberalen Standpunkt, den sie bei Handhabung der Sonntagsruhe eingenommen hat, Dank aus. Abg. Leun bespricht nochmals die Handhabung der Feierabendstunde im Kreise Gießen. Er bittet die Regierung, die Gendarmen anzuweisen, daß sie loyaler mit den Leuten umgehen. Er bespricht ferner die Verhältnisse der Bezirkssparkassen und stellt das Ersuchen an Die Regierung, daß eine direkte telephonische Verbindung mit den Orten Groß-Linden, Leihgestern und Londorf und Darm stad t hergestellt werde. Abg. Weidner ist ein entschiedener Gegner davon, daß man an der Sonntagsruhe etwas kürze-. Die Gottlosigkeit werde damit nur gefördert. Die Regierung habe die Pflicht, die Gottesfurcht des Volks im Lande aufrecht zu erhalten und zu stärken. Abg. Schill bespricht die Sonntagsruhe in Stadt und Land, und ersucht die Regierung in loyaler Weise hier zu verfahren. Abg. Haas-Darmstadt glaubt, daß die Klage gegen die Gendarmerie nicht in den Personen, sondern in der Organisation derselben und insbesondere in deren Leitung zu suchen sei. Es sei vielleicht empfehlenswert, wie in Sachsen aus der Gendarmerie ein Zivilinstitut zu machen, obwohl dieselbe in der Militär-Konvention als eine militärische Behörde eingestellt sei. Ebenso sei die Errichtung von G e n d a r m e r i e s ch u l e n ins Auge zu fassen. Er bespricht die Organisation der Sparkassen und bedauert, daß keine Kreis- oder Bezirkssparkassen in Hessen eingeführt seien, und daß denselben die Regierung die Rechtsfähigkeit noch nicht verliehen habe. Er erwähnt ferner die Thätigkeit der Verwaltungsbehörden, auf deren Schultern eine große Verantwortlichkeit liege. Die Vorbildung der V e r w a l t u n g s b e a m t e n entspreche nicht den ihnen obliegenden Pflichten. Er stellt daher den Antrag, ins nächste Budget einen Betrag einzustellen, der dazu dient, Verwaltungsbeamten, die ihre Staatsprüfung abgelegt haben, an solchen Dienststellen thätig sein zu lassen, in denen sie insbesondere in sozialer volkswirtschaftlicher Beziehung etwas lernen können. Staatsminister Rothe dankt dem Vorredner für die Anregungen und stellt fest, daß die Regierung bereits in ähnlichem Sinne vorgegangen sei. Abg. Ulrich bemerkt, daß Klagen wie die heutigen gegen die Gendarmerie von ihm schon früher vorgebracht wurden. Damals habe ihm niemand int Hause sekundiert. Tie Organisation der Gendarmen fei unbedingt zu verbessern, und es sei erfreulich, daß die Großh. Regierung nach den Erklärungen des Ministerialrats Breidert im Finanzausschuß auf dem Wege sei, die Gendarmerie in ein Zivilinstitut umzuwandeln. Abg. Köhler bespricht die Ausbildung der Verwaltungsbeamten, auf welche die Regierung ihr ganzes Augenmerk richte. An der technischen Hochschule zu Tarmstadt, sowie an der Universität zu Gießen sei Gelegenheit, diese Herren in sozialpolitischer und wirtschaftlicher Beziehung auszubilden: auch bei den städtischen Behörden, sei für die jüngeren Verwaltungsbeamten ein großes Feld, um ihre Kenntnisse erweitern zu können. Oberregierungsrat Dr. Weber stellt fest, daß mit der Universität Gießen bereits Verhandlungen ein- geleitet seien, um eine Anzahl von Verwaltungsbeamten in Volkswirtschaftslehre und Sozialpolitik auszubilden. Zu der Vermehrung des Personals int Ministerium des Innern bemerkt Staatsminister Rot he, daß Arbeitsüberlastung auf allen Gebieten die Foroerung begründe. Das Amt des vortragenden Rats für Handel und Gewerbe sei seither durch einen Hilfsarbeiter versehen worden, und zwar zur Zufriedenheit der Regierung. Der Strich von 1575 Mark fei hier nicht angebracht. Tas Kapitel 23 wird hierauf mit dem vollen Betraa von 241000 Mark in Ausgabe genehmigt. Kapitel 24 wird genehmigt. Bei Kapitel 25 Regierungsblatt beantragt der Abg. Weidner, Daß den Abgeordneten dasselbe gratis zugestellt wird. Der Antrag und jbie Forderung von 12 700 Mark werden angenommen. Kapitel 26—29 Hausverwaltung, Zentralbauwesen und nicht staatliche Bausachen, finden ohne Tebatte Annahme. Bei Kapitel 30 Provinzialdirektionen und Kreisämter bespricht Abg. Schönfeld die Gebaltsverhältnisse der Kreisamtsdiener und wünscht Gleichstellung derselben mit denjenigen bei anderen Behörden. Abg. v. Brentano tritt ebenfalls für die Besserstellung dieser Beamten-Kategorie ein, die leider in der Be- solbungsordnung vergessen sei. Die Regierung ist mit einer Gehaltsaufbesserung hervorgetreten und hat den Gehalt der Diener auf 1300 bis 1700 Mark normiert, ist aber auch nach den Erklärungen des Herrn Staatsministers aus Gründen des Prinzips mit einem Strich der Erhöhung einverstanden. Abg. Noack empfiehlt, daß man ganz generell an die Regelung der Gehaltsverhältnisse der verschiedenen Be- amten-Kategorien herantreten möge und nicht nur be sonders empfohlene Beamte kurzerhand besser stellt al» andere. Abg. Köhler-Darmstadt als Berichterstatter bemerkt, daß die Kammer an der Besolbungsordnung festhalten möge. Werde dieselbe einmal durchlöchert, so bube die Kammer die Konsequenzen zu tragen. Er empfiehlt daher den Aus- schußantrag anzunehmen. Die Stamm er bewilligt hierauf den angeforderten Betrag von 452957 Mark, streicht aber den angeforderten Betrag von 2460 Mark für die M i e t e n t s ch ä d i g u n g der Provinzialdirektoren in "Darmstadt und Gießen, sowie die von der Regierung beantragte Aufbesserung der behalte der Kreisamtsdiener. Die Kapitel 31—35 werden ohne Debatte genehmigt. Zu Kapitel 36, Landesuni- versität beantragen die Abg. Schlenger und Molthan Strich der II. Professur für Philosophie und Pädagogik und der II. Professur für semitische Sprachen. Abg. Köhler- Langsdorf beantragt Streichung des Lehrstuhls für innere Thierheilkunde und Ein führung des Instituts von Bezirkshebammen, um Hierdurch hervorgetretenen Mißständen, die er in seiner eigenen Praxis (Gelächter) kennen lernte, zu beseitigen. Oberregierungsrat Weber stellt fest, daß es sich bei dem Lehrstuhl für semitische Sprache lediglich um das Interesse evangelischer G e i ft l i ch e n handele, die für ihr Examen die einschlägigen Gesetzesbücher kennen müßten. Ein Zuzug von semitischen Studenten sei hierdurch nicht zu befürchten. Auf Antrag des Abg. Weidner wird die Abstimmung Iber dieses Kapitel gegen acht Stimmen bis auf morgen früh ausgesetzt. -ck- Darmstadt,?. März. Daß unsere Regierung stets etwas übrig hat für unser' Landes Universität, ist längst bekannt; dies konnte man heute wieder bestätigt finden, als man in die Beratung dieses Kapitels eintrat. So hat sie aus dem Blumenkorb, der ihr von der Universität geäußerten Wünsche wieder einige berücksichtigt und in den diesjährigen Voranschlag, weil zur Entwickelung unserer Landesuniversität Unbedingt erforderlich, eingestellt. So bemerken wir eine neue ordentliche Professur für Philosophie und Pädagogik und eine außerordentliche für die semitischen Sprachen. Jedoch mit diesen beiden Forderungen fand man wenig Entgegenkommen seitens der Kammer, da viele andere in dieses Kapitel einschlagende. Wünsche, die schon oft aus der Mitte der Volksvertretung »nd auch sonst geäußert wurden, auch diesmal nicht die erwünschte Berücksichtigung fanden. So hat sich die Kammer schon wiederholt dafür ausgesprochen, in Anbetracht der Wichtigkeit des Gegenstandes, die zur Zeit bestehende außerordentliche Professur für Geographie in eine ordentliche umzuwandeln. Eine zweite Professur für Nationalökonomie wurde schon oft als Bedürfnis Empfunden. Eine Lehrstelle für angewandte Mathematik ist aus diesem Kreise schon an- Seregt worden. Wenn Abg. v. Brentano die in den iesmaligen Voranschlag eingestellte außerordentliche Professur für f emitifche Sprachen damit zu bekämpfen glaubt, daß er befürchtet, es könnten Zustände wie an der Darm städter technischen Hochschule, daß vor lauter ausländischen Gewächsen, wie Polen, Rumänen re. der Einheimische zurück- gedrängt wird, durch diese Lernmöglichkeit entstehen, so verkannte er das Wesen dieser Professur völlig. (Es ist jedoch richtig, daß unsere Universitäten und Hochschulen den Ausländern gegenüber eine Liberalität Leigen, die nicht unbedenklich ist. Indem sie den Angehörigen fremder Nationen Gelegenheit geben, sich deutsche Kultur und deutsches Wissen anzueignen, entsteht dadurch Fir uns "im Auslande eine immer schärfere Korill r r e n z auf allen Gebieten der abstrakten und technischen Wissenschaften, die für uns natürlich nicht von Vorteil fein kann. Das gilt namentlich von den Gebieten der Volkswirtschaft, Landwirtschaft und des Kngenieurwesens. D. Red.) Große Freigebigkeit zeigte die Regierung im Voranschlag der tierärztlichen Abteilung unserer Universität gegenüber, in dem ein neuer ordentlicher nnd ein außerordentlich!er Professor neu vorgesehen sind. Wenn Abg. Köhler die Errichtung der außerordentlichen Professur für innere Tierkrankheiten nicht gefällt, so muß das bei ihm Wunder nehmen. Denn wem iommcri die Fortschritte dieses Zweiges der Wissenschaft in erster Linie zu Gute? Sicherlich dem Bauernstand! Wie er alles stets allein für feine bäuerlichen Interessen zugespitzt wünscht, so will er auch, daß der Professor für Zoologie mehr für die Fischzucht des Landes thue. Die «geplante Professur für Philosophie und Pädagogik machte auch viel Kopfzerbrechen. Abg. Schlenger meint mit der SparsamkeitSschere im Interesse des Landes einen Schnitt machen zu können, indem der seitherige Modus, die Vorlesung über Pädagogik von einem Lehrer im Nebenamt lesen zu lassen, seinen vollen Beifall gefunden hat, besonders im Interesse des hessischen Geld- täckels. Ob dies jedoch geeignet ist, das Ansehen unserer lniversität zu erhöhen, wird wohl auch von Herrn Schlenger nicht behauptet werden können. Die Abstimmung über diese Punkte wurde in Anbetracht der vorgerückten Stunde auf morgen verschoben. Interessant waren noch die Ausführringen des Abg. Haas-Darmstadt über die von ihm gedachte Ausbildung der hessischen Juristen, die sich der Verwaltung zu widmen gedenken. Er beleuchtete die mangelhafte fachliche Nusbildung und verlangte statt des jetzt erforderlichen halb- Iährlichen einen zweijährigen Vorbereit nngs- 'ienstbei denVerwaltungsbehörden. Außerdem brachte er in Anregung Beschäftigung bei Handelskammern, einen obligatorischen Besuch von national-ökonomischen Hebungen, auch Anrechnung von Lienstzeit, die bei kommunalen verbracht sind usw. aI§ crJ)5?tltcr langjähriger Verwaltungsbeamter, muß wissen, wo es.hier fehlt und wie dem abgeholfen werden kann, vorderhand find ja zwar feine Ausführungen nur ein schöner Traum zu betrachten, die Verwirklichung wird wohl noch längere Zeit auf sich Karten lassen. Deutscher Reichstag. Berlin, 7. März. Am BundeSratStiscb befindet fich 6taat8ktrefär v. Tirpttz. PiSsident Grat B-llettrcm etiffact die Sitzung um 1 Hbr JO Mw. und ergreift das Wort zu folgender «n'p etbe; .Ich &«b dem Hause die betrübende Mitteilung zu machen, d«h Seine Maftftä der Kaiser aestern bei einerFab'-t in B"wen durch ein Stück Eüen welches ein 20 Jahre alteS Individuum gegen den katserltchm Wag-. schleuderte, nicht unerheblich im Gesicht verletzt worden ist. Es scheint bis fitzt, daß durch GottcS gnädige Fügung die Verletzunk k ine gefährliche ist, und daß unser kaiserlicher Har, welcher zurzet' jedoch b^tt ägelig ist, in nicht allzu langer Z tt wtederhergrstellt fein w>rd. Indem ich im Namen deS Reichstages der Abscheu über die unselige Thal hiermit Ausdruck gebe, verbinde ich damit den Dank gegen den gütigen Gott, welcher den Kaiser und unser deutsches Vater land vor schwerem Unheil gnädig bewahrt hat, und bitte Gott um baldige Herstellung des geliebten Monarchen und um feinen ferneren Schutz und Schirm seiner erhabenen Person. Sie haben sich von Ihren Plätzen erhoben, um sich dtrsen meinen Worten und Gefühlen anzusch'ietzen. Ich konstatiere daS.' Die Abgeordneten haben fich während der Worte des Präsidenten von ihren P ätzen erhoben. Von den Sozialdemokraten ist niemand im Saale anwesend. Das Haus tritt hierauf in die Beratung des Marine- Etats ein. Abg. Röftcke-Katserslautern (Bd. d. Landw.) fragt an, ob es wahr fei, daß die Marine nach dem Erlaß deS Fltischbeschaugesetzes noch Konserven auS Amerika eingeführt habe. Redner wünscht ferner eine Statistik über die Verproviantierung der Marine. Staatssekretär v. Tirpitz erklärt: Wir waren im vorigen Jahre nicht in der Lage, bestimmte Konservm im Jnlande zu de- tchaffm; eS gab bisher solche nicht in Deutschland. Wir mußten daher den MobilmachungSbedars den bisherigen Bezugsquellen entnehmen. Noch vor dem Erlaß deS Fleischbeschaugesetzes find die Intendanturen angewiesen worden, über einheimische Konservesabrikm Ermittelungen anzustellen. Bereits im Herbste konnten wir einheimische Konserven bestellen. Abg. Bebel (Soz.) fragt an, ob der deutsche Flottenverein der Marine Geld angeboten und ob die Marine solches angmommen habe, ferner ob eS wahr sei, daß dem Kreuzer „Fürst Bismarck" auf der Fahrt nach China ein Unfall zugestoßen fei Staatssekretär v. Tirpttz erklärt: Der Marine ist bisher vom Deutschen Flottenverein kein Geld angeboten worden. Der Auslands- Flottenverein beabfichtigt allerdings, Geld zu sammeln, daS war aber bisher nur Theorie. Wenn der AuSlandsflottenveretn unS ein Kanonenboot schenkt, giebt es keine Bestimmung, wonach wir eine derartige Schenkung ablehnen sollten. Wenn unS die Annahme derselben Kosten macht, unterliegen diese natürlich der verfassungsmäßigen Bewilligung des Reichstags Der Auslandsflottenvereia will die Deutschen im Ausland zu nationaldeutschm Zwecken zusammenführen. DaS ist nur mit Wärme zu begrüßen. Abg. Molkenbuhr (Soz.) weist auf die großen Verluste hin, die die deutsche Marine seit 1878 an Schiften und Mannschasten erlitten habe. Offenbar geschehe nicht genug für Rettungsmaßregeln. Auch würden sie nicht zeitig genug vorgenommen, sondern es würden KaiserhochS ausgebracht und sonstige patriotische Kundgebungm veranstaltet. Staatssekretär v. Tirpitz bemerkt; Es ist gang selbstverständlich, daß die Retiungsmaßregeln routinemäßig in der Marine geübt werden. Drei Kriegsschiffe find spurlos verschwunden, wobei natürlich niemand gerettet wurde. Bei der „Gneisenau" konnten die Schiffsboote gar nicht benutzt werden. Die größten Verluste traten durch Strandungen ein und gegen Strandungen ist kein Kraut gewachsen. Nur durch planmäßiges Vorgehen deS Kommandeurs konnten so viel Mannschasteen gerettet werden Abg. Semmler (ntl) wünscht Ausbesserung der Werftmaschinen zweiter Klasse und der Werftschiffoführer. Abg. Bebel (Soz.) sagt: Wenn die Marine noch amerikanisches Büchsenfleisch angekauft hat, nachdem wir das Fleischbeschaugesetz beraten hatten, beweist das, daß das Gesetz nicht deshalb erlassen wurde, weil das Büchsenfleisch gesundheitsschädlich ist, sondern nur, um den Agrariern einen Gefallen zu thun. Abg. Molkenbuhr (Soz.) kommt nochmals auf die Rettungsmaßregeln der Marine zu sprechen. Staatssekretär v. Tirpitz: Ein Vergleich zwischen den Verlusten der Kriegs- und Handelsmarine läßt fich nicht ziehen. Wir hatten auch Verluste, wobei kein Menschenleben zugrunde gegangen ist. An der Westküste Jütlands ist ein Schiff untergegangen, ohne daß ein Menschenleben zu beklagen war. Von 460 Mann der „Gneisenau" wurden 420 gerettet; das ist verhältnismäßig günstig. Abg. Gras Klinckowströrn (kons.) protestiert gegen die Angriffe Molkenbuhrs, daß bei der Marine nicht mehr geschehe, um UnglückLfälle zu verhüten. Unsere Marine sei vorbildlich. Natürlich sei bei der Kriegsmarine das Risiko größer als bei der Handelsmarine. Für die Erklärung bezüglich des Büchsenfleisches sei Redner dem Staatssekretär dankbar. Der Titel „Gehalt deS Staatssekretärs" wird bewilligt, hierauf wird ebenso bewilligt das ganze Ordinarium. Im Extraordinarium beantragt die Kommission einige Abstriche, erner beantragt sie eine Resolution, der Reichskanzler möge im Jntereffe der Ersparnisse die Errichtung eines Panzerplattenwerkes auf Reichskosten erwägen. Referent Abg. Müll er.Fulda (Cent.) weist darauf hin, daß das Marineamt der Bereinigten Staaten bereits im Vorjahre 400 Mk pro Tonne Panzerplatten weniger bezahlt habe als unsere Marine. Das bedeute für die Bauzeit des Flottenprogramms einen Nachteil von drei Millionen Mark. Staatssekretär v. Tirpitz erklärt: Bezüglich der Panzerplattenpreise sind zwischen der Firma Krupp und dem Reichsmarineamt Ver. Handlungen gepflogen worden. Krupp bot eine Preisermäßigunn von 150 Mk. an, wenn das Reichsmarineamt einen Jahresbedarf an Panzerplatten von nicht unter 6000 Tonnen bestellen würde. Da Krupp auch onst noch kleine Ermäßigungen gewähren wollte, ergiebt sich eine Preisdifferenz gegenüber den amerikanischen Platten von 220 Mk. loco Esten. (Zuruf links: Auch noch genug I) Krupp erbot sich weiterhin zu einer noch erheblicheren Preisermäßigung, wenn die Bestellungen auf eine Reihe von Jahren gesichert würden. (Lachen links!) Hierüber schweben noch Verhandlungen. Krupp hat es am Entgegenkommen nicht fehlen lasten, und wir werden zu dem Resultat kommen, daß unsere Panzerplatten nicht teurer werden, als die amerikanischen. Abg. Müller- Fulda (Centr.) hält das Entgegenkommens der Firma Krupp nicht für genügend und bittet, an der Resolution öfest- zuhalten. Die Resolution wird hierauf gegen die Stimme des Abg. v. Kar- dorff angenommen, und sodann ohne weitere Debatte das Extraordinarium gemäß den Anträgen der Äommiffton genehmigt. Nächste Sitzung morgen 2 Uhr. Tagesordnung: 1. Beratung des Gesetzes betreffend die Unfalls- Fürsorge für die Soldaten, ferner kleinere Vorlagen. Schluß gegen 3 Uhr. Schwurgericht. K. Gießen, 7. März. Fortsetzung in der Straf fache gegen Günther und L ö b f a cf wegen gemeinschaftlichen Straßenraubs. Verteidiger Rechtsanwalt Hoos führt aus, daß sich aus den Zeugenaussagen doch manche Zweifel ergäben, sodaß die Behauptungen des Angeklagten Günther nicht so kurzer Hand zu verwerfen seien, ganz entschieden aber bestreitet er, daß der Raub, wenn die Geschworenen überhaupt zu der Ansicht kämen, daß ein solcher vorliege, auf der Straße geschehen sei. Es gehe aus den Zeugenaussagen und dem Augenscheinsprotokoll hervor, daß der Raub selbst auf einem Acker ausgeführt worden fei. Im übrigen schließt er sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Zubilligung mildernder Umstünde an, umsomehr, als es fich doch nur um ein sog. „Räubcljen" handele. Nach den Ausführungen des Rechtsanwalts Hoos werden sämtliche Zeugen im Einverständnis des Staatsanwalts und der Verteidiger entlassen. Der Verteidiger des Löbsack, Rechtsanwalt Raab, schließt sich im wesentlichen den Ausführungen des Rechtsanwalts Hoos an, findet es nur merkwürdig, daß sein Klient sich so außerordentlich^ belastet, auch ist er der Ansicht, daß die ursprüngliche Schlägerei, doch nur auf Veranlassung des Beraubten hin begonnen hätte. Auch er bittet für seinen Klienten um mildernde Umstände. In feiner Replik sucht hieraus der Staatsanwalt die Ausführungen der Verteidiger, soweit sie mit seiner Ansicht nicht übereinstimmen oder Zweifel in das Vorhandensein des.vollen Thatbestands des gemeinen Straßenraubs setzten, zu widerlegen, insbesondere die Annahme, daß der Raub nicht auf der Straße geschehen sei, wie die Verteidiger behauptet haben. Nachdem jeder der Verteidiger nochmals zur Tuplik das Wort erhalten hatten, in der sie ihre Hauptbedenken nach wie vor aufrecht erhielten, las der Vorsitzende die Fragen vor und knüpfte daran die Rechtsbelehrung der Geschworenen über Raub, Straßenraub, Mitthäterschaft und mildernde Umstände, ebenso auch über die Formalitäten der geheimen Beratung und Mstimmung. Die Geschworenen ziehen sich hierauf zur Beratung zurück, die Angeklagten werden abgeführt. Nach etwa 20 Minuten bittet der Obmann der Ge- chworenen, Bürgermeister Karl Roth von Kaichen, das Gericht um Berichtigung der Frage hinsichtlich des Geldbetrags von 3 Mk. Der Vorsitzende erteilt zu eventuellen Anträgen dem Staatsanwalt Koch das Wort. Dieser er Ilärt, daß eine Mänderung wegen des Wortlauts des Eröffnungsbeschlusses unmöglich ist, daß es aber den Ge- chworenen überlassen bleibt, die Hauptfrage nur bezüglich eines geringeren Betrages zu bejahen. Die Verteidiger sind derselben Ansicht. Darauf ziehen sich die Geschworenen wieder zurück. Nach einer Beratung von 30 Minuten verkündet der Obmann der Geschworenen deren Spruch dahin, laß die erste Hauptfrage bezüglich des Günther zu bejah e n ist, mit der Einschränkung, daß nicht erwiesen ei, daß mehr als 1.80 Mk. bares Geld geraubt worden ei. Ebenso wird die Nebenfrage auf Zubilligung mildernder Umstände bejaht. Denselben Spruch verkündet der Obmann bezüglich der Fragen wegen Löbsacks. Ta die Form des Spruches undeutlich war, zogen sich die Ge- chworenen nochmals, zur Beratung zurück und der Obmann verkündet nach Abänderung des Spruches diesen nach etwa 10 Minuten. Darauf wurden die Angeklagten hereingeführt und ihnen der Wahrspruch der Geschworenen vorgelesen Nachdem der Vorsitzende aus den Akten konstatiert hat, eit wann die Angeklagten in Untersuchungshaft find, erteilt er dem Staatsanwalt zur Antragstellung bezüglich des Strafmaßes das Wort. Dieser beantragt gegen jeden der beiden Angeklagten eine Gefängnisstrafe von zwei ein halb Jahren und Tragung der Kosten, bezüglich des Löbsack auch die Untersuchungshaft anzurechnen. Beide Verteidiger halten die beantragte Strafe für zu hoch und bitten, diel Untersuchungshaft beiden Angeklagten anzurechnen. Nach geheimer Beratung verkündet der Präsident das Urteil dahin, daß die beiden Angeklagten wegen gemeinsamen Straßenraubs und zwar Günther mit 1 Jahr 9 Monaten, Löbsack mit 1 Jahr 6 Monaten bestraft würden. Letzterem wurde, da er geständig ist, die Untersuchungshaft mit 2 Monaten angerechnet, die der Strafe entsprechenden Gerichtsgebühren werden beiden gemeinsam unter solidarischer Haftbarkeit auferlegt. Beide Angeklagten erkennen das Urteil an. Tie Sachlage, auf der dasselbe basiert, ist kurz olgende: Am 11. November 1900 gingen die beiden Angeklagten mit dem Beraubten Klumm von Friedberg nach Ober-Roßbach zu, wobei es zwischen ihnen zum Wortwechsel kam. Klumm, der stark angeheitert war, trennte sich bald von den beiden, um von ihnen loszukommen. Da er aber nicht mehr sicher auf den Beinen war, hatten die Angeklagten leichtes Spiel, ihre Absicht, ihn zu berauben, auszuführen. Den Anfang hat Günther gemacht, der vorschlug, dem Klumm seine Barschaft abzunehmen und ihn laufen zu lassen. Sie gingen ihm also nach- schlugen ihn auf der Straße zusammen und schleppten ihn dann auf einen auf die Straße stoßenden Kleeacker, wo ihm Günther den Stock abnahm und ihn mit demselben, während Löbsack ihn festhielt, mehrfach schlug, sodaß er im Gesicht blutende Wunden und auch sonst blaue Male davon trug. Auch Löb- ack schlug mit den Fäusten aus Klumm, der fich, soweit es ihm in feiner Betrunkenheit möglich war, wehrte. Dann nahm ihm Günther das Geld, das er lose in der Hofen tasche hatte, etwa 1.85 Mk., heraus, und die beiden ent- ernten sich mit dem Stock, der Mütze und der Pfeife des Ueberfallenen. Zufällig des Wegs kommende Spaziergänger und Radfahrer nahmen fich des Verletzten an, und aust >effen Angaben hin gelang es, die beiden Angeklagten kurze Zeit darauf dingfest zu machen. (Schluß im zweiten Blatt.) Aus Stadt und Sand. Gießen, den 8. März 1901. *' Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat am 25. Februar dem Pfarrverwalter Georg Landmann zn Burkhards, Dekanat Schotten, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen. ** Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Als letzten Redner der diesjährigen Vortragsreihe hatte die Gesellschaft Prof. Detmer-Jena gewonnen, dessen Vortrag über Brasilien schon im vorigen Jahre einen großen Eindruck hinterlassen hatte. Diesesmal führte er seine Zuhörer nach Algier, Tunis und in die Sahara. Auch bi» Schilderung dieser Reise fesselte mächtig. Sprudelnd« Lebendigkeit, eine seltene Beobachtungsgabe und ein für alle Schönheiten überaus empfindliches Auge bereinigen sich, ein farbenprächtiges, malerisches Bild Nordafrikas zn entrollen. Berber, Kabylen, Tuareks, hamitische Ackerbauer, die semitischen Juden, Araber und das Mischvolk der Mauren ziehen mit ihrer Eigenart an Tracht und Lebensgewohnheiten in ihrer palmenreichen Heimat an uns vorüber; die Stadt Algier tritt in ihren orientalisch engen und komfortabel europäischen Stadtteilen, mit ihrem bewegten Straßenleben, mit ihren Bazaren plastisch vor die Augen des Zuhörers. Die Ruinen Kartagos, eine große Schuttstätte, mitten im flachen Lande, von Mohn und Disteln überwuchert, vo» ■ glühender Sonne überstrahlt, wird gestreift, die merkwürdige ; herrliche Pflanzenwelt der Küste und die sonderbare wildwachsende Vegetation des waldlosen, von undurchdringlichem Gestrüpp bestandenen Landes vorgeführt. Bald taucht, dem Innern zu, das gegen die Kabylen erbaute Fort „National" auf und vor den Augen liegt nun die wundervoll« alpine Landschaft des Atlas. Wie Schwalbennester liegen die Dörfer kreisrund um die Berghöhen gelagert, festungs- artig eng gelegt. Ganze Familien, Väter, Söhne und Enkel \ um bcfl0,|nen Mildernde -.Staatsanivch ... mxlt seiner in, Vor. ?"Strnßen- bJer Annahme, ? B wie die a-fe Kvr y- yh^cniM eA.M Übti ?ö Abstimmung. etatun9 zurück, mann der tze. a'chen, das Ge, l'ch des Geld- Lu cDenhifUeg < Aeier er- Worttauis des - aber den Ge. ;e nur bezüglich -Verteidiger sind Geschworenen 0 Minuten ver- n Spruch dahin. Günther zu be. > nicht erwiesen geraubt worden ubilligung mit- b verkündet der 'N§. Da die n sich die Äe- id der Obmann üesen nach etwa rn hereingesührt enen Dorgelejen. konstatiert hat, shllft sind, erteilt ig bezüglich des gegen jeden der on zwei ein halb stich des Löbsack Leide Verteidiger und bitten, bie izurechnen. Nach deut das Urteil ,611 gemeinsamen zahr 9 Monaten, mrden. Letzterem suchunashaft mit ntsprechenden Ge- unter solidarischer kennen das Ur- basiett, ist kurz die beiden M' Friedberg nach zum Worvvechjel Nennie jich bald men. Da er aber hatten die Ange- ,u berauben, aur- cht, der vorschlug, i und ihn lausen schlugen ihn aus dann auf einen ihm Günther den während LobsaU i GeW blutend- ntrug. Auch Lob- "sich. !°wn ir, wehrte. Dann se in der W. dw beiden flj nb der mde Spazier^ B. 18. 190L u* ** SortraSsE S^Ien gro^n E AK Zu- führte er bl, Sahara-^Slndt chttz- „Jein f» Kgabe n E inigen jildalZerbau^' SS-S ’ -h dü in: LP Mv" M? -g-Kt. Vermischtes. von 93 000 Mark. 1*200 Pferdestärken. «etaufte. Im vorn Lebensjahr: 2.—16. Jahr: 1 (1) i (M 1 1 Weise unterhielt er sich unter denen sich diesmal d emo trat en befanden. Abg. Ulrich, über eine in ein Gespräch gezogen, zum ersten Male auch Sozial So wurde u. a. deren Führer, der halbe Stunde lang vom Großherzog in dem verschiedene politische Fragen Außer den Abgeordneten waren er« 1 0) 1(1) 1 2 (1) 1 1 1 (!) 1 (1) Serie von Artikeln in dem „Mainzer Journal", in bene« gegen die Verbringung der Wa i sen niabd) en aus dev seitherigen Anstaltspflege in Privatpflege Stellung genommen worden war und in denen besonders Beigeordneter! be* 7. Januar. , w Denselben. Dem Fuhrmann Konrad Mau» ein Sohn, Karl Jattd, geboren den 8. Januar. __ , _ ,. Den 26. Februar. Dem Hilfsheizer Philipp Heep «ne Tochter, Karoline Ottilie, geboren den 17. Februar. Lukasgemeinde. Den 23. Februar. Dem Großh- Polizeiamtmann Paul Hechler eine vutwickelung zurückblicken. ** Die Vertreterversammluog Gabelsberger Stenographen des Verband von Mam-Rhemgau und Hessen-Nassau, der am Sonntag in Frankfurt a. M. tagte, wühlte für das Jahr 1901 Gießen (Stenogrgphen-Verein und Stenographen-Ge- sellschaft) zum Vorort des Verbandes. ** Nach Ostasten! Die nächsten nach China, Kiautschou und Hongkong abgehenden Posten sind folgende: a) über Neapel mit Schiffen des Norddeutschen Lloyd bis Schanghai, dann Rheverei Jebsen am 20. März, sowie am 3. April, 9 Uhr abends; b) über Brindisi mit Schiffen der Penins, and Orient. Steam Navigation Compagny bis Schanghai, dann Rhederei Jebsen am 17. und 31. März, sowie am 14 April (jeden zweiten Sonntag) 10 Uhr abends; o) gleich falls über Brinidsi mit Penins, and Orient. Schiffen bis Port Said, dann mit Marseiller Schiffen am 10. und 24. März, sowie am 7. April (jeden zweiten Sonntag) 10 Uhr abends; d) über Marseille mit französischen Schiffen (Messa- gerieS marit.) bis Schanghai, dann Rhederei Jebsen am 10. and 24. März, sowie am 7. April (jeden zweiten Sonntag) 4 Uhr nachmittags; e) QaeenStown und durch Canada Mitt woch am 27. März. Die Beförderung dauert auf den ersten vier Wegen bis Hongkong 27 bis 29 Tage, bis Schanghai 31 bis 33 Tage, bis Tsingtau 31 bis 37 Tage, auf dem Wege über Queenstown bis Schanghai 39 Tage, bis Hongkong 42 Tage. Dazu kommt die Beförderung von Leipzig bis zum Abgangshafen mit durchschnittlich drei Tagen. geboten den 16. November. Markusgemeinde. Den 24. Februar. Dem Küfer Friedrich Knorr ein Sohn, Friedrich Heinrich OSkar, geboten den 18. Januar. Denselben. Dem Schloffer Wilhelm Kloß em Sohn, Jean, geboten vorhanden. Tie Pflanzen passen sich den Bcdin Landschaft — wenig Regen, überreiches Sonnen lange Wurzeln tragen ein oberirdisches kümmerliches- Ge- wää)s; jede einzelne kleine Pflanze ist von einem kleinen Hügel umgeben, den der Flugsand angehäuft. Hochinteressant war des Redners Schilderung der Oasen, insbesondere der heiligen Oase Siopa, und der dahin führenden Kameel karawanen. Die Oase Urir ist künstlich aus dem Boden herausgezaubert, nachdem man Wasser erbohrt, pflegt man Baumwolle dort. Diese und die prächtigen Dattelpalmen geben großen Ertrag. Auf dem Rückwege aus diesen malerischen Gegenden hatte der Redner einen arabischeii Fürsten als Begleiter, der ihn in seinem Zelt am Wege auf Silber and herrlichem Porzellan bewirtete. Alles in allem, ein reichbewegtes Bild orientalischen Lebens, mit schvnheit- fiichendem Auge gesehen, boll interessanter Motive und reich belehrend auf allen Gebieten der Erd- und Völkerkunde. Möge es nicht der letzte Vortrag des Redners in der Ge- iellschast sein. Der Abschluß des Winterhalbjahres ist er- golgt; der Verein, der zu einem der größten der Stadt »erangewachsen ist, kann gewiß mit Befriedigung auf seine Matthäusgemeinde. Den 24. Februar. Dem Metzger Ludwig Johannes Schildwicht« ein Sohn, Ludwig Jakob Georg Wühelm, geboren den 26. Jammr. Den 28. Januar. Ein unehelicher Sohn, Karl Friedrich Philipp, Auszug aus de» Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. • Ueberfälliger Baumwolldampfer. Man schreibt uns aus Bremen: In SchiffahrtS- und Affekurranzkreisen ist man sehr besorgt wegen des langen Ausbleibens des englischen Dampfers „Mobile", von der HorSley- Linie in West Hartlepool, welcher am 27. Dezember v. I. von Mobile mit über 6000 Ballen Baumwolle und sonstiger Ladung nach Bremen abging und von dem man seitdem nichtgehört hat. Unter gewöhnlichen Umständen hätte der Dampfer am 23. Januar auf der Weser eintrrffen müssen; das Schiff ist somit jetzt beinahe fünf Wochen überfällig, für einen modernen Dampfer freilich eine lange Zeit. Mehrere Dampfer, welche gleichzeitig mit der „Mobile" den Golf verließen, haben in normaler Zeit ihren Bestimmungsort erreicht. Die Kapitäne berichten zwar stürmisches Wetter angetroffen zu haben, jedoch sollen die Stürme nicht so heftig gewesen sein, daß sie von dem erst fünf Jahre alten kräftigen Stahl- dampfer „Mobile" nicht hätten überwunden werden können. Man nimmt daher an, daß das Schiff einen Maschinenschaden erlitten hat und aus dem gewöhnlichen Kurse der Heimkehrenden Dampfer nach südwärts vertrieben ist. I« diesem Falle könnte allerdings längere Zeit vergehen, bevor der Dampfer von einem anderen Schiffe gesprochen wird. An der Londoner Affekurranzbörse können Rückversicherungen auf das Schiff nicht mehr abgeschlossen werden. Bei einer Länge von 340 Frß besitzt der Dampfer „Mobile" ein Deplacement von 6000 Tons; seine Maschinen indicieren B. Darmstadt, 7. März. (Tel.-Meld^. des „Gieß. Anz.") An dem gestern abend im Hotel „zur Traube" vorn 1. Prä sidenten der Zweiten Kammer, Geheimrat Haas, veranstalteten parlamentarischen Abend nahm auch S. K. H. der Großherzog teil. Bei seinem Erscheinen wurde ihm ein prachtvolles Rosenbouquet überreicht. In leutseliger "' mit den Vertretern aller Parteien, zur Erörterung kamen. schienen Obersthofmarschall v. Wefterweller, KabinetSrat Römheld, die Minister Rothe, Dr. Dittmar und Gnauth, die Ministerialräte und Abteilungsvorstäude. Der Abend nahm einen sehr schönen Verlauf. Summa: 11 (4) 8 (4) • — «nm. Dir in Klammern gesetzten Zistern geben an, wie viel« der Todesfälle in der betreffenden Krankheit ans von auSioLrtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen. ___ Kchifisnschrichtnr Bremen. 2. März. sPer transatlantischen Telegraf.) Doppelschrauben.Postdampfer Frankfurt , "^tLo E oonntttagS vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 10 uyr DOtU4U y wohlbehalten in Baltimore angekommen. Dr. Schmitt als Vorsitzender des Erziehungsbeirates angegriffen wurde. Oberbürgermeister Dr. Gaßner verlas eine lange Erklärung, in der aktenmäßig festgestellt wird, daß die Verbringung der Waisenmädchen in Privatpflege nuy auf Grund der Stadtverordnctenbeschlüsse geschieht und daß man besonders in Frankfurt gute Erfahrungen mit der Privatpflege der Waisenkinder gemacht habe. Es sei die in die Öffentlichkeit gebrachte Mitteilung, daß sämtliche _. . . ■ rj l Waisenmädchen in Privatpflege gebracht würden, unrichtig, Dte dreizehn Zuge ff I sondern neben dieser Pflege würde auch die Anstaltspflege 1 beibehalten bleiben. Zum Schluffe wurde Dr. Schmitt ein stimmig ein Vertrauensvotum erteilt. — Auf Antrag des mit ihrem Hausstand, wohnen in Gehöften abgeschlossen, I es ermöglicht, daß Schüler aus der Umgegend ihn benutzen die nach uralter Technik mit Ziegeln gedeckt sind. Datteln^--— ------ttnn« 7os und Gerste ist das Nahrungsmittel ihrer Bewohner. Jetzt naht die Sahara, in die eine Bahn noch ein gutes Stuck bineinführt. Ein wunderbares Felsenthor gewährt den ersten Anblick der gelbbraun schimmernden Wüste. Nicht nur eine öde Sandfläche ist darunter zu verstehen. Flüsse, Thäler und Gebirge durchziehen sie. Die Hälfte des ganzen Saharagebietes ist ein Hochland. Freilich liegen in ihr auch unendliche Salzsteppengebiete, die eine wunderbare Klar- 6eit der Luft und eigentümliche Beleuchtungen Hervorrufen. Eine sehr bemerkenswerte Vegetation ist in der Sahara _. —. " r, r c— m-*-*-gungen der licht — an, o Mk Attvrüael 7 Mk 50 Buchen-DurchforsturrgSwellen oanrre, sowie ote yossnung uap. «A*qni „ 7 hpr »aummeter Stock Unterrichtskursus ein weittragender Nutzen für bte Ver- 50 Buchen-Aftwellen 7 Mk., der Raummeter Vtocr ^sgenossenschaften geschaffen sein möge, wurde der Holz 5 Mk. . h tn_ diesen Kursus geschlossen. Zum Beweise, daß dieser in allen i. Laubach, 6. März. Arn Mittwoch fand für ™'en $unften volle Befriedigung bei den Teilnehmern hervor- Wiuter der letzte Bortrag irn Gymnasium statt, ^oer-1 gerufen hat, sei schlieUichnoch bemerkt, daß die Vortragenden lehrer Becker sprach über die Beziehungen zwischen Bis- Verbandsbeamten (Generalsekretär Dr. Neumann, Molkerei- mar ck und Kaiser Wilhelm I. von den ersten Änfangcn inj-truftor Persyn und Revisor Braner) mit wertvollen und an bis 1870 und hielt den Zuhörern in wirkungsvoller Weise sinnreichen Geschenken seitens der Teilnehmer erfreut und die Heldengestalt Bismarcks vor Augen. — SS hat hier das überrascht wurden. freundliche Entgegenkommen der Bahnbehörde angenehm be- Mainz, 6. März. In der heutigen Sitzung der rührt, vom 1. Mai ab soll ein Zug eingelegt werden, derlStadtverordneten veranlaßte eine lange Debatte »ine können. Für bad Sommerha'bjahr trifft vormittags 7°* ein Zug von Hungen hier ein, 12M geht ein solcher von hier nach Hungen. Die Direktion des Gymnasiums hat bei bem Ministerium erwirkt, daß im Sommer ber Unterricht statt um 7 Uhr erst um 1/a8 Uhr beginnt. Da bas neue Schuljahr 14 Tage vor, bem 1. Mai beginnt, so werden' auswärtige Schüler, bie hier eintreten wollen, in Erwarluno der nunmehr günstigen Zugverbinbung, erst 14 Tage später eintreten können. — Heute fanb unter bem Vorsitze des Geh. OberschulrateS Dr. Nobnagel bie Reifeprüfung am hiesigen Gymnasinm statt. S’ u ~ । rourben sämtlich für reif erklärt. j- Grebenhain, 6. März. In Bermuthshain wurde t ein Vertrauensvotum erteilt. Auf Antrag des gestern gegen Abend von mehreren Holzhauern der Maurer- Sta-tverordneten Dr. Rautert wurde der Kredit des Etat- meister Sebastian Lind nach Hause gebracht. Lind hatteKer zzvlksschule um 5000 Mk. erweitert und auf ein Referat mit Holzhauern einen vom Wind aus den Wurzeln ge- ^^s Stadtv. George Hirfch wurden auch für die Hafcnbedürf' hobeneu Fichtenbaum absägen wollen und zog sich dabei „isse die erforderlichen Mittel bewilligt. Das Ministerium einen doppelten Beinbruch zu. des Innern hat dem Statut über die F e u e r b e st a t t n n gi () Herbstein, 5. März. Gestern fand im „Deutschen die Genehmigung erteilt, sodaß jetzt der Errichtung eine» Hause" hier eine außerordentliche Generalversammlung der Krematoriums nichts mehr im Wege steht. Spar - und Leihkasse statt. Der Direktor, Oberamts- •* Kleine Mitteilungen an« tzeffen und den Aachdarstaat«. richter Weiffenbach, sprach über die Stellungnahme gegen- toirb nochmals auf hen Vortrag des Dr. wvä. Collatz Über dem bürgerlichen Gesetzbuch. Da es noch geraume Zeit Darmstadt über den AlkoholißmuS und dessen Be- dauern dürfte, bis der neue Sparkasfengesetzentwurf ^fe^hämbfunq aufmerksam gemacht; Zeit und Ort, am 10. März mm sr gSÄKKä'— diese darum nach suchen Tie erste dieser Bedingungen ist die, daß eine ober mebrere Jedermann wird hiermit freundlichst cingeladen, her (Stntrt t leistungsfähige Gemeinden die Garantie für die Verbind-1 ist frei. _____ lichkeiten der Sparkasse übernehmen, für die in erster Linie natürlich nach den Statuten das ganze Vermögen der Kasse selbst haftet. Die hiesige Gemeinde hat bereits auf Nach^ suchen der Kasse die Garantie übernommen. Im hiesigen Amtsgerichtsbezirk sind noch 15 Gemeinden nicht Mitglieder unserer Kasse, die bereit ist, falls diese Gemeinden auch die Garantie übernehmen, als Mitglieder aufzunehmen. Es I wurde beschlossen, ein diesbezügliches Gesuch an das Ministerium zu richten. Der zweite Punkt der Tagesordnung war die Beschlußfassung über die Vergütung für die Mitglieder zur General-Versammlung. Ter Antrag des Direktors, höchstens 6 Mark und freies gemeinschaftliches Mittagsessen pro Mitglied zu gewähren, wurde abgelehnt und der seitherige Beschluß, nämlich pro Mitglied als Ver- I gütung 8 Mark und freies gemeinschaftliches Mittagsessen, aufrecht erhalten. Unsere Sparkasse besitzt ein Reinvermögen -s. Darmstadt, 6. März. In diesen Tagen fand hier in der „Stadt Pfungstadt" ein vom Verbände der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften einberufener Unterrichtskursus für die Vorstände bezw. Rendanten der landw. Genossenschaften statt. Derselbe dauerte vier Tage. Verbandsdirektor, Geh. Regier- uugsrat Haas erklärte die Ziele, die der Verband mit der Abhalttmg solcher Shirfe bezwecke. Die Zahl der Teilnehmer schwankte zwischen 70—80 Herren. Außerdem war der stellvertretende Verbandsdirektor, Oekonomierat Dett- Weiler, der zum größten Teile den Vorsitz während des Kursus an Stelle des verhinderten Verbandsdirektors führte, anwesend. DieZeit der Vortrags- und Diskussionsstunden war von 10—1 Uhr vormittags, sowie 3—6 Uhr nachmittags festgesetzt. Die meiste Zeit wurde durch Besprechung der Buchführung für die einzelnen Genossenschaftsarten ausgefüllt, indem der Vortragende, Revisor Braner, die Buchungen verschiedener, bei den Spar- und Dahrlehnskassen, 5konsumvereinen und Molkereigenossenschaften vorkommender Geschäftsvorfälle durch zahlreiche Beispiele erläuterte, sowie den Abschluß und die Aufstellung der Bilanzen (Umsatz- und Abschlußbilanz) und der Gewinn- und Verlust-- rechnung für die genannten Genossenschaftsarten praktisch> durchführte. Weiter hielt der Generalsekretär Dr. Neumann einen dreistündigen Vortrag über „die wichtigsten Bestimmungen des geltenden Genossenschaftsgesetzes". Hierbei kamen außer den gesetzlichen Vorschriften auch die Obliegenheiten der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder zur Sprache. Auch wurde seitens des Vortragenden Anleitung über die Fassung der Protokolle in den Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen, sowie in den Generalversammlungen gegeben. lieber das Thema „die für den Landwirt und die Genossenschaften in Betracht kommenden wichtigsten Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches" referierte in anderthalbstündigem Vortrage der Rechtsbeistand des Verbandes, j Rechtsanwalt von Brentano-Offenbach a. M„ indem er, r „ I namentlich die Form der Rechtsgeschäfte, die Verjährung, Tochter, Wilhelmine Luise Johanna Amalie Lllly, geboren den 9. Derember. die Bürgschaft, das Pfandrecht und die Haftpflicht ein- M«t«b^aen^inde. gehender behandelte. Auf allgemeinen Wunsch soll dieser Johann Georg Karl Büttner, Schuhmacher, »or- Vortrag im Organ des Verbandes „der deutschen landw. Jahre alt, starb den 26. Februar. Genossenschaftspresse" zum Abdruck kommen. Eridlich be- Markusgemeinde. jprach der Molkerei-Instruktor Persyn in einstündigem Vor-1 Den 24. Februar. Christian Ludwig Friebel, Schuhmacher, em trage ,,die Betriebsübersicht und Betriebskontrolle bei den Witwer, 81 Jahre alt, starb den 22. Februar. Molkereigenossenschaften" und ging namentlich auf die Kon- ?a”ne 8 ßec ‘nD®«»einberaer Ebefr« trolle bei Molkereien mit beschränktem Betriebe ein. Auch Dm ^. Februar Chnstne h , g . benfl22. Febru«. erläuterte der Referent den Aufbau eines monatliäsen d-, Kaufmanns W.lhelm Söhn-l. 31 Iah °n, ,7 — triebsausweises Das Interesse der Versammlung war ein Utbcrfitit btt Todesfälle itl GitßM. derartig reges, daß sich über seden Punkt eine lange Debatte I Urutq 1901> entspann. Außerdem wurden während der Diskussionsstun Ju 25 560, 1600 Mann Mittig den eine große Menge Fragen ans dem Gebiete des Ge- nach Abzug der Ortsftemdm 14,24°/«. I nossenschaftswesens, über den Verband und seine Einnch- cye , Kinder hingen, über den Verkehr mit den Zentralgeschäftsstellen Zusammen: Erwachsene: des Verbandes, über die Alters- und Jnvaliditätsversicher- I ung für die Vorstände, insbesondere die Rendanten der Lungenschwindsucht hm. Lollar, 7. März. Vergangene Woche wurde ein großer Teil der Bewohner unseres Ortcs dadurch in großen Schrecken versetzt, daß die Lumda einen Wafferstand erreichte, wie mau ihn feit der Regulierung derselben (ungefähr 18—20 Jahre) nicht gesehen hat. Die Ursache ist wohl zu> suchen in den im Abgang begriffenen großen Schneemassen, aber es ist dabei noch etwas anderes zu berücksichtigen. An der im Bau begriffenen Bahnstrecke Lollar—Londorf hatte sich das Waffer zwischen Daubringen und Mainzlar auf den staatlichen Wiesen dadurch, daß die Kanäle durch den vahndamm ganz unzureichend waren, auf der linken Seite des Bahndammes um 1,50 Meter höher gestellt, als auf der rechten. Als endlich die horizontale Lage zwischen Bahndamm und Wasser linkerseits hergestellt war, fing letzteres an, sich Luft zu machen, und im Nu sausten 10 Meter Bahndammlänge über die Wiesen hinweg. DaS find die Folgen, daß man den guten Rat derjenigen, die im Gelände genau orientiert sind, nicht angenommen hat. In unserer Gemarkung weiß man jetzt schon, daß die Kanalanlage zum Teil |ul VK, WU4|11UIIVV/ uiyut:|UUUCLC ulc nicht zweckentsprechend ist, und eS wäre wünschenswert, oatz ^nossenschasten, über die Verpflichtung der Genossen- Lungmentzündung man auS diesem Vorkommnis gute Lehren zöge. schäften zur Einkommensteuer u. s. w. gestellt und zumeist Influenz« X Ettingshansen, 7. März. Bei der gestern abgehaltenen tion Dr. Neumann eingehend beantwortet. Mit einer An- Brennholz Versteigerung im hiesigen Gemeindewald spräche des Verbandsdirektors, in der dieser i>en TeiV @cLrncnt)ünbxng wurden sehr hohe Preise erzielt. Es kostete der Raummeter nehmern für ihr reges Interesse und ihre stete Aufmerk- Bruchleidm Buckenscheit im Durchschnitt 10 Mk., Buchenstammprügel f am feit und den Vortragenden für ihre Ausführungen Altersschwäche 8 Mk Astprüael 7 Mk 50 Buchen-DurchforstungSwelleu dankte, sowie die Hoffnung aussprach, daß durch den Syphilis * 7 am s., iwhr Stock Unterrichtskursus ein weittragender, Nutzen für bte Ver- Selbstmord ltcher Größe, zu 1 Einspänner- auch 1788 1772 Der Vorstand des freisinnigen Vereins 1779 sowie 1861 jeglicher Art in wirklich nu*en Qualitäten assortiert. 1789 Neu! Neu! Bon heute ab im Anstich. 1764 MeffauraLion zum ^Löwen 2 S. Popvert. Vossiu». 4. 5. Continental Catnrtdmc L ftrttapereh tapp., ftumwer. rängen Yvirn billigst besorgt. verantwortlich für den allgememen teil: P. Wtttko, für den Anzeigenteil: Han» Beck. — Druck und Verlag der Brühl'schen UntverMätS-Buch- und Eteindruckerei (Pietsch Lrben) in Gießen. WtMhiungen emüse-Conserven Für jedes Fahrrad die beste Bereifung. Man verlange stets diese Marke. Referent: Herr Rechtsanwalt Dr. Jung. Hieran anschließend allgemeine Diskussion. Submission. Für die Großherzogl. chirur» gische und ophthalmologi che UnviversitätS«Kllnik sollen für das Rechnungsjahr 1901/1902 auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden: 1. Die Lieferung von Backwaren, Fletschwaren, Spezereiwaren, Mineralwasser, Milch, Butter, Eier, Bier, Eis, ff. hausschlachtene Wuestwaren bezieht man in vorzügl cher Qualität von M. Warnicke, Dampfwurstfabr k, Zerbst. Ein Versuch führt zu dauernder Kundschaft. 1790 Man verlange Mreististe. Schreibmaterialien, Bürstenwaren, Porzellan- u. Glaswaren, Das Reinigen der Wäsche für das Personal, Das Reinigen der Wäsche für die Kranken, Das Reinigen der Offen und Herde, Das Reinigen der Senk- gruben und das Fort- schaffen des K»hrich*s. im Zimmer des Unterzeichneten angemeldet werden. Gießen, den 5. März 1901. Großherzogliche Direktion. Dr. Styeriko. jede gewünschte kleinere Menge Cokeskletn abgegeben. Gießen, den 5. März 1901. Städtisches Gas und Wasserwerk Gießen. O' to Bergen. Wer-, Wein- u. Wasterschläuche AaschenabsiilWimche, Nerstichtungtu jeder Art, Treibriemen Mste Ftreichmfik. Pariser Besetzung. W Erseht eine Kopelle. -Mg Agätetos? übertrifft Salvator Affilslnr aus der Münchener Auguetiner-Brauerei agnaiui ist das anerkannt beste Münchener Bier. Hartmanns Gesnndheitsbinden und Gürtel zu haben in der «dler-Drog.rte, SelterSweg 89 1 1^00 Otto Schaaf 8 alle technische» Artikel für maschinelle Betriebe. Gebrüder Georg-, DUephon Ne. 249. ______________Wallthorstraße 24 Cokesklein. Dar bei der 3'7f(