4 Wtt SÄ!’* jöi ^ober Frau ij- "wu Ltier. dchen vom Lande ?ch'en zu mieten lchersttatze 5. ifigei, ädchen, "d-, zu einer leib, - !agt die Exped. erheirat., roüitl- er I. Januar u wechseln. r Nr. 04406 m dieses Blatte-. r laut chriit jucht schnstl. !rnehmm. 4459 flnbie&geb. chen jucht Stelle, einzelner Dmu Äbctytxv ix typebitiM juch/M 1 jan. ii $1 img des irche,".pl. ö, 3Tr. em zuverl. inorqenS >/,8 bis öMptt rniTaiei® ln gutes hau; ie“ hohen Lohn l der Erved Anlage 3. ' "Mhen kann,!o. ^ucuwcg 28. Sauibuij*; RW . jedes Quantum Sottl u. s. rott Yt KattM^U. erleihgeschä!^. mW iüe nimmt jungt Mäßiges &oig bie^JX Statt nie« L Schneider^ «Il« * 'm* 1,167 Euter, Ks^ »«•Vs«** Nr. 263 Erftes Blatt. 151. Jahrgang. Freitag 8. November 1901 Erscheint tSgttch Mil Ausnahme des DiontagS. Die Siebener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt* und den -Blättern für hessische Volkskunde* viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. bl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von AnzeiaeV xu der sür den folgendem Tag erscheinenden 9hy bi§ vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermill- lungsstellen des In- und Auslandes nehmen An-t zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Universitäts - Druckerei» (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wkttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Gießen, den 6. November 1901. Bett.: Die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler in 1902. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir sehen Ihrem Berichte darüber entgegen, wieviel Scheine Sie für voraussichtlich im Jahre 1902 zur Bedeckung 'wimenbe Stuten nötig haben werden. v. Bechtold. 5. ßyristttch-sozialer Mrleitag. IL L. u. P. Elberfeld, 5. Nov. Ter heutige Tag wurde mit einer großen öffentlichen Versammlung int Elberfelder Evangelischen Vereinshause beschlossen. Erwa 500 Personen waren erschienen. Hof- prediger a. D. Stöcker eröffnete mit einem Kaiserhvch. Ten ersten Vortrag hielt Pfarrer Bernbeck (Staden in Hessen). Er zeichnete ein Bild von der Zeit und chren Schäden und legte klar, wie die christlich^-soziale Partei bestrebt ist, den Grund zu legen für den sozialen Neubau der Zukunft. Zur Mitarbeit an diesem Werke sei jeder Vaterlandssreund berufen. — Arberterffekretär Behrens (Berlin) sprach über bte Stellung der Ehristlichsozialen zur Arbeiterbewegung. Die christlich-soziale Partei sei die wahre Vertreterin der Arbeiterschaft und ihrer berechtigten Interessen. Keine Partei habe die Gewerkschaftsbewegung so miserabel behandelt wie die Sozialdemokratie. — Stöcker warf einen Blick auf dieinnereLage so wie zur Zeit Kaiser Wilhelms I. Aber wir sind monarchisch bis auf die Knochen. (Lebh. Beifall.) Man spricht oft von Zickzackkurs. Auf entern Gebiete aber ist doch kein Zicb- zackkurs, da geht unser Kaiser fest eine gerade Linie: in dem Strebett nach Kolonialbesitz, nach einer großen Flotte, das wollen wir dem Kaiser danken. Wir wünschen, daß es aber auch auf dem sozialen Felde, im inneren Volksleben so vorwärts gehen möge. Als Ausgaben für die Zukunft nannte er u. a. die Bekämpfung der Wohnungsnot, der Arbeitslosigkeit, die Sicherung der Witwen und Waisen. — Namens der Gäste gab Pfarrer Granzin (Berlin) dem Danke für die Darbietungen des Abends Ausdrttck. Er sei als Antisemit zu Stöcker gekommen und bei chm Christ geworden. Wenn auch die christ» ckch-soziale Partei nicht» durch Massen glänzen kann, so yabe sie doch die Majorität; denn mit chr sei Gott. L. il P. Bfarmen, 6. Nov. Die öffentlichen Hauptverhandlungen wurden heute im hiesigen Evangelischen Vereinshause eröffnet. Stöcker hielt dann eine längere Ansprache, in der er sich besonders mit der äußeren Politik des Deuffcheu Reiches beschäftigte. Die allgemeine Weltkonstellation nötigt Deutsche land zur Weltpolitik. Wenn der Dreibund etwas bedeuten soll, muß Deutschland kräftig das Heft in die Hand nehmen; denn man muß doch sagen, daß Oesterreich durch seine inneren Kämpfe lange an äußerer Aktionsfähigkeit gehindert ist; und das schwache Italien, das sich in Abesiy- iiien eine schwere Niederlage geholt hat, vermag ebenfalls nichts. Ferner zwingt das avoße Wachstum unseres Handels uns zur Weltpolitik, und das starke Anwachsen der Bevölkerung. Hierbei müssen wir fordern, daß wrr 1) die Naturvölker rechtschaffen regieren und behandeln, durch rechtschaffene, sittliche Beamte und dadurch, daß wir sie nicht ausbeuten zu unserem Nutzen. Wir stehen ja in dieser Beziehung bekanntlich nicht auf der Höhe. Wir wären weiter, wenn Missions-Inspektor Merensky Gouverneur von Ostafrika wäre. Wir hätten vielleicht weniger Blutvergießen gehabt und vielleicht auch den Verttag mit England nicht gemacht, indem wir für den schönen Felsen ganz Witu und Zanzibar eingetauscht haben. Wir dürfen 2) den Völkern nicht Unrecht thun. In punkto Branntwein haben wir kein gutes Gewissen. Wir müssen jedenfalls bestens für die „Kultus danken (von der einmal ein Großhändler sprach), die mit Schnaps begossen wird,. Wir dürfen die Völker nicht als völlig rechtlos behandeln. Die Regierung muß 3) auch die richtige Stellung zur Mission finden. Es war ein Fehler, rote unsere Regierung überall unverzagt und unverrückt für Völkerrecht und Gerechttgkeit eintrete und z. B. nicht über dem Blute der Armenier mit der türkischen Regierung und über den Leichssn der Buren mit England noch so ganz besotwere Freundschaft pflege. (Allgemeine Zustimmung.) Es kann einem die größten Sorgen machet^, wenn man die Stellung der christlichen Großmächte Lu den schauderhaften Ehristenverfolgungen in Armenien und zu den Greueln in Südafrika betrachtet. Wir sind an der Burensache,fehr beteiligt. Das Telegramm des Kaisers hat uns für ste engagiert. Jedenfalls entspricht es nicht einer konsequenten Politik, wenn man nach Eins Jahren das Gegenteil thut. (Lebh. Zustimmung.) Und hat nicht der Reichskanzler erklärt, daß uns an der Unabhängigkeit der Bürenrepubliken sehr viel liegt? Und nachher haben wir den Buren nicht bloß völlige Gleich gilttg- feit gezeigt, sondern England noch dazu die größten Freundschaften erwiesen. (Lebh. Beifall.) Tas smd Dinge, die das Herz des ganzen deutschen Volkes, durchzittert haben. (Lebh. Beifall.) Stöcker kennzeichnete nun unter großer Zustimmung die englische Kriegführung und bezeichnete es als unerhört, daß man dem ruhig zusieht. Wir wissen, daß volle Gerechtigkeit unserer erst droben wartet. Daß wir aber diesem Ideale mit allen Kräften zustteben, das ist die heiligste Pflicht eines Volkes, das wirklich groß werden und sein möchte. (Stürmischer anhaltender Beifall.) Im Anschluß daran nahm die Versammlung die bereits gestern mitgeteilte Erklärung einmütig an. Ker polnische Heheimöund-Krozeß. n. H. il E. P io s e n, 5. Nov. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen wurde gestern zunächst das Urteil des Reichsgerichts int Hochperratsprozeß gegen Leitgeber verlesen. Auf Beftagen des Präsidenten erklären die Angeklagten, daß ihnen das Vorhandensein leine# Nationalschatzes in Rapperswyl erst durch die Zeitungsberichte über den Prozeß Leitgeber bekannt geworden sei. Ebenso erklären sie, nicht zu wissen, daß der Verband und die Vereinigung der polnischen Jugend Zahlungen nach Rapperswyl für den Nationalschatz geleistet haben, oder sie verneinen diese Frage. Nur Bolewski giebt zu, daß auf dem Verbandstag in Halle die Beittagszahlung für den Nationalschatz jur Sprache gekommen sei. Ferner wurde die Broschüre Rapperswyl" von Leitgeber im Auszüge verlesen. In chr wird eine Verbesserung und Vermehrung des Nationalschatzes in Rapperswyl als dringend notwendig gefordert. Der Ruf: „Noch ist Polen nicht verboren!" müsse wie ein Donnerhall durch die Welt gehen. — Bolcwsti gesteht aus Befragen zu, 50 Exemplare der Broschüre durch Vermittelung von Rowinskt bezogen zu haben. In der heutigen Verhandlung gelangt zunächst int Auszuge die Broschüre: „Die Angelegenheit der thättgen Ab- wehr" zur Verlesung, die int Jahre 1887 in Paris erschienen ist. Statt des Namens hat der Verfasser mit den Buchstaben Z. F. M. gezeichnet. Es wird in dieser Schrift der aktive Widerstand empfohlen. Die passive Abwehr führe zur Auflösung. — Präs.: Ist den Angeilagten die Schrift bekannt gewesen? — Sämtliche Angeklagten verneinen dte Frage. — Präs.: Wir kommen nun zur Verlesung der Pro- aramms der nationaldemottatischen Partei im russischen Anteil vom Jahre 1897. Es heißt in demselben: Das Programm, das wir verbreiten, ist kein theoretischer Versuch, sondern eine Folge langjähriger Erfahrung. Die Nation sei geeignet, ein unabhängiges politisches Dasein zu führen. Alles, tvas uns dem Ziele der politischen Unabhängigkeit näher bringt, ist gut, alles, was uns davon abbringt, ist schlecht." -Durch populäre Schriften müsse man die politischen Kenntnisse und Lehren in die breiten Massen des Volkes kenntlich machen und vermehren. Für die Volksaufklärung wird weiter der „heilige" Unterricht zum Zwecke der Verbreitung wahrer Volksbildung empfohlen. Jnwie-, weit also die Behörde die Entwickelung der Volkslitteratur hemme, müsse man auf ungesetzlichem Wege für die Verbreitung sorgen. Als Mittel der nationalen Erziehung sind zu pflegen: die polnische Sprache, die Verbreitung der von der Regierung verbotenen Schriften, die vaterländische Geschichte urrd die vaterländische Geographie in ihrer ganzen Ausdehnung. Präs.: (zu Karas): Gehörten Sie dieser Partei an? — Angekl. bbaras: Nein. Ich habe mich nur in wissenschaftlicher Weise mit diesen Schriften beschäftigt. — Präs.: Wie kommt es denn aber, daß vier Exemplare bei Ihnen beschlagnahmt wurden? — Karas: Mlc Sendungen für den Verein gingen durch meine Hände. Ich sollte die Schrift wohl verteilen. — Präs.: Woher bekommen Sie die Seyris- ten? — Angekl.: Ich glaube aus Lemberg. — Präs.:' Auf dem Boden dieser politischen Grundsätze stehen Sie also nicht! Aber durchgelesen haben Sie die Schriften? — Angekl.: Ja. — Präs, (zu Kowalczyk): Gehören Sie der Partei an oder bekennen Sie sich zu deren Grundsätzen? — Kowalczyk: Ich muß gestehen, daß mir das Programm sehr gefällt. Es ist aber russisch und nicht aus unsere Ver-i hältnisse anzuwenden. Bialy: Ich habe von der Broschüre von KommUitonen als Stubent gehört. Selbst gelesen habe ich sie nicht. — Präs.: Bekennen Sie sich nun zu den dort ausgedruckten. Grundsätzen? — Bialy: Dazu gehört entschieden Ueberleg- ung. — Präs.: Bolewski, sind Sie mit den entwickelten Grundsätzen einverstanden? — Bolewski: Ich gehöre keiner polittschen Partei an. Das Programm ist russisch ; ich bin preußischer Unterthan! — Präs.: Sie scheinen sich affo dar-, über nicht auslassen zu wollen. Danach wird der Aufruf der polnischen Nationalliga in polnischer und deutscher Sprache verlesen. Als End- Ziel ihrer polittschen Thätigkeit wird die Unabhängigkeit Polens bezeichnet. — Präs.: Sie ließen sich Aufrufe der Liga schicken? — Bolewski: Ja. Aus Zürich. Ich interessierte mich dafür. Es wird nunmehr die Aussage des polnijchen Schrift^ stellers Obersten Sigismund v. Milkowski zur Verlesung gebracht, v. Milkowski, der geborener Russe ist, bekundet. Gießener Stadttyeater. Das Bild des Signorelli. Schauspiel in 4 Akten von Richard Jaff6. „Das Bild des Signorelli" ist zu Anfang der neunziger Jahre über alle deutschen Bühnen von Bedeutung gegangen und hat damals allenthalben einen durchschlagenden Erfolg errungen. Seitdem hätte man nichts mehr von dem Werke wie von dem Autor, dessen Erstlingswerk es war und dessen einziges Werk es geblieben zu sein scheint. In Kürschners Litteratuttalender findet man seinen Namen weder in diesem, noch in früheren Jahrgängen, und nur Frl. Dr. E. Mensch macht in ihrem „Konoeffationslexikon der Theaterlitteratur" ein paar kurze Bemerkungen über das Stück und seinen Ver- faffer, von dem sie zu berichten weiß, daß er 1861 geboren wurde und in Berlin lebt. In dem Mittelpunkte der tragischen Handlung des Schauspiels steht nicht eine der gewaltigen menschlichen Leidenschaften, sie hat vielmehr einen Gewissenskonflitt zum Gegenstände, einen Konflikt, der sich um die vermeintliche Echtheit eines Gemäldes aus dem italienischen Quattrocento dreht. Was ist uns Hecuba? Und dennoch hat cs Jaffe verstanden, seine Zuhörer für das Schicksal eines den Interessen der Allgemeinheit abgewandten, immatettellen Dingen nachspürenden Spezial- sorschers einzunehmen und in Atem zu erhalten. Denn über dem wenig bedeutend erscheinenden Gegenstände schwebt die Göttin der Wahrheit, die unerbittliche, die den Abtrünnigen mit dem Tode in qualvoller geistiger Umnachtung besttaft. Prof. Waede ist ein anettannter Kunstfoffcher und besonderer Kenner des der umbrisch-florentinischen Schule an- «yehöttgen Malers Luca Signorelli. Er hat sich, da er im Dienste der Wahrheit auch den äußeren praktischen Effolg nicht verachtet, auf das Studium dieses altitalienischen Meisters möglicherweise deshalb vettegt, weil sein Landesherr für die Werke dieses Vorläufers des Michelangelo und Urhebers der berühmten Fresken des „Weltendes" im Dome zu Orvieto eine ausgesprochene Vorliebe besitzt. Sein von der Hochachtung der Well um ihn her verschöntes stilles Foffcherdasein entbehtt bet aller Bescheidenheit der Mittel doch nicht eines gewissen Glanzes, und die Verleihung des Adelsdiploms hebt seine gesellschaftliche Stellung noch mehr. Prof. v. Wäde ist für solche Ehrung nicht unempfindlich, aber es sind doch vornehmlich seine Kinder, für die er diese Standeserhöhung ersehnt hat, zumal sein Sohn Fritz, den in seinem Vaterhause allmählich entstandenen Lebensansichten folgend, Leutnant in einem Reiterregiment geworden ist, der einzige bürgerliche Offizier unter adligen Kameraden. Aber eben dieser Hang für ein „feudales" Auftreten, dem der Untergrund des Reichtums fehlt, wird zum Verhängnis. Um seine bürgerliche Abstammung möglichst vergessen zu machen, treibt Fritz einen alle übertrumpfenden Aufwand. Schon einmal hat der Vater, der ihm bereits eine für seine Verhältnisse viel zu bedeutende Zulage gewähtt, eine größere Schuldsumme begleichen müssen, jetzt handelt es sich um 30000 Mk., die der Sohn im Spiel verloren hat und die er am bestimmten Tage nicht zu bezahlen vermag, da seine Bemühungen, sich das Geld zu verschaffen, fehlgeschlagen sind. Der Kunsthändler Pfeiffer hat dem Leutnant die Summe vorzustrecken versprochen, kann nun aber dieses Versprechen nicht erfüllen, da er den größten Test seines Vermögens und seinen ganzen Kredit für die Erwerbung einer „Kreuzabnahme" von Signorelli in Anspruch genommen hat, in der festen Voraussicht, das Gemälde mit großem Gewinn an den Herzog verkaufen zu können. Nun hat aber Prof. Wäde nach flüchtiger, einmaliger Besichttgung des Bildes seine allerdings noch nicht endgilttge Meinung kundgegeben, daß das Gemälde nicht echt sei. Beharrt er bei seiner Ansicht, so ist Pfeiffer ruiniert; der Geängstigte kann also die 30 000 NU. nicht aus den Händen geben, da sie ihn im Notfälle von dem Bankerott retten sollen. Fritz muß sich in der höchsten Not endlich dem Vater offenbaren, der, wie er sicher voraus wußte, chm freilich nicht zu helfen vermag. Da erscheint Pfeiffer, um das Bild von dem Profeffor genau prüfen zu lassen. Wäde kommt zu der Ueberzeugung, daß seine schon geäußerte Ansicht richtig ist; das Bild ist für ihn zweifellos unecht, und er hat sich eben wieder dahin ausgesprochen, als die Kunde fommt, daß fein Sohn im Begriff stehe, sich das Leben zu nehmen. Schnell enffchlossen bietet der Händler dem Gelehrten für den Fall, daß er feine Ansicht zurückhalten wolle, die Summe, die den Sohn vor dem Verderben rettet. Der Professor weist ihm entrüstet die Thür, aber die dringlichen Bitten seiner Frau und die Not des Augenblickes lassen die Vaterliebe über die Wahrheitsliebe siegen, er nimmt das Geld. Die gesellschaftliche Ehre des Sohnes ist gerettet, die Gewissensehre des Vaters dahin. Von den Furien des Gewissens gepeinigt, irrt er unftät im Hause umher, es treibt ihn, sich seinem älteren Sohn zu offenbaren, den er als Phantasten bisher mißachtet hat, von dessen künstlettschem Scharfblick er aber die Entdeckung seiner Fälschung befürchtet; er sehnt sich nach einem Rat, nach einer Stütze, und immer wieder hält er doch das fragende Wott zurück, das sich auf feine Lippen drängt. Denn noch ist das ärgste nicht überstanden; er muß vor dem Herzog feine Ansicht von dem Bilde abgeben. Sein Sohn Oskar, der Maler, bringt durch liebevolles Entgegenkommen feinen Vater zum Reden und verlangt nun von dem Alten das öffentliche Geständnis der Wahrheit um jeden Preis. Der Professor atmet auf. Allein die Verhandlungen mit dem Kunsthändler scheitern, und Ftttz tritt dazwischen mit feinen Beschwörungen, ihn und die ganze Familie nicht ins Unglück zu stürzen, verdächtigt vor dem Vater feinen Bruder und der Alte giebt fein Votum für die Echtheit des Bildes ab. Aber das Bewußtsein der Schuld martert ihn unablässig. Es zwingt ihn mit unheimlicher Gewalt immer wieder zu dem Gemälde hin. Immer wieder sucht er sich zu überreden, daß es echt sei, immer wieder irrt sein spähender, scheuer Blick zu dem älteren Sohne. Und als ihm das Bild in seine Wohnung gebracht und Philippis. Das Schauspiel hatte in der von Herrn Gerl ach geleiteten Darstellung eine treffliche Stütze seiner Wirkung. Die Hauptrolle, mit der in den beiden letzten Akten das Drama steht und fällt, fand in Herrn Ramseyer einen ganz ausgezeichneten Vertreter. Charakteristisch in der Maske des alten (vielleicht zu greisen) Gelehrten, gab er auch der vervösen Ueberreiztheit der Gewissensangst und des Wahnsums die rechte, durchaus überzeugende und reich, aber nie aufdringlich nuancierte Darstellung, die bei all ihrer großen Wirkungskraft fast durchweg in den Grenzen des Natürlichen sich hielt und über ihr Ziel kaum je hinausschoß. , Er half dem Autor in der Seelenschilderung schonend und erfolgreich nach. Neben dem Professor ist der Leutnant mtt ein paar eindringlichen Strichen charakterisiert; Herr Schneider verhalf ihm zum vollen Ausdruck. Wenn ihm vielleicht dies und jenes an unwiderstehlicher flotter Schneidigkeit, und dann auch an scharfer Draufgängerei mangelte, so liegt das zum größeren Teile am Autor, der es an kleinen leichten, fernen Einzelzügen in der Charakteristik ganz hat fehlen lassen; er gab nichts des Wahnsinns im 4. Akte allzu kraß gegenübergestellt, auch die Besichtigung des Gemäldes während der Todesangst um den über alles geliebten Sohn gehört zu den allzu scharfen, wenn auch mit Raffinement glaublich gemachten Kontrasten des Dramas. Es fallen sehr wenig Sonnenblicke in das Bühnengemälde, und diese wenigen ausschließlich in die erste Hälfte. Von künstlerischem Feinschliff keine Spur, ulnsomehr heattalischer Scharfblick und Härte in der sicheren Konturenzeichnung; viel tönende Phrase von der Verwerflichkeit äußerlicher „Feudalität" ohne inneren Gehalt, von der Sucht unsrer Jugend, mehr zu scheinen als zu sein, mehr in der Oeffentlichkeit vorzustellen, als mit Fleiß und Stolz und ernstlichem Wollen in der Stille zu leisten. Die Moral des Stückes, lieber die Wahrheit zu sagen und sein Gewissen rein zu bewahren, als um der äußeren Lebensverhältnisse der Seinen und seiner selbst willen einen schweren Sündenlohn auf sich zu laden, hat Jaffa allzu dick unterstrichen; er hätte zum mindesten auS dem Schauspiel »Der freie Wille" von Dr. Goldschmidt-Faber in Frankfurt mehr Diskretion lernen können. Die wirkungsvolle, feffelnde und packende ttagische Komödie Jaffes von dem Kunstprofessor, der seinen Geist zuerst verliert und dann aufgiebt, ist nicht die Dichtung eines naturalistischen Kün'tlers, sondern das Werk eines mit findigem Verstände arbettenden Theaterfaiseurs vom Schlage Lindaus sein Stück entlehnt hat. Wie dieser liebt der Autor die starken Gegensätze von Licht und Schatten. Scharfe Glanzlichter erhöhen noch dazu absichtlich den Effekt: der tiefsten Erniedrigung des Mannes, der seine Gesinnung verkauft, wird im 2. Akte das Adelsdiplom, die — übrigens unmotivierte — JrrbeHsier und ine frohe Geselligkeit wird der SchreckenSnacht die Wahlpflicht gelegentttcy der Beratungen über das neue Wahlgesetz zu beantragen. c. _ . . Eine andere Art des Wahlsystems empfehlen die Sozialdemokraten, das Proportionalwahlsyftem. Bonhard weist nun durch Tabellen nach, daß von der Einführung dieses Systemes die Sozialdemokraten allein, und zwar ganz erheblichen Vorteil hätten; statt 56 Abgeordnete hätten sie 97 zu beanspruchen, d. h. plus 41. Ten größten Nachteil davon hätte die regierende Partei, das Zentrum, das 25 Abgeordnete verlieren würde, geringeren Nachteil die Konservativen und Reichspartei (minus 13); die Liberalen würden ihre Zahl ungefähr behaupten. Daraus geht klar hervor, daß ein Reichstag von der Zusammensetzung des deutschen nie dies System einführen wird, wodurch also das ganze Projekt hinfällig wird. Auch andere Gründe führt Bonhard auf, die gegen dieses System sprechen. „Was lehren nun aber die Ergebnisse der Reichstagswahlen?" Die Antwort auf diese Frage giebt Bonyard in einem letzten Kapitel, das von dem Wahlkartell han- )dt, n.nd zwar giebt er die Antwort als Anhänger des jungen politischen Deutschlands, das begeistert abhold deni unfruchtbaren Nörglertum des Linksliberalismus und eind den kulturhemmenden Bestrebungen des Klerikalis- mus, fest auf monarchischem Boden stehend, für die Größe unseres deutschen Volkstums glüht und alle Kräfte zu sammeln bestrebt ist, um sie diesem Ziele zuzuwenden. „Kartell!" heißt also seine Mahnung, und er weist an vielen Fällen die Erfolge eines solchen nach, und welche Erfolge noch zu erwarten wären, wenn dieser Gedanke der Sammlung in seinem ganzen Werte erfaßt wäre. Indem er des Kartellreichstages von 1887 gedenkt, fordert er zunächst und allgemein „ein Kartell aller sich einander nahestehender, regierungsfreundlicher Parteien von der konservativen Partei bis zur freisinnigen Vereinigung"; ferner fordert er „das Zusammengehen aller Konservativen und Liberalen gegen den übermächtig werdenden Klerikalismus; das Zusammengehen aller deutschen Parteien gegen die Polen und Dänen und das Zusammenhalten der Monarchisten gegen die Republikaner." Es endigt also dies Büchlein mit einem Ruf nach Sammlung, nach Zusammenfassung der zersplitterten nationalen Kräfte in unserem Volke, ein Ruf, der schon so oft von den höchsten Stellen, zuletzt von dem kürzlich verstorbenen preußischen Finanzminifter Miquel, gehört wurde, und dem unser Volk leider so ungern folgt. In Bonhards Schrift stützt sich diese Aufforderung auf ein geistvoll bearbeitetes Zahlenmaterial, dessen Logik in der Zusammenstellung sich keiner entziehen kann. Oft vertraut man Zahlen mehr als der höchsten Autorität; so dürfen wir denn hoffen, daß Bonhards Schrift manchen für die Sache der „Sammlung" aller guten politischen Elemente gewinnen wird, der ihr sonst fern geblieben wäre. *). O. A. Mas lehren uns die Ergebnisse der Reichstagömhien? IL Zn den diesen Erörterungen folgenden Paragraphen behandelt der Verfasser den Wechsel im Besitze der Mandate, den Parteiwechsel von Reichstagsabgeordneten, die Stichwahlen, Nachwahlen und Ersatzwahlen, alles interessante Kapttel, die manche gewünschte Aufschlüsse geben. Besonders aber intessiert der Paragraph über die Wahlbeteiligung. Hier wird festgestellt, daß wohl die Wahlbeteiligung seit 1871 allmählich steigend ist, daß sie aber im allgemeinen einen für die politische Reife unseres Volkes beschämend niedrigen Stand hat. Nirgends war 1898 die Wahlbeteiligung stärker als 90 v. H., am stärksten in Lübeck, wo 89,5 v. H., und in Bremen, wo 89,1 v. H- abstimmten; dagegen betrug in 25 Wahlkreisen (darunter Alsfeld-Lauterb ach) die Beteiligung nur 40—50 v. H., in Lippe sogar nur 38 v. H. und in Deggendorf in Bayern 32 ein chalb v. H. (!!) Wahlen mit so niedrigem Hundertsatz der Beteiligung sind eines Volkes mtt den pvlttischen Rechten des deutschen durchaus unwürdig. Wie ist aber einem solchen Mißstände abzuhelfen? Soll man das Wahlrecht abändern? Auf diese Frage antwortet Bonhard mit Recht, daß an eine Aenderung nicht zu denken sei, die dem Volke seine verfassungsmäßige Rechte schmälere. Von diesem Gesichtspunkt aus weist er das Pluralwahlsystem, wie es in Italien und Belgien besbeht, und die Abstimmung nach ^Kurien, d. h. nach Wahlklassen, zurück, dagegen setzt er dem Gedanken der Wahlpflicht wohl gewichtige Bedenken entgegen, empftehlt aber die Einführung und Erprobung im kleineren Kreise der deutschen Landtage. Bekanntlich soll in Hessen das Landtagswahl- syftem geändert werden, und die Nationalliberalen im Landtage sind dem Gedanken näher getreten,, kleinbäuerlichen Interessen versteh! unö vermyr. «re nno rmrgu durchaus germanisiert. Tann scheint der Versasier ar^unehm^, daß ein Reichstagsmandar erlösche, wenn der Inhaber in Konkurs qcratc. Tas ist bekanntlich nicht richtig. Nach der Auffassung der Geschästsordnungskommission, der das Plenum des Reichstags folgte, erlischt das Mandat in einem solchen tfalle nicht ' a ' Anm. der Red. daß die Vereinigung und der Verband keineswegs aus der Nationalliga hervorgegangen sind. Es habe auch nie eine Verbindung zwischen der Vereinigung und dem Verbände einerseits und der Nationalliga andererseits bestanden. Die Liga nimmt überhaupt keine Studenten als Mitglieder auf; denn da chr Unternehmen ein rauhes, schwieriges ist , braucht sie ausgesuchte, beständige Arbeiter, nicht aber Studenten, die ständig ihren Wohnsitz wechseln und von wechselnden Stimmungen beeinflußt werden. Nach kurzer Pause werden die Schriftstücke zur Kenntnis gebracht, die sich auf die Thätigkeit der Vereinigung selbst beziehen, zunächst das Protokoll über den elften Kongreß der Vereinigung der polnischen Jugend im Auslande in Zürich vom 25. bis 27. Dezember 1897, der von 19 Vereinen mit 31 Delegierten und zahlreichen Gästen aus der Schweiz, Deutschland, Galizien und dem russischen Anteil besucht war. Die Organisation hat sich zum Ziel gesteckt, die gesamte polnische Jugend in einem Bündnisse zusammenzuschließen ; die Mitgliederzahl betrug im Jahre 1897 386. Es wurden auf dem Lbongreß auch die Normen für einen Anschluß der Vereinigung an den Verband lebhaft erörtert. Aus Befragen des Vorsitzenden erklären sämtliche Angeklagten, sich an dem Kongreß nicht beteiligt zu haben. Der 12. Kongreß der Vereinigung fand vom 25. bis 28. Dezember 1898 in Genf statt. Von 22 angeschlossenen Vereinen waren 17 mit 24 Delegierten und 33 Stimmen anwesend. Die Schweiz, Frankreich, Deutschland und Galizien, auch die Vereinigung der polnischen Jugend im Lande waren vertreten. Aus dem Kongresse wurde unter anderem eine Ausstellung der polnischen Presse auf der Pariser Weltausstellung 1900 beschlossen. Die Ausstellung sollte eine retrospektive sein,' namentlich sollten sämtliche Schriften von 1798 bis 1898 zur Ausstellung kommen. (That- sächlich, gelangte dieser Beschluß nicht zur Ausführung.) Beigewohnt hat dem Kongreß von den Angeklagten nur Bolewski, der von München aus herübergekommen war, sich aber nur als Gast an den Sitzungen beteiligte. Bolewski hatte auch kurz vorher an dem vom 17. bis 19. Dezember 1898 in München abgehaltenen Verbandskongreß teilge- nommen. Nähere Angaben zu machen, verweigert er. Es tritt eine Pause von dreiviertel 2 bis dpeivierteL 4 Uhr ein. Aus Stadt und Sand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Origmal-Nachrrchten ift nur unter genauer Quellenangabe: „Greß. Anz. gestattet.) Gießen, den 7. November 1901. **AlmosenoderArbeit? Uns war aus der Mitte unseres Leserkreises eine Anregung gekommen (S. Nr. 259 4. Blatt) zur Steuerung der durch den momentanen und so überaus raschen industriellen Rückgang entstandenen und noch weiter entstehenden Not eine Sammlung freiwilliger Gaben zu veranstalten. Dieser Gedanke ist durchaus an- erlennenswert, und daß der freundliche Anonymus rucht nur die Anregung giebt, sondern auch mit der That selbst vorangeht und uns 15 Mk. zur Verfügung gestellt hat, ist ein schönes Zeichen seiner Mildthätigkeit und barmherzigen Gesinnung. So sehr man auch diesem GedankQi eine Sympathie zuneigen muß, so bietet er doch rem Allheilmittel für das soziale Elend. Wir haben bereits in unserem gestrigen Leitartikel die Frage der Arbeitslosigkeit behandelt. Sie wird von Tag zu Tag aktueller. Der Winter steht nicht nur vor der Thüre, sondern hat sogar schon so frühzettig, wie wir es seit lange nicht gehabt haben, mit empfindlicher Morgenkälte eingesetzt. Stellte geht uns aus Frankfurt folgende Nachricht zu: In den letzten Wochen mehren sich in erschreckender Weise die Arbeitslosen. Besonders sind es junge Leute, die vom Lande hierher kommen, um Arbeit zu suchen, aber vergebens. So wurde z. B. am 4. d. M. an den Konstablerwache ein Arbeiter aus Vilbel, mit Namen Wentervth, von einem Schutzmann in hilflosem Zustande aufgegriffen. W. gab an, daß er vergeblich Arbeit gesucht und seit drei Tagen nichts gegessen habe. Mit allen bisherigen Maßregeln ist die Arbeitsloftgk«t, die auf den verschiedensten Gebieten zu Tage tritt, nicht aus der Welt geschafft. Sie ist zu groß und allgemein. Auch kann ein solches Hebel durch Almosen, und wenn die Gaben auch noch so reichlich fließen, doch nur in aller- bescheidenstem Maße gelindert werden. So gut der Vorschlag unseres freundlichen Lesers gemeint ist, durchschlagend kann er nicht wirken. Das, was allein helfen kann, sind Notstandsarbeiten, ein altes Mittel, das schon so oft geholfen und der bitteren Not erfolgreich entgegengewirkt hat. Unsere Arbeiter wollen keine Almosen, sondern Arbeit, Gelegenheit, sich selbst mit eigenen Mitteln und aus eigener Kraft über die schwierige Zett hinüberzuhelfen. Eine wie große Ausdehnung die Arbetts- lo igkeit bei uns in Gießen angenommen hat, läßt sich zur 3-i: noch nicht übwsehen. Jedenfalls aber ist es dringend notwendig, nach dem Vorbitde verschiedener Städte rote München, Nürnberg, Mannheim, Danzig u. a-, daß auch Gießen, die Stadt, die in sozialer Fürsorge wohl an der Spitze der hessischen Städte marschiert, in der jetzigen, den Arbeiterstand betroffenen schweren Zeit nicht zurück- bleibt, sondern helfend einschreitet, und zwar weniger in Unterstützungen, als besonders in Schaffung von Arbeitsgelegenheit. Es erscheint auch für die StadtväterGießens als dringende Pflicht, Erwägungen darüber anzustellen, wie in Gießen selbst die Not gehemmt werden könnte. Vor. gesehene Arbeiten, soweit sie in der jetzigen Zeit ausführbar sind, sollten schleunigst in Angriff genommen werden. Heber andere, für spätere Zett hinausgeschobene Unternehmungen sollten Beratungen gepflogen werden, ob ihre Inangriffnahme und weitere Durchführung nicht bewerkstelligt weiden könnte. Auch weniger dringende und notwendige Arbeiten könnten erwogen und unternommen werden. Hier zeigt sich u. E- ein durchgreifenderes und wirksameres Mittel zur Hebung von Not und Elend, als das borge- schlagene der Sammlung müder Beiträge. Annahme von Geldgaben sind immer demüttgend, dagegen schließen Arbeit und Verdienst ein sittliches Moment in sich. Und wenn mehr als den festen Umriß der Gestatt. Immerhin ist dieser mißratene Sprößling eines bedeutenden Vaters doch wohl von Grund aus anders, leichtblütiger, oberflächliche, anzulegen, als es Herr Sch. that. Frl.. Br and au war für die muntere, verzogene Käthe, die anfangs in Backsisch-- albereien förmlich schwelgt, eine liebenswürdige Vertreterin. In der schwierigen und am wenigsten scharf gezeichneter Partie des ziemlich abftraften bescheidenen Wahrheit^ Helden Oskar stand Herr Gerlach mit Würdt seinen Mann. Schließlich hat der Autor in den beider Brüdern nicht viel mehr als Theaterpuppen gegeben, uni wahre Menschen daraus zu machen ist ein Ding geringer Möglichkeit. Die Figur des Kunsthändlers, die nur nach dew Urteil des Autors kein Betrüger ist, fand durch Herrn Leß. mann, wohl dem Nachfolger des Herrn di Giorgi, dir durchaus notwendige sehr delikate Behandlung. Herr L. übtt mit beträchtlicher Geschicklichkeit die größte Vorsicht. Er zeigte in diskretester Weise seine verhaltene Leidenschaft, du Wärme, mit der er für die Echtheit seines Bildes eintrat war durchaus taktvoll und von höchster Zurückhaltung, unfc seine schließliche Entschuldigungsvisite mit großer Feinheit angelegt. Die ziemlich unklare Ella — sie liebt den sittlich kraftlosen Fritz und verehtt den braven Oskar, der sie wieder liebt — und die übrigen flüchttg umriffenen Personen wurde» von den Damen Hohenfels und Kruse und den Herrer Zoder und Sandor mtt mehr oder weniger gutem Gelingen gegeben. Namenüich die beiden Damen waren gan, „Theater"; sie sind auch dem Autor gründlich mißlungen Das Stück übte auf die im leider sehr schlecht geheizte» Hause sehr spärlich Erschienenen — hat denn unser Publckun noch immer nicht gemerkt, daß unsere Theatergesellschast iv diesem Jahre die des vorigen um ein ganz Außerordentliches überragt ? — einen mächtig fesselnden Eindruck aus, der gleichwohl weniger tief als stark sich erwies. P. W. Dresden, 6. Nvv- Dem Meßthaler-Ensemble war s. Zt- in Leipzig die Ausführung von Gerhard Hauptmanns „Webern" wie von Tolstois „Macht der Finsternis" untersagt worden. Direktor Meßthale» beschritt gegenüber dieser polizeilichen Verfügung den Klageweg. Während „Die Macht der Finsternis" bereits rm Sommer vom Oberverwaltungsgericht freigegeben wurde und hier aufgeführt worden ist, ist heute vom Oberverwab tungsgericht bezüglich der „Weber" das gleiche (Srfenntntf ergangen." Auch dieses Stück ist zur Aufführung wird zur Abfassung eines Memorandums für den Herzog, da verfällt er, gepeinigt von dem Anblick, in tobenden Wahnsinn. In roilber Raserei durchsticht er das Bild, das ihn zum Verräter an der Wahrheit gemacht, das sein Leben vernichtet hat. Ein schneller Tod befrett den geistig und körperlich Gebrochenen von den Qualen seines schuldbefleckten Daseins. Die Fabel ist ebenso glücklich erfunden, als geschickt ausgesponnen und sorgfältig zusammengefügt. Gegen die Folgerichtigkeit der Vorgänge läßt sich schlechterdings kaum etwas einwenden. In den ersten beiden Akten wird die Handlung mit ebenso viel Sicherheit wie Wirkungskraft ausgebaut. Dann aber folgt im 3. Aki eine neue Exposition, die den vorwärtsdrängenden Gang der Ereignisse aufhält und zugleich das Farniliengemälde der ersten Hälfte des Dramas von dem Charaktergemälde der zweiten Hälfte deutlich scheidet. Denn in dieser handelt es sich fast nur um die Hauptperson, alles andere tritt in den Hintergrund. In den beiden letzten Akten bringen nur die Schlußszenen einen Fortgang der Handlung. Was zwischen ihnen und dem Vorausgegangenen liegt, ersehen wir mehr aus den Aeußerungen der Nebenstehenden. Was uns vor Augen geführt wttd, sind mehr die äußeren Symptome als das Wesen, mehr die Spuren, die der Kampf hinterläßt, als der Seelenkampf selbst. Das Interesse, das uns die Hauptsigur in den letzten Akten einflößi, ist mehr pathologffcher als psychologischer Art, und die Wirkung geht in allzu einseitiger Richtung mehr auf die Nerven als auf das Herz. Hier zeigt sich der Autor selbst auf dem Wege der Unwahrheit, weil er wahllos in seinen Mitteln ist, er zeigt die theatralische Mache Felix Philippis, hat auch manches Sudermann abgegueft. Er richtet mehr auf die Schale, als auf den Kern seine Aufmerksamkeit, und auch die Schale zeigt Künstelei, keine Kunst. Die Schil- derung des Milieus entbehrt allen poetischen Stimmungsreizes, die Leute da oben, vornehmlich der Maler Oskar, reden Leitartikel, aber nicht wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, ihre Sprache ist geschraubt, unecht wie das Pfeiffersche Bild. Jaffö erinnert an den Maler, von dem er den Namen für •) Wir haben diese schätzenswerte Zuschrift aus unserem Leserkreise unverändert roiebergegeben, obwohl wir ihr keineswegs in allen Punkten zustimmen. Der Zusammenschluß verivandter Parteien vor der Wahl wird sich in der von Bonhard angegebenen Weise nur in besonderen Fällen ausführen lassen. In den verschiedenen Wahlkreisen sind die Verhältnisse verschieden, und es wird z. B. hier ein Kartell von Konservativen und Zentrum gegen den Linksliberalismus, dort ein Zilsammenthun von Zentrum und Freisinn gegen die Konservativen, an anderen Orten das Zusammengehen vom Bunde der Landwirte und Zentrum gegen Freisinn oder Links- Nationalliberale, ein andermal von Demokraten und Linksliberalismus gegen das Zentrum re. re. als prakisch eriveisen. Ob ein Kartell zweckmäßig sei, ist jedenfalls eine Frage, die nur von Fall zu Fall beantwortet werden kann. Kartelle haben unter Hmstäliden die bedenkliche Wirkung, daß sie das Interesse an der Wahl abschwächen. Selbstverständlich ist auch das nicht immer der Fall, muß aber bei einer grundsätzlichen Betrachtung der Kartellfrage mehr berücksichtigt werden, als es vom Verfasser geschehen ist. Zum Schlüsse mögen noch zwei Kleinigkeiten er= mahnt werden, die irrtümlich zu sein scheinen. Der Verfasser rechnet die Littauer zu den Partikularisten. Das ist sachlich nicht richtig. Die littauischen Reichstagsabgeordneten sind durchaus nicht Partikularisten in dem parteitechnischen Sinne, sondern wurden mit Recht bald den liberalen, bald den konservativen Gruppen zugerechnet. Die Littauer denken nicht daran, itgenb welche Sonder- beftrebungen zu verfolgen. Sie wollen nur einen Reichstagsvertreter haben, der aus ihrem Volke hervorgegangen ist und ihre die Arbeitslosigkeit auch keine so große Dimension amtimmt, so müssen doch schon überaus reichliche Gaben fließen, um auch nur der größten Not zu steuern. Durch reichliche Arbeitsgelegenheit wäre zugleich beiden Teilen geholfen, den Arbeitern wie der Stadl, deren Armenbudget ohnehin nicht klein ist. — Auch noch auf eine andere Fürsorge für die Arbeiter bei dem gegcnlvärtigen Notstände werden wir von geschätzter Seite aufmerksam gemacht. Der Arbeiter ist versichert gegen Krankheit, Invalidität und für das Alter, eine Versicherung gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit tennt man bislang noch nicht. Daß eine solche gut angebracht wäre, manche Tbräne trocknen und viel Kummer ersticken könnte, wer wollte es im jetzigen Augenblick leugnen? Wenn auch schon viel soziale Arbeit bei uns gethan ist, wir sehen, es bleibt noch genug zu thun übrig. Wie ganz anders können gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit versicherte Arbeiter industrielle Niedergänge überwinden! Die niedrigen Beiträge zur Zeit der Hochkonjunktur würden niemandem zur Last fallen. Und wenn in schweren Zeiten der Staat noch eine Leistung müßte zuschießen, so wäre auch das noch aufzubringen und — der Sozialdemokratie wäre wieder ein Stein des Anstoßes aus dem Wege geräumt. "ReligionsgeschichtlicheVorträge. In dem bekannten Luftkurort Davos wird Ende dieses Monats eine herrlich gelegene und vorzüglich eingerichtete deutsche Heilstätte für unbemittelte Lungenkranke zunächst mit 80 Betten eröffnet werden. Die Anstalt steht unter Leitung des deutschen Vizekonsuls. Hauptarzt ist der preußische Stabsarzt a. D- Dr. Br ecke; die Pflege ruht in den Händen von Schwestern aus der von Pastor v. Bodel- schwingh gegründeten westfälischen Tiakonissenanstalt Bethel bei Bielefeld. Leider fehlen noch die letzten Zehntausende zur Bestreitung der Inneneinrichtung. — Zur Förderung dieses gemeinnützigen Zweckes hat sich Professor Holtzmann entschlossen, im Laufe dieses Winters sechs religionsgeschichtlich,e Vorträge öffentlich zu halten, deren Reinertrag nach Davos fließen soll. Die Themata werden sein: Israel und die Propheten; das jüdische Gesetz; das Jahrhundert Jesu Christi; Jesus Christus; die Eroberung. der Welt durch die Kirche; das Evangelium und die Konfessionen. Die Vorträge werden im Konfirmandensaal der Johanneskirche abends von 8 bis 9 Uhr stattfinden und wahrscheinlich Freitag, 15. November ihren Anfang nehmen. Eine Liste wird nicht zirkulieren. Die Preise sind möglichst niedrig gestellt, um im Interesse der Sache eine Beteiligung recht vieler zu ermöglichen. Wegen alles Weiteren verweisen wir auf die demnächst in diesem Blatt erfolgenden Anzeigen. wpl. Aus dem Dekanat Gießen. Dieser Tage wurde in der Johanneskirche hier die Synode des Dekanats Gießen abgehalten, zum ersten Mal unter dem Vorsitz des im vorigen Jahre neu erwählten Dekans, Pfarrers Strack von Leihgestern. Im Eröffnungsgottesdienst predigte Pfarrer Haacke von Steinbach über die Frage des Herrn: Hast du Mich lieb? (Joh. 21, 15—19.) Zu Beginn der Verhandlungen, die tm Konfirmaudensaal stattfanden, verlas Dekan Strack den Bescheid des Gr. Oberkonsistoriums auf die vorjährige Synode und der Dekanstellvertreter, Pfarrer Dr. Naumann, den sehr ausführlichen Rechenschaftsbericht des Dekanatsausschusses über das Jahr 1900. Dann erstatteten die beiden Synodalvertreter für innere Mission kurzen Bericht: Pfarrer Schwabe von Rödgen über den Stand der Landkrankenpflege und Pfarrer Weber von Lang-Göns über die ersten Schritte des von der vorjährigen Synode geschaffenen „Erziehungsbeirats", durch den die Synode der in § 70, Pos. 2 der Kirchenverfassung ihr auferlegten Pflicht der Fürsorge für die verwahrloste Jugend nachkommen will. Für den verstorbenen Bürgermeister Geißler von Lollar wurde dessen seitheriger Stellvertreter, Bürgermeister Krämer von Steinbach, zum ordentlichen und Bürgermeister Krailing von Heuchelheim zum stellvertretenden Mitglied des Ausschusses gewählt. Nachdem die Synode nach dem Voranschlag der Dekanatskasse für 1902—5 die Genehmigung erteilt, der Wahl des weltlichen Abgeordneten der Pfarrei Kirchberg jedoch wegen eines erheblichen Formfehlens die Genehmigung versagt hatte, trugen Pfarrer Schwabe das Referat und Fabrikant Schm all von hier das Korreferat vor über die Frage: Wie soll eine christliche Gemeinde für die aus dem Gefängnis Entlassenen sorgen? Beide Vorträge, von denen der erste in gründlicher Stoffbeherrschung mehr die Pflicht, der zweite aus eigenen Erlebnissen heraus mehr die Schwierigkeit ihrer Ausübung betonte, zeugten von warmem Eifer für eine Aufgabe, von deren Lösung Kirche, Staat und Volksleben gleichmäßig berührt werden. In zwei deutschen Staaten hat die Kirche allein die Fürsorge für die Entlassenen, und man fährt dort gut mit dieser Einrichtung. Auf die Vorträge folgte eine kurze Besprechung, wobei die Synode als solche den Wunsch aussprach, der in unserem Großherzogtum bestehende Verein für entlassene Sträflinge möchte sich einer rascheren Geschäftsführung befleißigen. Leider konnte, da die Zeit schon weit vorgeschritten war, die Sorge für die Entlassenen einer erschöpfenden Beratung nicht mehr unterzogen werden. Diese soll nächstes Jahr erfolgen. ** Die Werningschen Kriegsfestspiele erfreuen sich fortgesetzt des regsten Besuches. Äe Nachfrage nach Eintrittskarten ist auch für die kommenden Vorstellungen sehr groß, sodaß wir denen, die sie noch besuchen wollen, nur raten können, sich rechtzeitig einen Platz zu sichern. Wie uns von dem Festausschuß mitgeteilt wird, findet eine Vermehrung der Spieltage nicht statt. Daß die Aufführungen den Zuschauern gefallen, zeigt der starke Beifall, der allen Bildern zu Teil wird. Uno man muß in der That sagen, „alles klappt jetzt vorzüglich". Kaum ist der Vorhang gefallen, so giebt ein Glockenzcigen das Signal für das nächste Bild und der Deklamator beginnt mit dem Vortrag des begleitenden Textes. Ter Abänderung des Schlußbildes können wir nur zustimmen. Jetzt ist es im ganzen Saal gut sichtbar und wirkt prächtig. st. Butzbach, 6. Nov. Gestern abend brachte der Gesangverein „Orpheus" seinem treuen Freunde und An- hänger Msermeister Grüninger, der das Fest der silbernen Hochzeit mit seiner Ehegattin feierte, ein schönes, aus drei Liedern bestehendes Ständchen. Danach gratulierte der Vorstand den Jubilaren in herzlicher Weise. — Schon seit einiger Zeit grassieren hier die ja an und für sich ziemlich harmlosen Masern. Doch kommen jetzt auch hartnäckige Fälle dieser Krankheit vor. 8 Hausen b. Butzbach, 6. Nov. In dem zur angrenzenden Gemarkung Oes gehörenden Walde fand man heute verschiedene, anscheinend von einem kleinen Kind herrührende innere Körperteile. Aus Weisung der von dem unheimlichen Fund benachrichtigten Gerichtsbehörde wurden die Körperteile nach unserem Gemeindehause in vorläufigen Verwahr gebracht. r. E b e r st a d t, 6. Nov. Seit einigen Wochen wurden hier Vermessungsarbeiten betr. Neubaus einer Straße von Eberstadt nach Grüningen vorgenommen, die jetzt beendigt sind. Mit dem Bau dieser Straße würden die Wünsche Vieler befriedigt werden. — Auch ist, wie verlautet, für die kommenden Jahre der Bau einer Wasserleitung geplant. ? A l t e n st a d t, 6. Nov. Für die Bürgermeisterwahl fanden hier bereits zwei Wahlgänge statt. Gegen die letzte Wahl wurde nun von der unterlegenen Partei Reklamation eingelegt. Man hat deshalb schon umfangreiche Erhebungen angestellt. Bei einem heute hier durch Kreisamtmann Dr- N eid h ar d t-Büdingen abgehaltenen Termin wurde eine große Anzahl Zeugen vernommen. Viel Unfriede ist in unserer sonst ruhigen Gemeinde erwachsen. Es ist zu wünschen, daß der besonnene Teil der Gemeinde das ©einige dazu beiträgt, daß dieser Zwist bald weicht. Gerichtssaal. D a r m st a d t, 6. Nov. Die Strafkammer verhandelte am Montag gegen eine Reihe Geschäftsführer und Aufsichtsratsmitglieder der Rheinischen Zucker farik, G. m. b. H. in Gernsheim, wegen Verfehlung gegen 'das Reichsstrafgesetz, das Gesetz, betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht, welches noch! sehr wenig bekannt zu sein scheint, und gegen die Konkursordnung. Angeklagt sind Andreas Frieß von Kitzingen, wohnhaft in Gernsheim, anfangs kaufmännischer Direktor, Friedrich Karl Hofmann, Bernhard Hofmann, Adam Meckerte von da, Georg Nungesser von Pfungstadt, Ludwig Fischer von Gernsheim, Georg Friedrich Allendörfer von Klein-Rohr- heim, Karl Werger von Worms, Jakob Krebel 2. von Gernsheim, Val. Dolger von Biblis, Gg. Weitzel von Gernsheim, Valentin Esselbach von da und Jakob Voltz von Biebesheim, daß sie am 4. Nov. 1896 als Mitglieder einer Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht, der Rheinischen Zuckerfabrik in Gernsheim, behufs Eintragung der Gesellschafter in das Handelsregister des Amtsgerichts Gernsheim hinsichtlich der Einzahlungen auf die Stammeinlagen wissentlich falsche Angaben gemacht haben, indem sie die Versicherung abgaben, daß das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß der Leistungen bewirkt und sich in freier Verfügung der Geschäftsführer befinde, obwohl tbatsachlich! nichts bezahlt war, Johann Mengler 5. außerdem, daß er dasselbe gethan und weiter am 4. Sept. 1899. als Geschäftsführer behufs Eintragung der Erhöhung beS Stammkapitals die Versicherung abgegeben habe, daß die Einzahlung erfolgt sei, und der Betrag sich in freiet Verfügung der Geschäftsführer.befinde, daß er ferner die Geschäftsbücher der stonfur» gewordenen Gesellschaft so unordentlich habe führen lassen, daß eine Uebersrcht über den Vermögensstand unmöglich war, und daß er nicht die vorgeschriebene Bilanzzicyung veranlaßte. Mengler und Friedrich Ruppert von Gernsheim sind angeklagt, als Geschäftsführer, letzterer ist der technische, es unterlassen zu haben, dem Gesetz entsprechend im Jahre 1899 ober 1900 das förmliche Konkursverfahren über das Vermögen der Gesellschaft einleiten zu lassen. Jean Roth, der Direktor der Malzfabrik, und Landwirt Karl Heinrich Lau- mann, die wesentlich bei der Sache beteiligt waren, sind zeitig flüchtig gegangen. Tie Angeklagten erklären sämtlich, daß ihnen von Roth erklärt worden sei, sie hätten 50 Prozent ihrer Zeichnung auj Anfordern zu zahlen, der Rest bleibe stehen, im Termin am Amtsgericht sei zuerst die Feststellung der Beteiligung erfolgt und das Stammkapital mit im ganzen 250 000 Mk. angesetzt worden. Von der Versicherung, die ihnen vorgeworfen werde, hätten sie keine Ahnung gehabt. Der Vertrag sei von einem' Rechtsanwalt entworfen worden, daher habe man angenommen, daß alles in Ordnung sei. Daß die Geschäfte nicht gut gingen, sei richtig, man habe aber stets auf Besserung gehofft. Die Beweisaufnahme war für die Angeklagten sehr günstig. Es wurde feftgestellt, daß der im Termin dem Protokoll zu Grunde gelegte Vertragsentwurf des Rechtsanwalts Dr. Reiß hier noch ein Stammkapital von 1 Mill. Mark vorsah. Dieses war nicht sestzuhalten, nachdem Freiherr v. Heyl die Beteiligung ablehnte. Man faßte dann zuerst einhalb und schließlich eine Viertel-Million ins Auge. Die Anteile betrugen zwischen 5000 bis 50 000 Mk.; besonders verstand es Roth für das Interesse die fragliche Gegend zu begeistern. Nach dem Gesetz sind nur die Geschäftsführer, nicht alle Mitglieder verpflichtet, die Versicherung, welche den Angeklagten als wissentlich falsch vorgehalten wird, abzu- geben, der Entwurf .des Anwalts sah solches auch vor, versehentlich wurden jedoch alle „Erschienenen" im gerichtlichen Protokoll als Abgeber der Erklärung bezeichnet. Geschäftsführer waren aber nur Mergler und der flüchtige Laumann. Noch am 23. Januar hoffte man, einen Konkurs zu vermeiden, und eine außergerichtliche Ordnung der Sache herbeizuführen, erst als die Unmöglichkeit, dies zu thun, sich erwies, wurde, der Gesetzesvorschrift genügend, der Konkurs angemeldet. Die Verhandlung dauerte, bis spät am Abend fort. Heute nachmittag wurde das Urteil verkündet. Es lautet auf Freisprechung, nur gegen den ehemaligen Geschäftsführer Mergler wurde wegen einfachen Bankerottes auf eine Geldstrafe von 200 Mk. erkannt- Thorn, 5. Nov. Wegen des in der Neujahrsnacht am Erbbegräbnisse des Rittergutsbesitzers v. Wolff zu Gronowo verübten Einbruchsdiebstahls, wobei 11 Särge, zum Teil verlötete, gewaltsam geöffnet, deren Inhalt durchwühlt und von den Leichen zwei wertvolle Ringe entwendet wurden, verurteitte die Strafkammer den Slrbeiter Theophil Blanczewski aus Gramischen zu 8 Jahren, den Arbeiter Johann Kwiatkowski zu 4 Jahren Zuchthaus, den 16jähriaen Sohn des letzteren, Ludwig, au 5 Monaten Gefängnis. Tie Ehefrau des Blanczewski, welche oer Anstiftung zum Einbruch beschuldigt wird, erschien nicht im Termin und ent- l erbte sich durch einen Schnitt durch die Kehle kurz vor der Verhaftung durch die Gendarmen. Handel und Verkehr. Uollrswirlschast. Märkte. Limburg a.d. Lahn, 6. Skovember. Fruchtmarkt (Durchschnittspreis pro Malter.) Rother Weizen 13,81 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10,17 Mk., Gerste 8,96 Mk., Hafer 7,10 Mk., Erbsen —All. Seid. Bluse m. «s sbN schwarz, weiß u. farbig von 95 Pf. bis Mk. 18.65 p. Met. Absolut kein Zoll za zahlen! da die portofreie Zusendung der Stoffe durch meine Seidenfabrik auf deutschem Grenzgebiet erfolgt. Nur echt, wenn direkt von mir bezogen! Muster umgehend, ti. Henne berg, Seidenfabrikant (K. u. K. Hoflief.), Zürich. 6890 Bekanntmachung. Nach einer Mitteilung Großh. Bezirkskaffe Gießen II können die diesjährigen Holz- uni) Grasgelder bis zum 25. d. Mts. noch ohne Kosten an genannte Kasse berichtigt werden. Wir bringen dies zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 5. November 1901. 7296 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Aus der Minna Kcil-Bogt-Stiftung sind für das Jahr 1901 drei Gaben von je 70 Mark an orei in Gießen wohnhafte, würdige und bedürftige Handwerksmeister oder deren Witwen, evangel. Konfession, zu vergeben. Bewerbungen haben bis längstens 30. November d. I. bei der uitterzeichneten Behörde — Zimmer Nr. 2 — zu geschehen. Gießen, den 4. November 1901. 7310 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ________I. V.: Wolfs.__________________ Bekanntmachung. Die fälligen Holz- und Grasgeldcr können in den nächsten 14 Tugen noch ohne Kosten bezahlt werden. Zahltage nur vormittags neu 8 bis 12 Wr. Gießen, den 6. November 1901. Stadtkaffe Gießen. Toepfer. 7308 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Beuern für das Jahr 1902,03 liegt vom 9. d. Mts. an acht Tage lang zur Einsicht der Beteiligten auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Beuern, den 6. November 1901. Großh. Bürgermeisterei Beuern. Otvo. 7302 Vorkehrungen gegen das Mitten der Hans-Wasserleitnngen. Unter Hinweis auf die „Bestimmungen über Anlage der Haus- wasferleitungen zu Gießen" machen wir darauf aufmerksam, daß, um dem Einfrieren des Wassers in den Hauswafferleitungcn bei eiutreteudcr Kälte vorzubeugeu, es erforderlich ist, die Hauswasserleitungen des Abends für die Dauer der Nacht au entleeren. Dies geschieht dadurch, daß zuerst der vor dem Wasser- messer befindliche Hauptabsperrhahn geschlossen und dann das seitlich desselben besindliche Entleerungshähnchen, nachdem ein passendes Gefäß untergestellt, geöffnet wird und dies so lange geöffnet gehalten wird, bis das in der Hausleittmg stehende Wasser vollständig abgelaufen ist, worauf bezeichnetes Hähnchen wieder geschlossen iDirb. Um eine vollständige Entleerung zu erwirken, ist es geboten, während derselben das in dem obersten Stockwerk des Hauses befindliche Zapfventil der Hausleitung offen zu halten, damit die Lust Zutritt in die Leitung erhalte. — Ein größerer Teil des Wassers kann auch schon durch das Zapfventil der untersten Küche entleert werden, wodurch die Entleerung im Keller vereinfacht wird. — Nach stattgehabter Entleerung sind die beiden Zapfventile, welche dem Eintritt der Lust und der Entleerung des Wassers dienten, wieder zu schließen. Das Schließen des Hauptabsperrhahncs erfolgt durch Aufsetzen des beiaegebenen Schlüssels auf den vierkantigen Hahnzapfen uno Drehung im Sinne eines Uhrzeigers bis Widerstand erfolgt. — Das Oeffueu des Haupt- absperrhahucs geschieht durch Drehung in entgegengesetztem Sinne, bis Widerstand erfolgt Behufs Wasserentnahme muß oes Morgens der Hauptabsperrhahn wieder vollständig geöffnet werden. Abzweigleitungen nach Waschküchen, Badezimmern, Hofräumen, Gärten ufw. sind während des Winters mittelst ihrer besonderen Vorrichtungen auf ähnliche Weise zu entleeren und erteilt hierüber im Besonderen am besten derjenige Installateur Auskunft, welcher die betreffende Leitung gefertigt hat Bei anhaltender außerordentlicher Kälte empfiehlt es sich, die WasserenMahme auch während des Tageö auf kürzere festgesetzte Zeit zn beschränken und während der übrigen Tageszeit die Hauswasser- leitungen gleichfalls in oben angegebener Weise abzustellen. Dem Einfrieren folcher Wasserleitungen, welche durch Küchen unbenutzter Wohnungen geführt sind, kann man durch Unterhaltung eines kleinen perbfeuers vorbeugen. Auch empfiehlt es sich, in kalte» Klosett- ober sonstigen ungeheizten Räumen, durch weiche die Wasserleitung führt, sofern daselbst die Leitung nicht schon durch eine Umhüllung gegen Kälte geschützt ist, die Temperatur durch ein Oeschen ober geeigneten Falls etwa durch eine Gasflamme auf genügender Höhe zu erhatteii. Sehr lall stehende, insbesondere auch abgestellte und vorübergehend nicht in Gebrauch besindliche Klosetts (wie in Vereins-- häusern usw.) werden durch Einstreuen von etwas Salz (Viehsalz) in das Schlußwasser des Syphons (Wasserabschlusses) gegen Ausfrieren der Schüsseln geschützt Die Waffermefser nebst dem nächstanschließenden Teil der Rohrleitung sind während des Winters mit Stroh, Säcken oder ähnlichen Schutzmitteln gegen Kälte zu umkleiden, auch namentlich die betr. Kellerfenster geschlossen zu hatten. — Die Herstellung aller Waffermcffer, die in Folge ungenügenden Schutzes gegen Kälte Schaden erleiden, erfolgt auf Rechnung der Hausbesitzer. Durch die empkohlenen Vorkehrungen wird dem Wafferabnehmer die Lieferung des Wassers möglichst gewährleistet, dem Hausbesitzer aber werden Beschädigungen an Leitung und Gebäude fern gehalten. Wir curpfchlen daher vorstehende Vorsichtsmaßregeln allen Beteiligte» zur ganz besonderen Beachtung. Reparaturen und Anschauung von Hauswasserleitungen werden am schnellsten von denjenigen Jnstallationsaefchästen besorgt, welche die betr. Hauswasserleitungen s. Zt. ausgesuhrt haben. Gießen, den 6. November 1901. Städtisches Gas- und Wafferwerk Gießen. Otto Bergen. 7309 Einen großen Aosten Normal-Unterkleider verkaufe zu enorm öUkigen Freisen. J. Kaan jr., am Kreuz. Cigarren. Carl Schneidei Giessen, Marktplatz 5. 6551 Cigarren. Spezialität: Vorstenlanden - Madai - Cigarre Detailpreis pro Stück 6 Pfg. Bei gr08^ ■ Preisermässigung. "KW XXX Zahlreiche sonstige empfehlenswerte Sorten in jeder Preislage. XXX Mtvurgrr! In wenigen Tagen werden die Wahlen zur Stadtverordneten-Versammlung stattfinden. Geleitet von der Ueberzeugung, daß das Einzelinteresse zurückzustehen hat gegenüber den Interessen der Allgemeinheit, haben auch diesesmal die unterzeichneten Vereine sich aus eine gemeinsame Vorschlagsliste geeinigt, und schlagen hierdurch folgende Herren zur Wahl als Stadtverordnete vor: Carl, Stadtverordneter. Emmelms, Louis, Stadtverordneter. Flett, Louis, Stadtverordneter. Gaffkj, Professor Dr., Stadtverordneter. Helfrich, Friedrich, Stadtverordneter. Huhn, Ludwig, Stadtverordneter. Jann, Carl, Reatgymnafiattehrer. Metz, ugB, Rechtsanwalt. Orbig, Carl, Stadtverordneter. Schaffstaedt, Heinrich, Fabrikant. Schmal!, Emil, Stadtverordneter. Bei der Aufstellung dieser Kandidaten waren beide Vereine nur geleitet von dem Wunsche, der gesamten Bürgerschaft zu dienen, und mancher andere Vorschlag mußte auf beiden Seiten zurückgestellt werden. ITheater-Merein. 2. Vorstellung: Mittwoch den 13, d. Mts.: Der Biberpelz. Eine Diebeakomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Gast: Carl William Büller. Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende 10y, Uhr. Tageskarten za den bekannten Preisen bei Ernst Challler (am Neue-iweg) und abends an der Kasse.__7806 MelniiW KckgsUpiklr. Zum Besten armer Veteranen, deren Witwen nnö Waisen. BiS zum 10. November täglich Aufführung des Festspiels Der deutsch-franz. Krieg 1870(71. Anfang 8 Uhr. Sonntag, 10. Nov. 7 Uhr. Außerdem Nachmittagsvorstellungen: Samstag, 9. Nov., 4 Uhr, Sonntag, 10. Nov. 3*/2 Uhr. Das Mhere besagen die MaKate. ?so4 J. fifl. Schulhof Frische Fluß- und Seefische. Telephon 119. Prompter Versand nach auswärts. Giln’s Mars-Oel nniiöeckMie JWriizniernngsinasse zur Koniernierunz von 6672 Der, Sfliulimtrli unb GeHirren. Fabrikant: Karl Äilg, Hoflieferant, in Groß-Lichterfelde. Lieferant für die deutsche Armee und Marine. Zu haben bei: August Obinger, Sattler, __________________Seltersweg 19.__________________ Dr. Brehmers Wir richten daher nun an alle Kreise unserer Mitbürger, welche ein Zusammengehen der liberalen bürgerlichen Parteien für nützlich und ersprieslich halten, das dringende Ersuchen, auch ihrerseits etwaige Einzelwünsche zurücktreten zu laffeu und mit Entschiedenheit einzutreten für die Wahl genannter Herren. Gießen, den 6. November 1901. 7290 D» JorJtanb des stkistmM Nelkins. Der Dnrßnüd dks mtimllibmlen Vereins. Stadtverordneten-Wahl! Nachdem nunmehr von den beiden liberalen Parteien die Kandidatenliste aufgestellt ist, kann man nicht gut verstehen- wie man sich im gemeinschaftlichen Zusammengehen einen erhofften Erfolg versprechen kann, wenn man bei der Zusammenstellung der Personenliste außer den 8 ausgeschiedenen Stadtverordneten nicht derer vornweg gedenkt, welche bei der letzten Stadtverordnetenwahl mit der höchsten Stimmenzahl von den nicht gewählten Kandidaten aus der Wahlurne hervorgingen. Als solche sind mit vollem Recht die Herren WnlMln Helm nm Mktzrmkißcr Pirr 3U bezeichnen; Männer, die aus dem Volk hervorgegangen und sich der größten Sympathien der Gießener Bürgerschaft zu erfreuen haben. Einsender dieses hoffen, daß die nunmehr aus der Bürgerschaft aufzustellenden StünbibatcnUften sich nicht speziell an politische Anschauungen anklammern, sondern solche Manner aus der Bürgerschaft aufstellen, welche selbständigen Beruf haben, von Niemanden abhängig sind und von denen man überzeugt ist, daß sie selbständig denken, ihre Gedanken auch zum Ausdruck bringen können und in der Bürgerschaft ihre Thätigkeit bereits erprobt haben. Von diesem Gesichtspunkte aus sollte man sich bei Aufstellung der Kandidatenliste leiten laßen. 7316 Mehrere Wähler. Cacao / Emil \ Fischbach Giessen. Backzuthaten k in bekannter beeter A Qualität hervorragend in Qualität, per Pfd. Mk. 1,30; bei 5 Pfd. ä Mk. 1,20, ferner Mk. 1,80, 2,00, 2,40 u. 2,60 per Pfd. empfiehlt 7192 Fr. Leo Nchf. C. Herber, Teltersweg 58. wellberilhmte Heilanstalt iiir Lungenkranke Görbersdorf in Schlesien, Chefarzt: 7196 Geheimrat Petri, früher Brehmers langjähriger Assistent. Vorzüglichste Winterkuren. 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